Die iranische Falle für Trump | Vitaly Portnikov, Kyiv @bestradioisrael. 23.03.2026.

Korrespondent: Natürlich gibt es für uns hier nichts Wichtigeres als unseren Krieg, den Krieg Israels und der USA gegen den Iran, aber ich möchte mit Ihnen die Beziehungen zwischen Trump und den europäischen Ländern besprechen, die man schon kaum noch als Verbündete der USA bezeichnen kann, denn Trump sagt: „Mit euch ist alles klar, ihr habt nur parasitiert“, und stellt im Grunde auch die NATO infrage. Die europäischen Länder haben auf seinen Aufruf nicht reagiert, ihm dabei zu helfen, die Straße von Hormus zu öffnen. Nun, Macron sagte: „Wir werden schicken, aber erst nachdem der Krieg beendet ist“, ebenso sagte er im Grunde auch zur Ukraine: „Wir werden auf jeden Fall französische Soldaten schicken, aber erst wenn der Krieg beendet ist.“ Wie kommentieren Sie diese Situation?

Portnikov: Nun, ich denke, die Situation entfaltet sich erst. Und ich erinnere immer wieder: Wenn man in Israel sagt, dass wir jetzt unseren eigenen Krieg haben, dass es für uns nichts Wichtigeres gibt. Und in der Ukraine sagt man sehr oft, dass wir unseren eigenen Krieg haben und dass es nichts Wichtigeres gibt. Das ist ein Krieg. Der Krieg ist einer. Der Feind ist derselbe. Das ist eine Konfrontation – auf der einen Seite die Vereinigten Staaten, auf der anderen Seite die Russische Föderation und China. Das Nichtverstehen dessen führt zu den Problemen, die im Grunde in den Vereinigten Staaten und in den europäischen Ländern existieren.

Gerade deshalb war die Vorbereitung der amerikanisch-israelischen Operation gegen den Iran ohne Berücksichtigung dieses Umstands und ohne Verständnis dafür, dass Russland dem Iran helfen und China dem Iran helfen wird, äußerst kurzsichtig. Und dass Trump diese russische Hilfe bis jetzt einfach abtut, ist ein weiterer schwerer strategischer Fehler des amerikanischen Präsidenten und des Establishments, das hinter ihm steht.

Aber daraus ergibt sich auch die Geschichte mit den Europäern. Ich möchte Sie daran erinnern, dass Trump im Verlauf eines Jahres bewiesen hat, dass er keinerlei Bündnisse mit den Europäern braucht, dass die NATO eine sinnlose Organisation ist, dass die Europäer den Vereinigten Staaten in nichts helfen können. Und das war dumm und beleidigend, denn die europäischen Länder haben praktisch an allen Operationen der Vereinigten Staaten teilgenommen. Und Sie erinnern sich, dass die Bündnisverpflichtungen so ernst waren, dass sehr oft viele prominente Politiker ihre Reputation und ihre Wahlperspektiven geopfert haben, um den Vereinigten Staaten zu helfen. Erinnern Sie sich an die Geschichte mit Tony Blair und dem Irak? Ich kann Ihnen noch eine ganze Reihe anderer Situationen in Erinnerung rufen.

Und nun steht an der Spitze der Vereinigten Staaten ein Mensch, der diese Zusammenarbeit verachtet, man kann sagen, gehärtet während des Zweiten Weltkriegs und hervorgegangen aus den Schlussfolgerungen des Zweiten Weltkriegs: Ohne euro-atlantische Solidarität erwartet eine Katastrophe nicht nur die Vereinigten Staaten selbst, sondern auch den Nahen Osten.

Schon bei der ersten Operation der Vereinigten Staaten ohne Verbündete wurde diese Katastrophe offensichtlich. Sie wurde nicht mit Verbündeten vorbereitet, sie wurde nicht mit Verbündeten abgestimmt, sie war kein Teil gemeinsamer NATO-Operationen. Sie sah keine möglichen militärischen Handlungen von NATO-Mitgliedstaaten im Falle irgendwelcher Gegenmaßnahmen des Iran vor. Denn die Operation gegen den Iran sah für Donald Trump wie eine Art leichter Spaziergang aus, der zum Zusammenbruch des iranischen Regimes führen und es ihm ermöglichen würde, einen Triumph zu verkünden, so wie es beim „Verschwinden“ des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro gewesen sein soll.

Und als nichts dergleichen geschah und offensichtlich wurde, dass die Vereinigten Staaten und Israel in einen mehrtägigen, mehrwöchigen, vielleicht sogar mehrmonatigen Krieg mit unvorhersehbaren Ergebnissen für die Weltwirtschaft und mit vorhersehbaren politischen Ergebnissen für Donald Trump hineingezogen werden, begann er hektisch zu werden und überall nach Hilfe zu suchen, wo er sie finden konnte.

Auch bei Putin, den er in den ersten Tagen anrief, nachdem klar geworden war, dass seine Pläne sich nicht erfüllt hatten. Und Sie wissen, dass Russland bereits an diesem Krieg verdient, und das bedeutet, dass er sich nicht nur in der Ukraine, sondern auch im Iran in die Länge ziehen wird, weil Russland und China alles Mögliche tun werden, um dem Iran zu helfen, den Vereinigten Staaten und Israel zu widerstehen und die Weltwirtschaft zu erschüttern. Das zeigt sich bereits an der Straße von Hormus. So sehen wir, wie die Unterschätzung der Bedeutung von Bündnissen der zivilisierten Welt zu einer Katastrophe für verantwortungslose politische Akteure wie Trump führt.

Korrespondent: Aber China ist doch gerade daran interessiert, die Straße von Hormus zu öffnen, und China ist der wichtigste Abnehmer iranischen Öls. Insofern stimmen die Interessen Chinas und Russlands hier doch nicht überein.

Portnikov: Das sind wieder einmal Erfindungen, denn chinesische Tanker fahren durch die Straße von Hormus, und China erhält iranisches Öl. Außerdem kann dieses Öl durch russische Lieferungen ersetzt werden. Das ist ebenfalls eine weitere Mythologie, die in einer ganzen Reihe von Medien existiert, die nichts mit der Realität zu tun haben.

China ist daran interessiert, die Vereinigten Staaten in eine Falle zu ziehen, denn die Vereinigten Staaten sind der Konkurrent Chinas – politisch und wirtschaftlich. China nutzt die Situation mit einem inkompetenten, selbstzufriedenen Präsidenten im Weißen Haus, um ein Problem zu lösen, das sich unter professionelleren Politikern, die sich auf Werte gestützt hätten, nicht lösen ließe. Und all das geschieht vor unseren Augen. Sie können das nicht sehen. Sie können sich irgendwelche Geschichten über das Interesse Chinas an der Öffnung der Straße von Hormus ausdenken. Verstehen Sie: Wenn es darum geht, dass Ihnen der Kopf Ihres Feindes auf einem Tablett serviert wird, können Sie auch einmal auf iranisches Öl verzichten. Noch einmal: Sie können mehr russisches kaufen, zumal Russland solche Käufe braucht, um unser Land zu zerstören. Und China ist auch daran interessiert, weil es daran interessiert ist, dass Russland zum Hegemon Europas wird. Es kann für Europa ein Gendarm sein und dabei wirtschaftlich weiterhin von China abhängig bleiben. Es wird sich China nicht entziehen können.

Korrespondent: Aber die Europäer sagen: „Wozu braucht Trump überhaupt unsere Hilfe? Unsere paar fünf Fregatten kommen in die Straße von Hormus und werden dort keine besondere Rolle spielen.“ Nun, und Trump selbst sagte später: „Ich habe euch nur getestet, in Wirklichkeit brauche ich euch dort gar nicht.“

Portnikov: Natürlich braucht er sie nicht, weil es keine Operation gibt, die es ermöglichen würde, die Straße von Hormus so zu öffnen, dass dort Schiffe fahren können. Die einzige Möglichkeit, die Blockade der Straße von Hormus zu beenden, ist ein realer Regimewechsel im Iran und das Auftreten einer Regierung in Teheran, die völlig anders handeln wird. Eine objektive Möglichkeit dafür gibt es nicht. Deshalb wird die Straße von Hormus blockiert bleiben bis zu dem Moment, in dem die amerikanisch-israelische Operation beendet ist und die Vereinigten Staaten sich mit der iranischen Führung, die dann existieren wird, auf irgendetwas einigen. Und die Europäer haben damit nichts zu tun, weil es keinen militärischen Hebel zur Öffnung der Straße ohne eine Bodenoperation gibt – man muss die Küste kontrollieren. Aber ich erzähle Ihnen Dinge, die, ich denke, jeder Kadett einer Militärakademie erklären kann.

Korrespondent: In Israel hofft man dennoch, dass es zu einem Regimewechsel kommt. Donald Trump spricht in letzter Zeit weniger darüber, aber Netanjahu spricht bei jeder seiner Reden und auf jeder Pressekonferenz darüber.

Portnikov: Ja, selbstverständlich. Aber das spricht vor allem für die Inkompetenz der Herangehensweisen bereits der israelischen Führung an das, was im Iran geschieht, und für das mangelnde Verständnis in Israel dessen, was tatsächlich geschieht. Ich kann Ihnen ganz klar sagen, was tatsächlich geschieht.

Tatsächlich ist die Situation mit der militärischen Operation, die auf einem Regimewechsel basierte, in eine Phase des Kampfes gegen ein Regime übergegangen, das standgehalten hat und versucht, alles um sich herum zu zerstören, um günstige Bedingungen für sein zukünftiges Bestehen zu erreichen.

Das ist übrigens dasselbe, was im Jahr 2022 im russisch-ukrainischen Krieg geschehen ist, als dieser Krieg von Seiten des Kremls auf den schnellen Zusammenbruch der ukrainischen Macht gestützt war. Und wie Sie sehen, kämpfen wir bereits im fünften Jahr in einem großen Krieg. Denn was man tun sollte, nachdem dieser Plan gescheitert war, wusste Putin nicht, und er improvisierte unterwegs und traf die Entscheidung für einen Abnutzungskrieg. Nun, ich denke, im Nahen Osten wird es dasselbe sein, weil es für Trump und Netanjahu keinen anderen Ausweg gibt, als gegen das iranische Regime zu kämpfen, bis es endgültig geschwächt ist.

Korrespondent: Ja, aber hier gibt es einen großen Unterschied, denn das ukrainische Regime ist legitim. Die Ukrainer wollten ihr Land verteidigen und haben sich solidarisiert, und die Zustimmungswerte für Zelensky lagen bei über 90 %, als die großangelegte Invasion begann. Das kann man über das iranische Regime nicht sagen. Es wird von sehr vielen gehasst.

Portnikov: Wenn ein solcher umfassender Krieg beginnt, hat das keine besondere Bedeutung. Bedeutung hat die Bereitschaft der Armee, sich zu verteidigen, Bedeutung hat die Fähigkeit der Sicherheitsstrukturen, die Kontrolle über die Gesellschaft auszuüben und so weiter. Sie wissen, dass jedes demokratische Regime unter Kriegsbedingungen ebenfalls gezwungen ist, zu bestimmten, ich würde sagen, Maßnahmen der Verschärfung der Kontrolle über die Gesellschaft überzugehen. So war es in allen Kriegen, und so geschieht es in allen demokratischen Ländern.

Selbstverständlich habe ich nicht die Absicht, die ukrainische Regierung mit der iranischen zu vergleichen, denn die ukrainische Regierung ist, wie Sie zu Recht bemerkt haben, eine demokratisch gewählte Regierung, während das Regime der islamischen Revolution ein radikales revolutionäres Regime ist, das sich auf die Bajonette des Korps der Revolutionsgarden stützt. Das ist selbstverständlich so. Ich vergleiche jedoch die Situation und nicht die Regierung.

Und davon, dass wir sagen, dass in der Ukraine eine demokratische Regierung und im Iran eine autoritäre existiert, wird es uns nicht leichter. Und für mich war es, wissen Sie, ein Rätsel, dass, als es im Iran Massenproteste gab, alle sagten: „Trump muss ihnen helfen, Trump hat ihnen versprochen, dass Hilfe nahe ist, und er hat nicht geholfen – sonst wäre das Regime gestürzt.“ Für mich war das völliger Wahnsinn, den ich gehört habe, denn wenn ein Raketenbombardement beginnt, endet jede Revolte.

Korrespondent: Nun ja, unter Bomben geht niemand auf die Straße, aber er hat mit dieser Hilfe zu spät reagiert. Er war einfach nicht bereit.

Portnikov: Ich denke nicht, dass er mit dieser Hilfe zu spät war. Wenn er damals diese Operation begonnen hätte, wäre die Situation dieselbe gewesen, nur schlimmer. Denn dann hätte man das iranische Regime nicht einmal dafür verantwortlich machen können, dass es Zehntausende Menschen auf den Plätzen aufhängt. Diese Menschen wären einfach nach Hause gegangen und viele von ihnen wären zu Unterstützern ihrer eigenen Macht geworden, so wie es jetzt bereits geschieht.

Darin liegt ja die Situation. Verstehen Sie, wir wollen uns nicht eingestehen, was tatsächlich geschieht. Tatsächlich ist es für den Iran und für solche totalitären Regime wie das iranische ein Axiom: Wenn der Machtapparat in der Lage ist, die Gesellschaft zu unterdrücken, ist er auch in der Lage, Krieg zu führen.

Und es gibt noch einen fundamentalen Punkt. Israel hat jahrzehntelang als Gesellschaft gelebt, die von kurzen Kriegen zu langen Friedensperioden überging. Diese Phase der Existenz des israelischen Staates ist beendet. Jetzt wird Israel in einer Situation langer Kriege und kurzer Friedenszeiten leben. Wie wird die israelische Gesellschaft funktionieren? Wie viele Menschen werden in der Lage sein, unter solchen Bedingungen zu leben? Wie wird die Rückkehr nach Israel unter solchen Bedingungen aussehen? Ich weiß es nicht.

Das sind biblische Zeiten, verstehen Sie? All das ist in der Bibel beschrieben. Wie Israel und die Juden in einer Situation kurzer Friedenszeiten und langer Kriege lebten und wie sie in einer Situation langer Kriege und kurzer Friedenszeiten lebten. Das waren unterschiedliche Perioden in der Geschichte des Gelobten Landes. Genau deshalb entstand eine große jüdische Diaspora in der Welt noch vor der Zerstörung des Tempels. Das alles sind keine Neuigkeiten. Das alles kann man in jedem Buch lesen. Das wird in jeder Synagoge gelernt. Und ich denke, dass gerade die Menschen, die das in jeder Synagoge lernen, den Israelis, die selten in die Synagoge oder irgendein anderes Gotteshaus gehen, erklären können, wie das Leben in Zukunft aussehen wird. Das muss man einfach verstehen.

Korrespondent: Lassen Sie uns über den Friedensprozess sprechen, der nominell weiter in Miami zwischen Russland und der Ukraine läuft. Gibt es dort überhaupt etwas zu besprechen?

Portnikov: Nein, denn es gibt keinen Friedensprozess. Es gibt einen Scharlatan – das ist Putin –, der einfach die Anwesenheit Trumps im Weißen Haus nutzt, um den Krieg gegen die Ukraine fortzusetzen. Und er rechnet damit, dass bis zu dem Moment, in dem Trump 2029 das Oval Office verlässt, ihm die Hände frei sind. Es gibt andere Scharlatane – Witkoff und Kushner –, die einen Friedensprozess imitieren. Übrigens nicht den ersten Friedensprozess, wie Sie verstehen.

Korrespondent: Das heißt, sie imitieren den Friedensprozess, damit Putin weiter Krieg führen kann?

Portnikov: Nein, ich denke, sie imitieren den Friedensprozess, um Trump das zu geben, was er hören möchte – dass bald Frieden in der Ukraine sein wird, dass sie die Möglichkeit bekommen werden, mit Russland zu handeln, dass sie die Ukraine unter Druck setzen werden, damit sie auf irgendwelche territorialen Zugeständnisse eingeht. Diese ganze Geschichte beruht auf einem falschen Narrativ. Das falsche Narrativ besteht darin, dass es die Vorstellung gibt, wenn die Ukraine ihre Truppen aus einem Teil des Territoriums der Region Donezk abzieht, den sie jetzt kontrolliert, wird Putin sofort aufhören zu kämpfen. Dass es nur darum geht. Das hat nichts mit der Realität zu tun.

Denn, noch einmal zurückkommend auf die Geschichte mit dem Iran: Das Ziel des Iran ist, wie Sie wissen, die Liquidierung des jüdischen Staates. Und es gibt keinen Wunsch der iranischen Ajatollahs, mit Israel zusammenzuleben. Und solange dieses Regime existiert, wird Israel unter der Bedrohung der Liquidierung stehen – ob mit Hilfe von Atomwaffen oder mit Hilfe von Raketenprogrammen, das wissen wir nicht. Aber dass eine solche Bedrohung existiert, dass sie real ist, objektiv ist und dass wir in den kommenden Jahrzehnten Zeugen davon werden können – das ist eine Gegebenheit. Mit dieser Gegebenheit muss man leben können.

Dasselbe gilt für die Ukraine. Das Ziel des russischen Staates ist die Liquidierung des ukrainischen Staates und die Eingliederung seiner Territorien in Russland. Nach derselben Analogie ist für den Iran Israel Palästina, ein arabischer Staat, in dem Araber leben sollen, und die Israelis sind Kolonisten, die unklar warum nach Palästina gekommen sind. Und für Russland ist die Ukraine Russland, einfach gewöhnliches russisches Territorium, dessen Bewohner sich aus irgendeinem Grund Ukrainer nennen, um die Rückkehr zu den Ursprüngen des Russischen Imperiums zu verhindern. Das ist die ganze Idee. Das heißt, in diesem Sinne sind sie vollkommen identisch. Welchen Frieden können Sie dann unter solchen Ansätzen schließen? Sagen Sie es mir.

Korrespondent: Das, was jetzt im Iran geschieht – selbst wenn die Ziele erreicht werden, nun, nehmen wir an, das iranische Regime hält stand, schottet sich ab, es wird dennoch sehr stark geschwächt sein. Das schwächt doch Putin.

Portnikov: Meinen Sie, dass Probleme mit dem iranischen Regime Putin schwächen, oder was?

Korrespondent: Nun ja, ein geschwächter Iran oder der Verlust des Iran als Verbündeter.

Portnikov: Nein, ich denke, das hat überhaupt keine Bedeutung. Sie betrachten Russland fälschlicherweise als einen geopolitischen Staat. Russland hat keine ernsthaften Positionen im Nahen Osten. Das sind ebenfalls Erfindungen. Und zwar, sagen wir so, Erfindungen von Benjamin Netanjahu, der die Beziehungen zu Putin gestärkt hat, basierend auf der Idee der geopolitischen Bedeutung Russlands. Wir sehen, dass Russland keinerlei geopolitische Bedeutung hat. Es kann weder in Venezuela noch im Iran etwas ausrichten. Ich versichere Ihnen, dass es auch auf Kuba nichts Besonderes ausrichten kann, wenn die Amerikaner es wollen. In Syrien konnte es ebenfalls nichts tun.

Das ist eine Mythologie, die die Zusammenarbeit ultrarechter Kräfte rechtfertigt: „Wir müssen mit Putin zusammenarbeiten, sonst wird er Israel bedrohen.“ Wir kennen diese Logik – sie ist falsch. Russland ist ein starker regionaler Akteur, der ein geopolitischer Führer sein möchte, aber die geopolitische Bedeutung Russlands wird nicht dadurch erreicht, was mit dem iranischen Regime geschieht, sondern dadurch, was mit der Ukraine geschieht und ob Russland, wenn Sie so wollen, zum Gendarmen Europas werden kann, wie ich bereits sagte.

Deshalb trägt der Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran objektiv zur Verwirklichung der geopolitischen Ziele Russlands bei, weil er russisches Öl freisetzt, ihm ermöglicht, Geld zu verdienen, ihm ermöglicht, das Defizit seines Haushalts zu beseitigen, was für Russland ein direkter und realerer Effekt des Krieges gegen den Iran sein wird als irgendwelche Ergebnisse im Nahen Osten.

Wenn Russland den Iran als Verbündeten verliert, glauben Sie mir, wird es das überleben. Es hatte den Iran als Verbündeten praktisch bis 2022 nicht. Das war eine Art bedingte Partnerschaft. Sie haben natürlich zusammengearbeitet, aber für Russland war das nicht so wichtig. Aber wenn Russland ohne Geld für die Zerstörung der Ukraine bleibt – das ist wirklich ein ernstes Problem für sie.

Korrespondent: Nach der Liquidierung von Ajatollah Chamenei hat Putin, so scheint es, einen posttraumatischen Zustand – er versteckt sich sehr stark, dämpft das Internet in Russland. Praktisch funktionieren dort überhaupt keine Anwendungen mehr, nicht einmal mobiles Internet, was erhebliche Unzufriedenheit auslöst. Sogar Mizulina äußert sich darüber empört, wie man ihren letzten Veröffentlichungen entnehmen kann, ganz zu schweigen davon, dass soziale Netzwerke wie Telegram blockiert werden, sogar im Kampfgebiet, wo die russische Armee es als Kommunikationsmittel genutzt hat. Wir erinnern uns, dass die Geschichte mit Muammar Gaddafi Putin sehr stark beeinflusst hat und ihn gewissermaßen in einen posttraumatischen Zustand versetzt hat. Könnte es sein, dass er jetzt wirklich Angst hat, dass, wenn Israel Ajatollah Chamenei liquidieren konnte, jemand ihn ebenfalls in seinem Bunker liquidieren könnte?

Portnikov: Das ist ein Geheimdienstinstinkt, kein posttraumatisches Syndrom. Das ist das, was jeder Profi entscheidet zu tun, wenn er einer konkreten Gefahr begegnet. Ajatollah Chamenei wurde in vieler Hinsicht dank Eingriffen in das Internet lokalisiert, als man sich mit Verkehrsüberwachungskameras verband und begann, die Bewegungsrouten der Führung der Islamischen Republik zu verfolgen.

Das funktioniert bis heute, wie Sie sehen. Faktisch können sich diese Menschen nicht absichern. Es ist übrigens auch eine Tatsache, dass sie ihre Raketenarsenale und Drohnenarsenale besser schützen als ihre höchste politische und militärische Führung. Es wäre übrigens besser, wenn es umgekehrt wäre, muss ich Ihnen offen sagen, denn man kann beliebig viele Führer der Islamischen Republik eliminieren, aber wenn Raketen und Drohnen in ausreichender Menge im Besitz des Iran bleiben, wird all das auf Ihre Köpfe fallen.

Aber Putin will natürlich das Internet schließen und ein souveränes schaffen, damit niemand in seine Verkehrsnetze oder seine Informationsserver eindringen kann. Er hat einfach verstanden, wo das Problem liegt.

Übrigens ist das dieselbe Geschichte, derselbe Effekt wie bei der Operation „Spinnennetz“. Erinnern Sie sich an die Operation des Sicherheitsdienstes der Ukraine gegen einen russischen Flugplatz? Ich habe damals gesagt, dass es im Prinzip ab diesem Tag in den Vereinigten Staaten keine Menschen mehr gibt, die ruhig schlafen könnten. Früher oder später werden von irgendwelchen Schiffen oder Lastwagen strategische Objekte der Vereinigten Staaten angegriffen werden. Das wird zwangsläufig geschehen, weil niemand ein Monopol auf eine solche Operation hat. Wenn man das gegen Russland durchführen konnte, bedeutet das, dass man es auch gegen Amerika durchführen kann.

Und dann muss man überlegen, wie man sich dagegen schützt, wenn es heute überhaupt einen modernen Schutz dagegen gibt. Und ich denke, dass in Amerika viele Menschen darüber nachdenken – niemand will, dass irgendein nukleares Objekt in den Vereinigten Staaten explodiert und die Hälfte des Territoriums unbewohnbar wird.

Dasselbe gilt auch in Russland im Zusammenhang mit der israelischen Operation gegen Ajatollah Chamenei. Verstehen Sie? Sie glauben tatsächlich, dass sie das Internet schließen, die Zugänge blockieren und dann im Modus eines souveränen Internets existieren können. Und sie bereiten die Gesellschaft darauf vor. Sie sehen ja, dass bereits Lieder darüber gesungen werden, wie gut es ist, dass es kein Internet gibt.

Korrespondent: Ja, ja. Ja, man kann rausgehen und Ball spielen, anstatt am Handy zu kleben und allerlei Inhalte zu konsumieren. Unnötige Seiten – das ist natürlich ein Theater des Absurden. Haben Sie gehört, dass in Russland – soweit ich verstehe, laut Suchanfragen – immer mehr Menschen sich für Möglichkeiten der Emigration interessieren? Das bedeutet doch, dass dort auch nicht alles so eindeutig ist.

Portnikov: lNun, das ist verständlich, besonders vor dem Hintergrund von Gerüchten über eine Mobilisierung. Sie erinnern sich, dass wir, als es den Versuch einer Teilmobilisierung gab, gesehen haben, dass einfach fast eine Million Menschen, glaube ich, innerhalb weniger Wochen aus Russland geflohen sind. Jetzt werden die Grenzen verstärkt, um solchen Entwicklungen entgegenzuwirken, falls erneut eine Mobilisierung beschlossen wird.

In Zeiten von Kriegen – und wir leben in einer Zeit von Kriegen und der Vorbereitung auf Kriege – wird Migration zur Norm. Das können Sie auch auf den Straßen Israels sehen. Viele Menschen aus Russland sind in den letzten Jahren nach Israel gegangen, die vielleicht nie vorhatten zu gehen und die, gelinde gesagt, weit entfernt von den Werten des jüdischen Staates und des Judentums als solchem sind. Aber sie sind gegangen, weil sie nicht repatriiert sind, sondern emigriert sind.

Korrespondent: Ja, ja. Sie verwenden den Ausdruck „russische Diaspora“. Und das irritiert uns hier ein wenig. Wir haben uns nie als russische Diaspora betrachtet. Wir haben uns als Repatriierte in Israel betrachtet.

Portnikov: Nun, weil sie eine Diaspora sind. Sie sind aus Russland dorthin gegangen, wohin sie konnten.

Korrespondent: Ja, wir sind aus der jüdischen Diaspora in den jüdischen Staat als Repatriierte gegangen. Sie sind aus Russland als russische Diaspora gegangen, aber in den jüdischen Staat. Nun gut, jeder hat seinen eigenen Weg. Unser Staat bestand im Grunde zu 70 % aus Menschen, die von irgendwoher weggegangen sind, nicht irgendwohin. Das heißt, Israel war die einzige Wahl, und davon haben wir viele. Ursprünglich bestand die Bevölkerung Israels aus Menschen, die aus dem Nachkriegseuropa geflohen sind.

Portnikov: Sie sind geflohen oder wurden aus den arabischen Ländern vertrieben, wo ebenfalls niemand vorhatte, in einem jüdischen Staat zu leben. Das ist klar. Wir sprechen jetzt einfach über den gegenwärtigen Migrationsprozess. Und er ist so, und er wird sich verstärken, nicht nur in Russland. Glauben Sie mir, viele Menschen in den Ländern Mittel- und Osteuropas kaufen derzeit Immobilien in südlichen Ländern, weil sie glauben, dass die Länder, in denen sie leben, unsicherer sind. Und diese Länder sind unsicher. Die Friedensperiode ist beendet.

Korrespondent: Übrigens Orbán – sehr viele Leute stellen uns jeden Tag Fragen zu Orbán. Was, Ihrer Meinung nach, geschieht mit Orbán, jetzt wo bekannt wurde, dass russische Geheimdienste ein Attentat auf ihn inszenieren wollten, um ihm Unterstützung im Elektorat zurückzugeben, dass der Außenminister Ungarns Lawrow irgendwelche sehr sensiblen Informationen über die Europäische Union übermittelt hat? Was ist los mit Orbán?

Portnikov: Nichts. Er versucht, die Macht zu behalten, denn für Menschen wie Orbán – und übrigens, Sie kennen das aus israelischer Erfahrung, der Premierminister Israels hat Orbán in Wahlkampagnen unterstützt – bedeutet der Verlust der Macht strafrechtliche Verfolgung. Das sind ja keine dummen Leute. Sowohl Orbán als auch Netanjahu sind erfahrene Politiker mit langjähriger Erfahrung. Sie wissen genau, was sie in ihrem Amt getan haben und was nicht, womit sie verbunden sind und womit nicht, was sie kontrollieren, solange sie an der Macht sind, und was sie nicht mehr kontrollieren werden, wenn sie es nicht mehr sind. Deshalb unternehmen sie titanische Anstrengungen, jeder auf seine Weise. Sie sehen doch, dass Präsident Trump über eine Begnadigung Netanjahus nicht weniger spricht als über den Krieg mit dem Iran. Das ist eine Methode.

Korrespondent: Nun, doch weniger.

Portnikov: Nun, ich übertreibe, aber dennoch spricht er viel darüber und stellt im Grunde die Souveränität Israels und die Befugnisse des Präsidenten Ihres Landes infrage. Aber das ist so, das ist ebenfalls ein Element der Selbstsicherung.

Bei Orbán besteht das Element der Selbstsicherung darin, die Macht zu erhalten. Heute sind sehr viele Dinge in der Welt – einschließlich der Blockierung von Geldern für kriegführende Länder und sogar die Kriege selbst – den Interessen des Machterhalts bestimmter Personen untergeordnet, die Angst haben, diese Macht zu verlieren, für die diese Macht wie eine Rüstung ist. Verstehen Sie? Orbán muss diese Rüstung bewahren.

Korrespondent: Aber er hat so darauf bestanden, die Pipeline „Druschba“ wieder zu öffnen.

Portnikov: Und die Pipeline „Druschba“ war wahrscheinlich dieselbe russische Spezialoperation. Die Russen konnten die Pipeline „Druschba“ in der Ukraine bombardieren, um Orbán die Möglichkeit zu geben, 90 Milliarden Euro für die Ukraine zu blockieren.

Das ist eine Spezialoperation, eine sehr einfache, würde ich sagen. Zuerst haben sich die Europäer darauf geeinigt, der Ukraine eingefrorene russische Vermögenswerte zu geben. Dafür brauchte man eine Mehrheit, nicht Orbáns Stimme – zwei Drittel der EU reichten aus. Sie haben sich darauf geeinigt.

Putin aktivierte Witkoff. Witkoff aktivierte Trump. Die Amerikaner sagten den Europäern, dass, wenn sie dieses Geld geben, sie die Friedensbemühungen Trumps sabotieren würden. Leider befanden sich die Europäer damals noch in einem Zustand, in dem sie Trump entgegenkamen.

Das war eine gemeinsame russisch-amerikanische Spezialoperation. Die Europäer beschlossen, die eingefrorenen russischen Vermögenswerte nicht zu geben. Putin behielt die Kontrolle über dieses Geld.

Aber die Europäer beschlossen, der Ukraine 90 Milliarden Euro aus eigenen Mitteln zu geben. Da konnte man von einer Niederlage Putins sprechen. Ich war unter denen, die von einer Niederlage Putins gesprochen haben.

Aber Putin gibt nicht so einfach auf, und er hat diese scheinbare Niederlage eingeplant. Genau bevor dieses Geld bereitgestellt werden sollte, bombardiert er „Druschba“, beseitigt die Möglichkeit der Öllieferungen nach Ungarn und gibt Orbán die Möglichkeit, ein Veto gegen eine Entscheidung einzulegen, die Orbán zuvor gebilligt hatte, unter dem Vorwand, dass, sehen Sie, die Ukrainer „Druschba“ nicht reparieren. Orbán hat kein einziges Mal gesagt, wer „Druschba“ bombardiert hat. Wenn Putin „Druschba“ nicht bombardiert hätte, wäre dieses Öl weiter geflossen.

