Hysterie der Fanatiker: In Russland wird wieder mit der „Atombombe“ gedroht | Vitaly Portnikov. 30.08.2026.

Der Abgeordnete der Staatsduma der Russischen Föderation und Vorsitzende der faschistischen Partei Rodina, Alexej Schurawljow, hat den Kreml dazu aufgerufen, im Krieg gegen die Ukraine taktische Atomwaffen einzusetzen.

Der russische Abgeordnete betonte, der Einsatz solcher Waffen sei eine Pflicht der Russischen Föderation, und führte als positives Beispiel die japanisch-amerikanischen Beziehungen an: Japan sei nach den Atombombenabwürfen zu einem treuen Verbündeten der Vereinigten Staaten geworden. Den Ukrainern warf Schurawljow dagegen vor, undankbar für all das zu sein, was die Russen während der Existenz der unheilvollen Sowjetunion für sie getan hätten.

Wie wir also sehen, werden die Einschüchterung der ukrainischen Zivilbevölkerung und die Drohung mit Atomschlägen zu einem wichtigen Bestandteil des russischen Wahlkampfs. Ich möchte Sie daran erinnern, dass diese Leute gerade Wahlen haben und mit ihren menschenverachtenden, kannibalistischen Äußerungen versuchen, nicht nur die Aufmerksamkeit ihrer Kuratoren im Kreml, sondern auch die potenzieller Wähler auf sich zu ziehen.

Gestern rief der Abgeordnete der Staatsduma der Russischen Föderation und sogar Vizepräsident der Staatsduma von der Partei Einiges Russland, Pjotr Tolstoi, zu Angriffen auf die Zivilbevölkerung auf, um die Ukrainer einzuschüchtern und sie zur Kapitulation vor Russland zu zwingen. Er betonte, auf dem Territorium der Ukraine gebe es keine Unschuldigen mehr. Angriffe der russischen Armee auf Zivilisten und Wohnviertel seien somit aus der Sicht der Fortsetzung des Krieges völlig richtige Maßnahmen.

Nun aber spricht der Abgeordnete einer anderen russischen politischen Partei, Schurawljow, der in der Staatsduma Gerechtes Russland vertritt, davon, dass taktische Atomwaffen eingesetzt werden müssten und dass auch dies ein logischer Schritt zur Fortsetzung des Krieges sein müsse.

Und hier stellt sich eine durchaus naheliegende Frage: Was geschieht eigentlich mit der russischen Gesellschaft, wenn Kandidaten für die Staatsduma der Russischen Föderation hoffen, ihren Wählern zu gefallen, indem sie menschenverachtende, kannibalistische Parolen verkünden, zum Einsatz von Atomwaffen aufrufen und vorschlagen, die Zivilbevölkerung von Kyiv und anderen ukrainischen Städten anzugreifen – und wenn all das beim Wähler gut ankommen soll?

Was ist also mit diesem Wähler los und was übrigens mit den russischen Oppositionellen? Ich möchte daran erinnern, dass einige von ihnen die absurde Parole von Julia Nawalnaja unterstützt haben, für jeden beliebigen Kandidaten zu stimmen, solange er kein Vertreter von Einiges Russland ist. Was bedeutet das also? Dass man, wenn man oppositionell eingestellt ist, in Russland nun für einen solchen Kannibalen wie Schurawljow stimmen soll, der vorschlägt, die Ukrainer mit taktischen Atomwaffen anzugreifen?

Aber das ist wohl eher eine rhetorische Frage. Wir haben uns bereits davon überzeugen können, dass viele Vertreter der russischen Opposition im Ausland die Realität, in der sich ihr eigener Staat befindet, schlicht nicht begreifen. Vielleicht wollen sie auf diese Weise aber auch potenziellen Wählern gefallen, indem sie Kandidaten unterstützen, die zwar formal nicht die Partei der Macht vertreten, im Grunde aber in den Medien all die schrecklichen Narrative Putins wiederholen.

Natürlich verstehen wir sehr gut, dass all diese kannibalistischen Äußerungen, die sowohl Putin als auch der Präsidialverwaltung der Russischen Föderation gefallen sollen, zugleich eine Demonstration der Verzweiflung sind. Russlands Krieg gegen die Ukraine dauert seit viereinhalb Jahren an. Inzwischen ist er auch auf das Territorium der Russischen Föderation gekommen und verursacht ernsthafte Probleme für das Funktionieren der Wirtschaft des feindlichen Staates und für das Leben jedes einzelnen Bürgers, der bei den Wahlen zur Staatsduma für die nächsten vom Kreml aufgestellten Gauner stimmen wird.

Und die Menschen, die die russische Staatsmacht vertreten, bieten ihrer Gesellschaft keinen Frieden an. Statt ehrlich zu sagen, dass der Angriff der Russischen Föderation auf die Ukraine 2014 und später 2022 ein nationales Verbrechen, eine Schande für die Russische Föderation und eine Schande für jeden ihrer Bürger war, der sich seiner Verantwortung für das Handeln des eigenen Staates bewusst ist, schlägt ein solcher Pseudopolitiker vor, den Krieg fortzusetzen, die Eskalation zu verschärfen und die Zivilbevölkerung niederzumachen.

Für die Ukrainer sollte dies ebenfalls ein ziemlich wichtiges Signal sein, vielleicht sogar ein noch bedeutenderes als für die Bürger der Russischen Föderation. Denn wir sehen, mit wem wir es tatsächlich zu tun haben, wenn wir Vorschläge hören, sich mit Putin oder mit der russischen Führung als solcher zu verständigen, wenn wir zu glauben beginnen, dass wir einfach nicht genügend diplomatische Anstrengungen unternehmen, um den Russen das anzubieten, was sie brauchen, damit sie uns endlich in Ruhe lassen.

Nach solchen Äußerungen von Schurawljow und Tolstoi müssen wir begreifen, dass sie sich mit niemandem verständigen wollen, sondern nur töten wollen, dass sie zu jedem Verbrechen bereit sind, nur um ihre vermeintliche Größe unter Beweis zu stellen. Dass sie sich nicht selbst als Verbrecher, Mörder, Vergewaltiger und Menschenfresser betrachten, sondern die Ukrainer für undankbar halten – undankbar für all das, was sie Ukraine angetan haben und was sie mithilfe von Atomwaffen noch zu tun versuchen werden.

Diese unglaubliche Schande und diese unglaubliche Katastrophe des russischen politischen und gesellschaftlichen Denkens müssen uns noch einmal daran erinnern, dass die Ukraine, um zu überleben und ihre Bürger zu schützen, diesen schwarzen Ansturm zurückschlagen und diesen schrecklichen Menschen die Möglichkeit nehmen muss, ihre Absichten in die Tat umzusetzen: mithilfe der ukrainischen Armee, die diese Menschenfresser aufhält, mithilfe der internationalen Gemeinschaft, die ihren Druck auf Russland bis hin zur endgültigen Zerstörung der Möglichkeiten der russischen Wirtschaft verstärken muss, und mithilfe unseres eigenen gesunden Menschenverstands, der nach solchen Äußerungen erneut aktiviert werden muss.

Wir müssen uns noch einmal darüber klar werden, dass man mit einem Wahnsinnigen nicht verhandeln kann, damit er einen nicht umbringt, und dass dies für ihn das grundlegende Handlungsmuster und die Grundlage seiner Vorstellung davon ist, wie man sich in diesem Leben verhalten sollte. Und wie wir sehen, gibt es keine rote Linie, die die Russen in ihrem Kampf für die Wiederherstellung ihres eigenen Pseudoimperiums und für die Zerstörung der ukrainischen Staatlichkeit und der ukrainischen Identität nicht zu überschreiten bereit wären.

Die Aufrufe des Vorsitzenden einer faschistischen Partei, der weiterhin in der Staatsduma sitzt und natürlich hofft, auf Beschluss des Kremls wieder dorthin gewählt zu werden, sind ein weiterer offensichtlicher Beleg für diese Haltung des heutigen Russlands gegenüber der Ukraine, der zivilisierten Welt und dem menschlichen Leben selbst.


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Titel des Originals: Істерика маніяків: у Росії знову погрожують «ядеркою»| Віталій Портников. 30.08.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 30.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Putin hat Angst vor Orcas | Vitaly Portnikov. 29.08.2026.

Putins jüngster Auftritt vor russischen Lehrern wurde unerwartet zu einer echten Sensation, weil er den psychischen und psychologischen Zustand eines Menschen offenbarte, der täglich den Befehl erteilt, die Ukraine zu bombardieren, unsere Landsleute zu töten und Wohnviertel zu zerstören. Eines Menschen, der sich darauf vorbereitet, nicht mehr nur gegen die Ukraine, sondern auch gegen unsere europäischen Nachbarn Krieg zu führen, der die Europäische Union und die NATO zerstören will und gegen die zivilisierte Welt kämpft.

Und was will dieser Mensch, dass die Lehrer den russischen Kindern erzählen? Was gibt er als Erklärung für die Ursachen des blutigen Krieges Russlands gegen die Ukraine aus?

Es stellt sich heraus, dass in der Arktis Orcas über Bären herfallen und sie fressen. Dem Bären bleibe also gar keine andere Möglichkeit, als sich gegen einen solchen Angriff zu verteidigen. Eine recht einfache und wirkungsvolle Erklärung für die russische Aggression gegen unser Land.

Nur fressen in Wirklichkeit keine Orcas irgendwelche Bären. Putin hat sich das ausgedacht. Oder es ist einfach Teil seiner mangelhaften Bildung. Denn wir sind schon mehrfach mit Situationen konfrontiert worden, die gezeigt haben, dass der amtierende russische Präsident nicht nur in Wirklichkeit nicht an der juristischen Fakultät der Petersburger Universität studiert hat, die er formal abgeschlossen hat, sondern auch in der Schule Informationen offenbar nicht besonders ernst genommen hat.

Darüber gibt es auch die Erinnerungen seiner Lehrerin, die wohl eher mit dem Ziel geschrieben wurden, zu zeigen, was für ein wunderbares Kind der kleine Wolodja Putin gewesen sei, in Wirklichkeit aber zeigten, wie ungebildet der künftige russische Präsident schon als Kind war. Dass Putin keine Ahnung von Zoologie hat, haben wir also gesehen.

Wir haben auch gesehen, dass er versucht, die politische Realität zu verfälschen. Denn den Bären hat niemand angegriffen, keine Orcas. Die Ukraine hatte niemals den Wunsch, einen Krieg mit der Russischen Föderation zu beginnen.

Mehr noch: Putin war noch vor der Annexion der Krim und dem Beginn des nicht erklärten Krieges im Donbas der beliebteste Politiker bei der Mehrheit der Ukrainer. Die Ukraine war ein blockfreier Staat. Die europäischen Länder wünschten eine fruchtbare wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation. 

Es wurden Gaspipelines gebaut, die Gazprom, damals der wichtigsten Geldquelle Putins persönlich und seiner gesamten Bande, über Jahrzehnte hinweg enorme Einnahmen sichern sollten. Länder wie Deutschland waren der Ansicht, dass gerade eine solche Zusammenarbeit mit Russland das Land von jeglichen aggressiven Absichten abhalten und zusätzliche Impulse für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft schaffen würde.

Und dann entschied Putin, dass ihm all das nicht genügte, dass er Krieg führen müsse, um sein Land wieder in das alte sowjetische Imperium zu verwandeln. Nein, das war nicht die Antwort eines Bären auf Orcas. Es war der Wunsch, alles ringsum zu zerstören und dies mit einer erfundenen Aggression zu rechtfertigen.

Und wie wir wissen, versuchen russische Propagandisten übrigens bis heute davon zu überzeugen, dass die Ukraine selbst im März die Russische Föderation angegriffen hätte, wenn Russland seine Kriegshandlungen gegen die Ukraine nicht im Februar 2022 begonnen hätte.

Das erinnert mich sehr an die Rechtfertigung der sowjetischen Aggression gegen Afghanistan, als sowjetische Truppen – übrigens auf Ersuchen der damaligen afghanischen Führung – in dieses Land einmarschierten, den moskautreuen afghanischen Machthaber Hafizullah Amin töteten und einen blutigen, ein Jahrzehnt dauernden Krieg gegen das afghanische Volk begannen.

Auch die sowjetischen Propagandisten erklärten ihren Landsleuten, wenn dieser Angriff der Sowjetunion nicht stattgefunden hätte, hätten am nächsten Tag die Amerikaner Afghanistan angegriffen. Dabei dachten die Amerikaner damals nicht einmal daran, sich in die politischen Ereignisse in einem Land einzumischen, das seit Langem Partner der Sowjetunion war – sowohl unter jenen Machthabern, auf deren Ersuchen die Sowjetunion ihre Truppen nach Afghanistan entsandte, als auch zu Zeiten des Königreichs Afghanistan, als die sowjetische Invasion noch Jahrzehnte entfernt war und bereits jahrzehntelange bilaterale Beziehungen bestanden.

Und mit der Ukraine ist es praktisch dieselbe Geschichte. Es gab keinerlei Gründe für die russische Aggression. Heute wird Russland angeboten, seinen blutigen Krieg gegen die Ukraine zu beenden – jetzt, da bereits die russische Wirtschaft unter diesem Krieg leidet, da ukrainische Angriffe die russische Ölverarbeitung zerstören und die Möglichkeiten russischer Unternehmen einschränken und da mit jedem weiteren ukrainischen Angriff – deren Zahl nur zunehmen wird – auch die Zahl der Arbeitslosen in Russland steigen und die Zahl derjenigen sinken wird, die sich in ihrem eigenen Land noch eine Zukunft aufbauen können.

Anstatt den Russen zu erklären, wozu er all das in Wirklichkeit tut und warum er damit weitermacht, obwohl er selbst aus der Sicht einer rein formalen politischen Logik für einen Waffenstillstand sorgen müsste, erzählt Putin von Orcas und Eisbären. Das ist tatsächlich der Zustand, in dem er sich seit einigen Jahren befindet.

Ein Mensch, der nur deshalb zufällig Präsident der Russischen Föderation wurde, weil man in der Familie seines Vorgängers Boris Jelzin glaubte, Putin könne den Mitgliedern dieser Familie Garantien für ihre finanzielle und persönliche Sicherheit geben. Ein Mensch, der sich niemals auf eine wirkliche politische Karriere vorbereitet hatte. Ein Mensch, der während seiner Tätigkeit in hohen Ämtern vor seiner Präsidentschaft versuchte, die Interessen des Föderalen Sicherheitsdienstes seines Landes umzusetzen, und bis heute glaubt, er befinde sich als Präsident lediglich auf einer Dienstreise. Putin wirkt nicht wie jemand, der die Folgen seines Handelns tatsächlich begreift. Doch die grenzenlose Macht über 26 Jahre hinweg hat aus ihm tatsächlich ein wahres politisches Monster gemacht, das überhaupt nicht mehr daran denkt, dass es Menschen gibt – mit ihrem Leben, ihren Interessen und ihren Zukunftsperspektiven.

Putins gesamte Aufgabe konzentriert sich inzwischen darauf, aus den neuen Generationen von Russen seelenlose Roboter zu machen. Roboter, die bereit sind, auch weiterhin zu töten, zu plündern, zu bombardieren, zu vergewaltigen und all das zu tun, was 2022 in Butscha getan wurde. Das zu wiederholen, was 2026 in Butscha getan wurde, Tötungsinstrumente zu sein, die jederzeit eingesetzt werden können.

Und damit diese Kinder an Putins Wahnvorstellungen glauben, werden Mythen erfunden, die weder mit Politik noch mit Zoologie irgendetwas zu tun haben. Mythen, die es erlauben, sich über Putin und seine Kompetenz lustig zu machen, doch dem Präsidenten der Russischen Föderation selbst scheint es völlig gleichgültig zu sein, wie man seine jüngsten Äußerungen aufnimmt.

Denn die Teilnehmer der Begegnung reagierten überhaupt nicht auf diese Rede ihres Präsidenten. Keiner der Lehrer, die sich in dem Saal befanden, in dem Putin sprach, nicht einmal der Teilnehmer der Arktisexpedition selbst, wagte es, den Machthaber der Russischen Föderation in irgendeiner Weise zu korrigieren und ihm zu erklären, dass man Biologie und Zoologie lernen muss, dass der Bär keine Orcas zu fürchten braucht und dass ihm in seinem natürlichen Lebensraum in Wirklichkeit nichts droht, dass vielmehr nur er selbst faktisch eine Bedrohung für seine Umwelt darstellt.

Aber natürlich würde jeder, der Putin diese einfache Wahrheit über den Eisbären erklären wollte, sofort zum Feind des russischen Präsidenten, zum „ausländischen Agenten“, zu einem Menschen, der seine Tage im Hohen Norden beenden soll, irgendwo in den zahlreichen Strafkolonien, die das russische Regime errichtet, um gegen Andersdenkende vorzugehen.

Doch über Putins Psyche und seinen Zustand wissen wir jetzt wesentlich mehr als vor dieser Begegnung mit den Lehrern.


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Titel des Originals: Путін злякався косаток| Віталій Портников. 29.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.08.2026.
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Angriff auf Leipzig: Deutschland bereitet einen Schlag gegen Russland vor | Vitaly Portnikov. 29.08.2026.

Schon in nächster Zeit bereitet sich Bundeskanzler Friedrich Merz darauf vor, Russland zu beschuldigen, den Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig organisiert zu haben, und die Einführung neuer ernsthafter Maßnahmen gegen die Russische Föderation anzukündigen – sowohl im Hinblick auf wirtschaftlichen Druck als möglicherweise auch auf eine Verstärkung der Militärhilfe für die Ukraine. Die Maßnahmen könnten so weitreichend sein, dass deutschen Medien zufolge im Bundeskanzleramt bereits von einer neuen grundlegenden Wende in der deutschen Außenpolitik die Rede ist.

Die erste derartige grundlegende Wende fand 2022 statt, als Friedrich Merz’ Vorgänger im Amt des Bundeskanzlers, Olaf Scholz, vor dem Hintergrund des unprovozierten Angriffs des Putin-Regimes auf die benachbarte Ukraine eine erhebliche Veränderung der deutschen Außenpolitik gegenüber Russland ankündigte. Damals begriff man in Berlin, dass man sich von der Politik der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation verabschieden müsse, dass sich die Vorstellung als falsch erwiesen hatte, eine solche wirtschaftliche Zusammenarbeit könne Wladimir Putin von aggressiven Handlungen gegenüber den Nachbarstaaten abhalten, und dass Expansion, Aggression und Verbrechen für das russische Regime eine weitaus attraktivere Handlungsstrategie darstellen als Geschäfte und die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage im eigenen Land.

Seitdem wird die Militärhilfe für die Ukraine ausgeweitet, während die Wirtschaftssanktionen der Europäischen Union gegen die Russische Föderation sowohl von Bundeskanzler Olaf Scholz als auch von seinem Nachfolger Friedrich Merz energisch unterstützt werden. Doch diesmal können wir davon sprechen, dass Russland zu direkten militärischen Aktionen gegen europäische Länder übergegangen ist. Es ist völlig offensichtlich, dass das Auftauchen von Drohnen am Flughafen Leipzig lediglich der Vorbereitung neuer groß angelegter Angriffe gegen europäische Staaten dient. Und die Drohnen tauchen nicht ausschließlich deshalb auf, um jemanden einzuschüchtern, sondern um herauszufinden, wie realistisch es ist, militärische Objekte zu treffen – insbesondere solche Objekte, die der Unterstützung der Ukraine in ihrem Kampf gegen die russische Aggression dienen.

Man kann also sagen, dass Berlin gezwungen ist, gegenüber Russland eine aktivere Haltung einzunehmen und über einen deutlich stärkeren Druck auf die russische Führung nachzudenken. Mögliche neue deutsche Maßnahmen sollen mit der Vorbereitung eines weiteren umfangreichen Sanktionspakets der Europäischen Union gegen die Russische Föderation zusammenfallen. Und obwohl die bisherigen Sanktionspakete keine wesentliche Veränderung der russischen Politik bewirkt und Wladimir Putin lediglich dazu veranlasst haben, über die Fortsetzung der Konfrontation mit Europa nachzudenken, besteht diesmal vor dem Hintergrund ukrainischer Angriffe auf Einrichtungen der russischen Wirtschaft die Hoffnung, dass neue Sanktionen dazu beitragen werden, die wirtschaftliche Gesamtlage Russlands zu verschlechtern und Moskau die Mittel zu entziehen, die es zur Fortsetzung seiner aggressiven Handlungen gegen die Ukraine und zur Vorbereitung einer Aggression gegen europäische Länder benötigt.

