Huzulin Ksenja/ Гуцулка Ксеня.

Dunkle Nacht die Berge deckt, 
Still die Alm sie überflutet,
Weiß wie Schnee nur eine steht,
Huzul Ksenja dort erblickt.
In die blauen Augen schaut er,
Lehnt sich still an eine Kiefer,
Zarte Worte voller Liebe
Spricht er leise zu ihr hin:

„Huzulin Ksenja,
Dir spiel ich auf der Trembita,
Nur dir allein auf der Welt
Erzähl ich von der Liebe.
Meine Seele leidet,
Trembita-Klang erklingt,
Denn mein Herz liebt so heiß
Wie ein Feuer voll Glut.“

Heißer Sommer ist vergangen,
Der Huzul liebte andre heimlich,
Doch von Ksenja nahm er Abschied
In der allerletzten Nacht.
Und im Tscheremosch spielten Wellen
Traurig wurden blaue Augen,
Nur der Wind in hohen Kiefern
Spielte traurige Lieder sacht:

„Huzulin Ksenja,
Dir spiel ich auf der Trembita,
Nur dir allein auf der Welt
Erzähl ich von der Liebe.
Meine Seele leidet,
Trembita-Klang erklingt,
Denn mein Herz liebt so heiß
Wie ein Feuer voll Glut“

Einst hab ich dir ehrlich gesagt:
„Liebe mich nicht treulos, nie!"
Doch du meintest wohl,
Die Liebe sei nur leichtes Spiel.

„Huzulin Ksenja,
Dir spiel ich auf der Trembita,
Nur dir allein auf der Welt
Erzähl ich von der Liebe.
Meine Seele leidet,
Trembita-Klang erklingt,
Denn mein Herz liebt so heiß
Wie ein Feuer voll Glut.“

Темна нічка гори вкрила,
Полонину всю залила,
А в ній постать сніжнобіла,-
Гуцул Ксеню в ній впізнав.
Він дивився в очі сині,
Тихо спершись на соснині,
І слова ніжні, любовні,
Він до неї промовляв:

"Гуцулко Ксеню,
Я тобі на трембіті,
Лиш одній в цілім світі
Розкажу про любов.
Душа страждає,
Звук трембіти лунає,
А що серце кохає,
Бо гаряче, мов жар."

Вже пройшло гаряче літо,
Гуцул іншу любить скрито,
А гуцулку чорнобриву
Він в останню ніч прощав.
В Черемоші грали хвилі,
Сумували очі сині,
Тільки вітер на соснині
Сумно пісні вигравав:

"Гуцулко Ксеню,
Я тобі на трембіті,
Лиш одній в цілім світі
Розкажу про любов.
Душа страждає,
Звук трембіти лунає,
А що серце кохає,
Бо гаряче, мов жар."

Я тобі казала щиро,
Не кохай мене зрадливо,
А ти думав, що, можливо,
Що кохання - то є жарт.

"Гуцулко Ксеню,
Я тобі на трембіті,
Лиш одній в цілім світі
Розкажу про любов.
Душа страждає,
Звук трембіти лунає,
А що серце кохає,
Бо гаряче, мов жар."

🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Lied
Titel des Originals: Гуцулка Ксеня
Autor: Ярослав Барнич
Veröffentlichung / Entstehung: 1938
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Lied-Sammlung
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von KI und Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Im grünen Garten/ В зеленім саду.

Im grünen Garten, im grünen Garten,
Im grünen Garten trafen wir uns,
Im grünen Garten, im grünen Garten,
Im grünen Garten küssten wir uns.

Refrain:
Grüner Garten, Kirschengarten,
Bring mir die Jahre zurück!
Schenk mir noch einmal als Gabe
Die Liebe und den ersten Kuss!

Seit damals sind, seit damals sind
So viele Jahre schon vergangen,
Und immer wieder, immer wieder
Hör ich dieselbe Antwort nur.

Refrain
Grüner Garten, Kirschengarten,
Bring mir die Jahre zurück!
Schenk mir noch einmal als Gabe
Die Liebe und den ersten Kuss!

Die Jahre gehen, die Jahre gehen,
Und älter werden du und ich,
Doch bleibt im Herzen für alle Zeiten
Das Lied der Liebe – ewiglich.

Refrain
Grüner Garten, Kirschengarten,
Bring mir die Jahre zurück!
Schenk mir noch einmal als Gabe
Die Liebe und den ersten Kuss!

So jung wir waren in jenen Jahren,
Voll Zärtlichkeit und voller Glück,
Im Herzen bleiben für alle Zeiten
Die Treffen und der Abschied zurück.

Refrain
Grüner Garten, Kirschengarten,
Bring mir die Jahre zurück!
Schenk mir noch einmal als Gabe
Die Liebe und den ersten Kuss!

Im grünen Garten, im grünen Garten,
Im grünen Garten küssten wir uns,
Im grünen Garten, im grünen Garten,
Im grünen Garten verliebten wir uns.

В зеленім саду, в зеленім саду,
В зеленім саду зустрічались,
В зеленім саду, в зеленім саду,
В зеленім саду цілувались.

Приспів:
Зелений сад, вишневий сад,
Ти поверни роки назад!
Ти поверни мені в дарунок
Любов і перший поцілунок!

Від тоді минуло, від тоді минуло,
Від тоді минуло літ так багато,
І чую я, і чую я,
Один і той самий отвіт.

Приспів.

Минають роки, минають роки,
А ми старіємо з тобою,
Осталась в серці назавжди
Та пісня, що зветься любов'ю!..

Приспів.

А молоді були роки,
Були і ласки, і кохання,
Остались в серці назавжди
Ті зустрічі і розставання...

Приспів.

В зеленім саду, в зеленім саду,
В зеленім саду цілувались,
В зеленім саду, в зеленім саду,
В зеленім саду покохались...

🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Lied
Titel des Originals: В зеленім саду.
Autor: Василь Котович
Veröffentlichung / Entstehung: 1970–1980
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Lied-Sammlung
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von KI und Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Warum Orbán Ukrainer festnehmen ließ | Vitaly Portnikov. 06.03.2026.

Die Eskalation zwischen der Ukraine und Ungarn hat ein neues, ich würde sagen, außerordentliches Niveau erreicht, obwohl auch daran, vor dem Hintergrund der bevorstehenden Parlamentswahlen in Ungarn nichts Unvorhersehbares ist. Es sind die ersten für Ministerpräsident Viktor Orbán seit vielen Jahren seiner Herrschaft in diesem Land wirklich bedrohlichen Wahlen. Nach den gestrigen harten Äußerungen Volodymyr Zelenskys an Orbáns Adresse geschah etwas, das selbst in so angespannten Beziehungen wie den ukrainisch-ungarischen völlig unerhört ist.

In Ungarn wurden ukrainische Geldtransporteure festgenommen, ebenso die Wertsachen, die sie transportierten. Und natürlich wurde diese Festnahme zu einem weiteren, ich würde sagen, Bestandteil jener Maßnahmen, die das offizielle Budapest derzeit gegenüber der Ukraine ergreift, um sowohl die eigenen Mitbürger als auch die Europäer von der Korruptheit und Mafiahaftigkeit des Nachbarstaates zu überzeugen, dem man nicht helfen sollte, weil er ein weiteres postsowjetisches Echo sei, das kaum den Beitritt zur Europäischen Union verdiene.

Und wir sehen, dass diese Äußerungen Orbáns über die Ukraine, die er wiederholt gemacht hat und die sich, wie zu erwarten war, während des Wahlkampfes verschärfen, jetzt neue Qualität und neue Kraft gewinnen, was das betrifft, was sich in den nächsten Wochen zwischen Kyiv und Budapest abspielen wird. Budapest verhehlt nicht die Tatsache, dass es ukrainische Staatsbürger festgenommen hat. Es macht keinen Hehl daraus, dass es im Grunde Wertsachen beschlagnahmt hat, die auf Grundlage eines internationalen Abkommens transportiert wurden, denn es bezeichnet sie als Mafiageld.

Inwieweit das der Wirklichkeit entspricht, interessiert in der ungarischen Regierung niemanden, denn hier ist es wichtig, eine Erklärung abzugeben. Danach kann man lange ermitteln. Danach kann diese Ermittlung erst nach den Parlamentswahlen abgeschlossen werden. Und mir scheint, dass es noch viele solcher Situationen geben wird, die mit ähnlichen Handlungen Budapests gegenüber Kyiv zusammenhängen. Denn besondere Möglichkeiten, die Umfragewerte der Opposition irgendwie zu drücken, hat Orbán nicht, außer mit dem Thema Krieg zu spielen. Die wirtschaftliche Lage wird sich aus objektiven Gründen nicht verbessern. Tatsächlich funktioniert erstens die Druschba-Pipeline nicht.

Und es lohnt sich daran zu erinnern, dass nicht die Ukrainer sie zerstört haben, sondern dass sie durch einen direkten russischen Treffer auf diese Pipeline beschädigt wurde. Und viele wunderten sich, dass die Russen Orbán gerade in dem Moment, in dem er sie im Wahlkampf braucht, das billige Öl genommen haben. Vor dem Hintergrund aber, dass in Budapest russische Polittechnologen aufgetaucht sind, die dem ungarischen Ministerpräsidenten helfen sollen, diese Wahlen zu gewinnen, wirkt der russische Schlag nicht mehr so unberechnet, denn in Moskau konnte man der Meinung sein, dass es selbst bei jenen Ölpreisen, die Orbán vor den Wahlen halten könnte, kaum gelingen würde, den Abwärtstrend seiner Zustimmungswerte zu stoppen. Wenn es ihm aber gelingt, einen Feind zu finden, der diese Pipeline nicht reparieren will, ist das eine ganz andere Situation. Und mit dieser Situation kann man spielen.

Und Orbán selbst verhielt sich wie ein Mensch, der an einer Provokation teilnimmt. Er wusste sehr gut, dass die Pipeline nicht von den Ukrainern, sondern von den Russen beschädigt worden war, dass dies das Ergebnis des Beschusses unseres Landes war. Aber er schenkte dem überhaupt keine Aufmerksamkeit. Er begann sofort, die Ukraine dafür zu beschuldigen, dass sie Ungarn keinen Zugang zu billigem russischem Öl gewähren wolle. Und auch das war eine Provokation, die gerade darauf berechnet war – wir verstehen doch, dass die Leute, die solche Provokationen schreiben, nicht nur mit Orbáns Aussagen arbeiten, sondern auch mit dem Psychotypus Zelenskys und ukrainischer Beamter –, dass die Ukrainer Orbán klar daran erinnern würden, dass er mit dem Kauf russischen Öls den Krieg finanziert, dass er längst nicht-russisches Öl beziehen könnte. Und darauf antwortete Orbán den Ungarn: „Seht ihr, es geht nicht um die Russen, es geht um die Ukrainer. Sie wollen diese Pipeline nicht reparieren. Sie wollen uns das Recht verweigern, billiges Öl zu bekommen. Sie wollen nicht nur ihren Krieg nicht beenden, sondern das auch noch auf unsere Kosten. Wir helfen ihnen. Und wir sollen auch noch teures Öl kaufen, weil sie die Pipeline nicht reparieren wollen, die auf Grundlage der internationalen Verpflichtungen der Ukraine funktioniert.“

Und interessant ist, dass man in Budapest in dieser ganzen Zeit kein einziges Mal Russland beschuldigt hat, das diese Pipeline beschädigt hat. Vor einigen Tagen war der ungarische Außenminister Péter Szijjártó in Moskau, traf sich mit dem Präsidenten Russlands Putin und mit Außenminister Lawrow. Er erwähnte nicht einmal, dass diese Pipeline von den Russen beschädigt worden war, erhob keinerlei Ansprüche, es gab keine einzige Note des ungarischen Außenministeriums an Russland, das jene Route beschädigt hat, über die es gemäß seinen Verpflichtungen Öl nach Ungarn hätte liefern sollen. Der Schlag gegen die Pipeline könnte also bereits eine koordinierte Aktion gewesen sein.

Jetzt verbessert sich Orbáns Lage, würde ich sagen, mit dieser ganzen Geschichte vor dem Hintergrund des Krieges im Nahen Osten sogar noch. Denn in einer alternativen Situation, in der die Ukraine sagen würde, dass sie keine Möglichkeit habe, diese Pipeline schnell zu reparieren, könnte Ungarn sich mit entsprechenden Forderungen an die Europäische Kommission wenden. Und die Europäische Kommission könnte ihm sagen: „Hören Sie, wir haben Ihnen Zeit gegeben, die Pipeline ist nicht von den Ukrainern beschädigt worden, sie verfügen vielleicht nicht über ausreichende Kräfte, um sie zu reparieren. Nehmen Sie Öl aus der kroatischen Pipeline, die bis auf Ihr Territorium reicht.“ Aber jetzt wird das niemand sagen. Jetzt steht die Welt am Rand eines Energiezusammenbruchs. Jetzt verändert sich die Situation mit jedem Tag.

Wir kennen die heutigen Nachrichten: Sagen wir, Indien, das Präsident Donald Trump versprochen hatte, kein russisches Öl mehr zu kaufen, hat von den Vereinigten Staaten die Erlaubnis erhalten, jene Mengen russischen Öls zu kaufen, die sich auf Tankern auf See befinden und seit vielen Wochen auf ihre Käufer warten. Die Erlaubnis, diese Ölmenge zu kaufen. Vorerst wurde diese Erlaubnis für 30 Tage erteilt, aber ich habe praktisch keinen Zweifel daran, dass sie verlängert wird und dass Indien wieder Rekordmengen russischen Öls kaufen wird, weil es keine Alternative geben wird. Denn niemand kann Indien, wenn es die Amerikaner fragt: „Was sollen wir denn mit unserer Ölbilanz machen?“, sagen, dass es unter den Bedingungen der faktischen Blockade der Straße von Hormus irgendwo sonst noch Öl gibt. Das ist ein gewaltiges Problem auch für Indien, das ist ein gewaltiges Problem für China, das mit Iran darüber verhandelt, dass seine Schiffe die Straße von Hormus passieren dürfen, in einer Situation, in der amerikanische und europäische Schiffe oder Schiffe, die aus dem Persischen Golf kommen, dort nicht passieren.

Aber in dieser Situation, wie Sie verstehen, gibt es schlicht kein zusätzliches Öl für Ungarn, das es nutzen könnte. Das heißt, die Aufgabe der Europäischen Kommission besteht darin, Ungarn den Zugang zu russischem Öl zu sichern, und der Druck wird sich hier auf die Ukraine richten, die faktisch die Möglichkeit stört, dass Ungarn und die Slowakei aus Moskau Öl beziehen, weil das die einzige Möglichkeit ist, ihre Ölbilanzen zu decken. Und wenn in Ungarn mit all dem irgendwelche Probleme beginnen, wird Orbán natürlich wissen, wen er beschuldigen muss.

Und interessant ist, dass sich bereits gestern nach diesen Äußerungen Zelenskys auch der Vorsitzende der ungarischen Oppositionspartei Tisza, Péter Magyar, den antiukrainischen Äußerungen Orbáns angeschlossen hat. Er rief die Europäische Union dazu auf, alle Beziehungen zu Volodymyr Zelensky abzubrechen, bis der ukrainische Präsident sich bei den Ungarn, beim ungarischen Ministerpräsidenten, entschuldigt. Das heißt, Magyar nahm Zelenskys Äußerungen als offensichtliche Respektlosigkeit gegenüber der ungarischen Staatlichkeit selbst wahr. Und das zeigt uns im Grunde, dass man, wie auch immer die Parlamentswahlen in Ungarn ausgehen mögen, keine schnelle Lösung der Frage des ungarischen Vetos zu den 90 Milliarden Dollar für die Ukraine oder zur europäischen Integration der Ukraine erwarten sollte.

Man muss sich in die reale Welt versetzen, in der all das vielleicht gar nicht so eintreten wird, wie wir hoffen. Ja, nach den Parlamentswahlen könnten sowohl Orbán als auch Magyar ihre Positionen korrigieren, weil sie eine gemeinsame Sprache mit der Europäischen Kommission finden müssen. Aber ich bin mir dessen nicht sicher. Und hier würde ich übrigens auch die Bedeutung des Tons Volodymyr Zelenskys nicht überschätzen, denn ich diskutiere nicht einmal den Inhalt dieser Erklärungen, weil, wenn wir beginnen, über das diplomatische Geschick entweder Volodymyr Zelenskys oder der Menschen zu sprechen, die im Büro des Präsidenten oder im diplomatischen Korps Volodymyr Zelensky gefallen und so sprechen wollen wie er, mir scheint, dass diese Situation seit 2019 offensichtlich ist: Politik kann man nicht lernen. Und wer für Volodymyr Zelensky gestimmt hat, ist nicht in der Lage, das zu begreifen. Also wird es eben so funktionieren. Dem einen gefallen solche Äußerungen, dem anderen nicht. Jemand meint, man hätte sich anders ausdrücken können. Aber ich möchte Sie an eine wichtige Sache erinnern.

Es gab nach 2019 Zeiten, in denen Zelensky, sagen wir, sich genau entgegengesetzt verhielt. Er erwähnte den Namen des Präsidenten der Russischen Föderation überhaupt nicht. Nicht nur, dass er ihn nicht Aggressor nannte, ihn nicht beleidigte – er versuchte, ihn überhaupt nicht zu erwähnen. Überhaupt nicht. Und erklärte, dass gerade dieses Nichterwähnen des Präsidenten der Russischen Föderation Putin der richtige Ansatz sei. Man dürfe nicht schlecht über ihn sprechen, weil das den damals wie heute übrigens nicht existierenden Friedensprozess mit Russland blockieren könne. Sonst würde Putin sich beleidigt fühlen und sich unserem Staat gegenüber ganz anders verhalten. Das alles klang natürlich wunderbar, nur brachte es weder Zelensky noch der Ukraine irgendeinen Nutzen, denn Putin hatte gar nicht vor, darauf zu achten, ob Zelensky über ihn spricht oder nicht. Putin kalkulierte seine Pläne. Pläne, die mit der Liquidierung der ukrainischen Staatlichkeit, der Liquidierung Zelenskys selbst, seiner Ersetzung – lebendig oder tot, das wäre dann schon so gekommen, wie es kommt – durch Marionettenherrscher wie Janukowytsch oder Medwedtschuk verbunden waren. Und Putin hatte nicht vor zu verfolgen, was Zelensky über ihn sagte oder nicht sagte, denn irgendein Zelensky existierte für ihn einfach nicht, so wie er im Grunde auch jetzt nicht existiert. Es existiert nur die Aufgabe, jene Territorien, die er für russisch hält, an Russland anzugliedern. Natürlich am besten im herzlichen Einvernehmen mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, der diese Tatsache sanktionieren soll und aus irgendeinem Grund nicht sanktioniert.

Auch jetzt zu sagen: „Wenn Zelensky sich anders verhalten hätte, dann hätte Orbán uns plötzlich liebgewonnen“, ist eine gewaltige Übertreibung. Orbán spielt seine eigene Schachpartie. Diese Partie ist seit Langem damit verbunden, aus der Ukraine, nicht aus Zelensky, das Bild des Feindes zu machen. Ob Zelensky Orbán in dieser Situation in die Hände gespielt hat oder nicht – Orbán hätte selbst einen Anlass gefunden, um die Ukraine zu beschuldigen. Und das muss man in der Situation, die sich heute in den Beziehungen zwischen Ungarn und der Ukraine entwickelt hat, einfach klar begreifen.

So scheint es mir im Grunde, dass das, sagen wir so, zwei verschiedene Geschichten sind, und die Realität besteht darin, dass wir, sagen wir so, aus Sicht der ungarisch-ukrainischen Beziehungen in einen gefährlichen Monat eingetreten sind. Das heißt, die beiden Hauptteilnehmer dieses Wahlkampfs werden das Thema des russisch-ukrainischen Krieges die ganze Zeit nutzen, um einander auszustechen. Und Orbán wird als Ministerpräsident Ungarns noch zusätzliche Möglichkeiten haben, durch Taten irgendwie zu demonstrieren, dass er tatsächlich bereit ist, irgendeine Mafia, irgendwelche ukrainischen korrupten Machenschaften und so weiter aufzuzeigen. Und das ist für mich im Grunde eine völlig klare Tatsache in dem, was mit dieser Festnahme der Geldtransporteure, mit diesen Erklärungen Budapests geschieht.

Denn noch einmal: Wenn es um irgendeine mafiöse Organisation geht, werden ihre Mitglieder festgenommen und nicht ausgewiesen. Wenn es um einen ehemaligen SBU-General geht, der am Steuer des Fahrzeugs gesessen habe, wie man in Budapest erzählt, dann müsste diese Person sich in einer Gefängniszelle befinden und nicht der Ukraine übergeben werden. Denn wie will man sonst Beweise krimineller Tätigkeit erhalten, wenn man Europa angeblich vor der ukrainischen Mafia rettet?

Und hier ist immer die gute Frage: Warum rettet ihr Europa dann nicht vor der russischen Mafia? Mit der russischen Mafia unterhaltet ihr Beziehungen. Über die Korruptheit der Russen sagt ihr überhaupt nichts. Für sie schafft ihr Bedingungen. Ihr habt im Wesentlichen das neue Sanktionspaket der Europäischen Union gegen Russland blockiert. Daran möchte ich erinnern: Dieses Paket ist bis heute nicht in Kraft getreten, weil sowohl Orbán als auch der Ministerpräsident der Slowakei, Robert Fico, es im Grunde blockieren. Und das ist zu einem ernsten Problem für die Europäische Union geworden. Und dort geht es um eine echte Mafia, nicht um die, die heute in Meldungen aus Budapest erfunden wird. Und wie Sie sehen, hat sich nichts geändert.

In dieser Situation gibt es also aus Sicht der ungarischen Motive nichts zu überlegen. Sie sind klar. Nachdenken muss man über die Realität. Und die Realität ist die, dass es sehr schwierig, wenn nicht unmöglich sein wird, Ungarn in der Frage der Hilfe für die Ukraine und der europäischen Integration der Ukraine zu umgehen. Wir beruhigen uns ständig damit, dass man das tun könne. Wir haben da ja diesen Prozess von Ersatzverhandlungen mit der Europäischen Union über den Beitritt. Das heißt, wir führen technische Verhandlungen in der Hoffnung, dass, wenn Ungarn sein Veto gegen die Durchführung dieser Verhandlungen aufhebt, bei uns schon alles vorbereitet sein wird. Aber wenn Ungarn sein Veto nicht aufhebt, dann wird es, ob alles vorbereitet ist oder nicht, keinerlei Bedeutung haben, denn das bedeutet, dass es keinen realen verfahrensmäßigen Prozess der europäischen Integration geben wird. Den gibt es auch jetzt nicht.

Das ist ein Prozess der Selbstberuhigung. Das ist übrigens ungefähr dasselbe, was wir über die russisch-ukrainischen Verhandlungen über Frieden sagen. Da treffen sich Militärs, besprechen technische Details: wie eine Truppenentflechtung aussehen soll, wer sie kontrollieren wird, ob Amerikaner dabei sein werden oder nicht. Nun, ein wunderbares Gespräch, sehr angenehm zwischen General Budanow und Admiral Kostjukow. Sie können sich im Prinzip technologisch, als Profis, über alles verständigen. Aber da der Präsident der Russischen Föderation, Präsident Putin, keinerlei politischen Willen hat, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, sind all diese professionellen Verhandlungen zwischen General und Admiral nichts wert. Nicht einmal die Zeit wert, die man auf sie verwendet. Denn wenn es einen politischen Willen zur Beendigung des Krieges gäbe – vielleicht wird er irgendwann, in irgendeiner Perspektive in den 2020er- oder 2030er-Jahren des 21. Jahrhunderts auftauchen –, dann könnte man sich leicht über technische Details verständigen. Wenn es aber keinen politischen Willen gibt, dann haben technische Details keine Bedeutung.

Genauso ist es hier: Wir vereinbaren politische, also technische Details mit der Europäischen Union. Wir schließen Kapitel der europäischen Integration ab. Aber der politische Wille der Europäischen Union bedeutet die Zustimmung aller Länder zum Beginn von Verhandlungen. Es gibt diese Zustimmung nicht, also gibt es keinen politischen Willen zur europäische Integration der Ukraine. Diese Europäische Union kann neue Sanktionspakete gegen Russland vereinbaren, aber wenn es keine Einstimmigkeit gibt, dann gibt es dieses Sanktionspaket nicht, gibt es keinen politischen Willen, denn in der EU sieht er eben so aus.

Vielleicht wird es der Europäischen Union irgendwann gelingen, so reformiert zu werden, dass ein oder zwei Länder sich der Mehrheit nicht entgegenstellen können. Aber bislang gibt es keinerlei objektive Voraussetzungen für eine solche Reform, denn einen Versuch gab es seinerzeit, als wir noch weit vom Verfahren der europäischen Integration entfernt waren. Damals wurde eine Europäische Verfassung entworfen, eine Kommission unter Leitung des Veteranen der europäischen Politik, des ehemaligen französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing, arbeitete daran. Und all das wurde ausgearbeitet. Im Wesentlichen versuchte die Europäische Union damals erstmals, sich vom Prinzip der Einstimmigkeit zu verabschieden. Und die überwältigende Mehrheit der europäischen Länder stimmte diesem Ansatz zu. Außer Irland, das diesen Verfassungsentwurf in einem eigenen Referendum scheitern ließ, weil in Irland nach dem Gesetz eine solche Entscheidung nicht durch das Parlament, sondern durch das Volk getroffen werden muss. Das irische Volk lehnte dies ab und verwandelte damit die Europäische Union in ein Gebilde, das aus Sicht grundsätzlicher Entscheidungen nicht lebensfähig ist.

