Putins Interview: Das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 29.06.2026.

Die Vorstellungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin von der Realität entfernen sich immer weiter von eben dieser Realität. Allerdings muss man der Wahrheit die Ehre geben: Putin ist sich all jener Probleme bewusst, mit denen sein Regime infolge der systematischen ukrainischen Angriffe auf Objekte des militärisch-industriellen Komplexes und der Erdölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation konfrontiert ist.

Putin hielt zunächst eine ausführliche Rede auf dem Parteitag der Partei Einiges Russland und gab anschließend einem der Kreml-Propagandisten ein großes Interview. Offensichtlich, um die Russen davon zu überzeugen, dass seine sogenannte Spezialoperation gegen die Ukraine nach Putins Plan voranschreitet.

Doch mit jedem neuen Jahr, mit jedem neuen Monat dieser sogenannten Spezialoperation fällt es Putin immer schwerer, davon nicht nur die Bürger Russlands, sondern auch sich selbst zu überzeugen. Putin muss eingestehen, dass es in Russland ernsthafte und offensichtliche Probleme mit Treibstoff und anderen Erdölprodukten gibt. Interessant ist jedoch sein Ansatz, wie er diese Probleme lösen will.

Putins wichtigste Zusage besteht darin, die Produktion von Luftverteidigungssystemen zu erhöhen, um auf diese Weise die Erdölraffinerien der Russischen Föderation vor Angriffen ukrainischer Drohnen und Raketen zu schützen. Und das, obwohl auf dem Territorium Russlands inzwischen nur noch eine einzige Erdölraffinerie ohne größere Probleme die Bevölkerung und selbstverständlich auch die Armee versorgen kann – und selbst diese befindet sich in Omsk. Die Raffinerien des benachbarten Belarus wiederum sind nun dem Risiko ukrainischer Angriffe ausgesetzt, falls der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko die Lieferungen von Erdölprodukten für die Streitkräfte der Russischen Föderation nicht einstellt.

Übrigens ist über die Ergebnisse von Lukaschenkos Besuch in Russland, seiner Gespräche mit Putin auf Waldai und die Schlussfolgerungen aus diesen Unterredungen zwischen dem russischen und dem belarussischen Staatschef bis heute nichts bekannt. Putin erklärte lediglich, Lukaschenko begegne den Drohungen des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky ohne Panik. Was das jedoch praktisch bedeutet, wurde aus seinen Kommentaren zu den Gesprächen mit dem belarussischen Machthaber nicht klar.

Putin versuchte außerdem zu demonstrieren, dass er die Lage an der Front vollständig unter Kontrolle habe. Er zählte detailliert jeden einzelnen Schritt der russischen Besatzungstruppen auf ukrainischem Boden auf und versicherte den Journalisten zugleich, bis zur Einnahme weiterer Ortschaften in der Ukraine fehlten nur noch wenige Kilometer. 

Nur auf die Frage, warum er solche Lageberichte nun schon seit mehreren Jahren vorträgt und seine Armee dennoch nicht einmal jenes Ergebnis erreichen konnte, das für den russischen Präsidenten bereits im Februar 2022 wichtig war, als er den Befehl zur vollständigen Eroberung der Gebiete Donezk und Luhansk gab, kann Putin keine Antwort geben.

Aus Putins Rede lässt sich jedoch schließen, dass die Idee einer vollständigen Kontrolle der Russischen Föderation über die Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja zumindest in dieser Phase sein wichtigstes Ziel bleibt. Und ohne den Versuch, die Kontrolle über diese ukrainischen Regionen zu erlangen, denkt er nicht einmal an Verhandlungen über die Beendigung des Krieges.

Das ist schon deshalb unlogisch, weil Putin gleichzeitig über die Probleme sprechen muss, die auf der Krim infolge der Treibstoffkrise entstanden sind, und auf die Frage eine Antwort zu finden versucht: „Welchen Sinn hat die Kontrolle über Territorien, wenn man deren normales Funktionieren nicht gewährleisten kann?“

Übrigens klingt dies auch vor dem Hintergrund aktuell, dass infolge ukrainischer Angriffe auf praktisch dem gesamten von Russland besetzten ukrainischen Gebiet der Strom ausgefallen ist, was selbstverständlich in erster Linie ernsthafte Probleme für die russische Armee schafft, die diese Gebiete als Brückenkopf für weitere Offensiven nutzt.

Putin spricht lediglich davon, dass es keinen Mangel gebe, dass Treibstoff auf der Krim wieder verfügbar sein werde und alle Probleme gelöst würden. Das erinnert eher an die Berichte auf Parteitagen, mit denen die Sowjetbürger regelmäßig davon überzeugt werden sollten, dass es in ihren Geschäften in Wirklichkeit Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs gebe.

Und ich glaube, noch ein paar solcher Interviews – und selbst jene, die glühende Anhänger des russischen Chauvinismus und Imperialismus sind, werden Putin keinen Glauben mehr schenken. Davon kann bereits der Tonfall der russischen Propagandisten in ihren abscheulichen Fernsehshows überzeugen.

Und schließlich zur Realität des Sieges. Putin musste eingestehen, dass bei dem Treffen zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Präsidenten der Russischen Föderation in Anchorage tatsächlich keinerlei konkrete Vereinbarungen erzielt wurden. Das erinnert uns erneut daran, dass alle Gespräche über den sogenannten Geist von Anchorage, die die russische Propaganda bis vor Kurzem verbreitete, nichts weiter als ein Bluff waren. Ziel war es, den Eindruck zu erwecken, Trump und Putin hätten ein gemeinsames Verständnis darüber erreicht, wie der russisch-ukrainische Krieg beendet werden solle, und zugleich die Worte des amerikanischen Präsidenten zu widerlegen, wonach in Anchorage keinerlei Vereinbarungen erzielt worden seien.

Nachdem der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, eindeutig betont hatte, dass es bei dem Treffen der Präsidenten keinerlei russisch-amerikanische Vereinbarungen gegeben habe, muss auch Putin nun eingestehen, was ohnehin schon ohne seine Worte klar war, und zu der Behauptung zurückkehren, die Russen seien angeblich bereit gewesen, den Vorschlägen zuzustimmen, die die amerikanische Seite bei den Besuchen des Sondergesandten des amerikanischen Präsidenten Steve Witkoff in Moskau sowie während Putins Treffen mit Trump in Alaska unterbreitet hatte.

Doch damit entfällt im Grunde jede Möglichkeit für die russische Propaganda zu behaupten, Russen und Amerikaner stünden hinsichtlich ihres Ansatzes zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges auf derselben Seite.

Gerade deshalb muss Putin seine Landsleute nun davon überzeugen, dass der Krieg für sie keinerlei ernsthafte Bedrohung darstellt. Er fordert sie auf, nicht nach oben zu schauen, die Krise im Treibstoffsektor der Russischen Föderation nicht wahrzunehmen, den Mangel an lebenswichtigen Gütern und das rasche Abgleiten der russischen Wirtschaft in Rezession und Zusammenbruch nicht zu bemerken.

Dass Putin jedoch den Funktionären von Einiges Russland, auf deren Parteitag er sprach, oder den russischen Propagandisten, denen er Interviews gibt, beharrlich einzureden versucht, die Lage sei ausgezeichnet und problemlos, Russland schreite einfach weiter nach dem von ihm vorgegebenen Plan voran, zeugt vielmehr von der Besorgnis des russischen Präsidenten und davon, dass es ihm bislang zumindest nicht gelingt, eine logische Antwort auf die Herausforderungen zu finden, mit denen er nach vier Jahren und mehreren Monaten des großen russisch-ukrainischen Krieges konfrontiert ist.


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Titel des Originals: Інтервʼю Путіна: головне | Віталій Портников. 29.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.06.2026.
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Putins und Lukaschenkos geheime Verhandlungen | Vitaly Portnikov. 28.06.2026.

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko traf in Putins Residenz ein – und verschwand. Zum letzten Mal wurde er in der Öffentlichkeit gesehen, als er sein eigenes Flugzeug verließ.

Solch geheimnisvolle Verhandlungen zwischen dem russischen und dem belarussischen Staatschef sind natürlich ein aufschlussreiches Kapitel des russisch-ukrainischen Krieges. Putin und Lukaschenko trafen sich zu Beginn dieser Gespräche nicht einmal mit Journalisten. Es gab keine der für die russischen und belarussischen Diktatoren üblichen Fotos. Es gibt keinerlei Mitteilungen darüber, was sie besprechen und wie der Verhandlungsprozess überhaupt verläuft.

Aus Quellen, die die Präsidialverwaltung der Republik Belarus üblicherweise nutzt, ist lediglich zu erfahren, dass die Verhandlungen andauern und sogar im Rahmen einer Delegation stattfinden könnten. Seltsam für einen Dialog zwischen Menschen, die sich mehrmals im Jahr treffen.

Wir verstehen jedoch, dass sowohl Putin als auch Lukaschenko derzeit ernsthaft beunruhigt sind und schwierige Entscheidungen treffen müssen, die sich auf die Zukunft des belarussischen Regimes und auf die Zukunft des russisch-ukrainischen Krieges auswirken können. Lukaschenko ist buchstäblich gezwungen, dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky nachzugeben, wenn dieser sagt, dass ein Hineinziehen von Belarus in den Krieg zur faktischen Zerstörung jener Objekte führen könne, die Moskau vom Territorium des Nachbarlandes aus für seine Aggression gegen die Ukraine nutzt.

