Neue Angriffe auf Kyiv: Russland setzt den Luftterror fort | Vitaly Portnikov. 02.07.2026.

Ein weiterer massiver Angriff Putins auf die ukrainischen Regionen. Hauptziel dieses Angriffs war – wie bei allen vorherigen großangelegten russischen Angriffen auf die Ukraine – Kyiv.

Die ukrainische Hauptstadt leidet derzeit unter zahlreichen Bränden, die infolge von Einschlägen russischer Raketen und Drohnen in Infrastruktur und Wohngebiete der Hauptstadt entstanden sind. Bislang ist von 16 Verletzten und zwei Todesopfern die Rede.

Zunächst möchte ich allen Verletzten sowie den Angehörigen derjenigen, die den heutigen Terrorangriff auf Kyiv nicht überlebt haben, mein aufrichtiges Mitgefühl aussprechen. Und dass es sich hierbei um Luftterror handelt, muss meiner Ansicht nach nicht einmal bewiesen werden. Denn wir sehen, dass das Hauptziel der Russen nicht so sehr Angriffe auf die Infrastruktur ukrainischer Städte sind, sondern vielmehr die Einschüchterung ihrer Bewohner – die Fortsetzung jenes demografischen Krieges, der ebenfalls eines der Hauptziele des russischen Präsidenten, seiner Armee und seines Umfelds im Krieg gegen die Ukraine bleibt.

Auch daraus müssen bestimmte Schlussfolgerungen gezogen werden. Einerseits verstehen wir, dass Putin für derartige Angriffe dennoch nicht über unbegrenzte Ressourcen verfügt. Deshalb werden die Abstände zwischen ihnen immer größer. Andererseits ist nicht auszuschließen, dass Russland lediglich Raketen und Drohnen für noch intensivere Angriffe im Herbst anhäuft, um neue Probleme für die ukrainische Energieversorgung zu schaffen und die großen ukrainischen Städte einfrieren zu lassen. Denn auch das wäre Teil des demografischen Krieges Russlands gegen die Ukraine.

Wir sehen, dass der russische Präsident keinerlei Wunsch hat, diesen Krieg zu beenden. Und die ukrainischen Angriffe auf die russische Infrastruktur verringern zwar die Möglichkeiten der russischen Armee und schaffen Probleme für die russische Wirtschaft, mindern jedoch nicht den Willen des Präsidenten der Russischen Föderation, den Abnutzungskrieg fortzusetzen – auch wenn dies zugleich ein Krieg der Erschöpfung Russlands selbst ist.

Deshalb müssen wir uns von Illusionen verabschieden und dürfen nicht von einem baldigen Ende des russisch-ukrainischen Krieges sprechen. Nach jedem Angriff muss uns bewusst werden, dass dieser Krieg erst dann enden kann, wenn Russland tatsächlich die Ressourcen fehlen, ihn fortzuführen.

Man muss etwas anderes verstehen: Selbst wenn die russische Armee ihre Offensive einstellt – und das kann jederzeit geschehen –, können massive Raketenangriffe auf ukrainische Städte, auch unter Einsatz von Drohnen, noch lange andauern, selbst nachdem die Kampfhandlungen an der Front abgeflaut sind. Sie könnten sporadisch fortgesetzt werden.

Natürlich kann man auf irgendwelche Vereinbarungen zwischen Moskau und Kyiv in der Zukunft hoffen. Wahrscheinlich wird dieser Krieg jedoch nicht durch reale Vereinbarungen zwischen den russischen und ukrainischen Regierungen beendet werden. Er kann nur de facto durch die Erschöpfung der Möglichkeiten einer der Kriegsparteien enden.

Das würde bedeuten, dass der Krieg jedes Mal wieder aufflammt, sobald neue Möglichkeiten entstehen. Und wir werden erneut nicht nur Zeugen, sondern Opfer neuer massiver Angriffe der Russischen Föderation sein.

Und das ist nicht bloß eine Feststellung von Tatsachen. Es geht um die Frage, wie wir uns in den kommenden Jahren – vielleicht sogar Jahrzehnten – gegen solche Angriffe schützen können. Ja, Jahrzehnte. Der Nahe Osten lebt seit vielen Jahrzehnten im Rhythmus solcher Angriffe, und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass sich eine solche Situation rasch überwinden lässt.