Nun, das ist eben die Realität. Wir waren diesen Prozessen, wiederum, einfach sehr fern, aber alle, die die Entwicklung der Europäischen Union verfolgt haben, haben alles verstanden, was damals geschah. Und wiederum: Um eine solche Ordnung real zu ändern, müsste dies ebenfalls von allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union beschlossen werden. Vor dem Hintergrund der Bemühungen sowohl Trumps als auch Putins, die Europäische Union daran zu hindern, eine solche echte geopolitische Subjektivität zu erlangen, habe ich persönlich keinerlei Hoffnung, dass das geschieht. Und das muss man klar begreifen.

Wie realistisch ist also unter solchen Bedingungen die Perspektive der europäischen Integration der Ukraine? Nicht besonders realistisch. So sieht das Gesicht des geeinten Europas heute nun einmal aus. Ja, man muss hoffen, dass etwa das Interesse der amerikanischen Administration an einem Friedensprozess in der Ukraine und die Überzeugung aus dem Weißen Haus, dass die europäische Integration der Ukraine diesem dienen werde, ihrerseits dem Dialog zwischen Donald Trump und Viktor Orbán helfen könnte, oder zwischen Donald Trump und einem neuen Ministerpräsidenten Ungarns, falls Orbán diese Wahlen in einem Monat tatsächlich verliert. Aber das sind nur Hoffnungen, denn man darf auch nicht glauben, dass das Weiße Haus, zumal in einer Situation, in der die Positionen des US-Präsidenten nicht stärker, sondern schwächer werden, jemandem irgendetwas diktieren kann. Vielleicht überzeugen die Europäer Orbán, und dann beginnt der Verhandlungsprozess.

Aber vergessen Sie das Wichtigste nicht: Auf den Verhandlungsprozess folgt noch der Beitrittsprozess. Und dann wird vieles davon abhängen, wie sich alle Mitglieder der EU zu diesem Beitrittsprozess stellen. Umso mehr müssen wir verstehen, dass wir nicht wissen, wie die europäischen Regierungen im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung in Europa aussehen werden und im Hinblick auf die Bemühungen sowohl Präsident Trumps als auch Präsident Putins, die zu echten Partnern auf dem europäischen Kontinent geworden sind, rechtspopulistische radikale Kräfte in Europa an die Macht zu bringen. Glauben Sie mir: Diese rechtspopulistischen radikalen Kräfte werden alles Mögliche und Unmögliche tun, um die Ukraine außerhalb der Europäischen Union zu halten und die Rückkehr der Ukraine in den „Heimathafen“,  zur Freundschaft, zum Einvernehmen und zur wirtschaftlichen Abhängigkeit von der Russischen Föderation zu fördern.

Natürlich ist es sich unter den Bedingungen, in denen die Russische Föderation ihre Bemühungen um die Liquidierung der ukrainischen Staatlichkeit fortsetzt, für Menschen, die in der Ukraine unter russischen Bomben und Raketen leben, unmöglich, sich eine solche Variante vorzustellen. Aber glauben Sie, dass auch das möglich ist. Schauen Sie auf Georgien. Selbst heute, als es zu dieser Festnahme ukrainischer Geldtransporteure in Budapest kam, höre ich oft: „Wozu brauchen wir eine solche Europäische Union?“ 

Die Ukraine hat leider, wie jedes Frontland, das keine eigene offensichtliche Subjektivität besitzt, keine Wahl. Sie wird entweder Teil des Westens sein oder Teil des Ostens, entweder zusammen mit Russland oder zusammen mit Europa. Deshalb müssen wir zusammen mit Europa sein, nicht weil Europa das will oder nicht will, sondern weil wir keine andere Wahl haben, wenn wir die ukrainische Staatlichkeit und die ukrainische Ethnizität bewahren wollen. Selbst wenn Europa uns nicht will, bedeutet das nicht, dass wir nicht nach Europa wollen dürfen. Mehr noch: Wir müssen nach Europa wollen – gegen den offensichtlichen Wunsch einer großen Zahl von Europäern, das ukrainische Problem als Teil des russischen Problems zu vergessen. Und auch das sollte, wie mir scheint, jedem absolut klar sein.

Umso mehr, als wir jetzt Karten haben, was Trump in seinem Wahlkampf auch sagen mag. Diese Karten hängen damit zusammen, dass vor dem Hintergrund möglicher neuer Sicherheitsbedrohungen für Europa, das ebenso wie jeder andere Kontinent an den Dritten Weltkrieg mit einem möglichen Austausch strategischer Nuklearschläge zwischen den Beteiligten heranrückt, Streitkräfte gebraucht werden, die verstehen, wie man Bedrohungen entgegentritt. Und jetzt gibt es in dieser Welt zwei starke moderne Armeen: die ukrainische und die russische. Nur kämpft die russische für eine andere Mannschaft, für die Mannschaft Chinas, Irans, Nordkoreas und wird Europäer und Amerikaner nichts lehren.

Dass die Amerikaner gezwungen waren, jenseits ihrer Selbstverliebtheit, Überheblichkeit und ihres Machtgefühls, sich an die Ukrainer mit der Frage zu wenden, wie sie iranischen Drohnen entgegenwirken können, sagt bereits sehr viel. Das sagt auch, dass die Menschen, die in den Vereinigten Staaten Militäroperationen planen, einfach nicht in der Lage sind, das Ausmaß moderner Bedrohungen zu verstehen, und deshalb sogar mit einem Land wie Iran eine vernichtende Niederlage erleiden können. Ganz zu schweigen davon, wenn sie in einen Konflikt mit Russland geraten würden.

Ja, die einen haben eine moderne Armee, ihre Armee ist ja nicht anachronistisch, die einen haben viel Geld, die anderen wenig. Und die einen sind technologische Giganten, die anderen eine Tankstelle. Nur hat der technologische Gigant nicht den blassesten Schimmer davon, wie man moderne Kriege führt. Und die Tankstelle versteht das. Was ist daran neu in der Geschichte? Das Römische Reich hatte große Feldherren, eine geniale Zivilisation, eine Militärmacht, die die Welt erobert hatte, Gelehrte. Und dieses Reich fiel unter fremdem Druck zweimal. Zweimal. Zuerst wurde das westliche zu nichts, dann das östliche. Obwohl das die zivilisatorischen Zentren ihrer Welt waren. Solche Städte wie das antike Rom erschienen noch viele Jahrhunderte lang nicht auf der politischen oder der demografischen Landkarte der Welt, und eine Stadt wie Konstantinopel erschien ebenfalls viele Jahrhunderte lang nicht mehr. Und was dann? Barbarenarmeen verstanden es, in einem modernen Krieg sehr viel besser zu kämpfen als römische Soldaten, Legionäre und Generäle, die sogar einfach davon überzeugt waren, dass sie all das mit bloßer Kraft besiegen würden. Die Armee der Osmanen war sehr viel moderner als die byzantinische. Das ist eine solche Katastrophe des Vertrauens in die eigene Stärke.

Und genau darüber müssen wir mit unseren europäischen und amerikanischen Verbündeten sprechen. Denn vor dem Hintergrund der Angriffe iranischer Shaheds auf die Infrastruktur der Länder des Persischen Golfs, auf Israel, auf amerikanische Militärbasen wird all das bald für alle offensichtlich werden. Und auch hier muss man überlegen, wer Trump in Wirklichkeit mehr braucht: Orbán, der eine gewaltige Zahl von Karten hat, weil er mit Trumps Lieblingspartner Putin befreundet ist, oder Zelensky, den man nicht mögen kann, weil er nicht bereit ist, den Donbas abzugeben, was aus Trumps Sicht sein Problem lösen und ihm erlauben würde, mit Putin nichtexistierende Billionen Dollar zu verdienen.

Wer wäre wichtiger im Hinblick darauf, was in dieser künftigen Stärkung der amerikanischen geopolitischen Rolle geschähe? Darüber muss der Westen, wie mir scheint, nachdenken. Und dann werden Politiker wie Orbán oder auch nicht Orbán natürlich eine Antwort bekommen. Aber wenn das nicht geschieht, dann bleiben wir lange an der Tür der Europäischen Union stehen. Und das ist ganz sicher nicht das, was in unserem Interesse liegen sollte. Es geht also nicht darum, wie wir Orbán nennen werden und wie das aus Sicht Präsident Zelenskys für sein Publikum schön klingt. Es geht darum, was wir so anbieten können, dass für die Vereinigten Staaten und Europa die Existenz des ukrainischen Staatsorganismus selbst grundsätzlich sinnvoll erscheint.

Denn verstehen Sie: Die Zeiten der Vorrangstellung des Völkerrechts sind vorbei und kehren vielleicht zu unseren Lebzeiten nicht zurück. Das Völkerrecht ist erledigt. Das bedeutet, dass Staaten künftig nur noch aus Sicht von Macht oder Zweckmäßigkeit auf der politischen Landkarte der Welt verbleiben werden – oder samt den Völkern, die sie bewohnen, verschwinden werden. So, als hätte es diese Staaten und Völker nie gegeben. So war es in der Geschichte schon viele Male. Und es kann auch jetzt so sein, und wir sind die ersten Kandidaten fürs Aus, weil unser Territorium von den Russen als ihr eigenes wahrgenommen wird, und nicht wenige Menschen im Westen, auch in Europa, wie Sie verstehen, bereit sind, sich mit dieser Formel abzufinden, nur um wieder ruhig in einem Einvernehmen mit Russland zu leben.

Und Orbán ist eine dieser Figuren, wie Sie das sehr gut verstehen, denn er ist seit sehr, sehr langer Zeit in diese Vertikale solcher Beziehungen eingebunden. Und es überrascht mich, dass wir diese Entwicklung eines Menschen nicht begreifen, der einst die Fahne des liberalen ungarischen politischen Prozesses war, der seine Karriere mit Erinnerungen an die Notwendigkeit begann, die Teilnehmer der Proteste von 1956 zu würdigen, der in der Stiftung George Soros’ groß geworden ist. Und plötzlich ist aus diesem liberal denkenden Menschen ein rechtsradikaler Populist, ein Demagoge geworden, der in Ungarn ein System personifizierter, kontrollierter staatlicher Korruption geschaffen hat, über das Autoren zahlreicher Orbán-Biografien, die auch in Budapest erschienen sind, wiederholt geschrieben haben, und der die Überlebensfähigkeit eines solchen Regimes unter demokratischen Verfahren demonstrieren konnte und sogar gezeigt hat, dass er der wichtigste Partner eines amerikanischen Präsidenten sein kann, wenn dieser amerikanische Präsident selbst ein Mensch mit rechtsradikalen Ansichten ist.

Und man muss Orbán zugutehalten, dass er sich nie gescheut hat, Risiken einzugehen. In dieser Hinsicht ähneln er und Zelensky einander. Orbán suchte keinerlei Einvernehmen mit der Biden-Administration. Als einer der wenigen Politiker der Welt – selbst Netanjahu ging ein solches Risiko nicht ein – blieb er überzeugter Trumpist, obwohl man ihn im Weißen Haus während des größten Teils von Bidens Präsidentschaft im Grunde boykottierte. Und wie Sie sehen, hat er nicht verloren, sondern gewonnen. Denn Trump, der mit großer Eifersucht darauf reagierte, dass niemand in der Welt seine Reden über die Fälschung der Präsidentschaftswahlen wahrnahm, über die ihm gestohlene Niederlage, muss Orbán wirklich dankbar sein, dass Orbán bereit war, diese Version sogar um den Preis der Verschlechterung der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika zu vertreten.

Warum, denken Sie, geschah das? Nicht weil Orbán so prinzipienfest wäre, sondern weil er ein anderes Sicherheitskissen hatte – in Form der Unterstützung Putins, in Form dieser Druschba-Pipeline, in Form besonderer Beziehungen zwischen Ungarn und Russland die ganze Zeit über. Denn Péter Szijjártó, der Moskau ständig mit all diesen Sondermissionen besucht, hat ja sogar einen Freundschaftsorden von Putin erhalten. Sie glauben doch nicht, dass Putin in der Situation, in der er sich heute in den Beziehungen zum Westen befindet, Orden nach rechts und links verteilen würde? Nein, das spricht wirklich von der besonderen Rolle, die Szijjártó als Leiter der ungarischen Diplomatie dabei gespielt hat, Ungarn als ein Trojanisches Pferd der Russischen Föderation zu bewahren. Aber das ist ein Trojanisches Pferd, das man nicht loswerden kann, das man nicht aus den Grenzen Trojas hinauswerfen kann, während wir nach Troja hineinmüssen. Das ist ein wichtiger Punkt, den man ebenfalls begreifen muss.

Das sind also die ersten Einschätzungen im Zusammenhang mit der neuen Eskalation der ungarisch-ukrainischen Beziehungen. Es gibt alle Voraussetzungen dafür, dass diese Eskalation sich verstärkt und einen Monat vor den Parlamentswahlen in Ungarn neue gefährliche Züge annimmt, Wahlen, bei denen sich das politische Schicksal Viktor Orbáns selbst, das politische Schicksal des Konstrukts eines russischen Europa, das politische Schicksal des Konstrukts eines chinesischen Europa entscheiden wird. Und ich möchte Sie daran erinnern, Freunde, dass das chinesische und das russische Europa in bestimmten Grenzen verdächtig stark mit dem Konzept eines amerikanischen Europa von Präsident Donald Trump und seinen rechtsradikalen Anhängern übereinstimmt. Auch das muss man verstehen, um sich keinen Illusionen hinzugeben.

Ich werde auf einige Fragen antworten, die während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage. Es gibt leider kein Verfahren zur Suspendierung der Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Die EU-Kommissare hätten sich längst etwas einfallen lassen müssen, wie man Orbáns Veto umgehen kann.

Portnikov. Nun, sie versuchen alles zu tun, was sie können. Und in diesen vier Jahren wurden viele Formeln gefunden, die der Ukraine unter Umgehung der ungarischen Position helfen sollten. Aber in jedem Fall müssen Sie sich daran erinnern, dass die EU-Kommissare Menschen sind, die von allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union abhängen. So funktioniert die Europäische Union. Und wenn wir irgendwann einmal Mitglieder dieser Organisation werden, was ich sehr hoffe, früher oder später, in den 2020er- oder 2030er-Jahren des 21. Jahrhunderts, dann werden wir selbst die Ersten sein, die daran interessiert sind, das Prinzip der Einstimmigkeit zu bewahren. Denn es kann die Situation eintreten, dass man auf uns spuckt, wenn dieses Prinzip nicht mehr gilt – als Erste übrigens, wiederum wegen des russischen Faktors.

Deshalb ist unbekannt, was jetzt besser ist: die Situation zu bewahren, in der es das Prinzip der Einstimmigkeit gibt, aber Wege zu suchen, Orbán zumindest nach den Parlamentswahlen zu beruhigen, oder von der Abschaffung des Prinzips der Einstimmigkeit zu träumen und danach die ersten Opfer dieser Abschaffung zu werden. Das ist also ebenfalls eine sehr wichtige Frage.

Zuschauer. Keine Armee kann heute in der Verteidigung bessere Fähigkeiten haben als die ukrainische. Mächtige Waffen zu besitzen, ohne die Fähigkeiten ihres ständigen, langjährigen, täglichen Einsatzes zu haben, ist die Schwäche aller Armeen außer der ukrainischen.

Portnikov. Nun, und der russischen. Das muss man ebenfalls immer betonen: außer der ukrainischen und außer der russischen, denn die Gefahr für den Westen geht nicht von uns aus, sondern von der russischen Armee. Die russische Armee hat jetzt vier Jahre ernsthafter Kampferfahrung, die ihr in einem Konflikt mit dem Westen helfen wird, besonders in einem begrenzten Konflikt. Daran muss man denken. Und wir sind aus dieser Sicht nicht nur eine Festung, die den Westen vor Russland schützt, sondern auch eine Anleitung, wie das zu tun ist. Darüber muss man nachdenken, darum muss man sich kümmern, darüber muss man mit unseren Verbündeten sprechen. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, an den diejenigen denken müssen, die über ukrainische Argumente in der Situation unserer Integration in den Westen nachdenken. Es wird noch viele solcher schwierigen Episoden geben, nicht nur mit Ungarn. Sie sehen, wie sich der slowakische Ministerpräsident Robert Fico verhält. Und auch das ist übrigens, wie Sie verstehen, ein politisches Spiel, denn Fico versteht die Schwäche seiner Positionen in der Slowakei. Sie sind bei ihm viel schwächer, als sie es in besseren Zeiten bei Orbán in Ungarn waren. Eine schwache Koalition, die nur dank der Unterstützung rechtsradikaler prorussischer Kräfte hält, die Ablehnung der prorussischen, antislowakischen Position des slowakischen Ministerpräsidenten durch einen großen Teil der slowakischen Gesellschaft. Und auch das ist eine Spekulation auf Kosten der Ukraine.

Aber denken Sie daran, dass in den europäischen Ländern bereits eine ganze Reihe rechtsradikaler populistischer Politiker bereitsteht, die bereit sind, für russische, chinesische oder amerikanische Interessen zu kämpfen. Und wir haben jetzt aus der westlichen Presse erfahren, dass eine Gruppe russischer Polittechnologen nach Ungarn gereist ist. Sie verstehen doch, dass das dem Szenario des Jahres 2004 sehr ähnelt, als genau dieselben Leute übrigens dem Wahlkampf zugunsten des prorussischen Kandidaten, faktisch eines Agenten der russischen Geheimdienste, des niederträchtigen Viktor Janukowytsch, dienten. Das heißt, die Methoden sind immer dieselben. Und Sie verstehen: Dort, wo Polittechnologen sind, ist auch Geld. Und wenn dieses Geld in Ungarn eingesetzt werden kann, dann kann es in jedem anderen europäischen Land eingesetzt werden. Denn das ist in der Regel Schwarzgeld. Diese rechts- und linksradikalen Politiker geraten ständig in Geschichten mit russischer Finanzierung. Aber je häufiger sie hinein geraten, desto mehr lernen sie, diese Wünsche und diese Verbindungen nach Moskau zu tarnen.

Frage. Warum ist die Opposition in Ungarn nicht so stark? Worin liegt Orbáns Stärke? In Russland?

Portnikov. Nun, erstens ist die Opposition in Ungarn jetzt Führende im Parlamentswahlkampf. Sie liegt dort derzeit 8 bis 10 Punkte vor Orbán, und die Partei Tisza hat alle Chancen, die Parlamentswahlen zu gewinnen. Und warum war die Opposition so marginalisiert? Ich möchte Ihnen sagen: Sie haben nicht beobachtet, wie Orbán an die Macht kam. Mit Kritik an der Korruptheit der vorherigen Eliten, mit der Erzählung, dass alle Politiker korrupt, unfähig und zu nichts in der Lage seien. Orbáns Machtergreifung selbst, oder besser seine Rückkehr an die Macht, nach der er die Macht nie wieder aus der Hand gab, war ein völlig konkreter Moment. Aber wenn Sie damals in Ungarn gewesen wären und gesehen hätten, was während der Wahlen in diesem Land geschah, als Orbán seine Macht festigte, sagen wir so – das ist schon ziemlich lange her, man kann sagen im Jahr 2010 –, dann wurde diese Rückkehr an die Macht nach seiner nicht besonders langen ersten Amtszeit 1998 bis 2002 gerade von der Enttäuschung der Gesellschaft über die traditionelle politische Elite begleitet. Und es war völlig klar, warum man ihn unterstützte. Und noch ein sehr wichtiger Punkt war die Ausweitung des Kreises der Wahlberechtigten. Im Grunde erhielt jeder ethnische Ungar eine Stimme, selbst wenn er nie in Ungarn gelebt hatte. Und all diese Menschen stimmten aus Dankbarkeit für Orbán als ihren Beschützer und stimmten weiterhin für ihn. Fragen Sie unsere Landsleute aus Transkarpatien, für wen sie all diese Jahrzehnte gestimmt haben? Natürlich für Orbáns Partei. Diejenigen, die ungarische Pässe haben, natürlich – aber das ist eine kleine Wählergruppe, und es gibt sehr viel größere. Auch das ist also Teil der Geschichte. Dann die Kontrolle über die Medien, die Marginalisierung liberaler Medien. Das Problem hat also ziemlich einfache Bestandteile. Die Orientierung auf das lumpenisierte Publikum, Populismus, Telemarathon – nichts, was die Ukrainer nicht kennen würden. Darin liegt Viktor Orbáns Stärke. Sie erschöpft sich nur. Umso mehr, als Ungarn unter Orbán zu einem der ärmsten Länder der Europäischen Union geworden ist und keineswegs zu einem der reichsten. Nun, und ja, das russische Öl, seine Preise – sie haben genau so eine, würde ich sagen, Situation festgeschrieben, in der der Staat scheinbar sozial ist, es in ihm aber keinerlei Entwicklung gibt. Auch das ist bis zu einem gewissen Grad ein Gesetz dieses Erfolgs. Und auch wir haben nach solchen Rezepten gelebt. Nur dass Russland den Ukrainern im Unterschied zu den Ungarn die Ethnizität, die Identität, das Recht auf einen eigenständigen Staat abspricht. Sonst hätten auch wir dort in ganz derselben Form noch sehr lange vor uns hin faulen können. Hoffen wir, dass wir in dieser Situation keiner weiteren erheblichen Eskalation begegnen. Zumindest würde ich das gern glauben.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Навіщо Орбан затримав українців | Віталій Портников. 06.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 06.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Krieg gegen Iran: Die Eskalation breitet sich aus | Vitaly Portnikov. 05.03.2026.

Wir sprechen weiter über die Entwicklung des Krieges im Nahen Osten, der, wie wir verstehen, für die Lage in der Welt und für die Lage des russisch-ukrainischen Krieges sehr wichtig ist, der, so könnte man sagen, Teil des globalen Konflikts zwischen der demokratischen Welt und der Welt des Autoritarismus ist. Und all das geschieht jetzt, dieser Konflikt, vor dem Hintergrund der Fortsetzung des Krieges zwischen Russland und der Ukraine.

Was war heute das Wichtigste? Heute, so scheint mir, wäre die Nachricht, bei der man stehen bleiben sollte, die Fortsetzung der Ausbreitung des Konflikts. Wie ich schon gesagt habe, neigen die heutigen Kriege zur Ausbreitung und Fragmentierung. Ich habe darüber gesprochen, dass der russisch-ukrainische Krieg ganz sicher mit anderen Kriegen, mit anderen Konflikten verbunden sein wird, dass er sich auf die Sicherheit unserer Nachbarn auswirken muss. Und wir erinnern uns gut daran, wie man hier in der Ukraine aufmerksam das Auftauchen russischer Drohnen im Luftraum Polens verfolgte. Ich war damals in Lwiw, und es gab gerade einen großen Luftalarm. Und ich erinnere mich, wie ich mit unglaublichem Erstaunen, obwohl ich vielleicht auf etwas Ähnliches vorbereitet war, verfolgte, wie die Shaheds, die auf das Gebiet der Region Lwiw zuflogen, die Grenze der Ukraine überquerten und weiter in Richtung des polnischen Luftraums flogen.

Heute ist etwas Ähnliches im amerikanisch-iranischen Krieg geschehen. Vier Shaheds flogen in die aserbaidschanische Enklave Nachitschewan. Drei von ihnen erreichten Nachitschewan selbst, wurden nicht unschädlich gemacht. Eine explodierte auf dem Flughafen von Nachitschewan, was zur vorübergehenden Schließung des Luftraums führte. Und das ist natürlich etwas Neues im Vergleich zu den Schlägen gegen die Länder des Persischen Golfs, mit denen Iran sich seit dem ersten Tag dieses Krieges beschäftigt.

Ja, hier bestreitet Iran scheinbar schon die Tatsache selbst, den Schlag ausgeführt zu haben. Es gab sogar ein Gespräch zwischen den Außenministern Aserbaidschans und Irans. Und der iranische Außenminister Abbas Araghtschi äußerte tiefe Besorgnis über das Auftauchen dieser Drohnen. Er sagte, man müsse eine Untersuchung durchführen, und der Generalstab der iranischen Streitkräfte erklärte, diese Drohnen in Nachitschewan seien eine Provokation Israels.

Doch wir müssen begreifen, dass all dies viel ernster ist als nur ein paar Drohnen. Erstens ist es ein, wie ich sagen würde, demonstrativer Schlag: „Wir können das tun, und zwar nicht einfach auf dem Territorium Aserbaidschans, sondern gerade auf dem Territorium Nachitschewans.“ Nachitschewan ist eine Enklave, die von allen Seiten von den Gebieten anderer Staaten umgeben ist. Sie hat keine Grenze zu Aserbaidschan. Sie grenzt an Armenien, die Türkei und Iran.

Das ist das Stammland der Familie Aliyev. Der Vater des amtierenden Präsidenten Aserbaidschans, Heydar Aliyev, der in Aserbaidschan im Wesentlichen als Begründer der heutigen Macht, der heutigen aserbaidschanischen Staatlichkeit in ihrer jetzigen Form wahrgenommen wird, obwohl er natürlich nicht der erste Präsident Aserbaidschans war, sondern der dritte. Aber dennoch ist das eben der Fall, in dem der dritte Präsident zur wichtigsten Figur der neueren Geschichte wird. Aliyev wurde erneut Staatschef Aserbaidschans, nachdem er zuvor Erster Sekretär des Zentralkomitees der Partei gewesen war, gerade aus dem Amt des Vorsitzenden des Nachitschewaner Medschlis heraus. Deshalb hat Nachitschewan für die Familie Aliyev, für den Präsidenten selbst, sakrale Bedeutung. Das ist ein sehr wichtiger Punkt: Es ist ein Schlag gegen die Sicherheit in dieser Region.

