Die Blase der polnischen Kränkung und die ukrainische Blutung…Vitaliy Vantsa. 07.07.2026.

Польська бульбашка кривди та українська кровотеча.. Vitaliy Vantsa. 07.07.2026.

Polen erinnert heute immer mehr an einen Menschen, der in einem Boot sitzt, das durch einen Sturm treibt, und statt auf die Wellen zu schauen, ein internes Seminar darüber veranstaltet, wer wem 1943 was gesagt hat.

Das ist sehr edelmütig … fast so, als würde man die Speisekarte eines Restaurants überarbeiten, das bereits brennt.

In Polen gibt es eine lange politische Kultur des historischen Unrechts. Die Teilungen Polens, der Verlust der Staatlichkeit, Besatzungen, Kriege, der Verrat durch die Großmächte – all das sind reale Traumata. Man sollte sie nicht kleinreden.

Doch ein Trauma ist das eine … eine politische Industrie des Traumas ist etwas völlig anderes.

Denn wenn historisches Unrecht zum wichtigsten Treibstoff der eigenen Identität wird, muss es ständig neu angefacht und nachgefüllt werden. Sonst verliert die Blase ihre Spannung. Und wenn die Deutschen weit weg sind, die Russen scheinbar „irgendwo weit weg“ und in Polen kaum noch Juden leben – wer eignet sich dann am besten als lebendige Verkörperung historischen Unrechts?

Richtig … die Ukrainer. Sie sind „praktischerweise“ hier. Ganz in der Nähe. Sie arbeiten. Sie sprechen Ukrainisch. Sie haben ihre eigenen Helden. Sie fragen niemanden um Erlaubnis. Und sie haben – diese Frechheit – irgendwie überlebt.

Genau das scheint manchmal eines der Hauptprobleme zu sein.

Die polnische Politik (genauer gesagt: die Politik!) versteht heute oft nicht, dass die Ukraine nicht im Theater ihrer Erinnerung lebt, sondern auf der Intensivstation. Und wir leiden unter einer massiven Blutung.

Wenn ein Mensch verblutet, führt er keine Podiumsdiskussion darüber, ob das Tourniquet vielleicht zu radikal angelegt wurde. Er zieht das Tourniquet einfach fest.

Wenn der Schmerz unerträglich ist, hält er keinen Vortrag über die langfristige Toxizität von Morphin oder Fentanyl. Er lindert den Schmerz, um nicht zu sterben.

Mit nationalen Symbolen im Krieg verhält es sich möglicherweise ähnlich. In Kriegszeiten greift eine Gesellschaft nicht zu akademisch sterilen Symbolen, sondern zu starken Symbolen – zu denen, die mobilisieren, den Mut aufrechterhalten, Rückgrat geben und gegen das Imperium wirken.

Ja, irgendwann wird die Zeit kommen, den gesamten nationalen Kanon in Ruhe zu überprüfen. Irgendwann wird man ausführlich über Toxizität, Kontexte, Schattenseiten, Verantwortung und internationale Wahrnehmung diskutieren können. Aber im Moment befinden wir uns leider nicht auf einem historischen Symposium.

Unser Alltag heißt Russland. Jeden Tag. Mit Verlusten und massiven Angriffen. Bei uns gibt es Raketen. Drohnen. Schützengräben. Todesnachrichten. Kriegsgefangene. Städte ohne Strom. Kinder in Luftschutzkellern.

Und da wirkt es äußerst befremdlich, wenn man uns aus Warschau gerade jetzt Vorträge hält: „Sind eure Helden überhaupt zivilisiert genug?“

Meine Damen und Herren – wir verbluten gerade. Ihr Seminar über die richtige Verwendung von Verbänden kann man etwas später abhalten.

Das größte Paradoxon besteht darin, dass Polen und die Ukraine noch immer im selben Boot sitzen. Wenn die Ukraine fällt, wird Polen dadurch nicht sicherer. Wenn die Ukraine jedoch die Front hält, gewinnt Polen strategische Tiefe. Und wenn die Ukraine siegt, erhält Polen einen starken Partner an seiner Seite – einen Markt, ein Verteidigungsbündnis, logistische Möglichkeiten, den Wiederaufbau und ein neues Osteuropa. Wenn Polen sich stattdessen mit der Ukraine zerstreitet, schenkt es diesen Raum Berlin, Paris, London, Washington – wem auch immer, nur nicht sich selbst.

Genau darin besteht das strategische Talent des polnischen Populismus: eine einmalige historische Chance zu ergreifen und sich damit selbst auf den Kopf zu schlagen.

Polen hätte der wichtigste Fürsprecher der Ukraine in Europa sein können. Das wichtigste Drehkreuz für den Wiederaufbau. Die wichtigste politische Brücke zwischen der Ukraine und der EU. Der wichtigste Partner einer neuen Sicherheitsarchitektur Osteuropas.

Doch ein Teil der polnischen Politik hat beschlossen, es sei interessanter, gegen tote Ukrainer der 1940er Jahre zu kämpfen, während lebende Ukrainer gegen Russland kämpfen.

Ein „brillanter“ Geschäftsplan!

Fast so, als würde man die Aktien eines künftigen Technologiekonzerns ablehnen, weil einem die Frisur seines Großvaters nicht gefallen hat.

Die Ukraine wird nach diesem Krieg – so hoffe ich sehr – nicht mehr dieselbe Ukraine sein. Sie wird kein Bittsteller mehr sein. Kein „kleiner Nachbar“. Kein schweigendes Objekt fremder Erziehungsversuche.

Sie wird ein Staat mit gewaltiger Kampferfahrung sein, mit einer eigenen Rüstungsindustrie, einer Schule für Drohnentechnologie, einer Armee, die den modernen Krieg tatsächlich kennt, und mit dem politischen Kapital eines Landes, das den russischen Imperialismus aufgehalten hat.

Und wenn Polen glaubt, mit einer solchen Ukraine weiterhin in der Sprache sprechen zu können: „Mit Bandera werdet ihr nicht beitreten“, „Eure Erinnerungskultur ist falsch“, „Wir lassen euch hinein oder eben nicht“, dann ist das keine Diplomatie mehr. Das ist geopolitische Kurzsichtigkeit unter nationaler Flagge.

Besonders amüsant ist auch die Behauptung, die Ukrainer seien eine Belastung für Polen.

Die Ukrainer in Polen arbeiten, zahlen Steuern, gründen Unternehmen, tragen einen Teil des Arbeitsmarktes, stärken die polnische Wirtschaft und schließen demografische Lücken, die die polnische Politik selbst nicht schließen kann.

Und gleichzeitig erklärt man ihnen von den höchsten politischen Tribünen Polens, sie seien das Problem.

Das ist nicht einmal mehr Undankbarkeit. Das ist bereits eine Art wirtschaftliche Schizophrenie mit patriotischem Soundtrack.

Was sollte die Ukraine also tun?

Ganz sicher nicht mit Orden hinterherlaufen.

Nicht betteln.

Nicht versuchen, diejenigen zu überzeugen, die von politischer Kränkung leben.

Nicht die eigene Erinnerungskultur für die Zustimmung des polnischen Elektorats preisgeben.

Nicht den eigenen nationalen Kanon gegen ein vorübergehendes polnisches „Ja“ in Brüssel eintauschen.

Denn wenn es nicht Bandera ist, wird es später Masepa sein. Wenn nicht die UPA, dann Chmelnyzkyj. Wenn nicht Wolhynien, dann das Getreide. Wenn nicht das Getreide, dann der Transport oder die Spediteure. Wenn nicht der Transport, dann „die Ukrainer nehmen uns die Arbeitsplätze weg“.

Wer einen Vorwand finden will, wird ihn leider immer finden.

Deshalb sollte die Strategie einfach sein.

Dankbarkeit – ja.

Erniedrigung – nein.

Dialog – ja.

Erpressung – nein.

Exhumierungen – ja.

Kriminalisierung der ukrainischen Erinnerungskultur – nein.

Partnerschaft – ja.

Polnische Vormundschaft über die ukrainische Identität – nein.

Und noch etwas.

Gute Nachbarschaft entsteht nicht dadurch, dass sich immer nur eine Seite entschuldigt.

Gute Nachbarschaft beruht auf Stärke, Gegenseitigkeit, Respekt und dem Verständnis einer gemeinsamen Bedrohung.

Die beste Garantie für gute nachbarschaftliche Beziehungen der Ukraine ist nicht ein weiterer schöner Gipfel.

Es sind eine starke Armee, eigene Raketen, eigene Drohnen, eine eigene Luftverteidigung, eigene Geheimdienste, eine eigene Rüstungsindustrie, eine eigene Wirtschaft – aber auch eine eigene Erinnerungskultur, die weder durch ein polnisches, ungarisches, russisches noch irgendein anderes Veto blockiert werden kann.

Polen kann seine Blase des historischen Unrechts noch lange weiter aufblasen.

Aber es sollte sich nicht wundern, wenn die Ukraine irgendwann einfach aufhört, an diese Blase zu klopfen, und beginnt, ihre Zukunft mit jenen aufzubauen, die eine Zukunft wollen – und keinen endlosen politischen Friedhof mit Mikrofon.

Denn im Moment ist alles ganz einfach.

Die Ukraine blickt auf die Front.

Die polnischen Populisten blicken in die Vergangenheit und suchen dort nach Umfragewerten.

Und noch etwas Wichtiges:

Über die Geschichte werden wir ganz sicher noch sprechen.

Aber zuerst müssen wir schlicht überleben!