Ich halte das für unmoralisch, ich halte das für falsch, dass wir über unser Territorium Öl liefern, das Putin Geld bringt, und er danach ukrainische Frauen und Kinder tötet. Und in diesem Sinne sind die Menschen, die diese Spezialoperation organisiert haben – vom Weißen Haus bis Budapest – Komplizen dieser Morde.

Aber dennoch: Dieses Öl ist geflossen, und es wäre weiter geflossen, wenn die Pipeline nicht bombardiert worden wäre.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Иранская ловушка для Трампа | Виталий Портников @bestradioisrael. 23.03.2026.
Autor / Kanal: Vitaly Portnikov, @bestradioisrael
Veröffentlichung / Entstehung: 23.03.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext: Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach, veröffentlicht auf uebersetzungenzuukraine.data.blog.


Trump stellt ein Ultimatum | Vitaly Portnikov. 22.03.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat dem Iran ein neues Ultimatum gestellt. Nun geht es um die Blockade der Straße von Hormus durch die Iraner, und Trump fordert, dass sie innerhalb der nächsten 48 Stunden aufgehoben wird. 24 Stunden sind bereits vergangen, und wie zu erwarten war, zeigen die iranischen Führer keinerlei Interesse daran, dieses Ultimatum des amerikanischen Präsidenten zu erfüllen. Mehr noch: Man kann sagen, dass wir uns jetzt in einer Situation befinden, in der der Iran den Vereinigten Staaten mit einer vollständigen Blockade der Straße von Hormus droht, falls ein Schlag gegen die iranische Energieinfrastruktur geführt wird, sowie mit Angriffen auf die Energie- und andere lebenswichtige Infrastruktur der Länder des Persischen Golfs.

Es gibt bereits erste Meldungen, dass die Führer dieser Länder den amerikanischen Präsidenten vor unglaublich schweren Folgen einer iranischen Reaktion auf sein Ultimatum warnen. Aber offenbar beunruhigt Trump das nicht. Er ist gerade erst mit einer Erklärung aufgetreten, die mit seiner Zuversicht verbunden ist, dass er den gewünschten Erfolg erreichen werde. Er sagte, dass „der Iran vollständig vernichtet werden wird, und das ist wunderbar“. Auch diese Erklärung könnte darauf hindeuten, dass der amerikanische Präsident keinerlei Absicht hat, von seinen Drohungen abzurücken.

Unklar ist nur, inwieweit diese Drohungen in die Tat umgesetzt werden können und zu welchen Folgen sie tatsächlich führen werden. Denn im Grunde stehen wir die ganze Zeit vor immer neuer Eskalation. Und man muss verstehen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten jetzt ganz und gar nicht begeistert von einer möglichen Fortsetzung des Krieges im Nahen Osten in den kommenden Monaten ist, was ein echtes Urteil für seinen Wahlkampf wäre, wenn man berücksichtigt, dass laut den neuesten Umfragen ganze 94 Prozent der Amerikaner ein schnelles Ende der Iran-Kampagne wünschen.

Ja, sie teilen sich in jene, die diese Kampagne unterstützen, und jene, die sie nicht unterstützen, obwohl die Mehrheit der Amerikaner gegen diesen Krieg bleibt. Aber dass diese Kampagne schnell beendet werden müsse, das ist, würde ich sagen, ein nahezu einhelliger Standpunkt in der amerikanischen Gesellschaft. Mir scheint, dass unter diesen 94 Prozent, so paradox das auch klingt, Donald Trump selbst ist, der einen langen Krieg fürchtet, der sowohl die Weltwirtschaft als auch die amerikanische Wirtschaft erschöpfen könnte. Denn obwohl Amerika unter dem amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran nicht so leidet wie etwa Europa, steigen dennoch die Treibstoffpreise, steigen die Preise für Waren des täglichen Bedarfs.

Natürlich wird sich diese Spirale der Verschlechterung der Lebensverhältnisse der Amerikaner in den kommenden Wochen immer weiter drehen. Und wenn der Krieg nicht endet und die Ölpreise weiter steigen, dann werden auf diese Weise bis zu den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress die allermeisten Amerikaner verarmt an die Urnen gehen. Die einen werden natürlich meinen, solche Opfer seien für die Sicherheit gerechtfertigt. Und Trumps Finanzminister Scott Bessent sagt bereits jetzt, Trump lehre die Amerikaner, dass der Weg zum Wohlstand über die Sicherheit führe. Aber viele Menschen werden der Meinung sein, dass es unzulässig ist, dass die Fortsetzung des Krieges sich auf ihren Lebensstandard auswirkt. Und unter diesen Menschen werden sich viele Anhänger und Veteranen der ultrarechten konservativen MAGA-Bewegung befinden, die die politische Plattform für Donald Trump ist – oder vielleicht schon bald nicht mehr sein wird.

Natürlich hätte Trump also gern, dass der Krieg bald endet, dass er mit einer Niederlage des Iran endet, dass er die Kontrolle über iranisches Öl erhält, damit er Trumpfkarten bekommt, mit denen er doch noch in die Hauptstadt der Volksrepublik China reisen könnte, wo das Oberhaupt dieses Landes und Generalsekretär der dortigen Kommunistischen Partei, Xi Jinping, ihn derzeit schlicht abblitzen lässt, weil er den amerikanischen Präsidenten offensichtlich nicht in der kommunistischen Hauptstadt sehen will, während dieser Präsident die Kräfte eines der wichtigsten Verbündeten Chinas im Nahen Osten zerstört.

Es stellt sich nur die wichtige Frage, wie das zu machen ist. Ich würde nicht davon ausgehen, dass Trumps Ultimatum so schnell zu den gewünschten Ergebnissen führen wird, denn Trump hat dem Iran schon mehrfach gedroht. Man könnte sagen, Trump hat bereits Anweisungen gegeben, gegen das Regime der Ajatollahs die härtesten Maßnahmen seitens der amerikanischen Armee einzusetzen, aber das führte nur zu weiterer Eskalation und zur Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. Und ich schließe nicht aus, dass die Iraner, falls Trump zur Umsetzung seines Ultimatums übergeht, bereit sein werden, ihrerseits ein ebenso schmerzhaftes Ultimatum gegenüber den Ländern des Persischen Golfs umzusetzen. Dann könnten die Ölfelder Saudi-Arabiens sowie die Öl- und Gasreserven Katars und Kuwaits unter iranischen Schlägen stehen, was zu einer raschen Energiekatastrophe in der zivilisierten Welt und infolgedessen zu einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation in den Vereinigten Staaten führen würde.

Deshalb wäre ich an Trumps Stelle nicht so selbstsicher, wenn man bedenkt, dass er es mit echten Fanatikern zu tun hat, die an seiner politischen Vernichtung interessiert sind. Natürlich nicht nur an seiner politischen. Die Amerikaner müssen sich darüber im Klaren sein, dass iranische Fanatiker alles Mögliche und Unmögliche tun werden, um den amerikanischen Präsidenten und Vertreter seines engsten Umfelds physisch zu liquidieren. Es ist absolut nicht erstaunlich, dass die Amerikaner jetzt von einer möglichen Terrorwelle sprechen, die schon bald nicht nur im Nahen Osten beginnen und sowohl amerikanische Regierungsstrukturen als auch amerikanische diplomatische Vertretungen in unserer ganzen unruhigen Welt erfassen könnte. Auch das ist möglich.

Und auch für die Ukraine ist es sehr wichtig, wie sich diese Situation weiterentwickeln wird. Wir sehen, dass die Russen keinerlei Wunsch haben – und im Grunde nie gehabt haben –, den Krieg gegen die Ukraine anders zu beenden als durch die Liquidierung unserer Staatlichkeit und die Verwandlung ukrainischen Territoriums in das Territorium ihres eigenen Landes. Und jetzt könnte der russische Präsident Putin meinen, dass sich für ihn eine zusätzliche Chance eröffnet hat.

Es werden unterschiedliche Summen genannt, die Putin dadurch verdienen wird, dass die Ölpreise steigen. Derselbe Bessent sprach heute von zwei Milliarden Dollar, aber diese Summe kann durch die Fortsetzung des Iran-Krieges noch weiter wachsen. Und wir verstehen, dass der russische Machthaber alles Mögliche und Unmögliche tun wird, damit dieser Krieg weitergeht, denn auch er braucht Trump in der Falle und braucht Petrodollars und Petro-Yuan.

Aber hier gibt es eine ziemlich wichtige Frage, die darin besteht, dass Putin womöglich nicht nur auf die Auffüllung seines Haushalts wartet, um den Krieg gegen die Ukraine in den 2020er-, vielleicht sogar in den 2030er-Jahren des 21. Jahrhunderts fortsetzen zu können, die zu Jahren ständiger militärischer Konflikte auf dem europäischen Kontinent werden könnten – und das könnte keineswegs nur die Ukraine betreffen. Er könnte auf die Erschöpfung unseres Luftverteidigungssystems warten.

Der Mangel an Abfangraketen wird schon in den nächsten Monaten zu einem Problem der zivilisierten Welt werden. Denn man muss sofort sagen – und darüber schreiben westliche Medien –, dass sich die amerikanische Armee als erstaunlich und unglaublich unvorbereitet auf den modernen Krieg erwiesen hat. Das hängt natürlich nicht nur mit ihrer Unvorbereitetheit zusammen, sondern auch mit Trumps inkompetenter Personalpolitik nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus. Und in dieser Situation führt die Auswahl loyaler statt professioneller Leute, wie wir verstehen, jedes Land in die Krise, in den Abgrund und in ernste Probleme. Die Ukraine ist hier keine Ausnahme. Die Vereinigten Staaten sind hier keine Ausnahme.

Aber wir können so viel wir wollen über die Unvorbereitetheit der amerikanischen Armee sprechen, darüber, dass sie teure Raketen auf billige Drohnen abgefeuert hat, dass sie auch jetzt noch nicht wirklich verstehen, welchen Teil der iranischen Bestände sie zerstört haben und welchen nicht. Wie einer der anonymen ukrainischen Militärs in einem Interview mit der Washington Post sagte: „Wir verstehen überhaupt nicht, worauf die Amerikaner vier Jahre lang geschaut haben.“ Auf sich selbst haben sie geschaut. Auf die große Armee. Das ist die Falle einer Großmacht, einer großen Armee, in die Putin geraten ist und in die nun auch Trump zu geraten beginnt.

Aber was wir uns auch gegenseitig sagen mögen, das Wesentliche bleibt das Wesentliche. Abfangraketen wird es bald nicht mehr geben, bald wird es dafür eine Warteschlange geben. Und die Ukraine könnte in dieser Schlange keineswegs an erster Stelle stehen, wenn man die Situation berücksichtigt, die sich jetzt etwa in den Ländern des Persischen Golfs und in Israel entwickelt. Alle Gespräche über den Iron Dome und seine absolute Wirksamkeit wirken jetzt eher übertrieben vor dem Hintergrund der Leiden der Menschen in Dimona, jener für Israel wichtigen Stadt, in der sich ein Nuklearreaktor befindet, dessen Treffer die größte Katastrophe in der Geschichte des jüdischen Staates auslösen könnte, sowie in der nahe gelegenen Stadt Arad.

Natürlich kann man, wenn man israelische Medien liest, dort Klagen darüber finden, dass die Iraner Wohnviertel treffen, dass in Arad niemand auch nur daran gedacht habe, dass eine solche Attacke auf ihre Stadt verübt werden könnte, dass es dort keinerlei militärische oder sicherheitsrelevante Objekte gebe. Und das sind sehr merkwürdige Erklärungen, denn soweit ich verstehe, wurde der Iron Dome ja nicht mit der Erwartung gebaut, dass feindliche Raketen ausschließlich auf Militärbasen des jüdischen Staates zielen würden, sondern um alle seine Bewohner vor unvermeidlichen Raketen- und Drohnenangriffen des Feindes zu schützen, die mit der Zeit nur zunehmen werden, weil Israel von Feinden umgeben ist und die neuesten Technologien Hoffnungen auf die physische Zerstörung des jüdischen Staates durch Angriffe nähren – vielleicht sogar durch intensivere Bombardierungen als jene, die heute stattfinden.

In Arad gibt es keine militärischen Objekte. In Dimona hingegen gibt es sie, wie wir verstehen, sehr wohl. Wenn man sich an den Nuklearreaktor erinnert – dann ist das das militärische Objekt Nummer eins, sozusagen das Objekt Alef. Und trotzdem schlugen Raketen auch in Dimona ein. Das ist übrigens auch eine Erinnerung an jene Ukrainer, die sagten: „Wir müssen nur den Iron Dome bekommen. Wenn wir den Iron Dome nicht haben, werden wir unseren Himmel nicht schützen können. Aber in Israel gibt es den Iron Dome, und dort passiert nichts.“ Jetzt ist die Situation völlig anders. Jetzt schießt die ukrainische Luftverteidigung die überwältigende Mehrheit der Drohnen ab, die aus Russland in unseren Luftraum fliegen. Israel dagegen hält den iranischen Angriffen schon nicht mehr stand. Und das, obwohl eine enorme Zahl von Abschussanlagen und Raketen selbst bereits in den ersten Tagen der amerikanisch-israelischen Operation zerstört worden ist. Stellen Sie sich nur vor, welche Hölle heute in Israel herrschen würde, wenn die israelischen Verteidigungsstreitkräfte diese Abschussanlagen nicht zerstört hätten.

Aber wenn wir auf unser eigenes Problem zurückkommen: Putin wartet einfach auf den Moment, in dem wir keine Abfangraketen mehr haben werden. Wenn in der Warteschlange für neue Abfangraketen Israel, die Länder des Persischen Golfs, möglicherweise die Länder des Kaukasus stehen werden. Alle werden sich vor einer Fortsetzung des Krieges und vor Schlägen gegen ihre Infrastruktur fürchten. Die Ukraine wird in dieser Reihe keineswegs unbedingt an erster Stelle stehen. Das muss man einfach begreifen. Und sehr gut ist, dass die ukrainische Delegation jetzt zum ersten Mal seit Beginn der großangelegten Operation der Vereinigten Staaten und Israels im Luftraum der Islamischen Republik in die Vereinigten Staaten gereist ist und dort mit den unveränderten Trump-Vertrauten Steve Witkoff und Jared Kushner verhandelt.

Nein, ich glaube nicht, dass diese Verhandlungen zu etwas führen werden, denn ich habe von Anfang an betont, dass der russisch-ukrainisch-amerikanische Verhandlungsprozess tot geboren war, ist und bleiben wird, dass er zu keinem Frieden führen wird. Und wenn irgendwelche Propagandisten schreiben, das ganze Problem bestehe darin, dass die Ukraine sich weigere, ihre Truppen aus dem Gebiet von Donezk abzuziehen, und wenn sie es täte, würde Russland den Krieg beenden – dann ist das einfach gewöhnlichste wahnsinnige Kreml-Propaganda, die jeder Logik entbehrt. Hunderttausende Menschen auf dem Schlachtfeld zu verlieren, unter westliche Sanktionen zu geraten, die eigene Wirtschaft zugrunde zu richten, nur um Kramatorsk und Slowjansk zu bekommen? Denken Sie selbst darüber nach, was das für ein Unsinn ist. Nein, die Ukraine ist eine Messe wert. Ein kleiner Teil der Gebiete des Donezker Gebiets ist sie nicht wert. Das wird Ihnen jeder professionelle Politiker oder Militär sagen. Und nicht nur ein russischer, denn das ist logisch.

Aber ungeachtet dessen, dass die russische Delegation, die jetzt begreift, dass die Amerikaner Russland mehr brauchen als Russland die Vereinigten Staaten – in der Situation einer wachsenden Ölkrise und der Vorahnung einer Katastrophe, die jetzt die westliche Wirtschaft erwartet –, sich aus dieser Verhandlungsgeschichte heraushält, ist es positiv, dass die Ukrainer mit den Amerikanern sprechen, denn man kann nicht nur über Verhandlungen mit Russland reden. Nein, man kann auch darüber reden, was weiter mit der westlichen Unterstützung der Ukraine geschehen wird, was mit der amerikanischen Unterstützung geschehen wird. Man kann über die Parameter militärischer Hilfe sprechen.

Und letztlich hat die Ukraine den Vereinigten Staaten von Amerika jetzt auch etwas zu bieten. Das verstehen Sie sehr gut. Wir haben tatsächlich Drohnen. Wir sind tatsächlich eine moderne Armee, die einer reichen, entwickelten, aber nicht modernen Armee helfen kann. Und die Amerikaner brauchen unsere Hilfe, zumal der Krieg nicht endet. Gerade jetzt hat der Pressedienst der israelischen Streitkräfte, der IDF, betont, dass noch mehrere Wochen von Kampfhandlungen gegen den Iran und die Hisbollah zu erwarten seien – mehrere Wochen, wobei faktisch bereits drei Wochen vergangen sind. Wir ziehen mit Ihnen im Grunde gerade eine gewisse Bilanz dieser drei Wochen eines zermürbenden, blutigen Krieges, und zwar nicht nur im Luftraum des Iran, sondern auch im Luftraum des Persischen Golfs. Und als gestern zwei iranische Raketen 4.000 Kilometer flogen, um zu versuchen, amerikanische Militäranlagen auf der Basis Diego Garcia zu zerstören, war das ein ernstes Signal an die Vereinigten Staaten und eine Erinnerung daran, dass es für die Vereinigten Staaten in der Welt keine Sicherheit mehr gibt.

Wenn eine Rakete – falls die Iraner überhaupt über solche Raketen verfügen – früher oder später ein wichtiges strategisches amerikanisches Objekt in großer Entfernung vom Nahen Osten trifft. Und übrigens: Wer weiß schon, wessen Rakete das ist? Sie kann natürlich iranisch sein, sie kann russisch sein, sie kann chinesisch sein. Moskau und Peking sind am Zusammenbruch der Vereinigten Staaten als Supermacht interessiert, an ihrer Schande, an ihrer Demütigung, und sie werden alles Mögliche und Unmögliche tun, um Trump genau in eine solche Lage zu bringen. Ob Trump das bemerken will oder nicht, das ist schon nicht mehr mein Problem. Das ist Trumps Problem und das Problem seiner Mitbürger. Obwohl ich mir natürlich sehr wünschen würde, dass die Vereinigten Staaten nicht in eine solche Situation der Schande geraten.

Aber Verhandlungen sind wichtig. Verhandlungen sind Teil dessen, dass wir den Vereinigten Staaten jetzt die Lage an der Front, die Parameter der Hilfe, das, was im Rahmen des nächsten Friedensprozesses zu besprechen wäre, mitteilen können. In diesem Sinne haben wir also eine ganz normale, wichtige, ich würde sagen, unsere Verhandlungsphase, umso mehr, wenn sich der Krieg ausweitet. Denn Sie verstehen ja: Wenn sich jetzt zum großen Krieg im Luftraum des Iran noch eine große Bodenoperation im Libanon gesellt, dann wird das die Lage in der Welt ebenfalls schnell verändern. Dort werden Zivilisten sterben. In den Weltmedien werden Fotos getöteter Menschen, getöteter Kinder erscheinen. Es werden solche Massenkundgebungen beginnen, wie es sie bereits während der Operation der IDF im Gazastreifen gab. Man wird von Trump und von Israel fordern, den Krieg zu beenden. Eine Bodenoperation im Libanon muss im Grunde ebenfalls zu einem Wendepunkt in der Wahrnehmung dieses Krieges im Westen werden. Und auch das kann sich sehr ernsthaft auf das auswirken, was demnächst geschehen wird. So würde ich das sagen.

Dabei ist die Hisbollah, wie Sie verstehen, eine vom Iran unterstützte Terrororganisation, die absolut nicht beabsichtigt, den Beschuss Israels einzustellen. Und man muss sagen, dass ihre Führer sich auf diese neue Kampagne vorbereitet haben. So erstaunlich das auch klingt, wesentlich besser als auf die vorherige Kampagne, die nach dem 7. Oktober 2023 infolge des Hamas-Angriffs auf Israel begann. Das ist die ganze Geschichte, die es derzeit tatsächlich gibt. Und wie die Hisbollah keinerlei Verständigung mit Israel und keinen neuen Waffenstillstand will, so sagte auch der iranische Außenminister Abbas Araghchi, dass die Verhandlungen mit den Amerikanern für immer beendet seien.

Das ist seine heutige Erklärung. Und was bedeutet sie im Grunde? Tatsächlich bedeutet sie, dass selbst dann, wenn Trump entscheidet, er müsse diesen Krieg beenden, erklärt, dass er alle Ziele erreicht habe und die Amerikaner im Iran nichts mehr zu tun hätten, das noch lange nicht heißt, dass die Iraner diesen Krieg beenden werden. Sie können weiterhin den Persischen Golf beschießen. Sie können weiterhin die Straße von Hormus blockieren, wenn sie nicht freigemacht wird. Und sie werden von den Vereinigten Staaten Sicherheitsgarantien, Reparationen und die Sicherstellung eines vollständigen nuklearen Brennstoffkreislaufs im Iran verlangen. Das sind doch die Bedingungen, unter denen der Krieg aus iranischer Sicht enden könnte.

Wie können wir also glauben, dass sich die Lage so leicht beenden lässt, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten das nur wollen sollte? Genau darum geht es ja: Der amerikanische Präsident – und ich versuche das nun schon seit einem Jahr zu sagen – hat keine Stoppuhr in der Hand, mit der sich sowohl der russisch-ukrainische Krieg als auch der Krieg gegen den Iran beenden ließen. Für mich ist das eine absolut offensichtliche Sache. Und es ist klar, dass eine Situation eintreten kann, in der wir sehen werden, wie die Vereinigten Staaten das Ende des Krieges verkünden, während der Iran ihn weiterführt.

Aber ich möchte eine Erklärung von Rustem Umerov zitieren, dem Leiter der ukrainischen Delegation bei den Verhandlungen in Florida, die gerade eben noch vor der nächsten Gesprächsrunde mit der amerikanischen Seite im Rahmen des auf die Erreichung eines dauerhaften Friedens gerichteten Prozesses veröffentlicht wurde. „Während des Treffens konzentrierten wir uns auf Fragen verlässlicher Sicherheitsgarantien und auf die humanitäre Schiene, insbesondere auf den Austausch und die Rückkehr unserer Bürger.“ Nun, das ist sehr wichtig. Einen Teil davon möchte ich übrigens aus eigener Sicht hinzufügen, denn Putin tarnt seine fehlende Bereitschaft, den Krieg zu beenden, in der Regel mit humanitären Fragen. Und sehr wünschenswert wäre, dass wenigstens ein weiterer Teil unserer Mitbürger, die sich in russischer Gefangenschaft befinden, die Geiseln eines der grausamsten und abscheulichsten Länder der Welt sind, in Freiheit käme. „Wir haben Fortschritte bei der Abstimmung der Positionen und bei der weiteren Eingrenzung des Kreises ungelöster Fragen erzielt.“ Und Umerov dankte den Vereinigten Staaten für ihre systematische Einbindung in den Verhandlungsprozess und rechnet damit, dass die erreichte Dynamik den Übergang zur nächsten Etappe der Treffen ermöglichen werde.

Natürlich haben wir hier keine konkreten Angaben darüber, welche Fragen gelöst wurden, welche ungelöst geblieben sind, was die geringere Zahl gelöster und ungelöster Fragen bedeutet. Aber auch das ist wiederum eine Antwort an jene, die sagen, Trump könne leicht aus dem Verhandlungsprozess aussteigen. Das kann er nicht, weil man ihn trotzdem immer nach Putin fragen wird, fragen wird, warum er irgendwelche Kompromisse mit Putin eingegangen ist. Er hat dem russischen Präsidenten ja im Grunde schon jetzt neue Chancen zur Fortsetzung des Krieges gegeben, indem er die Sanktionen gegen dessen Öl aufgehoben hat. Und das ist, wie Sie verstehen, eine geopolitische Niederlage Trumps. Und vor dem Hintergrund dieser geopolitischen Niederlage – und solcher Niederlagen wird es noch viele geben – muss er zumindest so tun, als interessiere ihn die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges. Er sagt ja die ganze Zeit, dass dieser Krieg unabhängig vom Krieg im Iran enden werde.

Er will also diese beiden Gleise unbedingt voneinander trennen, obwohl ihm das nicht gelingen wird. Insofern müssen wir, wie Sie verstehen, begreifen, dass gerade der Verhandlungsprozess zeigt, dass es dem amerikanischen Präsidenten nicht gelingen wird – besonders vor dem Hintergrund der Zwischenwahlen zum Kongress, die mit seiner Niederlage enden könnten, im Grunde mit dem Ende jeder realen politischen Karriere, selbst wenn er Präsident der Vereinigten Staaten bleibt –, einfach das Risiko einzugehen und aus dem Kreis der Verhandlungsteilnehmer über die Beendigung des Krieges gegen die Ukraine auszusteigen. Ich bin im Übrigen absolut sicher, dass die Situation gerade nicht mit einem Ausstieg Trumps aus dem Verhandlungsprozess enden wird, sondern mit der Fortsetzung dieses Verhandlungsprozesses. Darin bin ich mir ziemlich sicher, was das betrifft, was weitergehen wird. Und dass die ukrainische Delegation nach Florida eingeladen wurde, zu einem Zeitpunkt, in dem Trump sich nahezu vollständig mit dem Iran-Krieg beschäftigt und, wie wir sehen, im Grunde keinen Ausweg aus dieser Situation sieht, sagt ebenfalls sehr viel aus.

Nun, und wir werden sehen, was in 24 Stunden geschieht, denn ich wiederhole noch einmal: Dieses Trumpsche Ultimatum kann die Situation bis zur Unkenntlichkeit verändern und keineswegs notwendigerweise mit einem Sieg des amerikanischen Präsidenten enden. Möglicherweise erwartet uns ein weiterer großer Energieschock, und auch das wird das Ergebnis dieses Ultimatums sein. Das ist also, würde ich sagen, ein erster Blick auf die neue Wendung der Situation hin zu einer Eskalation des Krieges im Persischen Golf. Wie Finanzminister Bessent sagt: Damit es Deeskalation gibt, braucht es Eskalation. Okay, lassen wir dieses Zitat als Ausdruck seiner Vorstellungen von Politik stehen.

Ich werde auf einige Fragen antworten, die bereits in diesem Live-Gespräch gestellt wurden.

Frage: Sagen Sie bitte, wie werden sich die Ereignisse Ihrer Meinung nach entwickeln, wenn man Trumps Impulsivität und das Regime im Iran berücksichtigt? Meiner Meinung nach wird der Iran nicht nachgeben. Was ist der Ausweg?

Portnikov: Nun, mir scheint, dass der Ausweg ziemlich einfach ist. Es gibt verschiedene Varianten der Entwicklung der Ereignisse. Es gibt Varianten, in denen die Vereinigten Staaten und Israel das Potenzial des Iran weiter erschöpfen und die Ajatollahs schließlich zwingen, auf Schläge zu verzichten. Wie das ohne eine Bodenoperation zu machen wäre, weiß ich nicht, aber ich habe bereits gesagt, dass es durchaus möglich ist, das Arsenal ballistischer Raketen auszudünnen und den Iran vom Weg zur Atomwaffe zurückzuwerfen. Alles andere erfordert eine Bodenoperation, einschließlich der Freimachung der Straße von Hormus. Es kann aber auch eine Situation eintreten, in der gar nichts endet, in der Trump versucht, aus der Situation herauszukommen. Den Vereinigten Staaten könnte schlicht die Kraft fehlen, den Krieg fortzusetzen, und der Iran würde weiterhin mit Raketen und Drohnen, mit dem, was ihm geblieben ist, auf Israel schießen und versuchen, neue Waffen herzustellen, um im Persischen Golf weiter Gefahr zu erzeugen. Und hier gibt es noch einen sehr wichtigen Punkt, der damit zusammenhängt, was mit der Weltwirtschaft geschehen wird.

Warum suchen Sie also die ganze Zeit nach einem Ausweg? Viele suchen einen Ausweg im russisch-ukrainischen Krieg. Kann man nicht endlich begreifen, dass es solche Perioden in der Geschichte gibt, in denen es überhaupt keine Auswege gibt? Man muss lernen, in einer Welt ohne Auswege zu leben, sich von einer Sackgasse in die nächste zu bewegen. Das ist unser Schicksal im kommenden Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. Bei den meisten Menschen wird das Leben ohne jeden Ausweg vergehen. Was bilden Sie sich da eigentlich ein? Man muss einfach lernen, das anzunehmen und darin zu leben, statt eine schwarze Katze in einem dunklen Zimmer zu suchen, in dem es weder eine schwarze Katze noch einen Ausgang gibt, weil die Tür längst abgeschlossen ist.

Frage: Können Sie den psychologischen Zustand Trumps in diesem Moment so beschreiben, wie Sie ihn sich vorstellen? Wie hektisch und nervös ist er, wie sehr spürt er, dass für ihn persönlich alles zerfällt?

Portnikov: Ich glaube, dass er sehr nervös ist. Sie sehen doch, dass er die ganze Zeit hektisch reagiert. Er macht irgendwelche unverständlichen Dinge. Er springt mal in diese, mal in jene Richtung. Er hat große Angst, die Zwischenwahlen zu verlieren. Er verliert die Ruhe. Er reagiert sehr scharf auf unangenehme Fragen. Aber die Besonderheit dieses Prozesses ist, dass er am nächsten Tag seinen Zustand vom Vortag vergisst. Und das ist die Hauptgeschichte dieser ganzen Präsidentschaft. Wir haben es mit einem Menschen zu tun, der am Dienstag nicht mehr weiß, was er am Montag gesagt und getan hat. Auch das ist ein Punkt, den man berücksichtigen muss, denn früher hat es solche Präsidenten nicht gegeben. Vielleicht verstand Joseph Biden in der letzten Phase seiner Präsidentschaft nicht immer ganz, was an den vorhergehenden Tagen geschehen war, aber das war eine Fortsetzung einer Geschichte.

Frage: Könnten Putin und Trump Ihrer Meinung nach nicht ein stillschweigendes Abkommen geschlossen haben, eine weltweite Energiekrise zu schaffen, deren Nutznießer die USA und Russland wären, um China niederzudrücken?

Portnikov: Nein, ein solches stillschweigendes Abkommen haben sie nicht geschlossen. Zumal Russland jetzt einfach noch mehr Öl in die Volksrepublik China liefern wird. Niemand drückt dort China nieder. Was denken Sie sich da aus? Das Problem liegt gerade bei Amerika, denn ja, in seiner Wirtschaft geschieht vielleicht nichts grundlegend Neues, aber bei den Menschen geschehen sehr wohl grundlegende Veränderungen – bei denen, die sich einen zusätzlichen Gallon Treibstoff schlicht nicht leisten können. Und dabei haben die Preise für Waren, Lebensmittel und all das noch gar nicht richtig zu steigen begonnen. Es gibt hier also keinerlei stillschweigendes Abkommen.

Frage: Welche Rolle spielt Großbritannien in den aktuellen Weltkonflikten? Könnte es in den kommenden Monaten oder Jahren in die EU zurückkehren? Und wenn ja, was würde das verändern?

Portnikov: Nein, Großbritannien kann in den kommenden Monaten oder Jahren nicht in die EU zurückkehren. Auch das muss man begreifen, denn der Brexit war ein so schmerzhafter Prozess, dass man das einfach technisch nicht rückgängig machen kann. Und es ist kaum anzunehmen, dass sich jetzt überhaupt jemand ernsthaft mit dieser Frage befassen wird. Eine besondere Rolle spielt Großbritannien in den Weltkonflikten nicht. Aber so oder so ist es ein Land mit erheblichem militärischem Potenzial. Und gerade deshalb kann es uns ohne großes Risiko für sich selbst helfen, weil es über Atomwaffen verfügt.