Und der zweite Punkt: dieser berühmte Trump-Korridor, den Ilham Aliyev mit Nikola Paschinjan im Büro des amerikanischen Präsidenten abgestimmt hat. Er betrifft ja ebenfalls gerade Nachitschewan. Und Iran ist, wie bekannt, ein entschiedener Gegner dieses Projekts und betrachtete schon immer gerade seine Schaffung als einen unfreundlichen Schritt Bakus gegenüber dem iranischen Staat und versprach auf verschiedenen Ebenen offizieller Vertreter Rache für dieses Projekt.

Und jetzt, da sich eine Möglichkeit ergeben hat, wird zumindest ein solcher Effekt von Gefahr im Hinblick auf diese Route geschaffen: „Ihr investiert Geld, wollt etwas bauen, aber Drohnen können all eure Absichten zunichtemachen.“ Präsident Aliyev hat das übrigens sehr gut verstanden. Er trat mit einer sehr harten Erklärung auf einer eilig einberufenen Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates Aserbaidschans auf. Er drohte Iran mit der eisernen Faust. Er sprach mit verschiedenen Staatschefs anderer Länder. Interessant ist, dass Putin nicht darunter war.

Und zum ersten Mal seit langer Zeit sagte er, dass Aserbaidschan ein Leuchtfeuer der Hoffnung für die Aserbaidschaner im Iran sei. Man muss auch verstehen, dass im Iran, in drei Provinzen, von denen zwei gerade West- und Ostaserbaidschan heißen, mehr Aserbaidschaner leben als auf dem Territorium Aserbaidschans selbst. Nun, ein bisschen mehr. Wobei ihre Zahl unterschiedlich eingeschätzt wird. Manche meinen, es sei ungefähr dieselbe Bevölkerungszahl wie in Aserbaidschan, also etwa 10 bis 12 Millionen. Manche sagen, es gebe im Iran 22 Millionen Aserbaidschaner. Aber das ist in jedem Fall eine große Zahl, von großer Bedeutung. Und jetzt, in einer solchen Lage im Iran, wo sich die Frage nach der Überlebensfähigkeit des iranischen Regimes stellt, tritt natürlich die Frage der Loyalität der nationalen Gemeinschaften in den Vordergrund. Und Aliyev zeigte: „Wisst ihr, wenn ihr unsere Sicherheit untergrabt, werden wir die Frage aufwerfen, was mit den Aserbaidschanern im Iran geschieht.“ Und das ist ebenfalls ein ziemlich gewichtiges Moment in seinen Beziehungen zu Teheran.

Apropos nationale Minderheiten: Es lohnt sich zu sagen, dass die Gespräche über eine mögliche Beteiligung der Kurden an der mit Iran verbundenen Situation weitergehen. Wie wir sehen, sind Amerikaner und Israelis entschieden gegen jede Bodenoperation. Das ist ebenfalls eine Tatsache. Gleichzeitig denken sie aber über verschiedene Formen eines Bodeneinflusses auf das iranische Regime ohne Beteiligung amerikanischer Truppen nach. Und eine dieser Formen könnte eine kurdische Beteiligung sein, das Auftreten kurdische Verbände, die vom Irak aus in den Iran vordringen. Und die dann in jenen Regionen, in denen die kurdische Bevölkerung die Mehrheit bildet, versuchen würden, so etwas wie Quasi-Staatlichkeit, Autonomie zu errichten, so wie es in Syrien war.

Doch hier entstehen wiederum viele Fragen. In kurdischen Kreisen selbst gibt es kein besonderes Vertrauen zu den Amerikanern. Und es gibt die Befürchtung, dass eine Einmischung in die Angelegenheiten Irans ein Todesurteil für Irakisch-Kurdistan werden könnte, das eine der wenigen Stabilitätsinseln in dieser Region ist, sogar im Irak selbst. Und nicht zufällig bombardierten die iranischen Streitkräfte amerikanische Objekte in Erbil, der Hauptstadt Irakisch-Kurdistans, sowie andere dort befindliche Objekte. Die First Lady des Irak, sie ist die Ehefrau des Präsidenten, der Kurde ist, trat heute mit einem Aufruf auf, dass die Kurden keine Söldner seien und man sie nicht als Kanonenfutter benutzen solle. Das ist ein großer Appell, der im Grunde von der allgemeinen Stimmung zumindest eines Teils der kurdischen Elite spricht.

Der zweite ebenfalls sehr ernste Punkt ist, dass ein kurdischer Aufstand im Iran sofort in zwei Ländern Besorgnis auslösen könnte. Eines dieser Länder ist die Türkei, denn der Präsident der Türkei, Recep Tayyip Erdoğan, der bislang eine ziemlich neutrale Position einnimmt, aber eher eine gegenüber Trumps Handlungen sympathisierende, würde natürlich keinen kurdischen Aufstand wollen, weil das seine eigenen innenpolitischen Positionen erheblich verschlechtern würde. Eine Ausweitung Kurdistans würde für die Türkei große Probleme bedeuten.

Ein weiteres Land, das davor Angst haben könnte, ist Syrien, wo das ohnehin nicht sehr starke Regime von Ahmed al-Sharaa, das ständig in Konflikte mit kurdischen Gruppen im eigenen Land gerät, verstehen wird, dass ein Aufstand der Kurden im Iran den kurdischen Bestrebungen nach größerer Selbstständigkeit in Syrien zusätzlichen Impuls geben wird. Und natürlich könnte, wenn dieser Aufstand mit der Schaffung eines Quasi-Staates im Iran endet, das die kurdischen Militärs aus paramilitärischen Gruppierungen dazu bringen, die kurdischen paramilitärischen Kräfte in Syrien zu unterstützen, wo es dann viel schwieriger würde, irgendeine real handlungsfähige Zentralregierung zu schaffen.

Natürlich denkt Trump darüber nicht nach, und für Netanjahu gilt vielmehr: Je unausgeglichener die arabische Welt ist, desto ruhiger ist es für Israel, wenn die Araber sich mit ihren Problemen beschäftigen, sich mit den Kurden auseinandersetzen, und das bedeutet schon, dass sie Israel nicht anfassen werden. Und eine Destabilisierung der Türkei liegt im Prinzip ebenfalls im Interesse Israels, das Präsident Erdoğan jetzt als einen der Hauptgegner seiner eigenen Politik wahrnimmt. Aber das liegt ganz sicher nicht im Interesse der Vereinigten Staaten. Und das kann zu einem gewissen Problem für eine solche Operation werden, falls sie überhaupt stattfinden sollte. Gerade wenige Minuten vor unserer Sendung äußerte der iranische Präsident Peseschkian dem Gouverneur der entsprechenden Provinz eigens Dank dafür, dass die Kurden separatistischen Stimmungen entgegenwirken.

Ein weiteres wichtiges Ereignis des heutigen Tages, das buchstäblich wenige Minuten vor unserer Sendung stattfand, war der Wechsel des Ministers für Innere Sicherheit in den Vereinigten Staaten. Das hat natürlich auf den ersten Blick bis zu einem gewissen Grad keinen direkten Bezug zum russisch-ukrainischen Krieg und zum amerikanisch-iranischen Krieg. Aber ich sage Ihnen: Schon die Tatsache des Wechsels des Leiters einer so wichtigen Behörde in einem solchen Moment zeugt im Prinzip von einer gewissen Unsicherheit hinsichtlich der Effektivität des Systems. Der Name des neuen Ministers für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten ist bereits bekannt: Senator Markwayne Mullin. Das ist ein republikanischer Senator aus Oklahoma, und Kristi Noem, die dieses Ministerium bis zu diesem Zeitpunkt geleitet hat, wurde auf den Posten der Sondergesandten für den „Schild Amerikas“, eine amerikanische Sicherheitsinitiative in der westlichen Hemisphäre, berufen, die an diesem Samstag in Florida angekündigt werden soll. Noch weiß niemand, was genau der endgültige Inhalt dieser trump’schen Initiative sein wird. Aber es ist offensichtlich, dass dies kein Amt ist, das man in Einfluss und Gewicht mit dem des Leiters des Ministeriums für Innere Sicherheit vergleichen könnte. Auch das ist ein sehr wichtiger Moment.

Im Prinzip wird, wiederum, immer klarer, dass sowohl in Washington als auch in Jerusalem – und das sagte der israelische Verteidigungsminister Katz heute in seinem Interview klar – gerade auf einen Machtwechsel im Iran durch einen Volksaufstand gesetzt wird. Das heißt, es gibt die Hoffnung, dass dieser Volksaufstand zum vollständigen Zusammenbruch des Regimes führen wird, zum völligen Verlust irgendwelcher Instrumente der Staatslenkung durch das Regime. Und dass der Platz des Regimes von Aufständischen eingenommen wird, die die Kontrolle über die staatlichen Institutionen übernehmen. Und das ist selbstverständlich ganz und gar nicht das, was die gegenwärtige iranische Macht will, und vor allem das, was das Korps der Wächter der Islamischen Revolution will, in dessen Händen sich, man könnte sagen, seit langem die ganze Machtfülle im Staat befindet. Nur dass das Korps diese Einflüsse und diese Macht bis zum Tod von Ayatollah Khamenei mit ihm teilte. Aber man kann Ayatollah Khamenei klar als einen Mann des Korps bezeichnen. Und gerade dank des Einflusses des Korps und seiner Unterstützung verfügte Ayatollah Khamenei über jene unbegrenzte Macht in den Eliten, die er praktisch während seiner ganzen Zeit in diesem Amt hatte, obwohl ich gleich sagen will, dass er sie nicht hätte haben sollen. Als man ihn wählte, war das sicher nicht das, womit die iranischen Eliten rechneten.

Die Frage, was geschehen wird, wenn es keinen Volksaufstand gibt, scheint mir zumindest in der Vorstellung amerikanischer Politiker gar nicht zu existieren. Es gibt keinen anderen Plan, weil gleichsam mehrere Realitäten existieren. Da ist Trumps Realität, in der bereits alles entschieden ist, in der alles schon zerstört ist, in der die Iraner nichts mehr haben außer Mut, wie er heute sagte. Das ist eine verständliche Realität, von der er spricht. Und da ist die Realität, in der die amerikanische Botschaft in Kuwait buchstäblich wenige Minuten später ihre Arbeit einstellt, weil sie sich in diesem Land nicht sicher fühlt. Das ist eine völlig verständliche Geschichte.

Es gibt also sehr viele Fragen im Zusammenhang damit, was real geschieht. Und wenn man ernsthaft spricht, dann ist das, was real geschieht, was ich heute sehe, ein Wettlauf der Waffen. Das ist wirklich das, was heute geschieht. Was bedeutet dieser Wettlauf der Waffen? Wenn man darüber nachdenkt, bedeutet das, dass die Vereinigten Staaten das Raketenpotenzial Irans schneller zerstören müssen, als den Ländern des Persischen Golfs und Israel die Abfangraketen ausgehen. Wobei, soweit ich verstehe, Iran jetzt nicht so sehr an Israel interessiert ist wie an den Ländern des Persischen Golfs – dort alles zu zerstören, sowohl amerikanische Objekte als auch zivile Objekte dieser Länder, weil dort einfach viel mehr Raketen verbraucht werden. Sie haben in vier Tagen so viele Patriot-Raketen verbraucht, wie die Ukraine in vier Jahren. Und sie sind nicht so vorbereitet wie Israel. Und die Iraner haben dort keine Grenzen für diese Angriffe, denn zwischen Iran und Israel liegen andere Staaten, zwischen Iran und den Ländern des Persischen Golfs aber liegt nichts.

Und genau das ist jetzt das Hauptziel der Vereinigten Staaten: das Raketenpotenzial zu zerstören, solange noch etwas da ist, womit man sich verteidigen kann. Aber hier stellt sich die nächste Frage. Das Raketenpotenzial kann man vernichten – aber wenn das Regime bleibt, selbst wenn nicht auf dem ganzen Territorium, sagen wir, man trennt ihm irgendeinen Teil des Territoriums am Rand ab, kurdisches Gebiet. Okay. Aber es bleibt ihm eine enorme Menge an Drohnen. Und das Territorium Irans kontrollierst du nicht. Und diese Drohnen treffen weiterhin Objekte in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Saudi-Arabien, in Bahrain, in Katar, in Oman, sogar in Aserbaidschan. Und du weißt nicht, was du damit tun sollst. Du gibst dafür unglaublich teure Raketen aus, weil du einfach nicht verstehst, wie man diese Drohnen bekämpft, und sie fliegen weiter. Dann wird der Preis dieses Krieges letztlich so hoch, dass du nicht weißt, was du mit diesem Preis anfangen sollst.

Dann gibt es noch einen zusätzlichen Moment, den die Iraner offensichtlich nutzen wollen. Nur ist nicht klar, wie lange sie ihn nutzen können. Das ist das Öl. Trump sagt, die Straße von Hormus werde nicht geschlossen. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi sagt, die Straße von Hormus werde nicht geschlossen. Sie ist sozusagen nicht geschlossen, aber sie funktioniert nicht. Denn Iran hat die Idee, dort nur Tanker befreundeter Staaten durchzulassen. Das ist ungefähr dasselbe, was die Huthi im Roten Meer gemacht haben. Und in einer solchen Situation, wie Sie verstehen, kann man im Prinzip davon sprechen, dass in einer scheinbar nicht geschlossenen Meerenge keine Ölschiffe fahren. Das hat bereits ziemlich ernste Folgen. Das erhöht den Ölpreis, erhöht die Gaspreise. Das lenkt die Ölströme um. Bereits jetzt heißt es, dass Indien, das angeblich schon bereit war, auf russisches Öl zu verzichten, jetzt wieder beginnt, es in größerer Menge zu kaufen, weil es einfach keine Ölalternativen hat, weil das Öl, das Indien in Reserve hat, buchstäblich nur für 20 bis 25 Tage reicht. Und das ruft bereits Besorgnis in der indischen Regierung hervor. Das heißt, die Lage ist schwer.

Gerade diese Situation beabsichtigen die iranischen Ajatollahs im Kampf gegen die Vereinigten Staaten zu nutzen – obwohl das inzwischen nicht einmal mehr Ajatollahs sind, sondern die iranischen Generäle des Korps der Wächter der Islamischen Revolution, der IRGC. Gleichzeitig ist offensichtlich, dass Trump will, dass dieser Krieg so schnell wie möglich mit einem amerikanischen Sieg endet, weil er sieht, dass dieser Krieg von der Mehrheit der amerikanischen Gesellschaft nicht positiv aufgenommen wird. Aber es stellt sich die Frage, was er in diesem Krieg als Sieg betrachten wird, in einer Situation, in der die iranischen Führer ihm diesen Sieg nicht schenken wollen, wenn sie einstimmig sagen, dass sie den Krieg nicht beenden wollen und keinerlei Verhandlungen mit Washington wünschen.

Das ist genau der Fall, in dem beide Seiten glauben, dass die Zeit für sie arbeitet. Trump und Netanjahu sind überzeugt, dass sie das gesamte iranische Raketen- und Drohnenpotenzial zerstören und das Atomprogramm Irans begraben werden, und die iranischen Führer sind der Ansicht, dass sie Trump politisch unter der Last all jener politischen und wirtschaftlichen Probleme begraben werden, die sich mit jedem Tag dieses Krieges anhäufen.

Und wenn Trump aus diesem Krieg hervorgeht, während das iranische Regime erhalten bleibt und ohne irgendwelche realen Ergebnisse, die er vorweisen könnte, wird ihn das die Niederlage bei den Zwischenwahlen zum Kongress kosten. Und das ist ein Knoten, der sich, würde ich sagen, mit jedem neuen Tag dieses schwierigen Konflikts immer komplizierter zuzieht.

Ja, natürlich, wenn es gelungen wäre, das Regime in wenigen Tagen zu wechseln, wenn es nach dem Tod von Ayatollah Khamenei tatsächlich in sich zusammengefallen wäre, wenn es deswegen irgendeinen Volksaufstand gegeben hätte, angesichts der Zahl der Menschen, die dieses Regime hassen, denn das ist objektiv so, dann wäre das für Trump ein echter außenpolitischer Triumph gewesen. Aber mit jedem Kriegstag und erst recht mit seiner weiteren Ausbreitung werden Fragen entstehen, inwieweit die Vereinigten Staaten politisch auf diesen Krieg vorbereitet waren, inwieweit sie ein Gefühl für die Mehrvariantenhaftigkeit dieses Krieges hatten. Und auch das ist eine sehr wichtige Frage, wie Sie verstehen, denn heute sagte Präsident Volodymyr Zelensky, dass die Vereinigten Staaten sich an die Ukraine mit einem Hilfegesuch beim Abschuss von Drohnen gewandt hätten. Und die Ukraine sei bereit zu helfen – mit ihren Experten, ihren Beratungen, ihrer Hilfe.

Trump antwortete, er sei bereit, Hilfe von jedem Land anzunehmen, aber es war offensichtlich, dass ihn das alles irgendwie reizte. Er begann wieder davon zu sprechen, dass Zelensky ein Problem für die Unterzeichnung eines Friedensabkommens sei, dass er keine Karten habe. Und jetzt habe er noch weniger Karten. Ich glaube nicht, dass man all diesem Gerede eines Menschen große Aufmerksamkeit schenken sollte, der sich in einer der schwierigsten politischen Situationen seiner Karriere befindet und sehr gut versteht, dass, wenn er diesen Krieg verliert, er alles verliert. Und er kann jetzt alles sagen, was er will, denn das ist Stress.

Im Iran läuft alles nicht so, wie man dachte. Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat die Zölle aufgehoben und die Unternehmen beantragen bereits die Rückerstattung ihres Geldes. Und auch das wird die wirtschaftliche Lage sehr ernsthaft verschlechtern und die Perspektive des Trumpismus als solchen infrage stellen. Und hinzu kommt, dass der russisch-ukrainische Krieg nicht endet. Aber objektiv betrachtet ist offensichtlich, dass die amerikanischen Streitkräfte sich auf den realen Kampf gegen Drohnen nicht vorbereitet haben.

Und das überrascht mich, offen gesagt, weil sie diesen Krieg nun seit vier Jahren beobachten. Sie hätten begreifen müssen, welche Gefahr das ist. Sie hätten verstehen müssen, dass der Kampf gegen Drohnen – und dabei kämpfen sie noch mit iranischen Drohnen, die im Unterschied zu den russischen nicht modifiziert sind – eine Kunst ist, die nicht theoretisch ist, die nicht in Büros und nicht in Akademien gelehrt wird, sondern auf dem Schlachtfeld geübt wird. Und in einer solchen Situation tun sie, zumindest Trump, so, als erlaube er großmütig, dass die Ukraine ihm hilft, aus dieser schwierigen Lage herauszukommen, die ihn bald Dutzende Milliarden Dollar kosten wird. Denn wenn sie Drohnen mit Patriots zerstören, also mit Millionenraketen Drohnen im Wert von 30 bis 50 Dollar, die Iran in Hunderten produzieren kann, dann bedeutet das, dass der militärisch-industrielle Komplex der Vereinigten Staaten bald einfach ein Fiasko erleiden wird.

Und das ist kein Witz, denn es gibt jetzt zwei Armeen, die gelernt haben, im modernen Krieg zu kämpfen, einfach deshalb, weil sie kämpfen. Das sind die Streitkräfte der Russischen Föderation – und auch die nicht vollständig, weil sie nicht solche Herausforderungen hatten wie wir. Aber sie kämpfen für die andere Mannschaft, für China, für Iran, für Nordkorea. Ihre Aufgabe ist es, das amerikanische Potenzial zu zerstören und Amerika in die Knie zu zwingen, und sie werden in den kommenden Jahren alles Mögliche dafür tun, damit das geschieht. Zumal sie sich jetzt im Vorteil fühlen. Und die Streitkräfte der Ukraine. Und die zivilisierte Welt hat nur eine Armee, die die Logik des modernen Krieges versteht. Das sind die Streitkräfte der Ukraine. Das sind nicht die Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika, wie wir sehen, denn die Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika rennen jetzt mit einem Amboss hinter einer Fliege her.

Und das Ganze sieht nun so aus: Du hast eine riesige Menge grober Gewalt, aber wenn du gegen ein Insekt kämpfst, dann wird diese deine grobe Gewalt natürlich in wenigen Wochen eines solchen Kampfes zunichtegemacht. Und das ist sehr gefährlich, denn genau das wünschen die Iraner, die sagen: „Wir wollen den Krieg nicht beenden.“ Als man heute den iranischen Außenminister Abbas Araghtschi fragte, was er über die Möglichkeit der Präsenz amerikanischer Truppen im Iran denke, also von „boots on the ground“, sagte er: „Sollen sie doch kommen, wir warten hier auf sie, um sie hier zu vernichten.“

Das ist also eine einfache Rechnung: Den Vereinigten Staaten zu zeigen, dass sie mit Iran nichts anfangen können, während Iran die ganze Region destabilisieren kann. Und wenn man auf diese dreisten Pläne der iranischen Ajatollahs keine richtige militärische Antwort hat, dann können sie Donald Trump tatsächlich unter seiner eigenen Selbstüberschätzung begraben. Und deshalb ist Donald Trump natürlich außer sich, dass er nichts vorweisen kann und selbst im russisch-ukrainischen Konflikt nichts vorweisen kann. Deshalb sind all diese Erklärungen, die der amerikanische Präsident abgibt, einfach ein weiteres Zeugnis seiner politischen Unzulänglichkeit, dass er sich seine Realität ausdenkt, in dieser Realität lebt und außer sich gerät, wenn diese Realität nichts mit der Welt zu tun hat, in der wir mit Ihnen leben.

Und selbst wenn wir ihm die Hand reichen, um ihn aus dem Sumpf zu ziehen, in den er sich selbst manövriert hat – durch eine inkompetente Personalpolitik, durch Unverständnis der Lage und mangelnde Durcharbeitung der Lage –, ist er noch beleidigt. Dabei wollen wir, wie Sie verstehen, als Freunde der Vereinigten Staaten ganz sicher nicht, dass die Vereinigten Staaten bei ihrem Versuch, eines der grausamsten und abscheulichsten Regime der modernen Welt zu zerstören, scheitern. Ein Regime, an dessen Händen nicht nur das Blut der eigenen Landsleute klebt, die bei den letzten Protesten umkamen – und das sind, wie Sie wissen, Tausende Menschen –, nicht nur das Blut der Israelis, die bei den Bombardierungen getötet wurden, nicht nur das Blut der Libanesen, die von der Hisbollah vernichtet wurden, als sie sich gegen diese vom Iran unterstützte terroristische Organisation stellten, nicht nur das Blut der Palästinenser, die von der Hamas vernichtet wurden, sondern auch das Blut einer großen Zahl von Ukrainern, angefangen bei den Passagieren des Zivilflugzeugs, das auf dem Flughafen von Teheran zerstört wurde. Jetzt, denke ich, verstehen viele, dass das kein Zufall war. Und ganz zu schweigen von den Opfern der iranischen Drohnen, denn wir verstehen, welche wichtige Rolle die iranischen Soldaten bei Drohnen in der ersten Phase des russisch-ukrainischen Krieges gespielt haben. Und niemand weiß, ob diese Drohnen heute tatsächlich nicht mehr produziert werden. Wir haben ja bereits gesehen, wie diese iranischen Drohnen aussehen, die man in den Vereinigten Arabischen Emiraten findet. Sagen wir, dort steht auf Russisch „Geran“. Das kann bedeuten, dass die Iraner in Wirklichkeit eine gewisse Zahl von Drohnen für Russland produzieren, ihnen aber russische Namen und russische Markierungen geben, um ihre Beteiligung am russisch-ukrainischen Krieg zu verschleiern.

Das sind also die Hauptfragen, die man heute erörtern konnte. Ich werde auf einige Fragen antworten, die bereits gestellt wurden.

Frage: Der israelische Geheimdienst hat gezeigt, dass er mehr weiß, als man sich vorstellen kann. Wie kann man sich dann so bei den Drohnen verschätzen? Das ist doch von einem anderen Kontinent aus verständlich, wie können dem Militär solche Fehler unterlaufen?

Portnikov: Nun, erstens denke ich, dass das unterschiedliche Behörden sind. Zweitens verstehen Sie: Der israelische Geheimdienst arbeitet mit dem Material, das er erhält, und zwar über Jahrzehnte, seit der Gründung des Staates Israel. Sie werben Agenten an, sie brechen in die Datenbanken anderer feindlicher Länder ein. Sie tun alles Mögliche, um neue technische Errungenschaften zu nutzen. So wie diese Geschichte, dass sie einfach alle Verkehrskameras im Iran gehackt haben, die übrigens nicht nur geschaffen wurden, um den Straßenverkehr zu überwachen, sondern auch, um zu überwachen, wie Frauen Hidschabs tragen. Deshalb waren sie, würde ich sagen, im Hinblick auf die Lage auf den Straßen detaillierter als gewöhnliche Verkehrskameras. Und auch das half dabei, nachzuverfolgen, wie Ayatollah Khamenei und andere Vertreter der Islamischen Republik sich durch Teheran bewegten. Aber all das ist eine verständliche, ich würde sagen, Arbeit des Mossad, die in vielen Büchern beschrieben und in vielen Serien gezeigt wurde.