Und genau das scheint man in Warschau bis heute am schwersten zu begreifen. ((


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Titel des Originals: Польська бульбашка кривди та українська
кровотеча.. Vitaliy Vantsa. 07.07.2026.

Autor: Vitaliy Vantsa.
Veröffentlichung / Entstehung: 07.07.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Krakau: Hakenkreuz in ukrainischen Farben – Ein Alarmsignal für Polen? Vitaliy Vantsa. 08.07.2026.

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Ein Hakenkreuz in den ukrainischen Farben auf dem Gehweg.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht einmal, was ich dazu noch kommentieren soll. Genauer gesagt weiß ich es, aber ich möchte es eigentlich nicht, denn das ist längst keine politische Diskussion mehr, keine „historische Erinnerung“, kein Wolhynien, kein Bandera, keine UPA und auch kein weiterer Fernsehpatriotismus mit Mikrofon.

Das ist inzwischen ein schweres Geschwür … ein widerliches, eiterndes, stinkendes Geschwür, das man lange mit Worten, Fernsehsendungen, Andeutungen, Erpressung, „Mit Bandera werdet ihr nicht beitreten“, „Die Ukrainer sind undankbar“, „Die Ukrainer lachen über die polnischen Opfer“, „Ukrainische Symbole müssen bestraft werden“ aufgebläht hat.

Und jetzt beginnt es aufzubrechen … heute ein Hakenkreuz auf dem Asphalt … morgen Brandstiftung … übermorgen Prügelattacken … Pogrome.

Und danach werden alle ganz erstaunt fragen: „Wie konnte das passieren? Wir haben doch nur über historische Erinnerung gesprochen.“

Ja, natürlich … man hat nur gesprochen … die Ukrainer nur ein wenig entmenschlicht … sie nur ein wenig mit den Nationalsozialisten gleichgesetzt … den eigenen Wählern nur ein wenig erklärt, dass das ukrainische Geschichtsverständnis falsch sei … den Radikalen nur ein wenig die moralische Erlaubnis erteilt.

Und dann hat die Farbe ganz von selbst zur Spraydose gegriffen und angefangen, Hakenkreuze zu malen.

Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, wer das getan hat … russische Agenten? Für Rubel bezahlte Trolle? Neue polnische braune Nationalisten? Oder ein örtlicher Dummkopf, dem der Fernseher längst das Gehirn ersetzt hat?

Das soll die ABW (Agencja Bezpieczeństwa Wewnętrznego / Agentur für Innere Sicherheit) untersuchen. Und zwar möglichst schnell. Denn wenn der polnische Staat das jetzt nicht behandelt, wird später nicht mehr der Asphalt behandelt werden müssen … sondern Menschen … viele Menschen.

Und nein, das ist wahrscheinlich noch nicht einmal der Höhepunkt … leider noch lange nicht … das ist erst eine Etappe.

Denn Hass beginnt nur selten mit einem Messer. Er beginnt mit einem Witz, einem Etikett, einem Graffiti, dem Schweigen der Nachbarn und dem äußerst bequemen Satz: „Sie sind doch selbst schuld.“

Polen steht jetzt vor einer sehr einfachen Wahl:

▪️ entweder diese Welle jetzt stoppen;

▪️ oder später so tun, als hätte niemand gesehen, wie sie gewachsen ist.

Die Ukrainer lachen nicht über die polnischen Opfer. Aber heute sieht es sehr danach aus, als erlaube sich ein Teil Polens bereits offen, sich über lebende Ukrainer lustig zu machen … über jene, die vor dem Krieg geflohen sind … über jene, die in Polen arbeiten … über jene, deren Angehörige jetzt kämpfen … über jene, die Russland jeden Tag mit Raketen, Drohnen und Artillerie tötet.

Ein Hakenkreuz in den ukrainischen Farben ist keine „Meinung“ mehr … es ist ein Symptom … und ein sehr schlechtes Symptom.

Das Geschwür reift.

Die einzige Frage ist, ob Polen noch in der Lage ist, es zu behandeln – oder ob man beschlossen hat, das Ganze einfach „patriotische Dermatologie“ zu nennen.

Vielen Dank an Łukasz Wantuch für das Originalmaterial aus Krakau.


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Autor: Vitaliy Vantsa.
Veröffentlichung: 08.07.2026.
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Ein Krieg der Paläste in Polen.  Artem Bidenko. 07.07.2026.

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Und nun eine ausführliche Analyse der Beziehungen zu Polen – mit vielen Nuancen, über die bei uns kaum gesprochen wird.

Das polnische Büro unserer Beratungsgruppe SEC Newgate CEE hat einen Bericht über das erste Jahr des Zusammenwirkens von Präsident Karol Nawrocki und der Regierung von Donald Tusk veröffentlicht. Der Titel lautet mit charakteristischer Selbstironie: „Ein Jahr des Zusammenlebens oder der Konfrontation?“. In der Ukraine betrachtet man die polnische Politik meist nur durch einen schmalen Spalt („Was hat Nawrocki diese Woche über Wolhynien gesagt?“). Deshalb möchte ich wiedergeben, wie die Polen selbst diesen Konflikt sehen – und warum alles sehr viel komplizierter ist. Den Bericht selbst stelle ich in die Kommentare; dort findet sich auch meine Folie.

Die zentrale These betrifft nicht einzelne Personen, sondern die Konstruktion des politischen Systems. Die beiden Machtzentren in Polen – Präsident und Ministerpräsident – sind unabhängig davon, wer diese Ämter innehat, zum Konflikt verurteilt, weil das System selbst so aufgebaut ist: unterschiedliche Wahlzyklen, verschiedene Amtszeiten und sich überschneidende Kompetenzen. Diese Konstruktion enthält den Konflikt bereits in sich.

Der schärfste Konflikt zwischen Präsident und Ministerpräsident in der jüngeren Geschichte Polens entbrannte übrigens nicht zwischen politischen Gegnern, sondern zwischen Aleksander Kwaśniewski und Leszek Miller – zwei Politikern derselben Partei, die zwanzig Jahre lang befreundet waren und buchstäblich im selben Hauseingang wohnten; ihre Wohnungen lagen sogar auf derselben Etage. Am Ende führte dieser Konflikt zur Spaltung der Linken und zum Absturz des SLD von 41 auf 11 Prozent.

Daraus ergibt sich eine Formel, die man sich merken sollte: Für einen Krieg zwischen zwei Palästen braucht es keine zwei politischen Lager – zwei Paläste genügen. Persönliche Absprachen können die Spannungen mindern, aber den Konflikt selbst nicht beseitigen.

Die Außenpolitik Polens hat sich inzwischen in das verwandelt, was die Autoren als „mehrere Außenpolitiken gleichzeitig“ bezeichnen. Der Präsident verantwortet die amerikanische Richtung, die Regierung und das Außenministerium die europäische. Jeder Gipfel und jeder Staatsbesuch wird dadurch zum Anlass eines Konkurrenzkampfes darum, wessen Foto später in den Geschichtsbüchern erscheinen wird.

Ein klassisches Beispiel: Vor dem Treffen mit Donald Trump im September 2025 übermittelte das Außenministerium Präsident Nawrocki eine „Anweisung“ für das Gespräch. Die Präsidialkanzlei reagierte empört und warf dem Ministerium vor, die verfassungsmäßige Hierarchie nicht zu kennen. Das Außenministerium wiederum bestand darauf, dass es sich um die offizielle Position des Staates handele, die der Präsident berücksichtigen müsse.

Ein weiteres dauerhaftes Konfliktfeld sind die Ernennungen von Botschaftern – besonders scharf beim Botschafterposten in den Vereinigten Staaten, wo bis heute lediglich ein Geschäftsträger im Amt ist.

Für uns besonders interessant ist das Kapitel über die Sicherheitspolitik, denn dort geht es um Fragen, die die Ukraine unmittelbar betreffen. Die Autoren sprechen vom „Ende der Schonfrist“: Die Sicherheitspolitik, die seit 2022 in Polen eine parteiübergreifende Konsenszone gewesen war, ist inzwischen in den innenpolitischen Machtkampf hineingezogen worden.

Zum symbolischen Wendepunkt wurde der Streit über die Lieferung von Kampfflugzeugen an die Ukraine. Der Präsident warf der Regierung öffentlich vor, ihn darüber nicht informiert zu haben. Die Regierung entgegnete, sämtliche Verfahren seien ordnungsgemäß unter Beteiligung des Nationalen Sicherheitsbüros abgewickelt worden.

Noch schärfer verlief ein Vorfall im Pentagon: Vertreter des Präsidialamtes für nationale Sicherheit schlossen nach Angaben des Berichts den polnischen Verteidigungsattaché von Besprechungen aus. Das Verteidigungsministerium wertete dies als Verletzung der zivilen Kontrolle über die Streitkräfte.

Den Höhepunkt bildete schließlich Nawrockis Veto gegen das Gesetz, das Polen den Zugang zum europäischen Verteidigungsinstrument SAFE eröffnet hätte. Dadurch musste die Regierung das gesamte Modell der Rüstungsfinanzierung überarbeiten und mit den Partnern neu verhandeln.

Daneben schwelt weiterhin ein Konflikt um Personalentscheidungen in den Geheimdiensten. Der Präsident blockierte die Ernennung von mehr als hundert Offizieren und verlangte direkten Zugang zu den Leitern der Nachrichtendienste, während die Regierung darauf besteht, dass dies ausschließlich innerhalb klar definierter institutioneller Verfahren erfolgen dürfe.

Nun direkt zur Ukraine.