Frage: Stimmen Sie der Meinung zu, dass Trump den Krieg gegen den Iran im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Epstein-Akten begonnen hat, um die Aufmerksamkeit abzulenken?

Portnikov: Nein, das glaube ich nicht, denn der Krieg im Iran lenkt von den Epstein-Akten nicht besonders ab. Und in den Epstein-Akten hat man bislang nichts gefunden, was den amerikanischen Präsidenten direkt kompromittieren würde. Und wenn etwas gefunden wird, dann wird auch kein Krieg im Iran helfen. Ich denke, Trump hat den Krieg gegen den Iran genau deshalb begonnen, weil er von einem leichten Sieg überzeugt war, dass der Auslöser dieses Krieges im Iran seine Operation in Venezuela war, dort den dortigen Diktator Nicolás Maduro festzunehmen und eine gefügige Diktatur zu schaffen. Denn Sie verstehen ja, dass sich in Venezuela im Grunde nicht viel geändert hat, außer in den Energiebeziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika. Trump fühlt sich zu fügsamen Diktatoren hingezogen. Er glaubte aus irgendeinem Grund – oder vielleicht hat es ihm jemand gesagt; er ist nun einmal kein besonders gebildeter und auch kein besonders kluger Mensch –, dass, falls er den Iran angreift und dort Ajatollah Khamenei getötet wird, der nächste Führer des Iran so jemand sein werde wie Delcy Rodríguez in Venezuela. Davon sprach er in den ersten Tagen ja ununterbrochen. „Dort wird jemand wie Delcy sein, so jemand wie Delcy.“ Das war völliger Unsinn, eine Unterschätzung der Lage, ein Nichtverstehen der Lage, aber er glaubte, ein weiterer leichter Sieg werde seine Zustimmungswerte in den Himmel treiben. Das ist wie Putin mit der Krim.

Frage: Wer in den USA versteht Ihrer Meinung nach heute tatsächlich das Ausmaß der ernsten Herausforderungen, vor denen die moderne Welt steht? Könnten Sie konkrete Politiker, Experten oder Intellektuelle nennen?

Portnikov: Ich denke, dass viele Menschen die Ernsthaftigkeit der Herausforderungen verstehen. Sie arbeiten nur nicht in der Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Frage: Sagen Sie offen: Was sind Ihrer Meinung nach die wirklichen Gründe für den Beginn dieses Krieges durch Trump? Die offizielle Version von zwei Monaten bis zur Atombombe oder eher rein persönliche Gründe?

Portnikov: Ich habe gerade eben schon erklärt, dass die Gründe sehr einfach waren. Einerseits sagte Israel Trump und seinen Gefährten, dass, wenn der Iran sein ballistisches Programm weiter ausbaue, selbst ohne Atomwaffe, er bereit sein werde, Israel viel ernster und wirksamer zu beschießen, als er es bisher getan hat. Und das hat sich übrigens als absolute Wahrheit erwiesen. Schauen Sie sich die iranischen Angriffe an. Und stellen Sie sich vor, es hätte diesen Angriff nicht gegeben, der Iran hätte jetzt selbst Israel zuerst angegriffen, so wie er es schon zweimal getan hat. Und er hätte noch größere Arsenale ballistischer Raketen gehabt. Über zwei oder drei Monate bis zur Atombombe sprechen wir hier schon gar nicht mehr, weil sich das nicht überprüfen lässt. Und Trump meinte einerseits, dass er auf diese Weise die Sicherheit Israels gewährleisten werde. Und das Thema ballistische Raketen war eines der wichtigsten Themen bei den Verhandlungen, die Witkoff und Jared Kushner mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi führten. Andererseits gab es die Idee eines schnellen Sieges und einer Stärkung seines Ansehens vor den Zwischenwahlen vor dem Hintergrund sinkender Zustimmungswerte. Das ist nichts Neues.

Frage: Können wir am Beispiel all dieser amerikanischen Baptisten-Trumpisten feststellen, dass demonstrativ fromme Menschen, die ihren Glauben zur Schau stellen, zugleich die zynischsten und unmoralischsten sind?

Portnikov: Ich verstehe nicht, was das für eine großartige Entdeckung sein soll. Selbstverliebtheit im Glauben und dessen demonstratives Zurschaustellen – das ist ein ganz gewöhnlicher Sündenfall. Menschen, die ihren Glauben zur Schau stellen, glauben in der Regel nicht an Gott, sondern an den Teufel, an das goldene Kalb. Das ist aus der ganzen Geschichte bekannt. Wenn Sie einen Menschen sehen, der seinen Glauben demonstrativ vor sich herträgt, können Sie sicher sein, dass er an den Teufel glaubt und mit ihm einen Vertrag unterschrieben hat – mit Tinte, falls er welche gefunden hat. Das ist alles. Es gibt also nichts Neues. Baptisten, Evangelikale, wer auch immer. Es gibt Menschen, die still für sich glauben, niemandem etwas aufzwingen, auf ihre Erlösung nach dem Tod hoffen, in einer Welt jener Vorstellungen leben, die in den Anfängen der Menschheit im Nahen Osten entstanden und von den Juden und den christlichen Sekten in die ganze Welt getragen wurden, später zu einer Religion wurden und dann auch, kann man sagen, ihren Widerhall im Islam fanden. Nun, Menschen glauben eben, und das ist ihr Recht. Jeder Mensch hat ein Recht auf Glauben. Aber wenn all das aufgezwungen und demonstriert wird, wenn es von Zynismus und Heuchelei begleitet wird, dann hat das natürlich weder mit echtem Glauben noch mit irgendetwas anderem etwas zu tun. Wobei Trump damit übrigens nicht besonders spekuliert. Er wirkt nicht wie ein frommer Mensch. Zu ihm laufen alle möglichen Pastoren hin. Aber Sie verstehen doch, dass das in der Regel Menschen sind, die einfach in der Nähe der Macht sein wollen. Trump selbst ist nicht der Typ Mensch, der ständig von seinem Glauben an Gott spricht.

Frage: Wie charakterisieren Sie Netanjahus Worte der Unterstützung für Orbán vor den Wahlen?

Portnikov: Ehrlich gesagt verstehe ich nicht ganz, warum man das überhaupt besonders kommentieren müsste. Zwischen dem Premierminister Israels, dem Führer der, ich würde sagen, konservativ-rechten Likud-Partei, Benjamin Netanjahu, und dem Premierminister Ungarns, dem Führer der konservativ-rechten Fidesz-Partei, Viktor Orbán, bestehen seit Langem gute persönliche Beziehungen und eine menschliche Nähe. Ich sehe daran nichts Überraschendes, wenn man bedenkt, dass Orbán vom Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump unterstützt wurde und dass der Vizepräsident der USA, J. D. Vance, nach Budapest reist, um dem ungarischen Premierminister zu helfen, an der Macht zu bleiben. Ich weiß nicht, ob Sie etwas über ideologische Verbündete wissen oder nicht. Ja, Likud, Fidesz und die heutige Republikanische Partei Trumps sind ideologische Verbündete. Das ist ein altes Bündnis. Orbán hat Netanjahu seit Langem unterstützt, seine Handlungen im Nahen Osten und im Gazastreifen unterstützt und gehörte zu jenen europäischen Führern, die an der Richtigkeit dieser Handlungen nicht zweifelten. Nach Budapest kam Benjamin Netanjahus Sohn Yair, der schon allein durch seine Anwesenheit an all diesen, ich würde sagen, politischen Prozessen beteiligt war, die heute in Ungarn stattfinden. Das ist ideologische Nähe. Ich sehe darin nichts Besonderes und nichts Sensationelles, zumal ich sehe, dass sich die Ukrainer aus irgendeinem Grund darüber wundern. Der Premierminister Israels hat eben solche Ansichten, er führt eine Koalition rechter und ultrarechter Parteien an, und deshalb steht er Trump und Orbán nahe.

Frage: Israel behauptet, der Iran könne London angreifen. Ist das keine Übertreibung? Welche Folgen hätten iranische Angriffe auf Europa?

Portnikov: Technisch kann der Iran London angreifen. Das ist keine Übertreibung mehr. Wenn man 4.000 Kilometer bis Diego Garcia fliegen kann, dann kann man auch bis London fliegen. Aber wie die europäischen Länder darauf reagieren würden, ist eine gute Frage. Ein Schlag gegen London könnte gerade als Lektion für die Briten erfolgen, damit sie – wie auch die Länder des Persischen Golfs – sich nicht an der amerikanischen Operation beteiligen. Das wäre eine Bestrafung von Seiten des Iran. Aber wie wird sich Großbritannien danach verhalten? Inwieweit wird es seine Beteiligung an dieser Kampagne verstärken? Das wissen wir nicht, denn bislang gibt es keinen Schlag gegen London. Und die Erkenntnis der Briten, Franzosen, Deutschen und aller Europäer, dass auch sie sich in der Zone von Raketenangriffen befinden können, könnte sie zu größerer Vorsicht in ihrem Umgang mit diesem Konflikt zwingen – so wie sie auch in ihrem Umgang mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine vorsichtiger sind. Denn wir verstehen ja sehr gut, dass kein Europäer will, dass der Krieg auf sein eigenes Land übergreift, und dass man bereit ist, der Ukraine in ihrem Kampf um Souveränität und Unabhängigkeit zu helfen, solange der Krieg auf unserem Territorium stattfindet. Das ist logisch, die Ukraine würde sich in einer vergleichbaren Situation ganz genauso verhalten. Deshalb gibt es hier nichts zu beklagen. Ich habe also keine Antwort auf die Frage, wie sich die Länder Europas in einer solchen Situation verhalten würden, denn dazu muss man erst einmal den Moment erleben, falls ein solcher Schlag tatsächlich erfolgt. Wobei ich sofort sage: Jetzt kann alles Mögliche passieren. Auch das ist für mich eine absolut offensichtliche Sache, die mit der Entwicklung der Lage zusammenhängt.

Frage: Die israelische öffentliche Meinung sieht Europa überwiegend geradezu als Feind Israels im Gegensatz zu Amerika mit seinem Messias Trump. Was wird dieses arrogante Verhalten Israel Ihrer Meinung nach kosten?

Portnikov: Es wird Israel gar nichts kosten – warum sollte es Israel etwas kosten? Europa ist längst kein Verbündeter Israels mehr. Das ist eine absolut logische Sichtweise der israelischen Regierung und der israelischen Gesellschaft. Israel orientiert sich seit Langem in erster Linie an den Vereinigten Staaten als seinem Verbündeten. Die europäischen Länder haben angesichts ihrer engen Beziehungen zu den arabischen Ländern und der großen Zahl von Menschen aus arabischen Ländern, die in Europa leben, schon sehr lange versucht, die Gefahr zu ignorieren, die mit dem Terrorismus gegen Israel und mit der Haltung der arabischen Länder gegenüber Israel verbunden ist. Sie setzten ihre Beziehungen zum Iran fort, obwohl der Iran offen seinen Wunsch erklärte, Israel zu vernichten. Deshalb halte ich an dieser israelischen Position nichts für falsch. Ich halte sie für richtig. Israel liegt nicht in Europa, anders als die Ukraine. Es muss sich vor den Europäern nicht verbeugen, wenn ihm deren politische Haltung nicht gefällt. Und es wird Israel nichts kosten.

Den Juden hat das gute Verhältnis der europäischen Völker bereits sechs Millionen Menschen gekostet, die unter faktischer Beteiligung nahezu aller Völker des europäischen Kontinents ermordet wurden. Es gibt fast kein Volk, an dessen Vertretern kein jüdisches Blut klebt. Das sollte man sich merken. Und in Israel erinnert man sich daran sehr gut und kennt den Preis europäischer Gesellschaften, in denen die Enkel der Henker des Holocaust leben. Man kann sagen: Von den französischen Grenzen bis zur ehemaligen Sowjetunion geschah all das. Und Sie verstehen, dass die Hitleristen niemals so viele Juden hätten ermorden können, wenn sie nicht die reale Hilfe der überwältigenden Mehrheit der Vertreter der Völker Europas gehabt hätten. Sich darüber zu wundern, dass in Europa – das seinen Ruf für immer mit dem Blut der Juden befleckt hat, die auf diesem Kontinent Jahrtausende lang gelebt haben – 80 Jahre später eine neue Welle des Antisemitismus aufkommt, wäre seltsam. Es stellt sich also die Frage, warum Israel darauf Rücksicht nehmen sollte. 

Der Sinn der Existenz des jüdischen Staates besteht gerade darin, auf die Meinung der Antisemiten keine Rücksicht mehr nehmen zu müssen, ihnen ins Gesicht zu spucken, wo immer sie auch leben mögen – in Europa oder anderswo. Ich würde mir sehr wünschen, dass auch die Ukrainer letztlich ein Staat würden, der auf Ukrainophobe, wenigstens aus Russland, spucken könnte, statt darauf zu warten, bis ein weiterer Shahed und eine weitere Rakete einen weiteren Punkt hinter die Existenz eines weiteren ukrainischen Hauses setzen. Das müssen wir begreifen. Ein starker Staat existiert dazu, Idiotie und Respektlosigkeit zu ignorieren. Und genau das müsste die Ukraine und Israel verbinden. Auch wenn – wieder einmal – die Länder, die Respektlosigkeit zeigen, im ukrainischen und im israelischen Fall verschiedene Länder sein können. 

Aber Sie haben doch gesehen, wie der israelische Außenminister über die Vertreter Russlands im UN-Sicherheitsrat lachte, als sie den Israelis nach den Schlägen gegen den Iran etwas über die Verletzung des Völkerrechts, über mangelnden Respekt vor der Souveränität erzählen wollten, und sagte: „Ich muss mich regelrecht beherrschen, um nicht zu lachen. Das sagen ausgerechnet Sie mir nach dem, was Sie in der Ukraine tun.“ Wie Sie verstehen, wären solche Worte an die Adresse der aufgeblasenen russischen Scheusale im Sicherheitsrat von einem Vertreter des jüdischen Staates nie gefallen, wenn der Staat Israel im Mai 1948 nicht entstanden wäre und seine Souveränität nicht in Kämpfen gegen seine Feinde verteidigt hätte. Und niemand sonst kann dort mit den Russen, wie Sie verstehen, in einer solchen Weise sprechen – außer Vertretern großer Staaten, also Amerikanern, Briten oder Franzosen. So ist das. Das ist die ganze Antwort auf diese Frage.

Seien wir zuversichtlich, dass auch wir in den kommenden Jahrzehnten, wenigstens nach dem Ende der Kampfhandlungen, genau einen solchen Staat aufbauen können – einen starken Staat, eine Festung, die zuerst an Sicherheit denkt und erst dann an alles andere. So hat Israel immer gedacht, wie Sie verstehen. Alle sozialen Fragen der Ukraine müssen gegenüber dem eigentlichen Konzept des Lebens in einem Festungsstaat auf den fünften Platz zurücktreten. So hat Israel überlebt, und ich hoffe, genauso wird auch die Ukraine überleben. Und wer in einer solchen Ukraine leben will, das ist dann schon die Frage dessen, wer Ukrainer sein will. Oder ob jemand lieber für europäische Länder kämpfen will, die, wie Sie jetzt vielleicht verstehen, ebenfalls Teil eines großen militärischen Konflikts des 21. Jahrhunderts werden könnten. Denn Kriege, sie beginnen erst, sie beginnen leider erst. Und man möchte sehr, dass die Ukraine, wenn sie sich erst in ihrer ganzen Fülle entfalten, eher Zeuge als Teilnehmer dieses großen Kampfes ist, in den sich die politische Bühne des 21. Jahrhunderts selbst verwandeln wird.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп висуває ультиматум | Виталий
Портников. 22.03.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Krieg mit Iran: Bedrohungen für die Ukraine | Vitaly Portnikov. 19.03.2026.

Heute ist der 20. Tag des Krieges im Nahen Osten. Und oft sprechen wir darüber, warum wir diesen Krieg vor dem Hintergrund dessen, was in der Ukraine weiter geschieht, so ernst nehmen, vor dem Hintergrund der Raketenangriffe auf ukrainisches Territorium, vor dem Hintergrund der ständigen Drohnenangriffe, vor dem Hintergrund des offensichtlichen Wunsches Russlands, diesen Krieg fortzusetzen. Eben deshalb, weil dieser Krieg, wie jeder globale Konflikt – und Konflikte im Nahen Osten sind immer globale Konflikte –, in direktem Zusammenhang mit unserem Krieg und unserer Sicherheit steht.

Und interessant ist, dass bei den Anhörungen im Kongress, die gerade mit dem Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran zusammenhingen, das Thema Ukraine eines der wichtigsten war, genau aus diesem Grund. Und Vertreter der amerikanischen Nachrichtendienste im Kongress haben bei diesen Anhörungen eingeräumt, dass ein langer Konflikt mit Iran die amerikanischen militärischen Ressourcen belasten könnte, die für die Unterstützung der Ukraine notwendig sind. Es geht also nicht einmal darum, ob wir auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump oder auf den US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hören, die ständig sagen: „Wir haben der Ukraine geholfen, und die Europäer helfen uns nicht. Wie kann das sein? Wie kann sich diese Situation ändern? Wir könnten aufhören, der Ukraine zu helfen.“ 

In dieser Situation kann man also sagen: Gut, dann werden sie eben auf die Europäer beleidigt sein und uns nicht mehr helfen. Verstehen Sie, mit jeder Beleidigung kann man umgehen. Zumal inzwischen, wie Sie wissen, bereits sechs Länder – fünf europäische Länder und Japan, nämlich Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande, Großbritannien und Japan – die iranischen Angriffe auf zivile Energieinfrastruktur in den Staaten des Persischen Golfs verurteilt und ihre Bereitschaft betont haben, einen Beitrag zur Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus zu leisten.

Das heißt, hier kann es noch verschiedene Vereinbarungen mit den Amerikanern geben. Und hier kann sich, wie immer in solchen Situationen, noch vieles ändern. Das muss man sich einfach klarmachen. Wenn die Amerikaner aber keine Waffen haben, dann können sie der Ukraine etwas versprechen oder auch nicht – wenn es kein Material gibt, spielt es keine Rolle, ob sie uns mögen oder nicht mögen. Schließlich sind wir nicht an ihrer Liebe interessiert, sondern an ihren Waffen und ihren Aufklärungsinformationen. Wenn es keine Waffen gibt, dann wird ein Teil dieser Liebe, würde ich sagen, geringer werden und nicht mehr so wichtig sein. Und darüber haben viele Vertreter der Sicherheitsstrukturen gesprochen. Die Direktorin der nationalen Nachrichtendienste, Tulsi Gabbard, sagte, dass der Druck auf die Munitionsbestände zunehme. Sie sagte, die Vereinigten Staaten seien in der Lage, mit beiden Herausforderungen fertigzuwerden, aber das sei ein sehr, sehr großes Problem.

Das sind also reale Herausforderungen für die Ukraine als solche. Und sie hängen unmittelbar mit Iran und seinen Möglichkeiten zusammen. Nicht zufällig betonte der Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa, General Alexus Grinkevich, dass die Zusammenarbeit zwischen Russland, Nordkorea, Iran und China die Risiken auf mehreren Kriegsschauplätzen zugleich erhöhe.

Und dass in Europa nordkoreanische Truppen, iranische Drohnentechnologien und wirtschaftliche Unterstützung aus China Russland helfen, würde ich sagen: Russland ermöglichen, diesen Krieg fortzusetzen – das ist, wie mir scheint, eine völlig offensichtliche Tatsache, die man nicht ignorieren und so tun kann, als gäbe es sie nicht. Und damit, wie Sie verstehen, werden alle Probleme, die mit dem zusammenhängen, was im ukrainischen Krieg geschieht, direkt davon abhängen, was mit dem Krieg im Persischen Golf geschieht.

Ganz zu schweigen davon, dass der Präsident der Ukraine jetzt sagt, dass am Samstag das erste Treffen der Unterhändler seit Beginn dieses großen Krieges im Nahen Osten stattfinden werde. Und hier stellt sich eine gute Frage: Wie wird sich die russische Verhandlungsgruppe tatsächlich zu Verhandlungen verhalten, wenn in dieser Situation die Überlegenheit Russlands und die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von russischen Öllieferungen an die Länder des globalen Südens spürbar werden?

Denn Sie sehen doch, dass die Vereinigten Staaten buchstäblich nicht wissen, was sie mit den steigenden Ölpreisen anfangen sollen. Gestern versuchten sie noch, das Problem mit russischem Öl zu lösen, hoben Sanktionen gegen russisches Öl auf und erlaubten, wie Sie wissen, dieses Öl von den Schiffen zu verkaufen, die sich auf See befinden. Und das ist eine völlig offensichtliche Entwicklung, die es den Russen heute ermöglicht, ihre Probleme im Umgang mit diesen Risiken zu lösen.

Jetzt gibt es eine neue wunderbare Geschichte: Man will die Sanktionen gegen iranisches Öl aufheben, nicht nur gegen russisches. Auch iranisches Öl befindet sich auf See. Das ist ebenfalls ein ernstes Problem. Und auch von diesem Öl will das US-Finanzministerium die Sanktionen aufheben. Finanzminister Bessent geht davon aus, dass das den Ölpreis senken wird.

Nun, den Ölpreis mag das vielleicht senken, aber die Einnahmen für den iranischen Haushalt braucht Iran, um den Vereinigten Staaten und Israel entgegenzutreten. Und man kann sich natürlich selbst sagen: „Nein, sie produzieren keine Drohnen mehr, sie produzieren keine Raketen mehr.“ Schön, wenn man das im Fernsehen sagt, aber in Wirklichkeit produzieren sie doch weiter; sie können amerikanische Soldaten töten, sie können die Infrastruktur des Persischen Golfs zerstören – mit genau dem Geld, das man ihnen faktisch gibt, damit der Ölpreis nicht steigt.

Wenn Zelensky also von Bedrohungen spricht, dann meint er Gefahren für die Verhandlungen. Mich interessieren Bedrohungen für die Verhandlungen ehrlich gesagt nicht besonders, und zwar aus einem einfachen Grund: Ich gehe von dem Axiom aus, dass es in Wahrheit überhaupt keinen Verhandlungsprozess gibt. Wie ich schon mehrfach gesagt habe, wäre ein Verhandlungsprozess nur dann real, wenn es eine Waffenruhe im russisch-ukrainischen Krieg gäbe. Derzeit beobachten wir keine Waffenruhe.

Das bedeutet, dass diese Verhandlungen eine widerliche Show für Donald Trump sind. Wir sind leider gezwungen, an dieser Show teilzunehmen, solange die Amerikaner uns helfen, damit diese Hilfe fortgesetzt wird. Aber wir verstehen sehr gut, dass an diesem Verhandlungstisch keine Vereinbarungen erzielt werden können, weil die Russen nicht vorhaben, den Krieg zu beenden. Und ganz gleich, wie sehr wir die Russen davon überzeugen, dass sie in diesem Krieg keinen überzeugenden Erfolg erzielen können – das wird sie überhaupt nicht interessieren, bis Putin selbst entscheidet, dass der Krieg beendet werden muss. Und er hat dafür überhaupt keinen Wunsch. Keinen einzigen. Und hatte ihn nie.

Nun dazu, warum Putin an diesen Verhandlungen teilnehmen muss. Das ist, würde ich sagen, Teil seiner Kontakte mit Trump. Und dank dieser Imitation eines Verhandlungsprozesses und dieser Kontakte hat er bereits viel erreicht. Erinnern wir uns nur daran, dass die russischen Vermögenswerte erhalten geblieben sind. Denn die Europäer waren bereits bereit, diese Vermögenswerte zu unseren Gunsten zu konfiszieren, weil dafür eine einfache Mehrheit der Stimmen in der Europäischen Union erforderlich gewesen wäre. Dafür hätte eine einfache Mehrheit genügt – Ungarn und die Slowakei hätten die Entscheidung also nicht per Veto blockieren können. Und Russland wäre dieses Geld los gewesen, das ihm jetzt ganz eindeutig weiterhin zur Verfügung steht. Und das geschah nur dank der amerikanischen Administration und dieses Unsinns in Trumps Kopf, wonach eine Konfiskation russischer Gelder den nicht existierenden Verhandlungsprozess zerstören würde.

Und jetzt sagt Trump, wenn man Tomahawks liefern würde, würde das den nicht existierenden Verhandlungsprozess zerstören. Warum sollte Putin also seine Medinskys nicht zu Verhandlungen schicken, wenn das Teil von Trumps Unterstützung seines Krieges ist? Deshalb ist es wichtig, nicht über Verhandlungen zu sprechen, denn ich bin der Meinung, dass jedes zusätzliche Gespräch über Verhandlungen bei den Ukrainern völlig unnötige Illusionen über die Möglichkeit hervorruft, den Krieg durch Verhandlungen zu beenden.

Und eine solche Möglichkeit gibt es nicht. Null. Die Möglichkeit, den Krieg zu beenden, ist nur im theoretischen Fall einer Erschöpfung der Russischen Föderation wichtig – militärisch, wirtschaftlich, energetisch, demografisch und politisch. Wenn diese fünf Faktoren nicht zusammenfallen, wird der Krieg weitergehen. Das gilt übrigens genauso für Iran. Jetzt steckt Trump auf lange Sicht in diesem Krieg fest, aus dem einfachen Grund, dass Iran diesen Krieg unter schweren Verlusten weiterführen wird, um den ‚Großen Satan‘ zu besiegen. Ja, das ist Wahnsinn, ideologischer Wahnsinn. Aber wenn jemand an einem solchen ideologischen Wahnsinn festhält – was Putin gegenüber der Ukraine tut, ist doch auch Wahnsinn: „Wir stellen das Imperium wieder her, wir kämpfen gegen Nazis, der Westen bedroht uns“ –, dann kann so jemand endlos Krieg führen. Es gibt überhaupt kein Motiv, das ihn zwingen würde, mit dem Krieg aufzuhören.

Also, ich fahre mit diesen Faktoren fort. Zelenskys Bemerkungen passen absolut zu unserem Gespräch. Die Russen beobachten den aktiven Einsatz von Flugabwehrraketen im Nahen Osten und in der Golfregion. Sie können sich vorstellen, dass die Ukraine zu einem bestimmten Zeitpunkt mit einem Mangel an solcher Munition konfrontiert sein wird. Natürlich ist die Möglichkeit, dass der Ukraine zu irgendeinem Zeitpunkt die Abfangraketen ausgehen, absolut real. Und genau deshalb müssen wir mit unseren Verbündeten darüber sprechen, dass wir nicht so sehr Abfangraketen brauchen, von denen es bald weltweit zu wenige geben wird – denn nach diesem Krieg wird es noch einen weiteren Krieg geben, den dritten –, sondern Raketen, die es uns zumindest erlauben würden, das russische Raketenpotenzial und das Potenzial der Drohnen zu reduzieren. Einen anderen Ausweg gibt es nicht.

Und das ist ein direkter Einfluss des Iran-Krieges und der absoluten Inkompetenz, mit der er geführt wird. Ich denke, Sie haben das auch bemerkt. Die amerikanischen Militärs gaben uns Ratschläge, Und jetzt wirken sie, als kämen sie vom Mond – genau dorthin, wohin Elon Musk sie geschickt hat. Das 20. Sanktionspaket der EU gegen Russland steckt in einer Sackgasse. Zelensky sagt, es könnte den Druck auf Russland fortsetzen und Russland zu echtem Frieden bewegen. Ich bin der Meinung, dass keine Sanktionen das Verhalten Russlands verändern, aber in jedem Fall würde Russland stärker erschöpft. Und tatsächlich können sich Orbán und Fico jetzt erlauben, dieses Sanktionspaket zu blockieren. Die USA haben einzelne Sanktionen gegen Russland gelockert. Darüber haben wir heute bereits gesprochen. Eben deshalb, weil die amerikanische Administration überhaupt nicht versteht, was sie mit den steigenden Öl- und Gaspreisen anfangen soll.

Sie sehen doch, dass nach den gegenseitigen Bombardierungen Israels und Irans auf benachbarte Gasfelder und die Raffinerie in Katar das alles weitergehen wird. Die Preise werden mit unglaublicher Geschwindigkeit steigen und die Welt faktisch immer näher an einen energie- und wirtschaftspolitischen Abgrund bringen. Und Russland wird in der Zwischenzeit seinen Kriegshaushalt auffüllen, Leuten Geld als Söldner zahlen, neue Raketen produzieren, neue Drohnen produzieren, und Putin wird sich die Hände reiben und Trump und seiner Inkompetenz danken.

Und es funktioniert auch diese finanzielle Garantie Europas nicht, das Hilfspaket von 90 Milliarden. Für die Ukraine ist das kritisch wichtiges Geld, denn obwohl die Europäer jeden Monat Ressourcen finden, um die Situation, die durch das ungarische Veto entstanden ist, irgendwie auszugleichen, geschieht nichts. Auch das ist völlig offensichtlich. Seltsam ist dabei auch, dass die Europäische Kommission mit europäischem Geld die Druschba-Pipeline reparieren will, damit durch diese Pipeline russisches Öl nach Ungarn fließt und Russland dadurch zusätzliche Mittel für die Fortsetzung des Krieges erhält, dessentwegen gerade dieses 20. Sanktionspaket eingeführt wird. Das ist einfach absoluter politischer Wahnsinn. Aber wir leben in diesem Wahnsinn. Und auch das muss man absolut klar begreifen. Deshalb weiß ich nicht, ob man sich in einer Situation wie der Fortsetzung dieses Konflikts überhaupt noch über irgendetwas wundern kann.

Gerade eben ist übrigens Israels Premierminister Benjamin Netanyahu mit Kommentaren zu diesem Krieg aufgetreten und hat betont, dass er so lange dauern werde, wie es nötig sei. Das ist alles. Zumal Iran aus Sicht des israelischen Premierministers bereits die Möglichkeit verloren habe, Uran anzureichern oder ballistische Raketen zu produzieren. Sehr zu wünschen wäre, dass das wahr ist, denn wir müssen hoffen, dass Iran, wenn es dieses Potenzial nicht mehr hat, auch nicht weiterkämpfen wird. Netanyahu sagt, dieser Krieg werde viel schneller enden, als die Menschen denken, spricht aber zugleich von der Möglichkeit alternativer Routen anstelle der Straße von Hormus, also von Öl- und Gaspipelines, die westwärts über die arabische Halbinsel bis zu den Häfen in Israel führen. Und das ist ein sehr wichtiger Punkt. Wie Sie verstehen, werden die Staaten des Persischen Golfs ihre Abhängigkeit von Iran kaum gegen eine Abhängigkeit von israelischen Häfen eintauschen, Aber vielleicht versucht der israelische Premierminister jetzt, den Eindruck zu erwecken, dass dem nicht so ist.

Deshalb verstehen wir heute, dass es keinen Sinn hat, über das Ende des Krieges oder über irgendwelche Fristen für das Ende des Krieges zu sprechen, einfach deshalb, weil der israelische Premierminister selbst nicht weiß, wann er enden wird. Er sagt, bald, aber er werde so lange weitergehen, wie nötig. Wir wissen, dass man so immer dann spricht, wenn man sich die reale Situation beim Ende von Kriegen nicht vorstellen kann. Und gerade heute, Sie wissen es, hat das US-Verteidigungsministerium den Kongress um zusätzliche 200 Milliarden Dollar gebeten. Vergleichen Sie diese Summe mit den Summen, die die Vereinigten Staaten der Ukraine im Verlauf des russisch-ukrainischen Krieges bereitgestellt haben, damit Sie das einfach einordnen können. Und Journalisten fragten Trump bei seinem heutigen Treffen mit der japanischen Premierministerin völlig logisch genau dies: Warum will das Pentagon dieses Geld verlangen, wenn man doch angeblich sagen kann, dass sich der Krieg seinem Ende nähert? Und Trump sagte, das sei aus vielen Gründen wichtig, die nicht einmal mit dem zusammenhingen, worüber in Bezug auf Iran gesprochen werde, und dies sei eine sehr instabile Welt und so weiter.

