Die Ukraine des Balkans. Vitaly Portnikov. 05.07.2026.

Україна Балкан. Vitaly Portnikov. 05.07.2026.

8. September 1991. Das ukrainische Parlament hatte nur wenige Wochen zuvor den Akt über die Ausrufung der Unabhängigkeit der Ukraine verabschiedet, und in der ehemaligen „zweiten Republik“ der Sowjetunion liefen bereits die Vorbereitungen für das Referendum am 1. Dezember. In einer anderen ehemaligen Republik – allerdings einer jugoslawischen –, in Mazedonien, fand das Referendum hingegen genau am 8. September statt, wenn auch mit einer etwas anderen Fragestellung als in der Ukraine: „Bestätigen Sie die unabhängige Republik Mazedonien mit dem Recht, einem künftigen Bund souveräner Staaten Jugoslawiens beizutreten?“

Das Paradoxe an dieser Abstimmung bestand darin, dass die Führung Mazedoniens vor dem Hintergrund des Krieges zwischen Serbien und Kroatien genau wusste, dass es einen Bund souveräner Staaten niemals geben würde – dennoch beruhigte sie die Gesellschaft. Die Ukraine hingegen, deren Bürger für die Unabhängigkeit ohne jegliche Bündnisse stimmten, trat nur wenige Wochen nach dem 1. Dezember der hastig geschaffenen Gemeinschaft Unabhängiger Staaten bei – als stamme ihre Entscheidung direkt aus dem mazedonischen Stimmzettel. Doch die Paradoxien beschränken sich nicht darauf.

Nur wenige Tage nach dem mazedonischen Referendum kommentierte ich dieses gerade im Vergleich zur ukrainischen Souveränität. „Die Unabhängigkeit Mazedoniens lässt sich allenfalls mit der künftigen Unabhängigkeit der Ukraine vergleichen, die das Kräfteverhältnis ebenfalls grundlegend verändern wird – allerdings in einem anderen Teil des Kontinents. Die Abspaltung Sloweniens und die Freiheit Kroatiens, die sogar zu einem echten Krieg geführt hat, sind eine innerjugoslawische Angelegenheit … Doch die Entstehung eines mazedonischen Staates, der zudem nur einen Teil des Siedlungsgebietes dieses Volkes umfasst, ist geeignet, viele zu schockieren …“

Einige Tage später traf ich den stellvertretenden Ministerpräsidenten der neuen mazedonischen Regierung, den bekannten Wissenschaftler Blaže Ristovski. Der Akademiker nahm zum ersten Mal an einer hochrangigen internationalen Konferenz teil; kurz zuvor war er in Sofia gewesen und hatte dort den bulgarischen Präsidenten Schelju Schelew getroffen. Ristovski räumte ein: Die Bulgaren weigerten sich, die Mazedonier als Nation anzuerkennen, seien jedoch bereit, mit dem Staat zusammenzuarbeiten, und er hoffe, mit Griechenland ein ähnliches Ergebnis zu erzielen. „Es ist schließlich ein mazedonischer Staat“, sagte Ristovski zu mir.

Für den Leser, der sich 1991 mit meinen Veröffentlichungen über Mazedonien vertraut machte, war schon dessen Existenz etwas Exotisches. Heute mag das überraschen, denn es war doch „einfach“ eine der Republiken des sozialistischen Jugoslawiens. Nein, eben nicht einfach. Die bulgarischen Kommunisten, die die engsten Partner und Freunde ihrer sowjetischen Schutzmacht waren, bestritten schon die Existenz des mazedonischen Volkes, der mazedonischen Sprache und Identität. Die wichtigste Ideologin des Kampfes gegen den „Mazedonismus“ war das Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der Bulgarischen Kommunistischen Partei, die altgediente Kommunistin Zola Dragojtschewa, die zugleich der Gesellschaft für sowjetisch-bulgarische Freundschaft vorstand. Deshalb versuchte man in der Sowjetunion, über Mazedonien und die Mazedonier möglichst überhaupt nicht zu sprechen. Ich war möglicherweise einer der ersten ukrainischen Journalisten, der die Republik noch vor ihrer Unabhängigkeit besucht, dort Journalisten und Politiker kennengelernt hatte und deshalb wenigstens etwas dazu sagen konnte. Doch sich damals vorzustellen, welchem Druck Mazedonien in den folgenden 35 Jahren seiner Unabhängigkeit durch seine Nachbarn ausgesetzt sein würde, war kaum möglich.

