Putins Logik der Widerstandsfähigkeit. Vitaly Portnikov. 24.09.2026.

Путінська логіка витривалості. Віталій Портников. 24.09.2026.

Volodymyr Zelensky traf sich am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung in New York mit Donald Trump. Derzeit sieht es nicht danach aus, als könnte dieses Treffen zu irgendwelchen konkreten Ergebnissen bei der Suche nach Möglichkeiten zur Beendigung des Krieges führen. Doch allein die Tatsache, dass es stattgefunden hat, ist wichtig, denn sie zeigt, dass der Präsident der USA diesen Krieg nicht einfach ignorieren kann und dass die Suche nach Wegen zu seiner Beendigung sowie die Zusammenarbeit mit der Ukraine ein wichtiger Bestandteil der politischen Agenda der USA bleiben – zumindest bis zu den für Donald Trump so wichtigen Zwischenwahlen.

Vielleicht gerade weil Trump sich darüber im Klaren ist, dass die Mehrheit der amerikanischen Gesellschaft auf der Seite der Ukraine steht, demonstriert auch er selbst diese Unterstützung. Doch Unterstützung zu demonstrieren und auf konkrete Ergebnisse zu hoffen, sind nicht dasselbe. Über Lizenzen für Luftverteidigungsraketen wird weiterhin nur gesprochen, und selbst wenn es zu einer Vereinbarung kommt, wird es Jahre dauern, bis Raketen in der Ukraine hergestellt werden. Auch über die Nutzung von Starlink auf dem souveränen Territorium Russlands, um russische ballistische Raketen zu zerstören, konnte man sich erneut nicht einigen. Trump rät Zelensky, mit Musk zu sprechen, und Musk rät Zelensky, mit Trump zu sprechen. Dieses Spiel kann man bis zum Ende des Krieges weiterspielen.

Dennoch muss man mit dem ukrainischen Präsidenten über Wege zur Beendigung des Krieges sprechen. Ich möchte daran erinnern, dass Donald Trump nach dem Besuch der amerikanischen Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner in Moskau und Kyiv sowohl mit Putin als auch mit Zelensky sprechen wollte. Damals fand nur das Gespräch mit dem russischen Präsidenten statt, das Trump als „gut“ bezeichnete, ohne jedoch irgendwelche konkreten Angaben zu machen – vielleicht deshalb, weil es auch keinerlei konkrete Ergebnisse gab. Witkoff und Kushner konnten in Moskau stundenlang über wirtschaftliche Projekte sprechen, vermochten jedoch nicht, das Wichtigste von Putin zu erreichen – seine Zustimmung zur Beendigung des Krieges.

Zelensky in dieser Situation zu ignorieren, erwies sich ebenfalls nicht als die beste Lösung. Zumal Trump ständig sagt, die ukrainischen Angriffe auf die russische Ölverarbeitung führten zu einem Anstieg der Dieselpreise – auch an amerikanischen Tankstellen. Das ist natürlich eine Übertreibung mit Blick auf die Wahlen. Ohne eine Öffnung der Straße von Hormus dürfte sich der Kraftstoffpreis kaum wesentlich verändern – selbst wenn die Ukraine aufhört, russische Ölraffinerien anzugreifen. Aber für den amerikanischen Präsidenten ist es zumindest wichtig zu demonstrieren, dass er sich um eine Lösung des Problems bemüht. Er schickt Vermittler nach Kyiv und Moskau, unterzeichnet das „Graham-Gesetz“, trifft sich mit Zelensky und warnt Putin vor den Folgen für dessen Ölverarbeitungsindustrie, über die der russische Präsident – zumindest aus Trumps Sicht – bereits die Kontrolle verloren hat.

Im Geschäftsleben versucht Trump stets, einer bestimmten Logik zu folgen. Wenn Putin seine eigene Ölverarbeitungsindustrie retten muss, muss er zumindest einer Energiewaffenruhe zustimmen. Genau deshalb begann Trump, den russischen Präsidenten öffentlich daran zu erinnern, dass dieser die Kontrolle über seine eigene Ölverarbeitung verloren habe.

Doch Putin folgt einer anderen Logik, die eher Trumps iranischen „Partnern“ eigen ist. Putin bemisst die Situation nicht nach wirtschaftlichen Interessen, sondern nach den Grenzen der Widerstandsfähigkeit. Für den russischen Präsidenten ist nicht wichtig, wie viel Russland verliert, sondern welchem Druck es standhalten kann. Und die Ukraine zermürbt er aus genau denselben Erwägungen – um ein Ausmaß an Zerstörung zu erreichen, das die Widerstandsfähigkeit des Gegners untergräbt. Und Europa „terrorisiert“ er aus genau denselben Erwägungen – damit die Europäer der Ukraine nicht die Möglichkeiten geben, der russischen Aggression zu widerstehen.

Das ist ganz und gar nicht die Logik des Geschäftslebens. Es ist die Logik des Fanatismus. Doch bei der Suche nach Wegen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges müssen sowohl Zelensky als auch Trump diese Logik berücksichtigen. Putin wird keine echten Verhandlungen beginnen, solange er die Möglichkeit hat, die Ukraine zu zermürben. Und solange Russland über Ressourcen für den Krieg und die nötige Widerstandsfähigkeit verfügt. Das ist eine einfache Formel, die für weitere Angriffe auf Russland und eine verstärkte Unterstützung der Ukraine spricht. Das bedeutet, dass die russische Ölverarbeitungsindustrie endgültig ausgeschaltet und Raketen für die ukrainische Luftverteidigung gefunden werden müssen.

Und ja, das erfordert die Anerkennung der Tatsache, dass weiterhin ein Zermürbungskrieg stattfindet und kein erfolgreicher Verhandlungsprozess. Doch gerade diese Erkenntnis bringt uns tatsächlichen und nicht nur vorgetäuschten Friedensverhandlungen näher.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путінська логіка витривалості. Віталій
Портников. 24.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 24.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Putins Auftritt beim Waldai-Forum: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 01.10.2026.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden terroristischen Angriffe der Russischen Föderation auf die ukrainische Hauptstadt und andere Städte und Ortschaften unseres Landes, vor dem Hintergrund des offensichtlichen Bestrebens, die Eskalation im Krieg gegen die Ukraine weiter zu verschärfen, und neuer Drohungen gegen den Westen tritt Präsident Putin bei einer Sitzung des Waldai-Diskussionsklubs auf – einer eigens veranstalteten Zusammenkunft von Experten sowohl aus der Russischen Föderation selbst als auch aus westlichen Ländern, die bereit sind, dem russischen Präsidenten und seinen Drohungen zuzuhören. Ein sorgfältig ausgewähltes Publikum, das eher als Expertenkulisse für den selbstverliebten russischen Diktator dient.

Schon vor Putins Auftritt sagte sein Pressesprecher Peskow, die ganze Welt warte auf diese Rede. Und es ist schwer zu sagen, inwieweit er hinsichtlich der Erwartungen der Welt damit recht hat. Aber ich bin bereit, Peskow darin zuzustimmen, dass diese Rede des Präsidenten der Russischen Föderation tatsächlich historisch ist, weil sie die Welt, selbst unabhängig vom Kontext der Ereignisse im russisch-ukrainischen Krieg, dem tatsächlichen Einsatz von Atomwaffen durch die Russische Föderation näher bringt. Und wir müssen feststellen, dass Moskau sich darauf vorbereitet. Das ist eine völlig neue außenpolitische Konzeption, die Putin in dieser Rede formuliert hat.

Früher sprachen sowohl sowjetische als auch russische Staatschefs davon, dass der Einsatz von Atomwaffen in jedem Krieg unmöglich sei, dass es in einem Atomkrieg keine Sieger geben werde und dass man alle Anstrengungen unternehmen müsse, damit es zu einem solchen Krieg nicht kommen könne. Eine solche Wende in der sowjetischen Außenpolitik, die die Russische Föderation später erbte, vollzog sich faktisch unmittelbar nach dem Tod des sowjetischen Diktators Josef Stalin, der bekanntlich für Putin und die Putinisten ein Vorbild ist.

Stalin zog grundsätzlich die Möglichkeit eines Atomkriegs mit dem Westen in Betracht, weil er von der Vernichtung der westlichen Zivilisation träumte. Nun, natürlich hatte er sich gerade deshalb in den 1930er-Jahren mit seinem Verbündeten Adolf Hitler über ein gemeinsames Vorgehen gegen die zivilisierte Welt verständigt und war sehr unzufrieden darüber, dass Hitler ihn hinterging. Doch nach Stalins Tod entstand die Konzeption der friedlichen Koexistenz von Staaten mit unterschiedlichen Gesellschaftssystemen.

Und man kann sagen, dass diese Konzeption bis zum 1. Oktober 2026 Bestand hatte, denn nun spricht der Präsident der Russischen Föderation, einer der größten Atommächte der heutigen Welt, die in der Lage ist, die gesamte Menschheit zu vernichten, ebenso wie dies etwa die Volksrepublik China könnte. Ein Land, das dafür größere Möglichkeiten besitzt als andere Atommächte. Denn selbst wenn man sich vorstellt, dass Frankreich oder Großbritannien an einem Atomkrieg teilnehmen und ihre gesamten Atomwaffen bereits eingesetzt haben, werden Russland und die Vereinigten Staaten noch eine beträchtliche Menge davon besitzen. China inzwischen ebenfalls. Und der Staatschef eines solchen Landes sagt bei einem Treffen mit Experten öffentlich, es könne dazu kommen, dass das Gewehr, das an der Wand hängt, auch abgefeuert werden müsse, womit er faktisch die Unvermeidlichkeit des Einsatzes von Atomwaffen in modernen Kriegen anerkennt. Das ist natürlich eine regelrechte zivilisatorische Katastrophe.

Und ich möchte, dass wir uns dieses Datum als den Tag merken, an dem diese Katastrophe aus dem Kreml angekündigt wurde. Wenn es uns in den nächsten Jahren nicht gelingt, die derzeitige Führung der Russischen Föderation dazu zu zwingen, auf sämtliche aggressiven Pläne zu verzichten, wird die Menschheit nicht an künstlicher Intelligenz zugrunde gehen, über deren Gefahren Putin heute bei der Sitzung des Waldai-Klubs ebenfalls gesprochen hat. Die Menschheit wird an Putin zugrunde gehen, und wir werden Zeugen dieser – wie der Präsident der Russischen Föderation selbst sagt – unvermeidlichen Katastrophe sein, sofern wir natürlich überleben.

Nun, ich werde diese Worte des russischen Präsidenten zitieren, damit wir verstehen, worauf sie sich beziehen. Es ist die Antwort auf eine Frage, die der Kreml-nahe Experte Fjodor Lukjanow zu einer Warnung des Außenministeriums der Russischen Föderation an die westlichen Länder stellte, die das russische Gebiet Kaliningrad betraf, eine Enklave, die zwischen zwei Mitgliedern der NATO und der Europäischen Union liegt, Polen und der Republik Litauen. Auch das ist inzwischen ein nicht mehr ganz neuer, ich würde sagen, propagandistischer Trick. Zuerst gibt Lawrows Außenministerium Warnungen heraus, anschließend wendet man sich an Putin, damit er seine Diplomaten gewissermaßen beruhigt. Doch dann geschieht etwas völlig anderes, vom Kreml Geplantes.

„Wir schüchtern niemanden ein“, sagt Putin. „Und das, was Sie gerade angesprochen haben, die Erklärungen des Außenministeriums und die Schreiben, die das Außenministerium an einige Länder geschickt hat, das ist keine Einschüchterung, sondern eine Antwort auf den Versuch, uns einzuschüchtern. Denn diese Äußerungen westlicher Politiker, europäischer Politiker über die Notwendigkeit, die Möglichkeit und die Vorbereitung eines Krieges mit Russland in den Jahren 2029 bis 2030 stammen doch nicht von uns. Wir hören das von der anderen Seite, und zwar ständig. Und jetzt kommen auch konkrete Handlungen hinzu. Eine Militärübung nach der anderen in der Ostsee und anschließend Versuche, unsere Schiffe festzuhalten. Aber all das ist die Eskalation, von der ich gerade in meiner Rede gesprochen habe. Und dann hörten wir Äußerungen zum Kaliningrader Gebiet. Und alles, was in der Erklärung des Außenministeriums und in den verschickten Schreiben steht, ist richtig. Sollte es zu einem direkten Angriff auf die Russische Föderation kommen – in diesem Fall ist sowohl Kaliningrad als möglicherweise auch anderes Territorium gemeint –, wird selbstverständlich unvermeidlich und unverzüglich die Frage des Einsatzes sämtlicher Waffen auf die Tagesordnung kommen, über die unser Land verfügt.“

Das heißt, Putin kann jede beliebige Provokation inszenieren, wie Hitler oder Stalin dies seinerzeit taten, und unter dem Vorwand dieser Provokation Waffen gegen jedes beliebige Land im Westen einsetzen, das er zum Ziel seiner Handlungen erklärt. Und das kann, wie Sie verstehen, keineswegs nur die Situation mit dem Kaliningrader Gebiet betreffen. Putin sagte heute ganz klar, dass er die Hilfe für die Ukraine weiterhin aufmerksam beobachtet und dass derzeit zwar nicht von Angriffen auf jene Rüstungsbetriebe die Rede sei, die der Ukraine helfen und Produkte für die ukrainische Armee herstellen, Russland diese Arbeit jedoch beobachte.

Das ist also ebenfalls eine Drohung. Es ist die Drohung mit dem Einsatz von Instrumenten hybrider Kriegsführung durch die Russische Föderation. Wie Sie verstehen, werden diese Bedrohungen in nächster Zeit auf dem gesamten europäischen Kontinent zunehmen. Und es sind möglicherweise Drohungen mit dem Beginn eines Krieges gegen europäische Länder. Denn vielleicht versuchte Putin am 1. Oktober 2026 seinen westlichen Partnern zu signalisieren, dass die Entscheidung über den Beginn eines Krieges auf dem europäischen Kontinent, eines Krieges, der zu einem wirklichen Dritten Weltkrieg werden könnte, im Kreml bereits getroffen wurde und nur noch der endgültige Befehl des Oberbefehlshabers der russischen Streitkräfte erforderlich ist, damit dieser Krieg beginnt.

Wir wissen nicht, auf welche Weise Russland angesichts des Mangels an Ressourcen, der aufgrund des fortdauernden endlosen russisch-ukrainischen Krieges derzeit zu beobachten ist, einen solchen Krieg führen würde. Aber dass Putin mit solchen möglichen Raketenangriffen, vielleicht mit dem Einsatz strahlgetriebener Drohnen droht, ist angesichts dieser Rede ebenfalls eine völlig offensichtliche Tatsache.

Was die Ukraine betrifft, denke ich, dass wir uns ebenfalls keinerlei Illusionen darüber gemacht haben, was Putin sagen würde. Es ist offensichtlich, dass er den russisch-ukrainischen Krieg nicht beenden will. Es ist offensichtlich, dass er keinerlei Möglichkeiten für Friedensverhandlungen zustimmen will, die zu einer tatsächlichen Unterbrechung, geschweige denn zu einer Beendigung der Kampfhandlungen führen würden. Wichtig ist aber auch, was er über die Ukraine sagte und wie er seine Aggression gegen unseren Staat erklärte. Putin trat mit friedensstiftenden Erklärungen auf, sprach davon, wie wichtig Frieden sei, und beantwortete selbst eine Frage, die sich sogar im Kreis der loyalen Experten von Waldai aufdrängte.

„Russland spricht also vom Frieden, hat aber selbst den Krieg begonnen. Nun, ich habe mich zu diesem Thema schon oft geäußert: Wo liegt die Wahrheit? Die Wahrheit ist, dass nicht wir kämpfen wollten und nicht wir den Krieg begonnen haben, sondern dass man begonnen hat, gegen uns Krieg zu führen“, sagt der russische Diktator. „Man hätte nicht jahrelang aggressiven Nationalismus und Russophobie in der Ukraine fördern dürfen, um sie zu einem Instrument des Kampfes gegen Russland zu machen. Die NATO hätte nicht mit der militärischen Erschließung beginnen dürfen.“ Und hier kommt der wichtigste Satz, der uns im Grunde die gesamte endlose Perspektive des russisch-ukrainischen Krieges für die kommenden Jahre und Jahrzehnte vor Augen führt: „Die NATO hätte nicht mit der militärischen Erschließung unserer historischen Gebiete im Interesse der Organisation selbst beginnen und dort ihre Stützpunkte planen dürfen.“

Das bedeutet, dass das Territorium der Ukraine als historisches Territorium der Russischen Föderation betrachtet wird und Russland diesen erbarmungslosen Krieg um Territorium, um das, was es als sein Eigentum betrachtet, führt und weiter führen wird. Natürlich interessiert die Russen in dieser Situation überhaupt nicht, welche Bevölkerung auf diesem Gebiet lebt, das historisch russisch sein und an Russland zurückgegeben werden soll. Putin hat das laut ausgesprochen. Man muss es einfach hören. Es ist ein Krieg um Territorium, um russisches Territorium.

„Man hätte die Radikalen in Kyiv nicht zu einem Staatsstreich drängen und das auf diese Weise geschaffene illegale Regime anschließend mit verschiedensten Offensivwaffen vollpumpen dürfen. Man hätte keine Pläne ausarbeiten dürfen“ – Achtung – „Konzentrationslager für die Bewohner des Donbas und der Krim einzurichten. Man hätte unbewaffnete Menschen nicht mit Panzern niederwalzen, mit Raketen beschießen, aus Flugzeugen unter Feuer nehmen und bei lebendigem Leib töten dürfen“ – er spricht hier nicht über russische Handlungen – „nur weil sie ihrer Nationalität und ihrem Geist nach Russen sind. Russland wurde bewusst in eine Situation gebracht, in der es schlicht gezwungen war, als Antwort auf diese aggressive Aggression zu den Waffen zu greifen. Man hat uns bewusst an diese Grenze gebracht. Man hätte Russophobie, die Unterdrückung und Ermordung von Russen und die Vernichtung Russlands nicht zur Staatsideologie machen und sich nicht die strategische Niederlage Russlands zum Ziel setzen dürfen. Ja, das wurde gesagt, nicht wahr? Niemand hat das vergessen. Wenn wir freundschaftlich miteinander leben wollen, dann lasst uns gemeinsam nach Wegen suchen, wie das möglich ist.“

Oder glauben Sie, Putin sagt nicht, welcher Weg das sein soll? Doch, sagt er. Er sagt ganz klar, dass es überhaupt keine Ukraine geben könne, dass „die Ukraine – ich weiß das, und alle wissen es sehr gut – nicht selbstständig existieren kann. Sie verliert zunehmend die Elemente ihrer Staatlichkeit. Meiner Ansicht nach ist das eine offensichtliche Tatsache. Sie wird von außen gesteuert. Und wenn jemand mit fremden Händen gegen uns Krieg führen will, in diesem Fall mit den Händen des ukrainischen Regimes, das seine Menschen, die es nicht einmal als die eigenen betrachtet, unter die Kugeln und faktisch in die Vernichtung schickt – wenn also jemand beginnt, mit fremden Händen gegen uns Krieg zu führen, dann ist das natürlich eine Bedrohung.“

Das heißt, alles ist sehr einfach: „Wenn ihr eine Normalisierung der Beziehungen zu Russland wollt“ – das ist ein klares Signal an den Westen –, „dann überlasst Russland die Ukraine, setzt gemeinsam mit Moskau, gemeinsam mit Putin, gemeinsam mit den von chauvinistischer Galle erfüllten Russen einen Schlusspunkt unter die ukrainische Staatlichkeit. Und das ist das Einzige, was euch vor einem Atomkrieg bewahren wird. Denn die Alternative zu einer solchen Kapitulation der Ukraine vor Russland und zu gemeinsamen Anstrengungen zur Vernichtung der ukrainischen Staatlichkeit ist ein Atomkrieg.“ Das ist der Kern dieser Rede, einer sehr wichtigen, sehr aggressiven Rede, erfüllt von dem unverhohlenen Wunsch, die Gewalt fortzusetzen und auszuweiten.