Der Bericht bezeichnet Nawrockis Kurs als „zweigleisig“. Einerseits erkennt er die Ukraine als Opfer der russischen Aggression an und versteht, dass ihre Unabhängigkeit für die Sicherheit Polens von entscheidender Bedeutung ist. Andererseits lehnt er eine „bedingungslose“ Beziehung zu Kyiv grundsätzlich ab und stellt polnische Interessen – insbesondere historische Fragen – in den Vordergrund.

Konkret erklärte Nawrocki bereits im Wahlkampf, einer Integration der Ukraine in NATO und EU müsse eine „ehrliche Verständigung über die schwierigen Seiten der gemeinsamen Geschichte“ vorausgehen – gemeint sind Wolhynien sowie eine Neubewertung der ukrainischen Haltung gegenüber OUN und UPA.

Im August 2025 legte er zudem ein Veto gegen die Novellierung des Gesetzes zur Unterstützung ukrainischer Staatsbürger ein. Und was anschließend mit dem Orden des Weißen Adlers geschah, kennen wir alle.

Der Bericht zieht daraus eine nüchterne Schlussfolgerung: Mit einer baldigen Abschwächung dieser Haltung ist nicht zu rechnen. Für uns ist jedoch besonders wichtig, worum sich der gesamte Bericht eigentlich dreht: um die Komplexität der innenpolitischen Debatten in Polen – und nicht um irgendeine angeblich falsche Position der Ukraine.

Ebenso aufschlussreich ist die Perspektive der Nachbarländer, die der Bericht aus einem Dutzend europäischer Hauptstädte zusammenträgt.

In Prag werden die innerpolnischen Konflikte offen als Gefahr für die Berechenbarkeit der gesamten Region bezeichnet. Man weist darauf hin, dass Warschau zunehmend die Fähigkeit verliere, mit einer Stimme für Mitteleuropa zu sprechen.

In Belgrad spricht man bereits von einem „Kalten Krieg“ an der Spitze der Staatsführung.

Berlin und Paris reagieren gelassener. Die Franzosen erinnern daran, dass sie selbst mehrere Phasen der Kohabitation erlebt hätten, ohne dass der Staat daran zerbrochen wäre. Die Deutschen betonen, Polen sei für sie inzwischen unverzichtbar geworden, und keine innenpolitischen Streitigkeiten würden daran etwas ändern.

Allen Einschätzungen gemeinsam ist jedoch folgender Gedanke: Solange es sich um innere Angelegenheiten Polens handelt, bleibt es eine polnische Angelegenheit. Sobald jedoch externe Akteure beginnen, mit einem Machtzentrum gegen das andere zu spielen – und Washington tut dies nach Einschätzung des im Bericht zitierten Analysten bewusst, indem es den Präsidenten unter Umgehung der Regierung bevorzugt –, hört der Konflikt auf, ausschließlich ein polnisches Problem zu sein.

Zum Schluss versuchen die Autoren, den Konflikt nicht nur zu beschreiben, sondern auch messbar zu machen.

Ihr „Spannungsmesser“ bewertet jede Auseinandersetzung anhand von drei Kriterien: institutionelles Gewicht, Intensität der Rhetorik und tatsächliche Folgen.

Das Ergebnis: Innerhalb von zehn Monaten fiel der Spannungsindex kein einziges Mal auf das Niveau eines wirklichen Waffenstillstands. In acht der zehn Monate übertraf die Schärfe der Rhetorik die tatsächlichen Konsequenzen deutlich. Es handelt sich also vor allem um einen Krieg der Narrative, der sich nur gelegentlich, dann aber schmerzhaft, in Vetos und blockierten Ernennungen konkretisiert.

Für die Ukraine ergeben sich daraus zwei praktische Schlussfolgerungen.

Die erste haben wir bereits verstanden: Man kann nicht mehr davon ausgehen, dass die polnische Unterstützung automatisch dieselbe bleibt wie unter Präsident Duda. Sie ist inzwischen Gegenstand des innenpolitischen Machtkampfes in Polen und nicht länger der kleinste gemeinsame Nenner der beiden Machtzentren.

Wir müssen diese innerpolnischen Konflikte berücksichtigen, Polen nicht mutwillig provozieren – denn sonst verlieren wir Verbündete –, zugleich aber unsere eigenen nationalen Interessen nicht preisgeben. Mit kühlem Kopf sollten wir darauf warten, dass unser engster Verbündeter die Kraft findet, politisch reifer zu werden.

Die zweite Schlussfolgerung ist grundsätzlicher.

Ein Konflikt zwischen zwei Zentren der Exekutive, in den sich externe Akteure einmischen und sich jeweils den für sie günstigeren „Palast“ aussuchen, stellt für jedes Land mit einer doppelten Exekutive ein ernstzunehmendes Risiko dar – auch für unseres.

Streitigkeiten, die zunächst wie harmlose politische Debatten erscheinen, führen unweigerlich zu regionalen Spannungen, zum Verlust von Chancen und zur Schwächung des politischen Potenzials.

Kurz gesagt: Das sind Fehler anderer, aus denen wir selbst lernen sollten.

Anlage:

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Autor: Artem Bidenko
Veröffentlichung: 07.07.2026.
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Moskau unter Drohnenangriffen | Vitaly Portnikov. 07.07.2026.

Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin berichtet von einem Angriff mit mehr als 400 ukrainischen Drohnen auf die russische Hauptstadt und das Moskauer Gebiet.

Damit können wir von einer Fortsetzung der großangelegten Angriffe ukrainischer Drohnen auf Moskau und das Moskauer Gebiet sprechen. Und obwohl der Moskauer Bürgermeister – ganz im Sinne der heutigen russischen Staatspropaganda – nichts über die Ergebnisse dieser Angriffe sagt, stellt bereits die Tatsache, wie viele Drohnen die Ukraine heute in Richtung Moskau starten kann, die Sicherheit der russischen Hauptstadt und der Hauptstadtregion infrage.

Genau das ist ein Teil jener Schlacht am Himmel, von der man in Kyiv spricht. Denn gerade die Zerstörung russischer Ressourcen und die Schaffung einer Atmosphäre der Unsicherheit im benachbarten Aggressorstaat könnten den Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, und sein engstes Umfeld dazu bringen, über die Notwendigkeit einer Beendigung oder zumindest eines Aussetzens des Krieges nachzudenken – und zwar nicht zu russischen Bedingungen.

Natürlich gehen parallel zu den Angriffen auf Moskau und das Moskauer Gebiet auch die Schläge gegen den russischen Ölraffineriesektor weiter. Bereits in der vergangenen Nacht fanden solche Angriffe im Gebiet Jaroslawl statt. Wir kennen inzwischen auch den mittlerweile berühmten Angriff auf die Raffinerie von Omsk – eine der größten Russlands und zugleich die am weitesten von der Staatsgrenze zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine entfernte Raffinerie.

Damit verschwindet ein wichtiger Vorteil, den die russische Hauptstadt und die Regionen jenseits des Urals stets besessen haben. Moskau war durch sein Luftverteidigungssystem zuverlässig gegen jegliche Überraschungen geschützt. Gerade für die Luftverteidigung der russischen Hauptstadt wurden die wichtigsten Mittel aus dem Verteidigungshaushalt bereitgestellt. So war es in der Sowjetunion, so blieb es auch im Russland Boris Jelzins und Wladimir Putins.

Es sei daran erinnert, dass selbst Zweifel daran, ob Moskau tatsächlich zuverlässig geschützt sei, eine politische Karriere beenden konnten. So geschah es beispielsweise mit dem Ersten Sekretär des Moskauer Stadtparteikomitees, Nikolai Jegorytschew, der vor dem Hintergrund des Nahostkriegs in den 1960er Jahren – übrigens durchaus folgerichtig – den Schutz der damaligen sowjetischen Hauptstadt infrage stellte und eine Änderung der Politik des Moskauer Militärbezirks forderte. Bereits wenige Tage nach dem Plenum des Zentralkomitees der Partei, auf dem er diese Bemerkungen gemacht hatte, wurde er seines Amtes enthoben.

Später ereignete sich dann jenes Ereignis, das zum Symbol des Zusammenbruchs der Sowjetunion wurde. Bereits in der Zeit Gorbatschows landete das kleine Flugzeug des deutschen Piloten Mathias Rust direkt auf dem Roten Platz im Zentrum Moskaus. Dies wurde zum Vorspiel für die Entlassung des damaligen sowjetischen Verteidigungsministers, Marschall Sergej Sokolow, sowie einer ganzen Reihe hochrangiger Militärs.

Heute tritt, wie wir sehen, niemand mehr zurück. Doch die Drohnen erreichen inzwischen sowohl das Zentrum Moskaus als auch die Raffinerie in der russischen Hauptstadt, verursachen erhebliche Probleme in der Logistik und treffen wichtige Betriebe des russischen militärisch-industriellen Komplexes in Moskau und im Moskauer Gebiet.

Auf der anderen Seite des Urals konnte Russland stets von der Sicherheit seiner Industrie ausgehen – vor allem der Rüstungs- und Raffineriebetriebe. Die Entfernung schützte sie zuverlässig vor Angriffen des Feindes. Erst wenn fremde Armeen Moskau und andere Städte im europäischen Teil der ehemaligen Sowjetunion erreichten, entstand überhaupt die Möglichkeit, Städte wie Tscheboksary wirksam zu bombardieren.

Übrigens wurde Tscheboksary zuletzt im Jahr 1941 bombardiert – also lange bevor ukrainische Drohnen begannen, militärische Betriebe dieser Stadt zu treffen. Damals deshalb, weil die Armee des Reiches bis vor Moskau vorgedrungen war und über Flugplätze verfügte, von denen aus Tscheboksary im europäischen Teil der Sowjetunion bombardiert werden konnte.

