Frauen und Kinder: Russlands neue Ziele | Vitaly Portnikov. 28.08.2026.

Der stellvertretende Vorsitzende der Staatsduma der Russischen Föderation, Pjotr Tolstoi, ist der erste hochrangige russische Amtsträger, der im russischen Fernsehen offen zu Angriffen auf die ukrainische Zivilbevölkerung aufgerufen hat.

Bislang haben sowohl der russische Präsident Wladimir Putin als auch andere hochrangige russische Politiker und Vertreter des Außenministeriums der Russischen Föderation stets bestritten, dass Russlands Angriffe auf ukrainische Städte darauf abzielen, die Zivilbevölkerung einzuschüchtern. Sie behaupteten, diese Angriffe richteten sich ausschließlich gegen Einrichtungen des militärisch-industriellen Komplexes der Ukraine sowie gegen Infrastrukturobjekte des Landes, die für die Bedürfnisse der ukrainischen Armee genutzt werden.

Tolstoi war der Erste, der alle verraten hat, der ausgesprochen hat, was ohnehin alle in Moskau sehr gut verstehen, sich aber zumindest bis heute nicht zuzugeben trauten. Die Angriffe der russischen Armee auf das Territorium der Ukraine zielen vor allem darauf ab, die Zivilbevölkerung einzuschüchtern und zu demoralisieren sowie Proteste gegen die ukrainische Staatsführung zu provozieren, verbunden mit Forderungen nach einer Kapitulation der Ukraine zu allen Bedingungen, die von der Russischen Föderation gestellt werden.

Dabei verwarf Pjotr Tolstoi die Vorstellung, dass es auch nur irgendwelche Bürger der Ukraine gebe, die den russischen Aggressor unterstützen, und erklärte, auf dem Gebiet, das von der Armee der Russischen Föderation bombardiert werde, gebe es keine Unschuldigen.

Im Grunde hat der stellvertretende Vorsitzende der Staatsduma der Russischen Föderation die Kriegsverbrechen seines eigenen nichtsnutzigen Landes offen eingestanden und zur Fortsetzung dieser Kriegsverbrechen aufgerufen. Ganz im Geiste von Hitlers Verständnis von Krieg ruft Tolstoi dazu auf, auf Frauen und Kinder zu schießen, weil er der Ansicht ist, auch sie seien am ukrainischen Widerstand gegen die Besatzung schuld.

Ja, dies bestätigt in gewisser Weise eine These, die der russische Präsident Wladimir Putin bereits vor Beginn des großen Krieges gegen die Ukraine aufgestellt hatte, als das russische Staatsoberhaupt behauptete, dass im Falle eines Einmarsches der russischen Armee in die Ukraine ukrainische Frauen und Kinder vor den russischen Soldaten stehen würden. Damals erklärte zumindest das russische Außenministerium diese kannibalischen Äußerungen Putins damit, dass die ukrainischen Bürger selbst die russischen Soldaten mit Blumen empfangen und vor ihren Eroberungskolonnen hergehen würden.

Jetzt aber machen sich die russischen Machthaber keinerlei Illusionen mehr. Sie verstehen sehr gut, dass niemand in der Ukraine vorhat, sie mit Blumen zu empfangen. Sie wollen die Zivilbevölkerung vernichten und einschüchtern. Sie wollen die Ukrainer dazu zwingen, sich damit abzufinden, dass es keine andere Wahl gebe als die bedingungslose Kapitulation vor Russland und die Räumung des eigenen Territoriums für die sogenannten Sieger.

Und es ist vollkommen logisch, dass gerade Pjotr Tolstoi als Erster mit dieser These aufgetreten ist. Nicht nur deshalb, weil der derzeitige stellvertretende Vorsitzende der Staatsduma der Russischen Föderation und gescheiterte Journalist Spitzenkandidat der Partei Einiges Russland ist und sich anstrengen muss, um seinen Herren zu beweisen, dass er gebraucht wird. Sondern auch deshalb, weil man ein ausgesprochener Zyniker sein muss, um offen über Kriegsverbrechen zu sprechen und zu ihnen aufzurufen. Und an Zynismus mangelt es Pjotr Tolstoi nicht.