Und die Tatsache, dass auf Volodymyr Zelenskys Worte – sollte Belarus die für die Angriffe genutzten Relaisstationen nicht abschalten, werde dies die Ukraine tun – gerade das Abschalten dieser Relaisstationen folgte, zeigt die ganze Tiefe der Probleme des belarussischen Machthabers. Denn offensichtlich wollte in Moskau niemand, dass man in Minsk auf Ultimaten aus Kyiv hört.

Doch das ist nicht die letzte Drohung Zelenskys. Der ukrainische Präsident erinnert daran, dass auch belarussische Unternehmen für die Bedürfnisse der russischen Armee genutzt werden. Insbesondere helfen die belarussischen Erdölraffinerien den russischen Streitkräften in einer Situation, in der Raffinerien in der Russischen Föderation selbst brennen. Und so stellt sich heraus, dass Russland gerade auf Belarus hoffen muss.

Hier stellt sich eine weitaus ernstere Frage. Ist Minsk tatsächlich bereit, den russischen Streitkräften die Lieferung von Erdölprodukten zu verweigern? Oder wird man ein Schema finden, nach dem aus Belarus zwar keine Erdölprodukte direkt geliefert werden, jene Produkte jedoch, die Minsk an verbündete Staaten der Russischen Föderation – etwa an die Volksrepublik China – liefert, anschließend zu den Russen gelangen?

Das ist dennoch deutlich komplizierter und langwieriger, als die für die russische Armee benötigten Erdölprodukte direkt vom Territorium des Nachbarstaates zu beziehen. Putin und Lukaschenko haben also genügend Gesprächsstoff, über den sie die Journalisten nicht informieren wollen. Und möglicherweise sind dies die geheimnisvollsten Verhandlungen zwischen dem russischen und dem belarussischen Staatschef seit Beginn des großen russisch-ukrainischen Krieges.

Bekanntlich traf sich Putin damals ebenfalls mehrmals mit Lukaschenko unmittelbar vor der Aggression. Und der belarussische Staatschef war überzeugt, dass alle Pläne seines russischen Kollegen verwirklicht würden und in Kyiv schon bald ein für Lukaschenko so vertrauter und angenehmer Verhandlungspartner erscheinen würde – der Diktator und russische Agent Wiktor Janukowytsch, der versuchen würde, die Ukraine in ein weiteres Belarus zu verwandeln.

Wie bekannt, wurden diese Pläne nicht verwirklicht. Nun könnte bereits dem Lukaschenko-Regime selbst der Zusammenbruch drohen, falls Belarus Teil des russisch-ukrainischen Krieges wird. Das ist es, was den belarussischen Machthaber tatsächlich beunruhigen könnte. Davon muss er seinen russischen Kollegen überzeugen.

Ein Hineinziehen von Belarus in den Krieg – in welcher Form auch immer – würde der Ukraine freie Hand geben, und die belarussische Gesellschaft nimmt den russisch-ukrainischen Krieg keineswegs so wahr wie die russische. Deshalb kann man nicht darauf hoffen, dass sich die Unterstützung in der belarussischen Gesellschaft irgendwie ändern wird, sobald eine Bedrohung für die Existenz des Regimes entsteht.

Lukaschenko könnte zudem befürchten, dass die Russen in einem solchen Fall schlicht nicht mehr physisch in der Lage sein werden, ihm zu Hilfe zu kommen – so, wie es bereits vielen Verbündeten der Russischen Föderation ergangen ist, die bis zuletzt auf Unterstützung aus Moskau hofften und später unter verschiedenen Umständen gezwungen waren, aus ihren eigenen Ländern nach Moskau oder Rostow zu fliehen – so wie etwa eben jener Wiktor Janukowytsch, dessen Herrschaft in der Ukraine 2014 mit einer schmählichen Flucht endete. Oder erst vor Kurzem der syrische Diktator Baschar al-Assad, der sich viele Jahre auf russische und iranische Bajonette stützte, dann aber, als Moskau und Teheran mit ihren eigenen Problemen beschäftigt waren, in die russische Hauptstadt fliehen musste.

Lukaschenko möchte seinen Ruhestand natürlich nicht in Moskau verbringen. Er würde lieber als Präsident der Republik Belarus sterben oder die Macht an seine Kinder oder engste Vertraute übergeben, die mit dem Föderalen Sicherheitsdienst der Russischen Föderation verbunden sind. Offensichtlich würde sich auch Putin genau das wünschen.

Doch stellt sich die Frage, was für Putin derzeit wichtiger ist: die Erhaltung des belarussischen Regimes aufs Spiel zu setzen oder doch zu versuchen, Belarus für neuen Druck auf die Ukraine zu nutzen und eine neue Front im russisch-ukrainischen Krieg zu eröffnen. Hier sind die Interessen der russischen und des belarussischen Diktators nicht deckungsgleich.

Und möglicherweise wird deshalb derzeit zwischen Lukaschenko und Putin mit erhobenen Stimmen gesprochen, während Putin von Lukaschenko verlangt, sich an alles zu erinnern, was das russische Regime für ihn getan hat, und an all die Gelder, die in die unreformierte belarussische Wirtschaft investiert wurden.

Lukaschenko hingegen versucht Putin zu erklären, dass all diese Investitionen einfach im Sand verlaufen könnten, wenn vom belarussischen Regime nur noch eine Erinnerung in einem Geschichtsbuch über Belarus übrig bleibt. Und selbst dann wäre diese Erinnerung, gelinde gesagt, keine gute. Niemand erinnert sich jemals mit Dankbarkeit an eine abscheuliche Diktatur, die für die Ermordung politischer Gegner und die Vernichtung von Aufständischen bekannt ist.

Wofür werden sich Lukaschenko und Putin letztlich entscheiden, und wird es ihnen gelingen, sich zu einigen? Das ist das eigentliche Thema dieser geheimnisvollen Verhandlungen in der Residenz des russischen Präsidenten.


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Titel des Originals: Таємні перемовини Путіна і Лукашенка |Віталій Портников. 28.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 28.06.2026.
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Trump weist Putin ab | Vitaly Portnikov. 27.06.2026.

Die Publikation Axios behauptet, dass US-Präsident Donald Trump während des Treffens der Staats- und Regierungschefs der G7 im französischen Évian negativ über seinen russischen Amtskollegen Putin gesprochen habe, mit Begeisterung davon gesprochen habe, wie sich der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky halte, und sogar Bereitschaft signalisiert habe, auf das sogenannte „Verständnis von Anchorage“ zu verzichten. 

Dies ermöglichte es später dem US-Außenminister Marco Rubio zu erklären, dass es während des Treffens des amerikanischen und des russischen Präsidenten in Anchorage keinerlei konkrete Vereinbarungen gegeben habe, sondern lediglich Vorschläge, die erörtert worden seien.

Der Begriff des „Geistes von Anchorage“, den die russische Propaganda und sogar offizielle Vertreter wie der russische Außenminister Lawrow oder der außenpolitische Berater des russischen Präsidenten Uschakow verwenden, beziehungsweise das „Verständnis von Anchorage“, von dem im Westen gesprochen wird, entstand nicht aus den eigentlichen Verhandlungen zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation. Er entstand vielmehr aus dem Versuch sowohl des Weißen Hauses als auch des Kremls, diesem offensichtlichen Fiasko irgendeinen Sinn zu verleihen. Man wollte den Eindruck erwecken, dass es dem amerikanischen und dem russischen Staatschef bei ihrem Treffen in Alaska gelungen sei, sich auf die Eckpunkte einer möglichen Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu verständigen.

Dabei erinnern wir uns alle sehr gut daran, dass der Präsident der Vereinigten Staaten nach diesem Treffen auf der kurzen Pressekonferenz ausdrücklich betonte, dass keinerlei Einigung erzielt worden sei. Woher kommen dann die Gespräche über den „Geist von Anchorage“ oder das „Verständnis von Anchorage“? Und worauf will Donald Trump dann überhaupt verzichten?

 

Diese Frage lässt sich recht einfach beantworten. Vor dem Treffen des russischen und des amerikanischen Präsidenten hatte der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten und enge Vertraute Steve Witkoff die russische Hauptstadt mit Vorschlägen zu möglichen Parametern für eine Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges besucht. Zu diesen amerikanischen Vorschlägen gehörte auch die Möglichkeit eines Abzugs der ukrainischen Streitkräfte aus jenem Teil des Gebiets Donezk, der heute von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert wird und in dem die russischen Streitkräfte ihre Offensive fortsetzen.

Während des Treffens mit Donald Trump verlas Putin, wie russische Beamte berichteten, jene Vorschläge, die der amerikanische Vertreter nach Moskau gebracht hatte, und fragte Steve Witkoff nach jedem einzelnen Punkt, ob er bestätige, Putin genau diese Bedingungen vorgestellt zu haben. Witkoff bejahte dies. Doch der russische Präsident stimmte den amerikanischen Bedingungen nicht zu, denn außer der Idee eines Abzugs der ukrainischen Truppen aus dem Gebiet Donezk enthielten sie selbstverständlich auch Vorschläge, die den Erhalt der Souveränität und Unabhängigkeit des ukrainischen Staates garantierten – etwas, das nicht zu Putins politischen Plänen gehört.

Nachdem die Präsidenten, voneinander verärgert, auseinandergegangen waren, entstand die Idee, diese Vorschläge der amerikanischen Seite, die von der russischen Seite nie gebilligt worden waren, als „Geist“ oder „Verständnis“ von Anchorage auszugeben und zu betonen, dass gerade auf dieser Grundlage die weiteren Verhandlungen über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges geführt werden könnten.

Für die amerikanische Seite war dies notwendig, um Donald Trumps Ansehen zu retten; für die russische Seite, um die Verhandlungen bis zum Ende der Amtszeit des amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten weiter in die Länge zu ziehen.