Dass eine solche Aggression tatsächlich vorbereitet werden könnte, wird auch durch die jüngste Reise des Direktors der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten, John Ratcliffe, nach Moskau deutlich. Obwohl die Administration von US-Präsident Donald Trump zu vermitteln versucht, dieser Besuch habe eher routinemäßigen Charakter gehabt, sind sich Beobachter in Europa darin einig, dass gerade Informationen über Russlands Vorbereitung eines hybriden Krieges gegen die europäischen NATO-Mitgliedstaaten den Direktor der Central Intelligence Agency dazu veranlassten, in die russische Hauptstadt zu fliegen und mit den Leitern der Geheimdienste der Russischen Föderation sowie möglicherweise mit Präsident Wladimir Putin selbst zu sprechen, der der geistige Urheber der aggressiven Politik seines terroristischen Staates gegen die zivilisierte Welt ist.

Eine Frage für sich ist, wann Friedrich Merz seine neuen Schläge gegen Russland ankündigen wird. Zumal der Bundeskanzler bereits versprochen hat, dass die Verantwortlichen für den Angriff auf den Flughafen Leipzig nicht ungestraft davonkommen werden. Der Bundeskanzler hat eine recht einfache Wahl zwischen zwei Zeitpunkten.

Schon in ein oder zwei Wochen finden Landtagswahlen in zwei ostdeutschen Bundesländern statt, in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. In beiden Ländern liegt Umfragen zufolge die rechtsextreme Partei Alternative für Deutschland an der Spitze, die für ihre Sympathien für die russische Führung und ihre faktischen Forderungen bekannt ist, die Unterstützung für die Ukraine einzustellen, um den russisch-ukrainischen Krieg möglichst schnell zu beenden.

Einzelne Vertreter dieser Partei sind für ihre Besuche in der russischen Botschaft und ihr Interesse an der nationalsozialistischen Vergangenheit des eigenen Landes bekannt – etwas, das bei deutschen Rechtsextremen ebenso wie bei der politischen Führung Russlands in der Regel miteinander einhergeht.

Daher kann man auch hier von einer Seelenverwandtschaft sprechen, wenn nicht sogar von einer Finanzierung der Alternative für Deutschland aus entsprechenden russischen Quellen. Bekanntlich haben sowohl rechtsextreme als auch linksextreme politische Bewegungen in Europa, die stets eine Verringerung des russischen Drucks auf den europäischen Kontinent durch eine Politik der Verständigung mit Moskau propagieren, immer wieder Finanzierungsquellen in Kreisen gefunden, die mit dem Kreml verbunden sind.

Und hier stellt sich eine recht einfache Frage: Wann ist eigentlich der beste Zeitpunkt, diese Maßnahmen anzukündigen? Werden sie die Position der Alternative für Deutschland bei den Landtagswahlen stärken oder im Gegenteil schwächen?

Wird der Nachweis, dass das Land, mit dem sich die Führung der Alternative für Deutschland verständigen will, in Wirklichkeit bereits Sabotageaktivitäten in Deutschland betreibt, als Beweis dafür verstanden werden, dass man mit dieser Partei besser nichts zu tun haben sollte? Oder wird dies im Gegenteil für viele ostdeutsche Wähler gerade der überzeugendste Beweis dafür sein, dass man sich mit Putin verständigen muss, solange er noch nicht jene roten Linien überschritten hat, nach deren Überschreiten eine Verständigung, schlicht gesagt, nicht mehr möglich sein wird? Und das ist bereits keine Frage der Soziologie mehr, sondern eine Frage der Intuition.

Sollte man die Anschuldigungen gegen Russland und harte Sanktionen gegen die Führung der Russischen Föderation und die Wirtschaft des terroristischen Staates als Wahlkampftrumpf für die Christlich Demokratische Union und andere politische Parteien nutzen, die Gegner der Alternative sind? Oder sollte man eine solche Erklärung besser bis nach den Wahlen zurückhalten, um die Wähler im Osten des Landes nicht noch zusätzlich zu verängstigen?

Das ist tatsächlich ein wichtiger Punkt, der die gesamte Außenpolitik beeinflusst, und zwar aus dem einfachen Grund, dass es ebenfalls eine grundlegende Wende wäre, wenn es der Alternative für Deutschland gelingen sollte, bei einer Landtagswahl die Mehrheit zu erringen und zumindest in einem deutschen Bundesland eine eigene Regierung zu bilden. Nur wäre es diesmal eine Wende in der deutschen Innenpolitik und nicht in der deutschen Außenpolitik – eine Wende möglicherweise mit unumkehrbaren Folgen.

Und an genau einer solchen Wende ist niemand anderes interessiert als der russische Präsident Wladimir Putin. Ich halte es sogar für möglich, dass bereits der Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig auf eine Destabilisierung im Vorfeld der Wahlen abzielte – darauf, dass die Führung der Alternative für Deutschland ihren Wählern einen greifbaren Beweis dafür liefern kann, dass man Putin besser nicht verärgert und dass man sich mit dem russischen Diktator besser verständigt, bevor die Drohnen tatsächlich beginnen, auf deutschen Flughäfen und überhaupt in deutschen Städten zu explodieren.

Und herauszufinden, inwieweit die Bürger Deutschlands bereit sind, die Tatsache einer unvermeidlichen Konfrontation mit Putins Russland zu akzeptieren, oder ob sie vielmehr jenen Politikern den Vorzug geben werden, die versprechen, sich mit Putin zu verständigen und die Bedrohungen abzuwenden – all das ist tatsächlich eine ziemlich schwierige Frage für den Bundeskanzler und für die gesamte politische Klasse Deutschlands. Dennoch ist klar, dass eine grundlegende Wende sowohl in der deutschen Außenpolitik als wahrscheinlich auch in der innenpolitischen Landschaft Deutschlands unvermeidlich ist.


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Titel des Originals: Атака на Лейпциг: Германия готовит удар по России | Виталий Портников. 29.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.08.2026.
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Putin verwandelt Kyiv in die Hölle | Vitaly Portnikov. 29.08.2026.

Bereits den vierten Tag in Folge greift der Feind Kyiv und das Kyiver Gebiet an. Zunächst möchte ich den Angehörigen und Nahestehenden der bei diesem brutalen Angriff Getöteten sowie allen Betroffenen mein aufrichtiges Beileid aussprechen.

Wir müssen uns zunächst darüber klar werden, welche Absichten der russische Machthaber Putin mit diesem Angriff verfolgt und wie sich die Ukraine gegen diese neue Situation im seit vielen Jahren andauernden russisch-ukrainischen Krieg verteidigen muss. Das Erste, was man dazu sagen muss, ist, dass Putin wie gewohnt technologische Zeitfenster nutzt.

Zunächst war es ein ballistisches Zeitfenster, das damit zusammenhing, dass die Ukraine ebenso wie andere mit den Vereinigten Staaten verbündete Länder nicht über genügend Flugabwehrraketen verfügt. Eine direkte Folge des jüngsten Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran.

Jetzt hängt dieses Zeitfenster damit zusammen, dass es keinen ausreichenden Schutz gegen strahlgetriebene Shahed-Drohnen gibt. Die Ukraine hat im Kampf gegen gewöhnliche Shahed-Drohnen erhebliche Erfolge erzielt, doch Russland hat die ganze Zeit über seine unbemannten Fluggeräte weiterentwickelt und nutzt nun den unzureichenden Schutz gegen sie für Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur und zivile Objekte.

Der zweite Punkt im Zusammenhang mit Putins Zielen ist der Luftterror: die Einschüchterung der ukrainischen Zivilbevölkerung und die Erzeugung einer Stimmung von Panik und Kapitulationsbereitschaft gegenüber Russland. Putin ist überzeugt, dass die Ukrainer von ihrer Staatsführung genau eine solche Kapitulation verlangen müssen, als praktisch einzige Alternative zur Zerstörung ihres eigenen Landes. Deshalb versucht er, mit den Mitteln des Terrors die ukrainische Gesellschaft dazu zu bringen, seinen Forderungen zuzustimmen und die eigene Staatsführung zur Kapitulation zu zwingen.

Der dritte, ziemlich wichtige Punkt hängt damit zusammen, dass Putin sich tatsächlich auf weitere Kampfhandlungen vorbereitet. Auf diese Weise zerstört die russische Armee Infrastrukturobjekte. Dabei handelt es sich nicht nur um Militärdepots, sondern auch um Einrichtungen, die mit dem Funktionieren großer ukrainischer Städte verbunden sind.

Und hier kommen wir bereits zu Putins viertem wichtigen Ziel, das sich weniger gegen die Ukraine als vielmehr gegen die feindlichen Länder des Westens richtet. Putin bereitet sich auf einen langen Konflikt mit der zivilisierten Welt vor, möglicherweise auf einen hybriden und einen echten Krieg mit europäischen Staaten. Er braucht eine Migrationskrise. Er wollte sie bereits 2022 herbeiführen, doch damals stellte sich heraus, dass seine Erwartungen auf ein Aufflammen migrationsfeindlicher Stimmungen in den europäischen Ländern vergeblich waren. Und nun will er unter neuen Bedingungen zur Idee einer Migrationskrise zurückkehren.

Die Unbewohnbarkeit ukrainischer Städte ist somit ein direkter Weg zur Destabilisierung europäischer Städte, zu migrationsfeindlichen Stimmungen und zu Wahlerfolgen ultrarechter und ultralinker politischer Kräfte, die bereit sind, sich mit Moskau zu den Bedingungen des russischen Präsidenten und seines Umfelds zu verständigen.

Der fünfte Punkt, über den ebenfalls gesprochen werden muss, ist der Versuch, auch die an die Ukraine angrenzenden Länder des postsowjetischen Raums einzuschüchtern. Es geht nicht einmal darum, ob Putin die Ukraine erobern kann oder nicht. Es geht darum, dass allein die Zerstörungen in der Ukraine die ehemaligen Sowjetrepubliken davon überzeugen sollen, sich nicht von Russland abzuwenden, sondern sich mit ihm zu arrangieren. Sie sollen begreifen, dass eine Abkehr vom politischen Raum der Russischen Föderation mit erheblichen Migrationsverlusten und Zerstörungen auf dem eigenen Territorium verbunden sein kann.

Und natürlich irrt sich auch, wer behauptet, Putin bestätige mit diesen Zerstörungen in Wirklichkeit, dass er nicht vorhabe, die gesamte Ukraine zu erobern. Denn für die Russen war es nie wichtig, was auf dem Territorium geschieht, das sie erobern. Für die Russen war immer wichtig, dass dieses Territorium als Sprungbrett für eine weitere Expansion dient.

Ob es dort Menschen, Fabriken oder Infrastruktur gibt, ist dagegen eine völlig nachrangige Frage. Auf einem großen Teil des russischen Territoriums gibt es, wie wir wissen, nichts davon. Und das hindert die Russen nicht daran, auf dieses leere Territorium stolz zu sein – als das Territorium des flächenmäßig größten Staates der Welt.

Und noch ein wichtiger Punkt, an den wir uns erinnern müssen. Manche werden es Rache nennen, aber ich nenne es die Psychologie des russischen Machthabers. Putin reagiert auf Versuche, ihn zum Frieden zu zwingen, auf Eskalation stets mit noch härteren Maßnahmen, die deutlich machen sollen, dass man keinen Druck auf ihn ausüben sollte.

Die ukrainischen Streitkräfte haben – und das ist eine offensichtliche Tatsache – der russischen Wirtschaft schwere Schläge versetzt. Auch die russische Wirtschaft nähert sich einer unausweichlichen Katastrophe, und Putin versteht das sehr gut. Jeder realistisch denkende Mensch würde in dieser Situation über die Notwendigkeit eines Waffenstillstands oder sogar des Friedens nachdenken – nur Putin nicht.

Ich möchte daran erinnern, dass er in seinem ersten Interviewbuch, das unmittelbar vor seiner Wahl zum Präsidenten der Russischen Föderation im Jahr 2000 erschien, von einer Begegnung mit einer Ratte erzählte, die der noch junge Putin in die Enge getrieben hatte. Doch die Ratte drehte sich um und begann denjenigen anzugreifen, der sie dorthin getrieben hatte. Und Putins Lebensmodell, das Modell seines Verhaltens, ist das Verhaltensmodell dieser Ratte.

Man muss immer daran denken: Wenn du Putin in die Enge treibst, wird er dich aus dieser Ecke heraus angreifen. Genau das geschieht. Es gibt also derzeit nichts im Handeln des russischen Präsidenten, was nicht vorhersehbar gewesen wäre.

Aber wie kann man sich gegen dieses Vorgehen verteidigen? Nun, erstens muss man verstehen, dass jede Panikstimmung und jeder Aufruf zur Kapitulation die Gefahr des Krieges nicht beseitigen, sondern nur noch vergrößern werden. Denn Putin ist fest davon überzeugt: Wenn man versucht, sich mit ihm zu verständigen, bedeutet das, dass man immer stärkeren Druck ausüben, den Feind zur endgültigen Kapitulation zwingen und ihn vernichten muss. Die russische Wirtschaft zu treffen und Russland auszubluten ist daher möglicherweise das einzige Rezept, das uns erlaubt, diese Phase der Eskalation zu überleben.

Der nächste Punkt betrifft einen wirksamen Schutz gegen ballistische Raketen und strahlgetriebene Shahed-Drohnen. Bei ballistischen Raketen ist es natürlich schwieriger, aber auch hier müssen sowohl Raketen als auch entsprechende Möglichkeiten gefunden werden. Bei den strahlgetriebenen Shahed-Drohnen geht es um unseren nächsten technologischen Durchbruch.

Wir sagen ständig, dass sich der Krieg verändert, und er wird sich auch in allen kommenden Phasen weiter verändern. Deshalb müssen wir auf jede russische Weiterentwicklung mit einer eigenen Verbesserung unserer Verteidigung reagieren und nach neuen Möglichkeiten für Angriffe auf Russland suchen – und zwar so, dass Russland darauf nicht antworten kann.

Und natürlich stellt sich in einer solchen Situation immer die Frage nach einer effektiven Führung des Staates. Wenn wir aus Angriffen auf Militärdepots keine Konsequenzen ziehen und sich solche Angriffe in Wohngebieten wiederholen, reicht es nicht aus, dass der Präsident des Landes oder der Ministerpräsident darauf lediglich reagiert. Man muss begreifen, dass der Staat ineffizient geführt wird. Und das ist, wie mir scheint, eine Wahrheit, die man, wenn schon nicht innerhalb von sieben Monaten, so doch zumindest innerhalb von sieben Jahren hätte begreifen können.

Nun, dafür muss man kein großes Genie der Politik und der Staatsführung sein. Nur eine Regierung der nationalen Rettung, nur eine richtige Verteilung der Kompetenzen, nur die Beteiligung von Menschen an der Staatsführung, die tatsächlich ernst zu nehmende Manager in der Führung des Landes sind und bereit sind, Verantwortung für die kommende Phase zu übernehmen, kann uns helfen, uns von dem Abgrund zu entfernen, in den uns nicht nur der russische Präsident treibt, sondern auch unser eigenes Unverständnis darüber, wie ein Staat in einer derart schwierigen Situation geführt werden muss.

Deshalb müssen aus jedem solchen mehrtägigen Angriff Schlussfolgerungen gezogen werden, die darauf abzielen, dass sich solche Angriffe nicht mehr wiederholen oder für die Bevölkerung der Ukraine, die ukrainische Infrastruktur und die Lebensfähigkeit des Landes weniger schmerzhaft sind.


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Titel des Originals: Путін перетворює Київ на пекло | Віталій Портников. 29.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.08.2026.
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Frauen und Kinder: Russlands neue Ziele | Vitaly Portnikov. 28.08.2026.

Der stellvertretende Vorsitzende der Staatsduma der Russischen Föderation, Pjotr Tolstoi, ist der erste hochrangige russische Amtsträger, der im russischen Fernsehen offen zu Angriffen auf die ukrainische Zivilbevölkerung aufgerufen hat.

Bislang haben sowohl der russische Präsident Wladimir Putin als auch andere hochrangige russische Politiker und Vertreter des Außenministeriums der Russischen Föderation stets bestritten, dass Russlands Angriffe auf ukrainische Städte darauf abzielen, die Zivilbevölkerung einzuschüchtern. Sie behaupteten, diese Angriffe richteten sich ausschließlich gegen Einrichtungen des militärisch-industriellen Komplexes der Ukraine sowie gegen Infrastrukturobjekte des Landes, die für die Bedürfnisse der ukrainischen Armee genutzt werden.

Tolstoi war der Erste, der alle verraten hat, der ausgesprochen hat, was ohnehin alle in Moskau sehr gut verstehen, sich aber zumindest bis heute nicht zuzugeben trauten. Die Angriffe der russischen Armee auf das Territorium der Ukraine zielen vor allem darauf ab, die Zivilbevölkerung einzuschüchtern und zu demoralisieren sowie Proteste gegen die ukrainische Staatsführung zu provozieren, verbunden mit Forderungen nach einer Kapitulation der Ukraine zu allen Bedingungen, die von der Russischen Föderation gestellt werden.

Dabei verwarf Pjotr Tolstoi die Vorstellung, dass es auch nur irgendwelche Bürger der Ukraine gebe, die den russischen Aggressor unterstützen, und erklärte, auf dem Gebiet, das von der Armee der Russischen Föderation bombardiert werde, gebe es keine Unschuldigen.

Im Grunde hat der stellvertretende Vorsitzende der Staatsduma der Russischen Föderation die Kriegsverbrechen seines eigenen nichtsnutzigen Landes offen eingestanden und zur Fortsetzung dieser Kriegsverbrechen aufgerufen. Ganz im Geiste von Hitlers Verständnis von Krieg ruft Tolstoi dazu auf, auf Frauen und Kinder zu schießen, weil er der Ansicht ist, auch sie seien am ukrainischen Widerstand gegen die Besatzung schuld.

Ja, dies bestätigt in gewisser Weise eine These, die der russische Präsident Wladimir Putin bereits vor Beginn des großen Krieges gegen die Ukraine aufgestellt hatte, als das russische Staatsoberhaupt behauptete, dass im Falle eines Einmarsches der russischen Armee in die Ukraine ukrainische Frauen und Kinder vor den russischen Soldaten stehen würden. Damals erklärte zumindest das russische Außenministerium diese kannibalischen Äußerungen Putins damit, dass die ukrainischen Bürger selbst die russischen Soldaten mit Blumen empfangen und vor ihren Eroberungskolonnen hergehen würden.

Jetzt aber machen sich die russischen Machthaber keinerlei Illusionen mehr. Sie verstehen sehr gut, dass niemand in der Ukraine vorhat, sie mit Blumen zu empfangen. Sie wollen die Zivilbevölkerung vernichten und einschüchtern. Sie wollen die Ukrainer dazu zwingen, sich damit abzufinden, dass es keine andere Wahl gebe als die bedingungslose Kapitulation vor Russland und die Räumung des eigenen Territoriums für die sogenannten Sieger.

Und es ist vollkommen logisch, dass gerade Pjotr Tolstoi als Erster mit dieser These aufgetreten ist. Nicht nur deshalb, weil der derzeitige stellvertretende Vorsitzende der Staatsduma der Russischen Föderation und gescheiterte Journalist Spitzenkandidat der Partei Einiges Russland ist und sich anstrengen muss, um seinen Herren zu beweisen, dass er gebraucht wird. Sondern auch deshalb, weil man ein ausgesprochener Zyniker sein muss, um offen über Kriegsverbrechen zu sprechen und zu ihnen aufzurufen. Und an Zynismus mangelt es Pjotr Tolstoi nicht.

Da ich mit ihm studiert habe und ihm später bei Dienstreisen mehrfach begegnet bin, kann ich das Ausmaß der Verachtung, die der direkte Nachfahre des Grafen Lew Tolstoi für das russische Volk und sein eigenes Land empfindet, gut einschätzen. Denn diese Verachtung wurde damals, als Pjotr Tolstoi mit Französisch als seiner Muttersprache für die Nachrichtenagentur Agence France-Presse arbeitete, nie sonderlich verborgen. Es entstand immer der klare Eindruck, dass der Graf sich als Vertreter der wahren russischen Elite betrachtete und alles um ihn herum als halbgebildeten Pöbel, den man für die eigenen Interessen benutzen müsse.

