Die Ukraine fordert Raketenabwehr gegen ballistische Raketen | Vitaly Portnikov. 06.07.2026.

Die Veranstaltungen des NATO-Gipfels in Ankara begannen mit der Eröffnungspressekonferenz des Generalsekretärs des Bündnisses, Mark Rutte, der die unveränderte Unterstützung für die Ukraine bekräftigte und jungen Russen riet, nicht an dem Krieg teilzunehmen, den Wladimir Putin entfesselt hat.

Die wichtigste Bewährungsprobe des Gipfels wird jedoch im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg die Antwort auf die Appelle der Ukraine sein, ihr bei der Abwehr russischer ballistischer Raketen zu helfen, mit denen Moskau seit Wochen die friedliche ukrainische Bevölkerung terrorisiert.

Jetzt ist der Moment der Wahrheit gekommen, in dem praktisch alle Weltmedien feststellen, dass die Ukraine nicht mehr in der Lage ist, russische ballistische Raketen abzuschießen, weil die Raketen für die Patriot-Systeme, die zur Bekämpfung russischer ballistischer Raketen eingesetzt werden, aufgebraucht sind. Und offensichtlich ist das Bewusstsein darüber, dass die Ukraine über diese Raketen nicht mehr verfügt, nicht nur in Kyiv vorhanden, sondern auch in Moskau, wo bereits noch verheerendere Angriffe mit ballistischen Waffen geplant werden.

Damit steht das Nordatlantische Bündnis vor einer schwierigen Entscheidung: Entweder denkt es an die Erhaltung der eigenen Reserven und an die Wiederauffüllung der Raketenbestände, die nach dem Krieg der Vereinigten Staaten gegen den Iran erheblich geschrumpft sind, oder es hilft der Ukraine bereits heute und löst die eigenen Probleme erst dann, wenn Kyiv wieder in der Lage ist, der russischen ballistischen Bedrohung entgegenzutreten.

Es gibt auch eine andere Lösung: die Ukraine so zu bewaffnen, dass Kyiv russische Fabriken zur Herstellung ballistischer Raketen sowie deren Abschussstellungen zerstören kann und Russland zumindest die Möglichkeit erschwert wird, die friedliche Bevölkerung des Nachbarlandes zu terrorisieren.

Welche Entscheidungen jedoch tatsächlich getroffen werden, bleibt weiterhin unklar. Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump wird auf diesem Gipfel mit dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, zusammentreffen. Der amerikanische Staatschef ist jedoch nach wie vor überzeugt, dass auch sein russischer Amtskollege Wladimir Putin, mit dem Trump vor wenigen Tagen ein längeres Gespräch geführt hat, den russisch-ukrainischen Krieg beenden wolle und dass sich der Konflikt überhaupt seinem Ende nähere.

Trump spricht darüber praktisch seit dem ersten Tag nach seiner Rückkehr ins Oval Office. Praktische Belege dafür, dass diese Einschätzungen des amerikanischen Präsidenten irgendeinen Bezug zur Realität hätten, gibt es bislang jedoch nicht. Ebenso wenig gibt es Anzeichen dafür, dass der russische Präsident Wladimir Putin bereit wäre, den Krieg zu beenden.

Es scheint, dass jeder einzelne Tag, jede russische Bombardierung, jede Erklärung des russischen Präsidenten oder eines anderen russischen Funktionärs den Präsidenten der Vereinigten Staaten davon überzeugen müsste, dass man in Moskau entschlossen ist, die Kampfhandlungen fortzusetzen.

Natürlich gibt es auch die anderen Staats- und Regierungschefs der NATO-Mitgliedstaaten. Doch in Ankara wird die wichtigste Aufgabe jedes Einzelnen und aller gemeinsam darin bestehen, Donald Trump nicht zu verärgern und den amerikanischen Präsidenten davon zu überzeugen, dass jedes NATO-Mitglied tatsächlich bereit ist, seine Militärausgaben zu erhöhen und die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten fortsetzen möchte. Die Angst davor, dass die Vereinigten Staaten Europa im Falle einer möglichen russischen Invasion seinem Schicksal überlassen könnten, ist nach wie vor groß.

Und da stellt sich eine durchaus logische Frage: Wenn die europäischen Staats- und Regierungschefs tatsächlich eine solche Invasion fürchten und befürchten, dass die Vereinigten Staaten nicht bereit sein könnten, ihre Verpflichtungen aus Artikel 5 des Nordatlantikvertrags zu erfüllen – wie wollen sie dann Reserven finden, um die Ukraine mit Raketen zur Abwehr ballistischer Angriffe zu versorgen?

All diese Fragen bleiben selbstverständlich eher rhetorischer Natur. Schon jetzt ist klar, dass der Krieg im Nahen Osten die westlichen Arsenale erheblich erschöpft hat, dass selbst die Vereinigten Staaten ihre Bestände an Raketen dringend wieder auffüllen müssen und dass derzeit nicht genügend Raketen produziert werden, um diese Bestände rasch zu ergänzen.

Und das, obwohl heute niemand garantieren kann, dass der Konflikt im Nahen Osten nicht erneut aufflammt, falls Washington und Teheran bei den Friedensvereinbarungen, die auf sporadischen Treffen amerikanischer und iranischer Vertreter erörtert werden, keine Einigung erzielen.

Auch die Europäer müssen sich um ihre Arsenale sorgen, denn sie stehen keineswegs an erster Stelle in der Warteschlange für Waffenlieferungen. So wurde kürzlich in Tallinn erklärt, man wisse nicht, wann die bereits mit den Vereinigten Staaten vereinbarten amerikanischen Waffen tatsächlich eintreffen würden.

Man kann daher sagen, dass auf diesem Gipfel des Bündnisses zwar die richtigen Reden gehalten und die richtigen Zusicherungen gegeben werden dürften, dass jedoch keine praktischen Schritte unternommen werden, die die Lage im russisch-ukrainischen Krieg tatsächlich verändern könnten.

Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, und andere Vertreter Kyjiws werden die westlichen Staats- und Regierungschefs daran erinnern, dass ihre Landsleute faktisch zu Zielscheiben brutaler russischer Angriffe geworden sind und dass Wladimir Putin alles daransetzt, Kyiv und andere ukrainische Städte in unbewohnbare Orte zu verwandeln, weil der russische Präsident, der seit Jahren an der Ostfront feststeckt, schlicht keinen anderen Beweis für den Erfolg Russlands in diesem Krieg vorweisen kann. Dafür hat Putin jedoch die Möglichkeit, den Mangel an Raketen zur Abwehr ballistischer Angriffe auszunutzen und darauf zu hoffen, dass die Erpressung der ukrainischen Bevölkerung zur Kapitulation des von ihm verhassten Staates führen wird.

Die westlichen Staats- und Regierungschefs werden Zelensky daraufhin ihre Unterstützung zusichern, betonen, dass sich die Lage an der Front durchaus ermutigend entwickle, und versichern, nach Möglichkeiten zu suchen, damit der Ukraine ein Arsenal zur Abwehr ballistischer Raketen zur Verfügung steht. Doch zwischen solchen Erklärungen und tatsächlichen Maßnahmen liegt eine beträchtliche Distanz.

Dabei hängt gerade davon, wie der Westen jetzt auf die katastrophale humanitäre Lage in der Ukraine reagieren kann und was er unternehmen wird, um den russischen Terror gegen die Wohnviertel friedlicher ukrainischer Städte zu beenden, die Glaubwürdigkeit des kollektiven Westens in der heutigen Welt ab.

Und es scheint, dass genau dieser Moment von den Teilnehmern des Gipfels in Ankara schlicht nicht erkannt wird. 


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Titel des Originals: Украина требует антибаллистику | Виталий Портников. 06.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 06.07.2026.
Originalsprache: ru
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Wird die Ukraine zum „Feind Nr. 1“? „Wisti z Ukrajiny“. Vitaly Portnikov. 12/1991.

Am Vorabend des Referendums überraschte die Reaktion des offiziellen Moskaus auf die Entscheidung der Vereinigten Staaten, die Unabhängigkeit der Ukraine anzuerkennen, falls die Abstimmung erfolgreich verlaufen sollte. 

Es schien doch, als habe erst vor wenigen Monaten der Unionskongress der Volksdeputierten alle Staaten der Welt und die internationale Gemeinschaft dazu aufgerufen, sämtliche Unionsrepubliken anzuerkennen und sie als unabhängige Staaten in die UNO aufzunehmen … Und nun ruft der Wunsch eines einzelnen Staates, gewissermaßen mit Taten auf den Appell des Abgeordnetenkongresses zu antworten, sofort jene schon aus den Zeiten Kossygins vertrauten Redewendungen über eine „Einmischung in die inneren Angelegenheiten der UdSSR“ hervor. 

TASS verbreitet den Protest irgendeines „Kongresses der amerikanischen Russen“, der aus irgendeinem Grund nicht nur sie, sondern auch die Ukrainer und Belarussen der USA vertreten soll – als hätten diese keine eigenen Organisationen. Selbst vor dem Hintergrund der „Anti-Referendums-Kampagne“ des Zentralfernsehens und des Rundfunks in den vergangenen Monaten wirkt eine derart absurde Reaktion auf einen völlig vorhersehbaren Verlauf der Ereignisse zumindest befremdlich.

Die eigentliche Propagandakampagne (und vielleicht nicht nur eine Propagandakampagne – man kann auch einen Wirtschaftskrieg und politische Demarchen erwarten) beginnt gerade jetzt, nachdem die Ukraine ein unabhängiger Staat geworden ist, nachdem ihre internationale Anerkennung begonnen hat, nachdem die Grenze zur ehemaligen Union in Kraft treten und eigene Währung sowie Pässe eingeführt werden. Dabei liegt das Problem heute nicht einmal in den historischen Wurzeln der Frage und auch nicht in den Besonderheiten der russischen Mentalität, die sich längst daran gewöhnt hat, die „kleinrussischen“ Gebiete als ihre eigenen zu betrachten und die Ukrainer sogar im fernen Amerika zu vertreten.

Die russische Führung beginnt heute den schwierigsten Abschnitt ihrer Tätigkeit – Wirtschaftsreformen, schmerzhafte Reformen mit unvorhersehbarem Ergebnis und einer ebenso unvorhersehbaren Reaktion einer Bevölkerung, die stets unzufrieden ist. Wie kann man sich „im Sattel halten“, wenn diese Reformen ins Stocken geraten?

Während der gesamten Zeit von Jelzins Herrschaft über Russland hatte er einen mächtigen Gegner – den Parteiapparat, der tatsächlich jede Reforminitiative des Reformers behinderte. Jelzin entwickelte sich zu einem echten „Tyrannenbekämpfer“ – von seiner berühmten Rede auf dem Plenum des Zentralkomitees der KPdSU bis hin zum Augustputsch.

Doch nach der Niederlage der konservativen Kräfte verschwand dieser Gegner plötzlich. Die Machtübernahme gefiel Boris Nikolajewitschs Team so sehr, dass es nicht einmal daran ging, die hemmenden Strukturen zu beseitigen. Man beschränkte sich darauf, die Partei zu verbieten und in Armee, Rüstungsindustrie und Staatssicherheit Personen in Führungspositionen zu berufen, die beiden Präsidenten loyal waren.

Wieder also: „Die Kader entscheiden alles“?

Doch nun ist es schwer, sich noch auf einen Feind zu berufen – und das ist für Menschen, die jahrelang unter dem unsterblichen Ruf „Schande über die KPdSU!“ das Volk auf Demonstrationen geführt haben, beinahe unerträglich. Deshalb begann unmittelbar nach dem Sieg die Suche nach Kandidaten für den hohen Posten des neuen Feindes der russischen Administration.

Die negative Reaktion auf den Akt der Unabhängigkeit der Ukraine seitens breiter Kreise der russischen Öffentlichkeit, zu denen sich faktisch auch der Kongress der Volksdeputierten der RSFSR mit seinem panslawistischen (genauer gesagt: prorussischen) Appell an die Völker Russlands, der Ukraine und Belarus gesellte, ebenso wie das Treffen des russischen Präsidenten mit den Präsidenten der zentralasiatischen Republiken, die sich ebenfalls mit Aufrufen zur Einheit an uns wandten, hätten eigentlich deutlich machen müssen, dass der Feind bereits gefunden war.

Doch wir begriffen das damals noch nicht und führten alles auf jene Besonderheiten der russischen Mentalität zurück. Je weiter jedoch die Entwicklung voranschreitet, desto stärker verlagert sich die Angelegenheit auf die wirtschaftliche Ebene. Es geht längst nicht mehr um Mentalität. Die Ukraine wird vielmehr zu jenem Fallschirm, den man im Falle eines Scheiterns der Reformen dringend benötigt.

