Putin verwandelt Kyiv in die Hölle | Vitaly Portnikov. 29.08.2026.

Bereits den vierten Tag in Folge greift der Feind Kyiv und das Kyiver Gebiet an. Zunächst möchte ich den Angehörigen und Nahestehenden der bei diesem brutalen Angriff Getöteten sowie allen Betroffenen mein aufrichtiges Beileid aussprechen.

Wir müssen uns zunächst darüber klar werden, welche Absichten der russische Machthaber Putin mit diesem Angriff verfolgt und wie sich die Ukraine gegen diese neue Situation im seit vielen Jahren andauernden russisch-ukrainischen Krieg verteidigen muss. Das Erste, was man dazu sagen muss, ist, dass Putin wie gewohnt technologische Zeitfenster nutzt.

Zunächst war es ein ballistisches Zeitfenster, das damit zusammenhing, dass die Ukraine ebenso wie andere mit den Vereinigten Staaten verbündete Länder nicht über genügend Flugabwehrraketen verfügt. Eine direkte Folge des jüngsten Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran.

Jetzt hängt dieses Zeitfenster damit zusammen, dass es keinen ausreichenden Schutz gegen strahlgetriebene Shahed-Drohnen gibt. Die Ukraine hat im Kampf gegen gewöhnliche Shahed-Drohnen erhebliche Erfolge erzielt, doch Russland hat die ganze Zeit über seine unbemannten Fluggeräte weiterentwickelt und nutzt nun den unzureichenden Schutz gegen sie für Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur und zivile Objekte.

Der zweite Punkt im Zusammenhang mit Putins Zielen ist der Luftterror: die Einschüchterung der ukrainischen Zivilbevölkerung und die Erzeugung einer Stimmung von Panik und Kapitulationsbereitschaft gegenüber Russland. Putin ist überzeugt, dass die Ukrainer von ihrer Staatsführung genau eine solche Kapitulation verlangen müssen, als praktisch einzige Alternative zur Zerstörung ihres eigenen Landes. Deshalb versucht er, mit den Mitteln des Terrors die ukrainische Gesellschaft dazu zu bringen, seinen Forderungen zuzustimmen und die eigene Staatsführung zur Kapitulation zu zwingen.

Der dritte, ziemlich wichtige Punkt hängt damit zusammen, dass Putin sich tatsächlich auf weitere Kampfhandlungen vorbereitet. Auf diese Weise zerstört die russische Armee Infrastrukturobjekte. Dabei handelt es sich nicht nur um Militärdepots, sondern auch um Einrichtungen, die mit dem Funktionieren großer ukrainischer Städte verbunden sind.

Und hier kommen wir bereits zu Putins viertem wichtigen Ziel, das sich weniger gegen die Ukraine als vielmehr gegen die feindlichen Länder des Westens richtet. Putin bereitet sich auf einen langen Konflikt mit der zivilisierten Welt vor, möglicherweise auf einen hybriden und einen echten Krieg mit europäischen Staaten. Er braucht eine Migrationskrise. Er wollte sie bereits 2022 herbeiführen, doch damals stellte sich heraus, dass seine Erwartungen auf ein Aufflammen migrationsfeindlicher Stimmungen in den europäischen Ländern vergeblich waren. Und nun will er unter neuen Bedingungen zur Idee einer Migrationskrise zurückkehren.

Die Unbewohnbarkeit ukrainischer Städte ist somit ein direkter Weg zur Destabilisierung europäischer Städte, zu migrationsfeindlichen Stimmungen und zu Wahlerfolgen ultrarechter und ultralinker politischer Kräfte, die bereit sind, sich mit Moskau zu den Bedingungen des russischen Präsidenten und seines Umfelds zu verständigen.

Der fünfte Punkt, über den ebenfalls gesprochen werden muss, ist der Versuch, auch die an die Ukraine angrenzenden Länder des postsowjetischen Raums einzuschüchtern. Es geht nicht einmal darum, ob Putin die Ukraine erobern kann oder nicht. Es geht darum, dass allein die Zerstörungen in der Ukraine die ehemaligen Sowjetrepubliken davon überzeugen sollen, sich nicht von Russland abzuwenden, sondern sich mit ihm zu arrangieren. Sie sollen begreifen, dass eine Abkehr vom politischen Raum der Russischen Föderation mit erheblichen Migrationsverlusten und Zerstörungen auf dem eigenen Territorium verbunden sein kann.

Und natürlich irrt sich auch, wer behauptet, Putin bestätige mit diesen Zerstörungen in Wirklichkeit, dass er nicht vorhabe, die gesamte Ukraine zu erobern. Denn für die Russen war es nie wichtig, was auf dem Territorium geschieht, das sie erobern. Für die Russen war immer wichtig, dass dieses Territorium als Sprungbrett für eine weitere Expansion dient.

