Der Präsident der Ukraine Volodymyr Zelensky wandte sich mit einem Brief an seinen amerikanischen Kollegen Donald Trump sowie an amerikanische Kongressabgeordnete, in dem er das Interesse der Ukraine am Erhalt neuer Raketen für Patriot-Komplexe sowie der Luftverteidigungssysteme selbst unterstrich.
Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass die Russische Föderation plant, ihre Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur fortzusetzen und auszuweiten und es der Ukraine in dieser Situation kritisch an Raketen und Luftverteidigungssystemen fehlt. Zelensky wies in seinem Brief auch auf die Angriffe auf die Ukraine mit der Oreschnik hin und betonte, dass die russischen Angriffe nicht nur eine Frage der Sicherheit der Ukraine, sondern auch eine Frage der globalen Sicherheit seien.
Allerdings wird der amerikanische Präsident seinem ukrainischen Kollegen kaum Gehör schenken. Beim heutigen Treffen mit Journalisten erwähnten weder der Präsident der Vereinigten Staaten selbst noch Außenminister Marco Rubio noch Kriegsminister Pete Hegseth die Ukraine überhaupt, als sie Fragen der Journalisten beantworteten. So, als existiere die Frage des russisch-ukrainischen Krieges überhaupt nicht im politischen Wortschatz Donald Trumps.
Die Pressekonferenz zeigte jedoch etwas anderes: dass sich der amerikanische Präsident im Nahen Osten weiterhin in einer Sackgasse befindet. Er kann keine Möglichkeiten finden, sich mit dem Iran zu verständigen, der seinerseits weiterhin die wichtigste Route für die Lieferung von Öl und Düngemitteln, die Straße von Hormus, blockiert, und zugleich fürchtet er, einen neuen Krieg gegen die Islamische Republik zu beginnen, obwohl er Teheran mit Angriffen droht, falls der Iran den amerikanischen Bedingungen nicht zustimmt.
Unterdessen verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation in der Welt und in den Vereinigten Staaten selbst jeden Tag ziemlich ernsthaft. Die Zustimmungswerte Donald Trumps fallen rapide, was seiner Partei bei den Nachwahlen zum amerikanischen Kongress im Herbst eine vernichtende Niederlage drohen könnte.
Und obwohl Trump bei diesem Treffen mit Journalisten betonte, dass ihn die Nachwahlen nicht interessierten, kreisen seine Gedanken in Wirklichkeit nur um sie. Und in dieser Situation hört der russisch-ukrainische Krieg für den amerikanischen Präsidenten natürlich auf, selbst nur eine zweitrangige Frage zu sein, sondern wird überhaupt zu keiner Frage des Interesses mehr, denn jetzt geht es um sein eigenes politisches Überleben und nicht nur um das Überleben der Ukraine.
Andererseits ist Zelenskys Brief gerade deshalb wichtig, weil er es ermöglichen wird, das Interesse der Trump-Administration an unseren Bedürfnissen festzuhalten und seinerseits die Probleme der Ukraine sowie die weiteren Angriffe der Russischen Föderation auf unser Land zu einem Teil des Wahlkampfes in den Vereinigten Staaten zu machen, zu einem Teil der Kritik an jenem politischen Kurs, den Donald Trump nach seiner Rückkehr ins Oval Office gewählt hat.
Und damit kann diese Situation, wenn schon nicht den amerikanischen Präsidenten dazu zwingen, über die Notwendigkeit neuer Luftverteidigungssysteme für die Ukraine nachzudenken, so ihn zumindest dazu bringen, die Lizenz für Russland nicht weiter zu verlängern, die es Moskau faktisch erlaubt, sich der Folgen amerikanischer Energiesanktionen zu entledigen, eigenes Öl an Länder des globalen Südens zu verkaufen und seinen Haushalt zur Fortsetzung des Krieges zu vergrößern.
