Eines der Hauptthemen des Aufenthalts des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky in Washington und seiner Gespräche mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, war die Lieferung von Raketen für die Patriot-Batterien an die Ukraine, um der russischen Bedrohung durch ballistische Raketen entgegenzutreten – insbesondere vor der Wintersaison, wenn Russland wie gewohnt versuchen wird, der ukrainischen Energieinfrastruktur schwere Schäden zuzufügen.
Bekanntlich hatte der Präsident der Vereinigten Staaten während des vorherigen Treffens des ukrainischen und des amerikanischen Präsidenten am Rande des NATO-Gipfels in Ankara seinem ukrainischen Amtskollegen überraschend zugesagt, Lizenzen für die Produktion von Patriot-Raketen entweder in der Ukraine selbst oder möglicherweise in einem der mit unserem Staat verbündeten Länder zu erteilen. Diese Entscheidung schockierte gewissermaßen den kollektiven Westen, der eine solche Wendung von Donald Trump nicht erwartet hatte.
Doch eine Lizenz für die Produktion zu versprechen, ist das eine – die Produktion tatsächlich aufzubauen, etwas völlig anderes. Beobachter gehen davon aus, dass dies im optimistischsten Fall bis zu einem Jahr dauern wird, im pessimistischsten drei bis fünf Jahre. Raketen für die Patriot-Batterien braucht die Ukraine jedoch – wie Präsident Zelensky völlig zu Recht betont – bereits seit gestern.
Die entscheidende Frage ist daher nicht, inwieweit Trump bereit sein wird, auf Zelenskys Vorschlag einzugehen, der davon spricht, dass die Ukraine zum Schutz ihres Luftraums bis zu 300 Patriot-Raketen benötigt. Die eigentliche Frage lautet vielmehr, ob Trump überhaupt in der Lage ist, eine solche Menge bereitzustellen – nicht wegen der politischen Lage, sondern wegen eines ganz banalen Mangels an verfügbarer Hardware.
Sie wissen, dass der amerikanische Präsident erst vor Kurzem gezwungen war, auf weitere Angriffe gegen den Iran zu verzichten, weil seine Militärs ihn warnten, dass eine neue Angriffswelle – sollte der Iran darauf reagieren – die Vereinigten Staaten selbst verwundbar machen könnte. In diesem Fall blieben sowohl die amerikanischen Stützpunkte am Persischen Golf als auch strategisch wichtige Einrichtungen der Verbündeten der Vereinigten Staaten ohne ausreichende Luftverteidigung. Das wiederum könnte eine dramatische Energiekrise weltweit auslösen.
Während der Operation Epische Wut blieben den Vereinigten Staaten nach Einschätzung von Beobachtern von ursprünglich 2.330 Patriot-Raketen nur noch 1.430. Dabei produzieren die Vereinigten Staaten lediglich etwa 60 bis 65 Raketen pro Monat, also rund 700 bis 800 pro Jahr. Derzeit greifen sie auf Raketen zurück, deren Produktion bereits im Jahr 2023 in Auftrag gegeben worden war.
So sehen die tatsächlichen Produktionskapazitäten aus. Und auch wenn Trump die Rüstungsunternehmen aufgefordert hat, die Herstellung von Abfangraketen zu beschleunigen, bedeutet das keineswegs, dass sich das Produktionstempo in den kommenden Monaten oder selbst in den nächsten Jahren tatsächlich verändern wird.
Noch komplizierter ist die Lage beim Raketenabwehrsystem THAAD. Von diesem System existieren derzeit überhaupt nur neun Batterien. Von den insgesamt 360 verfügbaren Raketen wurden nach Einschätzung von Experten zwischen 190 und 290 bereits verbraucht. Dieser Mangel macht die Vereinigten Staaten nicht nur gegenüber dem Iran verwundbar. Er macht sie beispielsweise auch gegenüber China anfällig, falls man sich in Peking entscheiden sollte, dass sich unter den gegenwärtigen Umständen eine günstige Gelegenheit bietet, Taiwan der Volksrepublik China einzugliedern.
Den Amerikanern würden schlicht die Möglichkeiten fehlen, auf aggressive Schritte Pekings in der Taiwanstraße angemessen zu reagieren, weil ihnen eigene Luftverteidigungssysteme zum Schutz ihrer Schiffe fehlen würden, die Taiwan zu Hilfe eilen könnten. Das ist die tatsächliche geopolitische Lage, die heute in der Welt entstanden ist.
Im Übrigen haben die Amerikaner keine große Hoffnung, ihre Bestände an Luftverteidigungssystemen rasch wieder auffüllen zu können. Die wichtigste Hoffnung in Washington besteht derzeit darin, dass dem Iran die Waffen ausgehen werden – insbesondere die eigenen Luftverteidigungssysteme, mit denen er sich gegen amerikanische Angriffe schützen könnte. Man geht davon aus, dass die Führung des iranischen Regimes früher oder später zu Vereinbarungen mit Washington gezwungen sein wird, weil ihr schlicht die Mittel zur Verteidigung fehlen werden.
Doch auch diese Annahme könnte durch die tatsächliche Entwicklung der Ereignisse widerlegt werden. Denn gerade heute wurde bekannt, dass die Volksrepublik China – ein Verbündeter des Iran – begonnen hat, Teheran mit Flugabwehrsystemen zu beliefern, die für den Wiederaufbau jenes Teils der iranischen Luftverteidigung benötigt werden, der während der Operation Epische Wut beschädigt worden ist.
Möglicherweise werden auch andere Verbündete des Iran, etwa die Russische Föderation oder Nordkorea, Teheran mit Abfangraketen unterstützen – wenn auch offensichtlich nicht in demselben Umfang wie die Volksrepublik China. Doch genau das wird Donald Trump, der weiterhin auf irgendwelche Vereinbarungen mit Xi Jinping und Putin hofft, kaum wahrhaben wollen.
Damit gestaltet sich die Lage für die Ukraine gerade wegen des Krieges am Persischen Golf tatsächlich äußerst schwierig. Zu hoffen, Trump könne das Problem der ukrainischen Luftverteidigung lösen – zumindest in dem Umfang, den wir benötigen, und in den Dimensionen, die Präsident Volodymyr Zelensky in Washington genannt hat –, ist vergeblich.
Man kann allenfalls darauf hoffen, dass sich Abfangraketen in anderen Staaten finden lassen, die derzeit weniger stark in militärische Auseinandersetzungen verwickelt sind und es sich leisten können, der Ukraine Patriot-Raketen zur Verfügung zu stellen. Doch die Zahl solcher Raketen nimmt ständig ab. Ebenso sinkt die Zahl der Länder, die nicht befürchten müssen, sich selbst verteidigen zu müssen. Zumal wir den Europäern selbst immer wieder sagen, dass der Krieg auch ihr eigenes Territorium erreichen könnte.
Gleichzeitig den Partnern zu erklären, dass auch sie irgendwann kämpfen werden, und sie gleichzeitig um Raketen zum Schutz der Ukraine zu bitten, ist – wie Sie verstehen – keine besonders überzeugende Methode diplomatischer Verhandlungen. Wir sehen bereits, wie das Thema der Patriot-Raketen in den Nachbarstaaten der Ukraine zunehmend politisch ausgeschlachtet wird, damit Regierungsvertreter, die einer Lieferung zustimmen, als Politiker dargestellt werden, denen ukrainische Interessen wichtiger seien als die eigenen nationalen Interessen.
Natürlich wäre es ebenfalls eine mögliche Lösung, der Ukraine nicht nur Abfangraketen, sondern Raketen zur Verfügung zu stellen, mit denen russische Fabriken zur Herstellung ballistischer Raketen sowie deren Abschussstellungen angegriffen werden könnten. Doch auch hier gibt es ein Problem. Die wirksamsten Raketen hierfür sind Tomahawk-Marschflugkörper – und auch deren Bestände haben sich während der Operation Epische Wut erheblich verringert.
Trump war schon früher nicht besonders geneigt, der Ukraine Tomahawk-Raketen für Angriffe auf das russische Kerngebiet zur Verfügung zu stellen. Selbst wenn er diese Möglichkeit heute erneut in Betracht ziehen wollte, könnte das US-Verteidigungsministerium erwidern, dass zunächst die Bestände dieser Raketen wieder aufgefüllt werden müssten. Bei den derzeitigen Produktionsraten werden die Vorkriegsbestände frühestens im Jahr 2031 wieder erreicht sein – erst danach könne man über die ukrainischen Bedürfnisse sprechen.
Wir können daher eindeutig feststellen, dass jede Bereitschaft, der Ukraine heute entgegenzukommen – sowohl bei der Lieferung von Patriot-Raketen und anderen Luftverteidigungsmitteln als auch bei Raketen für Angriffe auf die Russische Föderation –, eine komplizierte politische Angelegenheit ist.
Möglicherweise könnte gerade die militärisch-technische Zusammenarbeit zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten, bei der die Ukraine ihre Technologien zur Drohnenabwehr ohne den Einsatz von Patriot-Systemen sowie andere während des russisch-ukrainischen Krieges entwickelte Innovationen und Erkenntnisse weitergeben könnte, dazu beitragen, mit amerikanischen Militärs und Regierungsvertretern auf einer deutlich ernsthafteren Grundlage über diese heute so dringend benötigte und zugleich so knappe Unterstützung zu sprechen.
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Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Зеленський просить у Трампа Patriot | Vitaly Portnikov. 29.07.2027.
Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:29.07.2027. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
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Heute hat man mich getötet. Das Ungeheuer auf der anderen Seite der Grauzone zündete zufrieden eine Zigarette an. Es warf den Zigarettenstummel auf die vor Schmerz aufschreiende ukrainische Erde.
Aber der Reihe nach …
Am Anfang war die Kindheit. Und in ihr gab es gute Dinge – die Illusion, dass alles gut werden würde. Ich glaubte aufrichtig, dass die Sonne immer hell scheinen würde und die reifen Erdbeeren im Garten meiner Eltern ewig wachsen würden. Während ich sie aß, kostete ich jene Jahre aus, in denen man mir nicht einmal die Hälfte dessen erzählt hatte, wozu Menschen fähig sind. In der Illusion von Güte und Vertrauen konnte man sich eine Zeit lang fühlen wie Gott in Frankreich. Einfach deshalb, weil man nichts von der Existenz der Hölle auf Erden weiß.
Dann begannen die Lektionen – Lektionen, die das Leben selbst erteilte. Dass man sogar ein hohes Alter erreichen kann und erst dann begreift, dass man all die Jahre in Wirklichkeit gar nicht gelebt hat. Dieselben Illusionen, dieselbe Imitation, derselbe Selbstbetrug, die Unkenntnis seiner selbst und derjenigen, die man an sich heranlässt. Verliebtheit, Glück, Enttäuschung. Jugend, ihr Verlust und Krankheiten. Zeiten, in denen etwas wichtig ist – und Zeiten, in denen einem einfach alles gleichgültig ist. Die Liebe zu etwas – und mit der Zeit der Hass auf eben dieses.
Das Leben ist kein warmes Bett, man muss seinen Weg durch das Leben gehen. Man muss an ihm leiden, man muss es genießen.
Aber es ist zerbrechlich.
Da fahre ich mit dem Auto auf einer fast menschenleeren Straße. Ich bringe etwas in eine Nachbarstadt und denke an den Abend, der kommen wird. An das schmutzige Geschirr, das ich nicht mehr geschafft habe zu spülen. An die Blumen, die ich gestern nicht gegossen habe. Daran, dass ich einen Termin für eine Ultraschalluntersuchung vereinbaren muss. Und an das Hoftor der Nachbarn, das quietscht und meine ohnehin schon strapazierten Nerven noch mehr belastet.
Auf der anderen Seite der Grauzone hat er seinen todbringenden Vogel bereits losgeschickt. Aus der Vogelperspektive sieht er mein einsames Auto. Ich lasse das Auto am Straßenrand stehen und renne schwer atmend quer über das Feld zu einem schmalen Waldstreifen. Er nimmt nicht das Auto ins Visier.
Er nimmt mich ins Visier.
Mein Gehirn weigert sich zu glauben, dass mein Tod ganz nah ist. Ich renne, und das hohe Gras schneidet mir in die Beine und hinterlässt Schnitte auf meiner hellen Haut. Die Bäume kommen immer näher, und er dort oben scheint sich über mich lustig zu machen. Er sieht mich. Er sieht meine Angst. Er sieht meine Augen. Derjenige, der die Drohne steuert, sieht, wer ich bin – aber das hält ihn nicht davon ab, mich weiter zu verfolgen. Ich schaffe es noch, mich an die Illusionen zu erinnern. An die Erdbeeren. An die Blumen zu Hause, die ich nicht gegossen habe.
Bevor er mich tötete.
…
Das Ungeheuer auf der anderen Seite der Grauzone zündete sich zufrieden eine Zigarette an. Es warf den Zigarettenstummel auf die vor Schmerz aufschreiende ukrainische Erde.
P. S. Natürlich handelt dieser Beitrag nicht von mir. Es ist meine Reaktion auf eine Nachricht, die inzwischen wohl schon etwa einen Monat alt ist. Eine Drohne verfolgte eine Dorfschullehrerin, die ihr Auto auf der Straße stehen ließ und in Richtung Wald lief. Sie wurde vorsätzlich getötet, nachdem auf der Kamera eindeutig zu erkennen war, dass sie eine zivile Frau war.
Region Charkiw, 2026.
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Art der Quelle: Social Media Autor:Olena Kudrenko Veröffentlichung:29.07.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:Facebook Link zum Originaltext:
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Vor buchstäblich wenigen Minuten ist das Treffen zwischen dem Präsidenten der Ukraine Volodymyr Zelensky, der zur Teilnahme an der Beerdigung von Senator Lindsey Graham nach Washington gekommen war, und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump zu Ende gegangen. Dieses Treffen gilt als ein ziemlich wichtiges Ereignis für die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine. Und wir verstehen sehr gut, dass jedes solche Treffen zwischen den Präsidenten der Ukraine und der Vereinigten Staaten grundsätzlich etwas über jene Unterstützung aussagen sollte, die heute mit den Interessen beider Länder verbunden ist.
Gleichzeitig muss man sich jedoch ebenfalls darüber im Klaren sein, dass dieses Treffen gegenwärtig keines ist, über das man auch nur irgendwelche realen Informationen zusammentragen könnte. Auch das muss man verstehen. Und alles, was wir jetzt von diesem Treffen haben, ist eine Erklärung von Präsident Volodymyr Zelensky in seinem Telegram-Kanal, wonach es ein sehr gutes Treffen gewesen sei und die Seiten mit Donald Trump die Erteilung einer Lizenz an die Ukraine zur Herstellung von Raketen für die Patriot-Raketenabwehrsysteme sowie andere Fragen erörtert hätten. Aber wie Sie sehen, gibt es keinerlei Konkretes.
Es gibt einen gewissen Hinweis darauf, dass Zelensky mit Donald Trump über die Wiederaufnahme des Friedensprozesses zwischen Russland und der Ukraine gesprochen hat, aber es gibt keinerlei klare Mitteilungen darüber, dass Trump und Zelensky in dieser Frage tatsächlich zu irgendeiner gemeinsamen Position gelangt wären – schon deshalb nicht, weil es keinerlei Verständnis dafür gibt, inwieweit diese gemeinsame Position die Haltung der russischen politischen Führung real beeinflussen kann.
Wir alle erinnern uns sehr gut daran, wie Treffen Donald Trumps mit ausländischen Staats- und Regierungschefs aussehen. Die Presse stellt vor Beginn der Verhandlungen Fragen. Und wir wissen, dass sich gerade in diesem Abschnitt der lauteste Skandal in der Geschichte des Oval Office ereignete, nämlich der Skandal zwischen dem amerikanischen und dem ukrainischen Präsidenten. Danach folgt nach den Verhandlungen ein erneuter Auftritt vor der Presse, neue Antworten auf Fragen.
Zu diesem Treffen Trumps und Zelenskys wurde aber überhaupt keine Presse eingeladen, wirklich gar keine. Und es könnte die Frage aufkommen, ob das vielleicht in irgendeiner besonderen Weise mit den amerikanisch-ukrainischen Beziehungen, mit den Beziehungen zwischen Trump und Zelensky zusammenhängt. Aber unmittelbar nach diesem Treffen kam ein Mann ins Weiße Haus, der seit vielen Jahren persönliche Beziehungen zu Donald Trump unterhält, ganz zu schweigen von der politischen Partnerschaft. Das ist der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Und wieder genau dieselbe Situation. Vollständiges Fehlen jeglichen Hinweises auf Öffentlichkeit, vollständiges Fehlen der Presse. Netanyahu betrat das Weiße Haus nicht einmal durch den Haupteingang.
Das heißt, die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten tut derzeit alles Mögliche, damit diese Treffen, die Donald Trump heute abhält, außerhalb der Aufmerksamkeit der Presse stattfinden und keine Möglichkeit besteht, dem amerikanischen Präsidenten irgendwelche Fragen zu stellen. Und es könnte die Frage aufkommen, warum sich diese Situation ausschließlich auf fröhliche Fotos und Lächeln beschränkt. Da gibt es ein fröhliches Foto mit lächelnden Trump und Zelensky. Ein ebenso fröhliches Foto gibt es von Trump und Netanyahu.
Übrigens schloss sich während des Treffens Trumps und Netanyahus auch der Vizepräsident der Vereinigten Staaten J. D. Vance an, der für seine scharfe Kritik sowohl am israelischen Ministerpräsidenten als auch seinerzeit am ukrainischen Präsidenten bekannt ist. Beim Treffen mit Zelensky war er nicht dabei. Er war nicht dabei, weil Vance sich derzeit, wie wir grundsätzlich erkennen können, nicht mit dem ukrainischen Dossier befasst, sondern ausschließlich mit der Regulierung im Nahen Osten.
Beim Treffen mit Zelensky konnte man den Außenminister der Vereinigten Staaten und Berater des Präsidenten für nationale Sicherheit Marco Rubio sehen. Aus irgendeinem Grund vergisst man immer dieses zweite Amt von ihm. Es ist das wichtigste, und es zwingt den Außenminister im Grunde dazu, seine Zeit nicht im Außenministerium, sondern im Weißen Haus zu verbringen. Verteidigungsminister Pete Hegseth und Finanzminister Bessent waren ebenfalls dabei. Also eine solche Gruppe von Menschen bei diesen Verhandlungen, die sich etwas von dem unterscheidet, was früher der Fall war. Und mit dem israelischen Ministerpräsidenten trifft man sich jetzt, wie wir sehen, in einer etwas anderen Zusammensetzung.
Dabei haben wir noch keine Fotos der Delegation bei diesem Treffen gesehen, werden sie aber wahrscheinlich bald sehen. Und da kann die Frage aufkommen: Warum ist die Situation so? Warum braucht Trump bei diesen beiden Treffen überhaupt keine Presse?
Ich kann Ihnen diese Frage ganz einfach beantworten: weil es für ihn erzwungene Treffen sind. Sowohl der Präsident der Ukraine Volodymyr Zelensky als auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kamen offiziell in die Vereinigten Staaten, um an der Beerdigung des republikanischen Senators Lindsey Graham teilzunehmen, der bekanntlich ein großer Freund der Ukraine und ein großer Freund Israels war. Und beide Staats- und Regierungschefs konnten diese Möglichkeit nutzen, in die Vereinigten Staaten zu kommen, ohne bei irgendjemandem irgendeinen Verdacht hervorzurufen, denn das ist eine solche politische und menschliche Geste: demjenigen die letzte Ehre zu erweisen, der die Notwendigkeit der Hilfe für die Ukraine verteidigte und die Notwendigkeit der Hilfe für Israel verteidigte.
Und natürlich kann sich der Präsident der Vereinigten Staaten in dieser Situation weder einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten noch mit dem israelischen Ministerpräsidenten entziehen, weil eine Verweigerung des Treffens nicht nur eine Missachtung gegenüber Zelensky und Netanyahu wäre. Obwohl wiederum die Frage aufkommt: Warum sollte Trump diese Missachtung überhaupt zeigen, wenn er zu beiden keine schlechten Beziehungen hat? Es wäre aber auch eine Missachtung des Andenkens an den verstorbenen Senator, der bekanntlich in den letzten Tagen seines Lebens weiter an einem Gesetzentwurf über die sogenannten höllischen Sanktionen gegen Russland gearbeitet hatte – einem Gesetzentwurf, der Donald Trump theoretisch die Möglichkeit gibt, für jene Länder Zölle einzuführen, die weiterhin Öl von der Russischen Föderation kaufen werden, falls der Präsident der Vereinigten Staaten dies tatsächlich will.
Wie dem auch sei, das Treffen konnte natürlich nicht nicht stattfinden. Und wenn wir beispielsweise über die israelische Politik sprechen, weil hier über die Einzelheiten der Vorbereitung auf das Treffen viel mehr bekannt ist, dann wissen wir, dass der israelische Ministerpräsident trotz seiner guten persönlichen Beziehungen zu Trump mehrere Wochen lang dieses Treffen durchzusetzen versuchte. Und die Administration tat alles Mögliche, damit dieses Treffen nicht stattfand. Und erst weil Netanyahu mitteilte, dass er zur Beerdigung von Senator Graham fahre, stimmte Trump einem Treffen mit ihm zu, weil es keinen Raum mehr zum Zurückweichen gab. Im Fall Zelenskys war es möglicherweise nicht so dramatisch, aber das Schema ist Ihnen, denke ich, verständlich.
Und nun kann die Frage aufkommen: Warum hat der amerikanische Präsident es nicht besonders eilig, den Präsidenten der Ukraine und den Ministerpräsidenten Israels zu treffen? Weil er nichts zu sagen hat. Es gibt keinerlei verständliche Konkretheit.
Ja, während des letzten Treffens zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine, das, wie Sie wissen, am Rande des NATO-Gipfels stattfand, und davor gab es ein Treffen am Rande des G7-Gipfels, wurde erneut über Patriots, über Raketen und über Lizenzierung gesprochen. Aber zugleich verstehen wir, dass dies ein ziemlich langer Prozess ist. Und jetzt braucht die Ukraine konkrete Raketen für konkrete Raketensysteme. Trump hat aber nicht so viele Möglichkeiten und vielleicht auch nicht den Wunsch, sie bereitzustellen, aus dem einfachen Grund, dass die Vereinigten Staaten selbst einen ernsthaften Mangel an Raketenabwehrmitteln verspüren.
Deshalb hält sich Trump jetzt etwa mit Schlägen gegen den Iran zurück und tut so, als gebe es Möglichkeiten für einen Verhandlungsprozess, obwohl die Iraner selbst offenbar nicht besonders zu einem weiteren Gespräch mit dem amerikanischen Präsidenten neigen. Denn das Militär hat ihm erklärt, dass den Vereinigten Staaten in einer Situation, in der intensive Schläge gegen den Iran geführt werden und der Iran seinerseits amerikanische Militärstützpunkte am Persischen Golf und verbündete Staaten der Vereinigten Staaten angreift, die realen Mittel der Luftverteidigung einfach ausgehen könnten.
Und was kann Trump in einer solchen Situation tun, wenn Zelensky zu ihm kommt und fragt, ob die Vereinigten Staaten nicht nur Lizenzen, sondern auch die Raketen selbst bereitstellen können? Denn wir müssen verstehen, dass im Fall der Erteilung von Lizenzen noch Betriebe gebaut und bestehende Betriebe umgerüstet werden müssen, und man muss sich darüber im Klaren sein, dass ein solcher Betrieb unter ukrainischen Bedingungen der Gefahr von Raketenangriffen ausgesetzt sein wird. Vielleicht muss man also über eine Ansiedlung in Mitteleuropa nachdenken. Und es müssen auch noch tatsächliche Interessenten vorhanden sein, die keine Angst davor haben, dass Kinschal-Raketen ihr Territorium treffen. Gegenwärtig ist, wie wir verstehen, alles möglich. Das heißt, etwas wirklich Konkretes kann Trump nicht sagen.