Was aber Drohnen und all das betrifft, ist das eine neue Situation, die buchstäblich in den letzten Jahren entstanden ist. Israel ist ihr nicht begegnet, weil seine Kriege mit der Hamas und mit der Hisbollah nicht mit dem Einsatz dieser Technologie verbunden waren. Als iranische Drohnen nach Israel flogen, erreichten sie es einfach nicht. Deshalb war völlig unklar, warum das eine so große Gefahr sein sollte. Es gab keine konkrete Arbeit des Militärs, und unseren Krieg haben sie folglich nicht professionell verfolgt. Und das ist wirklich ein großes Problem. Das ist dasselbe Problem wie das Versagen der israelischen Geheimdienste am 7. Oktober 2023.

Aber warum ist das so? Das sind die Ergebnisse der langjährigen Herrschaft Benjamin Netanjahus in Israel, der sich bei der Auswahl von Führungspersonal in den Sicherheitsstrukturen nicht gerade durch Professionalität auszeichnet, der Loyalität höher schätzt als Professionalität, ideologische Nähe höher als Professionalität. Und unter diesem Blickwinkel geschieht das, was in Israel passiert und diesem Staat erlaubt durchzuhalten, faktisch gegen die Vorstellungen des gegenwärtigen israelischen Premierministers über die Funktionsweise dieses Staates. Und ich denke nicht, dass man den Ukrainern erklären muss, wie das geschieht. So geschieht das eben. Israel ist nicht das einzige solche Land. Und das ist nicht einmal eine Frage der Inkompetenz Netanjahus. Es ist eine Frage dessen, dass er das Amt des Premierministers in eine Festung seines eigenen politischen Selbsterhalts verwandelt hat, und das diktiert eben andere Regeln.

Und Sie wissen, dass heute Präsident Trump vom Präsidenten Israels, Chaim Herzog, zu verlangen begann, dieser solle Benjamin Netanjahu unverzüglich begnadigen. Obwohl der Präsident Israels dafür keinerlei rechtliche Möglichkeit hat, denn damit er den Premierminister Israels begnadigen kann, müsste dieser zunächst seine Schuld eingestehen, was Netanjahu nicht tun will. Aber das ist eben eine Situation, in der man gleichzeitig das Land verteidigen und gleichzeitig Gegenstand von Gerichtsverfahren sein muss. Und natürlich, wenn du Gegenstand von Gerichtsverfahren bist und die Regierung führst, dann hast du deine eigenen Vorstellungen davon, wer den Geheimdienst, die Armee und so weiter führen soll. Was ist daran erstaunlich? Das ist zugleich die Antwort auf die Frage: Bei Trump ist alles klar, aber versteht Netanjahu die Risiken denn nicht? Nun, erstens nicht alle, und zweitens kann er von anderen Motiven geleitet werden.

Frage: Ukrainer und auch Sie haben 2023 in Ihren Sendungen über die Gefahr iranischer Drohnen für Israel gesprochen. Wie konnte Israel das verpassen?

Portnikov: Nun, es gibt keine idealen Sicherheitssysteme. Israel konnte denken, dass sein Luftverteidigungssystem ideal sei, weil es jahrelang ausschließlich mit improvisierten Raketen aus dem Gazastreifen und aus dem Libanon zu tun hatte. Selbst Raketenangriffe auf Israel, wie Sie sehen, die mit moderneren Raketen erfolgen, schaffen bereits ein Problem für den Iron Dome. Und daher, als wir sagten: „Wissen Sie, in Israel ist es so, warum ist es bei uns nicht so? Gebt uns den Iron Dome“, musste man verstehen, dass gegen jene Raketen, die Russland in unseren Himmel schickt, das israelische System nicht wirksam sein kann. Man darf seine Möglichkeiten nicht überschätzen.

Wir haben andere Vorteile, die Israel nicht hat, schon allein die Größe des Territoriums. Sie verstehen doch, dass Israel vom Territorium her einfach etwa die Größe der Oblast Kyiv hat. Insofern gibt es hier ein ziemlich ernstes Moment, das damit verbunden ist, dass man wirklich schwer verstehen kann, warum das israelische Militär dem, was während des russisch-ukrainischen Krieges geschah, keine Aufmerksamkeit schenkte, obwohl völlig klar war, dass Iran mit seinen Drohnenlieferungen an Russland die Ukraine im Grunde als Testgelände für seine eigenen Shaheds nutzt. Und ich habe darüber im Jahr 2022 gesprochen, nicht erst 2023. Ich habe darüber in der israelischen Presse geschrieben. Leider hat man dem keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt. Ich habe auf Hebräisch geschrieben, nicht in der russischsprachigen Presse.

Zuschauer: Ich bin der Meinung, dass die Ignorierung der Möglichkeit, den Himmel über der Westukraine wenigstens gegen Shaheds zu schließen, der Hauptfehler und das Hauptversäumnis der gesamten militärischen Führung sowohl der USA als auch Europas ist.

Portnikov: Nun, sowohl in den USA als auch in Europa war man der Ansicht, dass das Schließen des Himmels über der Westukraine mithilfe westlicher Luftverteidigungsmittel, sagen wir, ein direkter Eintritt in den Konflikt sei. Ich habe nie verstanden, warum, und bis heute verstehe ich es nicht, denn als 2022 russische Flugzeuge mit Piloten über der Ukraine flogen, konnte man eine solche Logik vielleicht noch nachvollziehen. Aber worin besteht das Vergehen, eine russische Rakete oder eine Drohne abzuschießen? Es ist doch eine Drohne. Eine Drohne. Warum soll ein westlicher Schlag gegen russische Waffen ein Verbrechen sein und notwendigerweise zu einem entsprechenden Schlag Russlands gegen irgendein westliches Land führen? Das verstehe ich bis heute nicht, aber ich halte das für eine irrationale, würde ich sagen, Angst vor Russland, Angst vor dem Krieg, denn es gab keinerlei Gefahr eines direkten Kontakts mit den Streitkräften der Russischen Föderation im Falle der Schließung des Himmels über der Westukraine oder überhaupt über der halben Ukraine.

Ich rede gar nicht erst davon, dass wir vorgeschlagen haben, diesen Himmel als Sicherheitsmaßnahme nicht für uns, sondern für Polen und Rumänien zu schließen, ein gemeinsames Luftverteidigungssystem zu schaffen. Ich sage Ihnen, ich habe das vorgeschlagen, nachdem Drohnen im Luftraum Polens und Rumäniens aufgetaucht waren, übrigens. Und wie Sie sich erinnern, wurde kurz darüber gesprochen, und darüber sprach der polnische Außenminister Radosław Sikorski. Damit war die ganze Geschichte beendet. Sehr bedauerlich, dass das so ist.

Frage: Glauben Sie nicht, dass sich die Welt eher auf einen Kalten Krieg wie zu seinem ersten Höhepunkt in den 1950er-Jahren zubewegt und nicht auf einen Dritten Weltkrieg?

Portnikov: Nein, das glaube ich nicht, denn der Kalte Krieg ist in erster Linie ein Wirtschaftskrieg und nicht jener heiße Krieg, in dem wir jetzt mit Ihnen leben und in dem immer mehr und mehr Länder leben werden. Vor dem Kalten Krieg stand der Koreakrieg. Gerade das Ende des Koreakrieges nach dem Tod Stalins gab die Möglichkeit, zum kalten Gegensatz überzugehen und die These vom friedlichen Zusammenleben von Ländern mit unterschiedlicher Gesellschaftsordnung zu schaffen, wie sie auf den Parteitagen der Kommunistischen Partei der Sowjetunion gebilligt wurde. Das wurde zur ideologischen Voraussetzung des Kalten Krieges: „Wir kämpfen an irgendwelchen lokalen Abschnitten, ohne zu einem wirklichen Zusammenstoß miteinander zu kommen, und verhindern einen wirklichen Zusammenstoß miteinander.“ Das hier ist aber kein Kalter Krieg, denn es kommt zu einem direkten Zusammenstoß westlicher Waffen mit, sagen wir, chinesisch-russisch-iranischen Waffen. Das ist also eine sehr gute Frage.

Frage: Was werden die Vereinigten Staaten tun, wenn ihnen die Luftabwehrraketen ausgehen?

Portnikov: Nun, an Ihrer Stelle würde ich zuerst darüber nachdenken, was wir tun werden, wenn die Luftabwehrraketen ausgehen. Denn wenn sie den Amerikanern ausgehen, dann gehen sie auch uns aus. Aber ich sage ja noch einmal: Die Amerikaner rechnen damit, dass sie ihnen später ausgehen als dem Iran die Raketen, und sie beantworten sich nicht die Frage, was sie mit den Drohnen tun werden, selbst wenn es ihnen gelingt, das Raketenprogramm Irans außer Gefecht zu setzen. Aber im Moment ist noch die große Frage, wie die Lage in einigen Tagen und Wochen aussehen wird.

Frage: Sind Länder wie Japan, Südkorea und Taiwan auf ein irakisches, also ein iranisches Szenario eines Angriffs auf alle vorbereitet?

Portnikov: Das ist eine sehr gute Frage, angesichts des offensichtlichen chinesischen Wunsches, Taiwan unter Kontrolle zu bringen, angesichts der Drohungen Chinas gegenüber Japan. Auf der letzten Münchner Konferenz trat der Außenminister der Volksrepublik China und Mitglied des Politbüros des ZK der KP Chinas, Wang Yi, mit diesen Drohungen öffentlich auf. Die Frage ist, inwieweit sie die Erfahrung unseres Krieges studiert haben. Nun, auf Taiwan müsste man sich, wie Sie verstehen, dafür interessieren. Es wäre seltsam, wenn man sich auf Taiwan nicht für diese Erfahrung interessieren würde. Inwieweit man das in Südkorea versteht? In Südkorea könnte man durchaus der Ansicht sein, dass die Präsenz der amerikanischen Armee auf ihrem Territorium gerade die Garantie der Sicherheit sei. Aber wir sehen ja, dass das in Wirklichkeit nicht so ist. In Wahrheit ist die Präsenz amerikanischer Militäranlagen auf deinem Territorium eher ein Anlass für einen Angriff auf dich. Wie Sie sehen, hat Iran keine Angst, amerikanische Militärbasen anzugreifen. Und das ist ebenfalls bis zu einem gewissen Grad, wenn Sie so wollen, ein Tabubruch. Früher meinte man, dass Länder wie Russland oder die Vereinigten Staaten alles tun könnten, was sie wollen, und niemand werde ihnen antworten, jedenfalls nicht auf dem Territorium, das sie selbst nicht angreifen. Jetzt aber zerstören die Ukrainer während der Operation „Spinnennetz“ eine russische Basis. Sie greifen mit Drohnen Ölraffinerien und den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation an, Flugplätze. Und das ist bereits die Norm des russischen Lebens, wie sich herausstellt. Und Iran schlägt jetzt gegen amerikanische Basen auf dem Territorium der Länder des Persischen Golfs, und demonstriert damit, dass das Vorhandensein eines amerikanischen Objekts bei dir gerade eine Frage der Destabilisierung ist. Damit sagt es diesen Ländern: „Wenn ihr in Frieden leben wollt, jagt die Amerikaner aus eurem Land.“

Nun, dasselbe könnte zwischen Nord- und Südkorea geschehen. Denken Sie jetzt einmal darüber nach: Warum sollte Nordkorea in einer solchen Situation nicht Südkorea angreifen, sondern amerikanische Basen in Südkorea? Und was wird Trump tun, da er weiß, dass er es mit einem Nuklearstaat zu tun hat? Und warum sollte die Volksrepublik China Kim Jong-un nicht als Proxy-Kraft benutzen, um noch einmal Trumps Hilflosigkeit zu zeigen, wenn der Wunsch besteht, sie von allen Seiten zu zeigen, dass er wie ein Kind ist, ein großes Kind, das wahllos zuschlägt, zerstört und sich nicht vor irgendeinem kleinen Insekt retten kann?

Frage: Kann Trump im Zusammenhang mit dem Krieg gegen Iran ein Amtsenthebungsverfahren bekommen?

Portnikov: Nein, das kann er nicht. Der Senat der Vereinigten Staaten hat zugestimmt, dass der Präsident der Vereinigten Staaten militärische Maßnahmen gerade ohne Anrufung des Kongresses durchführen kann. Die von den Demokraten eingebrachte Resolution, Trump unter die Kontrolle des Kongresses zu stellen, ist gescheitert. Im jetzigen Kongress, der von den Republikanern kontrolliert wird, kann Trump sich ausreichend komfortabel fühlen. Die Hauptfrage ist, was nach den Zwischenwahlen zum Kongress geschehen wird. Und tatsächlich bin ich sicher, dass die Demokraten, falls sie den Kongress gewinnen, alles Mögliche tun werden, um Trump von der politischen Bühne Amerikas zu entfernen. Die Frage ist, welchen Anlass sie dafür wählen werden. Ich bin nicht sicher, dass es der Krieg mit Iran sein wird, denn dieser Staat bedrohte objektiv sowohl Israel als auch die Vereinigten Staaten selbst. Aber wir wissen doch nicht, was in diesen Monaten geschehen wird. Sie sehen doch, dass hier jede Woche etwas geschieht, das es noch nie gab und das zur juristischen Grundlage für fünf Amtsenthebungen werden könnte. Die Logik ist also ziemlich einfach. Wenn der Wille da ist, werden sich juristische Grundlagen für ein Impeachment finden. Und diesen Willen gibt es bei den Demokraten zweifellos. Das ist völlig klar. Und auch das wird nach den Ergebnissen der Zwischenwahlen klar sein. Auch das ist sehr offensichtlich.

Frage: Wenn Sie sagen, dass Iran das ukrainische Flugzeug nicht zufällig abgeschossen hat – warum hat Iran das getan?

Portnikov: Das könnte ein Test der Reaktion gewesen sein. Solche Länder testen sehr oft die Reaktion auf ihre Verbrechen. Wie weit alle bereit sein werden, das als Zufall dessen hinzunehmen, was sich im Luftraum ereignet. Danach kann man einfach auf Grundlage des Präzedenzfalls weiterdenken.

Frage: Wie verstehen Sie, verändert sich die Rolle der Ukraine als militärischer Verbündeter des Westens nach den Ereignissen im Iran?

Portnikov: Ich bin der Meinung, dass sie sich verändert. Ich sage es noch einmal: Ich glaube, dass die Ukraine jetzt die Hauptkraft des modernen Krieges ist. Die ukrainischen Streitkräfte. Ich würde Ihnen sagen: Besser, wir hätten diese Erfahrung nicht. Offensichtlich ist an einer solchen Erfahrung nichts Gutes, aber wir haben sie bekommen. Nun, bekommen haben sie in erster Linie unsere Militärs. Und das ist ein gewaltiges Kapital, denn in modernen Kriegen hat eine echte Revolution stattgefunden, wie Sie verstehen. Und diese Revolution ist gerade von den Streitkräften der Ukraine wirklich begriffen worden, und auch von den Streitkräften der Russischen Föderation, aber nicht bis zum Ende, weil es auf ihrem Territorium praktisch keinen Krieg gibt. Sie kämpfen auf unserem. Das ist ein unterschiedliches Maß an Wahrnehmung der Realität und an Fähigkeit, auf sie mit neuen Erfindungen zu reagieren. Ganz abgesehen davon, dass wir nicht auf Wohnviertel schießen, wenn wir auf den russischen militärisch-industriellen Komplex schlagen, die Russen aber schon – auch das ist ein anderer Grad der Erfindung. Und die Iraner schlagen, wie Sie sehen, auf zivile Viertel. Also denke ich, dass sich die Rolle der Ukraine verändern wird, was immer Trump darüber denken mag, besonders wenn reale Voraussetzungen für ein europäisches Verteidigungsbündnis geschaffen werden.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Війна проти Ірану:ескалація розповзається | Віталій Портников. 05.03.2026.
Autor : Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 05.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Krieg im Iran: neue Eskalation | Vitaly Portnikov. 04.03.2026.

Wir setzen unsere Beobachtung des großen Krieges im Nahen Osten fort, des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen das Regime im Iran – eines Krieges, der bereits seit einigen Tagen andauert und mit jedem Tag neue wichtige Züge annimmt, die auch für uns sowie für die weiteren Folgen des russisch-ukrainischen Krieges von Bedeutung sind.

Welche Hauptpunkte möchte ich also in unserem heutigen Gespräch hervorheben? Der erste und wichtigste Punkt ist: Was werden die amerikanischen Streitkräfte an diesem nun bereits neuen Kriegstag tun, welche Taktik verfolgen sie? Darüber sprach der Kriegsminister der Vereinigten Staaten, Pete Hegseth.

Übrigens: Haben Sie jetzt verstanden, warum Donald Trump das Verteidigungsministerium in ein Kriegsministerium umbenannt hat, obwohl er mit dem Slogan an die Macht kam, er werde der friedliebendste Präsident der Vereinigten Staaten sein, er müsse den Friedensnobelpreis bekommen? Doch schon die Umbenennung des Verteidigungsministeriums in das Kriegsministerium hat gezeigt, dass in Trumps wirklichem politischen Programm – nicht als Kandidat, sondern als Präsident – gerade Kriege die nächsten Jahre seiner Amtszeit bestimmen sollen. Nicht Verteidigung, sondern Angriff.

Und das ist im Grunde absolut logisch, wenn man berücksichtigt, dass die Vereinigten Staaten versuchen, die politischen und energetischen Möglichkeiten der Volksrepublik China als ihres wichtigsten Konkurrenten in der Welt zu begrenzen. Und ohne einen großen Krieg gegen Chinas Proxy-Kräfte ist das natürlich nicht zu erreichen. Und wir sehen bereits, wie dieser große Krieg buchstäblich vor unseren Augen seine Züge und Besonderheiten annimmt.

Wenn wir also darüber sprechen, was die Amerikaner tun wollen, verstehen wir bereits: Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Kontrolle über den Luftraum der Islamischen Republik zu erlangen, die Raketenfähigkeiten der Islamischen Republik zu zerstören. Das sagen sie ganz klar: die iranische Flotte zu zerstören, das Atomprogramm zu stoppen und die Bewaffnung einer ganzen Reihe terroristischer Organisationen durch Iran in der Region zu beenden – Organisationen, die eben die destabilisierende Kraft der Islamischen Republik darstellen. Die wichtigsten dieser Organisationen sind natürlich die Hamas im Gazastreifen, die am 7. Oktober 2023 Israel einen überraschenden Schlag versetzte – und das wurde, wie ich sagen würde, zur Ouvertüre einer endgültigen Destabilisierung der Region. Das ist die Hisbollah im Libanon, die lange Zeit den Libanon destabilisiert und unter iranischer Unterstützung faktisch kontrolliert hat und nun die Kampfhandlungen gegen Israel fortsetzt. Und das sind die jemenitischen Huthi, die im Wesentlichen den Schiffsverkehr im Roten Meer gestoppt haben. Und jetzt, wie wir sehen, setzt das iranische Korps der Wächter der Islamischen Revolution diese „Arbeit“ fort und blockiert faktisch die Straße von Hormus – und schafft damit Chaos und eine Katastrophe auf dem Energiemarkt der ganzen Welt, wo die Ölpreise ziemlich schnell steigen und, wenn der Krieg noch einige Tage und Wochen weitergeht, weiter steigen, steigen und steigen werden.

Das ist die Hauptaufgabe der Vereinigten Staaten. Sie glauben: Wenn sie die Kontrolle über den iranischen Luftraum herstellen, die Startanlagen zerstören, von denen Raketen abgefeuert werden, die Zentren der iranischen Macht zerstören und die iranische Flotte zerstören, dann öffnen sie den Weg für einen iranischen Aufstand gegen das Regime, das sich jetzt in einer sehr schwierigen Lage befindet, und sie werden helfen, Iran in einen normalen, nicht-extremistischen Staat zu verwandeln.

Aber das ist ein Plan. Wie weit er sich umsetzen lässt, ist eine sehr große Frage – aus dem einfachen Grund, dass, wie Sie verstehen, selbst die Entziehung des iranischen Raketenpotentials noch nicht bedeutet, dass das Korps der Wächter der Islamischen Revolution und seine zivilen Verbündeten, die Basidschi, nicht mit militärischer Gewalt die Kontrolle über das Territorium Irans behalten werden. Denn Protestierende brauchen keine Raketen, sondern Maschinengewehre.

Das bedeutet nicht, dass das iranische Regime ohne eine Bodenoperation der amerikanischen Armee das Territorium seines Landes nicht effektiv kontrollieren wird, und dass es tatsächlich gelingen wird, Bedingungen für einen Machtübergang an irgendeine andere Bewegung zu schaffen. Man kann verstehen, dass die Amerikaner – weil sie sich nicht in eine Bodenoperation hineinziehen lassen wollen – auf die nationalen Minderheiten Irans hoffen könnten, insbesondere auf die Kurden, mit denen sie Gespräche führen. Aber das bringt die Vereinigten Staaten in ziemlich schwierige Beziehungen zu ihrem wichtigen Verbündeten Türkei, die natürlich vor dem Entstehen eines neuen kurdischen Quasi-Staates an ihren Grenzen zurückschrecken wird und in diesem Fall alles Mögliche tun wird, um das iranische Regime zu stabilisieren – selbst das Regime der Ajatollahs.

Es gibt noch ein weiteres ziemlich ernstes Problem, das man erwähnen muss, wenn wir über den weiteren Verlauf der Ereignisse sprechen. Und das ist das, was – wie ich verstehe – amerikanische Senatoren erschreckt hat, die aus einem Briefing herauskamen, das Sicherheitsbehörden im US-Kongress für sie durchgeführt hatten: Sie wirkten offen erschrocken und sagten: „Die Lage ist viel schlimmer, als ihr denkt“, ohne ins Detail zu gehen.

Doch erste Details meldete der Sender CNN. Und diese Details sind das, was wir sehr gut kennen. Ich würde sagen: Wir erleben es jeden Tag. Das sind Shaheds. Vertreter der Trump-Administration sagten den Gesetzgebern, dass Shaheds eine sehr ernsthafte Herausforderung seien und dass dass das amerikanische Luftverteidigungssystem nicht garantieren könne, alle Drohnen abzufangen. Und dass dies ein unterschätztes Problem sei: Sie fliegen niedrig, starten langsam, können Luftabwehrmittel besser umgehen als ballistische Ziele.

Wir wissen bereits, dass die Amerikaner und ihre Verbündeten in diesen wenigen Tagen der Operation im Iran faktisch ihren Jahresvorrat an Patriot-Abfangraketen verbraucht haben. Können Sie sich überhaupt vorstellen, was mit uns gewesen wäre, wenn wir Shaheds mit Patriots abgeschossen hätten? Und das ist wirklich eine sehr ernste Geschichte, die zeigt: Moderner Krieg ist keine Theorie, sondern Praxis.

Es scheint doch: Die Amerikaner haben ein Luftverteidigungssystem, von dem wir nur träumen können – modernste Radare, Satelliten, eine Luftverteidigung, die nicht nur am Boden, sondern auch auf See und im Luftraum steht. Und dennoch ist es den Iranern gelungen, das modernste amerikanische Radar mit ihrem primitiven – warum sage ich „primitiv“? Weil die Russen die iranische Shahed längst deutlich verbessert haben – mit einer Shahed zu beschädigen.

Und das ist ein ziemlich ernstes Problem. Dass Shaheds mit Patriots abgeschossen werden, dass Shaheds mit NASAMS-Systemen abgeschossen werden, dass andere Systeme der amerikanischen Luftverteidigung faktisch Verluste erlitten haben – das ist es, was sich in diesen Tagen gezeigt hat. Und ich würde sagen: Das ist eine ziemlich ernste Geschichte – eine Geschichte von Selbstüberschätzung. Von gefährlicher Selbstüberschätzung, die, wenn schon nicht zur Niederlage, dann doch zu erheblichen Verlusten führt. Wie Sie verstehen, darüber rede ich seit Februar 2022.

Iran hat sich sorgfältig auf einen Krieg vorbereitet, dessen Ziel die Zerstörung Israels, das Ausradieren Israels von der politischen Landkarte der Welt ist. Und diese Ziele verfolgt das iranische Regime weiterhin – so wie in Russland das Ziel weiter verfolgt, den ukrainischen Staat zu zerstören und ihn von der politischen Landkarte der Welt zu löschen. Die Iraner lieferten den Russen ihre Shaheds nicht umsonst. Übrigens: Jetzt setzen sie im Kampf gegen die Länder des Persischen Golfs „Geran“-Drohnen ein, die ihnen die Russen liefern. Also einen modifizierten Drohnentyp, der bald am Himmel über den Hochhäusern Dubais oder Abu Dhabis auftauchen könnte.

Durch die Lieferung dieser Shaheds und die Beobachtung ihres Einsatzes beginnen sie zu verstehen, wie man vorgehen muss. Deshalb wird der russisch-ukrainische Krieg für sie zu einem Testgelände für den zukünftigen Krieg. Und die Amerikaner beobachten, wie Sie verstehen, den Krieg Russlands gegen die Ukraine nicht annähernd so sorgfältig – zumindest auf militärischer Ebene. Sie geben uns Ratschläge vor allem am Telefon. Dabei hätten sie von ukrainischen Militärs lernen sollen, wie man ohne Patriots und ohne NASAMS mit Shaheds zurechtkommt, die viel moderner und stärker modifiziert sind als die iranischen. Mit all diesen Shaheds werden sie in den nächsten Phasen dieses Konflikts – oder eines anderen – noch konfrontiert werden.

Darin liegt die Bedeutung der ukrainischen Armee. Darin, dass es heute real zwei moderne Armeen gibt, die fähig sind, in einem neuen Krieg zu kämpfen: die Streitkräfte der Russischen Föderation – aber sie stehen auf der anderen Seite, sozusagen auf Pekings Seite. Und wir wissen, dass chinesische und nordkoreanische Offiziere und Generäle an die Frontlinie kamen, um zu verstehen, wie man kämpft – um von den Russen zu lernen. Und die Streitkräfte der Ukraine – das Einzige, was der Westen heute gegen diese moderne russische Macht hat: nuklear, drohnenbasiert, raketenbasiert.