Dann muss man schließlich sagen können: Es hat nicht geklappt (oder: Es ist nicht so gelungen, wie wir wollten), weil uns die Haltung von … nun, von wem eigentlich?

Die KPdSU gibt es nicht mehr.

Der militärisch-industrielle Komplex wird unter unserer weisen Führung konvertiert.

Die Staatssicherheit steht unter unserer Kontrolle.

Das Baltikum – es ist zu klein.

Kasachstan – ist für die Union …

Uns hat, so werde ich euch sagen, die Haltung der Ukraine behindert …

Auf der letzten Sitzung des Staatsrates, auf der hinter verschlossenen Türen ein Paket wirtschaftlicher Maßnahmen beraten wurde, soll der Präsident der RSFSR bereits etwas Ähnliches gesagt und sogar Sanktionen gegen die Abtrünnigen gefordert haben – zumindest berichten dies gut informierte Quellen.

Es bleibt nur zu hoffen, dass der gesunde Menschenverstand noch eine Chance hat zu siegen.

Schlechte Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine würden eine „Jugoslawisierung“ der Ereignisse im gesamten postsowjetischen Raum bedeuten. Gerade diese beiden Staaten sind schlicht dazu bestimmt, in Frieden und Eintracht miteinander zu leben. Jede andere Entwicklung wäre tödlich – für ihre Wirtschaft ebenso wie für das Klima der zwischenethnischen Beziehungen in den Republiken, in denen Millionen Russen und Ukrainer als Minderheiten leben.

Natürlich eignet sich die Ukraine aus rein pragmatischer Sicht wie kein anderes Land für die Rolle des „Feindes Nr. 1“ der russischen Administration, auf den sich sämtliche eigenen Fehler und Schwierigkeiten abwälzen lassen.

Doch das ist eine kurzsichtige Politik. Ihr kurzfristiger Erfolg würde zerstören, was über Jahrhunderte hinweg aufgebaut wurde.

Für Russland wäre dies umso gefährlicher, weil die einzigartige Brücke zwischen Russland und Europa blockiert würde. Verbunden mit seinen asiatischen Nachbarn in einem nur scheinbaren Bund souveräner Staaten würde die Russische Föderation endgültig auf einen anderen Kontinent abgedrängt.

Für die Ukraine wäre eine solche Trennung nicht weniger schmerzhaft, denn Jahrhunderte ihrer Entwicklung sind mit dem Kosmos der russischen Kultur verbunden – ganz zu schweigen von den wirtschaftlichen und politischen Kontakten.

Und schließlich: In den Herzen unserer Menschen hat es niemals Winter gegeben. Deshalb wäre eine Verschlechterung der Beziehungen zwischen ihnen etwas Künstliches.

P. S. Dieser Beitrag erreichte uns aus Moskau am Vorabend des Treffens in Brest.


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Titel des Originals: Чи стане Україна «Ворогом Nº 1»? «Вісті з України». Віталій Портников. 12.1991.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 12.1991.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Zelensky und Putin sprachen mit Trump | Vitaly Portnikov. 05.07.2026.

Die Präsidenten der Ukraine und der Russischen Föderation führten Gespräche mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten im Rahmen der Feierlichkeiten, die derzeit in Amerika anlässlich des 250. Jahrestages der Gründung des amerikanischen Staates stattfinden.

Deshalb handelte es sich in erster Linie um protokollarische Gespräche. Donald Trump spricht in diesen Tagen mit zahlreichen Staats- und Regierungschefs. Zu erwarten, dass unter solchen Umständen der Dialog entweder mit dem ukrainischen oder mit dem russischen Präsidenten zu konkreten politischen Entscheidungen führen könnte, wäre daher nicht angebracht.

Dennoch wird allein die Tatsache eines Gesprächs mit dem amerikanischen Präsidenten in der Regel genutzt, um die eigenen politischen Möglichkeiten zu demonstrieren. So war es auch dieses Mal.

Das Wichtigste am Gespräch zwischen Donald Trump und Volodymyr Zelensky ist nicht die Überzeugung des ukrainischen Präsidenten, dass sich nun reale Möglichkeiten für ein Ende des Krieges eröffnet hätten. Mit solchen Thesen tritt Zelensky regelmäßig auf – man kann sagen, seit den ersten Jahren der groß angelegten Phase des russisch-ukrainischen Krieges. Und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich die heutige Situation durch neue Umstände von der vorherigen unterscheidet, die tatsächlich Anlass zur Hoffnung gäben, dass sich der russisch-ukrainische Krieg seinem Ende nähert.

Was aus konkreter Sicht jedoch wirklich wichtig ist, ist die Vereinbarung zwischen den Präsidenten der Ukraine und der Vereinigten Staaten, bereits am 7. und 8. Juli während des NATO-Gipfels in Ankara miteinander zu sprechen – sofern Trump und Zelensky einander richtig verstanden haben. Denn während des jüngsten G7-Gipfels in Evviami, zu dem auch der ukrainische Präsident eingeladen worden war, war ein offizielles Treffen zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine gar nicht vorgesehen. Zelensky gelang es lediglich, Trump am Rande des Gipfels zu sprechen.

Und obwohl dieses Gespräch durchaus positiv verlief und Trump anschließend gegenüber Journalisten erklärte, Zelensky halte sich gut, muss man verstehen, dass bei solchen Begegnungen am Rande einer Veranstaltung in der Regel keine konkreten Entscheidungen getroffen werden. Die Staats- und Regierungschefs tauschen lediglich ihre Eindrücke zu politischen Fragen aus.

Deshalb ist nicht ein weiteres Treffen am Rande einer Veranstaltung wichtig, sondern ein tatsächlich von den Beratern vorbereiteter Termin zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine, bei dem konkrete Entscheidungen getroffen werden können – etwa über die Lieferung eben jener Raketenabwehrsysteme an die Ukraine.

Denn selbst wenn man Trump am Rande einer Veranstaltung auf Raketenabwehrsysteme anspricht und er verspricht, die Angelegenheit zu prüfen, bedeutet das keineswegs, dass jemals eine Entscheidung getroffen wird. Geht es jedoch um ein vorbereitetes Treffen mit einer festgelegten Tagesordnung, dann muss bereits der Apparat des Weißen Hauses und die Berater des amerikanischen Präsidenten daran arbeiten.

Genau darin unterscheidet sich konkrete Politik mit geplanten Treffen von improvisierten Begegnungen, die gerade deshalb organisiert werden müssen, weil Trump solche protokollarischen Treffen mit dem Präsidenten der Ukraine meidet, um ihm nichts Konkretes versprechen zu müssen.

Gehen wir also davon aus, dass das Gespräch zwischen Trump und Zelensky tatsächlich zu einem vorbereiteten Treffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine führen wird und dass die Ukraine von den Vereinigten Staaten nicht nur Worte, sondern reale Unterstützung erhält, die uns helfen wird, die kommenden Monate und Jahre des russisch-ukrainischen Krieges durchzustehen.

Das Gespräch Trumps mit Putin wiederum hat ebenfalls gezeigt, dass es derzeit keinerlei konkrete Perspektiven für ein Ende dieses Krieges gibt. Aus der Haltung des russischen Diktators, der von der Notwendigkeit überzeugt ist, die Kampfhandlungen an der russisch-ukrainischen Front fortzusetzen, lässt sich schließen, dass Putin sich auf dieses protokollarische Telefonat vorbereitet hatte – schon deshalb, weil einer der wichtigsten Schwerpunkte des Gesprächs zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten die Mitteilung war, russische Truppen hätten Kostjantyniwka eingenommen.

Damit machte Putin Trump deutlich, dass Gespräche über eine Einstellung der Kampfhandlungen oder auch nur über Verhandlungen zu einer solchen Einstellung und den Abschluss eines Friedensabkommens ohne die Kontrolle der russischen Armee zumindest über das gesamte Gebiet der Oblast Donezk aus seiner Sicht keinen Sinn hätten.

Der außenpolitische Berater des russischen Präsidenten, Juri Uschakow, betonte ausdrücklich, dass die russischen Truppen – wie er sich selbstverständlich ausdrückte – versuchten, das gesamte Gebiet des Donezker Gebiets zu „befreien“. Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass genau darüber Putin mit Trump sprach, als er ihm die tatsächliche Lage in der sogenannten Zone der militärischen Spezialoperation schilderte.

Mit anderen Worten: Das protokollarische Gespräch wurde vom Präsidenten der Russischen Föderation genutzt, um den Präsidenten der Vereinigten Staaten erneut daran zu erinnern, dass Russland nicht beabsichtigt, seine Haltung hinsichtlich der Möglichkeiten zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu ändern.

Dabei kann Putin derzeit davon ausgehen, dass er sich in einer starken Position befindet, weil Trump in den kommenden Monaten zumindest irgendeinen Erfolg bei der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges vorweisen muss.

Wie wir wissen, richtet sich der amerikanische Präsident unmittelbar nach dem Jubiläum der Vereinigten Staaten bereits auf die Kongresswahlen aus, die zu einer Niederlage der Republikaner führen könnten – zumindest im Repräsentantenhaus. Unter solchen Umständen könnte es für ihn Teil der Suche nach einem realistischen Weg sein, zumindest eine Einstellung der Kampfhandlungen an der Frontlinie oder einen Stopp der gegenseitigen Angriffe Russlands und der Ukraine auf die Infrastruktur beider Länder zu erreichen, wenn er den Wünschen Putins größere Aufmerksamkeit schenkt – selbst wenn dies nicht das Ende des russisch-ukrainischen Krieges selbst bedeutet.

Und genau diese Überzeugung Putins, dass Trump die Zeit davonläuft, während er selbst warten kann, bis Washington und Kyiv seinen Ultimaten zustimmen, erlaubt es ihm, mit dem amerikanischen Präsidenten selbstbewusst aufzutreten und seine Position hinsichtlich der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges nicht zu ändern.

Und hier rückt selbstverständlich erneut das Treffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine in den Mittelpunkt. Denn nur eine gemeinsame Position des Westens und der Ukraine kann zumindest die Voraussetzungen für stärkeren Druck auf den Präsidenten der Russischen Föderation in der nächsten Phase der zermürbenden russisch-ukrainischen Konfrontation schaffen. Und sie kann Wege aufzeigen, Putin zumindest dazu zu zwingen, seine Pläne zur Zerstörung ukrainischer Städte und Siedlungen in der kommenden Kriegsphase einzustellen – Pläne, die, wie wir sehen, bereits in der jüngsten Vergangenheit einen wesentlichen Bestandteil der Angriffe der russischen Armee auf die Ukraine bildeten.

Und offensichtlich plant Putin gerade solche Maßnahmen für die Zukunft – als Folge der Unfähigkeit der russischen Armee, an der Front irgendwelche wirklichen Ergebnisse zu erzielen.

Die Gespräche selbst sprechen daher eher für die Beständigkeit und Unverändertheit der Positionen. Wie man jedoch Putins Haltung beeinflussen kann, das ist bereits eine Frage der weiteren Verhandlungen.


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Titel des Originals: Зеленський і Путін поговорили з Трампом | Віталій Портников. 05.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 05.07.2026.
Originalsprache: uk
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Putin befiehlt die Fortsetzung des Terrors gegen die Ukraine | Vitaly Portnikov. 04.07.2026.

Putin hat befohlen, die massierten Angriffe auf die ukrainische militärisch-industrielle Infrastruktur und auf Objekte, die deren Funktionieren gewährleisten, fortzusetzen.

Übersetzt man dies aus der Sprache Putins, dann sprechen wir von dem Befehl, den massiven Terror gegen die ukrainische Zivilbevölkerung fortzusetzen. Denn beim jüngsten russischen Angriff auf Kyiv und andere ukrainische Regionen konnten wir uns davon überzeugen, dass die Russen gezielt Wohnviertel der ukrainischen Hauptstadt angreifen – dort, wo sich nicht einmal der Schatten einer ukrainischen militärisch-industriellen Infrastruktur oder irgendwelcher geheimer Einrichtungen befindet, die deren Funktionieren gewährleisten könnten. Es sei denn, man betrachtet die Wohnungen gewöhnlicher Ukrainer, die sich nicht vor dem brutalen russischen Regime ergeben wollen, als solche Objekte.

Doch genau auf diese Kapitulation hofft Putin weiterhin mit seinem terroristischen Angriff auf unseren Staat. Denn die militärischen Möglichkeiten zur Besetzung der Ukraine besitzt er schlicht nicht. Er hofft, dass gerade der Terror gegen die Ukrainer sie dazu zwingen wird, freiwillig der Liquidierung ihres Staates zuzustimmen – oder zumindest die Voraussetzungen für eine groß angelegte demografische Katastrophe im Nachbarland schafft.

