
Польська бульбашка кривди та українська кровотеча.. Vitaliy Vantsa. 07.07.2026.
Polen erinnert heute immer mehr an einen Menschen, der in einem Boot sitzt, das durch einen Sturm treibt, und statt auf die Wellen zu schauen, ein internes Seminar darüber veranstaltet, wer wem 1943 was gesagt hat.
Das ist sehr edelmütig … fast so, als würde man die Speisekarte eines Restaurants überarbeiten, das bereits brennt.
In Polen gibt es eine lange politische Kultur des historischen Unrechts. Die Teilungen Polens, der Verlust der Staatlichkeit, Besatzungen, Kriege, der Verrat durch die Großmächte – all das sind reale Traumata. Man sollte sie nicht kleinreden.
Doch ein Trauma ist das eine … eine politische Industrie des Traumas ist etwas völlig anderes.
Denn wenn historisches Unrecht zum wichtigsten Treibstoff der eigenen Identität wird, muss es ständig neu angefacht und nachgefüllt werden. Sonst verliert die Blase ihre Spannung. Und wenn die Deutschen weit weg sind, die Russen scheinbar „irgendwo weit weg“ und in Polen kaum noch Juden leben – wer eignet sich dann am besten als lebendige Verkörperung historischen Unrechts?
Richtig … die Ukrainer. Sie sind „praktischerweise“ hier. Ganz in der Nähe. Sie arbeiten. Sie sprechen Ukrainisch. Sie haben ihre eigenen Helden. Sie fragen niemanden um Erlaubnis. Und sie haben – diese Frechheit – irgendwie überlebt.
Genau das scheint manchmal eines der Hauptprobleme zu sein.
Die polnische Politik (genauer gesagt: die Politik!) versteht heute oft nicht, dass die Ukraine nicht im Theater ihrer Erinnerung lebt, sondern auf der Intensivstation. Und wir leiden unter einer massiven Blutung.
Wenn ein Mensch verblutet, führt er keine Podiumsdiskussion darüber, ob das Tourniquet vielleicht zu radikal angelegt wurde. Er zieht das Tourniquet einfach fest.
Wenn der Schmerz unerträglich ist, hält er keinen Vortrag über die langfristige Toxizität von Morphin oder Fentanyl. Er lindert den Schmerz, um nicht zu sterben.
Mit nationalen Symbolen im Krieg verhält es sich möglicherweise ähnlich. In Kriegszeiten greift eine Gesellschaft nicht zu akademisch sterilen Symbolen, sondern zu starken Symbolen – zu denen, die mobilisieren, den Mut aufrechterhalten, Rückgrat geben und gegen das Imperium wirken.
Ja, irgendwann wird die Zeit kommen, den gesamten nationalen Kanon in Ruhe zu überprüfen. Irgendwann wird man ausführlich über Toxizität, Kontexte, Schattenseiten, Verantwortung und internationale Wahrnehmung diskutieren können. Aber im Moment befinden wir uns leider nicht auf einem historischen Symposium.
Unser Alltag heißt Russland. Jeden Tag. Mit Verlusten und massiven Angriffen. Bei uns gibt es Raketen. Drohnen. Schützengräben. Todesnachrichten. Kriegsgefangene. Städte ohne Strom. Kinder in Luftschutzkellern.
Und da wirkt es äußerst befremdlich, wenn man uns aus Warschau gerade jetzt Vorträge hält: „Sind eure Helden überhaupt zivilisiert genug?“
Meine Damen und Herren – wir verbluten gerade. Ihr Seminar über die richtige Verwendung von Verbänden kann man etwas später abhalten.
Das größte Paradoxon besteht darin, dass Polen und die Ukraine noch immer im selben Boot sitzen. Wenn die Ukraine fällt, wird Polen dadurch nicht sicherer. Wenn die Ukraine jedoch die Front hält, gewinnt Polen strategische Tiefe. Und wenn die Ukraine siegt, erhält Polen einen starken Partner an seiner Seite – einen Markt, ein Verteidigungsbündnis, logistische Möglichkeiten, den Wiederaufbau und ein neues Osteuropa. Wenn Polen sich stattdessen mit der Ukraine zerstreitet, schenkt es diesen Raum Berlin, Paris, London, Washington – wem auch immer, nur nicht sich selbst.
Genau darin besteht das strategische Talent des polnischen Populismus: eine einmalige historische Chance zu ergreifen und sich damit selbst auf den Kopf zu schlagen.
Polen hätte der wichtigste Fürsprecher der Ukraine in Europa sein können. Das wichtigste Drehkreuz für den Wiederaufbau. Die wichtigste politische Brücke zwischen der Ukraine und der EU. Der wichtigste Partner einer neuen Sicherheitsarchitektur Osteuropas.
Doch ein Teil der polnischen Politik hat beschlossen, es sei interessanter, gegen tote Ukrainer der 1940er Jahre zu kämpfen, während lebende Ukrainer gegen Russland kämpfen.