In dieser Situation ist also völlig unklar, inwieweit sich die Vereinigten Staaten jetzt auf ein Ende des Krieges vorbereiten, inwieweit sie sich überhaupt vorstellen, wie der Krieg weitergehen wird. Übrigens sprach Trump auf dieser Pressekonferenz auch davon, dass er Israel gebeten habe, keine Schläge gegen die Öl- und Gasanlagen Irans zu führen. Und genau jetzt sagte der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu, Israel habe eigenständig Angriffe auf iranische Gasanlagen geführt, werde sich aber auf Bitten Trumps vorerst von ähnlichen Angriffen absehen. Das heißt, Netanyahu hat, wie Sie sehen, die Verantwortung für das übernommen, was mit den Öl- und Gasanlagen Irans geschehen ist. Interessant ist aber, dass danach eine iranische Rakete tatsächlich ein Kraftwerk und eine Raffinerie in Haifa getroffen hat. Das ist der wichtigste Wirtschaftshafen Israels. Israels Energieminister Eli Cohen sagt, dass es keine ernsthaften Schäden gebe, aber wir wissen natürlich nicht, wie schwerwiegend dieser Raketenschlag für die Raffinerie tatsächlich ist. Wir haben gesehen, dass russische Raffinerien selbst nach Treffern durch ukrainische Drohnen für lange Zeit außer Betrieb gesetzt wurden. Und Drohnen sind, wie Sie verstehen, eine völlig andere Geschichte als eine Rakete. Interessant ist, dass diese Rakete, mit der die Revolutionsgarden auf Haifa schossen, „Nasrallah“ heißt, nach dem von den Israelis getöteten Anführer der libanesischen Terrororganisation Hisbollah, dem langjährigen Führer und, kann man sagen, Vater des libanesischen Terrors Hassan Nasrallah. Wie Sie also sehen, zeigt Iran ganz offen, dass es seine Schläge gegen Israel mit Rache für die Tötung einer ganzen Reihe terroristischer Führer verbindet, die bekanntlich alles Mögliche für die Eskalation der Lage im Nahen Osten getan haben. Und auch das ist ein ziemlich großes Problem, dass diese Menschen eine Atmosphäre geschaffen haben, in der die iranischen Ajatollahs jetzt, könnte man sagen, in Blut baden.

Die Trump-Administration hat heute beschlossen, den Verbündeten im Persischen Golf ohne den Kongress Hilfe zu leisten, um ihnen irgendwie dabei zu helfen, Iran entgegenzutreten. Und das ist ebenfalls sehr wichtig, denn es geht um 8 Milliarden Dollar für die Vereinigten Arabischen Emirate – um AMRAAM-Raketen, Munition für F-16 und für Luftverteidigungssysteme. Genau jene Systeme, die wir nicht bekommen werden. 8 Milliarden für Kuwait – das sind Radarsysteme zur Raketenabwehr. 70 Millionen für Jordanien – das ist Unterstützung für Luftfahrt und Munition. Und dies ist eine Vereinbarung im Rahmen einer Notlage, die es erlaubt, das Verfahren der Zustimmung durch den Kongress zu umgehen. Nun, Sie wissen, dass das nicht das erste Mal ist; nicht das erste Mal seit der Entscheidung der Vereinigten Staaten, diesen Krieg zu beginnen, dass sie den Kongress umgehen. Aber das sind erhebliche finanzielle Summen und erhebliche Mengen an Bewaffnung, die sich ebenfalls darauf auswirken können, was die Vereinigten Staaten der Ukraine in nächster Zeit für europäisches Geld verkaufen werden – falls sie überhaupt verkaufen.

Und die letzte Entwicklung beim Öl: Es ist von 119 auf 105 Dollar gefallen. Möglicherweise hängt das gerade damit zusammen, dass die Lieferungen iranischen Öls freigegeben werden könnten. Aber das ist keine so bedeutende Schwankung, dass man von einer Normalisierung der Lage sprechen könnte. Was wirklich bedeutsam sein könnte, wäre die mögliche Beschädigung eines amerikanischen F-35-Kampfflugzeugs, dem es glücklicherweise gelang, auf einem amerikanischen Stützpunkt notzulandenEs heißt, der Pilot habe den Einsatz über Iran überlebt. Und das ist die erste Situation, in der es Iran gelungen ist, ein solches amerikanisches Flugzeug zu treffen. Und natürlich wäre es ein ernstes Problem für die Streitkräfte der Vereinigten Staaten, wenn dies kein Einzelfall bliebe, sondern zur Regel würde.

  • Erstens gibt es von diesen Flugzeugen gar nicht so viele.
  • Zweitens kosten sie Millionen von Dollar.
  • Drittens würde sich dann auch noch herausstellen, dass sie für jene Waffen verwundbar sind, über die Iran verfügt, um amerikanische Kriegsanstrengungen zu blockieren.

Und auch das ist ein wichtiger Punkt, über den man sprechen muss, wenn es um das geht, was im amerikanisch-iranischen Krieg weiter geschehen könnte. Zumal, wie Sie sehen, nach Ansicht des Generaldirektors der IAEO Rafael Grossi trotz der Bombardierungen ein erheblicher Teil des iranischen Atomprogramms erhalten geblieben ist, was offensichtlich weder den politischen Plänen Präsident Trumps noch, erst recht nicht, den politischen Plänen des israelischen Premierministers Netanyahu entspricht. Denn es stellt sich die Frage: Wenn das iranische Regime erhalten bleibt und das iranische Atomprogramm ebenfalls, was dann? Die Bedrohung für Israel wird nur größer werden. Und die Iraner werden noch stärker vom Gefühl der Rache erfüllt sein – für Khamenei, für all ihre Führer, für die Bombardierungen. Die Arbeit an der Atombombe könnte sich mit energischer Hilfe aus Moskau und Peking beschleunigen.

Damit stellt sich die Frage, ob Donald Trump zu einer Bodenoperation mit der Landung zumindest begrenzter Teile der Streitkräfte der Vereinigten Staaten in Iran bereit wäre, um diese nuklearen Materialien in Besitz zu nehmen. Und ob diese Operation nicht blutig und für die Vereinigten Staaten schrecklich in ihren Folgen sein würde. Auch das ist eine Frage, die man sich schon heute beantworten sollte. Insofern gibt es eine reale Möglichkeit und reale Chancen, dass jetzt irgendwelche ernsthaften Entscheidungen über die weiteren Schritte getroffen werden. Zumal gerade jetzt, während wir hier miteinander sprechen, der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu eingeräumt hat, dass das iranische Regime überleben könnte. Und das unterscheidet sich tatsächlich etwas von den Erklärungen, die die Führer der Vereinigten Staaten und Israels zu Beginn dieser Operation vor 20 Tagen abgaben, als sie überzeugt waren, dass die ersten Schläge gegen Iran, die Tötung Khomeinis und anderer iranischer Führer das iranische Regime faktisch schwächen, die Spannungen in der Welt verringern und den iranischen Protestierenden reale Möglichkeiten zur Machtergreifung in Iran eröffnen könnten.

Nun, übrigens dachten nicht nur sie allein so. Erinnern Sie sich an all diese Gespräche, wonach, wenn Trump den iranischen Protestierenden, die damals auf die Straße gingen und gegen dieses schreckliche und repressive Regime protestierten, rechtzeitig mit seinen Bombardierungen und Schlägen geholfen hätte, dieses Regime gefallen wäre. Nun, wie Sie sehen: Man sollte sich keinen besonderen Illusionen hingeben. Ich habe schon mehrfach gesagt, dass Regime nicht durch Bombardierungen stürzen. Sie stürzen aus mehreren Gründen, einer davon kann eine Volksrevolution sein, die stärker sein muss als der Machtapparat des Regimes. Das ist eine eindeutige Sache. Nicht weniger eindeutig ist, dass eine weitere reale Möglichkeit, ein Regime zu stürzen, eine Bodeninvasion mit Besetzung des Landes ist. Aber dafür braucht es keine punktuellen Operationen, sondern die Landung der amerikanischen Armee in Iran, so wie es im Irak war, und die Bereitschaft, enorme Opfer unter den Amerikanern infolge dieses Krieges in Kauf zu nehmen.

Schließlich kann ein weiterer wichtiger Teil des ganzen Spiels ein Militärputsch sein, sodass die Armee die Macht in die eigenen Hände nimmt. Aber es entsteht der Eindruck, dass die iranische Armee zusammen mit den Revolutionsgarden diese Macht bereits ausübt und von der Notwendigkeit des Kampfes gegen die Amerikaner überzeugt ist – denn so ist diese Armee in den Jahren nach der Islamischen Revolution in Iran geworden. Und schließlich gibt es noch innerelitäre Absprachen im Zusammenhang mit einer Kursmilderung. Aber das ist im Kern eine fanatische, revolutionäre Elite, in der – sowohl unter den gemäßigten als auch unter den radikalen Führern – ein absoluter Konsens über die Notwendigkeit des Erhalts des Regimes herrscht, wie in jeder anderen revolutionären Elite auch. Es gibt also keinerlei Grund zu der Annahme, dass das iranische Regime am Rand des Zusammenbruchs und Zerfalls steht, wie US-Finanzminister Bessent es sagte.

Aber es besteht die Möglichkeit, dass es tatsächlich, wie er sagte, von selbst zerfällt und dieses Regime dann nicht mehr das gesamte Territorium des Landes kontrollieren wird. Und nukleare Vorräte sowie Raketenprogramme könnten in die Hände verschiedener Gruppierungen geraten, die sie nach ihrer eigenen Vorstellung davon einsetzen, was gut und was böse ist. Und das könnte eine weitere gewaltige Gefahr für die Region werden, zusätzlich eine enorme demografische Krise auslösen, die die Staaten des Persischen Golfs unter sich begraben und möglicherweise auch die Hoffnungen der Europäer auf die Fortsetzung der Demokratie auf ihrem Kontinent zerstören oder die Macht in die Hände rechtspopulistischer Kräfte legen würde, jener gleichen rechtspopulistischen Kräfte, die Donald Trump so sehr liebt, genau jener Kräfte, die heute, wie Sie wissen, in Ungarn und der Slowakei regieren und die Hilfe für die Ukraine blockieren. Es sind genau solche Kräfte, keine anderen. So ist es.

In dieser Situation kann man natürlich nicht davon sprechen, dass wir sicher wären, dass das alles so einfach enden wird. Gerade jetzt, während wir sprechen, heulen im Nahen Osten wieder die Luftalarm-Sirenen. Interessant ist dabei, dass sie gerade wegen eines Alarms aus dem Libanon heulen. Das heißt, die terroristische Gruppierung Hisbollah greift Israel weiterhin an, von der der israelische Premierminister übrigens überhaupt nicht gesprochen hat, auch nicht darüber, dass er über diese Gefahr nachdenkt. Die Hauptgefahr ging für ihn von Iran aus. Und hier bin ich natürlich der Meinung, dass Netanyahu recht hat, denn wenn die Hisbollah in dieser Situation die Finanzierung aus Iran verliert, dann könnte sie natürlich zumindest von der militärischen Bühne verschwinden, so wie auch das Regime der Ajatollahs verschwinden könnte. Aber dafür müsste das Regime zusammenbrechen. Und Netanyahu sagt, dass das Regime standhalten kann. Wenn es standhalten kann, dann wird es natürlich versuchen, all diese verbliebenen Proxy-Kräfte weiter zu unterstützen, also vor allem Hamas und Hisbollah. Was soll man da sagen? Das sind also die Momente in diesem Krieg, die für uns sehr wichtig sind.

Ich werde nun die Fragen beantworten, die es während der Episode bereits gab.

Frage. Warum erzählen Sie ständig, dass Trump die Macht verlieren wird, wenn die Demokraten die Wahlen gewinnen? Für ein Impeachment braucht man 67 Stimmen im Senat. Das ist unmöglich, selbst wenn alle republikanischen Kandidaten aus den Wahlen aussteigen würden.

Portnikov. Sie hören mir nicht aufmerksam zu. Ich sage ständig, dass Trump die Macht nicht verlieren wird, weil man für ein Impeachment 67 Stimmen im Senat braucht. Und das ist unmöglich, selbst wenn alle republikanischen Kandidaten aus den Wahlen aussteigen würden. Ich sage das die ganze Zeit, also verwechseln Sie mich mit jemand anderem. Es gibt eine enorme Zahl von Menschen, die die ganze Zeit erzählen, dass es ein Impeachment geben werde, dass Trump die Macht verlieren werde, wenn er die Wahl verliere, dass man ihn impeachen und er das Oval Office verlassen werde. Ich sage, dass das unmöglich ist, dass es derzeit keine Möglichkeit gibt, dass demokratische und republikanische Senatoren für ein Impeachment Trumps stimmen. Ich spreche von etwas ganz anderem: Wenn Trump die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses verliert und eine von ihnen ein Impeachment gegen ihn einleitet, wird es für ihn sehr schwer sein, seine Politik durchzusetzen; beide Kammern werden Untersuchungen gegen Trump selbst und seine Verbündeten einleiten, sie ständig zu irgendwelchen Anhörungen vorladen, Gesetzesvorhaben blockieren, mit irgendwelchen Initiativen auftreten. Und die letzten Jahre von Donald Trumps Zeit im Oval Office werden für ihn ein einziger Albtraum sein. Dass es unmöglich ist, ihn per Impeachment aus dem Amt zu entfernen, ist für mich eine völlig offensichtliche Sache – es sei denn, wir würden irgendwelche so schrecklichen Vorwürfe sehen, denen sogar die Republikaner zustimmen müssten, um ihre Partei nicht zu verlieren. Aber bisher sehe ich keinerlei Voraussetzungen dafür, dass das geschieht. Es sei denn, wir sehen in irgendwelchen neuen Epstein-Akten etwas derartiges, dass selbst der republikanischste aller Republikaner sich nur noch an den Kopf fassen könnte.

Frage. Halten Sie einen Atomschlag gegen Iran für möglich?

Portnikov. Ich sehe derzeit keine Voraussetzungen für eine Situation, die eine reale Möglichkeit dafür schaffen würde, dass irgendein Atomstaat als erster Atomwaffen einsetzt. Ich halte das ebenfalls für reine Verschwörungstheorie.

Frage. Ist das Hauptmotiv dieser Operation im Iran nicht ein offener Versuch Trumps, Putin zu helfen, weil Russland zum Hauptprofiteur geworden ist?

Portnikov. Natürlich würden wir gern glauben, dass sich die ganze Welt um die Ukraine und auch um Russland dreht und dass, wenn irgendjemand irgendetwas tut, er ausschließlich an Putin denkt, aufwacht und als Erstes an Putin denkt. Aber ich glaube, dass Russland zum Hauptprofiteur dieser Situation einfach wegen Trumps Inkompetenz geworden ist und wegen seiner Unfähigkeit, die Folgen dessen zu kalkulieren, was er tut, und vor allem die Folgen dessen, was seine Gegner tun werden. Ich möchte Sie übrigens daran erinnern, dass in den ersten Tagen dieser Operation alle ukrainischen Kommentatoren, sowohl diejenigen im Fernsehen als auch in den sozialen Netzwerken, stolz sagten: „Seht ihr, Iran hat zu Recht einen Schlag abbekommen. Natürlich zu Recht, die Führer dieses Landes haben ukrainisches Blut an den Händen. Und Russland hat sein geopolitisches Gewicht verloren, konnte Iran nicht helfen. Wie wunderbar“. Und jetzt ist plötzlich das Hauptproblem, dass Russland zum Hauptprofiteur geworden ist. Nun, das ist doch wirklich eine seltsame Situation. Man sollte sich irgendwie entscheiden, so oder so. Deshalb würde ich Trumps Wunsch, Putin zum Hauptprofiteur zu machen, nicht überschätzen. Als die Ölpreise zu steigen begannen, wusste er einfach nicht, was er tun sollte. Er ist von inkompetenten Menschen umgeben, die nicht besonders gut verstehen, was in den Situationen zu tun ist, in die sie geraten. Nichts Neues. Wenn man sich mit Leuten umgibt, die einem nur schmeicheln, ist das ein riesiges Problem. Sie verstehen doch, dass das ein enormes Problem ist im Hinblick darauf, was dann mit deiner Kompetenz, deiner Fähigkeit zu handeln, geschieht. Also all das sind gewaltige Schwierigkeiten für die weitere Entwicklung der Ereignisse.

Im Grunde sprechen wir jetzt darüber, wie sich der Krieg gegen Iran weiterentwickeln wird. Gerade in einer Situation, in der offensichtlich kein klarer Plan für die weitere Entwicklung besteht, liegt das eigentliche Problem. Und das ist ein sehr reales Problem im Hinblick auf das, was uns noch bevorsteht. Mehr lässt sich dazu im Moment kaum sagen. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns das bewusst machen – gerade angesichts der Lage, in der wir uns heute befinden – und es stets im Hinterkopf behalten. Wenn wir darüber sprechen, dass Russland etwas gewinnt oder nicht gewinnt, dann zeigt das letztlich nur, wie eine solche Situation unter inkompetenter Führung funktioniert. Ich denke, dass die Ukrainer das auch ohne mich sehr gut verstehen.

Frage. Eine weitere Zuspitzung der Lage in Iran – wozu könnte sie Trump bewegen? Zu einer endgültigen Hinwendung zu Putin oder zu einer Rückkehr zur Zusammenarbeit mit den Verbündeten? Was wird die Oberhand gewinnen: Sympathie oder Umstände?

Portnikov. Ich glaube, die Umstände werden die Oberhand gewinnen. Auch das muss man im Zusammenhang mit dem verstehen, was im Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Iran geschieht. Sympathien sind schön und gut. Aber es stellt sich die Frage: Wie kann Trump ein Bündnis mit Russland schließen, das Iran hilft, Israel zu zerstören? Das widerspricht doch seinen Zielen, nicht wahr? Oder mit China, das ebenfalls überhaupt kein Bündnis mit Amerika will? Auch das ist ein sehr wichtiger Punkt, den wir ansprechen müssen.

Frage. Und wer soll der Ukraine diese Raketen geben, um das russische Produktionspotenzial zu zerstören? Etwa die Trump-Administration? Es ist doch offensichtlich, wie sehr Trump die Ukraine hasst. Oder Großbritannien? Oder Frankreich?

Portnikov. Nun, ich sage Ihnen ganz ehrlich: Ich halte es für möglich, dass Großbritannien oder Frankreich das tun können, weil sich die Welt sehr verändert. Bis vor Kurzem waren die Europäer der Meinung, sie müssten alles erst in zweiter Linie liefern, jedenfalls erst nachdem die Vereinigten Staaten zugestimmt hätten. Heute gibt es das nicht mehr, und es wird es auch nicht mehr geben. Deshalb ja: Ich bin der Meinung, dass ernsthafte Verhandlungen zwischen den Verbündeten notwendig sind. Und wir müssen nicht so sehr mit den Russen und den Amerikanern sprechen, sondern mit den Europäern, denn wir brauchen in dieser Situation weitreichende Waffen.

Frage. Glauben Sie nicht, dass die Wiederaufnahme des sogenannten Verhandlungsprozesses das Ziel hat, Druck auf die Ukraine auszuüben, damit sie auf Angriffe gegen russische Raffinerien verzichtet? Ein weiterer Gefallen für den Besatzer, Trumps Verbündeten.

Portnikov. Die Ukraine könnte auf Angriffe gegen den Raffineriekomplex Russlands verzichten im Austausch für einen Verzicht Russlands auf Angriffe gegen die ukrainische Infrastruktur. Beides liegt heute nicht im Interesse Moskaus und Kyivs. Deshalb glaube ich nicht, dass die Ukraine auf Angriffe gegen die Raffinerieindustrie der Russischen Föderation verzichten kann, solange die Russische Föderation Infrastrukturangriffe gegen die Ukraine fortsetzt. Und Russland versteht sehr gut, dass es, wenn es nicht gegen unsere Infrastruktur schlägt, keine besonderen Trümpfe mehr hat, um uns zur Kapitulation zu zwingen. Deshalb glaube ich nicht, dass darüber bei Verhandlungen ernsthaft gesprochen wird.

Frage. Wenn Laridschani tot ist und Modschtaba in Russland, wer ist jetzt der tatsächliche Führer Irans und trifft die wichtigsten Entscheidungen?

Portnikov. Erstens wissen wir nicht, wo Modschtaba ist. Das ist alles Verschwörungstheorie. Zweitens kann auch jemand, der dich in Russland befindet, Entscheidungen treffen, wenn er den realen Machtapparat in der Hand hat. Drittens wird Iran von den Revolutionsgarden geführt. Und ganz real treffen die Führer dieses Korps alle konkreten Entscheidungen über Angriffe, etwa gegen die Infrastruktur der Staaten des Persischen Golfs, gegen Israel und so weiter. Es gibt einen Oberbefehlshaber der iranischen Armee; man kann ihn töten, dann erscheint ein neuer Oberbefehlshaber. Viertens gibt es den Sprecher des iranischen Parlaments Ghalibaf, dessen politische Rolle wächst, je mehr andere iranische Führer ausgeschaltet werden. Wenn man ihn tötet, wird irgendein anderer auftauchen. Das ist doch ein System. Und die Existenz eines symbolischen Obersten Führers schafft sozusagen die formale Vollendung dieses Systems. Wenn Modschtaba Khamenei getötet wird – nun, dann wird man einen neuen Obersten Führer wählen, ich sehe darin überhaupt kein ernstes Problem.

Frage. Die Strategie Irans, den Krieg mit denselben menschenfresserischen Methoden zu führen, die wir schon seit vier Jahren beobachten – es wirkt, als komme das direkt aus der Lubjanka. Und ist das normal für solche Regime?

Portnikov. Das ist überhaupt normal für alle autoritären Regime. Ich sehe darin überhaupt kein Problem. Das ist die ganze Geschichte der Menschheit hindurch so gewesen – diese menschenfresserischen Methoden, die autoritäre Regime und Diktaturen vor allem anwenden, um die Bevölkerung einer ungehorsamen Region, eines ungehorsamen Landes einzuschüchtern. Ich sehe im russisch-ukrainischen Krieg oder in dem Krieg, den Iran führt, überhaupt nichts Neues. Wenn etwas Neues dabei wäre, dann wäre das aus historischer Sicht wirklich wichtig. So aber ist das völlig normal.

Frage. Warum sprechen wir nur über negative Aspekte und negative Einflüsse des Krieges gegen Iran auf die Ukraine? Gibt es denn gar keine positiven Auswirkungen?

Portnikov. Einen positiven Einfluss gibt es in gewissem Maße schon. Wenn Iran Russland mit Technologien und Drohnen geholfen hat, dann kann es das jetzt nicht mehr tun. Aber wir wissen nicht sicher, ob Iran weiterhin die Drohnen produzierte, mit denen auf uns geschossen wurde, oder ob die Produktion dieser Drohnen bereits in der Russischen Föderation selbst lokalisiert ist. Und ob man jetzt wirklich sagen kann, dass diese Produktion für die Russische Föderation wichtig ist. Oder schickt nicht vielleicht inzwischen die Russische Föderation selbst Drohnen in den Iran? Wir wissen das nicht, weil wir nicht einmal wissen, wer tatsächlich jene einzige Drohne mit der russischen Aufschrift „Geran-2“ hergestellt hat, die in den Staaten des Persischen Golfs gefunden wurde. War es eine russische Drohne im Besitz Irans, oder bauen die Iraner umgekehrt einfach Drohnen und versehen sie mit russischer Schrift, um ihre Beteiligung am Krieg zu verschleiern? Besondere positive Folgen dieses Krieges für die Ukraine gibt es bislang nicht. Vielleicht wäre es ein positives Ergebnis, wenn er mit dem Zusammenbruch des iranischen Regimes enden würde, mit seiner endgültigen völligen Niederlage. Aber zusätzliche Waffen werden auch dann nicht vom Himmel fallen, und dieser Prozess würde lange dauern. Nun, ich verstehe, dass man gern positive Momente in diesem Prozess finden möchte, aber er ist eher negativ als positiv. Und zwar nicht nur für uns, wie Sie verstehen.

Frage. Halten Sie es für richtig, dass die Europäische Union sich bislang zurückhält, den Vereinigten Staaten zu helfen? Die USA unter Trump haben doch gezeigt, dass sie völlig unzuverlässige Partner sind – gegenüber der Ukraine, gegenüber den Kurden.

Portnikov. Nun, ich denke, auch das ist bis zu einem gewissen Grad ein Problem, und wir können sagen, dass das reale Schwierigkeiten in dem sind, was in den Beziehungen zwischen Europäern und Amerikanern geschieht. Diese amerikanische Unzuverlässigkeit hat übrigens gerade dazu geführt, dass kurdische Formationen sich geweigert haben, an dieser Geschichte teilzunehmen. Das ist tatsächlich so, denn ich bin sicher, dass sie darauf reagiert haben, wie die Amerikaner sich gegenüber den syrischen Kurden verhalten haben, die sie viele Jahre lang unterstützt und unter Trump dann verraten haben, in der Hoffnung, besondere Beziehungen zur neuen syrischen Führung aufzubauen. Ich sagte damals schon, dass das ein riesiger Fehler sei. Aber wen haben die Vereinigten Staaten in Trumps Zeit im Weißen Haus eigentlich nicht verraten? Das war doch ein Jahr der Verrate. Hat man die venezolanische Opposition verraten? Hat man. Die Kurden verraten? Hat man. Die Ukraine verraten? Hat man. Noch bevor Trump Präsident der Vereinigten Staaten wurde, begann dieser Führer der amerikanischen Ultrarechten uns zu verraten, indem er die Hilfe für uns blockierte. Infolgedessen haben wir Awdijiwka verloren. Nun, als er Präsident wurde, konnte er dann seine Politik in vollem Umfang entfalten. Natürlich ist dieses Gefühl des Verrats da. Ganz zu schweigen davon, dass, wenn man gute Beziehungen zu den Europäern haben will, aber zugleich davon redet, Grönland zu übernehmen, welches reale Bedürfnis sollten die Europäer haben, dir zu helfen, wenn du bereit bist, die territoriale Integrität eines EU-Mitgliedstaates zu verletzen? So wie du dich gegenüber Kanada oder anderen Ländern verhältst, ist das ein enormes Problem. Jedenfalls sehen wir jetzt, dass sich die Situation langsam korrigiert. Ich habe Ihnen ja schon erzählt, was im Zusammenhang mit der europäischen Reaktion geschieht. Und vielleicht finden Europäer und Amerikaner ja doch noch irgendein gegenseitiges Verständnis. Ich verstehe nur nicht ganz, wie man die Straße von Hormus öffnen soll und ob es dafür reale Möglichkeiten gibt. Aber all das werden wir, denke ich, bald sehen.

Das sind also die Hauptpunkte dieses Krieges und seiner Folgen für uns. Hoffen wir auf das Beste.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Війна з Іраном: загрози для України | Віталій Портников. 19.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 19.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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„Donetsk-Szenario“ für Estland | Vitaly Portnikov. 17.03.2026.

Die deutsche Zeitung Bild behauptet, dass der russische Präsident Vladimir Putin, ermutigt durch die nachsichtige Haltung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, schon in naher Zukunft eine sogenannte zweite Front in Europa eröffnen und Estland angreifen könnte.

Auf den ersten Blick fehlt diesen Prognosen vor allem eine reale Grundlage in Bezug auf Ressourcen. Praktisch alle Kräfte Wladimir Putins sind an die ukrainische Front gebunden. Der russische Präsident träumt weiterhin von der Zerstörung des Nachbarstaates und der Eingliederung seines Territoriums in Russland. Und die Taktik, die das Weiße Haus in den Verhandlungen mit Moskau gewählt hat, ermutigt Putin nur – ebenso wie seine Kalkulationen auf den Erfolg eines langjährigen Abnutzungskrieges. Wie sollte er da noch zusätzlich gegen Estland Krieg führen?

Doch ein wirklicher Krieg mit dem baltischen Nachbarland muss gar nicht stattfinden. Bei seinem Versuch, Estland und die Nordatlantische Allianz zu destabilisieren, kann Putin einen hybriden Weg einschlagen – genau jenen Weg, den er bereits nach der Revolution der Würde 2013–2014 in der Ukraine zu gehen versuchte.

Ich erinnere daran, dass Russland damals eine Invasion durchführte, die Autonome Republik Krim besetzte und annektierte. Im Osten der Ukraine hingegen beeilte man sich nicht mit einer Annexion, sondern initiierte in den besetzten Gebieten der Regionen Donezk und Luhansk die Gründung sogenannter Volksrepubliken. Übrigens wurden genau unter diesen Bezeichnungen die „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk nach Putins groß angelegter Invasion in die Ukraine annektiert und zusammen mit den Regionen Saporischschja und Cherson zu Subjekten der Russischen Föderation erklärt.

Im Fall Estlands könnte man denselben Weg gehen: Saboteure in das Nachbarland schicken, etwa die Gründung einer „Narwaer Volksrepublik“ ausrufen und gleichzeitig die Beteiligung der Russischen Föderation an den Ereignissen auf estnischem Gebiet abstreiten. Natürlich würden sowohl der Kreml als auch russische Propagandisten dabei von der Verteidigung der Rechte der unterdrückten russischen und russischsprachigen Bevölkerung in Estland sprechen. Ein direkter militärischer Konflikt würde jedoch nicht stattfinden.

Ich möchte daran erinnern, dass selbst als russische Truppen in die Gebiete Donezk und Luhansk einmarschierten, nicht nur im Westen der direkte Charakter der Besatzung ignoriert wurde. Auch in der Ukraine selbst zogen es sowohl die Behörden als auch die Bürger – und sogar jene, die mit der Waffe in der Hand gegen russische Soldaten kämpften – vor, den Begriff „Separatisten“ zu verwenden und damit im Grunde der Russischen Föderation dabei zu helfen, die Idee eines hybriden Krieges zu verbreiten und die Tatsache der direkten Besatzung der Gebiete Donezk und Luhansk zu verschleiern.

Und diese Mythologie hielt sich bis Februar 2022, was dem Präsidenten der Russischen Föderation zusätzliche Zuversicht geben kann, dass sich bei Anwendung desselben Instrumentariums auf Estland – wenn in die Besetzung eines Teils dieses baltischen Landes nicht nur Saboteure, sondern auch lokale Kollaborateure einbezogen werden, mit denen Mitarbeiter des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation und des Auslandsgeheimdienstes erfolgreich arbeiten können – erneut etwas Ähnliches ereignen wird.

Die Stimmung in Washington unter der Administration von Präsident Trump lässt keinen Zweifel daran, dass es genau so kommen könnte. Und in vielen europäischen Hauptstädten würde man es vorziehen zu sagen, dass es keinen direkten Krieg der Russischen Föderation gegen Estland gebe, dass das, was geschieht, in Wirklichkeit Probleme der innenpolitischen Entwicklung dieses Landes seien, die Moskau lediglich auszunutzen versuche. Dass die russischen Militärs und Beamten, die zweifellos aus Moskau nach Narva entsandt würden, um die Strukturen der besetzten Gebiete zu leiten, Freiwillige seien und nicht Mitarbeiter des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation, die von Putin entsandt wurden, um das Besatzungsregime aufrechtzuerhalten.

War es nicht genauso in Donezk, wo an der Spitze der sogenannten Donezker Volksrepublik ein Vertreter des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation, Borodai, stand, der heute Abgeordneter der Staatsduma der Russischen Föderation ist?