Kann man sagen, dass es in den Vereinigten Staaten derzeit irgendein Verständnis dafür gibt, wie man Druck auf Russland ausüben kann? Nun, ebenfalls nicht besonders viel. Die Sanktionen, die bereits eingeführt wurden, bewegen Präsident Putin, wie wir sehen, nicht dazu, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. Kann man sich neue Energiesanktionen unter Bedingungen vorstellen, in denen die Straße von Hormus einmal geschlossen, dann wieder geöffnet ist, die Ölpreise einmal steigen und dann wieder fallen? Und das hängt ausschließlich mit politischen Erklärungen Trumps sowie damit zusammen, ob Angriffe geführt werden oder nicht. Das heißt, in dieser Situation irgendein Schema neuer Energiesanktionen aufzubauen, ist nicht einfach.
Als ich die Situation vor Zelenskys Besuch in Amerika kommentierte, sagte ich, dass in Wirklichkeit nicht einmal das, was beim Treffen der Präsidenten der Ukraine und der Vereinigten Staaten zur russischen Frage geschieht, von großer Bedeutung sein wird, sondern das, was beim Treffen des Präsidenten der Vereinigten Staaten mit dem israelischen Ministerpräsidenten geschieht. Denn davon, wie Trump die weitere Entwicklung der Ereignisse im Krieg im Nahen Osten und am Persischen Golf einschätzt, wird natürlich abhängen, wie sich die Lage im russisch-ukrainischen Krieg in Zukunft tatsächlich verändern wird. Denn vieles, was von der amerikanischen Politik gegenüber Russland abhängt, ist gerade mit der Energiesicherheit verbunden.
Deshalb wollte Trump, wie wir verstehen, jetzt nicht besonders gern mit konkreten Erklärungen zum russisch-ukrainischen Krieg auftreten, weil er sich vorstellen konnte, was die Journalisten ihn fragen würden. Die Journalisten fragten ihn gerade nach der Situation im Zusammenhang mit dem Krieg und den Verhandlungen mit Putin.
Das alles sind keine besonders angenehmen Fragen. Und auf diese Fragen so zu antworten, dass man irgendeine Popularität behält, ist, gelinde gesagt, schwierig. Dasselbe gilt auch für den Persischen Golf.
Wenn es keinerlei konkrete Antwortmöglichkeiten gibt, ist es in dieser Situation besser, Journalisten aus dem Weg zu gehen, einfach mit dem Präsidenten der Ukraine und dem israelischen Ministerpräsidenten zu sprechen, wenn sie dies so sehr wollen, und darüber zu reden, was mit den Kriegen tatsächlich geschieht und wie diese Kriege beendet werden können. Ich möchte Sie aber daran erinnern, dass Trump heute vor diesen Treffen im Fernsehen auftrat. Er gab Fox News ein Telefoninterview. Sie wissen, dass er diese telefonischen Zuschaltungen bei Fox News sehr liebt. Und er zeigte dort im Grunde, dass er nicht besonders gut versteht, was mit dem russisch-ukrainischen Krieg geschieht und welche Haltung gegenüber diesem Krieg die richtige wäre.
Das heißt, er sagte das nicht direkt, aber interessant war, was er über die Ukraine sagte. Trump sagte in diesem Interview wörtlich: „Lindsey Graham hat sich sehr nachdrücklich zur Ukraine geäußert. Ehrlich gesagt liebte Lindsey den Krieg. Er hat nie einen Krieg gesehen, der ihm nicht gefallen hätte. Er war davon sehr begeistert.“ Das heißt, das ist alles, womit Trump sich Grahams Sympathien für unser Land und seinen Kampf erklärte: damit, dass er den Krieg liebte. Trump dagegen liebt bekanntlich den Frieden, wie wir an der Situation im Nahen Osten gesehen haben. Und der Unterschied zwischen Trump und Graham besteht darin, dass Trump die ganze Zeit versucht, sich mit Putin zu einigen, während Graham als Falke auftrat, der um der Fortsetzung des Krieges willen, den er liebte, die Möglichkeit realer Vereinbarungen mit dem Kreml einfach verwarf.
Ich erinnere Sie nicht an die These aus dem Jahr 2019 in der Ukraine, wonach der Krieg bei uns deshalb fortdauere, weil sich die ukrainische Führung an diesem Krieg bereichere. Und heute sehen Sie übrigens, dass russische Propagandisten dieses Narrativ bereits ziemlich erfolgreich auch gegenüber jener Regierung verbreiten, die mit diesem Slogan an die Macht gekommen ist.
Wir sehen aber, dass Trump ganz ruhig und ganz erfolgreich ebenfalls daran festhält. Und deshalb kann er, wie Sie verstehen, ideologisch kaum die Logik derjenigen nachvollziehen, die eine strengere Haltung gegenüber Russland fordern und davon ausgehen, dass nur Druck auf dieses terroristische Land Bedingungen schaffen kann, unter denen seine Führung irgendwann über die Notwendigkeit realer Verhandlungen zur Beendigung des Krieges nachdenkt.
Und ich hoffe, dass heute dennoch über Druck auf Russland gesprochen wurde. Aber realer Druck auf Russland bedeutet Angriffe auf die russische Infrastruktur, die Zerstörung der russischen Wirtschaft, die Zerstörung des militärisch-industriellen Komplexes Russlands, die Zerstörung russischer Marktplätze, die Zerstörung der russischen Energiewirtschaft, die Zerstörung von allem, was für den Krieg arbeitet oder den Krieg ermöglicht.
Und hier geht es, wie Sie verstehen, nicht um Worte der Unterstützung, sondern um reale Waffen und darum, dass wir die Möglichkeit haben, mit weitreichenden Raketen westlicher Produktion russisches Territorium anzugreifen. Denn Drohnenangriffe schaffen, wie Sie verstehen, keine realen Bedingungen dafür, dass die wirtschaftliche Infrastruktur tatsächlich in einen Zustand versetzt wird, der Putin zumindest in den kommenden Jahren dazu zwingen würde, über ein Ende des Krieges nachzudenken. Raketenangriffe dagegen sind, wie wir aus eigener Erfahrung wissen, etwas völlig anderes. Etwas völlig anderes in der Situation, die sich im russisch-ukrainischen Krieg entwickelt hat.
Und als sich hier in der ukrainischen Hauptstadt Trumps Lieblingsbloggerin Laura Loomer aufhielt, die Trump im Unterschied zu vielen neokonservativen Bloggern und Aktivisten, die sozusagen das Schiff des gegenwärtigen Präsidenten der Vereinigten Staaten verlassen haben, weiterhin unterstützt – erinnern wir uns nur an Tucker Carlson –, erklärte sie meiner Kollegin Maritschka Padalko in einem Interview, wie richtig es sei, dass die Amerikaner der Ukraine nicht mit ihrem eigenen Geld helfen, weil sie schlicht keine solchen Möglichkeiten hätten.
Und heute, gerade an dem Tag, an dem Zelensky in die Vereinigten Staaten kam, erschien ebenfalls eine, wie ich finde, sehr bezeichnende Information: Das Pentagon hat endlich mit einer Überprüfung im Zusammenhang mit der Präsenz seiner Truppen in Europa begonnen, weil es diese Truppen deutlich reduzieren will. Und das bedeutet, dass jene Politik, die Trump im Jahr 2025 verkündet hat, und jene Politik, die wir in dem Plan der Neokonservativen lesen konnten, der vor Trumps Wahlsieg veröffentlicht wurde und von dem Trump sich aus unverständlichen Gründen ständig distanziert, nämlich die Politik des Abbaus der amerikanischen Präsenz in Europa, nun in die Tat umgesetzt wird. Sie beginnt bereits materiell umgesetzt zu werden.
Übrigens sprach darüber bei der letzten Zusammenkunft der Verteidigungsminister der NATO-Mitgliedstaaten Pete Hegseth, in dieser Hinsicht einer der engsten Mitstreiter Trumps. Er sagte, wir wollten ein NATO 3.0, das ein wirkliches Bündnis sein werde, in dem die Europäer den Schwerpunkt der Aufrechterhaltung der Sicherheit auf ihrem eigenen Kontinent tragen würden. Und viele sagen, das sei sehr logisch, man müsse das verstehen.
Daran ist überhaupt nichts logisch. Die Europäer stehen der größten Nuklearmacht in der Geschichte der Menschheit gegenüber: Russland. Eine weitere größte Nuklearmacht in der Geschichte der Menschheit sind die Vereinigten Staaten. Mehr gibt es nicht. Vielleicht wird sich ihnen bald die Volksrepublik China anschließen, aber nicht jetzt. Die Europäer selbst verfügen zusammengenommen nicht über ein solches nukleares Potenzial wie die Russische Föderation, die ebenso wie die Vereinigten Staaten in der Lage ist, die Menschheit zu vernichten. Gerade deshalb ist die Präsenz der Vereinigten Staaten auf dem europäischen Kriegsschauplatz wichtig, um Russland von extremen Schritten abzuhalten.
Wenn sich die Vereinigten Staaten vor den Augen Russlands und Chinas freiwillig entwaffnen und Europa verlassen, stärkt das im Grunde die aggressiven Absichten gegenüber dem europäischen Kontinent, ganz gleich, was die Europäer tun. Und eine Stärkung der aggressiven Absichten und Möglichkeiten der nuklearen Supermacht Nummer eins – denn derzeit hat Russland ein wenig mehr Raketen – bedeutet, dass die nukleare Supermacht Nummer drei, die Volksrepublik China, der nuklearen Supermacht Nummer zwei, den Vereinigten Staaten von Amerika, irgendwann in den Rücken fallen wird.
Und das ist, wissen Sie, genau dasselbe Schema, das wir während des Zweiten Weltkriegs beobachtet haben. Nur war damals Japan in der Rolle Chinas. Auch die amerikanischen Isolationisten glaubten überhaupt nicht daran, dass der Krieg in Europa durch die Hintertür zu ihnen kommen würde. Und das war, würde ich sagen, der Mainstream der amerikanischen Politik. Amerikanische Präsidenten schworen der Politik des Isolationismus die Treue und versicherten, sie unterstützten keinesfalls jenen Kurs, der mit dem Namen von Präsident Woodrow Wilson verbunden war, dem Initiator der Gründung des Völkerbundes, dem die Vereinigten Staaten selbst letztlich nie beitraten. Und natürlich war all das für Franklin Roosevelt, der als Isolationist an die Macht kam, eine ernsthafte historische Lehre – für die gesamte amerikanische Elite und für das gesamte amerikanische Volk. Es war eine Lehre. Und diese Lehre ist heute neu gedeutet worden.
Warum gehe ich so ausführlich darauf ein? Weil dies für die Ukraine in Wirklichkeit das Fehlen amerikanischen Interesses bedeutet. Ein solches Interesse kann auf zwei realen Dingen beruhen. Das Erste sind Werte. Und wir wissen, dass Trump über Werte überhaupt nicht sprechen will und dass er seine Sympathie für die wichtigsten Autoritären der Gegenwart, Putin und Xi Jinping, nicht verbirgt. Und dass er den Völkern nicht einmal bei der Rückkehr zur Demokratie hilft.
Schauen Sie sich Venezuela an. In Venezuela gab es tatsächlich Wahlen. Ein demokratischer Kandidat gewann sie. Nicolás Maduro, der sich heute in einem amerikanischen Gefängnis befindet, fälschte diese Wahlen. Danach wurde er von Trumps Spezialkräften entführt, nur um die Macht an seine Vizepräsidentin zu übergeben, die gemeinsam mit Maduro an der Fälschung der Wahlergebnisse und an der Machterhaltung eines im Grunde illegalen Regimes beteiligt war. Und Vertreter der Opposition werden von den Vereinigten Staaten nicht dazu ermutigt, nach Venezuela zu reisen. Jetzt erschien in den Medien die Information, Venezuela werde in Wirklichkeit mithilfe dieser Vizepräsidentin vom Außenminister der Vereinigten Staaten Marco Rubio regiert. Da haben Sie die ganze Demokratie. Das heißt, Rubio und Delcy Rodríguez haben Venezuela dem venezolanischen Volk gestohlen, das ganz anders gewählt hatte.
Wir können also klar sagen, dass diese Menschen völlig außerhalb von Werten stehen. Und deshalb wirkt all dieses Gerede nicht: „Russland verletzt das Völkerrecht. Russland besetzt ukrainisches Territorium. Putin möchte die Ukraine über seinen Handlanger Medwedtschuk regieren.“ Nun ja, aber inwiefern ist Medwedtschuk schlimmer als Delcy Rodríguez? Das ist doch dasselbe Schema. Das heißt, es wirkt nicht.
Es bleibt die Sicherheitsfrage. Auch die Sicherheitsfrage wird vollständig beiseitegeschoben, weil dies eine isolationistische Administration ist, die der Ansicht ist, dass Europa sie überhaupt nicht interessiert, wirklich gar nicht, und dass man Europa einfach schrittweise verlassen müsse. Und Trump war davon im Grunde bereits während seiner ersten Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten überzeugt. Wie wir sehen, gelang es ihm damals nicht, all das zu tun, also setzt er es nun in seiner zweiten Amtszeit um.
Wenn Europa existiert, versteht Amerika in dieser Situation, wie wir sehr gut wissen, wozu es der Ukraine hilft. Wenn Europa als Faktor nicht existiert, verschwindet dieses Verständnis. Und stattdessen tritt faktisch die Unterstützung des Siegers in den Vordergrund.
Jetzt scheint Zelensky zu gewinnen – gut gemacht. Dann fotografieren wir uns mit Zelensky und heben im Gespräch mit Zelensky den Daumen. Wenn Putin gewinnen wird, dann versuchen wir eben wieder, uns mit Putin zu einigen und Druck auf Zelensky auszuüben. Das ist das ganze Rezept für die Haltung gegenüber dem russisch-ukrainischen Krieg.
Wenn diese beiden Faktoren nicht funktionieren, bleibt ein dritter Punkt: das wirtschaftliche Interesse. Das verstand übrigens der verstorbene Lindsey Graham sehr gut. Denn nachdem er sich von einem konservativen Politiker zu einem Trumpisten umgeschult hatte, verstand er, dass sein Patron nur Geld, Geld, Geld, Geld braucht und sonst nichts. Und damals erfand er dieses Mineralienabkommen, das wir mit den Vereinigten Staaten auch unterzeichnet haben. Es könnte der Eindruck entstehen, Trump erinnere sich nicht daran, aber es scheint, als erinnere er sich doch von Zeit zu Zeit daran.
Aber wiederum befinden wir uns dann in einem trügerischen Wettbewerb. Wer von uns bietet Trump mehr an: wir oder die Russen? Und wie Sie sehen, beherrscht auch Putin die Kunst, Trump und seine Administration etwa über Steve Witkoff und Kirill Dmitrijew mit verschiedenen Versprechen von Billionengewinnen zu füttern. Und auch das hält Trump etwas zurück, wenn es um die Unterstützung der Ukraine geht.
Übrigens wäre interessant zu wissen, ob bei diesem heutigen Treffen über die Lage im Zusammenhang mit ukrainischen Angriffen auf Schiffe im Schwarzen Meer und im Kaspischen Meer gesprochen wurde. Denn Sie wissen, dass das Unternehmen Chevron Einwände gegen die Angriffe im Schwarzen Meer erhoben hat. Dessen Leiter unterhält gute persönliche Beziehungen zu Trump, und Chevron ist einer der Investoren des Kaspischen Pipeline-Konsortiums, dessen Schiffe gerade durch das Schwarze Meer fahren.
Und die Frage ist: Wenn man uns bei Angriffen auf die russische Flotte und auf jene Flotte einschränkt, die russische Buchten verlässt, während Russland weiter Schiffe im Schwarzen Meer angreift, die den Hafen von Odessa verlassen – gerade jetzt, während des Treffens Trumps und Zelenskys, führten die Russen einen solchen Angriff aus; das ist demonstrativ, wie Sie verstehen, mit einem absolut klaren Verständnis dafür, wie man handeln muss –, dann werden uns die Hände gebunden sein.
Und auch im Kaspischen Meer ist das eine interessante Geschichte, weil wir einen iranischen Tanker angegriffen haben und der Iran bereits mit lauten Erklärungen auftritt und Rache verspricht. Ich weiß nicht, wie er sich rächen kann, weil er selbst nicht so viele ballistische Raketen hat, um die Staaten am Persischen Golf und dann auch noch die Ukraine mit diesen Raketen anzugreifen. Entscheidend ist aber noch, wie Trump diese ukrainischen Angriffe überhaupt bewertet, wie wichtig sie ihm sind und inwieweit er bereit ist, die Ukraine als Verbündeten wahrzunehmen, während andere überhaupt nicht an seinen Handlungen gegen den Iran teilnehmen wollen.
Das ist übrigens eine sehr gute Illustration. Wenn europäische Staaten Trump die Teilnahme am Krieg gegen den Iran verweigern, beginnt er sich aufzuregen, nennt sie undankbar, erzählt, wie gut es für ihn wäre, aus der NATO auszutreten, und wie die NATO aufgehört habe zu funktionieren. Wenn die Ukraine aber einen iranischen Tanker angreift, bemerkt er es nicht.
Vielleicht muss man also sagen, dass die Frage nicht darin besteht, was du für Trump tust, sondern was Trump tatsächlich will. Und wenn Trump beispielsweise die Ukraine nicht unterstützen muss, wird er bei unseren Angriffen die Augen verschließen. Wenn er aus der NATO austreten will, wird er die Augen vor der europäischen Beteiligung am Krieg verschließen und die europäische Nichtbeteiligung am Krieg übertreiben.
Das heißt, all diese Geschichten werden einfach, könnte man sagen, an die realen politischen Pläne des amerikanischen Präsidenten angepasst, auf die unsere Handlungen keinen Einfluss haben. Und das betrifft übrigens auch dieses Treffen, das Trump gerade in diesen Stunden mit Benjamin Netanyahu abhält.
Nach dem Treffen mit Trump traf Zelensky auch den finnischen Präsidenten Alexander Stubb. Und er schrieb Folgendes über dieses Treffen: „Wir haben Einzelheiten unserer Treffen in Amerika ausgetauscht und die Perspektiven erörtert, die es jetzt in der Diplomatie gibt. Offensichtlich erleidet Russland große Verluste auf dem Schlachtfeld, und auch die Lage in der russischen Wirtschaft wird schwieriger. Alex würdigte unsere Erfolge bei den weitreichenden Sanktionen. Parallel tun wir alles dafür, dass es mehr Schutz für die Ukrainerinnen und Ukrainer vor russischen Angriffen gibt. Ich bin dankbar für das detaillierte Verständnis unserer Bedürfnisse. Raketen für die Patriots werden buchstäblich jeden Tag gebraucht. Wir haben auch über Diplomatie gesprochen. Wir bereiten uns auf wichtige Treffen im August vor.“
Wie Sie sehen, gab es auch in dieser Mitteilung Volodymyr Zelenskys, genau wie in der Mitteilung über das Treffen mit Donald Trump, praktisch keinerlei Konkretes, weil es nichts Konkretes gibt. Inwieweit sind europäische Staaten bereit, diese Raketen für die Patriots zu finden, die jeden Tag gebraucht werden, unter Bedingungen eines Mangels an Raketenabwehrmitteln im Westen und zu einer Zeit, in der sich amerikanische Waffenlieferungen auch an europäische Staaten verzögern? Wie kann Diplomatie aussehen, wenn die Russische Föderation jeden realistischen Verhandlungsprozess konsequent ablehnt?
Selbst wenn man sich vorstellt, dass irgendwelche Verhandlungen tatsächlich an dem Punkt wieder aufgenommen werden, an dem sie unterbrochen wurden. Nehmen wir an, wir überzeugen die Russen davon, dass sie die Verhandlungen mit uns fortsetzen müssen, ohne dass sich die Ukraine aus dem Gebiet Donezk zurückzieht. Kann das sein? Ja, das kann sein. Aber worauf wird es Einfluss haben?
Wir hatten bereits Verhandlungen, während die Ukraine ihre Truppen nicht aus dem Gebiet Donezk abzog. Ja, die gab es. Und es waren Verhandlungen während der Kampfhandlungen. Sie halfen Russland einfach dabei, Zeit zu gewinnen.
Dann stellt sich eine ziemlich einfache Frage: Wozu brauchen wir dann Verhandlungen während der Kampfhandlungen, wenn sie Russland nur dabei helfen, auf die, würde ich sagen, Befreiung des Weißen Hauses von Donald Trump zu warten? Ich glaube, genau das ist ihr Handlungsplan: Sie gewinnen einfach Zeit, um 2028 zu klären, wer der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sein wird und mit wem sie es zu tun haben werden. Und das ist, würde ich sagen, die wichtigste russische Absicht für die kommenden Jahre.
Wenn also Verhandlungen, wenn Diplomatie, dann wird meiner Meinung nach ohne ein Ende der Kampfhandlungen keinerlei Diplomatie funktionieren. Das wäre, würde ich sagen, meine ganz klare Formel.
Das Treffen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu mit Donald Trump ist bereits beendet. Es war länger als das Treffen mit Zelensky. Das Treffen mit Zelensky dauerte ungefähr eine Stunde, das Treffen mit Netanyahu ungefähr zwei Stunden. Und jetzt wird gesagt, wer am Treffen mit Netanyahu teilnahm. Das waren Vance, Rubio, Hegseth und Witkoff.
Das heißt, Vance und Witkoff – und Witkoff ist bekanntlich der Vermittler beim russisch-ukrainischen Dossier – waren also beim Treffen mit Zelensky nicht anwesend. Auch das ist ein ziemlich interessanter Punkt, den man erwähnen muss, wenn wir diese beiden Treffen und die personelle Zusammensetzung ihrer Teilnehmer kommentieren.
Ich denke, das Fehlen Witkoffs beim Treffen mit Zelensky kann gerade davon zeugen, dass das Treffen mit Netanyahu übrigens anderthalb Stunden dauerte, das mit Zelensky dagegen eine Stunde. Zuvor war im Terminplan des Weißen Hauses vorgesehen gewesen, dass das Treffen mit Zelensky anderthalb Stunden und das mit Netanyahu sogar drei Stunden dauern würde. Nun, das Fehlen dieses Zeugen zeigt, dass in den Vereinigten Staaten selbst niemand mit irgendeinem Verhandlungsprozess rechnet, weil Witkoff im Grunde der informelle Außenminister der Vereinigten Staaten ist, der sich mit all diesen Verhandlungen befasst. Rubio erfüllt eher protokollarische Aufgaben.
Das sind also die ersten, würde ich sagen, Versuche zu verstehen, was im Weißen Haus während der Treffen Zelenskys und Netanyahus mit Trump geschehen ist.
Einige Fragen, die während dieser Sendung gestellt wurden.
Frage: Wann kann man endlich Ihren Kommentar zu den systematischen Angriffen auf Ukrainer in Polen hören? Sie rufen dazu auf, die Welt realistisch zu betrachten, aber diese Realitäten wollen Sie persönlich nicht sehen.
Portnikov: Nun, Sie erfinden, dass ich diese Realitäten nicht sehen will. Ich habe bereits darüber gesprochen und eine ganz klare Sache gesagt. Gerade deshalb müssen wir die Ukraine verteidigen und als Staat bewahren, damit die Ukraine ein Zufluchtsort für Ukrainer ist. Das sage ich seit Jahren. Was wollen Sie, dass ich Ihnen dazu sage, wenn es für mich offensichtlich ist? Ukrainer in Polen sind Gäste. In jedem Staat kann ein Gast Gewalt ausgesetzt sein, weil es in einem solchen Staat Ausbrüche von Xenophobie geben kann. Das betrifft jeden Staat, nicht nur Polen. Damit die Ukrainer einen Ort haben, an den sie zurückkehren können, gibt es selbst heute die Ukraine.
