Der ehemalige Verteidigungsminister der Ukraine, Mykhailo Fedorov, hat eine besondere Ansprache gehalten, die man als Beginn seiner politischen Karriere in unpolitischen Zeiten betrachten kann. Der ehemalige Regierungsvertreter selbst hatte versprochen, mit öffentlichen Erklärungen aufzutreten, sobald deutlich werde, dass der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, nicht beabsichtigt, ihn für das Amt des Verteidigungsministers vorzuschlagen.
Obwohl die Teilnehmer der Proteste, die die Rückkehr Fedorovs ins Verteidigungsministerium forderten, gewisse Erwartungen mit einer solchen Rückkehr verbanden, war seit dem Tag des Rücktritts der Regierung von Julija Swyrydenko klar, dass der Präsident der Ukraine keine Schritte unternehmen würde, die tatsächlich Voraussetzungen für eine Rückkehr Mykhailo Fedorovs in das Amt des Verteidigungsministers der Ukraine schaffen könnten. Schon deshalb, weil die Situation mit dem Rücktritt der Regierung und der Nichtnominierung Fedorovs für das Amt des Verteidigungsministers ganz offensichtlich nicht darauf hindeutete, dass der Präsident den Forderungen der Protestteilnehmer nachgeben und seine bisherigen Personalpläne ändern würde. Zumal es für das Staatsoberhaupt selbst, wie wir sehen, nicht grundsätzlich entscheidend war, wer das Verteidigungsministerium leiten würde. Er gab seine frühere Absicht, den inzwischen ehemaligen Innenminister zum Minister zu ernennen, ziemlich schnell auf und stimmte sogar dem Rücktritt des Oberbefehlshabers der Streitkräfte zu.
Entscheidend war in dieser Situation ausschließlich seine Entscheidung, Mykhailo Fedorov aus der ukrainischen Staatsführung zu entfernen. Und der 19. August wird damit zum Tag der endgültigen Trennung Präsident Zelenskys von seinem ehemaligen Minister. Ein erstaunliches Datum. Denn genau am 19. August 1991 begannen die Ereignisse, die letztlich zum Zusammenbruch der Sowjetunion und zur Unabhängigkeitserklärung der Ukraine führten – der Putsch des Staatskomitees für den Ausnahmezustand (GKTSchP). Und nun finden praktisch an denselben Augusttagen, nur im Jahr 2026, auch im politischen Leben der Ukraine reale Ereignisse statt.
Doch erneut stellt sich die Frage: Welche Alternativen sieht Mykhailo Fedorov selbst für sich unter Bedingungen, in denen er aus dem engsten Kreis der Mitstreiter Volodymyr Zelenskys gestrichen wurde, was unter den Bedingungen, die sich in der Ukraine nach den Wahlen von 2019 herausgebildet haben, faktisch bedeutet, von der Teilnahme an Politik und Staatsführung ausgeschlossen zu sein. Der ehemalige Verteidigungsminister spricht von der Notwendigkeit, Wahlen abzuhalten. Es ist offensichtlich, dass Wahlen in einem demokratischen Staat notwendig sind. Und offensichtlich hat Mykhailo Fedorov recht, wenn er sagt, dass nicht Putin darüber zu bestimmen hat, ob es in der Ukraine Wahlen geben wird oder nicht.
Aber ehrlich gesagt entscheidet diese Frage nicht Putin. Diese Frage entscheidet der Krieg selbst, das Kriegsrecht. Putin ist der Urheber dieses Krieges und ein Mensch, der bereit ist, ihn so lange fortzusetzen, wie Russland über Ressourcen verfügt. Die Wahlen selbst finden jedoch gerade deshalb nicht statt, weil im Land das Kriegsrecht gilt, das es nicht erlaubt, bestimmte rechtliche Entscheidungen zu treffen.
Wenn wir über Wahlen als Instrument des Machtwechsels und der Erneuerung der Staatsführung sprechen, müssen wir zunächst fragen, wie diese Wahlen aussehen sollen und wen wir wählen werden. Das Parlament? Nun, hier gibt es ein direktes verfassungsrechtliches Verbot. Um das ukrainische Parlament neu zu wählen, sind entsprechende Änderungen der Verfassung notwendig, bestimmte rechtliche Entscheidungen sind erforderlich. Wenn wir von Verfassungsänderungen sprechen, ist eine Abstimmung in zwei getrennten Sitzungsperioden der Werchowna Rada der Ukraine notwendig. Und diese Entscheidung muss vom ukrainischen Verfassungsgericht gebilligt werden. Außerdem besteht ein direktes Verbot, die Verfassung während des Kriegsrechts zu ändern. Wie all diese rechtlichen Mechanismen umgangen werden sollen, weiß ich, ehrlich gesagt, nicht. Man kann natürlich die Verfassung und das Recht missachten, aber dann stellt sich die Frage, wie legitim und rechtsschöpferisch in seinem Handeln ein Parlament sein wird, das entgegen dem geltenden Grundgesetz gewählt wird.
