Der Moment nach Putin. Vitaly Portnikov. 30.06.2026.

Моментът след Путин. Виталий Портников. 30.06.2026.

Nähert sich nach fünf Jahren Krieg wirklich ein Wendepunkt?

Fünf Jahre sind genug Zeit, um eine einfache Sache zu verstehen: Der Wendepunkt in diesem Krieg hängt nicht von der militärischen Lage an der Front ab, sondern vom wirtschaftlichen Zustand Russlands. Putin kann eskalieren, so viel er will – aber Eskalation kostet Geld. Und das Geld wird immer weniger.

Und hier ist wichtig zu verstehen, was jetzt geschieht. Die Angriffe der Ukraine auf die russische Ölinfrastruktur – Häfen, Raffinerien, Logistikknotenpunkte – und auf den militärisch-industriellen Komplex Russlands zeigen bereits eine reale Wirkung. Die Öleinnahmen des Kremls sinken. Die Waffenproduktion wird erschwert. Das ist keine Metapher und keine Propaganda – das sind Zahlen, die Reuters, Foreign Affairs und russische Beamte selbst in geschlossenen Sitzungen bestätigen.

Der Wendepunkt wird nicht dann eintreten, wenn Putin beschließt aufzuhören, sondern dann, wenn er nicht mehr weitermachen kann. Das sind verschiedene Dinge. Und dank der ukrainischen Angriffe auf das Herz der russischen Kriegswirtschaft ist Letzteres deutlich näher, als es scheint.

Was ist das eigentliche Ziel der russischen Provokationen in Rumänien und im Baltikum – Einschüchterung oder offener Konflikt?

Weder das eine noch das andere – und zugleich beides. Russland will keinen offenen Konflikt mit der NATO – das würde seine Vernichtung bedeuten. Aber es will die Grenzen kennen, wo das Bündnis stoppen wird, wo es Angst bekommen wird, wo es beginnen wird, sich zu rechtfertigen, statt zu handeln.

Und hier gibt es eine gefährliche Asymmetrie. Russland testet – die NATO reagiert zurückhaltend, erklärt, beruhigt. Der Kreml liest das nicht als Besonnenheit, sondern als Schwäche. Und beim nächsten Mal geht er ein Stück weiter. Genau eine solche vorsichtige Reaktion ermutigt Moskau zu neuen Provokationen, wie die jüngste Geschichte mit dem Auftauchen einer russischen Drohne im Luftraum Rumäniens anschaulich gezeigt hat. Das Bündnis reagierte zurückhaltend. Russland merkt sich das.

Das ist keine Vorbereitung auf einen großen Krieg, sondern eine Vorbereitung darauf, dass sich die NATO an Verletzungen gewöhnt und überhaupt nicht mehr darauf reagiert.

Das gefährlichste Szenario ist nicht jenes, in dem Russland ein NATO-Land offen angreift, sondern jenes, in dem es dies so schrittweise tut, dass der Moment, in dem man hätte reagieren müssen, bereits vorbei ist.

Sind Szenarien einer „schleichenden“ Eskalation im Baltikum oder rund um den Suwałki-Korridor realistisch?

Russland wird ein NATO-Land nicht im klassischen Sinne dieses Wortes angreifen – mit Kriegserklärung und großangelegter Invasion. Das wäre Selbstmord, und im Kreml versteht man das sogar jetzt, da Putins Zurechnungsfähigkeit immer mehr Fragen aufwirft.

Aber es gibt ein anderes Szenario, und es ist deutlich realistischer. Langsam, Schritt für Schritt, die Grenzen dessen verwischen, was als Angriff gilt. Ein Zwischenfall auf See. Eine Drohne über dem Territorium eines Bündnismitglieds. Eine Provokation am Suwałki-Korridor. Jedes Mal reagiert die NATO zurückhaltend, und Moskau zieht den Schluss, dass auch der nächste Schritt toleriert werden wird.

Der Suwałki-Korridor ist ein eigenes und sehr ernstes Thema. Er ist die einzige Landverbindung zwischen Polen und den baltischen Staaten. Wenn Russland ihn gemeinsam mit Belarus blockiert, ist das formal kein Angriff auf die NATO. Aber es ist die faktische Isolierung dreier Bündnisstaaten. Und was wird das Bündnis dann tun? Das ist die Frage, auf die Brüssel bis heute keine klare Antwort hat.

Welche Faktoren könnten Putin zwingen, seine absurden Bedingungen für einen Waffenstillstand aufzugeben?

Putin wird seine Bedingungen nicht freiwillig aufgeben. Das muss man klar und ohne Illusionen verstehen. Er kann sie verschweigen, verschieben, anders formulieren – aber nicht aufgeben, denn für ihn ist das keine Verhandlungsposition, sondern ein ideologisches Fundament.

Ihn zu einer Änderung seiner Position zwingen kann nur eines: der Mangel an Ressourcen zur Fortsetzung des Krieges. Und hier kehren wir wieder zur Wirtschaft zurück. Die Angriffe auf die Ölinfrastruktur, der Rückgang der Einnahmen, die Erschöpfung des militärisch-industriellen Komplexes – all das verengt Putins Handlungsspielraum schrittweise.

Bedingungen für ein Ende der intensiven Phase des Krieges existieren, aber nicht durch Verhandlungen, sondern durch den Moment, in dem Russland physisch nicht mehr in der Lage sein wird, das heutige Niveau der Kampfhandlungen aufrechtzuerhalten. Das ist keine Frage von Putins Wunsch. Es ist eine Frage seiner Möglichkeiten. Und gerade deshalb ist es so wichtig, den Druck nicht zu verringern – weder den sanktionspolitischen noch den militärischen –, in dem Moment, in dem er reale Ergebnisse zu zeigen beginnt.

Welcher Kompromiss wäre für die Ukraine beim Abschluss eines Waffenstillstands zulässig – besonders unter äußerem Druck, und welche Risiken bestehen für das Land?

Das ist keine Frage an mich – das ist eine Frage an die ukrainische Gesellschaft und an die ukrainische Führung. Ich habe kein Recht zu entscheiden, welcher Kompromiss für ein Land zulässig ist, das kämpft und Menschen verliert. Das wäre anmaßend von jedem Kommentator – unabhängig davon, wie nah er der Ukraine steht.

Aber ich kann sagen, was unzulässig ist. Unzulässig ist jeder Waffenstillstand, der Russland die Möglichkeit lässt, den Krieg nach einigen Jahren unter für Russland günstigeren Bedingungen wieder aufzunehmen. Unzulässig ist ein Waffenstillstand ohne reale Sicherheitsgarantien – keine Versprechen, sondern rechtlich bindende Garantien mit einem Mechanismus zu ihrer Umsetzung. Und unzulässig ist Druck auf Kyiv, Bedingungen zu akzeptieren, die Moskau später als Brückenkopf für den nächsten Schlag nutzen wird.

Die Risiken sind offensichtlich. Wenn die Ukraine unter Druck territoriale Zugeständnisse macht, ist das kein Frieden, sondern eine Pause. Russland wird sie zur Wiederaufrüstung nutzen und zurückkehren. Dieses Szenario haben wir bereits 2014–2022 gesehen. Es zu wiederholen wäre ein Verbrechen – sowohl gegenüber der Ukraine als auch gegenüber ganz Europa.

Was halten Sie von den Berichten über einen „Verlust des Glaubens“ an Putin und Umgruppierungen innerhalb der Kreml-Elite?

Ich würde diese Berichte weder zurückweisen noch überschätzen. Ja, in Putins Umfeld existiert Unzufriedenheit. Das ist keine Erfindung westlicher Analysten – das bestätigen sowohl Gespräche russischer Nomenklaturvertreter mit westlichen Journalisten als auch bestimmte Signale, die aus Russland selbst kommen.

Aber man muss die Natur dieser Unzufriedenheit verstehen. Diese Menschen sind nicht mit dem Krieg als solchem unzufrieden – sie sind damit unzufrieden, dass Putin ihn ineffektiv und inadäquat führt. Sie teilen dasselbe imperiale Programm und wollen dasselbe Ergebnis. Sie würden es nur gern mit geringeren Verlusten und größerer Vorhersehbarkeit erreichen.

Deshalb ist es verfrüht, von irgendeinem Putsch oder Kurswechsel zu sprechen. Diese Menschen haben Angst vor Putin und werden nicht handeln, solange sie nicht spüren, dass er wirklich schwach ist. Und wenn sie es spüren – falls sie es spüren –, kann alles sehr schnell gehen. Die russische Geschichte kennt solche Präzedenzfälle. Doch bisher beobachten wir Unzufriedenheit ohne Handlung. Und das ist keine politische Kraft. Das ist nur eine Stimmung.

Kann Putin davon überzeugt werden, dass er die Ukraine verloren hat? Oder könnten die Strukturen in Moskau seine neoimperiale Doktrin irgendwann aufgeben?

Putin kann nicht überzeugt werden – er kann nur gestoppt werden. Das ist ein grundsätzlicher Unterschied. Ein Mensch, der fest glaubt, dass es kein ukrainisches Volk gibt, dass die Ukraine ein künstliches Gebilde ist, dass er eine historische Mission erfüllt – ein solcher Mensch ändert seine Meinung nicht unter dem Einfluss von Argumenten. Er ändert sein Verhalten nur unter dem Einfluss der Umstände.

Aber es gibt eine tiefere Frage: Wird sich Russland nach Putin verändern? Und hier muss ich ehrlich sein: nicht automatisch und nicht schnell. Die neoimperiale Doktrin ist keine Erfindung Putins – sie ist ein Produkt der russischen politischen Kultur, die sich über Jahrhunderte herausgebildet hat. Putin hat sie nicht geschaffen – er hat sie genutzt und verstärkt.

Veränderung ist möglich, aber nur durch ein tiefes Trauma der Niederlage und durch Generationen, die in einem anderen Kontext aufwachsen werden. Deutschland veränderte sich nach 1945 – aber dafür waren die vollständige militärische und moralische Vernichtung des NS-Regimes und Jahrzehnte der Entnazifizierung unter äußerer Kontrolle notwendig. Russland hat bisher nichts Vergleichbares durchlaufen. Und solange es das nicht durchläuft, sollte man nicht auf einen organischen Verzicht auf imperiale Ambitionen setzen.

Russland will ein „Zivilisationsstaat“ und die Metropole des Eurasianismus sein. Sie haben erklärt, dass Russland dies durch die Konfrontation mit dem Westen erreichen will, ohne sich damit abzufinden, lediglich ein asiatischer Staat zu sein. Ist das möglich?

Das ist ein schönes Konzept – und völlig lebensunfähig. Russland kann aus einem einfachen Grund keine Metropole des Eurasianismus sein: Es verfügt dafür weder über das wirtschaftliche Potenzial noch über kulturelle Anziehungskraft oder realen Einfluss auf die Länder, die es anführen müsste.

Schauen Sie sich die sogenannte eurasische Peripherie an. Kasachstan distanziert sich immer stärker von Moskau und sucht seinen eigenen Weg. Aserbaidschan verfolgt eine völlig unabhängige Politik. Selbst Belarus, dessen Machthaber Alexander Lukaschenko buchstäblich auf russischen Bajonetten sitzt, versucht zumindest formale Souveränität zu bewahren und blickt nach Peking als Gegengewicht zu Moskau.

China ist hier das Schlüsselwort. Die wirkliche Metropole des Eurasianismus ist Peking und nicht Moskau. Und Russland versteht das, kann es aber nicht eingestehen, denn die Anerkennung dieser Tatsache würde das Ende des gesamten Konzepts des „Zivilisationsstaates“ bedeuten.

Die Konfrontation mit dem Westen macht Russland nicht zum eurasischen Zentrum – sie macht es zum Juniorpartner Chinas. Und das ist genau das Gegenteil dessen, wovon Putin träumt. Der eurasische Traum Moskaus endet dort, wo die chinesische Realität beginnt.

Mit welchen Realitäten wird Russland bei einem möglichen Ende der Kampfhandlungen oder sogar schon davor konfrontiert sein? Welche Prozesse erwarten Sie?

Russland ist bereits mit einem Teil dieser Realitäten konfrontiert und versucht, sie nicht wahrzunehmen. Eine demografische Katastrophe – Hunderttausende Tote, Verwundete und Emigranten. Wirtschaftliche Erschöpfung – Inflation, sinkende Realeinkommen, ein Haushaltsdefizit, das auf Kosten künftiger Generationen gedeckt wird. Technologischer Rückschritt – der Abzug westlicher Unternehmen und Technologien, für die es keinen Ersatz gibt.

Doch das schwerwiegendste Problem ist politischer Natur. Putin und der FSB haben ein System geschaffen, das auf einem einzigen Menschen und auf Angst beruht. Wenn dieser Mensch geht – und früher oder später wird er gehen –, könnte sich das System nicht geordnet transformieren. Es wird entweder zusammenbrechen oder sich im Machtkampf zwischen jenen drei Kräften, von denen ich bereits gesprochen habe – dem FSB, dem FSO und der Armee –, in etwas noch Brutaleres verwandeln.

Der gefährlichste Moment für Russland und für die Welt ist nicht der Krieg selbst. Es ist die Zeit nach Putin, wenn Menschen mit Atomwaffen und ohne klare Legitimität die Macht in einem Atomstaat unter sich aufteilen werden. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass der Westen schon jetzt nicht nur darüber nachdenkt, wie der Krieg beendet werden kann, sondern auch darüber, was danach mit Russland geschehen soll.

Wo wird Russland weiterhin versuchen, Einfluss auszuüben, und wie erfolgreich könnten diese Versuche nach dem Scheitern seiner großimperialen Ambitionen sein?

Russland wird seine Versuche, Einfluss auszuüben, nicht aufgeben – selbst geschwächt, selbst nach einer Niederlage. Das liegt in der Natur des Regimes. Die einzige Frage ist, welche Instrumente ihm dafür noch zur Verfügung stehen werden.

Das militärische Instrument wird erheblich eingeschränkt sein – die Armee ist erschöpft, die Technik zerstört, die personellen Ressourcen gehen zur Neige. Der Wiederaufbau echter militärischer Stärke erfordert Jahrzehnte und Geld, das nicht vorhanden sein wird.

Doch es gibt andere Instrumente. Die Energie – solange Russland Öl und Gas verkauft, verfügt es über einen Hebel. Desinformation und hybrider Krieg – das ist billig und effektiv, und hier hat Moskau erhebliche Erfahrungen gesammelt. Die Unterstützung prorussischer Bewegungen und Parteien in Europa – auch das wird nicht verschwinden.

Geografisch wird sich Russland auf das konzentrieren, was in seiner Reichweite bleibt – Zentralasien, den Südkaukasus und Afrika, wo es bereits aktiv über die Wagner-Gruppe und deren Nachfolger operiert. Doch auch dort wird es verdrängt – von China in Zentralasien, von der Türkei im Südkaukasus und von verschiedenen Akteuren in Afrika.

Gesondert sollte man über den Balkan sprechen. Russland wird erhebliche Anstrengungen unternehmen, dort über prorussische Kräfte in Serbien, Bulgarien und Nordmazedonien präsent zu bleiben. Der Balkan ist eine traditionelle russische Einflusszone, und Moskau betrachtet ihn als Brückenkopf innerhalb Europas. Gerade deshalb sind Wahlen in diesen Ländern und die Stärkung prorussischer Parteien keine rein inneren Angelegenheiten dieser Staaten. Sie sind Teil der russischen Strategie.

Nach dem Scheitern seiner großimperialen Ambitionen läuft Russland Gefahr, sich in einen Regionalstaat zu verwandeln, der vorgibt, weiterhin global zu sein. Das ist eine gefährliche Kombination, denn solche Staaten kompensieren den Verlust realen Einflusses gewöhnlich durch Aggressivität und Unberechenbarkeit.

Warum erwies sich Russlands hybrider Krieg gegen Europa als so erfolgreich?

Weil Europa lange Zeit nicht glauben wollte, dass dieser Krieg überhaupt geführt wird. Das ist der Hauptgrund. Russland griff ganz offen an – über soziale Netzwerke, durch die Finanzierung von Parteien, durch Energieerpressung, durch Desinformation –, während Europa sich jahrelang selbst einredete, es handle sich lediglich um „unterschiedliche Sichtweisen“ und „komplizierte Geopolitik“.

Der zweite Grund ist, dass Russland auf reale Probleme setzt. Es erfindet die Unzufriedenheit der Europäer nicht – es findet sie und verstärkt sie. Ungleichheit, Migration, Identitätsverlust, Misstrauen gegenüber den Eliten – all das existierte schon vor Russland. Moskau hat lediglich gelernt, diese Risse in Abgründe zu verwandeln.

Der dritte Grund ist die Asymmetrie. Russland gibt für die Destabilisierung Europas nur einen Bruchteil dessen aus, was Europa für seinen Schutz aufwendet. Ein paar Trollfabriken, einige bestochene Politiker, einige Medienprojekte – und das Ergebnis ist unverhältnismäßig groß.

Und schließlich handelt Russland geduldig. Es wartet nicht auf sofortige Ergebnisse. Es sät jahrelang Zwietracht und erntet dann, wenn eine Krise entsteht – eine Energiekrise, eine Migrationskrise oder eine Wirtschaftskrise. Dann stellt sich heraus, dass es in jedem europäischen Land bereits Stimmen gibt, die genau das sagen, was Moskau hören möchte.

Warum fanden russische hybride Narrative – über „traditionelle Werte“, ein „Europa der Vaterländer“ usw. – eine solche Übereinstimmung mit der Welle der extremen Rechten?

Das ist weder Zufall noch bloße Übereinstimmung. Es ist eine bewusste Strategie – und sie begann lange bevor die meisten Analysten sie bemerkten.

Russland erkannte eine einfache Wahrheit: Die liberale Demokratie ist nicht von außen verwundbar, sondern von innen. Sie kann nicht mit Panzern besiegt werden, aber sie kann durch ihre eigenen Werte untergraben werden. Meinungsfreiheit. Offenheit. Toleranz gegenüber unterschiedlichen Ansichten. Und Moskau begann, Narrative zu produzieren und zu verbreiten, die genau diese Offenheit gegen das System selbst richten.