Im Übrigen hat Lew Nikolajewitsch Tolstoi selbst diese Geisteshaltung seiner eigenen Familie, vielleicht sogar ihrer damals noch ungeborenen Mitglieder, ziemlich treffend beschrieben. Ich werde mich nicht wiederholen und auch nicht versuchen, mit ihm bei der Beurteilung dieser familiären Geisteshaltung zu konkurrieren. Ich möchte lediglich betonen, dass diese Haltung bereits im 21. Jahrhundert ihre glänzende Bestätigung gefunden hat.

Es könnte sich die Frage stellen: Wozu brauchen die Tschekisten eigentlich Pjotr Tolstoi, wenn sie natürlich sehr genau wissen, was er in Wirklichkeit über sie denkt, welche Haltung der Nachfahre eines großen Schriftstellers und Adeligen gegenüber Putin, Wolodin und dieser ganzen Gopnik-Truppe aus den untersten Schichten der Gesellschaft hat? Aber mir scheint, dass auch hier alles völlig offensichtlich ist. Wenn du aus einem heruntergekommenen Petersburger Treppenhaus stammst, bereitet es dir selbstverständlich besonderes Vergnügen, wenn ein echter Graf dir die Stiefel putzt – und zwar ganz klassisch, mit der Zunge. Und natürlich wirst du einen solchen Grafen immer als Diener halten, so wie Stalin einen anderen „roten Grafen“, Alexei Tolstoi, in seinen Diensten hielt.

Wenn du dich also als Graf im Dienste des Pöbels empfindest und diesem Pöbel beweisen musst, dass du dich bemühst, sein Vertrauen zu verdienen, dann bist du der Erste, der von den Kriegsverbrechen seiner Herren und Kuratoren erzählt und laut ausspricht, was sie denken – in der Überzeugung, dass derartige Äußerungen von niemandem verurteilt werden, sondern dir im Gegenteil zusätzliche Punkte in der russischen Rangordnung der Beamten einbringen werden.

Wenn du deine moralische Entscheidung triffst, indem du das Böse unterstützt, beginnst du früher oder später zwangsläufig davon zu sprechen, dass Frauen und Kinder getötet werden müssten, zu behaupten, dass es in einem Wohnhaus, das deine Banditenarmee bombardiert hat, keine Unschuldigen gebe, und jeden Genozid mit den nationalen Interessen des russischen Staates und des russischen Volkes zu rechtfertigen.

Dass Pjotr Tolstoi für die Rolle desjenigen ausgewählt wurde, der endlich im Namen der russischen Staatsmacht deren verbrecherische Absichten öffentlich ausgesprochen hat, ist daher keineswegs ein Zufall. Es ist die logische Konsequenz eines Zynismus, der inzwischen zum Bestandteil des beruflichen Konkurrenzkampfes erhoben worden ist. Und solche „ehrlichen“ Kriegsverbrecher, die von den Bildschirmen aus zum Töten, Vergewaltigen und Plündern aufrufen, wird es in der russischen Politik selbstverständlich immer mehr geben, je weiter das russische Aggressionspotenzial wächst und je größer das Gebiet der Kriege wird, die die Russische Föderation führt.


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Titel des Originals: Женщины и дети: новые цели России | Виталий Портников. 28.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 28.08.2026.
Originalsprache: ru
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Putin bereitet einen Angriff auf das Baltikum vor | Vitaly Portnikov. 27.08.2026.

Russland bereitet sich auf einen Angriff auf die baltischen Staaten vor, um zu demonstrieren, dass es zu schnellen Siegen fähig ist und zugleich die Solidarität der NATO-Verbündeten auf die Probe zu stellen. Zu diesem Schluss kann man aufgrund von Informationen des Magazins Politico kommen, das berichtet, dass das Hauptziel des Aufenthalts des Direktors der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten, John Ratcliffe, in der russischen Hauptstadt darin bestand, Moskau vor den Folgen eines solchen Angriffs zu warnen.

Damit entspricht Ratcliffes Mission nahezu spiegelbildlich der Reise seines Vorgängers im Amt des CIA-Direktors, William Burns, der 2021 Moskau besuchte, um Präsident Putin vor den Folgen einer möglichen russischen Invasion in die Ukraine zu warnen.

Bekanntlich schenkte der russische Diktator, der sich damals nicht einmal mit dem CIA-Direktor traf und lediglich telefonisch mit ihm sprach, diesen Warnungen der Vereinigten Staaten keinerlei Beachtung. Meiner Ansicht nach wird es mit den neuen Warnungen der Central Intelligence Agency genauso sein.

Putin könnte nicht daran glauben, dass der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, bereit ist, sein Land in einen europäischen Krieg eingreifen zu lassen und dabei einen nuklearen Konflikt mit der Russischen Föderation zu riskieren. Zumindest wissen wir nicht, welche Argumente Ratcliffe vorbrachte, aber sie dürften sich kaum wesentlich von den Argumenten Burns’ unterschieden haben.

Die baltischen Staaten unterscheiden sich von der Ukraine vor allem dadurch, dass sie Mitglieder der NATO sind. Wenn sie sich also mit der Frage nach der Anwendung von Artikel 5 an ihre Verbündeten wenden, müssen die Vereinigten Staaten und die anderen Mitgliedstaaten des Nordatlantischen Bündnisses ihnen zu Hilfe kommen. Doch inwieweit dies Donald Trumps Vorstellungen von Außenpolitik und vor allem den Möglichkeiten der Vereinigten Staaten nach dem Krieg im Nahen Osten entspricht, ist eine große Frage. Und Putin könnte versucht sein zu überprüfen, inwieweit er nicht nur auf ukrainischem Territorium, sondern auch auf dem Territorium Europas handeln kann.

Es könnte sich die Frage stellen: Warum ausgerechnet die baltischen Staaten und nicht beispielsweise Polen?

  • Erstens hat Russland mit Polen keine so lange Grenze wie mit Lettland und Estland. Hinzu kommt Litauen, das sowohl eine lange gemeinsame Grenze mit der russischen Oblast Kaliningrad als auch mit der Republik Belarus hat.
  • Zweitens geht es um die Größenordnung. Putin könnte eine Konfrontation mit der polnischen Armee fürchten, zumal sich auf polnischem Territorium amerikanische Soldaten befinden.
  • Drittens – und das könnte für Putin sogar noch wichtiger sein als die Frage der Grenzen und einer militärischen Konfrontation – handelt es sich um das Territorium der ehemaligen Sowjetunion.

Ja, bis zu einem gewissen Zeitpunkt konnte man davon ausgehen, dass Putin bei seinem Wunsch, die Grenzen der UdSSR von 1991 wiederherzustellen, die baltischen Staaten von diesen Grenzen ausnimmt, deren Unabhängigkeit noch zu Zeiten der bestehenden Sowjetunion vom Staatsrat der UdSSR anerkannt worden war. Doch wir sehen, dass sich Putins Vorstellung von den russischen Grenzen mit jedem Tag verändert und dass seine territorialen Ansprüche paradoxerweise proportional zu den Problemen wachsen könnten, die Russland im Krieg gegen die Ukraine hat.

Und schließlich haben wir wiederholt darüber gesprochen, dass der Krieg gegen die Ukraine selbst eine Ausweitung des Konflikts erforderlich macht. In Moskau versteht man sehr gut: Wenn die Ukraine weiterhin westliche Hilfe erhält – und das ist heute vor allem europäische Hilfe –, kann der Kreml nicht darauf hoffen, den Krieg zu russischen Bedingungen zu beenden. 

Eine notwendige Voraussetzung für einen Sieg über die Ukraine mit der anschließenden Auslöschung unseres Landes von der politischen Weltkarte und der Vertreibung von Millionen Ukrainern aus ihren Wohnorten, ist also die Einstellung der europäischen Hilfe für unser Land. Damit diese Hilfe eingestellt wird, müssen die europäischen Gesellschaften verängstigt werden, sie müssen zu der Überzeugung gelangen, dass eine weitere Unterstützung der Ukraine zu einem Krieg mit Russland führen wird.

Doch solange dies nur Theorie ist, wird natürlich niemand den russischen Drohungen Beachtung schenken. Für die europäischen Länder werden sie erst dann Realität, wenn es zu einer tatsächlichen Invasion auf dem Territorium von NATO-Mitgliedstaaten kommt und sich die Vereinigten Staaten als unfähig erweisen oder nicht bereit sind, diese Länder gegen die russische Invasion zu verteidigen. Und dann werden wir die bereits bekannte russische Arie über die Notwendigkeit hören, die Rechte der Russischsprachigen zu schützen, ebenso wie amerikanische Empfehlungen, sich mit Russland über die für Russland sensiblen Fragen zu verständigen.

Sie verstehen, wie stark in den europäischen Ländern der Zuspruch für rechtspopulistische und linkspopulistische Politiker steigen wird, die vom Kreml finanziert werden und ihre Landsleute davon überzeugen werden, dass man sich mit dem Kreml verständigen und nach Politikern suchen müsse, die zu einem fruchtbaren Dialog mit Präsident Putin fähig sind, damit es in Europa nicht so wird wie in der Ukraine oder sogar im Baltikum – nach Politikern, die den europäischen Krieg in ihren Köpfen bereits beendet haben.

Und um all dessen willen kann Putin gar nicht anders, als über eine Invasion in die baltischen Staaten nachzudenken. Die Vereinigten Staaten werden natürlich versuchen, diese Invasion zu verhindern, denn für Donald Trump wäre dies eine weitere, aber nicht die letzte politische Katastrophe seiner Präsidentschaft.

Trump muss sich nicht in diese Situation einmischen, wenn Putin das Baltikum angreift. Zugleich kann er sehr wohl verstehen, dass eine Verweigerung der Unterstützung für die baltischen Staaten nicht nur den Zusammenbruch der NATO bedeuten würde, sondern auch den Zusammenbruch des Ansehens der Vereinigten Staaten in Europa – und nicht nur in Europa.

Der amerikanische Präsident würde all dies gerne verhindern. Doch sein Verhältnis zu Putin lässt uns nicht darauf hoffen, dass er den russischen Diktator tatsächlich mit jenen harten Warnungen einschüchtern kann, die man im Kreml vom Direktor der Central Intelligence Agency gehört haben könnte.

Und zum Schluss möchte ich sagen, dass der russisch-ukrainische Krieg in dieser Situation, wie man bereits verstehen konnte, keineswegs das Hauptthema des Besuchs des Direktors der Central Intelligence Agency in der russischen Hauptstadt war. Denn allein wegen eines Dialogs über den russisch-ukrainischen Krieg wäre der CIA-Direktor in der entstandenen Situation wohl kaum nach Moskau gereist und hätte Kontakte zum russischen Präsidenten und zu den Leitern der Geheimdienste der Russischen Föderation gesucht.

Es ging um eine strategische Veränderung der Situation, die bereits in den kommenden Wochen oder Monaten eintreten könnte. Um eine strategische Veränderung, die für die Vereinigten Staaten so ungünstig wäre, dass man, um zu versuchen, diese Entwicklung zu verhindern, sogar den Direktor der Central Intelligence Agency in die russische Hauptstadt schicken musste.


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Titel des Originals: Путін готує удар по Балтії | Віталій Портников. 27.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 27.08.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Trump lässt Europa im Stich | Vitaly Portnikov. 27.08.2026.

Bereits bis zum 6. November wollen die Vereinigten Staaten Maßnahmen ausarbeiten, die darauf abzielen, ihre militärische Präsenz auf dem europäischen Kontinent einzuschränken. Genau darüber spricht der stellvertretende US-Verteidigungsminister Elbridge Colby heute mit den Botschaftern der NATO-Mitgliedstaaten im Hauptquartier der Nordatlantischen Allianz in Brüssel. Und obwohl das Pentagon behauptet, dass dem Chef des amerikanischen Verteidigungsministeriums Pete Hegseth mehrere Optionen für die weitere Entwicklung zur Verfügung stehen, ist man in den europäischen Hauptstädten überzeugt, dass die endgültige Entscheidung über eine Reduzierung der Präsenz der US-Truppen auf dem europäischen Kontinent im Weißen Haus bereits getroffen wurde.

Wie bekannt ist, hatte US-Präsident Donald Trump stets den beharrlichen Wunsch, die Möglichkeiten der NATO und die amerikanische Beteiligung an diesen Möglichkeiten einzuschränken. Mit ähnlichen Erklärungen trat Trump bereits während seiner ersten Amtszeit im Weißen Haus auf. Damals wurden derartige außenpolitische Initiativen des amerikanischen Präsidenten jedoch von der Führung der Republikanischen Partei und von Trumps eigenen Ministern begrenzt. Seitdem ist es Trump bekanntlich gelungen, die Republikaner unter seine Kontrolle zu bringen und den außenpolitischen Kurs sowohl der ältesten konservativen Partei der Vereinigten Staaten als auch Amerikas selbst praktisch zu verändern – hin zum Isolationismus und zur faktischen Abkehr von der gemeinsamen Strategie der euroatlantischen Sicherheit, die in allen Nachkriegsjahrzehnten nicht nur die Sicherheit der europäischen Länder, sondern auch die der Vereinigten Staaten selbst gewährleistet hatte.

Dennoch fehlten Trump bis zum Beginn des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran die Argumente, um eine entschiedene antieuropäische Wende zu vollziehen. Eines Krieges, der für Donald Trump nicht zu jenen Veränderungen führte, auf die er gehofft hatte, als er sich zu dieser beispiellosen Militäroperation mit der Ausschaltung des obersten Führers des Iran, Ayatollah Khamenei, und seiner Mitstreiter entschloss. Jetzt befindet sich der Präsident der Vereinigten Staaten in einer regelrechten geopolitischen Falle: mit der geschlossenen Straße von Hormus, der Ungewissheit darüber, ob der Iran bereits in nächster Zeit Zugang zur Entwicklung von Atomwaffen erhalten kann, und zusätzlichen Sicherheitsbedrohungen nicht nur für Israel, sondern auch für andere Länder des Nahen Ostens. Und aus dieser Falle wird Trump vor den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress, die bereits in diesem Herbst vor dem Hintergrund eines sinkenden Lebensstandards der Amerikaner und einer stetig zurückgehenden Unterstützung für den Präsidenten stattfinden werden, nicht mehr herauskommen können.

Deshalb versucht der Präsident der Vereinigten Staaten, wie es seine Art ist, Schuldige für diese seine geopolitische Niederlage und den möglichen Niedergang seiner politischen Karriere zu finden. Und die Suche nach Schuldigen führt selbstverständlich nach Europa, zumal sie dabei hilft, genau jene außenpolitischen Ziele Donald Trumps in die Tat umzusetzen, die für ihn sowohl während seiner ersten Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten als auch in den ersten Monaten nach seiner Rückkehr ins Oval Office so schwer zu erreichen waren. Und nun wird mit den Staats- und Regierungschefs der europäischen Länder direkt so gesprochen, als seien sie diejenigen, die den Vereinigten Staaten im Krieg gegen den Iran nicht die gebührende Unterstützung geleistet hätten.

Dass der Krieg selbst schlecht vorbereitet war, dass Trump sich auf inkompetente Informationen der Nachrichtendienste der Vereinigten Staaten und Israels stützte oder auf kompetente Informationen nicht hörte, dass sich das amerikanische Militär, einfach gesagt, als unfähig zu moderner Kriegsführung erwies, dass die Luftherrschaft nicht mehr darüber entscheidet, ob man feindlichen Staaten seine Bedingungen diktieren kann – all das will man im Weißen Haus und im Pentagon selbstverständlich nicht wahrhaben, um den Präsidenten und seinen Verteidigungsminister nicht der Lächerlichkeit preiszugeben.

Deshalb sind selbstverständlich diejenigen schuld, die den Vereinigten Staaten nicht die gebührende Unterstützung geleistet und von Anfang an vor den Folgen von Angriffen auf den Iran gewarnt hatten, wenn diese nicht durch ein klares Verständnis davon untermauert sind, wie sich die Situation nach diesen Angriffen entwickeln würde.

So werden wir jetzt Zeugen einer völlig paradoxen Entwicklung der Ereignisse. Der Direktor der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten reist in die russische Hauptstadt, um den russischen Präsidenten Vladimir Putin vor den Folgen einer möglichen russischen Invasion in europäische Länder zu warnen, die Verbündete der Vereinigten Staaten sind. Und der stellvertretende Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten erörtert mit eben diesen europäischen Verbündeten Möglichkeiten zur Reduzierung der amerikanischen Militärpräsenz auf dem Kontinent.

Und hier scheint mir die Aufgabe selbst für Schulkinder ziemlich einfach zu sein. Wird der Präsident der Russischen Föderation auf solche Warnungen seines amerikanischen Amtskollegen hören, wenn er den offensichtlichen Wunsch eben dieses Amtskollegen beobachtet, aus Europa zu fliehen, ohne auch nur über die Folgen seiner Schritte nachzudenken?

Und diese chaotische Außenpolitik des Weißen Hauses stellt beinahe eine noch größere Bedrohung für Europa dar als die russischen Absichten, einen großen Krieg auf dem Kontinent zu entfesseln. Denn wenn man im Kreml Konsequenz in den amerikanischen Handlungen und Entscheidungen erkennen würde, dann würde Vladimir Putin selbstverständlich zehnmal darüber nachdenken, ob es sich für ihn lohnt, den Krieg in Europa vor dem Hintergrund der anhaltenden Kampfhandlungen gegen die Ukraine auszuweiten. 

In einer Situation, in der der Wunsch der Vereinigten Staaten, den europäischen Kontinent zu verlassen, offensichtlich ist und Pete Hegseth weiterhin von irgendeiner absurden „NATO 3.0“ spricht, als würde er nicht einmal verstehen, welche Lehren denkende Menschen aus den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs gezogen haben, eröffnet sich für die Russische Föderation wie auch für andere autoritäre Regime ein regelrechter Freiraum. Wenn die Vereinigten Staaten sich selbst von der Liste der Weltmächte streichen, wenn der amerikanische Präsident nicht in der Lage ist, die Folgen seiner Außenpolitik weiter als einen einzigen Zug vorauszuberechnen und der zweite Zug bei ihm ganz offensichtliches, nun ja, beinahe kindliches Erstaunen hervorruft, warum sollten Putin und andere Diktatoren dann nicht die Chancen nutzen, die Donald Trump ihnen bietet?

Und vor dem Hintergrund dieses Wunsches der Amerikaner, die Europäer über ihren baldigen Abzug zu informieren, wirkt die Absicht der europäischen Botschafter geradezu erstaunlich, bei ihrem Treffen mit dem stellvertretenden Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten die Frage nach einer möglichen Ausweitung der Lieferungen von Raketenabwehrsystemen für die Ukraine anzusprechen, die unter den russischen ballistischen Angriffen zermürbt wird. Denn offensichtlich werden diese Lieferungen nicht nur deshalb reduziert, weil die Handlungen des amerikanischen Militärs im Krieg gegen den Iran die Vereinigten Staaten im Hinblick auf ihre Fähigkeit, auf Angriffe mit ballistischen Raketen zu reagieren, faktisch an den Rand völliger Schutzlosigkeit gebracht haben, sondern auch zusätzliche Probleme dafür geschaffen haben, der Ukraine bei ihrem Widerstand gegen die Russische Föderation tatsächlich zu helfen. Die wichtigste Frage ist, wie wichtig die Unterstützung dieses Widerstands in einer Situation überhaupt noch ist, in der die Amerikaner Europa verlassen wollen. Schließlich ist auch die Ukraine ein untrennbarer Bestandteil eben jenes Kontinents, den Donald Trump verlassen will.


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Titel des Originals: Трамп кидает Европу | Виталий Портников. 27.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 27.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Geheime Mission in Moskau: Wie geht es weiter? | Vitaly Portnikov. 26.08.2026.

Der überraschende Besuch des Direktors der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten, John Ratcliffe, in der russischen Hauptstadt bleibt selbst am Tag nach dieser Reise eines der Hauptthemen der Diskussion – unter Ukrainern, unter Amerikanern und übrigens auch unter Russen, deren Medien diesen Aufenthalt Ratcliffes in Moskau kommentieren.

Auch unser Interesse daran ist verständlich, denn in der Regel nehmen wir jede Reise eines hochrangigen amerikanischen Beamten nach Russland als Zeichen dafür wahr, dass sich Möglichkeiten zur Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses eröffnen könnten. Gleichzeitig sollte man sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die Ziele dieser Reise völlig andere gewesen sein müssten als die zuvor öffentlich genannten.