Ein „brillanter“ Geschäftsplan!
Fast so, als würde man die Aktien eines künftigen Technologiekonzerns ablehnen, weil einem die Frisur seines Großvaters nicht gefallen hat.
Die Ukraine wird nach diesem Krieg – so hoffe ich sehr – nicht mehr dieselbe Ukraine sein. Sie wird kein Bittsteller mehr sein. Kein „kleiner Nachbar“. Kein schweigendes Objekt fremder Erziehungsversuche.
Sie wird ein Staat mit gewaltiger Kampferfahrung sein, mit einer eigenen Rüstungsindustrie, einer Schule für Drohnentechnologie, einer Armee, die den modernen Krieg tatsächlich kennt, und mit dem politischen Kapital eines Landes, das den russischen Imperialismus aufgehalten hat.
Und wenn Polen glaubt, mit einer solchen Ukraine weiterhin in der Sprache sprechen zu können: „Mit Bandera werdet ihr nicht beitreten“, „Eure Erinnerungskultur ist falsch“, „Wir lassen euch hinein oder eben nicht“, dann ist das keine Diplomatie mehr. Das ist geopolitische Kurzsichtigkeit unter nationaler Flagge.
Besonders amüsant ist auch die Behauptung, die Ukrainer seien eine Belastung für Polen.
Die Ukrainer in Polen arbeiten, zahlen Steuern, gründen Unternehmen, tragen einen Teil des Arbeitsmarktes, stärken die polnische Wirtschaft und schließen demografische Lücken, die die polnische Politik selbst nicht schließen kann.
Und gleichzeitig erklärt man ihnen von den höchsten politischen Tribünen Polens, sie seien das Problem.
Das ist nicht einmal mehr Undankbarkeit. Das ist bereits eine Art wirtschaftliche Schizophrenie mit patriotischem Soundtrack.
Was sollte die Ukraine also tun?
Ganz sicher nicht mit Orden hinterherlaufen.
Nicht betteln.
Nicht versuchen, diejenigen zu überzeugen, die von politischer Kränkung leben.
Nicht die eigene Erinnerungskultur für die Zustimmung des polnischen Elektorats preisgeben.
Nicht den eigenen nationalen Kanon gegen ein vorübergehendes polnisches „Ja“ in Brüssel eintauschen.
Denn wenn es nicht Bandera ist, wird es später Masepa sein. Wenn nicht die UPA, dann Chmelnyzkyj. Wenn nicht Wolhynien, dann das Getreide. Wenn nicht das Getreide, dann der Transport oder die Spediteure. Wenn nicht der Transport, dann „die Ukrainer nehmen uns die Arbeitsplätze weg“.
Wer einen Vorwand finden will, wird ihn leider immer finden.
Deshalb sollte die Strategie einfach sein.
Dankbarkeit – ja.
Erniedrigung – nein.
Dialog – ja.
Erpressung – nein.
Exhumierungen – ja.
Kriminalisierung der ukrainischen Erinnerungskultur – nein.
Partnerschaft – ja.
Polnische Vormundschaft über die ukrainische Identität – nein.
Und noch etwas.
Gute Nachbarschaft entsteht nicht dadurch, dass sich immer nur eine Seite entschuldigt.
Gute Nachbarschaft beruht auf Stärke, Gegenseitigkeit, Respekt und dem Verständnis einer gemeinsamen Bedrohung.
Die beste Garantie für gute nachbarschaftliche Beziehungen der Ukraine ist nicht ein weiterer schöner Gipfel.
Es sind eine starke Armee, eigene Raketen, eigene Drohnen, eine eigene Luftverteidigung, eigene Geheimdienste, eine eigene Rüstungsindustrie, eine eigene Wirtschaft – aber auch eine eigene Erinnerungskultur, die weder durch ein polnisches, ungarisches, russisches noch irgendein anderes Veto blockiert werden kann.
Polen kann seine Blase des historischen Unrechts noch lange weiter aufblasen.
Aber es sollte sich nicht wundern, wenn die Ukraine irgendwann einfach aufhört, an diese Blase zu klopfen, und beginnt, ihre Zukunft mit jenen aufzubauen, die eine Zukunft wollen – und keinen endlosen politischen Friedhof mit Mikrofon.
Denn im Moment ist alles ganz einfach.
Die Ukraine blickt auf die Front.
Die polnischen Populisten blicken in die Vergangenheit und suchen dort nach Umfragewerten.
Und noch etwas Wichtiges:
Über die Geschichte werden wir ganz sicher noch sprechen.
Aber zuerst müssen wir schlicht überleben!
Und genau das scheint man in Warschau bis heute am schwersten zu begreifen. ((
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Art der Quelle: Social Media
Titel des Originals: Польська бульбашка кривди та українська
кровотеча.. Vitaliy Vantsa. 07.07.2026.
Autor: Vitaliy Vantsa.
Veröffentlichung / Entstehung: 07.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.