„Traditionelle Werte“ sind die ideale Waffe. Sie sprechen das reale Gefühl des Verlustes an, das Millionen Menschen in Europa und Amerika empfinden. Die Globalisierung hat die vertraute Welt verändert – und Russland bietet eine einfache Antwort: Schuld sind die Liberalen, die Globalisten, die Eliten. Das ist dasselbe populistische Narrativ, das man auch bei Trump, Orbán und Le Pen findet. Moskau hat es nicht erfunden, verstärkt und finanziert es jedoch aktiv.

„Europa der Vaterländer“ ist überhaupt eine alte französische Idee, die Russland einfach übernommen und für seine eigenen Bedürfnisse umgefärbt hat. Ein gespaltenes Europa ohne gemeinsame Außenpolitik – genau das braucht Moskau. Und es hat Verbündete gefunden, die aufrichtig an diese Ideen glauben – oder zumindest so tun.

Wie sehen aus Kyiv die neue politische Rolle von Rumen Radew und die Veränderungen der politischen Landschaft Bulgariens aus?

Ich habe Radew bereits kommentiert, und meine Position hat sich nicht geändertp. Er ist nicht Orbán und wird auch keiner werden. Nicht, weil er proeuropäisch wäre – das ist er nicht –, sondern weil ihm die Instrumente dafür fehlen.

Orbán konnte es sich leisten, Orbán zu sein, weil er über eine verfassungsändernde Mehrheit und die vollständige Kontrolle über die staatlichen Institutionen verfügte. Radew hat das nicht. Um überhaupt irgendeine reale Politik umzusetzen – sei es eine innenpolitische Reform oder selbst der Austausch des Generalstaatsanwalts –, braucht er die Unterstützung der proeuropäischen Kräfte. Und diese erinnern sich an seine Präsidentschaft.

Aus Kyiv sieht das wie eine Situation aus, in der ein Mensch mit prorussischen Sympathien sich in Umständen wiederfindet, die es ihm nicht erlauben, diese Sympathien umzusetzen. Bulgarien braucht Geld aus den europäischen Fonds. Der bulgarische militärisch-industrielle Komplex verdient an Lieferungen für die Ukraine. Das ist die reale Wirtschaft – und sie ist stärker als jede Ideologie.

Das Wichtigste, was man verstehen muss, ist Folgendes: Was für Orbán ein Vorwand war – alles zu blockieren und eine Rechtfertigung zu finden –, muss für Radew ein tatsächliches Ziel sein. Wenn er wirklich Reformen in Bulgarien will, muss er mit jenen zusammenarbeiten, die die Ukraine unterstützen. Einen anderen Weg gibt es nicht. Und ich hoffe, dass er das versteht.

Was verfolgt Trump tatsächlich mit seiner Haltung gegenüber der Ukraine? Jetzt ist er durch den Iran abgelenkt, zuvor behauptete er jedoch, eine Annäherung an Moskau habe einen tiefen geostrategischen Sinn – nämlich die Konfrontation mit China?

Trump verfolgt gegenüber der Ukraine keine konsistente Strategie. Was er gelegentlich als Strategie formuliert – Russland und China auseinanderzubringen –, ist keine Strategie. Es ist ein Wunsch. Und noch dazu ein unrealistischer Wunsch.

Russland und China sind keine Verbündeten im klassischen Sinne, aber sie haben ein gemeinsames Interesse: den amerikanischen Einfluss in der Welt zu schwächen. Solange dieses Interesse besteht, wird keine amerikanische Annäherung an Putin ihn dazu bringen, sich von Peking abzuwenden. China ist für Russland heute die wirtschaftliche Lebensader. Es ermöglicht die Umgehung der Sanktionen. Es ist Absatzmarkt für russisches Öl. Auf solche Dinge verzichtet man nicht wegen netter Gespräche mit Trump.

Die eigentliche Triebkraft von Trumps Politik gegenüber der Ukraine ist die amerikanische Innenpolitik. Die Benzinpreise. Die Kriegsmüdigkeit seiner Wählerschaft. Der Wunsch, irgendeinen Sieg zu verkünden – ganz gleich welchen und zu welchem Preis – und anschließend weiterzugehen. Die Ukraine ist in diesem Weltbild weder ein Verbündeter noch ein Wert an sich. Sie ist ein Problem, das gelöst und anschließend vergessen werden soll.

Und genau das ist die gefährlichste aller möglichen Positionen gegenüber einem Land, das um seine Existenz kämpft.

Die neue amerikanische Strategie der nationalen Sicherheit verbirgt ihre Feindseligkeit gegenüber Europa nicht. Welche Politik wäre für den Kontinent die beste – unabhängig von den Entwicklungen in den USA?

Europa hat endlich das bekommen, wovor es sich so lange gedrückt hat – die Verantwortung für seine eigene Sicherheit. Und so seltsam es auch klingen mag: Das könnte sich nicht als Katastrophe, sondern als Chance erweisen.

Die beste Politik für Europa besteht jetzt darin, nicht länger zu warten. Nicht länger auf amerikanische Entscheidungen, amerikanische Genehmigungen oder amerikanische Garantien zu warten. Eine eigene Verteidigungsindustrie aufzubauen – und das geschieht bereits, wenn auch langsamer, als es nötig wäre. Die Ukraine zu unterstützen – nicht, weil Washington das wünscht, sondern weil es im unmittelbaren Interesse Europas selbst liegt.

Eine gemeinsame Außenpolitik zu entwickeln – und genau das ist am schwierigsten. Nicht nur, weil es innerhalb der EU trojanische Pferde gibt. Die Lage hat sich verändert – Orbán hat die Wahlen verloren, und Ungarn kehrt schrittweise zu einer konstruktiveren Position zurück. Aber die Interessen von 27 Staaten mit unterschiedlicher Geschichte, unterschiedlichen Erfahrungen und unterschiedlichem Bedrohungsempfinden miteinander in Einklang zu bringen, ist außerordentlich schwierig. Und genau diese Harmonisierung – nicht einzelne prorussische Stimmen – ist die größte Herausforderung für die europäische Einheit.

Die amerikanische Feindseligkeit gegenüber Europa ist nicht bloß eine Laune Trumps. Sie ist ein Symptom eines tiefergehenden Wandels in der politischen Kultur der Vereinigten Staaten. Und Europa muss seine Politik auf der Grundlage gestalten, dass sich dieser Wandel als dauerhaft erweisen könnte.

Doch eines kann Europa sich nicht leisten: vor russischem Druck aus der Illusion heraus zu kapitulieren, dadurch Stabilität zu gewinnen. Denn Russland versteht Zugeständnisse nicht als Geste des guten Willens, sondern als Einladung zum nächsten Schritt. Das haben wir bereits erlebt – und dürfen es nicht vergessen.

Wird die Ukraine nach allem, was geschehen ist, die Kraft haben, sich zu der von vielen erwarteten neuen Stütze des europäischen Raums zu entwickeln, die dem Druck nicht nur Russlands, sondern auch der USA und Chinas standhalten kann?

Das ist eine Frage, die ich mir ständig stelle. Und ihre Antwort hängt nicht von äußeren Faktoren ab, sondern von der Ukraine selbst.

Die Ukraine hat bereits bewiesen, dass sie kämpfen kann. Das war im Februar 2022 nicht selbstverständlich – selbst für diejenigen, die an sie glaubten. Fünf Jahre Widerstand gegen eine der größten Armeen der Welt – das ist eine Tatsache, die das Bild dieses Landes für immer verändert hat.

Aber eine Stütze Europas zu sein, ist etwas anderes. Das bedeutet nicht nur zu kämpfen, sondern auch aufzubauen. Institutionen. Rechtsstaatlichkeit. Eine Wirtschaft, die attraktiv ist und nicht abschreckt. Und hier hat die Ukraine ernsthafte Probleme, die der Krieg nicht gelöst, sondern teilweise sogar verschärft hat. Doch das ist eine Frage für die Zeit nach dem Krieg. Und ich hoffe, dass die ukrainische Gesellschaft, die diese Prüfung durchgestanden hat, sowohl die Kraft als auch den Willen haben wird, ein neues Land aufzubauen.

Der Druck seitens der USA unter Trump, der mögliche Druck Chinas – all das ist eine Realität, mit der die Ukraine umgehen müssen wird. Und diesem Druck kann sie nur auf eine Weise standhalten: indem sie so eng in die europäischen Strukturen integriert ist, dass Druck auf die Ukraine automatisch zu Druck auf ganz Europa wird.

Werden die Kräfte ausreichen? Ich hoffe es. Aber das ist keine Frage des Schicksals, sondern der Entscheidungen, die jetzt getroffen werden und nach dem Sieg getroffen werden.

Ich verfolge Ihre Kommentare und Prognosen seit einigen Jahren und würde gern wissen: Wann haben Sie sich in Ihrer Einschätzung geirrt?

Ich habe mich mehrere Male geirrt und schäme mich nicht, das zuzugeben. Ein Mensch, der sich niemals irrt, sagt entweder überhaupt nichts oder lügt.

1991 glaubte ich, dass der Zusammenbruch der Sowjetunion und die Ausrufung der Unabhängigkeit der Ukraine nicht so schnell erfolgen würden – und das nur wenige Wochen nachdem der Präsident der Vereinigten Staaten, George Bush, von der Tribüne der Werchowna Rada die ukrainischen Abgeordneten dazu aufgerufen hatte, die erneuerte Sowjetunion Gorbatschows zu unterstützen. Die Geschichte erwies sich als schneller als meine Prognosen.

2014 war ich der Ansicht, dass die Besetzung der Krim zur Ausrufung eines quasiunabhängigen Staates führen würde und nicht zu ihrer Annexion und Eingliederung in die Russische Föderation. Was tatsächlich geschah, erwies sich als eine wahre Katastrophe für die russisch-ukrainischen Beziehungen und für das Völkerrecht insgesamt – eine Katastrophe für Jahrzehnte.

Und schließlich hoffte ich, dass die Menschheit länger in der Lage sein würde, die Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg zu bewahren. Dass die Erinnerung an jene Katastrophe eine Wiederholung verhindern würde. Diese Hoffnungen erwiesen sich als vergeblich.

Sehen Sie in der Unberechenbarkeit der heutigen Welt auch etwas Optimistisches? Zum Beispiel scheint es, als funktionierten die Absprachen der „Großen“ und das Zeichnen neuer Grenzen auf Servietten nicht mehr nach Plan.

Das ist zugleich eine optimistische und eine pessimistische Beobachtung. Ja, die Welt ist unberechenbarer geworden. Und ja, die großen Absprachen auf Servietten funktionieren nicht mehr so wie früher. Aber ist das wirklich etwas Gutes?

Das System von Jalta, in dem die Großmächte die Welt über die Köpfe kleiner Völker hinweg aufteilten, war ungerecht und führte letztlich zu dem, was wir heute erleben. Die Ukraine wurde in gewissem Sinne gerade zum Opfer eines solchen Denkens – als man versuchte, über ihr Schicksal ohne sie selbst zu entscheiden.

Andererseits bedeutet Unberechenbarkeit nicht immer Freiheit. Manchmal bedeutet sie einfach Chaos. Und im Chaos überleben nicht unbedingt die Gerechtesten, sondern die Stärksten und Skrupellosesten.

Deshalb gründet sich mein vorsichtiger Optimismus auf etwas anderes – nicht auf die Unberechenbarkeit der Welt, sondern darauf, dass kleine Völker gelernt haben, für sich selbst zu kämpfen. Die Ukraine hat das bewiesen. Und genau das ist die wirkliche Veränderung, die von Bedeutung ist. Denn letztlich wird Geschichte nicht durch Absprachen auf Servietten gemacht, sondern durch Menschen und Völker, die sich weigern, fremde Entscheidungen über ihr eigenes Schicksal hinzunehmen.


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Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Моментът след Путин. Виталий Портников. 30.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 30.06.2026.
Originalsprache: bg
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Neue Angriffe auf Kyiv: Russland setzt den Luftterror fort | Vitaly Portnikov. 02.07.2026.

Ein weiterer massiver Angriff Putins auf die ukrainischen Regionen. Hauptziel dieses Angriffs war – wie bei allen vorherigen großangelegten russischen Angriffen auf die Ukraine – Kyiv.

Die ukrainische Hauptstadt leidet derzeit unter zahlreichen Bränden, die infolge von Einschlägen russischer Raketen und Drohnen in Infrastruktur und Wohngebiete der Hauptstadt entstanden sind. Bislang ist von 16 Verletzten und zwei Todesopfern die Rede.

Zunächst möchte ich allen Verletzten sowie den Angehörigen derjenigen, die den heutigen Terrorangriff auf Kyiv nicht überlebt haben, mein aufrichtiges Mitgefühl aussprechen. Und dass es sich hierbei um Luftterror handelt, muss meiner Ansicht nach nicht einmal bewiesen werden. Denn wir sehen, dass das Hauptziel der Russen nicht so sehr Angriffe auf die Infrastruktur ukrainischer Städte sind, sondern vielmehr die Einschüchterung ihrer Bewohner – die Fortsetzung jenes demografischen Krieges, der ebenfalls eines der Hauptziele des russischen Präsidenten, seiner Armee und seines Umfelds im Krieg gegen die Ukraine bleibt.

Auch daraus müssen bestimmte Schlussfolgerungen gezogen werden. Einerseits verstehen wir, dass Putin für derartige Angriffe dennoch nicht über unbegrenzte Ressourcen verfügt. Deshalb werden die Abstände zwischen ihnen immer größer. Andererseits ist nicht auszuschließen, dass Russland lediglich Raketen und Drohnen für noch intensivere Angriffe im Herbst anhäuft, um neue Probleme für die ukrainische Energieversorgung zu schaffen und die großen ukrainischen Städte einfrieren zu lassen. Denn auch das wäre Teil des demografischen Krieges Russlands gegen die Ukraine.

Wir sehen, dass der russische Präsident keinerlei Wunsch hat, diesen Krieg zu beenden. Und die ukrainischen Angriffe auf die russische Infrastruktur verringern zwar die Möglichkeiten der russischen Armee und schaffen Probleme für die russische Wirtschaft, mindern jedoch nicht den Willen des Präsidenten der Russischen Föderation, den Abnutzungskrieg fortzusetzen – auch wenn dies zugleich ein Krieg der Erschöpfung Russlands selbst ist.

Deshalb müssen wir uns von Illusionen verabschieden und dürfen nicht von einem baldigen Ende des russisch-ukrainischen Krieges sprechen. Nach jedem Angriff muss uns bewusst werden, dass dieser Krieg erst dann enden kann, wenn Russland tatsächlich die Ressourcen fehlen, ihn fortzuführen.

Man muss etwas anderes verstehen: Selbst wenn die russische Armee ihre Offensive einstellt – und das kann jederzeit geschehen –, können massive Raketenangriffe auf ukrainische Städte, auch unter Einsatz von Drohnen, noch lange andauern, selbst nachdem die Kampfhandlungen an der Front abgeflaut sind. Sie könnten sporadisch fortgesetzt werden.

Natürlich kann man auf irgendwelche Vereinbarungen zwischen Moskau und Kyiv in der Zukunft hoffen. Wahrscheinlich wird dieser Krieg jedoch nicht durch reale Vereinbarungen zwischen den russischen und ukrainischen Regierungen beendet werden. Er kann nur de facto durch die Erschöpfung der Möglichkeiten einer der Kriegsparteien enden.

Das würde bedeuten, dass der Krieg jedes Mal wieder aufflammt, sobald neue Möglichkeiten entstehen. Und wir werden erneut nicht nur Zeugen, sondern Opfer neuer massiver Angriffe der Russischen Föderation sein.

Und das ist nicht bloß eine Feststellung von Tatsachen. Es geht um die Frage, wie wir uns in den kommenden Jahren – vielleicht sogar Jahrzehnten – gegen solche Angriffe schützen können. Ja, Jahrzehnte. Der Nahe Osten lebt seit vielen Jahrzehnten im Rhythmus solcher Angriffe, und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass sich eine solche Situation rasch überwinden lässt.

Deshalb ist es wichtig, die Luftverteidigungssysteme weiterzuentwickeln, neue Systeme zu beschaffen, mit unseren Verbündeten zusammenzuarbeiten, Wege zur Entwicklung eigener Luftverteidigungssysteme zu finden und zu verstehen, wie sowohl der russistischen Ballistik als auch den Drohnen begegnet werden kann, deren Zahl – wie wir verstehen – im Verlauf des russisch-ukrainischen Krieges auf beiden Seiten nur weiter zunehmen wird.

Zweitens bedeutet die Entwicklung ukrainischer Städte nicht nur die Eröffnung neuer Parkanlagen oder die Reparatur beschädigter Gebäude. Vor allem bedeutet sie den Aufbau eines Systems von Schutzräumen. Genau das wird meiner Ansicht nach während all dieser Kriegsjahre vergessen.

Denn es ist offensichtlich, dass die Ukrainer – zumindest in den großen Städten unseres Landes – in den kommenden Jahren viele Stunden unter der Erde verbringen müssen. Für viele wird dies die einzige Möglichkeit sein, das eigene Leben und das Leben ihrer Angehörigen zu retten.

Die Wiederherstellung der bereits vorhandenen Schutzräume, die sich faktisch in irgendwelche Keller mit unklarer Zweckbestimmung verwandelt haben, der Bau neuer Anlagen sowie die Notwendigkeit, neue Gebäude – etwa Hotels oder Wohnhäuser – nur dann zu genehmigen, wenn sie über Sicherheitsbereiche verfügen, sind eine dringende Notwendigkeit für das Leben der Ukraine in den 2020er-, 2030er- und vielleicht sogar in den 2040er-Jahren des 21. Jahrhunderts. Man muss das einfach akzeptieren und sich genau auf ein solches Leben und einen solchen Verlauf der Ereignisse einstellen.

