Petersburg brennt nach Angriff | Vitaly Portnikov. 18.10.2026.

Sankt Petersburg und das Leningrader Gebiet haben den bislang massivsten ukrainischen Angriff seit Beginn von Putins groß angelegtem Krieg gegen unser Land erlebt. Das räumen auch die Verantwortlichen beider Föderationssubjekte der Russischen Föderation ein.

Angegriffen wurden das Petersburger Ölterminal und das Öllager Rutschji. Auch ein Rechenzentrum von VKontakte und eine Schrägseilbrücke wurden angegriffen. Möglicherweise gab es auch Treffer an einem der Umspannwerke der sogenannten zweiten russischen Hauptstadt, wodurch mehrere Stadtteile von Sankt Petersburg ohne Strom blieben. Im Internet verbreiten sich Videoaufnahmen und Fotos des brennenden Sankt Petersburg.

Damit wurde erneut bewiesen, dass die Ukraine nicht nur auf die russischen Angriffe gegen ukrainische Städte und auf das Bestreben des russischen Präsidenten Putin, diese Städte unbewohnbar zu machen, reagieren kann, sondern auch in der Lage ist, mit vergleichbaren Aktionen gegen die größten Städte der Russischen Föderation vorzugehen, die darüber hinaus Symbole der russischen Staatlichkeit sind.

Bekanntlich sind Sankt Petersburg und seine Umgebung nicht zum ersten Mal ukrainischen Angriffen ausgesetzt. Besonders heftig war der Angriff während des Internationalen Wirtschaftsforums in Sankt Petersburg, als die zweite russische Hauptstadt vor den Augen von Präsident Putin und der Investoren brannte, die in der Hoffnung angereist waren, mit Blut Geld zu verdienen. Und natürlich erinnert jeder solche Angriff daran, dass die russische Wirtschaft weder Putin noch Trump Gewinne einbringen wird, sondern sich nach ukrainischen Angriffen in Bilder von Bränden verwandeln wird.

Ebenso offensichtlich ist, dass die Ukraine nicht beabsichtigt, auf Forderungen Rücksicht zu nehmen, den russischen Energiesektor unversehrt zu lassen, nur damit amerikanische Investoren darauf hoffen können, mit ihrer Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation Geld zu verdienen und die Verhandlungen mit russischen Beamten über den Kauf von Lukoil-Aktien fortzusetzen.

Mit anderen Worten: Der Schutz der russischen Ölraffinerieprodukte und des Ölsektors, um den Putin Trump offenbar gebeten hat – so wie er den amerikanischen Präsidenten zuvor darum gebeten hatte, die Durchführung der Parade am 9. Mai zu ermöglichen –, funktioniert nicht.

Auch der Wunsch, die Energieanlagen der Russischen Föderation, die mit der Stromverteilung im Land zusammenhängen, unangetastet zu lassen, lässt sich nicht verwirklichen. Und hier könnte Russland aufgrund seiner übermäßigen Zentralisierung vor mindestens ebenso großen Problemen stehen wie die Ukraine. Denn wir alle sind Geiseln des sowjetischen Erbes, sofern keine entsprechenden Veränderungen und Reformen durchgeführt wurden.

Und dann sind da noch die Rechenzentren. Wie wir sehen, kann auch die Zentralisierung der russischen Rechenzentren, die in der postsowjetischen Zeit nach sowjetischen Mustern errichtet wurden, um dem Kreml die vollständige Kontrolle über den Internetraum zu sichern, zu einer weiteren Achillesferse des russischen Terrorregimes werden und Probleme für das Funktionieren der Wirtschaft verursachen.

All das wird Putin natürlich nicht dazu bringen, über eine Beendigung des Krieges gegen die Ukraine nachzudenken. Aber wir müssen uns daran erinnern, dass jeder solche Angriff Russland schwächt und ein Schritt auf dem Weg zur Beendigung des Krieges ist – und dazu, dass bei den russischen Machthabern und übrigens auch bei den Bürgern wieder Vernunft einkehrt.

