Trump zieht sich aus Korea zurück | Vitaly Portnikov. 17.08.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat eine deutliche Reduzierung der Beteiligung amerikanischer Streitkräfte an gemeinsamen Militärübungen mit der südkoreanischen Armee angekündigt. Er begründete dies mit seinen guten Beziehungen zum nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un sowie damit, dass Südkorea den Vereinigten Staaten während des Krieges gegen den Iran nicht die gebotene Unterstützung geleistet habe.

Damit wendet sich Trump demonstrativ von den Verpflichtungen gegenüber einem weiteren wichtigen Verbündeten der Vereinigten Staaten ab. Denn seit dem Ende des Koreakrieges waren es gerade die Vereinigten Staaten, die als tatsächlicher Garant der Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel fungierten und verhinderten, dass sich das von der Volksrepublik China und der Sowjetunion unterstützte kommunistische Regime auf die gesamte koreanische Halbinsel ausbreiten konnte.

Nun hat sich die Situation, wie wir sehen, verändert – und das, obwohl die guten Beziehungen zu Kim Jong-un nur im Kopf Donald Trumps existieren. Bekanntlich erlitt Trump während seiner ersten Amtszeit im Weißen Haus eine vernichtende Niederlage bei seinen Versuchen, eine Einigung über den Verzicht Nordkoreas auf sein Atomprogramm im Austausch für amerikanische Finanz- und Wirtschaftshilfe zu erzielen. Man kann sagen, dass der nordkoreanische Diktator Donald Trump zynisch ausgenutzt hat – ungefähr so, wie Putin oder Xi Jinping heute die Sympathien des amerikanischen Präsidenten nutzen, um ihren internationalen Status aufzuwerten.

Denn vor Trump hatte sich kein amtierender Präsident der Vereinigten Staaten jemals dazu herabgelassen, sich mit dem Mann zu treffen, der in der Herrscherresidenz in Pjöngjang sitzt. Trump war der Erste. Und dank dieser Politik des amerikanischen Präsidenten hat sich Nordkorea tatsächlich zu einer Atommacht entwickelt, die amerikanische Verbündete bedroht.

Doch es scheint, als kümmere Trump das nicht. Vielleicht, weil er sich weiterhin von seinen Sympathien für autoritäre Führer leiten lässt. Vielleicht, weil er vom nordkoreanischen Regime tatsächlich keine reale Bedrohung ausgehen sieht. Oder vielleicht auch deshalb, weil er machtlos wäre, sollte diese Bedrohung Realität werden.

Denn man sollte daran erinnern, dass der Krieg der Vereinigten Staaten gegen den Iran keineswegs nur für unser Land im Hinblick auf die Lieferung von Flugabwehrraketen zu einem ernsthaften Problem geworden ist. Er stellt auch für Südkorea ein ernstes Problem dar, denn Luftverteidigungssysteme und insbesondere Raketen für Patriot-Systeme mussten vom amerikanischen Militär von der koreanischen Halbinsel in den Nahen Osten verlegt werden.

Und wenn wir davon sprechen, dass den Amerikanern die eigenen Raketen für ihre Patriot-Batterien ausgehen, müssen wir verstehen, dass die Streitkräfte der Vereinigten Staaten nicht nur im Nahen Osten, sondern auch auf der koreanischen Halbinsel schutzlos dastehen könnten, falls in Peking und Pjöngjang die Entscheidung getroffen wird, einen großen Krieg in dieser Region zu beginnen. Und dann würden wir nicht nur das Scheitern von Donald Trumps Iran-Plänen erleben, sondern auch ein schwerwiegendes Fiasko der Vereinigten Staaten auf der koreanischen Halbinsel – also gerade dort, wo die Vereinigten Staaten in den 1940er- und 1950er-Jahren ihren Status als Großmacht unter Beweis stellten und wo sie diesen Status nun endgültig verlieren könnten.

Und Trump könnte trotz seines bekannten Zynismus eine solche Entwicklung fürchten und deshalb versuchen, alles zu tun, um Kim Jong-un nicht zu einem möglichen Angriff auf das Nachbarland zu provozieren.

Meiner Ansicht nach ist das jedoch eine falsche Position, die einmal mehr zeigt, wie kurzsichtig und naiv der außenpolitische Ansatz des amtierenden amerikanischen Präsidenten und seiner Administration ist. Denn wenn man in Moskau, Peking und Pjöngjang sieht, wie Trump zurückweicht, steigert das nur den Appetit der autoritären Machthaber, die zunehmend zu der Überzeugung gelangen, dass von den Vereinigten Staaten keine ernsthafte Reaktion auf ihre Handlungen zu erwarten ist.

Das heißt: Wenn die Amerikaner selbst demonstrieren, dass sie nicht bereit sind, ihren Verbündeten zu helfen, hören diese Verbündeten in den Augen ihrer Feinde auf, Freunde Amerikas zu sein, und werden zu Zielen für weitere aggressive Schritte.

Natürlich bedeutet das nicht, dass morgen ein Krieg auf der koreanischen Halbinsel ausbrechen wird. Dass er jedoch noch während Donald Trumps Amtszeit im Weißen Haus beginnen könnte, ist durchaus wahrscheinlich. Denn gerade diese Präsidentschaft ist, wie wir sehen, zum Anstoß für immer neue Kriege und für eine faktische Stärkung der Positionen von Diktatoren geworden.

Derjenige, der den Amerikanern und der Welt Frieden versprochen hat, hat in Wirklichkeit – wie es in der Politik so häufig geschieht – die Voraussetzungen für eine Ausweitung von Kriegen in aller Welt geschaffen. Denn diese Kriege begannen gerade deshalb nicht, weil man Amerika fürchtete und davon ausging, dass es in der Lage sei, seinen Willen mit Gewalt durchzusetzen. Eine solche Sicht auf die Vereinigten Staaten scheint es inzwischen bei kaum einem ihrer Gegner noch zu geben.

Für die Ukraine sollte daraus eine durchaus ernsthafte Schlussfolgerung folgen. Zumindest solange Donald Trump im Weißen Haus sitzt und wir es nicht mit einem Präsidenten zu tun haben, der die Bedeutung von Werten für die Wahrung der nationalen Interessen der Vereinigten Staaten selbst versteht, können Trumps Vereinigte Staaten die Interessen jedes beliebigen Verbündeten mit größter Leichtigkeit aufgeben – selbst die eines Verbündeten, mit dem die USA jahrzehntelange Interessen verbinden –, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten der Ansicht ist, dass die Unterstützung dieses Verbündeten keine Priorität hat oder dass sie die Schwäche Amerikas selbst offenbaren würde.

Und dies ist nicht nur die Zeit, diese einfache Wahrheit über Trump und sein Umfeld zu begreifen, sondern auch die Zeit, nach neuen Bündnissen zu suchen, die Ländern wie der Ukraine oder Südkorea dabei helfen könnten, in unserem schwierigen 21. Jahrhundert überhaupt auf der politischen Landkarte der Welt zu bleiben – einem Jahrhundert der Krisen, Kriege und des Verrats.


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Titel des Originals: Трамп тікає з Кореї | Віталій Портников. 17.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 17.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Ukrainische Angriffe: der Zusammenbruch der russischen Landwirtschaft | Vitaly Portnikov. 17.08.2026.

Nach den Angriffen ukrainischer Drohnen auf russische Häfen könnte Russland seine Getreideexporte verlieren – und infolgedessen auch seine Landwirtschaft.

Im Hafen von Noworossijsk sind nach den jüngsten ukrainischen Angriffen alle drei Getreideterminals zum Stillstand gekommen, über die russische Exporte abgewickelt wurden, vor allem in die Länder des Globalen Südens. Auch der Betrieb des Terminals in Taman ist blockiert.

Und nun gibt es ein ernstes Problem für die Häfen am Asowschen Meer, darunter auch jene Häfen, die von der Russischen Föderation in der ersten Phase des großen Krieges gegen die Ukraine besetzt wurden. Über diese Häfen wurden früher rund 40 Prozent der russischen Agrarprodukte abgewickelt. Doch da eine Durchfahrt durch die Straße von Kertsch inzwischen nicht mehr möglich ist, haben sie ihre Bedeutung faktisch verloren.

Russland läuft Gefahr, enorme Deviseneinnahmen zu verlieren. Früher brachte der Getreideexport der Wirtschaft des Landes 15 Milliarden Dollar ein. Und natürlich floss all dieses Geld ohne größere Probleme in den Krieg. Denn anders als andere russische Produkte galt Getreide als wichtiger stabilisierender Faktor für den weltweiten Lebensmittelmarkt.

Doch die Probleme werden sich nicht auf diesen Markt beschränken. Auch die russischen Landwirte werden Probleme bekommen, weil ihnen faktisch die Möglichkeit genommen wird, die Erzeugnisse der neuen Ernte zu verkaufen. Natürlich wollen wir nicht verschweigen, dass die ukrainische Landwirtschaft derzeit mit ähnlichen Problemen konfrontiert ist. Denn die ukrainischen Angriffe auf russische Häfen erfolgten, nachdem die Russische Föderation beschlossen hatte, unsere Getreideexporte zu blockieren und selbst die informellen Vereinbarungen über die freie Schifffahrt im Schwarzen Meer endgültig zu beenden.