Nun sehen wir jedoch, dass auch diese Sicherheit durch die große Entfernung angesichts der ukrainischen Möglichkeiten zunehmend relativ wird. Auch das beobachten wir heute. Man kann inzwischen sagen, dass praktisch jeder Betrieb jenseits des Urals, der für den militärisch-industriellen Komplex oder die Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation von Bedeutung ist, von einer ganzen Flotte ukrainischer Drohnen angegriffen werden kann.

Denn die Raffinerie von Omsk wurde nicht von einer einzigen Drohne getroffen, sondern offenbar von insgesamt zwölf. Und die russische Luftverteidigung erwies sich als völlig machtlos, diesen – wie ich bereits sagte – inzwischen historischen Angriff zu verhindern.

Ich hoffe sehr, dass solche Angriffe ukrainischer Drohnen auf für Russland wichtige Betriebe in Sibirien und im Fernen Osten fortgesetzt werden, dass sie sowohl die wirtschaftliche Logistik der Russischen Föderation insgesamt als auch die wirtschaftliche Logistik dieser bedeutenden Regionen zerstören und Chaos schaffen – von Belgorod, wo heute sowohl der Strom ausgefallen ist als auch die normale Funktionsfähigkeit der grenznahen Stadt zur Ukraine beeinträchtigt wurde, bis nach Omsk.

Tatsächlich kann man sagen, dass sich inzwischen das gesamte Territorium der Russischen Föderation unter Angriffen des ukrainischen Militärs befinden kann. Und dies wird durch den Luftterror, der auf direkte Anweisung Putins am ukrainischen Himmel ausgeübt wird, nicht kompensiert werden können – einen Terror, der sich nicht gegen militärische Betriebe richtet, auch wenn ukrainische Militärobjekte selbstverständlich ebenfalls wichtige Ziele der russischen Armee sind, sondern vor allem auf die Terrorisierung der Wohnviertel der ukrainischen Hauptstadt sowie anderer Städte und Ortschaften der Ukraine abzielt.

Wenn wir dem Terror mit der systematischen Zerstörung der russischen Wirtschaft, des militärisch-industriellen Komplexes und der Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation antworten können, wenn wir die russische Wirtschaft in die Knie zwingen und Bedingungen schaffen, die unumkehrbare Prozesse der Degeneration der russischen Wirtschaft und des Zusammenbruchs des Putin-Regimes auslösen, dann werden wir tatsächlich nicht nur den russisch-ukrainischen Krieg zum Stillstand bringen können, sondern auch jene retten, die die nächsten Ziele des russischen Aggressors sind. 

Wir werden Russland dazu zwingen, sich für lange, düstere Jahre seiner Geschichte mit seinen eigenen Problemen, seinem eigenen Chaos und seiner eigenen Katastrophe zu beschäftigen – und selbst Zeugen dieser schwarzen Jahre werden, die eine der abscheulichsten Terrororganisationen der modernen Welt, die sich lediglich als Staat ausgibt, zweifellos verdient hat.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Москва під атакою дронів | Віталій
Портников. 07.07.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 07.07.2026.
Originalsprache: uk
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Zelenskys Rede auf dem NATO-Forum: Das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 07.07.2026.

Mit seiner Rede auf dem Forum für Verteidigungstechnologien begann für den ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky der NATO-Gipfel, auf dem bekanntlich auch das Treffen zwischen dem amerikanischen und dem ukrainischen Präsidenten stattfinden wird – das erste abgestimmte Treffen dieser Art seit längerer Zeit.

Während seiner Rede auf dem Forum für Verteidigungstechnologien stellte Volodymyr Zelensky die Frage nach dem Schutz Europas vor ballistischen Raketen in den Mittelpunkt und betonte, dass die Europäer sowohl eigene Abwehrsysteme gegen ballistische Raketen als auch die entsprechenden Raketen selbst produzieren müssten.

Diese Schlussfolgerung liegt angesichts der Entwicklungen nach dem Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran auf der Hand. Es wurde deutlich, dass die Vereinigten Staaten ihre Patriot-Systeme entsprechend ihrer eigenen Vorstellungen von nationaler Sicherheit einsetzen können. Gleichzeitig fehlt es den Ländern, die auf amerikanische Unterstützung bei der Abwehr ballistischer Raketen angewiesen sind, schlicht an Raketen – zumindest solange, bis die Vereinigten Staaten ihre eigenen Bestände wieder aufgefüllt haben. Und das, obwohl die Wahrscheinlichkeit neuer Kriege unter Beteiligung der Vereinigten Staaten, auch im Nahen Osten, durchaus real ist.

Die Gegner der Vereinigten Staaten verfügen zudem über eigene ballistische Raketen und Drohnen, zu deren Bekämpfung, wie wir gesehen haben, ebenfalls hochmoderne Systeme eingesetzt werden mussten. All dies veranlasst das amerikanische Militär derzeit dazu, Waffenlieferungen an andere Staaten, darunter auch an NATO-Verbündete, zurückzuhalten. Über Programme wie das PURR-Programm, das den Kauf amerikanischer Waffen mit Geldern europäischer Steuerzahler vorsah, kann inzwischen überhaupt nur noch in dem Umfang gesprochen werden, der den Europäern nach dem allmählichen Schwinden der amerikanischen Arsenale noch zur Verfügung steht.

Deshalb gibt es tatsächlich zwei dringende Richtungen, die die Länder nicht nur vor russischen, sondern beispielsweise auch vor iranischen ballistischen Raketen und Raketen oanderen Staaten schützen sollen, die in den kommenden Jahren der offensichtlichen militärischen Konfrontation bereit sein werden, mit der zivilisierten Welt zusammenzustoßen.

Erstens geht es um die Produktion eigener Systeme zur Abwehr ballistischer Raketen. Dafür sind jedoch erhebliche Investitionen der wirtschaftlich stärksten europäischen Länder erforderlich.

Zweitens geht es um Lizenzen für die Produktion von Patriot-Raketen – sowohl in europäischen Ländern als möglicherweise auch in der Ukraine. Darüber könnte der ukrainische Präsident ebenfalls mit dem amerikanischen Präsidenten sprechen, obwohl unklar ist, inwieweit Donald Trump derzeit bereit ist, das amerikanische Monopol aufzugeben.

Natürlich haben auch die Treffen Zelenskys mit den Staats- und Regierungschefs der NATO-Mitgliedstaaten bereits heute während des Forums für Verteidigungstechnologien begonnen. So wurde bekannt, dass Kanada ein neues Verteidigungshilfepaket für die Ukraine im Umfang von 900 Millionen Dollar vorbereitet. Dieses Paket wird auch Luftverteidigungssysteme enthalten, die die Ukraine für die militärische Auseinandersetzung mit Russland in den kommenden Monaten und Kriegsjahren dringend benötigt.

Derzeit hängt praktisch alles sowohl von diesen Systemen als auch von der Fähigkeit der Ukraine ab, russische Militärobjekte, russische Fabriken, Produktionsstätten für Drohnen und ballistische Raketen sowie die Abschussorte ballistischer Raketen der Russischen Föderation anzugreifen.

Hier könnte sich auch der Erfolg der Ukraine im Drohnenkrieg bemerkbar machen, der ebenfalls zu einem wichtigen Bestandteil moderner Kriegsführung im kommenden Jahrzehnt weltweiter Instabilität wird. Tatsächlich kann die Ukraine dabei nicht nur auf Foren wie dem Forum für Verteidigungstechnologien eine wichtige Rolle spielen, sondern auch im Rahmen ihrer Zusammenarbeit mit der NATO, die bislang aufgrund der offensichtlichen Weigerung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, einer euro-atlantischen Integration der Ukraine zuzustimmen, weiterhin ein schwieriges Thema bleibt.

Als Trump und andere Vertreter seiner Regierung erklärten, sie hielten es für notwendig, die euro-atlantische Integration der Ukraine vorerst zurückzustellen, hofften sie auf gewisse Zugeständnisse der russischen Führung. Wie diese Hoffnungen heute aussehen, können wir nicht sagen. Meiner Ansicht nach sind Trumps Aussagen, sowohl Putin als auch Zelensky wollten den Krieg beenden und viele verstünden nicht, dass dieses Ende viel näher sei, als es scheine, eher der Versuch, Wunschdenken als Realität auszugeben – in einer Situation, in der sich jeder daran erinnert, dass der amerikanische Präsident bereits im Februar 2025 versprochen hatte, den russisch-ukrainischen Krieg schnell zu beenden.

Jetzt ist Juli 2026, und die Eskalation nimmt nur weiter zu. Viele glauben, diese Eskalation sei ein Vorzeichen einer späteren Deeskalation des Krieges. Es kann jedoch ebenso gut sein – und das ist mehr als wahrscheinlich –, dass diese neue Phase der Eskalation lediglich den Übergang zu einer noch schwereren Eskalation und zu einer Ausweitung des Krieges auf europäische Länder darstellt, die die Ukraine in ihrem Widerstand gegen die russische Aggression weiterhin unterstützen.

Offensichtlich wird auf dem NATO-Gipfel in Anwesenheit Donald Trumps auch darüber gesprochen werden, wie Europa vor möglichen russischen Provokationen und sogar vor hybrider Aggression durch die Russische Föderation geschützt werden kann. Deshalb betonte der finnische Präsident Alexander Stubb bei seinem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten, dass heute nicht nur die Ukraine die NATO brauche, sondern auch die NATO die Ukraine brauche.