Präsidentschaftswahlen können unter den Bedingungen des Kriegsrechts durchgeführt werden, wiederum wenn bestimmte Gesetze geändert werden und man dafür über die notwendige Zahl von Stimmen im Parlament verfügt. Präsidentschaftswahlen erscheinen in dieser Situation aus rechtlicher Sicht realistischer als Wahlen der Abgeordneten der Werchowna Rada. Stellen wir uns jedoch vor, dass solche Präsidentschaftswahlen tatsächlich stattgefunden haben und das neue Staatsoberhaupt für unbestimmte Zeit unter den Bedingungen einer parlamentarisch-präsidentiellen Republik mit einem Parlament arbeiten muss, in dem es keine Mehrheit besitzt und das im Rahmen jener Mehrheit von Abgeordneten funktionieren wird, die über die Listen von Zelenskys Partei, der Partei Diener des Volkes, gewählt wurden. Nun, wir verstehen, dass selbst wenn ein solcher Präsident in diesem Parlament Abgeordnete findet, die bereit sind, persönlich mit ihm zusammenzuarbeiten, er dennoch ein schwacher Präsident sein wird, der gezwungen sein wird, Kompromisse mit der alten Parlamentsmehrheit zu suchen. Und das wäre während der Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges eine politische Krisensituation.
Aber selbst wenn man all diese rechtlichen Fragen umgeht, kann sich eine weitere Frage stellen: Wie sollen die Wahlen selbst durchgeführt werden? Denn Wahlen werden nicht um der Wahlen willen durchgeführt, sondern um des Volkswillens willen, damit jeder Bürger der Ukraine, der daran interessiert ist, seine Meinung äußern kann.
In Kürze werden in der Russischen Föderation Wahlen zur Staatsduma stattfinden. Und wir verstehen sehr gut, dass dies ausschließlich eine Wahldekoration ist, dass die Bürger Russlands, die an dieser Abstimmung teilnehmen, keinerlei Möglichkeit haben, ihre wirkliche Meinung darüber zu äußern, was in ihrem Land geschieht. Zu den Wahlen sind nur jene Parteien zugelassen, die vom Kreml gebilligt wurden. Der Kreml kontrolliert den Medienraum vollständig. Jede Äußerung von Ansichten, die von der Weltsicht des Präsidenten der Russischen Föderation und seiner Mitstreiter abweichen, führt zu schweren Gerichtsurteilen und langjährigen Haftstrafen, wie wir es buchstäblich vor wenigen Tagen vor unseren Augen erlebt haben, als der stellvertretende Vorsitzende der Partei Jabloko und Journalist Lew Schlosberg zu elf Jahren Haft verurteilt wurde. Und das, obwohl er bereit war, nach den politischen Regeln des russischen Systems zu arbeiten, sich aber für ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges aussprach, während Präsident Putin für dessen offensichtliche Fortsetzung eintritt.
Und hier stellt sich eine Frage, die sich jeder klarmachen muss. Wie wettbewerbsfähig ist das politische System in der Ukraine heute? Sie wissen sehr gut, dass der ukrainische Staat das Fernsehen vollständig kontrolliert, also die Vorstellung von der Welt bei Dutzenden Millionen Menschen. Der Telemarathon genießt vielleicht kein Vertrauen, besitzt aber ein Informationsmonopol. Unabhängige Fernsehsender wurden entgegen der in unserem Land geltenden Gesetzgebung bereits 2022 aus dem digitalen Rundfunk ausgeschlossen, und niemand hat die Absicht, sie dorthin zurückzubringen. Auf unseren Frequenzen sendet weiterhin der Telemarathon.
Eine enorme Zahl von Menschen hat überhaupt keine Ahnung, wie die Ereignisse im Land tatsächlich verlaufen. Eine weitere enorme Zahl von Menschen bezieht ihre Informationen aus Telegram-Kanälen, von denen eine riesige Zahl entweder von der amtierenden Staatsführung oder von mit ihr verbundenen Clans oder von Russen geschaffen und kontrolliert wird, die sich als Kanäle ausgeben, die mit der ukrainischen Staatsführung verbunden sind. Mykhailo Fedorov hat die zerstörerische Kraft dieser Kanäle aus eigener politischer Erfahrung kennengelernt, als sich plötzlich herausstellte, dass gegen ihn eine Propagandakampagne von enormem Ausmaß entfaltet werden kann.
Die nächste Frage. Selbst wenn wir uns vorstellen, dass die Staatsführung einer Wiederherstellung des Informationspluralismus im Land zustimmt, obwohl völlig unklar ist, welche Instrumente sie dazu bewegen könnten, dies zu tun: die Organisation der Abstimmung. Wie soll die Abstimmung ukrainischer Soldaten durchgeführt werden, die sich an der Kontaktlinie mit der russischen Armee befinden? Dabei verstehen wir, dass es nicht zu den Plänen der Russen gehört, den Krieg zu beenden.
Viele werden sagen: „Wir brauchen doch nur einen einzigen Wahltag.“ Nein. Ich wiederhole noch einmal: Eine Abstimmung ist dann wichtig, wenn sie unter echten Wettbewerbsbedingungen stattfindet. Eine Abstimmung ohne echte politische Konkurrenz bedeutet, dass ein Mensch keinen Zugang zu Informationen über die Kandidaten hat. Schon die oligarchische Kontrolle über Fernsehsender, die wir im für das Land schwierigen Jahr 2019 beobachteten, führte dazu, dass ein großer Teil unserer Landsleute nicht für einen Menschen, sondern für die Figur aus einer Fernsehserie stimmte. Stellen Sie sich eine Abstimmung unter den heutigen Bedingungen vor. Dann würde eine Art kollektive Olja Poljakowa unser Präsident werden.
