Russland greift Kyiv erneut an | Vitaly Portnikov. 01.08.2026.

Ein weiterer russischer Angriff mit ballistischen Raketen auf die Ukraine, vor allem auf Kyiv. Mein aufrichtiges Mitgefühl gilt den Angehörigen der Getöteten – derzeit ist von neun Menschen die Rede, die bei diesem Angriff ums Leben kamen – sowie allen, die durch das russische Bombardement verletzt wurden. Inzwischen spricht man bereits von Dutzenden Verletzten, derzeit von 28.

In der gesamten ukrainischen Hauptstadt gibt es Brände. Die Einschläge trafen Wohnviertel, Wohnhäuser und Einkaufszentren. Und ich werde nicht müde zu wiederholen, dass es sich dabei um Luftterror handelt. Ja, ich habe keinen Zweifel daran, dass die Russen für ihre Angriffe bestimmte Ziele auswählen, wenn sie dieses ballistische Zeitfenster nutzen. Aber Terror ist nicht nur Teil ihrer Taktik, sondern ihrer gesamten Strategie gegenüber unserem Land. Putin ist heute nicht so sehr daran interessiert, mit seinen Truppen in der Oblast Donezk vorzurücken, sondern vielmehr daran, die Ukrainer einzuschüchtern und Bedingungen für die Kapitulation unseres Staates zu schaffen, indem er die Stimmung in der Bevölkerung verändert.

Viele, die über die Unvermeidlichkeit einer russischen Mobilisierung sprechen und nach Erklärungen suchen, wie eine Situation geschaffen werden könnte, in der die Russen im Osten der Ukraine weiter vorrücken können, scheinen nicht zu begreifen, dass Putins eigentliches Ziel in diesem Krieg keineswegs die Oblast Donezk oder gar die Oblast Kyiv ist, sondern die Beseitigung der ukrainischen Staatlichkeit als solcher.

Angesichts der Möglichkeiten der russischen Streitkräfte an der Front ist die Hoffnung, dieses Ziel auf militärischem Wege zu erreichen, meiner Ansicht nach schlicht unrealistisch. Und Putin versteht das sehr gut. Er kann jedoch darauf hoffen, dass gerade die Bombardierungen die Voraussetzungen für eine politische Entscheidung schaffen, die schließlich zu einer solchen Kapitulation führt.

Übrigens muss man sich auch eines anderen Umstands bewusst sein: Putins Bedingung, Russland werde erst dann an den Verhandlungstisch zurückkehren, wenn die ukrainischen Truppen das gesamte Gebiet der Oblast Donezk verlassen haben, zielt gerade nicht darauf ab, die Kontrolle über die Oblast Donezk zu erlangen. Nein – sie zielt auf die innere Destabilisierung der Ukraine. Putin sucht seit Jahren nach Wegen, eine solche innere Destabilisierung herbeizuführen. Und der Luftterror ist Teil dieser Strategie.

Der russische Präsident versucht schlicht, alles auszunutzen, was sich ihm infolge bestimmter Umstände bietet – etwa den Krieg im Persischen Golf, der die Bestände an Flugabwehrraketen im Westen erheblich reduziert und damit ihre Lieferung an die Ukraine faktisch gestoppt hat. Vor diesem Hintergrund klingen die Worte des amerikanischen Präsidenten Donald Trump besonders beunruhigend, der erneut die Möglichkeit infrage gestellt hat, der Ukraine eine Lizenz zur Produktion von Patriot-Luftabwehrraketen zu erteilen.

Ja, eine solche Lizenz würde heute noch nichts lösen, denn der Aufbau einer entsprechenden Produktion erfordert Jahre und Jahre beharrlicher Arbeit. Sie wäre jedoch ein Signal an andere Staaten, die über solche Raketen verfügen, dass sie sie uns heute liefern könnten – in der Hoffnung, dass eine künftige Produktion ihren eigenen Bedarf später decken wird. Hoffnung macht, dass Trumps öffentliche Äußerungen nicht immer der Realität entsprechen und sich die Position des amerikanischen Präsidenten so schnell ändern kann, dass wir kaum bemerken, wie seine neuen Aussagen den vorherigen widersprechen.