Wenn es die Ukraine nicht gibt, haben die Ukrainer keinen Ort, an den sie zurückkehren können. Und sie werden in jedem Land Obdachlose sein, die, wie Sie verstehen, jeder Schuft schikanieren kann, der sich in seinem Land als Herr fühlt. Und es ist keineswegs sicher, dass ein anderer Teil der Bevölkerung, der diese Angriffe nicht will, diesen Schuft aufhalten wird, weil er für ihn trotzdem einer der ihren sein wird und der Ukrainer ein Fremder.
Ich habe das immer aus meiner eigenen jüdischen Erfahrung heraus gesagt. Ich habe immer gesagt, dass ich als Schüler wusste, dass es Israel gibt und dass ich vor dem sowjetischen Antisemitismus nach Israel ausreisen kann. Ich habe ein Zuhause, in dem man mich nicht an meine Herkunft erinnern wird. Und mir taten meine Altersgenossen sehr leid, die kein solches Zuhause hatten. Denn wir alle, die damals Verstand im Kopf hatten, verstanden sehr gut, dass die Ukraine nicht von einer eigenen, sondern von einer Moskauer Regierung regiert wurde.
Deshalb muss die Ukraine als ein Land verteidigt werden, das ein Zufluchtsort für Ukrainer ist. Es freut mich sehr, dass es in Polen vernünftige Menschen gibt. Und dass sich der polnische Ministerpräsident Tusk etwa mit dem Vorschlag an Präsident Nawrocki gewandt hat, diesen ganzen Extremismus zu verurteilen, ist alles sehr gut. Aber entscheidend ist, dass die Ukrainer die Ukraine haben und dass jene Menschen, die sich jetzt im Ausland befinden, ihre Sachen nehmen, packen und nach Hause fahren können. Und wenn ich in einem Land leben würde, in dem man mich wegen meiner nationalen Herkunft schikaniert oder weil ich beispielsweise irgendeine Sprache mit jüdischem Akzent spreche, würde ich meine Sachen packen und ruhig nach Tel Aviv oder Haifa fahren, ungeachtet dessen, dass sich Israel im Krieg befindet.
Und das ist der einzige Ausweg. Systematische Angriffe: Koffer, Bahnhof, Kyiv. Es ist besser, unter Raketen im eigenen Zuhause zu leben als unter Schikanen und als Mensch zweiter Klasse in einem anderen Land. Ich spreche jetzt nicht nur über Polen.
Und gerade weil ich diese Haltung habe, weil ich der Ansicht war, dass man keine 48 Stunden in einem Land leben sollte, in dem man nicht als gleichwertig betrachtet wird, wollte ich niemals in der Sowjetunion leben. Und ich war der Ansicht, dass ich, sobald ich erwachsen wäre, einfach von dort wegfahren und in Richtung der Staatsgrenze dieses Landes spucken würde.
Und ich lebe gerade deshalb hier, weil eine unabhängige Ukraine entstanden ist, weil es hier keinen staatlichen Antisemitismus gibt, weil man mich hier ebenso krespektiert wie Menschen jeder anderen Nationalität und weil wir gemeinsam eine tolerante Gesellschaft aufbauen.
Wenn das zusammenbricht, packe ich meine Sachen und fahre von hier weg, denn ich werde nicht darauf warten, dass gute Ukrainer mich vor Xenophobie schützen. Verstehen Sie? Ich brauche nicht einmal ein solches Maß an Demütigung. Ich werde niemandem erlauben, mich zu demütigen. Auch dem Staat nicht. Ein Staat, der einen Menschen wegen seiner nationalen Herkunft oder wegen seines Akzents demütigt, ist es nicht wert, dass man sich in ihm aufhält und seine Luft atmet, selbst wenn es dein Heimatland ist.
Dafür muss dein Volk aber ein Zuhause haben. Die Ukrainer haben glücklicherweise ein solches Zuhause. Und wir arbeiten daran, dass dieses Zuhause besteht. Wir verteidigen es, wir bauen es auf. Was wollen Sie also von mir hören?
Und natürlich muss man daran denken, dass die Ukraine mit aller Kraft gute Beziehungen zu Polen bewahren muss. Denn wenn die Ukraine sowohl an ihrer östlichen als auch an ihrer westlichen Grenze schlechte Beziehungen hat, wird ihre Staatlichkeit ihre Existenz beenden, wie es schon mehrfach geschehen ist. Deshalb müssen wir uns gemeinsam mit den Menschen guten Willens in Polen zusammenschließen, um Xenophobie und radikalen Stimmungen entgegenzutreten. Wir müssen uns mit denjenigen zusammenschließen, die verstehen, dass wir mit den Polen dieselbe russische Gefahr haben.
Aber das ist bereits eine andere Geschichte. Das ist bereits die Geschichte staatlicher Beziehungen. Wir können uns auch dann zusammenschließen, wenn es keine Ukrainer in Polen mehr gibt, wenn sie verstehen, dass sie sich dort oder in anderen Ländern unwohl fühlen, und hierherkommen. Was ist daran unverständlich? Ich verstehe nicht, warum zwei plus zwei so schwierig sein soll, wenn man Würde besitzt und wenn das Wichtigste im Leben darin besteht, die Würde zu verteidigen und nicht darüber nachzudenken, wie man besser lebt, wie viele Zimmer die Wohnung hat, wie hoch das Gehalt ist und in welche Schule die Kinder gehen.
Wenn all das an erster Stelle steht, kann man sich ganz ruhig demütigen und fremde Stiefel lecken, wie es viele Menschen in der gesamten Geschichte der Menschheit getan haben. Ich habe solche Juden nie respektiert. Ich werde solche Ukrainer niemals respektieren. Vor demjenigen, der dich demütigt, darfst du dich nicht selbst demütigen, selbst wenn dir das materielle Vorteile bringt. Man muss alles Mögliche tun, um nicht neben ihm zu sein.
Und im Fall solcher Staaten wie der Sowjetunion, wie ich in meiner Kindheit und Jugend dachte, muss man alles tun, um einen solchen Staat zu zerstören. Nun gibt es ihn nicht mehr, mich aber gibt es. Und das ist meine Antwort auf den Antisemitismus: dass es ihn mit seiner Führung und seiner dummen Bevölkerung einfach niemals mehr gibt.
Das scheint mir eine einfache Antwort zu sein. Und ich habe das mehr als einmal gesagt. Ich weiß nicht, warum ich mich heute wiederholen muss.
Frage: Scheint es Ihnen nicht, dass die Aktivität Trumps und von MAGA gewöhnliche Wahlkampf-PR vor dem Hintergrund ausbleibender Fortschritte bei Zöllen, Iran, China und Russland ist? Die Ukraine hat keine andere Wahl.
Portnikov: Ehrlich gesagt bin ich nicht sicher, dass es ihre Wahlkampf-PR ist, und zwar aus einem einfachen Grund. Ich glaube nicht, dass die Ukraine eine vorrangige Frage in der amerikanischen Politik ist. Natürlich unterstützt die überwältigende Mehrheit der Amerikaner die Ukraine. Das ist eine offensichtliche Tatsache. Aber es ist nicht die erste Frage, an die sie denken, wenn sie entscheiden, für wen sie stimmen. Und das gilt sowohl für Wähler der Demokraten als auch für Wähler der Republikaner. Das gilt auch für unentschlossene Wähler, weil die überwältigende Mehrheit der Amerikaner mit dem Geldbeutel abstimmt, auf eine ganz konkrete Weise.
Und für Trump ist der Krieg im Nahen Osten jetzt natürlich viel wichtiger als der russisch-ukrainische Krieg, der auf die Wirtschaft der Vereinigten Staaten keinen realen Einfluss hat. Deshalb ist das Treffen mit Netanyahu für Trump eine solche schmerzhafte Prüfung. Das muss man verstehen. Die ganze Geschichte dagegen, die mit dem verbunden ist, was mit Russland und der Ukraine geschehen wird, ist eine wichtige außenpolitische Frage. Aber ich bin nicht sicher, einfach nicht sicher, dass sie gerade bei den Wahlen eine wichtige Rolle spielt. Obwohl ich nicht ausschließe, dass Trump glaubt, es wäre gut für ihn, zumindest einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zu erreichen, um zu zeigen, was für ein Friedensstifter er ist. Aber die Frage ist nicht, was er dort gern hätte. Wissen Sie, Trump möchte etwas, Putin möchte etwas. Die Frage ist, wie man das real umsetzt. Und ich habe keinerlei klare Antwort auf diese Frage. Auch Trump hat keinerlei klare Antwort darauf.
Frage: Gibt es nach Trump mit der Machtübernahme eines Demokraten in den USA überhaupt eine Chance auf eine Änderung der Außenpolitik? Oder sind diese Kursänderungen unumkehrbar?
Portnikov: Zweifellos gibt es enorme Chancen auf eine Änderung des außenpolitischen Kurses. Zweifeln Sie nicht einmal daran. Die Frage ist aber, dass der Vertrauensverlust gegenüber den Vereinigten Staaten unumkehrbar sein kann. Verstehen Sie? Das kann das unumkehrbare Problem sein. Und wie dieses Problem zu lösen ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Denn alle werden sagen: „Oh, Amerika ist wieder zurückgekehrt, wie wunderbar. Es will wieder mit uns, mit Europa, zusammen sein. Es ist wieder gegen Putin, und zwar so aktiv.“ Aber was wird vier Jahre später sein, wenn erneut ein Präsident erscheint – und die Frage ist nicht einmal unbedingt, ob er Republikaner oder Demokrat ist –, der so ist wie Trump und eine solche Politik betreibt, die von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt wird?
Ich glaube, gerade das kann zu unumkehrbaren Veränderungen in der Weltarchitektur führen. Das sind jene Veränderungen, die Donald Trump zum gegenwärtigen Zeitpunkt tatsächlich programmiert hat. Und das ist eine solche außenpolitische Falle für die Welt, wie etwa die Annexion der Krim eine Falle für die russisch-ukrainischen Beziehungen war. Es kann ein neuer russischer Präsident erscheinen, aber diese Falle wird eine Falle bleiben – mit der Krim und anderen ukrainischen Regionen in der russischen Verfassung.
Und nun die letzte Frage, die ich noch beantworten kann.
Frage: Schreiben Sie das alles selbst auf Threads?
Portnikov: Der Link zu meiner Seite auf Threads befindet sich auf meiner verifizierten Facebook-Seite. Ich verstehe überhaupt nicht, warum man nicht eine einfache Quellenprüfung durchführen kann.
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Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Зеленський – Трамп: головне | Віталій
Портников. 28.07.2027. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:28.07.2027. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
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Als ich zum ersten Mal die Bilder von Nikifor Drowniak in seiner Heimat Krynyzja sah, fiel mir als Erstes ihre erstaunliche, beinahe kindliche Naivität auf, ja geradezu eine Unschuld des Empfindens. Man sagt, in jedem Künstler lebe eine kindliche Seele – obwohl ich glaube, dass das längst nicht auf jeden zutrifft. Bei Nikifor war das jedoch keine Metapher, sondern seine tatsächliche Haltung zum Leben. Und später, als ich das filmische Porträt Drowniaks sah, das die polnische Schauspielerin Krystyna Feldman in Krzysztof Krauzes großartigem Biopic verkörperte, wurde mir klar, dass ich mit diesem Eindruck keineswegs allein war. Ein großes Kind, das seine Träume und seine Ängste auf die Leinwand überträgt – ein Kind, das man nicht einmal zu seiner eigenen Ausstellung hineinlässt, während die „Erwachsenen“ seine Bilder bewundern.
Je besser ich die ukrainische naive Malerei kennenlernte, desto häufiger begegnete mir dieses Motiv kindlicher Reinheit, das sich geradezu zu ihrem wichtigsten Merkmal entwickelte – so sehr, dass es für mich zu einem Teil meiner Wahrnehmung der Ukraine wurde. Man könnte sagen, das sei bei jeder Form des Primitivismus so. Doch das stimmt nicht. Die Welt der naiven Kunst Europas hat die ganze Energie der Burleske, die Vitalität des Lebens und die Farben des Mittelmeerraums in sich aufgenommen. Ich erinnere mich gut daran, wie eine solche Kunst in kroatischen oder italienischen Galerien berauscht wie ein Glas Prosecco.
Die ukrainische naive Kunst dagegen erzählt häufig vom Schmerz. Vom Schmerz eines Erwachsenen, der sein Leiden gerade als kindlichen Schmerz empfindet, weil er nicht versteht, weshalb ihm ein so schweres Schicksal bestimmt wurde. Die Galerie ZAG hat einen Teil dieser Werke unter einem Dach in Lwiw zusammengeführt. Nun kann man erkennen, dass dieser kindliche Schmerz allen ukrainischen Primitivisten gemeinsam ist. Man spürt ihn in den Bildern von Paraska Plytka-Horyzwit, die ihr ganzes schwieriges Leben in Kryworivnja verbrachte, ebenso wie bei Dmytro Stryjek, der nach Kanada auswanderte und erst im hohen Alter Maler wurde. Die Ukrainer waren immer ein Volk mit einem schweren Schicksal, und diese Rückkehr in die Kindheit konnte für Menschen zu einer Rettung werden, für die der Pinsel buchstäblich zur Heilung wurde – wie etwa für Polina Rajko, die ihr kleines Haus in Oleschky in eine wahrhaft phantasmagorische Welt verwandelte. Und wie bitter ist der Gedanke, dass Enthusiasten dieses kleine, farbenfrohe Haus nach dem Tod der Künstlerin zu retten versuchten, der russische Angriff auf den Kachowka-Staudamm jedoch zu seiner Zerstörung führte.
Auf erstaunliche Weise zeigt die Galerie „Ja“ unmittelbar neben dieser Ausstellung von Werken, die die ukrainische Seele gleichsam von ihrer märchenhaften Seite zeigen, Bilder von Dmytro Moldowanow – einem der Künstler der gemeinsamen Ausstellung naiver Kunst. Moldowanow ist mein Altersgenosse. Das bedeutet, dass dieser Blick auf die Welt mit den staunenden Augen eines Kindes, das nicht erwachsen werden will, bis heute fortbesteht. Der Krieg kann ein Haus überfluten, aber er kann einem den Pinsel nicht nehmen. Dass die eine Ausstellung diese Reise durch das erwachsene Kindsein gleichsam fortsetzt, erinnert daran, dass es aus jedem, selbst dem schlimmsten Unglück, einen Ausweg in den Farben gibt.
Traurig, zugleich aber ebenfalls hochsymbolisch war der Abschied von der ukrainischen Keramikkünstlerin Hanna Drul, der gerade in die Tage der Eröffnung dieser beiden Ausstellungen fiel. Denn trotz aller Experimentierfreude ihrer außergewöhnlichen Kunst war sie vor allem berührend – also eine Kunst des reinen Blicks auf die Welt, der uns überhaupt aufrecht hält.
Und ja, gerade diese Naivität und diese Reinheit sind die wichtigste ukrainische Antwort auf all die Dunkelheit, die uns umgibt. Denn in allen großen Büchern der Menschheit heißt es, dass nur die Unschuld die Finsternis vertreibt – wenn sie sich im Wort ausdrückt oder auf die Leinwand zurückkehrt.
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Art der Quelle:Essay Titel des Originals:Музей невинності. Віталій Портников. 26.07.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:26.07.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:Zeitung Link zum Originaltext:
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Die Ankunft der bekannten amerikanischen rechtskonservativen Bloggerin Laura Loomer in der ukrainischen Hauptstadt wurde von den ukrainischen Behörden und in unseren Medien so wahrgenommen und dargestellt, als handele es sich um den Besuch einer Amtsträgerin, von deren Entscheidungen die Beziehungen zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten abhängen würden. Vor dem Hintergrund der russischen Angriffe mit ballistischen Raketen gab Volodymyr Zelensky Laura Loomer ein Interview, und meine Kollegin Maritschka Padalka erzählte der MAGA-Aktivistin mit großer Emotionalität von den ukrainischen Wurzeln ihres jüdischen Großvaters.
Dennoch steckt in einer solchen Haltung ein gewisser rationaler Kern. Selbst Donald Trump hört Laura Loomer mit Interesse zu, obwohl der amerikanische Präsident bereits mehrfach gezeigt hat, dass selbst seine treuesten Anhänger keinen Einfluss auf seine Meinung haben, wenn diese ihren Schlussfolgerungen widerspricht. Wer also auf wen hört, ist nach wie vor eine große Frage. Denn auch in Kyjiw vertrat Laura Loomer weiterhin den meiner Ansicht nach völlig falschen Standpunkt der radikalen Konservativen, wonach eine Fortsetzung der finanziellen Unterstützung für die Ukraine unmöglich sei. Dabei ist gerade dies der wichtigste Punkt, der sich tatsächlich ändern könnte, denn Mitgefühl und Tränen kann man bekanntlich nicht aufs Brot streichen.
Laura Loomers Mission besteht daher in erster Linie nicht darin, ihre Haltung gegenüber der Ukraine zu ändern. Ihre Mission besteht darin, ihre Haltung gegenüber Russland zu verändern.
Aus dieser Perspektive kann die Reise der populären Bloggerin und Verschwörungstheoretikerin als eine Art Revanche für den Besuch eines anderen rechtskonservativen Kommentators, Tucker Carlson, in der russischen Hauptstadt betrachtet werden. Zur Erinnerung: Damals reagierten die russischen Medien auf Carlsons Besuch mit nicht geringerem, wenn nicht sogar größerem Enthusiasmus als die Ukrainer auf den Besuch Loomers. Und Putin gab dem in rechtskonservativen Kreisen angesehenen Moderator ein Interview.
Seitdem hat sich vieles verändert. Nach Beginn der amerikanisch-israelischen Operation gegen den Iran wurde Carlson zu einem unversöhnlichen Gegner, ja sogar zu einem Feind Trumps. Er verließ sowohl die MAGA-Bewegung als auch die Republikanische Partei. Trump selbst äußert sich inzwischen ohne Begeisterung über Putin, und seine Verbündeten vermeiden es, auch nur einen Zeitpunkt für das Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu nennen – ganz zu schweigen von einer Wiederaufnahme des ohnehin wenig aussichtsreichen Verhandlungsprozesses.
Auch die Haltung vieler Konservativer gegenüber Russland verändert sich. Russland wird von vielen nicht mehr als christliche „Stadt auf dem Berge“, als letzte Festung traditioneller Werte wahrgenommen. Laura Loomer erklärte die Veränderung ihrer eigenen Haltung ausgerechnet im Innenhof des Kyiv-Petschersk-Lawra-Klosters – jenes Klosters, das vor wenigen Wochen zu den Zielen eines weiteren russischen Angriffs auf die ukrainische Hauptstadt gehörte.
Genau das ist in Wirklichkeit der entscheidende Punkt. Seit Trump ins Oval Office zurückgekehrt ist, werde ich nicht müde zu betonen, dass weder er noch sein Vorgänger den Schlüssel zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges in der Tasche haben. Erst recht nicht jetzt, da Trump in die Treibstoff-Falle der Straße von Hormus geraten ist, aus der völlig unklar ist, wie – oder ob überhaupt – man wieder herauskommen kann.
Wenn der amerikanische Präsident also nicht bereit ist, der Ukraine zu helfen – und wir verstehen, dass eine solche Entscheidung für ihn eine grundlegende Überprüfung der gesamten Philosophie des Trumpismus bedeuten würde –, dann soll er Russland wenigstens nicht „helfen“. Er soll gegenüber dem Putin-Regime eine härtere Haltung einnehmen. Er soll keine Illusionen über die Möglichkeit von Vereinbarungen mit dem russischen Präsidenten haben. Er und seine Anhänger sollen aufhören, Russland als eine vermeintliche konservative Zitadelle zu betrachten.
Wenn es Laura Loomer gelingt, Trump von der Sinnhaftigkeit genau dieses Ansatzes zu überzeugen, dann wäre das bereits ein großer Schritt in die richtige Richtung.
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Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Місія Лори Лумер. Віталій Портников. 27.07.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:27.07.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:Zeitung Link zum Originaltext:
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Vor etwa 14 Jahren kehrte ich aus dem @Instytut Polski Muzeum Sikorskiego in London zurück. Dort wird eine unglaubliche Menge äußerst interessanter Materialien aufbewahrt, darunter auch viele zur Geschichte der Ukraine. Zum Beispiel das faszinierende Archiv des „Ukrainischen Büros“ in London. An diesem Tag hatte ich einen Teil der Materialien über den Holodomor kopiert und das Original des maschinengeschriebenen Manuskripts von Olgerd Ippolyt Bočkowskyj über den Holodomor in der Ukraine in den Händen gehalten. Dort arbeiteten damals unglaublich freundliche Menschen, mit denen man sich ausgesprochen interessant unterhalten konnte.
Neben den faszinierenden historischen Materialien war jeder Besuch auch eine Gelegenheit für diese außergewöhnlich interessante Gespräche – ein wahrer Genuss! Ja, selbstverständlich unterhielten wir uns auf Polnisch.
An jenem Abend kehrte ich entlang des Hyde Parks in Richtung Piccadilly zum Haus meiner Freunde zurück, bei denen ich wohnte. Mir kamen zahlreiche Menschen entgegen. Alle sprachen Polnisch.
Zunächst dachte ich, dass mich die vielen Gespräche auf Polnisch im Laufe des Tages etwas verwirrt hätten und ich nun seltsame Halluzinationen hätte – als würde mich die polnische Sprache nun überall verfolgen. Tatsächlich waren es polnische Bauarbeiter. Sie kamen von irgendeiner Baustelle zurück und diskutierten recht lebhaft über etwas, das für sie gerade wichtig war. Mit lauter Stimme! Mitten in London.
Ich bemerkte nicht, dass irgendjemand von den Einheimischen den polnischen Arbeitern gegenüber Aggression zeigte. Niemand belästigte sie mit Rufen wie: „Das hier ist Großbritannien! Verzieh dich nach Polen!“
Und das nicht nur deshalb, weil man sich in London in der Vielfalt der Menschenmenge auflösen und dennoch man selbst bleiben kann.
In einem Haus unweit der Station, in dem meine Freunde damals wohnten, war durch eines der Fenster gut eine Fahne der polnischen Solidarność an der Wand zu sehen. Das Fenster blieb unversehrt.
Niemand wäre auf die Idee gekommen, von Polen in Großbritannien zu verlangen, dass sie Englisch ohne polnischen Akzent sprechen. Niemand wäre auf die Idee gekommen zu verlangen, dass Polen untereinander auf Englisch sprechen!
Im Allgemeinen spricht der durchschnittliche polnische Arbeiter ziemlich laut, in der Überzeugung, dass sich niemand in seiner Umgebung befindet, der versteht, was er gerade erzählt.
Ein anderes Mal, als ich meine Londoner Freunde besuchte, war es ausgerechnet ein polnisches Bautrupp, der das Fundament des Hauses verstärkte, in dem sie damals wohnten. Die polnische Schimpfsprache verfügt im Vergleich zur ukrainischen insgesamt über ein eher begrenztes Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten. Doch diesen polnischen Jungs reichte dieses ziemlich begrenzte Arsenal vollkommen aus, um alle, sagen wir einmal, aktuellen betrieblichen Erfordernisse zu kommunizieren.
Sie nutzten dieses Arsenal mit voller Lautstärke und ohne sich darum zu kümmern, ob jemand etwas verstehen könnte. Eine Zeit lang überlegte ich, ob ich ihnen eine Freude machen und sie auf Polnisch begrüßen oder sie lieber nicht in Verlegenheit bringen sollte. Letztlich begrüßten wir uns auf Englisch. Und sie ahnten nicht einmal, dass ich absolut alles verstand, was sie während der Arbeit von sich gaben.