Auch der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump äußerte sich heute zu dieser Reise, allerdings deutlich vorsichtiger, als er sich früher zu den Aussichten auf ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges geäußert hatte. Trump sagte, der Direktor der Central Intelligence Agency habe in der russischen Hauptstadt Routinearbeit erledigt und er wolle den Menschen keine überflüssigen Hoffnungen machen; mit der Iran-Krise habe sich der CIA-Direktor nicht befasst. Was das Ende des russisch-ukrainischen Krieges angeht, würden die Vereinigten Staaten sehr gern sehen, dass dieser Krieg endet. Und wäre Trump Präsident gewesen, hätte er gar nicht erst begonnen. Nun, diese Platte hören wir schon seit 2025, wenn nicht länger. Und wie wir sehen, führt eine weitere Aufführung der Arie von dieser Platte zu keinerlei realen Ergebnissen.

Hier ist nun wichtig zu verstehen: Kann man die Reise des Direktors der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten nach Moskau tatsächlich als Routine bezeichnen? Eine solche Reise als Routine? Nein, kann man nicht. 2021 war zuletzt ein Direktor der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten in Moskau. Das war John Ratcliffes Vorgänger William Burns, der im Auftrag des damaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten Joseph Biden in die russische Hauptstadt gereist war, um Putin davon zu überzeugen, keinen Krieg gegen die Ukraine zu beginnen.

Der damalige CIA-Direktor hoffte, persönlich mit dem Präsidenten Russlands zusammenzutreffen. Dafür war er im Grunde nach Moskau gekommen. Doch treffen konnte er sich nur mit seinen Kollegen aus den Geheimdiensten. Soweit ich mich erinnere, gab es dort einen Kontakt mit Nikolai Patruschew, dem damaligen Sekretär des Sicherheitsrates der Russischen Föderation, sowie mit Sergej Naryschkin, dem Direktor des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation.

Burns hoffte auf ein Gespräch mit Putin, das schließlich telefonisch stattfand, weil der russische Präsident nach Sotschi gereist war. Vielleicht geschah das demonstrativ, um dem amerikanischen CIA-Direktor zu zeigen, welchen Platz ihm der russische Präsident in seiner Wahrnehmung der Realität zuwies. Das Gespräch zwischen Burns und Putin führte zu keinerlei realen Ergebnissen, ebenso wenig wie die späteren Verhandlungen Bidens mit Putin.

Wie bekannt ist, gab es ein virtuelles Treffen zwischen dem amerikanischen Präsidenten und dem Präsidenten der Russischen Föderation, das aus Sicht des Präsidenten der Vereinigten Staaten ebenfalls einen russischen Angriff auf die Ukraine verhindern sollte. Biden warnte Putin vor den möglichen Folgen eines solchen Angriffs, doch Putin hatte nicht vor, auf irgendjemanden zu hören. Das war eine außergewöhnliche Situation, die mit den Informationen zusammenhing, welche die amerikanischen Geheimdienste erhalten hatten.

Nun reist der CIA-Direktor fünf Jahre später wieder nach Moskau. Hätte er sich tatsächlich nur mit seinen Amtskollegen in der russischen Hauptstadt treffen wollen, hätte er die Möglichkeit gehabt, ein solches Treffen auf neutralem Boden abzuhalten. Wie bekannt ist, treffen sich die Leiter der Nachrichtendienstgemeinschaften der Vereinigten Staaten und Russlands in der Regel auf neutralem Territorium. Und übrigens selbst damals, als die amerikanischen Geheimdienste davon erfuhren, dass in der Russischen Föderation über den möglichen Einsatz von Atomwaffen im russisch-ukrainischen Krieg gesprochen wurde – es handelte sich um ein abgefangenes Gespräch von General Surowikin –, flog William Burns trotzdem nicht nach Moskau, sondern traf sich mit dem Direktor des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation Sergej Naryschkin auf neutralem Boden.

Allerdings ist die Situation zwischen den Vereinigten Staaten und Russland heute eine andere. Sie erinnern sich, dass Präsident Biden nach dem Angriff auf die Ukraine beschlossen hatte, Präsident Putin zu boykottieren. Deshalb konnte damals kein Treffen hochrangiger russischer und amerikanischer Beamter in Moskau stattfinden. Selbst wenn es um eine so grundsätzliche Angelegenheit wie den möglichen Einsatz von Atomwaffen ging.

Donald Trump hat diese Politik entschieden verändert – hin zu einem Dialog auf höchster Ebene, zu einem Dialog zwischen Beamten. Deshalb wirkt die Reise des Direktors der Central Intelligence Agency nach Moskau in dieser Situation vielleicht nicht ganz so unglaublich und auch nicht unbedingt wie etwas völlig Außergewöhnliches. Aber alle Fragen, die nicht grundsätzlicher Natur sind, lassen sich über andere Kanäle, mit anderen Beamten und nicht in Moskau klären. Das betrifft auch die Freilassung amerikanischer Staatsbürger aus russischen Gefängnissen. Die Amerikaner arbeiten hier schon lange mit den Russen und den Belarussen zusammen. Wie Sie sehen, ist es überhaupt nicht nötig, den CIA-Direktor dorthin zu schicken, um Ergebnisse zu erzielen. Und was den Verhandlungsprozess zwischen Russland und der Ukraine betrifft: Es ist schon ziemlich merkwürdig, dass die Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten Steve Witkoff und Jared Kushner, die sich im Grunde mit dieser Angelegenheit befassen, nicht nach Moskau reisen, während der Direktor der Central Intelligence Agency fährt und dort über irgendetwas spricht.

Wofür also war diese ganze Reise tatsächlich geplant? Erstens muss man sich darüber im Klaren sein, dass wir praktisch keine Möglichkeit haben zu wissen, was dort tatsächlich geschah und worüber gesprochen wurde. Uns bleibt nur, verschiedene Versionen zu diskutieren. Wenn der Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation Peskow sagt, der CIA-Direktor habe Putin nicht getroffen, bedeutet das nicht, dass er ihn nicht getroffen hat. Oder jedenfalls bedeutet es nicht, dass es keinen Kontakt gab. Der CIA-Direktor könnte genau dasselbe Telefongespräch mit dem russischen Präsidenten geführt haben wie sein Vorgänger Burns. Und auch das könnte für die Erfüllung dieser Mission, die mit einem Auftrag Präsident Trumps verbunden war, völlig ausgereicht haben.

Zweitens: Worum könnte es bei diesem Auftrag gegangen sein? Jetzt heißt es, Putin habe mit Ratcliffe seine Forderungen hinsichtlich eines Endes des russisch-ukrainischen Krieges besprochen. Es ist völlig unklar, warum der russische Präsident all diese Forderungen ausgerechnet mit dem CIA-Direktor hätte besprechen sollen, wenn all diese Forderungen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Außenministerium längst bekannt waren. Putin hatte dem Direktor hier nichts Neues zu erzählen.

Was konnte der Chef der Central Intelligence Agency vom Präsidenten Russlands und von den Leitern der russischen Geheimdienste tatsächlich erreichen wollen? Das Erste, was für die Vereinigten Staaten wichtig sein könnte, ist die Verhinderung einer weiteren Eskalation. Wir sprechen ständig darüber, dass der Krieg seine geografischen Grenzen überschreiten könnte. Nach und nach tut er das bereits. Der Raketeneinschlag auf polnischem Territorium, den man natürlich als zufällig bezeichnen kann, der aber nicht zufällig war. Das ständige Eindringen russischer Drohnen in den Luftraum von Nachbarstaaten der Ukraine. Die Gespräche darüber, dass Russland unter falscher, also ukrainischer Flagge einen Drohnenangriff auf Polen oder ein anderes NATO-Land vorbereiten könnte. All das zeigt, dass man sich im Kreml darauf vorbereitet, die Europäer einzuschüchtern. Vielleicht vorerst nicht anzugreifen, aber eine entsprechende Atmosphäre in den europäischen Gesellschaften zu schaffen. Wie es im hybriden Krieg immer ist: Wenn man beginnt, um den russischen Ausdruck zu verwenden, ein bisschen Benzin ins Feuer zu gießen, kann man fatale Fehler machen, die zu einem echten Krieg führen und die Vereinigten Staaten vor die Notwendigkeit stellen, entweder in diesen Krieg einzugreifen oder den Schutz ihrer Verbündeten zu verweigern.

Beide Varianten der weiteren Entwicklung sind für Donald Trump inakzeptabel. Donald Trump will sich in keinerlei Ereignisse in Europa einmischen. Das hat er wiederholt bewiesen, wenn er über die Rolle der Vereinigten Staaten im Nordatlantischen Bündnis sprach. Donald Trump will aber auch, und das ist ebenfalls offensichtlich, keine Schwäche der Vereinigten Staaten demonstrieren, erst recht nicht nach dem, was infolge des Krieges mit Iran geschehen ist. Das heißt, er will weder kämpfen noch demonstrieren, dass die Vereinigten Staaten Europa im Falle eines russischen Angriffs nicht verteidigen würden. Der einzige reale Ausweg aus dieser Situation besteht darin, eine weitere Eskalation auf europäisches Territorium zu verhindern. Und darüber könnte der CIA-Direktor im Grunde mit seinen Amtskollegen gesprochen haben. Auch das könnte ein wichtiges Gesprächsthema gewesen sein.

Kann man dabei irgendwelche Ergebnisse erzielen? Nein. Wenn in Russland die Entscheidung für einen hybriden oder echten Krieg mit den europäischen Nachbarstaaten der Ukraine getroffen wurde, dann geschieht das nicht, weil es Russland so gut geht, sondern weil es nach Wegen sucht, die europäische Unterstützung für die Ukraine zu stoppen. Russland befindet sich hier tatsächlich in einer schwierigen Situation. Putin möchte den Krieg gegen die Ukraine so schnell wie möglich beenden, aber mit seinem Sieg: mit der Beseitigung der ukrainischen Staatlichkeit, mit der Vertreibung von Millionen Ukrainern aus Gebieten, die die Russen zu russischen Gebieten erklären wollen. Wie soll das gelingen, wenn Russland weiterhin gegen ein Land kämpft, das westliche Unterstützung erhält?

Und übrigens ist es absolut kein Zufall, dass die russische Propaganda jeden Angriff auf einen Marktplatz, eine Ölraffinerie oder andere Infrastrukturobjekte der Russischen Föderation als Angriff des Westens, als Angriff Europas charakterisiert. Denn aus russischer Sicht hätte die Ukraine längst aufgehört, als Staat zu existieren, wenn der Westen ihr nicht helfen würde. Und aus russischer Sicht geht es darum, dass der Westen gegen Russland kämpft, damit Russland seine Kontrolle über sein natürliches Territorium nicht wiederherstellt. Genau das geschieht aus Sicht Moskaus tatsächlich.

Gehen wir weiter. Inwieweit können die Vereinigten Staaten Putin mit den Folgen einer solchen Eskalation einschüchtern? Ungefähr so wie 2022. Große Instrumente, mit denen Washington heute Einfluss auf die Russische Föderation nehmen könnte, gibt es nicht. Die meisten Energiesanktionen sind bereits verhängt. Auf Länder, die heute russisches Öl kaufen, können die Vereinigten Staaten real kaum Einfluss nehmen. Den Zollkrieg mit der Volksrepublik China hat Trump noch vor dem heißen Krieg mit Iran verloren. Sich vorzustellen, dass Trump selbst nach Verabschiedung des berühmten Graham-Blumenthal-Gesetzes vernichtende Sanktionen gegen die chinesische Ölverarbeitungsindustrie verhängen würde – und hier müsste es gerade gegen die chinesische Industrie gehen –, fällt schwer.

Außerdem wissen wir überhaupt nicht, was in diesem Herbst mit dem Öl geschehen wird, falls die Straße von Hormus nicht geöffnet wird. Und damit kommen wir zum zweiten Teil der möglichen Aufgaben des Direktors der Central Intelligence Agency. Hormus. Das ist derzeit tatsächlich das Hauptproblem der Administration Donald Trumps, ein wesentlich wichtigeres Problem als die Geschichte des russisch-ukrainischen Krieges. Der russisch-ukrainische Krieg ist für Trump und sein Umfeld ausschließlich ein Reputationsproblem. Trump hatte versprochen, diesen Krieg zu beenden. Er konnte sich mit Putin über nichts einigen. Er lehnt weiterhin eine reale, ernsthafte Hilfe für die Ukraine ab und betrachtet diese Hilfe im Gegenteil als einen der größten politischen und finanziellen Fehler Präsident Bidens.

Dadurch, dass es diese Hilfe nicht gibt, verbessert sich die wirtschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten bekanntlich nicht. Die Staatsverschuldung wächst, das Leben der Menschen verschlechtert sich, die Zustimmungswerte sinken. Dadurch, dass der Ukraine Waffen geliefert wurden, haben die amerikanischen Arsenale nicht besonders stark gelitten; durch die Handlungen des amerikanischen Militärs im Iran-Krieg dagegen so erheblich, dass die Vereinigten Staaten Gefahr laufen, ohne wirkliche Mittel zur Selbstverteidigung dazustehen, falls mehrere weltweite Konflikte gleichzeitig ausbrechen. All diese Erklärungen darüber, dass die Vereinigten Staaten irgendeinen Wirtschaftskrieg gegen Iran führen würden, sind, wenn Sie so wollen, bloßes Luftschütteln sowohl von Trump als auch von seinem Finanzminister Bessent. Rein propagandistische Erklärungen. Iran steht seit Langem unter Sanktionen der Vereinigten Staaten und anderer Länder der zivilisierten Welt. Er stand sogar unter Sanktionen des UN-Sicherheitsrates, nur damit er keine Atomwaffen entwickelt. Das hindert das iranische Regime nicht daran, die Gesellschaft weiter zu kontrollieren. Es hindert die iranische Gesellschaft nicht daran, selbst nach der Vernichtung des Obersten Führers Ali Khamenei und seines Umfelds zu überleben. Es hindert Iran nicht daran, Shahed-Drohnen zu produzieren. Ich erinnere daran, dass Iran genau das Land war, das begann, diese neue Waffe massenhaft gerade auf ukrainischem Boden zu erproben. Und es hindert Iran nicht daran, ballistische Raketen zu produzieren und diese anschließend auf Israel und die Länder des Persischen Golfs abzufeuern.

Wie hoch müsste der wirtschaftliche Druck auf Iran noch werden, damit Iran überhaupt darauf achtet, dass es sich mit Trump einigen soll? Nun, ich sage Ihnen, wie: Auch hier müsste man die Volksrepublik China, wie schon im Falle Russlands, dazu bringen, kein iranisches Öl mehr zu kaufen. 80 Prozent des iranischen Öls kauft China. Ich erinnere Sie daran, dass das sogar größere Mengen sind als die Menge an Öl, die China von Russland kauft, weil Russland Öl auch an Indien und andere Länder des Globalen Südens verkauft. Beim iranischen Öl dagegen ist China der offensichtliche Monopolabnehmer. Es hilft dem Regime der Islamischen Republik zu überleben. Aber ich wiederhole: Die Vereinigten Staaten verfügen über keine realen Druckmittel gegen Iran außer militärischen. Und militärische Schläge will Trump nicht führen, weil er bereits erkannt hat, dass sie hinsichtlich einer realen Veränderung der iranischen Politik völlig wirkungslos sind. Wie Sie bemerken, spricht der Präsident der Vereinigten Staaten nicht einmal mehr über das iranische Atomprogramm, das gerade in diesem Moment, während wir sprechen, fortgesetzt werden könnte. Er spricht ausschließlich über die Öffnung der Straße von Hormus. Und wie man das erreichen soll, weiß ich nicht. Alle propagandistischen Erklärungen darüber, dass heute 50 Prozent der früheren Zahl von Schiffen durch Hormus fahren, dass eine Route organisiert worden sei, werden bislang nicht durch die Realität bestätigt. Die Kraftstoffpreise steigen weiter, und die Probleme der Amerikaner mit ihrem Lebensstandard verschärfen sich weiter.

Trump muss diese Situation vor den Zwischenwahlen korrigieren. Er versteht sehr gut, was geschehen wird, wenn die Demokraten auch nur die Kontrolle über das Repräsentantenhaus gewinnen, das sich dann in einen Untersuchungsausschuss zu all den Handlungen verwandeln wird, die Trump 2025 und 2026 vorgenommen hat. Und dabei geht es nicht um Politik, sondern um Bereicherung, um die Nutzung des Amtes zur eigenen Bereicherung und zur Bereicherung von Mitgliedern seiner Familie. Trump wird dann einfach in einer enormen Zahl innenpolitischer Probleme versinken.

Die Frage ist: Kann man darüber mit Putin sprechen? Ja, denn die Russen verkaufen den Amerikanern völlig grundlos die Möglichkeit eines in Wirklichkeit gar nicht existierenden russischen Einflusses auf die iranische Politik und auf Teheran. Wirklich tun können sie nichts, aber der Direktor der Central Intelligence Agency kann mit ihnen darüber sprechen, dass man irgendwelche Zugeständnisse an Russland gegen russische Versuche eintauschen könnte, Hormus zu öffnen. Und die Russen werden Hormus nicht öffnen, und die Amerikaner werden am Ende keine Zugeständnisse machen, weil sie kein konkretes Ergebnis erhalten werden. Aber was Trump auch erzählen mag darüber, dass sein CIA-Direktor mit den Russen nicht über das Iran-Problem gesprochen habe: Trump braucht offensichtlich irgendeine reale Unterstützung bei der Öffnung der Straße von Hormus.

Und ich sage Ihnen: Wir selbst müssten sehr daran interessiert sein, dass diese Öffnung erfolgt, denn die Öffnung der Straße von Hormus nimmt dem Kreml seine heutigen Übergewinne aus dem Ölgeschäft. Heute kann der Brent-Preis in bestimmten Regionen und zu bestimmten Zeiten faktisch niedriger sein als der Preis für Urals, also russisches Öl, weil Länder des Globalen Südens infolge des Mangels an Brent, das durch Hormus gehen müsste, begonnen haben, russisches Öl ohne jenen, ich würde sagen, entgegenkommenden Rabatt zu kaufen, den ihnen die Russische Föderation früher gewährte. Für die Ukraine sind die Öffnung der Straße von Hormus und sinkende Ölpreise eine der wichtigen Voraussetzungen dafür, dass Russland zumindest in den kommenden Jahren beginnt, über die Möglichkeit eines Kompromisses im Krieg nachzudenken.

Nun sagen Sie mir bitte: Warum sollte Putin Trump bei der Öffnung der Straße von Hormus helfen? Putin ist gerade am Gegenteil interessiert: daran, dass die Meerenge geschlossen bleibt, dass die Demokraten die Wahlen gewinnen, dass Trump sich in endlose Diskussionen über seine finanziellen Interessen im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten verstrickt, dass es in Amerika keine starke Regierung gibt, die Putin mit Friedensverhandlungen auf die Nerven geht, dass es keine neuen Sanktionen gegen Russland gibt und dass Putin in der Ukraine freie Hand hat, zumindest bis zum Ende der Amtszeit Donald Trumps.

Ich versuche ständig daran zu erinnern. Putins diplomatisches Ziel besteht tatsächlich darin, Zeit bis 2028 zu gewinnen. Zumindest 2028 wird klar sein, wer für die Demokraten für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten kandidiert, wer für die Republikaner kandidiert und wie das Kräfteverhältnis aussieht. Und im November 2028 wird man im Kreml anhand des Ergebnisses der amerikanischen Präsidentschaftswahlen entscheiden, was man weiter mit dem russisch-ukrainischen Krieg tun will. Ungefähr dann, im Januar 2029, werden wir darüber sprechen können, wie die realen russischen Absichten aussehen. Jetzt besteht die Absicht darin, so lange wie möglich Zeit zu schinden, soweit es die russischen Ressourcen erlauben.

Und wenn wir nicht wollen, dass es im Januar 2029 nicht etwa um das Ende des Krieges geht, sondern darum, dass Russland im Januar 2029 seine neuen Absichten für den Krieg festlegt – zumal Sie verstehen, dass 2029 in Wirklichkeit gar nicht mehr so weit entfernt ist, wir sind bereits im August 2026. Das ist weniger Zeit, als der große russisch-ukrainische Krieg bereits dauert. Es sind weniger als viereinhalb Jahre. Dann besteht unsere Aufgabe darin, Putins Ressourcenpotenzial so weit zu verringern, dass in seinem Kopf andere Daten auftauchen.