Und das ist keineswegs nur ein Gespräch. Wir sehen, dass mit jedem neuen Angriff die Zahl der Menschen zunimmt, die durch das Geschehen immer stärker verängstigt sind und nicht mehr stundenlang darauf warten wollen, dass eine Rakete oder eine Drohne ihr Wohnhaus trifft – selbst in der ukrainischen Hauptstadt.

Schon jetzt reicht der Platz in der Metro von Kyiv nicht mehr für alle aus, die auf den U-Bahn-Stationen Schutz suchen wollen.

Und was wird erst geschehen, wenn die Angriffe noch massiver werden, auch wenn sie seltener erfolgen? Was sollen Menschen tun, die nicht in der Nähe einer Metrostation in Kyiv oder in anderen großen Städten der Ukraine leben, in denen es überhaupt keine U-Bahn gibt?

Warum werden die kommunalen Haushalte nicht gerade für den Bau von Schutzräumen verwendet? Warum leben wir ständig in der Illusion, der Krieg werde in wenigen Monaten vorbei sein und man müsse darüber nicht nachdenken?

Gut, man konnte dieser süßen Illusion vielleicht noch 2022 oder 2023 nachhängen. Doch inzwischen nähert sich bereits die Mitte des Jahres 2026. Und wir sehen die völlig offensichtliche Absicht Russlands, diesen Krieg fortzusetzen – zumindest in Form massiver Angriffe auf die großen Städte der Ukraine.

Im Vorgehen Russlands gibt es – wenn Russland die Ukraine in eine demografische Wüste verwandeln will – eine offensichtliche Logik. Im Handeln der Ukraine hingegen, wenn wir nicht zu einer solchen Wüste werden und uns gegen künftige Angriffe schützen wollen, erkenne ich keine Logik.

Das muss eine gemeinsame Aufgabe der Zentralregierung und der kommunalen Selbstverwaltung sein. Die Menschen müssen verstehen, wie geschützte Städte aussehen sollen – wenn nicht sofort, dann zumindest in naher Zukunft.

Natürlich kann man sich selbst einreden, dass Russland Ende 2026 nicht mehr durchhalten und einem Frieden zustimmen wird – um dann 2027 und 2028 erneut unter russischen Angriffen zu leiden und nach einem Platz zu suchen, den es auf einer Station der Metro von Kyiv gar nicht mehr geben wird.


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Titel des Originals: Нові удари по Києву: Росія продовжує повітряний терор | Віталій Портников. 02.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 02.07.2026.
Originalsprache:
uk

Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Lukaschenko fuhr nach China, um sich über Russland und die Ukraine zu beklagen | Vitaly Portnikov. 30.06.2026.

Alexander Lukaschenko reiste unmittelbar nach dem zuvor nicht angekündigten Treffen mit dem russischen Präsidenten, über dessen Ergebnisse bis heute im Grunde nichts bekannt ist, nach Peking zu Gesprächen mit dem Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping. Er hält sich bereits seit mehreren Tagen in China auf und betont, dass er sich unter den chinesischen Kommunisten wie zu Hause fühle. Tatsächlich erhielt sogar Lukaschenkos jüngster Sohn in Anwesenheit seines Vaters ein chinesisches Diplom.

Doch offensichtlich hat der Besuch in China für Lukaschenko derzeit grundsätzliche Bedeutung. Wir wissen übrigens nicht einmal, ob diese Reise im Voraus geplant war, denn vor Lukaschenkos Abreise in die Volksrepublik China wurde über seine Absicht, Xi Jinping – bereits zum 17. Mal übrigens – zu besuchen, nichts bekannt gegeben.

Wir verstehen jedoch, warum Lukaschenko heute mit dem chinesischen Staatschef sprechen wollte. Üblicherweise verbinden wir seine Reisen mit dem Versuch, zumindest ein gewisses Gleichgewicht in seinen Beziehungen zum russischen Präsidenten herzustellen, von dem Lukaschenko sowohl finanziell als auch hinsichtlich möglicher Unterstützung abhängig ist, falls die Belarussen erneut versuchen sollten, dieses anachronistische Regime loszuwerden.

Doch in einer Situation, in der Putin versucht, Lukaschenko in den Krieg gegen die Ukraine hineinzuziehen, könnte der belarussische Machthaber doppelten Schutz benötigen – sowohl vor Putin als auch vor Zelensky. Denn die Drohungen des ukrainischen Präsidenten gegenüber dem offiziellen Minsk, seine Unterstützung der russischen Armee einzustellen, stellen für den belarussischen Staatschef inzwischen eine ebenso große Gefahr dar wie Moskaus offensichtlicher Wunsch, das Territorium Belarus erneut für einen Angriff auf unser Land zu nutzen.

Lukaschenko könnte daher hoffen, dass Xi Jinpings Unterstützung für die Unabhängigkeit und Souveränität von Belarus, die während des Aufenthalts des belarussischen Diktators in der chinesischen Hauptstadt erneut bekräftigt wurde, sowohl ein Signal an Putin sein könnte, Belarus nicht in den Krieg gegen die Ukraine hineinzuziehen, als auch ein Signal an Zelensky hinsichtlich möglicher Schritte zur Verringerung der belarussischen Beteiligung an der russischen Aggression gegen unser Land. Offensichtlich ist Lukaschenko genau aus diesem Grund nach China gereist. Und selbstverständlich hörte er dort genau das, was er hören wollte.

Doch hier stellt sich eine andere Frage: Was kann die Volksrepublik China tatsächlich tun, wenn Putin und Zelensky Lukaschenko weiterhin wie einen Fußball über die ukrainisch-belarussische Grenze hin- und herspielen?

Tatsächlich sind Chinas Möglichkeiten, Belarus sowohl vor russischen Absichten als auch vor einer ukrainischen Reaktion zu schützen, eher begrenzt.

Ja, Xi Jinping kann Erklärungen abgeben. Doch offensichtlich wird er seine Unterstützung für Russland nicht tatsächlich verringern, falls Putin entscheidet, dass er belarussisches Territorium für den Krieg benötigt. Von Moskau ist Lukaschenko weit stärker abhängig als von Peking, denn er versteht sehr gut, dass er im Falle eines Scheiterns seiner Sicherheitskräfte gegenüber dem belarussischen Volk Hilfe von Putin erwarten müsste – und keineswegs von Xi Jinping.

Und selbst diese Hilfe ist ihm keineswegs garantiert, nachdem Putin bereits mehrfach entweder seinen Unwillen oder seine Unfähigkeit gezeigt hat, seine treuen Verbündeten zu schützen, die sich schließlich vor dem Zorn ihres eigenen Volkes nach Russland flüchten mussten – von Viktor Janukowytsch bis Bashar al-Assad.

Und wenn die Ukraine tatsächlich beschließen sollte, beispielsweise russische Relaisstationen auf belarussischem Gebiet anzugreifen oder den Betrieb der Raffinerien von Nawapolazk oder Masyr infrage zu stellen – was könnte China für die Ukraine tun, wenn in der Ukraine jeder genau versteht, dass die Volksrepublik China ein unmittelbarer Verbündeter der Russischen Föderation bei der Zerstörung der ukrainischen Souveränität ist?

Keine der chinesischen Erklärungen über die Notwendigkeit von Verhandlungen hebt diese einfache Wahrheit auf. Denn selbst in diesen Erklärungen hören wir von chinesischen Diplomaten immer wieder das russische Narrativ von der Notwendigkeit, die „Ursachen des Konflikts“ zu beseitigen. Tatsächlich unterstützt Peking damit die russischen Handlungen gegen die Ukraine, indem es behauptet, es gebe bestimmte Ursachen. Welche Ursachen dies aus russischer Sicht sind, wissen wir ebenfalls sehr genau.

Deshalb kann man eindeutig sagen, dass Lukaschenkos Reise in die Volksrepublik China eher der Selbstberuhigung dient. Es ist die Hoffnung, dass Xi Jinping den russischen Präsidenten davon abhalten kann, belarussische Ressourcen für den Krieg gegen die Ukraine zu nutzen. Es ist die Hoffnung, dass Xi Jinping – wenn er Zelensky schon keine direkten Signale hinsichtlich möglicher Angriffe auf belarussisches Territorium senden wird – den ukrainischen Präsidenten zumindest durch seine Erklärungen zur Unterstützung der belarussischen Souveränität davon abhalten könnte, den Befehl zur Zerstörung eben jener Relaisstationen oder jener belarussischen Unternehmen zu erteilen, die von der russischen Armee für ihre Aggression gegen unseren Staat genutzt werden.

Doch wie bekannt, ist Selbstberuhigung ebenfalls eine große Sache. Sie kann Lukaschenko neue Trümpfe verschaffen – wenn schon nicht im Dialog mit dem ukrainischen Präsidenten, dann zumindest im Gespräch mit dem russischen.

Putin versteht sehr gut, dass Belarus für China heute eine der wenigen Routen für den Transport chinesischer Waren in den Westen darstellt. Jede Destabilisierung des belarussischen Territoriums würde China dieser für Xi Jinping wirtschaftlich wichtigen Möglichkeiten berauben.

Und vor dem Hintergrund der weiterhin unklaren Lage rund um die Straße von Hormus könnte China inzwischen der Sicherheit seiner Exporte und damit auch der Sicherheit in Belarus wesentlich größere Aufmerksamkeit widmen als zu einem Zeitpunkt, als der amerikanisch-iranische Krieg noch nicht begonnen hatte.

In einer solchen Situation wird Lukaschenko zumindest bessere Möglichkeiten haben, Putin davon zu überzeugen, dass das Territorium von Belarus nicht für den Krieg genutzt werden sollte. Nicht nur deshalb, weil dieses Gebiet für Putin selbst als eine Art Fenster für die Fortsetzung eines möglichen Dialogs mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, wichtig ist, sondern auch deshalb, weil die Verwandlung dieses Territoriums in einen Kriegsschauplatz bei der Führung der Volksrepublik China ganz sicher keinen positiven Eindruck hinterlassen würde.

So könnte Lukaschenko aus den Klagen, die er nach Peking mitgebracht hat, durchaus gewisse politische Dividenden ziehen – selbst wenn er von Xi Jinping keine konkreten Sicherheitsgarantien erhalten hat.

Und dass es solche konkreten Garantien nicht gegeben hat – weil dies nicht den Traditionen der chinesischen Politik entspricht –, das kann ich Ihnen mit absoluter Sicherheit sagen, selbst ohne Zeuge dieses Gesprächs zwischen dem belarussischen und dem chinesischen Staatschef gewesen zu sein.


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Titel des Originals: Лукашенко поїхав жалітися на Росію і
Україну | Віталій Портников. 30.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 30.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Zwischen Erinnerung und Erpressung: Kritik an Polens Ukraine-Politik. Vitaliy Vantsa. 01.07.2026.

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Polen – so schmerzhaft es ist, das zu sagen, aber das sieht längst nicht mehr nach Freundschaft aus. Man muss ehrlich anerkennen: Polen ist für die Ukraine inzwischen ein klar unfreundliches Land geworden!

  • Polen hat ein Recht auf Erinnerung.
  • Polen hat das Recht, über Wolhynien zu sprechen.
  • Polen hat das Recht, nach seinen Toten zu suchen, Exhumierungen durchzuführen, die Verstorbenen christlich zu bestatten und Würde für seine Toten einzufordern.
  • Aber Polen hat nicht das Recht, seinen Schmerz in eine tägliche politische Peitsche gegen die Ukraine zu verwandeln.
  • Polen hat nicht das Recht, die Ukraine mit ihrem EU-Beitritt zu erpressen.
  • Polen hat nicht das Recht, der Ukraine vorzuschreiben, an wen sie erinnern darf, wen sie ehren soll, welche Namen sie ihren Militäreinheiten geben und welchen Heldenkanon sie aufbauen soll.
  • Polen hat nicht das Recht, die ukrainische historische Erinnerung zu kriminalisieren, mit Abschiebungen zu drohen, mit dem Europäischen Parlament zu winken und so zu tun, als seien das „europäische Werte“.

Denn das sind keine europäischen Werte!!!

Das ist politische Erpressung mit einer weiß-roten Schleife.

Und nun Punkt für Punkt.

  • Ja, die Polen gehörten 2022 zu den Ersten, die der Ukraine geholfen haben.

Das stimmt. Dafür gibt es Dankbarkeit. Menschliche, ehrliche, echte Dankbarkeit. Polen öffneten ihre Häuser, ihre Grenzen, ihre Lagerhallen, ihre Bahnhöfe, ihre Krankenhäuser und ihre Herzen. Polen stellte Waffen, Logistik, Zuflucht und einen sicheren Hinterraum zur Verfügung. Das darf man nicht aus der Geschichte streichen.

Aber Dankbarkeit ist keine Leine und kein Halsband!

Hilfe bedeutet kein Eigentumsrecht!

Solidarität ist keine Lizenz zur Demütigung!

Es kann nicht heißen: „Wir haben euch geholfen, also müsst ihr eure historische Erinnerung künftig in Warschau genehmigen lassen.“

Das ist keine Freundschaft mehr!

Das ist blanker Paternalismus!

  • Ja, ukrainische Soldaten kämpfen in erster Linie für die Ukraine!

Aber bitte ohne geopolitischen Kindergarten!

Wenn die Ukraine fällt, rückt die russische Bedrohung erheblich näher an Polen heran!

Wenn die ukrainische Armee die Front hält, verfügt Polen über strategische Tiefe, ohne einen eigenen großen Krieg auf seinem Territorium führen zu müssen!

Das ist keine emotionale Erpressung!

Das ist elementare Geopolitik und einfache Geschichtskunde!

Man kann sich noch so sehr über den Satz ärgern, dass die Ukrainer auch für die Sicherheit Europas kämpfen. Aber dann muss man ehrlich sagen: Wenn die Ukraine Russland nicht aufhält – wer hält Russland dann im Osten Europas auf? Ein Meme über Wolhynien? Eine Resolution des Europäischen Parlaments? Ein polnischer Abgeordneter mit einem lauten Mikrofon?

  • Keiner von uns macht sich über die polnischen Opfer lustig! Und das hat auch nie jemand getan!

Das ist ein sehr seltsamer und sehr beleidigender Vorwurf.

Ich sehe und sah keinen massenhaften ukrainischen Spott über den Schmerz der Polen!

Aber ich sehe sehr wohl etwas anderes!

Ich sehe, wie polnische Politiker die Ukrainer jeden Tag zu historischen Angeklagten machen!

Ich sehe, wie ukrainischen Soldaten, die heute gegen Russland kämpfen, erklärt wird, ihre Symbole müssten mit der polnischen Wählerschaft abgestimmt werden.

Ich sehe, wie man uns sagt: „Mit Bandera werdet ihr der EU nicht beitreten.“

Ich sehe Vorschläge, die UPA auf Ebene des Europäischen Parlaments als nationalsozialistische Organisation einzustufen.

Ich sehe, wie polnische Politiker darüber nachdenken, die Kontakte zu Volodymyr Zelensky einzuschränken.

Ich sehe, wie historische Erinnerung nicht zur Versöhnung, sondern zur Eskalation benutzt wird.

Wer macht sich hier also über wen lustig??

Denn es sieht so aus, als würde heute nicht die Ukraine Polen verhöhnen, sondern ganz offen Tag für Tag genau umgekehrt!!!

Es ist ein Teil der polnischen Politik, der die Ukraine täglich demütigt – mit Vorwürfen, Belehrungen, Drohungen, Erpressung, Paternalismus und dem ewigen Tonfall: „Wir werden euch jetzt erklären, wie man zivilisiert zu sein hat.“

  • Auch das Gerede von einem „demokratischen Europa“ ist interessant.

Man sagt uns: „Europa ist demokratisch, man darf nicht nur an sich selbst denken.“

Wunderbar!!!

Dann denkt auch nicht nur an euch selbst!

Denkt nicht nur an den polnischen Schmerz!

Denkt nicht nur an polnische Gräber!

Denkt nicht nur an die polnische Version von Wolhynien!

Denkt nicht nur an die polnische Wählerschaft am 11. Juli!

Es gibt auch ukrainischen Schmerz!

Es gibt Sahryn!

Es gibt Pawłokoma!

Es gibt Bereza Kartuska!

Es gibt die Aktion „Weichsel“!

Es gibt die Deportationen der Ukrainer!

Es gibt die Pazifizierung!

Es gibt die Besetzung ukrainischer Gebiete!

Es gibt die Polonisierung!

Es gibt ukrainische Gräber in Polen!

Es gibt ukrainische Dörfer, die von polnischen Formationen niedergebrannt wurden!

Es gibt Ukrainer, die in der Zweiten Polnischen Republik auf ihrem eigenen Land oft wie Menschen zweiter Klasse behandelt wurden!

Es gibt eine ukrainische Erinnerung, die Polen sehr bequem bittet, nicht auf den Tisch zu legen, weil ihm sonst das moralische Dessert nicht mehr schmeckt!!

  • Zu Piłsudski.

Man sagt uns: „Man darf Bandera nicht mit Piłsudski vergleichen.“

Wer hat gesagt, dass dies ein direkter Eins-zu-eins-Vergleich sei?

Es geht nicht darum, dass Bandera Piłsudski gleichzusetzen wäre.

Es geht darum, dass Polen von der Ukraine eine sterile historische Erinnerung verlangt, während es selbst einen Heldenkanon mit alles andere als sterilen Persönlichkeiten besitzt.

Piłsudski war der Vater der polnischen Unabhängigkeit. Ja.

Aber er war auch der Führer, nach dessen Staatsstreich Polen den Weg in den Autoritarismus einschlug.

Er war auch ein Politiker, unter dessen Herrschaft die Opposition verfolgt wurde.

Er war auch ein Politiker der Ära von Bereza Kartuska.

Er war auch ein Politiker, unter dessen Regierung die polnischen Behörden die Pazifizierung der Ukrainer in Galizien durchführten.