Ob es dort Menschen, Fabriken oder Infrastruktur gibt, ist dagegen eine völlig nachrangige Frage. Auf einem großen Teil des russischen Territoriums gibt es, wie wir wissen, nichts davon. Und das hindert die Russen nicht daran, auf dieses leere Territorium stolz zu sein – als das Territorium des flächenmäßig größten Staates der Welt.

Und noch ein wichtiger Punkt, an den wir uns erinnern müssen. Manche werden es Rache nennen, aber ich nenne es die Psychologie des russischen Machthabers. Putin reagiert auf Versuche, ihn zum Frieden zu zwingen, auf Eskalation stets mit noch härteren Maßnahmen, die deutlich machen sollen, dass man keinen Druck auf ihn ausüben sollte.

Die ukrainischen Streitkräfte haben – und das ist eine offensichtliche Tatsache – der russischen Wirtschaft schwere Schläge versetzt. Auch die russische Wirtschaft nähert sich einer unausweichlichen Katastrophe, und Putin versteht das sehr gut. Jeder realistisch denkende Mensch würde in dieser Situation über die Notwendigkeit eines Waffenstillstands oder sogar des Friedens nachdenken – nur Putin nicht.

Ich möchte daran erinnern, dass er in seinem ersten Interviewbuch, das unmittelbar vor seiner Wahl zum Präsidenten der Russischen Föderation im Jahr 2000 erschien, von einer Begegnung mit einer Ratte erzählte, die der noch junge Putin in die Enge getrieben hatte. Doch die Ratte drehte sich um und begann denjenigen anzugreifen, der sie dorthin getrieben hatte. Und Putins Lebensmodell, das Modell seines Verhaltens, ist das Verhaltensmodell dieser Ratte.

Man muss immer daran denken: Wenn du Putin in die Enge treibst, wird er dich aus dieser Ecke heraus angreifen. Genau das geschieht. Es gibt also derzeit nichts im Handeln des russischen Präsidenten, was nicht vorhersehbar gewesen wäre.

Aber wie kann man sich gegen dieses Vorgehen verteidigen? Nun, erstens muss man verstehen, dass jede Panikstimmung und jeder Aufruf zur Kapitulation die Gefahr des Krieges nicht beseitigen, sondern nur noch vergrößern werden. Denn Putin ist fest davon überzeugt: Wenn man versucht, sich mit ihm zu verständigen, bedeutet das, dass man immer stärkeren Druck ausüben, den Feind zur endgültigen Kapitulation zwingen und ihn vernichten muss. Die russische Wirtschaft zu treffen und Russland auszubluten ist daher möglicherweise das einzige Rezept, das uns erlaubt, diese Phase der Eskalation zu überleben.

Der nächste Punkt betrifft einen wirksamen Schutz gegen ballistische Raketen und strahlgetriebene Shahed-Drohnen. Bei ballistischen Raketen ist es natürlich schwieriger, aber auch hier müssen sowohl Raketen als auch entsprechende Möglichkeiten gefunden werden. Bei den strahlgetriebenen Shahed-Drohnen geht es um unseren nächsten technologischen Durchbruch.

Wir sagen ständig, dass sich der Krieg verändert, und er wird sich auch in allen kommenden Phasen weiter verändern. Deshalb müssen wir auf jede russische Weiterentwicklung mit einer eigenen Verbesserung unserer Verteidigung reagieren und nach neuen Möglichkeiten für Angriffe auf Russland suchen – und zwar so, dass Russland darauf nicht antworten kann.

Und natürlich stellt sich in einer solchen Situation immer die Frage nach einer effektiven Führung des Staates. Wenn wir aus Angriffen auf Militärdepots keine Konsequenzen ziehen und sich solche Angriffe in Wohngebieten wiederholen, reicht es nicht aus, dass der Präsident des Landes oder der Ministerpräsident darauf lediglich reagiert. Man muss begreifen, dass der Staat ineffizient geführt wird. Und das ist, wie mir scheint, eine Wahrheit, die man, wenn schon nicht innerhalb von sieben Monaten, so doch zumindest innerhalb von sieben Jahren hätte begreifen können.

Nun, dafür muss man kein großes Genie der Politik und der Staatsführung sein. Nur eine Regierung der nationalen Rettung, nur eine richtige Verteilung der Kompetenzen, nur die Beteiligung von Menschen an der Staatsführung, die tatsächlich ernst zu nehmende Manager in der Führung des Landes sind und bereit sind, Verantwortung für die kommende Phase zu übernehmen, kann uns helfen, uns von dem Abgrund zu entfernen, in den uns nicht nur der russische Präsident treibt, sondern auch unser eigenes Unverständnis darüber, wie ein Staat in einer derart schwierigen Situation geführt werden muss.

Deshalb müssen aus jedem solchen mehrtägigen Angriff Schlussfolgerungen gezogen werden, die darauf abzielen, dass sich solche Angriffe nicht mehr wiederholen oder für die Bevölkerung der Ukraine, die ukrainische Infrastruktur und die Lebensfähigkeit des Landes weniger schmerzhaft sind.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін перетворює Київ на пекло | Віталій Портников. 29.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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