Die Anwesenheit Borodais ließ keinen Zweifel daran, dass es sich um eine Besatzung handelte. Doch auch die Kollaborateure mit ukrainischen Pässen, die hohe Positionen in den Besatzungsstrukturen einnahmen, waren kein Beispiel für einen inneren Konflikt, da sie zuvor vom Föderalen Sicherheitsdienst Russlands als Agenten und Mitarbeiter angeworben worden waren und viele von ihnen Reserveoffiziere des FSB und anderer russischer Geheimdienste waren.

Es besteht kein Zweifel daran, dass eine ähnliche Taktik von den Geheimdiensten der Russischen Föderation in Narva angewendet werden kann. Zumal Putin selbst, ein Oberstleutnant des Föderalen Sicherheitsdienstes Russlands und ehemaliger Mitarbeiter des Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion, in der Regel genau solche Maßnahmen ergreift, wenn es um die Umsetzung politischer Aufgaben geht.

Putin ist kein Spezialist für militärische Operationen, sondern für Spezialoperationen. Deshalb ist klar, wenn wir von einem Krieg gegen Estland sprechen – und vielleicht in Zukunft auch gegen Lettland und Litauen –, dass der russische Präsident weitreichende Pläne hat.

Und die Präsenz von Donald Trump im Weißen Haus ermutigt ihn nur noch in diesen Plänen. Man kann davon ausgehen, dass solche Operationen einen hybriden Charakter haben werden – dass also Spezialoperationen den offenen Krieg ersetzen. Nicht umsonst hat Putin selbst seinen großen und endlosen Krieg gegen die Ukraine als „Spezialoperation“ bezeichnet.

Und hier stellt sich die entscheidende Frage: Wie wird der Westen reagieren, wenn man in den Vereinigten Staaten versucht, Putins Krieg gegen Estland nicht wahrzunehmen? Wenn in europäischen Ländern gesagt wird, dass man keinen direkten Konflikt mit einer Atommacht zulassen dürfe, weil dies zu einer echten Katastrophe führen würde, dann kann man auch davon sprechen, dass der russische Präsident die Möglichkeit erhält, sich bereits auf dem Territorium eines NATO-Mitgliedstaates zu festigen. Und wenn nicht vom schnellen, dann zumindest vom schleichenden politischen Tod des gesamten Bündnisses. Das wäre die eigentliche Essenz des Geschehens.

Genauso wie Putin in der Ukraine nicht Donezk und Luhansk brauchte, sondern die gesamte Ukraine und den Zugang zu ihren Grenzen mit westlichen Staaten. Genauso wird es im Fall Estlands nicht um Narva gehen, sondern um den politischen Tod der Nordatlantischen Allianz. Danach werden er und der Vorsitzende der Volksrepublik China, Xi Jinping, sich als Sieger im Krieg gegen den kollektiven Westen fühlen können – als Führer, die die Vereinigten Staaten endgültig weit über die Grenzen jener Einflusszonen hinausgedrängt haben, auf die man in Moskau und Peking Anspruch erhebt.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: „Донецкий сценарий“ для Эстонии | Виталий Портников. 17.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 17.03.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Schlag gegen Brjansk | Vitaly Portnikov @Newsader-tv. 15.03.2026.

Kuschnar. Also, wir haben die offizielle Beschuldigung seitens Moskaus an Großbritannien gesehen. Der Schlag mit Storm-Shadow-Raketen ist demnach faktisch ein britischer Angriff auf russisches Territorium. Wir wissen, dass ein einzigartiges Werk zur Herstellung militärischer Mikroelektronik durch Storm-Shadow-Raketen britisch-französischer Produktion zerstört wurde. Sagen Sie bitte: Wie ist diese Erklärung der russischen Seite an die Adresse Londons zu bewerten? Sollte sich Großbritannien Sorgen machen, oder sollte im Gegenteil eher das russische Regime nervös werden?

Portnikov. Nun, mir scheint, dass diese Erklärung gerade, ich würde sagen, der allgemeinen Taktik solcher Regime entspricht. Während Russland Großbritannien und Frankreich beschuldigt, der Ukraine bei Schlägen gegen den russischen militärisch-industriellen Komplex zu helfen und im Grunde selbst Aggressoren zu sein, sagt man im Iran, dass die Ukraine der Aggressor sei und nun ein legitimes Ziel für iranische Raketen. Das ist einerseits eine Taktik, ich würde sagen, der Globalisierung des Konflikts, und andererseits der Versuch des Aggressors, sich selbst in ein Opfer eines Angriffs zu verwandeln. Denn wer hat den Krieg gegen die Ukraine tatsächlich begonnen? Russland.

Was geschieht in den Werken des militärisch-industriellen Komplexes? Dort wird Technik zur Zerstörung der ukrainischen Infrastruktur und friedlicher ukrainischer Bürger hergestellt. Was geschieht mit dem Iran? Der Iran hat seine Angriffe auf Israel ausgeweitet, die bereits viele Monate lang in Abständen andauerten. Das ist faktisch schon der dritte Krieg dieser Art in jüngster Zeit nach dem 7. Oktober 2023. Und er hat diese Angriffe auch auf die Infrastruktur der Staaten am Persischen Golf ausgeweitet, unter anderem auf Wohnviertel. Die Ukraine, die diesen Ländern hilft, sich vor diesen Angriffen zu schützen, ist nun plötzlich ein legitimes Ziel für iranische Raketen. Das heißt: Jedes Land, das dem Opfer einer Aggression hilft, ist selbst ein Aggressor. Das ist die russisch-iranische Logik.

Kuschnar. Und das, obwohl die Ukraine ja gar nicht den Iran angreift. Sie hilft, sich gegen iranische Terrorangriffe auf zivile Infrastruktur zu verteidigen, also auch gegen Angriffe auf Infrastruktur, die ganz offensichtlich nichts mit dem Krieg zu tun hat.

Portnikov. Und wenn sie mit dem Krieg zu tun hätte? Wie Sie richtig sagen, greift die Ukraine den Iran nicht an. Aber auch Großbritannien und Frankreich greifen Russland nicht an. Doch in Moskau wie in Teheran will man ein völlig anderes Bild der Welt vorführen, eines, das sich von der Realität unterscheidet, weil es für sie bequemer ist, damit ihre eigenen aggressiven Handlungen zu rechtfertigen. Vor dem Hintergrund dieses Krieges im Nahen Osten vergessen viele jetzt, dass der Iran einst als Erster Israel beschossen hat, dass vor den iranischen Angriffen auf Israel niemand auch nur auf die Idee gekommen wäre, dass überhaupt ein Raketenangriff auf Israel möglich wäre. Der Iran unterstützte die Terrororganisation Hamas, die ihrerseits am 7. Oktober 2023 zuerst Israel angriff. Schließlich begann das alles mit dem Schlag der Hamas, an den sich dann die iranischen Proxys und der Iran selbst anschlossen. Israel verteidigte sich. Und bis zum 7. Oktober 2023 hatten, wie Sie sich erinnern, israelische Politiker und Militärs nicht einmal den Gedanken, in den Gazastreifen einzumarschieren, gegen den Iran Krieg zu führen, in den Libanon einzurücken oder gegen den Jemen Krieg zu führen — all das gab es nicht. Es wurde also die reale Bereitschaft des Iran und seiner Proxy-Kräfte demonstriert, den Staat Israel zu liquidieren.

Genauso ist es mit Russland. Bis zum 24. Februar 2022 kam selbst trotz der Annexion der Krim 2014 im Westen und sogar in der Ukraine selbst niemand auf die Idee, dass die reale politische und militärische Aufgabe von Wladimir Putin die Liquidierung des ukrainischen Staates, die Besetzung seines gesamten Territoriums und die Angliederung dessen an Russland ist, was man erobern kann. Aber jetzt wissen wir das alles. Wir wissen auch, dass der Iran bereit ist, Israel zu zerstören. Ich bin sicher: Wenn das iranische Regime bestehen bleibt, wird es von dieser Bereitschaft nicht abrücken. Wir wissen, dass auch Russland bereit ist, die Ukraine zu zerstören. Ich bin sicher: Wenn Putin an der Macht bleibt, wird er selbst im Fall irgendeiner illusorischen Waffenruhe von dieser Idee nicht abrücken. Und von dieser Idee wird auch das vom FSB geprägte russische Regime nicht abrücken. Das wissen wir. Und wir sind gezwungen, davon auszugehen. Das ist, wissen Sie, die Logik von Auschwitz. Wenn man dir sagt, dass man dich verbrennen wird, dann wird man dich verbrennen.

Kuschnar. Ganz zu schweigen davon, dass man den ukrainischen Behörden zustimmen muss, die gesagt haben, dass die ersten Shaheds, die auf die Ukraine flogen, gerade von iranischen Spezialisten gesteuert wurden. Später erst hat der Iran russischen Spezialisten beigebracht, das zu tun. Deshalb hat in diesem Fall sogar zuerst der Iran die Ukraine angegriffen.

Portnikov. Natürlich, die Iraner waren die Ersten, deren Präsenz wir sozusagen über unseren Köpfen und über unseren Straßen wahrgenommen haben. Und die Iraner haben ihre Beteiligung an diesem Krieg absolut zynisch bestritten. Erstaunlich ist etwas anderes: Jetzt, da wir in den Straßen arabischer Städte bereits Trümmer eines Shahed mit der Aufschrift „Geran-2“ gefunden haben, können wir uns fragen: Liefert Russland Shaheds aus eigenen Werken, die diese Drohnen in der Russischen Föderation produzieren, an den Iran? Oder stellt der Iran die Shaheds weiter für Russland her und klebt ihnen nur zur Tarnung eine russische Kennzeichnung auf? Vielleicht ist der Iran bis heute ein aktiver Teilnehmer am Krieg zur Zerstörung der Ukraine. Darum geht es.

Kuschnar. Das heißt, wir wissen nicht: Handelt es sich um eine Art Rückimport – also darum, dass der Iran faktisch seine eigenen, ursprünglich entwickelten Shahed-Drohnen aus russischer Produktion zurückerhält, möglicherweise in modifizierter Form? Oder helfen seine Fabriken Russland tatsächlich weiterhin? Das wäre natürlich sehr interessant, denn es würde Russlands Unfähigkeit demonstrieren, die Produktion dieser Drohnen in dem Maße hochzufahren, wie es sie braucht. Das wäre verblüffend. Beides wäre verblüffend.

Portnikov. Beides wäre verblüffend. Aber vielleicht hat Russland die Produktion auch hochgefahren, und der Iran verdient einfach trotzdem weiter Geld mit diesen Lieferungen. Zu viele Shaheds gibt es bekanntlich nicht.

Kuschnar. Wir erinnern uns ja tatsächlich, dass einer der Shaheds mit der Aufschrift „Geran“ auf dem Gelände einer britischen Basis abgestürzt ist. Und einige meinten, dass die Storm Shadows, die dieses Werk „Kremnij El“ trafen, eine Art Antwort Londons seien. Könnten Sie das so bewerten, oder ist das nur ein Zufall?

Portnikov. Ich denke, das ist ein Zufall. Sich vorzustellen, dass hier nach dem Prinzip Auge um Auge, Zahn um Zahn gehandelt wird — alle verstehen doch sehr gut, wozu der Ukraine westliche Raketen gegeben werden. Zur Zerstörung des militärisch-industriellen Komplexes der Russischen Föderation. Übrigens: Wenn es mehr dieser Raketen gäbe, versichere ich Ihnen, gäbe es auch weniger Krieg. Wir verstehen beide, dass die gesamte Taktik Donald Trumps — das Zurückhalten militärischer Hilfe für die Ukraine, die ständigen Gespräche des amerikanischen Präsidenten darüber, dass die Ukraine für alles bezahlen müsse, die Verweigerung von Raketen großer Reichweite, das Einfrieren beziehungsweise Aufheben von Sanktionen gegen Russland — all das die Fortsetzung des Krieges begünstigt.

Wir haben schon mehrfach darüber gesprochen, dass Donald Trump im Wesentlichen direkt mitverantwortlich ist für die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges und für Russlands Erfolge in diesem Krieg. Wenn man eine Person finden will, die für diesen Krieg verantwortlich ist, ebenso ernsthaft wie jene Leute, die in den dreißiger Jahren nach Vereinbarungen mit Hitler suchten, dann ist das Donald Trump. Und das muss man auch offen sagen. Seine gesamte Politik in russischer Richtung ist entweder inkompetent, oder fehlerhaft, oder verbrecherisch — je nachdem, von welchen tatsächlichen Absichten Trump geleitet wird und von welchen tatsächlichen Absichten sein engstes Umfeld geleitet wird.

Übrigens ist die Frage nach dem Verbrecherischen immer eine große Frage. Denn wenn wir sehen, wie Trump und sein Umfeld gegenüber dem Iran handeln, können wir im Prinzip sagen, dass dies eine inkompetente Administration ist, deren Mehrheit der Mitarbeiter ihren Ämtern im Grunde nicht entspricht, während diejenigen, die ihren Ämtern entsprechen, ihre Kompetenz offen sabotieren, um nicht Trumps Zorn auf sich zu ziehen. Das ist wie mit Rubios Schuhen, der gezwungen ist, Schuhe zu tragen, die zwei Nummern größer sind, damit Trump sich nicht beleidigt fühlt, dass er dessen großzügiges Geschenk in Form billigen Schuhwerks nicht angenommen hat, das der Präsident der Vereinigten Staaten seinen Mitarbeitern überreicht.

Übrigens ist das doch schon fast wie in der Sowjetunion, verstehen Sie?  Erstaunlich, dass die Vereinigten Staaten ein solches Maß an Inkompetenz und Erniedrigung erreicht haben, wenn Kabinettsmitglieder in denselben Schuhen herumlaufen, um ihren betagten Chef nicht zu reizen. Und er kommt nicht einmal auf die Idee, bei den Menschen, die er mit seinen Geschenken beglücken will, die Schuhgröße zu erfragen. Das wäre doch eigentlich auch für einen Manager selbstverständlich. Wir haben immer davon gesprochen, dass Trump sich stets als guter Manager ausgab, in Wirklichkeit aber ein völliger Stümper ist. Und das ist, würde ich sagen, ein wunderbares Beispiel für dieses managerielle Versagen. Nun ja, du schenkst Leuten Schuhe. Das kommt in kleinen Firmen vor. Im Weißen Haus vermutlich auch, weil Donald Trump dieses Amt in eine kleine Firma nach seinem Bild und Gleichnis verwandelt hat. Aber warum erkundigst du dich nicht nach der Schuhgröße? Du willst doch tatsächlich, dass die Menschen deine Geschenke benutzen. Rubio hatte noch Glück, dass es eine große Größe war, aber stellen Sie sich vor, es wäre eine kleine gewesen. Wie hätte er da hineinkommen sollen? Wie im Märchen von Charles Perrault über Aschenputtel? Da hätte man wohl irgendetwas machen müssen, die Hinterkappe abreißen oder so.

Aber Spaß beiseite. Ich denke einfach, dass vielleicht tatsächlich dieser Ansatz gegenüber Russland nicht irgendeine Böswilligkeit ist, sondern Trumps ehrliches Nichtverstehen dessen, was in der Welt geschieht und wovon solche Regime geleitet werden. Wir wissen jetzt, dass er bei der Straße von Hormus wirklich nicht verstanden hat, dass der Iran sie blockieren würde, weil er meinte, das sei für den Iran nicht vorteilhaft. Das heißt, er misst alles mit dem Maßstab dieses nicht existierenden Vorteils für autoritäre Regime. Für Putin ist es nicht vorteilhaft, den Krieg in der Ukraine fortzusetzen. Nicht vorteilhaft. Für den Iran ist es nicht vorteilhaft, die Straße von Hormus zu blockieren. Nicht vorteilhaft. Es gibt aber etwas, das größer ist als Vorteil — etwa den Niedergang deines Feindes zu sehen. Verstehen Sie, in einer solchen autoritären Welt ist es viel wichtiger, sozusagen das Blut deines Feindes zu trinken und seine Leber zu essen, als ihm seine Perlen abzunehmen. Das ist doch eine bekannte Tatsache aus der Weltgeschichte. Sowohl Putin als auch die iranischen Ajatollahs genießen einfach die Verwirrung ihrer Feinde. Das ist ihr Anreiz. Das ist ihre Vorstellung davon, wofür Macht überhaupt erlangt werden muss. Und Trump spürt das nicht. Deshalb glaubte er, man könne sich rational mit Putin einigen und auch der Iran werde rational handeln und kapitulieren. Und jetzt ist auch klar, warum er auf die Ukraine wütend ist, die dieses rationale Verhalten Putins stört, indem sie sich ihm widersetzt.

Kuschnar. Ich komme gleich noch zum Iran, aber ich würde dennoch gern ein wenig über diesen Schlag gegen das zentrale russische Militärwerk sprechen. Während Trump weder passende Schuhe für seine Untergebenen noch die richtige Strategie zur Minimierung unangenehmer Kriegsfolgen findet, liefern die Verbündeten der Ukraine genau das, was sie braucht. Ich habe nur eine Frage: Warum kam dieser Storm-Shadow-Schlag gegen dieses Schlüsselunternehmen nicht früher? Brjansk liegt doch im Prinzip 100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Das alles war für Storm Shadow erreichbar. Was hat sich geändert?

Portnikov. Nun, ich denke, das ist immer ein Problem des Eskalationsniveaus. Das ist ja bekannt. Der Westen denkt die ganze Zeit, er werde irgendwie ohne eine zusätzliche Eskalationsstufe auskommen. Das wissen wir doch alles sehr gut. Und dann stellt sich heraus: Nein, wir kommen nicht ohne aus. Und ich denke in vieler Hinsicht, dass sich bereits die Auffassung von der Notwendigkeit herausgebildet hat, den militärisch-industriellen Komplex Russlands zu zerstören — zumindest nachdem Russland zur planmäßigen Zerstörung ziviler ukrainischer Infrastruktur übergegangen ist. Bedenken Sie übrigens: Das war ja nicht nur der Schlag gegen Brjansk, vor Kurzem gab es auch einen Schlag gegen Wotkinsk, entweder mit Flamingo-Raketen oder mit Drohnen. In jedem Fall war das ebenfalls ein sehr schwerer Schlag. Es könnte ein kombinierter Angriff gewesen sein, aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass auch das ein sehr wichtiges Werk für den russischen militärisch-industriellen Komplex ist.

Es ist also wichtig, dass möglichst viele russische Militärwerke zu Asche werden. Das ist eine der wenigen Möglichkeiten, die russische Aggression zu stoppen, die Ermordung von Zivilisten, all die Verbrechen, die Russland auf ukrainischem Boden begeht und die dieser Staat für sich selbst als Genuss für die Zukunft eingeplant hat. Und wiederum rechnet der Westen, so scheint mir, die ganze Zeit mit einem gewissen Maß an russischer Besonnenheit., aber die gibt es nicht.

Kuschnar. Was Wotkinsk betrifft: Von dort kam ein Video einer Überwachungskamera, auf dem zu sehen war, wie eine riesige Rakete wirklich in diese Werkhalle einschlägt und sie zerstört. Das entspricht dem, was wir auf dem Satellitenbild gesehen haben. Nun gut, die Ukraine hat Flamingo erst seit Kurzem, das sind 1.400 Kilometer von der Frontlinie. Aber Brjansk liegt hier, es war all die Jahre erreichbar. Und hier würde ich wohl zustimmen, denn tatsächlich sagten die Briten: „Nein, das geht nicht. Eskalation ist gefährlich, Putin wird reagieren.“ Und jetzt haben sie einfach gesagt: „Los!“ — und das gesamte Werk niedergerissen. Nicht nur irgendeine Halle wie in Wotkinsk, sondern einfach das ganze Werk, seinen Hauptteil.

Portnikov. Stellen Sie sich vor, die Ukraine hätte Raketen großer Reichweite gehabt — wie viele russische Fabriken lägen dann jetzt schon in Trümmern?

Kuschnar. Tomahawks.

Portnikov. Ja, Tomahawks oder andere Raketen. Übrigens denke ich gerade, Sie sagten, wir würden zum Iran übergehen. Ohne den Iran kommt man nicht aus, denn vielleicht findet genau jetzt eine reale Divergenz zwischen Trump und der zivilisierten Welt statt. Denn sehen Sie: All diese vier Jahre handelten die Europäer sowohl bei der Lieferung von Waffen als auch, würde ich sagen, bei der Erlaubnis zu deren Einsatz mit Blick auf Amerika. Wenn Amerika lieferte und Amerika erlaubte, dann lieferte und erlaubte auch Europa.

Jetzt stellt sich aber die Frage: Muss man vielleicht genau nach den entgegengesetzten Regeln handeln? Wenn Trump etwas nicht will, muss man es gerade tun, weil Trumps Entscheidungen dem gesunden Menschenverstand und den Interessen der Ukraine aus Sicht ihrer Verteidigung direkt widersprechen, aber den Interessen des Präsidenten der Russischen Föderation entsprechen. Und so stellt sich die Frage, ob man auf Tomahawks und auf Trumps Rückkehr auf den Pfad des gesunden Menschenverstandes warten muss — einen Pfad, den der Präsident der Vereinigten Staaten in diesen Fragen längst verlassen hat.

Es gibt Fragen, in denen er sich auf dem Pfad des gesunden Menschenverstandes befindet. Das bestreite ich überhaupt nicht. Aber nicht, wenn es um den russisch-ukrainischen Krieg geht. Und wenn er keine Tomahawks liefern will, dann soll er eben machen. Dann muss man europäische Raketen suchen, die russische Fabriken treffen werden. Zumal Russland ohnehin die Europäer beschuldigen wird. Sowieso. Selbst wenn Trump Tomahawks liefern würde, wären die Europäer schuld, weil Putin bei alledem gute Beziehungen zu Trump aufrechterhalten will. Und darin hat er recht. Sie sehen doch: Trump gibt ihm die Möglichkeit, Öl zu verkaufen. Trump spricht mit ihm, Trump gibt ihm reale Chancen zu überleben und seine Wirtschaft zu stärken. Und die Europäer werden trotzdem schuld sein. Entweder daran, dass sie Waffen geliefert haben, oder daran, dass sie Trump dazu gezwungen haben, Waffen zu liefern. Die Europäer sind für Putin jetzt der Prügelknabe. Dagegen ist nichts zu machen. Wenn Trump also für bestimmte Schläge keine Erlaubnis gibt, dann sollen die Europäer sie geben.

Schauen Sie: In der G7, als es um die Frage ging, auf Sanktionen gegen Russland zu verzichten, blieb Trump allein, isoliert. Wenn es um Abstimmungen in den Vereinten Nationen und anderen Institutionen über antirussische Resolutionen geht, stimmen die Vereinigten Staaten in der Regel entweder zusammen mit Russland und anderen autoritären Diktaturen, oder sie enthalten sich zusammen mit China der Stimme. Das heißt, die Vereinigten Staaten stimmen nicht mehr wie ein demokratisches, zivilisiertes Land. Sie stimmen wie eine Autokratie. Warum sollte man in solchen Fällen die Meinung der amerikanischen Administration zu solchen Fragen berücksichtigen? Man muss im Gegenteil verstehen, dass sich Trumps Meinung in ihrer Substanz in nichts von der Meinung Xi Jinpings oder Putins unterscheidet.

Kuschnar. Wie ich sehe, kritisieren Sie die amerikanische Operation im Iran sehr ernsthaft. Aber man muss doch zugeben, dass im Prinzip sämtliche iranischen militärischen Mittel in wenigen Tagen ausgeschaltet wurden. Und die Straße von Hormus ist der letzte, einzige Trumpf des iranischen Regimes, den die amerikanische Administration natürlich jetzt irgendwie lösen wird. Sagen Sie: Wie geht man tatsächlich mit dieser Dichotomie um? Man muss das Regime zerstören oder ihm zumindest sein Raketen-, Ballistik- und Atomprogramm nehmen, ihm die Möglichkeit nehmen, diese Proxys zu finanzieren. Andererseits bedeutet das unvermeidlich — zumindest vorübergehend — einen Anstieg des Ölpreises als natürliche Folge dieses Trumpfes, der Blockade der Straße von Hormus. Wie sehen Sie das?

Portnikov. Sehen Sie, ich sage überhaupt nicht, dass eine Operation gegen das iranische Regime nicht nötig wäre. Ich gehe von mehreren Dingen aus. Erstens: Wir wissen nicht, wie viel militärisches Potenzial des Iran tatsächlich zerstört wurde. Das heißt, wir können über eine große Menge des Zerstörten sprechen, aber wir wissen nicht, wie viel der Iran in den kommenden Tagen, Wochen oder Monaten des Krieges noch einsetzen wird. Deshalb kann sich ein vorübergehender Anstieg der Ölpreise in einen dauerhaften verwandeln und sehr lange nicht auf ein normales Niveau zurückkehren, was zu einer groß angelegten wirtschaftlichen und energetischen Krise in der Welt führen kann. Erstens.

Zweitens. Ich sage nicht, dass man die Operation gegen den Iran nicht hätte beginnen sollen. Ich sage, dass man sie hätte ausarbeiten müssen. Die bloße Idee, „wir würden durch Raketenangriffe irgendwie einen Aufstand gegen das iranische Regime stimulieren“, ist idiotisch. Raketenbombardierungen stärken Regime, sie schwächen sie nicht. Selbst wenn man mit einem ersten Schlag gegen die Residenz des Obersten Führers eine große Zahl von Menschen ausschalten würde — einem Mann, der ohnehin 87 Jahre alt war —, sind das alles sehr fragwürdige Triumphe.

Drittens. Für die Vereinigten Staaten war es eine Überraschung, dass der Iran den Krieg auf das Territorium der Staaten am Persischen Golf übertragen würde. Für eine Großmacht ist das ein unzulässiger Fehler, der von der Inkompetenz des militärischen und geheimdienstlichen Apparats spricht. Von den Politikern, die die Entscheidung treffen, ganz zu schweigen. Denn wenn die Vereinigten Staaten verstanden hätten, wie der Iran handeln wird, und wenn Israel verstanden hätte, wie der Iran handeln wird… Wir sprechen ja immer von den glänzenden Möglichkeiten des israelischen Geheimdienstes, aber das eine ist, in sämtliche Kameras der Straßenüberwachung im Iran einzudringen und zu verstehen, wie sich Ajatollah Khamenei bewegt, und etwas ganz anderes ist, zu verstehen, wie der Iran handeln wird.

Oder wir könnten annehmen, dass Israel verstanden hat, wie der Iran handeln wird, aber in der Annahme, dass Donald Trump auf einen Schlag verzichten würde, falls man ihn darüber informierte, dass der Iran seine militärische Macht auf die Staaten am Persischen Golf richten werde, hat Israel ihn einfach desinformiert oder, sagen wir, unzureichend informiert, um das Unverständnis und die Inkompetenz des Präsidenten der Vereinigten Staaten im Interesse Israels zu nutzen. Daran könnte ich glauben.

Aber wir sprechen jetzt doch nicht über die Interessen Israels, das den Iran maximal schwächen muss, selbst wenn es Donald Trump als Instrument benutzt. Wir sprechen über Amerika als solches. Also: Das war eine Überraschung. Und noch dazu ist unklar, was für eine Überraschung, denn ich halte es durchaus für möglich, dass noch die Huthis ins Spiel gebracht werden, dass noch weitere Meerengen geschlossen werden, dass noch ein Teil des internationalen Handels blockiert wird. All das kann geschehen. Ich halte es für möglich, dass sich militärische Handlungen auf den Südkaukasus ausweiten. Auch das kann geschehen. Und Schläge gegen Europa halte ich nach den heutigen Erklärungen, dass die Ukraine ein Ziel sein könne, ebenfalls durchaus für möglich. Wenn der Iran über Langstreckenraketen verfügt, könnten sie die Ukraine oder Polen angreifen. Auch das halte ich für möglich. All das kann in der kommenden Woche geschehen.

Aber darüber sprechen wir gar nicht, wir sprechen über die Überraschung. Denn wenn man eine solche Operation ausarbeitet, dann hätte man mehr Luftverteidigungssysteme in den Staaten am Persischen Golf stationieren müssen. Wir sind ja noch nicht einmal bis zum Wichtigsten gekommen, wenn jetzt schon über die Straße von Hormus gesprochen wird. Wenn die Vereinigten Staaten tatsächlich versuchen werden, die Kontrolle über das iranische Öl zu übernehmen, oder wenn sie etwa beginnen, die iranischen Ölfelder anzugreifen — die Vereinigten Staaten oder die Israelis —, dann könnte der Iran tatsächlich anfangen, etwas zu tun, was er bislang noch nicht getan hat: nämlich die Ölfelder Saudi-Arabiens und anderer Staaten am Persischen Golf zu zerstören. Und dann fällt der Vorhang.

Und das bedeutet wiederum nicht, dass man nicht gegen autoritäre Regime handeln darf. Es bedeutet, dass man nicht inkompetent gegen autoritäre Regime handeln darf. Wir haben uns über die Handlungen Wladimir Putins gewundert, der die russische Operation gegen die Ukraine einfach nicht ausgearbeitet hatte, dessen Blitzkrieg zusammenbrach und der in einen jahrelangen Abnutzungskrieg hineingezogen wurde. Donald Trump wiederholt jetzt genau dasselbe mit dem Iran, wie nach Noten. Mit einem großen Unterschied: Wladimir Putin hat keine wahlpolitischen Hindernisse für einen jahrelangen Abnutzungskrieg. Die russische Gesellschaft kann ihm alles erlauben, was er will, und sogar das, was er nicht will. Hauptsache, der Repressionsapparat ist stark. Donald Trump hat keinen inneren Gewaltapparat dieser Art. Und es gibt wahlpolitische Prüfungen, die seine politische Karriere zusammen mit der Operation gegen den Iran zum Einsturz bringen können. Das ist alles, was ich meine.

Kuschnar. Ich verstehe. Sie meinen also, dass in dieser Operation gewisse Absicherungsmomente nicht eingebaut wurden, die hätten eingebaut werden müssen, wenn die Administration kompetent gewesen wäre?

Portnikov. Wenn die Administration kompetent gewesen wäre; wenn die israelische Geheimdienstgemeinschaft ihre amerikanischen Kollegen wirklich hätte informieren wollen über das, was tatsächlich passieren wird. Oder wir müssen anerkennen, dass auch Benjamin Netanyahu in den letzten Jahren bei der Auswahl des Personals für die israelischen Geheimdienste in Trumps Logik handelt und Loyalität dem Professionalismus vorzieht. Wir verfolgen die israelische Politik in diesem Fall nicht so aufmerksam, wie wir es eigentlich sollten. Aber Sie wissen doch, wie viele Skandale es um Rücktritte und Ernennungen in der Spitze von Israels Armee und Geheimdiensten gegeben hat?

Kuschnar. Das haben wir gesehen. Davon gab es natürlich sehr viele.

Portnikov. Nun, das ist eben das Ergebnis. Deshalb sprechen wir jetzt nicht über die Ziele Benjamin Netanyahus oder Donald Trumps. Wir sprechen darüber, dass Politiker ausschließlich auf das persönliche Interesse am Machterhalt konzentriert sind, weil die Alternative dazu endlose Gerichtsverfahren sind. Sie wissen doch, dass Benjamin Netanyahu auf der ersten Pressekonferenz nach Beginn des Krieges Begnadigung gefordert hat.

Kuschnar. Ja. Und Trump hat ihn darin unterstützt.