Diese Auffassung teilen viele Mitgliedstaaten der Nordatlantischen Allianz, insbesondere jene, die Nachbarn der Russischen Föderation sind und das gesamte Ausmaß der Bedrohungen erkennen, die heute von Russland für seine Nachbarn ausgehen, ebenso wie den offensichtlichen Wunsch der russischen politischen Führung, ihren Krieg gegen die Ukraine bald auf jene Länder auszuweiten, die uns weiterhin unterstützen.

Dies sind jedoch erst die ersten Treffen. Der eigentliche Höhepunkt wird natürlich morgen sein, wenn Zelensky mit Donald Trump zusammentrifft – als abschließender Höhepunkt des Aufenthalts des amerikanischen Präsidenten in der türkischen Hauptstadt. Denn unmittelbar nach seinen Gesprächen mit den Präsidenten der Ukraine und Syriens wird Donald Trump seine abschließende Pressekonferenz in Ankara geben und anschließend den NATO-Gipfel verlassen.

Wir verstehen sehr gut, dass das einstündige Treffen zwischen dem amerikanischen und dem ukrainischen Präsidenten auch davon abhängen wird, was Trump von seinen europäischen Verbündeten sowie vom kanadischen Premierminister hören wird, wie er die Rolle der Vereinigten Staaten innerhalb der NATO beurteilt und wie schließlich sein Gespräch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan verlaufen wird, der Gastgeber dieses Gipfels ist und ebenfalls weiterhin auf eine Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges hofft. Gerade die Atmosphäre des morgigen NATO-Gipfels mit Beteiligung des amerikanischen Präsidenten könnte auch die Atmosphäre seines Treffens mit dem Präsidenten der Ukraine am 8. Juli bestimmen.

Über all dies werden wir selbstverständlich morgen vor dem Hintergrund dieses für die Ukraine und für den weiteren Verlauf des endlosen russisch-ukrainischen Krieges so wichtigen NATO-Gipfels sprechen.


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Titel des Originals: Виступ Зеленського на форумі НАТО: головне | Віталій Портников. 07.07.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 07.07.2026.
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Brutaler Angriff auf Kyiv. Der Terror geht weiter | Vitaly Portnikov. 06.07.2026.

Erneut ein massiver Angriff auf die ukrainische Hauptstadt. Vielleicht nicht ganz so groß angelegt wie jener, den wir erst vor wenigen Tagen erlebt haben, aber deshalb nicht weniger brutal als die vorherigen Angriffe auf Kyiv.

Erneut kamen sowohl Marschflugkörper als auch ballistische Raketen zum Einsatz, wobei diesmal im Vergleich zur vorangegangenen Zeit ungewöhnlich wenige Drohnen eingesetzt wurden. Und erneut richteten sich die gezielten Angriffe gegen Wohnviertel der ukrainischen Hauptstadt. Brände wüten, Rauch steigt über der Stadt auf.

Und wir sehen, dass die Raketen direkt in Wohnviertel und in die Häuser der Kyiver eingeschlagen sind. Natürlich möchte ich auch jetzt allen mein aufrichtiges Mitgefühl aussprechen, die Opfer dieses neuen Angriffs geworden sind, die ihr Zuhause verloren haben oder bei diesem Angriff verletzt wurden, während ich diesen Beitrag über eine weitere russische Grausamkeit aufzeichne.

Genaue Opferzahlen dieses russischen Verbrechens liegen noch nicht vor. Doch angesichts des Ausmaßes der Zerstörungen, die wir in Kyiv sehen, können wir uns bereits vorstellen, weshalb die Russen diese Angriffe durchführen: um zu töten, zu zerstören und Angst zu verbreiten.

Putin verfolgt dabei ein recht einfaches und pragmatisches Ziel. Er weiß, dass es derzeit nicht genügend Luftverteidigungsmittel gibt, um Kyjiw und andere ukrainische Regionen vor den Angriffen der russischen Invasoren zu schützen. Dieses Zeitfenster nutzt er gezielt, um die Ukrainer einzuschüchtern und Kyjiw sowie andere ukrainische Städte in Orte zu verwandeln, die nicht mehr bewohnbar sind.

Dabei verfolgt er mehrere Ziele zugleich: Er versucht, die Ukrainer davon zu überzeugen, dass der einzige Ausweg aus dem russisch-ukrainischen Krieg die Kapitulation vor dem Feind sei. Mag Putin auch auf dem Schlachtfeld keine wirklichen Erfolge erzielen. Mag seine Armee seit viereinhalb Jahren praktisch an derselben Frontlinie im Donezker Gebiet feststecken. Die Angriffe auf die Zivilbevölkerung der ukrainischen Hauptstadt und anderer Regionen sollen seine Unfähigkeit kompensieren, der Existenz des ukrainischen Staates und des ukrainischen Volkes ein Ende zu setzen.

Natürlich muss in diesem Zusammenhang auch ein weiteres Ziel des russischen Präsidenten genannt werden: sein Wunsch, im demografischen Krieg Vorteile zu erzielen. Selbst der sogenannte Putin-Blitzkrieg begann mit der Absicht, in Europa eine massive Migrationskrise auszulösen. Die russische Führung verstand sehr wohl, dass selbst dann, wenn es ihr gelingen sollte, in Kyjiw ein Marionettenregime aus den bedauernswerten Janukowytsch und Medwedtschuk einzusetzen, dies dennoch dazu führen würde, dass Millionen Ukrainer vor dem Krieg fliehen würden. Im Kreml hoffte man, dadurch eine ähnliche Migrationskrise auszulösen wie jene, die Putin infolge des Bürgerkriegs in Syrien hervorrufen konnte, und auf diese Weise den Einfluss ultrarechter und ultralinker politischer Kräfte in Europa zu stärken, die auf eine Zusammenarbeit mit Moskau ausgerichtet und von Moskau finanziert werden.

Wie Sie wissen, ist das nicht gelungen. Die demografische Migrationskrise, auf die Putin in Europa gesetzt hatte, trat nicht ein. Dafür kam es jedoch zu einer demografischen Krise in der Ukraine. Und mit seinen Angriffen auf ukrainische Städte versucht Putin, diese Krise weiter zu verschärfen. Selbst wenn es ihm nicht gelingt, die gesamte Ukraine zu erobern, träumt er davon, dass sie zu einem entvölkerten Gebiet wird, das er künftig – falls er es eines Tages doch noch besetzen kann – mit den eigenen Landsleuten besiedeln kann, gehorsamen Menschen, die bereit sind, jedes Verbrechen ihres Herrschers hinzunehmen. Auch das gehört zu seinen Zielen.

Und natürlich will Putin die ukrainischen Bürger davon überzeugen, dass er sich für die Angriffe der ukrainischen Armee auf die russische Hauptstadt, auf seine Heimatstadt Sankt Petersburg und auf andere Regionen der Russischen Föderation rächt. Und wir sehen bereits, dass bei einigen Kommentatoren und Nutzern sozialer Netzwerke entsprechende Stimmen aufkommen: „Lasst uns sie nicht mehr angreifen, dann werden auch sie aufhören, uns anzugreifen.“

Dabei verstehen wir sehr gut, dass die tatsächlichen Vergeltungsschläge gerade von der Ukraine ausgehen, denn der Aggressor und Verbrecher ist hier allein die Russische Föderation unter Führung Putins. Wenn wir das Potenzial des Feindes nicht zerstören, wenn wir seine Raffinerien und seine rüstungsindustriellen Betriebe nicht in Brand setzen, wenn wir die Abschussorte ballistischer Raketen, der Schahed-Drohnen und der Marschflugkörper nicht aufspüren und ebenfalls zerstören, dann werden die Angriffe der Russischen Föderation noch massiver und noch brutaler werden.

Sie werden immer einen Vorwand finden, um zu erklären, wofür sie sich rächen. Und wenn es keinen solchen Vorwand gibt, werden sie ganz in ihrem besten Stil eine weitere Provokation organisieren. Man kann sagen, dass der Föderale Sicherheitsdienst der Russischen Föderation darin unübertroffen ist. Und das wissen wir ebenfalls sehr genau.

Deshalb kann man in dieser Situation nur eines sagen: Wenn wir uns künftig vor russischen Angriffen schützen wollen, müssen wir unser Luftverteidigungssystem weiter ausbauen und gemeinsam mit unseren Verbündeten nach den notwendigen Möglichkeiten dafür suchen.

Ich hoffe, dass genau darüber auf dem bevorstehenden Gipfel der Nordatlantischen Allianz in Ankara gesprochen wird. Darüber wird auch der Präsident der Ukraine mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten bei ihrem Treffen auf diesem Gipfel sprechen. Denn für die Ukraine ist dies derzeit die wichtigste Aufgabe: Putins Tötung friedlicher Bürger durch den Ausbau der Luftverteidigung zu stoppen.

Und natürlich ist auch ein weiterer Punkt wichtig: Wir müssen über die Wirksamkeit neuer Angriffe gegen die Russische Föderation nachdenken. Man muss verstehen, dass sich dieser Staat wie eine echte Terrororganisation verhält und sich faktisch nicht mit Krieg, sondern mit der Ermordung friedlicher Menschen beschäftigt – genau mit dem, womit sich Terroristen immer beschäftigen. Deshalb ist die Zerstörung der Wirtschaft dieser Terrororganisation eine gemeinsame Aufgabe der gesamten zivilisierten Welt.

Die russische Wirtschaft muss in die Knie gezwungen werden. Denn es zeigt sich, dass die Russen, wenn sie sich von den Knien erheben, nur töten, zerstören und plündern können. Sollen sie also auf den Knien bleiben und niemandem mehr etwas Böses antun können.