Griechenland würde den Austausch der nationalen Symbolik und später sogar des Staatsnamens verlangen – so wurde aus dem Land schließlich die Republik Nordmazedonien. Albanien und der Kosovo würden albanische politische Parteien unterstützen und Krisen zwischen ethnischen Mazedoniern und Albanern schüren, bis hin zu einem kurzen ethnischen Krieg; auch in der Nachkriegszeit tun sie dies weiter, wobei die albanischen politischen Eliten die einen albanischen Politiker in Nordmazedonien unterstützen und die kosovarischen Eliten deren erbitterte Konkurrenten.

Serbien würde die Kirchenfrage instrumentalisieren. Die Serbisch-Orthodoxe Kirche, von der sich die Mazedonisch-Orthodoxe Kirche bereits in kommunistischer Zeit getrennt hatte – mit der Begründung, dass das Erzbistum Ohrid älter sei als seine serbische „Mutter“ (erinnert das an nichts?) –, würde nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Jugoslawien eine Parallelstruktur schaffen. Später würde der serbische Patriarch den Mazedoniern schließlich doch einen eigenen Tomos verleihen – was wiederum einen neuen Konflikt beider Kirchen mit dem Ökumenischen Patriarchen auslösen würde. (Vergessen wir nicht, dass unser großer Freund Bartholomäus I. dennoch Grieche ist – und ihm deshalb das Wort „mazedonisch“ im Namen der Kirche ebenfalls missfällt.)

Und als es schien, alle großen Konflikte seien beigelegt, nahmen sich die bulgarischen Brüder der Zukunft Nordmazedoniens an. Sie beschlossen, die europäische Integration des Nachbarlandes zu nutzen, um dessen historisches Gedächtnis und seine Identität zu verändern – von der Verfassung bis zu den Schulbüchern. In mancher Hinsicht erinnert dies an die ukrainisch-polnischen Auseinandersetzungen – allerdings genau umgekehrt.

In Warschau etwa wirft man den Führern der OUN die Zusammenarbeit mit dem Reich vor und verspricht, dass die Ukraine „mit Bandera“ niemals nach Europa gelangen werde. In Sofia hingegen verlangt man von Nordmazedonien, die bulgarische Besetzung des heutigen Staatsgebiets nicht als Besatzung zu bezeichnen – obwohl Bulgarien diesen Teil des Königreichs Jugoslawien gerade deshalb besetzte, weil es ein Verbündeter des Deutschen Reiches war. Die Mazedonier lehnen dies ab, weil der antifaschistische Kampf zu den Grundpfeilern ihrer modernen Identität gehört und unmittelbar mit der Ausrufung ihrer Staatlichkeit innerhalb von Titos Jugoslawien verbunden ist. Andererseits ist das Bündnis zwischen Deutschland und Bulgarien eine historische Tatsache. Und wenn man eine Besatzung nicht mehr Besatzung nennen darf, wird es schwer zu erklären sein, wie es auf dem Gebiet des heutigen Nordmazedoniens zum Holocaust kommen konnte und praktisch alle dortigen Juden ermordet wurden – obwohl die Juden Bulgariens selbst von der Regierung unter dem Druck der Öffentlichkeit nicht an die Nationalsozialisten ausgeliefert wurden.

Doch die Frage ist nicht, wer im Zweiten Weltkrieg wen unterstützte, sondern die tatsächliche Krise der Europäischen Union. Die Idee eines geeinten Europas besteht gerade darin, dass alle historischen Gegensätze innerhalb der EU behandelt werden, denn nur sie ist das Instrument, das Kriege auf einem einst verwüsteten Kontinent verhindern kann. Tatsächlich aber geschieht das Gegenteil: Die Staaten, die bereits der Europäischen Union angehören, beginnen den Beitrittskandidaten vorzuschreiben, was in ihrer Verfassung stehen oder sogar was in ihren Geschichtsbüchern geschrieben werden soll. Und die Europäische Union stellt sich auf die Seite ihrer Mitglieder, obwohl deren Forderungen nichts mit den Beitrittskriterien der EU zu tun haben.