Wie ich schon mehrfach gesagt habe, ist die Ausweitung des russisch-ukrainischen Krieges auf andere Länder, auf andere Gebiete und die Steigerung seines Eskalationsniveaus unvermeidlich. Putin hatte darauf gesetzt, dass die Wahlen 2024 in den Vereinigten Staaten von Amerika und Donald Trumps Machtantritt mit seinem Programm zur Einstellung der direkten Hilfe für die Ukraine einen Schlusspunkt unter den russisch-ukrainischen Krieg setzen und es Russland ermöglichen würden, sämtliche ukrainischen Gebiete, die heute nicht von Russland kontrolliert werden, als Regionen der Russischen Föderation an Russland anzuschließen, wie es in jedem politischen Plan steht, der seit Anfang der 2000er-Jahre auf Putins Tisch liegt. All das wird seit damals ausgearbeitet. Da dies nicht geschehen ist, besteht die Hauptaufgabe nun darin, die Europäer dazu zu zwingen, die Hilfe für die Ukraine einzustellen, selbst wenn dafür Massenvernichtungswaffen eingesetzt werden müssen. Das ist alles. Was muss man da noch erklären? Mir scheint, dass man genau das in dieser Rede, in dieser Strategie mit bloßem Auge erkennen kann, wenn Sie so wollen.

Natürlich versucht Putin dabei – und auch das ist eine sehr wichtige Tatsache –, die warmen Beziehungen zu Trump aufrechtzuerhalten. Er versteht, dass er dem amerikanischen Präsidenten weiterhin seine Zuneigung vorspielen muss, und auch während dieser Rede tut er das weiter. „Ich habe mit Präsident Trump“, sagt Putin, „seit vielen Jahren recht gute Beziehungen. Ich bin ihm dankbar dafür, dass er sich um eine Lösung, sagen wir, der Ukraine-Krise bemüht. Ich bin davon überzeugt, dass er das aufrichtig tut. Wir sind der First Lady der USA für ihre Arbeit im humanitären Bereich dankbar. Das sage ich vollkommen aufrichtig, ohne jede Ironie. Aber wie dem auch sei: Alles, was unsere Beziehungen zu den Staaten überschattet, jene Faktoren, die unsere Beziehungen verdunkeln und zerstören, sind nicht gestern und nicht heute entstanden. Sie sind über Jahrzehnte entstanden. Wir würden uns sehr wünschen, dass diese Faktoren, die uns trennen, der Vergangenheit angehören und sich neue Perspektiven für eine für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit eröffnen.“

Da haben Sie es ganz einfach. Einerseits wird betont, dass keinerlei reale Möglichkeiten zur Verbesserung der amerikanisch-russischen Beziehungen bestehen. Andererseits wird alles gesagt, was Trump später in seinen eigenen Reden verwenden kann, wenn er erzählt, wie unglaublich stark Putin ihn liebt. Putin geht hier also mit Trump vollkommen geschickt um. Ohne irgendwelche politischen Zugeständnisse, ohne jeden Wunsch, einem Ende des russisch-ukrainischen Krieges zuzustimmen, möglicherweise über einen Angriff auf Europa und den Einsatz von Atomwaffen zum Sieg über den Westen nachdenkend, macht Putin nur eines: Er macht Trump Komplimente.

Und wiederum können wir hier von einer Revision der Weltordnung sprechen. Und sie ist, würde ich sagen, keineswegs nur für einen Tag gedacht. Putin sagt ganz klar, dass sich die Weltordnung verändert, dass der Westen seine Rolle verliert und dass die Bedeutung der westlichen Staaten überschätzt werde. Nun, er meint dabei vor allem die G7, obwohl man feststellen kann, dass diese Gruppe bei aller angeblichen Überschätzung praktisch über den größten Teil der Ressourcen der Weltwirtschaft verfügt, was auch immer mit China oder anderen Ländern des Globalen Südens sein mag. Und das müsse historisch neu bewertet werden.

Putin griff sogar auf Gorbatschows politisches Erbe zurück, um zu zeigen, wie falsch dessen Versuch gewesen sei, die Sowjetunion zu reformieren: „Ich möchte auf eine gewisse Naivität, einen gewissen Edelmut und vielleicht sogar eine gewisse Sorglosigkeit jener Menschen hinweisen, die den Staat in den letzten Jahren der Sowjetära führten. Blindes Vertrauen in die westlichen Partner, die Überzeugung, dass gewisse Gentlemen’s Agreements möglich seien.“ Damit meint er die erfundene Behauptung, der Westen habe Gorbatschow versprochen, die NATO nicht zu erweitern. „Eine gewisse Naivität, als reiche es aus, sich auf das Wort anderer zu verlassen und zu glauben, man könne sich über etwas einigen – genau das hat der Sowjetunion einen so bösen Streich gespielt. Rückblickend wird deutlich, welch zerstörerische Rolle dies nicht nur für das Schicksal der UdSSR, sondern auch für die Gewährleistung langfristiger globaler Stabilität gespielt hat. Die sowjetischen Führer wollten dem Westen gefallen, der Westen dagegen wollte die Welt nach seinen Vorstellungen umgestalten. Das ist der ganze Kern dessen, was geschieht.“

Und natürlich kommt Putin in dieser Situation nach seiner Rede erneut auf das Thema Atomwaffen zurück. „Die These, Russland drohe mit Atomwaffen, soll davon ablenken, dass sie selbst eine aggressive Politik gegen Russland betreiben und ihre Bürger in der Konfrontation mit uns an eine gefährliche Grenze heranführen und treiben – das ist, würde ich sagen, eine instrumentelle Vorgehensweise westlicher Politiker. Aber wenn wir mit einer Aggression konfrontiert werden – wir selbst haben nicht vor, irgendjemanden anzugreifen –, werden wir gezwungen sein zu antworten. Und die Bürger der europäischen Länder müssen unsere Position und die Position der amtierenden politischen Führung dieser Länder klar verstehen und voneinander unterscheiden.“

Und hier kommt das Wichtigste: womit sich die Russische Föderation in den nächsten Jahren beschäftigen wird. Mir scheint, dieses Verständnis ist vorhanden, und wir sehen das unter anderem an den Wahlergebnissen und den Stimmungen in den größten europäischen Ländern. Genau das möchte ich kommentieren. Die Russische Föderation arbeitet ganz bewusst darauf hin, dass in europäischen Ländern – und nicht nur in europäischen, sondern auch in nordamerikanischen Ländern – Politiker an die Macht kommen, die bereit sind, vor dem Kreml zu Kreuze zu kriechen, sich mit Putin zu verständigen, Russlands Recht auf vollständige Kontrolle über den postsowjetischen Raum durch die Eingliederung der Gebiete ehemaliger Sowjetrepubliken in die Russische Föderation anzuerkennen und ihm indirekte Kontrolle beziehungsweise eine Einflusssphäre in den Staaten Mitteleuropas zuzugestehen.

Und Putin sagt ganz klar, dass er die Wahlergebnisse als förderlich für die Interessen der Russischen Föderation betrachtet. Welche Wahlen? Gemeint ist vor allem der jüngste Erfolg der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland bei den Landtagswahlen in Deutschland, deren Führung ihre Sympathien für Putin nicht verbirgt. Denn wie könnten Menschen, die einer ultrarechten Ideologie anhängen, die faschistische Ideologie des heutigen Russlands nicht schätzen, das sich im Grunde in eine Neuauflage des Hitler-Reichs verwandelt hat, in ein Viertes Reich unter Putin? Und Sie verstehen doch, dass dieses Feuerwerk an Sabotageakten, das sich in der Bundesrepublik vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ereignete, jetzt nicht mehr in dieser Form stattfindet, nicht wahr? Es war gerade darauf abgestimmt, dass die Stimmung in den europäischen Gesellschaften diesen Zielen des Präsidenten der Russischen Föderation, der russischen Führung und der russischen Gesellschaft entspricht.

Und natürlich erwartet man in Russland genau so, dass im kommenden Jahr bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich die Vorsitzende des rechtsextremen Rassemblement National, Marine Le Pen, gewinnt, die zwar die Politik der Russischen Föderation verbal verurteilen kann, in der Praxis jedoch die Hilfe für die Ukraine einstellen und bestimmte Initiativen zur Unterstützung der Ukraine in der Europäischen Union blockieren könnte, während sie demonstrativ und deklarativ eine Gegnerin der Russischen Föderation bleibt.

So wird die Politik der Russischen Föderation aussehen. Dazu dient diese Einschüchterung mit Atomwaffen: damit die Europäer richtig wählen, damit man Europa ohne Atomwaffen erobern kann. Genau das haben sie in unserem Land immer versucht, als sie 1994 prorussischen Politikern zur Macht verhalfen, es 2004 versuchten, 2010 versuchten und anschließend nach 2014 die Revanche vorbereiteten. Das alles ist Moskau. Alles Moskau. Und jetzt tun sie in Europa genau dasselbe und geben dafür Milliarden aus und werden weiter Milliarden dafür ausgeben, weil sie sicher sein können, dass das sogar effektiver ist, als Geld für die Armee auszugeben: Die anderen kommen selbst und bringen ihnen alles.

Nun, mir scheint, das alles ist verständlich, ebenso wie klar ist, dass Russlands Aggression gegen die Ukraine weitergehen wird und die Ukraine ständig beschuldigt werden wird, Russland zu provozieren. Unter anderem sagte Putin während dieser Rede: „Die Ukraine hat angefangen, russische Ölraffinerien anzugreifen, aber das macht nichts, das ist nicht schlimm. Russland hat durch diese Angriffe nur ein Prozent seines BIP verloren.“ Tatsächlich ist das eine sehr große Zahl. Ich hoffe, dass wir die Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation auch weiterhin zerstören werden, um dieses räuberische, aggressive Land auf die Knie zu zwingen, von denen es sich in den kommenden schwarzen Jahrzehnten der Armut, der inneren Konflikte, der Katastrophen und der internen Kämpfe nicht wieder erheben soll. In einen solchen Zustand muss dieses Land gebracht werden – natürlich vorsichtig, damit seine inneren Konflikte nicht über die Grenzen der Russischen Föderation hinausgreifen und sämtliche Nachbarländer überfluten und sie neben einem brennenden Russland in eine dann nicht mehr zu bewältigende Katastrophe stürzen.

Auch das kann geschehen. So war es in den Jahren 1917 bis 1920 des 20. Jahrhunderts. Wir müssen diese Erfahrung im 21. Jahrhundert nicht wiederholen, aber ein starkes Russland bedeutet den Tod für die Ukraine und den Tod für Mitteleuropa. Den physischen Tod von Millionen Menschen, die hier leben. „Faschist, hier kommt die Granate – vom Sowjetsoldaten.“ Das sagte Putin, als er darüber sprach, dass Russland die ukrainische Metallurgie faktisch zerstört habe. Er verbirgt nicht einmal seinen Wunsch, zivile Branchen der ukrainischen Wirtschaft zu zerstören. Man muss das also nicht einmal übertreiben. Diese seine Absichten sind alle offensichtlich.

Und natürlich Komplimente an China. Hier kann Putin selbstverständlich nichts anderes tun, als sich vor Xi Jinping in den Staub zu werfen. Und hier ist die Linie seines Verhaltens, würde ich sagen, noch viel ernster als gegenüber Trump, weil sie familiär ist. Putin sagt, seine Enkel lernten Chinesisch und könnten, wie Sie verstehen, bei Treffen zwischen Putin und Xi Jinping als Dolmetscher arbeiten. Das ist, wie Sie verstehen, etwas anderes als bei Trump, mit dem er gute Beziehungen hat. Es ist der Versuch, alles dafür zu tun, dass Xi Jinping erkennt, wie groß die Ergebenheit des russischen Präsidenten ist.

Das heißt, trotz all dieser Drohungen, trotz all dieser Gefahren versucht Putin weiterhin, dem chinesischen Staatschef zu gefallen, weil er offensichtlich versteht, dass gerade davon die Zukunft der russischen Wirtschaft abhängt. Wenn China aufhört, russisches Öl zu kaufen, dann sind all diese selbstverliebten Erklärungen vorbei. Dann wird man seine eigenen Zähne vom Boden aufsammeln müssen, die einem mangels Parodontosebehandlung ausfallen werden, statt über einen globalen Atomkrieg zu erzählen.

Und nun zum globalen Atomkrieg. „Wir entwickeln unsere Nuklearstreitkräfte weiter. Wir haben strategische Raketentruppen. Fast 98 Prozent davon sind modern. Einen solchen Modernisierungsgrad gibt es bei keiner anderen Atommacht. Neue moderne Mittel, das sind völlig neue Systeme zur Überwindung von Luftverteidigungssystemen, hochmoderne Mittelstreckenwaffen, die modernsten überhaupt. Alle Atommächte sind Hochtechnologieländer. Irgendwann werden alle so etwas ebenfalls besitzen, aber bislang haben nur wir es.“ Das ist also, wenn Sie so wollen, bereits eine direkte Drohung auch an die Vereinigten Staaten von Amerika. Das ist der Anspruch darauf, dass Russland die wichtigste, die führende Atommacht der heutigen Welt sei, weil alle anderen Staaten in dieser Hinsicht anachronistisch seien. Da haben Sie Putins historische Antwort hinsichtlich seiner Möglichkeiten.

Und wenn wir natürlich wieder an die Liebe zu Trump denken, gibt es noch eine andere Liebe, die Trump ebenfalls bemerken müsste. „Die ganze Welt ist beeindruckt vom Mut und Heldentum des iranischen Volkes und von seiner Standhaftigkeit“, sagt Putin. Da haben Sie seine Haltung gegenüber einem Land, das Krieg gegen die Vereinigten Staaten führt und amerikanische Soldaten tötet. Ich denke, damit ist alles klar. Und natürlich betont Putin ausdrücklich, er hoffe, dass die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben würden und dann die Straße von Hormus geöffnet werde. Das ist alles.

Und noch einen Krieg bereitet Putin vor – auf dem Balkan. Auch das muss man klar verstehen. In dieser Rede gab es vieles, was uns bereits erlaubt zu sagen, dass Russland an vielen Fronten in die Offensive übergeht. „Die Serben“, sagt Putin, „sind eine geteilte Nation in Europa, mit Gewalt geteilt. Das ist ungerecht.“ Das heißt, Russland wird nun neue Anstrengungen zur territorialen Aufteilung Bosnien und Herzegowinas unternehmen. Und natürlich könnte das einen neuen Balkankrieg auslösen, den europäischen Perspektiven sowohl Serbiens als auch Bosnien und Herzegowinas ein Ende setzen und zum Hintergrund für den Beginn eines neuen Konflikts im Kosovo werden. Zu all dem könnte Putin nun den ehemaligen serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić anstacheln, der sich darauf vorbereitet, neuer Ministerpräsident dieses Landes zu werden.

Und wenn es den Serben natürlich nicht gelingt, proeuropäische, vernünftig denkende Politiker an die Macht zu bringen, die einen Schlusspunkt unter die Beziehungen ihres Landes zu dem widerwärtigen Putin-Staat setzen, werden sie erneut zu einem Instrument von Putins Krieg in Europa. Sie werden sehen, welche enormen Ausmaße dieser Krieg annehmen wird, wie der Balkan in den kommenden schweren Jahren brennen wird, wenn das nicht jetzt gestoppt wird. Denn, noch einmal, Putin sagt solche Dinge nicht einfach so. Das bedeutet, dass es bereits irgendwelche Dokumente gibt, die aus Sicht des Kremls vollkommen realistisch sind. Der Plan ist bereits von Putin gebilligt. Und genau das wird geschehen.

Und was wird nicht geschehen? Es wird kein trilaterales Treffen der Präsidenten Russlands, der Ukraine und der Vereinigten Staaten geben, ebenso wie es, denke ich, niemals zu einem Treffen zwischen Putin und Zelensky kommen wird. „Wir brauchen eine Tagesordnung für ein trilaterales Treffen“, sagt Putin auf die Frage nach einem solchen Treffen. „Wir müssen verstehen, wie diese aussehen könnte, worüber wir überhaupt sprechen werden.“ Das heißt, Putin hat nichts zu besprechen. Auch das muss man klar begreifen, wenn wir all diese Möglichkeiten irgendwelcher Verhandlungen, irgendwelcher Entscheidungen im Zusammenhang mit einem künftigen Verhandlungsprozess erörtern. In Putins Kopf gibt es keinen Verhandlungsprozess. In seinem Kopf gibt es nur die Ausweitung des Krieges. Wir glauben, er denke darüber nach, wie er den russisch-ukrainischen Krieg beenden kann. Er denkt nicht einmal 30 Sekunden darüber nach. Er denkt darüber nach, wie er diesen Krieg vergrößern, wie er ihn ausweiten und wo er Atomwaffen einsetzen kann. Darüber denkt er nach. Das sind die wirklichen Probleme.

Natürlich hat niemand vor, auf die besetzten Gebiete zu verzichten. „Russland“, sagt Putin, „wird bei der Wiederherstellung der historischen Regionen“ – Achtung, der historischen Regionen! – „davon ausgehen, dass dort russische Bürger leben und ihr Lebensstandard verbessert werden muss. Russland errichtet neue Betriebe des militärisch-industriellen Komplexes in möglichst sicheren Gebieten. Der Bau wird fortgesetzt.“ Das heißt, ja, inzwischen ist klar, dass ukrainische Shahed-Drohnen russische Rüstungsbetriebe erreichen können. Nun wird der militärisch-industrielle Komplex Russlands im Fernen Osten und in Sibirien jenseits des Urals im Eiltempo ausgebaut werden. Das ist ganz sicher kein Hinweis darauf, dass Putin den Krieg beenden will.

Übrigens noch ein Seitenhieb gegen Donald Trump, der ständig sagt, dass es weltweit an Dieselkraftstoff fehle, weil die Ukraine die Ölraffinerien der Russischen Föderation angreife und nicht etwa, weil die Straße von Hormus blockiert sei. „Nein“, sagt Putin zu Trump, „Russland hat genügend Dieselkraftstoff, aber aufgrund der Sanktionen gelangt er nicht auf die Weltmärkte.“ Das ist also ebenfalls ein sehr einfacher Appell sowohl an Trump als auch an die amerikanische Gesellschaft: „Wollt ihr die Preise an den Tankstellen senken?“ Sie werden nicht sinken – Spoiler –, weil das mit dem, was tatsächlich geschieht, überhaupt nichts zu tun hat. „Wollt ihr die Preise an den Tankstellen senken, dann hebt bitte die Sanktionen gegen Putins Regime auf und schafft ihm komfortable Bedingungen, damit es die Ukraine vernichten und ihre Bevölkerung auslöschen kann.“ Das ist der ganze Kern dieser Aussagen.