Er war auch ein Politiker, dessen Staat nach dem Vertrag von Riga Teile ukrainischer Gebiete besetzt hielt und eine Politik der Polonisierung betrieb.

Polen hat das Recht, in ihm einen Staatsmann zu sehen.

Dann soll es aber nicht so tun, als hätten die Ukrainer nicht das Recht, in ihren historischen Persönlichkeiten Kämpfer für die ukrainische Staatlichkeit zu sehen.

Jeder möchte den historischen Kontext für seine eigenen Helden.

Und jeder vergisst diesen Kontext erstaunlich schnell, sobald es um die Helden der anderen geht.

Genau das ist der doppelte Maßstab.

  • Zu dem Satz: „Das wäre so, als würde Deutschland die Wehrmacht zu Helden erklären.“

Nein, das ist nicht dasselbe.

Die UPA war keine Staatsarmee des Dritten Reiches.

Die UPA griff Polen nicht am 1. September 1939 an.

Die UPA errichtete keinen nationalsozialistischen Staat.

Die UPA war nicht die Wehrmacht.

Die UPA war eine ukrainische Widerstandsbewegung ohne eigenen Staat – in einem schrecklichen Raum zwischen den Nationalsozialisten, den Sowjets, dem polnischen Untergrund, ethnischen Konflikten, Terror, Vergeltung und dem Kampf für einen zukünftigen ukrainischen Staat.

Gab es dort Verbrechen an Zivilisten? Ja.

Haben die polnischen Opfer ein Recht auf Erinnerung? Ja.

Bedeutet das, dass Polen das Recht hat, die gesamte ukrainische Befreiungsbewegung auf das Wort „Nazis“ zu reduzieren? Nein.

Denn das ist keine Geschichte mehr.

Das ist ein politisches Plakat.

  • Zur Zahl von 100.000.

Die polnische Seite spricht häufig von 100.000 polnischen Opfern.

Das ist eine schreckliche Zahl.

Aber selbst wenn man diese polnische Schätzung zugrunde legt, hebt sie die ukrainischen Opfer nicht auf.

Sie hebt Sahryn nicht auf.

Sie hebt Pawłokoma nicht auf.

Sie hebt die Aktion „Weichsel“ nicht auf.

Sie hebt die 150.000 deportierten Ukrainer des Jahres 1947 nicht auf.

Sie hebt die Hunderttausenden Ukrainer nicht auf, die zwischen 1944 und 1951 aus ihren ethnischen Siedlungsgebieten vertrieben wurden.

Sie hebt die polnischen Repressionen der Zwischenkriegszeit nicht auf.

Sie hebt auch die Frage nicht auf: Was tat Polen nach 1921 auf ukrainischen Gebieten?

Und vor allem hebt sie eines nicht auf: Man kann die Zukunft nicht auf der Arithmetik von Leichen aufbauen!!!

Denn dann werden wir sehr schnell an den Punkt gelangen, an dem jede Seite ihre Knochen hervorholt und zu beweisen versucht, dass ihr Tod „wichtiger“ gewesen sei!

Das ist keine Versöhnung!

Das ist ein Friedhof mit Mikrofon!

  • Zu der Behauptung, Polen wolle „wie jedes andere Land behandelt werden“.

Ausgezeichnet!

Dann behandeln wir Polen wie jedes andere Land!

Nicht wie einen großen Bruder.

Nicht wie einen historischen Zensor.

Nicht wie einen moralischen Staatsanwalt.

Nicht wie einen Staat, der das Recht hat, über unsere Erinnerung abzustimmen.

Sondern wie einen gewöhnlichen Nachbarstaat mit eigenen Interessen, eigenem Schmerz, eigenen Vorwürfen und eigenen doppelten Maßstäben.

Dann hat auch die Ukraine jedes Recht, ihre eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen.

  • Ein praktisches Fazit für die Ukrainer.

Und tatsächlich: Wenn ihr die Wahl habt, würde ich heute Polen nicht als erstes Ziel für Auswanderung, Arbeit, Studium, Geschäfte oder ein langfristiges Leben empfehlen.

Nicht weil alle Polen Feinde wären!

Nicht weil man das polnische Volk hassen müsste!

Nein.

Sondern weil das politische Klima in Polen gegenüber der Ukraine immer toxischer, nervöser, unberechenbarer und immer häufiger offen unfreundlich sowie nationalistisch radikalisiert wird.

Wenn in einem Land beginnt, über Abschiebungen wegen Symbolen diskutiert zu werden.

Wenn der Verteidigungsminister sagt: „Mit Bandera werdet ihr der EU nicht beitreten.“

Wenn Politiker die ukrainische historische Erinnerung ins Strafrecht aufnehmen wollen.

Wenn der Präsident der Ukraine demonstrativ gedemütigt wird.

Wenn den Ukrainern ständig die Rechnung für die geleistete Hilfe präsentiert wird.

Wenn deine Dankbarkeit grenzenlos sein soll, deine Würde aber nur vorübergehend gilt.

Dann ist das kein besonders gesundes Umfeld mehr!!!

Das ist ein Risiko!

Und Selbstachtung ist ebenfalls Risikomanagement!

  • Ist Polen heute ein freundschaftlicher Staat für die Ukraine?

Es ist schmerzhaft, aber ehrlich: immer weniger und immer deutlicher – Nein!!

Nicht die polnischen Freiwilligen.

Nicht die einfachen Polen, die geholfen haben.

Nicht diejenigen, die die gemeinsame Bedrohung wirklich verstehen.

Sondern das politische Polen, das diese Welle derzeit antreibt, verhält sich immer weniger freundschaftlich!

Das muss man ruhig anerkennen.

Ohne unnötige Hysterie.

Ohne besonderen Hass.

Ohne das pauschale „Alle Polen sind so“.

Sondern nüchtern, klar und mit den entsprechenden Schlussfolgerungen!

Ein Staat, der mitten im Krieg beginnt, die Ukraine wegen ihrer historischen Erinnerung mit dem EU-Beitritt zu erpressen, handelt nicht wie ein strategischer Verbündeter.

Ein Staat, der während der russischen Aggression der Ukraine wegen ihres Heldenkanons mit politischer Isolation droht, handelt nicht wie ein Freund.

Ein Staat, der täglich die Vergangenheit als Waffe gegen seinen Nachbarn hervorholt, der Russland aufhält, spielt ein sehr gefährliches Spiel!

Und dieses Spiel gefällt dem Kreml außerordentlich.

  • Und das Wichtigste.

Wir bitten Polen nicht, Wolhynien zu vergessen.

Wir bitten Polen nicht, über seine Toten zu schweigen.

Wir bitten Polen nicht, auf seine Erinnerung zu verzichten.

Wir bitten nur um eines: Diese Erinnerung nicht in ein Erpressungsinstrument gegen die Ukraine zu verwandeln, die noch immer lebt!!!

Denn während polnische Politiker gegen tote Ukrainer der 1940er Jahre kämpfen, kämpfen lebende Ukrainer heute gegen Russland.

Und das ist wohl der größte Unterschied zwischen uns.

Die Ukraine blickt auf die Front.

Polnische Populisten blicken in Gräber und suchen dort nach Umfragewerten.

Sehr traurig. Sehr schmerzhaft.

Aber offenbar ist es an der Zeit, ehrlich zu sprechen!!!


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Autor: Vitaliy Vantsa
Veröffentlichung: 01.07.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Der russische Horror. Marina Nikolaeva. 30.06.2026.

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Den gruseligsten Film in Russland nennt man „Fracht 200“ („Gruz 200“) von Balabanow. Darin hält ein russischer Uniformierter, ein Psychopath, mehrere Tage lang eine Geisel neben der Leiche ihres Verlobten fest. In Russland mag man diesen Film nicht, man behauptet, es sei Verleumdung – die „russische Welt“ sei nicht so.

Vor einigen Tagen, Gebiet Charkiw, eine Landstraße in der Gemeinde Solotschiw: Ein russischer FPV-Drohnenpilot, ein Psychopath, trifft vorsätzlich ein ziviles Auto, in dem ein älteres Ehepaar auf dem Heimweg ist. Die Frau wird getötet, der Mann liegt mit zertrümmerten Beinen neben der Leiche seiner geliebten Frau und verbringt mehrere Tage im Auto. Im Sommer, ohne Verbindung zur Außenwelt, mit nur geringen Chancen, gefunden zu werden, und einer großen Wahrscheinlichkeit, erneut getroffen zu werden, denn der Psychopath konnte ihn über die FPV-Drohne sehen. Zufällig wurde das beschädigte Auto entdeckt. Die Frau wurde beerdigt, der Mann gerettet …

Es ist mir völlig scheißegal, was Balabanow geschaffen hat, genauso wie die Videos von Moskauer Einwohnern und Zugezogenen auf der Krim, die wegen Benzinmangels und ständiger Luftalarme heulen, die ihnen de facto keinerlei Gefahr bringen. Mehr noch – ich habe sie satt. Denn seit mehreren Tagen besteht der Nachrichtenstrom aus Charkiw nur noch aus Einschlägen und getöteten Zivilisten. Bis zum Ende des Arbeitstages weiß ich schon gar nicht mehr, wie viele Treffer es heute gegeben hat.

Und das passiert nicht irgendwo. Es passiert vor unserem Fenster, auf den Straßen, auf denen wir jeden Tag zu Fuß gehen, auf den Straßen, auf denen wir ständig unterwegs sind.

Im Gebiet Charkiw und in Charkiw selbst gibt es alle paar Stunden Einschläge, alle zehn bis fünfzehn Minuten fliegt irgendetwas heran, und Luftalarm ertönt fast ohne Unterbrechung. Während irgendwo im Moskauer Gebiet irgendein fetter Kerl wegen Benzinmangels nicht einmal mehr zur Bierkneipe fahren kann, um dort „eine Angelegenheit zu regeln“, und irgendeine Tussi den Schönheitssalon nicht erreicht und mit Rotz und Tränen in ihrem Telegram-Kanal Likes sammelt, tötet in Charkiw eine gelenkte Fliegerbombe (KAB) im Stadtzentrum eine junge Ärztin, die sechs Jahre ihres Lebens für ihre Ausbildung aufgewendet hatte und gerade auf dem Weg zur feierlichen Diplomverleihung war. Der Festumhang fällt aus ihrer Tasche und bleibt neben ihrem leblosen Körper liegen.

Zur gleichen Zeit schlagen Splitter in die Scheiben einer Straßenbahn in Charkiw ein, und in Saporischschja verbrennen Menschen bei lebendigem Leib in einem Linienbus nach einem direkten Treffer.

Zur gleichen Zeit schlagen Raketen in Dnipro in ein Unternehmen ein und im Gebiet Charkiw am Ufer eines ruhigen Flusses, an dem Menschen ihre Freizeit verbrachten. Jetzt erscheinen sie in den Meldungen als Tote und Verletzte.

Zur gleichen Zeit brennen auf der Straße Charkiw–Sumy Lastwagen mit Lebensmitteln, Getreidefelder stehen in Flammen, Tankstellen brennen – manchmal zusammen mit den Menschen, die sich dort befinden –, sogar in Gemeinden, die bis vor Kurzem als sicherer Hinterraum galten: Walky und Berestyn. Das Gebiet Sumy brennt.

Zur gleichen Zeit stirbt ein 25-jähriger Polizist, der Menschen aus einer Gemeinde evakuierte, in der man bis vor Kurzem noch ganz normal leben konnte. Und Tausende Menschen sind gezwungen, ihre Häuser zu verlassen und ins Ungewisse zu gehen, obwohl sich die Frontlinie nicht verändert hat.

All das geschieht nicht innerhalb eines Monats, sondern in genau der Zeit, in der irgendeine Moskauer Schlampe mit Rotz und Tränen Likes sammelt. Und niemand schreibt mehr Lieder über die Festung Kostjantyniwka, Kramatorsk oder Slowjansk, Solotschiw, Bohoduchiw, Sumy … die Liste ließe sich fortsetzen.

Im Jahr 2022 besetzte der Feind rund ein Drittel des Gebiets Charkiw – etwas mehr als 11.000 Quadratkilometer. Heute übersteigt die Gesamtfläche der besetzten Gebiete, der Zonen mit verpflichtender Evakuierung und der Kampfgebiete – also jener Gebiete, in denen man jederzeit durch eine Rakete oder eine Drohne getötet werden kann – bereits 12.000 Quadratkilometer.

In den anderen Grenzregionen ist die Lage nicht besser. Der Donbas ist längst ein totes Land mitten in Europa.

Doch etwas weiter entfernt scheint man bereits den Sieg zu feiern, über Putins Tod zu diskutieren und über Gewinne aus dem Verkauf ukrainischer Waffen sowie ukrainischer Kriegserfahrungen zu sprechen. In Europa sollte man nicht darüber sprechen – weder über Waffen noch über Benzin –, sondern über den Tod von Menschen und darüber, dass der Feind den Luftraum über den Gemeinden beherrscht, über Schutzmaßnahmen. Andernfalls wird der Tod weiterziehen – bis zur Bankowa-Straße und bis in die europäischen Hauptstädte.

Kommentare:

  • Wir haben nichts, womit wir uns verteidigen können … Gegen KAB-Bomben gibt es überhaupt keinen Schutz, Abfangraketen gegen ballistische Raketen haben wir nur sehr wenige, und unsere sogenannten „Partner“ füttern uns seit Jahren überwiegend mit Versprechungen. Manche wollen sogar an unserem Blut verdienen und erpressen uns, während wir unsere Kinder unter den Trümmern suchen und versuchen, verkohlte Leichen anhand von DNA zu identifizieren.
  • Weißt du, ich lese deinen Text und empfinde völlige Ausweglosigkeit … Gleichzeitig heißt es hier, die Ukraine werde bald siegen. Aber was soll man mit all diesem Schmerz anfangen? Diese Wunden werden noch sehr lange nicht verheilen. Und niemand weiß, wie lange das noch andauern wird – selbst nach dem Krieg.
  • Es gibt nichts hinzuzufügen und nichts wegzunehmen. Die Dunkelheit legt sich immer dichter über die Ukraine. Trotz aller technischen und politischen Erfolge spürt man die Verschlechterung mit der eigenen Haut und den Haaren auf dem Kopf, wenn die Explosionen in unmittelbarer Nähe einschlagen.
  • Genau so ist es! Umso mehr sind die Gespräche über Putins Ende und ein „neues Russland“ propagandistische Lügen. Ja, Russland hat Treibstoffprobleme, die unsere Armee verursacht hat. Aber diese Unmenschen werden jetzt, da man ihnen ein wenig auf den Schwanz getreten ist, nur noch gefährlicher …

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Autor: Marina Nikolaeva
Veröffentlichung: 30.06.2026.
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Putins erste Beerdigung | Vitaly Portnikov. 30.06.2026.

Der Präsident Russlands, Wladimir Putin, erschien zur Trauerfeier für einen seiner früher engsten Vertrauten, Sergej Iwanow.

Formell hatte Sergej Iwanow zwar schon seit längerer Zeit keine wirklich bedeutenden Ämter mehr in der russischen Führung inne, obwohl er erst im Februar 2026 aus dem Kreis der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates der Russischen Föderation ausschied. Dennoch ist er der erste engste Vertraute Putins, der in der russischen Hauptstadt beerdigt wird. Man könnte sagen, dass damit die nächste Fünfjahresperiode prunkvoller Begräbnisse in der Kremlführung beginnt.

Bereits in den ersten Jahren nach Wladimir Putins Machtantritt war ein satirisches Plakat sehr populär, auf dem Putin und seine engsten Vertrauten als gebückte Greise dargestellt wurden – eine Parodie auf die Zusammensetzung eines der letzten Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Damals sprach man von einer Gerontokratie, davon, dass die Mitglieder des Politbüros das Land im Alter von weit über achtzig Jahren regierten und dabei buchstäblich in verantwortungsvollen Ämtern den Verstand verloren.

Der damals noch relativ junge Putin und seine Mitstreiter sahen natürlich keineswegs wie Greise aus. Doch ihr offensichtlicher Wille, die Macht um jeden Preis und auf unbegrenzte Zeit festzuhalten, veranlasste die Autoren dieses satirischen Plakats dazu, Putin, Medwedew und denselben Iwanow als alte Männer darzustellen, die weiterhin Russland regieren.

Heute sind wir an einem Punkt angekommen, an dem das satirische Plakat aus den ersten Jahren der Putin-Herrschaft und die Realität dieser Herrschaft nahezu deckungsgleich geworden sind. Der russische Präsident nimmt Abschied von einem Mann, der noch vor Kurzem Leiter seiner Präsidialverwaltung, Verteidigungsminister Russlands, Erster Stellvertretender Ministerpräsident war und sogar als einer der Anwärter auf die Rolle des sogenannten Nachfolgers Putins galt – jenes Mannes also, dem der russische Präsident nach Ablauf seiner zweiten Amtszeit als Staatsoberhaupt die Macht vorübergehend übertragen sollte.

Hätte sich die russische Führung damals nicht für Dmitri Medwedew, sondern für Sergej Iwanow entschieden, würden wir heute bereits davon sprechen, dass der zweite Präsident der Russischen Föderation seit der Entstehung dieses Staates auf der politischen Weltkarte verstorben ist und man in Moskau Abschied von ihm nimmt. Und selbstverständlich wäre die Abschiedszeremonie für einen ehemaligen Präsidenten weitaus prunkvoller gewesen als die Trauerfeier für einen ehemaligen Verteidigungsminister.

Es besteht übrigens auch die Möglichkeit, dass Sergej Iwanow die Macht Wladimir Putin kaum zurückgegeben hätte, wie Dmitri Medwedew es tat, und stattdessen im Amt gestorben wäre. Dann würden wir heute selbstverständlich über eine völlig andere Epoche sprechen, und Putin würde man als politischen Pensionär um Kommentare bitten – sofern ihn sein ehemaliger Mitstreiter nicht hinter Gitter gebracht hätte. 