Der nächste Punkt. Die Abstimmung von Millionen ukrainischer Flüchtlinge, die sich in einer riesigen Zahl von Ländern befinden, in denen außerhalb der ukrainischen Konsulate keine entsprechenden Möglichkeiten zur Stimmabgabe organisiert sind. Auch das ist eine enorme Frage.
Also: Wettbewerb, Organisation, rechtliche Grundlagen, das Fehlen normaler Medienarbeit und schließlich das Fehlen von Geld im Staatshaushalt. All das sind Fragen, die jeder beantworten muss, der nicht nur Parolen über die Notwendigkeit von Wahlen und eines Machtwechsels verkünden, sondern ernsthaft über die Notwendigkeit von Wahlen in Kriegszeiten nachdenken will.
Zugleich habe ich überhaupt nicht vor, die einfache Tatsache zu bestreiten, dass das System der Staatsführung der Ukraine verbessert und neu aufgestellt werden muss. Aber eine solche Verbesserung und Neuaufstellung war bereits seit 2019 notwendig. Die Bürger der Ukraine, darunter sowohl diejenigen, die für Volodymyr Zelensky gestimmt haben, als auch diejenigen, die das Projekt Volodymyr Zelensky geschaffen haben, Menschen wie Mykhailo Fedorov, müssen begreifen, dass dieses System nicht funktioniert.
Mykhailo Fedorov war Minister in einem nicht funktionierenden System und schuf ein nicht funktionierendes, ineffizientes System. Für die Schaffung dieses Systems trägt der ehemalige Verteidigungsminister genauso Verantwortung wie der amtierende Präsident der Ukraine, weil alle Mitglieder dieses Kreises gleichermaßen für die Schaffung eines Systems verantwortlich sind, das nicht funktioniert.
Dass eine enorme Zahl von Menschen dies 2026 erkannt hat, bedeutet nicht, dass es früher funktioniert hat. Es bedeutet vielmehr, dass sie blind waren, Menschen, die in ihrem eigenen Land mit geschlossenen, fest geschlossenen Augen lebten. Wenn sie weiterhin mit diesen fest geschlossenen Augen leben, laufen sie Gefahr, als Blinde dorthin zu gelangen, wo Augen nicht gebraucht werden, weil dort völlige Finsternis herrscht. Ich werde diesen Ort nicht noch vor der Nacht benennen, schließlich erzählen wir hier kein Abendmärchen.
Eine weitere wichtige These des ehemaligen Ministers war also der Kampf gegen Korruption. Auch ich bin der Ansicht, dass die ukrainische Gesellschaft in Kriegszeiten ein Recht auf einen intensiveren Kampf gegen Korruption hat, insbesondere in den Bereichen militärische Beschaffung und Rüstungsindustrie. Wir verstehen sehr gut, dass es unmöglich sein wird, die Korruption in einer Gesellschaft wie der ukrainischen auch in vielen weiteren schweren Jahrzehnten dieses Kampfes vollständig zu besiegen. Und ich habe immer gesagt: Wenn die Ukrainer in einer nicht korrupten Gesellschaft leben wollen, beginnt diese für sie jenseits der Grenzen der Ukraine, aber nicht in unserem Staat.
Das bedeutet jedoch keineswegs, dass man die Korruption nicht bekämpfen muss. Wenn Sie wissen, dass Sie sich von einer unheilbaren Krankheit, die Ihren Organismus auffrisst, niemals vollständig erholen werden, werden Sie doch zumindest bestimmte Schritte unternehmen, um länger zu leben. Vielleicht nicht so lange, wie Sie ohne diese Krankheit leben würden, aber länger, als wenn Sie sich überhaupt nicht behandeln lassen. Genau in diesem Zustand befindet sich die Ukraine. Die Korruption ist faktisch eine Krebserkrankung, aber es gibt Chancen, länger zu leben, wenn man sie ständig bekämpft, insbesondere während des Krieges.
Doch hier stellt sich eine Frage. Über Korruption spricht ein Mensch, der in den vergangenen sieben Jahren einer der führenden Minister und engsten Mitstreiter des amtierenden Präsidenten der Ukraine war. Hat dieser Mensch tatsächlich erst von der Korruption erfahren, als er Verteidigungsminister der Ukraine wurde? Oder waren Korruptionsmissbräuche in seinem Umfeld bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ein bequemes Instrument, um Teil des Establishments zu bleiben? Und erst im Amt des Verteidigungsministers erkannte dieser Mensch, dass dieses bequeme Instrument in Wirklichkeit für die weitere Existenz des ukrainischen Staates und die Arbeit des Verteidigungsministeriums zerstörerisch ist. Eine gute Frage, eine ausgezeichnete Frage. Doch bis heute haben wir von Mykhailo Fedorov weder Namen noch Bezeichnungen gehört und keine Schritte gesehen, die mit diesem Kampf gegen Korruption verbunden wären.