Ich könnte noch einige mehr oder weniger amüsante Episoden erzählen, die dadurch entstanden, dass Polen im Ausland die Angewohnheit haben, ziemlich laut ihre eigene Sprache zu sprechen, in der Überzeugung, dass sie dort ohnehin kaum jemand versteht. Dadurch fallen Polen sehr auf. Ganz gleich, wo das geschieht – in der Schweiz auf dem Gipfel des Rochers-de-Naye, am Strand von Sandvika bei Oslo oder auf dem Flughafen Luton. Jedes Mal war es laut, bizarr-komisch und im Fall von Luton endete es sogar mit einem Polizeieinsatz. Der Typ hatte sich derart betrunken und so danebenbenommen, dass man ihn ohne Polizei nicht mehr beruhigen konnte.
Doch niemals sagte irgendjemand zu den Polen: „Verschwindet nach Polen!“
Die Polen wurden mit ihrem gesamten historischen Gepäck in die Europäische Union aufgenommen: mit der Solidarność ebenso wie mit ihrer Mitverantwortung am Holocaust, mit Roman Dmowski und Czesław Miłosz, mit Bolesław Kominek und Zygmunt Łupaszko, mit ihren Engeln und ihren Dämonen, mit dem polnischen Größenwahn und dem Opferkomplex, mit allem Glänzenden und allem Abstoßenden, was Polen aus seiner Geschichte geerbt hatte. Auch mit ihrer Unfähigkeit zu vergeben.
Ja, die Polen können nicht vergeben. Trotz der täglich millionenfach wiederholten Worte „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ ist der eigentliche Sinn dieses Grundsatzes aus den täglichen Ritualen verflogen.
Einmal schrieb ich darüber eine Kolumne, weil mir diese Unfähigkeit, anderen zu vergeben, paradox erschien – gerade weil es die polnischen Bischöfe waren, die sich 1965 mit dem historischen Satz an die Deutschen wandten: „Wir vergeben und bitten um Vergebung! Die Vergangenheit soll Vergangenheit bleiben; lasst uns gemeinsam eine neue Zukunft für ein neues Europa schaffen.“
Doch sowohl Bolesław Kominek als auch Karol Wojtyła und Jerzy Giedroyć sind heute nur noch Einträge in der Wikipedia. Polen hat ihre Erfahrungen und ihre Bemühungen auf den Müllhaufen geworfen.
Und genau das ist es, was mir tatsächlich Angst macht.
Polen war noch vor 15 Jahren der Musterschüler der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Transformation.
Es schien, als hätten die Reformen von Leszek Balcerowicz und Jerzy Buzek zu unumkehrbaren und tatsächlich beeindruckenden Ergebnissen geführt: Polen hatte einen Pfad nachhaltigen Wachstums eingeschlagen. Für die Ukrainer wirkten die polnischen Reformrezepte attraktiv – als Case Study, als Vorbild und als Modell, dem man folgen konnte.
Doch dann erwachten die Dämonen.
Ein erheblicher Teil der Polen verbindet ein Gefühl der Überlegenheit gegenüber den Ukrainern mit einem ausgeprägten eigenen Opferbewusstsein. Das ist eine ziemlich schizophrene Kombination, aber sie ist nun einmal vorhanden.
Die Polen haben ihren eigenen Opferkomplex sakralisiert und ihn zu einem Schlüsselelement ihrer nationalen Identität gemacht. Die Ukrainer hingegen sagen: Ich möchte niemals wieder ein Opfer sein!
Vor zehn Jahren beeindruckte mich der Leitsatz des Danziger Historikers (und bis vor Kurzem Leiter des Büros für Nationale Sicherheit beim Präsidenten Polens) Sławomir Cenckiewicz:
„…Wir müssen – genau wie Israel – unseren eigenen nationalen Standpunkt klar vertreten. Andernfalls werden wir den Kampf um den Platz der Polen als Opfer zweier Totalitarismen verlieren.“
Dieses Bestreben eines beträchtlichen Teils der polnischen Gesellschaft, sich als das größte Opfer der Geschichte darzustellen, wirkt aus ukrainischer oder jüdischer Perspektive etwas Krankhaftes.
Die Ukrainer versuchen, die Traumata der Vergangenheit aufzuarbeiten. Die Polen hingegen haben sie jahrzehntelang sakralisiert.
Ein Opfer trägt niemals Verantwortung für die eigenen Fehler. Das Opfer ist unfehlbar. Das ist der Imperativ des Opferbewusstseins.
Der Nationalsozialismus entstand aus dem Gefühl der nationalen Demütigung der Deutschen nach dem Ersten Weltkrieg. Die Deutschen empfanden sich als Opfer der Umstände, der Ungerechtigkeit und eines bösen Schicksals.
Man musste jemanden finden, der daran schuld war. Sie fanden die Juden.
Ein erheblicher Teil der polnischen Gesellschaft von heute ähnelt den Deutschen zu Beginn der 1930er Jahre. Nur dass für die polnischen Ultrarechten heute die Ukrainer an die Stelle der Juden getreten sind.
Wenn ich heute in der polnischen Presse lese, dass sich nicht in Polen, sondern in der Ukraine ein Kult des Neonazismus entwickle, bin ich ratlos. Denn das ist das, was Psychologen „Projektion“ nennen – ein Abwehrmechanismus der Psyche, bei dem Menschen unbewusst ihre eigenen Gefühle, Gedanken, Ängste oder Wünsche anderen zuschreiben.
Heute stimmt in Polen jeder Fünfte für Neonazis. Sie sind im Sejm, im Europäischen Parlament und in den kommunalen Selbstverwaltungen vertreten. Zeigt mir auch nur einen einzigen Neonazi im ukrainischen Parlament! Es gibt keinen. In der Ukraine sind ultrarechte Ideen unpopulär. In Polen hingegen liegen neonazistische Ideen im Trend. Und das sehen wir täglich in den Berichten der polnischen Medien: Die verbale Gewalt ist längst in physische Gewalt übergegangen.
Wenn ich in der polnischen Presse von einer „Welle des Hasses auf Polen“ in der Ukraine lese, weiß ich nicht einmal, wie ich das nennen soll. Denn das ist nicht einmal Projektion – das ist Chuzpe.
In der Ukraine wächst keine Welle des Hasses auf Polen, sondern eine Welle der Enttäuschung über die Polen. Nicht einmal bloße Enttäuschung – vielmehr tiefe Bestürzung. Ich persönlich fühle mich seit einigen Jahren verwirrt: Wie konnte es geschehen, dass eine Gesellschaft, die für die Ukrainer in vielerlei Hinsicht ein Vorbild war, sich zu dem entwickelt hat, was sie heute ist?
Der ehemalige Präsident Wiktor Juschtschenko wiederholte gern den Satz „Polak jeden!“ („Der Pole ist eins!“), um auf die Einheit der polnischen Gesellschaft hinzuweisen – ihre weltanschauliche und wertebezogene Geschlossenheit. Noch vor zehn bis fünfzehn Jahren erschien die polnische Gesellschaft aus ukrainischer Sicht genau so.
Heute ist alles anders.
Die ukrainische Gesellschaft hat in den Jahren ihrer Unabhängigkeit einen Weg zurückgelegt – von der posttotalitären Atomisierung über weltanschauliche Polarisierung und politische Turbulenzen der Jahre 2004 bis 2014 hin zu einer schwierigen Konsolidierung und einem posttraumatischen Wachstum. Der wichtigste Trend, der die Entwicklung der Ukrainer bestimmt, ist die Konsolidierung. Das zeigen soziologische Untersuchungen ebenso wie die Art und Weise, wie die ukrainische Gesellschaft miteinander umgeht.
Polen befindet sich heute im Gegentrend – einer Desintegration durch Polarisierung.
Unter den Bedingungen eines großen Krieges ist das eine gefährliche Entwicklung. So etwas gab es schon einmal: Auch in den 1930er Jahren war die polnische Gesellschaft in ähnlicher Weise desintegriert und polarisiert. Das kostete Polen seine Unabhängigkeit.
Der Opferkomplex, den ein erheblicher Teil der polnischen Gesellschaft pflegt, macht den polnischen Staat verwundbar.
Polen muss seinen eigenen Opferkomplex tiefgreifend aufarbeiten. Denn angesichts der aktuellen Herausforderungen wird Polen zunehmend verwundbar.
Praktisch täglich berichten die polnischen Medien über Gewalt gegen Ukrainer in Polen. Ukrainer werden geschlagen, weil sie Polnisch mit einem Akzent sprechen. Ukrainische Kinder werden in Polen in öffentlichen Verkehrsmitteln und an anderen öffentlichen Orten von kräftigen Männern beschimpft und angegriffen. Es kommt sogar vor, dass Polen andere Polen bewusstlos schlagen, weil sie glauben, diese hätten mit ukrainischem Akzent gesprochen.
Natürlich kann man auch weiterhin die Augen vor diesem Problem verschließen. Doch aus ukrainischer Sicht entwickelt sich Polen in die falsche Richtung.
Die polnische Gesellschaft muss ernsthaft an sich selbst arbeiten – eine Arbeit, die niemand an ihrer Stelle leisten kann.
Fremdenfeindlichkeit, Ukrainophobie und Antisemitismus sind ganz sicher nicht die Werte, auf denen das vereinte Europa aufgebaut wurde.
Das heutige Polen diskreditiert – in der Richtung, die es derzeit einschlägt – die Europäische Union.
Schon seit Langem ist es schmerzlich, das mitanzusehen. Seit einiger Zeit ist es sogar widerwärtig.
Polen hat die falsche Richtung eingeschlagen.
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Kommentare
1.
In London hört man Polnisch fast häufiger als Englisch. Es gibt hier so viele Polen, dass man im Laufe eines Tages die unterschiedlichsten Gruppen sieht – von Intellektuellen bis hin zu typischen Rüpeln, die ihre eigenen Kinder anschreien und sie grob in den Rücken stoßen, oder zu Männern, die betrunken an Zäunen lehnen.
In polnischen Geschäften wie Mleczko oder Delikatesy wird Polnisch gesprochen. Auch in vielen anderen Läden trifft man häufig ältere Polinnen, die überhaupt kein Englisch sprechen und sich nur mit einigen wenigen Wörtern und Gesten verständigen.
Außerdem werden in Großbritannien viele Straftaten von Polen begangen (schlicht deshalb, weil sie eine sehr große ausländische Bevölkerungsgruppe darstellen). Kaum war der Skandal um eine Polin verklungen, die deportiert wurde, weil sie in einem englischen Kindergarten Kinder misshandelt und geschlagen hatte – innerhalb eines Jahres waren 21 Kinder betroffen –, da folgte bereits der nächste Skandal: Einer der beiden Vergewaltiger von Jugendlichen in Norfolk war Pole.
Über uns wohnte einmal ein polnischer Alkoholiker, der nächtliche Partys veranstaltete. Es war die einzige laute Wohnung in der ganzen Straße. Sie erbrachen sich aus den Fenstern, warfen Zigarettenstummel in den Garten und spielten um drei Uhr morgens laute Musik. Und wir waren die Einzigen, die ein solches Verhalten nicht tolerierten, weil die Einheimischen sehr freundliche Menschen sind.
Deshalb empfinde ich dieselbe Bestürzung, wenn ich lese, wie Polen die Ukrainer hochmütig darüber belehren, wie man sich in Europa zu verhalten habe, und dabei entweder Straftaten erfinden, die Ukrainer angeblich begangen hätten und die sich später als Fälschungen herausstellen, oder sich einfach am polnischen Akzent oder daran stören, dass Ukrainer untereinander Ukrainisch sprechen.
Das wirkt tatsächlich wie eine Art geistige Erkrankung.
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2.
Das nazistische Polen ist heute Realität geworden. Doch der Opferkomplex und die mangelnde Bereitschaft, das eigene Land gegen eine russische Invasion zu verteidigen, führen dieses Land unausweichlich in den Zusammenbruch. Darauf muss man vorbereitet sein und nicht versuchen zu retten, was in Wahrheit schon längst gestorben ist.
Überheblichkeit und leerer Nationalstolz, verbunden mit der Bereitschaft, Aggression ausschließlich gegen Ukrainer zu zeigen, die sich im Krieg befinden, sind lediglich Ausdruck eines Bedürfnisses, sich auf Kosten eines Schwächeren zu bestätigen.
Deshalb ist es vernünftig, an der eigenen Stärke zu arbeiten und sich nicht für Menschen aufzuopfern, die eines solchen Opfers nicht würdig sind.
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3.
Ich spreche mit Polen, ich erzähle ihnen, ich zeige ihnen alles, was geschieht. Und ich stoße auf eine derartige Mauer aus Unverständnis und Verachtung, dass ich selbst ratlos werde.
Am Anfang, im März 22, als so viel Hilfe, Verständnis, Unterstützung und Güte von den Polen kam, war das ein Ausdruck echter Menschlichkeit, und dafür bin ich ihnen von Herzen dankbar.
Es gab aber auch Fälle, die wir selbst unmittelbar erlebt haben: Kinder wurden in einer polnischen Schule geschlagen. Auf Spielplätzen schrien Kinder unseren Kindern zu: „Ihr seid Mörder!“ Sie riefen ihnen zu: „Es ist richtig, dass Raketen auf euch fliegen!“ Wir versuchten ruhig zu erklären und das Gespräch zu suchen. Doch so etwas entsteht nicht von einem Tag auf den anderen – es ist etwas, das in den Familien über lange Zeit gewachsen ist.
Später, mit der Unterstützung der politischen Führung, begannen die Auseinandersetzungen um das Getreide, und meine „Freunde“ erzählten mir die „polnische Version“: über Wolhynien, darüber, dass „wir euch eure Geschichte beibringen werden, weil ihr sie nicht kennt“, dass „ihr schuld seid, das ist eure Strafe“.
Ein Polizist sah meinen Pass an und sagte zu mir: „Spierdalaj na Ukrainę!“ („Verpiss dich in die Ukraine!“). Daraufhin erwiderte ich die ‚Einladung‘ des wenig respektablen Herrn höflich und zeigte ihm, wohin er stattdessen gehen könne.
All das geschieht tatsächlich. Es gibt viele Menschen, die sich dem entgegenstellen, unterstützen und helfen. Aber die Maschinerie wurde in Gang gesetzt und dreht sich weiter, und diejenigen, die sie in Bewegung gesetzt haben, merken selbst nicht, dass sie sich in die falsche Richtung bewegt.
Leider.
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4.
Das Schlimmste ist, dass sie – ähnlich wie die Russen – sobald sie materiell satt geworden sind, nach diesem Unsinn eines nationalen Onanismus verlangen, der zur Schande aller großen konservativen Denker als „rechte Politik“ bezeichnet wird.
Es gibt nichts Schlimmeres für eine Nation als jene von Jarosław Kaczyński offen formulierte Politik des Nationalstolzes. Bereits vor etwa zehn Jahren erklärte er sinngemäß, Selbstkritik sei etwas für Dummköpfe und die Polen hätten in ihrer Geschichte nichts, dessen sie sich schämen müssten.
Heute beginnen die vernünftigen Polen zu erkennen, wohin sie insbesondere die Präsidentschaft Nawrockis geführt hat. Denn wenn ein Präsident, der seinen Bürgern als Vorbild dienen sollte, der Welt unverhohlene Aggression vorführt, dann muss er dafür wohl gute Gründe haben – und folglich meinen auch ‚wir‘, uns nicht mehr zurückhalten zu müssen.
Nicht umsonst schweigt seine Präsidialkanzlei so merkwürdig zu dem jüngsten Vorfall …
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Art der Quelle:Social Media
Autor:Oleksandr Zinchenko Veröffentlichung:28.07.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:Facebook Link zum Originaltext:
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Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat angekündigt, persönlich bei Putin nachzufragen, ob die Russische Föderation dem Iran Geheimdienstinformationen liefert – jene Informationen, die der Islamischen Republik dabei helfen, amerikanische Militäreinrichtungen anzugreifen.
Diese Worte des amerikanischen Präsidenten sind faktisch eine Antwort auf seinen ukrainischen Amtskollegen Volodymyr Zelensky im Vorfeld des Treffens der beiden Präsidenten, des amerikanischen und des ukrainischen. Zelensky hatte zuvor betont, dass die Ukraine über Informationen verfüge, die darauf hindeuten, dass Russland dem Iran Hilfe leistet.
Übrigens ist es durchaus bemerkenswert, dass Trump bereits im Voraus betonte, selbst wenn sich herausstellen sollte, dass Russland dem Iran tatsächlich wichtige Geheimdienstinformationen liefert, werde dies die Wirksamkeit der iranischen Angriffe keineswegs beeinflussen. Denn nach Ansicht des amerikanischen Präsidenten könne Russland ohnehin nichts Ernsthaftes unternehmen – erst recht nicht, nachdem Amerika den Iran empfindlich getroffen habe.
Natürlich könnte man sagen, dass Trump weiterhin in einer Welt seiner eigenen Illusionen lebt und die geopolitische Falle nicht wahrnimmt, in die er nach Beginn der amerikanisch-israelischen Operation gegen das Regime der Ajatollahs geraten ist.
Ein Ausweg aus dieser Situation ist bislang nicht erkennbar, und wir wissen nicht, wie der weltweite Energiemarkt bereits in wenigen Monaten aussehen wird. Umso mehr, als die Vereinigten Staaten ihre Angriffe auf den Iran derzeit vor dem Hintergrund eines eklatanten Mangels an eigenen Luftverteidigungsmitteln aussetzen mussten.
Und gerade hier könnten russische Informationen, die dem Iran zur Verfügung gestellt werden, dem Regime der Islamischen Republik erheblich dabei helfen, amerikanische Militärstützpunkte am Persischen Golf zu zerstören und amerikanische Soldaten zu töten.
Trump verteidigt jedoch konsequent die These, die seiner Ansicht nach belegen soll, dass selbst dann, wenn Russland und China der Islamischen Republik im Kampf gegen die Vereinigten Staaten helfen, dies keinerlei Auswirkungen haben könne. Deshalb lohne es sich seiner Meinung nach auch nicht, sich deswegen mit Putin oder Xi Jinping zu überwerfen.
Und genau das erscheint mir als die gefährlichste Einschätzung der geopolitischen Lage durch den amerikanischen Präsidenten. Seit seiner Rückkehr ins Oval Office hält Trump weiterhin an der Doktrin fest, wonach es in der Welt nur drei entscheidende Akteure gibt: ihn selbst sowie die Staatschefs der Russischen Föderation und der Volksrepublik China.
Gerade mit diesen Männern müsse er Vereinbarungen treffen – selbst wenn dies den Interessen der traditionellen Verbündeten der Vereinigten Staaten widerspreche. Gerade die Beziehungen zu diesen Männern stellt Trump als geopolitische Errungenschaft dar, obwohl dies der Realität und den nationalen Interessen des Landes widerspricht, das er führt.
Und selbst wenn Trump unwiderlegbare Informationen erhält, die belegen, dass Russland oder China gegen die Vereinigten Staaten arbeiten, versucht er entweder, diese Informationen nicht wahrzunehmen oder sie herunterzuspielen, damit die Vereinigten Staaten keinen direkten Konflikt mit Putin oder Xi Jinping eingehen.
Ein weiteres Beispiel dafür ist, dass Trump weiterhin betont, die Vereinigten Staaten würden der Ukraine weder Waffen verkaufen noch liefern. Stattdessen würden sie diese Waffen den NATO-Mitgliedstaaten übergeben, die sie anschließend an die ukrainische Armee zur Verteidigung gegen die russische Aggression weiterreichen.
Das ist ein ziemlich kindischer Versuch, das Ausmaß der amerikanischen Unterstützung für die ukrainische Armee herunterzuspielen. Denn in Russland versteht man sehr genau, mit welchen Waffen russische Soldaten getötet und russische Militärtechnik zerstört werden. Putin kann Trump damit nicht täuschen. Trump möchte jedoch, dass der russische Präsident von seiner offensichtlichen Abneigung gegen einen direkten Konflikt mit dem Kreml überzeugt ist.
Und hier stellt sich eine ziemlich einfache Frage: Wie sollte dann eigentlich die Politik der Ukraine gegenüber den militärischen Interessen der Vereinigten Staaten aussehen?
Die Ukraine hat einen iranischen Tanker versenkt. Das hat bereits eine recht scharfe Reaktion der gegenwärtigen iranischen Führung ausgelöst.
Natürlich wäre es übertrieben zu behaupten, der Iran könne der Ukraine ernsthaften Schaden zufügen. Zumal das Regime der Islamischen Republik seit 2022 aktiv am Krieg gegen unser Land beteiligt ist, indem es Russland Shahed-Drohnen und Raketen für Angriffe auf ukrainisches Territorium liefert.
Doch jetzt, da der Iran eigene militärische Interessen verfolgt, die sich nicht mit den russischen decken, weil er sich in einer intensiven militärischen Konfrontation mit den Vereinigten Staaten befindet, stellt sich die Frage, ob man dem Regime der Ajatollahs einen zusätzlichen Anlass oder Wunsch geben sollte, Russland neue Waffen zu liefern.
Die Lage ist nämlich ziemlich einfach. Russland verfügt nur über eine begrenzte Anzahl ballistischer Raketen. Russland kann die Ukraine – insbesondere die ukrainische Hauptstadt – nur mit der Anzahl von Raketen angreifen, die in den Fabriken der Russischen Föderation produziert werden. In den Depots ist nach den intensiven Bombardierungen der Ukraine in den vergangenen Kriegsjahren praktisch nichts mehr übrig geblieben.
Jede Lieferung von Raketen durch mit Russland verbündete Staaten wie den Iran erhöht daher schlicht die Zahl der Einschläge auf ukrainischem Territorium – unter Bedingungen eines kritischen Mangels an Luftverteidigungssystemen.
Was sehen wir also? Wir greifen einen Tanker eines Landes an, mit dem sich die Vereinigten Staaten in einem militärischen Konflikt befinden, der bereits heute erhebliche Probleme für Amerika selbst verursacht. Währenddessen vermeiden alle anderen Verbündeten der Vereinigten Staaten eine Konfrontation mit Teheran.
Der Präsident der Vereinigten Staaten tut so, als geschehe für ihn nichts Ernsthaftes – ebenso übrigens wie in der Frage der Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine im Bereich der Drohnentechnologie.
Die Führung eines Landes, das sich in einem ernsthaften geopolitischen Konflikt mit den Vereinigten Staaten befindet, warnt, dass sie auf diesen Angriff gegen die Ukraine reagieren werde. Trump hingegen versucht nicht nur, die Rolle Putins bei den iranischen Angriffen auf amerikanische Militäreinrichtungen herunterzuspielen, sondern beeilt sich auch nicht, der Ukraine neue Raketen für die Patriot-Systeme zu liefern.
Natürlich müssen wir Verbündete der Vereinigten Staaten bleiben, denn auch in den kommenden Jahren der weltweiten Konfrontation werden die Vereinigten Staaten unser wichtiger Partner und Verbündeter bleiben. Aber sollten wir Schritte unternehmen, die im Weißen Haus gar nicht wahrgenommen werden und dort nicht als Maßnahmen gelten, die Amerika tatsächlich im Konflikt mit autoritären Regimen helfen zu überleben?
Vielleicht sollten wir uns wie alle anderen amerikanischen Verbündeten verhalten: helfen, zusammenarbeiten und zustimmen – aber keine zusätzlichen Schritte unternehmen, die unseren eigenen Interessen und unserer eigenen Sicherheit schaden könnten. Zumindest so lange, bis im Weißen Haus eine Regierung im Amt ist, die echte Bündnisbeziehungen zu schätzen weiß.
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Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Трамп відповідає Зеленському | Віталій Портников. 27.07.2026.
Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:27.07.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle: YouTube Link zum Originaltext:
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Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky erläuterte in einem Gespräch mit dem britischen Fernsehsender Sky News die Ernennungen und Entlassungen der vergangenen Wochen.
Viele meiner Kollegen konzentrieren sich derzeit vor allem auf Volodymyr Zelenskys Worte über den schweren Winter, den die Ukrainer werden überstehen müssen, und darauf, dass sich nur wenige das Ausmaß der möglichen Probleme vorstellen könnten. Ich möchte jedoch daran erinnern, dass der Präsident weniger über einen schweren Winter sprach, als vielmehr die Notwendigkeit erklärte, den Ministerpräsidenten und die ukrainische Regierung auszuwechseln. Wenn der Winter sehr schwer werden kann, muss an der Spitze der Regierung ein Mensch stehen, der sich des Ausmaßes der Probleme bewusst und in der Lage ist, sie gerade aus energiepolitischer Sicht zu lösen.