Portnikov. Das heißt: Ihnen stürzt jetzt alles auf die Köpfe ihrer Bürger ein — amerikanischen Soldaten oder Israelis, die von den Iranern bombardiert werden. Es ist unbekannt, wie lange das dauern wird. Wiederum: Die Ziele sind gut. Wer wollte das bestreiten. Aber warum muss man in einem solchen Moment an die eigene Begnadigung denken? Wenn dich das so beschäftigt, wenn das für dich ein weiteres zentrales politisches Ziel ist und der Krieg gegen den Tyrannen nur ein Instrument, dann kann man sich vorstellen, wie du deine Personalpolitik aufbaust. Infolgedessen wird das, was eigentlich selbstverständlich ist, für dich zur Überraschung.

Aber noch einmal: Ich halte es durchaus für möglich, dass die Lage komplizierter ist, als wir denken, dass die Israelis es dem amerikanischen Führungspersonal einfach nicht gesagt haben, weil sie Trump nicht erschrecken wollten. Stellen Sie sich vor, Netanyahu sagt Trump: „Du weißt, wir fangen das alles an, aber man muss berücksichtigen, dass der Iran Saudi-Arabien, Oman, Bahrain, Kuwait, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate angreifen wird — also gerade jene Länder, die in deine Wirtschaft investieren und dir Flugzeuge schenken, und du wirst sie kaum schützen können.“ Und Trump sagt zu ihm: „Mein Gott, Bibi, wie schrecklich, denk dir doch so etwas nicht aus, mein Gott, wie soll das gehen?“ Und Netanyahu sagt: „Donald, sie werden höchstwahrscheinlich die Straße von Hormus sperren. Öl wird es eine Zeitlang nicht geben, aber das ist nicht wichtig, denn das Ziel ist ja gut.“ Was meinen Sie, was Trump ihm geantwortet hätte?

Kuschnar. Halten Sie es nicht für möglich, dass Trumps Berater Trump in Wirklichkeit ebenfalls getäuscht haben, weil sie verstanden, wie er reagieren würde, dass er diese Operation vielleicht stoppen könnte, weil es Falken gibt, die die Zerstörung des iranischen Regimes um jeden Preis wollen, auch um den Preis, den Ölpreis lange über 90 Dollar pro Barrel zu halten?

Portnikov. Natürlich gibt es Falken um ihn, aber es gibt auch Nicht-Falken, die sich gegen einen Krieg mit dem Iran aussprechen und diese Argumente offensichtlich nicht vorgebracht haben. Zumindest hat Trump sie nicht berücksichtigt. Er sagte doch, dass es keine Blockade der Straße von Hormus geben werde. Das heißt, dieses Thema wurde besprochen. Trump hat einfach gesagt, dass er an eine solche Möglichkeit nicht glaubt, weil es um Geld geht und niemand auf Geld verzichten werde. Aber sagen Sie bitte: Wozu brauchen Menschen Geld, wenn du sie in ihren eigenen Residenzen vernichtest? Sie müssten doch nicht an Geld denken, sondern an ihre Rettung, an ihre eigene, nicht wahr? Und ihre Rettung führt über deinen Zusammenbruch.

Kuschnar. Eben. Und wissen Sie, in diesem Zusammenhang wirkt Trumps Erklärung im Interview mit Fox News nicht sehr logisch, dass er auf die Flugabwehrdrohnen der Ukraine verzichtet. Dabei sind das amerikanisch-ukrainische Drohnen, und im Grunde hat sie derselbe Mann entwickelt, der auch die Flugabwehrdrohnen für die Amerikaner gemacht hat. Nur dass die Amerikaner keine Erfahrung in realen Kampfeinsätzen haben und die Ukrainer schon.

Portnikov. Ich denke, er meint damit, dass er amerikanisch-ukrainische Drohnen für amerikanische hält.

Kuschnar. Nun, er sagt: „Wir brauchen keine Hilfe der Ukraine, wir brauchen sie nicht.“

Portnikov. Richtig. „Weil das unsere Drohnen sind.“

Kuschnar. Wo sind denn diese Drohnen? Wo sind die Spezialisten, die diese Drohnen steuern? Warum schießen sie die Shaheds mit diesen Drohnen nicht ab? Das ist auch interessant. Die Ukrainer hätten doch im Voraus auf diese Basen verlegt werden können, damit es dort keine Shahed-Angriffe gibt.

Portnikov. Oh, das ist sehr kompliziert. Wieder beginnen Sie mit mir darüber zu sprechen, was hätte sein können, wenn sie verstanden hätten, wie der Krieg verlaufen würde. Sie haben sich doch auf einen Blitzkrieg vorbereitet. Sehen Sie, der Plan war einfach: „Wir schlagen zu. Ajatollah Khomeini stirbt zusammen mit seinen Gefolgsleuten und seiner Familie. Die Iraner gehen auf die Straße, und an die Macht kommt eine normale Führung oder zumindest Menschen, die bereit sind, mit uns zusammenzuarbeiten. Irgendein Peseschkian zum Beispiel, der sagt: ‚Wir sind mit allem einverstanden.‘ Wie Delcy Rodríguez.“ Er sagt doch: „Ich will es wie Delcy.“

Das heißt, dieser Mensch denkt in Kategorien gelenkter Diktaturen. Nun gut, in Venezuela gelingt es ihm vielleicht für eine Zeit, ein Regime einer gelenkten Diktatur zu errichten, denn sobald er schwächer wird — und er wird schwächer werden —, wird ihn dieses venezolanische Regime zum Teufel schicken, weil es ihn hasst. Es hat Maduro geopfert, um sich Zeit zu verschaffen, Trump zu überleben, und es wird ihn überleben, wenn Trump keine venezolanische Demokratie will. Sie verstehen doch, dass aus der Logik heraus, die Trump und die Trumpisten ablehnen, der einzig wirkliche Verbündete der Vereinigten Staaten als führender demokratischer Macht der Gegenwart die Demokratie ist. Ob venezolanisch, iranisch oder kubanisch. Wenn du aber bloß einen gelenkten Diktator willst, wird dich dieser gelenkte Diktator bei der ersten Gelegenheit verraten.

Dieselben venezolanischen Führungspersonen können jetzt einfach nach eine Art Schutz vor einem unberechenbaren Akteur suchen, wie man so sagt. Sie können mit den Chinesen sprechen, sie können mit den Russen sprechen, um in Zukunft, wenn es gelungen sein wird, die Vereinigten Staaten durch gemeinsame Anstrengungen zu schwächen, die frühere Ordnung wiederherzustellen. Und vor dem Hintergrund dessen, was im Iran geschieht, verstärkt sich diese Suche bei jedem Diktator, wie Sie verstehen. Deshalb sagte ich bei der Operation zur Entführung Maduros, bedingt gesprochen: Ja, Maduro ist ein Machtusurpator, er kann vor einem amerikanischen Gericht erscheinen. Aber dann stellt sich die Frage: Warum erkennt Trump die gegenwärtige Regierung Venezuelas als legitim an? Das sind doch Usurpatoren, sie haben doch die Wahlen gefälscht. Wenn er sie als legitime Regierung anerkennt, warum befindet sich Maduro dann in New York? Er steht doch an der Spitze dieses legitimen Regimes. Er ist dessen legitimer Führer. Delcy Rodríguez ist gemeinsam mit ihm als Vizepräsidentin angetreten. Worum geht es also?

Kuschnar. Sagen Sie, wie lange können sich die Vereinigten Staaten Ihrer Meinung nach diesen Krieg mit dem Iran noch relativ schmerzlos leisten — im Hinblick auf die Wahlfolgen für die Republikaner und Trump? Also, was braucht es: Wochen, Monate, um das Regime zu stürzen oder zumindest damit Trump seinen Sieg verkünden könnte?

Portnikov. Im Moment sehe ich keinerlei objektive Voraussetzungen für den Sturz dieses Regimes. Mehr noch: Ich glaube nicht, dass der Chronometer für das Ende dieses Krieges in Donald Trumps Händen liegt. Das alles hängt von der Überlebensfähigkeit des iranischen Regimes ab. Sie werden genau so lange gegen die Vereinigten Staaten Krieg führen, wie sie sich halten können. Und selbst wenn Donald Trump die militärischen Handlungen einstellen würde, würde all das weitergehen bis zu dem Moment eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs — so jedenfalls, wie sie ihn wahrnehmen. Es ist ihnen sehr wichtig, dass die Vereinigten Staaten mit steigenden Preisen für Benzin, für Grundwaren und für Dienstleistungen leben, dass sich dieser Krieg in die Geldbeutel der Amerikaner einschleicht und sich dort für lange Zeit einnistet. Das ist ihre Aufgabe. Trump kann irgendwann beschließen, dass er ihr Regime nicht stürzen kann, und erklären, dass er bereits gesiegt habe, dass er den Großteil des Raketenpotenzials des Iran, seine Waffen, zerstört und ihnen den Zugang zu Atomwaffen beziehungsweise deren Herstellung verwehrt habe.

Das alles wäre wahr. Was er sagen würde, wäre wahr. Aber es gäbe ein Problem: Was tun, wenn der Iran weiter mit Drohnen und Raketen die Staaten am Persischen Golf angreift? Was wird er tun, wenn der Iran in dieser Situation die Straße von Hormus blockiert? Was tun, wenn dabei das iranische Öl selbst nicht verfügbar ist? Und wenn China dadurch zusätzliche Mengen anderen Öls zu höheren Preisen einkauft, nichtiranischen Öls?

Kuschnar. Und zwar aus Russland?

Portnikov. Natürlich aus Russland, und nicht nur aus Russland.

Kuschnar. Das iranische Regime sagt ja bereits: „Entfernt die amerikanischen Basen, dann hören wir auf, euch anzugreifen.“ Aber niemand wird die amerikanischen Basen aus dem Nahen Osten abziehen. Also wird es weiter zuschlagen, bis Donald Trump vom Olymp gestürzt wird, bis die Republikaner die Wahlen im November verlieren. Das kann sich doch jahrelang hinziehen. Wir können jetzt jahrelang mit Öl zu 100 Dollar leben.

Portnikov. Nun, es ist unklar, zu welchen Folgen Öl zu 100 Dollar überhaupt aus Sicht wirtschaftlicher Probleme für alle Länder führen wird. Sehen Sie: Trump glaubt bislang, dass das ein kurzfristiges Ereignis ist. Und Trump sagt: „Um das amerikanische Regime zu stürzen, kann man auch etwas aushalten.“ Nun, ich stimme zu. Ich bin bereit auszuhalten. Aber wie ist das für die Menschen, die ohnehin kaum über die Runden kommen? Und Trumps Wähler, die für ihn gestimmt haben, damit sie nie wieder in eine Lage geraten, in der sie wegen eines Krieges ihres Landes irgendwo im Ausland Entbehrungen hinnehmen müssen — sind die bereit, das auszuhalten, die Leute von MAGA? Ich gehöre ja nicht zu MAGA, deshalb bin ich bereit auszuhalten. Ich stimme Donald Trump zu.

Kuschnar. Ja, ich auch.

Portnikov. Aber die Leute von MAGA, die Trumpisten — haben sie dieselbe Sicht wie ich? Ich bin mit beiden Händen dafür. Ich bin bereit, ein halbes Jahr auszuhalten. Soll in Amerika das Benzin teuer sein, sollen die Preise für Lebensmittel steigen, ich halte das aus.

Kuschnar. Sie sind ja auch nicht in Amerika, letztlich.

Portnikov. Auch in der Ukraine werden die Menschen darunter leiden. Ich spreche von mir persönlich. Ich habe jüdische Herkunft. Ich verstehe, dass die Alternative der Untergang Israels ist. Ich bin bereit auszuhalten, bin bereit, mir einiges zu versagen, aber ich habe, wie man sagt, nicht für Donald Trump gestimmt. Aber die Menschen, die für ihn gestimmt haben — sind die bereit auszuhalten, und wie lange? Das ist doch die Frage.

Kuschnar. Ja. Es ist ein Wettrennen. Gehen dem Iran schneller die Drohnen in den Lagern und die Produktionskapazitäten für Drohnen aus, oder wird Trump früher einknicken? Das ist ein solches Rennen, in dem wir sehen werden, wer gewinnt. Ja, wenn Trump es schafft, die gesamte Drohnenindustrie des Iran zu vernichten, dann hat er eine Chance. Wenn nicht, wenn es dem Iran gelingt oder vielleicht sogar, von außen Nachschub zu bekommen…

Portnikov. Chinesische Tanker, die ruhig durch diese blockierte Straße von Hormus fahren — die kommen doch nicht leer an, oder? 

Kuschnar. Sehr interessant. Werden die etwa entladen?

Portnikov. Nun, ich frage Sie. Ich weiß es ja nicht. In einem solchen Tanker kann man alles Mögliche transportieren.

Kuschnar. Natürlich, natürlich. Wir wissen ja noch nicht, in welchem Maße Russland dem Iran hilft. Einerseits kauft Russland selbst Satellitenbilder aus China, andererseits gibt es Hinweise, dass es dem Iran zumindest bei der Taktik des Einsatzes von Drohnen hilft, die es aus den Erfahrungen in der Ukraine gewonnen hat.

Portnikov. Natürlich, denn Russland hat dieselben Möglichkeiten wie die Ukraine. Es spielt nur, wie man sagt, für die andere Mannschaft.

Kuschnar. Und diese vorübergehende Erlaubnis, jedenfalls jenes Öl russischer Herkunft zu kaufen, das auf Tankern im Meer herumlag — warum ist Trump überhaupt darauf eingegangen? Er musste doch verstehen, dass das einen Sturm der Kritik auslösen würde. Und übrigens hat es am Ende zu keinerlei Ergebnis geführt. Der Ölpreis ist übrigens ebenso wenig gesunken wie nach dem Öffnen der Ölreserven in den USA und in den Ländern des Öl-Konsortiums; er ist gleich geblieben.

Portnikov. Er ist nicht gesunken. Es ist erstaunlich, dass er von Wirtschaft überhaupt keinen blassen Schimmer hat — überhaupt nicht. Und die Leute, die etwas von Wirtschaft verstehen, erzählen es ihm nicht, um ihn nicht zu kränken, wie Bessent.

Kuschnar. Sie wollen also sagen, dass Bessent einen Befehl bekommen hat und diesen Befehl ausführt, obwohl er versteht, dass dieser Befehl nicht zum gewünschten Ergebnis führen wird?

Portnikov. Natürlich. Deshalb sagt er: „Das ist eine vorübergehende Maßnahme, das ist alles nicht besonders wichtig.“ Er ist ja, wie Sie verstehen, Gegner all dessen, er ist für die Verdrängung Russlands vom Markt. Aber dort herrscht eben so eine Atmosphäre.

Kuschnar. Was für eine Atmosphäre?

Portnikov. Erstens die Atmosphäre der Allmacht der ersten Person. Trump sagt ja selbst, was für eine Atmosphäre dort herrscht. „Ich spreche mit meinen Beratern, aber am Ende tun sie, was ich will. Sie können ihre Meinung äußern, aber sie tun, was ich will.“ Das heißt: Die Meinung all dieser Leute zusammengenommen — Vance, Rubio, Bessent — ist gleich null. Null.

Kuschnar. Das heißt, Trump nimmt Bessent wie diesen Spiegel und sagt: „Spieglein, Spieglein, sag mir …“ Und Bessent sagt: „Ja.“ Vielleicht sagt er zuerst „Nein“. Aber danach sagt er: „Ja.“

Portnikov. Zuerst kann er vielleicht sagen: „Herr Präsident, ich denke, dass diese Situation nicht zu einer nennenswerten Senkung der Ölpreise führen wird.“ Und Trump sagt: „Ich aber denke, dass sie dazu führen wird. Führen Sie es aus.“ Bessent geht und führt alles aus. Das ist keine Führung, die sich in irgendeiner Weise darauf stützen könnte, Menschen anzuhören, die irgendeine Vorstellung vom gesunden Menschenverstand haben. Das ist Anti-Vernunft.

Kuschnar. Gewinnt Russland mehr oder verliert es mehr? Einerseits werden seine Verbündeten von Venezuela bis Iran getroffen, ja. Andererseits erhält es ein paar Milliarden zusätzlich.

Portnikov. Ohne jeden Zweifel gewinnt es, weil es überhaupt kein geopolitischer Akteur ist. Dass seine Verbündeten getroffen werden, ändert in seinem Leben nicht besonders viel. Russland braucht Geld für den Krieg in der Ukraine. Russland muss, sozusagen, gerade erst vom regionalen Akteur zu einem globalen werden. Der Weg dorthin führt überhaupt nicht über den Iran und nicht über Venezuela. Der Weg dorthin führt über die Ukraine.

Kuschnar. Nun, in der Ukraine demonstriert Putin selbst bei steigenden Ölpreisen keine Erfolge.

Portnikov. Da stimme ich absolut zu, aber er hofft doch auf diese Erfolge. Er braucht Geld für den Staatshaushalt.

Kuschnar. Sagen Sie, wie hat Putin Ihrer Meinung nach den Tod der höchsten iranischen Führung wahrgenommen? Dass das Regime gleichsam in Stücke zerschlagen wird. Ja, der Trumpf ist die Straße von Hormus. Aber im Grunde ist das doch das militärische Potenzial der USA.

Portnikov. Putin sieht sich selbst genau so, wie Trump ihn wahrnimmt: als Chef einer großen Nuklearmacht. Und das alles dort sind Führer mittelgroßer Staaten. Trump kann Khamenei liquidieren, Putin kann Volodymyr Zelensky liquidieren, es gelingt ihm nur nicht. Aber sie sehen sich als eine eigene Liga von Mächtigen, die sich früher oder später miteinander verständigen müssen. Natürlich besser zu Putins Bedingungen. Für Putin ist Ajatollah Khamenei also kein ebenbürtiger Partner. Für ihn ist Trump ein ebenbürtiger Partner. Möglicherweise ist Xi Jinping ebenfalls ein ebenbürtiger Partner; so nimmt er die Welt wahr. Und Trump nimmt die Welt so wahr. Ich glaube übrigens nicht, dass Xi Jinping die Welt so wahrnimmt. Ich glaube, Xi Jinping hat die Zahl der ebenbürtigen Partner auf zwei reduziert — also auf sich selbst und Trump.

Kuschnar. Das heißt, Putin ist für ihn schon kein ebenbürtiger Akteur mehr?

Portnikov. Natürlich nicht. Allenfalls in der Zahl der Atomraketen, aber ich denke, Xi Jinping wird dieses Versäumnis bald korrigieren.

Kuschnar. Warum glauben Sie, dass Putin in Xis Wahrnehmung kein ebenbürtiger Akteur mehr ist?

Portnikov. Eine Wirtschaft von einem völlig anderen Niveau, Möglichkeiten, auf die Welt einzuwirken, von einem völlig anderen Niveau. China ist tatsächlich ein globaler Akteur, Russland aber nicht, wie Sie gerade völlig zutreffend illustriert haben. Wenn Russland nur im postsowjetischen Raum handeln kann, und das sogar ohne die Möglichkeit, die Ukraine seit vier Jahren zu erobern, während es im Südkaukasus den Einfluss schon mit den USA teilt und in Zentralasien mit China, was für ein globaler Akteur ist es dann bitteschön?

Kuschnar. Und dennoch noch ein letzter Punkt. Ist diese Situation für Putin nicht ein Lose-Lose-Szenario? Er verliert am Ende doch Donald Trump, wenn es so weitergeht. Wenn Trump sich nun endgültig selbst zugrunde richtet und seine Partei die Kongresswahlen verliert.

Portnikov. Für Putin ist es nicht wichtig, Donald Trump zu haben oder nicht zu haben. Für Putin ist wichtig, Amerika zu schwächen.

Kuschnar. Das heißt, Amerika wird objektiv geschwächt werden, meinen Sie?

Portnikov. Nun, zumindest kann er damit rechnen. Er rechnet damit, dass ein langwieriger Krieg mit dem Iran Amerika schwächt. Dazu wird er beitragen. Und ihn selbst wird es finanziell stärken.

Kuschnar. Ich würde dennoch lieber auf einer optimistischeren Note enden, denn unabhängig davon, wer zusammenbricht — übrigens könnten auch beide zusammenbrechen, das iranische Regime oder Donald Trump —, wir alle werden davon profitieren, denn, entschuldigen Sie, wie soll man sagen, Trump ist für uns letztlich ebenso ein geopolitischer strategischer Gegner wie das iranische Regime. Paradox, aber wahr.

Portnikov. Nun, nicht ebenso. Das würde ich doch nicht so sagen. Die Vereinigten Staaten sind in keiner Weise ein solcher geopolitischer Gegner wie der Iran. Die Vereinigten Staaten versuchen nicht, andere Länder mit Gewalt zu zerstören. Die Vereinigten Staaten bleiben der wichtigste Partner der NATO-Staaten. Die Vereinigten Staaten verweigern ihre Verpflichtungen nicht. Ja, es gibt Momente, die mit Donald Trumps persönlichen Vorstellungen zusammenhängen. Aber die Vereinigten Staaten mit dem Iran zu vergleichen — verzeihen Sie —, das würde ich nicht einmal in einem Albtraum tun.

Kuschnar. Nun, wir sprechen über die Figur Trump.

Portnikov. Die Figur Trump — das ist wie die Geschichte mit Baron Münchhausen, der, wie Sie sich erinnern, einen Löwen auf ein Krokodil hetzte. So etwas, ja? Aber verzeihen Sie: Wichtig ist, dass in der Rolle dieses Barons wir sind und nicht Putin.

Kuschnar. Ich bin dennoch der Meinung, dass es für uns alle und für die Ukraine ein riesiger Pluspunkt wäre, wenn Trump hier unangenehme Folgen in Form eines realen Rückgangs seiner Beliebtheitswerte und einer Niederlage seiner Partei bei den Wahlen bekäme.

Portnikov. Wichtig ist nur, dass sich dabei nicht das iranische Regime stärkt, dass es den Nahen Osten nicht weiter terrorisiert, dass dies nicht zu einer großen Energiekrise und zu einem weiteren Krieg führt, der ebenfalls sehr real ist.


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Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Разгром в Брянске | Виталий Портников @Newsader-tv. 15.03.2026.
Kanal: Newsader-tv
Veröffentlichung / Entstehung: 15.03.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump greift die Verbündeten an | Vitaly Portnikov. 16.03.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, droht den NATO-Verbündeten, dass dem Bündnis eine schwierige Zukunft bevorstehe, wenn sie sich nicht an den Versuchen beteiligen, die Straße von Hormus wieder zu öffnen.

„Wir haben so etwas wie die NATO“, betonte Trump in einem Interview mit der Financial Times. „Wir waren sehr großzügig. Wir mussten den Ländern Europas mit der Ukraine nicht helfen. Die Ukraine ist tausende Meilen von uns entfernt. Aber wir haben ihnen geholfen, und jetzt werden wir sehen, ob sie uns helfen. Denn ich habe schon lange gesagt, dass wir an ihrer Seite stehen werden, sie aber nicht an unserer Seite stehen werden. Und ich bin mir nicht sicher, dass sie an unserer Seite stehen werden.“

Diese Erklärung Donald Trumps ist faktisch eine Rückkehr zu seinen alten Vorwürfen gegenüber der Nordatlantischen Allianz und zeigt sein mangelndes Verständnis für Bündnisbeziehungen als solche. Denn wir verstehen sehr gut, dass es in der Situation des russisch-ukrainischen Krieges nicht einfach um Hilfe der Vereinigten Staaten für die europäischen Länder und insbesondere für die Ukraine ging, sondern um die Eindämmung imperialer Ambitionen der Russischen Föderation, hinter denen man den Schatten Chinas erkennen kann. 

Und wenn Trump mit seinen bekannten Sympathien für Putin und andere autoritäre Herrscher das nicht begreifen will, ist das Trumps Problem und nicht das Problem seiner NATO-Verbündeten. Und keine tausenden Meilen sind hier ein Argument des amerikanischen Präsidenten, schon allein deshalb nicht, weil die Straße von Hormus ebenfalls tausende Meilen von den Vereinigten Staaten entfernt liegt. Dennoch haben die Amerikaner entschieden, gegen Iran zu kämpfen, um dessen Atom- und Raketenprogramm zu verhindern und die Sicherheit Israels zu gewährleisten.

Und hier stellt sich die Frage, warum man gegen ein autoritäres Regime, das einer Region droht, die weit von den Vereinigten Staaten entfernt ist, Krieg führen kann, während man einem anderen autoritären Regime, das im Grunde genommen sogar an die Vereinigten Staaten grenzt, wenn man Alaska und Tschukotka bedenkt, nicht entgegentreten kann.

Aber natürlich sind das alles rhetorische Fragen. Ebenso rhetorisch ist die Frage, warum die NATO-Verbündeten heute den Vereinigten Staaten bei der Freigabe der Straße von Hormus helfen sollten, wenn die Vereinigten Staaten, als sie ihre Operation gegen die iranischen Ajatollahs planten, ihre europäischen Verbündeten ebenso wenig konsultierten wie andere NATO-Partner und auch nicht über die Möglichkeit sprachen, dass sich der Krieg nicht nur über lange Wochen, sondern sogar über Monate hinziehen könnte.

Wenn der Ölpreis steigen wird, was zu einer raschen wirtschaftlichen und energetischen Krise in der ganzen Welt und auch in den Vereinigten Staaten führen würde, und wenn Iran die Straße von Hormus zuverlässig blockieren wird – und übrigens wissen wir noch nicht, ob das das Ende der Geschichte ist: Wer wird die Bab-al-Mandab-Straße frei räumen, wenn sie ebenfalls von den Huthi ebenso zuverlässig blockiert wird, wie diese alten Verbündeten des radikalen Regimes im Iran drohen?

Natürlich wären gemeinsame Maßnahmen der NATO-Länder gegen autoritäre und radikale Regime in der Welt wünschenswert. Aber diese Länder sollten Verbündete sein und nicht einfach von Donald Trump in den Krieg gerufen werden, wenn sich herausstellt, dass alle seine bisherigen Pläne wie Kartenhäuser zusammenbrechen – infolge der Inkompetenz, Arroganz und nachlässigen Personalpolitik des amerikanischen Präsidenten.

Es könnte auch etwas anderes sein. Trump ist heute im Grunde nicht besonders beunruhigt über die Blockade der Straße von Hormus, weil er weiterhin glaubt, aus dem Wasser und dem Blut des Krieges gegen Iran trocken herauszukommen. Und dass die iranischen Ajatollahs früher oder später die Notwendigkeit erkennen werden, mit ihm eine Verständigung zu finden. Spoiler: Das werden sie nicht – so wie das bis heute auch der russische Präsident Putin nicht versteht. Denn autoritäre Führer haben eine völlig andere Logik des Handelns als die Führer der demokratischen Welt, selbst solche, die so sehr von ihren eigenen Möglichkeiten überzeugt sind wie Trump.

Trump kann jedoch die Krise in der Straße von Hormus und die mögliche Energie- und Wirtschaftskrise in der Welt, die mit jedem neuen Tag weiter wachsen wird, nutzen, um die NATO anzugreifen. Wie bekannt ist, gefiel dem amerikanischen Präsidenten die Mitgliedschaft der Vereinigten Staaten in der Nordatlantischen Allianz und überhaupt ihre Bündnisse mit Demokratien schon lange nicht. Er träumt von einem Bündnis mit autoritären Regimen und nicht von Bündnissen mit Demokratien.

Die jüngste völlige Isolation Trumps während des Treffens der Gruppe der Sieben, als er versuchte, den Krieg gegen Iran zu nutzen, um seinem langjährigen Idol, dem russischen Diktator Putin, beim Ausstieg aus den Sanktionen zu helfen, könnte ihn noch einmal davon überzeugt haben, dass seine Amerika, das trumpistische Amerika, nicht denselben Weg wie die führenden Demokratien der Gegenwart gehen darf. Und so versucht Trump, dem demokratischen Weltlager Vorwürfe zu machen, um sich von ihm zu verabschieden und Amerika in ein anderes Lager zu führen – in das Lager der Autoritären.

Nur bleibt die Frage offen, ob Putin, der Präsident Russlands, oder Xi Jinping, der Vorsitzende der Volksrepublik China, Trump überhaupt in diesem Lager sehen wollen – selbst als Juniorpartner. Denn wenn Trump wirklich für dieses Lager spielen wollte, müsste er heute gemeinsam mit Iran an der Zerstörung des jüdischen Staates im Nahen Osten arbeiten und nicht daran, ihm beim Überleben zu helfen angesichts der gemeinsamen, übrigens russisch-chinesisch-iranischen Bedrohung. Denn Russland und China tun alles Mögliche, damit das Regime der Ajatollahs überlebt, Atomwaffen erhält und diese auf die Köpfe eben jener Bürger Israels wirft, um deren Sicherheit Trump sich zu kümmern versucht.

Widersprüche? Aber Trump selbst, wie jeder Mensch, der die Gesetze der Politik und der Geschichte nicht versteht, sondern glaubt, nur die Gesetze des Kleinunternehmertums zu verstehen, ist aus solchen Widersprüchen gewoben. Und gerade diese Widersprüche führen heute recht effektiv sowohl Trump selbst als auch die Vereinigten Staaten von Amerika und die zivilisierte Welt an den Rand eines echten politischen, energetischen und wirtschaftlichen Abgrunds.

Und die Frage besteht hier überhaupt nicht darin, wer versuchen wird, die Straße von Hormus zu öffnen, die vom Regime der Ajatollahs zuverlässig blockiert wird. Es geht darum, welche wirklichen politischen Ziele Trump und diejenigen verfolgen, die ihn bei diesen unbeholfenen Versuchen unterstützen, der demokratischen Welt Vorwürfe zu machen und die Beziehungen zu ihr abzubrechen – Beziehungen, die keineswegs nur für Europäer oder Kanadier notwendig sind, sondern vor allem den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten entsprechen, eben jenen nationalen Interessen, die Donald Trump missachtet.


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Titel des Originals: Трамп накинувся на союзників | Віталій Портников. 16.03.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 16.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump greift Zelensky an | Vitaly Portnikov. 15.03.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat erneut seinen ukrainischen Kollegen Volodymyr Zelensky scharf kritisiert. In einem Interview mit einem Journalisten des Fernsehsenders NBC betonte er, dass Zelensky – im Gegensatz zum russischen Präsidenten Putin – keinen Weg suche, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. Er bat den Journalisten sogar, Zelensky auszurichten, dass Putin eine Möglichkeit für eine Vereinbarung finden wolle. Mit Zelensky sei es, so Trump, viel schwieriger zu verhandeln als mit Putin. Außerdem sei der ukrainische Präsident die letzte Person, die den Vereinigten Staaten mit Drohnen helfen könne, die die amerikanische Armee zum Schutz vor iranischen unbemannten Fluggeräten benötige.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass der amerikanische Präsident wieder seinem gewohnten Muster folgt: An einem Tag erhebt er Vorwürfe gegen den russischen Präsidenten, am nächsten gegen den ukrainischen. Doch diesmal hängen Trumps Aussagen nicht einmal direkt mit Zelensky zusammen, sondern mit der Situation, in der sich der amerikanische Präsident infolge der Fortsetzung des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran befindet. Es wird offensichtlich, dass Trump nicht damit gerechnet hat, dass das iranische Regime seine Positionen im Land nicht nur behalten würde, sondern auch die Straße von Hormus blockieren und damit eine Krise auf dem Ölmarkt auslösen könnte.

Journalisten betonen, dass Trump, als ein solches Szenario im Weißen Haus diskutiert wurde, seine Berater – die bekanntlich kaum wagen, eine abweichende Meinung zu äußern – davon zu überzeugen versuchte, Iran werde die Straße von Hormus nicht blockieren, weil das für die Islamische Republik wirtschaftlich nachteilig wäre. Damit hat er sich gründlich geirrt.