Möglicherweise entschied sich Putin gerade deshalb für Medwedew als Übergangspräsidenten der Russischen Föderation, weil er den Unterschied zwischen dem Tschekisten Iwanow und dem tschekistischen Diener Medwedew kannte. Vielleicht spielte auch eine Rolle, dass die russischen Geheimdienstkreise damals noch gezwungen waren, einen Kompromiss mit der allmächtigen „Familie“ des ersten Präsidenten der Russischen Föderation, Boris Jelzin, zu suchen.

Dmitri Medwedew, der damals recht geschickt zwischen den verschiedenen konkurrierenden Clans lavierte, erschien nicht als jemand, der weder der „Familie“ noch Putins Opritschniki ernsthaft entgegentreten könnte. Deshalb ging man davon aus, dass man, sollte er Präsident Russlands werden, den weiteren Verlauf der Ereignisse später nach Belieben gestalten könne.

Wie wir wissen, waren die Ergebnisse für alle Konkurrenten Putins und des tschekistischen Clans überwältigend. Nachdem Putin nach seiner kurzen Zeit als Ministerpräsident der Russischen Föderation in den Kreml zurückgekehrt war, begann er den politischen Raum systematisch von allen zu säubern, die ihm oder den Vertretern der sogenannten Genossenschaft Osero Konkurrenz machen konnten.

Gut möglich, dass Sergej Iwanow, obwohl er als einer der engsten Vertrauten des russischen Präsidenten galt, ebenfalls Opfer dieser Säuberung wurde. Denn mit der Zeit erkannte Putin offenbar, dass er Menschen brauchte, die nicht einmal hinter verschlossenen Türen wagten, irgendeiner seiner Entscheidungen zu widersprechen – selbst so folgenschweren Entscheidungen wie dem Beginn des großen Krieges gegen die Ukraine.

In politischen Kreisen kursierte stets die Version, Iwanow sei überzeugt gewesen, dass sich das ukrainische Problem mit vorsichtigeren Mitteln lösen lasse. Zwar war auch er – wie Putin – Anhänger der Wiederherstellung der russischen Staatlichkeit innerhalb der Grenzen der Sowjetunion von 1991, glaubte jedoch, dass dieses Ziel auch mit nichtmilitärischen Methoden erreicht werden könne.

Wie dem auch sei – in den letzten Jahren seines Lebens war Iwanow im politischen Raum Russlands praktisch nicht mehr präsent. Selbst bei der berühmten Sitzung des russischen Sicherheitsrates, auf der Putin die Anerkennung der sogenannten Unabhängigkeit der Volksrepubliken im Donbas beschloss und sich auf seinen Blitzkrieg vorbereitete, während die Mitglieder des Sicherheitsrates ihre Loyalität gegenüber dem Kreml-Selbstherrscher bekunden mussten, trat Sergej Iwanow nicht auf. Auch das war ein Zeichen dafür, dass er entweder eine andere Position vertrat oder sich nicht an Entscheidungen beteiligen wollte, die für den Fortbestand seiner politischen Karriere von grundlegender Bedeutung waren.

Wie dem auch sei – damals hing bereits alles ausschließlich von Putins Entscheidungen ab, der sämtliche Hebel der Macht in Russland endgültig in seinen Händen konzentriert und sein Regime in ein eindeutig personalistisches verwandelt hatte, das nicht einmal mehr Rücksicht auf die Stimmung ehemaliger Mitarbeiter des Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion nahm, zu denen auch Sergej Iwanow gehörte.

Nun beginnt eine neue Phase in der Entwicklung dieses personalistischen Regimes: die Beerdigungen der engsten Weggefährten. Der Diktator wird sich zunehmend isoliert fühlen, den Menschen in Staatsämtern immer weniger vertrauen, weil sie einer anderen Generation angehören, und immer gefährlichere Entscheidungen treffen, die den weiteren Verlauf der Ereignisse bestimmen werden.

Genau das werden wir in den kommenden Jahren der russischen Entwicklung erleben. Schließlich traf Leonid Breschnew die Entscheidung über den Krieg in Afghanistan bereits, so könnte man sagen, kaum noch bei Bewusstsein, während Putin die Entscheidung über den ukrainischen Blitzkrieg in deutlich besserer körperlicher Verfassung traf.

Stellen Sie sich nur vor, welche Entscheidungen der russische Präsident treffen wird, wenn er endgültig in geistigen Verfall gerät und niemand mehr in seiner Nähe sein wird, der zumindest in der Lage wäre, ihn auf seinen tatsächlichen körperlichen und geistigen Zustand hinzuweisen.


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Titel des Originals: Первые похороны Путина | Виталий Портников. 30.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 30.06.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Der Geist von Anchorage. Vitaly Portnikov. 29.06.2026.

Дух Анкориджа. Віталій Портников. 29.06.2026.

In dieser Woche begann sich der in Moskau erfundene Geist von Anchorage endgültig zu verflüchtigen. Zunächst erklärte der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, dass in Anchorage keinerlei tatsächliche Vereinbarungen erzielt worden seien – es seien lediglich Vorschläge erörtert worden. Später erschienen in amerikanischen Medien Berichte, wonach der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, während des G7-Gipfels in Évian deutlich gemacht habe, dass er nicht mehr zum sogenannten Verständnis von Anchorage zurückkehren wolle, und seinen russischen Amtskollegen scharf kritisiert habe. Und nun erklärt bereits der russische Außenminister Sergej Lawrow, er wolle nicht glauben, dass das Treffen in Anchorage dazu genutzt worden sei, die Ukraine wieder aufzurüsten.

Tatsächlich wollte Trump das Treffen mit dem russischen Präsidenten nicht dazu nutzen, die Ukraine zu bewaffnen. Er wollte es nutzen, um den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. Genau aus diesem Grund war der Sondergesandte des amerikanischen Präsidenten, Steve Witkoff, unmittelbar vor dem Treffen der Präsidenten in Alaska in die russische Hauptstadt gereist. Er überbrachte Putin ein Paket amerikanischer Vorschläge. Offensichtlich konnte zu diesen Vorschlägen auch die Zustimmung zum Abzug der ukrainischen Truppen aus jenem Teil des Gebiets Donezk gehören, der bis heute von der legitimen Regierung der Ukraine kontrolliert wird. Das entsprach Putins Wünschen. Andere Punkte konnten jedoch Putins Vorstellungen widersprechen – die Wahrung der Souveränität und Unabhängigkeit der Ukraine, der Erhalt ihrer Streitkräfte sowie ihre europäische Integration. Damit wollte sich Putin, der weiterhin auf die Zerschlagung der ukrainischen Staatlichkeit hofft, nicht einverstanden erklären.

Während des Gipfels in der Hauptstadt Alaskas kam Putin auf die Vorschläge Witkoffs zurück und forderte den amerikanischen Sondergesandten auf zu bestätigen, dass es sich tatsächlich um dessen Vorschläge gehandelt habe. Witkoff bestätigte jeden einzelnen Punkt, den Putin in Anwesenheit Trumps und der übrigen Teilnehmer der Gespräche vorlas. Der entscheidende Punkt war jedoch, dass Putin nicht bereit war, allen Punkten zuzustimmen, während Trump nicht beabsichtigte, von ihnen abzurücken. Deshalb endete das Treffen ohne jegliche konkreten Ergebnisse, was Trump während der gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem russischen Amtskollegen selbst bestätigte.

Bereits im Flugzeug auf dem Weg nach Washington wurde Trump offenbar klar, dass die Weltmedien von einem Fiasko des Gipfels sprechen würden, und er versuchte, dies zu verhindern. Er sprach von einem sehr erfolgreichen Treffen, nannte jedoch keinerlei konkrete Ergebnisse oder Vereinbarungen. Der Kreml beschloss, diesen Wunsch des amerikanischen Präsidenten auszunutzen, Wunschdenken als Realität erscheinen zu lassen – und genau in diesem Moment entstand die Erfindung vom Geist von Anchorage. Aus Sicht des Kremls bedeutet dieser Geist, der die tatsächlichen Vereinbarungen ersetzt, die Bereitschaft, jene amerikanischen Bedingungen anzunehmen, die Putins expansiver Linie entsprechen, nicht jedoch jene, die dem ukrainischen Staat das Überleben ermöglichen würden. 

Gleichzeitig hat Putin nichts gegen Verhandlungen einzuwenden, sofern sie während der Kampfhandlungen stattfinden, denn er hofft, dass der Verhandlungsprozess den Amerikanern die Möglichkeit geben wird, Druck auf Kyiv auszuüben, damit die ukrainischen Truppen das Gebiet Donezk verlassen. Trump hingegen erwartet von Putin etwas anderes – die Einstellung der Kampfhandlungen oder zumindest eine rasche Einigung über die wichtigsten Punkte eines Friedensabkommens, die ein Ende des Krieges ermöglichen würde. Die amerikanische Regierung widerspricht der Vorstellung eines solchen Geistes jedoch nicht, denn andernfalls müsste sie Trumps Scheitern in Alaska eingestehen.

Letztlich geschieht jedoch nichts. Die Russen sind nicht bereit, ein Friedensabkommen ernsthaft zu diskutieren, und die Ukraine ist nicht bereit, das Gebiet Donezk aufzugeben. Trump beginnt die Operation gegen den Iran und sieht sich damit der größten Herausforderung seiner gesamten politischen Laufbahn gegenüber. Natürlich bleibt ihm da kaum Zeit für den russisch-ukrainischen Krieg. Putin wiederum ist enttäuscht, dass der amerikanische Druck auf Kyiv zu keinem Ergebnis geführt hat, und erklärt, er ziehe sich aus dem Prozess der russisch-ukrainischen Verhandlungen zurück.

Derzeit findet überhaupt kein Verhandlungsprozess statt. Stattdessen greifen die ukrainischen Streitkräfte strategische Objekte in Russland an. Das weckt bei Trump, der sich allmählich aus der Falle der Nahostkrise zu befreien beginnt, die Hoffnung, Putin nun doch zu Verhandlungen bewegen zu können – zu Verhandlungen, die auf dem Wunsch beruhen, den Krieg zu beenden, und nicht darauf, Zeit zu gewinnen und Washington für Druck auf Kyiv zu nutzen. Vom Geist von Anchorage spricht inzwischen niemand mehr.

Denn einen solchen Geist hat es nie gegeben.


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Titel des Originals: Дух Анкориджа. Віталій Портников. 29.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Putins Schande: Russland importiert Treibstoff | Vitaly Portnikov. 30.06.2026.

Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, hat eingeräumt, dass Moskau Verhandlungen über den Import von Erdölprodukten führt, um die Lage auf dem Markt nach den ukrainischen Angriffen auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation zu stabilisieren.

Täglich erreichen uns aus Russland neue Meldungen über Einschränkungen beim Verkauf von Treibstoff und anderen Erdölprodukten an russischen Tankstellen. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die russischen Raffinerien bereits nicht mehr mit ihrer Vorkriegskapazität arbeiten können und einige ihre Produktion sogar ganz einstellen mussten.

In dieser Situation verstehen wir natürlich, dass auch die russische Armee, die ihre Aggression auf ukrainischem Territorium fortsetzt, mit Treibstoffproblemen zu kämpfen hat. Ebenso gibt es Probleme für die russische Wirtschaft insgesamt. Sollten diese nicht rasch gelöst werden, werden bereits in den kommenden Monaten zahlreiche Unternehmen in Russland ihre Arbeit einstellen müssen. Außerdem werden in vielen Regionen der Russischen Föderation Versorgungsprobleme bei Gütern des täglichen Bedarfs entstehen – ebenfalls eine unmittelbare Folge des Treibstoffmangels.

Man könnte natürlich sagen, Russland könne diese Probleme durch Importe lösen. Doch auch hier ist die Lage für Putin keineswegs einfach.

Erstens nennt selbst Peskow nicht, mit welchen Ländern Russland diese Verhandlungen führt. Offensichtlich ist für viele Staaten, die derzeit von der schwierigen Lage auf dem russischen Markt profitieren könnten, zugleich wichtig, ihre Wirtschaftsbeziehungen zu den westlichen Ländern aufrechtzuerhalten. Viele möchten weder sekundäre Sanktionen noch eine Verschlechterung ihrer Beziehungen zum Westen riskieren.

Gerade deshalb muss Moskau verbergen, mit wem es Konsultationen führt, um jene Länder nicht abzuschrecken, die bereit sein könnten, Erdölprodukte gewissermaßen auf Schmuggelwegen, also illegal, zu liefern – so, wie Russland sein Öl derzeit an die Länder des Globalen Südens verkauft. Es könnte sogar dazu kommen, dass die sogenannte Schattenflotte, die für den Transport russischen Öls eingesetzt wird, auf dem Rückweg Erdölprodukte nach Russland bringt – aus Ländern, die zwar Geld verdienen wollen, darüber aber lieber schweigen.

Wir verstehen jedoch sehr gut, dass der Preis für Treibstoff und andere Erdölprodukte für die Russische Föderation in diesem Fall auch eine Risikoprämie enthalten wird. Das schafft ein zusätzliches Problem, denn Russland verkauft sein Öl derzeit überwiegend gegen Yuan und Rupien, während es Erdölprodukte künftig in Dollar und Euro bezahlen muss.

Denn es liegt auf der Hand, dass Länder, die ihre Erdölprodukte gegen harte Währungen verkaufen können, diese kaum für Rupien oder Yuan an die Russische Föderation liefern werden.

Das ist schließlich das bekannte Geschäftsmodell Indiens: billiges russisches Öl beziehen, dafür mit Rupien bezahlen – von denen ohnehin unklar ist, wie sie überhaupt in den russischen Staatshaushalt gelangen –, dieses billige Öl zu teuren Erdölprodukten verarbeiten und diese anschließend auf den westlichen Märkten gegen Dollar und Euro verkaufen.

Warum sollten die indischen Raffinerien – selbst wenn wir annehmen, dass sie ihre Produkte derzeit nicht aus russischem Öl herstellen, und erst recht, wenn sie dies tun – Russland ihre Erdölprodukte für Rupien verkaufen? Dafür gibt es überhaupt keinen Grund.

So kann ein weiteres Problem entstehen.

  • Erstens wird Russland erneut auf seine Gold- und Devisenreserven zurückgreifen müssen, die durch den russisch-ukrainischen Krieg ohnehin bereits aufgezehrt werden.
  • Und zweitens wird es für Erdölprodukte mehr bezahlen müssen, als sie auf dem Weltmarkt tatsächlich wert sind. 

Das heißt: Russland verkauft sein eigenes Öl billig und kauft Erdölprodukte, die genau aus diesem Öl hergestellt werden können, teuer zurück. Was für ein wirtschaftliches Paradoxon für die Führung eines Aggressorstaates. Man hätte eben keinen Krieg beginnen sollen – dann müsste man sich heute nicht mit den einfachsten wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten auseinandersetzen.

Damit verstehen wir auch, wie richtig die weiteren Angriffe auf die Raffinerieinfrastruktur der Russischen Föderation sind.

Erstens verursachen sie reale Probleme für die russische Wirtschaft. Und wir können hoffen, dass diese Wirtschaft mit der Zeit in die Knie gezwungen wird – und in den kommenden düsteren Jahrzehnten der russischen Geschichte nicht mehr aufstehen wird.

Zweitens wird es an Erdölprodukten mangeln – wenn nicht für die Streitkräfte der Russischen Föderation, dann zumindest für die russische Bevölkerung. Das wird die Voraussetzungen für ernste soziale Probleme in Russland schaffen, den Krieg dauerhaft in die Häuser der Russen bringen und möglicherweise Massenproteste auslösen – nicht aus politischen, sondern aus sozialen Gründen. Dadurch entstehen zusätzliche Probleme für das Regime, das gezwungen sein wird, gegen Proteste einer mit ihrem Leben unzufriedenen Zivilbevölkerung vorzugehen. Auch das ist ein wichtiger Bestandteil der russischen Realität, der durchaus Wirklichkeit werden könnte, wenn die Angriffe auf Raffinerien und andere Industrieanlagen der Russischen Föderation fortgesetzt und intensiviert werden.

Drittens werden jene Länder, die Erdölprodukte an die Russische Föderation liefern könnten, die Haltung der zivilisierten Welt berücksichtigen müssen. Deshalb ist es wichtig, dass unsere Diplomatie sowohl mit den Europäern als auch mit den Amerikanern zusammenarbeitet, damit amerikanische und europäische Diplomaten die Länder des Globalen Südens davon abhalten, Erdölprodukte an Russland zu verkaufen. Sie sollten sie davon überzeugen, dass knappe Treibstoffrationen für die Russen und leere Straßen in russischen Städten ein direkter Weg zu Frieden und Wohlstand in der ganzen Welt sind.

Deshalb muss man den Russen den Treibstoff entziehen und sie in die glücklichen Zeiten des Russischen Reiches zurückversetzen – wenn sie sich doch so sehr dorthin sehnen –, als man sich mit ganz anderen Verkehrsmitteln fortbewegte und die Stute zu den wichtigsten Symbolen des Russischen Reiches gehörte. Sollen die Russen also wieder auf eben diese Stuten umsteigen.

Und natürlich entstehen in einer solchen Situation reale Chancen – wenn schon nicht auf ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges in absehbarer Zukunft, so doch zumindest auf eine Unterbrechung dieses Krieges, bis es der russischen Führung gelingt, die für das Funktionieren der russischen Wirtschaft und die Aufrechterhaltung des sozialen Gleichgewichts notwendige Menge an Treibstoff zu beschaffen.

Je weniger russische Erdölraffinerien in den kommenden Monaten und Jahren arbeiten werden, desto geringer sind die Chancen der Russischen Föderation auf einen solchen Verlauf der Ereignisse.

Und deshalb gilt: Frieden bedeutet immer, dass jedem chauvinistisch gesinnten Russen etwas fehlt, das er dringend braucht.