Nun gibt es für Russland einen einfachen Ausweg, wenn es seine Bedeutung als Agrarproduzent tatsächlich bewahren will. Es muss berücksichtigen, dass das Spiel mit der Zerstörung der landwirtschaftlichen Möglichkeiten von zwei Seiten gespielt werden kann, und nach Möglichkeiten suchen, sich auf die Wiederaufnahme der Schifffahrt zu verständigen. Bislang schließen russische Regierungsvertreter jedoch jede Möglichkeit eines partiellen Waffenstillstands aus und reagierten ablehnend auf eine entsprechende Initiative des türkischen Außenministers Fidan.

Ich möchte daran erinnern, dass Ankara seinerzeit der wichtigste Vermittler beim Abschluss des Getreideabkommens war, das Vertreter Russlands und der Ukraine jeweils separat mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und dem Generalsekretär der Vereinten Nationen António Guterres vereinbarten. Darüber hinaus muss man verstehen, dass es viele gibt, die an einer Wiederaufnahme der Getreideexporte aus den Schwarzmeerhäfen sowohl der Ukraine als auch Russlands interessiert sind – darunter auch viele informelle wie formelle Verbündete Russlands.

Schon jetzt wird berichtet, dass etwa Indien gezwungen ist, seine Einfuhren von Sojaöl auf ein Rekordniveau zu steigern, weil auf dem Weltmarkt ein erheblicher Mangel an Sonnenblumenöl herrscht – gerade weil Russland die ukrainischen Häfen blockiert hat.

Und natürlich ist, wenn die Situation so bleibt, wie sie heute ist, auf den Märkten der Länder des Globalen Südens mit einer umfassenden Krise zu rechnen. Das bedeutet, dass die Welt, wenn nicht schon in diesem Jahr, dann 2028 mit einer ernsthaften Lebensmittelknappheit konfrontiert sein wird. Und die ersten Vorboten dieser Getreidekrise werden bereits 2027 zu spüren sein.

Zur Energiekrise, die daraus entstanden ist, dass der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump nicht verstanden hat, welche Folgen seine Angriffe auf das iranische Regime haben würden, wird also noch eine Lebensmittelkrise hinzukommen. Die kommenden zwei Jahre werden im Zeichen dieser beiden Krisen stehen. Und wenn es 2026 nicht gelingt, die Häfen wieder freizugeben und 2027 die Lage auf den Energie- und Lebensmittelmärkten zu stabilisieren, werden in der Welt nicht nur Kriege zwischen den Akteuren beginnen, die an einer Neuverteilung dieser Märkte interessiert sind, sondern auch Aufstände und Revolutionen in den Ländern des Globalen Südens. Diese werden natürlich zu einer massiven Migrationskrise für den kollektiven Westen führen.

Und glauben Sie mir: Kein Donald Trump wird in der Lage sein, diese Krise irgendwie aufzuhalten. Denn wenn es darum geht, dass Dutzende, wenn nicht Hunderte Millionen Menschen keine Nahrung haben, können keine Migrationsbehörden mehr ihren Aufgaben gerecht werden. Sie beginnen angesichts einer solchen unkontrollierbaren Entwicklung schlicht zurückzuweichen – gemeinsam mit den verängstigten Bewohnern der sogenannten Länder der „goldenen Milliarde“.

Und in dieser Situation verstehen wir sehr gut, wo ein Teil der Schlüssel dafür liegt, eine derart umfassende Krise, die man als Energie- und Lebensmittel-Tsunami bezeichnen könnte, in den kommenden Monaten zumindest teilweise zu bewältigen.

Das Erste, was getan werden muss, ist, Russland dazu zu zwingen, die ukrainischen Häfen wieder zu öffnen. Danach kann man darüber sprechen, dass auch die ukrainischen Angriffe auf russische Häfen wie Noworossijsk reduziert werden könnten – zumindest soweit es um Getreideterminals und Terminals geht, die den Interessen des Kaspischen Pipeline-Konsortiums dienen. Daran sind, wie wir wissen, die Vereinigten Staaten interessiert – genauer gesagt Präsident Trump persönlich, der seine eigenen Beziehungen zu amerikanischen Investoren im kasachischen Energiesektor unterhält.

Dann kann man darauf hoffen, dass sich die Lage auf dem Getreidemarkt zumindest in den kommenden Monaten verbessern und verhindert werden kann, dass die Voraussetzungen für eine massive Krise entstehen, aus der es, glauben Sie mir, keinen Ausweg mehr geben wird – ganz gleich, was die Staats- und Regierungschefs Nordamerikas und Europas darüber denken mögen.

Dafür muss jedoch der Druck auf den russischen Präsidenten Putin und sein Umfeld verstärkt und ihnen klargemacht werden, dass die Russen im Grunde bereits begonnen haben, an dem Ast zu sägen, auf dem sie seit dem denkwürdigen Jahr 2000 sitzen. Nur wird nicht allein Putin vom Baum stürzen, sondern mit ihm die gesamte Weltwirtschaft und jene Stabilität, die mit der Bedeutung sowohl der Ukraine als auch Russlands für den globalen Lebensmittelmarkt verbunden ist.

Und dann wird der russisch-ukrainische Krieg einen völlig anderen Charakter annehmen: den einer globalen Prüfung, aus der es für Millionen von Menschen, die in zahlreichen Ländern der Welt Hunger leiden werden, keinen Ausweg geben wird.


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Titel des Originals: Українські удари: крах російських аграріїв | Віталій Портников. 17.08.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 17.08.2026.
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Russland verliert den Abnutzungskrieg | Vitaly Portnikov. 16.08.2026.

Russland kann den Abnutzungskrieg verlieren, und seine führenden Ökonomen erkennen das an, während der Kreml davon nichts hören will. So lässt sich die Nachricht kommentieren, die heute praktisch den ganzen Tag in den Medien diskutiert wurde: die Entlassung des Chefökonomen der russischen Vnesheconombank, Andrei Klepach.

Auf den ersten Blick keine besonders bedeutende Position und keine besonders bedeutende Persönlichkeit, doch es geht um einen der bekanntesten russischen Ökonomen und um die Gründe für seine Entlassung. Russische oppositionelle Medien betonen, dass die Führung der Vnesheconombank gezwungen war, sich von Klepach zu trennen, gegen den es keinerlei dienstliche Beanstandungen gab, und zwar wegen seines jüngsten Auftritts, in dem er die Lage der russischen Wirtschaft beschrieb.

Klepach betonte, dass Russland den wirtschaftlichen Abnutzungskrieg verliert, dass es im Wettbewerb mit dem Westen nicht konkurrenzfähig ist und dass selbst die ukrainische Wirtschaft trotz der Angriffe auf ihre wichtigen Einrichtungen und trotz der demografischen Probleme besser überlebt, als man es in der Russischen Föderation erwarten konnte. Und gerade dieser Auftritt mit seinen düsteren Prognosen für die Zukunft der russischen Wirtschaft wurde zum Grund für die Entlassung des bekannten Ökonomen mit seiner relativ unabhängigen Position.

Das bedeutet, dass die Taktik, die die Ukraine heute im Bündnis mit dem Westen gewählt hat, im Hinblick auf die Suche nach Wegen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges richtig ist. Einerseits sehen wir tatsächlich, dass die russische politische Führung unter Putin nicht einmal daran denken will, den Krieg auf diese Weise zu beenden und die diplomatischen Bemühungen wieder aufzunehmen. Dass keinerlei Vorschläge zur Beendigung des Krieges Putins Haltung beeinflussen, der weiterhin darauf hofft, noch mehr ukrainisches Territorium zu erobern und die Wirtschaft unseres Landes zu zerstören.

Andererseits zeigt Russland immer wieder, dass es mit der zivilisierten Welt nicht konkurrieren kann, dass es die westlichen Sanktionen natürlich ignorieren kann, diese sich aber sowohl auf seine Realwirtschaft als auch auf sein Finanzsystem auswirken, dass die russischen Ressourcen ohne den westlichen Markt dazu verurteilt sind, ihre Rolle als wichtigstes Instrument zur Auffüllung des russischen Staatshaushalts zu verlieren. Und vor allem hilft Russlands Abhängigkeit von den Ländern des Globalen Südens, in erster Linie von der Volksrepublik China, nicht dabei, die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Russischen Föderation auszubauen, denn China ist gerade nicht daran interessiert, dass Russland überlebt. China ist sowohl an einer Schwächung des Westens als auch an einer Schwächung Russlands interessiert.

Aus der Perspektive Pekings kann Russland in dieser Situation schlicht wie ein politischer Satellit und wirtschaftliches Anhängsel der Volksrepublik China erscheinen. Wir verstehen sehr gut, dass Moskau im Wettbewerb der Volkswirtschaften nicht nur gegen Peking, sondern auch gegen den Westen verliert, nicht nur gegen Neu-Delhi, sondern gegen den gesamten Globalen Süden. Und wenn russische Ökonomen versuchen, ihre eigene Führung darauf aufmerksam zu machen, versucht man ihnen, wie wir sehen, wenn schon nicht die Möglichkeit zu öffentlichen Auftritten zu nehmen, dann zumindest jene Ämter, die es erlauben würden, solche Äußerungen mit einer offiziellen Position in Verbindung zu bringen.