Wie wir sehen, wurde daraus nichts. Trump verbindet heute seinen außenpolitischen Ruf keineswegs mehr mit Treffen mit Putin. Sein Hauptziel besteht darin, aus der Sackgasse der Krise im Nahen Osten herauszukommen, die der Republikanischen Partei bei den kommenden Kongresswahlen eine vernichtende Niederlage zu bringen droht.

Was die Republikaner von einer solchen Niederlage erwarten, machte einer von Trumps engsten Verbündeten und der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, unmissverständlich klar. Er warnte, dass im Falle eines Sieges der Demokraten jeder Ausschuss des Repräsentantenhauses zu einem Untersuchungsgremium werden werde, das die Familienangehörigen des Präsidenten der Vereinigten Staaten, seine Geldgeber und seine engsten Freunde verfolgen werde. Das ist es, was für Donald Trump auf dem Spiel steht. Das ist es, was ihn heute tatsächlich beschäftigt – und keineswegs die Frage, ob er sich mit Putin hätte einigen können oder nicht.

Auch Putin scheint heute nicht besonders daran interessiert zu sein, die Gespräche über den Geist von Anchorage fortzusetzen, denn die ukrainischen Angriffe auf die russische Infrastruktur haben seine Kriegspläne verändert. In diesen Minuten berät der russische Präsident gemeinsam mit seinem belarussischen Amtskollegen Alexander Lukaschenko darüber, wie Moskau und Minsk den neuen, unerwarteten Bedrohungen begegnen können. Unter diesen Umständen braucht weder Trump noch Putin den Geist von Anchorage.

Und die amerikanische Seite verabschiedet sich von der Idee, weiterhin über das sogenannte Verständnis von Anchorage zu sprechen – schon deshalb, weil sie erkennt, dass sie keinen Einfluss auf die Ukraine ausüben kann, um einen Abzug der ukrainischen Streitkräfte aus jenem Teil des Gebiets Donezk zu erreichen, der weiterhin von den ukrainischen Streitkräften kontrolliert wird.

Und heute braucht auch Trump dies nicht mehr, weil er versteht, dass selbst solche Zugeständnisse an Putin den russisch-ukrainischen Krieg nicht beenden würden. Hätte Putin sich mit solchen Bedingungen zufriedengeben können, hätte er dies bereits in den ersten Monaten des Jahres 2025 getan, als die amerikanischen Vorschläge noch großzügiger waren und sogar die Möglichkeit einer Anerkennung des russischen Status der besetzten Krim durch die Vereinigten Staaten einschlossen.

In der Administration des Weißen Hauses beginnt man offenbar allmählich zu begreifen, was ihren Vorgängern schon lange klar war. Putins Ziel besteht keineswegs darin, die Kontrolle über das Gebiet Donezk zu erlangen oder die Anerkennung des russischen Status der Krim und anderer besetzter ukrainischer Gebiete durch die Vereinigten Staaten zu erreichen. Putins Ziel war und bleibt die Beseitigung der ukrainischen Staatlichkeit und die Eingliederung des Territoriums des Nachbarstaates in die Russische Föderation.

Und gerade deshalb lohnt es sich heute nicht mehr zu sagen, dass man sich in Washington gern an das frühere Treffen zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation erinnern würde.

Was interessiert Donald Trump tatsächlich? Die Frage, wie man Putin dazu bringen kann, sich auf echte Verhandlungen über ein Ende des Krieges gegen die Ukraine einzulassen.

Doch es scheint, dass der amerikanische Präsident vorerst nicht beabsichtigt, zusätzliche Druckmittel einzusetzen, damit der russische Staatschef den Verhandlungsprozess tatsächlich ernsthaft in Erwägung zieht. Nun setzt Trump in erster Linie auf Volodymyr Zelensky und auf die ukrainischen Streitkräfte.


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Titel des Originals: Трамп послав Путіна | Віталій Портников. 27.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 27.06.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Rubio entlarvt Putins Lüge über Anchorage | Vitaly Portnikov. 25.06.2026.

Der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, hat die Behauptungen der russischen Führung widerlegt, wonach beim Treffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation in Alaska irgendwelche Vereinbarungen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine erzielt worden seien.

Rubio erinnerte die Journalisten daran, dass der Präsident der Vereinigten Staaten lange Zeit nach Wegen gesucht habe, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. In Alaska sei jedoch lediglich ein Vorschlag von Seiten der Vereinigten Staaten unterbreitet worden, den Russland ablehnte. Beim Treffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation seien keinerlei Vereinbarungen erzielt worden.

Allerdings wissen wir das selbst sehr genau. Schließlich waren wir Zeugen des Treffens der Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation in Anchorage. Wir erinnern uns, mit welchem Enthusiasmus Donald Trump den Präsidenten der Russischen Föderation auf dem Flugplatz der Hauptstadt Alaskas empfing. Wir erinnern uns daran, dass die Präsidenten gemeinsam in einem einzigen Wagen zum Ort des Gipfels fuhren. Auch das war eine beispiellose Situation in den bilateralen Beziehungen.

Wir erinnern uns aber auch an etwas anderes. Das Treffen zwischen Donald Trump und Putin endete vorzeitig. Der Präsident der Vereinigten Staaten betonte auf der kurzen gemeinsamen Pressekonferenz mit dem russischen Staatschef, dass keinerlei Vereinbarungen erzielt werden konnten. Nicht nur das Treffen wurde vorzeitig beendet – auch das Abendessen, das bei der Vorbereitung des Gipfels zwischen Trump und Putin vorgesehen gewesen war, wurde abgesagt. Trump verabschiedete den russischen Präsidenten nicht einmal und flog sofort von Anchorage nach Washington zurück.

Präsident Putin blieb somit in Alaska faktisch ohne seine amerikanischen Gastgeber zurück. Sein Protokoll suchte nach Möglichkeiten, den Eindruck zu erwecken, Putin habe sich auf eine solche Entwicklung vorbereitet und über einen eigenen Plan für seinen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten verfügt. Auch das entsprach nicht der Wahrheit.

Was geschah danach? Bereits an Bord seines Flugzeugs wurde Donald Trump klar, dass nun praktisch alle Medien über sein Fiasko beim Treffen mit Putin sprechen würden. Und zwar nicht über das erste. Schließlich waren sämtliche vorherigen Treffen des amerikanischen und des russischen Präsidenten während Donald Trumps erster Amtszeit im Weißen Haus mit genau solchen Kommentaren von Journalisten und Beobachtern zu Ende gegangen.

Trump begann sofort gegenzusteuern. Er sprach davon, es sei ein sehr gutes Treffen gewesen, konkretisierte jedoch nicht, was daran eigentlich gut gewesen sei und worüber er sich mit Putin geeinigt habe, nachdem er selbst unmittelbar nach dem Gipfel betont hatte, dass keinerlei Vereinbarungen erzielt worden seien.

Die Russen griffen diesen offensichtlichen Wunsch des amerikanischen Präsidenten auf, Wunschdenken als Realität auszugeben und die Wirklichkeit zu verfälschen. Genau darauf gründeten sie ihre Mythologie vom sogenannten „Geist von Anchorage“.

Was ist überhaupt ein „Geist“ in den internationalen Beziehungen? In den internationalen Beziehungen gibt es konkrete Vereinbarungen, Punkte und Vorschläge, die von beiden Seiten abgestimmt werden. So geschieht es übrigens derzeit zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran. Wenn es keinerlei konkrete Vereinbarungen gibt, kann sie kein noch so großer „Geist“ ersetzen.

Trump wollte diese Behauptungen der russischen Führung jedoch nicht allzu energisch widerlegen. Denn andernfalls hätte er sein unbestreitbares Fiasko bei den Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten eingestehen müssen, hätte zugeben müssen, dass Putin ihn benutzt hatte, dass Trump dem russischen Präsidenten geholfen hatte, aus der internationalen Isolation herauszukommen, während dieser nicht einmal daran dachte, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. Aus dieser Geschichte ging dann der sogenannte Verhandlungsprozess zwischen Russland und der Ukraine unter Vermittlung der Vereinigten Staaten hervor.

Trump konnte hoffen, dass die Verhandlungen über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges oder zumindest über eine Waffenruhe an der russisch-ukrainischen Front nun schnell und erfolgreich verlaufen würden, nachdem Putin selbst vom Geist von Anchorage sprach. Putin hingegen hatte selbstverständlich vor, Zeit zu gewinnen – möglicherweise bis zum Ende der Amtszeit des amtierenden amerikanischen Präsidenten –, um sich anschließend damit zu befassen, wie er mit dessen Nachfolger umgehen würde. Mit anderen Worten: genauso zu handeln, wie er bereits gegenüber Barack Obama, Joseph Biden und auch Donald Trump während dessen erster Amtszeit im Oval Office gehandelt hatte. An eine solche Entwicklung der Ereignisse ist Putin gewissermaßen gewöhnt.

Als Trump erkannte, dass Putin nicht einmal daran dachte, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, und sich nach Beginn des Krieges der Vereinigten Staaten gegen den Iran nicht einmal mehr für die russisch-ukrainischen Verhandlungen interessierte, weil er davon ausging, dass die Amerikaner nun weit weniger Möglichkeiten hätten, Druck auf ihn hinsichtlich einer Fortsetzung des Verhandlungsprozesses auszuüben, änderte er, wie wir sehen, seine Haltung – weniger gegenüber dem russischen Präsidenten als vielmehr gegenüber dem, was zwischen Russland und der Ukraine geschieht.

Ein gewisser Beleg dafür war der Beitritt des amerikanischen Präsidenten zur gemeinsamen Erklärung der G7, in der die Unterstützung unseres Landes im Kampf gegen die russische Aggression bekräftigt wird. Ich erinnere daran, dass Trump im vergangenen Jahr während des G7-Gipfels nicht einmal das Ende dieses hochrangigen Treffens abgewartet und sich der gemeinsamen Abschlusserklärung nicht angeschlossen hatte.