Wie kann man das tun? Das ist bereits eine Frage an die Streitkräfte, an die Armee, an die Gesellschaft. Die Streitkräfte müssen den Feind an den Linien aufhalten, an denen er vorrückt, ihm zumindest nicht erlauben, im Rahmen der von Putin gewählten Salamitaktik, nachdem sein Blitzkrieg gescheitert war, immer neue ukrainische Gebiete zu erobern. Die Produktion offensiver Waffen, Raketen und Drohnen muss gesteigert werden. Sie müssen in Russland dessen Ressourcen zerstören, die Wiederherstellung von Ölraffinerien verhindern, Rüstungsbetriebe zerstören, Infrastruktur zerstören, damit Russland seine Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur einstellt, die Energieinfrastruktur der Russischen Föderation zerstören und diesen Staat faktisch in Dunkelheit versinken lassen. Zumal das Klima in dieser Hinsicht eher auf unserer Seite ist. Bei uns kann es einen warmen Winter geben, für Russland ist das eher eine Ausnahme, denn schon das Klima in der Russischen Föderation macht Heizung und Strom im Winter zu einer Notwendigkeit. Und auch die Russen müssen begreifen, dass man das Spiel „Lasst uns das feindliche Land einfrieren und seine Bevölkerung zur Kapitulation zwingen“ zu zweit spielen kann.

Und natürlich muss die ukrainische Gesellschaft selbst eine sehr einfache Frage beantworten: Ist sie bereit, vor Russland zu kapitulieren, oder ist sie bereit, all diese Lasten des Krieges weiter zu ertragen und zu begreifen, dass es zwischen diesen beiden Fragen, zwischen diesen beiden Begriffen leider keine Mitte gibt? Obwohl ich einräume, dass irgendein amerikanischer Beamter, selbst der Direktor der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten, diese goldene Mitte weiterhin sucht, im Geiste des Siegers der letzten Präsidentschaftswahlen in der Ukraine, der bekanntlich vorgeschlagen hatte, sich in der Mitte zu treffen. Nun, wir haben uns getroffen. So sieht es aus.

Was für mich aufschlussreicher ist als dieser Besuch in der russischen Hauptstadt, ist etwas ganz anderes. Wie Sie sehen, eilen die Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten Steve Witkoff und Jared Kushner weder nach Moskau noch nach Kyiv. Ihre Reisen werden ständig verschoben. Mal werden sie von ukrainischen, mal von russischen Beamten angekündigt, aber Witkoff und Kushner reisen weder in die Ukraine noch nach Russland. Aus einem einfachen Grund: Trump hat bereits verstanden, dass ergebnislose Reisen keinen Sinn mehr haben. Er braucht eine Reise, die ein reales Ergebnis bringt, eine Reise, nach der er sagen könnte, dass etwas geschehen ist: dass ein Waffenstillstand zustande gekommen ist, dass es eine Energie-Waffenruhe geben wird, dass es eine Waffenruhe auf See geben wird, wenigstens irgendetwas, worüber man sich einigen konnte. Doch es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass man sich mit Russland in absehbarer Zukunft über irgendetwas einigen kann.

Ich spreche gar nicht erst davon, dass dieser Krieg für Donald Trump tatsächlich auf den zweiten oder dritten Platz gerückt ist – vor dem Hintergrund des Krieges im Nahen Osten, den er nicht gewinnen kann, und vor dem Hintergrund des Zollkrieges, den er nicht gewinnen kann und den er weiterführt. Gerade in diesen Tagen beginnt die nächste Runde des Zollkrieges mit dem benachbarten Kanada. Das sind enorme Probleme für die amerikanische Wirtschaft, glauben Sie mir. Für Trump ist das heute eine wesentlich ernstere Geschichte als der russisch-ukrainische Krieg, eine Geschichte mit unmittelbarer Bedeutung für die Wahlen, denn Trump und sein Umfeld kämpfen jetzt einfach darum, bei den Zwischenwahlen zum Kongress wenigstens irgendwelche Positionen zu halten. Dazu gehört auch der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten, der versucht, die Briefwahl zu verbieten, was nach Ansicht Trumps und seiner Anhänger die Zahl demokratischer Wähler bei den Kongresswahlen reduzieren könnte.

Und das Wichtigste: Sowohl Witkoff als auch Kushner müssen sich mit den wichtigsten außenpolitischen Richtungen befassen, die Fragen des politischen Überlebens Donald Trumps sind. Da ist die Iran-Frage, die Witkoff noch immer nicht lösen kann, egal wie viele Verhandlungsrunden er führt und egal wie oft Trump verspricht, Iran werde schon morgen irgendein Abkommen mit den Vereinigten Staaten unterzeichnen und schon morgen die Meerenge öffnen. Iran handelt genauso, wie Russland im russisch-ukrainischen Krieg gehandelt hat. Es schindet Zeit, zumindest bis zu den Zwischenwahlen. Und dann gibt es noch den Verhandlungsprozess im Gazastreifen, der für Trump ebenfalls sehr wichtig ist vor den Zwischenwahlen. Auch dort funktioniert nichts, weil Trump ständig große Siege verkündet und erklärt, die Entwaffnung der Terrororganisation Hamas stehe unmittelbar bevor und der Abzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen ebenfalls. Aber nichts geschieht, obwohl Trumps Schwiegersohn kürzlich den Nahen Osten besuchte, sogar mit einem Hamas-Führer zusammentraf und mit ihm über irgendetwas sprach. Im Ergebnis gibt es nichts.

Zumal auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu einen Wahlkampf führt, und dieser ist für ihn riskanter als für Donald Trump. Denn Netanjahu ist sich darüber im Klaren, dass er, wenn er die Parlamentswahlen verliert und nicht mehr Ministerpräsident Israels ist, juristisch ernsthaft unter Beschuss geraten könnte. Er weiß das, und für ihn ist es eine Frage des politischen Überlebens, an der Macht zu bleiben. Für ihn ist das wichtiger, als Trump zu unterstützen. In dieser Situation gehen ihre Interessen radikal auseinander, weil jeder an sein eigenes politisches Überleben und an die Folgen eines Scheiterns denkt.

Wo ist da Platz für den russisch-ukrainischen Krieg? Er ist ausschließlich für uns von entscheidender Bedeutung, nicht für die Amerikaner. Und mit „uns“ meine ich jetzt nicht einmal nur die Ukrainer, sondern die Europäer. Dass europäische Staats- und Regierungschefs am Unabhängigkeitstag die ukrainische Hauptstadt besuchten, sich mit Zelensky trafen und eine Sitzung der Koalition der Willigen abhielten, dass uns mitgeteilt wurde, man werde uns Storm-Shadow-Technologien zur Verfügung stellen – all das sind Zeichen dafür, dass Europa nicht vorhat, uns ohne Unterstützung durch sein Handeln zu lassen. Das sind Signale, die weitaus wichtiger sind als Reisen amerikanischer Beamter.

Putin ging eigentlich davon aus – und auch hier hat er sich wieder verrechnet –, dass nach Donald Trumps Rückkehr ins Oval Office die Frage des russisch-ukrainischen Krieges sich von selbst lösen würde, einfach weil die Amerikaner aus der umfassenden Unterstützung der Ukraine aussteigen würden. Und genau das haben sie getan. Denn von Bidens Politik ist bei Trump nicht einmal ein Schatten geblieben. Es gibt dieses Hilfspaket nicht, das es geben könnte, obwohl Sie sehen, dass das Repräsentantenhaus den Ukraine-Hilfsakt mit einer ziemlich großen finanziellen Ausstattung verabschiedet hat. Das heißt, das Geld ist vorhanden. Trump will es nur nicht geben.

Und Putin dachte, wenn diese Hilfe endet, endet auch der ukrainische Widerstand. Das ist nicht geschehen. Es ist nicht geschehen, weil die Europäer begriffen haben, dass die Unterstützung der Ukraine für sie eine Frage des eigenen Überlebens ist. Und wie Sie sehen, wird diese Unterstützung ausgeweitet, weil uns heute niemand mehr bei weitreichenden Angriffen beschränkt. Unsere Angriffe auf das Territorium der Russischen Föderation, auf Infrastrukturobjekte, werden unterstützt.

All das ist meiner Ansicht nach der wichtigste Punkt, der uns so oder so dabei helfen muss, diesem russischen Druck auch künftig zu widerstehen. Gleichzeitig steckt darin aber auch die Frage einer realen, wenn Sie so wollen, Ausweitung des Konflikts, möglicher realer russischer Handlungen in Europa. Und genau das, räume ich ein, könnte ebenfalls Thema dieser Reise des CIA-Direktors in die russische Hauptstadt gewesen sein. Das sind meine ersten Einschätzungen nach diesen zwei Tagen der Diskussion über diese Reise, einer meiner Ansicht nach wichtigen Diskussion.

Ich werde einige Fragen beantworten, die in dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Erwarten Sie, dass Iran Trump gerade vor den Wahlen einen heißen Krieg beschert? Der Logik nach müssten sie genau das jetzt planen. Andererseits ist interessant, dass Russland Trump als Präsidenten gerade braucht.

Portnikov. Ich denke, Russland braucht nicht Trump als Präsidenten, sondern einen schwachen amerikanischen Präsidenten. Einen Präsidenten, der in einen Krieg mit dem Kongress verwickelt ist – genau den braucht Russland. Und genau das könnten die Ergebnisse der Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten bewirken. Russland braucht die Konfrontation Trumps mit dem Kongress. Denn sie verstehen, dass Trump in dieser Situation bereits 2027 zur lahmen Ente wird. Obwohl alle Vorrechte bei der Gestaltung der Außenpolitik in seinen Händen bleiben werden, wird er zugleich mit völlig anderen Fragen beschäftigt sein.

Was die Frage angeht, ob Iran Trump einen heißen Krieg bescheren wird: Ich glaube nicht, dass Iran Trump gerade vor den Wahlen einen heißen Krieg bescheren will. Das braucht Iran nicht. Es muss nur die Straße von Hormus geschlossen halten. Die andere Frage lautet: Wird Trump bereit sein, Iran eine weitere Runde heißen Krieges zu erklären, falls die Meerenge geschlossen bleibt?

Aber Sie müssen eine einfache Sache verstehen. Die Kontrolle des Luftraums allein ist kein ausreichend wirksames Mittel mehr, um einem feindlichen Land die eigenen Bedingungen oder Frieden aufzuzwingen. Die Situation hat sich verändert. Russland besitzt keine Luftherrschaft über der Ukraine. Wie Sie verstehen, kann es uns mit Raketen angreifen, es kann Drohnen schicken, aber das ist keine Luftherrschaft, weil wir weiterhin Flugabwehrsysteme besitzen. Ja, ballistische Raketen können wir nicht abschießen, aber alles andere können wir neutralisieren. Und über unseren Köpfen fliegen keine russischen Flugzeuge. Die Vereinigten Staaten dagegen besitzen im Grunde Luftherrschaft über Iran. Und? Nichts.

Um im Iran-Krieg tatsächlich irgendwelche Ergebnisse zu erzielen, müssten die Vereinigten Staaten sich darauf einlassen, dort ein Militärkontingent einzusetzen. Vielleicht nicht, um Iran zu besetzen, das iranische Regime zu vernichten und den Iranern einen Übergang zur Demokratie zu ermöglichen. Nein, zumindest aber für eine teilweise Kontrolle des Territoriums, die es erlauben würde, Hormus zu entsperren. Trump versteht jedoch sehr gut alle Risiken einer solchen Operation, die Zahl der Opfer, und wird sich zumindest bis zu den Zwischenwahlen ganz sicher nicht dazu entschließen. Das ist die ganze Antwort auf die Frage.

Frage. Wie kann es mit einer solchen Politik der Vereinigten Staaten weitergehen? Erwarten Sie, dass der herrliche Ozean die Feinde möglicherweise nicht daran hindern wird, das Territorium der Vereinigten Staaten selbst anzugreifen? Sehen Sie eine solche Logik der Ereignisse?

Portnikov. Ich sehe absolut, dass wir uns genau in Richtung einer solchen Entwicklung der Ereignisse in der Welt bewegen. Die Amerikaner haben schlicht nicht verstanden, dass die Welt sehr viel kleiner geworden ist und grundsätzlich Waffen entstehen können, die Angriffe auf das Territorium der Vereinigten Staaten ermöglichen, gegen die kein Ozean helfen wird. Es kann noch eine weitere Situation entstehen, verbunden mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz und neuer Waffen, in der es nicht mehr ausreichen wird, beim Schutz strategisch wichtiger Objekte der Vereinigten Staaten einfach davon auszugehen, der Ozean werde Amerika schützen. Diese Angriffe können vom Territorium Amerikas selbst ausgehen. Die berühmte Operation „Spinnennetz“ der ukrainischen Geheimdienste ist im Grunde ein Passierschein in eine neue Welt, in der die Zerstörung irgendeiner Militärbasis oder ein Angriff auf ein Atomkraftwerk vom Territorium Amerikas selbst aus erfolgen kann.

Sie verstehen ja, dass sich die Welt mitunter sehr schnell verändert und wir mit ihren Veränderungen nicht einmal Schritt halten. Auch der 11. September war eine Demonstration dafür, wie man innerhalb der Vereinigten Staaten selbst einen groß angelegten Terroranschlag durchführen kann, der im Grunde als Aggression charakterisiert werden könnte. Dieses Unglück kam ja nicht aus irgendeinem anderen Territorium in die Vereinigten Staaten. Terroristen entführten amerikanische Flugzeuge auf amerikanischem Territorium. Ja, seither wurden Sicherheitsregeln und Protokolle geändert, es wurden Schläge gegen Länder geführt, die Terroristen als Stützpunkte dienten. Aber heute verändern sich die technologischen Möglichkeiten erneut. Das kann also zu einem realen Problem für die Vereinigten Staaten werden.

Außerdem verstehen Sie, dass die Vereinigten Staaten überall auf der Welt Einrichtungen haben. Reale, ernsthafte militärische Einrichtungen. Und wenn gleichzeitig etwa ein Krieg im Nahen Osten, auf der koreanischen Halbinsel und in Europa ausbricht, werden die Vereinigten Staaten schlicht keinerlei reale technologischen Möglichkeiten haben, all diesen Gefahren entgegenzutreten und ihre Stützpunkte zu 100 Prozent zu schützen.

Kommentar. Zumindest war die Reise des CIA-Direktors ein Fehler. Putin hat verstanden, dass ihre Position schwach ist, und wird einfach so weitermachen. Sie hätten sein Flugzeug auf dem Rückweg sogar abschießen können.

Portnikov. Nein, hätten sie nicht. Flugzeuge von Direktoren der Central Intelligence Agency werden ebenso wenig abgeschossen wie das Flugzeug des Präsidenten der Russischen Föderation oder des Direktors des Föderalen Sicherheitsdienstes Russlands. Es gibt bestimmte Verhaltensregeln in der Weltpolitik, die weiterhin völlig offensichtlich sind, wenn es um das Verhalten der mächtigsten Atommächte der heutigen Welt geht. Präsident Putin hätte also kein Flugzeug abgeschossen. Der Direktor der Central Intelligence Agency riskierte nichts.

Übrigens die beliebte verschwörungstheoretische Frage: Warum flog er dort mit einem Frachtflugzeug hin? Weil er sein eigenes Auto mitbrachte. Wiederum wollte er aus Sicherheitsgründen aus irgendeinem Grund nicht den diplomatischen Transport der Vereinigten Staaten nutzen, der in der russischen Hauptstadt vorhanden ist. Ich muss sagen, dass ich ihn sehr gut verstehe. Wenn ich in der heutigen Situation als Direktor der Central Intelligence Agency nach Moskau fliegen würde, würde ich ebenfalls versuchen, mich mit meiner eigenen Limousine fortzubewegen und am besten mit geschlossenen Fenstern.

War dieser Besuch ein Fehler? Das kann ich Ihnen aus einem einfachen Grund nicht sagen. Ich weiß nicht, über welche konkreten Fragen der CIA-Direktor mit seinen russischen Gesprächspartnern gesprochen hat. Warum sollten wir etwas erfinden?

Frage. Warum ist Putin überzeugt, dass eine Verstärkung der Angriffe auf ukrainische Städte zur Kapitulation führen kann? All diese Kriegsjahre haben doch gezeigt, dass er keinen Sieg errungen hat.

Portnikov. Vielleicht glaubt Putin, dass die bisherigen Angriffe nicht ausgereicht haben, um die Ukrainer dazu zu bringen zu begreifen, dass es für sie nur einen einzigen Ausweg zum Überleben gibt: die Kapitulation. Wenn Sie übrigens die enorme Zahl russischer Bots in sozialen Netzwerken sehen und auch unsere nützlichen Idioten, von denen es ebenfalls nicht wenige gibt, dann sehen Sie, dass sie ständig sagen: „Warum sollen wir ohne Wasser, ohne Strom, ohne Wärme leben? Wie sollen wir den Winter überstehen? Wir müssen uns mit Putin einigen, wir müssen diesen Krieg endlich beenden. Unsere Regierung kann das nicht. Sie ist ineffektiv, sie kann sich nicht einigen.“ Das heißt, faktisch wird dieselbe Platte wieder aufgelegt, die wir 2019 vom heutigen Präsidenten und von seinen Anhängern gehört haben. Die Regierung bereichert sich am Krieg, Korruption.

Natürlich werde ich nicht bestreiten, dass es heute Korruption in der Staatsführung gibt. Ich werde nicht einmal bestreiten, dass es sie 2019 gab. Und ich werde, meine Freunde, auch nicht bestreiten, dass es sie 2029 oder 2034 geben wird. Korruption ist eine ernste Krankheit der Ukraine. Besonders Korruption auf hoher Ebene, die wir noch jahrzehntelang überwinden müssen. Wenn Sie in der Ukraine leben wollen, werden Sie noch sehr, sehr lange in einem korrupten Staat leben. Das wissen Sie sehr gut. Man braucht keinen Zynismus.

In einer Gesellschaft, in der jeder etwas „regeln“ will, aber Korruption auf hoher Ebene verurteilt, findet sich immer jemand, der diesen Wunsch, Dinge zu regeln, zu seinem eigenen Vorteil nutzt. Seien wir also nicht zynisch. Machen wir uns die Abhängigkeit der ukrainischen Gesellschaft, wie übrigens der Gesellschaft jedes orthodox geprägten Landes, vom Aufbau einer korrupten vertikalen und horizontalen Machtstruktur bewusst. Das ist historisch bedingt, und dagegen zu kämpfen wird nicht einfach sein, obwohl man es tun muss.

Aber wir verstehen doch, dass das nicht der Kern des Problems ist. Wenn man Sie mit ballistischen Raketen angreift, ist das keine Frage der Korruption. Eine Frage der Korruption ist, dass wir in all dieser Zeit kein eigenes System gegen ballistische Raketen geschaffen haben, dass wir irgendwann sämtliche Militärprogramme gestoppt haben, die dazu hätten führen sollen. Aber das ist eher eine Frage politischer Korruption.

Dass Putin die Ukraine vernichten will, ist keine Frage der Korruption in der ukrainischen Staatsführung. Das Problem besteht darin, dass wir alle – anständige Menschen, Idioten, Korrupte und Antikorruptionskämpfer – auf demselben Schiff gelandet sind, das Russland zusammen mit uns allen versenken will, damit niemand hinausschwimmt, niemand überlebt und anschließend nur noch die Leichen auftreiben. Eine andere Sache ist, dass sich die Besatzung dieses Schiffes idiotisch verhält. Das ist eine Tatsache. Aber diese Tatsache besteht bereits seit vielen Jahren. Putin hofft jedoch, dass die Zeit für ihn arbeiten wird. Deshalb verhält er sich so. Er glaubt, dass die Zeit ihm helfen wird.

Frage. Ich verstehe nicht, warum die Vereinigten Staaten keinen wirtschaftlichen Einfluss auf Iran haben. Wenn Trump Hormus für alle schließt, einschließlich chinesischer Schiffe, kann China faktisch nicht mehr für iranisches Öl bezahlen, oder?