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Titel des Originals: Ганьба Путіна: Росія імпортує пальне | Віталій Портников. 30.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 30.06.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Krieg und Trump: Das Ende des „Geistes von Anchorage“ | Vitaly Portnikov. 29.06.2026.

Zunächst möchte ich Sie zu Beginn dieser Sendung, die wie die meisten unserer Gespräche dem russisch-ukrainischen Krieg gewidmet sein wird, den Wegen aus diesem Krieg, den Wegen zum Verständnis der Situation und dessen, wie sie sich verändert, zum 30. Jahrestag der Annahme der Verfassung der Ukraine beglückwünschen.

Denn in Wirklichkeit war dieser Tag vor 30 Jahren auch ein wichtiger Teil des Verständnisses dafür, wie sich ukrainische Verfassungen verändern, ein weiterer Schritt des Abschieds von unserer sowjetischen Vergangenheit. Vergessen Sie schließlich nicht, dass wir noch vor 30 Jahren nach der sowjetischen Verfassung lebten, die ein wenig an die Bedingungen der neuen Zeit angepasst worden war.

Zugleich ist auch dies ein ziemlich wichtiger Moment, an den wir uns erinnern müssen: Die Annahme der Verfassung im Jahr 1996 zeigte so oder so die ganze Komplexität des ukrainischen politischen Systems, die Suche nach Kompromissen und Gleichgewicht, die einerseits die Fähigkeit des ukrainischen Volkes demonstrierten, eine reale Auseinandersetzung politischer Kräfte und Interessen zuzulassen, andererseits aber die Institutionen in gewisser Weise zu riskanten Strukturen machten, die nicht auf der Suche nach Wegen für eine bessere Entwicklung unseres Staates beruhten, sondern eben auf all diesen ewigen Kompromissen zwischen verschiedenen politischen Gruppen, Vorstellungen über die Zukunft des Staates, regionalen und, ich würde sagen, sogar persönlichen Interessen.

Schließlich lohnt es sich daran zu erinnern, dass die Verfassung 1996 nachts angenommen wurde. Und das hing mit der Konfrontation zwischen dem Präsidenten der Ukraine Leonid Kutschma und dem ukrainischen Parlament zusammen. Heute, als wir alle in der Werchowna Rada miterlebt haben, wie der zweite Präsident der Ukraine mit einer Auszeichnung geehrt wurde, die den Namen eines der herausragenden ukrainischen Staatsgründer, Wjatscheslaw Tschornowil, trägt – was für eine Ironie des Schicksals. Wir müssen uns daran erinnern, dass Leonid Kutschma eben jener Mensch war, der alles Mögliche tat, damit die Verfassung in ihrer heutigen Form überhaupt nicht entstehen würde, und der versuchte, die ukrainische Verfassung von 1996 in eine russische von 1993 zu verwandeln, also eine superpräsidiale Republik zu erreichen, in der praktisch die gesamte Macht einer Person gehören würde.

Dazu kam es nicht. Zugleich aber wagten die Abgeordneten damals auch nicht, den Weg zur Schaffung einer vollwertigen parlamentarisch-präsidentiellen Republik zu gehen, um keinen noch schärferen Konflikt zwischen Präsident und Parlament zu schaffen. So war schon diese Verfassung, man könnte sagen, ein gewisses Zieht-und-Schiebt, das in verschiedene Richtungen des Staatsaufbaus blickte.

Und möglicherweise begann sich die Situation erst in den Jahren 2003–2004 zu korrigieren, als die Idee der parlamentarischen Republik faktisch mit dem Versuch Leonid Kutschmas verbunden war, der das Präsidentenamt bereits verließ, weil er nicht zum dritten Mal kandidieren konnte, seinen Einfluss auf die ukrainische Staatlichkeit zu bewahren. Eben deshalb erhielten sowohl das Parlament als auch das Amt des Ministerpräsidenten jene Bedeutung, die sie während der Amtszeit der ersten beiden Präsidenten der Ukraine praktisch nie gehabt hatten.

Aber auch hier sahen wir, dass diese Kompromisse den ukrainischen Politikern ziemlich schwerfallen. Viktor Janukowytsch, der im Grunde aus Sicht seiner Nominierung durch die Partei der Macht bei den Präsidentschaftswahlen zum Nachfolger Kutschmas wurde, ließ die Abstimmung über die parlamentarisch-präsidentielle Republik in der ukrainischen Werchowna Rada scheitern. Ich bin der Meinung, dass er dies auf Anweisung aus Moskau durch seine damaligen Kuratoren Putin und Medwedew tat.

Und die parlamentarisch-präsidentielle Republik entstand faktisch als Ergebnis der Orangenen Revolution von 2004 und führte fast sofort zu einem scharfen Konflikt zwischen Präsident Viktor Juschtschenko und Ministerpräsidentin Julija Tymoschenko, schon zu einer Zeit, als die Befugnisse des Präsidenten real eingeschränkt waren.

Ich würde sagen, dass für die Ukrainer die Tatsache, dass ein realer Kampf zwischen dem Präsidenten und dem Regierungschef stattfindet, was eigentlich die Norm jedes politischen Prozesses in einem entwickelten Staat ist, immer bis zu einem gewissen Grad eine Herausforderung für ihre postsowjetischen Vorstellungen davon war, was Politik und was Macht ist. Die Ukrainer stimmten einerseits für verschiedene politische Formationen, die bereit waren, gegeneinander zu kämpfen, suchten andererseits aber die ganze Zeit eine starke Hand, die in ihrer Macht nicht durch irgendwelche Handlungen des Parlaments oder der Regierungsmitglieder beschränkt sein würde, die selbst über die Zukunft des Staates verfügen würde.

So setzten die Jahre 2010 und 2019, die Wahl zunächst Viktor Janukowytschs und später Volodymyr Zelenskys zu Präsidenten der Ukraine, einen Punkt unter all unsere Versuche, eine effektive parlamentarisch-präsidentielle Republik zu schaffen. Jedes Mal, wenn es zwischen Präsident und Ministerpräsidenten, wie in den Zeiten Viktor Juschtschenkos und Petro Poroschenkos, zu realen Konflikten kam, rief dies völliges Unverständnis bei der überwiegenden Mehrheit der postsowjetischen ukrainischen Gesellschaft hervor.

Und niemand wollte bemerken, dass eine präsidiale Alleinherrschaft das Land in eine programmierte Katastrophe führt, aus der es kaum einen mehr oder weniger schmerzlosen Ausweg geben wird. In der Zeit Janukowytschs führte dies zu einer offenen postsowjetischen Diktatur nach dem Muster Lukaschenkos und Putins.

In der Zeit Zelenskys erlaubte eine solche Alleinmacht dem Land nicht, sich würdig auf den großen Krieg vorzubereiten, zu dem es verurteilt war, nachdem Russland die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen von 2019 auf seine Weise interpretiert hatte. Nicht als Neigung der ukrainischen Gesellschaft zu Alleinherrschaft, sondern als Neigung der ukrainischen Gesellschaft zur Kapitulation vor Russland.

So oder so befinden wir uns heute in einer Situation, in der die gesamte Macht im Land in den Händen einer Person konzentriert ist. Die Verfassung befindet sich keineswegs deshalb auf Pause, weil Krieg ist, sondern weil praktisch durch die Hände der Ukrainer ein Mechanismus der Alleinherrschaft und der Entscheidungsfindung durch eine Person in einem Büro aufgebaut wurde.

Zugleich zerbröckelt die parlamentarische Mehrheit, die von den Ukrainern gerade dafür geschaffen wurde, dass nichts der Alleinherrschaft Volodymyr Zelenskys im Wege steht, vor unseren Augen und schafft zusätzliche Herausforderungen für die Ineffizienz des ohnehin ineffektiven ukrainischen Staates und seiner Institutionen.

Hoffen wir, dass die weitere Erosion der buchstäblich innerhalb weniger Wochen geschaffenen Partei Diener des Volkes zur Bildung einer realen, funktionierenden Koalition führen wird, in der Abgeordnete der Werchowna Rada vereint sein werden, die tatsächlich staatsmännische Ansichten über die Zukunft der Ukraine vertreten und bereit sind, Wege sowohl für den Ausweg der Ukraine aus dem russisch-ukrainischen Krieg in den nächsten Jahren als auch für den Nachkriegsaufbau der Ukraine auf den Grundlagen eines effektiven europäischen demokratischen Staates zu suchen, in dem die Macht auf verschiedene Institutionen verteilt ist und der Präsident seine Aufgaben wahrnimmt, der Ministerpräsident die seinen und das Parlament die seinen. Dann wird es tatsächlich eine Symphonie sein und kein Solo auf einem einzigen Instrument, das wir nun schon das siebte Jahr erleben.

Das ist unsere Aufgabe für die Zukunft. Und dann werden wir einander dazu gratulieren können, dass unsere Verfassung wirklich existiert und funktioniert. Bis dahin aber muss man ausschließlich darüber sprechen, was im russisch-ukrainischen Krieg aus Sicht der Entwicklung der Ereignisse geschehen wird, die für uns alle ziemlich ernst und ziemlich wichtig ist.

Und diese Woche – weshalb ich überhaupt eigens bei ihr verweilen wollte – kann gerade wie das reale Ende dieser ganzen Geschichte mit dem sogenannten Geist von Anchorage aussehen, über den man in Moskau praktisch seit den ersten Tagen nach dem Treffen des Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und des Präsidenten Russlands Putin in Alaska zu sprechen begann.

All diese Gespräche über den Geist von Anchorage schufen in Wirklichkeit eine reale Grundlage dafür, dass Moskau im russisch-ukrainisch-amerikanischen Dialog Zeit schinden konnte, damit Putin, der darauf eingestellt ist, schon mit dem nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten nach einem Ausweg aus der Situation im russisch-ukrainischen Krieg zu suchen, sein Ziel erreicht; damit unter dem Deckmantel des Verhandlungsprozesses, dessen bestimmte Orientierungspunkte und Indikatoren angeblich von den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation festgelegt worden waren, die Kampfhandlungen an der russisch-ukrainischen Front und der Krieg zur Erschöpfung der Ukraine weitergingen, der, wie wir wissen, nach dem Zusammenbruch des Blitzkriegs im Jahr 2022 zum Hauptziel des russischen Präsidenten für die 20er- und 30er-Jahre des 21. Jahrhunderts wurde.

Erstens müssen wir das Wichtigste verstehen: Was ist in Anchorage wirklich geschehen, warum erhielten die Russen überhaupt die Möglichkeit, von irgendeinem Geist von Anchorage zu sprechen? In Anchorage wurden, wie wir sehr gut wissen, keinerlei reale Vereinbarungen zwischen Moskau und Washington erzielt. Wir wissen das nicht von irgendwelchen Kommentatoren, nicht aus Schlussfolgerungen aus periodischen Publikationen. Wir wissen das vom Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und vom Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin während ihrer kurzen Pressekonferenz in Anchorage, bei der keiner der Journalisten, die sich an diesem Ort versammelt hatten, die Möglichkeit hatte, den Präsidenten Fragen zu stellen. Und das trotz Donald Trumps Leidenschaft für die Showisierung der großen Politik. Der Präsident der Vereinigten Staaten sagte klar, dass zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation keinerlei Vereinbarungen erzielt werden konnten. Der wütende und, man kann sagen, überraschte Trump flog eilig von Anchorage nach Washington zurück, ohne auch nur eine Abschiedszeremonie für seinen russischen Gast zu veranstalten, den er wenige Stunden vor diesem enttäuschenden Finale noch mit Applaus an der Gangway von Putins Flugzeug auf dem Flugplatz der Hauptstadt Alaskas empfangen hatte.

Was konnte also während dieser Verhandlungen tatsächlich geschehen sein? Das können wir bereits mit voller Sicherheit rekonstruieren. Am Vorabend des Treffens von Trump und Putin in Alaska stattete der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, Putin einen Besuch ab und übergab ihm Bedingungen, unter denen aus Sicht Washingtons der russisch-ukrainische Krieg beendet werden könnte.

War unter diesen Vorschlägen auch die Idee eines Abzugs ukrainischer Truppen aus dem Gebiet Donezk und eines Einfrierens des Konflikts entlang der Kontaktlinie der Truppen in Cherson und Saporischschja? Ich meine: ja. Ich denke, dass dieser Vorschlag dort enthalten war.

Zugleich gab es dort Vorschläge, die Putin aus Sicht seiner realen Ziele im russisch-ukrainischen Krieg absolut nicht zufriedenstellen konnten, nämlich die Wahrung der Souveränität der Ukraine, Sicherheitsgarantien für die Ukraine, die sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Russische Föderation geben würden, und die Zustimmung zur europäischen Integration der Ukraine. Das heißt, es wurde vorgeschlagen, Entscheidungen zu treffen, die eine Einverleibung des Territoriums der Ukraine durch die Russische Föderation sowohl jetzt als auch in Zukunft ausschließen würden, was den politischen Zielen des Präsidenten der Russischen Föderation und den Wünschen des russischen Volkes völlig widerspricht.

Während des Treffens in Anchorage las der Präsident der Russischen Föderation die Bedingungen vor, die Steve Witkoff ihm am Vortag nach Moskau gebracht hatte, und fragte den Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, ob er tatsächlich solche Bedingungen vorgeschlagen habe, worauf Witkoff jeden einzelnen Punkt, den Putin während der gemeinsamen Verhandlungen mit Trump vorlas, bestätigte.

Zugleich gab Putin selbst keinerlei Zustimmung zu diesen Bedingungen, die ihm am Vortag während des Treffens mit dem Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten vorgetragen und in Anwesenheit des Präsidenten der Vereinigten Staaten verlesen worden waren. Deshalb sagt der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, völlig klar, dass während des Treffens zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem der Russischen Föderation keinerlei Vereinbarungen erzielt werden konnten, dass dies ausschließlich ein amerikanischer Vorschlag war, den Putin erhielt, las und nicht akzeptierte, weil es ein Paketvorschlag war. Und Trump war der Ansicht, dass er gilt, wenn es um alle Punkte dieses Vorschlags geht.

Die Präsidenten reisten auseinander, aber bereits an Bord seines Flugzeugs, das von Anchorage nach Washington flog, wurde Donald Trump klar, dass die überwiegende Mehrheit der Journalisten, die sich sogar an Bord dieses Flugzeugs befanden, ganz zu schweigen von allen Weltmedien, über das Geschehene als über ein Fiasko seiner Außenpolitik sprechen würden. Und es war ein Fiasko.

Trump, der solche Bewertungen seiner Gespräche mit Putin bereits während seiner ersten Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten erhalten hatte, wollte solche Bewertungen absolut nicht und, man kann sagen, und vollzog noch während des Flugs eine Kehrtwende. Er begann zu erklären, die Reise sei ein voller Erfolg gewesen, keineswegs ein Fiasko, man habe mit Putin sehr produktiv gearbeitet, ohne auf irgendeine Konkretheit einzugehen, die mit dem zusammenhing, was im Konflikt zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten während des Treffens in Alaska geschah, und ohne zu erklären, worin der reale Kern der erzielten Vereinbarungen bestand, weil es keine Vereinbarung gab.

Der Kreml nutzte diese Situation, Donald Trumps Unwillen, das Scheitern seines Treffens mit Putin einzugestehen, und erfand vor diesem Hintergrund die Geschichte vom Geist von Anchorage – also keine Vereinbarung, sondern irgendeinen an sich unverständlichen Geist, an den man sich halten müsse.

Was ist ein Geist? Ich kann Ihnen klar antworten. Es sind jene Vorschläge, die von Trump vorgeschlagen, aber von Putin nicht angenommen wurden. Und gemeint ist, dass man im weiteren Verlauf des Verhandlungsprozesses der Logik dieser Vorschläge folgen müsse, indem man jene daraus ausschließt, die den russischen Präsidenten nicht zufriedenstellen.

Nehmen wir zum Beispiel: Die Souveränität und Existenz der Ukraine auf der politischen Landkarte der Welt und ihre europäische Integration stellen Putin nicht zufrieden, der Abzug ukrainischer Truppen aus dem Gebiet Donezk stellt Putin hingegen zufrieden. Alles ist sehr einfach.

Also hinderten die Amerikaner nach dem Treffen in Anchorage russische Beamte – Putin selbst, seinen außenpolitischen Berater Uschakow, Außenminister Lawrow und andere – nicht daran, von diesem Geist von Anchorage zu sprechen, ohne die Tatsache zu dementieren, dass es einen solchen Geist überhaupt nicht gegeben hatte und dass eine teilweise Annahme der Bedingungen, die Donald Trump Putin vorgeschlagen hatte, nicht möglich sein konnte. Die Ergebnisse kennen Sie ebenfalls gut.

Jetzt, da Trump sieht, wie die Ukraine Raffinerien, den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation und andere für den Präsidenten Russlands und die Russen selbst wichtige Objekte beschießt, meint er, Putin durch weiteren Druck und die Zerstörung russischer Infrastruktur zu Verhandlungen und zur Annahme der amerikanischen Bedingungen zwingen zu können, möglicherweise bereits in veränderter Form. Und Marco Rubio, der Außenminister der Vereinigten Staaten, erklärt, dass in Anchorage keinerlei Vereinbarungen zustande gekommen seien. Es habe lediglich amerikanische Vorschläge gegeben, die nie gebilligt wurden.

Das ist das reale Ergebnis dessen, was wir in den letzten Tagen und Wochen sehen. Und es ist das reale Ergebnis der Handlungen der ukrainischen Streitkräfte zur Zerstörung der Erdölraffinerien der Russischen Föderation – Sie wissen, dass eines der Unternehmen gerade heute Nacht angegriffen wurde – und des militärisch-industriellen Komplexes der Russischen Föderation, ebenso wie jener Probleme, die die Russische Föderation beim Angriff auf ukrainische Stellungen entlang der gesamten Kontaktlinie der Truppen hat.