Gerade deshalb sind die sogenannten Systemliberalen im Umfeld des russischen Präsidenten Putin mit ihren Prognosen so vorsichtig, obwohl auch ihre Auftritte auf den jüngsten russischen Wirtschaftsforen keineswegs von Optimismus geprägt waren. Diese Menschen verstehen sehr gut, dass Putin versucht, einen Krieg entgegen den wirtschaftlichen Realitäten zu führen, und sorgen sich deshalb um den Erhalt ihrer Ämter. Und die jetzige Entlassung eines Ökonomen, der bis zu diesem Zeitpunkt nur wenigen bekannt war, hat gezeigt, dass tatsächlich jede Meinung verfolgt wird, die von der allgemeinen optimistischen Haltung der russischen Führung abweicht, selbst wenn es um Menschen geht, die weiterhin Teil der Putin-Elite sind.

Wir können also mit Sicherheit sagen, dass Putin Russland mit seiner Kurzsichtigkeit und seinem mangelnden wirtschaftlichen Weitblick auf genau jenen wirtschaftlichen Abgrund zutreibt, den wir so dringend brauchen, damit der russisch-ukrainische Krieg endet. Denn ein anderes Mittel als den wirtschaftlichen Zusammenbruch Russlands, die Verarmung der russischen Bevölkerung und das Fehlen der Ressourcen für den weiteren Betrieb der russischen Kriegsmaschinerie gibt es schlicht nicht.

Natürlich schließt dies auch die Probleme der Ukraine nicht aus. Aber die Ukraine hat den offensichtlichen Vorteil, dass wir erstens nie in einem Zustand einer paternalistischen Wirtschaft wie in Russland gelebt haben und unsere Gesellschaft weitaus mehr Eigeninitiative zeigt als die Gesellschaft der Russischen Föderation, wo es eher eine Fassade der Marktwirtschaft gab, hinter der sich staatliche Mechanismen verbargen. Und zweitens profitieren wir von den Interessen und Möglichkeiten der zivilisierten Welt, die nicht nur die Notwendigkeit einer Niederlage Russlands in diesem Krieg versteht, sondern auch die Notwendigkeit des Wiederaufbaus der Ukraine. Auch das ist ein wichtiger Punkt für jeden, der sich der Lage im Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung jener Ereignisse bewusst ist, die heute im russisch-ukrainischen Krieg von entscheidender Bedeutung sind.

Auch das ist ein wichtiger Punkt, an den man denken muss, wenn wir über die weitere Entwicklung in der Konfrontation zwischen Russland und der Ukraine sprechen. Er ist auch deshalb wichtig, weil diese Konfrontation die Möglichkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung verdeutlicht – sowohl jene, die mit den Möglichkeiten der westlichen Volkswirtschaften verbunden sind, als auch jene der Wirtschaft der Russischen Föderation. Und die Wirtschaft der Russischen Föderation verliert, wie es bereits zu Sowjetzeiten wiederholt der Fall war, ganz offensichtlich gegen die wirtschaftlichen Möglichkeiten der zivilisierten Welt.

Das sowjetische Szenario des Niedergangs wiederholt sich. Und es ist sehr erstaunlich, dass Putin, der seine Karriere in den letzten Jahren der Sowjetunion machte, später sogar stellvertretender Bürgermeister von St. Petersburg war und eigentlich verstehen müsste, wie Marktmechanismen funktionieren, erneut in dieselbe Falle gerät, in die vor ihm schon die Führer der Sowjetunion geraten waren. 

Offenbar begreift er nicht, dass es nicht genügt, sein Land zur Marktwirtschaft zu erklären. Dieses Land muss tatsächlich Teil des weltweiten Wirtschaftsgefüges sein und darf sich nicht einfach nur an China orientieren. Und seine Bürger sollten nicht damit beschäftigt sein, unter den Bedingungen von Explosionen in Wildberries-Lagern um ihr eigenes Überleben zu kämpfen, sondern Teil der weiteren Entwicklung der wirtschaftlichen Prozesse in der Welt sein und in ihrem eigenen Land Eigeninitiative entfalten können, anstatt zu Kanonenfutter für Putins Krieg gemacht zu werden.


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Titel des Originals: Росія програє війну на винищення | Віталій Портников. 16.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 16.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach, veröffentlicht auf uebersetzungenzuukraine.data.blog.


Der Elefant im Raum. Vitaly Portnikov. 16.08.2026.

Слон у кімнаті. Віталій Портников. 16.08.2026.

Den Gefühlsausbruch der Sängerin Olja Poljakowa und die unerwartete gesellschaftliche Reaktion auf die Vorwürfe der Künstlerin gegen ihr eigenes Land, das Poljakowa selbst und die Anhänger ihrer Position nun als regelrechtes Konzentrationslager wahrnehmen, könnte man als Ausdruck von Kränkung abtun oder einfach an Demokratie und Meinungsfreiheit erinnern – schließlich ist es vielleicht gar nicht schlecht, dass die Menschen bei uns in aller Ruhe von einem Konzentrationslager erzählen und sich auf Tourneen vorbereiten können, statt auf „Tournee“ in den Hohen Norden geschickt zu werden wie in dem Land, das uns angegriffen hat.

Mich interessiert in dieser Situation jedoch gerade das Land, das uns angegriffen hat. Denn genau dieses Land versuchte Olja Poljakowa nicht zu erwähnen – als hätten die zentralen Probleme unserer heutigen Zeit nichts mit eben diesem Angriff zu tun.

Über das, was mit der ukrainischen Gesellschaft, mit der staatlichen Verwaltung, mit der Personalpolitik und mit der Meinungsfreiheit geschehen ist, spreche ich selbst seit 2019 und nicht erst seit 2026. Aber was heißt hier seit 2019? Seit 2010. Und was heißt hier seit 2010? Seit 1994. Im ukrainischen Fernsehen wurden meine Sendungen eingestellt, nicht die von Poljakowa. Vor dem letzten Maidan wurden in meiner Wohnung in Kyiv Videokameras installiert, nicht in Poljakowas Schlafzimmer. Gleich zu Beginn des Krieges wurde in meiner Wohnung in Lwiw eine Abhörvorrichtung gefunden, nicht in Poljakowas Wohnung. Mein Fernsehsender wurde in den ersten Tagen des Krieges aus dem Programm genommen – ja, von den Fernsehbildschirmen im ganzen Land verschwand mein Gesicht und nicht das von Poljakowa. Ich weiß über den Druck der Staatsmacht, über Hetze und Drohungen weitaus besser Bescheid als alle Vertreter unseres Showbusiness zusammengenommen.

Doch im Unterschied zu vielen dieser Personen sehe ich den Elefanten im Raum. Ich sehe Russland. Ich weiß genau: Hätte es die russische Aggression nicht gegeben, wären Fragen zum Verhalten eines Künstlers auf einem Festival mit Menschen von zweifelhaftem Ruf überhaupt nicht aufgekommen. Ich weiß genau: Hätte es die Aggression Russlands nicht gegeben, gäbe es auch die Frage der Mobilisierung nicht und ebenso wenig Missstände in den Armeekorps. Und es gäbe keine Korruption im Krieg, wenn es den Krieg selbst nicht gäbe. Und mir ist vollkommen bewusst, dass eine effizientere Staatsführung – und ich erläutere seit viereinhalb Jahren buchstäblich lehrbuchartige Rezepte dafür, wie das zu erreichen ist – die negativen Auswirkungen vieler Entscheidungen verringern kann, aber nicht alle Probleme lösen wird. Denn unser Hauptproblem ist in Wirklichkeit nicht die Effizienz der Staatsführung, nicht die verschärfte gesellschaftliche Reaktion und nicht einmal die Korruption.

Unser Hauptproblem ist der Krieg. Denn vom Ausgang des Krieges hängt ab, ob die Ukraine auf der politischen Landkarte der Welt bestehen bleibt und ob die Ukrainer ihre Heimat werden behalten können. Trotz aller optimistischen Annahmen und Aussagen wie „Russland hat definitiv schon verloren“ sind dies nach wie vor offene Fragen. Und das muss jeder begreifen, der in die Zukunft blickt – in die Zukunft des Landes ebenso wie in seine eigene. Dass das Gute zwangsläufig das Böse besiegt, gibt es nur im Märchen. Im wirklichen Leben siegen Effizienz und Realismus.

Wenn Menschen anfangen, den Elefanten im Raum nicht mehr wahrzunehmen, reisen sie in die Vergangenheit – nämlich ins Jahr 2019. Damals, daran möchte ich erinnern, versuchte man ebenfalls, den Krieg nicht zu erwähnen, der künftige Präsident beendete ihn einfach in seinem Kopf, und seine Anhänger waren aufrichtig davon überzeugt, dass der Konflikt im Donbas nur deshalb andauerte, weil die Regierung daran interessiert sei und am Krieg verdiene. Wenn Sie sich die berühmte Debatte im Stadion noch einmal ansehen, werden Sie feststellen, dass ihr wesentlicher Inhalt aufseiten des Herausforderers gerade darin bestand, den Elefanten nicht sehen zu wollen.

Man könnte meinen, die ersten viereinhalb Jahre des großen Krieges hätten deutlich genug zeigen müssen, wie falsch die Vorstellungen der ukrainischen Gesellschaft von Krieg und Frieden waren – aber nein! Die Rückkehr ins Jahr 2019 hat bereits begonnen, nur dass sich nun Zelensky selbst in der Rolle Poroschenkos wiederfindet. Und warum?