Portnikov. Nun, das ist eine gute Frage. Aber Iran hat offenbar die Möglichkeit, sein Öl irgendwie durch Hormus und weiter zu transportieren. Trump behauptet, Iran vollständig blockiert zu haben, aber dann ist Hormus offenbar doch nicht vollständig blockiert. Iranische Schiffe können ihn weiterhin passieren. Und irgendwie kann er dieses Öl illegal weiter nach China schicken.

Das heißt, die Amerikaner haben bislang weder die Möglichkeit, Hormus zu öffnen, noch Iran vollständig zu blockieren. Also bezahlt China auf irgendeine Weise für iranisches Öl. Vielleicht handelt es sich nicht um dieselbe Menge wie vor dem Krieg, aber um eine Menge, die für das iranische Regime ausreicht. Vielleicht. Deshalb hoffen die Vereinigten Staaten darauf, mit irgendwelchen Sekundärsanktionen gegen China tatsächlich auf diese Situation Einfluss nehmen zu können. Aber ich sehe bislang keinerlei Möglichkeit, dass das so schnell geschieht.

Frage. Fürchtet China eine unkontrollierte Eskalation, die durch die Fortsetzung des Krieges ausgelöst werden könnte?

Portnikov. Wenn es um den Einsatz von Atomwaffen geht, wahrscheinlich ja. Wenn es um einen ernsthafteren Krieg geht, dann nicht, weil ein solcher Krieg China vollkommen in die Hände spielt. Die beiden wichtigsten Atommächte der Welt haben bereits ihre Unfähigkeit demonstriert, eine Frage zu lösen, die sie mit Gewalt lösen wollten. Das ist der Niedergang der geopolitischen Rolle der Russischen Föderation dort, wo sie vorhanden war – im postsowjetischen Raum, im Osten Europas. Und das ist der Niedergang der geopolitischen Rolle der Vereinigten Staaten.

China hält sich bislang erfolgreich von der Versuchung zurück, selbst die Fähigkeit demonstrieren zu wollen, schwierige Probleme mit Gewalt zu lösen. Wenn Xi Jinping dieser Versuchung etwa nicht widersteht und einen Konflikt mit Taiwan, Japan oder den Philippinen beginnt und verliert, wird das den Beginn eines vollständigen Chaos in der Welt bedeuten.

Sie können sich überhaupt nicht vorstellen, was für eine Welt das sein wird. Vollständiges, völlig unkontrolliertes Chaos. Wir werden in der Matrix leben. Sie können sich die Folgen nicht einmal vorstellen, wenn auch China diesem Klub von Ländern beitritt, die versucht haben, Gewalt einzusetzen und gezeigt haben, dass sie in Wahrheit gar nicht über genügend Kraft verfügen, um alles zu lösen.

Solange China darauf verzichtet, befindet es sich in einer vorteilhaften Lage, bei ihm ist alles in Ordnung. Verstehen Sie? Denn die Stärke einer Großmacht liegt nicht im Einsatz von Gewalt, sondern in der Androhung von Gewalt, in der sogenannten Soft Power und in der Furcht davor, dass eine Großmacht Gewalt einsetzen könnte. Wenn aber eine Großmacht Gewalt einsetzt und das gewünschte Ergebnis nicht erreicht, hört sie auf, eine Großmacht zu sein. Selbst wenn sie Atomraketen besitzt, die die gesamte Menschheit vernichten könnten.

Das ist mit Putins Russland geschehen und das ist mit Trumps Amerika geschehen. Mit Xi Jinpings China ist es noch nicht geschehen, aber es kann geschehen, weil wir uns im Grunde auf eine Welt unkontrollierten Chaos zubewegen. Das 21. Jahrhundert wird höchstwahrscheinlich das Jahrhundert unkontrollierten Chaos sein. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie interessant es hier für diejenigen sein wird, die überleben.

Frage. Derzeit zeichnet sich in den Vereinigten Staaten ein parteiübergreifender gesellschaftlicher Konsens zugunsten einer Isolation von äußeren Kriegen ab. Wenn das ganze Volk die Rolle des Weltpolizisten ablehnt, wer kann es daran hindern?

Portnikov. Nun, eine so mächtige Kraft wie die Geschichte. In den Vereinigten Staaten gab es immer wieder Situationen, in denen sie irgendwann die Rolle des Weltpolizisten ablehnten und dann versetzte ihnen Madame Geschichte einen Schlag in den Rücken. Und das wird natürlich auch jetzt geschehen, wenn die Vereinigten Staaten auf ihre Rolle als Weltpolizist verzichten.

Und wenn dann dieser Schlag erfolgt – und er wird unweigerlich erfolgen, weil die Autokratien diese gesellschaftliche Ablehnung der Rolle des Weltpolizisten als Schwäche wahrnehmen werden –, dann könnte das amerikanische Volk auf den Leichen seiner Landsleute, auf ihren Gräbern, und es können viele sein, gezwungen werden, zu einem anderen Konsens überzugehen: zum Konsens der Selbstverteidigung. Und es wird begreifen, dass der Konsens der Selbstverteidigung in der Wiederherstellung der Rolle des Weltpolizisten, in der Sicherheit Europas und in der Sicherheit des asiatisch-pazifischen Raums besteht.

Dafür braucht es lediglich diesen Schlag, der erfolgen wird. Ich verspreche ihn Ihnen nicht, ich garantiere ihn. Sie können sich seine Folgen gar nicht vorstellen. Wenn Sie in den Vereinigten Staaten leben, werden Sie Zeuge von etwas werden, das Sie sich heute nicht einmal vorstellen können. Ich beneide Sie als Journalist; ich würde in diesem Moment gern bei Ihnen sein, denn in solchen Momenten muss man immer Zeuge sein. Sie wissen, Journalismus ist die Poesie der Katastrophen. Sie werden also sehen, wie es sein wird.

Aber ich glaube nicht, dass dieser Rückzug so vollständig stattfinden wird, denn schon jetzt ist klar, dass es für die Vereinigten Staaten in der Zeit nach Trump nicht so einfach sein wird, aus dieser Rolle auszusteigen.

Frage. Wenn in Frankreich oder Deutschland die Rechte an die Macht kommt, wird die Unterstützung für die Ukraine bestehen bleiben?

Portnikov. Ich denke, das ist ein ernstes Problem, wenn Sie mit „der Rechten“ Marine Le Pen oder die Partei Alternative für Deutschland meinen. Aber noch einmal: Wir müssen sagen, dass wir erst einmal die Zeit bis dahin überstehen müssen. Die Ukraine muss bis dahin erhalten bleiben.

Die Alternative für Deutschland wird in den nächsten Jahren kaum Anspruch auf die Macht in Deutschland erheben können, denn selbst wenn sie die populärste Partei in der Bundesrepublik sein sollte, wird sie kaum mit jemandem eine funktionsfähige Koalition bilden können.

Was Marine Le Pen angeht: Wie Sie sehen, entwickeln sich auch ihre Positionen gegenüber der Ukraine weiter. Wenn sie Präsidentin Frankreichs wird, könnte sie sich ebenfalls von einer völlig unerwarteten Seite zeigen, wenn sie ihre eigenen Interessen als politische Führungsfigur berücksichtigt.

Schließlich sind in Italien die Ultrarechten an die Macht gekommen. Giorgia Meloni ist die Führerin einer, würde ich sagen, sogar radikaler ultrarechten Partei als Marine Le Pen. Solche Parteien wurden noch vor Kurzem wegen ihrer Ideologie nicht einfach postfaschistisch, sondern faschistisch genannt, und man lag damit nicht falsch.

Und sie kam an der Spitze einer Koalition an die Macht, in der politische Akteure vertreten sind, die sich an Moskau orientierten: Matteo Salvini, der für seine Verbindungen zum Kreml bekannt war, sowie die politischen Erben des inzwischen verstorbenen ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Und ist diese Koalition prorussisch geworden? Nein.

Weder Meloni noch Salvini noch Tajani erlauben sich ein solches Verhalten. Salvini versucht es, gerät dabei aber in Konflikt mit seinen Koalitionspartnern. So einfach ist es also nicht.

Und noch einmal: Sie schauen zu weit voraus. Ich sage nicht, dass man nicht in die Zukunft schauen und nicht über strategische Fragen nachdenken soll. Aber für uns ist jetzt wichtig, die Jahre 2026 bis 2028 zu überstehen, Putin keine Hoffnung darauf zu geben, dass sich durch Veränderungen der innenpolitischen Landschaft in den Vereinigten Staaten etwas zu seinen Gunsten verändern wird.

Putin darf auch nicht die Hoffnung bekommen, dass die Reisen des Direktors der Central Intelligence Agency nach Moskau ein Zeichen der Hilflosigkeit Washingtons gerade in der Ukraine-Frage sind und dass die Ukraine bereit sein wird, ihre Prinzipien und Interessen zugunsten der Befriedigung von Putins chauvinistischen Ambitionen aufzugeben.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Секретна місія у Москві: що далі | Віталій Портников. 26.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 26.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Unabhängigkeit: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 24.08.2026.

Ich gratuliere herzlich allen, die diese Sendung sehen und sie später als Aufzeichnung sehen werden, zum 35. Jahrestag der ukrainischen Unabhängigkeit. Ein solches Alter ist für einen Staat trotz all der Prüfungen, die wir durchlebt haben, bereits ein realer Zeitraum, in dem man sagen kann, dass die Staatlichkeit stattgefunden hat und sich selbst verteidigen kann.

Dass die ehemalige Metropole in dieser Situation im Grunde einen realen Kampf um die Vernichtung unserer Staatlichkeit führt, dass wir gezwungen sind, den 35. Jahrestag der ukrainischen Unabhängigkeit im Krieg zu feiern, ist, könnte man sagen, in gewissem Maße ein historisches Paradox. Wir kennen viele Beispiele dafür, dass ehemalige Metropolen versuchen, dem unabhängigen Bestehen ihrer früheren Kolonien, dem unabhängigen Bestehen von Territorien, die einst zu ihnen gehörten, ein Ende zu setzen. Aber man muss dem Russischen Imperium zugestehen: Es gibt selbst nach Jahrzehnten keine Ruhe.

Die Ukraine ist übrigens nicht der erste Staat, dessen Unabhängigkeit Russland Jahrzehnte nach ihrer Ausrufung infrage stellt. 

  • Die Sowjetunion beseitigte die Unabhängigkeit der baltischen Staaten zwei Jahrzehnte nach der Ausrufung ihrer Souveränität. 
  • Zwei Jahrzehnte nach der Ausrufung der polnischen Unabhängigkeit, nachdem die sowjetischen Truppen vor Warschau eine Katastrophe erlitten hatten, setzten Stalin und Hitler dem Bestehen des unabhängigen polnischen Staates ein Ende. 
  • Zwei Jahrzehnte später gab es Versuche, die Unabhängigkeit Finnlands zu vernichten.

Wenn wir also denken, dass mit der Ukraine etwas völlig Unglaubliches geschieht, dass so etwas eigentlich gar nicht sein könne, wenn zwei Staaten über Jahrzehnte nebeneinander existieren, Vereinbarungen über die Unverletzlichkeit ihrer Staatsgrenzen unterzeichnen, diplomatische Beziehungen aufnehmen, als gäbe es keinerlei Zweifel an der Souveränität jedes dieser Staaten, und dann ein Krieg beginnt, in dem eines dieser Länder versucht, dem anderen die Staatlichkeit zu nehmen. Und genau darin liegt ein, ich würde sagen, historisches Paradox. 

Wir müssen uns daran erinnern, dass es mit Russland immer so war und immer so sein wird. Das Wichtigste ist, dass wir auch dies in der Logik all jener Ereignisse begreifen, die wir auf der russisch-ukrainischen Achse beobachten. Russland existiert im Laufe seiner Entwicklung als Staat als eine besondere Form der Expansion. Und wenn die Möglichkeiten zur Expansion enden, enden auch die Möglichkeiten zur Entwicklung seiner Staatlichkeit.

Vielleicht machen sich die Russen selbst darüber nicht vollständig klar, aber wir müssen uns darüber im Klaren sein und verstehen, dass die russische Expansion buchstäblich niemals enden wird. Es wird niemals einen solchen, ich würde sagen, gewöhnlichen russischen Staat geben, dessen Bürger gezwungen wären, sich mit der inneren Entwicklung ihres eigenen Lebens zu beschäftigen und nicht ständig darauf zu schielen, andere Gebiete zu erobern, und nach Putin würde irgendein Friedensstifter kommen und sagen: „Das war’s, wir brauchen nichts mehr.“ Historisch wird das nicht so sein.

Und dann kann natürlich bei jedem die Frage entstehen: „Wie kommen wir aus dieser Situation heraus?“ Der Ausweg ist ziemlich einfach. Man muss die russische Expansion in eine andere Richtung umlenken. Die Russen müssen sich davon überzeugen, dass es – auch wenn ihre imperiale Existenz ohne das Territorium der Ukraine offensichtlich nicht lebensfähig ist – besser ist, andere Gebiete mit geringeren Verlusten zu erobern, als alles zu verlieren: Demografie, Wirtschaft und finanzielle Ressourcen in einem ewigen Krieg mit der Ukraine. Wenn man es ganz genau formulieren will: Die Russen müssen des russisch-ukrainischen Krieges früher müde werden, als die Ukrainer der Bereitschaft müde werden, um ihre Existenz zu kämpfen, und ihre Expansion in andere Richtungen umlenken.

Und wir werden jenen Ländern und Völkern helfen, die einem neuen schrecklichen Schlag ausgesetzt sein werden, standzuhalten, ihre Staatlichkeit und ihr Ethnos zu bewahren, so wie diese Völker uns in den neuen schrecklichen Kriegen des 21. Jahrhunderts helfen. Und genau das wird die Kulmination der ukrainischen Unabhängigkeit sein.

Noch einmal: Ich sehe darin nichts, was es bei anderen Völkern nicht auch gegeben hätte. Nach Kyiv ist der finnische Präsident Alexander Stubb gekommen. Einst kämpfte Finnland um den Erhalt seiner Unabhängigkeit, die Finnen in ihrem angestammten Siedlungsgebiet zu bewahren und nicht in Sibirien zu landen, selbst als Finnland zweimal gezwungen war, auf einen Teil seines international anerkannten Territoriums zu verzichten. Und heute hilft Finnland uns.

Zu uns kommen polnische Staatsführer. 1939 verschwand der polnische Staat von der politischen Weltkarte, als hätte es ihn nie gegeben. 1945 wurde er in einer völlig neuen geografischen Konfiguration wiederhergestellt, dank der Vereinbarungen zwischen Roosevelt, Churchill und Stalin. Und über lange Jahrzehnte existierte er nicht als ein Land, das tatsächlich in der Lage war, seine Souveränität zu sichern, sondern als sowjetischer Satellit. Heute hilft Polen uns und wird uns weiter helfen, im blutigen Kampf mit Russland standzuhalten.

So wird es auch mit der Ukraine sein. Eines Tages werden neue Opfer russischer Aggression sagen müssen: „Seht, die Ukraine hat jahrelang für ihre Unabhängigkeit gekämpft, etwas gewonnen, etwas verloren, etwas in Russland zerstört und etwas nicht zerstören können. Und heute, unter den neuen Bedingungen eines neuen schrecklichen Krieges, den wir durchleben, hilft sie uns.“

Das ist unsere Zukunft in ihrer optimistischsten Variante. Die Umlenkung der russischen imperialen Expansion von der Ukraine auf andere Gebiete, die nicht über einen solchen Vorrat an Bereitschaft verfügen werden, gegen Russland zu kämpfen, wie ihn das ukrainische Volk im zwölften Jahr des russisch-ukrainischen Konflikts und im viereinhalbten Jahr des russisch-ukrainischen Krieges besitzt.

Man kann natürlich lange analysieren, wie es überhaupt dazu kam, dass unsere Unabhängigkeit über viele Jahre nicht mit einem Gefühl für diese Gefahr aus der Metropole verbunden war. Denn tatsächlich ist das das Hauptrisiko für unsere Existenz.

Es gibt eine enorme Zahl anderer Risiken, aber die gibt es überall. Überall gibt es das Problem korrupter Staatsführung, jenes Problem, mit dem wir in den 35 Jahren des Bestehens der unabhängigen Ukraine konfrontiert waren und, glauben Sie mir, in den nächsten 35 Jahren in nicht geringerem Ausmaß konfrontiert sein werden. 

Es gibt das Problem inkompetenter Staatsführung, jenes Problem, das, könnte man sagen, nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2019 triumphierte. Und die Ukraine wurde hier zu einem der Beispiele für Staaten, deren Bürger bereit sind, auf die Wahl professioneller Politiker zugunsten neuer Gesichter zu verzichten, weil sie darin die Lösung aller Probleme sehen.

Aber noch einmal: Ist das nur ein ukrainisches Phänomen? Können wir sagen, der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky sei weniger professionell als der amerikanische Präsident Donald Trump? Das würde ich natürlich niemals sagen. Insofern ist das eine völlig gewöhnliche, ich würde sagen, Entwicklung eines Landes in Richtung jener populistischen Tendenzen, die wir in vielen Ländern der Welt beobachten.

Die Gefahr der Beseitigung der Staatlichkeit hingegen ist tatsächlich das, was uns von vielen anderen unterscheidet, sogar von vielen anderen ehemaligen Sowjetrepubliken. Denn natürlich erhebt Russland auch Anspruch auf ihr Territorium, aber für die Wiederherstellung des Imperiums ist das für Russland keine Schlüsselfrage. Im Fall der Ukraine ist es das.

Und man kann sagen, dass wir mit dieser Situation vom ersten Tag der Unabhängigkeit an konfrontiert waren. Wenn Sie unsere Geschichte dieser 35 Jahre wirklich analysieren, werden Sie sehen, dass sie die ganze Zeit ein Kampf mit Russland war. Und alles, was hier geschah, war entweder Kampf mit Russland oder russischer Einfluss.

Nun, August 1991. Erstens war die Unabhängigkeit selbst, was auch immer wir uns darüber erzählen mögen, nicht einfach das Ergebnis des Zusammenbruchs des Imperiums, sondern des Kampfes zwischen zwei russischen Machtzentren: jenem Zentrum im Kreml, das Gorbatschow und seine Weggefährten verkörperten, und jenem Zentrum in Moskau im Weißen Haus, das der russische Präsident Jelzin und seine Mitstreiter verkörperten.

Es war ein völlig unerwarteter, phänomenaler Fall eines Kampfes zweier russischer Zentren um die Macht über das Imperium. Und die Ukraine konnte ebenso wie die anderen ehemaligen Sowjetrepubliken die Folgen des Sieges des einen Zentrums über das andere nutzen.

In Russland selbst aber wurde diese Unabhängigkeit als enorme Bedrohung wahrgenommen. Gorbatschow und Jelzin waren sich in ihrem Wunsch einig, die Ausrufung der ukrainischen Unabhängigkeit zu verhindern und die Zustimmung der Ukraine zum Beitritt zu einem neuen, sogenannten erneuerten Unionsstaat zu erhalten. Gorbatschow sah sich selbst als Führer dieser erneuerten Union, Jelzin sich selbst.

Und die Idee der Belowescher Heide entstand erst, nachdem Jelzin endgültig überzeugt war, dass der ukrainische Präsident Leonid Kravchuk über keine erneuerte Union sprechen wollte und die Unabhängigkeit als reale staatliche Trennung von der UdSSR verstand. Und angesichts der Ergebnisse unseres Referendums, gegen das übrigens eine wütende Propagandakampagne in den russischen Medien geführt wurde, bis hin zu einem offenen Appell Präsident Gorbatschows an die Ukrainer, nicht für den Unabhängigkeitsakt zu stimmen, sowie ähnlichen Appellen anderer russischer Politiker und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Als klar wurde, dass die Ukraine der erneuerten Union nicht beitreten würde, erschien diese Form der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, die für uns vielleicht eine Form der Scheidung war, für die Russen aber eine Form der späteren Rückführung der Ukraine in einen neuen Unionsstaat.

Und als die Russen sahen, dass wir nicht bereit waren, in diesen Staat zurückzukehren, begannen sie parallel zwei Operationen unter Beteiligung zweier Geheimdienstagenturen. Und damals gab es noch überhaupt keinen Putin.

Eine Operation hing mit der Entscheidung zusammen, schon damals die Krim von der Ukraine zugunsten Russlands abzutrennen. Und Sie erinnern sich an den ersten und letzten Präsidenten der Autonomie, Juri Meschkow, der einen russischen KGB-Mann zu seinem Verwaltungschef ernannte, eine Regierung der Autonomie aus russischen Staatsbürgern bildete, die Kyiver Zeit auf der Krim abschaffte und die Moskauer Zeit einführte.