Allerdings muss gesagt werden, dass Putin, obwohl er der ukrainischen Führung vorwirft, über nicht existierende Erfolge an der Front zu berichten, weil sie sich angeblich nur mit PR beschäftigen könne, selbst ausschließlich vor die Fernsehkameras trat, um die Einnahme von Kostjantyniwka durch die russischen Truppen bekannt zu geben.

Diese Behauptung des Präsidenten der Russischen Föderation wurde bereits vom Generalstab der Streitkräfte der Ukraine widerlegt. Doch selbst wenn man Putins Logik folgen würde – was kommt dann als Nächstes für die russische Armee, was kommt als Nächstes für den russischen Staat?

Putin betont, dass die Einnahme von Kostjantyniwka nur der erste Schritt zur Eroberung der Agglomeration Slowjansk–Kramatorsk sei. Das heißt, die russische Armee hofft weiterhin, die gesamte ukrainische Oblast Donezk erobern zu können. Dabei sollte man daran erinnern, dass die Eroberung der gesamten Donezker Oblast keineswegs – wenn schon nicht taktisch, dann ganz sicher nicht strategisch – das Ziel des Präsidenten der Russischen Föderation, der russischen Militärführung und des russischen Volkes in diesem Angriffskrieg gegen den Nachbarstaat war.

Putins strategisches Ziel war, ist und bleibt die Liquidierung der ukrainischen Staatlichkeit als solcher, verbunden mit der Eingliederung der ukrainischen Regionen als neue Föderationssubjekte in die Russische Föderation – so wie dies formal bereits mit den Oblasten Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja sowie mit der Autonomen Republik Krim und dem ukrainischen Sewastopol geschehen ist.

Putin besitzt keinerlei reale Möglichkeit, die Eingliederung dieser Regionen auch nur innerhalb ihrer administrativen Grenzen sicherzustellen. Wenn er erklärt, die sogenannte Befreiung Kostjantyniwkas sei lediglich der erste Schritt der russischen Armee zur Einnahme von Slowjansk oder Kramatorsk, dann bleibt das Entscheidende bestehen: Selbst wenn man sich vorstellt, Putin würde die geografischen Grenzen seiner eigenen Annexion erreichen, würde ihm das keinerlei reale Möglichkeiten eröffnen, die Ukraine zu erobern oder jenem ehrgeizigen Plan näherzukommen, der bereits im fernen Jahr 1991 auf der Lubjanka entworfen wurde: die Wiederherstellung der russischen Staatlichkeit innerhalb der Grenzen der Sowjetunion mit der anschließenden Schaffung einer russischen Einflusssphäre in den Ländern Mitteleuropas.

Ich erinnere daran, dass genau darauf das Außenministerium der Russischen Föderation bereits im Jahr 2021 bestand, als es forderte, Russland müsse nicht nur die faktische politische Kontrolle über die ehemaligen Sowjetrepubliken erhalten – was durch die Verpflichtung der NATO gewährleistet werden sollte, diese Staaten nicht in ihr Bündnis aufzunehmen –, sondern dass das Nordatlantische Bündnis zugleich die neuen Waffensysteme aus jenen Ländern abziehen müsse, die der NATO nach 1997 beigetreten waren.

Die Grenzen der Ambitionen der russischen Führung sind also klar, ebenso ist klar, weshalb der Krieg gegen die Ukraine bereits 2014 begonnen wurde. Unklar bleibt jedoch das Entscheidende: Wie will Putin die Ziele dieses Krieges erreichen, wenn er die Einnahme jedes einzelnen ukrainischen Dorfes im Donbas als großen Sieg verkündet und als Instrument zur Verwirklichung seiner ehrgeizigen chauvinistischen und imperialen Ziele den Luftterror gegen die friedliche Bevölkerung der Ukraine einsetzt? Damit erinnert er die Welt immer wieder daran, dass wir es mit einer kriminellen Organisation zu tun haben, die lediglich so tut, als sei sie ein zivilisierter Staat.

Tatsächlich kann man von der Staatlichkeit Russlands nur mit gewissen Vorbehalten sprechen. Denn nicht jedes Gebilde, das die Flagge, das Wappen oder die Hymne der ehemaligen Sowjetunion verwendet, ist auch ein Staat. Solcher Symbole kann sich ebenso eine abscheuliche Mafia bedienen – und genau eine solche Mafia ist das heutige Russland unter der Führung Putins. Dass diese Mafia zu kriminellen Handlungen greift, um ihre Ziele zu erreichen, erscheint mir daher völlig logisch und vorhersehbar.

Es gibt heute schlicht keine realen Möglichkeiten mehr, die Putin hoffen lassen könnten, dass die russische Staatlichkeit tatsächlich innerhalb der sowjetischen Grenzen wiederhergestellt wird. Unter den Bedingungen, in denen die wirtschaftlichen Ressourcen der Russischen Föderation, die die Fortsetzung des Krieges in den 2020er- und 2030er-Jahren dieses Jahrhunderts ermöglichen sollen, immer knapper werden, bleibt Putin nichts anderes übrig, als zu immer grausameren Methoden zu greifen, um diesen Krieg möglichst rasch mit einem russischen Sieg zu beenden – einem Sieg, der mit den Ressourcen, über die Russland heute verfügt, mit der Entschlossenheit der Ukraine, sich durch die Zerstörung des russischen militärisch-industriellen und des Raffineriesektors gegen die russische Invasion zu wehren, sowie mit der Bereitschaft unserer europäischen Verbündeten, uns in diesem gerechten Kampf gegen eine der abscheulichsten kriminellen Organisationen der heutigen Welt zu unterstützen, die sich selbst russischer Staat nennt, schlicht unerreichbar ist.

So bleibt ihm nichts anderes übrig, als öffentlich den Befehl zu erteilen, Frauen und Kinder zu töten, und die Welt damit erneut daran zu erinnern, mit welcher Bande sie es in Gestalt des sogenannten Russlands zu tun hat.


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Titel des Originals: Путін наказує продовжити терор України | Віталій Портников. 04.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 04.07.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Neuer Angriff auf Sankt Petersburg | Vitaly Portnikov. 04.07.2026.

Die Ukraine hat die Öl- und Raffinerieinfrastruktur im Umfeld von Sankt Petersburg angegriffen. Außerdem wurde der wichtige Hafen von Kronstadt attackiert, der bereits unmittelbar vor dem renommierten Internationalen Wirtschaftsforum von Sankt Petersburg Ziel ukrainischer Drohnen gewesen war.

Über die Angriffe auf die Umgebung von Sankt Petersburg berichtete Präsident Volodymyr Zelensky. Der Gouverneur des Leningrader Gebiets, Alexander Drosdenko, räumte ebenfalls ein, dass Trümmer ukrainischer Drohnen in der Nähe des Hafens Wyssozk niedergegangen seien und bestätigte damit die ukrainischen Angaben. Denn Vertreter der russischen Behörden kommentieren ukrainische Angriffe regelmäßig mit Meldungen über den Absturz von Trümmern ukrainischer unbemannter Fluggeräte.

Die Brände jedoch, die an vielen Orten im Leningrader Gebiet zu sehen waren und deren Aufnahmen in den sozialen Netzwerken verbreitet wurden, lassen keinen Zweifel daran, dass der Angriff tatsächlich stattgefunden hat. Dies zeigt einmal mehr, dass das russische Luftverteidigungssystem den heutigen Anforderungen, die sich aus dem militärisch-technischen Wandel ergeben, nicht gerecht wird.

Putin kann so oft er will über die Notwendigkeit sprechen, dieses System zu verbessern – doch auf die Frage, wie sich die Russische Föderation vor Angriffen ukrainischer Drohnen schützen soll, gibt es bis heute keine Antwort. Wir sehen, dass praktisch sämtliche Ressourcen der russischen Luftverteidigung derzeit auf die russische Hauptstadt konzentriert sind. Wie schon bei allen früheren Krisen der russischen Geschichte richtet die Staatsführung ihr Hauptaugenmerk auf die Sicherheit Moskaus und – nach dem Treffer auf die Ölraffinerie in Kapotnja – insbesondere auf die Sicherheit des Zentrums von Moskau. 

Das stellt zugleich ein ernstes Problem für die Sicherheit der Randbezirke der russischen Hauptstadt dar. Von den Randgebieten Sankt Petersburgs ganz zu schweigen. Denn wir verstehen sehr gut, dass unter diesen Umständen andere Regionen Russlands – selbst jene, die mit der Heimatstadt des russischen Präsidenten verbunden sind – nicht auf einem angemessenen Sicherheitsniveau geschützt werden könnenAus Sicht der formalen Logik hätte man in einer solchen Situation zumindest über eine Aussetzung des russisch-ukrainischen Krieges nachdenken müssen, um wenigstens die Öl- und Raffinerieressourcen der Russischen Föderation zu erhalten. So spricht der Generalstab der Streitkräfte der Ukraine bereits davon, dass 45 Prozent der russischen Raffineriekapazitäten außer Betrieb gesetzt worden seien. Und selbstverständlich wird diese Zahl weiter steigen und damit der russischen Wirtschaft künftig immer größere Probleme bereiten.

Doch offenbar lebt der Präsident Russlands in seiner eigenen Wirklichkeit und versucht, die Probleme rund um die Angriffe auf die Raffinerien und die Ölinfrastruktur seines Landes nicht wahrzunehmen. Bereits gewöhnliche Einwohner Russlands beginnen, zahlreiche Videobotschaften an Putin aufzunehmen und verlangen von ihm, die Probleme bei der Treibstoffversorgung zu lösen. Doch Putin hört ihnen nicht zu und erklärt lediglich, alle notwendigen Entscheidungen würden so getroffen werden, dass das Problem bald beseitigt werde.

Wie genau – das erklärt er jedoch nicht. Dies ist einer der ersten Momente der neueren russischen Geschichte, in denen die Bedürfnisse des russischen Präsidenten mit seinem imperialistischen Denken und seiner offenen Missachtung der Wünsche der eigenen Bürger nicht mehr mit den Stimmungen des sogenannten einfachen Volkes  übereinstimmen, die jahrzehntelang Putins gesellschaftliche Basis bildete – jenes sprichwörtliche Nischni Tagil, das bereit war, das konservative, chauvinistische und imperialistische Programm des russischen Staatschefs zu akzeptieren und seine Rechte gegen Geld einzutauschen, jedoch offensichtlich nicht gegen Treibstoff, nicht gegen Benzin und nicht gegen stundenlanges Warten in den Schlangen vor den Tankstellen der Russischen Föderation.

Was kann Putin diesen Menschen tatsächlich anbieten – außer der Möglichkeit, in Warteschlangen zu stehen?

  • Den Import von Treibstoff. Doch dieser Import müsste selbstverständlich ausreichen, um den Bedarf eines riesigen Landes zu decken, dessen Raffineriekapazitäten immer weiter schrumpfen. Bislang aber gibt es Schlangen an den Tankstellen sowohl in Moskau als auch in Sankt Petersburg.
  • Eine Verbesserung der Luftverteidigungssysteme. Doch es könnte sich herausstellen, dass diese Systeme schlicht nicht in der Lage sind, rasch auf all die Probleme zu reagieren, mit denen Russland im Kampf gegen ukrainische Drohnen konfrontiert ist. Um eine wirksame Antwort auf die ukrainische Bedrohung zu entwickeln, brauchen die Russen schlicht Zeit – und genau diese Zeit haben sie nicht.
  • Meldungen über die Einnahme von Kostjantyniwka und anderer ukrainischer Städte. Doch eine ukrainische Stadt im Donbas kann man nicht in einen Benzinkanister füllen.

So zeigt sich erneut, dass die Erwartungen des Präsidenten der Russischen Föderation an seine imperialistischen Aktionen auf ukrainischem Territorium wiederum nicht mit den Erwartungen der russischen Bevölkerung übereinstimmen.

Die Russen brauchten weder das sogenannte „sakrale“ Krim noch den Donbas oder andere ukrainische Gebiete jemals wirklich. Sie erlaubten ihrem Diktator lediglich, sich auf fremdem Boden auszutoben, in der Hoffnung, der Krieg werde sie verschonen und es werde sich lediglich um eine gewöhnliche „Spezialoperation“ in der Ukraine handeln, die mit ihrem eigenen Alltag nichts zu tun habe.

Die Wirklichkeit erwies sich gegenüber den politisch trägen Russen als unerbittlich. Der Krieg kam in ihre Häuser, nach Moskau, nach Sankt Petersburg, nach Tscheboksary und in andere russische Städte, die bereits von ukrainischen Drohnen angegriffen wurden. Offensichtlich werden im Verlauf dieses Krieges immer mehr Städte der Russischen Föderation von den Flammen erfasst werden und sich das Leben dort zu einer echten Bewährungsprobe für jene Bürger Russlands entwickeln, die überzeugt waren, es mit einer „Spezialoperation“ in einem Nachbarland zu tun zu haben.