Nun, meiner Ansicht nach wäre es besser, wenn ein erfahrener Fachmann, der das Ausmaß der Probleme versteht und an der Spitze des Unternehmens Naftogaz der Ukraine steht, zumindest bis zum Winter dort bliebe und auf diese Weise die einwandfreie Arbeit dieses Unternehmens sicherstellte. Aber natürlich ist das ein Diskussionsthema, das man gerade zu dem Zeitpunkt hätte erörtern sollen, als Serhij Korezkyj zum neuen Ministerpräsidenten der Ukraine ernannt wurde.
Ganz zu schweigen davon, dass die Frage, wer den Ministerpräsidenten vorschlagen soll, außerhalb der Befugnisse des amtierenden Staatsoberhaupts liegt – ebenso wie außerhalb der Befugnisse jedes anderen Präsidenten, der zu einer Zeit gewählt wurde, als die Ukraine zu einer parlamentarisch-präsidentiellen Republik geworden war.
Der Leiter der Koalition in der Werchowna Rada, also der Vorsitzende der Partei „Diener des Volkes“, müsste uns erklären, dass beschlossen wurde, die Regierung auszuwechseln, weil der Ukraine ein schwerer Winter bevorsteht und die Abgeordneten zu dem Schluss gekommen sind, dass ein Energiefachmann an der Spitze der Regierung in der entstandenen Situation geeigneter wäre.
Aber natürlich ist das ein Thema, das wir seit 2019 diskutieren, als Volodymyr Zelensky unter Ausnutzung der Tatsache, dass in der Werchowna Rada eine sogenannte Monomehrheit aus Vertretern der Präsidentenpartei gebildet worden war, sowohl die Entlassung als auch die Ernennung der ukrainischen Ministerpräsidenten und Regierungen an sich zog – noch einmal zur Erinnerung: eine Funktion, die in keiner Weise mit der in der Ukraine geltenden Verfassung verbunden ist.
Der Präsident der Ukraine hat jedoch offenkundige Rechte und Pflichten. Sie hängen damit zusammen, der Koalition und dem Parlament einen Kandidaten für das Amt des Verteidigungsministers vorzuschlagen und auf Vorschlag dieses Ministers den Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine zu ernennen. Und auch hier erläutert Zelensky seine Schritte.
Erneut achten viele meiner Kollegen und ukrainische Bürger derzeit darauf, dass der Präsident über die Notwendigkeit der Mobilisierung gesprochen hat und darüber, dass eine ineffektive Mobilisierung zur Besetzung weiterer ukrainischer Gebiete führen könnte. Doch auch diese These war in erster Linie nicht mit einer Charakterisierung des Prozesses selbst verbunden, sondern mit Zelenskys Versuch, die Entlassung des Verteidigungsministers Mychajlo Fedorov und des Oberbefehlshabers der Streitkräfte der Ukraine, General Oleksandr Syrsky, zu erklären.
Zelensky betonte, dass zwischen den beiden Amtsträgern ein Konflikt bestehe und dass er einfach keine Zeit habe, mit jedem von ihnen zu sprechen, während sie sich unter den gegebenen Bedingungen eigentlich jede Stunde treffen müssten, um zu entscheiden, wie der ukrainische Luftraum geschützt werden könne.
Nun, bei dieser Aussage stellt sich bereits eine gewisse Frage. Wenn der Präsident der Ukraine seinen Landsleuten gegenüber die unmittelbare Verpflichtung hat, sich gerade mit der Verteidigungs- und Außenpolitik des Landes zu befassen, und ihm die Zeit für Treffen mit dem Verteidigungsminister fehlt, den er selbst vorgeschlagen hat, sowie mit dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, den er selbst ernannt hat, stellt sich die Frage, wofür der Präsident dann überhaupt Zeit hat.
Vielleicht sollte sich das Staatsoberhaupt gerade auf die Verteidigung und die Außenpolitik konzentrieren und dem Ministerpräsidenten der Ukraine und dem Parlament die Möglichkeit geben, sich mit der Führung des Landes, der Vorbereitung auf den Winter, wirtschaftlichen Fragen und all dem zu befassen, was in die Zuständigkeit des Ministerpräsidenten fällt. Denn nach unserer Verfassung muss im Grunde er die operative Führung des Staates ausüben – mit Ausnahme der Verteidigung und der Außenpolitik der Ukraine.
Dann hätte der Präsident der Ukraine genügend Zeit, mit dem Verteidigungsminister und dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte zu sprechen und Wege zu finden, um die Meinungsverschiedenheiten zu überwinden, die zwischen zwei Menschen bestehen können, die die Probleme der Beschaffung für die Armee und des Funktionierens der Armee selbst unterschiedlich betrachten. Umso mehr, wenn der Präsident sagt, der Verteidigungsminister und der Oberbefehlshaber der Streitkräfte müssten sich beinahe jede Stunde treffen, um den ukrainischen Luftraum zu schützen.
Nun, auch in dieser Aussage liegt, wie wir verstehen, eine gewisse Weigerung, die Tatsache zur Kenntnis zu nehmen, dass es ohne eine ausreichende Zahl von Raketen für die Patriot-Batterien oder ohne die Aufnahme einer eigenen Produktion von Abfangraketen – was natürlich nur langfristig möglich wäre – gegenwärtig technisch unmöglich erscheint, den ukrainischen Luftraum vor den ballistischen Angriffen des Feindes zu schützen.
Selbst die Vereinigten Staaten sind mit ihren Batterien derzeit gezwungen, ihre Operationen gegen den Iran einzustellen, weil ihnen die Abfangraketen ausgehen könnten, mit denen sie ihre eigenen Militärstützpunkte sowie strategische Einrichtungen verbündeter Länder schützen könnten.
Und wenn wir aus dieser Perspektive über die Suche nach Raketen für jene Patriot-Batterien sprechen, die der Ukraine in den Jahren des großen Krieges bereits übergeben wurden, dann ist es die Aufgabe des Präsidenten als Koordinator der Außenpolitik, mit den Verbündeten Vereinbarungen über die Lieferung zusätzlicher Abfangraketen für jene Systeme zu erzielen, die sich im Bestand der Streitkräfte der Ukraine befinden.
Dadurch, dass sich der Verteidigungsminister und der Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine deswegen stündlich treffen, wird sich die Situation nicht wesentlich verändern. Durch Treffen des Präsidenten mit seinen Amtskollegen kann sich die Situation hingegen verändern. Und wir müssen dem Präsidenten für die kommenden Jahre aufrichtig Erfolg dabei wünschen, die Luftverteidigung der Ukraine in einem langwierigen Abnutzungskrieg sicherzustellen.
Doch erneut gilt: Weshalb der Präsident es in dieser Situation für notwendig hielt, sowohl den Verteidigungsminister als auch den Oberbefehlshaber der Streitkräfte zu entlassen, und weshalb er anschließend darauf verzichtete, den früheren Verteidigungsminister wieder einzusetzen, falls dieser einen Konflikt mit dem Oberbefehlshaber hatte und dies der einzige Grund für seine Entlassung gewesen sein sollte – das konnte Volodymyr Zelensky den Journalisten von Sky News selbstverständlich nicht erklären.
Und das Wichtigste ist meiner Ansicht nach: Derartige Erklärungen zu Personalentscheidungen, selbst zu solchen, die über die Grenzen der verfassungsmäßigen Befugnisse des amtierenden Staatsoberhaupts hinausgehen, sollten meines Erachtens nicht britischen, sondern ukrainischen Journalisten gegeben werden. Und nicht in Gesprächen über Messenger, bei denen ausgewählte Journalisten dem Staatsoberhaupt Fragen stellen und anschließend Audioantworten erhalten, sondern in einem scharfen und ehrlichen Gespräch über die Lage in der Ukraine, über Personalentscheidungen und nicht erfolgte Ernennungen sowie über die Perspektiven des russisch-ukrainischen Krieges in den kommenden schwierigen Jahren. Umso mehr, als inzwischen auch der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky selbst – wenn auch in einem Interview mit britischen Journalisten – einzuräumen beginnt, dass diese Jahre sehr schwierig und zermürbend werden könnten.
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Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Інтервʼю Зеленського: головне | Віталій Портников. 26.07.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:26.07.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
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Svitlana Zhebiv: Das ist der Expertenklub von „Tvoje Misto“. Mir scheint, wir leben in einer sehr seltsamen und besonderen Zeit. Einerseits verfügen wir über eine unglaubliche Menge an Informationen. Praktisch können wir auf jede Frage eine Antwort bekommen. Andererseits verlieren wir meiner Überzeugung nach die Fähigkeit, Vereinbarungen zu treffen, Kompromisse und Lösungen zu suchen, um eine gewisse Verantwortung aufzubauen und Demokratie zu schaffen. Darüber werden wir heute mit dem politischen Kommentator, Analysten, bekannten Journalisten und, man könnte sogar sagen, Prognostiker Vitaly Portnikov sprechen.
Portnikov: Ich widerspreche entschieden der Behauptung, ich sei ein Prognostiker.
Svitlana Zhebiv: Ich weiß, dass Sie das bestreiten, aber ganz Threads und alle sozialen Netzwerke sind überzeugt, dass Sie ein Prognostiker sind, weil Ihre Prognosen eintreffen. Es gab sogar den Scherz: „Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der Vitaly Portnikovs Prognosen eintreffen.“ Und Sie kommentierten, dass Sie das ebenfalls nicht möchten.
Portnikov: Nun, gerade deshalb stehe ich der Idee von Prognosen ziemlich ironisch gegenüber. Mir scheint, in der Politik gibt es einfach eine Logik des gesunden Menschenverstands. Wenn Menschen diese Logik des gesunden Menschenverstands nicht erkennen, bedeutet das, dass sie die Realität einfach nicht berücksichtigen wollen. Die Logik des gesunden Menschenverstands funktioniert im Grunde überall, in jedem Bereich menschlicher Tätigkeit. Es gibt Fälle, die wir schwarze oder weiße Schwäne nennen.
Aber nun gab es die Fußball-Weltmeisterschaft und das Endspiel, bei dem ich, das sage ich Ihnen, absolut sicher war, dass die Spanier gewinnen würden. Ich habe das auch gesagt. Ich halte mich nicht für einen Fußballspezialisten. Überhaupt befasse ich mich nur sehr selten mit sportlichen Themen, aber für mich ist völlig offensichtlich, dass Menschen, die einen neuen Fußball spielen und auf ihrer Seite, sagen wir, junge Spieler und einen jungen Starspieler haben, möglicherweise von Weltrang, mehr Möglichkeiten haben, ein Endspiel zu gewinnen, als eine Mannschaft, die über einen absolut genialen Fußballstar verfügt, der jedoch bereits am Ende seiner Karriere steht. Das ist nun einmal das Gesetz des Spiels.
Das bedeutet aber nicht, dass Argentinien nicht hätte gewinnen können, denn es hätte auch sein können, dass niemand ein Tor erzielt.. Es hätte zu einem Elfmeterschießen kommen können. Und beim Elfmeterschießen, das verstehen Sie ja, ist es ungefähr eine solche Lotterie wie die Personalentscheidungen von Volodymyr Zelensky. Und in dieser Situation wäre vielleicht Argentinien erneut Weltmeister geworden. Es geschah einfach das, was geschehen musste. Für die Spanier kam kein schwarzer Schwan, sondern sie gewannen folgerichtig in dieser Geschichte. Und mich überraschte, dass viele Menschen, die angeblich Fußballexperten sind, das nicht verstanden. Weil sie einfach die Gesetzmäßigkeiten des Lebens nicht verstehen. Und sie erklärten selbstsicher, warum Argentinien gewinnen müsse, obwohl ihre Erklärungen auf ihren Emotionen beruhten.
Dasselbe gilt übrigens für den russisch-ukrainischen Krieg. Warum kann Russland im russisch-ukrainischen Krieg keinen Erfolg erzielen? Weil die Ukraine jetzt als Teil der westlichen Welt kämpft. Wären wir nicht Teil der westlichen Welt, würde man uns nicht mit Waffen und Geld helfen, dann hätte Russland offensichtlich eine absolute Überlegenheit. Eine absolute. Es hat mehr Menschen, eine größere Wirtschaft, mehr Waffen, mehr Militärfabriken, mehr Erdöl. Es hat von allem mehr. Wie könnte es nicht eine ehemalige Sowjetrepublik besiegen, die ihm in allem unterlegen ist und von deren Territorium bereits ein Teil besetzt ist? Aber in der Auseinandersetzung mit dem Westen als solchem kann Russland nicht gewinnen, weil es ein geringeres Wirtschaftsvolumen, weniger Steuerzahler und von allem weniger hat. In diesem Punkt haben sie recht, wenn sie sagen, dass sie gegen den gesamten Westen kämpfen.
Kann es für uns einen schwarzen Schwan geben? Natürlich. Dieser schwarze Schwan hängt damit zusammen, dass im Westen die Bereitschaft abnimmt, uns zu helfen. Wir kennen den Effekt, als die Republikaner zu Zeiten von Präsident Biden die Bewilligung von Hilfe für uns verzögerten. Wir verloren Awdijiwka. Es wurde sofort offensichtlich, dass wir zu verlieren beginnen, wenn wir nicht rechtzeitig Waffen oder Geld erhalten. Damals war, wie Sie sich erinnern, die gesamte ukrainische Militärmaschine auf amerikanische Hilfe ausgerichtet. Das müssen wir klar begreifen. Wenn wir keine Abwehr gegen ballistische Raketen haben, leiden die Städte, die in Reichweite ballistischer Raketen liegen, vor allem Kyiv.
Svitlana Zhebiv: Verstehen wir das als Ukrainer?
Portnikov: Natürlich verstehen wir das nicht. Deshalb sage ich ja, dass viele glauben können, ich würde irgendwelche Prognosen abgeben, dabei stütze ich mich einfach auf die Idee des gesunden Menschenverstands. Ein weiterer schwarzer Schwan ist übrigens die Ermüdung der Gesellschaft und ihre Bereitschaft zur inneren Konfrontation. Daran arbeiten die Russen. Sie arbeiten mit dem Westen, damit die Hilfe abnimmt. Sie arbeiten mit der ukrainischen Gesellschaft, damit wir uns spalten.
Ich sage immer wieder, dass das Jahr 1917 in Russland ein hervorragendes Beispiel ist. Der deutsche Generalstab unternahm sowohl militärische als auch politische Anstrengungen, für die enorme Summen ausgegeben wurden, etwa für die Partei der Bolschewiki und so weiter. Diese Partei war überzeugt, dass sie auf diese Weise ihre Ideale erreichen und auch Deutschland destabilisieren könne. Und die Bolschewiki erwiesen sich in ihren Vorstellungen über die Zukunft als präziser als der deutsche Generalstab. Aber Russland ging als damaliger Staat unter.
Ja, auf seinen Ruinen entstand die Sowjetunion. Aber wäre Deutschland nicht ebenfalls innerlich destabilisiert worden, faktisch durch dieselben Anstrengungen, die zur Destabilisierung Russlands unternommen wurden, wäre es viel besser aus dem Krieg hervorgegangen, als es am Ende des Ersten Weltkriegs der Fall war. Das muss man im Gedächtnis behalten. Und vor allem müssen wir verstehen, wozu das Fehlen innerer Einheit und die Kriegsmüdigkeit führen.
Ich sage Ihnen, dass ich finde, die Ukrainer halten sich noch sehr gut. Denn zwischen 1914 und 1917 vergingen nur drei Jahre, und dann war bereits Schluss. Bei uns dauert der Krieg jetzt im Grunde schon viereinhalb Jahre, bald werden es fünf. Aber selbst jetzt, wenn Proteste stattfinden, stellt niemand die Legitimität der Regierung infrage, die Legitimität des Präsidenten als Oberbefehlshaber, oder dass die Regierung und der Präsident Personalentscheidungen treffen dürfen. Den Menschen können die konkreten Personalentscheidungen missfallen, aber sie stellen nicht infrage, dass dies die Staatsführung ist, der sie weiterhin zutrauen, das Land zu führen.
Im Jahr 1917 stellte man in Russland, wie Sie sich erinnern, im Februar sowohl die Kompetenz des Oberbefehlshabers, des Kaisers, als auch die Kompetenz der Regierung infrage. Der Staat selbst wurde einfach durch Menschen ersetzt, die schon aufgrund der Art, wie sie an die Macht gekommen waren, nicht mit der Unterstützung aller Bürger rechnen konnten, weil sie nicht über das Maß an Legitimität verfügten, den der Kaiser hatte. Wir verstehen ja, dass der Vorsitzende einer provisorischen Regierung in jedem Fall kein Mensch ist, der in den Augen eines Untertanen eine solche sakrale Legitimität besitzt wie ein Kaiser, der Erbe einer jahrhundertealten Dynastie ist. Das ist also alles folgerichtig: Senkt man die Legitimität der Regierung, erhöht man die Möglichkeiten des Feindes, einen zu überwältigen.
Svitlana Zhebiv: Und zu all dem kommen die Algorithmen hinzu. Ich möchte den Titel einer Ihrer Kolumnen zitieren. Sie hieß: Imperien zerstören Demokratien, töten Demokratien, aber die Ukraine kann durch das Fehlen von Demokratie zerstört werden. Wenn man diesen Gedanken fortsetzt: Sind die Algorithmen, die heute die Gesellschaft polarisieren und eine schnelle Reaktion, ein Like oder ein Dislike verlangen, nicht eine gewisse Bedrohung für die Demokratie? Denn mir scheint, dass die Art, wie Sie die Pappschilder-Majdane und diese Kundgebungen analysieren und erklären, warum ein Ministerpräsident Politiker sein muss, all das vom Aufbau der Demokratie in der Gesellschaft handelt.
Portnikov: Natürlich. Es gibt eine sehr einfache Formel. Das ist ein Krieg des 21. Jahrhunderts und kein Krieg aus der Perspektive dessen, was in feudalen Zeiten geschah. Und das ist ebenfalls eine völlig offensichtliche Sache, die damit zusammenhängt, was in Zukunft mit dem russisch-ukrainischen Krieg geschehen wird.
Wir haben die Erfahrungen der Kriege des vergangenen Jahrhunderts gesehen und können einen völlig klarenSchluss ziehen:
Demokratische Staaten mit funktionierenden Institutionen sind im Krieg effektiver. Das ist eine Art von Effektivität.
Autoritäre Staaten mit funktionierenden Institutionen sind ebenfalls effektiv, obwohl ihre Effektivität anders ist.
Sie können den militärisch-industriellen Komplex viel wirksamer dazu zwingen, für ihre Bedürfnisse zu arbeiten, wie es das 3. Reich tat. Oder sie können, wenn ihr militärisch-industrieller Komplex nicht so effektiv arbeitet, den Gegner ohne jeglichen gesellschaftlichen Widerstand oder Protest mit den Leichen der eigenen Landsleute überhäufen. Das tat die Sowjetunion.
Es gibt zweiweitereStaatstypen. Es kann einen demokratischen Staat mit ineffektiven Institutionen geben, wie bei uns. Das ist sehr gefährlich. Es kann einen autoritären Staat mit ineffektiven Institutionen geben. Auch das ist unter Kriegsbedingungen sehr gefährlich, wie Sie verstehen. Und wir haben eine sehr einfache Wahl: zwischen einem demokratischen Staat mit ineffektiven Institutionen und einem autoritären Staat mit ineffektiven Institutionen.
Ich möchte, dass wir während des Krieges einen demokratischen Staat mit effektiven Institutionen aufbauen. Denn wenn wir einen autoritären Staat aufbauen, werden seine Institutionen dadurch nicht effektiv. Unter demokratischen Bedingungen können wir es uns noch erlauben, die Institutionen effektiver zu machen. Stellen Sie sich einen autoritären Staat vor. Wie soll er unter den heutigen Bedingungen effektive Institutionen aufbauen? Gar nicht.
Deshalb müssen wir uns tatsächlich klar bewusst machen, dass es, wenn wir Russland als autoritärem Organismus widerstehen wollen, zwei wichtige Faktoren des Sieges gibt. Den Aufbau eigener demokratischer Institutionen und die Destabilisierung der Institutionen in Russland. Das ist es, womit wir uns im Grunde zu beschäftigen versuchen, wenn wir den militärisch-industriellen Komplex angreifen oder einen Online-Marktplatz. Wir greifen nicht nur die Wirtschaft an, wir destabilisieren russische Institutionen, weil dort ein Bedarf an Geld entsteht, ein Problem damit, wie der soziale Vertrag erfüllt wird, und weil man über Mobilisierung nachdenkt. Es wird also faktisch alles getan, um ihre Institutionen zu destabilisieren, damit sie, selbst wenn sie autoritär bleiben, die Macht des Staates nicht für den Krieg gegen uns nutzen können.
Wir müssen den entgegengesetzten Weg gehen. Wir müssen innerhalb eines demokratischen Staates effektive Institutionen schaffen, die den Demokratien im 20. Jahrhundert dabei halfen, den Autoritarismus zu besiegen. Denn DemokratienhabendenAutoritarismuszweimalbesiegt.
Das erste Mal 1945, als es um Hitlerdeutschland ging. Ja, sie siegten gemeinsam mit der Sowjetunion, aber ich wiederhole: Die Sowjetunion war ein autoritärer Staat mit effektiven Institutionen.
Und das zweite Mal besiegten sie dieselbe Sowjetunion im Kalten Krieg, weil sie demokratische Staaten mit funktionierenden Institutionen waren. Die Institutionen der Sowjetunion hatten zu diesem Zeitpunkt bereits begonnen, wie ich sagen würde, zu degradieren und endgültig zu entarten. Das ist die gesamte Antwort.
Können wir unter den gegenwärtigen Bedingungen unsere Institutionen effektiver machen? Ja. Dafür brauchen wir nationale Eintracht. Erstens. Dafür brauchen wir eine Koalition, die nicht nur aus der Partei „Diener des Volkes“ besteht, sondern aus staatsorientierten Parteien, zu der Vertreter der Europäischen Solidarität, der Golos und der Batkivshina eingeladen werden müssen. Und alle sagen: „Sie werden dort ohnehin keine kontrollierende Mehrheit haben.“ Es geht nicht um eine kontrollierende Mehrheit. Es geht um Ministerposten und um ihre Verantwortung für diese Posten. Verstehen Sie?
Svitlana Zhebiv: Und dann wird um solche Posten gehandelt werden: Sicherheitsdienst, Polizei oder etwas Ähnliches.
Portnikov: Der Sicherheitsdienst, das Verteidigungsministerium und das Außenministerium sind die Prärogative des Präsidenten. Mit ihm muss abgestimmt werden, welche Person er auf diesem Posten sehen möchte. Diese Person kann ein Vertreter einer anderen politischen Kraft sein, aber andererseits stellt sich die Frage: Warum, wenn es die Kompetenz des Präsidenten ist?
Svitlana Zhebiv: Sie sprechen schon seit Langem von einer Koalition und einer Regierung der nationalen Einheit?
Portnikov: Seit Langem, ja. Aber wir leben auch schon seit Langem unter den Bedingungen nicht funktionierender Institutionen.
Svitlana Zhebiv: Kehren wir aber dazu zurück, dass wir uns doch nicht besonders gut verständigen können. Stattdessen führt bei uns jeder Konflikt zu einem Frontalzusammenstoß. Selbst dieser Konflikt, offensichtlich ein Konflikt und eine gewisse Managementkrise zwischen Fedorov und Syrsky, ist zu einem Konflikt zwischen Personen geworden. Obwohl die Menschen, die auf die Straße gehen, wenn man mit ihnen spricht, für Institutionen und Reformen auf die Straße gehen. Und es entsteht eine solche Blase: Man muss sich entweder der einen oder der anderen Seite anschließen. Dabei funktionieren moderne Algorithmen sehr gut.