Denn die Kommentare zu den Angriffen ukrainischer Drohnen auf Sankt Petersburg und das Leningrader Gebiet lassen keinen Zweifel daran, dass die Bewohner der Region die Ursachen des Geschehens sehr gut verstehen. Zugleich überzeugen sie sich von der Unfähigkeit ihrer eigenen Behörden, die darüber hinaus versuchen, das Ausmaß der Angriffe herunterzuspielen und die Menschen in Sankt Petersburg und im Leningrader Gebiet nicht einmal vor Gefahren aus der Luft zu warnen. Auch das ist übrigens eine russische Praxis, die wir bereits aus den vergangenen Monaten kennen: Das Leben der Menschen in gefährdeten Regionen ist für die regionale Führung völlig uninteressant, wenn es darum geht, die Propaganda aufrechtzuerhalten und den Anschein zu erwecken, dass an den Orten, zu denen ukrainische Drohnen vordringen, nichts Besonderes geschieht.

Doch die Bilder des brennenden Sankt Petersburg, seiner Energieanlagen und Rechenzentren, seiner Brücken und des nördlichen Himmels im Schein der Brände zeigen etwas völlig anderes. Die Ukraine kann die Wirksamkeit ihrer Angriffe auf jene Städte der Russischen Föderation steigern, die wichtige Energie- und Wirtschaftszentren des Aggressorstaates sind.

Natürlich ist es nicht die Ukraine, sondern Russland, das versucht, große Städte unbewohnbar zu machen. Das ist kein ukrainisches, sondern ein russisches Ziel. Denn an der Spitze der Russischen Föderation steht eine terroristische Führung, deren Mitglieder aus einer Bande hervorgegangen sind, die bereits zu Sowjetzeiten unter dem Namen Komitee für Staatssicherheit der Sowjetunion gegründet und später in Föderaler Sicherheitsdienst der Russischen Föderation umbenannt wurde. Und wir verstehen, dass Menschen, die in einem solchen System aufgewachsen sind, keinerlei Achtung vor dem menschlichen Leben haben. Krieg, Konfrontation und Konflikt sind der Sinn ihrer gesamten Existenz.

Doch die Folge einer solchen Konfrontation kann für gewöhnliche Russen auch darin bestehen, dass ein Leben in den Städten unmöglich wird, die zum Schauplatz der Auseinandersetzung und der Bemühungen werden, Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine zu stoppen. Und diejenigen, die in Russland leben und die Brände am eigenen Himmel sehen, müssen begreifen, welches Verbrechen ihr Regime mit der Fortsetzung dieses Krieges nicht nur an der Ukraine begeht, sondern auch an seinen eigenen Bürgern, in deren Häuser der Krieg eingezogen ist – zusammen mit wirtschaftlicher Not und Gefahr, auf lange Jahre hinaus und ohne Aussicht auf ein Ende.

Das ist es, was man sagen kann, wenn man die Bilder des brennenden Sankt Petersburg sowie der Städte und Anlagen im Leningrader Gebiet der Russischen Föderation sieht.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Петербург палає після атаки | Віталій
Портников. 18.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 18.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Neuer Angriff auf Sankt Petersburg | Vitaly Portnikov. 04.07.2026.

Die Ukraine hat die Öl- und Raffinerieinfrastruktur im Umfeld von Sankt Petersburg angegriffen. Außerdem wurde der wichtige Hafen von Kronstadt attackiert, der bereits unmittelbar vor dem renommierten Internationalen Wirtschaftsforum von Sankt Petersburg Ziel ukrainischer Drohnen gewesen war.

Über die Angriffe auf die Umgebung von Sankt Petersburg berichtete Präsident Volodymyr Zelensky. Der Gouverneur des Leningrader Gebiets, Alexander Drosdenko, räumte ebenfalls ein, dass Trümmer ukrainischer Drohnen in der Nähe des Hafens Wyssozk niedergegangen seien und bestätigte damit die ukrainischen Angaben. Denn Vertreter der russischen Behörden kommentieren ukrainische Angriffe regelmäßig mit Meldungen über den Absturz von Trümmern ukrainischer unbemannter Fluggeräte.