Daran, dass die Amerikaner auf den Tagungen der Generalversammlung der Vereinten Nationen konsequent für russische Resolutionen zum russisch-ukrainischen Krieg gestimmt haben, möchte ich gar nicht erst erinnern. Wozu an eine Schande erinnern?

Jetzt wird darüber gesprochen, dass auch auf dem NATO-Gipfel in Ankara, ebenfalls in Anwesenheit Donald Trumps, eine Resolution über die Fortsetzung der Unterstützung für die Ukraine verabschiedet werden könnte. Das Nordatlantische Bündnis könnte unserem Staat bis zu 70 Milliarden Dollar Militärhilfe bereitstellen – möglicherweise ohne Beteiligung der Vereinigten Staaten, aber auch ohne deren Widerspruch gegen diese Absichten der NATO-Verbündeten.

Und natürlich kann Marco Rubio in einer solchen Situation, der, wie wir verstehen, vom ersten Tag an wusste, dass es in Anchorage keinerlei Vereinbarungen gegeben hatte, das sagen, was ohnehin alle wissen: Auf dem Gipfel in Alaska haben sich Trump und Putin auf nichts geeinigt. Wenn Putin, Lawrow, Uschakow, Peskow und andere russische Funktionäre uns von irgendwelchen Vereinbarungen erzählen, die von den Vereinigten Staaten angeblich gebrochen worden seien, und behaupten, der Geist von Anchorage sei irgendwo verschwunden, dann lügen sie schlichtweg.


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Titel des Originals: Рубіо викрив брехню Путіна про Анкоридж | Віталій Портников. 25.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 25.06.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Lukaschenko bekam Angst vor Zelensky und schaltete die Relaisstationen ab | Vitaly Portnikov | 24.06.2026.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky teilte mit, dass die auf dem Territorium von Belarus befindlichen Relaisstationen, mit deren Hilfe Russland seine Angriffe auf die westlichen Regionen unseres Landes koordinierte, abgeschaltet worden seien. Somit haben Lukaschenko und Putin auf das Ultimatum Volodymyr Zelenskys reagiert, der zuvor gewarnt hatte, dass die Ukraine dies selbst tun werde, falls Belarus diese Relaisstationen nicht abschalte.

Die Erklärungen des ukrainischen Präsidenten erfolgten nach den sogenannten Entschuldigungen des belarussischen Präsidenten gegenüber seinem ukrainischen Amtskollegen. In diesen Entschuldigungen erklärte Lukaschenko ebenfalls, dass sein Land nicht am Krieg Russlands gegen die Ukraine teilnehmen wolle und dass von belarussischem Territorium keine Gefahr für unseren Staat ausgehen werde.

Daraufhin bemerkte der ukrainische Präsident zu Recht, dass bloße Erklärungen nicht ausreichen, und schlug Lukaschenko als ersten Schritt vor, die Relaisstationen abzuschalten, die den russischen Streitkräften dabei halfen, Angriffe auf das Territorium der Ukraine durchzuführen.

Bereits nach dieser Erklärung betonte ich, dass Putin und Lukaschenko zwischen der Abschaltung der Relaisstationen und anderen möglichen Zugeständnissen an die Ukraine einerseits und möglichen ukrainischen Angriffen auf die Infrastruktur von Belarus andererseits würden wählen müssen, darunter auch auf die Ölraffinerie von Mosyr, die für die Bedürfnisse der russischen Streitkräfte genutzt wird, die ihre aggressiven Handlungen auf ukrainischem Boden fortsetzen. Übrigens sprach Zelensky auch über diese Zusammenarbeit belarussischer Unternehmen mit dem russischen Aggressor.

Das Einzige, was Putin von der Zustimmung zur Abschaltung der Relaisstationen auf belarussischem Territorium hätte abhalten können, wäre die Bereitschaft gewesen, einen Präzedenzfall für mögliche Angriffe auf militärische Objekte in den Staaten Mitteleuropas zu schaffen – nach dem Prinzip: Wenn die Ukraine bereit ist, Verbündete der Russischen Föderation anzugreifen, wird Russland seinerseits Verbündete der Ukraine angreifen. Doch wie wir verstehen, gibt es in diesem Szenario ein reales Problem.

Will Putin tatsächlich einen echten und nicht nur verbalen Konflikt mit NATO-Mitgliedstaaten riskieren? Möchte er testen, wie Artikel 5 des Nordatlantikvertrags funktioniert? Ist er zu einer realen Konfrontation mit den Streitkräften der Mitgliedstaaten des Bündnisses bereit, falls diese sich anschließend Angriffen auf russisches oder belarussisches Territorium anschließen sollten?

All dies sind natürlich rhetorische Fragen – zumindest so lange, bis in Moskau eine Entscheidung über die Ausweitung des russisch-ukrainischen Krieges getroffen wird. Doch die Tatsache, dass die Relaisstationen abgeschaltet wurden, zeigt, dass ein solcher Wunsch beim russischen Präsidenten nicht vorhanden ist. Und offensichtlich auch nicht beim belarussischen.

Lukaschenko konnte Putin davon überzeugen, dass ukrainische Angriffe auf belarussisches Territorium Belarus nicht in den Krieg hineinziehen würden, dafür aber Probleme für die russischen Bedürfnisse schaffen würden. Denn Unternehmen, die nach dem Verlust von bis zu einem Viertel der russischen Raffineriekapazitäten infolge ukrainischer Angriffe bereit wären, für die russische Armee zu arbeiten, gibt es praktisch nicht.

Heute erschienen übrigens Berichte, dass die Russische Föderation mit der Republik Kasachstan über Lieferungen von Erdölprodukten verhandle, obwohl diese Meldungen in Astana sofort dementiert wurden. Möglicherweise deshalb, weil man nicht möchte, dass kasachische Unternehmen unter sekundäre westliche Sanktionen geraten oder dass dies die Zusammenarbeit der Republik Kasachstan mit westlichen Staaten insgesamt beeinträchtigt.

Wie wir also sehen, ist die Ölraffinerie von Mosyr tatsächlich ein realer Gewinn für die russische Wirtschaft und vor allem für die russische Armee sowie den militärisch-industriellen Komplex Russlands. Diese Raffinerie für Relaisstationen zu opfern, wäre ein zu hoher Preis.

Gleichzeitig müssen wir uns bewusst machen, dass Zelensky keineswegs verpflichtet ist, sich ausschließlich auf Forderungen nach der Abschaltung der Relaisstationen zu beschränken. Wir sehen bereits, dass Belarus bereit ist, auf die Erklärungen des ukrainischen Staatschefs zu hören, dass der belarussische Präsident erkannt hat, wie verwundbar sein Land gegenüber möglichen ukrainischen Angriffen geworden ist. Und von Seiten der Russischen Föderation sollte man nach der Erkenntnis Lukaschenkos, dass Russland nicht einmal in der Lage ist, die von ihm besetzten ukrainischen Gebiete zu schützen, keinen wirklichen Schutz erwarten.

Wie sollte Lukaschenko sich ruhig fühlen, wenn sich die Krim einem echten Energiekollaps und einer Verkehrsisolation nähert und immer deutlicher wird, dass die Besetzung dieser ukrainischen Halbinsel ein schwerer geopolitischer Fehler Putins war? Und die Russen freuten sich vergeblich, als ihr Präsident das Völkerrecht brach und jene Ordnung zerstörte, die nach dem Zweiten Weltkrieg mit so großen Mühen geschaffen worden war und durch russische Anstrengungen faktisch verramscht wurde.

Wenn es keine Möglichkeit gibt, die Krim zu schützen, wird es auch keine Möglichkeit geben, Belarus zu schützen. Dabei leben auf der Krim viele Kolonisten, die die Annexion dieser ukrainischen Halbinsel leidenschaftlich unterstützten und dorthin umsiedelten, womit sie faktisch Putins Wunsch erfüllten, die Bevölkerung zu verwässern, die vor der russischen Invasion auf der Krim gelebt hatte.

Die Gesellschaft in Belarus unterstützt bekanntlich den Krieg Russlands gegen die Ukraine nicht. Die Möglichkeiten einer – wenn auch nur scheinbaren – Versöhnung der Belarussen mit dem Regime Lukaschenkos ergaben sich gerade deshalb, weil es dem belarussischen Staatschef gelang, seine Bürger davon zu überzeugen, dass er der Garant des Friedens sei und nicht zulassen werde, dass Belarus selbst an den aggressiven Handlungen Russlands gegen die Ukraine teilnimmt.

Nun könnte sich jedoch herausstellen, dass Lukaschenko mit seiner Unnachgiebigkeit den Krieg auf belarussischen Boden bringt. Und das, obwohl seine Landsleute diesen Krieg nicht unterstützen und die Mehrheit von ihnen bekanntlich auch den Diktator, der 2020 mit einem Aufstand konfrontiert war, nicht besonders unterstützte.

In dieser Situation können wir klar sagen, dass wir ein bestimmtes Fenster der Möglichkeiten für die Ukraine beobachten. Ein Fenster der Möglichkeiten, das Bedingungen schaffen soll, um jede Beteiligung der belarussischen Industrie und der Streitkräfte dieses Landes an der Unterstützung der weiteren russischen Aggression zu verringern.

Denn diese Aggression gleicht der Aggression einer lernäischen Hydra. Und man muss diesem russischen Ungeheuer einen Kopf nach dem anderen abschlagen, bis nur noch ein einziger Kopf übrig bleibt – Putins Kopf –, der mit den Herausforderungen, denen Russland in seiner Aggression begegnen wird, nicht mehr fertigwerden kann. Davon bin ich überzeugt.