„Russland wird selbst entscheiden, welche Betriebe in den neuen Gebieten nach der militärischen Spezialoperation wiederaufgebaut und welche aus wirtschaftlicher Notwendigkeit verlagert werden.“ Was bedeutet das? Nun, erstens, dass Putin sich darüber im Klaren ist, dass er nicht das gesamte Territorium der Ukraine erobern kann, und deshalb hier so viel zerstören will. Er versteht, dass er früher oder später möglicherweise gezwungen sein wird, Halt zu machen. Aber das bedeutet hier etwas sehr Wichtiges. Er hat nicht vor, diesen Krieg zu beenden, selbst wenn irgendwann Bedingungen für seine Unterbrechung entstehen. Wenn er nicht vorhat, Betriebe in den besetzten Gebieten aufzubauen, die er als seine eigenen betrachtet und über die er die Kontrolle behalten will, bedeutet das, dass er diese besetzten Gebiete künftig als Brückenköpfe für einen neuen Angriff auf die Ukraine nutzen will. Genau deshalb braucht er sie. Warum sonst sollte er dieses Thema ansprechen?

Ein weiterer Mensch, dem er, sagen wir, nahestehen möchte, ist Narendra Modi, der indische Ministerpräsident, der zusammen mit Xi Jinping ein wichtiger energetischer Sponsor der Russischen Föderation bleibt. Es stellte sich heraus, dass Narendra Modi sehr gute Ideen für die Suche nach den notwendigen Lösungen für die Ukraine hat, aber absolut niemand weiß, was das für Ideen sein sollen und was Narendra Modi Putin vorgeschlagen haben könnte, das ihm so gut gefallen hat.

Und die wichtigste These dieser ganzen Geschichte, würde ich sagen, die zusätzlich verdeutlicht, was Putin will, lautet, dass die Welt nicht bipolar, sondern nur multipolar sein könne. Dieser Krieg um die Eroberung ukrainischer Gebiete, die Putin für historisch russisch hält, und die Einschüchterung Europas, das aus Putins Sicht jederzeit Angst vor einem russischen Angriff haben soll – all das ist Teil des Versuchs Russlands, ein Akteur der Weltpolitik zu bleiben. Und angesichts seines tatsächlichen wirtschaftlichen Potenzials kann Russland diese Rolle nur mithilfe von Gewalt bewahren. Andere Möglichkeiten, diese Stellung zu bewahren, hat die Russische Föderation, wie wir sehr gut verstehen, nicht.

Nun, das sind die ersten Randnotizen zu dieser historischen Rede des russischen Präsidenten, einer Rede, die das Gewehr der Atomwaffen und der Vernichtung der Menschheit von der Wand nimmt.

Ich werde einige Fragen beantworten, die bereits vorliegen.

Frage: Sie haben davon gesprochen, dass eine Normalisierung des Krieges nicht hingenommen werden darf. Russland erfindet inzwischen nicht einmal mehr Rechtfertigungen für seine Angriffe, und der Westen verurteilt sie nicht einmal mehr demonstrativ. Ist das nicht die Akzeptanz der Vorstellung einer Ukraine im ewigen Krieg durch den Westen?

Portnikov: Nun, mir scheint, dass der Westen sie durchaus verurteilt. Und als das Gebäude der Nationalen Akademie der Wissenschaften getroffen wurde, stand das auf den Titelseiten aller westlichen Medien. Westliche Politiker sprachen darüber. Ja, Präsident Trump hat sich nicht dazu geäußert. Aber wir verstehen doch sehr gut, welche Gefühle der Präsident der Vereinigten Staaten empfindet, wenn es um den Präsidenten der Russischen Föderation geht. Das verstehen wir sehr gut. Aber dass bis zu einem gewissen Grad eine Normalisierung des Krieges stattgefunden hat, ist ebenfalls eine Tatsache. Das ist nach vier Jahren Krieg ein völlig normaler Prozess. Und wir haben wiederholt gesagt: Ein Krieg, der nicht nach vier Monaten endet, kann dann auch acht oder zehn Jahre dauern.

Deshalb erkläre ich immer wieder, dass wir uns erst in der ersten Phase dieses grausamen und unerbittlichen Krieges befinden. Wir haben noch nicht einmal die Hälfte erreicht, von der aus wir sagen könnten, dass sich irgendwo ein Tunnel abzeichnet, an dessen Ende irgendwann – hoffentlich nicht erst in den 2030er-, sondern noch in den 2020er-Jahren des 21. Jahrhunderts – ein schwacher Lichtstrahl des Friedens erscheinen wird.

Ja, der Westen ist gezwungen, das hinzunehmen, aber stimmen Sie mir zu, dass er alles Mögliche tut, damit die Ukraine diesen langen Zermürbungskrieg gegen die Russische Föderation durchsteht und standhält. Ich möchte Sie daran erinnern, dass die Russische Föderation trotz dieser brutalen Angriffe auf Kyiv und andere ukrainische Städte diese Angriffe gerade deshalb durchführt, weil ihre militärischen Ziele nicht erreicht werden. Und solange die militärischen Ziele nicht erreicht sind, gibt es bislang keinen Grund anzunehmen, dass der Krieg endet oder dass Russland ihn gewinnen kann.

Frage: Gegen wen wäre es für Putin in seiner verdrehten Logik folgerichtig, Atomwaffen einzusetzen?

Portnikov: Nun, wissen Sie, ich weiß nicht gegen wen, aber wenn es um das Kaliningrader Gebiet geht, könnten natürlich Atomwaffen gegen Polen oder Litauen oder gegen irgendwelche militärischen Einrichtungen auf deren Territorium eingesetzt werden. Wir verstehen doch, dass, wenn man tatsächlich die Kaliningrad-Frage ins Zentrum stellt, man sich auf irgendetwas vorbereitet, sagen wir auf den Suwałki-Korridor, auf irgendeine provokative Entsendung von Truppen auf das Territorium Polens oder Litauens. Und als Antwort darauf, dass sie sich verteidigen, könnte man Atomwaffen einsetzen und schauen, wie die NATO darauf reagiert. Sollte sich herausstellen, dass die Amerikaner darauf überhaupt nicht reagieren, wird Russland zum König Mitteleuropas. Eine solche Idee könnte dahinterstehen: zu sehen, ob die NATO bereit ist zu reagieren, sie auf die Probe zu stellen.

Frage: Ich habe nur eine Frage: Was wäre gewesen, wenn Russland damals in die NATO aufgenommen worden wäre, als es darum gebeten hat?

Portnikov: Russland hat niemals darum gebeten, in die NATO aufgenommen zu werden. Das ist ein weiterer Unsinn, den Putin erzählt. Auch Stalin schlug vor, ihn in die NATO aufzunehmen, nachdem das Bündnis gegründet worden war. Es gab niemals einen ernsthaften Antrag Russlands auf eine NATO-Mitgliedschaft. Wiederholen Sie diese Propagandafloskeln nicht, denn wenn Russland der NATO hätte beitreten wollen, hätte es einen Antrag stellen müssen, wie alle Länder das getan haben, und mit Reformen beginnen müssen, damit seine Streitkräfte den NATO-Standards und der Staat selbst demokratischen Kriterien entsprechen. Was heißt „in die NATO aufgenommen“? In die NATO wird man nicht einfach aufgenommen. Der Staat muss demokratisch sein und die Kriterien erfüllen, und die Streitkräfte müssen die Kriterien erfüllen. Haben wir jemals etwas davon gehört? Gab es jemals auch nur einen einzigen offiziellen Antrag der Russischen Föderation auf NATO-Mitgliedschaft?

Frage: Wird der Westen die Ukraine nach dieser Erklärung Putins wirklich ihrem Schicksal überlassen, allein mit Russland?

Portnikov: Danke. Ich denke, diese Frage beschäftigt alle. Nein, der Westen wird die Ukraine nicht ihrem Schicksal überlassen und sie nicht allein mit Russland lassen, weil man im Westen sehr gut versteht, dass ein solches Vorgehen dazu führen würde, dass Russland den Westen anschließend von ukrainischem Territorium aus angreift. Deshalb teilen sich die westlichen Politiker in zwei Gruppen. Die eine Gruppe ist der Ansicht, dass die Ukraine ihre Souveränität verteidigen, das militärische Potenzial der Russischen Föderation verringern und für sich und ihre Nachbarn Sicherheit schaffen muss. Die andere Gruppe ist der Ansicht, dass die Ukraine ein Pufferstaat sein muss. Und darüber könne man sich dann ebenfalls mit dem Kreml verständigen. Aber Menschen, die sagen würden: „Lasst uns die Ukraine ihrem Schicksal überlassen, soll sie eben verschwinden, und die Russen sollen von Uschhorod aus mit Atomwaffen auf uns schießen“, solche Menschen gibt es nicht. Solche Idioten gibt es nicht, nicht einmal unter denen, die Geld vom Kreml bekommen. Das sind die beiden unterschiedlichen Positionen.

Frage: War die Welt während des Kalten Krieges an derselben Eskalationsgrenze wie heute? Wann war es Ihrer Meinung nach gefährlicher, heute oder damals?

Portnikov: Die Welt befand sich während des Kalten Krieges an derselben Eskalationsgrenze wie heute. Einen solchen Moment gab es beispielsweise während der Herrschaft Josef Stalins in der Sowjetunion. Einen solchen Moment gab es während der Kubakrise. Mit der Zeit, als das sowjetische Regime, würde ich sagen, zu degenerieren begann, verschwand diese unmittelbare Gefahr. Aber zweifeln Sie nicht daran, dass während des Kalten Krieges jederzeit die Möglichkeit bestand, dass ein Dritter Weltkrieg unter Einsatz von Atomwaffen beginnt.

Frage: Warum stimmen unsere Abgeordneten nicht für Gesetze, die es der Ukraine ermöglichen würden, europäische Unterstützung zu erhalten?

Portnikov: Ich selbst würde gern eine Antwort auf diese Frage bekommen. Aber ich denke, indirekt liegt die Antwort darin, dass ein großer Teil dieser Gesetze gerade deshalb verzögert wird, weil im Land eine Machtvertikale sowjetischen Typs aufgebaut wurde und der Mensch an der Spitze dieser Vertikale seine Befugnisse nicht verlieren will, wenn man es einfach ausdrückt. Und ich möchte Sie daran erinnern, dass die Ukrainer, die postsowjetisch geprägte Menschen sind, 2019 gerade für diese Machtvertikale gestimmt haben, weil der Glaube daran, dass wir einen guten Präsidenten haben werden, der alles für uns regelt, in den vernebelten Köpfen vieler unserer Landsleute erhalten geblieben war. Deshalb wollten sie nicht einmal besonders, dass die Macht geteilt wird, denn für uns ist es, wie Sie ebenfalls sehr gut wissen, immer ein negatives Element des politischen Lebens, wenn die Macht geteilt ist oder wenn es eine Position des Parlaments und eine Position der Regierung gibt, die sich von der Position des Präsidenten unterscheidet. In der ukrainischen politischen Sprache nennt man das Streit und Gezänk. Die Ukrainer verstehen nicht, was Kompromiss bedeutet, was Interessenausgleich bedeutet, was eine Koalition bedeutet, weil sie alle – nun, die meisten Menschen – aus dem Prokrustesbett der Sowjetunion hervorgegangen sind und ihre Kinder entsprechend erzogen haben. Und solange bei den Ukrainern kein europäisches politisches Denken entsteht, wird natürlich niemand solche europäischen Gesetze verabschieden wollen, die eine solche Gewaltenteilung garantieren.

Frage: Ich möchte Sie nach dem Zeitpunkt von Putins Erklärung fragen. Es ist doch kein Zufall, dass sie gerade jetzt, mitten in Trumps Präsidentschaft, erfolgt. Bedeutet das, dass es in den nächsten zwei Jahren Krieg geben wird?

Portnikov: Nun, ich glaube, ich habe auch in diesen Sendungen schon gesagt, dass Putin bis 2028 ein Zeitfenster zum Handeln hat. Denn wenn bis 2028 kein Krieg in Europa beginnt, könnte der neue Präsident der Vereinigten Staaten, der 2029 ins Amt kommt, ganz anders reagieren als Trump, selbst wenn es ein Republikaner sein sollte. Aber grundsätzlich steuern die Republikaner dank Donald Trumps Politik auf eine vernichtende, ich würde sagen endgültige Niederlage zu. Was ihnen eigentlich bereits zuvor, noch vor dem Auftauchen Trumps, hätte widerfahren sollen, nämlich der Zusammenbruch als politische Kraft infolge der demografischen Gesetzmäßigkeiten in den Vereinigten Staaten, könnte 2028 unausweichlich eintreten.

Vielleicht hat ihnen also die Umgestaltung von einer konservativen zu einer ultrarechten Partei nicht geholfen. Vielleicht hat das Entstehen der MAGA-Bewegung nicht geholfen. Vielleicht hat gerade das den Niedergang beschleunigt. Und deshalb könnte ein neuer Präsident der Vereinigten Staaten Putin große Angst machen. Andererseits müssen Sie verstehen, dass Putin erkennt, dass er den Krieg gegen die Ukraine nicht gewinnt, wirtschaftliches Potenzial verliert und darüber wütend ist. Und in seiner Wut versucht er, die Europäer einzuschüchtern, in denen er derzeit die wichtigsten Förderer seiner in einer solchen Situation unvermeidlichen Niederlage sieht. Insofern kann darin grundsätzlich eine gewisse Logik liegen. Und deshalb bereitet er, wie Sie verstehen, in dieser Lage, die sich in der Welt entwickelt hat, neue Kriege vor.

Und da haben Sie noch eine wunderbare Antwort auf eine Frage. Putin wurde in Waldai vorgeschlagen, die Europäische Union auseinanderbrechen zu lassen. Und er sagte: „Das ist gar nicht nötig, sie wird von selbst auseinanderbrechen.“ Da haben Sie einen weiteren Teil der russischen Politik gegenüber den Europäern. Russland stellt keinerlei Bedingungen für eine Wiederherstellung der Beziehungen zu Europa insgesamt oder zu irgendwelchen konkreten Ländern. Aber Russland hofft darauf, dass die Europäische Union von selbst auseinanderfällt.

Nun, während dieser Diskussion wird noch vieles gesagt werden. Wir sprechen ja miteinander, während Putin diese Diskussion in Waldai fortsetzt, deshalb wird er noch vieles sagen, was außerhalb unserer heutigen Sendung liegt. Mir scheint, auch das ist eine völlig offensichtliche Tatsache. Aber grundsätzlich verstehen wir sehr gut, wie gefährlich ein Mensch ist, der seine Ziele nicht erreicht, darüber wütend wird, alle einschüchtert und tobt. Und in den Händen dieses schrecklichen Menschen befinden sich Atomwaffen.

Da haben Sie die ganze Antwort auf die Frage, wozu diese Rede diente. Und hier stellt sich immer die Frage, ob Putin tatsächlich endgültig den Verstand verloren hat, was unter den Bedingungen, dass er sich bereits seit viereinhalb Jahren in einem großen Krieg befindet und nichts von dem eingetreten ist, worauf er gehofft hatte, ebenfalls durchaus möglich ist. Oder ob dieser Widerling nur den Wahnsinnigen spielt, um daraus Vorteile zu ziehen, damit alle glauben, er sei verrückt. Er folgt damit einem Rezept Trumps: „Sollen sie glauben, dass ich verrückt bin, dann werden sie mir zustimmen.“ Die Menschen sollen glauben, dass er verrückt ist, und ihm dann Zugeständnisse machen, insbesondere aufhören, uns zu unterstützen.

So sieht also dieser Auftritt des Präsidenten der Russischen Föderation in Waldai aus. Ich sage noch einmal, dass dies eine wichtige Rede ist, keine nebensächliche Rede, die von einer zunehmenden Aggressivität in Putins Handeln zeugt, von seinem Versuch, nicht nur die NATO, sondern inzwischen auch den Westen einzuschüchtern. Auch das ist meines Erachtens völlig offensichtlich.

Zum Abschluss unseres Gesprächs möchte ich Sie dazu aufrufen, die Streitkräfte der Ukraine zu unterstützen. Ich möchte daran erinnern, dass in den kommenden schwierigen Jahren der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation und auch dann, wenn die heiße Phase des Krieges in eine Phase ausgesetzter Kampfhandlungen übergeht, und in den kommenden schwierigen Jahrzehnten lediglich der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine fortbesteht, die Streitkräfte der Ukraine die wichtigste Garantie für den Erhalt der ukrainischen Staatlichkeit und dafür bleiben werden, dass das ukrainische Volk auf dem Land leben kann, das der Feind für historisches Territorium Russlands hält. Vergessen Sie das niemals.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Виступ Путіна на Валдаї: головне | Віталій Портников. 01.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 01.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Zehn wackre Moskowiter/ Десять бравих москалів.

Zehn wackre Moskowiter
Wollten essen fliegen.
Da schlug die Flugabwehr hinein –
Da sind nur neun geblieben.

Neun wackre Moskowiter
Rauchten in der Nacht.
Ein Scharfschütz schlich sich leise an –
Da blieben nur noch acht.

Acht wackre Moskowiter
Schliefen hinterm Zaun.
Da krachte es mit einem Mal –
Nur sieben war’n zu schau’n.

Sieben müde Moskowiter
Zogen übers Feld.
Die Ukrainer sahen sie –
Nur sechs noch auf der Welt.

Sechs verdutzte Moskowiter
Gingen einen heben.
Das Dorf kam mit Mistgabeln raus –
Nur fünf davon noch leben.

Weite Felder, Dnepr, Klippen – alles wird euch bitter,
Bleibt euch quer im Halse stecken, ihr verfickten Moskowiter!
Blaue Berge, Schwarzes Meer und Blüten ringsumher
Werden euch zum Grabe werden, ihr verfickten Moskowiter!

Fünf der Moskowiter stiegen
In den Panzer hier.
Ein Javelin schlug mitten ein –
Da blieben nur noch vier.

Vier erboste Moskowiter
Badeten im Dnepr frei.
Mykola kam mit Kalaschnikow –
Da blieben nur noch drei.

Drei der Moskowiter kamen
Hungrig dort vorbei.
Da schaut die Flinte aus dem Haus –
Da waren’s nur noch zwei.

Zwei der Moskowiter rannten
Vor den Minen fort.
„Na, viel Glück!“ – ein dumpfer Knall:
Nur einer war noch dort.

Einer schlägt noch schnell ein Kreuz,
Der Hintern wird ihm heiß.
Schon nimmt ihn lautlos von oben
Bayraktar ins Visier.

Weite Felder, Dnepr, Klippen – alles wird euch bitter,
Bleibt euch quer im Halse stecken, ihr verfickten Moskowiter!
Blaue Berge, Schwarzes Meer und Blüten ringsumher
Werden euch zum Grabe werden, ihr verfickten Moskowiter!

Десять бравих москалів
Летіли пообєдать
Та їбануло ППО –
І їх лишилось дев’ять.

Дев’ять бравих москалів
Курили папіроси
Тут снайпер тихо підійшов
Та іх осталось восємь.

Восьмьорка бравих москалів
Поспать лягла за тин
Та пролунали вибухи
І їх лишилось сім.

Сім погруснєвших москалів
Йшли на аеродром
Помітили їх ЗСУ –
Осталісь вшестєром.

Шість охуєвших москалів
Відправились бухать
Та вийшло з вилами село
І їх лишилось п’ять.

І лани широкополі і Дніпро і кручі
Стануть вам поперек горла, москалі їбучі
Сині гори, Чорне море і гаї квітучі
Стануть вам могилою, москалі їбучі.

П’ять москалів залізли в танк
На захід покатили
Та вдарив точно Джавелін
І стало їх чотири.

Чотири злобних москаля
Купалися в Дніпрі
А тут Микола з калашом
І їх лишилось три.