Weil es sich so viel angenehmer leben lässt. „Kriegsmüdigkeit“ ist vor allem der Wunsch, so zu leben, als gäbe es keinen Krieg. Und sie bietet zudem eine hervorragende Möglichkeit, nicht nur Gerechtigkeit durch Ungerechtigkeit zu ersetzen, sondern sich auch selbst einzureden, dass gerade diese Ungerechtigkeit Gerechtigkeit sei.

Denn wenn du den Elefanten siehst, verstehst du zumindest, dass eine Situation, in der dein Klassenkamerad im Krieg kämpft, während du dich heraushältst, ungerecht ist – nicht einmal gegenüber dem Staat, nein, sondern gegenüber eben diesem Klassenkameraden. Nein, wahrscheinlich wirst du deshalb keine neuen Entscheidungen treffen, aber du gibst deiner eigenen Entscheidung zumindest eine angemessene moralische Bewertung.

Wenn du den Elefanten dagegen nicht siehst, dann ist dein Klassenkamerad ein Opfer und du bist der moralische Held, der sich der Willkür der Staatsmacht entgegengestellt hat: „Was kümmert mich die Ukraine, was kümmert mich der Krieg? Den Krieg muss die Regierung beenden – sobald alle Abgeordneten an die Front gehen, hört alles sofort auf.“

Und zum Schluss möchte ich Folgendes über den Elefanten sagen. Sie können ihn übersehen – aber er ist da. Er ist da und wird aus unserem Raum nicht verschwinden, solange wir ihn nicht zur Strecke gebracht haben. Und nein, der Präsident der Ukraine hat keinerlei Möglichkeit, ein Ende des Krieges auszuhandeln – und hatte sie auch nie. Und nein, der Präsident der Vereinigten Staaten hat keine Möglichkeit, ein Ende des Krieges auszuhandeln – schon vor dem Krieg mit dem Iran hatte er sie nicht, und jetzt erst recht nicht. Und ja, die Effizienz der Staatsführung muss verbessert, Korruption und Missstände müssen bekämpft werden – denn das wird uns helfen, den Krieg schneller zu beenden. Aber offenbar kann jeder unter Effizienz etwas anderes verstehen. Eine effiziente Mobilisierung ohne Korruption und Missstände beispielsweise, bei der die Staatsmacht die Bürger als Soldaten und nicht als Wähler betrachtet, bedeutet schlicht eine erheblich umfassendere Mobilisierung mit Rotationen und Versetzungen nicht von einer Million, sondern von Millionen Soldaten unterschiedlichen Alters und, Verzeihung, Geschlechts – und nicht die Einstellung der Mobilisierung (zumindest bis zum Beginn der Roboterkriege, die auch wir noch erleben und durchstehen müssen – möglicherweise in den Ruinen europäischer Städte). Das heißt, die Erwartungen an die Korrektur von Fehlern müssen nicht mit dem tatsächlichen Ergebnis für jeden Einzelnen übereinstimmen. Genauso wie damals, im Jahr 2019.

Unser Land hatte in den vergangenen 35 Jahren viele Probleme. Das ukrainische Volk hatte in den Jahrhunderten seiner Existenz noch mehr. Doch noch nie zuvor stellte sich die Frage so scharf und so offensichtlich: sein – oder verschwinden, nur noch als hundert Seiten in Lehrbüchern der Ethnografie fortbestehen. Als Mensch, dessen Vorfahren jahrtausendelang ohne eigenen Staat lebten und sich nur auf den Seiten des Buches wiederfanden, wünsche ich keinem Volk ein solches Schicksal. Und zugleich werde ich immer wissen, dass ein Volk, das aufhört, die eigentlichen Ursachen seines Unglücks wahrzunehmen, zu Niederlage und Vergessen verurteilt sein kann.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Слон у кімнаті. Віталій Портников. 16.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 16.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Krieg der Städte. Vitaly Portnikov. 10.08.2026.

Війна міст. Віталій Портников. 10.08.2026.

Wenn die Front erstarrt und sich wochenlang keinen Kilometer bewegt, wenden sich die Armeen früher oder später einem anderen Ziel zu – nicht den Schützengräben des Feindes, sondern seinen Städten. Das ist keine neue Erfindung des Kremls. Eine solche Logik hat die Welt bereits während des Iran-Irak-Krieges erlebt, den die Zeitgenossen genau so nannten: Krieg der Städte.

Mitte der achtziger Jahre war der Stellungskrieg zu Lande endgültig in einem jahrelangen „Abnutzungskrieg“ festgefahren – die Front bewegte sich jahrelang weder in die eine noch in die andere Richtung, und der Preis für jeden Meter wurde in Zehntausenden Menschenleben gemessen. Und dann versuchte Saddam Hussein, mit Raketen das zu erreichen, was er mit Panzern nicht erreichen konnte. Die irakische Luftwaffe und ballistische Raketen griffen Teheran und andere iranische Städte an, der Iran antwortete mit eigenen „Scud“-Raketen auf Bagdad. Beide Diktatoren setzten auf dasselbe: Die Zivilbevölkerung werde der ständigen Angst nicht standhalten und Druck auf die eigene Regierung ausüben, um deren Kapitulation zu fordern.

Am schrecklichsten war das Frühjahr 1988, als der Irak Dutzende „Al-Hussein“-Raketen mit erhöhter Reichweite auf Teheran abfeuerte und die Bevölkerung der Hauptstadt aus Angst vor chemischen Sprengköpfen massenhaft aus der Hauptstadt floh. In den acht Jahren dieses Krieges kamen auf beiden Seiten Tausende Zivilisten ums Leben, Zehntausende wurden verletzt, beide Hauptstädte erlitten schwere Zerstörungen. Und es gab keine Kapitulation aufgrund eines gebrochenen Widerstandswillens.

Der Krieg endete im August 1988 nicht deshalb, weil eine der Hauptstädte kapituliert hätte. Er endete, weil beide Armeen an der Front erschöpft waren.

Der Irak erlangte die Kontrolle über die verlorenen Gebiete zurück, der Iran erkannte, dass eine Fortsetzung sinnlos war, die Ruinen der Städte wurden zur Kulisse dieses Krieges, zu einer schweren und blutigen Kulisse, aber nicht zu seinem siegreichen Finale. Weder Teheran noch Bagdad brachen unter den Raketen zusammen; zusammengebrochen war die Fähigkeit beider Armeen, ihre Offensive fortzusetzen.

Wir beobachten heute dieselbe Logik. Wenn die Kämpfe um Kostjantyniwka oder Pokrowsk in Metern pro Woche gemessen werden und Tausende Menschenleben kosten, sucht Moskau den Sieg wieder nicht in den Schützengräben, sondern im Hinterland: in Angriffen auf Umspannwerke, Wohnviertel und Hafeninfrastruktur. Das Kalkül ist dasselbe wie bei Saddam vor vierzig Jahren: Wo die Panzer nicht durchkommen, werden Raketen fliegen, und früher oder später wird eine von Dunkelheit und Kälte erschöpfte Gesellschaft ihre Regierung zur Kapitulation zwingen.

Doch es gibt etwas, das es in den Kriegen mit Russland bisher nicht gegeben hat – und genau das ist das Neue an diesem Krieg. Jahrelang hatte Russland praktisch das Monopol darauf, zivile Objekte tief im Hinterland anzugreifen, während die Ukraine allenfalls mit einigen Arten weitreichender Waffen aus eigener Produktion auf Grenzregionen reagieren konnte. Diese Asymmetrie vermittelte dem Kreml das Gefühl völliger Straflosigkeit: Man konnte zerstören, ohne befürchten zu müssen, die gleichen Zerstörungen im eigenen Land zu sehen. Heute endet dieses Monopol – und es endet schneller, als man sich in Moskau noch vor einem Jahr hätte vorstellen können.

In der Nacht zum 9. August wurde dies besonders deutlich. Russland führte einen der massivsten Angriffe dieses Jahres auf Odesa durch – mit ballistischen Raketen, Anti-Schiffs-Raketen und Antiradarraketen sowie Dutzenden Angriffsdrohnen. Die Energieinfrastruktur wurde beschädigt, Bewohner dreier Stadtbezirke blieben ohne Strom, auch Wohngebäude wurden zerstört. In derselben Nacht griffen ukrainische Drohnen Belgorod massiv an: In mehreren Stadtteilen, darunter im Zentrum, brachen Brände aus, mehrstöckige Wohnhäuser und Privathäuser wurden beschädigt; nach Angaben des amtierenden Gouverneurs der Region, Oleksandr Schuwajew, gab es dreizehn Verletzte.

Das ist nicht mehr ein Krieg, in dem nur eine Seite brennt, während die andere aus sicherer Entfernung zusieht. Russland erlebt nun Nacht für Nacht selbst, was es jahrzehntelang für ein ausschließlich ukrainisches Schicksal hielt. Und offenbar hat den Kreml vor allem überrascht, dass sich diese Angriffe immer wiederholen.

Bedeutet das, dass der Kreml schneller zu Zugeständnissen bereit sein wird?Die Erfahrungen aus dem Iran-Irak-Krieg geben allerdings wenig Anlass zu übermäßigem Optimismus: Dort dauerten die gegenseitigen Angriffe auf Städte jahrelang an und brachten für sich genommen den Frieden nicht näher; Frieden wurde erst durch die Erschöpfung der Ressourcenbasis an der Front erreicht und nicht durch eine gebrochene Psyche im Hinterland. Beide Hauptstädte hielten weit mehr aus, als man ihnen vor dem Krieg zugetraut hatte. Dasselbe Szenario kann sich durchaus auch hier wiederholen: Moskau kann Angriffe auf Belgorod oder Kursk möglicherweise genauso lange aushalten, wie Teheran Saddams Raketen aushielt.