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Titel des Originals: Лукашенко злякався Зеленського і відключив ретранслятори | Віталій Портников. 24.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 24.06.2026.
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Trump ermutigt Zelensky zu mehr Entschlossenheit | Vitaly Portnikov | 23.06.2026.

Nach Angaben von Quellen der Zeitung Kyiv Independent riet der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, seinem ukrainischen Kollegen Volodymyr Zelensky während ihres jüngsten Treffens am Rande des G7-Gipfels in Évian, gegenüber Putin entschlossener zu handeln, um den russischen Präsidenten an den Verhandlungstisch zu zwingen.

Beobachter deuten diese Worte Donald Trumps als Eingeständnis der Tatsache, dass der russische Präsident nicht freiwillig an echten Verhandlungen teilnehmen wird. Dies kann als Korrektur der außenpolitischen Position des amerikanischen Präsidenten betrachtet werden, der vom ersten Tag seiner Amtszeit an gehofft hatte, die Präsidenten der Russischen Föderation und der Ukraine zu einer Vereinbarung über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu bewegen, und dies wiederholt öffentlich erklärte.

Natürlich kann man die Frage stellen, warum Trump seine Sicht der Lage gerade jetzt geändert hat. Denn wir haben gesehen, dass Putin alle Initiativen des amerikanischen Präsidenten ständig und konsequent zurückgewiesen hat. Schon in seinem ersten Telefongespräch mit seinem russischen Amtskollegen betonte Trump, dass Russland und die Ukraine einem Waffenstillstand zustimmen und von dieser Position aus über Frieden zwischen den beiden verfeindeten Staaten verhandeln müssten.

Putin stimmte diesem Vorschlag nicht zu. Daraufhin änderte Trump sogar seine Vorstellung eines bedingungslosen Waffenstillstands zwischen Russland und der Ukraine zugunsten eines Modells, das der Russischen Föderation ermöglichen sollte, Bedingungen für einen Waffenstillstand zu stellen. Doch auch das stellte den russischen Präsidenten nicht zufrieden.

Später kam es zu dem berühmten Treffen in Anchorage, das sowohl für den amerikanischen als auch für den russischen Präsidenten mit einem Fiasko endete. Nach dem Treffen erklärte der Präsident der Vereinigten Staaten klar, dass es ihm nicht gelungen sei, Vereinbarungen mit Putin zu erzielen. Doch bereits auf dem Weg von Anchorage nach Washington sah er sich gezwungen, seine Einschätzung der Ergebnisse des Treffens zu ändern, weil er nicht wollte, dass es als negativer Ausgang seiner Diplomatie wahrgenommen wurde.

Nach Anchorage entstand die Idee, ukrainisch-russische Verhandlungen unter amerikanischer Vermittlung sogar während der laufenden Kampfhandlungen zu ermöglichen. Dies war bereits ein erheblicher Rückzug des Präsidenten der Vereinigten Staaten von seinen früheren Vorstellungen über die Möglichkeiten zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges. Man kann sagen, dass Donald Trump dem Szenario Putins zustimmte, der daran interessiert war, Zeit zu gewinnen – möglicherweise bis zum Ende von Donald Trumps Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten –, so wie es bereits bei den Vorgängern des amerikanischen Staatschefs geschehen war.

Jetzt, da offensichtlich wird, dass auch dieser Verhandlungsprozess gescheitert ist und Russland ihn demonstrativ verlassen hat, solange die ukrainischen Truppen nicht auf ihre Präsenz auf dem Gebiet der ukrainischen Region Donezk verzichten – worüber sowohl Präsident Putin als auch andere Kremlbeamte wiederholt gesprochen haben –, sagt Trump zu Zelensky, dass er gegenüber Putin entschlossener handeln müsse.

Dabei handelt es sich weniger um einen diplomatischen Kurswechsel als vielmehr um die Erkenntnis des amerikanischen Präsidenten, dass die Ukraine der Russischen Föderation schwere Schläge zufügt und die Möglichkeiten des russischen militärisch-industriellen Komplexes sowie der Ölverarbeitungsindustrie einschränkt. Außerdem darf man nicht vergessen, dass Trumps Worte genau in dem Moment fielen, als sich die Lage im Nahen Osten – wenn auch vorübergehend – zu entspannen begann und die Islamische Republik Iran der Öffnung der Straße von Hormus zustimmte.

Damit benötigt Washington die Dienste Moskaus zur Aufrechterhaltung des Ölmarktgleichgewichts bereits jetzt nicht mehr. Mehr noch: Das iranische Öl, das nun an viele Länder des Globalen Südens verkauft werden wird, kann russisches Öl problemlos ersetzen. Zusätzliche Konkurrenten benötigen die Vereinigten Staaten nicht.

Hier deckt sich die Position von Präsident Trump mit der seines Finanzministers Bessent, der stets ein Befürworter der Verdrängung der Russischen Föderation vom weltweiten Energiemarkt zugunsten amerikanischer Ölunternehmen war, an deren Gewinnen die Administration des Weißen Hauses interessiert ist.

Somit kann man sagen, dass Trumps Verhalten in der neuen Situation logisch ist. Der amerikanische Präsident neigt sich stets stärker auf die Seite dessen, der seinem Gegner die schwereren Schläge zufügt, und die Anstrengungen der Ukraine können bei ihm Respekt hervorrufen.

Russlands Bedeutung auf dem weltweiten Ölmarkt soll verringert werden. Daher ist die Zerstörung der russischen Ölverarbeitungsindustrie vor dem Hintergrund der Sanktionen gegen russisches Öl ein zusätzlicher Pluspunkt für den Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Und natürlich konnte Donald Trump, der hofft, dass Anhänger einer traditionellen Haltung gegenüber religiösen Kulten für die Republikaner stimmen werden, die Angriffe der Russischen Föderation auf die Kyiv-Petschersk-Lawra nicht ignorieren. Diese wurden zu einem weiteren Beweis dafür, dass alle Gespräche über gemeinsame Werte amerikanischer Konservativer und des Kremls eher eine Moskauer Erfindung sind, die darauf abzielt, die Vereinigten Staaten auf Distanz zu russischen Interessen im postsowjetischen Raum und in Europa zu halten. Genau dies hatten europäische Staats- und Regierungschefs Donald Trump und seinen Verbündeten bei zahlreichen Gipfeltreffen immer wieder zu erklären versucht.

Doch offensichtlich konnte der amerikanische Präsident die tatsächlichen Absichten seines russischen Amtskollegen, für den er stets eine geradezu unverstellte Achtung empfand, erst dann erkennen, als Putin zu Angriffen überging, die zeigen sollten, dass er in der Lage ist, Heiligtümer der christlichen Welt zu zerstören.

Natürlich stellt sich nun die Frage, welche konkreten Folgen diese Worte Donald Trumps haben werden.

Der amerikanische Präsident stand dem ukrainischen Vorschlag positiv gegenüber, ein gemeinsames Treffen der Staats- und Regierungschefs der drei Länder in den Vereinigten Staaten zu organisieren. Allerdings habe ich keine Erwartung, dass der russische Präsident einem solchen Gipfel tatsächlich zustimmen wird, da er offenbar weiterhin davon überzeugt ist, dass die Zeit auf Putins Seite steht und nicht auf der Seite der Ukraine und ihrer Verbündeten.

Der amerikanische Präsident muss außerdem eine Entscheidung über die weitere Unterstützung der Ukraine treffen. Diese muss natürlich nicht mit Worten oder Erklärungen verbunden sein, sondern mit realem Geld und realen Waffen, die die Ukraine in den kommenden Phasen der lang andauernden russisch-ukrainischen Konfrontation benötigt.

Positiv ist jedoch, dass Trump Putin nun nicht mehr als jemanden betrachtet, der den russisch-ukrainischen Krieg tatsächlich durch einen Verhandlungsprozess beenden möchte.

Und das ist bereits eine wichtige Nachricht für die Situation, in der sich die Ukraine heute in ihrer Konfrontation mit der Russischen Föderation befindet.


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Titel des Originals: Трамп заохочує Зеленського до рішучості| Віталій Портников. 23.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 23.06.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Zelensky setzt Lukaschenko unter Druck | Vitaly Portnikov. 21.06.2026.

Volodymyr Zelensky hat Aljaksandr Lukaschenko erneut aufgefordert, die Relaisstationen an der belarussisch-ukrainischen Grenze zu entfernen. Bereits zuvor hatte der ukrainische Präsident betont, dass bloße Entschuldigungen und Versicherungen, von belarussischem Territorium werde kein neuer Angriff auf die Ukraine ausgehen, für Kyiv nicht ausreichen. Denn das Territorium Belarus’ wird auch jetzt noch von der russischen Armee zur Unterstützung von Putins Aggression gegen die Ukraine genutzt.

Natürlich hätte Lukaschenko noch vor einigen Monaten diesen Drohungen des ukrainischen Präsidenten keine besondere Beachtung schenken können. Doch inzwischen hat sich die Lage im Krieg tatsächlich verändert. Die Ukraine führt Schläge gegen das Territorium der Russischen Föderation aus, und zugleich demonstriert Moskau seine Unfähigkeit, wichtige strategische Objekte vor Angriffen ukrainischer Drohnen zu schützen. Die besetzte Krim befindet sich faktisch in Isolation von der Russischen Föderation. Auf der Halbinsel entwickelt sich rasch eine echte logistische und humanitäre Katastrophe. Und dies ist zugleich eine Katastrophe für die Streitkräfte der Russischen Föderation, die auf der annektierten Halbinsel stationiert sind.