Mit anderen Worten: Dafür haben die Russen sich nicht entschieden. Sie sind immer dann bereit, den Krieg ihrer eigenen Staatsführung zu unterstützen, wenn dieser Krieg sie selbst nicht betrifft. Oder wenn daran Söldner teilnehmen, die für viel Geld sterben und ihren Angehörigen anschließend noch einen Lada Kalina hinterlassen.

Das ist eine völlig neue Situation. Und jedes Mal, wenn wir von Angriffen auf irgendeine russische Region erfahren, müssen wir verstehen, dass dies die öffentliche Meinung der Bürger der Russischen Föderation zu diesem Krieg verändert. Mit dieser öffentlichen Meinung – insbesondere wenn es um Städte wie Sankt Petersburg oder Moskau geht – wird der Präsident der Russischen Föderation früher oder später rechnen müssen.

Natürlich würden wir uns wünschen, dass dies früher geschieht. Doch jede Warteschlange an einer russischen Tankstelle und jede Rauchsäule über Sankt Petersburg erinnert uns daran, dass Putin seinen Mitbürgern erklären müssen wird, warum sich ihr Leben in ein Leben im Krieg verwandelt hat und warum es ihm nach viereinhalb Jahren Kampf gegen die Ukraine nicht nur nicht gelungen ist, das Nachbarland einzunehmen, sondern er den Krieg auch bis nach Russland selbst gebracht hat.

Das Schicksal russischer Machthaber, die ihrem eigenen Volk auf diese Frage keine Antwort geben können, endet erfahrungsgemäß nicht immer so angenehm, wie sie es sich in ihren Präsidentenbüros vorstellen.


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Titel des Originals: Нова атака на Пітер | Віталій Портников. 04.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 04.07.2026.
Originalsprache: [uk/ ru/ en]
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Russland wird Polen angreifen | Vitaly Portnikov. 03.07.2026.

Die Zeitung Telegraph behauptet, dass die Vereinigten Staaten Polen vor einem möglichen russischen Angriff auf das Territorium des Landes gewarnt haben. Ein russischer Angriff könnte sowohl in Form von Drohnenangriffen auf die kritische Infrastruktur der Republik Polen erfolgen als auch – im schlimmsten Fall – als hybrider Angriff mit dem Eindringen russischer Militäreinheiten auf polnisches Staatsgebiet unter dem einen oder anderen Vorwand.

Die Amerikaner gehen davon aus, dass die Russen überzeugt sind, Polen werde auf einen solchen russischen Angriff nicht mit militärischer Gewalt reagieren, sondern versuchen, Verhandlungen mit Russland aufzunehmen.

Damit wird nun auch auf Ebene der Nachrichtendienste bestätigt, worauf ich in den vergangenen Monaten immer wieder hingewiesen habe. Die Logik des russisch-ukrainischen Krieges selbst verlangt aus Sicht des Kremls nach einer Ausweitung des Krieges.

Sie können das selbst gut nachvollziehen. In Russland ist man überzeugt, die Ukraine aus eigener Kraft besiegen und der Existenz unserer Staatlichkeit ein Ende setzen zu können. Das Einzige, was Putin bei diesen ehrgeizigen Plänen eines Abnutzungskrieges im Wege steht, ist die europäische Unterstützung für die Ukraine. Russland führt somit keinen Krieg gegen eine einzelne ehemalige Sowjetrepublik, sondern gegen den gesamten Westen – heute gegen die gesamte Europäische Union. Und die einzige reale Möglichkeit, die Lage zu seinen Gunsten zu verändern, wenn man den Krieg möglichst rasch zu russischen Bedingungen beenden möchte, besteht darin, der Ukraine die europäische Unterstützung zu entziehen.

Politische Instrumente, um Druck auf die europäischen Regierungen auszuüben, besitzt Russland – insbesondere nach der Niederlage Viktor Orbáns bei den Parlamentswahlen – nicht mehr. Deshalb müssen die gesellschaftlichen Stimmungen in Europa verändert werden, um jene Politiker zu stärken, die betonen werden, dass die europäischen Länder ohne Vereinbarungen mit Moskau dazu verurteilt seien, den Krieg auf ihr eigenes Territorium kommen zu sehen. Und damit diese Politiker Recht behalten, muss der Krieg tatsächlich auf dieses Territorium gelangen.

Zugleich muss gezeigt werden, dass die Vereinigten Staaten nicht bereit sind, ihre europäischen Verbündeten aktiv vor einem russischen Angriff zu schützen. Das bedeutet, dass das Zeitfenster für eine russische Aggression gegen Länder wie Polen oder die baltischen Staaten genau dann besteht, wenn sich Donald Trump im Oval Office befindet. Unter den Bedingungen einer deutlichen Schwächung seiner politischen Positionen in der Welt infolge des iranischen Fiaskos wird er kaum bereit sein, auch noch einen offenen Konflikt mit der Russischen Föderation zu riskieren – einen Konflikt, der ebenfalls unvorhersehbare Folgen für die Vereinigten Staaten haben könnte, wenn Washington ebenso unüberlegt und unentschlossen handeln würde wie während des Iran-Krieges.

Damit entstehen für den Präsidenten der Russischen Föderation und für die russische Armee kurzfristige, aber ideale Voraussetzungen für eine Ausweitung des Krieges – zumindest auf das Territorium der Länder Mitteleuropas. Und unter diesen Bedingungen wird der Krieg unvermeidlich. In erster Linie natürlich für Polen, wo sich wichtige Einrichtungen zur militärischen Unterstützung der Ukraine in unserem Widerstand gegen die russische Aggression befinden und wo es zahlreiche Politiker des rechten und ultrarechten Spektrums gibt, die schon heute behaupten, die Ukraine stelle für Polen eine größere Bedrohung dar als Russland.

Das heißt, sie sind zu Separatvereinbarungen mit dem russischen Regime unter dem Deckmantel des Schutzes der nationalen Interessen Polens bereit, ohne zu begreifen – ebenso wenig wie viele Vertreter der ukrainischen politischen Elite und der ukrainischen Gesellschaft dies insbesondere vor dem großen russischen Angriff verstanden haben –, dass jeder Versuch, sich mit der Russischen Föderation zu verständigen, das Raubtier lediglich zu noch härteren und schwereren Angriffen auf das Territorium des feindlichen Staates ermutigt. Mit ihren Erklärungen über die Notwendigkeit, sich mit Putin zu verständigen, stärken sie daher nur Putins Bereitschaft, nicht nur auf ukrainischem, sondern auch auf polnischem Boden Krieg zu führen.

Kann diese Gefahr für Polen oder etwa die baltischen Staaten abgewendet werden? Wenn man ehrlich ist, gibt es dafür keine großen Möglichkeiten. Die Ausweitung des Krieges folgt ihrer eigenen Logik. Und wenn ein Krieg wie der russisch-ukrainische einmal begonnen hat und nicht beendet werden kann, führt er zwangsläufig zu einer Ausweitung auf den gesamten Kontinent.

Man kann jedoch die militärischen Fähigkeiten der Russischen Föderation schwächen, der Ukraine entschlossener helfen und uns sowohl Flugabwehrsysteme als auch Raketen liefern, mit denen das russische militärisch-industrielle Potenzial zerstört, die Zahl russischer Raketen und Drohnen verringert und damit technische Schwierigkeiten für weitere Angriffe auf das Territorium Polens und anderer Staaten der Europäischen Union geschaffen werden. Das wäre ein weitaus richtigerer Schritt in die notwendige Richtung als historische Streitigkeiten zwischen Warschau und Kyiv, das Aberkennen von Orden und andere sinnlose Aktivitäten auf der Ebene des Präsidenten der Republik Polen und bestimmter Vertreter der polnischen politischen Elite.

Wie in der Ukraine im Jahr 2022 begreifen auch in Warschau im Jahr 2026 viele Menschen schlicht nicht, dass ihr Land in die letzten friedlichen – wenn nicht Monate, dann Jahre – seiner Existenz eingetreten ist und unter der Bedrohung von Angriffen durch die räuberische Russische Föderation steht sowie vor der Notwendigkeit, seine Bevölkerung vor solchen Angriffen zu schützen.

Schützen kann man sich nur durch euro-atlantische Solidarität und durch die Suche nach realen statt mythischen Bündnissen – denn all jene Bündnisse, die Polen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion geschlossen hat, sowie die Hoffnung, die euro-atlantische Integration werde zu jenem Schutzschirm werden, der einen neuen Krieg auf polnischem Boden unmöglich macht, haben sich in Mythen verwandelt. Schon jetzt lässt sich sagen, dass dieser Schutzschirm eher wie ein Accessoire zur Selbstberuhigung aussieht als wie ein tatsächliches Instrument, das uns mit Sicherheit sagen ließe, dass wir in den kommenden Monaten oder den nächsten Jahren kein brennendes Polen erleben werden.


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Titel des Originals: Росія нападе на Польщу | Віталій Портников. 03.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Zelensky hält Zaluzhny von einer Kandidatur ab | Vitaly Portnikov. 01.06.2026.

Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, traf sich mit dem ehemaligen Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine und heutigen Botschafter der Ukraine im Vereinigten Königreich, Valery Zaluzhny, und soll ihn von einer Teilnahme an den Präsidentschaftswahlen abgehalten haben. Darüber berichtet die Online-Ausgabe Ukrajinska Prawda. Inzwischen sind praktisch alle sozialen Netzwerke voller Diskussionen über die Glaubwürdigkeit und Plausibilität dieser Information.

Doch selbst wenn man annimmt, dass das Treffen zwischen Zelensky und Zaluzhny nicht mit der Frage der Präsidentschaftswahlen zusammenhing, sondern mit den bevorstehenden Veränderungen in der Regierung des Vereinigten Königreichs, ist offensichtlich, dass das Thema Wahlen für die Existenz sowohl der Staatsführung als auch der gesamten ukrainischen politischen Elite weiterhin von großer Bedeutung bleibt.

Und genau das überrascht mich nach wie vor. Es gibt keinerlei objektive Voraussetzungen dafür, in naher Zukunft Präsidentschafts- oder Parlamentswahlen in der Ukraine abzuhalten, denn es gibt keinerlei objektive Voraussetzungen dafür, dass die Werchowna Rada der Ukraine das Kriegsrecht aufheben könnte. Damit Präsidentschaftswahlen und Wahlen zu einer neuen Werchowna Rada stattfinden können, müssen Voraussetzungen für das Ende des russisch-ukrainischen Krieges geschaffen werden. Inzwischen ist jedoch offensichtlich, dass der russische Präsident Putin nicht einmal eine Minute lang über eine solche Möglichkeit nachdenkt.

Ja, die ukrainischen Angriffe auf die Ölraffinerien und den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation können die russischen Möglichkeiten an der Front erheblich schwächen und zu ernsten sozialen Problemen im Nachbarstaat führen. Das wird jedoch bedeuten, dass sich der Krieg in der kommenden Zeit auf dem Gebiet beider Staaten – sowohl der Ukraine als auch der Russischen Föderation – fortsetzen wird und dass Voraussetzungen für eine künftige Aussetzung des Krieges geschaffen werden, möglicherweise sogar in naher Zukunft. Vielleicht kann man optimistisch sogar von den 2020er-Jahren sprechen.

Gleichzeitig kann man die Bürger jedoch nicht vor der Möglichkeit einer russischen Offensive vom Territorium Belarus aus sowie vor Bedrohungen für Kyiv, Tschernihiw und andere Städte im Norden der Ukraine warnen und zugleich über die Möglichkeit von Präsidentschaftswahlen sprechen, als wäre Putin bereits bereit, die Kampfhandlungen zu beenden, statt Pläne zu schmieden, in den kommenden Jahren die Ukraine endgültig zu vernichten oder die Kampfhandlungen auf das Territorium europäischer Staaten auszuweiten, die mit der Ukraine verbündet sind – eine Möglichkeit, die ebenfalls keineswegs ausgeschlossen ist.