Deshalb ist es wichtig, die Luftverteidigungssysteme weiterzuentwickeln, neue Systeme zu beschaffen, mit unseren Verbündeten zusammenzuarbeiten, Wege zur Entwicklung eigener Luftverteidigungssysteme zu finden und zu verstehen, wie sowohl der russistischen Ballistik als auch den Drohnen begegnet werden kann, deren Zahl – wie wir verstehen – im Verlauf des russisch-ukrainischen Krieges auf beiden Seiten nur weiter zunehmen wird.

Zweitens bedeutet die Entwicklung ukrainischer Städte nicht nur die Eröffnung neuer Parkanlagen oder die Reparatur beschädigter Gebäude. Vor allem bedeutet sie den Aufbau eines Systems von Schutzräumen. Genau das wird meiner Ansicht nach während all dieser Kriegsjahre vergessen.

Denn es ist offensichtlich, dass die Ukrainer – zumindest in den großen Städten unseres Landes – in den kommenden Jahren viele Stunden unter der Erde verbringen müssen. Für viele wird dies die einzige Möglichkeit sein, das eigene Leben und das Leben ihrer Angehörigen zu retten.

Die Wiederherstellung der bereits vorhandenen Schutzräume, die sich faktisch in irgendwelche Keller mit unklarer Zweckbestimmung verwandelt haben, der Bau neuer Anlagen sowie die Notwendigkeit, neue Gebäude – etwa Hotels oder Wohnhäuser – nur dann zu genehmigen, wenn sie über Sicherheitsbereiche verfügen, sind eine dringende Notwendigkeit für das Leben der Ukraine in den 2020er-, 2030er- und vielleicht sogar in den 2040er-Jahren des 21. Jahrhunderts. Man muss das einfach akzeptieren und sich genau auf ein solches Leben und einen solchen Verlauf der Ereignisse einstellen.

Und das ist keineswegs nur ein Gespräch. Wir sehen, dass mit jedem neuen Angriff die Zahl der Menschen zunimmt, die durch das Geschehen immer stärker verängstigt sind und nicht mehr stundenlang darauf warten wollen, dass eine Rakete oder eine Drohne ihr Wohnhaus trifft – selbst in der ukrainischen Hauptstadt.

Schon jetzt reicht der Platz in der Metro von Kyiv nicht mehr für alle aus, die auf den U-Bahn-Stationen Schutz suchen wollen.

Und was wird erst geschehen, wenn die Angriffe noch massiver werden, auch wenn sie seltener erfolgen? Was sollen Menschen tun, die nicht in der Nähe einer Metrostation in Kyiv oder in anderen großen Städten der Ukraine leben, in denen es überhaupt keine U-Bahn gibt?

Warum werden die kommunalen Haushalte nicht gerade für den Bau von Schutzräumen verwendet? Warum leben wir ständig in der Illusion, der Krieg werde in wenigen Monaten vorbei sein und man müsse darüber nicht nachdenken?

Gut, man konnte dieser süßen Illusion vielleicht noch 2022 oder 2023 nachhängen. Doch inzwischen nähert sich bereits die Mitte des Jahres 2026. Und wir sehen die völlig offensichtliche Absicht Russlands, diesen Krieg fortzusetzen – zumindest in Form massiver Angriffe auf die großen Städte der Ukraine.

Im Vorgehen Russlands gibt es – wenn Russland die Ukraine in eine demografische Wüste verwandeln will – eine offensichtliche Logik. Im Handeln der Ukraine hingegen, wenn wir nicht zu einer solchen Wüste werden und uns gegen künftige Angriffe schützen wollen, erkenne ich keine Logik.

Das muss eine gemeinsame Aufgabe der Zentralregierung und der kommunalen Selbstverwaltung sein. Die Menschen müssen verstehen, wie geschützte Städte aussehen sollen – wenn nicht sofort, dann zumindest in naher Zukunft.

Natürlich kann man sich selbst einreden, dass Russland Ende 2026 nicht mehr durchhalten und einem Frieden zustimmen wird – um dann 2027 und 2028 erneut unter russischen Angriffen zu leiden und nach einem Platz zu suchen, den es auf einer Station der Metro von Kyiv gar nicht mehr geben wird.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Нові удари по Києву: Росія продовжує повітряний терор | Віталій Портников. 02.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 02.07.2026.
Originalsprache:
uk

Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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