Kann ein Schlag gegen das Territorium Belarus’ erfolgen? Lukaschenko weist zu Recht darauf hin, dass Russland kaum in der Lage wäre, das Land vor möglichen ukrainischen Angriffen zu schützen. Die belarussische Wirtschaft könnte buchstäblich innerhalb weniger Tage zusammenbrechen. Und das bedeutet, dass auch die für Lukaschenko wichtigste Anlage, die Raffinerie von Masyr, untergehen würde, die zugleich von kritischer Bedeutung für die russische Armee ist.

Aus rein logischer Sicht wäre es für Zelensky daher sogar vorteilhafter, wenn Lukaschenko die Erklärungen seines ukrainischen Amtskollegen ignorieren und die Relaisstationen an der belarussisch-ukrainischen Grenze belassen würde. In diesem Fall hätte die ukrainische Armee allen Grund, strategische Objekte der belarussischen Wirtschaft auszuschalten, die für die Bedürfnisse der russischen Streitkräfte genutzt werden.

Die Raffinerie ist eines dieser Objekte. Zudem handelt es sich faktisch um die einzige Raffinerie, die Putin noch zur Verfügung steht und die nicht systematischen Angriffen ukrainischer Drohnen ausgesetzt ist.

Es bleibt nur die Frage, ob Lukaschenko selbst seinen russischen Sponsor und Freund davon überzeugen kann, dass es tatsächlich viel wichtiger ist, die belarussische Wirtschaft und insbesondere die belarussische Ölverarbeitung zu erhalten – in einer Situation, in der Russland bald überhaupt keine funktionierende Ölverarbeitung mehr haben könnte. Vielleicht wäre es dann besser, die Relaisstationen zu opfern, aber Masyr zu retten. Das wäre ein logischer Ansatz.

Man kann sagen, dass Lukaschenko einen solchen Ansatz vertritt. Wenn der belarussische Machthaber die gesamte Bedrohung für sein Regime nicht erkennen würde, hätte er sich nicht bei Volodymyr Zelensky entschuldigt und versichert, dass Belarus nicht beabsichtige, an den nächsten Phasen des russischen Krieges gegen die Ukraine teilzunehmen.

Doch Putin handelt keineswegs immer logisch. Für den russischen Präsidenten könnte eine Ausweitung des Krieges auf das Territorium Belarus’ aus politischer Sicht sogar vorteilhaft sein. Putin könnte meinen, dass er in diesem Fall einen Freibrief hätte, bereits gegen die Verbündeten der Ukraine vorzugehen. Wenn die Ukraine Angriffe auf das Territorium eines russischen Verbündeten ausführt, hätte Russland die Möglichkeit, Schläge gegen das Territorium eines ukrainischen Verbündeten zu führen und damit den Krieg auf die Gebiete der an Russland und die Ukraine angrenzenden Mitgliedstaaten der Europäischen Union und der NATO auszuweiten – vor allem auf Polen und die baltischen Staaten.

Dies wäre wichtig, um militärische Objekte anzugreifen, die von diesen Ländern zur Unterstützung der ukrainischen Armee genutzt werden. Es ist kein großes Geheimnis, dass der Flughafen Rzeszów ein begehrtes Ziel für die russischen Streitkräfte ist. Allerdings könnte die Präsenz amerikanischer Kräfte an diesem Standort Putin von einem solchen Angriff abhalten.

Es gibt jedoch auch Objekte, an denen keine US-Militärangehörigen stationiert sind und die in einem solchen Fall tatsächlich von der russischen Luftwaffe bombardiert werden könnten. Dafür braucht es jedoch einen belarussischen Präzedenzfall. Und so werden Putin und Lukaschenko nun eine recht einfache Frage für sich beantworten müssen: Was ist wichtiger – die wirtschaftlichen Ressourcen der Republik Belarus für die Bedürfnisse der russischen Streitkräfte zu erhalten oder die Situation um einen Angriff auf die Relaisstationen an der belarussisch-ukrainischen Grenze sowie auf andere strategische Objekte der Republik Belarus zu nutzen, um den Krieg letztlich auf das Territorium der NATO-Mitgliedstaaten auszuweiten?

In Moskau könnte man der Ansicht sein, dass es ohne eine solche Ausweitung, ohne die Einschüchterung Europas und ohne die Überzeugung der europäischen Gesellschaften, dass die Unterstützung der Ukraine nur zu einem großen Krieg auf dem europäischen Kontinent führen könne, nicht möglich sein wird, die Ukraine zu besiegen und das Territorium des Nachbarstaates in die Russische Föderation einzugliedern – ein Ziel, von dem Putin noch immer träumt.

Somit setzt Zelensky Lukaschenko einerseits unter Druck, damit dieser die Relaisstationen entfernt, die für Angriffe auf ukrainisches Territorium genutzt werden. Andererseits versucht der verängstigte Lukaschenko, zumindest die Illusion des Friedens für sein eigenes Land zu bewahren und die eigene Wirtschaft zu retten, da ihm bewusst ist, dass sein Regime einen Zusammenbruch dieser Wirtschaft möglicherweise nicht überstehen würde und ihm dann auch kein Putin mehr helfen könnte.

Es gibt jedoch auch ein Putin-Motiv, das mit einer völlig anderen Logik verbunden sein könnte, die weder Volodymyr Zelensky noch Aljaksandr Lukaschenko berücksichtigen. Es ist die Logik eines großen Krieges mit dem Westen, von dem Putin und seine Gefolgsleute möglicherweise träumen – nicht einmal aus der Perspektive einer Eroberung Europas, sondern aus der Perspektive einer Lähmung der militärischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten Europas zur weiteren Unterstützung der Ukraine.

Putin könnte darauf hoffen, dass seine Anhänger in Europa einfach demonstrieren werden, dass die weitere Unterstützung der Ukraine ein ernstes Problem für die Europäer selbst darstellt.

Und genau entlang einer solchen Entwicklungslinie werden sich die Ereignisse in den kommenden Wochen und Monaten entfalten. Wenn wir davon ausgehen, dass weder die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges noch seine Ausweitung verhindert werden können, dann erscheint ein solches Szenario bereits in naher Zukunft durchaus wahrscheinlich.


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Titel des Originals: Зеленський кошмарить Лукашенка | Віталій Портников. 21.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 21.06.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Putin ignoriert Zelensky | Vitaly Portnikov. 15.06.2026.

Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, erklärte während seines Besuchs der Kyiv-Petscherska Lawra, die in der vergangenen Nacht von den russischen Besatzern bombardiert worden war, dass er dem russischen Präsidenten Putin vorgeschlagen habe, sich während des G7-Gipfels im französischen Évian-les-Bains zu treffen. Und dass bei den Verhandlungen zwischen den Präsidenten Russlands und der Ukraine der Präsident der Vereinigten Staaten sowie europäische Staats- und Regierungschefs anwesend sein sollten.

Der Präsident Russlands reagierte erwartungsgemäß nicht auf diesen Vorschlag seines ukrainischen Kollegen, und Zelensky wertete als Antwort den erneuten massiven Angriff der Russen auf Kyiv und andere ukrainische Städte.

Aus diplomatischer Sicht wirkt schon die Idee eines Treffens während des G7-Gipfels ziemlich merkwürdig. Denn bekanntlich wurde der Präsident Russlands nach der Annexion der Krim und dem Beginn des Krieges im Donbas aus diesem prestigeträchtigen internationalen Klub ausgeschlossen. Selbst als der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, während seiner ersten Amtszeit im Oval Office versuchte, Putin zum G7-Gipfel einzuladen, löste dies eine derart scharfe Reaktion der übrigen Mitglieder des Klubs aus, dass nicht nur die Einladung an Putin, sondern sogar das Treffen selbst abgesagt werden musste.

Damit stellt sich die Frage, ob der französische Präsident Emmanuel Macron überhaupt bereit gewesen wäre, den russischen Staatschef in sein Land einzuladen, selbst wenn Volodymyr Zelensky eine solche Variante mit Donald Trump abgesprochen hätte. Schließlich ist Trump nicht der Gastgeber dieses Treffens. Und die Reaktion des Élysée-Palastes auf diese Idee Zelenskys kennen wir bis heute nicht.

Offensichtlich wäre auch für Putin eine solche Variante eines Treffens mit dem ukrainischen Präsidenten inakzeptabel gewesen. Es hätte bedeutet, dass nicht der Gastgeber des Gipfels, der Präsident Frankreichs, sondern der Präsident der Ukraine den Präsidenten der Russischen Föderation zur Teilnahme am G7-Gipfel einlädt. Und Emmanuel Macron käme Zelensky lediglich entgegen. Wäre da nicht der Wunsch Zelenskys gewesen, hätte niemand Putin in die Französische Republik eingeladen.

Offensichtlich ist dies ganz sicher nicht das Format einer Begegnung mit dem ukrainischen Präsidenten, das dem russischen Diktator überhaupt in den Sinn kommen würde. Meiner Ansicht nach denkt Putin jedoch grundsätzlich nicht über die Möglichkeit eines Treffens mit Zelensky nach.

Wenn er in seinen öffentlichen Auftritten oder während Telefonaten mit Trump immer wieder sagt, er sei bereit, sich mit Zelensky in Moskau zu treffen, dann hält er dies für einen vollkommen risikofreien Zug, denn sein ukrainischer Kollege wird ganz sicher nicht in die russische Hauptstadt reisen. Auf diese Weise kann er zugleich wie jemand erscheinen, der zu einem Treffen bereit ist, und gleichzeitig jede Möglichkeit einer tatsächlichen Begegnung mit Volodymyr Zelensky zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges ausschließen.