Doch es gibt einen wesentlichen Unterschied, und gerade er gibt Anlass zur Hoffnung. Im Iran und im Irak wurden die Entscheidungen über Krieg und Frieden von Diktatoren getroffen, für die das Leiden des eigenen Hinterlandes niemals das entscheidende Argument war. Ayatollah Khomeini und Saddam Hussein hielten den Preis für akzeptabel, solange die Armee die Front hielt. Putins Regime beruht auf derselben Logik der Gleichgültigkeit gegenüber dem Schmerz anderer. Doch es stützt sich zugleich auf den Mythos der eigenen Unantastbarkeit, auf die Überzeugung des russischen Durchschnittsbürgers, Krieg sei etwas, das irgendwo weit entfernt, mit jemand anderem geschieht. Für die Russen ist Krieg nur das, was auf ihrem eigenen Territorium geschieht; genau daraus entstand das Datum des 22. Juni 1941, obwohl der Zweite Weltkrieg unter Beteiligung der Armee der Sowjetunion damals bereits in vollem Gange war. Es ist also gerade der Mythos der Unantastbarkeit und nicht der Kampfgeist der Armee, der jedes Mal zerstört wird, wenn Belgorod genauso brennt wie Odesa.

Es gibt hier noch eine weitere Dimension, die es vor vierzig Jahren am Persischen Golf nicht gab. Der Iran-Irak-Krieg blieb im Grunde eine Privatangelegenheit zweier Diktaturen – die Welt schaute la zu, lieferte mitunter sogar beiden Seiten gleichzeitig Waffen, hatte aber kein unmittelbares Interesse an diesem Krieg, solange die Schifffahrt im Golf selbst nicht betroffen war. Der russisch-ukrainische Krieg ist anders: Der Ukraine hilft eine Koalition von Demokratien, die Technologien für weitreichende Angriffe liefert. Schon die Symmetrie selbst – die Tatsache, dass die Ukraine nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch im Luftraum des Gegners antworten kann – wird für die westlichen Partner zu einem zusätzlichen Argument für die Fortsetzung ihrer Unterstützung.

Raketenlieferungen lassen sich leichter begründen, wenn die Waffen nicht nur eine Offensive aufhalten, sondern die Kalkulationen des Feindes tatsächlich verändern. Die Symmetrie der Städte ist nicht nur psychologischer Druck auf Moskau, sondern auch eine politische Ressource Kyivs in den Verhandlungen mit den eigenen Verbündeten.

Putin begann diesen Krieg in der Überzeugung, dass nur ukrainische Städte brennen würden. Jetzt brennen auch St. Petersburg, Tscheboksary, Woronesch, Belgorod und sogar Moskau selbst. Das bringt die Kapitulation des Kremls noch nicht näher: Die Geschichte des Iran und des Irak lehrt, sich darauf nicht zu verlassen. Aber es zerstört die zentrale Illusion, auf der Russlands Bereitschaft beruhte, den Krieg endlos fortzusetzen – die Illusion der Straflosigkeit.


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Titel des Originals: Війна міст. Віталій Портников. 10.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 10.08.2026.
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Die ukrainischen Streitkräfte haben das größte Lager von Wildberries zerstört | Vitaly Portnikov. 16.08.2026.

Nach einem ukrainischen Angriff brennt ein weiteres Lager des Unternehmens Wildberries. Diesmal betrifft dieser gewaltige Brand jedoch den größten und wichtigsten Logistik-Hub des Unternehmens in der Region Moskau mit einer Fläche von mehr als 229.000 m².

Es geht um tatsächlich erhebliche logistische Schäden für ein Unternehmen, das danach wohl kaum in der Lage sein wird, die schnelle Auslieferung von Waren nicht nur innerhalb der Russischen Föderation, sondern auch in andere ehemalige Sowjetrepubliken fortzusetzen, die wirtschaftliche Beziehungen zu Moskau unterhalten, vor allem nach Belarus und Kasachstan.

Wie Beobachter betonen, wurden über dieses Lager die teuersten Warenkategorien abgewickelt. Deshalb könnte es ein zuverlässiges Lager für Dual-Use-Elektronik gewesen sein, für jene Ersatzteile für Drohnen und Komponenten ihrer Konstruktion, die in den Rüstungsbetrieben der Russischen Föderation benötigt werden.

Und ja, dies ist eine der realen Möglichkeiten, die russische Wirtschaft weiter zum Stillstand zu bringen. Denn die Marktplätze von Wildberries sind eines der wichtigsten Instrumente, die es der russischen Wirtschaft ermöglichen, so zu funktionieren, als gäbe es die westlichen Sanktionen überhaupt nicht, und finanzielle Beschränkungen mithilfe von Lieferungen aus den Ländern des Globalen Südens, vor allem aus der Volksrepublik China, zu umgehen.

Je mehr Kapazitäten von Wildberries zerstört werden können, desto größer werden die Probleme für die russische Wirtschaft sein, desto geringer werden die Einnahmen in den Staatshaushalt der Russischen Föderation ausfallen und desto schneller werden Putin und andere russische Führungskräfte auf den Gedanken kommen, dass man den Krieg vielleicht nicht beenden, aber zumindest unterbrechen sollte, um das wirtschaftliche Potenzial der Russischen Föderation wiederherzustellen und soziale Erschütterungen zu verhindern.

Gleichzeitig muss man natürlich auch die Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes der Russischen Föderation angreifen. Ich habe bereits mehrfach gesagt, dass gerade die Zerstörung der russischen Rüstungsproduktion ebenfalls ein wichtiger Bestandteil unseres Kampfes für ein Ende des Krieges ist.

Und heute berichtete der ukrainische Generalstab, dass es gelungen sei, das Unternehmen „Kombinat Kamenski“ in der Region Rostow der Russischen Föderation zu treffen. Gerade dieses Kombinat produzierte festen Raketentreibstoff, der für jene Raketen benötigt wird, die von den Streitkräften der Russischen Föderation weiterhin für Angriffe auf zivile Wohnviertel ukrainischer Städte eingesetzt werden, zur Vernichtung ukrainischer Bürger, zur Tötung von Frauen und Kindern, also für all das, was das Hauptziel des Präsidenten der Russischen Föderation Putin, seiner Armee und seiner Gesellschaft in diesem ungerechten und grausamen Krieg ist.

Deshalb müssen sowohl die Angriffe auf Wildberries als auch die Angriffe auf Rüstungsbetriebe und auf die russische Petrochemie, die ebenfalls einen wichtigen Beitrag zu den Einnahmen des Staatshaushalts der Russischen Föderation leistet, zu einem Gesamtkomplex von Maßnahmen werden, der in Zukunft zum Beginn nicht mehr vorgetäuschter, sondern realer Verhandlungen über ein Ende des Krieges zwischen Russland und der Ukraine führen könnte – oder zu einem Abflauen dieses Krieges unter Bedingungen, unter denen die russische Führung keine Möglichkeiten mehr hat, ihn fortzusetzen.

Und natürlich müssen dabei Angriffe auf Marktplätze einen der vordersten Plätze einnehmen, denn ohne Geld kann niemand einen Krieg führen. Und hier hat die Ukraine gegenüber der Russischen Föderation gerade deshalb einen Vorteil, weil wir in diesem Krieg die Unterstützung westlicher Länder in Anspruch nehmen, die erkennen, dass es notwendig ist, die russische Wirtschaft zu besiegen, wenn schon nicht Russland selbst, das wirtschaftliche und militärische Potenzial Russlands zu zerstören und die Russische Föderation in ein Land zu verwandeln, das nicht mehr in der Lage sein wird, seine Nachbarn zu bedrohen.

Es ist unmöglich, die öffentliche Meinung in Russland zu verändern, die durch die chauvinistische Entwicklung des Staates während der vergangenen schändlichen Jahrhunderte der Aggression, der Überfälle und der Gewalt buchstäblich vergiftet wurde, aber es ist möglich, die russische Wirtschaft zu zerstören. Menschen der älteren Generationen wissen sehr gut, wie das geschieht, und erinnern sich daran, wie die Wirtschaft der Sowjetunion zerstört wurde.

Und das menschenverachtende Imperium hörte zu unserer Freude im Strudel wirtschaftlicher Schwierigkeiten und sozialer Probleme auf zu existieren, konnte seine schreckliche Ideologie nicht bewahren und verlor auf diesem Weg die Kommunistische Partei, obwohl es das Komitee für Staatssicherheit bewahrte, das sich auf dem Territorium Russlands in den Föderalen Sicherheitsdienst der Russischen Föderation verwandelte. Später ergriff dieses umbenannte bolschewistische Organ die gesamte Macht in Russland und schlug den Weg zur Wiederherstellung des Imperiums mit militärischen Mitteln ein.

Genau an diesem historischen Punkt befinden wir uns jetzt. Und um aus ihm herauszukommen, müssen wir dem FSB die Macht nehmen und diese Struktur durch wirtschaftliche Erschütterungen zerstören, so wie seinerzeit die Kommunistische Partei durch wirtschaftliche und soziale Erschütterungen zerstört wurde.