Три москалі в село зайшли
“Закончілась єда!”
Із хати визирнув обріз
І їх лишилось два.

Два москаля побігли в ліс,
Втікаючи від мін
Нехай щастить!
І ось в живих
Залишився один.

Перехрестився – і лежить
Пала у дупі жар
А зверху цілиться уже
Безшумний байрактар.

І лани широкополі і Дніпро і кручі
Стануть вам поперек горла, москалі їбучі
Сині гори, Чорне море і гаї квітучі
Стануть вам могилою, москалі їбучі.

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Art der Quelle: Lied
Titel des Originals: Десять бравих москалів

Entstehung: 2022
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Lied-Sammlung
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Deutsche Übersetzung von KI und Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trumps neuer Plan | Vitaly Portnikov. 29.09.2026.

In den Medien erscheinen Berichte darüber, dass die Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner, ein mögliches trilaterales Treffen auf neutralem Boden vorbereiten – derzeit ist von arabischen Hauptstädten die Rede – zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und der Ukraine. Das Hauptziel dieses Treffens ist es, eine Energiewaffenruhe zu erreichen. Dabei sehen wir, dass man in der russischen Hauptstadt keinerlei wirkliche Bereitschaft zeigt, einer solchen Energiewaffenruhe zuzustimmen.

Und hier stellt sich die Frage: Was treibt die Vereinigten Staaten, was treibt die Administration Donald Trumps an, wenn sie tatsächlich versucht, diese Energiewaffenruhe zu erreichen? Hofft man in Washington tatsächlich auf eine solche Entwicklung? Und wie vorteilhaft wäre eine solche Energiewaffenruhe derzeit für die Russische Föderation selbst?

Man könnte sagen, dass Russland tatsächlich ernsthaft unter dem leidet, was mit seiner Ölverarbeitungsindustrie geschieht. Die Ukraine greift weiterhin Ölraffinerien der Russischen Föderation an, ungeachtet der bekannten Haltung Washingtons. Und bislang gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass Kyiv bereit wäre, diese Angriffe einzustellen. Auch Russland verstärkt seine Angriffe auf die Ukraine und versucht, die ukrainische Infrastruktur vor dem Winter zu zerstören.

Und hier liegt meines Erachtens eine wichtige Antwort auf die Frage, warum es so schwierig ist, diese Energiewaffenruhe zu erreichen.Wir haben wiederholt darüber gesprochen, dass die Armeen beider Länder an der Front faktisch feststecken. Und man kann sagen, dass die russische Armee derzeit bei Lyman sogar die Angriffe des Gegners abwehren muss, Stellungen verliert, die von den Besatzern bereits eingenommen worden waren, und Soldaten verliert, die getötet, verwundet oder gefangen genommen werden. All das geschieht tatsächlich.

Und dann stellt sich die Frage: Welche realen Druckmittel hat die Russische Föderation gegenüber der Ukraine noch? Außer Angriffen auf die Energieinfrastruktur, außer dem Versuch, die Ukrainer in diesem Winter frieren zu lassen, außer dem Glauben daran, dass aus dem Gleichgewicht gebrachte und enttäuschte Ukrainer selbst von ihrer Regierung eine Kapitulation vor Russland zu Putins Bedingungen verlangen werden.

Stellen wir uns also vor, es käme zu einer Energiewaffenruhe. Welche Trümpfe könnte Russland in der weiteren Konfrontation mit der Ukraine noch haben? Nun, natürlich besteht noch die Möglichkeit einer Blockade der Handelswege, aber auch hier wird erheblicher Druck auf Russland ausgeübt, weil eine Unterbrechung der Getreidelieferungen aus der Ukraine den Ländern des Globalen Südens tatsächlich mit einer wirtschaftlichen und humanitären Katastrophe droht, die zu Aufständen, Revolutionen und zum Zusammenbruch von Regimen führen könnte, die absolut nicht bereit sind, sich als Opfer dieser möglichen Hungersnot zu sehen.

Und es ist klar, dass selbst Verbündete Russlands wie der Staatschef der Volksrepublik China Xi Jinping, wie der indische Ministerpräsident Narendra Modi und wie die Staats- und Regierungschefs von Ländern des Globalen Südens wie Ägypten und der Türkei versuchen werden, alles dafür zu tun, diesen Korridor zu öffnen. Das heißt, auch hier gibt es nicht viele Möglichkeiten, diesen Korridor weiterhin zu blockieren.

Es gibt also keine wirklichen Trümpfe außer diesem terroristischen Angriff, den wir in den letzten Tagen, den letzten Wochen, den letzten Monaten beobachten. Nun, wenn Sie so wollen, in den letzten Jahren. Gerade jetzt, in diesen Wochen schrecklicher Angriffe auf Kyiv, möchte ich die Gelegenheit nutzen, denjenigen, die unter diesen Angriffen gelitten haben, den Angehörigen der Getöteten und den Angehörigen der Verletzten mein aufrichtiges Mitgefühl auszusprechen. Das ist zum Hauptargument, zum wichtigsten Trumpf geworden.

Hier gibt es noch einen weiteren sehr wichtigen Punkt. Und die Ukraine? Wenn wir aufhören, die Ölraffinerien der Russischen Föderation anzugreifen, und uns bewusst machen, dass Russland sein Potenzial ausbaut, dass der Krieg nicht beendet ist, dass die russische Armee beispielsweise in der Region Donezk weiterhin in der Offensive ist. Putin aber bekommt dadurch, dass wir die Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation einstellen, zusätzliches Geld. Zusätzliches, sagen wir, Geld für den Krieg, mehr Geld für den Krieg, mehr Geld für die Armee, mehr Geld für Vertragssoldaten, die für einen weiteren Vormarsch der russischen Armee auf ukrainischem Territorium mobilisiert werden können.

Das heißt, einerseits retten wir uns vor einem kalten Winter, vor Stromabschaltungen, vor der Notwendigkeit, Menschen aus jenen Städten und Orten zu evakuieren, wo die Lage am schwierigsten sein wird. Andererseits programmieren wir gewissermaßen die Fortsetzung des russischen Krieges gegen die Ukraine auf unbestimmte Zeit vor, weil wir Russland die Möglichkeit geben, Geld für die Fortsetzung dieses Putin-Abenteuers zu verdienen. Genau das ist tatsächlich das Problem dieser Energiewaffenruhe.

Eine weitere wichtige Frage ist, warum die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten diese Waffenruhe überhaupt so vorantreibt. Man könnte sagen, dass es dafür keine wirklichen Gründe gibt außer Donald Trumps Suche nach Wegen, den Krieg Russlands gegen die Ukraine zu beenden. Das ist eines seiner konkreten Versprechen. Wie Sie sich erinnern, wurde dieses Versprechen auch während des Wahlkampfs gegeben. Trump sagt weiterhin, der Krieg werde jeden Moment enden, und selbst wenn es ihm gelänge, wenigstens eine Energiewaffenruhe zu erreichen, wäre das bereits ein ernstzunehmendes Ergebnis im Hinblick auf das, was im russisch-ukrainischen Krieg geschieht. Er könnte sich dann bereits als Friedensstifter darstellen. Ein teilweiser Frieden zwar, aber Frieden. Friedliche Städte werden nicht beschossen, Zivilisten werden nicht getötet. Und all das wäre Trumps Verdienst.

Doch in Wirklichkeit finden all diese Gespräche über eine Energiewaffenruhe vor dem Hintergrund von Berichten statt, wonach Trump nach Möglichkeiten sucht, die Sanktionen gegen Russland zu lockern, und wonach einer der Mitarbeiter des Weißen Hauses, Coale, der bekanntlich mehrfach mit Alexander Lukaschenko zusammengetroffen ist und mit ihm über die Freilassung politischer Gefangener im Gegenzug für eine Lockerung der Sanktionen gegen Belarus verhandelt hat, dem amerikanischen Präsidenten dasselbe Modell für Russland vorgeschlagen hat.

Ich sage gleich, dass ich nicht weiß, wie dieses Modell in der Praxis umgesetzt werden soll. Was eine mögliche Lockerung der Sanktionen gegen Belarus betrifft, hatte Trump keinerlei Probleme mit einer solchen Entscheidung. Die Verabschiedung des Graham-Gesetzes macht es grundsätzlich unmöglich, Sanktionen gegen die Russische Föderation ohne Zustimmung des Kongresses zu lockern oder aufzuheben, wo sich dafür möglicherweise schlicht nicht die notwendige Zahl an Stimmen finden wird, insbesondere nach den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress im November.

Trump könnte jedoch darauf hoffen, dass er das Gesetz, das er gerade erst unterzeichnet hat, irgendwie umgehen kann, dass er den Kongressabgeordneten die Notwendigkeit einer Lockerung der Sanktionen gegen die Russische Föderation mit Fragen der nationalen Sicherheit erklären kann. Nun, letztlich: „Wollen Sie, dass Menschen, die seit Jahren in Gefängnissen der Russischen Föderation sitzen, weil sie für Frieden und Demokratie gekämpft haben, freikommen? Dann erlauben Sie dem Präsidenten, die Sanktionen gegen die Russische Föderation teilweise zu lockern.“ Und dieser Trumpf könnte grundsätzlich bei jedem Kongress funktionieren, denn für jeden Kongressabgeordneten wäre es sehr schwierig zu erklären, warum er einer Variante nicht zugestimmt hat, die es ihm ermöglichen würde zu sagen, dass Menschen aus russischen Gefängnissen gerettet wurden.

Wenn wir also als Axiom annehmen, dass Trump nach Möglichkeiten sucht, die Wirtschaftsbeziehungen zu Russland wiederherzustellen, und dass der Sondergesandte des Präsidenten der Russischen Föderation Kirill Dmitrijew sowohl Witkoff als auch Kushner ständig davon erzählt, welche riesigen Summen sich mit gemeinsamen russisch-amerikanischen Kontakten und Verträgen verdienen ließen, dann erscheint all das vollkommen folgerichtig. Eine Energiewaffenruhe wird erreicht. Russland beginnt, seine politischen Gefangenen gegen die Aufhebung von Sanktionen einzutauschen, und alle verdienen Geld. Ein guter Plan.

Nur stellt sich die Frage, inwieweit Russland bereit ist, diesem Plan zuzustimmen, inwieweit Russland tatsächlich bereit ist, irgendjemanden freizulassen, inwieweit Trump diese Sanktionen tatsächlich aufheben kann und inwieweit diese Energiewaffenruhe tatsächlich funktionieren kann. Das wissen wir wirklich überhaupt nicht und können es uns auch nicht vorstellen. Dass Trump es jedoch ernst meint, lässt sich zumindest daran erkennen, dass das Weiße Haus heute Coale, der, wie Sie sich erinnern, eine völlig untergeordnete Rolle im Apparat des Weißen Hauses spielte und eher Stellvertreter von Keith Kellogg war, der seinerseits in der Administration keinen großen Einfluss hatte, für das Amt des Sondergesandten für Geiselfragen im Rang eines Botschafters der Vereinigten Staaten nominiert hat.

Das heißt, faktisch können wir davon sprechen, dass diese Mission zur Freilassung von Gefangenen zu einem wichtigen Bestandteil von Donald Trumps Tätigkeit in den russisch-amerikanischen Beziehungen wird und dass genau dies in Wirklichkeit sein eigentlicher Friedensplan ist: die Beziehungen zu Putin, vor allem die Wirtschaftsbeziehungen, um jeden Preis wiederherzustellen, dabei aber einen solchen Vorwand zu finden, der Trumps eigener Reputation nicht schadet und es nicht erlaubt zu sagen, dass er Putin faktisch nachgibt, denn „was kann man schon gegen einen Menschen einwenden, der politische Gefangene freibekommt?“

Und erinnern Sie sich übrigens daran, wie viele politische Gefangene aus Belarus tatsächlich freigelassen wurden. Unter ihnen waren etwa der Nobelpreisträger Ales Bjaljazki und der Blogger Tichanovski, dessen Frau gezwungen war, für das Präsidentenamt in Belarus zu kandidieren, gerade weil er inhaftiert war und nicht am Wahlkampf teilnehmen konnte. Viele entweder prominente oder im Hinblick auf ihr Vermächtnis wichtige Menschen. Babaryka, derselbe, der als Lukaschenkos wichtigster Konkurrent bei der Präsidentschaftswahl galt, bis er ins Gefängnis kam.

In dieser Hinsicht ist also völlig offensichtlich, dass es reale Gründe für die Annahme gibt, dass Trump eine solche Variante grundsätzlich gefallen könnte. Schließlich macht Washington kaum jemand die Kontakte zu Belarus zum Vorwurf, wenn dabei politische Gefangene freigelassen werden. Dass dort bestimmte Wirtschaftssanktionen aufgehoben werden, dass die Vereinigten Staaten beabsichtigen, kanadisches Kali auf schwer nachvollziehbare Weise durch belarussisches zu ersetzen, obwohl die Größenordnungen überhaupt nicht vergleichbar sind – darüber spricht fast niemand, weil es jedem unangenehm wäre, als jemand aufzutreten, der gegen die Möglichkeit kämpft, denjenigen die Freiheit zu verschaffen, die für sie kämpfen.

Und das ist eine neue, ich würde sagen, Variante der weiteren Entwicklung. Sie wird das Ende des russisch-ukrainischen Krieges nicht näher bringen, aber sie wird Trumps Ruf als Friedensstifter verbessern. Und sie wird es erschweren zu sagen, dass Trump in Wirklichkeit einfach nur nach Wirtschaftsbeziehungen mit Putin und nach wirtschaftlichen Vorteilen sucht und das Thema der politischen Gefangenen lediglich zynisch benutzt, um seine eigenen Interessen voranzutreiben. Solche Vermutungen könnten den Präsidenten der Vereinigten Staaten nur empören, sollten sie überhaupt geäußert werden.

Aber nach diesen anderthalb Jahren können wir bereits zu dem Schluss kommen, dass gerade die Rückkehr zu wirtschaftlichen Beziehungen mit der Russischen Föderation grundsätzlich eines der wichtigen Ziele Trumps ist.

  • Erstens spricht er ständig darüber.
  • Zweitens betrachtet er den russisch-ukrainischen Krieg als ein, ich würde sagen, Problem, das die Wiederherstellung dieser Beziehungen verhindert.
  • Drittens tritt er jedes Mal mit einer neuen Initiative auf.

Und das entspricht tatsächlich unserem heutigen Verständnis davon, wie die Administration der Vereinigten Staaten ihre Herangehensweise an den Krieg Russlands gegen die Ukraine gestaltet.. Es ist unklar, zu welchen praktischen Folgen dies führen wird. Es ist unklar, inwieweit der Präsident der Vereinigten Staaten grundsätzlich Einfluss auf den Präsidenten der Russischen Föderation nehmen kann, sodass dieser tatsächlich zumindest einer teilweisen Waffenruhe im russisch-ukrainischen Krieg zustimmt. Es ist unklar, wozu Putin das braucht. Es ist unklar, wozu Trump das braucht.

Gleichzeitig können wir jedoch sagen, dass sich die Ereignisse weiterentwickeln und dass wir noch diese Wochen bis zu den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress haben. Trump hat das Gefühl, dass er diese Wahlen verliert. Er sucht verzweifelt nach Themen, mit denen er punkten könnte. Das Thema einer russisch-ukrainischen Friedensregelung sollte eines dieser Themen sein.

Nicht zufällig erwähnt er ständig die Ukraine, wenn es um den Anstieg der Dieselpreise geht, und bezeichnet sie als das Land, das für diese Situation verantwortlich sei. Zuletzt geschah das buchstäblich innerhalb der vergangenen 24 Stunden, als er ausdrücklich sagte, er habe Präsident Volodymyr Zelensky sogar gesagt, dass die Angriffe auf russische Ölraffinerien eingestellt werden müssten, und der ukrainische Präsident habe ihm angeblich geantwortet, er verstehe, dass dies der ganzen Welt Probleme bereite, und müsse darüber nachdenken.

Das entspricht überhaupt nicht der Realität. In Wirklichkeit werden die Angriffe auf die Ölraffinerien fortgesetzt. In Wirklichkeit sagt Zelensky, dass für die Ukrainer das Leben ihrer Landsleute weitaus wichtiger ist als Öl. Trump hält jedoch zumindest gegenüber seinem eigenen Publikum weiterhin ein Bild der Realität aufrecht, das diesem Publikum, sagen wir so, zugänglich ist. Nur wird dieses Publikum zusammen mit den Zustimmungswerten des amerikanischen Präsidenten kleiner, und das kann Trump nur beunruhigen.

Was kann also tatsächlich geschehen? Nun, grundsätzlich könnte es überhaupt keine wirkliche Entwicklung geben. Russland wird einer Energiewaffenruhe nur in einer Situation zustimmen, in der es tatsächlich den Löwenanteil seines Ölverarbeitungskomplexes verloren hat und der Kauf von Ölprodukten gegen Devisen oder aufgrund irgendwelcher Vereinbarungen mit Indien oder China – der Tausch von Öl gegen Ölprodukte, allerdings in anderen Mengen und zu anderen Preisen – zu einer wirtschaftlichen Realität für die Russische Föderation wird. Von dieser Realität werden sie wegkommen wollen. Aber wiederum: Wenn jemand aus einer Realität herauskommen will, in der er sich wiederfindet, muss dieser Jemand nicht unbedingt Putin sein, denn Putin lebt, wie wir sehen, in seiner eigenen Realität.

Ich bin überzeugt, dass all diese trilateralen Treffen, all diese Einladungen zum G20-Treffen den russischen Präsidenten nur darin bestärken, dass er auf dem richtigen Weg ist und dass die Vereinigten Staaten ihn ohnehin nicht daran hindern können, die Ukraine zu vernichten, selbst wenn sie versuchen sollten, die Wiederaufnahme wirtschaftlicher Kontakte an Bedingungen wie ein Ende des Krieges zu knüpfen. Es ist bereits offensichtlich, dass für Putin die Fortsetzung des Krieges wichtiger und dringlicher ist als irgendwelche Verträge mit den Vereinigten Staaten und anderen westlichen Ländern und dass er sich der wirtschaftlichen Folgen der ukrainischen Angriffe möglicherweise nicht einmal bewusst ist.

Es ist natürlich merkwürdig, dass wir im viereinhalbten Jahr des Krieges darüber diskutieren, ob Putin zu einem Treffen der G20 kommen kann, bei dem die überwiegende Mehrheit der westlichen Politiker natürlich nicht mit ihm sprechen wird. Es ist natürlich merkwürdig, dass die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten nach viereinhalb Jahren Krieg nach Möglichkeiten sucht, während des Krieges die Wirtschaftsbeziehungen mit der Russischen Föderation wiederherzustellen, während Putin keinen einzigen Vorschlag Trumps für eine Waffenruhe beachtet. Aber in einer solchen Welt leben wir. Und diese Welt entspricht, wie wir sehen, vollkommen den Vorstellungen, die Menschen wie Trump und Putin von ihr haben. Zumindest versuchen beide, diese Welt jeweils in ihrem eigenen Land entsprechend ihren Möglichkeiten umzugestalten.

Für Trump ist das viel schwieriger als für Putin, weil Trump immerhin Präsident eines demokratischen Landes ist, in dem die Menschen die Erfüllung von Versprechen erwarten und völlig anders wählen, wenn diese Versprechen nicht erfüllt werden. Putin dagegen kann sich problemlos in seine eigene Realität zurückziehen, weil er sehr gut versteht, dass es keine andere Entwicklung geben wird und dass seine Gesellschaft ihn ganz sicher nicht daran hindern wird, all das zu tun. Auch das sehen wir bereits.