Und ich habe den ernsten Verdacht, dass eher Antikorruptionsbehörden wie das Staatliche Ermittlungsbüro beim ehemaligen Minister vorstellig werden, der sich in ihren Augen plötzlich als eingefleischter Korrupter erweisen wird, als dass er selbst reale Schritte im Kampf gegen die Korruption unternimmt. Denn um reale Schritte zu unternehmen, müsste er mit allem brechen, was ihn zu Mykhailo Fedorov gemacht hat, also mit Volodymyr Zelensky und dem engsten Umfeld des amtierenden ukrainischen Präsidenten, Informationen liefern, die für die Existenz der gegenwärtigen ukrainischen Staatsführung selbst sehr gefährlich sein könnten, nicht zu einem Gegner, sondern zu einem echten Feind dieser Staatsführung werden, den sie mit juristischen Mechanismen zu beseitigen versuchen würde.
Dass die ukrainische Staatsführung bereit ist, juristische Mechanismen im Kampf gegen jeden ihrer Gegner einzusetzen und Informationskanäle zu schließen, auf denen Informationen verbreitet werden, die ihr nicht gefallen, wissen wir beispielsweise schon anhand des Schicksals des jüngsten Interviews von Jurij Luzenko mit Boryslaw Beresa, das ukrainische YouTube-Nutzer nicht sehen konnten, weil der Kanal von Boryslaw Beresa auf dem Territorium der Ukraine im Zusammenhang mit Sanktionen gegen den ehemaligen Abgeordneten gesperrt wurde.
Ich denke, im Verhältnis zu einem ehemaligen Minister, den man als Verräter des bestehenden Teams betrachten wird, könnten noch wesentlich ernstere, härtere und schärfere Entscheidungen getroffen werden. Wenn man also davon ausgeht, dass Mykhailo Fedorov lediglich eine politische Absichtserklärung abgegeben und den Beginn seiner politischen Karriere verkündet hat, die enden könnte, bevor sie überhaupt begonnen hat, weil in den kommenden Jahren möglicherweise schlicht keine Wahlen stattfinden werden und in diesen Jahren für die Ukrainer neue Helden auftauchen können, dann wird natürlich nichts geschehen. Wenn Mykhailo Fedorov aber zeigt, dass er handeln und nicht nur reden wird, werden die Folgen nicht lange auf sich warten lassen. Auch das muss man verstehen, wenn wir über sein weiteres Schicksal sprechen.
Nun werden natürlich alle fragen: Was soll man tatsächlich tun? Wenn wir sehr gut verstehen, dass die Parolen über Wahlen durch keinerlei politische oder juristische Praxis gestützt werden und der Kampf gegen Korruption durch keinerlei Namen, wie kann man dann die Staatsführung aus dem Zustand der Selbstgewissheit und der endgültigen Zementierung des personalistischen Regimes herausführen, das infolge der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen von 2019 in der Ukraine entstanden ist? Wie kann man der Staatsführung helfen, effizienter zu werden, wenn gerade die Jahre der schwersten Prüfungen in der Geschichte der Ukraine und ihres Volkes seit Jahrhunderten beginnen? Denn es geht darum, ob das ukrainische Volk fortbestehen wird oder ob von ihm nur eine Erinnerung in Lehrbüchern übrig bleibt.
Ich habe bereits mehrfach gesagt, dass man nicht denken darf, Wahlen seien der einzige Weg zur Gesundung des Staatsorganismus. Nein. Der Weg zur Gesundung des Staatsorganismus ist die politische Eigenständigkeit des Parlaments. Verstehen Sie? Wir haben ein Parlament ohne politische Eigenständigkeit. Von Mut und Verantwortungsbewusstsein der Bürger der Ukraine, die in diesem Parlament sitzen, hängt die Effizienz der Staatsführung ab. Verstehen Sie das denn nicht?
Wir hatten zur Zeit von Viktor Janukowytsch ein praktisch nicht eigenständig handelndes Parlament. Es war ein Parlament ohne politische Eigenständigkeit. Nur die Oppositionellen darin, die Abgeordneten von Batkiwschtschyna, UDAR und Swoboda, vertraten die Interessen ihrer Wähler. Alle übrigen Interessen wurden von Abgeordneten vertreten, die den Willen eines einzigen Menschen verkörperten – Viktor Janukowytsch. Doch vor dem Hintergrund des Maidan wurde dieses Parlament politisch eigenständig und traf sogar die Entscheidung, Janukowytsch aus dem Amt des Präsidenten zu entfernen und eine Regierung zu bilden, die man als echte Regierung der nationalen Einheit und des Wandels unter Arsenij Jazenjuk bezeichnen konnte, eine historische Regierung der Ukraine, die das Land aus der schwersten Krise seiner Geschichte führte – aus einer finanziellen, wirtschaftlichen Krise, aus der Krise des Zerfalls des Staates unter den Bedingungen seiner Ausplünderung durch Janukowytsch und seine Bande.