Natürlich können wir über eine ernste Situation um Kostjantyniwka sprechen. Und das wird vom Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, Oleksandr Syrsky, selbst anerkannt und auch von anderen Militärs und Militärexperten anerkannt.Aber das sind dennoch nicht die Ergebnisse, auf die Moskau gehofft hatte. Denn in Wirklichkeit ist das Ziel dieses Krieges keineswegs die Besetzung des Gebiets Donezk, sondern die Besetzung der gesamten Ukraine.

Und selbst wenn wir der Logik zustimmen, dass Putin von seinen Militärs erwartet, dass sie in einigen Jahren das Gebiet Donezk besetzen können, stellt sich die Frage, ob das wirklich das ist, was er für seinen politischen Erfolg braucht, und ob das wirklich das ist, was er den Russen als Sieg verkaufen kann – in einer Situation, in der die einen Russen einfach das Ende des Krieges wollen, während andere glauben, dass die Wahl, und das hören wir ständig, zwischen der Vernichtung der Ukraine und dem Zerfall Russlands steht. Und deshalb hätten die Russen keinen anderen Ausweg, als diesen Krieg bis zum Zusammenbruch unseres Staates fortzusetzen, um ihren eigenen zu bewahren.

Jegliche territorialen Erfolge Russlands innerhalb der Grenzen dieser oder jener ukrainischen Region kompensieren nicht die Angst russischer Chauvinisten vor dem Verlust der Staatlichkeit, falls die Ukraine auf der politischen Landkarte der Welt erhalten bleibt. Deshalb wird dieser Konflikt als existenziell bezeichnet, weil es zumindest im kommenden Jahrzehnt keinerlei reale Voraussetzungen für eine Versöhnung zwischen dem russischen und dem ukrainischen Staat sowie zwischen dem russischen und dem ukrainischen Volk gibt. Es gibt nur die Möglichkeit, dass die Ukraine Russland abwehrt und Bedingungen schafft, unter denen die Russische Föderation zumindest davor zurückschreckt, die Ukraine in den kommenden Jahren und Jahrzehnten anzugreifen. Bis dahin werden sich die politischen Konstellationen verändern, wir werden Mitglied der NATO werden und unter einen nuklearen Schutzschirm gelangen. Oder der ukrainische Staat wird von Russland während des nächsten mehrjährigen Vernichtungskrieges durch eine militärische, demografische und soziale Katastrophe und die Zerstörung der gesamten Infrastruktur vernichtet werden, was weniger wahrscheinlich ist, weil wir, wie wir alle in den letzten Jahren sehen, in diesem Krieg dennoch als Teil des Westens kämpfen und nicht als eigenständiges Subjekt des Kampfes gegen die Russische Föderation. Und Russland versteht das ebenfalls sehr gut. Deshalb spricht es die ganze Zeit vom sogenannten kollektiven Westen, der gegen es kämpft.

Dass die Amerikaner heute aufhören, vom Geist von Anchorage zu sprechen, und dass inzwischen in amerikanischen Medien Berichte erscheinen, wonach Trump diesen Geist auch während seines Treffens mit den Staats- und Regierungschefs der G7 nicht mehr erwähnt hat und sich grundsätzlich ziemlich negativ über Präsident Putin und die Entwicklungen im russisch-ukrainischen Krieg äußerte, indem er gerade Putin vorwarf, Zeit zu schinden, während er über Volodymyr Zelensky deutlich positiver sprach als zuvor – das ist natürlich wichtig.

Und wichtig ist das nicht deshalb, weil Trump irgendwelche realen Schritte unternehmen könnte, um die weitere Entwicklung des Krieges zu verhindern oder neuen Druck auf Putin auszuüben. Große Möglichkeiten, Putin mit amerikanischen Sanktionen unter Druck zu setzen, hat Trump ohnehin nicht. Und dass jetzt die Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil, die im Zuge des amerikanisch-iranischen Krieges im Wesentlichen ausgesetzt worden waren, wieder in Kraft sind, ist bereits ein Erfolg. Aber zumindest wird Trump Putin nicht länger die Illusion vermitteln, dass Putin ihn für seinen weiteren Kampf um die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges benutzen kann. Schon das ist wichtig.

Es ist wichtig, dass die Amerikaner davon ausgehen, dass gerade Trump derjenige sein wird, der die Ukraine unterstützt – wenn auch eher mit Worten als mit Geld und Waffen – und damit den Europäern den Rücken freimacht, die, wie Sie sehen, weiterhin auf die Haltung der Vereinigten Staaten schauen, bevor sie grundsätzliche Entscheidungen über die Unterstützung der Ukraine im russisch-ukrainischen Krieg treffen. Zum Glück jedoch immer weniger.

Und schließlich darf man nicht vergessen, dass es bereits gewisse Entwürfe für praktische Schritte gibt, falls Trump sie gehen möchte – sogar im amerikanischen Kongress. Man sollte nicht übersehen, dass das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten bereits ein Gesetz zur Unterstützung der Ukraine verabschiedet hat und dabei sogar gegen den Willen des Sprechers des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, vorgehen konnte, der dieses Gesetz gar nicht zur Abstimmung stellen wollte. Es gelang, den Sprecher zu umgehen und das Gesetz zu verabschieden. Und all das mit Unterstützung einer Gruppe republikanischer Abgeordneter, die bereit waren, gemeinsam mit den Demokraten dafür zu stimmen.

Das heißt: Je näher der Stimmenkampf in Amerika und die Kongresswahlen rücken, desto mehr Kongressabgeordnete und Senatoren werden der Auffassung sein, dass eine Unterstützung der Ukraine ihren eigenen Wahlchancen zugutekommt.

Und so wird dieses Gesetz möglicherweise nicht nur im Repräsentantenhaus, sondern auch im Senat behandelt werden können. Wenn Donald Trump das möchte, werden die Senatoren dafür stimmen, und er wird es unterzeichnen können. Auch das wäre ein zusätzlicher Druckfaktor auf Putin und auf seine gesamte Kamarilla.

Und schließlich kann man sagen, dass mit diesen klaren amerikanischen Feststellungen, dass es keinen Geist von Anchorage gibt, und mit Lawrows Worten, er wolle nicht einmal daran denken, dass das Treffen in Anchorage nur dazu gedient habe, der Ukraine Zeit zur Wiederaufrüstung zu verschaffen, diese Geschichte mit dem für niemanden außer Putin notwendigen Treffen des amerikanischen und des russischen Präsidenten in Alaska ihrem Ende entgegengeht. Es wird völlig offensichtlich, dass es damals keine Vereinbarungen gab und dass es auch in nächster Zeit keine geben wird – solange kein intensiver Druck auf Putin ausgeübt wird.

Das sind, würde ich sagen, die wichtigsten Punkte dazu, wie sich die diplomatische Geschichte des russisch-ukrainischen Krieges vor unseren Augen verändert.

Ich werde nun auf die Fragen eingehen, die während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Erklären Sie bitte, warum Putin und alle in Russland den Krieg „Spezialoperation in der Ukraine“, „Krise in der Ukraine“ nennen, obwohl der Krieg aus Sicht ihrer eigenen Verfassung auf 90 Prozent jenes Territoriums stattfindet, das sie in ihre Gesetzgebung aufgenommen haben.

Portnikov: Ja, das stimmt. Aber dieser Krieg richtet sich gegen die Ukraine als Staat, der die Tatsache nicht anerkennt, dass diese Gebiete Teil der Russischen Föderation seien. Wie Sie sich erinnern, wurde die sogenannte militärische Spezialoperation offiziell begonnen, nachdem Putin die sogenannte Unabhängigkeit der Volksrepubliken im Donbas anerkannt hatte. Und die Streitkräfte der Russischen Föderation sollten diesen Pseudo-Volksrepubliken helfen, ihre sogenannte territoriale Integrität innerhalb der Gebiete Donezk und Luhansk wiederherzustellen. Da die ukrainische Führung dem nicht zustimmte, wurde die Aufgabe gestellt, die ukrainische Regierung durch eine loyale Regierung zu ersetzen, die alle Wünsche des Kremls erfüllen würde.

Im Grunde hat der Präsident der Russischen Föderation das auch nie verborgen. Er sagte dies in seiner Ansprache an die Russen in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar 2022. Deshalb findet die sogenannte Spezialoperation „in der Ukraine“ statt – nicht auf dem Territorium der Russischen Föderation als solcher, sondern auf dem Territorium der Ukraine und auf dem Territorium jener Subjekte der Russischen Föderation, die bis dahin Teil der Ukraine gewesen waren und deren Bewohner in Referenden beschlossen hätten, sich Russland anzuschließen.

Das ist eine ganz gewöhnliche Mystifikation. Aber Sie sehen doch selbst, dass Putin ständig selbst Fehler macht, wenn er das tatsächliche Territorium Russlands mit dem verfassungsmäßigen Territorium Russlands verwechselt. Ich erinnere Sie nur daran, wie Putin über die Erprobung der Oreschnik-Rakete sprach. Er sagte, Oreschnik müsse in der Ukraine erprobt werden, weil sie zuvor keine Feldtests durchlaufen habe. Deshalb hätten die Russen Oreschnik auf Garagen in Bila Zerkwa getestet und außerdem auf jenem Gebiet, das Russland in der sogenannten Donezker Volksrepublik kontrolliert, um zu sehen, wie diese Waffe funktioniert. Und unmittelbar danach sagte Putin, auf dem Territorium Russlands sei Oreschnik niemals getestet worden.

Da stellt sich die Frage: Wie nimmt Putin dann das Gebiet der sogenannten Donezker Volksrepublik wahr? Dass dieses Gebiet in der russischen Verfassung verankert ist, ist ihm, wie Sie verstehen, ebenso wie jedem anderen Russen, in Wirklichkeit gar nicht ernst. Das ist lediglich ein Instrument des Drucks auf die Ukraine und auf die zivilisierte Welt. Die Russen selbst und Putin selbst betrachten die Gebiete Donezk, die Krim, Saporischschja, Cherson und Luhansk nicht als Russland. Das ist die ewige russische Kultur der Lüge. Und von Zeit zu Zeit bricht sie durch. Sie haben das bemerkt, als Sie nach der sogenannten Spezialoperation gefragt haben.

Frage: Halten Sie es für möglich, dass Putin Trump in Anchorage davor gewarnt hat, der Ukraine zu helfen, ihm seinen Platz jenseits des Ozeans gezeigt hat, weil sonst der Inhalt von Trumps Epstein-Akte öffentlich werden würde? Das sei der Geist.

Portnikov: Nein. Das ist eine ganz gewöhnliche Verschwörungstheorie, die darauf abzielt, reale Politik durch einfache Antworten auf komplizierte Fragen zu ersetzen. Ich denke, Trump versteht sehr gut, dass Putin nicht derjenige ist, der über die Epstein-Akte verfügt, und dass Putin Trump während eines Treffens ganz sicher nicht seinen Platz zuweisen kann. Auch das ist eine Illusion.

Ich habe Ihnen klar erklärt, was in Anchorage geschehen ist. Alles andere ist bloße Spekulation. Sie verkennt, dass Politiker über Politik sprechen und sich dabei von Interessen leiten lassen – nicht von Erpressung.

Erpressen kann man Marionetten. So, wie Putin den ukrainischen Präsidenten Janukowytsch und den armenischen Präsidenten Sargsjan erpresste, damit sie die Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union nicht unterzeichnen.

Zu jedem von ihnen hatte Putin einen Hebel. Wobei er Sargsjan offensichtlich damit erpresste, dass Russland Armenien beim Verlust der Kontrolle über Bergkarabach und die umliegenden aserbaidschanischen Bezirke nicht unterstützen würde. Das war politische Erpressung: „Wir sind eure Verbündeten. Wenn ihr Abkommen mit der Europäischen Union unterzeichnen wollt, dann werden wir keine Verbündeten mehr im Bereich der Sicherheit sein.“

Und bei Janukowytsch könnte es persönliche Erpressung gewesen sein – schlicht Drohungen gegen sein Leben oder das seiner Familienangehörigen. Und im Fall des Kriminellen Janukowytsch, der offensichtlich viele Jahre für die russischen Geheimdienste gearbeitet hatte, funktionierte das weitaus effektiver.

Frage: Zu welchen Schritten könnte Putin greifen, wenn eine vollständige Blockade der Krim aus logistischer Sicht gelingt – also bei Versorgung, Lebensmitteln und Ähnlichem?

Portnikov: Ich glaube nicht, dass eine Blockade der Krim aus logistischer Sicht zu solchen spürbaren Ergebnissen führen wird, die Putin zwingen würden, seine Vorstellungen vom russisch-ukrainischen Krieg zu ändern. Die Russen sind Meister darin, eine Blockade in ein politisches Instrument zu verwandeln. Wenn Sie in der Sowjetunion gelebt haben, erinnern Sie sich daran, dass die Sowjetunion jahrzehntelang mit der Blockade Leningrads prahlte, obwohl es Möglichkeiten gegeben hätte, diese Blockade zu verhindern und eine große Zahl von Menschen aus Leningrad in Gebiete zu evakuieren, wo sie nicht verhungert wären. Die Russen waren jedoch der Ansicht, dass eine solche Situation in Leningrad nur den Kampfgeist stärkte, die Notwendigkeit der Fortsetzung des Krieges erklärte und eine intensivere Mobilisierung in der Sowjetunion rechtfertigte und so weiter. Deshalb entspricht jede Blockade eines Gebiets, die zu ernsten Problemen für die Bevölkerung führt, im Grunde den politischen Zielen der russischen Führung.

In dieser Situation können wir eine andere Frage stellen, die mir wichtiger erscheint: Welchen Sinn haben Kriege überhaupt noch unter den neuen Bedingungen, in denen wir uns heute mit neuen technologischen Möglichkeiten befinden? Welchen Sinn hat es, irgendwelche Gebiete zu besetzen und unter Kontrolle zu bringen, wenn eine Armee aus Drohnen und Raketen diese Gebiete grundsätzlich in unbewohnbare Zonen verwandeln kann? Wenn du nicht in der Lage bist, den gesamten Organismus zu zerstören, der dich daran hindert, diese Gebiete zu kontrollieren – im Fall Russlands also den ukrainischen Staat –, dann musst du früher oder später über Frieden mit einem solchen Staat und über eine friedliche Lösung nachdenken.

Das hat übrigens überhaupt nichts mit Souveränität, territorialer Integrität oder Völkerrecht zu tun. Es geht schlicht um Pragmatismus. Wenn du nicht in der Lage bist, das, was dich angreift, vollständig zu vernichten, musst du entweder verhandeln oder akzeptieren, dass große Teile deines Territoriums deiner tatsächlichen Kontrolle entzogen sein werden – selbst wenn dort deine Panzer stehen und du formell die Macht ausübst.

Ich führe hier das Gegenargument zur russischen Position an. Nehmen wir die Situation im Norden Israels. Dieses Gebiet wird ständig von der Terrororganisation Hisbollah angegriffen und verwandelt sich faktisch in ein Gebiet, in dem ein normales Leben der Bürger nicht mehr möglich ist.

Was soll Israel tun? Wenn es nicht möglich ist, die Hisbollah vollständig zu vernichten, muss man Wege finden, damit die libanesische Regierung und die libanesische Armee das gesamte Territorium des Libanon unter ihre Kontrolle bringen und der Hisbollah die Möglichkeit nehmen, das Leben im Norden Israels weiter zu zerstören.

Noch vor wenigen Jahren sah die Situation jedoch anders aus, weil selbst Raketenangriffe auf israelisches Gebiet – angesichts der damaligen Technologien – nicht dazu zwangen, die Lage auf diese Weise zu betrachten.

Gerade dieser neue militärtechnische Faktor, den wir heute beobachten – Drohnen, große Mengen an Raketen und die Möglichkeit, billig riesige Mengen an Drohnen herzustellen, die das Leben lahmlegen können –, stellt grundsätzlich alle bisherigen Methoden der Kriegsführung und sogar den Krieg selbst als Fortsetzung der Politik, wenn wir zynisch sprechen wollen, infrage.

Wenn sich diese Entwicklung in dieser Richtung fortsetzt, wird der Krieg schon in wenigen Jahren aufhören, eine Fortsetzung der Politik zu sein. Der Sinn vieler Dinge, die bislang selbstverständlich erschienen, wird verschwinden. Es ergibt keinen Sinn mehr, ein Gebiet zu besetzen und zu kontrollieren, wenn derjenige, dem du es weggenommen hast, dieses Gebiet deiner Kontrolle entziehen kann – selbst wenn dort deine Behörden und deine Truppen stationiert sind. Die Krim ist dafür ein hervorragendes Beispiel.

Frage: Wird der Sicherheitsapparat mögliche Proteste unterdrücken können, falls eine Mobilmachung ausgerufen wird? Werden das nur kurzfristige Proteste sein oder könnte sich daraus eine Revolution entwickeln?

Portnikov: Das weiß niemand. In der Geschichte Russlands hat es bereits viele Ereignisse gegeben, die zunächst wie kurzfristige Proteste aussahen, von denen man glaubte, sie könnten vom Sicherheitsapparat problemlos niedergeschlagen werden, die sich später aber zu gewaltigen revolutionären Ereignissen entwickelten. Heute lässt sich weder das tatsächliche Protestpotenzial der russischen Gesellschaft noch die reale Leistungsfähigkeit der Sicherheitsorgane beurteilen. Das wird sich erst in der Praxis zeigen.

Ich glaube jedoch nicht, dass es zu einer echten allgemeinen Mobilmachung kommen wird. Vielmehr wird weiter auf Grundlage jenes Erlasses mobilisiert werden, den Putin bereits 2022 unterzeichnet hat und der bis heute gilt. Es wird also eine selektive Mobilisierung sein. Oder man wird nach Menschen suchen, die man aufgreifen und zum Abschluss eines Militärvertrags zwingen kann.

Ich denke, das, was in einer der russischen Städte – ich glaube in Pensa – in der vergangenen Woche geschehen ist, war eine Art Generalprobe. Ich bin überzeugt, dass kein russisches Wehrersatzamt eigenmächtig Menschen entführen und sie zum Abschluss eines Militärvertrags zwingen würde, ohne dass dies auf höchster Ebene des russischen Verteidigungsministeriums gebilligt worden wäre. Und der russische Verteidigungsminister wird eine solche Entscheidung selbstverständlich mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, abstimmen.