Der einzige Weg zu dieser Energiewaffenruhe besteht also tatsächlich in den Möglichkeiten der ukrainischen Streitkräfte, russische Ölraffinerien in einem solchen Umfang anzugreifen, dass die Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation tatsächlich ausgeschaltet wird und Bohrlöcher stillgelegt werden müssen. Im Grunde ist das eine sehr einfache Erfolgsformel. Man muss die wirtschaftlichen Verluste der Russischen Föderation für die russische Führung zu einem größeren Problem machen als Putins Wunsch, den Krieg bis zum endgültigen Verschwinden der Ukraine von der politischen Landkarte der Welt fortzusetzen.

Paradox ist in dieser Situation auch, dass wir sehr gut verstehen, dass Putin den ukrainischen Staat nicht vernichten kann und dass selbst seine terroristischen, brutalen Angriffe auf ukrainische Städte, vor allem auf Kyiv, die Vernichtung dieses Staates und den Wunsch der ukrainischen Gesellschaft nach Kapitulation nicht näher bringen. Wir verstehen ebenfalls, dass wir den Ölverarbeitungskomplex der Russischen Föderation nicht vollständig ausschalten können. So oder so wird er weiterarbeiten.

Aber das Modell besteht darin, dass jeder etwas erreichen will, was er nicht vollständig erreichen kann. Obwohl ich Ihnen ganz offen sage: Die Möglichkeiten, die Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation zu zerstören, sind wesentlich größer als die Möglichkeiten, den Zusammenbruch des ukrainischen Staates herbeizuführen. Und genau das beunruhigt diejenigen, die die Beziehungen zur Russischen Föderation durch das Prisma des Geldes betrachten. Denn eine Russische Föderation, die aufhört, eine Art Tankstelle zu sein, ist nicht nur für Donald Trump uninteressant, sie ist auch für den Staatschef der Volksrepublik China Xi Jinping uninteressant, der sehr gut versteht, dass die Zerstörung der russischen Ölverarbeitungsindustrie erstens zu sozialer Instabilität führen und zweitens zur Stilllegung von Bohrlöchern führen könnte, sodass China weniger Öl kaufen könnte.

Nun, ich denke, genau das hat dazu geführt, dass der Staatschef der Volksrepublik China und der indische Ministerpräsident bei ihren jüngsten Treffen mit Putin über die Notwendigkeit politischer Ansätze zur Beendigung des Krieges gesprochen haben. Früher interessierte sie das irgendwie nicht besonders. Und grundsätzlich verstehen wir sehr gut, dass in dieser Situation die Staats- und Regierungschefs der Länder des Globalen Südens umso mehr Anlass haben werden, Putin daran zu erinnern, dass ein solcher Krieg beendet werden muss, je stärker wir russische Ressourcen angreifen.

Das ist im Grunde alles, was man zu all diesen Plänen sagen kann. Trumps Pläne werden wohl kaum umgesetzt werden, weil völlig unklar ist, welche rechtliche Möglichkeit der amerikanische Präsident nach der Verabschiedung des Graham-Gesetzes überhaupt noch hat, die Sanktionen gegen die Russische Föderation zu lockern. Manchmal hat man den Eindruck, dass in dieser Wahlkampfphase im Weißen Haus die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut. Trump bringt ein Gesetz durch den Senat und das Repräsentantenhaus, das seine Möglichkeiten zur Aufhebung der Sanktionen gegen die Russische Föderation faktisch zunichtemacht, und unterzeichnet dieses Gesetz feierlich. Gleichzeitig kann sein Sondergesandter, der jetzt für den Posten des Sonderbeauftragten für Geiselfragen nominiert wurde, den amerikanischen Präsidenten davon zu überzeugen versuchen, dass der Weg zur Überwindung der schwierigen Beziehungen mit Russland und die Möglichkeit, mit Russland Geld zu verdienen, darin besteht, die Aufhebung eines Teils der Sanktionen gegen die Freilassung von Geiseln einzutauschen.

Und übrigens möchte ich Sie daran erinnern, dass genau das den Interessen der Russischen Föderation entspricht. Jetzt wird verständlich, warum der russische Außenminister Sergej Lawrow auf seiner abschließenden Pressekonferenz am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung in New York sagte, dass man die Ukraine aus diesem Verhandlungsprozess ausklammern müsse, um die russisch-amerikanischen Beziehungen zu verbessern und damit jene Ergebnisse zu erreichen, auf die Donald Trump hofft. Genau dieses Rezept hören wir ständig von Putin. Das ist der Geist von Anchorage: „Lasst uns übers Geld reden. Lasst uns nach für beide Seiten vorteilhaften Formen der Zusammenarbeit suchen. Ihnen wird es gut gehen, uns wird es gut gehen, Sie werden sehr viel Geld verdienen. Aber es gibt eine Bedingung: Vergessen Sie die Ukraine. Geben Sie mir die Möglichkeit, mit ihr fertigzuwerden.“

Wenn Sie fragen, was der Geist von Anchorage ist, dann ist genau das Putins Vorstellung von diesem Geist: „Trump hat mir die Ukraine überlassen und gesagt, dass er sich nicht mehr einmischen wird.“ Das Paradoxe ist jedoch, dass Trump sich das mit Blick auf die öffentliche Meinung nicht erlauben kann. Natürlich könnte sein Wunsch, diese Beziehungen zu Moskau wiederherzustellen, sogar größer sein als sein Wunsch, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Aber das lässt sich nicht umsetzen. Und deshalb erscheint auch sein neuer Plan, Geiseln gegen Sanktionen einzutauschen, ziemlich unrealistisch.

Ich beantworte einige Fragen, die bereits während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Trump zeigt also Schwäche, indem er Putin zum G20-Gipfel einlädt. Woher kommt Trumps Entscheidung, den Handel noch vor Kriegsende wieder aufzunehmen?

Portnikov: Nun, mir scheint, ich erkläre das während dieser gesamten Sendung: Das ist keine Frage der Schwäche, sondern eine Frage des Interesses. Es geht darum, dass für Trump die Möglichkeit, Geld zu verdienen, wesentlich wichtiger ist als die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges. Natürlich wäre es für ihn nicht schlecht, wenn Putin zumindest teilweise einer Waffenruhe im russisch-ukrainischen Krieg zustimmen würde und Trump selbst nicht wie jemand aussähe, der mit einem Kriegsverbrecher Handel treibt. Wie Sie jedoch sehen, ist Trump in Wirklichkeit sogar bereit, Putin zu einem prestigeträchtigen Gipfel einzuladen, obwohl gerade jetzt eine weitere Runde der Eskalation des russisch-ukrainischen Krieges stattfindet. Was soll man dazu sagen? Wir verstehen das alles sehr gut: In Wirklichkeit steht in diesen Beziehungen die Idee des eigenen Interesses im Mittelpunkt. Und das ist keine Schwäche.

Frage: Die Alternative für Deutschland gewinnt in Deutschland die Wahlen mit dem Slogan „billiges Gas aus Russland“. Könnten das Graham-Gesetz und die entsprechenden Zölle im Falle einer Wiederaufnahme der Lieferungen auch auf Deutschland angewendet werden? Warum sagt man das den Wählern nicht?

Portnikov: Nun, vielleicht deshalb, weil die Führung der Alternative für Deutschland davon ausgeht, dass gegen ein Deutschland, das von politischen Gesinnungsgenossen Trumps regiert wird, keine Sanktionen verhängt werden. Zweitens müsste Deutschland, um unter Sanktionen der Vereinigten Staaten im Zusammenhang mit dem Kauf russischer Energieträger zu fallen, zu den fünf Ländern gehören, die die größten Mengen dieser Energieträger kaufen. Bislang gibt es keinerlei Grundlage für die Annahme, dass Deutschland tatsächlich zu diesen fünf Ländern gehören wird. Drittens muss man nicht eigens erklären, dass die Alternative für Deutschland derzeit keine Möglichkeit hat, die Bundestagswahl in Deutschland zu gewinnen.

Ja, sie ist heute die populärste der deutschen Parteien. Das stimmt, aber ihre Popularität ist zwischen den ost- und westdeutschen Bundesländern ungleich verteilt. Am populärsten ist diese Partei mit ihrer eindeutig rechtsextremen Ausrichtung auf dem Gebiet der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, wo es, wie wir sehen, keine wirkliche Entnazifizierung gab, sondern die Entnazifizierung durch Kommunisierung ersetzt wurde. Und das macht sich bis heute, 35 Jahre nach dem Zusammenbruch des deutschen Kommunismus, bemerkbar und wird sich noch viele Jahrzehnte bemerkbar machen. Im westlichen Teil Deutschlands ist die Alternative dagegen keineswegs so populär. Selbst wenn wir uns vorstellen, dass sie im nächsten Bundestag eine große Fraktion haben wird, bedeutet das nicht, dass andere politische Parteien mit ihr eine Koalition eingehen werden.

Das ist das eigentliche Problem, über das man sprechen muss. Gerade gegenüber der Alternative für Deutschland gilt derzeit eine Regel, die keine der politischen Kräfte des Landes einen Dialog mit dieser extremistischen Organisation führen lässt. Aber niemand hat gesagt, dass das ewig so bleiben wird. Und gerade der Fall dieser Barriere ist heute eine der Hauptaufgaben im Zusammenhang mit der deutschen Alternative. Man muss verstehen, dass gerade eine Situation, in der alle Parteien demokratischer Ausrichtung nicht mit der Alternative für Deutschland zusammenarbeiten wollen, sie zu einer marginalen politischen Kraft machen kann, selbst wenn sie die größte Fraktion im Parlament stellen sollte. Sich allerdings vorzustellen, dass die Alternative für Deutschland unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen in Deutschland eine absolute Mehrheit erringen könnte, ist, gelinde gesagt, unrealistisch.

Andererseits erinnern wir uns sehr gut daran, wie Extremisten in Deutschland zur Zeit des Reiches an die Macht kamen, wie sie eine marginale Partei waren, wie sie bei jeder neuen Wahl – damals waren es vorgezogene Wahlen, in Deutschland herrschte eine schwere politische Krise – immer mehr Einfluss gewannen, der es Adolf Hitler später ermöglichte, Reichskanzler Deutschlands zu werden. Und das, obwohl seine Partei damals keine Mehrheit im Reichstag hatte, und später das deutsche Mehrparteiensystem abzuschaffen und durch das Einparteiensystem der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei mit ihm selbst an der Spitze zu ersetzen. In jedem Fall sind das zweifellos sehr gefährliche und sehr ernste Signale, über die ebenfalls gesprochen werden muss, wenn wir die Situation im Zusammenhang mit der Alternative diskutieren.

Frage: Auf wie viel Prozent schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit eines russischen Angriffs auf die baltischen Staaten in diesem Jahr? Nicht unbedingt eine Bodeninvasion, möglicherweise gerade massive Luftangriffe.

Portnikov: Ich sehe bislang keinerlei Grundlage für die Annahme, dass Russland zu irgendwelchen massiven Luftangriffen auf europäische Länder übergehen wird. Ich glaube, Russland wird keine amerikanische Reaktion riskieren und nicht das Risiko eingehen, dass es zu einer tatsächlichen militärischen Konfrontation mit NATO-Staaten kommen könnte. Ich denke, dass all diese Geschichten mit europäischen Ländern in Wirklichkeit im Rahmen eines hybriden Krieges weitergehen werden, gerade um ihre Gesellschaften dazu zu bringen, der Ukraine nicht mehr zu helfen.

Für die nächsten Jahre ist Putins Hauptziel, das Hauptziel des russischen Staates und der russischen Armee, gerade der Kampf gegen die Ukraine mit dem Ziel, die Staatlichkeit unseres Landes zu vernichten. Das ist Aufgabe Nummer eins. Ja, eine Ausweitung des Krieges ist bei der Verfolgung eines solchen Ziels unvermeidlich, aber diese Ausweitung muss keineswegs mit massiven Bombardierungen und Ähnlichem verbunden sein. Es kann einfach ein hybrider Krieg sein. Es kann darum gehen, die europäischen Gesellschaften davon zu überzeugen, für Politiker zu stimmen – wie wir gerade darüber gesprochen haben –, die bereit sind, sich mit Russland zu verständigen und die Hilfe für die Ukraine einzustellen.

Und das sind nicht einfach irgendwelche Worte. Sie haben gehört, dass Marine Le Pen trotz all ihrer Verurteilung des russischen Vorgehens in der Ukraine bereits jetzt dafür eintritt, die ohnehin nicht besonders umfangreiche Militärhilfe Frankreichs für die Ukraine zu kürzen, mit den Worten: „Wir brauchen sie selbst.“ Und ich schließe keineswegs aus, dass genau dasselbe auch in jenen europäischen Ländern geschehen wird, in denen entweder rechtspopulistische oder linkspopulistische Kräfte an die Macht kommen.

Und die Destabilisierung der Lage in Europa durch einen hybriden Krieg, wie wir nach dem Feuerwerk russischer Sabotageakte in Deutschland gesehen haben, kann genau eine solche Situation sein, die dem Präsidenten der Russischen Föderation nützt. Und das werden keineswegs massive Angriffe sein. Massive Angriffe wird es in den kommenden Jahren der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation gegen die Ukraine geben. Und das muss jeder verstehen, der die Perspektiven des Krieges und des Konflikts beurteilt, die auch nach einem möglichen Ende seiner heißen Phase irgendwann weiterbestehen werden.

Frage: Wie beurteilen Sie die Situation mit Südkorea?

Portnikov: Ich habe heute ausführlich über die Situation mit Südkorea gesprochen. Ich werde mich nicht wiederholen. Ich möchte nur eines sagen: Mich erstaunt, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen, die in der Regel nichts von den Besonderheiten der südkoreanischen Politik verstehen, ausgerechnet die ukrainische Führung, Präsident Zelensky, für die Reaktion Seouls verantwortlich gemacht hat.

Ich werde jetzt nicht die Frage nach der Professionalität der Menschen erörtern, die Präsident Zelenskys Rede geschrieben haben, und auch nicht darüber sprechen, inwieweit der ukrainische Präsident diese Rede grundsätzlich selbst vorbereitet hat oder ob sie für ihn geschrieben wurde, und wie ernst die Stimmung in Seoul hinsichtlich der Geheimhaltung der Information über die Übergabe nordkoreanischer Soldaten, die auf der Seite Russlands gekämpft hatten, an Südkorea war.

Nein, ich möchte einfach etwas anderes sagen: In Südkorea sind in Wirklichkeit Menschen von der Demokratischen Partei an die Macht gekommen, die für ihren Wunsch bekannt sind, gute Beziehungen zur Volksrepublik China wiederherzustellen und die Beziehungen zu Nordkorea zu normalisieren, die von ihren Vorgängern blockiert worden waren, weil diese sich in erster Linie an den Vereinigten Staaten orientierten. Das sind unterschiedliche außenpolitische Kurse. Und auch das muss man ganz klar verstehen.

Und der derzeitige Präsident Südkoreas sucht schlicht nach einem Vorwand, um selbst die indirekte Hilfe für die Ukraine zu blockieren – denn direkte Hilfe für die Ukraine darf nach koreanischem Recht nicht geleistet werden – und gleichzeitig nicht in die scharfe Kritik der Opposition zu geraten, die nichts sehnlicher wünscht, als diesen Präsidenten im Gefängnis zu sehen, dort, wo sich sein Vorgänger befindet. Und das sind keine bloßen Redewendungen, denn auch der derzeitige Präsident hat bereits eine ganze Reihe von Antikorruptionsermittlungen durchlaufen.

In dieser Situation können wir also, wie Sie verstehen, davon sprechen, dass Zelenskys Erklärung über die Übergabe der Kriegsgefangenen an Seoul vom südkoreanischen Präsidenten lediglich dazu genutzt wurde, seine Ziele hinsichtlich einer Verbesserung der Beziehungen entlang der Achse Seoul–Peking–Moskau zu verfolgen. Und hätte es diese Rede Zelenskys nicht gegeben, hätte Seoul einen anderen Vorwand gefunden. Man kann sagen, man sollte keine zusätzlichen Vorwände liefern – vielleicht. Aber das ist nicht der Kern der Situation. Und auch die Behauptungen, wir hätten irgendwelche vorteilhaften Rüstungsverträge verloren, Korea hätte uns dieses oder jenes geliefert, zeugen wiederum von einem völligen Unverständnis der innenpolitischen Realitäten Südkoreas und dessen, was dort hinsichtlich der Unterstützung unseres Landes überhaupt geschehen kann.

Frage: Die Türkei führt täglich Dutzende Flüge über NATO-Staaten nach Russland durch und unterhält zudem wirtschaftliche Beziehungen mit Russland. Welche Rolle wird sie in einem möglichen Krieg zwischen der NATO und Russland spielen?

Portnikov: Die Türkei ist Mitglied der NATO. Und erstens sehe ich keinerlei Grundlage für die Annahme, dass es einen Krieg zwischen der NATO und Russland geben wird. Der Krieg wird zwischen der Ukraine und Russland weitergehen, gerade weil die Ukraine kein NATO-Mitglied ist. Menschen, die glauben, dass es einen Krieg zwischen Russland und der NATO geben wird, werden mit ihren Prognosen danebenliegen. Einen hybriden Krieg wird es gerade deshalb geben, weil die Vereinigten Staaten nicht bereit sind, sich in die Situation in Europa einzuschalten. Die Türkei wird ihre Verpflichtungen gegenüber der NATO erfüllen, zugleich aber in diesem hybriden Krieg ein Land bleiben, das eine neutrale Position einnimmt. Zumal Präsident Erdoğan bereits gezeigt hat, dass er in einer schwierigen Situation sogar ein russisches Flugzeug abschießen kann, was sich kein europäisches Land erlauben kann. Auch daran kann man erinnern.

Frage: Wenn Putin unerwartet stirbt, wen bereitet er als seinen Nachfolger vor?

Portnikov: Was heißt „unerwartet stirbt“? Jeder Mensch stirbt irgendwann, das ist ein Naturgesetz, und Putin ist nicht unsterblich. Aber er bereitet keinen Nachfolger für sich vor. Nachdem der Präsident der Russischen Föderation auf die eine oder andere Weise von der politischen Bühne verschwunden ist, kann es im Rahmen jenes tschekistischen Regimes, das auch ohne Putin in der Russischen Föderation weiter herrschen wird, zu einem ernsthaften Machtkampf kommen. Und glauben Sie mir, dieses Regime wird an der Idee festhalten, den Fehler von 1991 zu korrigieren, also das Territorium des russischen Staates bis zu den Grenzen der ehemaligen Sowjetunion wiederherzustellen. Zweifeln Sie nicht daran, dass Putins Abgang von der politischen Bühne nichts an den russischen Absichten ändern wird.

Der Machtkampf und ein vorsichtigerer Umgang mit solchen Dingen könnten jedoch für eine gewisse Zeit den Krieg Russlands gegen die Ukraine von einem realen Krieg, wie wir ihn heute erleben, in einen hybriden Krieg oder in wirtschaftlichen Druck und so weiter und so fort überführen. Und wir werden diese wenigen Jahre nutzen müssen, um uns ernsthaft auf eine neue erbitterte Konfrontation mit Russland vorzubereiten. Obwohl unsere Gesellschaft dann sagen wird, alles sei vorbei, Putin sei weg, jetzt müsse man erst einmal leben – und später wieder leiden, wenn dann nicht mehr Putin, sondern jemand nach ihm ein neues blutiges Gemetzel unter den Ukrainern anrichtet.