Wir hatten ein völlig nicht eigenständig handelndes Parlament, das bei den letzten Wahlen in der Ukrainischen SSR gewählt worden war. Politisch eigenständig waren dort nur die Abgeordneten, die sich im Volksrat zusammengeschlossen hatten. Doch vor 35 Jahren wurde dieses Parlament politisch eigenständig, als es zunächst 1990 für die Erklärung über die staatliche Souveränität der Ukraine und 1991 für den Akt der staatlichen Unabhängigkeit der Ukraine stimmte. Für dieses Dokument stimmten Vertreter der kommunistischen, antiukrainischen Gruppe 239, die die antiukrainische, volksfeindliche Parteinomenklatura von Banditen repräsentierten, die im Parlament existierten, um die ukrainische nationale Idee zu zerstören. Natürlich nicht alle, aber die Mehrheit. Der Vorsitzende dieser Kommunistischen Partei, Stanislaw Hurenko, unterstützte das GKTSchP, widersetzte sich bis zuletzt der Idee der ukrainischen Unabhängigkeit und stimmte nur deshalb für sie, weil dies die Entscheidung der kommunistischen Fraktion war. Und dennoch: politische Eigenständigkeit wurde erlangt.
Das heutige Parlament hat eine wesentlich weniger schwierige Aufgabe. Zelensky ist nicht Janukowytsch. Die Diener des Volkes sind nicht jene „Diener des Volkes“, die es 1991 gab, zumindest sind sie keine Kommunisten. Von diesen Menschen werden menschliche Verantwortung und ukrainische Verantwortung verlangt. Sie und nicht der Präsident können die Regierung bilden und ernennen. Sie können gegen die Kandidaten des Präsidenten für die Ämter des Verteidigungs- oder Außenministers stimmen, wenn sie ihnen nicht gefallen, und das Staatsoberhaupt auf diese Weise zwingen, Kandidaten vorzuschlagen, die vom Parlament gebilligt werden. Nicht der Präsident, sondern die Abgeordneten können all diese Entscheidungen treffen, verstehen Sie? Und aus irgendeinem Grund spricht niemand darüber.
Stellen wir uns vor, wir wählen ein neues Parlament aus denselben Menschen ohne politische Eigenständigkeit. Denn in dieser Situation haben wir auch einen Wähler ohne politische Eigenständigkeit. Ein nicht eigenständiger Wähler wählt einen nicht eigenständigen Abgeordneten. Und was soll sich dadurch ändern? Auf eine Enttäuschung folgt einfach die nächste. Deshalb ist die politische Eigenständigkeit des Parlaments der erste Schritt zur Gesundung der ukrainischen Staatsführung. Das Interesse der Parlamentarier, zumindest der Regierungspartei, an den Angelegenheiten des Staates und nicht daran, was man ihnen im Präsidialamt sagt, ist der erste Schritt zur Gesundung der Exekutive, der Regierung und des Präsidialamtes. Die reale Arbeit der Abgeordneten an den Personalfehlern des Präsidialamtes ist der Weg zur Gesundung der Staatsführung. Dafür muss man keine Wahlen durchführen. Genau das möchte ich erklären.
Und wenn es das nicht gibt, helfen auch keine Wahlen. Denn dann wird wieder irgendein führerzentriertes Projekt geschaffen, dessen Vertreter im Parlament anonyme, einfache Menschen sein werden, genauso wie diejenigen, die für sie stimmen, und wir werden weiter auf diesen Zerfall zugehen, wie wir es jetzt tun. Als ich 2022 sagte, dass eine wirkliche Veränderung der Situation hinsichtlich der Staatsführung in der Schaffung einer Regierung der nationalen Einheit bestehen müsse, als ich sagte, Populismus und Unprofessionalität bräuchten eine Injektion von Staatlichkeit – wie viele Idioten haben damals über mich gelacht? Jetzt haben sich ihnen plötzlich die Augen geöffnet, sie haben auf einmal etwas gesehen. Zu spät. Das hätte man sofort verstehen müssen.
Jetzt sagt meiner Ansicht nach sogar Poroschenko völlig folgerichtig, dass wir nicht eine Regierung der nationalen Einheit brauchen, sondern eine Regierung der nationalen Rettung. Doch ohne das Parlament wird auch eine solche Regierung nicht entstehen. Das ist jetzt keine Frage von Parteiinteressen. Es ist eine Frage der Notwendigkeit, der Logik, der Personalentscheidungen und der Suche nach starken Menschen, die den Herausforderungen standhalten könnten, vor denen die Ukraine in den kommenden Kriegsjahren stehen wird.
Die Menschen müssen sich klar sagen: „Nein, in den kommenden Jahren ist kein Ende des Krieges zu erwarten. Nein, diplomatische Bemühungen werden null Ergebnis bringen. Nein, Zelensky verfügt über keine Instrumente, Putin zum Ende des Krieges zu zwingen. Nein, Trump verfügt ebenfalls über keine solchen Instrumente. Nichts davon gibt es und hat es je gegeben.“ Also muss man durchhalten, Russland hinsichtlich seiner wirtschaftlichen und militärischen Möglichkeiten zerschlagen. Zumindest, wenn wir von der Rüstungsindustrie sprechen.