Man kann sich vorstellen, dass die Kriegssituation tatsächlich allmählich abklingt, indem die russischen Offensiven an der Front nachlassen. Doch es ist sehr schwer vorstellbar, wie – solange es keinerlei echte Vereinbarungen gibt – die russischen Raketenangriffe auf die Ukraine sowie die Angriffe feindlicher Drohnen aufhören sollten. Und wie soll unter solchen Umständen, wenn die Offensiven der russischen Armee an der Front lediglich de facto zum Stillstand kommen könnten, massive Angriffe jedoch weiterhin zum Alltag sowohl der Ukrainer als auch – übrigens – der Russen gehören werden, deren Fabriken von der ukrainischen Luftwaffe angegriffen werden, die Werchowna Rada der Ukraine das Kriegsrecht, die Mobilisierung und andere Maßnahmen aufheben können, die mit der Notwendigkeit verbunden sind, die Bereitschaft des Landes zum Kampf um seine Existenz aufrechtzuerhalten?

Und natürlich gehört zu den wichtigen Bestandteilen der Situation des ukrainischen Widerstands gegen die russische Aggression die Erkenntnis, dass zunächst das Ende des Krieges erreicht werden muss und erst danach über Wahlen nachgedacht werden kann. In der Ukraine ist jedoch alles umgekehrt: Die Politiker diskutieren weiterhin über die Perspektiven von Präsidentschaftswahlen, als handele es sich um ein realistisches Ereignis.

Man muss eine ganz einfache Sache verstehen. Weder Meinungsumfragen noch die Stimmung der Bevölkerung unter den Bedingungen des Krieges werden irgendetwas mit den Realitäten der Nachkriegszeit zu tun haben. An dem Tag, an dem die Geschütze tatsächlich verstummen,     werden die Bürger sich umschauen und ein völlig anderes Leben vorfinden als das, das sie heute erleben – in einer Zeit, in der sich die Menschen auf massive Beschüsse vorbereiten, die Mobilisierung andauert und die Soldaten noch nicht von der Front zurückkehren. Auch die Stimmung der Menschen, die von der Front heimkehren, wird sich erheblich verändern, wenn sie beginnen, ins zivile Leben zurückzufinden. Wir werden es also mit einer völlig anderen Wählerschaft zu tun haben. Ganz zu schweigen von der Stimmabgabe der Menschen in der Diaspora, die sich ebenfalls deutlich von der Stimmabgabe der Menschen in der Ukraine selbst unterscheiden kann – und dabei geht es um Millionen von Stimmen.

Diejenigen, die heute die Spitzenplätze in den Umfragen zu den Wahlpräferenzen einnehmen, können sich vor unseren Augen innerhalb weniger Wochen nach dem Ende der Kampfhandlungen entweder in politische Zwerge oder in politische Giganten verwandeln – je nachdem, wie der Krieg endet, unter welchen Bedingungen, welches Territorium die Ukraine zu diesem Zeitpunkt kontrollieren wird, welche Bevölkerung sich auf diesem kontrollierten Gebiet befinden wird, ob es Sicherheitsgarantien geben wird oder nicht und worauf sich die Menschen einstellen müssen: auf einen möglichen neuen Krieg bereits nach wenigen Monaten, im optimistischen Fall nach einigen Jahren oder doch auf einen dauerhaften Frieden. All dies werden die entscheidenden Fragen jener Wahlen sein, die in der Ukraine in den 2020er- oder 2030er-Jahren dieses Jahrhunderts stattfinden könnten.

Doch damit diese Wahlen Realität werden, damit die Ukraine einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament erhält, muss der russisch-ukrainische Krieg beendet werden. Und dafür müssen reale Voraussetzungen entstehen. Genau daran müssen der ukrainische Staat, die ukrainische Gesellschaft und der ukrainische Präsident arbeiten.

An Wahlen kann derzeit nur derjenige denken, der das ganze Ausmaß der Herausforderungen nicht begreift, vor denen die ukrainische Nation im 21. Jahrhundert steht. Die größte Herausforderung ist die Frage ihres Fortbestehens auf ihren ethnischen Territorien in den kommenden schwierigen Jahrzehnten. Deshalb sollten in den Korridoren der Macht nicht Wahlen, sondern die Selbsterhaltung des Staates und der Nation diskutiert werden. Vergessen Sie endlich diese nicht existierenden Stimmzettel


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Titel des Originals: Зеленський відмовляє Залужного | Віталій Портников. 01.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 01.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Der Moment nach Putin. Vitaly Portnikov. 30.06.2026.

Моментът след Путин. Виталий Портников. 30.06.2026.

Nähert sich nach fünf Jahren Krieg wirklich ein Wendepunkt?

Fünf Jahre sind genug Zeit, um eine einfache Sache zu verstehen: Der Wendepunkt in diesem Krieg hängt nicht von der militärischen Lage an der Front ab, sondern vom wirtschaftlichen Zustand Russlands. Putin kann eskalieren, so viel er will – aber Eskalation kostet Geld. Und das Geld wird immer weniger.

Und hier ist wichtig zu verstehen, was jetzt geschieht. Die Angriffe der Ukraine auf die russische Ölinfrastruktur – Häfen, Raffinerien, Logistikknotenpunkte – und auf den militärisch-industriellen Komplex Russlands zeigen bereits eine reale Wirkung. Die Öleinnahmen des Kremls sinken. Die Waffenproduktion wird erschwert. Das ist keine Metapher und keine Propaganda – das sind Zahlen, die Reuters, Foreign Affairs und russische Beamte selbst in geschlossenen Sitzungen bestätigen.

Der Wendepunkt wird nicht dann eintreten, wenn Putin beschließt aufzuhören, sondern dann, wenn er nicht mehr weitermachen kann. Das sind verschiedene Dinge. Und dank der ukrainischen Angriffe auf das Herz der russischen Kriegswirtschaft ist Letzteres deutlich näher, als es scheint.

Was ist das eigentliche Ziel der russischen Provokationen in Rumänien und im Baltikum – Einschüchterung oder offener Konflikt?

Weder das eine noch das andere – und zugleich beides. Russland will keinen offenen Konflikt mit der NATO – das würde seine Vernichtung bedeuten. Aber es will die Grenzen kennen, wo das Bündnis stoppen wird, wo es Angst bekommen wird, wo es beginnen wird, sich zu rechtfertigen, statt zu handeln.

Und hier gibt es eine gefährliche Asymmetrie. Russland testet – die NATO reagiert zurückhaltend, erklärt, beruhigt. Der Kreml liest das nicht als Besonnenheit, sondern als Schwäche. Und beim nächsten Mal geht er ein Stück weiter. Genau eine solche vorsichtige Reaktion ermutigt Moskau zu neuen Provokationen, wie die jüngste Geschichte mit dem Auftauchen einer russischen Drohne im Luftraum Rumäniens anschaulich gezeigt hat. Das Bündnis reagierte zurückhaltend. Russland merkt sich das.

Das ist keine Vorbereitung auf einen großen Krieg, sondern eine Vorbereitung darauf, dass sich die NATO an Verletzungen gewöhnt und überhaupt nicht mehr darauf reagiert.

Das gefährlichste Szenario ist nicht jenes, in dem Russland ein NATO-Land offen angreift, sondern jenes, in dem es dies so schrittweise tut, dass der Moment, in dem man hätte reagieren müssen, bereits vorbei ist.

Sind Szenarien einer „schleichenden“ Eskalation im Baltikum oder rund um den Suwałki-Korridor realistisch?

Russland wird ein NATO-Land nicht im klassischen Sinne dieses Wortes angreifen – mit Kriegserklärung und großangelegter Invasion. Das wäre Selbstmord, und im Kreml versteht man das sogar jetzt, da Putins Zurechnungsfähigkeit immer mehr Fragen aufwirft.

Aber es gibt ein anderes Szenario, und es ist deutlich realistischer. Langsam, Schritt für Schritt, die Grenzen dessen verwischen, was als Angriff gilt. Ein Zwischenfall auf See. Eine Drohne über dem Territorium eines Bündnismitglieds. Eine Provokation am Suwałki-Korridor. Jedes Mal reagiert die NATO zurückhaltend, und Moskau zieht den Schluss, dass auch der nächste Schritt toleriert werden wird.

Der Suwałki-Korridor ist ein eigenes und sehr ernstes Thema. Er ist die einzige Landverbindung zwischen Polen und den baltischen Staaten. Wenn Russland ihn gemeinsam mit Belarus blockiert, ist das formal kein Angriff auf die NATO. Aber es ist die faktische Isolierung dreier Bündnisstaaten. Und was wird das Bündnis dann tun? Das ist die Frage, auf die Brüssel bis heute keine klare Antwort hat.

Welche Faktoren könnten Putin zwingen, seine absurden Bedingungen für einen Waffenstillstand aufzugeben?

Putin wird seine Bedingungen nicht freiwillig aufgeben. Das muss man klar und ohne Illusionen verstehen. Er kann sie verschweigen, verschieben, anders formulieren – aber nicht aufgeben, denn für ihn ist das keine Verhandlungsposition, sondern ein ideologisches Fundament.

Ihn zu einer Änderung seiner Position zwingen kann nur eines: der Mangel an Ressourcen zur Fortsetzung des Krieges. Und hier kehren wir wieder zur Wirtschaft zurück. Die Angriffe auf die Ölinfrastruktur, der Rückgang der Einnahmen, die Erschöpfung des militärisch-industriellen Komplexes – all das verengt Putins Handlungsspielraum schrittweise.

Bedingungen für ein Ende der intensiven Phase des Krieges existieren, aber nicht durch Verhandlungen, sondern durch den Moment, in dem Russland physisch nicht mehr in der Lage sein wird, das heutige Niveau der Kampfhandlungen aufrechtzuerhalten. Das ist keine Frage von Putins Wunsch. Es ist eine Frage seiner Möglichkeiten. Und gerade deshalb ist es so wichtig, den Druck nicht zu verringern – weder den sanktionspolitischen noch den militärischen –, in dem Moment, in dem er reale Ergebnisse zu zeigen beginnt.

Welcher Kompromiss wäre für die Ukraine beim Abschluss eines Waffenstillstands zulässig – besonders unter äußerem Druck, und welche Risiken bestehen für das Land?

Das ist keine Frage an mich – das ist eine Frage an die ukrainische Gesellschaft und an die ukrainische Führung. Ich habe kein Recht zu entscheiden, welcher Kompromiss für ein Land zulässig ist, das kämpft und Menschen verliert. Das wäre anmaßend von jedem Kommentator – unabhängig davon, wie nah er der Ukraine steht.

Aber ich kann sagen, was unzulässig ist. Unzulässig ist jeder Waffenstillstand, der Russland die Möglichkeit lässt, den Krieg nach einigen Jahren unter für Russland günstigeren Bedingungen wieder aufzunehmen. Unzulässig ist ein Waffenstillstand ohne reale Sicherheitsgarantien – keine Versprechen, sondern rechtlich bindende Garantien mit einem Mechanismus zu ihrer Umsetzung. Und unzulässig ist Druck auf Kyiv, Bedingungen zu akzeptieren, die Moskau später als Brückenkopf für den nächsten Schlag nutzen wird.

Die Risiken sind offensichtlich. Wenn die Ukraine unter Druck territoriale Zugeständnisse macht, ist das kein Frieden, sondern eine Pause. Russland wird sie zur Wiederaufrüstung nutzen und zurückkehren. Dieses Szenario haben wir bereits 2014–2022 gesehen. Es zu wiederholen wäre ein Verbrechen – sowohl gegenüber der Ukraine als auch gegenüber ganz Europa.

Was halten Sie von den Berichten über einen „Verlust des Glaubens“ an Putin und Umgruppierungen innerhalb der Kreml-Elite?

Ich würde diese Berichte weder zurückweisen noch überschätzen. Ja, in Putins Umfeld existiert Unzufriedenheit. Das ist keine Erfindung westlicher Analysten – das bestätigen sowohl Gespräche russischer Nomenklaturvertreter mit westlichen Journalisten als auch bestimmte Signale, die aus Russland selbst kommen.

Aber man muss die Natur dieser Unzufriedenheit verstehen. Diese Menschen sind nicht mit dem Krieg als solchem unzufrieden – sie sind damit unzufrieden, dass Putin ihn ineffektiv und inadäquat führt. Sie teilen dasselbe imperiale Programm und wollen dasselbe Ergebnis. Sie würden es nur gern mit geringeren Verlusten und größerer Vorhersehbarkeit erreichen.

Deshalb ist es verfrüht, von irgendeinem Putsch oder Kurswechsel zu sprechen. Diese Menschen haben Angst vor Putin und werden nicht handeln, solange sie nicht spüren, dass er wirklich schwach ist. Und wenn sie es spüren – falls sie es spüren –, kann alles sehr schnell gehen. Die russische Geschichte kennt solche Präzedenzfälle. Doch bisher beobachten wir Unzufriedenheit ohne Handlung. Und das ist keine politische Kraft. Das ist nur eine Stimmung.

Kann Putin davon überzeugt werden, dass er die Ukraine verloren hat? Oder könnten die Strukturen in Moskau seine neoimperiale Doktrin irgendwann aufgeben?

