Der Tag der ukrainischen Flagge im ukrainischen Odesa
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Heute wurde mir ein Video geschickt, in dem ein anderthalbjähriges, lockiges Mädchen aus einer kleinen Stadt im Süden der Ukraine dem Klang der Luftschutzsirene lauscht.
Die Mutter fragt sie: „Was heult da, mein Schatz?“ Das kleine Mädchen reißt die Augen weit auf und wiederholt: „Uuuu.“
Die Mutter fragt noch einmal: „Und was macht das ‚Uuuu‘?“
Und das kleine lockige Mädchen hebt die Ärmchen über den Kopf, lässt sie dann plötzlich nach unten fallen und sagt: „Ba-bumm.“
Dieses Video werde ich nicht veröffentlichen. Ich habe keine Erlaubnis dazu. Ich werde es auf meinem Handy speichern, auf meinen Computer und auf einen USB-Stick übertragen.
Ich werde dieses Video für all jene bewahren, die nicht sehen wollen, was die Missgeburten aus Russland mit meiner Ukraine machen.
Ich werde dieses Video für all jene bewahren, die von den „guten Russen“ erzählen und die Worte eines russischen Schriftstellers „über die Träne eines Kindes“ zitieren.
Für diejenigen, die ein so kurzes Gedächtnis haben wie ein Aquarienfisch und vergessen haben, wann dieser Krieg begann und wie viele ukrainische Städte Russland zerstört hat.
Ich werde es für all jene bewahren, die Geld und persönliche Interessen über das Leben von Kindern stellen.
Wahrscheinlich werde ich jetzt etwas Schreckliches schreiben. Aber im März 2022, in Mariupol, hatte ich mehr Hoffnung als heute. Ich rannte unter Beschuss von einer Straße zur anderen, in einer halb toten Stadt, und glaubte daran, dass die Ukraine standhalten würde, selbst wenn wir hier alle sterben sollten. Die ganze Welt würde ihr helfen. Die Welt würde nicht zulassen, dass mein Land gequält wird. Und danach würde sie die russischen Bastarde bestrafen.
Ich glaubte, dass dieselbe Menge an Bomben und Raketen, die auf meine Stadt niedergegangen war, anschließend auf die verdammten Raschisten fallen würde. Ich dachte daran ohne Hass. Ich wartete ruhig darauf, denn ich war mir sicher, dass diese abscheulichen Kreaturen, die grundlos Menschen töten, unweigerlich bestraft werden würden.
Diese Hoffnung schenkte mir ein einziger Telefonanruf. Den ich bis heute für ein Wunder halte. Damals bekam ich zum ersten Mal seit der russischen Invasion eine Verbindung zur Außenwelt. Es war der 9. März 2022.
Ich stand auf der Treppe des dritten Eingangs eines neunstöckigen Wohnhauses am Prospekt Myru, gegenüber einem ausgebrannten Auto, hörte das Dröhnen eines russischen Flugzeugs und schrie einem Menschen, der sich außerhalb der Hölle von Mariupol befand, ins Telefon:
„Ist Kyiv noch unser? Ist Odesa noch unser? Ist Charkiw noch unser?“
Auf alle Fragen erhielt ich bejahende Antworten und gab sie an Männer in Arbeitskleidung weiter. Als sie sahen, dass ich mit dem Handy telefonierte, waren sie sehr überrascht und baten mich herauszufinden, wie sich die anderen Städte der Ukraine hielten.
Am Tag zuvor hatten die russischen Missgeburten es irgendwie geschafft, verlogene Nachrichten an unsere fast toten Handys zu schicken. In den Nachrichten stand etwas in der Art: „Ukrainischer Soldat, ergib dich. Du bist eingekesselt. Widerstand ist zwecklos.“
Wir dachten damals voller Entsetzen, dass nur Mariupol noch Widerstand leistete und alle anderen Städte zerstört und besetzt waren.
Können Sie sich vorstellen, was für ein Glück es war, als wir auf der Treppe des neunstöckigen Wohnhauses, unter dem Dröhnen eines russischen Flugzeugs, erfuhren, dass die Ukraine standhielt und dass es damit auch für uns Hoffnung gab. Und scheiß auf alle russischen Flugzeuge zusammen.
Die unbekannten Männer in Arbeitskleidung schüttelten mir die Hand und drohten dem russischen Piloten, der unterwegs war, um Bomben auf Wohnhäuser abzuwerfen, mit der Faust zum Himmel.
Ich hörte, wie sie die Straße entlanggingen und den Menschen, die über offenem Feuer kochten oder vor einem Wasserfass Schlange standen, zuriefen: „Kyiv ist unser, ukrainisch! Odesa ist unser! Charkiw ist unser!“
Und ich saß auf der eiskalten Treppe des neunstöckigen Wohnhauses, lauschte ihren sich entfernenden Stimmen und wollte nicht mehr sterben. Denn es ist einfach dumm zu sterben, wenn man wieder Hoffnung hat.
Damals dachte ich, bis zum Ende des Krieges seien nur noch wenige Tage übrig. Ich glaubte, dass die Welt gerecht sei. Dass die Welt furchtlos sei. Dass wir alle gemeinsam den Raschisten in die Fresse polieren würden und sie zurück in ihr schwarzes Loch kriechen würden. Für lange Zeit, vielleicht sogar für immer.
Ich wusste, dass sie sich vor Gegenwehr fürchten würden. Denn Mörder und Wahnsinnige sind ihrem Wesen nach feige. Und die Macht, die die Welt gegen sie entfesseln würde, würde diesen Krieg beenden.
Doch die Welt erwies sich als anders. Sie erwies sich als feige, hilflos und käuflich. Die Welt schmeichelt sich weiterhin bei Mördern und Wahnsinnigen ein. Der Welt sind die sterbende Menschen scheißegal. Der Welt ist sogar ihre eigene Zukunft scheißegal.
Ich möchte wieder daran glauben, dass noch nicht alles verloren ist. Dass alles Schlechte vorübergehen wird wie eine Sonnenfinsternis. Und dass das winzige lockige Mädchen aus einer kleinen Stadt im Süden der Ukraine, ebenso wie alle unsere Kinder, ein glückliches Leben führen wird, in dem es keine Luftalarme, keine Bombardierungen und keine Missgeburten aus einem geistig toten Land geben wird.
Möge unsere Hoffnung zu uns zurückkehren!
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Und auf dem Video ist der Tag der ukrainischen Flagge im ukrainischen Odesa zu sehen. Alles Gute zum Feiertag, meine wunderbaren und mutigen Freunde!
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Social Media
Autor: Nadia Sukhorukova
Veröffentlichung: 23.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
Link zum Originaltext:
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.