Putin hat Angst vor Orcas | Vitaly Portnikov. 29.08.2026.

Putins jüngster Auftritt vor russischen Lehrern wurde unerwartet zu einer echten Sensation, weil er den psychischen und psychologischen Zustand eines Menschen offenbarte, der täglich den Befehl erteilt, die Ukraine zu bombardieren, unsere Landsleute zu töten und Wohnviertel zu zerstören. Eines Menschen, der sich darauf vorbereitet, nicht mehr nur gegen die Ukraine, sondern auch gegen unsere europäischen Nachbarn Krieg zu führen, der die Europäische Union und die NATO zerstören will und gegen die zivilisierte Welt kämpft.

Und was will dieser Mensch, dass die Lehrer den russischen Kindern erzählen? Was gibt er als Erklärung für die Ursachen des blutigen Krieges Russlands gegen die Ukraine aus?

Es stellt sich heraus, dass in der Arktis Orcas über Bären herfallen und sie fressen. Dem Bären bleibe also gar keine andere Möglichkeit, als sich gegen einen solchen Angriff zu verteidigen. Eine recht einfache und wirkungsvolle Erklärung für die russische Aggression gegen unser Land.

Nur fressen in Wirklichkeit keine Orcas irgendwelche Bären. Putin hat sich das ausgedacht. Oder es ist einfach Teil seiner mangelhaften Bildung. Denn wir sind schon mehrfach mit Situationen konfrontiert worden, die gezeigt haben, dass der amtierende russische Präsident nicht nur in Wirklichkeit nicht an der juristischen Fakultät der Petersburger Universität studiert hat, die er formal abgeschlossen hat, sondern auch in der Schule Informationen offenbar nicht besonders ernst genommen hat.

Darüber gibt es auch die Erinnerungen seiner Lehrerin, die wohl eher mit dem Ziel geschrieben wurden, zu zeigen, was für ein wunderbares Kind der kleine Wolodja Putin gewesen sei, in Wirklichkeit aber zeigten, wie ungebildet der künftige russische Präsident schon als Kind war. Dass Putin keine Ahnung von Zoologie hat, haben wir also gesehen.

Wir haben auch gesehen, dass er versucht, die politische Realität zu verfälschen. Denn den Bären hat niemand angegriffen, keine Orcas. Die Ukraine hatte niemals den Wunsch, einen Krieg mit der Russischen Föderation zu beginnen.

Mehr noch: Putin war noch vor der Annexion der Krim und dem Beginn des nicht erklärten Krieges im Donbas der beliebteste Politiker bei der Mehrheit der Ukrainer. Die Ukraine war ein blockfreier Staat. Die europäischen Länder wünschten eine fruchtbare wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation. 

Es wurden Gaspipelines gebaut, die Gazprom, damals der wichtigsten Geldquelle Putins persönlich und seiner gesamten Bande, über Jahrzehnte hinweg enorme Einnahmen sichern sollten. Länder wie Deutschland waren der Ansicht, dass gerade eine solche Zusammenarbeit mit Russland das Land von jeglichen aggressiven Absichten abhalten und zusätzliche Impulse für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft schaffen würde.

Und dann entschied Putin, dass ihm all das nicht genügte, dass er Krieg führen müsse, um sein Land wieder in das alte sowjetische Imperium zu verwandeln. Nein, das war nicht die Antwort eines Bären auf Orcas. Es war der Wunsch, alles ringsum zu zerstören und dies mit einer erfundenen Aggression zu rechtfertigen.

Und wie wir wissen, versuchen russische Propagandisten übrigens bis heute davon zu überzeugen, dass die Ukraine selbst im März die Russische Föderation angegriffen hätte, wenn Russland seine Kriegshandlungen gegen die Ukraine nicht im Februar 2022 begonnen hätte.

Das erinnert mich sehr an die Rechtfertigung der sowjetischen Aggression gegen Afghanistan, als sowjetische Truppen – übrigens auf Ersuchen der damaligen afghanischen Führung – in dieses Land einmarschierten, den moskautreuen afghanischen Machthaber Hafizullah Amin töteten und einen blutigen, ein Jahrzehnt dauernden Krieg gegen das afghanische Volk begannen.

Auch die sowjetischen Propagandisten erklärten ihren Landsleuten, wenn dieser Angriff der Sowjetunion nicht stattgefunden hätte, hätten am nächsten Tag die Amerikaner Afghanistan angegriffen. Dabei dachten die Amerikaner damals nicht einmal daran, sich in die politischen Ereignisse in einem Land einzumischen, das seit Langem Partner der Sowjetunion war – sowohl unter jenen Machthabern, auf deren Ersuchen die Sowjetunion ihre Truppen nach Afghanistan entsandte, als auch zu Zeiten des Königreichs Afghanistan, als die sowjetische Invasion noch Jahrzehnte entfernt war und bereits jahrzehntelange bilaterale Beziehungen bestanden.