Russland bereitet sich aktiv auf den modernen Krieg vor. Wenn Iran in vier Tagen so ernsthafte, ich würde sagen, Schläge gegen das Luftverteidigungssystem der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten am Persischen Golf führen kann, dass das sogar amerikanische Senatoren erschreckt – dann stellen Sie sich vor, was mit diesen Ländern passieren wird, wenn sie beginnen, gegen Russland oder China zu kämpfen: mit einer größeren Zahl von Drohnen, moderneren Drohnen – und mit dieser kindlichen Überheblichkeit, dass sie jetzt mit Patriots, sozusagen, alle Raketen und Drohnen wegschießen, die gegen sie gerichtet sind.

Und denken Sie an noch etwas anderes. Man kann Iran seines Raketenarsenals berauben – das stimmt. Aber wenn du dem iranischen Regime die Kontrolle über das Territorium lässt, und es dich mit Drohnen terrorisiert – was dann? Wir haben ein hervorragendes Beispiel: die Ukraine, die Raffinerien der Russischen Föderation zerstört, die militärische Objekte dieser Föderation zerstört – mit Drohnen allein. Wir hatten bis vor Kurzem fast keine Raketen. Die Raketen, die wir hatten, durften wir faktisch nur gegen die besetzten Gebiete der Ukraine einsetzen. Und wir haben das gesamte große Territorium Russlands – zumindest den europäischen Teil – beschossen, Brände in Betrieben ausgelöst, Flugzeuge und Rüstungsfabriken außer Gefecht gesetzt – mit Drohnen allein.

Und stellen Sie sich nun vor, Iran macht das gegen die Länder des Persischen Golfs: gegen die Vereinigten Arabischen Emirate, gegen Bahrain, Katar, Kuwait. Nicht zufällig sprechen die Monarchen all dieser Länder jetzt mit dem ukrainischen Präsidenten. Das ist absolut richtig. Denn selbst wenn man sich vorstellt, dass die Amerikaner alle ihre militärischen Ziele im Iran erreichen, aber nicht die politischen – und das ist absolut real –, dann bedeutet das, dass sich über den Persischen Golf für viele Jahre ein Nebel permanenter Angriffe legen wird. Niemand wird mehr in Dubai oder Abu Dhabi Urlaub machen. Flugzeuge werden ihre Flughäfen bei jeder neuen Drohnenattacke ständig umfliegen. Für die Ölmonarchien würde das eine dauerhafte Katastrophe bedeuten. Und es ist noch unbekannt, ob sie in einer Situation, in der Drohnen ständig Tanker treffen, die durch die Straße von Hormus fahren, überhaupt noch Öl liefern können – Öl, das dann natürlich goldene Preise kosten wird, was zu einer harten und unaufhörlichen Krise der gesamten westlichen Wirtschaft führen wird. Ein wunderbares Bild.

Oder hätte man nicht versuchen sollen, Drohnen irgendwo bei Ternopil oder bei Iwano-Frankiwsk abzuschießen, wenn es einem zu beängstigend war, nach Charkiw zu fahren? Hier haben Sie eine perfekte Illustration dafür, wie die stärksten Staaten im Kampf gegen Barbaren manchmal durch ihre Überheblichkeit alles verlieren und vor unseren erstaunten Augen zugrunde gehen. So ging Rom zugrunde. Natürlich glaube ich nicht, dass es mit den Vereinigten Staaten so sein wird, aber das Beispiel ist sehr vielsagend – für die Unfähigkeit, die Realität zu bewerten.

Deshalb denke ich: Das Erste, was Donald Trump jetzt tun sollte, ist Zelensky anzurufen und zu sagen: „Herr Präsident, helfen Sie uns, aus dieser Situation herauszukommen.“ Und zu sagen: „Wir haben euch doch so geholfen, ihr müsst dankbar sein.“ Nun – es ist unklar, was Trump Zelensky jetzt im Gegenzug anbieten könnte, denn echte Waffen wird er bald nicht mehr haben. Sie werden am iranischen Frontabschnitt zusammen mit den Luftverteidigungssystemen aufgebraucht sein – und diese Systeme werden dann sogar für den Schutz der Vereinigten Staaten selbst fehlen, wenn das in diesem Tempo weitergeht.

Wo und wann Verhandlungen überhaupt stattfinden werden, ist völlig unklar. Offensichtlich nicht in Abu Dhabi, offensichtlich nicht in den nächsten Tagen. Und überhaupt hat Russland das Interesse an diesen Verhandlungen verloren, denn es schaut, was auf dem russisch-ukrainischen „Brett“ infolge des Krieges mit Iran passieren wird. Putin fühlt sich bereits fast als Sieger.

Sie werden fragen: Warum? Iran brennt doch. Nun, Putin denkt nicht an Iran, sondern an Öl und Gas. Er sieht, welche unglaubliche Energiekrise jetzt auf Europa zurollt. Und er wartet, ich würde sagen, auf Loyalitätsbekundungen. Nicht umsonst ist der ungarische Außenminister Péter Szijjártó, ein alter Freund der russischen Führung, von Putin mit dem Orden der Freundschaft ausgezeichnet, sogar nach Moskau geflogen. Und Putin sagt bereits, Russland werde selbst Gasvolumina auf andere Märkte umleiten. Wir verstehen sogar, auf welche: auf die chinesischen.

Die Idee ist sehr einfach: Energieträger vom europäischen Markt abziehen, um eine Energiekrise in der Europäischen Union zu fördern, und zu versuchen, die Chinesen zu überzeugen, dass nur russisches Gas und russisches Öl ihnen Stabilität sichern werden – in einer Situation, in der die Amerikaner bereit sind, Chinas Wirtschaft abzuwürgen, um ihnen die Möglichkeit zu nehmen, venezolanisches und iranisches Öl zu reduzierten Preisen zu kaufen. Und dann kann Putin auch mit Xi Jinping nicht im Ton eines Vasallen sprechen, sondern im Ton eines Retters.

Und natürlich wird ihm in einer solchen Situation der Erfolg zu Kopf steige. Welche Verhandlungen? Welche Verhandlungen, wenn Trumps Krieg ihm den Erfolg buchstäblich auf dem Silbertablett serviert. Und er genießt diesen Erfolg bereits – unter dem „Begleitsound“ der Gespräche, er sei ein unzuverlässiger Verbündeter und könne Iran nicht retten. Warum sollte er Iran retten, wenn das, was rund um Iran passiert, ihm gerade zusätzliche Einflussmöglichkeiten verschafft – so wie übrigens das, was rund um Venezuela passiert ist. Je weniger Möglichkeiten China hat, venezolanisches und iranisches Öl zu kaufen, desto besser für Putin. Denn China, das billiges und nicht besonders hochwertiges Öl für einen großen Teil seiner Wirtschaft und seiner Raffinerien sucht, wird dann keine Alternative außer dem russischen haben.

Und deshalb ist es heute für uns eine sehr gute Nachricht, russische „Öltanker“ zu treffen – weil China dann auch keine russische Alternative haben soll. Dann wird Putin nicht so selbstsicher wirken, wie er und seine Beamten in den letzten Tagen dieses russisch-iranischen Krieges wirken. Und natürlich wird das sehr stark davon abhängen, wie die Islamische Republik selbst am Ende dieses Verlaufs aussehen wird. Dass sich ihre Apparatschiks sehr sicher fühlen, kann ich auch nicht sagen. Das ist klar – unter solchen Bombardierungen, unter solchen Schlägen. Zumindest sind auch alle Gespräche darüber, dass es gelingen werde, schnell einen Nachfolger für Chamenei zu wählen, ins Leere gelaufen – denn die Israelis sagen bereits, dass jeder neue Rahbar ein Ziel der israelischen Armee sein wird.

Und auch eine Sitzung des Expertenrates selbst ist jetzt nicht so einfach durchzuführen. Die Beerdigung Ayatollah Chameneis wird verschoben, und es ist unklar, ob sie stattfinden kann – ob die Iraner bereit sein werden, massenhaft Menschen irgendwo in Maschhad zu versammeln, um eine solche feierliche Beerdigung abzuhalten. Obwohl: Wenn sie Massenopfer unter den Trauergästen anstreben, um dann Amerikanern und Israelis die Schuld zu geben, können sie so etwas ziemlich leicht tun.

Gestern gab es die Meldung, dass der Sohn Ayatollah Chameneis, Mojtaba Chamenei, Oberster Führer geworden sei. Für mich wäre seine Wahl völlig logisch. Warum? Ich habe das in diesen Sendungen im Prinzip schon erklärt – ich kann es wiederholen: Ali Chamenei hat in der Islamischen Republik ein völlig besonderes Machtsystem geschaffen, das nicht dem System ähnelt, das sein Vorgänger Ayatollah Chomeini geschaffen hatte.

Ayatollah Chomeini schuf seine eigene Diktatur des islamischen Klerus. Ayatollah Chamenei aber erhielt reale Macht in seinem Amt – weil er nicht der stärkste Führer der Islamischen Republik war – ausschließlich dank der Unterstützung des Korps der Wächter der Islamischen Revolution. Und so wurde faktisch das Korps der Wächter zur realen Macht im Iran und drängte den islamischen Klerus zurück. Und nun entscheidet genau dieses Korps, wer das neue Staatsoberhaupt sein wird. Mojtaba Chamenei – ebenso wie ein anderer Ayatollah, der jetzt als Übergangsführer dieses Landes gilt, als „vorläufiger Oberster Führer“, was in der Logik der Islamischen Republik eine sehr seltsame Position ist – Ayatollah Alireza Arafi und Mojtaba Chamenei sind beide Menschen, die dem Korps der Wächter der Islamischen Revolution nahestehen.

Es gibt noch einen realen Anwärter: den Enkel Chomeinis – Seyed Hassan Chomeini, der als jemand gilt, der Iran zum Regierungsstil seines Großvaters zurückführen könnte, also zu einem Stil, in dem der islamische Klerus die Zukunft Irans bestimmt und nicht die Führer des Korps der Wächter, die als Radikale gelten, die zur Konfrontation um der Konfrontation willen bereit sind. Und wenn man darüber nachdenkt, ist das für einen solchen Sicherheitsapparat eigentlich völlig logisch. 

Das heißt: Im Iran ist dasselbe passiert, was in Russland in den 1990er- und 2000er-Jahren geschah, als endgültig Leute aus dem ehemaligen Komitee für Staatssicherheit der Sowjetunion an die Macht kamen, das zum Föderalen Sicherheitsdienst der Russischen Föderation wurde. Nun – sie kamen direkt an die Macht. Sie begannen nicht, sich, sozusagen, hinter irgendeinem zivilen Führer zu verstecken, sondern brachten einen FSB-Oberstleutnant auf den höchsten Posten im Land, der in einem Jahr eine steile Karriere vom kleinen Beamten in Jelzins Administration zum Präsidenten Russlands machte. Das bedeutete, dass sie jeden Versuch aufgaben, den Anschein zu erwecken, es gebe in Russland eine wirklich demokratisch gewählte Macht. Nein – dort herrscht der FSB.

Nun, und im Iran herrscht die IRGC, und das muss man einfach verstehen. Aber sie verkünden es nicht. Selbst wenn sie abgestimmt haben, können sie – aus Angst, dass der neue Oberste Führer getötet wird – zuerst nach Möglichkeiten suchen, seine Sicherheit zu gewährleisten. Das ist sehr schwierig in Bedingungen, in denen die Israelis sich an Verkehrskameras angeschlossen haben, in denen Aufklärungsarbeit ziemlich gut organisiert ist, in denen bereits Paranoia herrscht. Einerseits musst du Sicherheit gewährleisten, andererseits musst du bekanntgeben, wer den Staat führt, damit die Gesellschaft versteht, dass der Widerstand gegen die Vereinigten Staaten und Israel bereits in den Händen eines realen neuen Führers liegt, der bereit ist zu kämpfen.

Sie verstehen: Diese Menschen haben eine eigene Unterstützungsbasis, die Wiederherstellung von Legitimität erwartet – und nicht, dass an der Spitze Irans irgendein „provisorischer Rat“ oder „provisorischer Führer“ steht. Dabei wirkt der provisorische Rat so, als treffe er überhaupt keine Entscheidungen. Der Präsident der Islamischen Republik, Masud Peseschkian, ist überhaupt irgendwo verschwunden. Er ist fast nicht präsent. Er macht keine ernsthaften Erklärungen, obwohl er der Präsident der Republik ist. In den Vordergrund trat der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, Ali Laridschani, einer der engsten Vertrauten Ayatollah Chameneis. Aber auch seine Position ist nicht einfach. Er versuchte zweimal, für das Präsidentenamt zu kandidieren. Und zweimal verweigerte ihm dieser Expertenrat, der entscheidet, wer darf und wer nicht, das Recht zur Kandidatur. Das sagt auch viel aus – über die Beziehungen in diesen Strukturen.

So sehen wir: Auf der einen Seite gibt es eine Erosion des Regimes, auf der anderen Seite sehen wir die Fähigkeit dieses Regimes zum Widerstand – denn es kämpft weiter ziemlich ernsthaft, zumindest indem es die Lage in den Ländern des Persischen Golfs destabilisiert. Das ist ebenfalls sehr wichtig. Und es stellt sich die Frage, ob die Iraner genug Kraft haben werden, diese Angriffe fortzusetzen. Das hängt auch damit zusammen, was in den nächsten Tagen geschieht. Haben die Iraner genug Raketen, um weiterhin die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und andere Länder des Persischen Golfs zu terrorisieren?

Übrigens: Laut Statistik wurden 50% aller iranischen Raketen und Shaheds gerade gegen die Vereinigten Arabischen Emirate gerichtet – nicht gegen Israel –, obwohl die Vereinigten Arabischen Emirate keine direkte Beteiligung an den Schlägen der USA und Israels gegen Iran haben, ebenso wenig wie andere Länder des Persischen Golfs. Aber klar ist: Diese Destabilisierung ist eine ziemlich ernste Geschichte, die darauf abzielt, die Iraner zu Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten zu bewegen.

Die Vereinigten Staaten waren auf andere Bedingungen und eigene Bedingungen in den Verhandlungen eingestellt. Und sie können hoffen, dass die Destabilisierung der Lage, die Shahed-Gefahr – all das – zu einem realen Problem für die weitere Entwicklung des amerikanisch-iranischen Krieges für Amerika wird.

In den nächsten Tagen wird also klar sein, ob Iran sein ganzes Potenzial genutzt hat oder nicht – und ob er es auffüllen kann. Denn, wie Sie wissen, spricht die Präsenz von „Geran“-Trümmerteilen auf den Straßen der Städte der Vereinigten Arabischen Emirate dafür, dass Russland dem Iran jetzt seine Drohnen liefern kann – so wie einst Iran Russland Shaheds lieferte. Wenn irgendwelche Versorgungskanäle noch existieren, kann das natürlich für die Amerikaner und die Israelis eine ziemlich ernste Geschichte werden. Für die Amerikaner in erster Linie – weil, wie Sie verstehen, Shaheds Israel über das Territorium mehrerer Länder erreichen, aber wenn es diese Barriere nicht gibt, ist das auch ein ziemlich ernster Punkt.

Und man kann noch einen wichtigen Punkt nennen: Es hat bereits ein vollumfänglicher Seekrieg begonnen. Ein amerikanisches U-Boot hat heute ein iranisches Schiff versenkt. Menschen wurden von Sicherheitskräften aus Sri Lanka gerettet, weil das in den Territorialgewässern oder nahe den Territorialgewässern Sri Lankas geschah. Und auch das zeigt, dass der Krieg neue Drehungen und eine neue Eskalation bekommt – auch auf See. Nun, wir werden sehen, wie sich das in den nächsten Tagen entwickelt.

Das sind, würde ich sagen, die ersten Punkte einer Analyse dessen, was sich im Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen das iranische Regime verändert. Ich werde auf die Fragen antworten, die während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Können die Vereinigten Staaten eine Bodenoperation im Iran mithilfe der Kurden aus dem irakischen Kurdistan beginnen?

Portnikov: Das ist eine gute Frage, denn wie wir verstehen, ist genau diese Idee jetzt eine der wichtigsten in der amerikanischen politischen Denkweise: Man müsse eine Bodenoperation nicht selbst, sondern mit den Händen kurdischer Milizen beginnen. Vertreter der Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten führten Gespräche mit kurdischen Vertretern – sowohl iranischen als auch irakischen. Und genau deshalb hat Iran den Flughafen in der Hauptstadt des irakischen Kurdistan und andere militärische Objekte in diesem Gebiet bombardiert.

Aber hier gibt es gleichzeitig mehrere Fragen.

Erste Frage: Inwieweit berücksichtigen die Vereinigten Staaten den türkischen Faktor in dieser Situation? Und wie könnte das die Position der Türkei zu dem verändern, was im Iran geschehen wird? Das ist ein ziemlich ernstes Problem.

Zweite Frage: Wie sehr sind die Kurden selbst bereit, den Amerikanern zu vertrauen, nachdem die Trump-Administration die syrischen Kurden faktisch fallen gelassen und sie zu Vereinbarungen mit der neuen syrischen Regierung gezwungen hat, die den Kurden, die ihren Quasi-Staat auf syrischem Gebiet unter amerikanischer Schirmherrschaft geschaffen haben, offensichtlich nicht gefallen. Und werden diese Kurden nicht denken, dass die Amerikaner, wenn es ihnen später mit kurdischen Händen gelingen sollte, im Iran eine andere Macht, eine andere Regierung an die Macht zu bringen, ihnen ebenso wenig Aufmerksamkeit schenken werden, wie sie ihnen in Syrien Aufmerksamkeit geschenkt haben? Das heißt: Um real etwas mit den Kurden zu vereinbaren, hätte man sie damals nicht verraten dürfen. Das sind also einige wichtige Begrenzungen für reale Handlungen.

Frage: Wie wahrscheinlich ist Ihrer Meinung nach der Zerfall Irans in nationale Teile – Aserbaidschaner, Kurden, Belutschen? Denn Perser machen nur die Hälfte der Bevölkerung aus.

Portnikov: Das ist eine sehr gute Frage, denn dann wird klar, inwieweit die Iraner in diesen Jahren zu einer politischen Nation geworden sind. Im Prinzip könnte das Auftreten einer Oppositionsfigur wie des Sohnes des letzten Schahs Irans, Reza Pahlavi, tatsächlich eine vereinende Rolle für Menschen verschiedener Nationalitäten im Iran spielen. Denn eine Monarchie, sozusagen, vereint Menschen nicht nach Herkunft, sie ist nicht „persisch“, sondern eine Monarchie aller Bürger Irans. Aber wie wir sehen, ist Trump dieser Idee nicht sehr zugeneigt – so wie er in Venezuela der Idee eines Machtübergangs an die Opposition auch nicht besonders zugeneigt war. Vielleicht, weil er versteht, dass das praktisch unmöglich ist.

Nationale Bewegungen können sich natürlich aus Sicherheitsgründen zeigen: „Wenn wir erklären, dass wir hier nicht Iran sind, dann werden sie uns vielleicht nicht bombardieren.“ Aber dafür muss man irgendeine effektive Verwaltung schaffen. Und wie Sie verstehen, ist das ein großes Problem: Inwieweit können nationale Minderheiten von Worten zu Taten übergehen? Ich denke, das ist realistisch eine Frage, auf die wir keine Antwort kennen, weil Iran die ganze Zeit unter einer brutalen islamischen Theokratie existierte. Und diese Theokratie war übernational.

Inwieweit können die neuen Ereignisse zu einer Stärkung nationaler Bewegungen führen? Das interessiert auch mich, aber ich habe darauf keine Antwort, weil wir mit dem arbeiten müssen, was heute über dieser, sozusagen nationalen, Karte liegt, die wir aus der Geschichte des schahischen Iran kennen.

Frage: Warum verbreitet die russische Propaganda Unsinn darüber, dass Russland nach dem Iran „als Nächstes dran“ sei?

Portnikov: Ganz einfach. Warum? Weil eine solche Propaganda die Notwendigkeit rechtfertigt, die Kampfhandlungen gegen die Ukraine fortzusetzen, und erklärt, warum Putin diesen Krieg überhaupt begonnen hat. Nicht einfach so, sondern weil es ein Präventivkrieg gewesen sei. Weil der Westen einen Plan habe, alle, die nicht mit den Amerikanern einverstanden sind, „über’s Knie zu brechen“. Russland werde das nicht zulassen. Russland kämpfe schon effektiv auf einem Gebiet, das der Westen besetzen wollte. Russland verweigere schon dem Westen Energieträger. Russland gebe schon riesige Summen für den Militärhaushalt aus. „Schaut doch, was mit uns wäre, wenn wir so entspannt wären. Ihr wolltet gut leben – aber gut leben heißt, unter amerikanischer Besatzung zu leben.“ Wozu dient das? Das ist das Aufheizen militaristischer Stimmungen in der Gesellschaft. Übrigens ist das eine ziemlich wichtige Geschichte: In einer ähnlichen Situation kann man Bedingungen für eine Mobilisierung der Bevölkerung schaffen – und nicht nur für diese Söldnerarmee, mit deren Hilfe Putin gegen die Ukraine kämpft. Das kann die Idee hinter dieser Propaganda sein.

Frage: Israel und die Türkei in denselben Schützengräben gegen einen gemeinsamen Feind?

Portnikov: Nein. Wenn es einen Versuch der Kurden im Iran geben wird, auf iranischem Gebiet einen eigenen Quasi-Staat zu schaffen, wird Israel sie unterstützen, und die Türkei wird sie daran hindern. Von irgendeiner Solidarität zwischen Ankara und Jerusalem kann in dieser Frage keine Rede sein. Man sollte das nicht übertreiben. Und übrigens sehen Sie: Die Türkei versucht sich aus der Situation herauszuhalten – selbst wenn iranische Raketen auf ihr Territorium fliegen, verschweigt sie das. Erinnert Sie das an nichts? Journalisten, die das gefilmt und über diese Einschläge berichtet haben, wurden festgenommen.

Frage: Russland macht sich offen über die Vereinigten Staaten lustig, indem es Shaheds liefert und nicht einmal die russischen Aufschriften übermalt.

Portnikov: Das muss keine offene Verspottung sein – vielleicht einfach russische Nachlässigkeit. Warum sollte man es übermalen? Shaheds sind eben Shaheds. Das zeigt natürlich erneut, wie sie seit sowjetischen Zeiten die Form verloren haben. Wissen Sie: Zu Sowjetzeiten vereinbarte die Sowjetunion einmal mit Israel die Lieferung israelischer Orangen in die Sowjetunion. Orangen waren eine Mangelware. Man vereinbarte es. Sie gingen vom Hafen Haifa zum Hafen Odessa. Aber Sie verstehen: Sowjetmenschen durften nicht wissen, dass sie Orangen der verfluchten Zionisten essen. Erstens Zionisten. Zweitens: Was, Juden bauen Orangen an? Das durfte niemals jemand erfahren. Aber die Israelis klebten, wie damals üblich, auf jede Orange oder Mandarine ein Etikett mit ihrer israelischen Markierung – ein kleines Quadrat. Und alle diese russischen Lastkähne, beladen mit diesen Orangen, hielten im Schwarzen Meer an und klebten wochenlang die israelischen Etiketten ab und ersetzten sie durch marokkanische. Und in der Sowjetunion dachten alle, sie essen marokkanische Orangen. Nicht dass es in Marokko keine Orangen gäbe – es gibt sie, und sehr leckere. Aber die Sowjetunion kaufte sie nicht. Sie kaufte israelische – in Marokko kaufte man nur Etiketten. Aber sie kamen darauf, das zu maskieren, obwohl es nur läppische Orangen waren. Und jetzt maskieren sie nicht einmal Drohnen. Sie haben das absolut richtig gesehen. Das ist ein sehr wichtiger Punkt. 

Zuschauer: Guten Abend aus Bnei Brak.

Portnikov: Passen Sie bitte gut auf sich auf in Bnei Brak.

Frage: Glauben Sie, dass arabische Länder sich dem Krieg gegen Iran anschließen werden?

Portnikov: Das ist eine sehr gute Frage, aber das hängt auch von ihrem realen Potenzial ab. Im Prinzip haben sie jetzt wenig Wahl. Sie müssen irgendwie Irans Fähigkeit dämpfen, sie zu beschießen. Aber einige arabische Länder – etwa Bahrain und vielleicht Saudi-Arabien – könnten ihre eigene Straße fürchten. Da gibt es auch den Faktor der arabischen Straße, die offensichtlich den Iranern sympathisiert und den Vereinigten Staaten – und erst recht Israel – nicht sympathisiert. Ich denke, Ihnen als jemandem, der in Bnei Brak lebt, muss man die Haltung der arabischen Straße dazu nicht erklären. Und das kann diese Könige zurückhalten. Zumal wir sehen, dass Iran aktiv Instabilität auf dieser arabischen Straße schürt. In Bahrain ist es ihm bereits gelungen, die ersten Massenproteste zu provozieren. Das kann sie in gewissem Maß zurückhalten.

Frage: Was kann das real für die Ukraine bedeuten? Welche Folgen hätte es für die Ukraine?

Portnikov: Ich habe das schon mehrfach gesagt. Ein kurzfristiger Krieg mit dem Zusammenbruch des iranischen Regimes hätte ausschließlich positive Folgen, ein langfristiger Krieg hätte eine Menge negativer Folgen. Aber andererseits kann die Bedeutung der Ukraine im Sinne des gemeinsamen Kampfes wachsen. Das muss man verstehen: Wir können jetzt nicht über Folgen sprechen, weil wir nicht wissen, wie lange es dauert. Ich hoffe sehr, dass es nicht lange dauert.