Das ist ebenfalls unsere gemeinsame Aufgabe – die der Ukraine, der Vereinigten Staaten und der europäischen Länder – für die kommenden Jahre: der wirtschaftlichen Funktionsfähigkeit dieser Terrororganisation ein Ende zu setzen. Sollte es Russland eines Tages gelingen, ein zivilisierter Staat zu werden, dann wird es vielleicht auch wieder eine Wirtschaft haben.

Und wir müssen uns bewusst machen, dass all dies einzig und allein dazu dient, die Ukrainer einzuschüchtern und sie dazu zu bringen, auf ihre eigene Staatlichkeit zu verzichten. Deshalb ist die Fähigkeit, die Ziele Russlands zu verstehen und ihnen würdig entgegenzutreten, ebenfalls ein Schlüssel zur endgültigen beschämenden Niederlage des Präsidenten der Russischen Föderation, der russischen Armee und des russischen Volkes, die man durchaus als einen klassischen kriminellen Symbioseverbund im Kampf gegen die Ukraine und die Ukrainer bezeichnen kann.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Жорстока атака по Києву. Терор продовжується | Віталій Портников. 06.07.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 06.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Mariupol und andere unsere Städte. Keine Vergebung. Nadia Sukhorukova. 06.07.2026.

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Man kann nicht vergeben, wenn auf dich geschossen wurde. Oder wenn dein Haus bombardiert wurde. Oder wenn du tote Menschen siehst, die noch vor einer Stunde mit dir über etwas gestritten und versucht haben zu lächeln, um dir Mut zu machen.

Jetzt liegen sie auf dem Asphalt, und du stehst schweigend über ihnen. Das lässt sich nicht aus dem Gedächtnis löschen.

Den Schmerz auslöschen und weiterleben. Wie alten Plunder aus dem Schrank. Wie einen Gegenstand, den niemand mehr braucht.

Wir hatten Glück. Wir konnten wegfahren. Ein Bekannter fragte mich: Wie hättest du gelebt, wenn du in Mariupol geblieben wärst? Ich hätte nicht gelebt.

Ich hätte nicht mit denen sprechen können, die getötet haben, und ihnen dabei zulächeln. Von ihnen Geld annehmen und mich bei ihnen einschmeicheln. Angst vor ihnen haben und auf dem Balkon eine fremde Flagge aufhängen, um ihnen zu gefallen.

Wir verließen Mariupol in zwei beschädigten Autos. Wir waren 16 Menschen und ein Hund. Wir alle wollten leben. Dieser Wunsch kam ganz plötzlich. Erst im Auto. Davor starben wir langsam im Keller. Wir erloschen wie die Dochte unserer Kerzen.

Der Sterbeprozess begann ganz plötzlich. Gestern noch glaubten wir, der Krieg werde bald enden, und ich überlegte angestrengt, wie lange es dauern würde, bis die Stadt wiederhergestellt wäre. Mariupol war zerstört und voller Trümmer. Wir sahen genauso aus wie die Stadt – schmutzig und verwahrlost.

Eine Zeit lang träumte ich davon, dass sofort wieder Wasser fließen würde. Dass es eine heiße Dusche und ein sauberes Bett geben würde. Ich wartete darauf, dass die Apotheken und Tierhandlungen wieder öffnen würden, damit ich Futter für die Tiere und Herztabletten kaufen könnte.

Doch dann kam das Sterben. Als Erstes starb die schwache Hoffnung. Wir glaubten nicht mehr daran, dass der Krieg enden oder die Stadt befreit werden würde. Wir spürten, dass wir niemals entkommen würden.

Und jedes Mal, wenn wir nach draußen gingen, bestätigte sich dieses Gefühl. Man geht zehn Meter, fünfzehn, zwanzig Meter von dem Ort weg, an dem man sich versteckt hat, und begreift, dass jeder Schritt ein Weg ins Nichts ist. Je weiter man geht, desto geringer sind die Chancen, zurückzukehren.

Manchmal musste man gar nirgendwo hingehen. Eine Granate schlug direkt ins Haus ein. Der Tod wurde frei Haus geliefert.

Im Krieg verändert sich alles augenblicklich. Zuerst glich die Stadt einem Zigeunerlager. Die Menschen bewegten sich in kleinen Gruppen. Gemeinsam wachten sie am Feuer, aßen in den Höfen, versteckten sich vor dem Beschuss in den Hauseingängen. Und dann – verschwanden sie.

Zwischen einem belebten Hof und seinem Tod lagen manchmal nur wenige Minuten. Eben noch waren Menschen in diesem Haus gewesen. Sie liefen zum Hauseingang, eilten hin und her, machten Feuer, versuchten nach einem nahen Einschlag die Fenster mit Sperrholz zu vernageln – und plötzlich war da Leere. Schrecklich und hoffnungslos. Manchmal schaffte man es nicht einmal mehr, ein Gespräch zu Ende zu führen.

Du gehst durch die Höfe und verstehst, dass hier niemand mehr ist. Und dass hier wahrscheinlich niemals wieder jemand sein wird. Wir verließen Mariupol über leere, zerstörte Straßen. Es war Morgen. Mittwoch, der 16. März.

Vor dem Krieg herrschte um diese Zeit Stau auf den Straßen. Menschen überquerten die Fahrbahn, Autos hupten, der Oberleitungsbus hielt weit hinter der Haltestelle an, weil er völlig überfüllt war. Wir liefen ihm nach und quetschten uns noch hinein. Mütter brachten ihre Kinder in den Kindergarten, Kinder liefen zur Schule, jemand ging mit seinem Hund spazieren.

Das war erst drei Wochen vor der Invasion gewesen. Meine Stadt lebte. Drei Wochen später fuhren wir halb lebendig aus einer toten Stadt fort. Wir verabschiedeten uns nicht von ihr. Dafür hatten wir keine Kraft mehr.

Es ist sehr merkwürdig, dass heute jemand von Vergebung spricht. Vergeben kann man vielleicht Menschen – und auch das nur, wenn sie Reue gezeigt haben. Bösartigen, stumpfen, bestialischen Wesen brauchen Vergebung überhaupt nicht. Sie denken in ganz anderen Kategorien.

Als wir naiv hofften, wenn wir den Russen erklärten, wie sehr wir litten und wie große Angst wir hatten, würden sie Gewissensbisse bekommen und aufhören zu töten, verschwendeten wir unsere Zeit.

Es wird keine Vergebung geben. Weder von mir noch von denen, die nach mir kommen. Die Ungeheuer, die das Leben anderer Menschen zerstören und vernichten, verdienen nur dieselbe Zerstörung und Vernichtung.

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Dies sind Erinnerungen an Mariupol im Jahr 2022. Tatsächlich aber sind es Erinnerungen an all unsere Städte, die von den Wesen aus der Russischen Föderation ungestraft zerstört wurden.

Die russischen Ungeheuer töten und zerstören weiter. Sie greifen friedliche Menschen und Kinder an. Um uns verteidigen zu können, brauchen wir Raketen – doch davon haben wir derzeit viel zu wenige. Und die russischen Ungeheuer wissen das. Sie töten unbewaffnete Menschen, ohne innezuhalten. Jeden Tag gibt es neue Opfer.


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Art der Quelle: Social Media

Autor: Nadia Sukhorukova
Veröffentlichung: 06.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Die Ukraine fordert Raketenabwehr gegen ballistische Raketen | Vitaly Portnikov. 06.07.2026.

Die Veranstaltungen des NATO-Gipfels in Ankara begannen mit der Eröffnungspressekonferenz des Generalsekretärs des Bündnisses, Mark Rutte, der die unveränderte Unterstützung für die Ukraine bekräftigte und jungen Russen riet, nicht an dem Krieg teilzunehmen, den Wladimir Putin entfesselt hat.

Die wichtigste Bewährungsprobe des Gipfels wird jedoch im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg die Antwort auf die Appelle der Ukraine sein, ihr bei der Abwehr russischer ballistischer Raketen zu helfen, mit denen Moskau seit Wochen die friedliche ukrainische Bevölkerung terrorisiert.

Jetzt ist der Moment der Wahrheit gekommen, in dem praktisch alle Weltmedien feststellen, dass die Ukraine nicht mehr in der Lage ist, russische ballistische Raketen abzuschießen, weil die Raketen für die Patriot-Systeme, die zur Bekämpfung russischer ballistischer Raketen eingesetzt werden, aufgebraucht sind. Und offensichtlich ist das Bewusstsein darüber, dass die Ukraine über diese Raketen nicht mehr verfügt, nicht nur in Kyiv vorhanden, sondern auch in Moskau, wo bereits noch verheerendere Angriffe mit ballistischen Waffen geplant werden.

Damit steht das Nordatlantische Bündnis vor einer schwierigen Entscheidung: Entweder denkt es an die Erhaltung der eigenen Reserven und an die Wiederauffüllung der Raketenbestände, die nach dem Krieg der Vereinigten Staaten gegen den Iran erheblich geschrumpft sind, oder es hilft der Ukraine bereits heute und löst die eigenen Probleme erst dann, wenn Kyiv wieder in der Lage ist, der russischen ballistischen Bedrohung entgegenzutreten.

Es gibt auch eine andere Lösung: die Ukraine so zu bewaffnen, dass Kyiv russische Fabriken zur Herstellung ballistischer Raketen sowie deren Abschussstellungen zerstören kann und Russland zumindest die Möglichkeit erschwert wird, die friedliche Bevölkerung des Nachbarlandes zu terrorisieren.