Die Brände jedoch, die an vielen Orten im Leningrader Gebiet zu sehen waren und deren Aufnahmen in den sozialen Netzwerken verbreitet wurden, lassen keinen Zweifel daran, dass der Angriff tatsächlich stattgefunden hat. Dies zeigt einmal mehr, dass das russische Luftverteidigungssystem den heutigen Anforderungen, die sich aus dem militärisch-technischen Wandel ergeben, nicht gerecht wird.

Putin kann so oft er will über die Notwendigkeit sprechen, dieses System zu verbessern – doch auf die Frage, wie sich die Russische Föderation vor Angriffen ukrainischer Drohnen schützen soll, gibt es bis heute keine Antwort. Wir sehen, dass praktisch sämtliche Ressourcen der russischen Luftverteidigung derzeit auf die russische Hauptstadt konzentriert sind. Wie schon bei allen früheren Krisen der russischen Geschichte richtet die Staatsführung ihr Hauptaugenmerk auf die Sicherheit Moskaus und – nach dem Treffer auf die Ölraffinerie in Kapotnja – insbesondere auf die Sicherheit des Zentrums von Moskau. 

Das stellt zugleich ein ernstes Problem für die Sicherheit der Randbezirke der russischen Hauptstadt dar. Von den Randgebieten Sankt Petersburgs ganz zu schweigen. Denn wir verstehen sehr gut, dass unter diesen Umständen andere Regionen Russlands – selbst jene, die mit der Heimatstadt des russischen Präsidenten verbunden sind – nicht auf einem angemessenen Sicherheitsniveau geschützt werden könnenAus Sicht der formalen Logik hätte man in einer solchen Situation zumindest über eine Aussetzung des russisch-ukrainischen Krieges nachdenken müssen, um wenigstens die Öl- und Raffinerieressourcen der Russischen Föderation zu erhalten. So spricht der Generalstab der Streitkräfte der Ukraine bereits davon, dass 45 Prozent der russischen Raffineriekapazitäten außer Betrieb gesetzt worden seien. Und selbstverständlich wird diese Zahl weiter steigen und damit der russischen Wirtschaft künftig immer größere Probleme bereiten.

Doch offenbar lebt der Präsident Russlands in seiner eigenen Wirklichkeit und versucht, die Probleme rund um die Angriffe auf die Raffinerien und die Ölinfrastruktur seines Landes nicht wahrzunehmen. Bereits gewöhnliche Einwohner Russlands beginnen, zahlreiche Videobotschaften an Putin aufzunehmen und verlangen von ihm, die Probleme bei der Treibstoffversorgung zu lösen. Doch Putin hört ihnen nicht zu und erklärt lediglich, alle notwendigen Entscheidungen würden so getroffen werden, dass das Problem bald beseitigt werde.

Wie genau – das erklärt er jedoch nicht. Dies ist einer der ersten Momente der neueren russischen Geschichte, in denen die Bedürfnisse des russischen Präsidenten mit seinem imperialistischen Denken und seiner offenen Missachtung der Wünsche der eigenen Bürger nicht mehr mit den Stimmungen des sogenannten einfachen Volkes  übereinstimmen, die jahrzehntelang Putins gesellschaftliche Basis bildete – jenes sprichwörtliche Nischni Tagil, das bereit war, das konservative, chauvinistische und imperialistische Programm des russischen Staatschefs zu akzeptieren und seine Rechte gegen Geld einzutauschen, jedoch offensichtlich nicht gegen Treibstoff, nicht gegen Benzin und nicht gegen stundenlanges Warten in den Schlangen vor den Tankstellen der Russischen Föderation.

Was kann Putin diesen Menschen tatsächlich anbieten – außer der Möglichkeit, in Warteschlangen zu stehen?