Und gleichzeitig gab es eine andere Spezialoperation, ich würde sagen, ganz oben. Es war eine von Jelzin und seinem Ministerpräsidenten Viktor Tschernomyrdin gebilligte Operation, die mit der Unterstützung des Vorsitzenden des Ukrainischen Verbands der Unternehmer und Industriellen und ehemaligen Ministerpräsidenten Leonid Kutschma als neuem Präsidenten der Ukraine verbunden war, der die Ukraine in diesen Unionsstaat führen sollte.

Nebenan in Belarus lief genau dieselbe Operation. Nur dass es dort mangels Krim so war, dass die Tschekisten auf den belarussischen Abgeordneten Lukaschenko setzten, während Jelzin und Tschernomyrdin auf den belarussischen Ministerpräsidenten Kebitsch setzten.

Jelzin und Tschernomyrdin verloren in Belarus gegen die Tschekisten. In der Ukraine gewannen sie ihr Spiel, und gerade deshalb widersetzten sie sich nicht der Wiederherstellung der ukrainischen Kontrolle über die Krim, die der neue Präsident zusammen mit seinem Ministerpräsidenten Jewhen Martschuk durchführte. Der Präsident wollte selbstverständlich kein Territorium abtreten, und Martschuk verstand genau, was rund um die Autonome Republik geschah.

  • Und dann, dann das Eindringen russischen oligarchischen Kapitals auf unser Territorium, dann die Erpressung mit dem Verbleib der russischen Schwarzmeerflotte auf unserem Territorium.
  • Dann Jelzins Weigerung, den sogenannten Großen Vertrag zwischen den beiden Staaten zu unterzeichnen, den Leonid Kutschma so dringend brauchte, um der Bevölkerung seine prorussischen Möglichkeiten zu demonstrieren. Und erst gegen den langfristigen Verbleib der russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol wurde dieser Große Vertrag eingetauscht.
  • Dann der permanente Propagandakrieg gegen die Ukraine mit Hilfe politischer Technologen, der Medien, Popstars und des gesamten russischen Potenzials.
  • Und dann, als klar wurde, dass Kutschma endgültig die Idee aufgegeben hatte, die Lukaschenko angenommen hatte, nämlich die Schaffung des sogenannten Unionsstaats, begann die Suche nach Wegen zur Destabilisierung der Lage, die Geschichte mit der „Koltschuga“, die angeblich Saddam Husseins Regime mit Waffen beliefert habe, was die Ukraine vom Westen isolierte.
  • Schließlich unterzeichnete der zweite Präsident der Ukraine das Abkommen über einen Gemeinsamen Wirtschaftsraum zwischen Russland, der Ukraine, Belarus und Kasachstan, und es gab den Versuch, in Kyiv den russischen Agenten Viktor Yanukovych an die Macht zu bringen, der infolge des ersten Maidans später dennoch Präsident der Ukraine wurde.

Man kann sagen, dass das ukrainische Volk 2004 mit seinem Eintreten für faire Wahlen und mit seiner Befürchtung, Yanukovych werde als Präsident der Ukraine die Ukraine demontieren – das war einfach ein intuitives Verständnis der Menschen –, die Pläne Moskaus durchkreuzte, das bereits überzeugt war, dass nach Kutschmas Abgang von der politischen Bühne Yanukovych der neue Führer der Ukraine werden und der Prozess der Demontage des ukrainischen Staates beginnen würde.

Wie Sie wissen, begann, als das nicht geschah, der Prozess der energetischen und wirtschaftlichen Erpressung der Ukraine, weil die gesamte oligarchische Wirtschaft der Ukraine zu Kutschmas Zeiten vollständig auf billigen russischen Energieträgern aufgebaut war. Es genügte einfach, den Hahn zuzudrehen und die Preise zu erhöhen, und schon wurde klar, dass die ukrainische Wirtschaft kein Organismus war, der die Existenz dieses Staates gewährleisten konnte.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass wir aus dieser, ich würde sagen, Falle des billigen russischen Gases – nach dem bekannten Sprichwort, das gerade die Russen immer verwenden, dass es kostenlosen Käse nur in der Mausefalle gibt – erst 2014 unter Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk herausgekommen sind. Das war vielleicht eines der historischsten Ereignisse überhaupt, vergleichbar mit der Unabhängigkeit und dem Tomos.

So verlief die gesamte Präsidentschaft Viktor Yushchenkos, die aus Sicht der ukrainischen Ideologie staatsschaffend war, unter dem Zeichen dieses Energiediktats, der Versuche, die Ukraine zu destabilisieren, indem man die Interessen verschiedener Gruppen und Clans innerhalb der ukrainischen Staatsführung gerade auf energetischem Boden gegeneinander ausspielte, den Einfluss des Yanukovych-Clans wiederherzustellen, auf den Russland weiterhin setzte, gerade auf ihn, weil das schlicht ein Agentenclan war, und schließlich unter dem Zeichen der russischen Revanche 2010.

Und damals begann bereits vollständig der Prozess der Demontage des ukrainischen Staates als solchen: Ukrainische Truppen wurden vom Osten in den Westen verlegt, Verteidigungsminister, die Bürger der Russischen Föderation waren, zerstörten die ukrainische Armee, das Gesetz von Kiwalow-Kolesnitschenko wurde eingeführt, das die Marginalisierung der ukrainischen Sprache und den Triumph des Russischen in den hinsichtlich ihrer Stimmung prorussischsten Regionen unseres Landes garantierte. Das war diese gesamte Präsidentschaft.

Und wir bewegten uns im Grunde sicher in diese Richtung. 2010 hatte der Prozess der Demontage der Ukraine nicht einfach begonnen, er wäre erfolgreich abgeschlossen worden, wenn nicht Yanukovychs Gier und Putins Dummheit gewesen wären. Wir haben einfach Glück mit Idioten. Wenn kluge Menschen gegen uns gekämpft hätten, gäbe es den ukrainischen Staat längst nicht mehr.

Yanukovych wollte, wie es bei einem Kriminellen immer der Fall ist, Geld von dort und von hier bekommen. Das heißt, bei einer Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen mit der Russischen Föderation und dem Kreml zugleich das Assoziierungsabkommen unterzeichnen, um auch von den Europäern Geld zu bekommen. Nun, weil offensichtlich war, dass dort viel Geld vorhanden war. Wenn viel Geld da ist, muss man es nehmen.

Putin wiederum sah aus Gründen, die mir bis heute nicht vollständig klar sind, im Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union irgendeinen realen Schritt der Ukraine in Richtung echter europäischer, euroatlantischer Institutionen. Obwohl wir inzwischen sehen, dass ein unterzeichnetes Assoziierungsabkommen überhaupt nichts verhindert.

Georgien hat zum Beispiel ein geltendes Assoziierungsabkommen. Wie Sie verstehen, konnte man auf die georgische Führung nicht so Druck ausüben wie auf die ukrainische. Aber man konnte Yanukovych, ebenso übrigens seinen armenischen Kollegen Sargsjan, dazu zwingen, auf das Assoziierungsabkommen zu verzichten. Und infolgedessen, wie wir verstehen, setzte Putin Yanukovych unter Druck, damit dieser auf das Abkommen verzichtete. Das führte zur Reaktion junger Menschen.

Im Grunde können wir das, was wir damals 2013 auf dem Maidan sahen, heute sogar klar definieren. Das war eine Art erster Protest mit Pappschildern, als junge Menschen, Studenten, auf die Straße gingen und nur eines wollten: dass die Staatsführung das Assoziierungsabkommen unterzeichnet. Was Yanukovych, von Putin eingeschüchtert und offensichtlich bereits eindeutig darauf orientiert, dass dies nicht zu seinen Aufgaben als Agent gehörte, natürlich nicht tun wollte, was seine Teilnahme am Gipfel in Vilnius bestätigte.

Was wäre geschehen, wenn die Staatsführung diese Studenten in Ruhe gelassen hätte? Genau dasselbe wie jetzt bei dem Protest mit Pappschildern zugunsten des Verbleibs Mykhailo Fedorovs als Verteidigungsminister der Ukraine: nichts. Die Studenten wären noch eine Weile mit Parolen zur europäischen Integration über den Maidan gelaufen und hätten sich dann zerstreut. Und das von der Opposition auf dem Europaplatz errichtete Lager war schon damals für einen längeren Aufenthalt im Zentrum von Kyiv völlig ungeeignet.

Das heißt, die Staatsführung hatte im Großen und Ganzen erreicht, was sie erreichen wollte. Menschen, die nicht ernsthaft gegen sie kämpfen wollten, besetzten den Unabhängigkeitsplatz. Und die demokratische Opposition wurde gerade dadurch marginalisiert, dass die Jugend, die 2013 auf die Straße ging, einen Maidan ohne Politiker forderte.

Später wurde dieselbe Technologie 2019 von den neuen Restauratoren angewandt. Merken Sie sich: Alles ohne Politiker, alles ohne Profis endet in Tragödie, Ruin und dem Tod von Menschen. Unweigerlich. Einen anderen Ausgang gibt es nicht. So wie es übrigens 2013–2014 war.

Und Sie erinnern sich, die Staatsführung war bereit, Gewalt anzuwenden. Ebenso sahen wir nach 2019, dass Russland bereit war, Gewalt anzuwenden. Aber denken Sie daran: Es war immer Russland. Immer. Sowohl 2013 als auch 2014 stand hinter Yanukovych derselbe Putin, der 2022 die Entscheidung zum Blitzkrieg traf.

Doch dann wurden die Studenten zusammengeschlagen. Das heißt, neben Gier und Dummheit gab es noch den Wunsch, die eigene Fähigkeit zu demonstrieren, Proteste mit Gewalt zu beseitigen und die Gesellschaft einzuschüchtern. Und genau das wurde zum Hauptfehler beider selbstverliebter Diktatoren.

So begann der zweite Maidan. Und so bekam die Ukraine schließlich die Chance, sich der russischen Gefahr der Einverleibung zu entziehen, die seit dem 24. August 1991 bedrohlich über ihr hing.

Und infolgedessen, wie Sie sehr gut wissen, erkannte Russland die ganze Gefahr dieser endgültigen Weigerung der Ukraine, sich einverleiben zu lassen, und schlug ebenfalls einen Weg ein, der im früheren Kampf Moskaus gegen ehemalige Sowjetrepubliken, die um ihre wirkliche Unabhängigkeit kämpften, bereits recht gut erprobt worden war: den Weg, die Ukraine in einen verstümmelten Staat zu verwandeln.

  • So war es 1991 mit Moldau, als die neue demokratische Regierung Boris Jelzins für die Führung dieses Landes, denke ich, völlig unerwartet beschloss, die KGB-Agentur in Transnistrien zu unterstützen.
  • So war es auch mit Georgien, als die neue demokratische Regierung Boris Jelzins die KGB-Agentur in Abchasien und Südossetien unterstützte.
  • So geschah es mit uns 2014, als Russland entschied, die Krim an sich anzuschließen und Destabilisierungsprozesse im Donbas zu beginnen. Und das sollte ein völlig ausreichendes Signal an Kyiv und den Westen sein, damit Russland die Rückkehr der Ukraine in die russische Einflusssphäre erreichen konnte.

Das geschah nicht. Die Ukrainer reagierten völlig anders auf diese Ereignisse. Wieder machte sich, könnte man sagen, die Situation bemerkbar, die damit zusammenhing, dass die Russen die Stimmung des ukrainischen Volkes unterschätzten. Und auch das wird den Charakter dieser Gefahr über lange Jahre bestimmen.

Die Russen verstehen den Charakter der Ukrainer überhaupt nicht. Die Ukrainer verstehen den Charakter der Russen überhaupt nicht. Das Phänomen besteht darin, dass diese Völker, die mehrere Jahrhunderte lang nebeneinander in einem Staatsgebilde gelebt haben, sich faktisch gegenseitig wie Außerirdische betrachten.

Ein wirkliches Verständnis der Russen habe ich bei Ukrainern nie erlebt. Und bei Russen habe ich nie irgendein Verständnis der Ukrainer erlebt. All meine zaghaften Vorschläge: Lasst uns versuchen, sie zu verstehen, wenn ich sie an ukrainische Kollegen, Experten oder Politiker richtete, stießen immer auf eine Mauer der Gleichgültigkeit: Wir kennen sie doch ohnehin. Was gibt es da groß zu wissen?

Und wenn ich den Russen riet, um keine Fehler mit den Ukrainern zu machen und nicht zu glauben, es werde ihnen so leicht gelingen, die ukrainische Staatlichkeit zu beseitigen, sich wenigstens einmal für diese Ukraine, ihre Zivilisation, Kultur und Denkweise zu interessieren, traf ich auf genau dieselbe Mauer aus Gleichgültigkeit und der Überzeugung, Ukrainer seien einfach minderwertige Russen. Und auch dieser Konflikt des gegenseitigen Unverständnisses wird die nächsten Jahrzehnte unseres, ich würde sagen, Zusammenlebens mit dem Feind bestimmen.

Aber wie dem auch sei, wir wissen, was danach geschah. 2014 hätte die russische Gefahr eigentlich für jeden ukrainischen Bürger offensichtlich sein müssen. Nachdem russische Flaggen über Simferopol und Sewastopol, Jalta und Simejis, Donezk und Luhansk gehisst worden waren, hätte eigentlich jeder Ukrainer verstehen müssen, dass über seinem Land, seinem eigenen Leben, seinen Kindern und Angehörigen eine tödliche Gefahr schwebte. Eine tödliche. Und dass die Hauptaufgabe darin bestand, ein reales Modell zur Verhinderung eines großen Krieges zu schaffen, den Russland schon damals plante und über den ebenfalls gesprochen wurde.

Bis 2019 wurden solche Anstrengungen tatsächlich unternommen. Ich kann Sie auf meine damaligen Prognosen verweisen, in denen ich betonte – und ich denke, dass ich völlig recht hatte –, dass es keine große russische Invasion in die Ukraine geben konnte. Nicht weil eine solche Invasion nicht geplant gewesen wäre, sondern weil eine solche Invasion immer als schnelle Blitzkrieg-Operation geplant wurde, so wie auf der Krim oder im Donbas.

Erst nach der Abstimmung von 2019, die das Unverständnis für die Gefahr sowohl beim frisch gewählten Präsidenten als auch bei seinen Millionen Anhängern widerspiegelte, entschied man in Russland, dass ein Blitzkrieg möglich sei.

Wir wissen nicht, ob er früher oder später stattgefunden hätte, wenn es die Coronavirus-Pandemie nicht gegeben hätte, die wir inzwischen alle schon etwas vergessen haben, und können uns fragen: „Warum geschah all das nicht früher und ausgerechnet im Februar 2022?“

Nicht deshalb, weil Russland sich lange darauf vorbereitet hätte. Wie Sie an der Truppenkonzentration bei Kyiv 2022 sehen, bereitete sich niemand auf einen ernsthaften Krieg vor, sondern auf einen Blitzkrieg, auf eine Parade.

Die Entscheidung, die ukrainische Staatsführung auszutauschen – und genau das war die Aufgabe des Blitzkriegs –, wurde im Kreml offensichtlich praktisch unmittelbar nach dem ersten und meiner Ansicht nach letzten Treffen der Präsidenten Putin und Zelensky getroffen. Als Putin entschied, dass Zelensky, der sich weigerte, vor ihm und vor Russland zu kapitulieren, seine Wähler verraten habe, die zu einer solchen Kapitulation bereit seien, und dass man unser Land nun mit einer wirklich prorussischen Führung versehen müsse, die all diese Aufgaben erfüllen würde, die während des Blitzkriegs übrigens völlig offen benannt wurden.

Das war der Anschluss der überwiegenden Mehrheit der Gebiete im Süden und Osten der Ukraine an die Russische Föderation, wo bis 2014 politisch stets prorussische Stimmungen dominierten. Ihre Bewohner stimmten zu 70 bis 90 Prozent für antiukrainische Parteien. Das fiel alles nicht vom Himmel, das wurde alles von unseren eigenen Bürgern gemacht.

Der Rest des ukrainischen Territoriums, wo prorussische, antiukrainische politische Kräfte nicht denselben Einfluss hatten, sollte unter der Herrschaft einer Marionettenjunta von Viktor Yanukovych und Viktor Medvedchuk verbleiben und gerade mit ukrainischen Händen, mit ukrainischen Sicherheitskräften, gesäubert werden, indem alle Träger der ukrainischen Idee anhand von Listen vernichtet würden, die beim Föderalen Sicherheitsdienst der Russischen Föderation sorgfältig vorbereitet worden waren. Eine ganze Enzyklopädie von Namen und Adressen von Angehörigen: diejenigen, die die ukrainische Idee vertreten, diejenigen, die ukrainische nationaldemokratische Parteien unterstützen, diejenigen, die Verwandte haben, die gegen Russland gekämpft haben.

Und danach wäre dieses Territorium dem Unionsstaat von Russland und Belarus beigetreten, der bereits 1994 geplant worden war. Wir haben darüber gesprochen. Später würde der Unionsstaat zu einem einzigen Staat mit drei Sitzen in der UNO werden und alle anderen ehemaligen Sowjetrepubliken an sich anschließen. Und wer würde bei allgemeinen Wahlen, die von Uschhorod bis Aschgabat stattfinden, Präsident dieses Staates werden? Putin. Da haben Sie den Plan, der, wie wir wissen, glänzend gescheitert ist, wie alle idiotischen Pläne des Kreml-Führers.

Und nun befinden wir uns in einem endlosen Krieg, weil Putin einige Dinge begriffen hat.

  • Erstens: Das Scheitern des Blitzkriegs verlangt eine Orientierung auf einen jahrelangen Krieg, denn ohne die Vernichtung der Ukraine und ihrer Staatlichkeit, ohne den Anschluss ihres Territoriums an Russland – selbst ohne Menschen – wird Russland seine imperialen Funktionen als Suzerän Europas nicht wiederherstellen und kein gleichberechtigter Akteur neben den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China sein können.
  • Zweitens: Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hilft, das totalitäre Regime in Russland selbst zu stärken und diesen Totalitarismus anschließend auf neue besetzte Gebiete auszuweiten.
  • Drittens: Der Krieg Russlands gegen die Ukraine trägt zur Bereicherung von Putins engstem Umfeld bei, das buchstäblich von allem profitiert, was dort geschieht.

Wir sprechen gern über Bereicherung am Krieg, aber stellen Sie sich einmal vor, wie groß die Bereicherung etwa bei den russischen Ölbaronen ist, bei Putin selbst, bei Setschin, der Putin Geld gibt, infolge der Zerstörung von Ölraffinerien. Können Sie sich vorstellen, wie viel zusätzliches Öl man ins Ausland verkaufen und dafür Geld bekommen kann? Russland erzielt heute dank ukrainischer Angriffe auf Öl Übergewinne, die in Putins Tasche fließen. Dass Russland selbst degradiert, ist ihnen völlig egal. Sie stecken bereits immer mehr Geld sowohl in den Krieg als auch in die eigene Tasche.

Und dann Putins heutiger, ich würde sagen, feierlicher Erlass, wonach Russland nun Unternehmen verstaatlichen wird, deren Eigentümer sich nicht angemessen gegen Luftangriffe schützen können. Wir haben uns gefragt, welche Entscheidungen im Zusammenhang mit unseren Angriffen auf Wildberries, Ozon und Ölraffinerien getroffen würden. Vielleicht wird Putin den Krieg beenden wollen? Nein, er hat einfach begriffen, dass er diese Unternehmen verstaatlichen kann, also die Wirtschaft staatlich machen kann, weil er eine private Wirtschaft überhaupt nicht mehr braucht.

Und wie Sie verstehen, wird in Russland bald diese Welle der Verstaatlichung beginnen. Je mehr ukrainische Deep Strikes es geben wird, desto mehr verstaatlichte Fabriken wird es geben, deren Gewinne klar an den Staat, in den Krieg und in Putins Tasche fließen werden. Eine neue Repressionswelle wird beginnen, wenn bei der russischen Staatsführung die Idee einer umfassenderen Mobilisierung aufkommt. Das ist es, was den Besatzer erwartet.