Putin kann nicht überzeugt werden – er kann nur gestoppt werden. Das ist ein grundsätzlicher Unterschied. Ein Mensch, der fest glaubt, dass es kein ukrainisches Volk gibt, dass die Ukraine ein künstliches Gebilde ist, dass er eine historische Mission erfüllt – ein solcher Mensch ändert seine Meinung nicht unter dem Einfluss von Argumenten. Er ändert sein Verhalten nur unter dem Einfluss der Umstände.

Aber es gibt eine tiefere Frage: Wird sich Russland nach Putin verändern? Und hier muss ich ehrlich sein: nicht automatisch und nicht schnell. Die neoimperiale Doktrin ist keine Erfindung Putins – sie ist ein Produkt der russischen politischen Kultur, die sich über Jahrhunderte herausgebildet hat. Putin hat sie nicht geschaffen – er hat sie genutzt und verstärkt.

Veränderung ist möglich, aber nur durch ein tiefes Trauma der Niederlage und durch Generationen, die in einem anderen Kontext aufwachsen werden. Deutschland veränderte sich nach 1945 – aber dafür waren die vollständige militärische und moralische Vernichtung des NS-Regimes und Jahrzehnte der Entnazifizierung unter äußerer Kontrolle notwendig. Russland hat bisher nichts Vergleichbares durchlaufen. Und solange es das nicht durchläuft, sollte man nicht auf einen organischen Verzicht auf imperiale Ambitionen setzen.

Russland will ein „Zivilisationsstaat“ und die Metropole des Eurasianismus sein. Sie haben erklärt, dass Russland dies durch die Konfrontation mit dem Westen erreichen will, ohne sich damit abzufinden, lediglich ein asiatischer Staat zu sein. Ist das möglich?

Das ist ein schönes Konzept – und völlig lebensunfähig. Russland kann aus einem einfachen Grund keine Metropole des Eurasianismus sein: Es verfügt dafür weder über das wirtschaftliche Potenzial noch über kulturelle Anziehungskraft oder realen Einfluss auf die Länder, die es anführen müsste.

Schauen Sie sich die sogenannte eurasische Peripherie an. Kasachstan distanziert sich immer stärker von Moskau und sucht seinen eigenen Weg. Aserbaidschan verfolgt eine völlig unabhängige Politik. Selbst Belarus, dessen Machthaber Alexander Lukaschenko buchstäblich auf russischen Bajonetten sitzt, versucht zumindest formale Souveränität zu bewahren und blickt nach Peking als Gegengewicht zu Moskau.

China ist hier das Schlüsselwort. Die wirkliche Metropole des Eurasianismus ist Peking und nicht Moskau. Und Russland versteht das, kann es aber nicht eingestehen, denn die Anerkennung dieser Tatsache würde das Ende des gesamten Konzepts des „Zivilisationsstaates“ bedeuten.

Die Konfrontation mit dem Westen macht Russland nicht zum eurasischen Zentrum – sie macht es zum Juniorpartner Chinas. Und das ist genau das Gegenteil dessen, wovon Putin träumt. Der eurasische Traum Moskaus endet dort, wo die chinesische Realität beginnt.

Mit welchen Realitäten wird Russland bei einem möglichen Ende der Kampfhandlungen oder sogar schon davor konfrontiert sein? Welche Prozesse erwarten Sie?

Russland ist bereits mit einem Teil dieser Realitäten konfrontiert und versucht, sie nicht wahrzunehmen. Eine demografische Katastrophe – Hunderttausende Tote, Verwundete und Emigranten. Wirtschaftliche Erschöpfung – Inflation, sinkende Realeinkommen, ein Haushaltsdefizit, das auf Kosten künftiger Generationen gedeckt wird. Technologischer Rückschritt – der Abzug westlicher Unternehmen und Technologien, für die es keinen Ersatz gibt.

Doch das schwerwiegendste Problem ist politischer Natur. Putin und der FSB haben ein System geschaffen, das auf einem einzigen Menschen und auf Angst beruht. Wenn dieser Mensch geht – und früher oder später wird er gehen –, könnte sich das System nicht geordnet transformieren. Es wird entweder zusammenbrechen oder sich im Machtkampf zwischen jenen drei Kräften, von denen ich bereits gesprochen habe – dem FSB, dem FSO und der Armee –, in etwas noch Brutaleres verwandeln.

Der gefährlichste Moment für Russland und für die Welt ist nicht der Krieg selbst. Es ist die Zeit nach Putin, wenn Menschen mit Atomwaffen und ohne klare Legitimität die Macht in einem Atomstaat unter sich aufteilen werden. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass der Westen schon jetzt nicht nur darüber nachdenkt, wie der Krieg beendet werden kann, sondern auch darüber, was danach mit Russland geschehen soll.

Wo wird Russland weiterhin versuchen, Einfluss auszuüben, und wie erfolgreich könnten diese Versuche nach dem Scheitern seiner großimperialen Ambitionen sein?

Russland wird seine Versuche, Einfluss auszuüben, nicht aufgeben – selbst geschwächt, selbst nach einer Niederlage. Das liegt in der Natur des Regimes. Die einzige Frage ist, welche Instrumente ihm dafür noch zur Verfügung stehen werden.

Das militärische Instrument wird erheblich eingeschränkt sein – die Armee ist erschöpft, die Technik zerstört, die personellen Ressourcen gehen zur Neige. Der Wiederaufbau echter militärischer Stärke erfordert Jahrzehnte und Geld, das nicht vorhanden sein wird.

Doch es gibt andere Instrumente. Die Energie – solange Russland Öl und Gas verkauft, verfügt es über einen Hebel. Desinformation und hybrider Krieg – das ist billig und effektiv, und hier hat Moskau erhebliche Erfahrungen gesammelt. Die Unterstützung prorussischer Bewegungen und Parteien in Europa – auch das wird nicht verschwinden.

Geografisch wird sich Russland auf das konzentrieren, was in seiner Reichweite bleibt – Zentralasien, den Südkaukasus und Afrika, wo es bereits aktiv über die Wagner-Gruppe und deren Nachfolger operiert. Doch auch dort wird es verdrängt – von China in Zentralasien, von der Türkei im Südkaukasus und von verschiedenen Akteuren in Afrika.

Gesondert sollte man über den Balkan sprechen. Russland wird erhebliche Anstrengungen unternehmen, dort über prorussische Kräfte in Serbien, Bulgarien und Nordmazedonien präsent zu bleiben. Der Balkan ist eine traditionelle russische Einflusszone, und Moskau betrachtet ihn als Brückenkopf innerhalb Europas. Gerade deshalb sind Wahlen in diesen Ländern und die Stärkung prorussischer Parteien keine rein inneren Angelegenheiten dieser Staaten. Sie sind Teil der russischen Strategie.

Nach dem Scheitern seiner großimperialen Ambitionen läuft Russland Gefahr, sich in einen Regionalstaat zu verwandeln, der vorgibt, weiterhin global zu sein. Das ist eine gefährliche Kombination, denn solche Staaten kompensieren den Verlust realen Einflusses gewöhnlich durch Aggressivität und Unberechenbarkeit.

Warum erwies sich Russlands hybrider Krieg gegen Europa als so erfolgreich?

Weil Europa lange Zeit nicht glauben wollte, dass dieser Krieg überhaupt geführt wird. Das ist der Hauptgrund. Russland griff ganz offen an – über soziale Netzwerke, durch die Finanzierung von Parteien, durch Energieerpressung, durch Desinformation –, während Europa sich jahrelang selbst einredete, es handle sich lediglich um „unterschiedliche Sichtweisen“ und „komplizierte Geopolitik“.

Der zweite Grund ist, dass Russland auf reale Probleme setzt. Es erfindet die Unzufriedenheit der Europäer nicht – es findet sie und verstärkt sie. Ungleichheit, Migration, Identitätsverlust, Misstrauen gegenüber den Eliten – all das existierte schon vor Russland. Moskau hat lediglich gelernt, diese Risse in Abgründe zu verwandeln.

Der dritte Grund ist die Asymmetrie. Russland gibt für die Destabilisierung Europas nur einen Bruchteil dessen aus, was Europa für seinen Schutz aufwendet. Ein paar Trollfabriken, einige bestochene Politiker, einige Medienprojekte – und das Ergebnis ist unverhältnismäßig groß.

Und schließlich handelt Russland geduldig. Es wartet nicht auf sofortige Ergebnisse. Es sät jahrelang Zwietracht und erntet dann, wenn eine Krise entsteht – eine Energiekrise, eine Migrationskrise oder eine Wirtschaftskrise. Dann stellt sich heraus, dass es in jedem europäischen Land bereits Stimmen gibt, die genau das sagen, was Moskau hören möchte.

Warum fanden russische hybride Narrative – über „traditionelle Werte“, ein „Europa der Vaterländer“ usw. – eine solche Übereinstimmung mit der Welle der extremen Rechten?

Das ist weder Zufall noch bloße Übereinstimmung. Es ist eine bewusste Strategie – und sie begann lange bevor die meisten Analysten sie bemerkten.

Russland erkannte eine einfache Wahrheit: Die liberale Demokratie ist nicht von außen verwundbar, sondern von innen. Sie kann nicht mit Panzern besiegt werden, aber sie kann durch ihre eigenen Werte untergraben werden. Meinungsfreiheit. Offenheit. Toleranz gegenüber unterschiedlichen Ansichten. Und Moskau begann, Narrative zu produzieren und zu verbreiten, die genau diese Offenheit gegen das System selbst richten.

„Traditionelle Werte“ sind die ideale Waffe. Sie sprechen das reale Gefühl des Verlustes an, das Millionen Menschen in Europa und Amerika empfinden. Die Globalisierung hat die vertraute Welt verändert – und Russland bietet eine einfache Antwort: Schuld sind die Liberalen, die Globalisten, die Eliten. Das ist dasselbe populistische Narrativ, das man auch bei Trump, Orbán und Le Pen findet. Moskau hat es nicht erfunden, verstärkt und finanziert es jedoch aktiv.

„Europa der Vaterländer“ ist überhaupt eine alte französische Idee, die Russland einfach übernommen und für seine eigenen Bedürfnisse umgefärbt hat. Ein gespaltenes Europa ohne gemeinsame Außenpolitik – genau das braucht Moskau. Und es hat Verbündete gefunden, die aufrichtig an diese Ideen glauben – oder zumindest so tun.

Wie sehen aus Kyiv die neue politische Rolle von Rumen Radew und die Veränderungen der politischen Landschaft Bulgariens aus?

Ich habe Radew bereits kommentiert, und meine Position hat sich nicht geändertp. Er ist nicht Orbán und wird auch keiner werden. Nicht, weil er proeuropäisch wäre – das ist er nicht –, sondern weil ihm die Instrumente dafür fehlen.

Orbán konnte es sich leisten, Orbán zu sein, weil er über eine verfassungsändernde Mehrheit und die vollständige Kontrolle über die staatlichen Institutionen verfügte. Radew hat das nicht. Um überhaupt irgendeine reale Politik umzusetzen – sei es eine innenpolitische Reform oder selbst der Austausch des Generalstaatsanwalts –, braucht er die Unterstützung der proeuropäischen Kräfte. Und diese erinnern sich an seine Präsidentschaft.

Aus Kyiv sieht das wie eine Situation aus, in der ein Mensch mit prorussischen Sympathien sich in Umständen wiederfindet, die es ihm nicht erlauben, diese Sympathien umzusetzen. Bulgarien braucht Geld aus den europäischen Fonds. Der bulgarische militärisch-industrielle Komplex verdient an Lieferungen für die Ukraine. Das ist die reale Wirtschaft – und sie ist stärker als jede Ideologie.

Das Wichtigste, was man verstehen muss, ist Folgendes: Was für Orbán ein Vorwand war – alles zu blockieren und eine Rechtfertigung zu finden –, muss für Radew ein tatsächliches Ziel sein. Wenn er wirklich Reformen in Bulgarien will, muss er mit jenen zusammenarbeiten, die die Ukraine unterstützen. Einen anderen Weg gibt es nicht. Und ich hoffe, dass er das versteht.

Was verfolgt Trump tatsächlich mit seiner Haltung gegenüber der Ukraine? Jetzt ist er durch den Iran abgelenkt, zuvor behauptete er jedoch, eine Annäherung an Moskau habe einen tiefen geostrategischen Sinn – nämlich die Konfrontation mit China?

Trump verfolgt gegenüber der Ukraine keine konsistente Strategie. Was er gelegentlich als Strategie formuliert – Russland und China auseinanderzubringen –, ist keine Strategie. Es ist ein Wunsch. Und noch dazu ein unrealistischer Wunsch.