Was die Luftverteidigungssysteme selbst betrifft, muss man ebenfalls verstehen, wie kritisch sie von der Situation rund um den Iran abhängen. Nachdem die Islamische Republik nicht nur Israel, sondern auch die Länder des Persischen Golfs bombardiert hat, gibt es jetzt, könnte man sagen, eine echte Warteschlange nahöstlicher Verbündeter der Vereinigten Staaten für amerikanische Luftverteidigungssysteme. Und man muss bedenken, dass die amerikanische Administration und die Familie Donald Trumps von diesen Ländern wesentlich stärker abhängen als von der Ukraine und unseren europäischen Verbündeten.
Wenn es gelänge, die Situation mit dem Iran zu regeln, gäbe es zumindest in Ländern wie Saudi-Arabien, Bahrain, Kuwait und Katar keine ernsthaften Befürchtungen, dass Luftverteidigungssysteme ihnen, nun ja, man könnte sagen, bereits gestern und nicht erst morgen benötigt würden. Aber in einer Situation, in der ein Krieg jederzeit beginnen kann, in der die Nachrichtendienste sagen, dass die Information, den Amerikanern sei es gelungen, den Großteil der iranischen Raketen und Drohnen zu zerstören, vorsichtig gesagt übertrieben war, und dass dem Iran tatsächlich noch bis zu 70 % seines Raketenpotenzials zur Verfügung stehen und er bereits die Abschussanlagen wiederherstellt – natürlich wächst dann in Riad oder anderen Hauptstädten der Golfstaaten mit jeder solchen Nachricht das Interesse am Erhalt amerikanischer Luftverteidigungssysteme und Raketen dafür.
Zu unseren Gunsten könnte sich die Situation erst dann ändern und die Voraussetzungen für neue Abwehrraketen schaffen, wenn der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran zumindest irgendwie geregelt wird. Aber die Voraussetzungen dafür sind leider ungefähr genauso groß wie für ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges.
Was soll man in einer solchen kritischen Situation tun? Nun, erstens mit den Europäern zusammenarbeiten, denn die Europäer verstehen, dass der Schutz der Ukraine auch ihr eigener Schutz ist, der Schutz unseres gemeinsamen Kontinents. Und das ist sogar wichtiger, als Donald Trump aus jenem politischen Abgrund herauszuziehen, in den der amerikanische Präsident dank eines der größten politischen Fehler in seiner Geschäfts- und Präsidentenbiografie geraten ist.
Ein weiterer wichtiger Weg ist die Zerstörung russischer Produktionskapazitäten für Raketen und unbemannte Fluggeräte. Denn wenn Russland solcher Möglichkeiten beraubt wird, unter den Bedingungen des Nahostkrieges Raketen aus anderen Ländern zu erhalten, bleiben ihm nur wenige Chancen. Dadurch wird sich zumindest die Intensität des russischen Beschusses in den kommenden Monaten und Jahren des erbitterten russisch-ukrainischen Krieges verringern, und das wird früher oder später den Präsidenten der Russischen Föderation sowie die russische politische und militärische Führung dazu zwingen, nicht einmal über eine Beendigung, sondern zumindest über eine Aussetzung des russisch-ukrainischen Krieges zum Auffüllen ihrer eigenen Arsenale nachzudenken.
Und in einer Situation, in der die Nahostkrise andauert, Russland über Produktionsmöglichkeiten verfügt und die Vereinigten Staaten selbst für den Eigenbedarf einen erheblichen Mangel an Luftverteidigungsmitteln verspüren, davon zu sprechen, dass Trump auf Zelenskys Brief mit irgendeiner realen, ernsthaften Handlung reagieren könnte, wäre eher ein Traum als jenes Ergebnis, mit dem wir rechnen sollten.
Aber an diesen Traum müssen wir nicht nur den amerikanischen Präsidenten erinnern, sondern auch die amerikanische Öffentlichkeit, die begreifen muss, zu welchen Ergebnissen sowohl politische Fehler als auch strategische Fehler hinsichtlich der Gestaltung der Möglichkeiten und Anforderungen des militärisch-industriellen Komplexes der Vereinigten Staaten aus Sicht der Sicherheit geführt haben.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Зеленський вимагає у Трампа ППО | Віталій Портников. 27.05.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 27.05.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.