Den Weg zu einer solchen Destabilisierung, die Rezepte dafür, wie man repressive Strukturen zerstört, indem man ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten vernichtet und diejenigen, die zu Geiseln solcher Strukturen werden, zu wirtschaftlichen Bettlern der zivilisierten Welt macht, kennen wir sehr gut gerade aus den letzten Jahren der sowjetischen Erfahrung.

Und um den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, um Putin, seine Bande und seine Bürger zu zwingen, auf die Aggression zu verzichten, muss diese Erfahrung, ein aggressives Land in ein Gebiet zu verwandeln, das von „Bush-Beinchen“ träumt – nun, heute könnten es „Trump-Beinchen“ sein –, in ein Gebiet, dessen Bewohner unter schwierigen Bedingungen zu überleben versuchen und nicht wissen, wie sie zurechtkommen sollen, genau der reale Weg sein, um den Frieden in die Häuser der Ukrainer zurückzubringen.

Und wenn ein weiterer Marktplatz von Wildberries brennt – und ich hoffe, dass auch andere Marktplätze brennen werden – und wenn sich der durchschnittliche Russe rasch eben jener ersehnten sowjetischen Armut nähert, dann sehe ich darin gerade einen Weg zum Frieden. Denn wenn eine Gesellschaft in den Augen anderer aggressiv erscheint – genau so erschien die erbärmliche sowjetische Gesellschaft, und genau so erscheint die russische Gesellschaft –, dann muss man ihr die Kapazitäten und das Geld nehmen, die es ihr ermöglichen, ihre Aggression in die Tat umzusetzen, die es ihr ermöglichen zu töten, zu schießen, zu vergewaltigen und zu bombardieren. Genau damit beschäftigen sich unsere Streitkräfte.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: ЗСУ знищили найбільший склад Wildberries| Віталій Портников. 16.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 16.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Steh auf, mein Volk, steh auf!/ Повстань, повстань, народе мій!

Schon naht der Tag der Volksvergeltung,
die Stunde der Gericht’.
Es gibt auf Erden keine Macht,
die unsern Willen bricht!

Refrain:
Steh auf!
Steh auf, mein Volk, steh auf!
Greif zu den Waffen, schnell!
Der Volkskrieg zieht durchs ganze Land,
der heil’ge Kampf lodert hell!
Steh auf!
Steh auf, mein Volk, steh auf!
Greif zu den Waffen, schnell!
Den Okkupanten unterm Fuß
brenn unsre Erde hell!

Wir ziehn zum Kampf mit unserm Feind,
mit seinen wilden Scharen.
Wir glauben fest, wir werden bald
das Land von ihnen befreien

Refrain:
Steh auf!
Steh auf, mein Volk, steh auf!
Greif zu den Waffen, schnell!
Der Volkskrieg zieht durchs ganze Land,
der heil’ge Kampf lodert hell!
Steh auf!
Steh auf, mein Volk, steh auf!
Greif zu den Waffen, schnell!
Den Okkupanten unterm Fuß
brenn unsre Erde hell!

Nicht Knechtschaft, Fron und Sklaverei,
nicht Reiches Kerkerloch!
Wir kämpfen gegen Kremlmacht,
gegen Moskaus Joch!

Refrain:
Steh auf!
Steh auf, mein Volk, steh auf!
Greif zu den Waffen, schnell!
Der Volkskrieg zieht durchs ganze Land,
der heil’ge Kampf lodert hell!
Steh auf!
Steh auf, mein Volk, steh auf!
Greif zu den Waffen, schnell!
Den Okkupanten unterm Fuß
brenn unsre Erde hell!

1919


Вже день і йде народної
Розплати кари час.
Немає сили жодної,
Щоб стримувала нас!

Приспів:
Повстань!
Повстань, народе мій!
Берись за зброю вмить!
Іде війна народная,
Священний бій кипить!
Повстань!
Повстань, народе мій!
Берись за зброю вмить!
Нехай під окупантами
Завжди земля горить!

Ми йдемо в бій із ворогом —
Полками орд чудних.
Ми віримо, що зможемо
Звільнити край від них!

Приспів.

Не нам неволя й панщина
Й імперськая тюрма!
Б'ємось проти кремлівського
Московського ярма!

Приспів.

1919


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Art der Quelle: Lied
Titel des Originals: Повстань, повстань, народе мій!
Autor: Volkslied
Entstehung: 1919
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Lied-Sammlung
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Deutsche Übersetzung von KI und Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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„Chartija“ einigt sich mit Jermak | Vitaly Portnikov. 15.08.2026.

Das Zweite Korps der Nationalgarde „Chartija“ hat sich dem Programm „Advokat Plus“ angeschlossen, das vom ehemaligen Leiter des Präsidialamtes der Ukraine, Andrij Jermak, ins Leben gerufen wurde.

Diese Information hat bereits eine ernsthafte Diskussion ausgelöst. Der Soldat und Schriftsteller Serhij Zhadan verurteilte diese Entscheidung entschieden und verglich Jermak als Anwalt mit Medwedtschuk als Anwalt, wobei er betonte, dass „Chartija“ diese Entscheidung erklären müsse. Der Soldat Serhij Hnisdilow wiederum wies darauf hin, dass „Advokat Plus“ tatsächlich eine gute Initiative sei. Und für Militärangehörige, die nicht sehr häufig mit kostenloser juristischer Betreuung rechnen können, ist ein solches Programm tatsächlich wichtig – unabhängig von den Namen, die mit seiner Gründung verbunden sind.

Meiner Ansicht nach äußerte sich jedoch der Kommandeur von „Chartija“, Oberst Ihor Obolensky, am offensten über die Ziele des Beitritts zum Programm „Advokat Plus“. Er betonte, dass gerade Andrij Jermak derjenige gewesen sei, der die Schaffung von „Chartija“ in ihrer heutigen Form unterstützt habe. Und das dürfe man nicht vergessen.

Und genau an diesem Punkt möchte ich mit der Erklärung jener Gründe beginnen, die dazu geführt haben könnten, dass „Chartija“ in die Liste jener Militäreinheiten aufgenommen wurde, die beschlossen haben, sich dem Programm „Advokat Plus“ anzuschließen. Als jemand, der, wie man sagen kann, in einem anwaltlichen Umfeld geprägt wurde, weiß ich genau, dass es drei Arten von Anwälten gibt.

Die erste sind Menschen, die tatsächlich das gesamte Handwerk dieses Berufs beherrschen, die die Gesetze gut kennen, die wissen, wie man vor Gericht auftritt, die mit einer Anklage umzugehen und den notwendigen Eindruck auf das Gericht zu machen verstehen und die auf diese Weise gerade durch ihr Können und ihr Talent ihren Mandanten helfen können.

Man muss allerdings der Wahrheit ins Auge sehen: In den Ländern des postsowjetischen Raums wird eine solche Professionalität nicht geschätzt und ist auch nicht effektiv. Wie bei den meisten Berufen, die es in unserem Land und in anderen ehemaligen Sowjetrepubliken gibt, wo es mit der Justiz, gelinde gesagt, unterschiedliche, aber eben Probleme gibt.

Es gibt eine zweite Art von Anwälten. Das sind Menschen, die in der Lage sind, der richtigen Person – einem Ermittler oder einem Richter – ein Bestechungsgeld zukommen zu lassen und auf diese Weise die Angelegenheit zugunsten des Mandanten zu regeln, wie auch immer die Anschuldigungen lauten mögen. Dies ist seit ungefähr den 1990er-Jahren der in der Ukraine und im postsowjetischen Raum am weitesten verbreitete Typ von Vertretern des Anwaltsberufs.

Allerdings kann man sagen, dass eine solche anwaltliche Tätigkeit heute zunehmend hinter den Möglichkeiten einer dritten Art von Anwälten zurücktritt: Anwälten, die über entsprechende Verbindungen zur Staatsmacht verfügen. Und die Staatsmacht wiederum hat einen offensichtlichen und unmittelbaren Einfluss auf das Justizsystem. Genau dies ist das Prinzip der Rechtsprechung in den ehemaligen Sowjetrepubliken.

Man kann sagen, dass nach 2019, nach der Errichtung eines personalistischen Machtsystem in der Ukraine, der Aufbau genau solcher Beziehungen zwischen Staatsmacht und Justiz bei uns in ziemlich raschem Tempo voranschreitet. Und deshalb ist die Bedeutung eines Menschen, der zugleich Anwalt ist und über die notwendigen Verbindungen zur Staatsmacht verfügt, weitaus größer als anwaltliches Können oder sogar die Fähigkeit, der richtigen Person Bestechungsgelder zukommen zu lassen.

Andrij Jermak verkörpert solche korporativen Verbindungen. Der ehemalige Leiter des Präsidialamtes der Ukraine, der selbst die notwendigen Personen auf wichtige Posten in jenen staatlichen Strukturen setzte, die unmittelbar mit Präsident Volodymyr Zelensky verbunden sind; der ehemalige Favorit Volodymyr Zelenskys, der Medienberichten zufolge wichtige Kontakte zum Staatsoberhaupt bewahrt haben und weiterhin Einfluss auf die grundlegendsten Entscheidungen Volodymyr Zelenskys nehmen könnte.