Portnikov: Natürlich. Aber wenn Sie wiederum auf eine bestimmte Person hoffen, die für Sie Hoffnung verkörpert, und Mychajlo Fedorovs Tätigkeit im Verteidigungsministerium mit dieser Zeit zusammenfiel, dann stellt sich eine andere Frage. Was ist, wenn sich herausstellt, dass sich die Ereignisse nicht so entwickeln, wie Sie denken, etwa nicht so schnell, oder dass die Mobilisierung nicht gebremst, sondern verstärkt wird? Mychajlo Fedorov kehrt ins Verteidigungsministerium zurück. Die Mobilisierung wird, was völlig natürlich ist, verstärkt. Und es ist tatsächlich die Aufgabe des Verteidigungsministeriums, sie zu verstärken. Was werden die Menschen, die auf die Proteste gingen, dann über den Verteidigungsminister denken? Er kann seine Autorität verlieren.
Svitlana Zhebiv: Und sie könnten gegen Fedorov auf die Straße gehen?
Portnikov: Sie könnten auf die Straße gehen, sie könnten auch nicht auf die Straße gehen. Aber ich möchte Sie daran erinnern, dass Valery Zaluzhny beispielsweise bis heute ein Symbol ukrainischer Standhaftigkeit geblieben ist. Vergessen Sie aber nicht, dass es sowohl das Jahr 2022 als auch 2023 gab. Stellen Sie sich vor, aus der Offensive wäre nichts geworden, Zaluzhny wäre anschließend Oberbefehlshaber geblieben, wie viele es wollten, und auch ich hätte gewollt, dass er damals bleibt. Ich verstand nicht, warum man den Oberbefehlshaber wechseln sollte. Aber dieser Mythos, würde ich sagen, hätte vor dem Hintergrund aller weiteren Ereignisse bereits zu schmelzen beginnen können. Zaluzhny ging einfach zu einem Zeitpunkt, als der Mythos trotz der Offensive von 2023, also trotz des ausbleibenden Ergebnisses der Offensive, noch fortbestand. Und Fedorov ging zu einem Zeitpunkt, als der Mythos ebenfalls noch bestand.
Das Problem der heutigen Regierung Zelenskys besteht darin, dass sie auf irgendeine seltsame Weise, obwohl sie angeblich aus politischen Technologen besteht, mögliche Konkurrenten in dem Moment entfernt, in dem der Mythos noch besteht, und nicht dann, wenn er sich bereits erschöpft. Warum? Ich weiß es nicht. Vielleicht fehlt erneut die elementare Logik. Vielleicht denkt der Präsident emotional, wie ein Mensch, der eine bestimmte Bedrohung sieht und keine Grenzen wahrnimmt. Das ist schwer zu sagen. Aber dennoch gibt es hier eine andere Situation, die mir wichtig erscheint, wenn wir über all diese Proteste oder über alles andere sprechen. Wir sprechen tatsächlich darüber, dass die Menschen, die in der heutigen Regierung Karriere machen, keine wirkliche politische Verantwortung und keine Verantwortung für die Folgen tragen.
Svitlana Zhebiv: Und haben wir Bürger diese Verantwortung?
Portnikov: Bei den Bürgern kann sich eine solche Verantwortung nicht vollständig herausbilden, wenn es keine Menschen gibt, die für die Zukunft des Landes Verantwortung tragen müssten.
Svitlana Zhebiv: Sie sprechen dabei auch über die Mobilisierung. Denn angenommen, Fedorov tritt morgen auf, bleibt im Amt, und wir nehmen an, dass er sagt: „Gut, jetzt werden wir uns vorbereiten und alle eine militärische Ausbildung durchlaufen, etwa wie in Israel.“
Portnikov: Ich glaube nicht, dass er das sagen wird, weil er wie Zelensky an seine nicht existierenden Wahlaussichten denken wird. Außerdem ist eine militärische Ausbildung wie in Israel keine Mobilisierung. Mobilisierung ist eine reale Einberufung in die tatsächlichen Reihen der Streitkräfte der Ukraine. Es ist eine Veränderung dessen, was mit den territorialen Rekrutierungszentren geschieht. Das ist übrigens etwas, von dem ich seit vielen Jahren sage, dass man es verändern muss. Seit vielen Jahren. Und auch das sind Dinge, die in der Gesellschaft absolut unpopulär sind.
Aber mir scheint, dass ich von Anfang an gesagt habe, die Mobilisierung müsse elektronisch erfolgen. Und wenn Ihnen „Dija“ so gut gefällt, dann nutzen Sie es bitte als Instrument der Mobilisierung. Schaffen Sie keine gesonderten Instrumente. Wozu? Wenn Sie natürlich der Meinung sind, dass die Informationen in Dija nicht angemessen geschützt sind, dies der Gesellschaft aber nicht sagen wollen und deshalb „Reserve+“ schaffen, dann wäre es vielleicht besser, ehrlich mit der Gesellschaft darüber zu sprechen, wie gut Dija geschützt ist. Dann wäre alles verständlich. „Wissen Sie, wir können es nicht nutzen, weil der Feind jederzeit die Daten unserer Mobilisierten nutzen könnte. Und das ist nicht dasselbe wie Ihre Steuerdaten, Dokumente oder die Zahl Ihrer Autos.“ Dann muss man ehrlich sein, ja?
Wenn wir aber einen Mythos schaffen, dann braucht der Mythos, wie jede Religion, seine Priester und seine Regeln. Gut, Dija oder nicht Dija, das spielt keine Rolle. Jedenfalls hielt ich die Idee, die Grenzen für Mobilisierungspflichtige zu schließen, für unproduktiv. Denn ich dachte, diese Grenzen würden für drei oder vier Wochen geschlossen, so lange, wie alle glaubten, dass der Krieg dauern werde. Danach braucht man gemeinsame Lebensregeln. Es kann nicht sein, dass die einen Menschen die einen Rechte und andere Menschen andere Rechte haben. Wenn eine Person mobilisierungspflichtig ist, müssen Sie akzeptieren, dass Sie ihr das Recht zur Ausreise gewähren wie jedem anderen Bürger. Aber machen Sie die Vorladungen zur militärärztlichen Kommission elektronisch und verlangen Sie von der Person beispielsweise, dass sie innerhalb von drei oder vier Wochen für diese Untersuchung nach Hause zurückkehrt. Danach soll sie wieder fahren dürfen, wenn sie nicht in die Reihen der Streitkräfte einberufen wird.
Dann müssen Sie nicht durch die Straßen gehen und dort Menschen suchen. Sie stellen einfach eine elektronische Vorladung zu. Und wenn auf diese elektronische Vorladung keine angemessene Reaktion des Bürgers folgt, beginnen Sanktionen seitens des Staates. Der Staat hat das volle Recht dazu, weil er Sie gewarnt und Sie auf zivilisierte Weise vorgeladen hat, Sie aber abgelehnt haben. Danach beginnen verschiedene Ebenen der Verantwortung gegenüber dem Staat, wie es sich gehört. Denn es ist ungerecht, wenn manche Menschen dienen, manche ehrlich zur militärärztlichen Kommission gehen, manche ehrlich ihre Daten in Reserve+ aktualisieren, es aber Menschen gibt, die weder das eine noch das andere noch das dritte tun, richtig? Und dennoch halten sie das für gerecht. Nein, sie handeln ungerecht gegenüber der ersten, zweiten und dritten Kategorie, gegenüber allen Kategorien.
Dann dürfen diese drei Kategorien nicht wegen der vierten leiden. Es muss Gleichheit für alle geben. Also machen wir es so. Alle sagen: „Dann werden sie alle ins Ausland fliehen.“ Das stimmt nicht. Es reisen ohnehin nicht alle aus. Erstens. Zweitens: Sind diejenigen, die fliehen wollten, etwa nicht geflohen? Sie sind geflohen, haben aus dieser Flucht aber eine riesige Korruptionspyramide gemacht. Und ich würde sagen, sie haben in der Gesellschaft eine sowjetische Atmosphäre geschaffen, wie zu Sowjetzeiten.
Der eine ist ins Ausland gegangen, der andere nicht. Der eine lebt in der Emigration, der andere hier. Derjenige in der Emigration ist ein schlechter Mensch, derjenige hier ein guter, obwohl derjenige hier sich vor dem Einberufungszentrum verstecken kann und derjenige dort eine Diagnose haben kann, die ihm ohnehin keinen Dienst erlaubt. Aber er ist, wie zu Sowjetzeiten, ausgereist und deshalb ein schlechter Mensch. „Warum lebst du im Ausland?“ Ich spreche noch gar nicht davon, dass die Europäische Kommission jetzt die Frage diskutiert, ob Männern im mobilisierungspflichtigen Alter Schutz gewährt werden soll. Hätten wir freie Ausreise für alle und würden über elektronische Vorladungen sprechen, hätten wir uns vom ersten Tag an mit der Europäischen Kommission darauf einigen können, dass Schutz denjenigen gewährt wird, die ordnungsgemäß ausgestellte Einberufungsunterlagen vorlegen. Das hätte bereits die Zahl der Männer im wehrpflichtigen Alter verringert, die ins Ausland fahren.
Svitlana Zhebiv: Ich habe ein Interview mit einem Militäranalysten geführt und ihn gefragt, was ihn am meisten überrascht, ob ihn in der gegenwärtigen Situation überhaupt noch etwas überrascht. Er sagte, seine größte Überraschung bestehe darin, dass die Menschen zu glauben beginnen, Roboter würden kämpfen, alles werde vollständig automatisiert und man könne ohne Menschen auskommen.
Portnikov: Die Menschen wollen das glauben, weil sie dann denken können, eine solche Situation werde sie nicht betreffen. Aber sie glauben ja nicht nur daran. Die Menschen glauben auch, wenn sie sich in ihren Wohnungen befinden und in diesem Moment ballistische Raketen fliegen, dass diese Raketen ein anderes Haus treffen werden. In 90 Prozent der Fälle ist es tatsächlich so. Aber in zehn Prozent der Fälle trifft die Rakete oder die Drohne dein Haus, und du stirbst. Du kannst anderen davon einfach nicht mehr erzählen oder diese Erfahrung mit ihnen teilen. Und alle anderen, die am Leben bleiben, weil sie eine andere Erfahrung gemacht haben, glauben weiter daran, bis eine Rakete einschlägt.
Aber das ist wiederum die Reaktion von Menschen darauf, dass sie keinen Ort haben, an den sie gehen können. Darauf, dass wir viereinhalb Jahre lang, statt Schutzräume zu bauen, über die Wichtigkeit anderer Objekte nachdenken. Sagen wir, wir denken darüber nach, dass es uns wichtig ist, ein normales, friedliches Leben zu führen und zu glauben, der Krieg werde in drei Monaten enden.
Ich kann also nicht sagen, dass es ausschließlich daran liegt, dass die Menschen Fatalisten sind. Nein. Denn wenn ich im Moment eines Angriffs, insbesondere eines ballistischen Angriffs, nicht weiß, wohin ich gehen soll, wie soll ich dann wissen, welchen Schutzraum ich aufsuchen muss? Ich sage Ihnen: Bei den letzten ballistischen Angriffen auf Kyiv gab es in der Kyiver Metro bereits keinen Platz mehr zum Sitzen. Die Zahl der tatsächlichen Plätze ist also begrenzt.
Svitlana Zhebiv: Und das ist eine gute Frage. Ist das eine Frage an die Menschen oder an die Regierung?
Portnikov: Die Zahl der tatsächlichen Plätze war bereits nicht ausreichend. Ich kam, wie mir schien, rechtzeitig, und es gab schon keinen Platz mehr. Ich kam bereits mit meinem eigenen Stuhl, was ich früher nie getan hatte. Aber es stellt sich eine andere Frage: Wenn alle Menschen gewissenhaft handeln, wohin sollen wir dann in Kyiv oder Lwiw gehen? Stellen Sie sich vor, wie viele funktionierende Schutzräume es in Lwiw gibt. Wenn ganz Lwiw zu den Schutzräumen in Hotels oder Bildungseinrichtungen kommt, wird die Stadt dort hineinpassen?
Svitlana Zhebiv: Nun, wahrscheinlich muss sich jeder selbst darum kümmern, wohin er geht, wenn er zu Hause ist und etwas angeflogen kommt.
Portnikov: Und wenn es physisch keinen Ort gibt, an den man gehen kann? Wurden in Kyiv, Lwiw, Dnipro oder Odessa in diesen viereinhalb Jahren viele Schutzräume gebaut? Wurden viele gebaut? Ist das also eine Frage an die Menschen oder an die Regierung? Oder an die Menschen, die Druck auf die Regierung ausüben müssen?
Svitlana Zhebiv: An die Regierung.
Portnikov: An die Menschen, die Druck auf die Regierung ausüben müssen.
Svitlana Zhebiv: Das ist gerade der Aufbau eines demokratischen Prozesses, von Institutionen?
Portnikov: Wir haben doch nie einen Protest gesehen: „Wir wollen einen neuen Schutzraum.“ Haben Sie wenigstens Proteste mit der Forderung gesehen, jene Schutzräume zu renovieren, die es gibt und die bei alten Häusern für den Fall eines Atomschlags oder solcher Raketenangriffe gebaut wurden? In 90 Prozent der Fälle sind sie völlig unbrauchbar. Aber sie existieren.
Svitlana Zhebiv: Nun, das sieht nach einem Problem aus, das sich nicht lösen lässt.
Portnikov: Es lässt sich lösen, wenn es den Willen gibt. Aber wenn es in der Gesellschaft keine Nachfrage danach gibt, renoviert die Regierung für die Gesellschaft lieber etwas anderes. Es stellt sich also heraus, dass man sich problemlos mobilisieren kann, wenn die gesellschaftliche Nachfrage etwa einem effektiven Verteidigungsminister oder Antikorruptionsbehörden gilt. Es ist also auch eine Frage der Prioritäten. Wenn der Moment eines solchen Angriffs kommt, gehen die Menschen in die Metro, verstehen, dass es keinen Platz gibt, aber danach beruhigt sich alles irgendwie wieder. Der Mensch möchte nicht darüber nachdenken.
Svitlana Zhebiv: Andere Angelegenheiten.
Portnikov: Andere Angelegenheiten. Und so geht es bis zur nächsten solchen Geschichte weiter. Ich bin absolut überzeugt, dass wir uns grundsätzlich auf solche Dinge vorbereiten müssen, denn ich habe viel mit meinen israelischen Bekannten gesprochen, die hierherkommen. Und sie sind natürlich fassungslos.
Svitlana Zhebiv: Darüber, dass wir uns nicht vorbereiten.
Portnikov: Darüber, dass niemand irgendwohin geht. In Israel ist das unmöglich. Es gibt geschützte Räume, es gibt Schutzräume, alle gehen hinein. Manche Todesfälle geschehen, wenn Menschen es nicht rechtzeitig schaffen hinunterzugehen, zum Beispiel ältere Menschen wegen der Treppen. Verstehen Sie? Dann gibt es direkte Raketentreffer. Natürlich wird selbst ein geschützter Raum bei einem direkten Raketentreffer kaum helfen. Aber direkte Raketentreffer in Wohnviertel gibt es nicht so viele, verstehen Sie? Und jedenfalls betrifft es ein Haus. Aber all die Drohnen und all die Folgen von Einschlägen, wir sehen doch ihre Ergebnisse. Es ist also ein riesiges Problem, dass wir noch immer nach diesem „Vielleicht geht es ja gut“ leben.
Svitlana Zhebiv: Mhm. Es wird schon gut gehen.
Portnikov: Ja. Und wir können uns nicht vorstellen, dass man sich anders verhalten kann. Ich sage Ihnen noch einmal: Menschen, die seit Jahren in einer solchen Situation leben und hierherkommen, sehen, dass auch wir angeblich seit Jahren so leben, aber nichts dergleichen geschieht. Alle meine Bekannten fragen mich: „Bist du in der Metro oder irgendwo anders hinuntergegangen?“ Ja, aber sie selbst gehen nicht hinunter. Sie finden, dass ich alles richtig mache, aber wohin sollen sie gehen? Sie haben keinen Ort. Jeder erklärt sich selbst, dass er keinen Ort hat, an den er gehen kann. Und dagegen kann man nichts tun. So ist die Situation.
Svitlana Zhebiv: Es sieht so aus, als würden wir keine große Politik besprechen, sondern einfache, alltägliche Dinge. Aber genau das ist doch der Aufbau von Institutionen und normale Fragen an die Regierung, die bei einem Schutzraum beginnen können. So funktioniert im Grunde deine Stadt. Wir beginnen immer mit der Frage: „Was bringt das? Was beeinflusst es? Was wird die Lösung sein?“ Erstens: Sind Medien und Journalisten überhaupt noch wichtig? Denn zuletzt habe ich gelesen, dass China gewissermaßen auf die Ausbildung von Journalisten verzichtet hat. Denn in China wird Pressefreiheit nicht gebraucht.
Portnikov: Es gibt soziale Netzwerke.
Svitlana Zhebiv: Es gibt TikTok. Droht uns nicht dasselbe? Wir erinnern uns, als diese neue Regierung antrat und es im Präsidialamt sogar Bohdan gab, der sagte: „Wir brauchen keine Journalisten. Wir haben unsere eigenen Informationskanäle. Dort verbreiten wir alle Informationen.“ Inwieweit können Journalisten diese Agenda prägen? Warum ist sie wichtig?
Portnikov: Die traditionelle Presse könnte in den kommenden Jahrzehnten verschwinden.
Svitlana Zhebiv: Traditionelle Formate.
Portnikov: Traditionelle Medienformate, natürlich. Aber es stellt sich eine sehr einfache Frage. Wir verstehen, warum das in China geschieht. Doch mich interessiert beispielsweise, ob in Hongkong weiterhin Journalismus gelehrt wird. Werden all diese großen Hongkonger Publikationen, die im Grunde die chinesische Position in der Welt vermitteln, weiter erscheinen? China braucht doch, dass seine Position verstanden wird. Wird China sie ausschließlich mithilfe von TikTok vermitteln, oder wird die South China Morning Post bleiben? Damit die South China Morning Post bleibt, muss ein Mensch professioneller Journalist sein und mit Informationen arbeiten können.
Es gibt eine einfache Sache. Das, worüber wir in sozialen Netzwerken sprechen, sind keine Nachrichten, sondern Nachrichtenaggregatoren oder Kommentare zu Nachrichten. Jemand muss diese Nachrichten erzeugen. Wenn wir den Journalismus als Beruf aufgeben, verzichten wir auf die Vermittlung zwischen einer Nachricht und demjenigen, der sie überprüfen kann. Ja, wir brauchen eine gewisse Herausforderung. Ich halte eine Pressekonferenz nicht unbedingt für eine Nachricht.
Die letzte große Pressekonferenz, die alle interessierte, war beispielsweise das Briefing Mychajlo Fedorovs. Er hätte auch ohne Treffen mit Journalisten auskommen und eine Erklärung abgeben können. Einige kritische Fragen hätte man ihm in einem virtuellen Format stellen können, und er hätte darauf geantwortet. Obwohl es natürlich schwieriger ist, nicht zu antworten, wenn ein Mensch neben dir steht, wie wir es bei Trump sehen. Trump beantwortet alle Fragen, selbst die kritischen. Er wird wütend. Stellen Sie sich vor, diese Menschen wären nicht da. Auch das ist eine Tradition.
Aber eine Nachricht ist ein Ereignis. Wenn Sie keine angemessene Antwort auf die Frage haben, was geschehen ist, werden Sie einfach zum Gefangenen von Manipulationen. Gerade deshalb sind anonyme Telegram-Kanäle so gefährlich, weil sie Nachrichten einfach erfinden.
Svitlana Zhebiv: Und zusätzliche Blasen und unterschiedliche Informationswelten schaffen, in denen wir leben.
Portnikov: in denen die Menschen nicht von Nachrichten leben, sondern von erfundenen Geschichten über das Nachrichtengeschehen. Verstehen Sie? Und die Menschen sind in jeder Situation bereit, daran zu glauben. Ich lebe beispielsweise in einer Situation, in der ich seit zwölf Jahren angeblich überhaupt in Polen lebe.
Svitlana Zhebiv: Und das ist eine Erfindung über Sie?
Portnikov: Wenn Menschen mich treffen, sagen sie: „Sind Sie etwa in der Ukraine?“ Nun, eigentlich ja. Ich moderiere doch jede Woche Sendungen in ukrainischen Studios. Hinter mir ist Kyiv oder Lwiw. Nein. Denn das hat ein niemandem bekannter Autor eines unbekannten Telegram-Kanals geschrieben. Solcher Beispiele kann man eine riesige Zahl nennen. Zu jedem Ereignis.
Es ist also wichtig, dass zumindest der Nachrichtenjournalismus weiter existiert, und das kann nur in einem Team geschehen. Vielleicht nicht auf Papier, vielleicht nicht in Form einer Website, die bereits die periodische Publikation ersetzt hat. Aber in irgendeiner Form werden Teams weiterhin existieren und funktionieren müssen. Vielleicht als eine Form öffentlichen Interesses, vielleicht wird das nicht genügend Werbeeinnahmen bringen, ich weiß es nicht. Aber das ist eine Herausforderung, auf die wir beide antworten müssen.
Wie Sie wissen, beantworte ich diese Herausforderung übrigens immer durch meine eigene Arbeit, weil ich versuche, auf die eine oder andere Weise auf alle Formate zu reagieren, die auf mich zukommen.
Svitlana Zhebiv: Sie schreiben jetzt wahrscheinlich weniger Texte und machen mehr Videos.
Portnikov: Ich schreibe weniger Texte. Aber was bedeutet überhaupt, dass ich weniger Texte schreibe? Ich schreibe etwa vier bis fünf Texte pro Woche. Wie viel soll ein Journalist überhaupt schreiben? Mein ganzes Leben lang schrieb ich etwa fünf bis sechs Texte pro Woche. Jetzt schreibe ich zwei weniger.
Warum erwähne ich das? Weil das niemand mehr bemerkt. Ich bin so viel im Videoformat präsent, dass niemand überhaupt versteht, dass ich weiterhin ein, wie ich sagen würde, effektiv arbeitender, schreibender Journalist bin. Mehr noch: Ich schreibe jetzt Texte auf Englisch, was ich früher nie getan habe. Für einen nicht englischsprachigen Menschen habe ich eine große Zahl von Lesern auf Substack und X, wo ich ausschließlich auf Englisch schreibe. Dort sind Hunderttausende Menschen, aber niemand bemerkt das. Weil wir in unserer eigenen Blase leben. Warum sage ich das? Weil ich versuche, auf all diese Herausforderungen zu reagieren. Wenn Sie sagen: „Sie schreiben weniger“, dann nein, ich schreibe nicht weniger. Ich schreibe so viel wie früher, aus Sicht des Englischen sogar mehr.
Deshalb sage ich, dass wir auf alle Herausforderungen reagieren müssen. Wenn wir den Journalismus bewahren wollen, müssen wir die Herausforderung aller neuen Informationsformate annehmen, die entstehen, und darin, sagen wir es jetzt in einer zivilisierten Sprache, die „Dilettanten“ besiegen. Sehen Sie sich überhaupt Lwiwer Blogger an, was sie etwa auf TikTok machen?
Svitlana Zhebiv: Auf TikTok nicht. Aber Sie dürfen mich beneiden, denn ich werde anfangen, sie anzusehen. Ich werde diese Blogger für mich entdecken. Aber warum erwähne ich überhaupt den Journalismus? Ich zeige am Beispiel des Journalismus, ebenso wie wir über diese Schutzräume gesprochen haben, wie sehr sich die Welt verändert und wie sehr wir das verlieren können, was uns beim Aufbau der Demokratie hilft.