Und sagen Sie nicht, dass es nicht so kommen wird, denn gerade nach 2014 entstand jenes Meme, das zeigte, wie verzerrt eine enorme Zahl unserer Landsleute die Realität wahrnahm: „Sonst greift Putin noch an.“ Ich muss Sie daran wohl nicht erinnern. Sie erinnern sich selbst sehr gut daran. In dieser Hinsicht können wir also keinen Zweifel daran haben, dass es zu einer solchen Entwicklung kommen kann.

Frage: Könnte Russland einer Energiewaffenruhe zustimmen, in Wirklichkeit aber weiterhin die ukrainische Infrastruktur beschießen und im Falle ukrainischer Vorwürfe behaupten, es handele sich um eine Provokation?

Portnikov: Nein. Wenn irgendwelche Vereinbarungen über eine Energiewaffenruhe geschlossen werden sollten – wofür ich bislang überhaupt keine Grundlage sehe –, könnte es einzelne sporadische Angriffe geben, aber solche massiven Angriffe der Ukraine gegen Russland und Russlands gegen die Ukraine wird es nicht geben. Zweifeln Sie nicht daran: Bestimmte Angriffe wird es geben. Selbst wenn der russisch-ukrainische Krieg abflaut, werden wir in einer Welt sporadischer Angriffe und Zusammenstöße an der Kontaktlinie der Truppen leben. Das ist alles unsere Zukunft. In absehbarer Zeit wird sie einfach nicht mehr anders sein. Aber einen solchen Krieg, wie wir ihn jetzt erleben, genau in diesen Minuten, in denen wir miteinander sprechen, könnte es eine gewisse Zeit lang nicht geben. Es könnte eine Unterbrechung des Krieges geben.

Ich habe immer gesagt, dass wir – und ich möchte das am Ende dieses Gesprächs noch einmal wiederholen – vor einer einfachen Wahl stehen. Entweder die Formel: langer Krieg und kurze Friedensperiode. Das ist die Formel, nach der wir in den 20er- bis 40er-Jahren des 21. Jahrhunderts höchstwahrscheinlich leben werden. Oder die Formel: kurze Kriege und langer Frieden. Diese Formel müssen wir erreichen. Dafür müssen wir uns jedoch die Illusion aus dem Kopf schlagen, dass es Frieden als solchen geben kann. Ein langer Frieden mit kurzen blutigen Kriegen ist für die Ukraine in den kommenden Jahrzehnten die beste Existenzform. Die Alternative sind kurze Friedensperioden und lange Kriege. Und genau in dieser Realität leben wir jetzt. Und leider sehen wir bislang nicht einmal den Ansatz eines politischen Auswegs aus ihr.

Hoffen wir, dass dieser Ausweg dank der Anstrengungen unserer Streitkräfte gefunden wird und nicht dank Trump und Coale. Und ich möchte Sie daran erinnern: Bitte unterstützen Sie die Streitkräfte, unterstützen Sie vertrauenswürdige Spendenaktionen.


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Titel des Originals: Новий план Трампа | Віталій Портников. 29.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Massive Angriffe auf die Energieinfrastruktur | Vitaly Portnikov. 30.09.2026.

In der Ukraine, insbesondere in der Hauptstadt, hat es erstmals seit längerer Zeit wieder Stromabschaltungen gegeben. Ministerpräsident Serhij Korezkyj räumt ein, dass Russland mit massiven Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur begonnen hat.

Natürlich gab es auch zuvor bei jedem Drohnenangriff oder jedem Angriff mit ballistischen Raketen Schläge gegen ukrainische Energieanlagen. Doch jetzt können wir von einem systematischen massiven Angriff Russlands auf die ukrainische Energieinfrastruktur sprechen, mit dem auch die Stromabschaltungen zusammenhängen.

An dieser Grausamkeit dürfte kaum etwas überraschend sein. Viele gingen davon aus, dass die Russen versuchen würden, die ukrainische Energieinfrastruktur auszuschalten, sobald der erste Frost einsetzt. Genau das geschieht jetzt.

Praktisch schon die ersten nächtlichen Minusgrade haben den Aggressor zum Handeln veranlasst. Und nun wird vieles nicht nur von den Möglichkeiten abhängen, russische Drohnen und Raketen zu zerstören, die auf die ukrainische Energieinfrastruktur zielen, sondern auch davon, wie gut die ukrainischen Städte auf diese neuen Prüfungen vorbereitet sind.

Es wird deutlich, wie sehr sich der Charakter des Krieges verändert hat. Dass die militärischen Operationen an der Front längst in einer Sackgasse stecken und es weder der russischen noch der ukrainischen Armee gelingt, größere vom Gegner kontrollierte Gebiete einzunehmen, muss man meines Erachtens gar nicht mehr beweisen.

Die russische Armee hat an der Front praktisch keine nennenswerten Erfolge. Mehr noch: Derzeit haben die ukrainischen Truppen im Rahmen der Operation „Vivaldi“ die Möglichkeit, zumindest einen kleinen Teil des Territoriums vom Feind zu befreien, das sich unter seiner Kontrolle befand.

Und die ukrainische Führung schenkt dieser Operation besondere Aufmerksamkeit. Der Präsident trifft sich mit den Soldaten, die derzeit versuchen, einen Teil des ukrainischen Landes zu befreien. Die Kommandeure berichten über die Erfolge der ukrainischen Armee.

Putin kann seine besondere Aufmerksamkeit jedoch nicht auf diese Erfolge richten und auch nicht einmal auf die Tatsache, dass es unmöglich ist, den größten Teil des Donbas zu erobern. Wir können nicht davon ausgehen, dass er sich damit einfach bereits abgefunden hat, aber wir können erkennen, dass er den Schwerpunkt seiner Aggression vollständig ins Hinterland verlagert hat. Auch das ist eine logische Folge der Tatsache, dass es den Streitkräften der Russischen Föderation unter den gegebenen Umständen schlicht unmöglich ist, die Aufgaben zu erfüllen, die Putin ihnen bereits 2022 gestellt hatte.

Aber erinnern wir uns daran, welche Aufgaben das waren. Es war der Befehl, das gesamte Gebiet der Oblast Donezk innerhalb ihrer Verwaltungsgrenzen einzunehmen – und natürlich auch das der Oblast Luhansk. Doch wozu braucht Putin die gesamten Gebiete der Oblaste Donezk und Luhansk? Um diese ukrainischen Gebiete in Aufmarschgebiete für weitere Angriffe auf unser Land mit dem Ziel seiner vollständigen Eroberung zu verwandeln.

Eine vollständige Eroberung kann jedoch nicht nur durch Besatzung erfolgen, sondern auch durch die Erschöpfung des Territoriums, das nicht von der feindlichen Armee kontrolliert wird. Und genau das versucht Putin jetzt zu erreichen.

Ja, wir können über einzigartige Technologien sprechen, die der Feind derzeit einsetzt, um das ukrainische Hinterland zu erschöpfen und die Ukrainer zu einer vollständigen und bedingungslosen Kapitulation vor dem Kreml zu zwingen. Aber wir können nicht von einer einzigartigen Situation sprechen. So etwas hat es in der Geschichte der Menschheit schon mehrfach gegeben. Und ich denke, es wird auch künftig noch mehrfach geschehen.

Erinnern wir uns. Der Erste Weltkrieg. Deutschland kapituliert, obwohl sich auf seinem Territorium kein einziger ausländischer Soldat befindet. Die innere Situation im Land ist schlicht so, dass eine Fortsetzung der Kampfhandlungen nicht mehr möglich ist. Die Gesellschaft will das nicht. Auch in der Armee gibt es keine Bereitschaft mehr, den Krieg fortzusetzen.

Doch zuvor organisiert eben jenes Deutschland, das wenige Monate später kapitulieren wird, organisieren jene Menschen, die ihre Macht verlieren und gezwungen sein werden, sie anderen politischen Kräften zu überlassen, den Austritt Russlands aus dem Krieg. Auf dem Territorium des Russischen Reiches befinden sich Truppen, doch die Gesellschaft, die zu Beginn des Ersten Weltkriegs patriotisch eingestellt war, empfindet jeden weiteren Tag des Krieges als eine regelrechte Tragödie. Sie hält ihre militärische Führung und sogar das Staatsoberhaupt, den Kaiser, für inkompetent. Infolgedessen kommt es zur Februarrevolution.

Aber auch das ist noch nicht alles, denn diejenigen, die infolge dieser Revolution in Petrograd an die Macht kommen, haben keineswegs vor, den Krieg zu beenden, sondern wollen ihn effektiver führen. Und nun treten die russischen Bolschewiki auf den Plan, die enge Beziehungen zum deutschen Generalstab unterhalten und darüber hinaus von dem Wunsch erfüllt sind, um jeden Preis die Macht zu ergreifen. Und sie stellen Parolen auf, die für jeden verständlich sind, der mehrere Jahre Krieg durchlebt hat, für jeden, der sein Zuhause verlassen musste, für jeden, der einen Angehörigen an der Front verloren hat. Das erste Dekret, das Lenins bolschewistische Regierung verabschiedet, ist das Dekret über den Frieden.

Russland scheidet aus dem Krieg aus, und eine der größten Tragödien seiner Geschichte beginnt, die sich über viele Jahrzehnte hinzieht. Und gemeinsam mit Russland durchlebt diese Tragödie zunächst die unabhängige und später von den Bolschewiki besetzte Ukraine. So kann es kommen. Und das sind nur die jüngsten, uns sehr gut bekannten Beispiele aus unserer eigenen Geschichte, die wir niemals vergessen dürfen.

Putin kennt diese Geschichten natürlich ebenfalls. Was jetzt geschieht, ist eine Aufgabe, die vor allem auf die Demoralisierung der ukrainischen Gesellschaft, auf die Vorbereitung einer ganzen Reihe politischer, wirtschaftlicher und sozialer Krisen und auf die Erschöpfung der Ukraine abzielt.

Gleichzeitig wird man im Westen darauf hinwirken, dass die Unterstützung für die Ukraine eingestellt wird – durch die triumphalen Auftritte ultrarechter, Putin nahestehender politischer Kräfte in Europa und durch die Destabilisierung der Ukraine , die es diesen Kräften ermöglichen soll, zu behaupten, man müsse einem korrupten Staat, der darüber hinaus faktisch seine gesamte Infrastruktur verliert, nicht helfen. Übrigens haben wir das bereits gehört, als Donald Trump um das Präsidentenamt in den Vereinigten Staaten kämpfte – sowohl von ihm selbst als auch von seinem Sohn Donald Trump Jr., der sich als guter Freund oligarchisch-krimineller Kreise erwiesen hat, die Putin nahestehen.

Und all das zusammen soll Putin den von ihm erhofften totalen Sieg bringen, selbst unter Bedingungen, unter denen seine Armee keinen einzigen Kilometer mehr vorrückt. Und genau das ist die größte Gefahr der kommenden Jahre der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation. Das Problem Nummer eins.

Dabei können die Soldaten den Eindruck haben, dass sie, solange sie die Front halten, dem Staat nicht einmal die geringste Möglichkeit geben, über eine Niederlage im Krieg nachzudenken – und am Ende werden sie keinen Ort mehr haben, an den sie zurückkehren können, wie es in der Geschichte bereits mehrfach geschehen ist. Die Menschen im Hinterland wiederum können der Illusion erliegen, dass dem Staat nichts droht, solange die Armee den Feind nicht durchlässt – und am Ende bricht im Hinterland alles zusammen.

Genau darauf setzt der Feind. Genau daran arbeitet er beharrlich. Das sind die Pläne, die routinemäßig bei Putins Treffen mit Vertretern des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation, des Föderalen Sicherheitsdienstes und der Hauptverwaltung des Generalstabs der russischen Streitkräfte besprochen werden. Sämtliche Befehle an das Militär werden gerade unter dem Gesichtspunkt erteilt, den Nachbarstaat durch Destabilisierung und Zerstörung seines Hinterlandes zu vernichten.

Deshalb muss man die Angriffe auf die Energieinfrastruktur sehr aufmerksam und ernst nehmen. Denn Putin nutzt das Zeitfenster, in dem wir nicht in der Lage sind, Angriffe mit ballistischen Raketen und strahlgetriebene Drohnen abzuwehren, um einen großen Teil der ukrainischen Infrastrukturanlagen zu zerstören.

Wir dürfen uns nicht von dem Gedanken täuschen lassen, dass die Zerstörung des wirtschaftlichen Potenzials Russlands Putin schnell dazu bringen wird, seine Pläne aufzugeben. Nein, das wird sie nicht. Aber ohne die Zerstörung dieses Potenzials – vor allem der Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation und ihres militärisch-industriellen Komplexes – sollte man auch nicht darauf hoffen, dass sich der russische Präsident in absehbarer Zukunft für die Möglichkeit interessieren wird, nicht etwa den Krieg zu beenden – davon kann überhaupt keine Rede sein –, sondern wenigstens die Kampfhandlungen auszusetzen, zumindest im Hinterland.

Gerade eine Energiewaffenruhe, gerade die Wiederherstellung der Seewege, gerade die Einstellung der Raketen- und Drohnenangriffe auf die ukrainische Infrastruktur werden zur wichtigsten Aufgabe für das Überleben in diesem Krieg in den kommenden schweren Jahren. Selbst wenn wir keine Möglichkeit haben, die Kampfhandlungen zwischen den Armeen einzustellen, und Russland dem wohl kaum zustimmen wird, müssen wir nach Möglichkeiten suchen, die Angriffe der Russischen Föderation auf die ukrainische Infrastruktur zu beenden. Nicht so sehr mithilfe der Diplomatie, sondern vielmehr durch die Zerstörung russischer Infrastrukturanlagen, die für Russland selbst von großer Bedeutung sind – bis der Preis der russischen Verluste schwerer wiegt als Putins Traum, die Ukraine durch die Zerschlagung ihres Hinterlandes zu besiegen. 

Das ist die realistischste und verständlichste Formel, die erklären soll, was gegen Russlands Angriffe auf die Energieinfrastruktur und gegen Putins Versuche zu tun ist, die ukrainische Zivilbevölkerung frieren zu lassen und sich auf diese Weise einen entscheidenden Vorteil im Krieg gegen die von ihm verhasste Ukraine zu verschaffen – gegen eine Ukraine, von der er träumt, sie nicht nur frieren zu lassen, sondern sie vor allem von der politischen Landkarte der modernen Welt zu tilgen.


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Titel des Originals: Масовані атаки по енергетиці | Віталій Портников. 30.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 30.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Das wahre Ziel des Besuchs des CIA-Direktors: Die USA warnten vor Russlands Zusammenbruch | Vitaly Portnikov. 30.09.2026.

Das Hauptziel der Reise von CIA-Direktor John Ratcliffe in die russische Hauptstadt könnte eine Warnung vor einem unausweichlichen Zusammenbruch der Wirtschaft der Russischen Föderation im Falle einer Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine gewesen sein. Medien veröffentlichen Angaben eines westlichen Diplomaten, der darüber informiert ist, was der US-Geheimdienst CIA seinen Partnern in westlichen Hauptstädten nach dem Aufenthalt seines Direktors in Moskau mitgeteilt hat.

Zuvor waren zu dieser Mission unterschiedliche Vermutungen geäußert worden, doch nun sprechen wir davon, dass der CIA-Direktor versucht habe, den russischen Präsidenten davor zu warnen, dass der Krieg in einer Sackgasse steckt, die Vereinigten Staaten nicht beabsichtigen, ihre weitere Unterstützung für die Ukraine aufzugeben, und eine Fortsetzung der Kampfhandlungen somit den Zusammenbruch des wirtschaftlichen Potenzials Russlands zur Folge haben könnte.

Zum einen, weil die russische Wirtschaft rein physisch nicht in der Lage ist, diesen Krieg zu bewältigen. Zum anderen, weil zu den unvermeidlichen Problemen dieser Wirtschaft auch noch die ukrainischen Drohnenangriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation sowie auf andere für Moskau wichtige Objekte der russischen Wirtschaftsinfrastruktur hinzugekommen sind.

Man kann also davon ausgehen, dass der CIA-Direktor versucht hat, den russischen Präsidenten und seine anderen Gesprächspartner in Moskau dazu zu bewegen, Verhandlungen über ein Ende des Krieges aufzunehmen – Verhandlungen, zu denen Putins amerikanischer Amtskollege Donald Trump ihn bereits im zweiten Jahr vergeblich zu bewegen versucht.

Allerdings stellt sich die Frage, wie verlässlich die Informationen über dieses Ziel des Besuchs des CIA-Direktors in der russischen Hauptstadt waren und inwieweit der russische Präsident bereit ist, auf die amerikanischen Einschätzungen zu hören.

Ich habe praktisch keinen Zweifel daran, dass auch die für Wirtschaftsfragen zuständigen Minister der russischen Regierung Putin über die ernsten Probleme informieren können, die in der russischen Wirtschaft infolge von viereinhalb Jahren des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine sowie der westlichen Sanktionen entstanden sind. Somit kann man davon ausgehen, dass diese mit der Fortsetzung des Krieges verbundenen Handlungen der russischen Führung objektive Probleme für die russische Wirtschaft verursachen, von denen man auch in der russischen Regierung weiß.

Putin kann jedoch sowohl die Warnungen seiner eigenen Minister als auch die Einschätzung des CIA-Direktors ignorieren. Mehr noch: Die Einschätzungen des US-amerikanischen CIA-Direktors könnten in Putins Augen die Schlussfolgerungen seiner eigenen Beamten nur diskreditieren, weil er daraus schließen könnte, dass die Vereinigten Staaten ihn dazu drängen, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden, ohne jenes ersehnte Ergebnis erreicht zu haben, für das Putin diesen Krieg überhaupt begonnen hat: nämlich die Beseitigung der ukrainischen Staatlichkeit, die Eingliederung ihres ehemaligen Territoriums in die Russische Föderation und das Vorrücken russischer Armeen bis an die Grenzen der NATO-Mitgliedstaaten.

Putin könnte dies für ein so bedeutendes und gewichtiges Ergebnis für seine eigene politische Karriere und die Ausweitung seines eigenen Einflusses halten, dass er bereit ist, die Risiken für die russische Wirtschaft zu ignorieren. Zumal dieser Mensch nie in der Lage war, etwas von realer Wirtschaft zu verstehen, und all jene unmittelbaren Herausforderungen, die für Russland stets bestanden haben, faktisch ignorierte.

Putin ist der Präsident der hohen Ölpreise. Man muss kein großer Politiker sein, um zu entscheiden, wie man das Geld ausgibt, das infolge der Energieeinnahmen, jener berühmten Petrodollars, in den Staatshaushalt fließt. Und selbst unter diesen Bedingungen blieb die Russische Föderation für die überwiegende Mehrheit ihrer Einwohner ein armes, marginalisiertes Land ohne auch nur die Aussicht auf sozialen Aufstieg.

Übrigens war es gerade das, was Putin ermöglichte, eine riesige Armee von Söldnern aufzubauen, die heute gegen die Ukraine kämpfen. Denn für diese Menschen gab es schlicht keinen anderen Weg des sozialen Aufstiegs, als sich an der Tötung von Ukrainern zu beteiligen.

Und dann stellt sich die Frage: Wofür wurden die russischen Petrodollars während der Jahrzehnte von Putins Herrschaft eigentlich ausgegeben?