Nordmazedonien steckt seit Jahrzehnten vor den Türen der Europäischen Union fest – nicht weil das Land keine Reformen durchführt, sondern weil es sich der von Europa unterstützten bulgarischen Erpressung widersetzt. Dabei unterstützt die Mehrheit der Bürger mazedonischer Herkunft die Haltung ihrer Regierung, weil sie diese für würdevoll hält. Doch neben der Würde gibt es auch die Praxis. Junge Mazedonier wollen nicht jahrelang warten, beantragen bulgarische Pässe (Sie haben doch nicht vergessen: Bulgarien betrachtet sie als Bulgaren) und verlassen das Land. Nicht etwa in Richtung Bulgarien – was sollten sie dort? –, sondern nach Deutschland.

Die jungen Bürger Nordmazedoniens albanischer Herkunft haben hingegen keinen Anspruch auf einen bulgarischen Pass und bleiben vorerst im Land. So sieht also das Bild einer demografischen Katastrophe eines kleinen Volkes aus.

Als Sofia begann, seine Forderungen zu diktieren, hoffte ich noch, dass man in Brüssel erkennen würde, wie gefährlich historische Erpressung ist. Doch das geschah nicht. Und nun bereite ich mich darauf vor zu beobachten, wie sich die europäische Integration der Ukraine genau nach dem mazedonischen Szenario vollziehen wird. Denn ich sehe bereits, wie ein Teil der polnischen Politiker der Versuchung nicht widerstehen kann – und ich weiß nicht, wie man unseren Nachbarn erklären soll, dass dieses Szenario vor allem für sie selbst gefährlich ist.

Doch natürlich geht es nicht nur um die Polen. Mit Forderungen werden später praktisch alle an uns herantreten: Die einen, weil sie im Bündnis mit den Russen handeln; die anderen, weil sie sehen, wie gut sich Minderheitenschutz und historische Forderungen beim eigenen Elektorat verkaufen; wieder andere einfach deshalb, weil sie Narren sind.

Die Schlussfolgerung daraus ist einfach und bitter: Wir werden niemals Mitglied der Europäischen Union werden, wenn wir Europa nicht schon jetzt verändern. Wenn wir nicht nachweisen können, dass gerade jene Staaten bestraft werden müssen, die gegen die Kriterien verstoßen – selbst wenn sie bereits Mitglieder der EU sind. Dass man Geschichte nicht als Erpressungsinstrument benutzen darf. Dass solchen Erpressern die europäischen Fördermittel gestrichen werden müssen und nach Möglichkeiten gesucht werden sollte, ihnen zumindest in Fragen unserer Integration das Stimmrecht zu entziehen.

Wir sind schlicht verpflichtet, das zu tun. Um unseretwillen. Und um der Mazedonier willen.


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Titel des Originals: Україна Балкан. Vitaly Portnikov. 05.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 05.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Wahlen in Bulgarien: Folgen für die Ukraine | Vitaly Portnikov. 20.04.2026.

Der ehemalige Präsident Bulgariens, General Rumen Radev, und seine Partei „Progressives Bulgarien“ sind die wirklichen Triumphatoren der Parlamentswahlen in diesem Balkanland geworden. Zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten der politischen Geschichte Bulgariens hat eine Partei die Mehrheit der Wählerstimmen erhalten und wird eine Einparteienregierung bilden können, die keine Unterstützung anderer politischer Kräfte benötigt.

Die Parteien, die bisher die politische Landschaft Bulgariens bestimmten, darunter auch die GERB-Partei des ehemaligen Premierministers Boyko Borissow, erwiesen sich bei diesen Wahlen als Außenseiter und werden nun in der Opposition zur Partei des ehemaligen Präsidenten stehen.