Portnikov: Vielleicht ist es umgekehrt? Wir erhalten effektivere Instrumente, wenn wir Influencer werden, unsere Positionen verteidigen, um uns herum eine größere Zahl interessierter Menschen vereinen und dies neben den traditionellen Medien tun.
Svitlana Zhebiv: Sie sprechen vom Vertrauen zu Journalisten, die ihren professionellen Namen nicht verloren und ihn über Jahre der Arbeit bewahrt haben.
Portnikov: Und bestimmte Influencer werden sich uns anschließen. Daran ist nichts Schlimmes. Man kann vieles tun. Ich setze mit den Lwiwer Bloggern fort. Ein Lwiwer Blogger, ein kleiner Junge, ich weiß nicht, wie alt er ist, zwölf oder dreizehn, macht auf TikTok ständig irgendwelche Blogs darüber, welche Frisur er sich gemacht oder mit welchem Mädchen er getanzt hat. Das ist für einen Schüler normal.
Aber ich sah sein TikTok von dem Protest mit dem Kartonschild. Verstehen Sie? Wie viel kann dieser kleine Junge, der ein anderes Publikum hat, in Zukunft bewirken, wenn er zwölf Jahre alt ist und bereits als Mensch in einer Atmosphäre einer engagierten Gesellschaft aufwächst und diese Gesellschaft unterstützt? Es ist doch ein Kind. Es wächst bereits mit einem bestimmten Verständnis der eigenen Bedeutung und Verantwortung auf. Als Kind sieht es das Beispiel älterer Menschen, vielleicht derselben jungen Männer, an denen es sich in den sozialen Netzwerken orientiert.
Und da haben Sie die Frage. Ich verlange nicht, dass ein zwölfjähriger Mensch politische Kommentare à la Vitaly Portnikov abgibt, Gott bewahre, nein. Obwohl ich das selbst mit zwölf getan hätte. Wäre ich heute zwölf Jahre alt, also derjenige, der ich als Zwölfjähriger war, würde ich politische TikToks machen. Schade, dass es das damals bei mir nicht gab. Ich wäre heute der bekannteste politische Blogger der Ukraine, wäre ich zwölf Jahre alt. Das ist übrigens kein Scherz, denn ich habe meine Tagebücher aus dem Jahr 1979, als ich zwölf war, in Heften. Ich verstehe, wie viel ich heute als Zwölfjähriger in sozialen Netzwerken machen könnte. Ich wäre populärer als jetzt mit 59. Verstehen Sie?
Aber ich sehe diesen Jungen an und freue mich sehr, weil er normaler ist, als ich es war. Er ist kein Wunderkind mit politischen Interessen, das alle Minister und Ministerpräsidenten kennt und sich für Kriege, Politiker und Parteitage interessiert. Er ist ein normaler Junge. Er wird ein normales Leben führen, aber das Leben eines sozial verantwortlichen Menschen. So eröffnen sich völlig neue Perspektiven.
Svitlana Zhebiv: Ja. Andererseits können wir auch Manipulationen und gezielte Falschinformationen beobachten. Und wie ich sagte, gibt es diese verschiedenen Informationsrealitäten, die sich nicht immer überschneiden. Sehen Sie, wie sie sich überschneiden können oder wie ein solcher Dialog möglich ist? Dialog bedeutet gerade, nach einer Lösung zu suchen. Ein Dialog zwischen Regierung, Gesellschaft und engagierten Menschen. Oder auch zwischen verschiedenen Blasen, zwischen denen, die eine bestimmte Entscheidung unterstützen, und denen, die sie nicht unterstützen.
Portnikov: Ja, Dialog bedeutet Wahlen. In Wahrheit sind wir dieses Wahlwerkzeugs derzeit einfach beraubt, weil Krieg herrscht und wir in diesem Krieg überleben wollen. Aber wenn wir überleben, wird dieser Dialog an den Wahllokalen während der Wahlkämpfe stattfinden. Dann werden übrigens, wie Sie verstehen, viele nicht mehr daran interessiert sein, in einem traditionellen Medium irgendeinen bestellten Artikel zu veröffentlichen, sondern mit Bloggern zu arbeiten. Mit Bloggern zu arbeiten ist schwieriger. Natürlich kann man jemandem Geld geben, wie man es für Werbung für irgendein Parfüm tut, aber das erschöpft sich schnell. Sie verstehen, dass die Autorität eines einzelnen Menschen nicht die Autorität eines Mediums ist. Sie kann mit einem einzigen Mal erschöpft sein, und die Menschen wenden sich ab.
Also werden alle bei solchen Dingen vorsichtiger sein. Du wirst mit diesen Menschen arbeiten und beweisen müssen, dass du wirklich kein Scharlatan bist, Fedorov, und dass du ein reales Veränderungsprogramm hast. Sonst wird nichts geschehen. Sie verstehen doch, dass der Effekt des ehemaligen Verteidigungsministers darin bestand, dass er nicht einfach sagte: „Ich bin gut und sympathisch“, sondern über bestimmte Veränderungspläne sprach, die den Menschen verständlich sind.
Das kann ein populistisches Programm sein, aber wenigstens gibt es eines. Und das ist übrigens ein gewaltiger Unterschied zum Jahr 2019. Sie werden niemals formulieren können, was Volodymyr Zelensky damals eigentlich tatsächlich tun wollte. Die Korruption besiegen und den Krieg beenden. Das ist natürlich großartig, aber wie der Umzug des Präsidialamts von der Bankowa in ein gläsernes Büro im Ukrainischen Haus: Man zieht bis heute um. Erinnern Sie sich, was das damals für völlig kindliche Versprechen und Spielereien waren. Heute muss man den Menschen schon ernsthaftere Dinge sagen. Und so wird es sein. Selbst der Populismus wird sich kreativ entwickeln. Und natürlich braucht es einen Dialog zwischen verschiedenen sozialen Gruppen und Menschen mit unterschiedlichen Interessen.
Was ist wiederum der Ausweg aus der Situation? Eine Koalition. Wie findet Dialog statt? In zivilisierten Ländern müssen Sozialisten, Konservative und, sagen wir, Liberale eine Regierung bilden, um die Ultrarechten nicht an die Macht zu lassen. Zwischen ihnen findet ein Dialog statt. Der kann vielen missfallen. Der Dialog zwischen Christdemokraten und Sozialdemokraten in Deutschland ist ein schrecklicher Dialog, oder der Dialog der politischen Parteien in den Niederlanden, wenn sie keine Koalition mit der Partei von Geert Wilders eingehen wollen. Oder die Dialoge zwischen den lettischen politischen Parteien, die beispielsweise eine Partei nicht an die Macht lassen wollten, welche im Grunde die Interessen des russischen politischen Spektrums vertrat. Dann schließen sich Liberale, Konservative, rechte Nationalisten und Grüne zusammen. Was verbindet sie? Dass sie Letten sind. Sie müssen miteinander einen zivilisierten Dialog führen.
Svitlana Zhebiv: Aber wir sehen weder diesen Dialog noch Wahlen. Wie kann man die Situation dann analysieren?
Portnikov: Jetzt müssen wir einfach weiterhin ehrlich mit der Gesellschaft über die bestehenden Probleme sprechen.
Svitlana Zhebiv: Hätte Zelensky das sagen müssen, oder wer?
Portnikov: Jeder von uns muss Teil dieses Dialogs sein. Zelensky natürlich auch. Aber er versucht es, er trifft sich zumindest mit bestimmten Politikern, Abgeordneten und Bloggern. Er muss einfach auf eine neue Ebene der Kommunikation und der Selbsteinschätzung übergehen. Er muss sich mit Petro Poroschenko treffen. Er muss sich mit Julija Tymoschenko treffen, auch wenn sie manchen nicht gefällt und anderen gefällt, ebenso wie Poroschenko manchen nicht gefällt und anderen gefällt. Er muss sich regelmäßig mit Abgeordneten anderer politischer Kräfte treffen, denn er ist nicht Präsident der Partei „Diener des Volkes“, sondern Präsident aller Ukrainer. Die Ukrainer haben nicht nur für Populisten, sondern auch für staatsorientierte Kräfte gestimmt. Auch diese Ukrainer müssen respektiert werden, und man muss sich mit ihren Anführern treffen. Man muss sich mit Journalisten treffen, die unangenehme Fragen stellen können, die von der Kompetenz des Präsidenten nicht überzeugt sind, ihn aber als Staatsoberhaupt unterstützen.
Ich meine damit nicht mich selbst. Ich glaube, der Nutzen eines Treffens mit mir wäre gering. Aber es gibt Menschen, die, sagen wir, vor Ort arbeiten und über die Realität in der Gesellschaft und in den Streitkräften berichten können. Menschen, die nicht in Formeln sprechen, wie ich es tue, sondern mit reinen Fakten, die der Präsident vielleicht einfach nicht kennt. Wie jeder Mensch, der aufgrund dieser, wie ich sagen würde, 24-stündigen Konzentration auf die Lösung absolut konkreter Fragen von der Realität losgelöst sein kann. Seine engsten Mitarbeiter werden ihn niemals in diese Realität hineinführen, weil sie dadurch ihre Posten verlieren könnten.
Auch das ist also Teil des Dialogs, damit bestimmte Dinge für den Präsidenten keine Überraschung sind. Er wird aber verstehen müssen, dass man ihm unangenehme Dinge sagen wird und dass die Menschen, die sich mit ihm treffen, ihn nicht als irgendeinen herausragenden Menschen mit politischem Denken und als Hoffnung der Nation betrachten werden. Sie werden ihn einfach als Beamten betrachten, der auf einem bestimmten Posten sitzt und dort so lange sitzt, weil es so gekommen ist, nicht künstlich, sondern wegen des Krieges, und weil wir alle seine Legitimität anerkennen.
Svitlana Zhebiv: Fedorov sagte während der Pressekonferenz: „Unser Auftraggeber ist das ukrainische Volk.“ Das klang wie die Aussage eines Unternehmensleiters. Und Sie haben anscheinend ebenfalls diese Analogie gezogen, dass es in der Ukraine den Wunsch gibt, Reformen umzusetzen, transparente Behörden und besonders effiziente Strukturen aufzubauen, wie es in Georgien war. Ich erinnere mich übrigens, dass sogar eine georgische Ministerin nach Lwiw kam, die hier die Digitalisierung einführen sollte. Wir haben sogar Leute eingeladen, damit wir diesen Weg nicht gehen. Und wie endete das alles?
Portnikov: Ich habe darüber bereits während der Herrschaft Micheil Saakaschwilis gesprochen, aber niemand wollte mir zuhören. Ich war dabei immer ein völliger Außenseiter, weil ich stets sagte: „Ja, ich verstehe, dass wirtschaftliche Reformen in Georgien wichtig sind.“ Das ist eine Tatsache. Diese zu Saakaschwilis Zeiten geschaffenen Mechanismen funktionieren noch immer. Ja, ich verstehe, dass energische Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung ergriffen werden. Aber wodurch wird das abgesichert? Durch nichts außer einer Fassade.
Ich erinnere mich, dass der damalige georgische Botschafter in der Ukraine, ein guter Freund von mir, mich einlud, mit einer Journalistendelegation nach Georgien zu reisen. Ich sagte ihm: „Nein, ich fahre nirgendwohin mit irgendeiner Delegation. Ich fahre nicht durch Potemkinsche Dörfer. Ich werde selbst fliegen, das verspreche ich, denn ich möchte es sehr.“ Übrigens landeten wir zufällig im selben Flugzeug. Er fuhr mich sogar zu der Wohnung, die ich am Rustaweli-Prospekt gemietet hatte.
Schon damals verstand ich alles darüber, was in Georgien geschah, als ich diese Wohnung mietete. Ich hatte eine wunderbare Wohnung in einem schönen Viertel im Zentrum von Tbilissi von einer großartigen Frau gemietet. Sie war die Witwe einer herausragenden Kulturpersönlichkeit und stammte aus einer Familie, in der es Stars des georgischen Kinos und Theaters gab. An den Wänden hingen Bilder, echte Werke georgischer Künstler. Aber wenn Gäste kamen, musste sie vorübergehend zu Verwandten ziehen, weil sie keine andere zusätzliche Einkommensquelle hatte. Und es tat mir sehr leid, dass eine Frau, die ein so würdiges Leben geführt hatte, deren Familie so viel für das Land getan hatte, eine solche Rente erhielt, dass sie davon nicht leben konnte und keine andere Möglichkeit hatte. Das war keine zusätzliche Wohnung. Es war die Wohnung, in der sie selbst lebte.
Verstehen Sie, wäre ich in irgendeinem sogenannten Hotel „Intourist“ oder, sagen wir scherzhaft, in irgendeinem Grandhotel abgestiegen, hätte ich das nicht verstanden. Dann reiste ich herum und sah das wirkliche Georgien. Ich sah Städte, die eigens für diese Delegationen praktisch renoviert worden waren, und sah gleichzeitig, in welchem Zustand sich beispielsweise Josef Stalins Heimatstadt Gori befand. Ich fuhr nach Gori, weil es mich interessierte, das Stalin-Denkmal und das Stalin-Museum zu sehen, wie Sie verstehen, als jemand, der stets tief in die sowjetische Geschichte eingetaucht war. Als ich dann Vertreter dieser ukrainischen Delegation traf, die durch Georgien gefahren war, hatte ich den Eindruck, wir hätten verschiedene Länder bereist.
Svitlana Zhebiv: Es gab sogar das Buch „Warum Georgien erfolgreich war“.
Portnikov: Georgien verstand es immer, die Menschen aus Moskau oder Kyiv zu empfangen: Chatschapuri, Festtafel, Kindsmarauli. Aber sehen Sie sich an, was tatsächlich geschieht. Warum war Georgien erfolgreich? Es war nicht erfolgreich. Denn all das beruhte auf der Autorität Micheil Saakaschwilis, der genau jenes Georgien aufbaute, das Zelensky heute in der Ukraine errichtet.
Svitlana Zhebiv: Wie können wir vermeiden, zu jenem Georgien zu werden, bei dem es nicht funktioniert hat?
Portnikov: Die reale Sicherung sind starke demokratische Institutionen. Verstehen Sie? Saakaschwili baute sogar eine parlamentarische Republik auf, damit der Präsident seine gesamte Machtfülle verliert, weil er sich darauf vorbereitete, Ministerpräsident zu werden und dort als Ministerpräsident ewig zu regieren. Es gelang ihm nur nicht. Das funktionierte in Georgien nicht. Vielleicht hätte es diesen außenpolitischen Kurswechsel nicht gegeben, wäre er Ministerpräsident geworden. Aber es wäre ein autoritärer Staat gewesen. Wir kennen diesen Stil bereits.
Im Ergebnis fiel dieser autoritäre Mechanismus einem anderen Menschen mit viel gefährlicheren Absichten, politischen Positionen und einer anderen Haltung zu Moskau in die Hände. Schutzmechanismen in Form einer starken Justiz und eines Systems unabhängiger Medien zerstörte Saakaschwili systematisch. Am Ende seiner Herrschaft räumte er das Feld für genau ein solches Regime frei, wie es heute in Georgien besteht. Es ist wichtig, dass Zelensky das Feld nicht freiräumt und die Folgen versteht. Dass er Saakaschwili im Gefängnis ansieht und darüber nachdenkt: Möchte ich nach meiner Präsidentschaft ebenfalls dort landen?
Der wichtigste Schutz dafür, dass Zelensky nach dem Ende seiner Amtszeit ein respektiertes Mitglied unserer Gesellschaft bleibt, werden demokratische Institutionen sein. Was bedeutet für uns eine demokratische Institution? Respekt vor der Verfassung. Das Gleichgewicht der Macht zwischen Parlament, Regierung, Präsident und Justiz. Die Gewaltenteilung und die Strukturen der Macht.
Bei uns gibt es keine Gewaltenteilung. Sie sehen doch, dass der Oberste Gerichtshof die völlig politisierten Sanktionen gegen Poroschenko nicht aufhebt. Das zeigt, dass wir keine unabhängige Justiz haben. In diesen Jahren haben wir uns zu einem Land entwickelt, das man hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Justiz und, wie ich sagen würde, nicht einmal der Exekutive, sondern der Präsidialmacht mit Belarus oder Russland vergleichen kann. Eher mit Belarus.
Das ist eines der Elemente. Wenn wir sagen, dass es ein Element von Belarus gibt, ein Element von Russland und ein Element von noch etwas anderem, welchem Land ähneln wir dann? Viktor Orbáns Ungarn. Denn einerseits sind wir Teil des Westens, und der Westen nimmt uns als seinen Teil wahr, wie er Ungarn als seinen Teil wahrnahm. Andererseits ist der Westen gezwungen, sich damit abzufinden, dass bestimmte Elemente der Demokratie in der Ukraine entweder fehlen oder nur in passiver Form bestehen.
Und es gibt eine Zivilgesellschaft. Auch in Budapest ging sie während der gesamten Herrschaft Orbáns auf die Straße. Wie sehr hinderte das Orbán daran, das zu tun, was er wollte? Nicht besonders. Zelensky berücksichtigt die öffentliche Meinung viel stärker. Das muss man ihm zugutehalten, denn für ihn ist seine eigene Popularität wichtiger als für Orbán, der schließlich kein ehemaliger Showman war, sondern vom ersten Tag seiner Macht an ein politisches Tier.
Svitlana Zhebiv: Sie sagten, es gebe nur eine Möglichkeit, den Präsidenten auszutauschen, und dies sei gewissermaßen der einzige verfassungsgemäße Weg: wenn er selbst zurücktritt. Halten Sie diese Möglichkeit für realistisch?
Portnikov: Ich erkläre lediglich, welcher juristische Mechanismus existiert. Würde man mich fragen, ob ich möchte, dass Volodymyr Zelensky zurücktritt: Nein. Volodymyr Zelensky ist der legitim gewählte Präsident des Landes. Für ihn stimmten 73 Prozent der Bürger, die im zweiten Wahlgang an der Wahl teilnahmen. Wie Sie wissen, habe ich nicht für Zelensky gestimmt. Ich kann Ihnen heute aber nicht sagen, dass ich niemals für ihn stimmen werde, denn ich halte es für möglich, dass bei den nächsten Wahlen als Folge all dieser Erschütterungen ein prorussischer Kandidat Zelenskys Gegenkandidat sein könnte. Dann müssten wir für Zelensky stimmen, um das Abrutschen der Ukraine in ein Bündnis mit Russland aufzuhalten. Das kann geschehen, so wie wir einst für Kutschma stimmten, um Symonenko nicht an die Macht zu lassen.
Svitlana Zhebiv: Das ist der Weg eines Landes, aus dem Schlechteren zu wählen.
Portnikov: Ich glaube nicht, dass es zwangsläufig so kommen wird. Aber ich werde hier nicht feierlich erklären: „Ich werde niemals für Zelensky stimmen.“ Man weiß es nicht.
Svitlana Zhebiv: Was sind Ihre drei wichtigsten Forderungen an Zelensky?
Portnikov: Ich möchte nur diesen Gedanken zu Ende führen. Wenn ein Mensch diese 73 Prozent erhielt und jetzt ein so hohes Popularitätsniveau hat, stellen Sie sich vor, er tritt zurück. Was erhalten wir dann? Dabei geht es nicht einmal um die Person des amtierenden Präsidenten. Das könnte nicht der heutige Parlamentspräsident, sondern jeder andere Sprecher sein, den das Parlament wählt. Sie verstehen doch, dass dieser Mensch bei niemandem ein solches Vertrauen genießen wird wie Zelensky.
Ganz zu schweigen davon, dass sich das Parlament in einer solchen Situation, in der es die gesamte Machtfülle erhält, dazu entschließen könnte, diese Parlamentspräsidenten alle drei Monate auszutauschen, wie es bei uns vorkommt. „Dieser hat kein Vertrauen bei den Menschen. Probieren wir den nächsten.“ Das ist Chaos. Das wird nicht einfach ein Präsident sein, sondern ein kommissarischer Oberbefehlshaber der Streitkräfte. In welchem Maß wird man ihn als Oberbefehlshaber wahrnehmen? Oleksandr Turtschynow erlebte tragische Tage, als er einerseits die Gefahr verstand, andererseits aber die Mehrheit der Mitglieder des Sicherheits- und Verteidigungsrates seine Position nicht unterstützte. Sie wissen das aus den veröffentlichten Protokollen. Und das Wichtigste ist, dass die Militärs die Befehle nicht ausführten. Auch das muss man ehrlich sagen.
Svitlana Zhebiv: Das ist Chaos für das Land. Trotzdem: Welche Forderungen haben Sie derzeit an Zelensky? Denn Sie sagen manchmal: Wie lange soll Zelensky noch lernen? Er lernt, lernt, lernt aus Fehlern und wird erwachsener.
Portnikov: Ich glaube überhaupt nicht, dass Zelensky lernt und erwachsener wird. Hinsichtlich seines Charakters ist er derselbe wie im Jahr 2019. Er ist lediglich gezwungen, auf das zu reagieren, was geschieht. Deshalb habe ich keinerlei Forderungen an ihn. Ich möchte, dass er bis zur Wahl eines neuen Staatsoberhaupts würdig seine Pflichten als Präsident und Oberbefehlshaber erfüllt.
Svitlana Zhebiv: Sehen Sie unterschiedliche Zelenskys, beispielsweise bei der Kommunikation im Land und nach außen? Ist diese externe Kommunikation reifer?
Portnikov: Nein. Sie sehen, dass es auch nach außen dieselben, wie ich sagen würde, Fehler der Selbstüberschätzung gibt wie im Inneren. Und solcher Fehler gibt es viele. Das ist alles. Warum glauben Sie, Zelensky sei unterschiedlich? Er ist, wie er ist. Zelensky ist ein Mensch, der allein durch die Tatsache seiner Existenz Politik als Tatsache widerlegt. Er glaubt nicht, dass es sie gibt. Wie ein Junge, der mit Mathematik beginnt und nicht glaubt, dass fünf mal fünf 25 ist, sondern meint, er sei so großartig, dass es 30 sein werde, wenn er es wolle. Aber es wird nicht 30 sein.
Svitlana Zhebiv: Er glaubt also eher an Marken und Marketing?
Portnikov: Er glaubt an sich selbst. Und er denkt, all das sei ausschließlich dafür da, den einfachen Menschen zu täuschen. Er ist selbst ein einfacher Mensch. Das ist ein unglaublicher Fall, in dem die Menschen jemanden zum Präsidenten wählten, der so ist wie sie selbst, mit demselben Glauben, all das sei nur Kulisse. In Wirklichkeit müsse man einfach „Bumm“ machen, und alles werde gelingen. Ich kann in dieser Hinsicht nichts von Zelensky verlangen, weil er so ist. Menschen verändern sich nicht, sie lernen nicht. Das stimmt nicht. Sie sind, wie sie sind.
Svitlana Zhebiv: In der Situation der Beziehungen zu Polen, dort, wo wir jetzt stehen: Glauben Sie, Zelensky oder sein Team hätten anders handeln können?
Portnikov: Ich gebe Zelensky dafür überhaupt keine große Verantwortung. Meine polnischen Kollegen sagen ständig, er habe das absichtlich getan. Ich glaube, er tat nichts absichtlich. Für Zelensky ist die Benennung einer Militäreinheit nach den Helden der UPA ausschließlich eine innenpolitische Angelegenheit, die nicht Teil der außenpolitischen Agenda sein sollte.
Svitlana Zhebiv: Er verstand also nicht, dass dies einen solchen Skandal auslösen könnte, und unterschätzte dessen Ausmaß.