Ich bin weiterhin der Ansicht, dass das Treffen der Präsidenten Russlands und der Ukraine während des wiederbelebten Normandie-Formats in Paris im Jahr 2019 nicht nur das erste, sondern auch das letzte Treffen des russischen und des ukrainischen Präsidenten war.

Putin brach die Kontakte zum Vorgänger Volodymyr Zelenskys, Petro Poroshenko, genau deshalb ab, weil er von seinem ukrainischen Gegenüber nicht die Kapitulation der Ukraine erhielt. Er erwartete, dass Zelensky die Fehler Poroshenkos korrigieren würde, nachdem er den vorherigen ukrainischen Präsidenten bei den Wahlen 2019 besiegt hatte.

Als Zelensky Putin zeigte, dass er nicht zur Kapitulation bereit war, verlor der russische Staatschef das Interesse an ihm und begann stattdessen mit den Vorbereitungen für einen Machtwechsel in der Ukraine sowie für einen Blitzkrieg, der in Kyiv eine Marionettenführung unter Viktor Janukowytsch und natürlich Viktor Medwedtschuk an die Macht bringen sollte.

Haben sich Putins Vorstellungen darüber geändert, inwieweit er sich mit Zelensky einigen könnte? Meiner Ansicht nach haben sie sich bis heute nicht geändert und könnten sich auch in Zukunft nicht ändern. Selbst wenn wir uns vorstellen, dass zwischen Russland und der Ukraine in fernerer Zukunft die Möglichkeit einer Einstellung der Kampfhandlungen und eines Einfrierens des Krieges entsteht, müssten sich die Präsidenten dafür keineswegs persönlich treffen.

Denn wie wir sehen, wurden die Vereinbarungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran unter Vermittlung Dritter getroffen, und Donald Trump hat sich mit keinem Vertreter der iranischen politischen Führung getroffen.

Damit eine solche Möglichkeit jedoch in absehbarer Zeit entsteht, muss man Putin weniger zu einem Treffen auffordern, als vielmehr Schritte unternehmen, die eine Fortsetzung des russischen Krieges gegen die Ukraine unmöglich machen. Dazu gehören die weitere Zerstörung des militärisch-industriellen Komplexes der Russischen Föderation, ihrer Erdölraffinerien und ihrer Erdölhäfen.

Dazu gehört die Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung, die verhindern würde, dass ukrainische Städte und Ortschaften in den kommenden Monaten und Jahren dieses zermürbenden Krieges weiter zerstört werden. Und dazu gehört die endgültige Aufhaltung der russischen Truppen an der ukrainischen Front, was dem Präsidenten der Russischen Föderation die Hoffnung auf die Besetzung weiterer ukrainischer Gebiete nehmen würde. Genau diese Faktoren schaffen perspektivisch die Möglichkeit eines Einfrierens dieses Krieges, den Putin bereits 2014 gegen die Ukraine begonnen hat und der 2022 in seine heiße Phase überging.

Und wenn sich solche Umstände tatsächlich als günstig für unser Land erweisen, wird Volodymyr Zelensky Putin nicht immer wieder zu einem Treffen einladen und sein Friedensstreben mit solchen Erklärungen demonstrieren müssen. Dann wird der Präsident der Russischen Föderation selbst ein wirksames Verhandlungsformat initiieren, das zu einer Aussetzung der Kampfhandlungen führt und der Ukraine die Möglichkeit gibt, sich in den Jahren danach in eine Festung zu verwandeln, die sich gegen einen möglichen neuen Angriff der Russischen Föderation mit oder ohne Putin verteidigen kann.

Dies ist die historische Perspektive der Ukraine für die kommenden Jahre und Jahrzehnte. Und in dieser historischen Perspektive muss es möglicherweise überhaupt nicht zu einem Treffen zwischen dem russischen und dem ukrainischen Präsidenten kommen.


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Titel des Originals: Путін ігнорує Зеленського | Віталій Портников. 25.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 15.06.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Zelensky fordert Abramowitschs Geld | Vitaly Portnikov. 09.06.2026.

Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, schlug dem Premierminister Großbritanniens, Keir Starmer, während ihres jüngsten Treffens in London vor, die fast 2,5 Milliarden Pfund, die der russische Oligarch Roman Abramowitsch aus dem Verkauf des Fußballclubs Chelsea erhalten hat, für die Bedürfnisse des ukrainischen Luftverteidigungssystems zu verwenden, insbesondere für den antiballistischen Schutz der Ukraine.

Zelensky betonte, dass er Starmer direkt auf die Möglichkeit angesprochen habe, dieses Geld zu übertragen, das Abramowitsch bislang für keinerlei Zwecke freigegeben habe. Und dieser Vorschlag von Volodymyr Zelensky wurde, so könnte man sagen, zum logischen Ergebnis des jüngsten Treffens des ukrainischen Präsidenten mit dem russischen Oligarchen in Kyiv.

Zelensky scherzte sogar, Abramowitsch habe dieses Geld nicht zu dem Treffen mitgebracht. Er sagte ihm, dass die Ukraine dieses Geld brauche. Wir wissen nicht, ob der ukrainische Präsident und der russische Oligarch während Abramowitschs jüngster geheimnisvoller Reise nach Kyiv miteinander scherzten. Aber die Tatsache, dass Zelensky jetzt über Abramowitschs Geld spricht, sagt vieles aus.

Erstens zeigt sie, dass die Hoffnungen, die möglicherweise bestanden hatten, Abramowitsch könne als Vermittler zwischen Moskau und Kyiv auftreten und die Bereitschaft des russischen Präsidenten Putin beeinflussen, Verhandlungen aufzunehmen, die mit einer Einstellung der Kampfhandlungen enden könnten, sich nicht erfüllt haben, weil sie sich auch gar nicht erfüllen konnten. Einen realen Einfluss Abramowitschs auf Putin mit dem Ziel, den russischen Staatschef zur Beendigung des russischen Krieges gegen die Ukraine zu bewegen, gibt es nicht. Und wahrscheinlich hat es einen solchen Einfluss auch nie gegeben.

Aber die Wahrheit ist: Roman Abramowitsch hat mit diesem Einfluss im Jahr 2022 erfolgreich gehandelt. Dank seiner eigenen Beteiligung am Verhandlungsprozess zwischen Russland und der Ukraine gelang es ihm, für einige Zeit insbesondere Sanktionen der Vereinigten Staaten gegen ihn zu vermeiden und auf diese Weise sein eigenes Geld zu schützen – und möglicherweise auch das Geld hochrangiger russischer Funktionäre, die bis heute die Dienste von Roman Abramowitschs Unternehmen zur Sicherung ihrer Vermögenswerte nutzen können.

Obwohl Abramowitschs Vermittlerrolle schon damals zweifelhaft erschien, ist es, wie wir sehen, bis heute nicht gelungen, die Mythologie seines Einflusses zu zerstören. Und auf diese Mythologie greift Putin in den richtigen Momenten selbst zurück. Denn wir verstehen sehr gut, dass der russische Oligarch ohne die Zustimmung des russischen Präsidenten, ohne Rücksprache mit ihm, niemals die ukrainische Hauptstadt besucht, sich niemals mit Volodymyr Zelensky und anderen ukrainischen Führungspersönlichkeiten getroffen hätte.

Und wenn die Information zutrifft, dass Putin während dieser Reise Abramowitschs nach Kyiv selbst mit dem Vorsitzenden der Parlamentsfraktion der in der Ukraine regierenden Partei „Diener des Volkes“, David Arachamija, gesprochen hat, dann kann man überhaupt zu dem Schluss kommen, dass der Präsident der Russischen Föderation daran interessiert war, Abramowitschs Vollmachten zu bestätigen.

Nur worin bestanden diese Vollmachten? Darin, dass Abramowitsch der Ukraine die Kapitulationsforderungen des russischen Präsidenten überbrachte, der überzeugt ist, dass man nun auch in Kyiv die Notwendigkeit einer solchen Kapitulation erkennen müsse? Oder bestanden seine Vollmachten im Gegenteil darin, die Vorschläge des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky zur Möglichkeit einer Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses zwischen den beiden Staaten anzuhören?

Unabhängig davon, ob wir jemals die Wahrheit darüber erfahren werden, was sich während Roman Abramowitschs Aufenthalt in der ukrainischen Hauptstadt tatsächlich abgespielt hat oder nicht, muss man verstehen, dass sowohl der Verlauf des Verhandlungsprozesses als auch das, was während des Gesprächs zwischen Abramowitsch und Zelensky besprochen wurde, von beiden Seiten diametral entgegengesetzt interpretiert werden wird – unabhängig davon, was tatsächlich bei diesen Gesprächen geschah, zumindest wenn es um die russische Interpretation geht.

Was die ukrainische Interpretation betrifft, so können wir erneut auf eine Überschätzung der Einflussmöglichkeiten Abramowitschs stoßen. Eine solche Überschätzung beobachten wir ständig. Sie betrifft keineswegs nur Abramowitsch, sondern auch die Mythologie von unzufriedenen russischen Eliten, die Druck auf den Präsidenten der Russischen Föderation ausüben könnten, die ihn dazu bewegen könnten, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden, die realistischer eingestellt sein könnten als Putin und mit denen Putin – und das ist das Wichtigste – rechnen müsse.

Dass es in den russischen Eliten unterschiedliche Stimmungen geben kann, daran zweifle ich nicht. Ich zweifle jedoch daran, ob es sich überhaupt um Eliten handelt oder lediglich um Werkzeuge in den Händen jenes Mannes, den der Föderale Sicherheitsdienst Russlands auf den höchsten Posten brachte, als die Tschekisten die Macht im Land endgültig übernahmen und bis heute an der Spitze genau dieser Machtvertikale stehen – und nicht einer Machtvertikale, in der sich Oligarchen wie Roman Abramowitsch oder Banker wie Elwira Nabiullina befinden. Man kann sagen, dass all diese Menschen lediglich Werkzeuge in den Händen der Tschekisten sind.