Russland und China sind keine Verbündeten im klassischen Sinne, aber sie haben ein gemeinsames Interesse: den amerikanischen Einfluss in der Welt zu schwächen. Solange dieses Interesse besteht, wird keine amerikanische Annäherung an Putin ihn dazu bringen, sich von Peking abzuwenden. China ist für Russland heute die wirtschaftliche Lebensader. Es ermöglicht die Umgehung der Sanktionen. Es ist Absatzmarkt für russisches Öl. Auf solche Dinge verzichtet man nicht wegen netter Gespräche mit Trump.

Die eigentliche Triebkraft von Trumps Politik gegenüber der Ukraine ist die amerikanische Innenpolitik. Die Benzinpreise. Die Kriegsmüdigkeit seiner Wählerschaft. Der Wunsch, irgendeinen Sieg zu verkünden – ganz gleich welchen und zu welchem Preis – und anschließend weiterzugehen. Die Ukraine ist in diesem Weltbild weder ein Verbündeter noch ein Wert an sich. Sie ist ein Problem, das gelöst und anschließend vergessen werden soll.

Und genau das ist die gefährlichste aller möglichen Positionen gegenüber einem Land, das um seine Existenz kämpft.

Die neue amerikanische Strategie der nationalen Sicherheit verbirgt ihre Feindseligkeit gegenüber Europa nicht. Welche Politik wäre für den Kontinent die beste – unabhängig von den Entwicklungen in den USA?

Europa hat endlich das bekommen, wovor es sich so lange gedrückt hat – die Verantwortung für seine eigene Sicherheit. Und so seltsam es auch klingen mag: Das könnte sich nicht als Katastrophe, sondern als Chance erweisen.

Die beste Politik für Europa besteht jetzt darin, nicht länger zu warten. Nicht länger auf amerikanische Entscheidungen, amerikanische Genehmigungen oder amerikanische Garantien zu warten. Eine eigene Verteidigungsindustrie aufzubauen – und das geschieht bereits, wenn auch langsamer, als es nötig wäre. Die Ukraine zu unterstützen – nicht, weil Washington das wünscht, sondern weil es im unmittelbaren Interesse Europas selbst liegt.

Eine gemeinsame Außenpolitik zu entwickeln – und genau das ist am schwierigsten. Nicht nur, weil es innerhalb der EU trojanische Pferde gibt. Die Lage hat sich verändert – Orbán hat die Wahlen verloren, und Ungarn kehrt schrittweise zu einer konstruktiveren Position zurück. Aber die Interessen von 27 Staaten mit unterschiedlicher Geschichte, unterschiedlichen Erfahrungen und unterschiedlichem Bedrohungsempfinden miteinander in Einklang zu bringen, ist außerordentlich schwierig. Und genau diese Harmonisierung – nicht einzelne prorussische Stimmen – ist die größte Herausforderung für die europäische Einheit.

Die amerikanische Feindseligkeit gegenüber Europa ist nicht bloß eine Laune Trumps. Sie ist ein Symptom eines tiefergehenden Wandels in der politischen Kultur der Vereinigten Staaten. Und Europa muss seine Politik auf der Grundlage gestalten, dass sich dieser Wandel als dauerhaft erweisen könnte.

Doch eines kann Europa sich nicht leisten: vor russischem Druck aus der Illusion heraus zu kapitulieren, dadurch Stabilität zu gewinnen. Denn Russland versteht Zugeständnisse nicht als Geste des guten Willens, sondern als Einladung zum nächsten Schritt. Das haben wir bereits erlebt – und dürfen es nicht vergessen.

Wird die Ukraine nach allem, was geschehen ist, die Kraft haben, sich zu der von vielen erwarteten neuen Stütze des europäischen Raums zu entwickeln, die dem Druck nicht nur Russlands, sondern auch der USA und Chinas standhalten kann?

Das ist eine Frage, die ich mir ständig stelle. Und ihre Antwort hängt nicht von äußeren Faktoren ab, sondern von der Ukraine selbst.

Die Ukraine hat bereits bewiesen, dass sie kämpfen kann. Das war im Februar 2022 nicht selbstverständlich – selbst für diejenigen, die an sie glaubten. Fünf Jahre Widerstand gegen eine der größten Armeen der Welt – das ist eine Tatsache, die das Bild dieses Landes für immer verändert hat.

Aber eine Stütze Europas zu sein, ist etwas anderes. Das bedeutet nicht nur zu kämpfen, sondern auch aufzubauen. Institutionen. Rechtsstaatlichkeit. Eine Wirtschaft, die attraktiv ist und nicht abschreckt. Und hier hat die Ukraine ernsthafte Probleme, die der Krieg nicht gelöst, sondern teilweise sogar verschärft hat. Doch das ist eine Frage für die Zeit nach dem Krieg. Und ich hoffe, dass die ukrainische Gesellschaft, die diese Prüfung durchgestanden hat, sowohl die Kraft als auch den Willen haben wird, ein neues Land aufzubauen.

Der Druck seitens der USA unter Trump, der mögliche Druck Chinas – all das ist eine Realität, mit der die Ukraine umgehen müssen wird. Und diesem Druck kann sie nur auf eine Weise standhalten: indem sie so eng in die europäischen Strukturen integriert ist, dass Druck auf die Ukraine automatisch zu Druck auf ganz Europa wird.

Werden die Kräfte ausreichen? Ich hoffe es. Aber das ist keine Frage des Schicksals, sondern der Entscheidungen, die jetzt getroffen werden und nach dem Sieg getroffen werden.

Ich verfolge Ihre Kommentare und Prognosen seit einigen Jahren und würde gern wissen: Wann haben Sie sich in Ihrer Einschätzung geirrt?

Ich habe mich mehrere Male geirrt und schäme mich nicht, das zuzugeben. Ein Mensch, der sich niemals irrt, sagt entweder überhaupt nichts oder lügt.

1991 glaubte ich, dass der Zusammenbruch der Sowjetunion und die Ausrufung der Unabhängigkeit der Ukraine nicht so schnell erfolgen würden – und das nur wenige Wochen nachdem der Präsident der Vereinigten Staaten, George Bush, von der Tribüne der Werchowna Rada die ukrainischen Abgeordneten dazu aufgerufen hatte, die erneuerte Sowjetunion Gorbatschows zu unterstützen. Die Geschichte erwies sich als schneller als meine Prognosen.

2014 war ich der Ansicht, dass die Besetzung der Krim zur Ausrufung eines quasiunabhängigen Staates führen würde und nicht zu ihrer Annexion und Eingliederung in die Russische Föderation. Was tatsächlich geschah, erwies sich als eine wahre Katastrophe für die russisch-ukrainischen Beziehungen und für das Völkerrecht insgesamt – eine Katastrophe für Jahrzehnte.

Und schließlich hoffte ich, dass die Menschheit länger in der Lage sein würde, die Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg zu bewahren. Dass die Erinnerung an jene Katastrophe eine Wiederholung verhindern würde. Diese Hoffnungen erwiesen sich als vergeblich.

Sehen Sie in der Unberechenbarkeit der heutigen Welt auch etwas Optimistisches? Zum Beispiel scheint es, als funktionierten die Absprachen der „Großen“ und das Zeichnen neuer Grenzen auf Servietten nicht mehr nach Plan.

Das ist zugleich eine optimistische und eine pessimistische Beobachtung. Ja, die Welt ist unberechenbarer geworden. Und ja, die großen Absprachen auf Servietten funktionieren nicht mehr so wie früher. Aber ist das wirklich etwas Gutes?

Das System von Jalta, in dem die Großmächte die Welt über die Köpfe kleiner Völker hinweg aufteilten, war ungerecht und führte letztlich zu dem, was wir heute erleben. Die Ukraine wurde in gewissem Sinne gerade zum Opfer eines solchen Denkens – als man versuchte, über ihr Schicksal ohne sie selbst zu entscheiden.

Andererseits bedeutet Unberechenbarkeit nicht immer Freiheit. Manchmal bedeutet sie einfach Chaos. Und im Chaos überleben nicht unbedingt die Gerechtesten, sondern die Stärksten und Skrupellosesten.

Deshalb gründet sich mein vorsichtiger Optimismus auf etwas anderes – nicht auf die Unberechenbarkeit der Welt, sondern darauf, dass kleine Völker gelernt haben, für sich selbst zu kämpfen. Die Ukraine hat das bewiesen. Und genau das ist die wirkliche Veränderung, die von Bedeutung ist. Denn letztlich wird Geschichte nicht durch Absprachen auf Servietten gemacht, sondern durch Menschen und Völker, die sich weigern, fremde Entscheidungen über ihr eigenes Schicksal hinzunehmen.


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Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Моментът след Путин. Виталий Портников. 30.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 30.06.2026.
Originalsprache: bg
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Neue Angriffe auf Kyiv: Russland setzt den Luftterror fort | Vitaly Portnikov. 02.07.2026.

Ein weiterer massiver Angriff Putins auf die ukrainischen Regionen. Hauptziel dieses Angriffs war – wie bei allen vorherigen großangelegten russischen Angriffen auf die Ukraine – Kyiv.

Die ukrainische Hauptstadt leidet derzeit unter zahlreichen Bränden, die infolge von Einschlägen russischer Raketen und Drohnen in Infrastruktur und Wohngebiete der Hauptstadt entstanden sind. Bislang ist von 16 Verletzten und zwei Todesopfern die Rede.

Zunächst möchte ich allen Verletzten sowie den Angehörigen derjenigen, die den heutigen Terrorangriff auf Kyiv nicht überlebt haben, mein aufrichtiges Mitgefühl aussprechen. Und dass es sich hierbei um Luftterror handelt, muss meiner Ansicht nach nicht einmal bewiesen werden. Denn wir sehen, dass das Hauptziel der Russen nicht so sehr Angriffe auf die Infrastruktur ukrainischer Städte sind, sondern vielmehr die Einschüchterung ihrer Bewohner – die Fortsetzung jenes demografischen Krieges, der ebenfalls eines der Hauptziele des russischen Präsidenten, seiner Armee und seines Umfelds im Krieg gegen die Ukraine bleibt.

Auch daraus müssen bestimmte Schlussfolgerungen gezogen werden. Einerseits verstehen wir, dass Putin für derartige Angriffe dennoch nicht über unbegrenzte Ressourcen verfügt. Deshalb werden die Abstände zwischen ihnen immer größer. Andererseits ist nicht auszuschließen, dass Russland lediglich Raketen und Drohnen für noch intensivere Angriffe im Herbst anhäuft, um neue Probleme für die ukrainische Energieversorgung zu schaffen und die großen ukrainischen Städte einfrieren zu lassen. Denn auch das wäre Teil des demografischen Krieges Russlands gegen die Ukraine.

Wir sehen, dass der russische Präsident keinerlei Wunsch hat, diesen Krieg zu beenden. Und die ukrainischen Angriffe auf die russische Infrastruktur verringern zwar die Möglichkeiten der russischen Armee und schaffen Probleme für die russische Wirtschaft, mindern jedoch nicht den Willen des Präsidenten der Russischen Föderation, den Abnutzungskrieg fortzusetzen – auch wenn dies zugleich ein Krieg der Erschöpfung Russlands selbst ist.

Deshalb müssen wir uns von Illusionen verabschieden und dürfen nicht von einem baldigen Ende des russisch-ukrainischen Krieges sprechen. Nach jedem Angriff muss uns bewusst werden, dass dieser Krieg erst dann enden kann, wenn Russland tatsächlich die Ressourcen fehlen, ihn fortzuführen.

Man muss etwas anderes verstehen: Selbst wenn die russische Armee ihre Offensive einstellt – und das kann jederzeit geschehen –, können massive Raketenangriffe auf ukrainische Städte, auch unter Einsatz von Drohnen, noch lange andauern, selbst nachdem die Kampfhandlungen an der Front abgeflaut sind. Sie könnten sporadisch fortgesetzt werden.

Natürlich kann man auf irgendwelche Vereinbarungen zwischen Moskau und Kyiv in der Zukunft hoffen. Wahrscheinlich wird dieser Krieg jedoch nicht durch reale Vereinbarungen zwischen den russischen und ukrainischen Regierungen beendet werden. Er kann nur de facto durch die Erschöpfung der Möglichkeiten einer der Kriegsparteien enden.

Das würde bedeuten, dass der Krieg jedes Mal wieder aufflammt, sobald neue Möglichkeiten entstehen. Und wir werden erneut nicht nur Zeugen, sondern Opfer neuer massiver Angriffe der Russischen Föderation sein.