  • Den Import von Treibstoff. Doch dieser Import müsste selbstverständlich ausreichen, um den Bedarf eines riesigen Landes zu decken, dessen Raffineriekapazitäten immer weiter schrumpfen. Bislang aber gibt es Schlangen an den Tankstellen sowohl in Moskau als auch in Sankt Petersburg.
  • Eine Verbesserung der Luftverteidigungssysteme. Doch es könnte sich herausstellen, dass diese Systeme schlicht nicht in der Lage sind, rasch auf all die Probleme zu reagieren, mit denen Russland im Kampf gegen ukrainische Drohnen konfrontiert ist. Um eine wirksame Antwort auf die ukrainische Bedrohung zu entwickeln, brauchen die Russen schlicht Zeit – und genau diese Zeit haben sie nicht.
  • Meldungen über die Einnahme von Kostjantyniwka und anderer ukrainischer Städte. Doch eine ukrainische Stadt im Donbas kann man nicht in einen Benzinkanister füllen.

So zeigt sich erneut, dass die Erwartungen des Präsidenten der Russischen Föderation an seine imperialistischen Aktionen auf ukrainischem Territorium wiederum nicht mit den Erwartungen der russischen Bevölkerung übereinstimmen.

Die Russen brauchten weder das sogenannte „sakrale“ Krim noch den Donbas oder andere ukrainische Gebiete jemals wirklich. Sie erlaubten ihrem Diktator lediglich, sich auf fremdem Boden auszutoben, in der Hoffnung, der Krieg werde sie verschonen und es werde sich lediglich um eine gewöhnliche „Spezialoperation“ in der Ukraine handeln, die mit ihrem eigenen Alltag nichts zu tun habe.

Die Wirklichkeit erwies sich gegenüber den politisch trägen Russen als unerbittlich. Der Krieg kam in ihre Häuser, nach Moskau, nach Sankt Petersburg, nach Tscheboksary und in andere russische Städte, die bereits von ukrainischen Drohnen angegriffen wurden. Offensichtlich werden im Verlauf dieses Krieges immer mehr Städte der Russischen Föderation von den Flammen erfasst werden und sich das Leben dort zu einer echten Bewährungsprobe für jene Bürger Russlands entwickeln, die überzeugt waren, es mit einer „Spezialoperation“ in einem Nachbarland zu tun zu haben.

Mit anderen Worten: Dafür haben die Russen sich nicht entschieden. Sie sind immer dann bereit, den Krieg ihrer eigenen Staatsführung zu unterstützen, wenn dieser Krieg sie selbst nicht betrifft. Oder wenn daran Söldner teilnehmen, die für viel Geld sterben und ihren Angehörigen anschließend noch einen Lada Kalina hinterlassen.

Das ist eine völlig neue Situation. Und jedes Mal, wenn wir von Angriffen auf irgendeine russische Region erfahren, müssen wir verstehen, dass dies die öffentliche Meinung der Bürger der Russischen Föderation zu diesem Krieg verändert. Mit dieser öffentlichen Meinung – insbesondere wenn es um Städte wie Sankt Petersburg oder Moskau geht – wird der Präsident der Russischen Föderation früher oder später rechnen müssen.

Natürlich würden wir uns wünschen, dass dies früher geschieht. Doch jede Warteschlange an einer russischen Tankstelle und jede Rauchsäule über Sankt Petersburg erinnert uns daran, dass Putin seinen Mitbürgern erklären müssen wird, warum sich ihr Leben in ein Leben im Krieg verwandelt hat und warum es ihm nach viereinhalb Jahren Kampf gegen die Ukraine nicht nur nicht gelungen ist, das Nachbarland einzunehmen, sondern er den Krieg auch bis nach Russland selbst gebracht hat.

Das Schicksal russischer Machthaber, die ihrem eigenen Volk auf diese Frage keine Antwort geben können, endet erfahrungsgemäß nicht immer so angenehm, wie sie es sich in ihren Präsidentenbüros vorstellen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Нова атака на Пітер | Віталій Портников. 04.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 04.07.2026.
Originalsprache: [uk/ ru/ en]
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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