Die Antwort darauf ist ziemlich einfach. Der überwiegende Teil des Geldes floss in die Bedürfnisse einer korrupten Beamten- und Oligarchenelite, die glaubte, das große Los gezogen zu haben. Ein weiterer großer Teil des Geldes floss in die Vorbereitung auf den Krieg – auf den Krieg gegen die Ukraine, auf den Krieg gegen den Westen, auf die sogenannte Korrektur des Fehlers von 1991, die zur Ausdehnung der Russischen Föderation bis an die Grenzen der ehemaligen Sowjetunion führen sollte.

Anstatt also mithilfe des Petrodollar-Booms ein modernes Land und ein wohlhabendes Leben für alle seine Einwohner aufzubauen, haben Putin und sein Umfeld das Land schlicht ausgeplündert und es zugleich in eine militarisierte Festung verwandelt.

Und dann stellt sich die Frage, warum Putin den Einschätzungen des Direktors des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA zustimmen sollte, wenn er selbst in den 26 Jahren seiner praktisch ununterbrochenen Herrschaft in der Russischen Föderation genau jenen Staat geschaffen hat, von dem er immer geträumt hat und von dem Generationen von Mitarbeitern des ehemaligen Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion und später des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation geträumt haben. Endlich leben diese Menschen genau in jenem Staat, der ihnen gefällt: in einer Diktatur ohne kommunistische Partei.

Warum sollten sie also etwas ändern? Warum sollten sie den Krieg beenden, wenn der Krieg ein wichtiges Instrument zur Aufrechterhaltung ihres totalitären und brutalen Regimes bleibt? Deshalb würde ich nicht darauf hoffen, dass bei Putin irgendein wirkliches Verständnis der Situation erwacht.

Andererseits hat in der Geschichte der Menschheit auch noch niemand die objektiven Gesetzmäßigkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung außer Kraft gesetzt. Und Putin wird früher oder später mit ihnen konfrontiert werden. Wichtig ist nur, dass die Ukraine bis zu jenem Zeitpunkt, an dem die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten nicht mehr zugunsten des russischen Regimes wirken, ihren Kampf um ihre Existenz fortsetzt und bis dahin nicht zu einem zerstörten Land geworden ist, dessen Territorium von russischen Besatzern kontrolliert wird. Das ist, könnte man sagen, die zentrale Herausforderung dieses Krieges in seiner nächsten Phase.


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Titel des Originals: Справжня мета візиту директора ЦРУ: США попередили про крах Росії | Віталій
Портников. 30.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 30.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Seoul verschärft den Konflikt mit der Ukraine | Vitaly Portnikov. 29.09.2026.

Der Leiter der ukrainischen Botschaft in Südkorea, Andriy Vieshkin, wurde ins Außenministerium des Landes einbestellt, um ihm die harte Haltung mitzuteilen, die die südkoreanische Regierung in dem Konflikt weiterhin einnimmt, der mit einem Austausch von Erklärungen zwischen den Präsidenten der Ukraine und Südkoreas, Volodymyr Zelensky und Lee Jae-myung, auf der Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen begonnen hatte.

Wie bekannt ist, teilte der ukrainische Präsident mit, dass zwei Soldaten der Demokratischen Volksrepublik Korea, die gemeinsam mit russischen Truppen gekämpft hatten und von den ukrainischen Verteidigungskräften gefangen genommen worden waren, an Seoul übergeben wurden. Der Präsident Südkoreas beschuldigte Kyiv, Informationen offengelegt und sogar Verrat begangen zu haben, und sprach von schwerwiegenden Folgen solcher Äußerungen des ukrainischen Präsidenten.

Es wurde darüber gesprochen, Volodymyr Zelensky habe beschlossen, eine Vertraulichkeitsvereinbarung mit Südkorea um der PR willen zu verletzen. Wobei nicht ganz klar ist, worin hier die PR bestehen soll, wenn die ukrainische Regierung Kriegsgefangene aus Pjöngjang an Seoul übergibt, ohne dass diese Übergabe für die Ukraine selbst irgendwelche realen Ergebnisse bringt. Das könnte man eher als eine Art Wohltätigkeit bezeichnen.

Gleichzeitig wissen wir natürlich nicht, in welcher Form eine südkoreanisch-ukrainische Vereinbarung überhaupt bestand – oder ob es sie überhaupt gab. Man darf nicht vergessen, dass Informationen darüber, dass Bürger der DVRK nach Südkorea übersiedeln wollten, sowohl in ukrainischen als auch in südkoreanischen Medien kursierten. Unbekannt war lediglich die Tatsache selbst, dass diese Menschen an Seoul übergeben worden waren.

Viele sagen, dadurch könne eine Gefahr sowohl für die ehemaligen Soldaten selbst als auch, was noch wichtiger sei, für ihre Angehörigen in Nordkorea entstehen. Auch diese Behauptung hält keinerlei Kritik stand.

  • Erstens verfügt die nordkoreanische Agentur über andere Möglichkeiten, von der Übergabe eigener Staatsbürger an Seoul zu erfahren, als durch die Rede des ukrainischen Präsidenten auf der Sitzung der UN-Generalversammlung.
  • Zweitens haben Menschen, die von der ukrainischen Armee gefangen genommen wurden, aus Sicht des offiziellen Pjöngjang bereits Verrat begangen. Sie haben keinerlei Recht, sich dem Feind zu ergeben.

Daher ist die Annahme, dass es derzeit Angehörige dieser ehemaligen Kriegsgefangenen gibt, die sich noch in Freiheit befinden oder überhaupt noch am Leben sind, gelinde gesagt naiv. Das entspricht nicht der Logik des Verhaltens des nordkoreanischen Regimes seit dem ersten Tag seiner Gründung. Und heute ist dieses Regime möglicherweise sogar noch härter als zu Zeiten des Begründers der nordkoreanischen kommunistischen Diktatur, Kim Il-sung.

Warum äußert Lee Jae-myung dann derart scharfe Vorwürfe gegenüber Volodymyr Zelensky, und hätte Kyiv auf diese Vorwürfe so reagieren sollen? Nun, zunächst einmal müssen wir eine wichtige Sache verstehen.

In Südkorea herrscht praktisch seit den ersten Tagen der Gründung dieses Staates ein erbitterter innenpolitischer Kampf zwischen zwei gegensätzlichen Lagern. 

  • Das eine orientiert sich vorbehaltlos an den Vereinigten Staaten. 
  • Das andere versucht, eine Verständigung mit Peking und Pjöngjang zu finden.

Der vorherige Präsident Südkoreas, Yoon Suk Yeol, war ein Anhänger eben dieser vorbehaltlosen Orientierung. Deshalb verkaufte Südkorea während seiner Amtszeit, obwohl es keinerlei gesetzliche Möglichkeiten hatte, die Ukraine militärisch zu unterstützen, seine Waffen an die Vereinigten Staaten oder an europäische Länder wie Polen. Und die Vereinigten Staaten übergaben uns dann südkoreanische Artilleriegeschosse, während Polen durch den Kauf koreanischer Militärtechnik die Möglichkeit erhielt, uns Militärtechnik anderer Herkunft zu übergeben.

Südkorea selbst hat der Ukraine nie etwas geliefert und kann dies auch nicht. Man muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass Yoon Suk Yeol dies nicht nur aus Respekt vor dem ukrainischen Kampf tat, sondern auch deshalb, weil er gute Beziehungen zur Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten Joseph Biden aufbauen wollte, die versuchte, der Ukraine zu helfen. Um gute Beziehungen zur Administration von Präsident Donald Trump aufzubauen, ist es in Südkorea keineswegs notwendig, dies zu tun.

Darüber hinaus ist Yoon Suk Yeols Nachfolger Lee Jae-myung ein Vertreter völlig entgegengesetzter politischer Kräfte. Während sein Vorgänger versuchte, die Beziehungen zu Washington auszubauen und sich faktisch mit Peking überwarf, eine regelrechte diplomatische Blockade Pjöngjangs schuf und betonte, dass jede Verbesserung der Beziehungen erst nach einer Denuklearisierung Nordkoreas möglich sei, versucht Lee Jae-myung, die Beziehungen zum Staatschef der Volksrepublik China, Xi Jinping, zu verbessern – dieser kommt ihm dabei übrigens entgegen – und versucht, sich mit Kim Jong-un zu treffen. Dieser hat es jedoch nach der drastischen Wende seiner eigenen Außenpolitik und der Abkehr von der Idee der sogenannten friedlichen Wiedervereinigung des Vaterlandes nicht besonders eilig, solchen Vorschlägen für ein Treffen mit dem südkoreanischen Staatschef zuzustimmen.

Der Präsident Südkoreas nutzte also die Tribüne der UN-Generalversammlung dazu, die Änderung seines eigenen außenpolitischen Kurses zu legitimieren, und zwar so, dass die Opposition ihm daraus keinen Strick drehen kann. Denn sie wartet nur darauf, dass er dort landet, wo vor ihm praktisch alle früheren südkoreanischen Präsidenten der vergangenen Jahrzehnte gelandet sind: im Gefängnis. Zumal Lee Jae-myung bereits vor seiner Wahl zum Präsidenten Südkoreas Korruptionsermittlungen durchlaufen hat und nur deshalb gewählt werden konnte, weil bestimmte Ermittlungen eingestellt wurden – und es könnte sich herausstellen, dass dies keineswegs für immer der Fall ist.

Seine Politik, die auf dem Versuch beruht, sich wieder Peking und Pjöngjang zuzuwenden, ist für Lee Jae-myung also ziemlich schwierig umzusetzen. Er ist sich vollkommen darüber im Klaren – zumindest kann er das so sehen –, dass Kim Jong-un, wenn er erfährt, dass seine Staatsbürger dank Vereinbarungen zwischen Südkorea und der Ukraine nach Seoul gelangt sind, sehr wütend sein und keine Beziehungen zu ihm aufbauen wollen wird.

Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Kim Jong-un hat ohnehin nicht vor, Beziehungen zu Lee Jae-myung aufzubauen. Lee Jae-myung erinnert mich in dieser Situation gerade an Volodymyr Zelensky im Jahr 2019, der glaubte, er könne sich mit dem Präsidenten der Russischen Föderation Putin treffen und mit ihm tatsächlich irgendetwas vereinbaren. Nein, nein und noch 300.000 Mal nein. Die Wende in der Außenpolitik Nordkoreas hin zur Konfrontation mit dem Süden und dazu, ihn zu einem feindlichen Staat zu erklären, den man, wenn sich die Gelegenheit bietet, vernichten kann, hat bereits stattgefunden.

Und kein Lee Jae-myung wird diese Wende noch ändern können. Zumindest nicht bis zu dem Zeitpunkt, an dem in Pjöngjang in der Residenz des Staatschefs ein neuer Mensch auftaucht. Und darauf kann man noch viele Jahrzehnte warten.

Aber es ist wichtig, das Wesen dieses Ansatzes zu verstehen. Hätten wir dem Präsidenten Südkoreas und seiner Regierung Anlass geben sollen, den Konflikt weiter zu verschärfen? Vielleicht hätten wir ihnen diesen Anlass nicht gegeben, wenn wir nicht gesagt hätten, der Präsident Südkoreas habe die Vertraulichkeitsvereinbarung erfunden. In Seoul wird dies als offene Unterstützung Kyivs für jene südkoreanischen Oppositionskräfte wahrgenommen, die Lee Jae-myung angreifen und darauf hoffen, dass seine Herrschaft und die Herrschaft seiner Partei früher enden als bei den nächsten regulären Wahlen.

Und gerade ein solcher Versuch, am Rande der UN-Generalversammlung die Position des südkoreanischen Präsidenten zu untergraben, könnte die anhaltend harte Reaktion Seouls ausgelöst haben.

Was sollte Kyiv in dieser Situation tun? Nun, zunächst einmal muss man sich darüber im Klaren sein, dass es ohnehin keine ernsthafte militärische Hilfe aus Südkorea geben wird, solange Lee Jae-myung an der Spitze des Landes steht. Es gibt hier also nichts zu riskieren. Und all diese Geschichten darüber, dass wir kurz vor einer neuen Waffenlieferung aus Seoul gestanden hätten, sind eher Wunschdenken als eine reale Situation, die unter dieser Administration entstehen könnte.

Davon sprechen Menschen, die sich schlicht nie ernsthaft mit der südkoreanischen Politik beschäftigt haben. Und wir wissen, dass wir erhebliche Probleme mit außenpolitischer Expertise haben, erst recht, wenn sich damit Amateur-Experten befassen. Daran haben wir uns bereits gewöhnt.

Zweitens ist es offensichtlich, dass man sich mit Südkorea auch in einer Zeit, in der es eine Verständigung entlang der Achse Peking–Moskau–Pjöngjang sucht, nicht überwerfen sollte. So oder so kann die Regierung wechseln, und es können Menschen an die Macht kommen, die bereit sind, uns indirekt zu helfen.

Der Krieg liegt noch vor uns, auch ein Machtwechsel in Südkorea liegt noch vor uns. Und die Situation wieder in Ordnung zu bringen bedeutet, es denjenigen leichter zu machen, die nach dem derzeitigen südkoreanischen Präsidenten und seiner auf Verständigung mit China ausgerichteten Administration kommen werden.

Übrigens ist an dem, was ich sage, nichts sensationell. Denn als Yoon Suk Yeol, der sich heute wegen Machtmissbrauchs und des Versuchs, im Land das Kriegsrecht zu verhängen, im Gefängnis befindet, seine Macht verlor, betonten praktisch alle Experten, die sich mit Südkorea beschäftigten, bereits damals, dass eine neue Administration unter Lee Jae-myung angesichts seiner bekannten Positionen der Ukraine nicht helfen und all jene Programme indirekter Unterstützung zurückfahren werde, die unter der vorherigen Administration bestanden hatten. Ebenso wurde betont, dass sich der neue Präsident Südkoreas, der für seinen Wunsch bekannt ist, die Beziehungen zur Volksrepublik China und zu Nordkorea zu verbessern, in seinen Ansätzen – darunter auch hinsichtlich des russisch-ukrainischen Krieges – diametral von seinem Vorgänger unterscheidet.

Was bereits in jenen Tagen offensichtlich war, als die Opposition in Südkorea den Versuch eines Militärputsches durch Yoon Suk Yeol und seine Mitstreiter vereitelte, wurde auf der Sitzung der UN-Generalversammlung vollkommen offensichtlich, transparent und verständlich.

Hätte Volodymyr Zelensky dem Präsidenten Südkoreas keinen Anlass gegeben, wäre die Einstellung der Hilfe einfach ohne Skandal erfolgt, und es wäre schwieriger gewesen, sie gegenüber der südkoreanischen Opposition zu erklären. Aber das ist ganz sicher kein Problem der ukrainischen, sondern der südkoreanischen Innenpolitik und jenes ewigen Kampfes, der jeden Präsidenten ins Gefängnis bringt oder ihn unter der Last der von seinen Gegnern erhobenen Vorwürfe dazu zwingt, sein Leben durch Selbstmord zu beenden.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Сеул загострює конфлікт з Україною | Віталій Портников. 29.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.09.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump beschuldigt erneut die Ukraine | Vitaly Portnikov. 28.09.2026.

Donald Trump beschuldigt die Ukraine erneut, dass unsere Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation zu steigenden Treibstoffpreisen und, wie Donald Trump es ausdrückt, zu Problemen für die ganze Welt führen.

Interessant ist dabei, dass er, wenn er von Problemen für die ganze Welt spricht, dies gewissermaßen nicht in seinem eigenen Namen tut, sondern den ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky zitiert, dem er empfohlen habe, die Angriffe auf russische Ölraffinerien einzustellen. Und angeblich habe Zelensky ihm gesagt, dass die Ukraine genau das tun werde, weil sie sich der weltweiten Probleme bewusst sei. „Es gibt andere Dinge, die Zelensky tun kann“, sagt Trump und meint damit, dass es in der Russischen Föderation auch andere Objekte gibt, die zu Zielen für die ukrainischen Verteidigungskräfte werden können.

Doch die Tatsache, dass der amerikanische Präsident immer wieder hartnäckig auf das Thema der russischen Ölraffinerien zurückkommt, sollte niemanden überraschen. Ich habe bereits mehrfach betont: Trump wird dieses Thema bis zu den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten nicht fallen lassen. Er muss darüber sprechen, damit seine Administration in den Augen derjenigen, die für republikanische Kandidaten stimmen wollen, nicht als verantwortlich für die steigenden Dieselpreise dasteht.

Trump versteht sehr gut, dass unentschlossene Wähler ihre Entscheidung gerade mit Blick auf die Preise an den Tankstellen treffen könnten. Und er möchte unbedingt, dass diese Wähler glauben, für diese Preise sei nicht der Iran verantwortlich – nun, der Iran ist natürlich infolge einer falsch organisierten Militärkampagne zu einem solchen Verursacher geworden –, sondern die Ukraine, die russische Ölraffinerien angreift und Russland daran hindert, Diesel ins Ausland zu exportieren.

Tatsächlich gehörte Russland früher zu den Ländern, die zur Versorgung der Welt mit Dieselkraftstoff beitrugen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sein Anteil an der Dieselversorgung auch nur annähernd mit jenem Anteil vergleichbar wäre, den die Weltwirtschaft infolge der iranischen Angriffe auf die Straße von Hormus verloren hat – infolge der Tatsache, dass der Iran die Durchfahrt durch diese Meerenge blockiert und auch nicht davor zurückgeschreckt ist, Tanker anzugreifen, die Öl und Ölprodukte transportierten. Und das ist eine völlig andere Geschichte, die mit der Beendigung der Blockade der Straße von Hormus verbunden sein muss.

Doch genau das kann Trump nicht gewährleisten. Obwohl er sagt, die Straße von Hormus sei in Wirklichkeit bereits wieder geöffnet und über sie werde eine Rekordmenge an Öl transportiert. Nur ist dann unklar: Warum ist Diesel eigentlich so teuer? Weil die Ukraine russische Ölraffinerien angreift.

Wir haben bereits von Volodymyr Zelensky gehört, dass er der amerikanischen Idee, diese Angriffe einseitig einzustellen, nicht zugestimmt hat. Dass die Ukraine von den Vereinigten Staaten verlangt, falls die Amerikaner tatsächlich wollen, dass diese Angriffe eingestellt werden, Russland zu einer Energiewaffenruhe zu bewegen. Darauf lassen sich die Russen nicht ein – also leiden sie aus Putins Sicht offenbar nicht so sehr unter unseren Angriffen.

Und nun zum wichtigsten Punkt: Wird Trump sich tatsächlich um eine solche Energiewaffenruhe bemühen? Braucht er es überhaupt, dass die Ukraine ihre Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation tatsächlich einstellt? Ich denke nicht.

Denn stellen wir uns vor, Zelensky würde diesen Forderungen des amerikanischen Staatschefs zustimmen, er würde die Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation einstellen, Russland würde seine Diesellieferungen auf den Weltmarkt wieder aufnehmen, die Preise würden aber nicht sinken. Dann hätte eben jener Wähler, der bei den Zwischenwahlen seine Stimme abgeben wird, keinerlei Zweifel mehr daran, dass für den Anstieg der Treibstoffpreise an den Tankstellen der Vereinigten Staaten die Administration Donald Trumps verantwortlich ist. Eine Schlussfolgerung, zu der er aus Sicht des amerikanischen Präsidenten auf keinen Fall gelangen darf.