Und was erwartet uns? Uns erwartet Widerstand für den Erhalt der ukrainischen Unabhängigkeit, für den Erhalt des ukrainischen Staates. Ich verstehe, dass, wenn wir von einem solchen Widerstand sprechen, das bei vielen Menschen heute Fragen hervorruft. Vor allem deshalb, weil viereinhalb Jahre Krieg – und ich verstehe, dass es noch einmal viereinhalb Jahre sein können – viele demoralisieren können und jenen den Mund öffnen können, die sich völlig eindeutig für die Kapitulation des Landes vor Russland aussprechen. Nicht seit 2022 und nicht seit 2014, sondern seit 1991.

Denn für eine enorme Zahl von Menschen, die auf dem Territorium der Ukraine leben, die früher auf dem Territorium der Ukrainischen SSR lebten und in der Seele, in dieser ihrer, ich würde sagen, Vorstellung von der Ukrainischen SSR ihre Kinder erziehen, während die Kinder ihre Enkel erziehen, hat es die Ukraine nie gegeben. Wir sind ein solcher Staat, in dem es für Millionen Menschen nie irgendeine Ukraine gab.

Und deshalb erscheint die Kapitulation vor Russland für sie als nichts Problematisches, weil es für diese Menschen keinerlei Bedeutung hat, welche Flagge am Gebäude der Bezirksverwaltung hängt. Für sie ist die Flagge ein Fetzen, die Sprache ein Mittel zur Verständigung – genauer gesagt: Jasýk — srédstwo obschtschénija [Sprache ist ein Kommunikationsmittel]. Ihnen ist völlig egal, wenn sie ohnehin diese Sprache sprechen; dann werden sie eben lernen, den Buchstaben G richtig auszusprechen.

Und ich verstehe, dass es viele solcher Menschen gibt. Es gab sie immer in großer Zahl. Sonst hätten antiukrainische prorussische Parteien über Jahrzehnte nicht solche Wahlernten auf ukrainischem Boden eingefahren. Sonst wären prorussische Spezialoperationen nicht gelungen. Sonst hätten Leonid Kutschma und Viktor Yanukovych keine Wahlen gewonnen und so weiter. All das hätte es in unserer Geschichte nicht gegeben. Aber es gab all das. Was glauben Sie, sind diese Menschen irgendwohin verschwunden?

Aber hier gibt es das ewige Problem dieses ukrainischen Dualismus, der sich während des Krieges nur noch verstärkt hat. Eine Mehrheit, die im Prinzip immer bereit war, Staatlichkeit aufzugeben und Staatlichkeit einzutauschen, wenn nicht gegen ein gutes, dann wenigstens gegen ein ruhiges Leben, traf stets auf eine tatkräftige, opferbereite Minderheit, die bereit war, gerade die Ukraine zu verteidigen. Und jetzt ist eine Zeit, in der diese tatkräftige Minderheit zu einer tatkräftigen Mehrheit wird, weil es immer mehr Menschen gibt, die vom Krieg gezeichnet sind. Menschen, die das Land verteidigen, Menschen, die im Krieg bereits Angehörige verloren haben, Menschen, die Angehörige jener sind, die das Land verteidigen. Auch das sind Millionen Menschen.

Und genau diese Millionen werden den anderen Millionen nicht erlauben zu kapitulieren, weil sie sehr gut verstehen, dass es sie selbst nicht geben wird, wenn es keine Ukraine gibt. Das versteht doch nicht nur irgendein Mensch in einem Staatsamt oder irgendein Journalist, der die ukrainische Idee verteidigt. Das versteht eine gewöhnliche Mutter, die weiß, dass man sie nicht zum Grab ihres Sohnes lassen wird, dass man dort keine Flagge aufstellen und keine Kerze anzünden darf, wenn der Russe auf ukrainischen Boden kommt, ein grausamer, niederträchtiger, heimtückischer Feind mit chauvinistischer Gesinnung, unterstützt von niederträchtigen Kollaborateuren, die sofort aus ihren Löchern kriechen würden.

Deshalb werden sie auch nicht herauskriechen. Und in Wirklichkeit ist auch das ein völlig gewöhnlicher, ich würde sagen, historischer Prozess. Tatsächlich wird ein Staat immer von jenen Menschen verteidigt, die ihn verkörpern, für die er real ist, für die er der Sinn ihrer Existenz ist. Auch das ist ein völlig verständlicher Punkt, an den wir uns erinnern müssen.

Ich glaube an diese Menschen. Als ich noch in jungen Jahren gerade ukrainischer Journalist werden wollte und das Verständnis dafür, dass man ukrainischer Journalist sein müsse, übrigens in dem Moment zu mir kam, als ich begriff, dass die Ukraine als zivilisatorischer Körper eine Chance hat, wieder lebendig zu werden. Verstehen Sie? Damals verstand ich sehr gut, dass ich jahrzehntelang für eine solche Minderheit der Bevölkerung dieses Landes arbeiten würde. Aber ich glaubte wiederum daran, dass diese Minderheit früher oder später, vielleicht nicht zu meinen Lebzeiten, unweigerlich zur Mehrheit werden würde.

Im Grunde traf ich eine völlig gewöhnliche Entscheidung, wiederum für jeden Menschen, der auf diesen Gebieten geboren wurde, unabhängig von seiner Herkunft. Hier gab es immer Menschen, die sich entschieden, für das Imperium zu schaffen und zu arbeiten. Und es gab immer Menschen, die bereit waren, für das eigene Volk und für das Volk, das dieses Land bewohnt, zu arbeiten. Zwischen diesen Gruppen von Menschen bestand immer ein ewiger, offensichtlicher Antagonismus.

Dabei waren die Ukrainer auf diesen Gebieten immer die überwiegende Mehrheit. Und Menschen, die das Imperium wählten, arbeiteten hier immer für eine Minderheit, dort für eine Mehrheit, aber hier für eine Minderheit. Also stellt sich hier noch die Frage, wer eigentlich für welche Minderheit arbeitet.

Und jetzt leben wir gerade in jener Welt, in der die Minderheit zur Mehrheit wird und die Ukraine zu einem wirklichen Staat wird, nicht zu einer umbenannten Sowjetrepublik. Vielleicht sogar gegen die Absichten ihrer eigenen Bewohner.

Wir verstehen doch sehr gut, dass die Menschen 2019, als sie für Volodymyr Zelensky stimmten, entgegen jeder Logik hofften, der neue Präsident werde sich mit Putin einigen, Voraussetzungen für ein ruhiges Leben schaffen und alles werde gut, und wir würden so weiterleben wie bisher. Vielleicht ohne die Krim. Es stellte sich heraus, dass alles nicht einmal so sehr komplizierter, sondern realistischer, historischer war.

Und heute denke ich, dass die Frage nicht darin besteht, ohne was wir aus Sicht der territorialen Integrität der Ukraine leben werden. Die Frage ist, ob wir mit einer Ukraine leben werden oder nicht.

Ich sage immer wieder, dass diese Frage, ebenso wie die Frage nach dem Verbleib des ukrainischen Volkes auf seinen ethnischen Territorien, eine offene Frage ist. Ich wiederhole: Die Russen werden alles Mögliche und Unmögliche tun, damit dieses Territorium wieder unter ihre Herrschaft gelangt.

Aber wenn man berücksichtigt, wie sich dieser Krieg seit viereinhalb Jahren entwickelt, wenn man berücksichtigt, dass dieser Krieg zum ersten Mal in der ukrainisch-russischen Geschichte bereits auf dem Territorium Russlands selbst stattfindet, kann man auch hoffen, dass diese offene Frage bald zugunsten der Ukraine geschlossen wird.

Das waren die wichtigsten Gedanken, die ich an diesem Jubiläumstag mit Ihnen teilen wollte.

Ich werde auf einige Fragen antworten, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Warum verwenden die Russen den unverständlichen Begriff „Entnazifizierung“ als eines der Kriegsziele statt der direkten Bezeichnung „De-Ukrainisierung“ und Vernichtung der ukrainischen Identität?

Portnikov. Ich denke, ganz einfach. Warum? Weil De-Ukrainisierung für die Russen genau Entnazifizierung ist. Die Russen verwenden ganz selbstverständlich den Begriff des Kampfes gegen den Nazismus für die Bezeichnung all dessen, was wir aus ihrem Mund als negativ wahrzunehmen gewohnt sind. Das ist, scheint mir, eine völlig verständliche Sache in der russischen Haltung zu Politik und Geschichte.

Die russische Ideologie basiert auf dem sogenannten Siegeskult. Praktisch nichts anderes verbindet die Russen außer dem Sieg im Zweiten Weltkrieg, weil alle anderen ideologischen Bindungen durch den Kampf der Tscheka und des Kommunismus zerstört worden sind.

Wir können den Russen ja nicht sagen, sie sollten die Große Sozialistische Oktoberrevolution oder noch den 1. Mai feiern. Also blieben sie beim 9. Mai stehen, beim Tag des Sieges im sogenannten Großen Vaterländischen Krieg, der in Wirklichkeit nur den Umstand verschleiert, dass die Sowjetunion ganze zwei Jahre lang im Zweiten Weltkrieg an der Seite Adolf Hitlers teilnahm.

Und deshalb ist das genau diese offensichtliche Sache, die mit dem Versuch zusammenhängt, jede beliebige Idee zu beschmutzen, indem man sie als nazistisch bezeichnet. Sie können übrigens irgendwelche Jahrbücher der Großen Sowjetischen Enzyklopädie aus den 50er Jahren nehmen und nachsehen, wie viele politische Parteien, die heute selbst aus Sicht der russischen Geschichtsschreibung völlig respektabel erscheinen, dort als faschistisch oder nazistisch charakterisiert wurden.

Das heißt, alles, was nicht ihrem Weltbild entspricht, ist nazistisch und faschistisch. Und da die ukrainische Idee dem russischen Weltbild nicht entspricht, muss sie selbstverständlich entnazifiziert werden.

Das ist einfach ein gewöhnlicher russischer Neusprech, würde ich sagen. Mit solchen Begriffen operierten die Bolschewiki. Mit solchen Begriffen operieren heute die Russen, wenn sie nicht wirklich über die Möglichkeit sprechen wollen, eine Situation der De-Ukrainisierung der Ukraine zu schaffen.

Aber sie de-ukrainisieren die besetzten Gebiete ja tatsächlich. Das sehen Sie ebenfalls sehr deutlich. Sie de-ukrainisieren den Donbas, Saporischschja, den besetzten Teil des Gebiets Cherson, verbieten den Unterricht der ukrainischen Sprache. Und das dort, wo die Mehrheit der Bevölkerung ethnische Ukrainer sind, niemand sonst. Deshalb stimme ich völlig zu, dass das eine ganz eindeutige antiukrainische Kampagne unter diesem Schreckgespenst ist.

Aber ich wiederhole: So war es immer in jeder Phase der Geschichte der russisch-ukrainischen Beziehungen, ich würde sagen, in der Geschichte der ukrainischen nationalen Befreiungskämpfe. Daher die „Mazepisten“, als es noch keine „Petljuristen“ gab. Daher die „Petljuristen“, als es noch keine „Banderisten“ gab. Daher die „Banderisten“, als es noch keine „Porochobots“ gab.

Ukrainer, Anhänger der nationalen Idee, wurden immer als Verbrecher gebrandmarkt. Man setzte immer auf jene Ukrainer, die auf ihr eigenes Land und ihre eigene nationale Idee spuckten – am besten vom Glockenturm irgendeiner russischen Kirche in Kyiv, Charkiw, Odesa oder Dnipro herab: Je höher der Glockenturm, desto besser ließ sich darauf spucken. Das ist die wirkliche Antwort auf diese Frage.

Und übrigens auch eine ziemlich reale Antwort auf die Frage, warum jeder Mensch, der der Meinung ist, dass die Ukraine ukrainozentrisch sein sollte, dass die Menschen hier Ukrainisch sprechen, ihre eigene Geschichte achten sollten, also das tun sollten, was in jedem anderen Staat alle anderen Menschen tun, als Nationalist bezeichnet wird und das als Beleidigung gilt.

Er ist Nationalist, Nazi. Warum?  Vertritt er irgendwelche falschen Ideen, will angeblich, dass sein Volk über anderen Völkern steht? Nein, er spricht einfach Ukrainisch, und schon ist er Nationalist. „Er will nicht in einer menschlichen Sprache sprechen.“ Wie viele solcher Menschen laufen bis heute auf ukrainischen Straßen herum? Da haben Sie die Antwort auf die Frage.

Deshalb ja: Es gibt keine Entnazifizierung. Es gibt die Idee der De-Ukrainisierung. Wenn Russland diesen Krieg gewinnt – und auch das muss man sich bewusst machen –, wird es diese De-Ukrainisierung durchführen. Denn die Russen haben aus ihren früheren, sagen wir, Fehlern, wie sie es betrachten, Schlussfolgerungen gezogen.

Wenn Putin von der Notwendigkeit spricht, die Fehler der Bolschewiki zu korrigieren, dann meine ich genau das: Es stellte sich heraus, dass die Ukrainische SSR dennoch nicht alles Ukrainische vollständig abwerfen konnte, nicht nur in ihrem Namen, sondern auch in ihrem Wesen; dass sie den Ukrainern die Möglichkeit gab, sich zu erhalten, wenn auch als kommunisierte Nation, aber sich zu erhalten, sodass die Ukrainer bei der ersten günstigen Gelegenheit ihren Vertrag mit den Russen aufkündigten. Damit sie diesen Vertrag nie wieder aufkündigen, wird Putin versuchen, die Ukrainer zu vernichten, ihrem nationalen Bestehen physisch, politisch und juristisch ein Ende zu setzen.

Deshalb dürfen wir das nicht zulassen. Und deshalb sind diese 35 Jahre unseres unabhängigen Staates die Garantie dafür, dass es nicht geschehen wird.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Незалежність: головне | Віталій Портников. 24.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 24.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Die Hoffnung, die Mariupol am Leben hielt. Nadia Sukhorukova. 23.08.2026.


Der Tag der ukrainischen Flagge im ukrainischen Odesa

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Heute wurde mir ein Video geschickt, in dem ein anderthalbjähriges, lockiges Mädchen aus einer kleinen Stadt im Süden der Ukraine dem Klang der Luftschutzsirene lauscht.

Die Mutter fragt sie: „Was heult da, mein Schatz?“ Das kleine Mädchen reißt die Augen weit auf und wiederholt: „Uuuu.“

Die Mutter fragt noch einmal: „Und was macht das ‚Uuuu‘?“

Und das kleine lockige Mädchen hebt die Ärmchen über den Kopf, lässt sie dann plötzlich nach unten fallen und sagt: „Ba-bumm.“

Dieses Video werde ich nicht veröffentlichen. Ich habe keine Erlaubnis dazu. Ich werde es auf meinem Handy speichern, auf meinen Computer und auf einen USB-Stick übertragen.

Ich werde dieses Video für all jene bewahren, die nicht sehen wollen, was die Missgeburten aus Russland mit meiner Ukraine machen.

Ich werde dieses Video für all jene bewahren, die von den „guten Russen“ erzählen und die Worte eines russischen Schriftstellers „über die Träne eines Kindes“ zitieren.

Für diejenigen, die ein so kurzes Gedächtnis haben wie ein Aquarienfisch und vergessen haben, wann dieser Krieg begann und wie viele ukrainische Städte Russland zerstört hat.

Ich werde es für all jene bewahren, die Geld und persönliche Interessen über das Leben von Kindern stellen.

Wahrscheinlich werde ich jetzt etwas Schreckliches schreiben. Aber im März 2022, in Mariupol, hatte ich mehr Hoffnung als heute. Ich rannte unter Beschuss von einer Straße zur anderen, in einer halb toten Stadt, und glaubte daran, dass die Ukraine standhalten würde, selbst wenn wir hier alle sterben sollten. Die ganze Welt würde ihr helfen. Die Welt würde nicht zulassen, dass mein Land gequält wird. Und danach würde sie die russischen Bastarde bestrafen.

Ich glaubte, dass dieselbe Menge an Bomben und Raketen, die auf meine Stadt niedergegangen war, anschließend auf die verdammten Raschisten fallen würde. Ich dachte daran ohne Hass. Ich wartete ruhig darauf, denn ich war mir sicher, dass diese abscheulichen Kreaturen, die grundlos Menschen töten, unweigerlich bestraft werden würden.

Diese Hoffnung schenkte mir ein einziger Telefonanruf. Den ich bis heute für ein Wunder halte. Damals bekam ich zum ersten Mal seit der russischen Invasion eine Verbindung zur Außenwelt. Es war der 9. März 2022.

Ich stand auf der Treppe des dritten Eingangs eines neunstöckigen Wohnhauses am Prospekt Myru, gegenüber einem ausgebrannten Auto, hörte das Dröhnen eines russischen Flugzeugs und schrie einem Menschen, der sich außerhalb der Hölle von Mariupol befand, ins Telefon:

„Ist Kyiv noch unser? Ist Odesa noch unser? Ist Charkiw noch unser?“

Auf alle Fragen erhielt ich bejahende Antworten und gab sie an Männer in Arbeitskleidung weiter. Als sie sahen, dass ich mit dem Handy telefonierte, waren sie sehr überrascht und baten mich herauszufinden, wie sich die anderen Städte der Ukraine hielten.

Am Tag zuvor hatten die russischen Missgeburten es irgendwie geschafft, verlogene Nachrichten an unsere fast toten Handys zu schicken. In den Nachrichten stand etwas in der Art: „Ukrainischer Soldat, ergib dich. Du bist eingekesselt. Widerstand ist zwecklos.“

Wir dachten damals voller Entsetzen, dass nur Mariupol noch Widerstand leistete und alle anderen Städte zerstört und besetzt waren.

Können Sie sich vorstellen, was für ein Glück es war, als wir auf der Treppe des neunstöckigen Wohnhauses, unter dem Dröhnen eines russischen Flugzeugs, erfuhren, dass die Ukraine standhielt und dass es damit auch für uns Hoffnung gab. Und scheiß auf alle russischen Flugzeuge zusammen.

Die unbekannten Männer in Arbeitskleidung schüttelten mir die Hand und drohten dem russischen Piloten, der unterwegs war, um Bomben auf Wohnhäuser abzuwerfen, mit der Faust zum Himmel.

Ich hörte, wie sie die Straße entlanggingen und den Menschen, die über offenem Feuer kochten oder vor einem Wasserfass Schlange standen, zuriefen: „Kyiv ist unser, ukrainisch! Odesa ist unser! Charkiw ist unser!“

Und ich saß auf der eiskalten Treppe des neunstöckigen Wohnhauses, lauschte ihren sich entfernenden Stimmen und wollte nicht mehr sterben. Denn es ist einfach dumm zu sterben, wenn man wieder Hoffnung hat.

Damals dachte ich, bis zum Ende des Krieges seien nur noch wenige Tage übrig. Ich glaubte, dass die Welt gerecht sei. Dass die Welt furchtlos sei. Dass wir alle gemeinsam den Raschisten in die Fresse polieren würden und sie zurück in ihr schwarzes Loch kriechen würden. Für lange Zeit, vielleicht sogar für immer.

Ich wusste, dass sie sich vor Gegenwehr fürchten würden. Denn Mörder und Wahnsinnige sind ihrem Wesen nach feige. Und die Macht, die die Welt gegen sie entfesseln würde, würde diesen Krieg beenden.

Doch die Welt erwies sich als anders. Sie erwies sich als feige, hilflos und käuflich. Die Welt schmeichelt sich weiterhin bei Mördern und Wahnsinnigen ein. Der Welt sind die sterbende Menschen scheißegal. Der Welt ist sogar ihre eigene Zukunft scheißegal.

Ich möchte wieder daran glauben, dass noch nicht alles verloren ist. Dass alles Schlechte vorübergehen wird wie eine Sonnenfinsternis. Und dass das winzige lockige Mädchen aus einer kleinen Stadt im Süden der Ukraine, ebenso wie alle unsere Kinder, ein glückliches Leben führen wird, in dem es keine Luftalarme, keine Bombardierungen und keine Missgeburten aus einem geistig toten Land geben wird.

Möge unsere Hoffnung zu uns zurückkehren!

Und auf dem Video ist der Tag der ukrainischen Flagge im ukrainischen Odesa zu sehen. Alles Gute zum Feiertag, meine wunderbaren und mutigen Freunde!


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Art der Quelle: Social Media
Autor: Nadia Sukhorukova
Veröffentlichung: 23.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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uebersetzungenzuukraine.data.blog
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