Es liegt auf der Hand, dass, wenn es um die Wahl eines Rechtsbeistands geht, wenn man an die Interessen der Brigade denkt, gerade ein solcher Mensch mit Verbindungen für das Kommando von „Chartija“ wichtig sein kann. Denn wenn sich die Führung von „Chartija“ daran erinnert, dass gerade der Leiter des Präsidialamtes das Staatsoberhaupt davon überzeugt hat, „Chartija“ als ernsthaftes und zukunftsträchtiges Projekt zu betrachten, dann bedeutet das, dass er auch weiterhin Volodymyr Zelensky davon überzeugen kann, Entscheidungen zu treffen, die das Militär für wichtig und notwendig hält.

Hier geht es nicht einmal um anwaltliche Unterstützung, hier geht es um freien Zugang zu korporativen Verbindungen und um einen direkten Zugang zur ersten Person im Staat ohne Vermittler. Und offensichtlich werden jene militärischen Verbände, die sich einen solchen direkten Zugang zum Präsidenten der Ukraine oder zu anderen hochrangigen Beamten sichern können, die im Staat Entscheidungen treffen, in einer komfortableren Lage sein als jene militärischen Verbände, die über solche Beziehungen nicht verfügen. Und damit könnte die Zusammenarbeit von „Chartija“ mit Andrij Jermak zusammenhängen – und nicht nur die von „Chartija“.

Wie wir sehen, spricht der Kommandeur von „Chartija“ nicht über die Bedeutung gerade der anwaltlichen Hilfe, sondern über die Bedeutung der Verbindungen zum ehemaligen Leiter des Präsidialamtes und erinnert an die Rolle, die Andrij Jermak bei der Schaffung von „Chartija“ gespielt hat. Deshalb braucht es keine überflüssigen Illusionen und keine überflüssigen Diskussionen. Wenn wir bereit sind, ein System der Staatsführung zu akzeptieren, das ein typisches postsowjetisches personalistisches System ist, ein System, in dem alle Entscheidungen von der ersten Person getroffen werden und andere staatliche Strukturen ohne deren grundsätzliche Position keinerlei Entscheidungen treffen werden; wenn wir ein Machtsystem akzeptieren, in dem die Justiz unmittelbar von der Position der ersten Person und den Managern dieser ersten Person abhängt – warum sollten wir uns dann darüber wundern, dass jeder, der an positiven Entscheidungen für seine militärische oder zivile Formation interessiert ist, nach den notwendigen Verbindungen im Präsidialamt der Ukraine und natürlich nach einem Zugang zur ersten Person selbst suchen muss?

Wenn ein solches System existiert, dann werden diejenigen, die innerhalb des Systems der Staatsmacht und innerhalb des Systems der Streitkräfte der Ukraine tätig sind, nach seinen Regeln handeln. Und wenn wir wollen, dass es anders ist, dass die Ukraine den Nachbarländern im Westen ähnlicher ist als den Nachbarländern im Osten, dann müssen wir darüber nachdenken, wie dieses System verändert werden kann und wie es dazu kommen konnte, dass wir im 35. Jahr der Unabhängigkeit mit unserem Machtsystem einfach wieder an eine ganz gewöhnliche, lediglich umbenannte Sowjetrepublik erinnern.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: «Хартія» домовляється з Єрмаком | Віталій Портников. 15.08.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 15.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Die ukrainischen Streitkräfte haben die Region Dnipropetrowsk befreit | Vitaly Portnikov. 15.08.2026.

Die Verteidigungskräfte der Ukraine haben einen Teil der Region Dnipropetrowsk befreit, in dem sich die Truppen der Besatzer befanden. Tatsächlich ist dies ein sehr wichtiges Ereignis, nicht nur im Hinblick auf das, was im Krieg geschieht, sondern auch aus politischer Sicht.

Denn was bedeutet für den Feind ein Teil des Territoriums irgendeiner Region der Ukraine? Es ist nicht nur die Möglichkeit, seine Positionen für die Besetzung der bereits formell annektierten ukrainischen Regionen zu verbessern. Es ist auch die Vorbereitung einer neuen Annexion.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass, als sich die Verteidigungskräfte der Ukraine auf die Befreiung der Region Charkiw vorbereiteten, auf dem besetzten Gebiet dieser ukrainischen Region, im sogenannten provisorischen Verwaltungszentrum Kupjansk, bereits die Durchführung eines Referendums vorbereitet wurde, um die Region Charkiw zu einem unabhängigen Staat zu erklären, so wie es später mit den Regionen Saporischschja und Cherson geschah, mit dem gleichzeitigen Beitritt der Region Charkiw als unabhängiger Staat zur Russischen Föderation.

Die Russen brauchen das, weil ihre eigene Verfassung und Gesetzgebung den Anschluss von Territorien anderer Staaten an Russland kategorisch verbieten. Deshalb greift Putin ständig zu offenkundigen Lügen, erklärt ukrainische Gebiete zu unabhängigen Staaten, und anschließend treten diese unabhängigen Staaten der Russischen Föderation bei, allerdings ohne jedes Recht auf einen Austritt, denn selbst Gespräche über eine Abtrennung von Föderationssubjekten von der Russischen Föderation werden in Russland strafrechtlich verfolgt.

Und natürlich wollten die Russen genau diesen Trick auch in der Region Charkiw anwenden. Die Operation der ukrainischen Streitkräfte hat ihnen diese Möglichkeit genommen. Aber die Kämpfe um Kupjansk dauern bis heute an, weil Putin seinen Wunsch nicht aufgegeben hat, die Region Charkiw zu einer Region der Russischen Föderation zu erklären.

Und als die Russen in die Region Dnipropetrowsk eindrangen, war auch dies Teil der Vorbereitung eines solchen Referendums mit anschließender Annexion der Region Dnipropetrowsk und der Aufnahme in die russische Verfassung, dass die Region Dnipropetrowsk ein Subjekt der Russischen Föderation sei.

Wozu, wenn es doch nur um ein geringfügiges Gebiet einer ukrainischen Region geht? Dazu, um so vorzugehen, wie es beispielsweise mit den Regionen Donezk und Luhansk gemacht wurde: Putin erklärte diese Gebiete zu sogenannten Volksrepubliken, gliederte sie in die Russische Föderation ein und verlangt nun von Kyiv, dass die ukrainischen Truppen den nicht von Russland kontrollierten Teil der Regionen Donezk und Luhansk verlassen.

Einfach, um Verhandlungen über einen möglichen Waffenstillstand in dem seit vielen Jahren andauernden Krieg zu führen. Wie wir verstehen, würde, wenn irgendein Referendum in der Region Dnipropetrowsk stattfindet, auch die Region Dnipropetrowsk zu einem solchen Bestandteil der Forderungen des Kremls werden.

Ganz zu schweigen davon, dass selbst dann, wenn Kyiv dem Abzug seiner Truppen aus jenen Gebieten, die Russland formell annektiert hat, nicht zustimmt und ein Waffenstillstand ausgerufen wird, dies noch lange keinen Schlusspunkt unter den Krieg setzt. Es bedeutet, dass der Krieg vorübergehend eingefroren ist, die Russische Föderation jedoch weiterhin die Gebiete jener Regionen, die sie annektiert hat, als vorübergehend von der Ukraine besetzt betrachtet und erklärt, dass sie bereit ist, Anstrengungen zu unternehmen, um diese Gebiete unter russische Kontrolle zu bringen.

Genau auf diese Weise wurde übrigens während der Verhandlungen amerikanischer Vermittler mit Putin vorgeschlagen, einen Waffenstillstand im russisch-ukrainischen Krieg auszurufen. Es war auch eine amerikanische Idee, dass die ukrainischen Truppen die Gebiete der Regionen Donezk und Luhansk verlassen könnten, während der Konflikt in den Regionen Saporischschja und Cherson für eingefroren erklärt würde. Dabei würden jedoch weder die Ukraine noch Russland die Idee aufgeben, im ukrainischen Fall die Kontrolle über jene Gebiete wiederherzustellen beziehungsweise im russischen Fall jene Gebiete zu erobern, in denen sich ihre Truppen nicht befinden.

Und auf diese Weise wird der Krieg, selbst wenn man sich irgendwelche Vereinbarungen über einen Waffenstillstand vorstellt, ausschließlich als aufgeschobenes Ereignis wahrgenommen und kann von der Russischen Föderation als wichtiges Instrument zur Einflussnahme auf die Ukraine und die Ukrainer eingesetzt werden, beispielsweise bei beliebigen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in unserem Land.

So wie es beispielsweise in Georgien geschieht, wo alle sehr gut verstehen, dass nach der Anerkennung Abchasiens und Südossetiens als unabhängige Staaten durch Russland selbst jeder Gedanke in Tiflis an die Wiederherstellung der territorialen Integrität ein Schritt in Richtung eines aufgeschobenen Krieges ist. Und deshalb braucht es eine Führung, die garantiert, dass zumindest von georgischer Seite niemals Anstrengungen zur Wiederherstellung der territorialen Integrität des Landes unternommen werden. Von russischer Seite hingegen kann alles Mögliche geschehen.

Ja, bei uns ist die Situation noch komplizierter, weil Russland während des letzten Krieges mit Georgien seine Kontrolle über Abchasien und Südossetien innerhalb der administrativen Grenzen dieser Regionen errichtete. Im ukrainischen Fall hingegen gelingt es Russland nicht, die Kontrolle über die Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja innerhalb ihrer administrativen Grenzen zu erlangen.