Portnikov: Ich glaube, er dachte in diesem Moment überhaupt nicht darüber nach. Auch die Menschen um ihn herum könnten nicht daran gedacht haben. Stellen Sie sich vor: Sie betrachten das aus einer Lwiwer Perspektive, wo es die UPA und Polen gibt. Stellen Sie sich vor, Sie wären in Krywyj Rih geboren. Sie wären in Krywyj Rih geboren, wo es all das überhaupt nicht gibt. Keine UPA, kein Polen. Dass all das existiert, erfahren Sie im Jahr 2019. Sie sind ein guter russischsprachiger Junge aus Krywyj Rih. Sie haben einen Verteidigungsminister, einen guten russischsprachigen Jungen aus Saporischschja. Nun, Sie sind alle zur ukrainischen Sprache übergegangen. Sie sind jetzt Amtsträger. Sie haben die Bedeutung der Ukraine verstanden, aber Sie sind all dem nie begegnet. Sie begegneten ihm erst 2019. Ihr Verteidigungsminister begegnete ihm, sagen wir, 2020. Nein, 2026. Denn er war Digitalisierungsminister. Er hatte keine Zeit für all diese Büchlein. Sie haben einen Oberbefehlshaber der Streitkräfte, aber auch er stammt nicht von hier, verstehen Sie? Für sie sind das alles irgendwelche Seiten eines Schulgeschichtsbuchs, das sie nicht einmal gelernt haben. Sie sind damit einfach konfrontiert worden.
Ich nehme an, wäre Zelensky irgendwo in Scheptyzkyj aufgewachsen, wäre es für ihn verständlicher. So aber ist es etwas, das ihm irgendwann einmal der Präsident Polens gesagt hat und das er vielleicht nicht einmal als etwas Ernstes wahrnimmt. Übrigens wissen wir nicht, was ihm der Präsident Polens sagte. Ich meine nicht Nawrocki, sondern Duda. Ob er ihm sagte: „Benenne nichts nach der UPA.“ Wir kennen den Inhalt dieses Dialogs und seine Bedeutung für Zelensky nicht. Ich nehme an, Duda könnte ihm etwas über unmittelbare Beteiligte der Ereignisse aus polnischer Sicht gesagt haben, etwa Schuchewytsch oder Sawur. Sie sehen doch, dass bei uns keine neuen Benennungen entstehen. Vielleicht ging es darum, aber um die UPA als solche? Bei uns wird doch ständig etwas nach den Helden der UPA benannt.
Zelensky unterschreibt also etwas. Das ist so, als hätte man zu Sowjetzeiten irgendeine Benennung unterschrieben, etwa nach Krupskaja, Kuibyschew oder Woroschilow. Es heißt eben ständig so. Das sind nicht einmal Menschen und Namen. Das ist einfach wie eine Festivalstraße oder, ich weiß nicht, die Kyiver Straße.
Svitlana Zhebiv: Wie eine Handelsmarke, eine Marke.
Portnikov: Ja. Du hast unterschrieben, dann begann all das. Einerseits musst du es zurücknehmen, andererseits verstehst du, dass du, wenn du es zurücknimmst, hier verlierst und schwach aussiehst. geben nicht nach. Selbst in Polen sagt man doch: „Hören Sie, betrachten wir die gesamte UPA nicht als eine ant Polnische Kraft. Sprechen wir darüber, dass es bestimmte Elemente und Menschen gab, die an Verbrechen beteiligt waren, aber wir können nicht die gesamte Ukrainische Aufstandsarmee so betrachten.“ Warum sollte Zelensky das tun? Ich verstehe überhaupt nicht, welche Vorwürfe man hier gegen Zelensky hat.
Ich finde es generell seltsam, dass wir Zelensky Vorwürfe machen, wenn er einfach seine präsidialen Befugnisse ausübt. Es ist wie mit dem Skandal mit Trump. Was hätte er tun sollen, damit es allen gefällt? Ihm während dieses Skandals im Oval Office die Schuhe putzen? Viele Menschen sagen doch: „Oh, man hätte es nicht so, sondern anders machen müssen.“ Versetzen Sie sich in Zelenskys Lage. Er hatte sich vorbereitet. Er brachte Trump Fotos zerstörter ukrainischer Städte und getöteter Menschen mit. Ich erinnere mich nicht mehr genau, was er ihm zeigte. Trump begann sich aufzuregen, weil das nicht seiner Vorstellung entsprach. Was hätte Zelensky tun sollen?
Svitlana Zhebiv: Aber wenn wir zu Polen zurückkehren: Wir bereiten uns doch auf die Europäische Union vor, nehmen wir das zumindest an, wir planen es und haben diese Absicht. Und wir müssen Verbündete oder Unterstützung haben.
Portnikov: Sehen Sie, es gibt objektive Realitäten. Wir werden nur dann der Europäischen Union beitreten, wenn wir unsere eigene Würde bewahren.
Svitlana Zhebiv: Und die Staatlichkeit.
Portnikov: Nein. Wenn wir die Staatlichkeit bewahrt haben, müssen wir noch unsere Würde bewahren. Wenn wir unsere Gesetze und Schulbücher unter dem Diktat unserer Nachbarn schreiben, verwandeln wir uns einfach in ein Land, das weder in die Europäische Union gelangt noch seine eigene Souveränität bewahrt.
Svitlana Zhebiv: Wie sollte diese Kommunikation also aussehen? Herr Ihor Halehida war hier bei mir. Er erforscht die damaligen ukrainischen, polnischen und jüdischen Toten. Es sind bereits mehrere Bände erschienen, und auch Kypiani war hier. Ich verstehe also, wie Sie sagen, aus einer Lwiwer Perspektive die ganze Bedeutung. Aber wie soll diese Kommunikation und dieser Dialog weitergehen?
Portnikov: Es muss ein klares Verständnis geben, dass Fragen des historischen Gedächtnisses aus der europäischen Integration ausgeklammert werden müssen. Es muss einen Dialog geben, einen Dialog der Historiker und einen Dialog der Politiker. Aber es darf definitiv keine Frage der europäischen Integration sein. Und es muss ein klares Verständnis geben, dass wir in Fragen nationaler Minderheiten Entscheidungen treffen müssen, die dem Recht der Europäischen Union entsprechen. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn wir nationalen Minderheiten Rechte gewähren, die über das europäische Recht hinausgehen, weil Ungarn das so will, oder unsere Schulbücher umschreiben, weil Polen es so will, dann brauchen wir nicht Teil des europäischen Projekts zu werden, weil das kein europäisches Projekt ist. Genau das sage ich ständig.
Wir müssen gegenüber den Europäern die Frage nach einer Reform dieses europäischen Projekts und nach der Bestrafung jener Länder stellen, die unter Ausnutzung ihres europäischen Status nicht europäische Standards aufzwingen. Ich habe eigens einen Text über Nordmazedonien geschrieben. Ich verstehe nicht, warum Nordmazedonien, um Mitglied der Europäischen Union zu werden, seine Geschichtsbücher so umschreiben muss, dass es Sofia gefällt. Denn das ist kein europäischer Ansatz, verstehen Sie? Die Europäische Union, und das muss man auch den Bulgaren, Polen und Ungarn sagen, wurde mit einem Ziel geschaffen: neue Kriege in Europa zu verhindern. Ihre Politik wird zu neuen Kriegen in Europa führen, denn neue Kriege entstehen gerade auf diesem Boden. Sie haben ihre historische Erinnerung, wir haben unsere.
In Sofia treten bereits Politiker auf und sagen, man müsse in Nordmazedonien eine „militärische Spezialoperation“ durchführen. Früher oder später werden sich jene Länder, die glauben, zu Unrecht benachteiligt zu sein, weil man ihnen eine fremde historische Erinnerung aufzwingt, zusammenschließen und eine „militärische Spezialoperation“ in Bulgarien durchführen. Verstehen Sie? Nicht heute, sondern morgen, wenn klar wird, dass die NATO dort nicht funktioniert. Warum ziehen wir die Möglichkeit in Betracht, dass Bulgarien in Nordmazedonien eine „militärische Spezialoperation“ durchführt, denken aber nicht über eine gemeinsame Operation Serbiens und Nordmazedoniens gegen Bulgarien nach? Das wäre doch eine Katastrophe, verstehen Sie? Statt ein gemeinsames Europa zu schaffen, in dem Bulgaren, Mazedonier, Serben und die Albaner des Kosovo und Albaniens zusammenleben, suchen wir nach neuen Interpretationen der historischen Vergangenheit. Dasselbe gilt für Polen und Ukrainer. Wir verstehen doch die Gefahr, wenn die Ukraine nicht in die Europäische Union gelangt.
Svitlana Zhebiv: Wie beurteilen Sie überhaupt diese Aussichten? Besteht für uns nicht die Gefahr, wie die Türkei in einem Korridor steckenzubleiben?
Portnikov: Nein, wir werden nicht zusammen mit der Türkei in einem Korridor steckenbleiben. Wir werden Teil der russischen Einflusssphäre sein und gemeinsam mit Russland darüber nachdenken, was wir mit Polen tun sollen.
Svitlana Zhebiv: Können Sie das genauer erklären?
Portnikov: Was gibt es da zu erklären? Eine Ukraine, die nicht nach Europa gelangt und nicht Teil der europäischen Welt wird, beginnt wieder nach Osten zu driften. Wenn Russland sich bis dahin verändert, wird die Ukraine Teil irgendeines neuen Integrationsbündnisses mit der Hauptstadt Moskau. Und das ist eine Gefahr für Polen. Das müssen die Polen verstehen. Sie sagen, das werde in fünf Jahren geschehen. Aber wir existieren doch nicht nur fünf Jahre. Und wenn es in 30 Jahren geschieht, wird es dadurch leichter? Sind die Polen überzeugt, dass die Bündnisse, die sie geschaffen haben, sie zuverlässig vor einem Angriff aus dem Osten schützen?
Wenn die Ukraine den Krieg verliert, werden sie keine Bündnisse schützen. Und wenn die Ukraine als Staat bestehen bleibt, sie aber von Europa abgestoßen wird, wird sie trotz ihres Fortbestehens dorthin geraten, wo sie früher war. Und Russland wird wieder zur Hauptbedrohung für Polen, nur nun unter Berücksichtigung der ukrainischen Komponente.
Svitlana Zhebiv: Das müsste also die Kommunikation des Präsidenten sein.
Portnikov: Das wird in Polen niemand verstehen, weil diese Menschen, die all das tun, glauben, sie hätten bereits alles erreicht und Gott am Bart gepackt. Aber Gott hat gar keinen Bart. Das ist Donald Trump, und er rasiert sich.
Ich möchte, dass Polen und Ukrainer gemeinsam in Europa sind. Ich möchte das als Jude, nicht nur als Bürger der Ukraine, sondern als Jude. Denn ich glaube, dass mein Volk auf dem Territorium dieser Länder und Litauens mehr als einmal die größte Katastrophe seiner Geschichte erlitten hat. Und ich halte es gegenüber der Erinnerung an meine Verwandten, die in Kyiv, Malyn, Kamjanez und Smila ermordet wurden, für gerecht, dass sie in einer Erde liegen, in der niemand mehr die Hand gegen seinen Mitbürger und seinen Nachbarn erheben möchte. Ich erzähle Ihnen dabei keine Geschichten aus ferner Vergangenheit. Ich erzähle von meinen Urgroßvätern und Urgroßmüttern, den leiblichen Schwestern und Brüdern meiner Großmütter.
Mein Mitgefühl gilt deshalb in dieser Situation Polen und Ukrainern gleichermaßen. Ich verstehe vollkommen, was die Angehörigen der in Wolhynien ermordeten Polen empfinden, denn ich habe eine eigene vergleichbare Geschichte. Ich verstehe vollkommen, was die Angehörigen der in Wolhynien oder anderswo ermordeten Ukrainer empfinden, denn ich habe eine eigene vergleichbare Geschichte. Ich verstehe vollkommen, was Ukrainer empfinden, wenn sie sich daran erinnern, wie ihre Angehörigen in den 1930er-Jahren nicht an den Universitäten in Lwiw aufgenommen wurden, denn ich habe eine eigene vergleichbare, sogar persönliche Geschichte. Alle Gefühle von Polen und Ukrainern sind mir verständlich, weil Polen und Ukrainer der Vergangenheit mit Unterstützung der Imperien, in denen sie lebten, für mich und mein Volk genau dasselbe organisierten. Deshalb verstehe ich ihre Emotionen. Deshalb rufe ich sie zu gesundem Menschenverstand, Versöhnung und dazu auf, dass die Seiten der historischen Erinnerung ihre Verständigung nicht behindern. Es ist ganz einfach.
Svitlana Zhebiv: Inwieweit könnten wir die Rolle Russlands unterschätzen, das jetzt, wie Experten sagen, auf die Erschöpfung der Ukrainer, auf Zermürbung und Polarisierung hinarbeitet, und zwar nicht nur in der Ukraine?
Portnikov: Natürlich existiert diese Rolle. Russland verstand es immer, daran zu arbeiten. Das betrifft sowohl die innere Situation in der Ukraine als auch die außenpolitische Lage. Glauben Sie etwa, all diese ultrarechten und ultralinken Parteien würden ganz von selbst eine solche Popularität erlangen?
Svitlana Zhebiv: Das gibt es in fast allen europäischen Ländern.
Portnikov: Aber es taucht doch ständig Geld aus Russland auf. Natürlich braucht Russland das und arbeitet daran, dass Europa marginalisiert wird. Natürlich betrachtet es Migrationskrisen als Instrument zur Marginalisierung Europas. So war es nach Syrien. So wollten sie es nach dem gescheiterten Blitzkrieg. Jetzt hoffen sie, unter den neuen Stimmungen in Europa eine weitere Migrationskrise auszulösen, während sich das Leben verschlechtert und Treibstoff teurer wird. Und all das nimmt mit jedem Tag zu. So funktioniert es, und wir müssen das immer im Gedächtnis behalten.
Svitlana Zhebiv: Analysieren wir das ausreichend gut? Denn Sie sagen ständig, dass Sie keine Prognosen abgeben und nichts erfinden. Es sind keine Mythen, sondern Analysen.
Portnikov: Natürlich widersetzen wir uns dem schlecht. Schon deshalb, weil wir eine Regierung haben, die beschlossen hat, anonyme Telegram-Kanäle sollten die ukrainische Freiheit geradezu ersticken. Wenn ein ehemaliger Mitarbeiter des Präsidenten, der all das geschaffen hat und dann Minister wurde, plötzlich bemerkt, dass jemand irgendeinen Kanal wie „Trucha“ gekauft hat.
Svitlana Zhebiv: Und dass dies ein Instrument gegen ihn ist.
Portnikov: Ja, dieses Instrument richtet sich gegen ihn. Und das gefällt ihm nicht. Dann stellt sich die Frage: „Wie konnten Sie diesen Drachen großziehen und füttern?“ Sie erinnern mich an jemanden, der einen kleinen Löwen in seiner Wohnung ansiedelte, worauf der Löwe ihn später auffraß. Muss man mit diesem Menschen Mitgefühl haben? Natürlich tut es einem leid. So jung, eine junge Ehefrau, Kinder, alle wurden zerfleischt, wie bei irgendeiner Familie, die Löwen aufzog. „Aber warum haben Sie sie bei sich einquartiert? Sind Sie dumm?“ Das ist die Antwort. Tun wir etwas dagegen? Nein.
Svitlana Zhebiv: Und wir unterschätzen es.
Portnikov: Ja, und wir unterschätzen es.
Svitlana Zhebiv: So wie es ein Mensch unterschätzt hat, der im Grunde alle Technologien kontrolliert.
Portnikov: Die Amerikaner wollten die TikTok-Algorithmen doch stoppen. Im Ergebnis sagt Donald Trump, er brauche TikTok für Wahlsiege. Aber Sie sehen, es funktioniert bereits nicht mehr so, weil kein TikTok den Treibstoffpreis ersetzen kann. Dennoch haben sie es einem amerikanischen Unternehmen übergeben, damit die Algorithmen nicht chinesisch sind.
Svitlana Zhebiv: Damit es einen anderen Einfluss gibt.
Portnikov: Und welche Algorithmen haben wir? Welche TikTok-Algorithmen haben wir? Welche Algorithmen haben wir bei Telegram? Wenn Menschen anonyme Kanäle sehen und lesen: Musste man wirklich den Fernsehsendern Pryamyj, Kanal 5 und Espresso die terrestrische Ausstrahlung entziehen, diesen Fernsehmarathon schaffen und ihn im Grunde zu einem Korruptionsmechanismus in den Beziehungen zu den Oligarchen machen?
Svitlana Zhebiv: Und mit welcher Geschwindigkeit versammeln sich Menschen um einen Kleinbus des Rekrutierungszentrums? Wie viele junge Menschen kommen dort zusammen, woher erfahren sie davon, und wie schnell organisieren sie sich?
Portnikov: Auch das ist eine gute Frage. Man könnte eine Million solcher Fragen stellen. Damit wir Informationsangriffen Russlands widerstehen, muss die Regierung selbst begreifen, dass sie in dieser Geschichte, entschuldigen Sie, nicht der Tourist ist, sondern das Touristenfrühstück, derjenige, der gefressen wird.
Svitlana Zhebiv: Man kann nicht immer auf alles Antworten erhalten. Aber es ist wichtig, Fragen zu stellen und zu verstehen, was mich steuert, wer mich steuert, ob ich nicht Opfer eines Algorithmus bin und wie ich mich in dieser Situation verhalte.
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Art der Quelle:Interview Titel des Originals:Чому Росія програє цю війну | Віталій Портников @tvoyemistoTV. 26.07.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung / Entstehung:26.07.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
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Der Krieg in der Ukraine könnte innerhalb eines Tages enden, wenn die Ukraine bestimmte Bedingungen akzeptieren würde. Andernfalls sei auch kein Einfrieren des Krieges möglich. Mit diesen Worten übermittelte der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitrij Peskow, die Aussage des russischen Staatschefs Wladimir Putin, mit der dieser dem Präsidenten Kasachstans, Kassym-Schomart Tokajew, die Unmöglichkeit einer Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges erläuterte.
Während seines Treffens mit dem russischen Präsidenten stellte sein kasachischer Amtskollege öffentlich die Notwendigkeit eines Einfrierens des russisch-ukrainischen Krieges in den Mittelpunkt und rief Putin dazu auf, zu den Vereinbarungen zurückzukehren, die angeblich bereits während der Verhandlungen in Istanbul im Jahr 2022 abgestimmt worden waren.
Viele gingen davon aus, dass eine solche Erklärung des kasachischen Präsidenten eher Worte seien, die zuvor mit dem Kreml abgestimmt worden waren, dessen Führung selbst nicht über die Möglichkeit eines Einfrierens des russisch-ukrainischen Krieges sprechen wolle und deshalb bereit sei, den Inhalt solcher Vorschläge seinen Verbündeten in der Eurasischen Wirtschaftsunion zu überlassen. Doch das ist eine ziemlich naive Schlussfolgerung aus dem, was wir beim Treffen der russischen und kasachischen Präsidenten gesehen haben.
Kassym-Schomart Tokajew hat bei Treffen mit Putin oder gemeinsamen Auftritten mit ihm bereits mehrfach Positionen vertreten, die der russischen Politik unmittelbar widersprachen. Das gehört zu jener Balancepolitik, die der kasachische Präsident in seinen Beziehungen zum russischen Staatschef verfolgt. Gleichzeitig bewahrt Kasachstan jedoch seine Bündnisbeziehungen zur Russischen Föderation und ist nicht zu entschlosseneren Schritten bereit, um die russische Politik gegenüber der Ukraine zu verurteilen.
Auf Tokajews Worte könnte auch die Lage im Schwarzen Meer Einfluss genommen haben, denn die Konfrontation im Schwarzmeerraum bedroht unmittelbar die Interessen Kasachstans als eines Staates, der am Kaspischen Pipeline-Konsortium beteiligt ist. Bereits vor dem Treffen der Präsidenten Kasachstans und Russlands war die Information aufgetaucht, dass das Weiße Haus der Ukraine empfohlen habe, Angriffe auf Tanker im Schwarzen Meer einzustellen, die nicht Russland gehören, da man befürchte, dies könne zu Problemen für amerikanische Unternehmen führen, die in den kasachischen Energiesektor investiert haben.
Putin reagierte jedoch wie üblich ohne besonderen Enthusiasmus auf die Äußerungen seines kasachischen Kollegen zur russischen Außenpolitik. Das überrascht auch nicht, wenn der russische Präsident nicht einmal bereit ist, der Position seines amerikanischen Amtskollegen zuzustimmen, und ständig an den nicht existierenden Geist von Anchorage erinnert, selbst nachdem die Amerikaner ihre Vorschläge zurückgezogen hatten, die dem russischen Präsidenten vor seinem Treffen mit Präsident Trump übermittelt worden waren. Warum sollte Putin also ausgerechnet die Position Tokajews berücksichtigen?
Deshalb steckt hinter der Erklärung des kasachischen Präsidenten und der Reaktion des russischen Präsidenten darauf keinerlei große Verschwörungstheorie. Es gibt den offensichtlichen Wunsch des Präsidenten Kasachstans, den russisch-ukrainischen Krieg als einen Konflikt zu betrachten, der allen schadet, die aus der Perspektive der Entwicklung ihrer wirtschaftlichen Interessen und überhaupt der Rückkehr zu einem normalen Leben denken. Gleichzeitig gibt es den ebenso offensichtlichen Wunsch des Präsidenten Russlands, diesen Krieg bis zur Kapitulation der Ukraine fortzusetzen.
Denn wir verstehen, dass die Worte des Kreml-Sprechers, die den Sinn von Putins Äußerungen wiedergeben, gerade auf die Notwendigkeit einer solchen Kapitulation als Voraussetzung für die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges hindeuten. Und wir sollten nicht glauben, dass es dabei ausschließlich um den Abzug der ukrainischen Truppen aus jenem Teil der Oblast Donezk geht, der heute von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert wird.
Wir verstehen vielmehr, dass nach diesen territorialen Forderungen an die Ukraine, falls die ukrainische Regierung ihnen zustimmen sollte, sofort weitere Forderungen auftauchen würden, die andere ukrainische Regionen betreffen. Ganz abgesehen davon, dass schon die Idee eines Abzugs ukrainischer Truppen von irgendeinem Teil unseres Staatsgebiets kein Schritt zur Beendigung des Krieges wäre, sondern zur Destabilisierung der innenpolitischen Lage in der Ukraine selbst.
Wir können nicht übersehen, wie aktiv der Kreml an einer solchen Destabilisierung arbeitet und wie sehr all seine sogenannten Friedensvorschläge genau darauf abzielen, Probleme und Spaltungen innerhalb der ukrainischen Gesellschaft hervorzurufen. Und wir dürfen nicht vergessen, dass Moskau gerade bei solchen Technologien stets weit besser und erfolgreicher darin war, auf die empfindlichsten Punkte in der Stimmung der ukrainischen Gesellschaft einzuwirken, als Krieg zu führen.
Deshalb hofft Putin, dass der weitere Verlauf der Ereignisse – mit Angriffen auf die Ukraine und gleichzeitigen Kapitulationsangeboten – es ihm ermöglichen wird, zumindest einen Teil des Territoriums unseres Landes in Besitz zu bringen, den seine Truppen nicht im Kampf erobern können, sondern allein durch diplomatische Verhandlungen und den Verlust des Vertrauens der ukrainischen Gesellschaft in ihre eigene Führung.
Unter diesen Umständen sind selbstverständlich sämtliche Vorschläge zum Einfrieren des Krieges – nicht nur von Kassym-Schomart Tokajew, sondern auch von anderen einflussreichen Staats- und Regierungschefs; erinnern wir uns etwa an den Vorschlag des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, den Krieg entlang der Frontlinie zu beenden und anschließend umfassende Friedensverhandlungen aufzunehmen – ganz sicher nichts, womit Putin sich zufriedengeben wird.
Jedenfalls nicht, solange er über Reserven und Möglichkeiten verfügt, den Krieg fortzusetzen; solange er sich selbst davon überzeugt, dass seine Träume von der Zerstörung der ukrainischen Staatlichkeit und der Eroberung ukrainischen Territoriums allein durch Raketenangriffe und die Fortsetzung der Offensive der russischen Aggressionstruppen auf dem Gebiet unseres Landes verwirklicht werden können.
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Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Путін послав Токаєва | Віталій Портников. 25.07.2026.
Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:25.07.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
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