Vor dem Hintergrund von Trumps Äußerungen führte Volodymyr Zelensky ein Gespräch mit dem amerikanischen Vizepräsidenten J. D. Vance und ließ erkennen, dass dabei ebenfalls Abfangraketen gegen ballistische Raketen Thema gewesen sein könnten. Doch die Amerikaner verfügen nur noch über wenige davon – kritisch wenige, würde ich sagen –, wenn man den weiteren Verlauf des Krieges im Persischen Golf berücksichtigt.

Sollte Trump erneut Angriffe auf den Iran billigen, bedeutet das, dass Patriot-Systeme wieder von den Streitkräften der Vereinigten Staaten benötigt werden, um ihre eigenen Einrichtungen sowie die strategischen Objekte der amerikanischen Verbündeten im Persischen Golf zu schützen. Denn die Alternative zu diesem Schutz wäre nichts Geringeres als eine verheerende Energiekrise in der ganzen Welt.

Deshalb ist es wesentlich sinnvoller, alles dafür zu tun, dass Russland keine Möglichkeit mehr hat, ballistische Raketen auf Kyiv und andere ukrainische Städte abzufeuern, damit der Luftterror einer der abscheulichsten Terrororganisationen der heutigen Welt, die sich lediglich als Staat ausgibt, endlich endet. Dafür muss die Ukraine die Möglichkeit erhalten, russische ballistische Waffen anzugreifen.

Der jüngste Vorschlag von Volodymyr Zelensky, den er mit Donald Trump erörterte – nämlich Starlink für Angriffe auf Russland zu nutzen –, ist aus militärischer Sicht wesentlich kostengünstiger und logischer als die Suche nach Tomahawk-Marschflugkörpern für die Ukraine, die Trump ohnehin nicht liefern wollte und deren Bestände infolge des Krieges mit dem Iran auch für die Vereinigten Staaten selbst erheblich geschrumpft sind und meiner Ansicht nach in den kommenden Monaten oder sogar Jahren der zermürbenden Konfrontation im Persischen Golf weiter schrumpfen werden.

Man sollte nicht glauben, dass dort alles schnell zu Ende gehen könnte. Denn Russland, der Iran und China haben bereits verstanden, dass sie Donald Trump und seine Regierung in eine gefährliche politische und energiepolitische Falle treiben können. Selbst wenn dies nicht ganz der Realität entspricht, werden sie genau das versuchen.

Natürlich ist es alles andere als einfach zu hoffen, Donald Trump und auch den exzentrischen Milliardär Elon Musk, der ebenso wie Trump für seine, wie ich sagen würde, verborgenen Sympathien für autoritäre Systeme bekannt ist, von einem solchen Konzept der Fortsetzung militärischer Auseinandersetzungen abzubringen. Doch an der Lösung dieses Problems muss nach jedem einzelnen Angriff auf die Ukraine gearbeitet werden.

Zumal jeder dieser Angriffe gewöhnliche Amerikaner von der Notwendigkeit überzeugt, der Ukraine zu helfen. Und gerade diese gewöhnlichen Amerikaner werden in den kommenden Monaten sowohl für Trump als auch für Musk wichtig sein, der ebenfalls die Folgen für sich selbst fürchtet, falls die Republikaner den Kampf um die Macht in den Vereinigten Staaten verlieren sollten. So kann man zumindest auf gewisse Fortschritte bei der Suche nach Wegen hoffen, die Russen in ihrer terroristischen Tätigkeit auf unserem Territorium zu stoppen. Den russischen ballistischen Terror zu stoppen, ist heute ein wesentlicher Bestandteil der Hilfe für die Ukraine. Und die Notwendigkeit, der Ukraine zu helfen, wird nach wie vor von sämtlichen Meinungsumfragen in den Vereinigten Staaten bestätigt.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Росія знову бʼє по Києву | Віталій Портников. 01.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 01.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.