Welche Entscheidungen jedoch tatsächlich getroffen werden, bleibt weiterhin unklar. Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump wird auf diesem Gipfel mit dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, zusammentreffen. Der amerikanische Staatschef ist jedoch nach wie vor überzeugt, dass auch sein russischer Amtskollege Wladimir Putin, mit dem Trump vor wenigen Tagen ein längeres Gespräch geführt hat, den russisch-ukrainischen Krieg beenden wolle und dass sich der Konflikt überhaupt seinem Ende nähere.

Trump spricht darüber praktisch seit dem ersten Tag nach seiner Rückkehr ins Oval Office. Praktische Belege dafür, dass diese Einschätzungen des amerikanischen Präsidenten irgendeinen Bezug zur Realität hätten, gibt es bislang jedoch nicht. Ebenso wenig gibt es Anzeichen dafür, dass der russische Präsident Wladimir Putin bereit wäre, den Krieg zu beenden.

Es scheint, dass jeder einzelne Tag, jede russische Bombardierung, jede Erklärung des russischen Präsidenten oder eines anderen russischen Funktionärs den Präsidenten der Vereinigten Staaten davon überzeugen müsste, dass man in Moskau entschlossen ist, die Kampfhandlungen fortzusetzen.

Natürlich gibt es auch die anderen Staats- und Regierungschefs der NATO-Mitgliedstaaten. Doch in Ankara wird die wichtigste Aufgabe jedes Einzelnen und aller gemeinsam darin bestehen, Donald Trump nicht zu verärgern und den amerikanischen Präsidenten davon zu überzeugen, dass jedes NATO-Mitglied tatsächlich bereit ist, seine Militärausgaben zu erhöhen und die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten fortsetzen möchte. Die Angst davor, dass die Vereinigten Staaten Europa im Falle einer möglichen russischen Invasion seinem Schicksal überlassen könnten, ist nach wie vor groß.

Und da stellt sich eine durchaus logische Frage: Wenn die europäischen Staats- und Regierungschefs tatsächlich eine solche Invasion fürchten und befürchten, dass die Vereinigten Staaten nicht bereit sein könnten, ihre Verpflichtungen aus Artikel 5 des Nordatlantikvertrags zu erfüllen – wie wollen sie dann Reserven finden, um die Ukraine mit Raketen zur Abwehr ballistischer Angriffe zu versorgen?

All diese Fragen bleiben selbstverständlich eher rhetorischer Natur. Schon jetzt ist klar, dass der Krieg im Nahen Osten die westlichen Arsenale erheblich erschöpft hat, dass selbst die Vereinigten Staaten ihre Bestände an Raketen dringend wieder auffüllen müssen und dass derzeit nicht genügend Raketen produziert werden, um diese Bestände rasch zu ergänzen.

Und das, obwohl heute niemand garantieren kann, dass der Konflikt im Nahen Osten nicht erneut aufflammt, falls Washington und Teheran bei den Friedensvereinbarungen, die auf sporadischen Treffen amerikanischer und iranischer Vertreter erörtert werden, keine Einigung erzielen.

Auch die Europäer müssen sich um ihre Arsenale sorgen, denn sie stehen keineswegs an erster Stelle in der Warteschlange für Waffenlieferungen. So wurde kürzlich in Tallinn erklärt, man wisse nicht, wann die bereits mit den Vereinigten Staaten vereinbarten amerikanischen Waffen tatsächlich eintreffen würden.

Man kann daher sagen, dass auf diesem Gipfel des Bündnisses zwar die richtigen Reden gehalten und die richtigen Zusicherungen gegeben werden dürften, dass jedoch keine praktischen Schritte unternommen werden, die die Lage im russisch-ukrainischen Krieg tatsächlich verändern könnten.

Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, und andere Vertreter Kyjiws werden die westlichen Staats- und Regierungschefs daran erinnern, dass ihre Landsleute faktisch zu Zielscheiben brutaler russischer Angriffe geworden sind und dass Wladimir Putin alles daransetzt, Kyiv und andere ukrainische Städte in unbewohnbare Orte zu verwandeln, weil der russische Präsident, der seit Jahren an der Ostfront feststeckt, schlicht keinen anderen Beweis für den Erfolg Russlands in diesem Krieg vorweisen kann. Dafür hat Putin jedoch die Möglichkeit, den Mangel an Raketen zur Abwehr ballistischer Angriffe auszunutzen und darauf zu hoffen, dass die Erpressung der ukrainischen Bevölkerung zur Kapitulation des von ihm verhassten Staates führen wird.

Die westlichen Staats- und Regierungschefs werden Zelensky daraufhin ihre Unterstützung zusichern, betonen, dass sich die Lage an der Front durchaus ermutigend entwickle, und versichern, nach Möglichkeiten zu suchen, damit der Ukraine ein Arsenal zur Abwehr ballistischer Raketen zur Verfügung steht. Doch zwischen solchen Erklärungen und tatsächlichen Maßnahmen liegt eine beträchtliche Distanz.

Dabei hängt gerade davon, wie der Westen jetzt auf die katastrophale humanitäre Lage in der Ukraine reagieren kann und was er unternehmen wird, um den russischen Terror gegen die Wohnviertel friedlicher ukrainischer Städte zu beenden, die Glaubwürdigkeit des kollektiven Westens in der heutigen Welt ab.

Und es scheint, dass genau dieser Moment von den Teilnehmern des Gipfels in Ankara schlicht nicht erkannt wird. 


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Titel des Originals: Украина требует антибаллистику | Виталий Портников. 06.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 06.07.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Die Ukraine des Balkans. Vitaly Portnikov. 05.07.2026.

Україна Балкан. Vitaly Portnikov. 05.07.2026.

8. September 1991. Das ukrainische Parlament hatte nur wenige Wochen zuvor den Akt über die Ausrufung der Unabhängigkeit der Ukraine verabschiedet, und in der ehemaligen „zweiten Republik“ der Sowjetunion liefen bereits die Vorbereitungen für das Referendum am 1. Dezember. In einer anderen ehemaligen Republik – allerdings einer jugoslawischen –, in Mazedonien, fand das Referendum hingegen genau am 8. September statt, wenn auch mit einer etwas anderen Fragestellung als in der Ukraine: „Bestätigen Sie die unabhängige Republik Mazedonien mit dem Recht, einem künftigen Bund souveräner Staaten Jugoslawiens beizutreten?“

Das Paradoxe an dieser Abstimmung bestand darin, dass die Führung Mazedoniens vor dem Hintergrund des Krieges zwischen Serbien und Kroatien genau wusste, dass es einen Bund souveräner Staaten niemals geben würde – dennoch beruhigte sie die Gesellschaft. Die Ukraine hingegen, deren Bürger für die Unabhängigkeit ohne jegliche Bündnisse stimmten, trat nur wenige Wochen nach dem 1. Dezember der hastig geschaffenen Gemeinschaft Unabhängiger Staaten bei – als stamme ihre Entscheidung direkt aus dem mazedonischen Stimmzettel. Doch die Paradoxien beschränken sich nicht darauf.

Nur wenige Tage nach dem mazedonischen Referendum kommentierte ich dieses gerade im Vergleich zur ukrainischen Souveränität. „Die Unabhängigkeit Mazedoniens lässt sich allenfalls mit der künftigen Unabhängigkeit der Ukraine vergleichen, die das Kräfteverhältnis ebenfalls grundlegend verändern wird – allerdings in einem anderen Teil des Kontinents. Die Abspaltung Sloweniens und die Freiheit Kroatiens, die sogar zu einem echten Krieg geführt hat, sind eine innerjugoslawische Angelegenheit … Doch die Entstehung eines mazedonischen Staates, der zudem nur einen Teil des Siedlungsgebietes dieses Volkes umfasst, ist geeignet, viele zu schockieren …“

Einige Tage später traf ich den stellvertretenden Ministerpräsidenten der neuen mazedonischen Regierung, den bekannten Wissenschaftler Blaže Ristovski. Der Akademiker nahm zum ersten Mal an einer hochrangigen internationalen Konferenz teil; kurz zuvor war er in Sofia gewesen und hatte dort den bulgarischen Präsidenten Schelju Schelew getroffen. Ristovski räumte ein: Die Bulgaren weigerten sich, die Mazedonier als Nation anzuerkennen, seien jedoch bereit, mit dem Staat zusammenzuarbeiten, und er hoffe, mit Griechenland ein ähnliches Ergebnis zu erzielen. „Es ist schließlich ein mazedonischer Staat“, sagte Ristovski zu mir.

Für den Leser, der sich 1991 mit meinen Veröffentlichungen über Mazedonien vertraut machte, war schon dessen Existenz etwas Exotisches. Heute mag das überraschen, denn es war doch „einfach“ eine der Republiken des sozialistischen Jugoslawiens. Nein, eben nicht einfach. Die bulgarischen Kommunisten, die die engsten Partner und Freunde ihrer sowjetischen Schutzmacht waren, bestritten schon die Existenz des mazedonischen Volkes, der mazedonischen Sprache und Identität. Die wichtigste Ideologin des Kampfes gegen den „Mazedonismus“ war das Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der Bulgarischen Kommunistischen Partei, die altgediente Kommunistin Zola Dragojtschewa, die zugleich der Gesellschaft für sowjetisch-bulgarische Freundschaft vorstand. Deshalb versuchte man in der Sowjetunion, über Mazedonien und die Mazedonier möglichst überhaupt nicht zu sprechen. Ich war möglicherweise einer der ersten ukrainischen Journalisten, der die Republik noch vor ihrer Unabhängigkeit besucht, dort Journalisten und Politiker kennengelernt hatte und deshalb wenigstens etwas dazu sagen konnte. Doch sich damals vorzustellen, welchem Druck Mazedonien in den folgenden 35 Jahren seiner Unabhängigkeit durch seine Nachbarn ausgesetzt sein würde, war kaum möglich.