Die Ansichten über Vergangenheit und Zukunft bei den Tschekisten und ihrem heutigen Führer Putin können jedoch noch sehr lange übereinstimmen. Zumindest solange Putin weiterhin versucht, ihr Imperium in den Grenzen der Sowjetunion von 1991 wiederherzustellen – was eines der wichtigsten politischen Ziele der Lubjanka praktisch seit dem Moment ist, als die Sowjetunion von der politischen Landkarte der Welt verschwand. Erinnern wir uns daran, dass Putin dieses Ereignis schon vor langer Zeit als die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet hat.

Und auch aus dieser Perspektive muss man das verstehen. Wenn Sie den Einfluss Roman Abramowitschs und seine Fähigkeit, Putins Positionen zu beeinflussen, tatsächlich überschätzen, können Sie versuchen, ihn mit der Beschlagnahmung seines eigenen Geldes einzuschüchtern, in der Hoffnung, dass 2,5 Milliarden Pfund oder irgendein anderer Betrag jene Summe sind, die Abramowitsch davon überzeugen wird, Putin gewissenhafter zu vermitteln, dass Frieden notwendig ist.

Aber die Frage ist nicht, wie viel Geld Abramowitsch verlieren muss, damit er erkennt, dass Frieden notwendig ist. Vielleicht erkennt er das auch ohne Putin sehr gut. Die Frage ist vielmehr, inwieweit Putin bereit ist, auf die Ratschläge Abramowitschs oder irgendeines anderen russischen Oligarchen hinsichtlich seines politischen Kurses zu hören.

Denn Putin hat seit Beginn der 2000er Jahre bewusst ein solches tschekistisches Regime geschaffen, das keine oligarchischen Ratschläge benötigt und in dem sich die Oligarchen, die gerade dank ihrer Kuratoren von der Lubjanka erfolgreich geworden sind, daran erinnern sollten, wer sie in Wirklichkeit sind, und den Tschekisten nicht länger auf die Nerven gehen.


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Titel des Originals: Зеленський вимагає гроші Абрамовича |Віталій Портников. 09.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 09.06.2026.
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Trump tauscht Witkoff gegen Theophilos aus | Vitaly Portnikov. 08.06.2026.

Israelische Medien berichten, dass der amerikanische Präsident Donald Trump den orthodoxen Patriarchen von Jerusalem, Theophilos II., gern in der Rolle eines neuen Vermittlers bei der Regelung der Frage der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges sehen würde. Über eine solche Möglichkeit habe Trump angeblich bei ihrem jüngsten Treffen im Weißen Haus mit dem Patriarchen gesprochen. Und im Patriarchat von Jerusalem bestätigt man tatsächlich, dass der Patriarch sich gern mit Aufgaben humanitärer Natur befassen würde.

Diese Nachricht illustriert erstens, dass sich der Präsident der Vereinigten Staaten hinsichtlich der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges in einer Sackgasse befindet. Seine wichtigsten Vermittler, Steve Witkoff und Jared Kushner, sind mit der Suche nach Auswegen aus einer anderen Krise beschäftigt – der Krise des Krieges mit dem Iran. Und ungeachtet der ständigen optimistischen Erklärungen Donald Trumps ist heute keinerlei reale Perspektive erkennbar, nicht einmal für die Beendigung des Konflikts als solchen, sondern vor allem für die Öffnung der Straße von Hormus. Bleiben wir jedoch gemeinsam mit Donald Trump optimistisch, denn die Folgen eines Scheiterns des amerikanischen Präsidenten bei dieser Aufgabe wären schlicht überwältigend.

Witkoff kann derzeit weder Moskau noch Kyiv besuchen, doch in der russischen Hauptstadt wartet man auch nicht besonders auf den Vertreter Trumps, denn man würde den Verhandlungsprozess gern in die gewöhnliche Routine von Treffen von Kommissionen und Berufsdiplomaten überführen – also in Verhandlungen um der Verhandlungen willen, die es dem russischen Präsidenten Putin erlauben würden, die Zerstörung der Ukraine fortzusetzen. Witkoff hingegen erwartet vom russischen Präsidenten ständig irgendwelche schnellen Ergebnisse, die Putin nicht interessieren.

Und nun hat Trump entschieden, dass möglicherweise der Patriarch von Jerusalem Putin überzeugen könne, seinen Standpunkt zu ändern. Zumal ein Treffen Theophilos’ II. mit dem russischen Präsidenten bereits für diesen Monat geplant ist.

Schon die Idee einer Vermittlung durch den Patriarchen von Jerusalem demonstriert eine weitere wichtige Eigenschaft der gegenwärtigen amerikanischen Administration: mangelndes Verständnis der Situation, man könnte sagen Dilettantismus. Muss es dort denn nicht irgendwelche Spezialisten für die orthodoxe Welt geben? 

Denn Theophilos II., der zu Beginn seines Patriarchats ein Mann war, der sich scharfe Kritik an der Russisch-Orthodoxen Kirche erlaubte, wurde mit der Zeit zu einem der prorussischsten Patriarchen der orthodoxen Welt überhaupt – bis hin zu dem Versuch, ein schismatisches Treffen der Patriarchen im jordanischen Amman abzuhalten, was vom Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios verurteilt wurde.

Allerdings muss man der Wahrheit ins Auge sehen: Viele Oberhäupter orthodoxer Kirchen konnte der Patriarch von Jerusalem damals nicht versammeln. Doch der Kriegspatriarch Kirill kam. Ebenfalls kamen die der Russisch-Orthodoxen Kirche nahestehenden Oberhäupter der georgischen und der serbischen Kirche.

Patriarch Theophilos ist ein überzeugter Gegner der autokephalen Orthodoxen Kirche der Ukraine und ein Anhänger der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats. Er gehört nicht einfach zu jenen, die die Rückkehr der Orthodoxen Kirche der Ukraine auf die religiöse Landkarte der modernen Welt nicht anerkennen. Er gehört zu jenen, die aktiv gegen diese Entscheidung des Ökumenischen Patriarchen kämpfen, und seine Position stimmt mit der Position Präsident Putins und des russischen Patriarchen Kirill überein.

Im vergangenen Jahr erhielt der Patriarch von Jerusalem Theophilos II. vom Präsidenten der Russischen Föderation den Orden der Freundschaft. Ganz so wie der inzwischen ehemalige ungarische Außenminister Péter Szijjártó. Und er erhielt ihn nicht ohne Grund, denn die faktische Bedienung der Interessen der Russischen Föderation und der Kirche Patriarch Kirills durch den orthodoxen Patriarchen von Jerusalem ist für jeden, der sich in den Ereignissen der orthodoxen Welt auskennt, keineswegs eine große Neuigkeit.

Übrigens besitzt Patriarch Theophilos II. auch einen ukrainischen Orden. Er könnte ihn Donald Trump als weitere Zeile in seinem Lebenslauf präsentieren, die den amerikanischen Präsidenten von der Fähigkeit des Patriarchen von Jerusalem überzeugen sollte, zwischen Moskau und Kyiv zu vermitteln. Nur wurde dieser Orden, der Orden Jaroslaws des Weisen, dem Patriarchen von Jerusalem von niemand anderem als Viktor Janukowytsch verliehen. Und mir scheint, dass dies eine recht passende Ergänzung zu der hohen Auszeichnung ist, die der Patriarch von Jerusalem von Präsident Putin erhalten hat.

Zu behaupten, dass der orthodoxe Patriarch von Jerusalem ein wirklicher Vermittler zwischen Moskau und Kyiv sein könne, kann daher nur jemand, der nicht versteht, wen er vor sich hat.

Mit anderen Worten: Theophilos II. ist ein entschiedener Anhänger der Russischen Föderation. Er könnte weniger vermitteln als vielmehr Präsident Zelensky oder anderen ukrainischen Führungspersönlichkeiten Ultimaten des Präsidenten der Russischen Föderation überbringen. Eine Art Abramowitsch in einer Soutane. Und politisch betrachtet enthält der Lebenslauf des orthodoxen Patriarchen von Jerusalem nichts anderes.

Doch offensichtlich muss Donald Trump die Aktivität imitieren, um zu demonstrieren, dass er den russisch-ukrainischen Krieg nicht vergessen hat, und zugleich nichts Realistisches tun, damit dieser Krieg tatsächlich endet. Denn wenn der amerikanische Präsident dies wirklich wollte, würde er nicht mit dem orthodoxen Patriarchen von Jerusalem über irgendetwas sprechen, sondern das Gesetz unterzeichnen, das kürzlich vom amerikanischen Kongress verabschiedet wurde.

Denn um den Krieg zu beenden, muss man das militärische und ölverarbeitende Potenzial der Russischen Föderation zerstören, die russische Wirtschaft in die Knie zwingen und Bedingungen für den Zusammenbruch des Putin-Regimes schaffen. Und das kann nur mit amerikanischer Hilfe und nur mit amerikanischem Geld geschehen, wenn man es schnell machen will.

Und das ist weit wirksamer als irgendwelche Gebete des orthodoxen Patriarchen von Jerusalem, Theophilos II. Zumal offensichtlich ist, dass dieser Kirchenfunktionär ausschließlich für die Gesundheit und das Wohlergehen des Präsidenten der Russischen Föderation Putin und seines kriegerischen Pseudopatriarchen Kirill beten wird.


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Titel des Originals: Трамп міняє Віткоффа на Феофіла | Віталій Портников. 08.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 08.06.2026.
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