Dieses Ergebnis kann natürlich sowohl in Europa als auch in der Ukraine Besorgnis auslösen. Wir kennen die prorussischen Aussagen von General Radev, und einige haben es bereits eilig, ihn als neuen Orbán zu bezeichnen und sagen, dass der General in Europa faktisch zum politischen Nachfolger des nun schon fast ehemaligen ungarischen Premierministers werden könnte.

Aber ich wäre vorsichtig mit solchen Vorhersagen. Tatsächlich zeichnet sich Rumen Radev durch seine offensichtlichen Sympathien für Moskau und den Wunsch aus, mit Russland eine gemeinsame Sprache zu finden. Doch unmittelbar vor den Wahlen, als man ihn zum Kredit befragte, den die Europäische Union der Ukraine gewährt hat, betonte er, dass Bulgarien sich nicht gegen die Bereitstellung dieser Mittel stellen solle, aber auch nicht an deren Bereitstellung teilnehmen müsse.

Das heißt, die Position des künftigen Premierministers Bulgariens, Rumen Radev, stimmt mit der Position des künftigen Premierministers Ungarns, Péter Magyar, überein. Und gerade Magyars Sieg bei den Parlamentswahlen in Ungarn wird als Rettung vor Orbán wahrgenommen.

Ein weiterer wichtiger Punkt hängt damit zusammen, dass Rumen Radev, wenn er tatsächlich echte Reformen in Bulgarien anstrebt, eine verfassungsändernde Mehrheit benötigt. Schon allein, um den Generalstaatsanwalt des Landes zu ersetzen und eine Justizreform durchzuführen. Auch hier stimmen seine Aufgaben mit denen von Péter Magyar an der Spitze der ungarischen Regierung überein.

Das Problem besteht jedoch darin, dass Magyar im ungarischen Parlament über eine verfassungsändernde Mehrheit verfügt und solche Reformen ohne Probleme durchführen kann. Die Partei Radevs hingegen hat keine solche Mehrheit. Um Reformen in Bulgarien durchzuführen, wird Rumen Radev die Unterstützung proeuropäischer politischer Kräfte aus der Koalition „Wir setzen den Wandel fort – Demokratisches Bulgarien“ benötigen. Gerade aus dieser Koalition, deren führende Politiker der Ukraine in den ersten Monaten des russisch-ukrainischen Krieges so tatkräftig geholfen haben, als ihre Partei an der Spitze des bulgarischen Staates stand.

Auch hier wird Radev also berücksichtigen müssen, dass seine Position gegenüber dem russisch-ukrainischen Krieg und gegenüber Moskau angepasst werden muss, wenn er tatsächlich Reformen durchführen und über reale Instrumente zur Führung Bulgariens verfügen will. Und Radev versteht das sehr gut.

Ein weiterer wichtiger Punkt hängt damit zusammen, dass Orbán ein Vertreter rechter politischer Kräfte war und daher als Partner von Donald Trump wahrgenommen wurde. Radev hingegen ist ein Vertreter linker politischer Kräfte; für das Amt des Präsidenten Bulgariens kandidierte er von der postkommunistischen Bulgarischen Sozialistischen Partei, die nun faktisch von der politischen Bühne verschwindet, von der Bewegung Radevs absorbiert. Das bedeutet lediglich, dass die von Radev geführte Partei zur wichtigsten Kraft im linken politischen Spektrum Bulgariens wird. Es ist unwahrscheinlich, dass ein solches politisches Bündnis im Weißen Haus als Partner zur Lösung der Probleme angesehen wird, die heute in den Beziehungen zwischen den USA und Europa bestehen.

Und die wirtschaftliche Dimension: Bulgarien wird Unterstützung von der Europäischen Union benötigen, Gelder aus europäischen Fonds, denn ohne diese Mittel, wie wir verstehen, ist eine Verbesserung der Lebensverhältnisse im Land unmöglich. Und auch Radev wird berücksichtigen müssen, dass er den Bulgaren ein positives Programm zum Ausweg aus der politischen und wirtschaftlichen Krise anbieten muss, in die Bulgarien in den letzten Jahren geraten ist, als die Regierungen sich nahezu alle sechs Monate oder jedes Jahr abwechselten.