Deshalb ist Trumps Taktik in Wirklichkeit ziemlich einfach: ständig davon zu sprechen, dass die ukrainischen Angriffe auf die russische Ölverarbeitungsindustrie zum Treibstoffmangel und zu steigenden Preisen geführt hätten. Gleichzeitig aber nichts dafür zu tun, dass diese Angriffe aufhören, damit es weiterhin jemanden gibt, dem man die Schuld geben kann. Und genau das wird in dieser Wahlkampfphase das zentrale Thema in der Rhetorik des amerikanischen Präsidenten sein.

Auf die Frage, ob die Ukraine ihre Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation einstellen sollte, weil Donald Trump dies verlangt, gibt es meines Erachtens daher eine völlig verständliche und eindeutige Antwort: Nein, das sollte sie nicht, weil Donald Trump das nicht braucht und weil er nichts gegen die Ukraine unternehmen wird, selbst wenn wir uns weigern, diese Angriffe einzustellen.

Mehr noch: Trump braucht es, dass wir diese Angriffe durchführen, damit er in diesen letzten Wochen etwas hat, worüber er mit den Wählern sprechen kann. Nach den Zwischenwahlen jedoch, wenn klar sein wird, welche Partei das Repräsentantenhaus und welche Partei den Senat kontrolliert, könnten wir uns in einer völlig anderen politischen Welt wiederfinden, in der Donald Trump und die Führung seiner Administration ganz sicher andere Sorgen haben werden als die ukrainischen Angriffe auf die Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation.

Und ich denke, dass Trump sie dann überhaupt nicht mehr erwähnen wird, weil ihn nicht die Preise an den Tankstellen beschäftigen werden, sondern die Frage, wie er Kontakte zum neuen Kongress herstellen und wie er die Folgen eines durchaus möglichen Sieges der Demokraten abwenden kann.

Das Einzige, was man sich natürlich wünschen würde, wäre, dass wir diese Situation mit Trumps Forderungen für den Versuch nutzen, eine wirkliche Energiewaffenruhe herbeizuführen. Aber das ist, wie wir verstehen, keine Frage an Donald Trump. Es ist eine Frage an Putin und daran, wie der russische Präsident die Folgen der ukrainischen Angriffe auf die russische Ölverarbeitung tatsächlich bewertet – Angriffe, die sich hinsichtlich der Verluste für die russische Ölverarbeitungsindustrie als weitaus wirksamer erwiesen haben als alle westlichen Sanktionen gegen russische Energieunternehmen zusammengenommen.

Wenn wir uns also vorstellen, dass Putin diese Angriffe objektiv und realistisch bewertet, könnte man auf irgendeine Form von Energiewaffenruhe hoffen. Wenn Putin dagegen weiterhin der Ansicht ist, dass wir ruhig die Hälfte der Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation zerstören können, solange er nur die Möglichkeit behält, Kyiv zu terrorisieren und erneut zu versuchen, die Ukraine im Winter 2026/2027 frieren zu lassen, dann werden uns auch Trumps Äußerungen über die Dieselpreise nicht dabei helfen, mit der Russischen Föderation wenigstens eine Vereinbarung über eine teilweise Waffenruhe im Energiebereich zu erreichen. Auch dessen muss man sich bewusst sein, wenn wir die neuen Äußerungen des amerikanischen Staatschefs hören.


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Titel des Originals: Трамп знову звинувачує Україну | Віталій Портников. 28.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 28.09.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Angriff auf die Akademie der Wissenschaften | Vitaly Portnikov. 28.09.2026.

Selbst vor dem Hintergrund der täglichen, praktisch ununterbrochenen Angriffe Russlands auf Kyiv und andere ukrainische Städte ist der heutige Angriff auf die Akademie der Wissenschaften der Ukraine, auf ihr Gebäude, eine anschauliche Illustration dessen, was man in Moskau tatsächlich zu erreichen versucht.

Natürlich möchte ich zunächst den Angehörigen und Nahestehenden der Opfer auch dieses Angriffs mein aufrichtiges Beileid aussprechen, ebenso den Opfern des gleichzeitig erfolgten Angriffs auf ein Geschäftszentrum in Dnipro und all jenen, die unter den Angriffen leiden, die in diesen Tagen stattfinden.

Aber wir verstehen sehr gut die gesamte Symbolik des russischen Angriffs mitten auf das historische Zentrum Kyivs, auf ein Gebäude, das eines der wichtigen Symbole sowohl der ukrainischen Staatlichkeit als auch, wenn Sie so wollen, der zivilisatorischen Entwicklung eines jeden Landes ist. Ein Angriff auf das Gebäude der Akademie der Wissenschaften erinnert daran, dass der Feind versucht, die Staatlichkeit selbst, die, wenn Sie so wollen, zivilisatorische Ordnung des Landes zu zerstören, gegen das er Krieg führt.

Und vor dem Hintergrund dieses Angriffs klingt die Erklärung von Putins Pressesprecher durchaus symbolisch, der betont, die Ukraine müsse ihren Preis für das zahlen, was in den vergangenen Monaten geschehen sei – also für die Zerstörung russischer Infrastruktur, die dem Krieg dient.

Im Kreml versucht man nicht einmal irgendwie zu verbergen, dass man einen völlig geplanten, bewussten Terror gegen die Zivilbevölkerung betreibt. Und dass Russland aus Sicht Putins und seines Umfelds das Recht hat, diesen Terror auszuüben. Russland hat das Recht, mit seinen Truppen das Territorium eines Nachbarlandes zu besetzen. Russland hat das Recht zu töten, zu vergewaltigen und zu plündern, weil es ein ‚echter‘ Staat sei, während die Ukraine eine rebellische Provinz dieses Staates sei, die man einfach in ihre Schranken weisen und daran erinnern müsse, dass ihr Territorium Putins Territorium sei, das Territorium des sogenannten historischen Russlands. 

Und natürlich kann es auf einem solchen Territorium keine Akademie der Wissenschaften geben. Es kann dort keine staatlichen Zentren geben. Das alles seien Erfindungen der Bolschewiki. Das Land sei von Lenin geschaffen worden. 

Nun, wir haben uns in diesen schrecklichen Jahren des Versuchs, den ukrainischen Staat zu vernichten, genug von diesem Unsinn angehört – von Putin ebenso wie von anderen russischen Machthabern und Propagandisten. Und wir verstehen sehr gut den Unterschied zwischen einer Ölraffinerie oder einer Fabrik, in der Waffen hergestellt werden, und einer Akademie der Wissenschaften.

Die Zerstörung der Kapazitäten einer Ölraffinerie verringert die Möglichkeiten der Wirtschaft, für den Krieg zu arbeiten. Ein Angriff auf das Gebäude der Akademie der Wissenschaften ist schlicht gewöhnlicher, demonstrativer, kaltblütiger Terror. Ebenso wie die Angriffe auf Wohnviertel Kyivs, ebenso wie die Angriffe auf Einkaufszentren, wie jeder derartige Angriff mitten im Zentrum einer friedlichen Stadt oder an ihrem Stadtrand. Und der Terror ist, wie wir sehen, nicht nur unverhohlen, sondern demonstrativ: Man versucht nicht einmal mehr, den Anschein zu erwecken, irgendwelche militärischen Objekte anzugreifen.

All das geschieht vor allem aus Wut. Putin sieht, dass seine Armee nicht in der Lage ist, die Aufgaben zu erfüllen, die er ihr gestellt hat. Mehr noch: An bestimmten Frontabschnitten verliert sie die Initiative, zieht sich zurück und lässt Soldaten zurück, die in Gefangenschaft geraten, wie es bei Lyman geschieht. Und wir wissen nicht, was Putin Xi Jinping versprochen oder Trump erzählt hat und in welchem Maße seine Versprechen und seine Lageeinschätzungen inzwischen nicht mehr mit der Realität übereinstimmen.

Und gerade deshalb versucht der russische Staatschef, der nicht in der Lage ist, die Ukraine auf dem Schlachtfeld zu besiegen und zu beseitigen, die Ukrainer davon zu überzeugen, dass sie keine andere Wahl hätten, als vor dem Feind zu kapitulieren. Und damit dies für jeden offensichtlich wird, erfolgen solche Angriffe, dieses kaltblütige Erschießen von Menschen, diese Versuche, für die Ukraine symbolträchtige Objekte zu zerstören.

Es überrascht mich nicht einmal sonderlich, dass es nach dem Angriff auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale im Kyiver Höhlenkloster, nach dem Angriff auf den Mystezkyj Arsenal nun auch einen Angriff auf das Gebäude der Nationalen Akademie der Wissenschaften gegeben hat. Aber erinnern wir uns daran: Als es Angriffe auf das Höhlenkloster und den Mystezkyj Arsenal gab, als Geschosse in der Umgebung der Sophienkathedrale einschlugen, versuchten die Russen zu behaupten, sie hätten solche Angriffe überhaupt nicht durchgeführt und es sei das Werk der ukrainischen Luftverteidigung gewesen. Jetzt versucht man nicht einmal mehr, den Anschein zu erwecken, dass sie es nicht gewesen seien und dass dies irgendwie mit der Luftverteidigung zusammenhänge, weil es leider bislang keine Möglichkeit gibt, auf russische Angriffe mit strahlgetriebenen Drohnen so effektiv zu reagieren. Ich hoffe, dass solche Möglichkeiten in den kommenden Wochen oder zumindest Monaten entstehen werden.

Aber gerade deshalb müssen wir sehr genau verstehen, dass die Treffer genau dort erfolgen, wohin die russischen Militärs sie lenken, dass Putin sich geradezu freut, wenn er die Angriffe auf das historische Zentrum Kyivs und auf symbolträchtige Gebäude im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt sieht, und dass dies eine vollkommen systematische, menschenfresserische Arbeit zur Einschüchterung der Zivilbevölkerung ist. Sie soll die Menschen davon überzeugen, dass sie auf die Regierung einwirken müssen, damit diese nicht einmal daran denkt, sich den revanchistischen Plänen Putins, Lawrows, Peskows und all jener zu widersetzen, die selbst jetzt nicht mehr von irgendeiner Beendigung des Krieges sprechen, sondern ausschließlich von einer Bestrafung der Ukrainer dafür, dass sie es gewagt haben, sich dieser menschenverachtenden Invasion zu widersetzen.

Aber mir scheint, dass inzwischen jeder versteht, welchem Ausmaß an Bosheit und Grausamkeit er gegenübersteht. Versucht man, vor einer solchen Bosheit und einer solchen Grausamkeit zu kapitulieren, stirbt man nicht durch eine Drohne, sondern durch eine Kugel der Rosgwardija – so wie es in Kyiv bereits der Fall war, als zu verschiedenen historischen Zeiten russische Truppen auf seinen Straßen erschienen und das Blut auf diesen Straßen buchstäblich in Strömen floss.

All diese Verbrechen, die die Russen bereits vor unseren Augen in Butscha und in anderen Städten und Ortschaften des Kyiver Gebiets begangen haben, würden dann hundertfach vervielfacht werden, während man im Kreml erklären würde, dies sei als Antwort auf die ukrainische Dreistigkeit geschehen und es finde lediglich eine „Filtration“ der Bevölkerung statt.

Mit solchen Unmenschen haben wir es im 21. Jahrhundert zu tun. Mit Unmenschen, die nichts vergessen und nichts gelernt haben.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Удар по Академії наук | Віталій Портников. 28.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 28.09.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Wadephul rechtfertigt sich wegen Lawrow | Vitaly Portnikov. 27.09.2026.

Der deutsche Außenminister Johann Wadephul rechtfertigt sich weiterhin für sein Treffen mit dem Leiter des russischen Außenministeriums Sergej Lawrow, das am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung stattfand.

Es war der erste derartige Kontakt zwischen den Leitern der Außenministerien Deutschlands und Russlands seit 2022, also seit jenem Zeitpunkt, als Russland seinen groß angelegten Angriff auf die Ukraine begann.

Seitdem haben weder die Leiter des Außenministeriums in der Regierung von Olaf Scholz noch die Leiter des Außenministeriums in der Regierung von Friedrich Merz noch die meisten anderen Außenminister europäischer Länder versucht, sich mit Lawrow zu treffen – mit Ausnahme etwa des inzwischen ehemaligen ungarischen Außenministers Péter Szijjártó, der mit dem russischen Freundschaftsorden ausgezeichnet wurde.

Deshalb bedarf ein solch offensichtlicher Durchbruch der diplomatischen Isolation Russlands einer wirklichen Erklärung. Natürlich lautet die wichtigste Erklärung, die auch der deutsche Minister vorbringt, dass die Europäer den gesamten Dialog mit Russland nicht den Amerikanern überlassen wollen. Und dass andere europäische Kollegen Wadephul um ein Treffen mit Lawrow gebeten hätten.

Der entscheidende Durchbruch bei der Isolation Russlands fand also natürlich genau in dem Moment statt, als Donald Trump Putin anrief und es dem russischen Präsidenten ermöglichte, den amerikanischen Präsidenten dafür zu benutzen, weiter auf Zeit zu spielen und einen Verhandlungsprozess zu simulieren. Und wie wir uns erinnern, traf sich nach diesem Telefonat Trumps mit Putin nicht nur der amerikanische Präsident selbst mit seinem russischen Amtskollegen bei dem inhaltsleeren Treffen in Anchorage, das die russische Propaganda bis heute für ihre Zwecke nutzt, sondern auch US-Außenminister Marco Rubio traf sich mehrfach mit Lawrow. Das jüngste Treffen fand übrigens ebenfalls am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung statt, führte zu keinerlei Ergebnissen und erregte keine besondere öffentliche Aufmerksamkeit, weil die Kontakte zwischen Lawrow und Rubio leider bereits zur Routine geworden sind.

Doch es stellt sich die Frage, warum sich die Europäer dieser Linie der gegenwärtigen amerikanischen Administration anschließen sollten, wenn sie keinerlei konkrete Ergebnisse bringt. Und auch das Treffen zwischen Lawrow und Wadephul brachte keinerlei konkrete Ergebnisse – abgesehen von der Möglichkeit für die Russen, allein die Tatsache dieses Treffens für ihre Zwecke zu nutzen. Der deutsche Außenminister sagt, er habe dem russischen Außenminister entschieden erklärt, dass Handlungen wie der Versuch, den Flughafen Leipzig zu sprengen, inakzeptabel seien, dass Deutschland entschlossen handeln werde, dass Deutschland die Ukraine weiterhin unterstützen werde und dass Russland beweisen müsse, dass es Frieden wolle.

Doch das ist keine Frage von Verhandlungen. Es geht darum, eine Position deutlich zu machen, die auch ohne ein Treffen bekannt ist. Und hier kann man dem Außenminister der Russischen Föderation zustimmen, der sagte, wenn das Treffen lediglich dazu gedient habe, Moskau die Position Berlins mitzuteilen, hätte man ihn einfach anrufen können. Denn Verhandlungen – und das sollte übrigens auch Donald Trump verstehen – werden dann geführt, wenn die Seiten bereit sind, ihre Positionen aufeinander abzustimmen. Wenn sie hingegen lediglich ihre Positionen austauschen und in keiner einzigen wirklichen Grundsatzfrage zu einer Einigung gelangen können, dann sind das überhaupt keine Verhandlungen. Dann ist es eben ein Durchbrechen der diplomatischen Isolation Russlands.

Und zwar durch das Verkünden deklaratorischer Erklärungen, die die russische Führung überhaupt nicht interessieren. Und was sehen wir am Ende? Nach dem Treffen der Außenminister Deutschlands und Russlands äußert sich Lawrow auf seiner eigenen Pressekonferenz mit unverhohlener Geringschätzung über seinen deutschen Amtskollegen und betont, dass bei diesem Treffen keinerlei konkrete Vereinbarungen erzielt werden konnten.

Es ist also nicht klar, wozu dieses Treffen überhaupt notwendig war. Russland nimmt keine der deutschen Erklärungen ernst. Mehr noch: Lawrow beginnt bereits davon zu sprechen, dass die Europäer, wenn sie sich auf einen Krieg vorbereiten, diesen Krieg auch bekommen werden. Nur werde es, den Worten des russischen Präsidenten Putin zufolge, ein kurzer Krieg sein. Und die Sprecherin des russischen Außenministeriums, die widerwärtige Maria Sacharowa, demütigt Berlin weiter und betont, der deutsche Außenminister habe ausschließlich deshalb um ein Treffen mit Lawrow gebeten, um die sinkenden Umfragewerte von Bundeskanzler Friedrich Merz aufzubessern.

Und hier können wir uns tatsächlich den außenpolitischen Aspekten der Kontakte zwischen Deutschland und Russland zuwenden und darüber nachdenken, wie sie sich auf die Innenpolitik auswirken. Vielleicht hat Sacharowa recht? Vielleicht hat man in der deutschen Regierung entschieden: Wenn die Führung der Partei Alternative für Deutschland, die heute in den Wahlumfragen des Landes an der Spitze liegt, zu Gesprächen mit dem Kreml aufruft, dann könnte ein solches Gespräch, wenn es von der derzeitigen Regierung geführt wird, beweisen, dass Kontakte mit Moskau selbst dann, wenn sie stattfinden, zu keinerlei konkreten Ergebnissen führen?

Aber Verzeihung: Die Partei Alternative für Deutschland ruft keineswegs deshalb zu Gesprächen mit dem Kreml auf, um jene Positionen zu vermitteln, die Johann Wadephul Lawrow mitgeteilt hat, sondern um sich mit Moskau über die Wiederinbetriebnahme der Nord-Stream-Pipelines zu verständigen, um wieder die Möglichkeit zu erhalten, russisches Gas für die deutsche Industrie günstiger als zu Börsenpreisen zu beziehen, und um über die Einstellung der Hilfe für die Ukraine zu sprechen. Mit einem solchen deutschen Minister, einem Minister der Alternative für Deutschland, der Lawrow faktisch die Kapitulation Deutschlands vor Russland versprechen würde, würde der Leiter des russischen Außenministeriums natürlich eine gemeinsame Sprache finden.

An der Stelle der europäischen Diplomaten würde ich es mit Kontakten zu ihren russischen Kollegen daher nicht eilig haben. Russland hat seinen klaren Kurs gewählt, einen Kurs der Konfrontation und Eskalation in Europa, und keinerlei Kontakte mit Lawrow oder irgendeinem anderen russischen Funktionär werden zu einer Änderung der russischen Position führen, solange Russland tatsächlich über genügend Kräfte verfügt, um den Krieg in der Ukraine fortzusetzen und sich auf einen Krieg in Europa vorzubereiten.

Daher müssen sich auch die Europäer nicht auf Verhandlungen und nicht auf Frieden, sondern auf Krieg vorbereiten und verstehen, wie sie dieser für sie ernsten Prüfung begegnen werden, falls Russland beschließt, von hybriden Angriffen auf europäische Länder zu einem tatsächlichen aggressiven Angriff überzugehen, oder falls Putin einen weiteren Fehler begeht und seine hybriden Provokationen sich selbst gegen den Willen des russischen Staatschefs in einen wirklichen Krieg mit Europa verwandeln – so wie der ukrainische Blitzkrieg zu einem jahrelangen Krieg gegen unser Land wurde, bei dem niemand auch nur den Hauch eines Auswegs finden kann, der auf diplomatischem Wege erreicht werden könnte.

Das ist es, was meines Erachtens die wichtigste Aufgabe der Regierung Friedrich Merz hätte sein müssen, und das ist weitaus wichtiger als irgendwelche wahltaktischen Überlegungen. Denn wie wir aus unserer eigenen Erfahrung schon seit Langem wissen: Wenn Krieg herrscht, vergisst man die Wahlen.


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Titel des Originals: Вадефуль виправдовується за Лаврова |
Віталій Портников. 27.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 27.09.2026.
Originalsprache: uk
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