Das ist also bereits die Suche nach verschiedenen Wegen, die russische Armee zu verstärken, ohne eine allgemeine Mobilmachung auszurufen.

Frage: Haben Sie Ihre Meinung inzwischen geändert, dass die Bevölkerung europäischer Länder im Falle eines russischen Angriffs eher weiter nach Westen fliehen und ihr Territorium aufgeben würde – und dass die Ukrainer in dieser Hinsicht ein einzigartiges Volk seien?

Portnikov: Nein. Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass es überhaupt keine einzigartigen Völker gibt. Die Ukrainer unterscheiden sich in keiner Weise von Polen, Ungarn oder irgendeinem anderen europäischen Volk – weder von Deutschen noch von Franzosen.

Entscheidend ist, dass sich die Fähigkeit eines Landes, sich tatsächlich zu verteidigen, und die Bereitschaft der Menschen, ihr Land zu verteidigen und dafür Leben und Gesundheit zu opfern, erst dann zeigen, wenn eine wirkliche Krise und eine reale Bedrohung eintreten. Bis zu diesem Moment wollen die meisten Menschen mit so etwas nichts zu tun haben. Wenn Sie vor einem Krieg in irgendeinem Land eine Umfrage durchführen und fragen: „Sind Sie bereit zu kämpfen?“, werden Sie überall sehr ähnliche Ergebnisse erhalten.

Vielleicht besteht eine gewisse Besonderheit der Ukrainer nicht darin, dass sie Ukrainer sind, sondern darin, dass sie – gemessen an der politischen Entwicklung unseres Landes – sowjetische Menschen waren. Und der Wert des menschlichen Lebens war in der Sowjetunion wesentlich geringer als in den Nachbarstaaten Europas. Allerdings ist dieser Wert des Lebens in der Ukraine in den 35 Jahren unserer Unabhängigkeit bereits deutlich gestiegen – jedenfalls im Vergleich zur Russischen Föderation.

Dennoch sehen Sie selbst: Wir kämpfen inzwischen das fünfte Jahr im großen Krieg, und insgesamt dauert dieser Konflikt bereits zwölf Jahre an. Vergessen Sie nicht, dass die Ukrainer bis 2022 auf diesen Konflikt im Grunde nur mit dem Wunsch reagierten, ihn um jeden Preis zu beenden. Genau damit hingen letztlich auch die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl 2019 zusammen.

Deshalb gibt es keinerlei ukrainische Einzigartigkeit. Jede Behauptung, irgendein Volk sei einzigartig, ist, würde ich sagen, ein anachronistisches Denken des Mittelalters, das mit gesundem Menschenverstand nichts zu tun hat. Menschen sind grundsätzlich überall gleich.

Wenn Russland irgendein europäisches Land angreifen sollte, wird es dort sowohl Menschen geben, die bereit sind, ihr Land zu verteidigen, als auch Menschen – wie es sie auch in der Ukraine gibt –, die der Meinung sein werden, man müsse sich selbst und seine Familie retten und der Staat werde schon irgendwie auch ohne sie überleben.

Es wird genügend Menschen geben, die bereit sind zu kämpfen, und genügend Menschen, die einfach überleben wollen. Darauf beruht die gesamte Weltgeschichte. Diejenigen, die überleben, bauen später Staaten wieder auf. Diejenigen, die den Staat mit ihrem Leben und ihrer Gesundheit verteidigen, ermöglichen gerade denjenigen, die nicht kämpfen wollten, diesen Wiederaufbau. Glauben Sie, die Geschichte hat sich in den vergangenen 7.000 Jahren anders entwickelt? Genau so verlief sie. Was soll daran einzigartig sein? Wie könnte es überhaupt anders sein?

Frage: Wie kommt es, dass die sowjetischen und russischen Geheimdienste die Amerikaner so gut verstehen und sie oft erfolgreich manipulieren, während die Amerikaner die Russen überhaupt nicht verstehen?

Portnikov: Zunächst einmal verstehen die sowjetischen und russischen Geheimdienste die Amerikaner keineswegs so hervorragend. In der Regel nutzen sie Menschen aus, die sich vor allem für Geld interessieren. Das ist eine sehr einfache Methode der Zusammenarbeit – so alt wie die Welt.

Aus analytischer Sicht verstehen die Amerikaner die Russen tatsächlich nicht – so wie sie vieles in Europa oder Asien generell nicht verstehen. Sie begreifen die Motive nicht, von denen Menschen sich bei ihren Entscheidungen leiten lassen. Dass es neben dem Wunsch nach finanziellem Gewinn auch Vorstellungen von nationaler Größe geben kann, den Kampf gegen den eigenen nationalen oder persönlichen Minderwertigkeitskomplex oder schlicht Angst vor dem eigenen Staat – eine Angst, die bei Russen viel größer sein kann als bei Amerikanern.

Das ist eine ganz andere Geschichte, über die man lange sprechen könnte. Man muss sie, würde ich sagen, in ihrer Gesamtheit verstehen.

Ich habe immer gesagt, dass es bei der amerikanischen Analyse Europas – und das betrifft nicht nur die Geheimdienste – grundsätzlich ein Problem gibt: Die Werte, auf denen die Vereinigten Staaten gegründet wurden, unterscheiden sich von den Wertvorstellungen der Alten Welt. Deshalb heißt sie ja Alte Welt und Neue Welt. Wenn man in der Alten Welt lebt, versteht man die Neue leichter, als die Neue die Alte versteht. Das erscheint mir eigentlich selbstverständlich.

Frage: Falls die Ukraine Belarus weiterhin dazu drängt, Russland nicht zu unterstützen – wie wird die Ukraine handeln, wenn Belarus irgendwann diese Zugeständnisse verweigert?

Portnikov: Ich denke, wir verstehen sehr genau, bis zu welchem Punkt wir Druck auf Belarus ausüben können. Die Frage ist allein, inwieweit der selbsternannte Präsident von Belarus, Alexander Lukaschenko, sich der Gefahr einer ukrainischen Reaktion bewusst ist, falls unsere Forderungen hinsichtlich des Verhaltens Minsks im russisch-ukrainischen Krieg nicht erfüllt werden.

In dem Moment, in dem die Ukraine begonnen hat, Ziele auf russischem Territorium anzugreifen, befindet sich Belarus – sowohl geografisch als auch wegen seiner kompakten Wirtschaft und ihrer Verwundbarkeit – in einer strategisch weitaus schwierigeren Lage als Russland gegenüber der Ukraine.

Deshalb besteht Lukaschenkos wichtigstes Ziel darin, ukrainische Angriffe auf Belarus zu verhindern – insbesondere auf die Erdölraffinerien des Landes. Das muss man sich klar machen. Deshalb würde ich nicht sagen, dass Belarus der Ukraine ernsthaft irgendwelche Zugeständnisse verweigern kann.

Ich denke, die eigentliche Frage ist vielmehr, wie diese Zugeständnisse nicht von Lukaschenko, sondern von Putin aufgenommen werden. Denn Putin ist ebenso wie Lukaschenko daran interessiert, die belarussische Ölverarbeitung, die belarussische Wirtschaft und das belarussische Regime zu erhalten. Belarus wird heute von Putin gebraucht. Es dient als eine Art inoffizielles Fenster für die russische Wirtschaft und letztlich auch für informelle Kontakte zwischen den Präsidentenadministrationen der Vereinigten Staaten und Russlands, falls dafür irgendwann Voraussetzungen entstehen.

Sie verstehen doch, dass die amerikanische Regierung in Wirklichkeit kaum geglaubt hat, sie könne Lukaschenko Putin entreißen. Vielmehr wollte sie Lukaschenko als eine Art Vermittler zwischen Putin und Trump nutzen. Das liegt derzeit auf Eis, weil die Trump-Regierung gegenüber Lukaschenko keinerlei konkrete Schritte unternommen hat und Lukaschenko sieht, dass gegen ihn tatsächlich nichts Konkretes geschieht. Dennoch bleibt diese Möglichkeit grundsätzlich bestehen, und Putin könnte durchaus daran interessiert sein, sie zu bewahren.

Für die Ukraine wird es kaum eine andere Wahl geben, falls von belarussischem Territorium aus feindliche Handlungen gegen die Ukraine ausgehen. Wenn Belarus zur Destabilisierung unseres Staates beiträgt oder der russischen Armee Hilfe leistet – wie soll die Ukraine diese Möglichkeiten Belarusses dann einschränken? Umso mehr, wenn darüber bereits auf staatlicher Ebene gesprochen wird und dies inzwischen tatsächlich Teil der Strategie der Streitkräfte der Ukraine geworden ist. Einfach deshalb, weil wir uns das inzwischen leisten können – denn wir greifen bereits Ziele auf russischem Territorium an.

Warum ist das Thema Belarus überhaupt aufgekommen? Erinnern Sie sich: Noch 2022 erschienen selbst Angriffe auf Russland völlig unmöglich. Ebenso undenkbar schienen Angriffe auf die von Russland besetzten Gebiete der Ukraine, auf die Krim. Später stimmten unsere Verbündeten zu, dass Angriffe auf die besetzten Gebiete möglich seien, auch wenn wir unsere Beteiligung daran nicht eingestanden. Danach wurden Operationen auf dem eigentlichen russischen Staatsgebiet möglich – etwa in der Region Belgorod. Anschließend folgte die Geschichte mit der Region Kursk.

Wir sind also Schritt für Schritt, aber sehr realistisch zu einer Situation gelangt, in der sich der Krieg in den kommenden Jahren auf dem Territorium beider Staaten abspielen und zu einem gegenseitigen Abnutzungskrieg werden wird. Warum sollte dann Belarus ausgenommen werden, wenn Belarus Verbündeter der Russischen Föderation in diesem Krieg ist? Das ist eine rein rhetorische Frage.

Und Lukaschenko versteht sehr genau, dass es tatsächlich eine rhetorische Frage ist.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Війна і Трамп: кінець «духу Анкориджа» | Віталій Портников. 29.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Tyschtschenko erhielt einen Korruptionsverdacht | Vitaly Portnikov. 29.06.2026.

Der ukrainische Parlamentsabgeordnete Mykola Tyschtschenko erhielt heute vom Nationalen Antikorruptionsbüro der Ukraine einen Korruptionsverdacht. Der Verdacht betrifft den Versuch, sich im Zusammenhang mit der Glücksspielbranche einen rechtswidrigen Vorteil zu verschaffen.

Als Journalisten also erklärten, Tyschtschenko bekämpfe in Wirklichkeit nicht das Glücksspielgeschäft, sondern versuche, aus seinem angeblichen Kampf Geld zu schlagen, hatten sie vollkommen recht. Tyschtschenko entfaltete diesen Kampf, um die Betreiber des Glücksspielgeschäfts einzuschüchtern und denjenigen Schutz zu versprechen, die bereit waren, ihm diesen rechtswidrigen Vorteil zu verschaffen.

Ein weiterer Verdacht betrifft die Geldwäsche von 12,6 Millionen Hrywnja, die auf illegalem Wege erlangt worden sein sollen und die Tyschtschenko mithilfe einer Schenkung an seine Ehefrau zu legalisieren versucht haben soll. Ich erinnere daran, dass dies keineswegs die erste Begegnung des Parlamentsabgeordneten mit dem Gesetz ist.

Man könnte allerdings sagen, dass diese Verdachtsmomente gegen Tyschtschenko, der 2019 als einer der Frontmänner der präsidentennahen Partei Diener des Volkes galt, mit der heutigen Regierung in Wirklichkeit nichts mehr zu tun hätten, da er schon vor längerer Zeit aus der Fraktion ausgeschlossen wurde.

Nun, gerade an dem Tag, an dem der Verdacht gegen Tyschtschenko bekannt wurde, erschienen in den Medien auch Informationen über einen Verdacht gegen einen weiteren Parlamentsabgeordneten – diesmal gegen Serhij Kusmynych, der weiterhin der Fraktion Diener des Volkes angehört. Ihm wird vorgeworfen, 558.000 Hrywnja als rechtswidrigen Vorteil dafür erhalten zu haben, einer Privatfirma dabei geholfen zu haben, Aufträge eines staatlichen Krankenhauses in der Region Schytomyr zu erhalten. Und dies geschah bereits im Jahr 2022.

Man kann also nicht sagen, dass es sich um neue Erscheinungsformen der Korruption vor dem Hintergrund des Krieges handelt. Man kann sich nur vorstellen, welche Summen sich in den Jahren 2022 bis 2026 angesammelt haben.

Diese Nachricht fiel wiederum zeitlich mit der freudigen Mitteilung zusammen, dass endlich das Geld für die Kaution aufgebracht worden sei, die es dem ehemaligen Energieminister der Ukraine, Herman Haluschtschenko, ermöglichen wird, die Untersuchungshaft zu verlassen. Er ist einer der wichtigsten Beschuldigten in der sogenannten „Mindichgate“-Affäre.

Man kann einfach nüchtern feststellen, dass die Regierung im Hinblick auf Integrität nicht nur vor unseren Augen degeneriert, sondern praktisch schon in den ersten Tagen und Monaten ihrer Bildung derart degeneriert war.

Es gibt einige einfache Gesetze, die jeder Mensch bei klarem Verstand begreifen sollte. 

Nehmen wir das erste Gesetz. Wenn du kein eingespieltes politisches Team, keine gefestigten politischen Überzeugungen und keine große Zahl von Menschen hast, die sich in gemeinsamer politischer Arbeit bewährt haben und denen du vertrauen kannst, dann solltest du keine politische Tätigkeit ausüben und nicht für die höchsten Staatsämter kandidieren – weder für das Präsidentenamt noch für ein Mandat als Parlamentsabgeordneter.

Das ist zu deinem eigenen Wohl verboten, denn andernfalls wird deine Tätigkeit zu einer völlig ausweglosen Krise in dem Land führen, das du regierst. Und wenn dieses Land um sein Überleben kämpft, wird dieser Kampf noch dramatischer werden, als er es wäre, wenn der Staat von einem Profi mit einem bewährten Team geführt würde.

Das zweite Gesetz lautet: Wenn du Wähler bist, wenn du ein bewusster Bürger des Landes bist, solltest du nicht für jemanden stimmen, über den du nichts weißt – weder über seine politischen Ansichten noch darüber, womit er sich beschäftigte, bevor er beschloss, Präsident oder Parlamentsabgeordneter zu werden, noch darüber, wie moralisch dieser Mensch überhaupt ist.

Ich habe immer gesagt, dass ich die Logik derjenigen, die 2019 für Volodymyr Zelensky gestimmt haben, zumindest insofern nachvollziehen konnte, als Zelensky stets eine allgemein bekannte Persönlichkeit war und viele seiner Wähler nicht einmal für ihn selbst stimmten, sondern für die Figur aus einer populären populistischen Fernsehserie mit traurigem Ende. Aber dass die Einwohner Kyivs für Menschen stimmten, über die sie überhaupt nichts wussten – etwa für eben jenen Mykola Tyschtschenko –, dass Bewohner anderer Regionen der Ukraine für Personen stimmten, von denen sie buchstäblich erst einen Tag vor der Wahl erfahren hatten, dass sie für eine Parteiliste stimmten, die faktisch aus anonymen Personen bestand – das ist nicht einfach eine Lotterie, sondern der politische Selbstmord einer ganzen Nation.

Doch das ist leider bereits geschehen. Und wir können uns nur darüber freuen, dass die Abhängigkeit der Ukraine von unseren Partnern, die uns im russisch-ukrainischen Krieg unterstützen, die ukrainischen Behörden dazu gezwungen hat, Antikorruptionsinstitutionen zu schaffen, die Korruptionsmissbrauch bekämpfen können, ohne allzu sehr auf die Folgen für ihre Mitarbeiter im Hinblick auf die Reaktionen der staatlichen Machtstrukturen Rücksicht nehmen zu müssen.

Denn wenn Russland die Ukraine nicht angegriffen hätte und die Ukraine keine westlichen Gelder und keine westliche Hilfe benötigen würde, wenn nicht klar wäre, dass die Ukraine diesen Konflikt ohne die NATO und die Europäische Union einfach nicht bewältigen kann, dann versichere ich Ihnen: Es gäbe keinerlei Antikorruptionsbehörden. Und all diese Menschen, gegen die das Nationale Antikorruptionsbüro heute Verdachtsverfahren einleitet, würden sich ungehindert bereichern und keinerlei Rücksicht auf die Trottel nehmen, die bei den letzten Parlamentswahlen so freudig für sie gestimmt haben. Über die Regierungsmitglieder spreche ich dabei gar nicht erst. Sie verfügen über Möglichkeiten, um die sie der Wähler eines Parlamentsabgeordneten nur beneiden kann – und ebenso der Parlamentsabgeordnete selbst.

Bleibt also nur zu hoffen, dass die Notwendigkeit des Überlebens unter den Bedingungen, unter denen die Ukraine strenge westliche Auflagen erfüllen muss, um sich der zivilisierten Welt anzunähern, uns in den kommenden Jahrzehnten helfen wird, die Korruption loszuwerden – zumindest in jenem Ausmaß, in dem sie heute blüht.

Dazu müssen die Bürger der Ukraine allerdings wenigstens jene zwei Gesetze befolgen, an die ich sie erinnere.

  • Sich nicht in die Politik begeben und sich nicht dort hineindrängen, wenn man weder Überzeugungen noch ein Team hat.
  • Keine unbekannten Menschen nach dem Lotterieprinzip auswählen und nicht für diejenigen stimmen, über die man nichts in Erfahrung bringen und nichts sagen kann.

Das ist ein sehr einfaches Gesetz. Es lässt sich in zwei oder drei einfachen Sätzen formulieren. Man darf einfach nicht den Verstand verlieren.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Тищенко отримав підозру | Віталій Портников. 29.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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