Und die Russen wollen im Gegenteil auch noch Gebiete der Regionen Charkiw und Dnipropetrowsk hinzufügen. Das ist die berühmte Salamitaktik, mit der Putin versucht, die Misserfolge seiner Streitkräfte in der ersten Phase des jahrelangen, endlosen russisch-ukrainischen Krieges, die Misserfolge des Blitzkriegs, zu kaschieren.

Deshalb bedeutet es jedes Mal, wenn die Verteidigungskräfte der Ukraine den Feind auch nur aus einem kleinen Gebiet irgendeiner ukrainischen Region vertreiben, in dem dieser Feind bis dahin geherrscht hat, dass sie die Bewohner dieser Region, alle Bewohner der Regionen Dnipropetrowsk oder Charkiw, vor der Gefahr bewahren, dass die Russische Föderation die Annexion verkündet, diese Region zu einem Teil der Russischen Föderation erklärt und diese Region zum Gegenstand dauerhafter politischer Ansprüche nicht nur Putins, sondern, wie wir verstehen, auch von Putins Nachfolgern wird. Denn auch seine Nachfolger können sich an den Wortlaut der Verfassung der Russischen Föderation halten, die im Grunde ein Dokument des Raubes fremder Gebiete ist und keineswegs ein Dokument, das auch nur irgendwie mit dem modernen Völkerrecht verbunden wäre.

Deshalb möchte ich uns allen dazu gratulieren, dass die Region Dnipropetrowsk frei ist vom chauvinistischen, imperialistischen Geist einer der abscheulichsten und widerwärtigsten Armeen der modernen Welt und eines der terroristischsten Staaten auf der politischen Landkarte des 21. Jahrhunderts.

Wo der russische Feind nicht ist, dort scheint die Sonne und die Menschen denken an die Zukunft. Wo er ist, herrscht schwarze Finsternis und die Vorbereitung immer neuer Verbrechen, mit denen allein die terroristische Föderation ihre staatliche Macht unter Beweis stellen kann.


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Titel des Originals: ЗСУ звільнили Дніпропетровщину | Віталій Портников. 15.08.2026.
Autor/Kanal: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 15.08.2026.
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Russland lehnt einen Waffenstillstand ab | Vitaly Portnikov. 15.08.2026.

Der Außenminister der Russischen Föderation Sergej Lawrow hat selbst die Möglichkeit einer Erörterung der Frage eines Waffenstillstands entlang der Kontaktlinie zwischen den russischen und ukrainischen Truppen kategorisch zurückgewiesen. Mehr noch: Lawrow begann jenen im Westen zu drohen, die der Ukraine weiterhin helfen, gegen die russische Aggression zu kämpfen, und betonte zufrieden, dass man dort bereits zu stöhnen beginne.

Diese Antwort des russischen Außenministers war zugleich eine Reaktion auf die öffentlichen Äußerungen vieler Politiker, selbst solcher, die der russischen Führung nahestehen, über die Notwendigkeit, den Krieg zu beenden. „So wird es nicht sein“, betonte Lawrow und reagierte damit im Grunde auf die jüngste Erklärung des kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew, der in Anwesenheit des russischen Präsidenten Putin die Notwendigkeit betonte, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, und die Frage nach den Ursachen für den Beginn dieser Tragödie stellte.

Wie wir sehen, gibt es keinerlei reale Anzeichen, die auf den Wunsch der Russen hindeuten könnten, auch nur ansatzweise zu irgendeinem Verhandlungsprozess zurückzukehren. Am selben Tag wie Lawrows Äußerungen hörten wir auch Erklärungen seiner Untergebenen, der Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa, die dem türkischen Außenminister Hakan Fidan die Möglichkeit eines Waffenstillstands auf See kategorisch verweigerte und nicht nur die Notwendigkeit eines solchen Waffenstillstands für Russland selbst, sondern auch die Haltung der Türkei ziemlich skeptisch charakterisierte, die, wie Sacharowa betonte, die ukrainischen Angriffe auf russische Schiffe nicht verurteilt.

Das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation betonte gleichzeitig, dass es beabsichtige, die Ukraine in diesem Winter erfrieren zu lassen und die Angriffe auf das feindliche Land zu verstärken, das weiterhin das Hauptziel für den russischen Präsidenten Putin, seine Armee und die chauvinistisch aufgeladene Gesellschaft bleibt.

All diese Erklärungen und die Art und Weise, wie Lawrow die Notwendigkeit des Krieges begründet – er ist bereits so weit gegangen, die Notwendigkeit einer Fortsetzung des Krieges mit dem sogenannten Andenken an die Vorfahren zu begründen und den Russen zu raten, sich keine Sorgen darüber zu machen, dass der Krieg in ihre Häuser gekommen ist, weil es um die Geschichte Russlands und seine staatlichen Möglichkeiten gehe –, all das zeugt davon, dass das russische Regime die Eskalation endgültig als Instrument seines Drucks sowohl auf die Ukraine und ihr Volk als auch auf die westlichen Partner gewählt hat.

Aus dieser Perspektive gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass angesichts derart harter Äußerungen russischer Beamter die Bemühungen der Vereinigten Staaten um eine Wiederaufnahme der Verhandlungen, von denen der Leiter des amerikanischen Außenministeriums Marco Rubio vor Kurzem gesprochen hat, zu irgendwelchen realistischen Ergebnissen führen könnten. 

Selbst wenn man sich vorstellt, dass die amerikanischen Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner, die damit beschäftigt sind, dass es ihnen nicht gelingt, die Probleme im Nahen Osten zu lösen, ihre vergeblichen Bemühungen in dieser Region unterbrechen und tatsächlich mit neuen Initiativen nach Kyiv und Moskau reisen werden, ist klar, dass die Russische Föderation sämtliche Vorschläge und Erklärungen, die sie von den amerikanischen Vermittlern hören wird, mit Sarkasmus aufnehmen wird.

Deshalb muss man die Realität so wahrnehmen, wie sie ist, und nicht so, wie sie uns von Beamten in Washington oder Kyiv dargestellt wird. Man darf die Augen vor dem Wunsch des russischen Regimes, den Krieg fortzusetzen, nicht verschließen, weil es sich nicht lohnt, darauf zu hoffen, dass das Putin-Regime unter Bedingungen, in denen der Krieg in die Häuser der Russen eingezogen ist und sich die Geografie dieses Krieges auf dem Territorium Russlands selbst in den kommenden Jahren der Konfrontation nur noch ausweiten wird, etwas anderes als Eskalation und Verschärfung der Konfrontation wählen könnte. Denn in dieser Eskalation, in dieser Konfrontation liegt gewissermaßen das Rezept für das Überleben dieses autoritären Regimes, das sich vom Krieg nährt und gerade dank des Krieges den Autoritarismus der jüngeren Vergangenheit in einen brutalen und schändlichen Autoritarismus und Totalitarismus verwandeln konnte. Jede Rakete, die auf Kyiv fliegt, bietet die Möglichkeit, in Moskau die Schrauben immer fester anzuziehen.

Aus dieser Perspektive sollte man die Erklärung Sergej Lawrows wohl kaum ausschließlich als Propagandadokument betrachten. Sie könnte den Standpunkt des russischen Präsidenten selbst widerspiegeln sowie Putins Bestreben, den russisch-ukrainischen Krieg auszuweiten, um den Russen selbst zu zeigen, dass die Gefahr buchstäblich auf Schritt und Tritt auf sie lauert und dass Russland tatsächlich einen Krieg gegen den sogenannten kollektiven Westen führt.

In diese Politik des russischen Präsidenten fügt sich auch der Angriff mit einem Marschflugkörper auf polnisches Territorium ein, unweit eines Werks, das Produkte für die ukrainischen Verteidigungskräfte herstellte. Ebenso die inzwischen systematischen Sabotageakte in Rüstungsbetrieben westlicher Länder: vor Kurzem in Bulgarien, jetzt in Italien. Und natürlich Putins Reise auf die Kurilen, die erste in den 27 Jahren, in denen der russische Machthaber die Ämter des Regierungschefs und des Präsidenten der Russischen Föderation bekleidet.

Das heißt, Moskau will nicht nur die Konfrontation mit den europäischen Verbündeten der Vereinigten Staaten, sondern auch mit den asiatischen. Aus dieser Perspektive kann man sagen, dass wir bereits sehen: Putin will gemeinsam mit der Volksrepublik China eine gemeinsame Politik der Konfrontation und des Kampfes gegen den Westen betreiben. Und zwar nicht nach dem Prinzip: „Ihr werdet die Konfrontation in Europa verschärfen, und wir werden die Konfrontation in Asien verschärfen.“ So könnte es aus der Perspektive Pekings aussehen. Aus der Perspektive Moskaus könnte es hingegen so aussehen: „Wir werden gemeinsam die Konfrontation in Asien verschärfen. Und ihr, liebe chinesische Freunde, helft uns bitte dabei, die Konfrontation in Europa zu verschärfen.“

Lawrows Erklärungen, in denen er die Möglichkeit zurückweist, nach Wegen zu einem Waffenstillstand oder auch nur zu einer Wiederaufnahme der Diplomatie im russisch-ukrainischen Krieg zu suchen, bestärken nur in der Überzeugung, dass der Kreml heute genau diese, für die Welt noch gefährlichere Eskalationslinie gewählt hat, die mit der Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges verbunden ist.


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Titel des Originals: Росія відмовляється від перемирʼя | Віталій Портников. 15.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 15.08.2026.
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Plattform / Quelle: YouTube15.08.2026.
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