Nun versucht Trump, das Gleichgewicht auf dem Ölmarkt zu bewahren, weil er hohe Preise an amerikanischen Tankstellen fürchtet. Diese Preise könnten ihm tatsächlich eine Niederlage bei den Kongresswahlen einbringen. Die Suche nach Möglichkeiten, das Gleichgewicht auf dem Ölmarkt zu sichern, hat den amerikanischen Präsidenten dazu gebracht, zeitweise die Sanktionen gegen Russland aufzuheben.

Im selben Interview betonte Trump, dass sie wieder eingeführt würden, sobald sich die Lage bei den Öllieferungen auf dem Weltmarkt normalisiere. Wann das geschehen wird, weiß jedoch niemand. Auch Trump selbst sagte bei seiner Entscheidung über die Aussetzung der Sanktionen, dass es möglicherweise gar nicht mehr notwendig sein werde, sie erneut einzuführen. Eine weitere Erinnerung daran, dass er auf irgendeine vage Friedensvereinbarung zwischen Russland und der Ukraine hofft.

Doch bei seiner Suche nach Hilfe von Putin – die, wie wir sehen, ohnehin nicht zur Stabilisierung der Ölpreise führt – stieß Trump auf Unverständnis bei den anderen Staats- und Regierungschefs jener Länder, ohne deren Hilfe Russland seine Ölverkäufe auf dem Weltmarkt ohnehin nicht vollständig realisieren kann.

Während eines virtuellen Treffens mit den Staats- und Regierungschefs der Länder mit den am weitesten entwickelten Volkswirtschaften der Welt fand sich Donald Trump mit seinem Vorschlag, die Sanktionen gegen die Russische Föderation aufzuheben, praktisch in Isolation wieder. Fast niemand – selbst diejenigen nicht, die sonst bereit sind, sich mit seiner Position zu solidarisieren – unterstützte ihn bei diesem Treffen. Sie betonten vielmehr, dass sie die Sanktionen gegen Russland fortsetzen würden.

Offenbar konnte Trump also das, was er Putin während ihres letzten Telefongesprächs versprochen haben könnte – das möglicherweise nicht nur die Aufhebung der Öl-Sanktionen, sondern auch Putins Vermittlung bei einem Dialog mit den iranischen Ajatollahs betraf, der Trump zumindest gegenüber seinen eigenen Wählern eine Illusion des Sieges verschaffen könnte – nicht einlösen.

Natürlich waren nicht die Staats- und Regierungschefs der G7-Länder schuld daran. Trump möchte keinesfalls isoliert im Westen erscheinen, und auf der Website des Weißen Hauses wird dieses Gespräch gar nicht erwähnt. Wir hätten möglicherweise auch nichts Genaues darüber gewusst, wenn der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz und der kanadische Premierminister Mark Carney nicht über Trumps Isolation berichtet hätten. In dieser Situation ist für Trump Zelensky der Schuldige.

Im Grunde genommen ist die Ukraine schuld – dafür, dass sie existiert und gegen die Russische Föderation für ihre Souveränität kämpft. Dadurch wird es Trump derzeit unmöglich gemacht, das Problem der russischen Öllieferungen auf den Markt zu lösen und die gefährlichen Folgen seiner Fehlkalkulationen im Krieg gegen das iranische Regime für ihn und seine Parteifreunde abzuschwächen.

Man sollte diese Ausfälle Trumps also nicht allzu ernst nehmen. Es sind die Ausfälle eines beleidigten Kindes, das eine politische Niederlage fürchtet und all die Konsequenzen, die damit verbunden sein werden. Und diese Konsequenzen könnten für den amerikanischen Präsidenten und andere überzeugte Trump-Anhänger äußerst schmerzhaft sein.

Natürlich lohnt auch Trumps Aussage, Zelensky sei die letzte Person, die den Vereinigten Staaten im Kampf gegen iranische Drohnen helfen könne, keine ernsthafte Diskussion. Das ist sowohl eine Lüge als auch ein Ausdruck schwarzer Undankbarkeit seitens des amerikanischen Präsidenten. Eine Lüge deshalb, weil wir jetzt sehen, dass nicht nur amerikanische Militärs, sondern auch die Staats- und Regierungschefs der Länder des Persischen Golfs und sogar der Premierminister Israels mit dem ukrainischen Präsidenten darüber sprechen möchten, wie man sich gegen iranische Drohnen verteidigt. Sie haben erkannt, dass die Ukraine über ernsthafte Kampferfahrung in einer solchen Verteidigung verfügt.

Dabei geht es nicht einmal in erster Linie um Technik, sondern um Logistik, Taktik und all das, was Menschenleben rettet. Und wenn Donald Trump das gleichgültig sein mag, so ist es seinen Kollegen aus den Ländern des Persischen Golfs und aus dem jüdischen Staat, wie wir sehen, keineswegs gleichgültig. Sie beurteilen die ukrainische Erfahrung realistisch – ganz zu schweigen davon, dass auch amerikanische Drohnen, die jetzt am Himmel über dem Nahen Osten erscheinen und die Vereinigten Staaten vor iranischen Angriffen schützen, gerade an der russisch-ukrainischen Front erprobt wurden. Auch dafür müsste Donald Trump Volodymyr Zelensky danken.

Doch wie bekannt, ist der amerikanische Präsident schlicht nicht in der Lage, über den Beitrag anderer zur militärischen Situation zu sprechen. Und die ständige Erinnerung an die ukrainische Erfahrung reizt ihn enorm. Daher auch diese wiederholte gereizte Reaktion Donald Trumps.

Aber ich sage Ihnen gleich: Die Realität wird jeden Präsidenten einholen – selbst einen amerikanischen. Und Donald Trump wird sich, so sehr er es auch vermeiden möchte, dieser Realität stellen müssen.


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Titel des Originals: Трамп накинувся на Зеленського | Віталій Портников. 15.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 15.03.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Putin setzt den Raketen-Terror fort | Vitaly Portnikov. 14.03.2026.

Ein massiver russischer Angriff auf mehrere ukrainische Regionen, wobei das Gebiet um Kyiv das Hauptziel war. Zirkon, Iskander, Kalibr, Drohnen. Insgesamt etwa 500 Luftziele, die vor allem gegen die ukrainische Energieinfrastruktur gerichtet waren. Das zeigt, dass der russische Präsident Putin selbst im März nicht auf den Versuch verzichtet, die ukrainische Infrastruktur zu zerstören. Und gerade die Zerstörung der Infrastruktur ist heute die wichtigste Stoßrichtung der Moskauer Aktionen.

Dieser Angriff kann aus mehreren Gründen als erwartbar bezeichnet werden. Russland befindet sich derzeit sowohl wegen der Situation seines militärisch-industriellen Komplexes als auch wegen der Tatsache, dass eine enorme Zahl von Raketen und Drohnen während der massiven Angriffe in den Wintermonaten eingesetzt wurde, in einer schwierigen Lage. Zudem hoffen die Russen, dass den Ukrainern angesichts des Krieges im Irak die Systeme der Luftverteidigung ausgehen werden. Gleichzeitig ist jedoch offensichtlich, dass es für Russland bereits nicht mehr so einfach ist, neue Arsenale für massive Angriffe aufzubauen, wie es noch im vergangenen Jahr der Fall war. Hier macht sich die Arbeit der ukrainischen Armee im Kampf gegen den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation bemerkbar.

Man muss verstehen, dass jeder Schlag gegen ein militärisches Unternehmen Russlands, gegen einen Militärflugplatz, gegen einen Startplatz für Raketen oder Drohnen die Möglichkeiten Putins für lange Zeit einschränkt. Gerade deshalb können wir jetzt, da Russlands Krieg gegen die Ukraine vor dem Hintergrund eines großen Konflikts im Nahen Osten stattfindet und alle erkannt haben, wie ernst dieser Konflikt ist und welche gemeinsamen Anstrengungen Russland und Iran unternehmen, um die Infrastruktur ihrer Gegner zu schwächen, über die Notwendigkeit eines entschlosseneren Einsatzes sprechen – nicht nur in Form von Hilfe bei der Lieferung von Luftverteidigungssystemen an die Ukraine. Wir verstehen, dass es davon in den kommenden Monaten nicht sehr viele geben wird. Es geht auch um jene Waffen, die es ermöglichen, den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation zu neutralisieren.

Es mag so erscheinen, als sei jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für solche Gespräche, denn die Vereinigten Staaten sind mit dem Iran-Krieg beschäftigt, und mit jedem neuen Tag dieses Krieges wird deutlicher, dass Amerika lange in diesen Krieg verwickelt sein wird und erhebliche Anstrengungen unternehmen muss, um die Aktivität des iranischen Regimes zu begrenzen, das auf die Entfesselung einer großangelegten Energiekrise in der Welt abzielt.

Man sollte jedoch beachten, dass es ernsthafte und reale Differenzen zwischen den westlichen Ländern gibt – zwischen der Position von Präsident Donald Trump gegenüber Russland und der Position der europäischen Staaten gegenüber der russischen Aggression. Und diese Differenzen haben bereits einen anderen Charakter als zu Beginn von Trumps Präsidentschaft. Die Idee, die Sanktionen gegen die Russische Föderation zu lockern und Putin größere Möglichkeiten für den Krieg gegen die Ukraine zu verschaffen, fand bei sechs der sieben Länder der Gruppe der Sieben – also der am weitesten entwickelten Volkswirtschaften der Welt – kein Verständnis.

Tatsächlich sind Trumps Vereinigte Staaten mit ihren offensichtlichen Sympathien für Putin und Putin in der zivilisierten Welt isoliert geblieben. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir den Vereinigten Staaten in einem schwierigen Krieg nicht helfen sollten, der zu einer schweren Energie- und Wirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten selbst führen und ihren Einfluss in der Welt bereits in den nächsten Jahren erheblich schwächen könnte – und damit die Präsidentschaft Donald Trumps zu einer der größten Herausforderungen für Amerika in seiner Geschichte machen würde. Aber es bedeutet, dass wir eigene Gespräche mit den europäischen Ländern über die Lieferung weitreichender Waffen als Antwort auf solche russischen Angriffe führen können.

Zumal mit jedem solchen Angriff das Verständnis wächst, dass Russland sich Europa nähert. In dieser Nacht etwa ließ Polen bereits seine Luftwaffe aufsteigen, weil man in Warschau befürchtete, dass russische Drohnen in den polnischen Luftraum eindringen könnten – und natürlich möchte man nicht, dass sich das wiederholt.

Früher schauten die europäischen Länder darauf, wie sich die Regierung des Präsidenten der Vereinigten Staaten im Fall der Lieferung bestimmter Waffensysteme an die Ukraine verhalten würde. In der Zeit, als Joseph Biden Präsident der Vereinigten Staaten war, als die Vereinigten Staaten sich an Werte hielten und nicht an die Interessen der Person im Oval Office. Man kann sagen, dass dies eine allgemeine Regel war.

Jetzt sollte die allgemeine Regel sein, den Entscheidungen und Ansichten Donald Trumps keine Aufmerksamkeit zu schenken – oder sogar im Gegenteil entsprechend dem zu handeln, was Trump für seine Politik gegenüber Europa als unerwünscht betrachtet – und zu begreifen, dass Trumps Politik gegenüber Europa sehr oft Putins Politik ist, dass die Ansichten beider Präsidenten über die Europäische Union und über die europäische Stabilität identisch sind. Es ist kein Zufall, dass die Grenzen des amerikanischen Europas, des russischen Europas und des chinesischen Europas – wenn man etwa an das Verhalten von Viktor Orbán oder Robert Fico denkt – erstaunlicherweise zusammenfallen.

Und genau das sollte unsere Schlussfolgerung aus jedem neuen massiven russischen Angriff sein.

  • Erstens: sich daran zu erinnern, dass die Schwierigkeiten mit den Luftverteidigungssystemen mit der Unüberlegtheit der Entscheidungen der politischen und militärischen Führung der Vereinigten Staaten unter Donald Trump zusammenhängen.
  • Zweitens: mit den Europäern und unseren anderen Verbündeten über die Lieferung solcher Waffen zu sprechen, die die Russen abschrecken können – trotz all des unsinnigen Geredes, das wir aus dem Weißen Haus von Trump und seinen Beratern, den Geschäftsleuten, hören.
  • Drittens: mit den Mitteln, die wir bereits heute in Form eigener ukrainischer Technologie haben, den militärisch-industriellen und militärischen Komplex der Russischen Föderation zu zerstören.

Das ist der Weg zur Beendigung des Krieges – ein Weg, der nichts mit jener Imitation eines Verhandlungsprozesses zu tun hat, die Trump so sehr gefällt und die ihm ermöglicht, so zu tun, als würde er tatsächlich den Weg zur Beendigung des russischen Krieges gegen die Ukraine beschreiten.


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Titel des Originals: Путін продовжує ракетний терор | Віталій Портников. 14.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 14.03.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Trump täuscht Europa | Vitaly Portnikov. 13.03.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, versuchte während eines virtuellen Gipfels der Gruppe der Sieben seine Partner davon zu überzeugen, dass Iran bereit sei zu kapitulieren und dies nur deshalb nicht tue, weil es in Teheran keinen einzigen lebenden Führer gebe, der zu einer solchen Kapitulation bereit sei. Diese Aussagen Trumps erfolgten noch vor der ersten Ansprache an die Nation des neuen Obersten Führers Mojtaba Khamenei, der zum Widerstand gegen die Vereinigten Staaten, die Amerikaner und die Israelis aufrief und erklärte, wie wichtig es sei, die Blockade der Straße von Hormus als Druckmittel gegenüber den westlichen Ländern einzusetzen.

Auch die Nachrichtendienste in den Vereinigten Staaten und anderen westlichen Ländern betonen, dass es keinerlei Anzeichen dafür gibt, dass die iranische Führung über eine Kapitulation vor Trump nachdenkt. Deshalb bleibt unklar, ob Trump die Staats- und Regierungschefs der Gruppe der Sieben während dieses virtuellen Gipfels bewusst in die Irre geführt hat, indem er mit ihnen so sprach, als befände er sich auf einer Wahlkampfveranstaltung, oder ob sich der Präsident der Vereinigten Staaten tatsächlich in einer Realität befindet, die nichts mit der Situation zu tun hat, die sich im Nahen Osten und in der Welt herausgebildet hat, nachdem deutlich geworden ist, dass das Regime der iranischen Ajatollahs nach zwei Wochen der amerikanisch-israelischen Operation gegen die nuklearen und raketentechnischen Programme der Islamischen Republik seinen Einfluss im Land und seine Fähigkeit zur operativen Führung der Streitkräfte bewahrt hat.

Wichtig an diesem virtuellen Treffen des Präsidenten der Vereinigten Staaten mit den Staats- und Regierungschefs der Gruppe der Sieben war, dass der Präsident Frankreichs Emmanuel Macron, der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz und der britische Premierminister Keir Starmer den Präsidenten der Vereinigten Staaten aufforderten, Russland keine neuen Chancen zu geben und die Sanktionen gegen das Land im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg nicht zu lockern. Sie betonten die negativen Folgen eines solchen Schrittes Washingtons. Doch wie wir sehen können, hat der Präsident der Vereinigten Staaten diese Forderungen der Europäer völlig ignoriert. Und heute erklärte das Finanzministerium der Vereinigten Staaten die Lockerung der Sanktionen gegen die Russische Föderation und die Möglichkeit für Russland, Öl von Schiffen zu verkaufen, auf die es bis zum 12. März 2026 verladen worden war.

Damit hat Trump erneut demonstriert, dass der Präsident Russlands, Wladimir Putin, mit dem er bereits nach Beginn seiner Operation gegen Iran gesprochen hatte, der wichtigste und unbestreitbare Nutznießer dieses Krieges ist. Putin hat die Möglichkeit, sein Öl zu verkaufen und damit den Haushalt aufzufüllen, den er für die Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine benötigt. Putin hat die Möglichkeit, mit Trump auf Augenhöhe zu sprechen, denn den Berichten über das Gespräch zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten zufolge hofft der Bewohner des Oval Office, dass der Hausherr im Kreml ihm helfen wird, aus der Situation herauszukommen, in die Trump geraten ist, nachdem die Operation gegen Iran nicht nach seinem Szenario verlaufen ist.

Putin genießt die Aufmerksamkeit der Führer der Staaten des Persischen Golfs, die ihrerseits auf seine Vermittlung im Konflikt mit Iran hoffen. Gleichzeitig können sich sowohl der russische Präsident selbst als auch sein Außenminister Sergej Lawrow erlauben, den Scheichs Vorhaltungen zu machen und sie daran zu erinnern, dass die Probleme, mit denen ihre Länder infolge der iranischen Bombardierungen konfrontiert sind, eine direkte Folge der amerikanischen und israelischen Aktionen gegen die Islamische Republik seien.

Und das, obwohl weder Saudi-Arabien noch die Vereinigten Arabischen Emirate, noch Bahrain, noch Kuwait, noch Katar, noch Oman direkt am Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran beteiligt waren, und einige dieser Länder den Vereinigten Staaten sogar nicht einmal erlaubt hatten, ihren Luftraum für die Durchführung der Operation zu nutzen. Übrigens zieht es Donald Trump, der bereits scharfe Kritik an Großbritannien geübt hat, vor, dies nicht zu erwähnen, da er weiterhin auf Investitionen aus den Ländern des Persischen Golfs hofft, die ohne Zweifel ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten aufgeben könnten, wenn sie erkennen, dass Amerika sie nicht vor Iran schützt – entweder weil es nicht will oder weil es dazu nicht in der Lage ist.

Aber wenn wir schon von Möglichkeiten sprechen: Auch Putin kann nicht allzu viel. Tatsächlich fehlt Putin, während er seine Vermittlungsbemühungen im Verhältnis zu Iran anbietet und Trump möglicherweise davon berichtet, jede reale Chance, die Stimmung der Führung der Islamischen Republik zu beeinflussen. Die beiden Gespräche, die der russische Präsident mit dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian geführt hat, sind gerade ein zusätzlicher Beleg für Putins Unfähigkeit, tatsächlich irgendetwas zu beeinflussen. Denn auch Pezeshkian selbst ist derzeit keine Figur, die reale Macht in der Islamischen Republik ausübt.

Wir haben bereits gesehen, wie nach der Entschuldigung des iranischen Präsidenten gegenüber den Führern arabischer Staaten, die iranischen Bombardierungen ausgesetzt waren, seine eigenen Worte von anderen iranischen Funktionären widerrufen wurden – darunter vom Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates Larijani und vom Parlamentspräsidenten Ghalibaf. Die Angriffe auf die arabischen Staaten gingen unterdessen weiter, als wäre nichts geschehen, denn hinter diesen Angriffen steht keineswegs der Präsident des Landes, der nach der Logik der iranischen Verfassung nicht einmal Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist, sondern das Korps der Wächter der Islamischen Revolution, dem es gelungen ist, eine weitere eigene Marionette auf den Posten des Obersten Führers und damit des Oberbefehlshabers zu bringen.

Mit den Führern des Korps der Wächter der Islamischen Revolution spricht Putin offenbar jedoch nicht, weil er sie in dieser Phase nicht besonders interessiert. Ganz abgesehen davon, dass Putin selbst dann, wenn er reale Möglichkeiten hätte, Druck auf die Iraner auszuüben, sie kaum nutzen würde. Denn der russische Präsident ist gerade daran interessiert, dass der Krieg im Nahen Osten einen langfristigen und stabilen Charakter annimmt und zu einer echten politischen Falle für Donald Trump wird, sodass sowohl er selbst als auch Amerika in diesem monatelangen – oder vielleicht, was für Putin die ideale Variante wäre, jahrelangen – Krieg ausbluten würden.

Damit gäbe es schlicht keine Alternative zu den Öllieferungen aus der Russischen Föderation. Der Ölpreis würde sich bei etwa 150 bis 200 Dollar halten, was natürlich Probleme für die Wirtschaft und Energieversorgung der ganzen Welt schaffen würde, Russland andererseits aber erlauben würde, trotz dieser Armut zu überleben und sogar den Krieg fortzusetzen – vielleicht nicht nur gegen die Ukraine, sondern auch gegen durch die Krise geschwächte europäische Staaten.

Die Vereinigten Staaten hingegen würden endgültig an Kraft verlieren und sich von der Unfähigkeit des amerikanischen Präsidenten Donald Trump überzeugen, auf die Herausforderungen zu reagieren, die so oder so mit den Erfahrungen zweier großer Kriege in Europa und im Nahen Osten verbunden wären. Zweier großer Kriege, zu denen sich zweifellos bald noch ein dritter und ein vierter gesellen werden. Und in dieser Situation ist Donald Trumps Unfähigkeit, zwischen seinen eigenen Erfindungen und dem, was tatsächlich in der Welt geschieht, zu unterscheiden, ein äußerst alarmierendes Signal – keineswegs nur für die Europäer.


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Titel des Originals: Трамп обманывает Европу | Виталий Портников. 13.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 13.03.2026.
Originalsprache: ru
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Eskalation im Nahen Osten: Wie geht es weiter? | Vitaly Portnikov. 10.03.2026.

Unsere heutige Sendung wird der Frage gewidmet sein, wie sich die Lage im Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran entwickeln könnte. Welche realen Folgen kann diese Operation in naher Zukunft haben? Wie könnte die Welt infolge der Entwicklung dieses Krieges aussehen, und was wird mit der Weltwirtschaft in der Phase seiner Eskalation und seines wahrscheinlichen Endes geschehen?

Übrigens kann von einem Ende noch gar keine Rede sein. Trotz der Tatsache, dass der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump sagt, dass bis zum Ende des Krieges nicht mehr viel Zeit bleibe, dass Iran bereits seine Flotte, sein Raketenpotenzial, seine Möglichkeiten, auf die Amerikaner und Israelis zu antworten, verloren habe, sehen wir in Wirklichkeit, dass die iranischen Angriffe weitergehen. Ja, vielleicht sind sie nicht mehr so intensiv wie in den ersten Tagen dieser erbitterten Konfrontation, aber das bedeutet nicht, dass sie aufgehört haben.

So wurde buchstäblich wenige Minuten vor unserem Gespräch ein iranischer Schlag gegen Katar bekannt. Und die Behörden dieses Landes riefen die Bürger auf, zu Hause zu bleiben und wegen der realen Gefahren für die Sicherheit nicht auf die Straße zu gehen. Das Korps der Wächter der Islamischen Revolution, das faktisch die iranische Staatsführung ausübt, erklärte, man könne Raketen und U-Boote einsetzen, um die Durchfahrt von Tankern durch den Persischen Golf zu verhindern. Es heißt sogar, das Korps habe mit der Verminung des Persischen Golfs begonnen, was die Passage von Ölschiffen durch diese für die Weltwirtschaft wichtige Route in absehbarer Zukunft im Prinzip unmöglich machen könnte. Und damit wäre bei einem optimistischen Szenario ein stabiler Anstieg der Ölpreise auf 90 bis 110 Dollar pro Barrel verbunden, was seinerseits bereits in den nächsten Monaten, wenn nicht Wochen, zu einem atemberaubenden Anstieg der Treibstoffpreise und der Preise für Güter des täglichen Bedarfs führen würde.

Natürlich versprechen die Vereinigten Staaten, sie würden den Tankern helfen, die Straße von Hormus zu passieren. Bereits jetzt wurde durch den Energieminister der Vereinigten Staaten bekannt, dass ein solcher Tanker tatsächlich von den Seestreitkräften der Vereinigten Staaten begleitet wurde. Allerdings hat das Korps der Wächter der Islamischen Revolution diese Erklärung dementiert, und danach trat in den Vereinigten Staaten niemand mit einer Gegendarstellung auf. Aber der Post des Energieministers der Vereinigten Staaten in den sozialen Netzwerken verschwand auf geheimnisvolle Weise. Und so bleibt zu verstehen, ob er ihn gelöscht hat, um keine zusätzliche Aufmerksamkeit von Seiten der Iraner zu provozieren, oder ob es diese Episode tatsächlich nicht gegeben hat. Denn wir hören ständig von Versuchen, die Meerenge freizubekommen. Darüber sprach man auch in Pakistan, ein großer Teil dessen Öls durch die Straße von Hormus geht, und davon, dass Pakistan seine eigene Flotte einsetzen werde, aber real geschieht nichts.

Donald Trump schließt die Möglichkeit von Verhandlungen nicht aus, obwohl unklar ist, wann und mit wem, denn wir haben die Frage der Wahl des Obersten Führers Irans, des Sohnes des getöteten Ayatollah Khamenei, Mojtaba, bereits besprochen. Aber es stellt sich die Frage: Wo ist Mojtaba überhaupt? Alle anderen iranischen Führer, die die israelische Bombardierung der Regierungsviertel Teherans überlebt haben, entfalten, kann man sagen, eine intensive öffentliche Tätigkeit.

Der Präsident Irans Masoud Pezeshkian erscheint auf den Fernsehbildschirmen, spricht mit dem Präsidenten Russlands, Putin, mit dem Präsidenten der Türkei Erdoğan und anderen ausländischen Politikern und Staatsführern.

Der Sekretär des Hohen Nationalen Sicherheitsrates Ali Larijani, den man heute für den realen Führer Irans hält, tritt mit harten Erklärungen auf und betonte heute sogar, dass der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump von den Iranern liquidiert werden könne.

Eine ebenso öffentliche Tätigkeit entfaltet der Sprecher des iranischen Parlaments Ghalibaf. Dieses Duo, Larijani und Ghalibaf, gilt in seiner Haltung gegenüber den Vereinigten Staaten als weit radikaler als der getötete Ayatollah Khamenei.

Aber es stellt sich die Frage: Wo ist der zweite Führer? Ist er tatsächlich in einem Zustand, in dem er das Land führen kann? Wurde er bei der Bombardierung der Regierungsviertel Teherans verletzt, als Mitglieder seiner Familie getötet wurden? Oder versteckt er sich einfach, weil Israel bereits erklärt hat, dass jeder neue Oberste Führer Irans zu seinem Ziel werde? Somit will das Korps der Wächter der Islamischen Revolution, das auf Ayatollah Mojtaba Khamenei setzt, um seinen Einfluss auf die iranische Macht in der kommenden Periode zu stärken, nicht, dass er stirbt, weil es für das Korps der Wächter der Islamischen Revolution schlicht keine bequemere Figur geben könnte.

Das heißt, im Grunde sehen wir uns mit einer ziemlich merkwürdigen Situation konfrontiert: Selbst wenn die Vereinigten Staaten den Krieg wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage sowohl in ihrem Land als auch in der ganzen Welt beenden wollen würden, würden die Iraner diesen Krieg nicht beenden wollen.

Erstens, weil sie glauben könnten, dass die Fortsetzung dieses Krieges ihnen den politischen Zusammenbruch Donald Trumps und Probleme in den amerikanisch-israelischen Beziehungen garantieren könnte. Und somit ist das für die Iraner ein Krieg zur Erschöpfung der Vereinigten Staaten. So seltsam das im gegenwärtigen Kontext auch klingt. Ja, die Vereinigten Staaten erschöpfen Iran, töten iranische Führer, aber wenn wir von religiösen Fanatikern sprechen, dann glauben diese, dass jeder neue Kriegstag und jede neue tragische für die Weltwirtschaft Kriegswoche ihre Feinde so begraben werde, dass diese nie wieder wagen würden, sich ihnen entgegenzustellen. Und das kann sie zu immer neuen Verbrechen und zur Fortsetzung des Krieges inspirieren.

Zweitens gibt es noch einen weiteren wichtigen Punkt. Was, wenn es eine einheitliche iranische Macht schlicht nicht gibt? Wenn es das Korps der Wächter der Islamischen Revolution gibt, das überzeugt ist, militärische Aktionen gegen amerikanische Objekte im Persischen Golf und gegen die Länder des Persischen Golfs führen zu müssen, dass man das Feuer des Krieges weiter anheizen müsse. Und wenn es irgendwelche Führer gibt, wie den Präsidenten Irans, vielleicht sogar einen lebenden und relativ gesunden Obersten Führer, die keinen Einfluss auf die Handlungen der Militärs haben, weil das tatsächliche Machtzentrum real ausgeschaltet wurde. Dann könnten sogar irgendwelche Verhandlungen mit politischen Führern den Vereinigten Staaten nichts bringen, selbst wenn Donald Trump die Kampfhandlungen beenden will und angesichts des wirtschaftlichen Zustands, in dem sich die Amerikaner am Vorabend der für den amerikanischen Präsidenten so wichtigen Zwischenwahlen befinden, in Panik gerät. Das ist eine ziemlich wichtige Frage. Und natürlich ist das der Frage Wettrüstens. Wem gehen die Ressourcen schneller aus, wer wird die Möglichkeit haben, zumindest sporadische Beschießungen des gegnerischen Territoriums fortzusetzen. Wer seine Hauptvorräte an Raketen und Drohnen vernichten kann, der wird meinen, die Bedingungen für das Ende dieses Krieges diktieren zu können.

Hier könnte übrigens die ukrainische Rolle ziemlich wichtig sein, denn jetzt spricht man bereits vom Auftauchen der ersten ukrainischen Spezialisten im Nahen Osten. Sie sind bereits angekommen. Die Verhandlungen der Ukraine mit den Führern arabischer Länder, die ukrainische Drohnen kaufen möchten, gehen weiter. Gerade heute hat Saudi-Arabien Interesse an diesen Drohnen gezeigt. Und auch das ist, wie Sie verstehen, ein sehr wichtiger Punkt.

Und es gibt Informationen, dass Volodymyr Zelensky Donald Trump bei ihrem letzten Treffen in Mar-a-Lago vorgeschlagen habe, die Abwehrdrohnen zu kaufen, die wichtig sind, um  iranische Drohnen zu bekämpfen. Und das traf damals bei der amerikanischen Seite auf keinerlei Verständnis, was ebenfalls eine zusätzliche Illustration der Kompetenz jener Menschen gibt, die heute die Vereinigten Staaten führen, ihres Verständnisses des modernen Krieges.

Und jetzt, da die Amerikaner auf eine solche existenzielle Gefahr und einen möglichen Fehlschlag der Operation gestoßen sind, begannen sie, an ukrainische Waffen zu denken. Gleichzeitig wissen wir aber, dass Trump gestern aus eigener Initiative Putin angerufen hat. Und natürlich kann man annehmen, dass er Putin als Vermittler bei möglichen Verhandlungen mit den Iranern nutzen wollte, wenn man berücksichtigt, dass der Präsident der Russischen Föderation in den letzten Tagen bereits zweimal mit dem Präsidenten Irans gesprochen hat.

Aber in einem solchen Fall wäre das eine unglaubliche Naivität. Denn Trump sollte begreifen, dass Putin Iran nutzt, um Amerika zu schwächen. Putin ist nicht sein Freund. Putin ist ein Mensch, der ihn genauso gern in einem politischen Grab sehen würde wie Präsident Pezeshkian. Vielleicht nicht aus persönlicher Abneigung gegen Trump selbst, denn zu Trump mit seinen prorussischen Sympathien verhält sich der russische Präsident besser als zu anderen Präsidenten der Vereinigten Staaten. Dennoch kommt der politische Niedergang  jedes Präsidenten der Vereinigten Staaten, eine politische Krise, eine Wirtschaftskrise in dem von ihm gehassten Staat, Putin zugute.

Putin braucht, dass Amerika schwach aussieht und Russland, das er bereits als geopolitischen Hegemon der modernen Welt, zumindest Europas, sieht, stark. Dann wird es den Amerikanern nicht gelingen, ihm Bedingungen für die Zukunft der Ukraine zu diktieren, und Putin wird den Nachbarstaat verschlingen können, als hätte es ihn nie gegeben. Worin unterscheiden sich seine Pläne zur Verschlingung der Ukraine von den amerikanischen Plänen, die darauf beruhen, dass Iran Israel vernichten wolle? Worin unterscheidet sich diese russische Position von der iranischen? Aber mit Iran spricht Trump in der Sprache der Tötung Ayatollah Khameneis, und mit Russland spricht er in dem Ton eines Menschen, der auf russische Hilfe für Amerika hofft.