Es muss eine Regierung der nationalen Rettung geschaffen werden, es muss eine qualifizierte Führung des Landes geschaffen werden, die uns helfen kann, sowohl den schweren Winter 2026/2027 als auch den schweren Winter 2027/2028 und, wenn nötig, den schweren Winter 2028/2029 zu überstehen. In all diesen Kriegsjahren, wenn sie tatsächlich so lange dauern, muss man mit einer kompetenten Staatsführung überleben. Die politische Eigenständigkeit des Parlaments ist die Antwort auf die Frage.
Ich versuche nicht einmal, an die Professionalität dieser Abgeordneten zu appellieren, denn ich weiß, dass 90 Prozent von ihnen keinerlei Professionalität besitzen und dass ihr unprofessioneller, nicht verantwortungsbewusster Wähler sie gerade deshalb gewählt hat, weil sie keinerlei Professionalität besitzen. Ich appelliere an ihr Gewissen. Viele ihrer Wähler haben ein Gewissen, haben Gewissensgefühl, auch wenn sie keine Gewissensbisse haben. Nun, dann sollen sie welche bekommen.
Und wenn es uns gelingt, den Staat in den kommenden Jahren des Kampfes und der schweren Prüfungen zu bewahren, wenn es uns gelingt, Russland keine weiteren Teile unseres Territoriums zu überlassen, und wenn es uns gelingt, dafür zu sorgen, dass jene Gebiete, die nicht von Russland kontrolliert werden, nicht zu Ruinen ukrainischen Lebens werden, dann wird Mykhailo Fedorov natürlich an Wahlen im Rahmen eines neuen politischen Projekts teilnehmen können, das eine Antwort auf all jene Fragen sein wird, die er gestellt hat.
Bis dahin kann man hoffen, dass der ehemalige Regierungsvertreter den Strafverfolgungsbehörden doch noch von seinen Verdachtsmomenten hinsichtlich korrupter Machenschaften seiner Mitstreiter in der Staatsführung und im Verteidigungssektor berichtet. Das würde man von dem jungen ehemaligen Minister sehr gerne hören, wie Sie verstehen.
Ich werde einige Fragen beantworten, die während dieser Sendung gestellt wurden.
Frage. Inwieweit kann man von den heutigen jungen Demonstranten sagen, dass sie verstehen, wofür und wogegen sie eigentlich protestieren? Fehlt ihnen nicht ein klares Verständnis ihres Ziels?
Portnikov. Viele Menschen, die heute auf die Straße gehen, sind Menschen der Zelensky-Ära. Vergessen Sie nicht, dass unter ihnen sehr viele junge Menschen sind, die in einem, sagen wir, bewussten Alter keinen anderen Präsidenten mehr gekannt haben. So wie heute in Russland praktisch die gesamte Jugend eine Jugend der Putin-Ära ist und in Belarus die Jugend eine Jugend der Lukaschenko-Ära ist – und inzwischen längst nicht mehr nur die Jugend, wie Sie verstehen. So beginnt in der Ukraine eine Zeit, in der die gesamte Jugend eine Jugend der Zelensky-Ära ist. Und da sie unter Bedingungen einer personalistischen Staatsführung aufgewachsen sind, in der alle Fragen im Land von einer einzigen Person entschieden werden, lernen sie, dass es weder Parlament noch Regierung noch politische Konkurrenz gibt. Sie nehmen den politischen Prozess als einen Prozess der Kommunikation der Gesellschaft mit dem Monarchen wahr. Faktisch ist der Präsident für sie eine Art Zar, was es bei uns noch nie gegeben hat. Das ist ein russisches und postsowjetisches Führungssystem, das auf ukrainischen Boden übertragen wurde. Wenn auch nur vorübergehend, so ist es dennoch so.
Und natürlich appellieren sie gerade an den Präsidenten. Es kommt ihnen nicht einmal in den Sinn, dass ein Parlament existiert, dass man sich mit Forderungen an die Parlamentarier wenden müsste. Dass man den Parlamentariern sagen kann: „Stimmt nicht für einen anderen Verteidigungsminister. Zwingt Zelensky, unseren geliebten Fedorov vorzuschlagen.“ Das tun sie doch nicht, oder? Weil sie nicht verstehen, was Demokratie ist. Dass Demokratie nicht darin besteht, dass Menschen mit Pappschildern unter die Fenster des Zaren ziehen, sondern dass Demokratie die systematische Arbeit von Institutionen ist.
Das sind Menschen, die von einer Ära der Alleinherrschaft geprägt sind. Nicht einmal zu Kutschmas Zeiten gab es eine solche Epoche, denn es gab Parlamente, interne Konflikte im Parlament und so weiter und so fort. Aber dies ist nun einmal eine solche Zeit, die zudem mit einem langen Krieg verbunden ist. Diese Menschen werden während des Krieges und der Zelensky-Ära geprägt.
Doch mit jedem neuen Tag dieser Proteste, und noch dazu vor dem Hintergrund, dass diese Proteste von ihrem Hauptverursacher praktisch ignoriert werden, der sich kein einziges Mal mit den Demonstranten getroffen hat, offensichtlich weil er die Beziehungen zum Präsidenten und dessen Team nicht verschärfen will, kann man sagen, dass ihre Forderungen sich immer stärker systemischen Forderungen annähern. Ein junger Mensch entwickelt sich. Das ist wichtig. Wenn wir also sagen, dass sie etwas nicht verstehen, müssen wir zugleich daran denken, dass sie es bald verstehen werden.