Übrigens hat Rumen Radev über einen längeren Zeitraum, als er Präsident Bulgariens war, diese Regierungen faktisch über technische Premierminister geführt, die gerade dann eingesetzt wurden, wenn die politischen Parteien keine Koalitionen zur Arbeit in der Exekutive bilden konnten. In dieser Situation wird Rumen Radev sogar vorsichtiger sein als der slowakische Premierminister Robert Fico.

Fico berücksichtigt die Positionen seiner ultrarechten Koalitionspartner, die prorussisch und antiukrainisch eingestellt sind. Er ist gezwungen, mit diesen Menschen zusammenzuarbeiten, um die Macht in der Slowakei nicht zu verlieren. Andernfalls wäre er in seinen Beziehungen zur Europäischen Union vorsichtiger, als er es bislang ist. Radev hingegen wird keine ultrarechten politischen Partner haben. 

Mehr noch: Die prorussische Partei „Wiedergeburt“, die im vorherigen Parlament eine beträchtliche Zahl von Sitzen hatte und Einfluss auf die Tätigkeit der Regierung ausüben konnte, wird nun zu einem echten Außenseiter. Und bis zur endgültigen Auszählung der Stimmen hoffte man sogar, dass die Agenten Putins im bulgarischen Parlament diesmal gar nicht ins Parlament einziehen würden.

Doch selbst wenn es dieser prorussischen Kraft gelingt, eine eigene Fraktion zu bilden, wird sie keinen Einfluss auf Entscheidungen des neuen Premierministers und der neuen Regierung haben. Darin wird sich Rumen Radev von Robert Fico unterscheiden.

So wird Radev trotz seiner allgemein bekannten außenpolitischen Sympathien gezwungen sein, mit deren öffentlicher Äußerung wesentlich vorsichtiger umzugehen als Viktor Orbán oder sogar Robert Fico. Das muss man an dem Tag verstehen, der vielleicht den größten politischen Triumph in der Biografie Rumen Radevs darstellt, dem nach zwei Amtszeiten als Präsident Bulgariens nun der Wechsel in den wesentlich einflussreicheren und bedeutenderen Sessel des Premierministers bevorsteht.

Was die militärische Hilfe betrifft, so arbeitet die Ukraine faktisch eng mit dem militärisch-industriellen Komplex Bulgariens zusammen. Das ist ebenfalls ein Teil des Wachstums der bulgarischen Wirtschaft. Wir haben bereits bei vielen prorussischen Politikern gesehen, dass keiner von ihnen gegen die Interessen der eigenen Industrie vorgehen und ihnen verbieten konnte, Waffen für die Ukraine im fortdauernden Krieg zu verkaufen. Und ich versichere Ihnen: Rumen Radev wird hier keine Ausnahme sein.


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Titel des Originals: Вибори в Болгарії: наслідки для України | Віталій Портников. 20.04.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 20.04.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Ukraine und EU Mitgliedschaft, im Schatten der polnischen Politik. 31.05.2025.

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Als der Ukraine im Juni 2022 der Kandidatenstatus für EU zuerkannt wurde, warnte ich davor, dass die Verhandlungen mit den Nachbarländern über Fragen, die nicht direkt mit der Mitgliedschaft selbst zusammenhängen, viel komplizierter sein würden als die klassischen Verhandlungen.

Wie üblich glaubte man mir nicht und versicherte mir, dass die EU genügend Einfluss auf Länder wie Ungarn oder die Slowakei habe, die wirtschaftlich von der Hilfe Brüssels abhängig seien. Ich glaubte und glaube immer noch, dass das Haupthindernis die historische Position Polens sein würde, an der kaum jemand etwas ändern könnte. Ich halte die jüngsten Äußerungen des Präsidenten dieses Landes, Andrzej Duda, nicht für ein Element des Wahlkampfes, sondern für einen Brief aus der Zukunft.