Frage: Ist es möglich, dass Iran tatsächlich Shaheds für Russland produziert und jetzt einfach eine Exportcharge selbst verwendet hat?

Portnikov: Das ist übrigens ein gutes, sehr interessantes Argument, an das ich nicht gedacht habe. Vielleicht sind das gar nicht „russische“ Shaheds? Vielleicht produziert Russland zwar etwas in Nabereschnyje Tschelny oder irgendwo sonst, oder in Jelabuga, aber die Hauptmasse der Shaheds wird tatsächlich im Iran hergestellt? Und sie schreiben einfach „Geran“ mit russischen Buchstaben drauf, damit es keine Fragen gibt, dass Iran Shaheds an Russland liefert. Und jetzt, wenn Shaheds ihnen selbst gebraucht werden, beschlossen sie, sie nicht nach Russland zu schicken, sondern selbst zu verwenden. Das ist ein interessanter Gedanke. Und ich bin sehr dankbar für diese Bemerkung, weil ich in diese Richtung nicht gedacht habe – Und es war ein Fehler, dass ich daran nicht gedacht habe.

Frage: Welcher neue militärische Konflikt könnte Russlands Fähigkeit, gegen die Ukraine zu kämpfen, wesentlich schwächen?

Portnikov: Ich denke: ein Konflikt, der Russland zwingen würde, sich auf andere Kriegsschauplätze zu konzentrieren. Aber die Frage ist: Welcher Konflikt kann das jetzt sein? Wo soll er stattfinden? Wo ist dieser Kriegsschauplatz, auf dem Russland einen großen Teil seiner Streitkräfte einsetzen müsste? Deshalb sprechen alle über innere Probleme in Russland, weil es scheint, dass nur innere Probleme Russlands seine Präsenz an der ukrainischen Front irgendwie verringern können. Denn Sie sehen: Russland opfert praktisch alle anderen Ressourcen und Konflikte, um den russisch-ukrainischen Krieg fortzusetzen. Das ist der Punkt.

Frage: Wird dieser Konflikt die Golfstaaten dazu bringen, Schlupflöcher zur Umgehung von Sanktionen zu schließen?

Portnikov: Nein, wird er nicht. Alle diese Führer dieser Länder sprechen ständig mit Putin. Sie hoffen sehr auf Putins Vermittlung in der Iran-Frage. Und mir scheint: Putins Position zu diesem Krieg – wenn er selbst im Gespräch mit arabischen Führern ausschließlich die Amerikaner und Israelis verurteilt und das iranische Bombardement dieser Länder nicht erwähnt – ändert dennoch nichts an ihrer Position. Hoffen Sie also nicht – sie werden ihre Position nicht ändern.

Frage: Bitte erklären Sie die Beziehungen zwischen der Türkei und Iran. Sie sind doch Rivalen. Warum will die Türkei keinen Sturz des iranischen Regimes?

Portnikov: Vielleicht fürchtet sie die allgemeine Destabilisierung der Region, die Unvorhersehbarkeit der Ereignisse, eine große Migrationskrise, über die jetzt viele sprechen – dass man die Türkei wieder überzeugen wird, nicht nur syrische, sondern auch iranische Flüchtlinge aufzunehmen, die zudem Schiiten sind, was für einen sunnitischen Staat sehr gefährlich ist. Und das Wichtigste, wovor die Türkei Angst hat, sind die Kurden. Erdogan hat gerade erst ein gewisses Verständnis mit den türkischen Kurden erreicht, ein gewisses Niveau des Zusammenlebens. Dieses Zusammenleben ist ihm politisch äußerst notwendig, um an der Macht zu bleiben. Und er könnte befürchten, dass das Auftauchen eines kurdischen Staates auf iranischem Gebiet die türkischen Kurden völlig anders positioniert. Hier haben, so seltsam es klingt, die Türkei und Iran einen gemeinsamen Blick auf das Problem: Beide sind multiethnische Staaten, und beide haben das Kurdenproblem als eines der schwierigsten. Das wäre also auch ein ziemlich ernstes Problem. Wir werden beobachten.

Zuschauer: Chinesische Raffinerien sind auf die Verarbeitung von leichtem Öl aus Venezuela, Iran und dem Kaspischen Raum ausgelegt; anderes ist meist schweres Öl mit Paraffin, Schwefel und anderen Zusätzen.

Portnikov: Die Raffinerien der Volksrepublik China verarbeiten gerade nicht leichtes, sondern schweres Öl aus Venezuela. Und in Iran ist das Öl auch nicht wirklich „so leicht“. Aber Sie haben recht: Etwa 25% der chinesischen Raffinerien sind tatsächlich auf venezolanisches und iranisches Öl ausgerichtet. Das ist ein bedeutender Teil der Wirtschaft – 25%, wie Sie verstehen. Wenn diese Raffinerien ohne Rohstoff bleiben, wird das der chinesischen Wirtschaft – die ohnehin durch absolute Fehler während Corona und durch den Handelskrieg mit den Vereinigten Staaten erschöpft ist – nichts Gutes hinzufügen. In dieser Situation, denke ich, verstehen wir das alle sehr gut: Die Chinesen sind sehr unzufrieden mit dem, was rund um Venezuela und rund um Iran geschieht – und mit ihren möglichen Positionen. Deshalb prahlt Putin damit, wie er die Lage „aus der Kontrolle“ nehmen kann.

Ich denke, ich habe heute die wichtigsten Fragen beantwortet. Ich glaube, wir werden noch auf das Thema des Krieges im Iran zurückkommen, weil er noch lange das Hauptthema der Welt bleiben wird – ein Thema, das den russisch-ukrainischen Krieg beeinflussen wird, die Ereignisse an unserer Front und auch den Verhandlungsprozess, falls er plötzlich beginnen sollte.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Війна в Ірані: нова ескалація | Віталій Портников. 04.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 04.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Merz stellt Trump ein Ultimatum | Vitaly Portnikov. 04.03.2026.

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz betonte nach Gesprächen mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump, dass Europa niemals einem Abkommen über die Ukraine zustimmen werde, das hinter seinem Rücken ausgehandelt wird, und dass es keinerlei Vereinbarung ohne die Europäer geben werde.

Friedrich Merz unterstrich, dass er in den Gesprächen mit dem amerikanischen Präsidenten auf eine Verstärkung des amerikanischen Drucks auf Russland bestanden habe und betont habe, dass Russland ohne eine solche Verschärfung niemals einer Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zustimmen werde. Eine derart harte Erklärung des Bundeskanzlers erinnert daran, dass die Länder der Europäischen Union und Großbritanniens tatsächlich über ausreichend starke Argumente verfügen, auf die man im Weißen Haus hören muss.

Selbst wenn man sich vorstellt, dass Trump und Putin über eine Aufhebung der Sanktionen gegen die Russische Föderation im Austausch für irgendwelche Zugeständnisse verhandeln würden, denen der Kreml in der Frage der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zustimmen könnte – ohne die Beteiligung Europas und ohne seine Zustimmung wird es dennoch nicht möglich sein, diese Sanktionen aufzuheben. Ebenso wenig wird es möglich sein, Russland seine eingefrorenen Vermögenswerte, die sich in europäischen Banken befinden, zurückzugeben.

Es kann die Frage aufkommen, warum der Bundeskanzler jetzt zu einem so harten Ton in der Frage der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges übergegangen ist. Früher, wie wir uns erinnern, versuchten die europäischen Führer zumindest öffentlich, den Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht zu verärgern, und stimmten allen seinen Aussagen zu, die mit Hoffnungen auf Vereinbarungen mit dem russischen Präsidenten verbunden waren. Aber auch auf diese Frage gibt es eine verständliche Antwort. Trump befindet sich nicht in einer Position, in der man ihm keine Ultimaten stellen kann. In Bezug auf die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges hat der amerikanische Präsident keinerlei konkrete Erfolge vorzuweisen, die er seinen europäischen Kollegen demonstrieren könnte.

Trump kann natürlich von erheblichen Fortschritten bei den Verhandlungen über ein Ende des Krieges Russlands gegen die Ukraine sprechen. Aber für alle ist offensichtlich, dass der russische Präsident nicht einmal eine Minute über ein solches Ende nachdenkt und die Gespräche mit den Amerikanern lediglich nutzt, um die Kampfhandlungen fortzusetzen – ganz im Einklang mit dem sogenannten „Geist von Anchorage“, der vor allem Friedensverhandlungen vor dem Hintergrund des Krieges Russlands gegen die Ukraine vorsieht.

Auch die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten zu den Zöllen, die Donald Trump während seines berühmten Auftritts im Rosengarten des Weißen Hauses willkürlich eingeführt hatte, hat den amerikanischen Präsidenten eines seiner wichtigsten Argumente im Verhältnis zu anderen Ländern beraubt. Trump war zu Maßnahmen bereit, die sich natürlich negativ auf die amerikanische Wirtschaft ausgewirkt hätten, aber auch auf die Wirtschaften anderer Staaten der Welt. Genau deshalb versuchten die Länder der Europäischen Union, die Folgen seiner Entscheidungen im wirtschaftlichen Bereich abzumildern. Jetzt, da der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten Trumps Zölle aufgehoben hat und der amerikanische Präsident – natürlich ohne besondere Begeisterung – zur Realität zurückkehren muss, können sich auch die Europäer erlauben, mit Trump in der Sprache von Menschen zu sprechen, die keine wirtschaftliche Erpressung durch die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten mehr fürchten.

Ein weiterer Moment, der es dem Bundeskanzler erlaubt, so hart mit dem amerikanischen Präsidenten zu sprechen, ist der Umstand, dass Trump vor dem Hintergrund des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran heute, wenn nicht sofort, dann morgen eine ernsthafte europäische Unterstützung benötigen wird. Denn es wird offensichtlich, dass der Krieg gegen Iran zu einer ernsthaften politischen Prüfung für den amerikanischen Präsidenten wird, dessen Entscheidung, Iran die Möglichkeit zu nehmen, Atomwaffen zu produzieren und sein Raketenprogramm weiterzuentwickeln, von der überwältigenden Mehrheit der Bürger der Vereinigten Staaten selbst nicht unterstützt wird.

Und deshalb wird die Fortsetzung der politischen Karriere nicht einmal so sehr von Trump selbst, sondern von seinen Verbündeten in der Republikanischen Partei vor den Wahlen zum amerikanischen Kongress davon abhängen, wie erfolgreich die weiteren außenpolitischen Schritte des Präsidenten der Vereinigten Staaten sein werden. So können auch die Europäer darauf hoffen, dass Trump gezwungen sein wird, ihnen zuzuhören und zu erkennen, dass er nichts eigenständig mit Putin vereinbaren kann, wenn es keine europäische Unterstützung für solche Vereinbarungen gibt.

Dass die Europäer bereits beginnen, eine gewisse Rolle in den Verhandlungen zu spielen, zeigt schon die Tatsache, dass Berater europäischer Staats- und Regierungschefs für nationale Sicherheit am Ort der letzten Verhandlungsrunde anwesend waren und besondere Konsultationen mit der ukrainischen Delegation führten und damit ihre Unterstützung für die ukrainische Position demonstrierten.

Ich schließe nicht aus, dass – falls die russisch-ukrainisch-amerikanischen Verhandlungen weitergeführt werden, wobei es vor dem Hintergrund des Krieges mit Iran keine absolute Sicherheit dafür gibt – bald auch die amerikanischen Vertreter bei diesen Gesprächen, Steve Witkoff und Jared Kushner, mit den Europäern über deren Position zu den Vereinbarungen sprechen müssen, die bei solchen Konsultationen erreicht werden könnten.

Es kann aber auch eine andere Entwicklung geben, bei der die Europäer den Amerikanern die Notwendigkeit erklären können, zur früheren Formel Trumps zurückzukehren, die viel logischer war als die jetzigen Handlungen der amerikanischen Administration, die faktisch auf eine Unterstützung des Kremls hinauslaufen. Gemeint ist natürlich die Überzeugung des amerikanischen Präsidenten, dass zuerst ein Waffenstillstand erreicht werden muss und erst danach Friedensverhandlungen stattfinden sollten – eine Überzeugung, von der Trump nach seinem persönlichen Treffen mit dem Präsidenten der Russischen Föderation aus bis heute unbekannten Gründen abgerückt ist, was zweifellos zu einem offensichtlichen diplomatischen Triumph des russischen Präsidenten und zu einem offensichtlichen diplomatischen Fiasko des amerikanischen wurde.

Mit ihrer harten Position hinsichtlich ihrer eigenen Beteiligung an den Verhandlungen über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges versuchen die Europäer also, sowohl Trump selbst als auch Vertreter seiner Administration vor den Folgen dieses hoffnungslosen Fiaskos zu bewahren und natürlich der Ukraine zu helfen, ein Verhandlungsergebnis zu erreichen, das nicht wie die von Putin und seinen Verbündeten gewünschte Kapitulation der Ukraine vor Russland im fünften Jahr des zermürbenden russisch-ukrainischen Krieges aussieht.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Мерц висуває ультиматум Трампу | Віталій Портников. 04.03.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 04.03.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Lawrows nukleare Hysterie | Vitaly Portnikov. 03.03.2026.

Der Leiter des russischen Außenministeriums Sergej Lawrow betonte, dass die Operation der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran im Gegenteil den Wunsch der Eliten dieses Landes verstärken könne, Atomwaffen zu erhalten. Gleichzeitig bestreitet Lawrow, entgegen den Fakten, dass der Iran an der Entwicklung von Atomwaffen gearbeitet habe, und betont, dass es bisher keine offensichtlichen Beweise dafür gegeben habe. Obwohl bekannt ist, dass sich die Russische Föderation seinerzeit selbst den Sanktionen gegen den Iran angeschlossen hatte – gerade wegen des offensichtlichen Wunsches des Regimes der Ajatollahs, in den Besitz einer Atombombe zu gelangen.

Lawrow unterstrich außerdem die Unzulässigkeit dessen, dass die Vereinigten Staaten beschlossen hätten, den Iran nur deshalb anzugreifen, weil dieser sich geweigert habe, die Urananreicherung zu beenden, und bezeichnete diese Anreicherung als unveräußerliches Recht des iranischen Regimes. Darüber hinaus stellte der Außenminister der Russischen Föderation die Frage, welche Ziele die Vereinigten Staaten und Israel im Iran eigentlich erreichen wollen, selbst wenn sie vorhaben sollten, so lange zu kämpfen, wie es nötig ist.

Aus diesen Aussagen des Leiters der russischen Diplomatie wird deutlich, was Russland von der weiteren Entwicklung des Konflikts erwartet. In Moskau hofft man, dass es den Vereinigten Staaten und Israel nicht gelingen wird, den Zusammenbruch des Regimes der Islamischen Republik herbeizuführen – selbst nach der Liquidierung ihres langjährigen Führers Ajatollah Ali Chamenei und vieler anderer Vertreter des Regimes. Auf diese Weise würden Moskau und Peking nach dem Ende der militärischen Aktionen im Nahen Osten weiterhin die Möglichkeit behalten, die Führung der Islamischen Republik zu unterstützen und ihr zugleich zu helfen, schneller Atomwaffen zu erlangen, um mit Washington und Jerusalem in einer anderen Sprache zu sprechen – der Sprache eines Staates, der jederzeit bereit ist, Israel zu zerstören und die Sicherheit der Vereinigten Staaten selbst infrage zu stellen.

Die Russische Föderation und China könnten in dieser Situation als Vermittler auftreten, die Washington und Jerusalem bestimmte Sicherheitsgarantien versprechen würden – natürlich im Austausch gegen „gutes Verhalten“, also gegen die Berücksichtigung der Interessen der Russischen Föderation und der Volksrepublik China in jenen Regionen, die sie als ihre eigenen Einflusszonen betrachten.

Dass genau diese Idee derzeit im russischen politischen Führungskreis dominiert, lässt sich bereits an Lawrows Aussagen zum russisch-ukrainischen Krieg erkennen. Der russische Außenminister betonte erneut, man müsse die sogenannten „Realitäten vor Ort“ respektieren, die nicht mit Territorien, sondern mit den Meinungen der Menschen verbunden seien, die auf diesen Territorien leben. Er behauptete sogar, dass der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump während eines Treffens in Anchorage die Notwendigkeit anerkannt habe, diese Realitäten vor Ort zu respektieren.

Lawrow wies auch entschieden den Ansatz zurück, der mit der Gewährung von Sicherheitsgarantien für die Ukraine verbunden ist, um zu verhindern, dass nach dem Ende des gegenwärtigen Krieges ein neuer russisch-ukrainischer Krieg beginnt. Lawrow erklärte, dass jegliche Sicherheitsgarantien für die Ukraine faktisch Garantien für den Erhalt eines „nazistischen Regimes“ seien. Aus den Äußerungen des Leiters der russischen Außenpolitik lässt sich schließen, dass Moskau entschieden gegen solche Sicherheitsgarantien auftreten und ihr Auftreten in jeder Friedensvereinbarung verhindern wird.

Das steht offensichtlich im Gegensatz zu den Aussagen des Leiters des Büros des Präsidenten der Ukraine, Kyrylo Budanov, der zuvor erklärt hatte, dass die Russen bereit seien, jene Sicherheitsgarantien anzuerkennen, die die Vereinigten Staaten der Ukraine gewähren würden. Wie wir aus den Aussagen des russischen Außenministers sehen können, hatte Moskau entweder nie vor, dies zu tun, oder es hat seine Position in der Euphorie über die Ereignisse im Nahen Osten geändert.

Und tatsächlich herrscht dort Euphorie. Viele könnten sich fragen: Was genau feiern Putin, Lawrow und andere in einer Situation, in der ein wichtiger Verbündeter der Russischen Föderation – die Islamische Republik Iran – täglich von Amerikanern und Israelis bombardiert wird?

Erstens feiern sie die Destabilisierung im Nahen Osten. Denn diese Destabilisierung macht die Russische Föderation zum Hauptnutznießer des Krieges gegen den Iran. Bereits jetzt beginnen die Ölpreise rasch zu steigen. Und Putin hofft offensichtlich, den russischen Staatshaushalt, den er so dringend für die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges braucht, durch den Verkauf von Öl zu neuen Preisen aufzufüllen, unter anderem an die Volksrepublik China, die nun offenbar deutlich mehr russisches Öl verlangen wird, um damit jenes Öl zu ersetzen, das nicht mehr aus dem Iran zu chinesischen Raffinerien gelangen wird.

Auch in Indien wird man sich an russisches Öl erinnern müssen und möglicherweise die Versprechen gegenüber den Vereinigten Staaten aufgeben, kein russisches Öl zu kaufen, angesichts der realen Gefahr eines Mangels an Erdölprodukten in den Raffinerien dieses Landes – nicht nur für den Export, sondern auch für den eigenen Binnenbedarf.

Auch auf europäischer Ebene werden die Ölpreise so schnell steigen, dass viele europäische Politiker über alternative Ansätze nachdenken müssen. Zumindest wird nun niemand mehr dem ungarischen Premierminister Viktor Orbán und dem slowakischen Premierminister Robert Fico sagen, sie könnten Öl für ihre Länder über die kroatische Pipeline beziehen – denn in dieser Pipeline wird schlicht kein überschüssiges Öl vorhanden sein.

Somit wird die Europäische Kommission bereits jetzt beginnen, Druck auf die Ukraine auszuüben, den Wiederaufbau der Druschba-Pipeline zu beschleunigen und Ungarn sowie der Slowakei den Zugang zu russischem Öl zu ermöglichen – was wiederum die finanziellen Interessen Putins stärken würde.

Doch es geht nicht nur um Öl. Katar, einer der größten Gasproduzenten der Welt, hat seine Produktion eingestellt, und es ist unklar, wann das Land auf den Markt zurückkehren wird. Auch die Vereinigten Staaten verfügen nicht über die technischen Möglichkeiten, all jene mit Gas zu versorgen, die es angesichts des Marktmangels suchen werden.

Und Putin könnte hoffen – wenn auch vielleicht vergeblich –, dass sich die europäischen Länder angesichts der größten Energiekrise des 21. Jahrhunderts wieder an eine Gaszusammenarbeit mit der Russischen Föderation erinnern werden.

Gerade diese freudige Erwartung einer Katastrophe, von der der Kreml stets lebt, erlaubt es Putins Außenminister, immer dreistere und selbstsicherere Aussagen zu machen – vor dem Hintergrund der Fortsetzung sowohl des russisch-ukrainischen Krieges als auch des Krieges im Nahen Osten.


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Titel des Originals: Ядерна істерика Лаврова | Віталій Портников. 03.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Die Risiken eines „zweiten Krieges“. Vitaly Portnikov. 03.03.2026.

https://vilni-media.com/2026/03/03/ryzyky-druhoi-vijny/?fbclid=IwZnRzaAQUr1lleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEeH90eetEbm4jS2YiFJSLeNyFzYAWAkGP52-Msm8yUyOPe-mzviScZLy4cX3s_aem_91WgPhCq4wFmR5ToLsgbLg

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine ist noch nicht beendet, und im Nahen Osten toben bereits Ereignisse, die zum größten regionalen Konflikt dieses Jahrhunderts geworden sind. Einer der Nutzer sozialer Netzwerke aus der Ukraine veröffentlichte zwei Bilder: Shahed-Drohnen, die am selben Tag Häuser in Dubai und Charkiw treffen. Und er schrieb, dass sich noch vor wenigen Tagen niemand hätte vorstellen können, dass Shaheds gleichzeitig diese beiden Städte angreifen würden!

Tatsächlich müssen wir, wenn wir über Schläge gegen den Iran nachdenken, daran erinnern, dass es sich um ein Land handelt, das all diese Zeit der treueste Verbündete Russlands geblieben ist, ihm in der ersten Phase des Krieges Shahed-Drohnen geliefert und geholfen hat, ihre Produktion auf russischem Territorium zu organisieren. An den Händen des getöteten Ajatollah Chamenei klebt nicht nur das Blut der eigenen Landsleute, die gegen sein brutales Regime kämpften. Und nicht nur das Blut der Israelis, die bei iranischen Angriffen getötet wurden. Sondern auch das Blut von Ukrainern.

Deshalb liegt eine schnelle Niederlage des iranischen Regimes und die Demonstration der Unfähigkeit Russlands, einem weiteren seiner Verbündeten zu helfen – nach dem Sturz der Regimen von Baschar al-Assad und Nicolás Maduro – durchaus im Interesse der Ukraine. Eine andere Sache wäre es, wenn sich der Krieg in die Länge zieht.

Dann wird es zahlreiche negative Folgen geben. Die erste zeichnet sich bereits in der wirtschaftlichen Dimension ab: ein Anstieg der Ölpreise. Für die Amerikaner bedeutet das neue Treibstoffpreise – und folglich höhere Preise für alles – sowie eine Verringerung der Kaufkraft der Bevölkerung. Für Putin hingegen ist es eine weitere Möglichkeit, zumindest ein wenig das „Loch“ im russischen Staatshaushalt zu stopfen. Deshalb liegt es im unmittelbaren Interesse des russischen Präsidenten, dass dieser neue Krieg möglichst lange dauert.

Das zweite Risiko hängt mit Waffen zusammen, insbesondere mit Luftverteidigungssystemen. Eine derart massive Attacke Irans auf die Länder des Persischen Golfs scheint niemand erwartet zu haben. Ja, diese Angriffe können mit dem Wunsch zusammenhängen, amerikanische Militäranlagen in diesen Staaten außer Gefecht zu setzen, doch in Wirklichkeit greift Teheran auch Hotels und zivile Flughäfen an. Auch das erinnert stark an den russischen Ansatz: Wenn ich den zivilisatorischen Wettbewerb verliere, muss ich das Erfolgs- und Entwicklungsmodell meiner Nachbarn zerstören. Und es ist offensichtlich, dass es, sollte das iranische Regime – wenn auch geschwächt – bestehen bleiben, viele Bewerber um Luftverteidigungssysteme und Raketenabwehr geben wird – genau in dem Moment, in dem Russland seine Angriffe auf die Ukraine fortsetzt.

Das dritte Risiko ist eine weitere Ausweitung der Konflikte. Vielen mag es scheinen, dass der Schlag der USA und Israels gegen den Iran in keiner Weise mit dem russisch-ukrainischen Krieg zusammenhängt und auch dann stattgefunden hätte, wenn es diesen Krieg nicht gäbe. Doch hinter dieser Überzeugung steht ein mangelndes Verständnis dafür, wie sehr der Krieg Russlands gegen die Ukraine die Atmosphäre in der Welt und die Bereitschaft sowie Fähigkeit beeinflusst hat, Konflikte auf diplomatischem Wege zu lösen. Wenn wir von einer totalen Konfrontation „zweier Welten“ sprechen, müssen wir verstehen, dass, wenn an einem Abschnitt der Front einer solchen Konfrontation die Situation in eine Sackgasse gerät, die Notwendigkeit entsteht, das Gleichgewicht an einem anderen Ort zu zerstören. Und so weiter – bis hin zu einem globalen Krieg. Oder zu einem Krieg, in dem die Zahl lokaler Konflikte in ihrer Intensität und ihren Folgen dem Dritten Weltkrieg nahekommt.

