Bereits bis zum 6. November wollen die Vereinigten Staaten Maßnahmen ausarbeiten, die darauf abzielen, ihre militärische Präsenz auf dem europäischen Kontinent einzuschränken. Genau darüber spricht der stellvertretende US-Verteidigungsminister Elbridge Colby heute mit den Botschaftern der NATO-Mitgliedstaaten im Hauptquartier der Nordatlantischen Allianz in Brüssel. Und obwohl das Pentagon behauptet, dass dem Chef des amerikanischen Verteidigungsministeriums Pete Hegseth mehrere Optionen für die weitere Entwicklung zur Verfügung stehen, ist man in den europäischen Hauptstädten überzeugt, dass die endgültige Entscheidung über eine Reduzierung der Präsenz der US-Truppen auf dem europäischen Kontinent im Weißen Haus bereits getroffen wurde.
Wie bekannt ist, hatte US-Präsident Donald Trump stets den beharrlichen Wunsch, die Möglichkeiten der NATO und die amerikanische Beteiligung an diesen Möglichkeiten einzuschränken. Mit ähnlichen Erklärungen trat Trump bereits während seiner ersten Amtszeit im Weißen Haus auf. Damals wurden derartige außenpolitische Initiativen des amerikanischen Präsidenten jedoch von der Führung der Republikanischen Partei und von Trumps eigenen Ministern begrenzt. Seitdem ist es Trump bekanntlich gelungen, die Republikaner unter seine Kontrolle zu bringen und den außenpolitischen Kurs sowohl der ältesten konservativen Partei der Vereinigten Staaten als auch Amerikas selbst praktisch zu verändern – hin zum Isolationismus und zur faktischen Abkehr von der gemeinsamen Strategie der euroatlantischen Sicherheit, die in allen Nachkriegsjahrzehnten nicht nur die Sicherheit der europäischen Länder, sondern auch die der Vereinigten Staaten selbst gewährleistet hatte.
Dennoch fehlten Trump bis zum Beginn des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran die Argumente, um eine entschiedene antieuropäische Wende zu vollziehen. Eines Krieges, der für Donald Trump nicht zu jenen Veränderungen führte, auf die er gehofft hatte, als er sich zu dieser beispiellosen Militäroperation mit der Ausschaltung des obersten Führers des Iran, Ayatollah Khamenei, und seiner Mitstreiter entschloss. Jetzt befindet sich der Präsident der Vereinigten Staaten in einer regelrechten geopolitischen Falle: mit der geschlossenen Straße von Hormus, der Ungewissheit darüber, ob der Iran bereits in nächster Zeit Zugang zur Entwicklung von Atomwaffen erhalten kann, und zusätzlichen Sicherheitsbedrohungen nicht nur für Israel, sondern auch für andere Länder des Nahen Ostens. Und aus dieser Falle wird Trump vor den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress, die bereits in diesem Herbst vor dem Hintergrund eines sinkenden Lebensstandards der Amerikaner und einer stetig zurückgehenden Unterstützung für den Präsidenten stattfinden werden, nicht mehr herauskommen können.
Deshalb versucht der Präsident der Vereinigten Staaten, wie es seine Art ist, Schuldige für diese seine geopolitische Niederlage und den möglichen Niedergang seiner politischen Karriere zu finden. Und die Suche nach Schuldigen führt selbstverständlich nach Europa, zumal sie dabei hilft, genau jene außenpolitischen Ziele Donald Trumps in die Tat umzusetzen, die für ihn sowohl während seiner ersten Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten als auch in den ersten Monaten nach seiner Rückkehr ins Oval Office so schwer zu erreichen waren. Und nun wird mit den Staats- und Regierungschefs der europäischen Länder direkt so gesprochen, als seien sie diejenigen, die den Vereinigten Staaten im Krieg gegen den Iran nicht die gebührende Unterstützung geleistet hätten.
Dass der Krieg selbst schlecht vorbereitet war, dass Trump sich auf inkompetente Informationen der Nachrichtendienste der Vereinigten Staaten und Israels stützte oder auf kompetente Informationen nicht hörte, dass sich das amerikanische Militär, einfach gesagt, als unfähig zu moderner Kriegsführung erwies, dass die Luftherrschaft nicht mehr darüber entscheidet, ob man feindlichen Staaten seine Bedingungen diktieren kann – all das will man im Weißen Haus und im Pentagon selbstverständlich nicht wahrhaben, um den Präsidenten und seinen Verteidigungsminister nicht der Lächerlichkeit preiszugeben.