Dabei geht es nicht einmal um die Frage, welche Version der Geschichte mehr der Realität entspricht. Das Problem ist ein anderes: Die Europäer selbst haben einen Präzedenzfall geschaffen, dass historische und nationale Fragen den Prozess der Integration in die NATO und die EU blockieren können. Die Integration Nordmazedoniens ist genau der Fall, der die Ukraine vor unüberwindbare Schwierigkeiten stellen kann. Übrigens habe ich 1991 in einem Artikel über die Unabhängigkeit Mazedoniens dieses Land als die „Ukraine des Balkans“ bezeichnet. Und zwar nicht, weil ich die aktuellen Ereignisse im Zusammenhang mit der Integration vorhersah, sondern weil ich verstand, dass die komplexen Identitätsbeziehungen Mazedoniens mit seinen Nachbarn nur mit den Problemen der Ukraine verglichen werden können.

Der Westen war sich einst einig, dass Griechenlands Position zum verfassungsmäßigen Namen Mazedoniens ein Hindernis für den Beitritt des Landes zur NATO und zur EU sein könnte. Um es zynisch auszudrücken: Mazedonien hatte einfach Glück, dass in Griechenland eine große Wirtschaftskrise herrschte, die den Einfluss der traditionellen politischen Parteien vorübergehend schwächte und die Bildung einer Regierung aus Linksradikalen ermöglichte, die nicht so sehr auf die Geschichte fixiert waren und entgegen dem Mainstream handeln konnten.

Keine klassische politische Partei in Griechenland, ob rechts oder links, wäre jemals damit einverstanden gewesen, dass Mazedonien das Wort „Mazedonien“ in seinem Namen behält. Und keine politische Kraft in Mazedonien würde jemals freiwillig auf dieses Wort verzichten. Aber Skopje hat einfach die Gunst der Stunde genutzt, auch wenn die rechtsgerichteten mazedonischen Nationaldemokraten, die derzeit an der Macht sind, diesen Kompromiss noch immer nicht anerkennen. Auf die eine oder andere Weise wurde Nordmazedonien NATO-Mitglied.

Die Probleme endeten damit jedoch nicht: Bulgarien kam ins Spiel, und seine Forderungen an Nordmazedonien gingen viel tiefer als die griechischen, denn sie betrafen nicht den Namen, sondern die Geschichte, die Identität und Fragen der bulgarischen Präsenz – und erforderten Verfassungsänderungen weitreichenderer Art.

Anstatt den Bulgaren zu raten, diese Fragen nach dem Beitritt Nordmazedoniens innerhalb der EU zu lösen, begannen die Europäer, den Mazedoniern zu raten, ihre eigene Gesetzgebung zu ändern, um den Weg für die Aufnahme von Verhandlungen zu ebnen. Es ist wichtig, dies zu bedenken: Bulgarien hat in der Europäischen Union nicht einmal so viel Einfluss wie Ungarn.

Deshalb habe ich wenig Zweifel daran, dass sich der Prozess der europäischen Integration der Ukraine um viele Jahre verzögern könnte. Wenn die Rechtsextremen, die sich selbstbewusst auf dieses Ziel zubewegen, in Polen an die Macht kommen, werden sie den Prozess aus historischen Gründen blockieren. Wenn die Liberalen an der Macht sind, werden sie den Prozess aus wirtschaftlichen Gründen blockieren, auch wenn sie dies mit historischen Fragen begründen werden. Es wird noch möglich sein, eine Verständigung mit den Liberalen zu versuchen, wenn wir uns auf wirtschaftliche Kompromisse einigen können. Aber es wird unmöglich sein, mit der extremen Rechten eine prinzipielle Einigung zu erzielen.

Und wir werden auf unser „Fenster der Gelegenheit“ warten müssen – einen Regierungswechsel in Ungarn oder eine große Wirtschaftskrise in Polen, die die politische Landschaft des Landes radikal verändern wird.

Das Einzige, was unsere Nachbarn wirklich beeinflussen kann, ist nicht die Logik des gesunden Menschenverstandes, sondern die Angst, dass die Ukraine, die hinter den Türen Europas zurückbleibt, früher oder später Teil Russlands wird, das durch die europäische Kurzsichtigkeit nicht schwächer, sondern nur stärker wird.

Leider habe ich immer weniger Hoffnung, dass sich diese Einsicht durchsetzen wird.