Auf den zeitlichen Rahmen eines Krieges mit dem Iran können wir keinen Einfluss nehmen. Aber wir können und müssen alles tun, damit unter den Bedingungen eines solchen groß angelegten Konflikts der Krieg Russlands gegen die Ukraine nicht an den Rand des politischen Interesses, der Aufmerksamkeit von Politikern und Medien gerät. Wir müssen an diesen Krieg und seine Verbindung mit dem Konflikt im Nahen Osten erinnern – so, wie es zum Beispiel der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz getan hat, der betonte, dass „der russische Krieg gegen die Ukraine nicht weniger ungerecht ist als die Verbrechen des iranischen Regimes, und dass die Invasion Moskaus in ein friedliches Nachbarland ebenso ungerechtfertigt ist wie der terroristische Krieg, den Teheran seit vielen Jahren gegen Israel führt“.

Daran sollten wir uns alle erinnern – und darüber sprechen.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Ризики «другої війни». Віталій Портников. 03.03.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Die Optik eines globalen Krieges. Vitaly Portnikov. 03.03.2026.

https://blogs.timesofisrael.com/the-optics-of-a-global-war/?fbclid=IwZnRzaAQUCd9leHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEeLEOjKDpaxI1gjejQE2DTIMXUf7LR1OBefAdnubNg_6yGx_0mPVwqVEKQkoQ_aem_0lBho5ZX4xHGhjF6PXQe6g

Viele meiner ukrainischen Leser und Zuschauer fragen mich heute, wovon ich mich leiten ließ, als ich davor warnte, dass wir – und mit uns die Welt – Zeugen und Teilnehmer einer neuen großen Konfrontation werden würden, falls es nicht gelänge, den russisch-ukrainischen Krieg innerhalb von vier Jahren zu beenden. Und einige bestehen schlicht darauf, dass es sich um einen Zufall der Umstände handelt, dass die Vereinigten Staaten und Israel den Iran ohnehin angegriffen hätten – und dass der russisch-ukrainische Krieg damit nichts zu tun habe.

Diese Wahrnehmung der Realität erinnert uns erneut daran, wie schwer es ist, die Logik realer Prozesse zu erfassen – selbst für diejenigen, die sich in ihrem Epizentrum befinden, ganz zu schweigen von Beobachtern. In Israel wurde Russlands Krieg gegen die Ukraine sofort als „nicht unser Krieg“ bezeichnet. Das sagten mir meine Kollegen, informierte israelische Diplomaten und Journalisten, schon in den ersten Wochen nach Putins großem Angriff ins Gesicht. Und meine Hinweise darauf, dass der Iran nicht zufällig „Shahed“-Drohnen an Russland liefert, dass die Ukraine sich in ein Testgelände für das iranische Militär verwandelt, überzeugten niemanden. Nicht einmal der 7. Oktober 2023 überzeugte irgendwen – obwohl hinter dem Angriff auf Israel und den darauffolgenden Ereignissen offensichtlich der Iran stand, der zugleich Verbündeter Russlands blieb.

Nun ist die Ukraine an der Reihe, wo man überzeugt sein kann, dass der Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran „ein anderer Krieg“ sei, der die Aufmerksamkeit der Welt sogar von der Ukraine ablenkt. Und hier gibt es nichts zu bestreiten: Natürlich lenkt er ab. Er kann zudem einen gefährlichen Mangel an Luftverteidigungssystemen verursachen. Und er kann Russland helfen, seinen Haushalt durch steigende Öleinnahmen aufzufüllen.

Und dennoch ist es ein und derselbe Krieg – ein Krieg der wichtigsten Weltmächte um Einfluss und Macht. Russland, das den „Kalten Krieg“ verloren hat und gezwungen war, sich mit der Unabhängigkeit seiner ehemaligen Besitzungen abzufinden, versucht mit brutaler Gewalt Revanche zu nehmen, seine dominierende Rolle in Europa zurückzugewinnen und seinen Einfluss in anderen Weltregionen, insbesondere im Nahen Osten, zu bewahren. China, das gerade dank der Ergebnisse des „Kalten Krieges“ zu einer wirtschaftlichen Supermacht geworden ist, strebt nach politischem Einfluss, der seinem Gewicht entspricht – so, wie es die Führung der Kommunistischen Partei Chinas sieht. Die Vereinigten Staaten, die all diese Jahrzehnte die Avantgarde des kollektiven Westens waren, versuchen diese Rolle zu nutzen, um China einzudämmen und ihren eigenen Einfluss zu stärken. China und Russland hingegen wollen Amerika verdrängen.

Unter diesen Bedingungen ist ein Zusammenstoß unvermeidlich, ebenso wie Angriffe auf jene Staaten, die entweder Verbündete des Westens sind oder es werden wollen. Bereits in den 1990er-Jahren warnte ich, dass, wenn die Ukraine nicht nur ihre Unabhängigkeit ausruft, sondern versucht, ein „wirklich“ unabhängiger Staat mit eigener Außenpolitik zu werden, ihr Konflikt mit Russland nicht lange auf sich warten lassen werde. Und ich war nicht der Einzige, der warnte: Im Kreml gab es eine entsprechende Erklärung bereits am Tag der Unabhängigkeitserklärung der Ukraine!

Auch mit Israel ist alles transparent: Praktisch seit dem Tag seiner Gründung war es für die gesamte arabische Welt und fast den gesamten „globalen Süden“ ein illegitimer Staat. So einflussreiche Länder wie Saudi-Arabien, Pakistan oder Indonesien erkennen ihn bis heute offiziell nicht an.

Es geht also um Angriffe auf Länder, deren Verschwinden von der politischen Landkarte der Welt keine besonderen Emotionen hervorrufen soll. Israel ist für seine Feinde lediglich ein illegitimes Gebilde auf dem Land Palästinas. Die Ukraine ist für jene, die die russischen Ambitionen ignorieren möchten, einfach ein Stück Russland, das aus unerklärlichen Gründen seine Unabhängigkeit erklärt hat. Sie selbst können auf die Weltkarte schauen und neue „verwundbare“ Länder finden. Nehmen wir etwa einen Angriff auf Taiwan: Praktisch niemand stellt die Legitimität der chinesischen Ansprüche grundsätzlich in Frage – sollte Xi Jinping ein Blitzkrieg gelingen, bliebe vielen nur, mit den Schultern zu zucken.

Doch wie Sie sehen, finden keine Blitzkriege statt – und sie werden auch nicht stattfinden, denn in einem Krieg globaler Mächte ist das nahezu ausgeschlossen. Das Paradoxe besteht darin, dass derselbe amerikanische Präsident, der die Ziele des Iran gegenüber Israel versteht, nicht bereit ist, die Ziele Russlands gegenüber der Ukraine und die tatsächlichen Ambitionen Chinas zu begreifen, das sowohl dem Iran als auch Russland hilft. Und genau dieses totale Nichtverstehen schafft Möglichkeiten für eine Niederlage der Vereinigten Staaten in der globalen Konfrontation – unabhängig von ihrem Potenzial.

Denn um zu gewinnen – und sogar um zu überleben – muss man die Optik des Krieges verändern.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: The Optics of a Global War. Vitaly Portnikov. 03.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.03.2026.
Originalsprache: en
Plattform / Quelle: Zeitung
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Eskalation des Krieges: Details | Vitaly Portnikov. 02.03.2026.

Dies ist unsere nächste Sendung, die der Entwicklung der Ereignisse im Nahen Osten gewidmet ist – dem Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Israel einerseits und Iran andererseits; einem Krieg, der seinen Weg zur Eskalation fortsetzt, mit bislang noch unvorhersehbaren Folgen. Was ist das Wichtigste an diesem schwierigen und beunruhigenden Tag? Das Wichtigste ist natürlich die Erklärung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, dass er keine Angst vor einer Bodenoperation gegen Iran habe; dass andere Präsidenten sich davor gefürchtet hätten, dort Truppen einzusetzen, er aber – falls es nötig sein sollte – keine Angst haben werde. Seine Beine würden nicht zittern.

Das ist natürlich in erster Linie ein Signal an die iranische Führung, ein Hinweis darauf, dass die Kalkulationen auf eine schnelle Kapitulation des iranischen Regimes sich nicht bewahrheitet haben. Und jetzt versucht Trump, die Einsätze zu erhöhen. Das ist ebenfalls offensichtlich. Und ich habe in diesen Sendungen gesagt, dass eine Bodenoperation eines der möglichen Instrumente für einen Regimewechsel in einem Land ist, das unter Druck gerät – neben Revolution, Militärputsch und einem Elitenaufstand.

Aber zum heutigen Zeitpunkt würde ich die Möglichkeit einer Bodenoperation der Vereinigten Staaten gegen Iran nicht ernsthaft in Betracht ziehen.

  • Erstens wissen wir nicht, ob die Vereinigten Staaten sich überhaupt auf eine Bodenoperation vorbereitet haben.
  • Zweitens muss man verstehen, dass die Geografie Irans – selbst die Geografie – ernsthafte Probleme für eine angreifende Armee schafft.
  • Drittens muss man begreifen, dass die Zahl der Opfer unter amerikanischen Soldaten im Falle einer solchen Bodenoperation theoretisch dreistellige Zahlen erreichen könnte. 

Und das alles vor den Wahlen zum US-Kongress, die für Donald Trump – im Falle eines Sieges der Demokraten bei den Wahlen zu beiden Kammern des Kongresses – das Ende seiner politischen Karriere und den Beginn neuer strafrechtlicher Verfolgungen bedeuten könnten. Und das ist ihm vollkommen bewusst.

Dazu kommt, dass Umfragen bereits heute zeigen, dass die Mehrheit der Amerikaner eine Militäraktion gegen Iran ablehnt. Und das ist nicht überraschend, denn Trump wurde zum Präsidenten der Vereinigten Staaten als Isolationist gewählt, der nicht zulassen werde, dass die Vereinigten Staaten in neue Kriege außerhalb des Landes hineingezogen werden. Und obwohl er seinen Landsleuten völlig logisch erklärt, dass Iran die Sicherheit der Vereinigten Staaten selbst bedroht habe, werden solche Erklärungen, wie Sie verstehen, nicht zwingend von Menschen angenommen, die ihn gewählt haben, damit es solche Kriege nicht mehr gibt.

Allerdings – um ehrlich zu sein – unterstützen die Republikaner seine Handlungen gegen Iran bislang überwiegend, offenbar etwa 75% der Wähler der Republikanischen Partei. Aber diese Unterstützung kann schnell schrumpfen, wenn der Krieg langfristig wird. Und genau hier stellt sich die große Frage, ob er tatsächlich so sein wird.

Trump sprach heute erneut von drei bis vier Wochen, in denen dieser Krieg andauern könne. Und es stellt sich die logische Frage: Was wird in drei bis vier Wochen sein? Was wird es den Vereinigten Staaten erlauben, die Bombardierung Irans zu beenden?

Ich denke, auf diese Frage ist die Antwort recht leicht zu finden. In Washington könnte man glauben, dass die Desorganisation des iranischen Staates infolge von Raketenangriffen und der Ausschaltung der obersten Führung der Islamischen Republik zu einem Regimewechsel und zum Sieg eines Volksaufstandes gegen dieses Regime führen werde. Aber ich glaube nicht, dass ein Volksaufstand während Raketenbombardements stattfinden kann – dass das gleichzeitig passieren kann. Es ist ungefähr so, als würde man sich vorstellen, dass ukrainische Wahlen während Raketenbombardements stattfinden können.

Und ich habe eine ziemlich wichtige Frage: Was werden die Vereinigten Staaten tun, wenn sich in vier oder fünf Wochen herausstellt, dass das iranische Regime weiter existiert, zu keinerlei Vereinbarungen zu Trumps Bedingungen bereit ist und seine Vorräte an angereichertem Uran behält, die sich sofort nach dem Ende der Bombardierungen in eine Atombombe verwandeln könnten? Und dass an der Spitze dieses Regimes noch radikalere Leute stehen, die bereit sind, den Tod ihrer Kollegen zu rächen – für die Aggression – und die als Rache natürlich einen nuklearen Schlag gegen Israel wählen könnten. Das heißt: genau das, was Trump verhindern will, wird dann möglich. Das heißt, auf die Frage, ob das Weiße Haus irgendeinen Plan für den Fall hat, dass es keinen iranischen Aufstand gibt – oder wenn er einfach von den Anhängern des Regimes niedergeschlagen wird – gibt es bislang kein solches Verständnis.

Aber lassen Sie uns versuchen zu sehen, was Iran in dieser Situation tut. Iran erweitert den Konflikt völlig bewusst und klar. Er tut das, was Donald Trump heute selbst als Überraschung bezeichnet hat: Schläge gegen die Staaten des Persischen Golfs. Das bedeutet – das ist Trumps Eingeständnis –, dass man in Washington auf eine solche Wendung der Ereignisse nicht vorbereitet war; wie ich bereits sagte, hat Iran sowohl die Vereinigten Staaten als auch Israel mit dieser Taktik höchstwahrscheinlich überrascht, weil man sowohl in Washington als auch in Jerusalem gerade mit Schlägen gegen Israel rechnete: Man kalkulierte die Zahl der Raketen, die Zahl der eigenen Abfangraketen, konnte berechnen, wann das alles enden würde, wann Iran keine Möglichkeit mehr haben würde, Israel mit Raketen zu treffen, wie lange man durchhalten müsse. Und das sind absolut richtige Berechnungen, besonders wenn es um das Überleben des jüdischen Staates geht, den Iran grundsätzlich zu vernichten beabsichtigt, sobald er nukleare Fähigkeiten besitzt.

Aber wenn es darum geht, dass ein Teil der Raketen nach Israel geschickt wird und ein Teil in die Staaten des Persischen Golfs, die nicht so geschützt sind wie Israel, dann ist das eine völlig neue – sowohl wirtschaftliche als auch politische – Konfiguration. Wirtschaftlich, weil wir bereits jetzt vor unseren Augen steigende Gas- und Ölpreise sehen, die die Voraussetzungen für eine globale Krise der Weltwirtschaft in den nächsten Wochen und Monaten schaffen. Das alles wird passieren.

Sie sehen, dass der Gaspreis ziemlich deutlich steigt. Katar hat die Gasförderung eingestellt. Die Vereinigten Staaten haben schlicht keine Möglichkeit, sie ernsthaft zu erhöhen und nach Europa zu liefern. Das Gas der Russischen Föderation steht unter Sanktionen. Die Europäische Union wollte bereits buchstäblich im April ein vollständiges Embargo auf russisches Öl verkünden. Jetzt ist die große Frage, ob das überhaupt stattfinden wird – angesichts der steigenden Ölpreise und angesichts dessen, dass es keine Lieferrouten für Öl gibt.

Das ist ein Teil einer realen großen Wirtschaftskrise, die heranzieht. Denn Sie verstehen: Die Erhöhung des Ölpreises und die Verringerung seiner Menge bedeutet höhere Treibstoffpreise, höhere Preise für alles auf der Welt, eine Veränderung der Stimmung der Wähler – keineswegs nur in den Vereinigten Staaten. Und alle sehen das klar vor Augen und fürchten diese Entwicklung.

Politisch ist das ebenfalls eine Katastrophe, weil es der Zusammenbruch der Investitionsattraktivität der Länder des Persischen Golfs ist, in denen das Geld Donald Trumps, seiner Familienmitglieder und einer großen Zahl von Amerikanern und Europäern steckt. Was jetzt in Dubai oder Abu Dhabi geschieht, ist eine echte Katastrophe für die Emirate, für Katar, für Bahrain.

Für Bahrain ist das sogar eine doppelte politische Katastrophe, weil dort eine schiitische Mehrheit unter der Herrschaft einer sunnitischen Dynastie steht, und sieht, wie – sozusagen – ihre Glaubensbrüder in Iran bombardiert werden, und dass ihre sunnitische Dynastie und die Amerikaner sie nicht schützen können. Deshalb kann derjenige, der in Iran einen Aufstand erwartet, vor allem zuvor einen Aufstand in Bahrain erleben. Dort gab es schon Antiregierungsdemonstrationen. Während des Arabischen Frühlings hat diese schiitische Mehrheit die sunnitische Dynastie, die von Saudi-Arabien unterstützt wurde, beinahe hinweggefegt. Und diese Dynastie hält sich auf saudischen Bajonetten, die jetzt womöglich gar nicht eingesetzt werden können, weil die Saudis andere Sorgen haben werden.

Das sind ebenfalls ziemlich ernsthafte Risikoelemente, die – wie ich verstehe – weder in der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten noch im Mossad durchgerechnet wurden; was erneut die Inkompetenz im Verständnis der Lage in der Region aus Sicht des Gegners und seiner Vorbereitung demonstriert.

Dabei gibt es noch einen Moment, den man sehen muss. Zusätzlich zu all diesen Schlägen gegen die Monarchien des Persischen Golfs ist Iran zu Schlägen gegen europäische Stützpunkte übergegangen – sagen wir,, britische auf Zypern, oder französische, oder deutsche. Und Sie können auch sagen, dass das völliger Idiotismus ist. Nein, das ist eine bewusste Taktik. Iran braucht es, dass er diese Basen trifft und dass die Europäer an Angriffen auf ihn teilnehmen, woraufhin eine gewisse Zahl seiner Raketen nach Europa fliegen wird. Iran verfügt über ein bestimmtes Arsenal weitreichender Raketen, die europäische Länder erreichen können. Das wird wieder ein amerikanisches Objekt sein, sozusagen, in Mitteleuropa oder in der Nähe. Und dann werden europäische Länder sehr ähnliche Probleme spüren wie die Monarchien des Persischen Golfs.

Es wird keine massiven Schläge geben, das sage ich sofort, damit nicht der Eindruck entsteht, ich hielte es für möglich, dass Iran eine massive Bombardierung Polens oder Deutschlands organisieren kann. Ich denke, es gibt nicht genügend Raketen, aber eine bestimmte Anzahl kann es geben – auch aus chinesischen oder russischen Lieferungen. Das heißt, auf eine solche Entwicklung, darauf, dass der Krieg nach Europa verlagert wird, muss man sich einfach vorbereiten. In den nächsten Tagen oder Wochen kann das als Folge weiterer Eskalation passieren. Man sollte nicht denken, dass es nur im Nahen Osten bleiben wird.

Natürlich: Wenn man die Entfernung analysiert, die Iran erreichen kann, verstehen wir, dass Nuklearmächten wie Frankreich oder wahrscheinlich Großbritannien in Wirklichkeit nichts droht, und Iran wird sich wahrscheinlich auch nicht mit Nuklearmächten anlegen. Aber Ländern wie Polen und Deutschland könnte es – von der Entfernung her – drohen. Das muss man berechnen. Ich werde nicht so tun, als hätte ich schon gesessen und gerechnet. Das sind nur ungefähre Möglichkeiten. Die Globalisierung dieses Konflikts ist, wie ich schon sagte, unvermeidlich.

Und wiederum: Selbst wenn Iran eine unbegrenzte Anzahl an Raketen hätte – das wissen wir nicht bis zum Ende. Wir werden nur hoffen, dass das zumindest im Mossad bekannt ist, wenn nicht in der CIA – obwohl ich nicht sehr daran glaube –, denn die Zahl der Raketen kann durch chinesische Lieferungen erhöht werden. Und es gibt Drohnen: Wie Sie wissen, wurden die Angriffe auf den britischen Militärstützpunkt auf Zypern in Akrotiri gerade mit unbemannten Apparaten durchgeführt.

Jetzt lassen Sie uns einfach die Ziele der Teilnehmer dieses großen Spiels verstehen.

Die Vereinigten Staaten wollen Iran seiner nuklearen Möglichkeiten und seines Raketenprogramms berauben, ohne eigene Truppen einzusetzen, und hoffen, dass Raketenbombardements automatisch zu einem Regimewechsel durch einen Volksaufstand führen, was kaum realisierbar ist.

Israel will Iran seines Raketen- und Nuklearprogramms berauben, auf jede Weise weitere Handlungen Irans gegenüber Israel unmöglich machen. Natürlich wäre es für Israel wünschenswert, dass das Regime zerstört wird, aber Israel kann nur das tun, was es tun kann.

Aber man muss noch eine Sache verstehen. Trotz all der Komplimente, die der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu Donald Trump sagt, ist ihm das Schicksal Donald Trumps egal. Wenn Donald Trumps Autorität zusammen mit seiner politischen Karriere und der Zukunft der Republikanischen Partei verbrennt, wird Netanjahu das nicht merken, weil er natürlich an seine eigenen politischen Perspektiven denkt, aber vor allem an den Erhalt des jüdischen Staates. Er ist Premierminister Israels, nicht Senator der Vereinigten Staaten. Er nutzt die derzeitige Stimmung von Präsident Donald Trump, um ihn als Instrument zu verwenden, um ein sichereres Leben für Israel zu schaffen.

Das ist einfach ein Instrument. Und natürlich kann man diesem Instrument alles sagen, was es hören möchte. Aber zu glauben, dass in Israel irgendjemand auf Trumps Schicksal Rücksicht nimmt, so wie Trump jetzt darauf Rücksicht nimmt, sollte man nicht. Denn wenn es um das Überleben eines ganzen Volkes geht, spielt Trumps Schicksal keine Rolle.

Jetzt schauen wir uns die Situation an, wie Israel zu den Schlägen gegen die Monarchien des Persischen Golfs steht. Es ist ihm vollkommen gleichgültig. Ja, es stellt mit ihnen irgendwelche normalen Beziehungen her, aber das sind Staaten, die jahrzehntelang Israel zerstören wollten, die nichts mit ihm gemeinsam hatten. Wenn Iran ihre Bedeutung mindert – dann so sei es.

Saudi-Arabien war zusammen mit Israel eines der Länder, die Donald Trump von der Notwendigkeit überzeugt haben, diesen Krieg so schnell wie möglich zu beginnen, solange Iran keine Atomwaffe hat. Warum? Iran ist der Hegemon in der schiitischen Welt, aber ein revolutionärer Hegemon, der auf der Sinnlosigkeit monarchischer Diktaturen besteht. Saudi-Arabien möchte ein konservativer Hegemon in der sunnitischen Welt sein. Und für Saudi-Arabien ist Iran – mit dem es erst kürzlich, vermittelt durch China, die Beziehungen normalisiert hat, wie Sie sich erinnern – ein realer Konkurrent. Wenn dieses Regime nicht mehr da wäre, wäre das wunderbar. Wenn Iran in Ruinen liegt, ist das auch nicht so schlecht. Das mindert zumindest die Gefahr, die für Saudi-Arabien von seiner eigenen schiitischen Minderheit ausgeht, die aus Teheran revolutionär aufgeladen werden kann.

Nun die Frage: Wie reagiert Saudi-Arabien auf den Beschuss der Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrains, Katars und anderer Länder? Nun, Bahrain kann es beunruhigen. Diese Dynastie ist ein realer Verbündeter der saudischen Dynastie. Alles andere kümmert sie überhaupt nicht. Wenn Abu Dhabi und Dubai aufhören, wichtige zivilisatorische Zentren zu sein, wird die saudische Dynastie sich nur freuen. Das sind ihre Konkurrenten. Das ist ein Land, mit dem Saudi-Arabien noch bis zum Tag des Angriffs der Vereinigten Staaten und Israels auf Iran nahezu feindliche Beziehungen wegen Jemen hatte. Für Saudi-Arabien ist es nicht schlimm, wenn es selbst nicht ernsthaft getroffen wird, während sie so getroffen werden, wie es jetzt geschieht. Die Frage ist, ob Saudi-Arabien selbst getroffen wird und wie Iran seine Öllieferungen einschränken kann. Das ist eine andere Frage.

Jetzt die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar. Es tauchen Informationen auf, dass diese Länder eine politische Koalition geschaffen haben, um Donald Trump diskret unter Druck zu setzen, damit er diesen Konflikt beendet, der grundsätzlich mit vollständiger Destabilisierung der Lage im Persischen Golf droht, mit dem Zusammenbruch dieser Länder als wirtschaftlicher Giganten, mit einem deutlichen Anstieg der Ölpreise, dem Verlust von Möglichkeiten zur Öl- und Gasförderung usw. einhergeht. Und ihre Interessen sind nicht so wie die Israels und sogar nicht wie die Saudi-Arabiens. Das sind andere Interessen. Denn man muss auch bedenken, dass es in allen Fällen um autoritäre Regime geht, um Diktaturen – wenn auch eines anderen Typs als Iran –, aber es sind monarchische Diktaturen, die kaum bestehen werden, wenn eine wirtschaftliche Katastrophe eintritt. Es könnte ein paar kleine Irans geben – nur sunnitische – als Ergebnis all dessen. Und sie verstehen das sehr gut. Und sie können das Trump ebenfalls erklären: Sein ganzes Geld wird von Revolutionären nationalisiert, oder er wird selbst mit eigenen Raketen auf den Burj Khalifa schießen müssen.

Die Türkei hält sich von einer realen Teilnahme am Konflikt zurück und verheimlicht darüber hinaus Beschüsse ihrer eigenen militärischen Objekte, weil sie an einer Verringerung der Möglichkeiten der sunnitischen Monarchien interessiert ist, weil sie selbst eine führende Macht der sunnitischen Welt sein will und nichts gegen eine Schwächung sowohl der USA als auch Irans hätte. Daher ist für die Türkei in dieser Situation eine Fortsetzung des Krieges kein Problem, solange er sie nicht direkt betrifft. Zumal die Schwächung Irans und seiner Rolle im Nahen Osten die türkischen Möglichkeiten in Ländern wie Syrien und Libanon stärken kann und die Türkei endgültig in einen Hegemon in diesem Teil der arabischen Welt verwandelt.