Und interessant ist, dass Donald Trump in dieser Situation mit Putin darüber sprach, dass er gern irgendwelche Ölfragen lösen würde. Nach dem Gespräch zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten tauchte sogar die Information auf, dass die Vereinigten Staaten sich auf die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland vorbereiten würden, um den Ölmarkt zu entlasten. Diese Information über die Absichten des amerikanischen Präsidenten unterstreicht nur die Schwäche Amerikas in diesem Konflikt. Denn warum tun die Amerikaner das? Natürlich stieß das bereits auf die negative Reaktion des ukrainischen Präsidenten. Und ich sage hier: Einerseits brauchen die Amerikaner Drohnen, damit ihre Militärbasen nicht Ausrüstung im Wert von Milliarden Dollar und Menschen verlieren. Andererseits sind die Amerikaner bereit, unsere Feinde zu finanzieren, die uns töten. So kann es doch nicht sein. Vorerst kam jedoch aus dem Weißen Haus die Information, dass keinerlei Entscheidungen über die Aufhebung der Ölsanktionen gegen irgendein Land getroffen worden seien und dass solche Entscheidungen nur der Präsident der Vereinigten Staaten nach entsprechenden Konsultationen treffen könne.

Aber wiederum trat auf der Bühne der Sondergesandte des amerikanischen Präsidenten Steve Witkoff auf, der dafür bekannt ist, mehr als einen Verhandlungsprozess ruiniert zu haben. Und Witkoff sprach bereits davon, dass er hoffe, es werde noch eine Runde amerikanisch-ukrainisch-russischer Verhandlungen geben. So, als wäre die offensichtliche Erfolglosigkeit aller vorherigen Runden nicht offensichtlich, und Witkoff redet weiter von Fortschritt. Aber was in dieser Situation interessant ist: Witkoff erzählte, Putin habe Trump versichert, dass Russland Iran keine Aufklärungsinformationen für Angriffe auf amerikanische Objekte liefere. Nun, und Trump hat ihm offenbar geglaubt. Das heißt: Wenn du an Desinformation glauben willst und nicht die Tatsache akzeptieren willst, dass dein geliebter Putin besondere Anstrengungen unternimmt, damit deine Militärbasen und deine Soldaten vernichtet werden, dann wird es eben so sein.

Aber interessant ist, dass der Sondergesandte des amerikanischen Präsidenten, der bekanntlich zusammen mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner an den letzten Verhandlungen mit der iranischen Delegation teilgenommen hat, sagte, er wisse nicht, wie diese Operation Donald Trumps enden werde. Und auch das ist eine sehr wichtige Frage, dass es im Weißen Haus keinerlei Verständnis dafür gibt, wie der Krieg mit Iran enden soll. Das wird inzwischen öffentlich eingeräumt. Und übrigens sagen das auch die europäischen Verbündeten der Vereinigten Staaten bereits. Bundeskanzler Friedrich Merz, der kürzlich im Weißen Haus war und Donald Trump traf, sagte, ihn beunruhige sehr, dass es keinerlei klares Verständnis dafür gebe, wie die Operation gegen Iran enden solle und was am Ende das Ergebnis sein solle, welches Ergebnis sie haben müsse. Auch das ist also ein ziemlich wichtiger Punkt zum Verständnis der Lage, denn klar ist, dass in dieser Geschichte trotz der entschlossenen Aussagen Trumps kein reales Finale erkennbar ist.

Und wir verstehen warum. Denn es gab einen Plan, der darauf beruhte, dass die Bombardierung Irans schnell sein militärisches Potenzial zerstören und zum Zusammenbruch des Regimes führen werde. Derzeit gibt es keinerlei reale Anzeichen dafür, dass das Regime die Kontrolle über das Land verliert. Die iranischen Schläge gegen die arabischen Länder und die Destabilisierung des Ölmarktes dauern an. Und es gibt den offensichtlichen Punkt, dass man nicht versteht, wie man die Lage selbst einige Wochen nach dieser Operation kontrollieren soll. Und inwieweit man sicher sein kann, dass das gesamte Raketen- und Drohnenpotenzial Irans zerstört wurde. Und vor allem: Selbst wenn es zerstört ist, das Regime aber erhalten bleibt, wo ist die Garantie, dass das Regime nicht ziemlich schnell mit Hilfe seiner Freunde aus China und Russland wiederhergestellt wird?

Und was soll die Ukraine in einer solchen Situation tun, wenn die Amerikaner die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland vorbereiten, wenn sie erneut optimistische Prognosen über Verhandlungen, ja sogar über einen Wendepunkt in diesen Verhandlungen verbreiten, tatsächlich aber erhält Russland neue Gelder, um den Krieg gegen die Ukraine in den kommenden Jahren fortzusetzen? Es ist klar, was. Heute wurde mit Storm-Shadow-Raketen ein Schlag gegen das Brjansker Mikroelektronikwerk geführt, das für die Produktion eben jener Raketen sehr wichtig ist, die friedliche Ukrainer angreifen, insbesondere der Iskander-Raketen. Sie haben bereits gesehen, dass sich nach den Schlägen der ukrainischen Armee gegen das Werk in Wotkinsk die Zahl der Raketen, die auf unsere Köpfe fallen, verändert hat, einfach deshalb, weil Russland nicht genügend Produktionskapazitäten zur Herstellung dieser Todesgeschosse besitzt. Und ich hoffe sehr, dass es nach der Vernichtung der Werkhallen des Werks in Brjansk ebenfalls weniger Raketen geben wird.

Ich habe lange gesagt, dass das reale Rezept für das Ende des russisch-ukrainischen Krieges darin besteht, Russland die Zähne auszuschlagen, seinen militärisch-industriellen Komplex zu zerstören, den Russen die Möglichkeit zu nehmen, neue Raketen und Drohnen zu produzieren. Wenn sie keine Möglichkeiten haben, beenden sie den Krieg. Wenn sie Möglichkeiten haben, setzen sie den Krieg fort. Und das ist eine Regel, die sowohl für Russland als auch für Iran gilt.

Und deshalb meine ich, dass wir, wenn wir über die Lieferung von Drohnen sprechen, die die Vereinigten Staaten so dringend brauchen, damit sie ihre Militärbasen im Nahen Osten nicht verlieren, was natürlich ein Vorspiel zum Zusammenbruch ihres geopolitischen Einflusses wäre, nicht Abfangraketen verlangen sollten, sondern Raketen für eigene Angriffe. Wenn die Amerikaner ihren Feind vernichten wollen, müssen wir unseren auch vernichten wollen. Und es muss uns absolut egal sein, dass dieser Feind besondere Sympathien des Präsidenten Trump und seines, würde ich sagen, vom Geschmack illusorischer russischer Gelder berauschten Umfelds genießt. Das muss in dieser ganzen Situation wichtig sein, die mit dem russisch-ukrainischen Krieg zu tun hat und damit, wie sich dieser russisch-ukrainische Krieg auf die Lage im Nahen Osten auswirkt und umgekehrt.

Insofern kann sich die Situation natürlich auch zum Besten für uns verändern, und vieles wird nicht am Verhandlungstisch entschieden werden – der nächste Woche stattfinden könnte oder auch nicht –, sondern von der Entwicklung der Ereignisse rund um Iran, und vor allem davon, in welchem Zustand sich die russische Armee und der russische militärisch-industrielle Komplex befinden werden. All das ist, wie mir scheint, ebenfalls eine völlig klare Sache, die in der nahen Zukunft das Wesen dessen bestimmen wird, was in diesen beiden Konflikten geschieht, die, kann man sagen, die Welt und ihre Entwicklung in den nächsten Jahren bestimmen.

Insofern scheint mir, dass wir die Frage stellen müssen, wie sich die Lage real entwickeln kann. Im Weißen Haus sagt man, die Operation gegen Iran werde erst dann enden, wenn Trump entscheide, dass ihre Ziele erreicht worden seien. Das heißt: nicht dann, wenn ihre Ziele erreicht sind, sondern dann, wenn ihre Ziele aus Trumps Sicht erreicht sein könnten, und Trump kann das schon morgen entscheiden.

Die Varianten der Entwicklung sind also folgende.

Erste Variante: Die Vereinigten Staaten ziehen zusammen mit Israel in einen monatelangen Krieg hinein, zumindest zur vollständigen Vernichtung des iranischen Raketen- und Drohnenpotenzials. Vom nuklearen Potenzial spreche ich gar nicht erst. Dabei ist unklar, inwieweit diese Ergebnisse erreicht werden können. Angesichts der Tatsache, dass sich iranische Raketen und iranische Drohnen in Gebirgsmassiven befinden können und Tiefenbomben schlicht nicht ausreichen könnten, um all dieses Potenzial zu zerstören. Das ist ein solcher Punkt. Gleichzeitig würde die tatsächliche Vernichtung des iranischen Potenzials für Trump und Netanjahu das Ende des Krieges bedeuten, zumindest bis zur Wiederherstellung dieses Potenzials in der Zukunft. Aber Trump sagt, er wolle in diesem Krieg einen Schlusspunkt setzen, damit man nicht gezwungen sei, nach einigen Jahren, nach zehn Jahren, wieder darauf zurückzukommen. Aber warum in zehn Jahren? Dieser Krieg dauert weniger als zehn Tage. Der vorige Krieg dauerte zwölf Tage, und danach sprach man in den Vereinigten Staaten – und in gewisser Weise auch in Israel, wenn auch nicht mit derselben Sicherheit – davon , dass das nukleare Potenzial Irans beseitigt, sein Raketenprogramm eliminiert und Iran keine Gefahr mehr für die Vereinigten Staaten und Israel sei. Obwohl die Nachrichtengemeinschaft der Vereinigten Staaten sofort sagte, dass die Operation ihr Ziel nicht erreicht habe. Wer sagt, dass das jetzt nicht genauso sein könnte? Dass die Operation in einigen Tagen endet und sich dann nach einigen Monaten mit denselben erschütternden Ergebnissen für die Weltwirtschaft wiederholt, die regelrecht ins Fieber geraten würde. Ich weiß nicht, inwieweit Trump dazu nach einigen Monaten bereit wäre, aber nach den Zwischenwahlen, sagen wir, nach den Zwischenwahlen. Auch das ist also eine Variante.

Zweite Variante ist, dass der Krieg schon in einigen Tagen endet, weil Trump von den wirtschaftlichen Folgen des Krieges bereits genug abgeschreckt sein dürfte. Das wird nicht zu einem Einvernehmen zwischen den Vereinigten Staaten und Israel führen. Premierminister Benjamin Netanjahu wird seine eigene Vorstellung davon haben, wie der Krieg enden soll. Präsident Trump seine eigene. Ich schließe nicht aus, dass Trump in dieser Situation Netanjahu beschuldigen wird, dass das gewünschte Ergebnis nicht erreicht wurde. Offensichtlich wird Trump selbst niemals an Problemen und Niederlagen schuld sein. Und der erste Kandidat dafür, für schuldig erklärt zu werden, weil angeblich falsche Informationen gegeben und eine falsche Taktik gewählt worden sei, ist der Premierminister Israels. Auch darauf sollte man sich vorbereiten. Das ist die zweite Variante der Entwicklung.

Die dritte Variante der Entwicklung ist sehr real: die Ausweitung des Konflikts nicht nur auf die Länder des Nahen Ostens, sondern auch auf die Länder des Südkaukasus. Sie sehen, dass Iran diese Länder vorsichtig, aber doch angreift. Und die Reaktion in diesen Ländern ist ebenfalls sehr interessant. Während der Präsident Aserbaidschans Ilham Aliyev ziemlich hart auf die iranischen Angriffe reagiert, verhält sich der Präsident der Türkei Recep Tayyip Erdoğan, würde ich sagen, sehr skeptisch gegenüber der Möglichkeit einer Konfrontation mit Iran. Er rät ihnen, vorsichtig zu sein und so weiter. Warum? Weil er sich, wie andere Führer der Länder des globalen Südens, wie die arabischen Führer, den Luxus nicht leisten kann, gegen Iran Krieg zu führen. Denn jeder Schlag gegen Iran, der von der Türkei, von Pakistan oder von arabischen Ländern aus geführt wird, würde von der Straße in diesen Ländern als verbündete Handlung gegenüber Israel gewertet werden. Und das würden selbstverständlich alle Gegner ausnutzen, besonders in Wahlländern wie der Türkei. Karikaturen von küssenden Erdoğan und Netanjahu würden zum Thema der oppositionellen türkischen Presse werden. Und Erdoğan könnte dem nicht entkommen. Aliyev mag das egal sein, Erdoğan aber ist es nicht egal. Und in diesem Sinne liegt hier natürlich ein enormes Problem, das all diesen Ländern nicht erlaubt, die Vereinigten Staaten zu unterstützen, mögen Lindsey Graham und andere amerikanische Politiker sie auch noch so laut anbrüllen. Denn für sie ist es besser, von Amerikanern angebrüllt zu werden, als auf den Unmut ihrer eigenen Bevölkerung über das zu stoßen, was im Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran geschieht. Sie können keine realen Teilnehmer einer solchen Geschichte sein.

Eine weitere Variante ist, dass Trump entscheidet, das Regime müsse real besiegt werden, dies sei aber ohne eine Bodenoperation unmöglich, und er beschließt, in der einen oder anderen Form eine Bodenoperation durchzuführen. Im Weißen Haus sagt man, das sei möglich, er schließe eine solche Möglichkeit nicht aus, aber Trump selbst hat kein einziges Mal gesagt, dass er eine solche Operation real durchführen könne. Auch das ist eine Variante der Entwicklung, aber nicht weniger riskant als die Raketenoperation, die definitionsgemäß nicht zu einem Regimewechsel führen kann. Denn wir verstehen: Eine Bodenoffensive bedeutet schwere Kämpfe in den Bergen, eine gewaltige Zahl menschlicher Opfer. Und das ist genau das, wogegen jeder Wähler gestimmt hat, der sich als Anhänger der ultrarechten radikalen Maga-Bewegung versteht. Sie meinen, Amerika wieder groß zu machen, ohne seine Teilnahme an Weltkriegen. Doch wie Sie sehen, sind sie im Prinzip bereit, sich an dem zu beteiligen, was sich in diesen großen Kriegen entwickelt. Wie wir es auch drehen und wenden mögen. Insofern verstehen wir, dass auch das eine Variante ist, die angesichts der amerikanischen Zwischenwahlen fast ausgeschlossen ist.

Wenn Trump sich zu einer Bodenoperation entschließt, die mit massenhaften Todesfällen unter amerikanischen Soldaten einhergehen wird, wird er nicht nur Proteste in den Vereinigten Staaten bekommen, große Proteste, und zwar von seinen eigenen Anhängern, sondern auch eine programmierte Niederlage bei den Zwischenwahlen und ein Impeachment, und zwar in beiden Kammern des Parlaments, weil die Republikaner dann beide Kammern verlieren werden. Und Trump versteht das als politisches Tier sehr gut.

Das sind also die ersten möglichen Varianten der Entwicklung der Ereignisse. Wir werden versuchen, auf die Fragen zu antworten, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Kann die Hilfe für die Ukraine im Zusammenhang mit neuen Kriegen fast aufhören?

Portnikov. Nein, ich glaube das nicht. Der Ukraine helfen die europäischen Länder. Die europäischen Länder verstehen sehr gut, dass die Ukraine sie von russischen Ambitionen trennt. Im Maße der Entwicklung der militärischen Lage in der Welt können zum iranischen Krieg bald neue große Kriege hinzukommen, insbesondere in Asien. Ohne die Ukraine müsste man eine direkte Grenze zu Russland haben. Der Ukraine wird also geholfen werden. Wir können nur von einem Waffenmangel infolge der Verwandlung der Konflikte in globale Konflikte sprechen. Gerade jetzt diskutieren wir bereits aktiv über einen Mangel an Abfangraketen. Er ist absolut real.

Und genau deshalb ist es wichtig, dass die Ukraine den Vereinigten Staaten und den Ländern des Persischen Golfs mit Drohnen hilft, damit sie nicht inkompetent Patriot-Raketen gegen billige Drohnen einsetzen. Das ist nicht nur unser Beitrag zur Sicherheit der Vereinigten Staaten und der Länder des Persischen Golfs, die in den Krieg gegen Iran hineingegangen sind, ohne überhaupt zu begreifen, wie sehr sich der Krieg in den letzten Jahren verändert hat. Das ist einfach eine erschütternde Entdeckung, die wir alle gemacht haben, als diese Operation der Vereinigten Staaten gegen Iran begann.

Frage. Halten Sie es nicht für logisch, dass es für die USA unmöglich ist, zurückzugehen, ohne die Region zu stabilisieren, was derzeit ebenfalls unmöglich erscheint?

Portnikov. Nein, ich glaube, Donald Trump kann jederzeit aufhören und die Verantwortung dafür, dass bestimmte Ergebnisse nicht erreicht wurden, auf Israel abwälzen. Auch das kann leider geschehen. Aber die Vereinigten Staaten und Israel haben bereits vieles erreicht. Sie haben die Spitze der militärischen und politischen Führung Irans vernichtet. Sie haben einen großen Teil von Irans Raketenpotenzial, seine Drohnen und möglicherweise jene nuklearen Arsenale vernichtet, die für die Herstellung einer Atombombe nötig sind. Möglicherweise haben sie diesen Prozess um mehrere Jahre gebremst. Und wir müssen uns bewusst sein, dass das Regime Irans letztlich nicht so stark ist. Es gibt gesellschaftlichen Widerstand gegen dieses Regime. Niemand wird sagen, dass es ewig sein wird. Obwohl ich nicht ausschließe, dass Protestbewegungen überhaupt keine Bedeutung mehr für die weitere Entwicklung der Ereignisse haben werden, wenn es die Regime bestehen bleibt.

Frage. Berücksichtigen die Vereinigten Staaten die Möglichkeit terroristischer Akte in verschiedenen Teilen der Welt mithilfe von Selbstmordterroristen aus Iran?

Portnikov. Ich denke, nicht nur aus Iran, sondern auch aus jenen Organisationen, die mit Iran verbunden sind. Natürlich werden solche Möglichkeiten immer berücksichtigt. Explosionen in Synagogen haben bereits begonnen. Der Nationale Sicherheitsrat Israels hat eine Warnung an seine Bürger und generell an Menschen jüdischer Nationalität herausgegeben, mit dem Aufruf, weltweit vorsichtig zu sein, sich in dieser Zeit nicht jüdischen Einrichtungen zu nähern und keine Kontakte mit jüdischen Gemeinden zu pflegen, weil all das als gefährliche Orte gilt. Das sind also alles ziemlich ernste Momente, verbunden mit dem Bewusstsein, dass die terroristische Gefahr wächst. Aber die Geheimdienste existieren eben dafür, diese terroristische Gefahr zu bekämpfen.

Frage. Wie groß sind die Chancen für die Ukraine, Tomahawks im Austausch gegen Antidrohnen zu bekommen?

Portnikov. Ich halte sie für gering, aber wissen Sie, die Welt verändert sich so schnell, dass all diese meine Prognosen keine besondere Bedeutung haben könnten. Zumindest müssen wir darüber sprechen. Wir dürfen nicht so tun, als bräuchten wir das nicht. Wir müssen erklären, dass nur die Zerstörung des militärisch-technischen Potenzials der Russischen Föderation letztlich auch die Möglichkeiten solcher Länder wie Iran verändern wird. Wir sehen doch, dass in iranischen Drohnen russische Komponenten stecken. In russischen Drohnen iranische Komponenten. Das alles ist eine Symbiose von Ländern, die an der Untergrabung der Stabilität des Westens interessiert sind und im Prinzip bereits vieles erreicht haben.

Frage. Die Demonstration amerikanischer militärischer Macht in einem realen Krieg ist sehr positiv für die westliche Welt. Schadet hier nicht Trumps Unsicherheit bei Zielen und Aufgaben der Sache?

Portnikov. Natürlich schadet sie. Aber wir müssen verstehen, dass Trump sich seiner Ziele und Aufgaben sicher war. Es stellte sich nur heraus, dass das alles eine illusorische Sicherheit war. Und das ist bereits ein sehr wichtiger Moment. Trumps illusorische Sicherheit bestand nicht in den Zielen und Aufgaben, sondern darin, dass Trump eine Realität im Kopf hatte. Und jetzt, da sich herausgestellt hat, dass er einem echten Krieg, dem Widerstand Irans und der Bereitschaft Irans begegnet, so zu handeln, dass alles ringsum destabilisiert wird, ist das für ihn eine Überraschung. Er sagte ja selbst laut, dass der Beschuss der Länder des Persischen Golfs durch Iran und dass Iran den Weltölmarkt destabilisieren könne, für ihn eine Überraschung sei. Im Prinzip ist das eine politische Aufgabe, die ein Student der Fakultät für internationale Politik lösen kann. Dass Trumps Umfeld in einem solchen Maß inkompetent ist, dass es die realistischste Entwicklung der Ereignisse infolge des Angriffs auf Iran nicht vorausberechnet hat, spricht im Grunde davon, dass die Vereinigten Staaten von Menschen geführt werden, die weit davon entfernt sind zu verstehen, wo sie sich befinden.

Trumps Kalkül besteht darin, durch die Zerschlagung der Kriegsmaschine Irans das Korps der Wächter und die Armee ohne Verteidigungsmittel zu lassen, um sie zur Kapitulation zu zwingen. Aber haben sie dafür fast 50 Jahre lang ein Regime aufgebaut? Natürlich nicht dafür. Mehr noch, ich glaube, dass sie sich lange auf einen Krieg mit den Vereinigten Staaten und Israel vorbereitet haben. Der Zwölf-Tage-Krieg konnte sie davon überzeugen, dass ein neuer Krieg unvermeidlich sei und dass man ihn mit schweren Schlägen gegen die Positionen des Gegners empfangen müsse. Und sie begriffen, dass sie Israel nicht wirksam treffen können, dass sie ihm keinen Schlag versetzen können, der den jüdischen Staat von der Erdoberfläche tilgt, was ein wichtiger Teil ihrer Ideologie bleibt, weil sie keine Grenze zu Israel haben. Deshalb beschlossen sie, auf die Länder des Persischen Golfs und möglicherweise auf den Südkaukasus zu schlagen. Für einen Terrorstaat ist das eine absolut logische Entscheidung. Und das spricht noch einmal dafür, dass dieses Regime ganz sicher nicht einfach die Waffen niederlegen will. Zumindest ist es bereit, alles ringsum zu destabilisieren und in Brand zu setzen. Aber ich habe bereits gesagt, dass die Leute aus Trumps Umfeld das hätten verstehen müssen.

Frage. Es sieht so aus, als seien zwei der drei geopolitischen Titanen der Gegenwart, Russland und die USA, jeweils in ihren eigenen Fallen stecken geblieben. Bedeutet das, dass der dritte Titan, die VR China, ihre Fehler studieren und daraus Nutzen ziehen wird?

Portnikov. Hören Sie, verstehen Sie, worin das Problem liegt? Ihre Idee, dass die Volksrepublik China irgendwelche Schlussfolgerungen aus fremden Fehlern ziehen könnte, setzt voraus, dass China von einer demokratischen, wählbaren, verantwortlichen Führung regiert wird und nicht vom Zentralkomitee der Kommunistischen Partei. Sie müssen verstehen, dass, wenn ein Land von einem Einparteiensystem regiert wird, in dem die Hauptaufgabe eines Beamten darin besteht, sich nach oben anzudienen und nicht ein Ergebnis zu erzielen, es keinerlei reale Schlussfolgerungen zu den Fehlern geben wird, die die Vereinigten Staaten und Russland machen. Es wird sie nicht geben. Das ist wie bei den riesigen Wirtschaftsprojekten Chinas, das Milliarden, Dutzende Milliarden Dollar in Projekte investiert, die sich praktisch nicht rentieren können. 90 Prozent der chinesischen Investitionen in der Welt führen zu Verlusten für China selbst. Warum? Irgendwelche Projekte werden gemacht? Weil das Präsidenten gefällt, die China gegenüber loyal sind. Einige Projekte werden gemacht, um irgendwelche Verschuldungsinteressen zu schaffen, damit Länder, die solchen Projekten zustimmen, China etwas schulden. Einige Projekte werden ohne Verständnis der geopolitischen Komponente durchgeführt, wie es etwa bei den Investitionen in Venezuela der Fall war. Aber das ist eine ganze Maschine des Parteiapparats. Wenn schon der sowjetische Parteiapparat vor unseren Augen – ich meine die Menschen, die in der Sowjetunion lebten – ineffektiv war und das ganze Wesen dieses Apparats in Loyalität zum Chef bestand, nicht einmal zum Staat, sondern zum ersten Chef, dem du dienst, warum glauben Sie dann, dass China anders aufgebaut ist? Es ist genau so aufgebaut. Deshalb wird es keine Schlussfolgerungen geben, es wird nichts geben. Dieses System ist zu Fehlern verurteilt. Jedes Mal, wenn Sie es mit einem System personalistischer Macht zu tun haben, in dem Loyalität das Wichtigste ist – und das ist jetzt sowohl in Russland als auch in den Vereinigten Staaten und in China so –, werden Sie am Ende nur Fehler bekommen. Zweifeln Sie nicht daran.

Frage. Kann Iran zu terroristischen Akten auf dem Territorium der USA sowie der Länder des Persischen Golfs greifen, um die Lage zu destabilisieren?

Portnikov. Ja, ich denke, das kann es. Ich schließe die Möglichkeit einer terroristischen Gefahr in den nächsten Monaten nicht aus, aber das wird bereits von der operativen Arbeit der amerikanischen Geheimdienste und der Geheimdienste der arabischen Länder abhängen. Übrigens lässt sich das in den arabischen Ländern vielleicht sogar leichter auf diese Weise vorhersehen, aus dem einfachen Grund, dass dort autoritäre Regime herrschen, alles abgehört und überwacht wird, man weiß, wer eingereist ist und wer nicht. Das heißt, dort ist es schwerer, einen Terroranschlag zu verüben, als in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Frage. Wie können wir die Sympathisanten der Republikaner in der proisraelischen Diaspora erreichen? Trump des Verrats am gemeinsamen Ziel im Krieg gegen Iran beschuldigen, also des Verzichts der USA auf einen Regimewechsel?

Portnikov. Nun, bislang ist doch gar nichts geschehen. Sie können Trump im Hinblick auf die Umstände dessen, was geschieht, in nichts beschuldigen. Insofern denke ich, dass es darum jetzt nicht geht. Aber eines ist klar: Israel und die Ukraine werden von denselben Drohnen angegriffen. Ich denke, darüber kann man sprechen. Und dann überschätzen Sie die Bedeutung der, wie Sie sagen, proisraelischen Diaspora. Die überwältigende Mehrheit der Juden in den Vereinigten Staaten ist anders eingestellt und stimmt für die Demokraten. Dort gibt es also keine proisraelische Diaspora. Es gibt Evangelikale, die Israel unterstützen, es gibt eine gewisse Zahl amerikanischer Juden, die für die Republikaner stimmen, eine sehr kleine. Aber die Mehrheit der amerikanischen Juden ist hinsichtlich der Handlungen Israels in Gaza und hinsichtlich des Iran-Krieges völlig anders eingestellt. Auch das muss man verstehen.

Frage. Ist es nicht logisch, dass uns Ukrainer dieser Krieg allmählich wütend macht, weil die Liquidierung der Ajatollahs ruhig noch ein bisschen hätte warten können? Amerikanische Hilfe und Sanktionen gegen Russland sind viel wichtiger.

Portnikov. Nun, wenn Sie kein Mitgefühl mit fremden Problemen haben, dann ist natürlich auch niemand verpflichtet, Mitgefühl mit Ihren zu haben, wie man sagt. Wenn man in den Vereinigten Staaten meinte, dass Iran kurz davor stehe, Atomwaffen zu bekommen und Israel zu vernichten – Israel, das man, wie Witkoff sagt, mit einer einzigen Bombe vernichten kann –, dann mussten die Amerikaner natürlich sofort reagieren. Und dieses Gerede, dass die Ajatollahs hätten warten können, stammt aus demselben Arsenal wie das Gerede, Putin könne auch warten, und mit der Ukraine werde schon nichts passieren. Das ist ein großes Land, es wird noch drei oder vier Jahre Krieg aushalten, und in dieser Zeit wird es Israel nicht mehr geben. Deshalb denke ich, dass all diese Probleme gemeinsam gelöst werden müssen. Eine andere Sache ist, dass die Amerikaner die ganze Tiefe der iranischen Operation möglicherweise nicht begriffen haben, aber das ist bereits eine andere Geschichte.

Frage. Wenn die Iraner die Straße von Hormus tatsächlich nicht sperren können, wie viele Blogger behaupten, warum besetzen die Vereinigten Staaten und Israel dann nicht die Insel Chark mit ihrer Ölinfrastruktur?

Portnikov. Nun, es ist unbekannt, inwieweit die Vereinigten Staaten und Israel die Insel Chark derzeit überhaupt besetzen können. Zweitens ist die Straße von Hormus real gesperrt. Durch sie wird kein Öl geliefert. Und hier gibt es noch ein weiteres Problem. Die Vereinigten Staaten könnten befürchten, dass die Besetzung der Insel Chark und die Zerstörung ihrer Ölreserven ihrerseits zu einer weiteren Destabilisierung der Lage auf dem Ölmarkt führen würden, vor der Donald Trump Angst hat. Sie haben doch gesehen, dass Washington sofort sagte, man sei mit diesen Handlungen absolut nicht einverstanden, als Israel zum ersten Mal Irans Ölfelder angriff. Insofern gibt es hier einen ziemlich wichtigen Punkt, der mit der Entwicklung dieser Situation mit dem Öl für Trump zusammenhängt.

Frage. Neulich hieß es, Japan sei an der gemeinsamen Produktion von Seedrohnen interessiert und wolle das ukrainische Modell der Küstenwache übernehmen. Warum sollte man solche Informationen überhaupt ankündigen?

Portnikov. Warum denn nicht ankündigen? Das zeigt, dass Japan ein ernsthafter Gegner sein kann, würde ich sagen, wenn jemand es angreifen will. Und die Produktion von Seedrohnen oder ein Modell der Küstenverteidigung wird für jeden Geheimdienst ohnehin zur Tatsache. Hier gibt es noch eine andere Situation mit Japan, über die man sprechen muss und über die heute berichtet wird. Das ist eine reale Änderung der Ansätze zur Waffenlieferung Japans an andere Länder. Japan überprüft tatsächlich jene Artikel der Gesetzgebung, die es nicht erlauben, tödliche Waffen an kriegführende Länder zu liefern. Und natürlich wäre das eine enorme Hilfe Japans, wenn es dazu käme. Und die Ukraine könnte einer der ersten Nutznießer werden. Wenn diese Entscheidungen nun von Regierung und Parlament getroffen werden und die Beschränkungen für die Lieferung tödlicher Waffen aufgehoben werden, dann können wir, wie Sie verstehen, sehr viele moderne und interessante Entwicklungen erhalten. Auch das ist ein völlig neuer Moment. Wenn wir eine Verteidigungszusammenarbeit mit Japan haben und wir natürlich damit rechnen, dass diese Beschränkungen tatsächlich aufgehoben werden und dass bei uns ein Tauschhandel oder ein gegenseitiger Kauf von Waffen beginnt. Das kann durchaus passieren.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Ескалація на Близькому Сході: що далі ? |
Віталій Портников. 10.03.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 10.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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