Und mit der Ukraine ist es praktisch dieselbe Geschichte. Es gab keinerlei Gründe für die russische Aggression. Heute wird Russland angeboten, seinen blutigen Krieg gegen die Ukraine zu beenden – jetzt, da bereits die russische Wirtschaft unter diesem Krieg leidet, da ukrainische Angriffe die russische Ölverarbeitung zerstören und die Möglichkeiten russischer Unternehmen einschränken und da mit jedem weiteren ukrainischen Angriff – deren Zahl nur zunehmen wird – auch die Zahl der Arbeitslosen in Russland steigen und die Zahl derjenigen sinken wird, die sich in ihrem eigenen Land noch eine Zukunft aufbauen können.

Anstatt den Russen zu erklären, wozu er all das in Wirklichkeit tut und warum er damit weitermacht, obwohl er selbst aus der Sicht einer rein formalen politischen Logik für einen Waffenstillstand sorgen müsste, erzählt Putin von Orcas und Eisbären. Das ist tatsächlich der Zustand, in dem er sich seit einigen Jahren befindet.

Ein Mensch, der nur deshalb zufällig Präsident der Russischen Föderation wurde, weil man in der Familie seines Vorgängers Boris Jelzin glaubte, Putin könne den Mitgliedern dieser Familie Garantien für ihre finanzielle und persönliche Sicherheit geben. Ein Mensch, der sich niemals auf eine wirkliche politische Karriere vorbereitet hatte. Ein Mensch, der während seiner Tätigkeit in hohen Ämtern vor seiner Präsidentschaft versuchte, die Interessen des Föderalen Sicherheitsdienstes seines Landes umzusetzen, und bis heute glaubt, er befinde sich als Präsident lediglich auf einer Dienstreise. Putin wirkt nicht wie jemand, der die Folgen seines Handelns tatsächlich begreift. Doch die grenzenlose Macht über 26 Jahre hinweg hat aus ihm tatsächlich ein wahres politisches Monster gemacht, das überhaupt nicht mehr daran denkt, dass es Menschen gibt – mit ihrem Leben, ihren Interessen und ihren Zukunftsperspektiven.

Putins gesamte Aufgabe konzentriert sich inzwischen darauf, aus den neuen Generationen von Russen seelenlose Roboter zu machen. Roboter, die bereit sind, auch weiterhin zu töten, zu plündern, zu bombardieren, zu vergewaltigen und all das zu tun, was 2022 in Butscha getan wurde. Das zu wiederholen, was 2026 in Butscha getan wurde, Tötungsinstrumente zu sein, die jederzeit eingesetzt werden können.

Und damit diese Kinder an Putins Wahnvorstellungen glauben, werden Mythen erfunden, die weder mit Politik noch mit Zoologie irgendetwas zu tun haben. Mythen, die es erlauben, sich über Putin und seine Kompetenz lustig zu machen, doch dem Präsidenten der Russischen Föderation selbst scheint es völlig gleichgültig zu sein, wie man seine jüngsten Äußerungen aufnimmt.

Denn die Teilnehmer der Begegnung reagierten überhaupt nicht auf diese Rede ihres Präsidenten. Keiner der Lehrer, die sich in dem Saal befanden, in dem Putin sprach, nicht einmal der Teilnehmer der Arktisexpedition selbst, wagte es, den Machthaber der Russischen Föderation in irgendeiner Weise zu korrigieren und ihm zu erklären, dass man Biologie und Zoologie lernen muss, dass der Bär keine Orcas zu fürchten braucht und dass ihm in seinem natürlichen Lebensraum in Wirklichkeit nichts droht, dass vielmehr nur er selbst faktisch eine Bedrohung für seine Umwelt darstellt.

Aber natürlich würde jeder, der Putin diese einfache Wahrheit über den Eisbären erklären wollte, sofort zum Feind des russischen Präsidenten, zum „ausländischen Agenten“, zu einem Menschen, der seine Tage im Hohen Norden beenden soll, irgendwo in den zahlreichen Strafkolonien, die das russische Regime errichtet, um gegen Andersdenkende vorzugehen.

Doch über Putins Psyche und seinen Zustand wissen wir jetzt wesentlich mehr als vor dieser Begegnung mit den Lehrern.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін злякався косаток| Віталій Портников. 29.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Kommentar verfassen