Der Libanon befindet sich in einer Lage eines möglichen Kollapses, weil die Hisbollah, die seinerzeit einen Waffenstillstand mit Israel geschlossen hatte, ihn faktisch auf Forderung des Korps der Wächter der Islamischen Revolution gebrochen hat. Soweit ich weiß, wurde klar gesagt, dass es kein Geld geben wird, wenn es keine Destabilisierung Israels gibt. Israel hat wieder begonnen, die südlichen Vororte Beiruts zu bombardieren und die Führer der Hisbollah zu eliminieren. Die libanesische Regierung hat Angst, dass der Libanon wieder in einen fremden Krieg hineingezogen wird, und hat alle bewaffneten Gruppen der Hisbollah für illegal erklärt. Aber es gibt die ernste Frage, ob die libanesische Führung genug Kraft hat, die Hisbollah tatsächlich zu entwaffnen, oder ob im Libanon eine neue Runde des Bürgerkriegs beginnt, der uns aus früheren Ereignissen gut bekannt ist. Die libanesische Regierung selbst ist am Sturz des iranischen Regimes interessiert und glaubt, dass damit auch die Hisbollah zerfällt. Aber es ist unbekannt, ob der Libanon derzeit Möglichkeiten hat, so zu handeln, dass zumindest die Sicherheit des eigenen Staates gewährleistet wird – ganz zu schweigen von Israel.

Russland ist an einem langen Krieg im Nahen Osten interessiert. All diese Gespräche darüber, dass „alle die Hilflosigkeit Russlands sehen werden, das wieder seine Verbündeten nicht geschützt hat“. Nun, sie spucken auf diese Hilflosigkeit, wenn sie dafür Geld haben. Für Russland ist das Wichtigste, dass jetzt die Ölpreise stark steigen, was dem Präsidenten der Russischen Föderation ermöglicht, sein Budget aufzufüllen, um den Krieg gegen die Ukraine in den nächsten Jahren fortzusetzen und jegliche Vorschläge des Westens zu ignorieren, wenn es im Budget das Geld gibt. So ist jeder Tag des Krieges, wenn er einen deutlichen Anstieg der Öl- und Gaspreise bringt, für Russland schlichtweg eine wirtschaftliche Rettung. Wozu Iran retten? Man muss sich selbst retten.

Außerdem kann man in Russland glauben, dass ein langfristiger Krieg der Vereinigten Staaten gegen Iran – ja, wenn Trump sich in einen Konflikt verstrickt, wie Putin sich in der Ukraine verstrickt hat – die Vereinigten Staaten schwächen und eine Analogie zwischen Washington und Moskau in Bezug auf ihre realen Möglichkeiten ermöglichen wird. Und vor diesem Hintergrund wird Russland nicht mehr so hilflos aussehen, wie es heute aussieht. Trump wird Putin nicht mehr sagen können: „Du kämpfst seit vier Jahren und erreichst nichts, wozu kämpfst du?“ – „Und du?“

Deshalb wird Russland natürlich alles Mögliche tun, damit dieser Krieg sich hinzieht. Was es real tun kann, ist eine andere Frage. Aber das ist eine Frage, die die Russen mit den Chinesen besprechen können. Denn egal, was die Chinesen darüber sagen, dass ihnen alles egal sei und dass sie sich an nichts beteiligen – wie Sie wissen, sagen sie das, wenn es um den russisch-ukrainischen Krieg geht. Für beide Länder ist jetzt die richtige Zeit gekommen, um an der Schwächung der Vereinigten Staaten und ihres internationalen Ansehens zu arbeiten. Das ist auch eine völlig verständliche Sache, die man sagen kann, wenn wir diese Situation besprechen, die sich auch in der russisch-ukrainischen Konfrontation entwickelt hat.

Jetzt sprechen wir über die Ukraine aus dieser Perspektive. In Bezug auf die Ukraine muss man klar verstehen: Es gibt zwei Arten von Folgen. Der erste Typ von Folgen ist ein kurzfristiger Krieg. Der zweite Typ von Folgen ist ein langfristiger Krieg. Ich glaube, Sie verstehen das sehr gut, und ich habe darüber bereits gesprochen.

Die Folgen eines kurzfristigen Krieges verstehen Sie alle ohnehin bestens: Das ist ein Erfolg der Vereinigten Staaten, Trumps, Israels, der zivilisierten Welt – von allen. Das iranische Regime bricht zusammen. Russland und China haben keine Verbündeten mehr. Das iranische Öl hört auf, illegal zu sein. Es wird reale Möglichkeiten geben, die Ölströme zu kontrollieren. Das zwingt China und Putin, Trump ernster zuzuhören. Und im Prinzip schafft das möglicherweise sogar die Wahrscheinlichkeit, in absehbarer Zukunft – in den nächsten zwei bis drei Jahren, vielleicht sogar schneller, wenn es gelingt, die russischen Ressourcen zu reduzieren – einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zu erreichen. Das ist ein optimistisches Szenario.

Das pessimistische Szenario: Sie sehen schon jetzt, Nachrichtenagenturen sagen, dass Katar Raketen zur Abwehr iranischer Angriffe für drei bis vier Tage reichen könnten. Und was weiter? Das bedeutet, dass sich in der Welt ein ernsthafter Mangel an Abfangraketen abzeichnet – sowohl an Abfangraketen als auch an Mitteln gegen Drohnen. Zumal das Verständnis, wie man mit Drohnen kämpft, wie Sie sehen, in den Ländern des Persischen Golfs viel geringer ist als bei uns hier. Und wiederum: Wenn Iran Drohnen gegen die Länder des Persischen Golfs mit derselben Intensität einsetzen würde, mit der Russland Drohnen gegen die Ukraine einsetzt, dann müssen wir an die Größe der Territorien und die Größe der bewohnten Gebiete selbst in großen Ländern denken. Sie werden ja nicht die Wüste bombardieren. Und das wird sich auf die Lieferungen an uns auswirken. Im Moment gibt es noch keinen Mangel an all dem. Obwohl es schon vor Beginn dieses Krieges Probleme mit Raketen für die Luftverteidigung gab.

Aber ich erinnere Sie daran: Es gab Fragen – warum haben die Vereinigten Staaten Saudi-Arabien eine solche Menge Raketen geliefert, eben diese Patriots? Wozu brauchte Saudi-Arabien sie? Vielleicht weil Saudi-Arabien – im Gegensatz zum Weißen Haus – verstand, dass ein Krieg der Vereinigten Staaten gegen Iran zu unvorhersehbaren Folgen führen kann. Und jetzt sehen wir, dass Saudi-Arabien, als es diese Patriots eingegraben hat, sich real auf den Krieg vorbereitet hat, und diese Patriots nicht bloß aus Prestigegründen angeschafft hat.

Nun, das ist, wie Sie verstehen, ein Moment, über den man im Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung dieser Ereignisse sprechen kann. Das heißt: Das ist alles unglaublich gefährlich, weil der Konflikt wächst, sich ausweitet, skaliert. Vom Zusammenbruch des iranischen Regimes zu sprechen ist noch sehr früh. In den Vereinigten Staaten sagt man, dass die Angriffe auf Iran sich in der Anfangsphase befinden. Im Iran sagt man, dass alles noch bevorsteht. Im Grunde können wir schon heute, wenige Tage nach Beginn dieses Krieges, der offensichtlich als Blitzkrieg geplant war, davon sprechen, dass wir allmählich in eine langfristige Kampagne auf einem sehr weiten Gebiet eintreten, wo Ereignisse stattfinden, die niemand vorhergesehen hat.

Niemand von denen, die das geplant haben, dachte, dass heute griechische F-16-Jets nach Zypern fliegen würden, um die Luftverteidigung der Insel gegen Iran zu verstärken. Es schien, dass nichts dergleichen passieren könnte. Niemand stellte sich vor, dass es jetzt eine solche Schlacht im Gebiet des Persischen Golfs geben würde und dass dort Luftverteidigung fehlen würde. Niemand rechnete damit, dass der Tod Chameneis nichts ändern würde – weder bei den Planern noch an Irans Bereitschaft, die Angriffe auszuweiten.

Und das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Moment. Und natürlich bedeutet das schlichtweg, dass der Krieg, in dem wir leben, endgültig Teil eines zivilisatorischen Konflikts am Vorabend eines möglichen Dritten Weltkriegs wird. Wir werden hoffen, dass es ihn zumindest nicht geben wird – aber wer weiß. Wie soll man das jetzt genau vorhersagen, wenn wir uns in einem regelrechten Strudel der Ereignisse befinden?

Ich werde versuchen, auf einige Fragen zu antworten, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Portnikov. Hier wird daran erinnert, dass Volodymyr Zelensky vorschlägt, die besten ukrainischen Spezialisten für das Abschießen iranischer Schaheds in den Nahen Osten zu schicken, wenn die Führer der Region Putin davon überzeugen, einem vorübergehenden Waffenstillstand zuzustimmen. Erklären Sie mir, Freunde, wie die Staatschefs der Golfstaaten Putin zu irgendetwas bewegen sollen, wenn ihr Einfluss vor seinen Augen  schwindet – noch dazu, damit die Ukrainer Spezialisten schicken können, um sich gegen iranische Schaheds zu verteidigen. Wozu braucht Putin das? Putin beobachtet mit Vergnügen ihre wirtschaftlichen Probleme. Denn wenn Iran Bedingungen für ihre wirtschaftliche Agonie schafft, ist das nur von Vorteil für Putin. Sie würden am liebsten auch noch Saudi-Arabien beschießen, damit es kein Öl mehr fördern kann.

Sie verstehen ja: Die Gespräche etwa über Ungarn und die Slowakei und die Druschba-Pipeline und darüber, dass sie Öl über die kroatische Pipeline bekommen sollten, werden in der Europäischen Union enden, weil dort schlicht nicht genug Öl verfügbar sein wird. Im Gegenteil: Jetzt werden nicht die Führer der Länder des Persischen Golfs Putin überzeugen, einen Waffenstillstand auszurufen – entschuldigen Sie. Sondern die Führer der EU-Kommission werden Zelensky überzeugen, die Reparatur der Druschba zu beschleunigen. Es werden absolut entgegengesetzte Prozesse geben. Ich verstehe nicht, warum wir das im Ernst für realistisch halten.

Frage: Welche Möglichkeiten bleiben den wohlhabenden Staaten der Arabischen Halbinsel nun noch, ihre Investitionsattraktivität wiederherzustellen, außer dabei zu helfen, das Regime der Ajatollahs zu stürzen? Wird jemand dort investieren, wenn das Regime bleibt?

Portnikov. Das ist eine absolut richtige Frage. Ich denke auch, dass wenn der Krieg mit dem Erhalt des iranischen Regimes endet – selbst wenn es keine Kampfhandlungen mehr gibt –, alle sich daran erinnern werden, dass das iranische Regime direkt vor ihrer Haustür steht, dass die Amerikaner jederzeit erneut eingreifen könnten und die Iraner wieder Abu Dhabi und Dubai ins Visier nehmen würden. Und wie Sie verstehen, haben sie eine völlig ausweglose Situation: Einerseits sagt man aus Iran: „Wenn ihr nicht beschossen werden wollt, entfernt die amerikanischen Basen.“ Wenn sie die amerikanischen Basen entfernen, mindert das ebenfalls ihre Investitionsattraktivität. Andererseits: Was, wenn die amerikanischen Basen sie, wie sich herausstellt, nicht schützen? Also hier gibt es Millionen von Fragen.

Aber wie können sie helfen, das Regime der Ajatollahs zu stürzen? Noch mehr Raketen geben, eigene Truppen nach Iran schicken? Wenn die Vereinigten Staaten das Regime nicht stürzen können, werden sie es auch sicher nicht stürzen können. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait mit Bahrain – kleine Länder mit nicht besonders großer eigener Bevölkerung. Glauben Sie, dass man dann Gastarbeiter auch in der Armee der Vereinigten Arabischen Emirate dienen lassen wird?

Also ja, Sie haben absolut recht. Wenn in Iran kein normales Regime entsteht – wie Sie verstehen, selbst wenn nicht demokratisch, dann vorhersehbar und nicht aggressiv –, dann werden die Länder des Persischen Golfs ernste Probleme haben. Genau deshalb glauben sie – im Gegensatz zu Ihnen –, dass man das so schnell wie möglich beenden müsse, damit das wahre Ausmaß dieser Probleme zumindest vorerst niemand erkennt. Sie hoffen, dass wenn es drei Tage sind, man es vergessen wird. Aber drei Wochen wird man nicht vergessen. Und es ist ungewiss, wie viel in einer solchen Situation noch zerstört werden kann. Das ist nun einmal die Wahrheit.

Frage: Kann China sich die Einbindung Amerikas in den Krieg mit Iran zunutze machen und Taiwan angreifen oder Taiwan aktiv provozieren?

Portnikov. Ich denke nicht, dass die Volksrepublik China in der jetzigen Situation eines, ich würde sagen, wütenden Trump Taiwan angreifen wird, ehrlich gesagt. Aber andererseits wird China aufmerksam beobachten, wie viele Ressourcen die Vereinigten Staaten für den Krieg mit Iran ausgeben werden, um zu verstehen: welche Ressourcen sie überhaupt haben werden, wenn es irgendwelche Zusammenstöße um Taiwan gibt? Das ist eine gute Frage für die Zukunft. Wie viele Ressourcen können sich die Vereinigten Staaten für einen Krieg gegen Iran leisten, ohne ihre Fähigkeit zu verlieren, auf Herausforderungen in anderen Regionen zu reagieren?

Für mich stellt sich vielmehr die Frage, inwieweit das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas bereit ist, die Taiwan-Frage mit Gewalt zu lösen, wenn man den wirtschaftlichen Symbiose zwischen Peking und Taipeh berücksichtigt. Schauen Sie sich einfach an, wie viele Flugverbindungen es täglich zwischen dem Festland und der Insel gibt – und fragen Sie sich: Muss man das wirklich militärisch lösen? Oder nutzt China die militärische Intervention als Instrument der Konfrontation? Das wird immer eine große Frage bleiben.

Aber mir scheint, dass Peking mit Drohungen einer militärischen Intervention nur eine Aufgabe löst: die Nichtausrufung der Unabhängigkeit Taiwans, die Bewahrung des Status quo, in dem in Taipeh und in Peking zwei parallele Regierungen des chinesischen Staates sitzen. Das passt Peking, weil Taiwan, wie Sie wissen, kein souveräner Staat ist, sondern ein Gebiet, das Anspruch auf die Führung über ganz China erhebt. Und Peking ist es sehr wichtig, den Status quo zu bewahren, denn natürlich gibt es auf Taiwan über diese Jahrzehnte immer mehr Menschen, die es nicht als Teil des chinesischen Staates wahrnehmen – Sie haben nie in einem geeinten chinesischen Staat gelebt. Überhaupt nie. Denn bis zu dem Moment, als in China diese Regierung der Republik China unter Chiang Kai-shek erschien, war es ein Gebiet, das unter japanischer Herrschaft stand. Also gab es real keine Einheit. Und China versteht das sehr gut und hält diese Situation so, dass Taiwan diese Einheit formal in Form einer alternativen Regierung bewahrt.

Aber ob man das militärisch lösen muss? Das ist absolut unklar. Die Aufrechterhaltung Taiwans als Feindbild ermöglicht es China, seine militärische Mobilisierung zu legitimieren und faktisch einen permanenten Ausnahmezustand im Land zu rechtfertigen. Das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Moment, den wir im Kopf behalten müssen, wenn wir über einen Krieg Chinas gegen Taiwan sprechen. Das lässt sich eindeutig so sagen.

Frage: Ist das Aufwühlen dieses iranischen Wespennestes tatsächlich zum Nutzen der Ukraine, oder sind die Nebenwirkungen zu groß?

Portnikov. Nun, wiederum: Das wird davon abhängen, wie es endet – mit einem schnellen Sieg oder mit einem langen Krieg. Und außerdem: Hören Sie, in der Welt kann nicht alles ausschließlich aus der Perspektive „zum Nutzen der Ukraine oder nicht zum Nutzen der Ukraine“ entschieden werden. Die Ukraine ist nicht das Zentrum dieser Welt, so sehr wir das auch wollen. Verschiedene Länder haben verschiedene Interessen. Nehmen wir Israel: Es hat das Interesse zu überleben, und für die israelische Führung und das jüdische Volk ist es absolut unzulässig, dass neben Israel im Nahen Osten ein Land existiert, dessen offizielle Ideologie die Vernichtung Israels ist und das eine Atombombe anstrebt. Für Saudi-Arabien ist Iran in seiner jetzigen Form eine Katastrophe, weil dieses Land die ganze Region destabilisiert. Aber ich würde nicht sagen, dass dieses Land ein großes Geschenk für uns ist, oder? Ich erinnere immer: An den Händen von Ajatollah Chamenei ist das Blut der Passagiere des ukrainischen Fluges, der über Teheran durch Raketen abgeschossen wurde. Und das war kein Zufall, verstehen Sie? Die Schaheds, die ukrainische Städte beschossen haben – iranischer Bau – Sie erinnern sich, welchen Beitrag Iran zu diesem Krieg geleistet hat? Also ob man es aufwühlt oder nicht: Solche Regime stärken grundsätzlich diese autoritäre diktatorische Achse, die gegen uns kämpft. Natürlich ist eine Verlängerung des Krieges sehr gefährlich. Aber zu glauben, man könne sich mit Iran einigen, ist – wissen Sie – wie der Versuch, sich mit Putin zu verständigen. Das ist ebenfalls ein wichtiger Moment.

Frage: Können alle Länder, die Iran bombardiert, zusammen dieses blutige Regime zerstören?

Portnikov. Wiederum: Länder können es gemeinsam bombardieren. Sind diese Länder zu einer Bodenoperation bereit – zu einem Krieg mit der iranischen Armee? Das ist Moment Nummer eins. Stellen Sie sich vor: Alle diese Länder fügen einfach Raketen hinzu. Glauben Sie, die Vereinigten Staaten hätten zu wenig Raketen? Nun, ehrlich: Dort reicht es auch für ein paar Wochen, wenn wir ernsthaft sprechen. Und erinnern Sie sich, dass es denselben Effekt im russisch-ukrainischen Krieg gab. Die Russen bombardierten uns erst mit dem, was sie in den Lagern hatten, und dann waren sie gezwungen, zur Produktion überzugehen. Dieser Intervall ist faktisch unvermeidlich. Nun, es kommen vielleicht noch britische oder französische Raketen hinzu. Übrigens: Erinnern Sie sich, dass all diese ракеты, die Großbritannien etwa den Vereinigten Staaten geben wird – irgendwelche Storm Shadow – dann nie auf unseren Tisch gelangen.

Aber niemand wird sagen, dass dadurch das Regime fällt. Noch nie ist ein Regime allein durch Raketenangriffe gestürzt worden, verstehen Sie? Denn Sie werden jetzt anfangen, wie Putin zu denken, der glaubt, er bombt uns und dann ist alles vorbei. Also ist es nicht die Frage der Anzahl der Länder, sondern was diese Länder in der Situation tun werden, die mit der weiteren Entwicklung der Ereignisse verbunden ist. Das ist das Hauptproblem, das aktuell auf der Tagesordnung steht.

Frage: Woher hat Iran so viel Waffen?

Portnikov. Iran hatte immer eine der stärksten Armeen in der Region. Iran hat diese Waffen jahrzehntelang angesammelt. Iran hat mit dem Irak Krieg geführt. Übrigens wollte ich Sie daran erinnern, dass die iranische Armee, die wir sehen, durch die Anstrengungen der Vereinigten Staaten geschaffen wurde – zu Zeiten des Schahs Mohammad Reza Pahlavi. Diese stärkste Armee, sogar mit Flugzeugen amerikanischer Produktion, ging zu Ajatollah Chomeini über und wurde zur Armee der Islamischen Republik. Im Grunde wurde die stärkste Armee eines Verbündeten von den Amerikanern geschaffen. Ja, vielleicht entwickelte sie sich später nicht so intensiv ohne amerikanische Unterstützung, aber sie hatte dennoch Möglichkeiten, sich mit Unterstützung Chinas und Russlands und eigener Technologien zu entwickeln. Und wenn ein Land jahrzehntelang Waffen ansammelt, den militärisch-industriellen Komplex zur Priorität macht und den Menschen eine Verbesserung ihres Lebens verweigert, dann scheint es mir völlig logisch, dass es über ein großes Waffenarsenal verfügt.

Die Hauptfrage ist: wie viele? „Viele“ ist eine abstrakte Phrase. Interessant ist, ob man in Washington, in Jerusalem weiß, wie viele dieser Raketen es real gibt, wie viele Drohnen. Welche Möglichkeiten hat Iran? Wie viele Wochen oder Tage können sie so handeln? Denn Krieg entscheidet sich am Material. Wenn die Vereinigten Staaten und Israel keine Ressourcen zum Beschuss haben, werden sie dennoch gezwungen sein aufzuhören. Wenn Iran keine Ressourcen zum Beschuss hat, wird er auch gezwungen sein aufzuhören. Und die Frage ist: wer erschöpft sich zuerst.

Das ist wie bei uns, nur dass uns der Westen hilft. Und Iran wird natürlich China helfen – aber so, aber so, dass es nicht auffällt, daher ist es keine so effektive Hilfe. Und wiederum: Weil Iran kleine Länder des Persischen Golfs trifft, kann er, bevor er erschöpft ist, dort alles zerstören. Er trifft schon nicht nur Ölraffinerien, sondern Hotels, Flugplätze. Und wiederum: Er kann zuerst erschöpft sein, aber die ganze Region wird schon in Ruinen liegen. Und das müssen die Amerikaner jetzt berücksichtigen, weil sie darauf wiederum nicht vorbereitet waren.

Frage: Bedroht ein potenzielles Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) gegen Trump die Stabilität der militärischen Hilfe für Israel unter Bedingungen eines langwierigen Krieges? Welche Folgen könnte eine Änderung des politischen Kurses des Weißen Hauses für die Sicherheit in der Region haben?

Portnikov. Erstens ist das noch lange hin: Die Kongresswahlen sind erst im November 2026. Der neue Kongress beginnt erst 2027 zu arbeiten. Ein reales Impeachment Trumps kann nur stattfinden, wenn die Demokraten die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses übernehmen. Beide, nicht nur eine. Verstehen Sie? Selbst wenn das passiert, wird es 2027 passieren. Dabei bleibt die Administration republikanisch; an die Spitze der Vereinigten Staaten würde dann der Vizepräsident J. D. Vance treten. Selbst wenn wir uns vorstellen, dass die Demokraten ihm auch ein Impeachment erklären wollen, würde das trotzdem nicht früher als ein Jahr später passieren. Sie können ja nicht sofort. Man braucht irgendwelche juristischen Gründe für ein Impeachment, und nicht einfach : „Wir wollen ein Impeachment – also gibt es eines.“

Also wird sich der außenpolitische Kurs des Weißen Hauses nicht schnell ändern. Ich denke überhaupt nicht. Oder glauben Sie, die Demokraten seien irgendwelche Verbündeten Irans? Aber das Wichtigste: Die militärische Hilfe für Israel ist in amerikanischen Gesetzen festgeschrieben. Sie kann gewährt werden, aber grundsätzlich ist sie gesetzlich begründet, und es gab immer eine parteiübergreifende Unterstützung dieser Hilfe. Nur die Biden-Administration konnte glauben, dass die israelische Regierung in Gaza zu radikal handelt. Trump spricht darüber nicht, aber erinnern Sie sich, dass eine große Zahl demokratischer Wähler gerade nicht für Kamala Harris gestimmt hat, weil sie meinte, die Unterstützung Israels durch die Biden-Administration sei zu stark gewesen. Also wird es hier keine Änderung des außenpolitischen Kurses geben. Und die Republikaner werden zumindest in den nächsten zwei Jahren – selbst wenn es ein fantastisches Impeachment Trumps mit demokratischer Kontrolle beider Kammern gäbe – nirgendwo verschwinden. Das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Moment, den man beachten muss.

Frage: Wenn es ein Kampf von Diktaturen gegen Demokratie ist – auf welcher Seite sollten die Diktaturen des Persischen Golfs stehen, wie Saudi-Arabien, die VAE, Katar, Kuwait, Bahrain?

Portnikov. Auf der Seite der Demokratie. Das ist kein linearer Prozess. Immer, wenn es einen Kampf zwischen Diktaturen und Demokratie gibt, stehen einige Demokratien auf der Seite von Diktaturen, und einige Diktaturen auf der Seite der Demokratie. Denn oft versuchen stärkere Diktaturen, kleinere auszubeuten und sich deren Eigentum anzueignen. Das ist ein Naturgesetz. Andererseits haben die westlichen Demokratien dank dem den Zweiten Weltkrieg gewonnen, dass eine Diktatur die andere angegriffen hat. Es gab ja keinen vollständigen Bund der Diktaturen – Sowjetunion, Italien und Deutschland. Und hier ist es ähnlich. Betrachten Sie das faktisch als Analogie dieser ganzen Geschichte. Andererseits unterstützt das demokratische Indien, wie Sie verstehen, die amerikanischen Handlungen in Iran nicht. Also sollte man die Situation nie zu sehr vereinfachen. Demokratische Länder können im Lager autoritärer Staaten sein und deren Interessen berücksichtigen, und umgekehrt.

Wir werden beobachten, wie sich dieser Prozess entwickeln wird. Er wird sich dramatisch entwickeln. Das sage ich Ihnen sofort: Es wird noch so manche wichtige Nachricht und ernsthafte Wendung geben. Und für uns ist das von großer Bedeutung, denn – ich wiederhole – der Ausgang dieses Prozesses wird unseren Krieg maßgeblich beeinflussen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Ескалація війни: подробиці | Віталій Портников. 02.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 02.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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uebersetzungenzuukraine.data.blog
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