Solange Fedorov nicht die Namen der Korrupten nennt, wird es auch kein Vertrauen in ihn geben. Es ist offensichtlich, dass er dort vieles weiß, gesehen und gehört hat. Aber wenn er schweigt, wie soll man ihm dann vertrauen? Natürlich weiß Fedorov fast alles. Zweifeln Sie nicht daran. Er war einer der Schlüsselvertreter des engsten Umfelds des amtierenden Staatsoberhaupts. Praktisch kein Minister hat sich so viele Jahre im Amt gehalten wie Fedorov, der sein Amt in Zelenskys erster Regierung antrat und es bis zum letzten Tag innehatte und den Ukrainern bereits 2019 ein Ausmaß an Veränderungen versprach, über das er heute nicht mehr spricht. Natürlich kann man einem Menschen, der nur über allgemeine Prozesse spricht und keine Namen nennt, nicht vertrauen, solange er nicht konkret wird. Wir können über allgemeine Prozesse sprechen, weil wir keinen Zugang zu jenen Informationen haben, über die der ehemalige Vizepremier und Verteidigungsminister offensichtlich verfügte.
Frage. Sind Wahlen während des Krieges angesichts des offensichtlichen Verfalls des politischen Systems der Ukraine vielleicht doch nicht die schlechteste Wahl?
Portnikov. Nun, ich habe Ihnen meine Vorbehalte bereits erklärt. Ich halte Wahlen während des Krieges lediglich für einen weiteren Schritt in Richtung eines weiteren Verfalls dieses politischen Systems. Ich glaube nicht an nicht wettbewerbliche Wahlen. Ich glaube nicht an Wahlen als Zeremonie. Ich habe sehr oft Wahlen Systemen ohne echten politischen Wettbewerb journalistisch begleitet. Ich erinnere mich daran, wie sich Systeme verändern, wenn die Möglichkeit echten Wettbewerbs entsteht. Und ich weiß ganz genau, dass Wahlen in einem Systemen ohne politischen Wettbewerb nicht zu Erneuerung, sondern zum Zusammenbruch führen. Das soll, meiner Ansicht nach, jeder verstehen. Es reicht also nicht, dass etwas Wahlen genannt wird. Sie müssen sich vielmehr die einfache Frage beantworten, ob unter den Bedingungen, in denen wir uns befinden, freie Wahlen durchgeführt werden können.
Frage. Sieht Südkorea derzeit nicht wie ein Land aus, das sich verzweifelt an die letzten Strohhalme klammert, um weiter überleben zu können? Denn sein Friedensangebot gerade jetzt ist sicher kein Zufall.
Portnikov. Nun, das gehört eher zu einem anderen Thema, aber ich beantworte Ihnen diese Frage. Ich denke, in Südkorea versteht man sehr gut, dass die Vereinigten Staaten durch Donald Trumps abenteuerliche Handlungen und die mangelnde Vorbereitung des amerikanischen Militärs auf einen Krieg am Persischen Golf die Luftverteidigung dieses Landes faktisch entblößt haben. Und man versteht, dass ein Krieg auf der koreanischen Halbinsel – ein schrecklicher Krieg mit unglaublichen Folgen für die ganze Welt – jederzeit beginnen kann.
Zugleich muss ich Sie daran erinnern, dass die Führung Südkoreas sehr häufig mit Friedensappellen an Pjöngjang herangetreten ist, insbesondere wenn dort die Macht von Konservativen auf eher linksliberale Kräfte überging. Genau ein solcher Wechsel findet derzeit in Südkorea statt. Präsidenten linksliberaler Ausrichtung haben immer versucht, Wege zu einer Verständigung mit Pjöngjang zu finden. Inwieweit ihnen das jetzt gelingen wird, ist eine gute Frage. Aber die Situation ist natürlich schlecht.
Frage. Gibt es eine Möglichkeit, den Präsidenten ohne Wahlen zu ersetzen? Vielleicht könnte er eine Erklärung schreiben und freiwillig zurücktreten, zuvor müsste man aber vermutlich den Vorsitzenden der Werchowna Rada neu wählen.
Portnikov. Nun, erneut möchte ich Ihnen eine ziemlich einfache Sache erklären. Der Präsident kann selbst zurücktreten. Dafür muss er erstens der Ansicht sein, dass er kein Vertrauen des Volkes mehr besitzt. Ein solches Vertrauen besteht aber, wie sämtliche Umfragen zeigen, weiterhin: Die Mehrheit der Ukrainer vertraut dem Präsidenten nach wie vor. Wenn wir in eine Situation geraten, in der dieses Vertrauen grundsätzlich nicht mehr vorhanden ist, kann ein solches Gespräch entstehen. Im Moment gibt es dieses Gespräch nicht. Und ich halte das Vertrauen in den amtierenden Präsidenten für ein wichtiges Kapital für das Überleben der Ukraine.