Und das ist nicht bloß eine Feststellung von Tatsachen. Es geht um die Frage, wie wir uns in den kommenden Jahren – vielleicht sogar Jahrzehnten – gegen solche Angriffe schützen können. Ja, Jahrzehnte. Der Nahe Osten lebt seit vielen Jahrzehnten im Rhythmus solcher Angriffe, und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass sich eine solche Situation rasch überwinden lässt.

Deshalb ist es wichtig, die Luftverteidigungssysteme weiterzuentwickeln, neue Systeme zu beschaffen, mit unseren Verbündeten zusammenzuarbeiten, Wege zur Entwicklung eigener Luftverteidigungssysteme zu finden und zu verstehen, wie sowohl der russistischen Ballistik als auch den Drohnen begegnet werden kann, deren Zahl – wie wir verstehen – im Verlauf des russisch-ukrainischen Krieges auf beiden Seiten nur weiter zunehmen wird.

Zweitens bedeutet die Entwicklung ukrainischer Städte nicht nur die Eröffnung neuer Parkanlagen oder die Reparatur beschädigter Gebäude. Vor allem bedeutet sie den Aufbau eines Systems von Schutzräumen. Genau das wird meiner Ansicht nach während all dieser Kriegsjahre vergessen.

Denn es ist offensichtlich, dass die Ukrainer – zumindest in den großen Städten unseres Landes – in den kommenden Jahren viele Stunden unter der Erde verbringen müssen. Für viele wird dies die einzige Möglichkeit sein, das eigene Leben und das Leben ihrer Angehörigen zu retten.

Die Wiederherstellung der bereits vorhandenen Schutzräume, die sich faktisch in irgendwelche Keller mit unklarer Zweckbestimmung verwandelt haben, der Bau neuer Anlagen sowie die Notwendigkeit, neue Gebäude – etwa Hotels oder Wohnhäuser – nur dann zu genehmigen, wenn sie über Sicherheitsbereiche verfügen, sind eine dringende Notwendigkeit für das Leben der Ukraine in den 2020er-, 2030er- und vielleicht sogar in den 2040er-Jahren des 21. Jahrhunderts. Man muss das einfach akzeptieren und sich genau auf ein solches Leben und einen solchen Verlauf der Ereignisse einstellen.

Und das ist keineswegs nur ein Gespräch. Wir sehen, dass mit jedem neuen Angriff die Zahl der Menschen zunimmt, die durch das Geschehen immer stärker verängstigt sind und nicht mehr stundenlang darauf warten wollen, dass eine Rakete oder eine Drohne ihr Wohnhaus trifft – selbst in der ukrainischen Hauptstadt.

Schon jetzt reicht der Platz in der Metro von Kyiv nicht mehr für alle aus, die auf den U-Bahn-Stationen Schutz suchen wollen.

Und was wird erst geschehen, wenn die Angriffe noch massiver werden, auch wenn sie seltener erfolgen? Was sollen Menschen tun, die nicht in der Nähe einer Metrostation in Kyiv oder in anderen großen Städten der Ukraine leben, in denen es überhaupt keine U-Bahn gibt?

Warum werden die kommunalen Haushalte nicht gerade für den Bau von Schutzräumen verwendet? Warum leben wir ständig in der Illusion, der Krieg werde in wenigen Monaten vorbei sein und man müsse darüber nicht nachdenken?

Gut, man konnte dieser süßen Illusion vielleicht noch 2022 oder 2023 nachhängen. Doch inzwischen nähert sich bereits die Mitte des Jahres 2026. Und wir sehen die völlig offensichtliche Absicht Russlands, diesen Krieg fortzusetzen – zumindest in Form massiver Angriffe auf die großen Städte der Ukraine.

Im Vorgehen Russlands gibt es – wenn Russland die Ukraine in eine demografische Wüste verwandeln will – eine offensichtliche Logik. Im Handeln der Ukraine hingegen, wenn wir nicht zu einer solchen Wüste werden und uns gegen künftige Angriffe schützen wollen, erkenne ich keine Logik.

Das muss eine gemeinsame Aufgabe der Zentralregierung und der kommunalen Selbstverwaltung sein. Die Menschen müssen verstehen, wie geschützte Städte aussehen sollen – wenn nicht sofort, dann zumindest in naher Zukunft.

Natürlich kann man sich selbst einreden, dass Russland Ende 2026 nicht mehr durchhalten und einem Frieden zustimmen wird – um dann 2027 und 2028 erneut unter russischen Angriffen zu leiden und nach einem Platz zu suchen, den es auf einer Station der Metro von Kyiv gar nicht mehr geben wird.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Нові удари по Києву: Росія продовжує повітряний терор | Віталій Портников. 02.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 02.07.2026.
Originalsprache:
uk

Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Lukaschenko fuhr nach China, um sich über Russland und die Ukraine zu beklagen | Vitaly Portnikov. 30.06.2026.

Alexander Lukaschenko reiste unmittelbar nach dem zuvor nicht angekündigten Treffen mit dem russischen Präsidenten, über dessen Ergebnisse bis heute im Grunde nichts bekannt ist, nach Peking zu Gesprächen mit dem Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping. Er hält sich bereits seit mehreren Tagen in China auf und betont, dass er sich unter den chinesischen Kommunisten wie zu Hause fühle. Tatsächlich erhielt sogar Lukaschenkos jüngster Sohn in Anwesenheit seines Vaters ein chinesisches Diplom.

Doch offensichtlich hat der Besuch in China für Lukaschenko derzeit grundsätzliche Bedeutung. Wir wissen übrigens nicht einmal, ob diese Reise im Voraus geplant war, denn vor Lukaschenkos Abreise in die Volksrepublik China wurde über seine Absicht, Xi Jinping – bereits zum 17. Mal übrigens – zu besuchen, nichts bekannt gegeben.

Wir verstehen jedoch, warum Lukaschenko heute mit dem chinesischen Staatschef sprechen wollte. Üblicherweise verbinden wir seine Reisen mit dem Versuch, zumindest ein gewisses Gleichgewicht in seinen Beziehungen zum russischen Präsidenten herzustellen, von dem Lukaschenko sowohl finanziell als auch hinsichtlich möglicher Unterstützung abhängig ist, falls die Belarussen erneut versuchen sollten, dieses anachronistische Regime loszuwerden.

Doch in einer Situation, in der Putin versucht, Lukaschenko in den Krieg gegen die Ukraine hineinzuziehen, könnte der belarussische Machthaber doppelten Schutz benötigen – sowohl vor Putin als auch vor Zelensky. Denn die Drohungen des ukrainischen Präsidenten gegenüber dem offiziellen Minsk, seine Unterstützung der russischen Armee einzustellen, stellen für den belarussischen Staatschef inzwischen eine ebenso große Gefahr dar wie Moskaus offensichtlicher Wunsch, das Territorium Belarus erneut für einen Angriff auf unser Land zu nutzen.

Lukaschenko könnte daher hoffen, dass Xi Jinpings Unterstützung für die Unabhängigkeit und Souveränität von Belarus, die während des Aufenthalts des belarussischen Diktators in der chinesischen Hauptstadt erneut bekräftigt wurde, sowohl ein Signal an Putin sein könnte, Belarus nicht in den Krieg gegen die Ukraine hineinzuziehen, als auch ein Signal an Zelensky hinsichtlich möglicher Schritte zur Verringerung der belarussischen Beteiligung an der russischen Aggression gegen unser Land. Offensichtlich ist Lukaschenko genau aus diesem Grund nach China gereist. Und selbstverständlich hörte er dort genau das, was er hören wollte.

Doch hier stellt sich eine andere Frage: Was kann die Volksrepublik China tatsächlich tun, wenn Putin und Zelensky Lukaschenko weiterhin wie einen Fußball über die ukrainisch-belarussische Grenze hin- und herspielen?

Tatsächlich sind Chinas Möglichkeiten, Belarus sowohl vor russischen Absichten als auch vor einer ukrainischen Reaktion zu schützen, eher begrenzt.

Ja, Xi Jinping kann Erklärungen abgeben. Doch offensichtlich wird er seine Unterstützung für Russland nicht tatsächlich verringern, falls Putin entscheidet, dass er belarussisches Territorium für den Krieg benötigt. Von Moskau ist Lukaschenko weit stärker abhängig als von Peking, denn er versteht sehr gut, dass er im Falle eines Scheiterns seiner Sicherheitskräfte gegenüber dem belarussischen Volk Hilfe von Putin erwarten müsste – und keineswegs von Xi Jinping.

Und selbst diese Hilfe ist ihm keineswegs garantiert, nachdem Putin bereits mehrfach entweder seinen Unwillen oder seine Unfähigkeit gezeigt hat, seine treuen Verbündeten zu schützen, die sich schließlich vor dem Zorn ihres eigenen Volkes nach Russland flüchten mussten – von Viktor Janukowytsch bis Bashar al-Assad.

Und wenn die Ukraine tatsächlich beschließen sollte, beispielsweise russische Relaisstationen auf belarussischem Gebiet anzugreifen oder den Betrieb der Raffinerien von Nawapolazk oder Masyr infrage zu stellen – was könnte China für die Ukraine tun, wenn in der Ukraine jeder genau versteht, dass die Volksrepublik China ein unmittelbarer Verbündeter der Russischen Föderation bei der Zerstörung der ukrainischen Souveränität ist?

Keine der chinesischen Erklärungen über die Notwendigkeit von Verhandlungen hebt diese einfache Wahrheit auf. Denn selbst in diesen Erklärungen hören wir von chinesischen Diplomaten immer wieder das russische Narrativ von der Notwendigkeit, die „Ursachen des Konflikts“ zu beseitigen. Tatsächlich unterstützt Peking damit die russischen Handlungen gegen die Ukraine, indem es behauptet, es gebe bestimmte Ursachen. Welche Ursachen dies aus russischer Sicht sind, wissen wir ebenfalls sehr genau.

Deshalb kann man eindeutig sagen, dass Lukaschenkos Reise in die Volksrepublik China eher der Selbstberuhigung dient. Es ist die Hoffnung, dass Xi Jinping den russischen Präsidenten davon abhalten kann, belarussische Ressourcen für den Krieg gegen die Ukraine zu nutzen. Es ist die Hoffnung, dass Xi Jinping – wenn er Zelensky schon keine direkten Signale hinsichtlich möglicher Angriffe auf belarussisches Territorium senden wird – den ukrainischen Präsidenten zumindest durch seine Erklärungen zur Unterstützung der belarussischen Souveränität davon abhalten könnte, den Befehl zur Zerstörung eben jener Relaisstationen oder jener belarussischen Unternehmen zu erteilen, die von der russischen Armee für ihre Aggression gegen unseren Staat genutzt werden.

Doch wie bekannt, ist Selbstberuhigung ebenfalls eine große Sache. Sie kann Lukaschenko neue Trümpfe verschaffen – wenn schon nicht im Dialog mit dem ukrainischen Präsidenten, dann zumindest im Gespräch mit dem russischen.

Putin versteht sehr gut, dass Belarus für China heute eine der wenigen Routen für den Transport chinesischer Waren in den Westen darstellt. Jede Destabilisierung des belarussischen Territoriums würde China dieser für Xi Jinping wirtschaftlich wichtigen Möglichkeiten berauben.

Und vor dem Hintergrund der weiterhin unklaren Lage rund um die Straße von Hormus könnte China inzwischen der Sicherheit seiner Exporte und damit auch der Sicherheit in Belarus wesentlich größere Aufmerksamkeit widmen als zu einem Zeitpunkt, als der amerikanisch-iranische Krieg noch nicht begonnen hatte.

In einer solchen Situation wird Lukaschenko zumindest bessere Möglichkeiten haben, Putin davon zu überzeugen, dass das Territorium von Belarus nicht für den Krieg genutzt werden sollte. Nicht nur deshalb, weil dieses Gebiet für Putin selbst als eine Art Fenster für die Fortsetzung eines möglichen Dialogs mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, wichtig ist, sondern auch deshalb, weil die Verwandlung dieses Territoriums in einen Kriegsschauplatz bei der Führung der Volksrepublik China ganz sicher keinen positiven Eindruck hinterlassen würde.

So könnte Lukaschenko aus den Klagen, die er nach Peking mitgebracht hat, durchaus gewisse politische Dividenden ziehen – selbst wenn er von Xi Jinping keine konkreten Sicherheitsgarantien erhalten hat.

Und dass es solche konkreten Garantien nicht gegeben hat – weil dies nicht den Traditionen der chinesischen Politik entspricht –, das kann ich Ihnen mit absoluter Sicherheit sagen, selbst ohne Zeuge dieses Gesprächs zwischen dem belarussischen und dem chinesischen Staatschef gewesen zu sein.


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Titel des Originals: Лукашенко поїхав жалітися на Росію і
Україну | Віталій Портников. 30.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 30.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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