Griechenland würde den Austausch der nationalen Symbolik und später sogar des Staatsnamens verlangen – so wurde aus dem Land schließlich die Republik Nordmazedonien. Albanien und der Kosovo würden albanische politische Parteien unterstützen und Krisen zwischen ethnischen Mazedoniern und Albanern schüren, bis hin zu einem kurzen ethnischen Krieg; auch in der Nachkriegszeit tun sie dies weiter, wobei die albanischen politischen Eliten die einen albanischen Politiker in Nordmazedonien unterstützen und die kosovarischen Eliten deren erbitterte Konkurrenten.

Serbien würde die Kirchenfrage instrumentalisieren. Die Serbisch-Orthodoxe Kirche, von der sich die Mazedonisch-Orthodoxe Kirche bereits in kommunistischer Zeit getrennt hatte – mit der Begründung, dass das Erzbistum Ohrid älter sei als seine serbische „Mutter“ (erinnert das an nichts?) –, würde nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Jugoslawien eine Parallelstruktur schaffen. Später würde der serbische Patriarch den Mazedoniern schließlich doch einen eigenen Tomos verleihen – was wiederum einen neuen Konflikt beider Kirchen mit dem Ökumenischen Patriarchen auslösen würde. (Vergessen wir nicht, dass unser großer Freund Bartholomäus I. dennoch Grieche ist – und ihm deshalb das Wort „mazedonisch“ im Namen der Kirche ebenfalls missfällt.)

Und als es schien, alle großen Konflikte seien beigelegt, nahmen sich die bulgarischen Brüder der Zukunft Nordmazedoniens an. Sie beschlossen, die europäische Integration des Nachbarlandes zu nutzen, um dessen historisches Gedächtnis und seine Identität zu verändern – von der Verfassung bis zu den Schulbüchern. In mancher Hinsicht erinnert dies an die ukrainisch-polnischen Auseinandersetzungen – allerdings genau umgekehrt.

In Warschau etwa wirft man den Führern der OUN die Zusammenarbeit mit dem Reich vor und verspricht, dass die Ukraine „mit Bandera“ niemals nach Europa gelangen werde. In Sofia hingegen verlangt man von Nordmazedonien, die bulgarische Besetzung des heutigen Staatsgebiets nicht als Besatzung zu bezeichnen – obwohl Bulgarien diesen Teil des Königreichs Jugoslawien gerade deshalb besetzte, weil es ein Verbündeter des Deutschen Reiches war. Die Mazedonier lehnen dies ab, weil der antifaschistische Kampf zu den Grundpfeilern ihrer modernen Identität gehört und unmittelbar mit der Ausrufung ihrer Staatlichkeit innerhalb von Titos Jugoslawien verbunden ist. Andererseits ist das Bündnis zwischen Deutschland und Bulgarien eine historische Tatsache. Und wenn man eine Besatzung nicht mehr Besatzung nennen darf, wird es schwer zu erklären sein, wie es auf dem Gebiet des heutigen Nordmazedoniens zum Holocaust kommen konnte und praktisch alle dortigen Juden ermordet wurden – obwohl die Juden Bulgariens selbst von der Regierung unter dem Druck der Öffentlichkeit nicht an die Nationalsozialisten ausgeliefert wurden.

Doch die Frage ist nicht, wer im Zweiten Weltkrieg wen unterstützte, sondern die tatsächliche Krise der Europäischen Union. Die Idee eines geeinten Europas besteht gerade darin, dass alle historischen Gegensätze innerhalb der EU behandelt werden, denn nur sie ist das Instrument, das Kriege auf einem einst verwüsteten Kontinent verhindern kann. Tatsächlich aber geschieht das Gegenteil: Die Staaten, die bereits der Europäischen Union angehören, beginnen den Beitrittskandidaten vorzuschreiben, was in ihrer Verfassung stehen oder sogar was in ihren Geschichtsbüchern geschrieben werden soll. Und die Europäische Union stellt sich auf die Seite ihrer Mitglieder, obwohl deren Forderungen nichts mit den Beitrittskriterien der EU zu tun haben.

Nordmazedonien steckt seit Jahrzehnten vor den Türen der Europäischen Union fest – nicht weil das Land keine Reformen durchführt, sondern weil es sich der von Europa unterstützten bulgarischen Erpressung widersetzt. Dabei unterstützt die Mehrheit der Bürger mazedonischer Herkunft die Haltung ihrer Regierung, weil sie diese für würdevoll hält. Doch neben der Würde gibt es auch die Praxis. Junge Mazedonier wollen nicht jahrelang warten, beantragen bulgarische Pässe (Sie haben doch nicht vergessen: Bulgarien betrachtet sie als Bulgaren) und verlassen das Land. Nicht etwa in Richtung Bulgarien – was sollten sie dort? –, sondern nach Deutschland.

Die jungen Bürger Nordmazedoniens albanischer Herkunft haben hingegen keinen Anspruch auf einen bulgarischen Pass und bleiben vorerst im Land. So sieht also das Bild einer demografischen Katastrophe eines kleinen Volkes aus.

Als Sofia begann, seine Forderungen zu diktieren, hoffte ich noch, dass man in Brüssel erkennen würde, wie gefährlich historische Erpressung ist. Doch das geschah nicht. Und nun bereite ich mich darauf vor zu beobachten, wie sich die europäische Integration der Ukraine genau nach dem mazedonischen Szenario vollziehen wird. Denn ich sehe bereits, wie ein Teil der polnischen Politiker der Versuchung nicht widerstehen kann – und ich weiß nicht, wie man unseren Nachbarn erklären soll, dass dieses Szenario vor allem für sie selbst gefährlich ist.

Doch natürlich geht es nicht nur um die Polen. Mit Forderungen werden später praktisch alle an uns herantreten: Die einen, weil sie im Bündnis mit den Russen handeln; die anderen, weil sie sehen, wie gut sich Minderheitenschutz und historische Forderungen beim eigenen Elektorat verkaufen; wieder andere einfach deshalb, weil sie Narren sind.

Die Schlussfolgerung daraus ist einfach und bitter: Wir werden niemals Mitglied der Europäischen Union werden, wenn wir Europa nicht schon jetzt verändern. Wenn wir nicht nachweisen können, dass gerade jene Staaten bestraft werden müssen, die gegen die Kriterien verstoßen – selbst wenn sie bereits Mitglieder der EU sind. Dass man Geschichte nicht als Erpressungsinstrument benutzen darf. Dass solchen Erpressern die europäischen Fördermittel gestrichen werden müssen und nach Möglichkeiten gesucht werden sollte, ihnen zumindest in Fragen unserer Integration das Stimmrecht zu entziehen.

Wir sind schlicht verpflichtet, das zu tun. Um unseretwillen. Und um der Mazedonier willen.


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Titel des Originals: Україна Балкан. Vitaly Portnikov. 05.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 05.07.2026.
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Plattform / Quelle: Zeitung
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Zwei Polen – und die Zukunft der polnisch-ukrainischen Verständigung. Vitaly Portnikov. 04.07.2026.

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Unsere wichtigste Aufgabe heute besteht nicht darin, uns an all die Kränkungen und Konflikte zu erinnern, die Polen und Ukrainer trennen, sondern jene Polen zu unterstützen, die aufrichtige Befürworter einer polnisch-ukrainischen Verständigung sind. Und wir sollten uns daran erinnern, dass es viele solcher Menschen gibt – sehr viele. Doch auch jene, die die Ukrainer hassen und vom polnisch-ukrainischen Zerwürfnis profitieren wollen, gibt es in großer Zahl. Und im Ringen zwischen diesen beiden Polen wird vieles gerade von uns abhängen.

Ich möchte daran erinnern, dass es auch unter unseren Landsleuten stets Menschen gab, die nicht nur für eine Unterordnung der Ukraine unter Russland eintraten, sondern auch bereit waren, für Politiker zu stimmen, die den ukrainischen Staat demontierten. Menschen, die die ukrainische Sprache, Kultur und Geschichte verachteten und alles daransetzten, dass ihre Position in unserem Land die Oberhand gewann. Und diese Menschen sind auch heute nicht verschwunden – lediglich der Rauch des Krieges hindert uns daran zu erkennen, wie viele es von ihnen gibt. Ja, diese Menschen wählten Präsidenten und Abgeordnete, sie gewannen Wahlen. Und sie können auch in der Nachkriegsukraine wieder Wahlen gewinnen. Doch wir wollten immer, dass man uns nicht mit ihnen gleichsetzt, dass die Menschen um uns herum eine andere Ukraine sehen – eine demokratische, europäische und vor allem ukrainische. Warum also wollen wir in Polen nur jene sehen, die uns verachten, und nicht jene, die gemeinsam mit uns sein wollen?

Die Zukunft der Ukraine und die Zukunft Polens hängen davon ab, ob die Ukrainer, die die Zukunft ihres Landes in Europa sehen – als toleranten, demokratischen und am Staatswohl orientierten Staat –, gemeinsam mit jenen Polen erfolgreich sein werden, die an ein demokratisches und europäisches Polen glauben, das seinen Nachbarn mit Toleranz begegnet.

Die Zukunft hängt davon ab, ob wir uns zusammenschließen und jenen entgegentreten können, die seit Jahrhunderten versuchen, das polnische und das ukrainische Volk auseinanderzubringen.

Jenen in Moskau.


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Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 04.07.2026.
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