Der zweite Punkt: Wir kehren wieder zum Thema der politischen Eigenständigkeit zurück. Den Vorsitzenden der Werchowna Rada werden dieselben Abgeordneten der Partei Diener des Volkes wählen. Was soll sich dadurch ändern? Sagen Sie es mir bitte. Ganz zu schweigen davon, dass Sie eine einfache Sache verstehen müssen. Jeder Abgeordnete der Werchowna Rada aus der Regierungsmehrheit, der zum Vorsitzenden der Werchowna Rada gewählt wird und anschließend amtierender Präsident der Ukraine wird, wird nicht einmal einen Bruchteil jenes Vertrauens besitzen, das Präsident Zelensky heute genießt, der immerhin von 73 Prozent der Teilnehmer der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl gewählt wurde und für den in der ersten Runde 35 Prozent der Wähler stimmten, was ebenfalls nicht wenig ist. Und nun stellen Sie sich vor, dass Präsident der Ukraine auf unbestimmte Zeit ein Mensch wird, der von Abgeordneten derselben Partei gewählt wurde, die derselbe Zelensky geschaffen hat. Und was dann?
Vergessen Sie außerdem nicht, dass man mit dem Vorsitzenden der Werchowna Rada ganz anders verfahren kann als mit Zelensky, der tatsächlich selbst zurücktreten und irgendeine Erklärung schreiben kann. Sobald klar wird, dass der Parlamentsvorsitzende nicht den Interessen bestimmter Abgeordnetengruppen und so weiter entspricht, kann er einfach wieder abgewählt und ersetzt werden. Auf diese Weise könnten die Präsidenten der Ukraine während des Krieges wie Handschuhe gewechselt werden. Wir würden uns in einer schweren politischen Krise befinden, wie wir sie übrigens in vielen Ländern beobachten konnten, in denen legitim gewählte Präsidenten unter dem Druck, sagen wir, unüberwindbarer politischer Umstände zurücktraten. Die Parlamentspräsidenten übernahmen die Staatsführung. Und sie wurden dort ständig ausgewechselt. Diese Länder befanden sich bis zur Durchführung neuer Wahlen in einer permanenten politischen Krise.
Der Unterschied zwischen der Situation in diesen Ländern und der Ukraine besteht darin, dass sie damals nicht im Krieg waren. Haben wir das Recht auf ein solches Experiment? Wäre nicht eine Verständigung der politischen Kräfte, von der ich ständig spreche, und die Suche nach Wegen zu einer kompetenten Staatsführung im Krieg der bessere Ausweg? Ich verstehe, dass das romantisch klingen mag. Aber die Erklärungen Mykhailo Fedorovs, hinter denen keinerlei rechtliche Mechanismen und keinerlei konkrete Informationen stehen, klingen romantischer als meine Erklärungen. Verstehen Sie? Romantischer.
Deshalb schlage ich vor, darüber nachzudenken, wie die Gesellschaft Einfluss auf die Staatsführung nehmen kann. Ich schlage vor, darüber nachzudenken, wie die Abgeordneten der Werchowna Rada politische Eigenständigkeit erlangen können. Ich schlage vor, über eine eigenständig handelnde Regierung ohne Einmischung des Präsidenten und personelle Verschiebungen nachzudenken. Ich schlage vor, darüber nachzudenken, dass gerade eine solche politische Eigenständigkeit in den kommenden Jahren zur Rettung der Situation werden kann. Ich kann nicht sagen, dass ich daran glaube. Ich sage lediglich, dass es ein Rezept gibt. Man soll nicht behaupten, es gebe keines. Wir haben es zur Hand, ich halte das Rezept in meinen Händen. Und es ist ein Rezept für ein Heilmittel.
Es gibt aber Menschen, die sich wie Kaschpirowski oder Tschumak im sowjetischen Fernsehen verhalten, die einfach dasitzen uns mit Erzählungen darüber einlullen, was man tun könnte, wenn man nur könnte, oder die einfach mit ihrem sympathischen Aussehen Wasser „aufladen“. Ich dagegen bin Anhänger konkreter, umsetzbarer Lösungen. Und ich sehe heute konkrete, umsetzbare Lösungen. Auch das ist kein idealer Ausweg aus der Situation. Aber ein Krieg, noch dazu ohne jede Aussicht auf ein schnelles Ende, ist ebenfalls keine ideale Situation. Und genau das muss jeder verstehen, der dem ukrainischen Staat Genesung und Gesundheit wünscht.
Und Ihnen allen wünsche ich aufrichtig Gesundheit, Freunde. Ich danke Ihnen herzlich, dass Sie bei dieser späten Sendung dabei waren, die der Ansprache des ehemaligen Regierungsvertreters Mykhailo Fedorov an die Bürger vor dem Hintergrund der möglichen Ernennung des neuen amtierenden Verteidigungsministers bereits morgen auf Vorschlag des Präsidenten gewidmet war. Und Sie wissen, dass dies nicht Mykhailo Fedorov ist, sondern Jewhen Chmara, den das Staatsoberhaupt den Abgeordneten vorgeschlagen hat.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Звернення Федорова: головне | Віталій
Портников. 18.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 18.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
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