Da ich mit ihm studiert habe und ihm später bei Dienstreisen mehrfach begegnet bin, kann ich das Ausmaß der Verachtung, die der direkte Nachfahre des Grafen Lew Tolstoi für das russische Volk und sein eigenes Land empfindet, gut einschätzen. Denn diese Verachtung wurde damals, als Pjotr Tolstoi mit Französisch als seiner Muttersprache für die Nachrichtenagentur Agence France-Presse arbeitete, nie sonderlich verborgen. Es entstand immer der klare Eindruck, dass der Graf sich als Vertreter der wahren russischen Elite betrachtete und alles um ihn herum als halbgebildeten Pöbel, den man für die eigenen Interessen benutzen müsse.

Im Übrigen hat Lew Nikolajewitsch Tolstoi selbst diese Geisteshaltung seiner eigenen Familie, vielleicht sogar ihrer damals noch ungeborenen Mitglieder, ziemlich treffend beschrieben. Ich werde mich nicht wiederholen und auch nicht versuchen, mit ihm bei der Beurteilung dieser familiären Geisteshaltung zu konkurrieren. Ich möchte lediglich betonen, dass diese Haltung bereits im 21. Jahrhundert ihre glänzende Bestätigung gefunden hat.

Es könnte sich die Frage stellen: Wozu brauchen die Tschekisten eigentlich Pjotr Tolstoi, wenn sie natürlich sehr genau wissen, was er in Wirklichkeit über sie denkt, welche Haltung der Nachfahre eines großen Schriftstellers und Adeligen gegenüber Putin, Wolodin und dieser ganzen Gopnik-Truppe aus den untersten Schichten der Gesellschaft hat? Aber mir scheint, dass auch hier alles völlig offensichtlich ist. Wenn du aus einem heruntergekommenen Petersburger Treppenhaus stammst, bereitet es dir selbstverständlich besonderes Vergnügen, wenn ein echter Graf dir die Stiefel putzt – und zwar ganz klassisch, mit der Zunge. Und natürlich wirst du einen solchen Grafen immer als Diener halten, so wie Stalin einen anderen „roten Grafen“, Alexei Tolstoi, in seinen Diensten hielt.

Wenn du dich also als Graf im Dienste des Pöbels empfindest und diesem Pöbel beweisen musst, dass du dich bemühst, sein Vertrauen zu verdienen, dann bist du der Erste, der von den Kriegsverbrechen seiner Herren und Kuratoren erzählt und laut ausspricht, was sie denken – in der Überzeugung, dass derartige Äußerungen von niemandem verurteilt werden, sondern dir im Gegenteil zusätzliche Punkte in der russischen Rangordnung der Beamten einbringen werden.

Wenn du deine moralische Entscheidung triffst, indem du das Böse unterstützt, beginnst du früher oder später zwangsläufig davon zu sprechen, dass Frauen und Kinder getötet werden müssten, zu behaupten, dass es in einem Wohnhaus, das deine Banditenarmee bombardiert hat, keine Unschuldigen gebe, und jeden Genozid mit den nationalen Interessen des russischen Staates und des russischen Volkes zu rechtfertigen.

Dass Pjotr Tolstoi für die Rolle desjenigen ausgewählt wurde, der endlich im Namen der russischen Staatsmacht deren verbrecherische Absichten öffentlich ausgesprochen hat, ist daher keineswegs ein Zufall. Es ist die logische Konsequenz eines Zynismus, der inzwischen zum Bestandteil des beruflichen Konkurrenzkampfes erhoben worden ist. Und solche „ehrlichen“ Kriegsverbrecher, die von den Bildschirmen aus zum Töten, Vergewaltigen und Plündern aufrufen, wird es in der russischen Politik selbstverständlich immer mehr geben, je weiter das russische Aggressionspotenzial wächst und je größer das Gebiet der Kriege wird, die die Russische Föderation führt.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Женщины и дети: новые цели России | Виталий Портников. 28.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 28.08.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.