Deshalb sind selbstverständlich diejenigen schuld, die den Vereinigten Staaten nicht die gebührende Unterstützung geleistet und von Anfang an vor den Folgen von Angriffen auf den Iran gewarnt hatten, wenn diese nicht durch ein klares Verständnis davon untermauert sind, wie sich die Situation nach diesen Angriffen entwickeln würde.
So werden wir jetzt Zeugen einer völlig paradoxen Entwicklung der Ereignisse. Der Direktor der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten reist in die russische Hauptstadt, um den russischen Präsidenten Vladimir Putin vor den Folgen einer möglichen russischen Invasion in europäische Länder zu warnen, die Verbündete der Vereinigten Staaten sind. Und der stellvertretende Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten erörtert mit eben diesen europäischen Verbündeten Möglichkeiten zur Reduzierung der amerikanischen Militärpräsenz auf dem Kontinent.
Und hier scheint mir die Aufgabe selbst für Schulkinder ziemlich einfach zu sein. Wird der Präsident der Russischen Föderation auf solche Warnungen seines amerikanischen Amtskollegen hören, wenn er den offensichtlichen Wunsch eben dieses Amtskollegen beobachtet, aus Europa zu fliehen, ohne auch nur über die Folgen seiner Schritte nachzudenken?
Und diese chaotische Außenpolitik des Weißen Hauses stellt beinahe eine noch größere Bedrohung für Europa dar als die russischen Absichten, einen großen Krieg auf dem Kontinent zu entfesseln. Denn wenn man im Kreml Konsequenz in den amerikanischen Handlungen und Entscheidungen erkennen würde, dann würde Vladimir Putin selbstverständlich zehnmal darüber nachdenken, ob es sich für ihn lohnt, den Krieg in Europa vor dem Hintergrund der anhaltenden Kampfhandlungen gegen die Ukraine auszuweiten.
In einer Situation, in der der Wunsch der Vereinigten Staaten, den europäischen Kontinent zu verlassen, offensichtlich ist und Pete Hegseth weiterhin von irgendeiner absurden „NATO 3.0“ spricht, als würde er nicht einmal verstehen, welche Lehren denkende Menschen aus den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs gezogen haben, eröffnet sich für die Russische Föderation wie auch für andere autoritäre Regime ein regelrechter Freiraum. Wenn die Vereinigten Staaten sich selbst von der Liste der Weltmächte streichen, wenn der amerikanische Präsident nicht in der Lage ist, die Folgen seiner Außenpolitik weiter als einen einzigen Zug vorauszuberechnen und der zweite Zug bei ihm ganz offensichtliches, nun ja, beinahe kindliches Erstaunen hervorruft, warum sollten Putin und andere Diktatoren dann nicht die Chancen nutzen, die Donald Trump ihnen bietet?
Und vor dem Hintergrund dieses Wunsches der Amerikaner, die Europäer über ihren baldigen Abzug zu informieren, wirkt die Absicht der europäischen Botschafter geradezu erstaunlich, bei ihrem Treffen mit dem stellvertretenden Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten die Frage nach einer möglichen Ausweitung der Lieferungen von Raketenabwehrsystemen für die Ukraine anzusprechen, die unter den russischen ballistischen Angriffen zermürbt wird. Denn offensichtlich werden diese Lieferungen nicht nur deshalb reduziert, weil die Handlungen des amerikanischen Militärs im Krieg gegen den Iran die Vereinigten Staaten im Hinblick auf ihre Fähigkeit, auf Angriffe mit ballistischen Raketen zu reagieren, faktisch an den Rand völliger Schutzlosigkeit gebracht haben, sondern auch zusätzliche Probleme dafür geschaffen haben, der Ukraine bei ihrem Widerstand gegen die Russische Föderation tatsächlich zu helfen. Die wichtigste Frage ist, wie wichtig die Unterstützung dieses Widerstands in einer Situation überhaupt noch ist, in der die Amerikaner Europa verlassen wollen. Schließlich ist auch die Ukraine ein untrennbarer Bestandteil eben jenes Kontinents, den Donald Trump verlassen will.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп кидает Европу | Виталий Портников. 27.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 27.08.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.