Gipfel in Bischkek: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 01.09.2026.

Wladimir Putin auf dem Familienfoto des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Bischkek ist eine gute Illustration dafür, wie unterschiedlich man im Westen und im Globalen Süden auf die Welt blicken kann.

Putin traf in Bischkek ausgerechnet in jenen Tagen ein, als die strahlgetriebenen Shahed-Drohnen der russischen Armee Jagd auf friedliche Ukrainer machten und den ukrainischen Schulkindern faktisch den ersten Schultag verdarben. Doch in Bischkek dachte niemand auch nur daran, den russischen Präsidenten dafür zu verurteilen. Lediglich der indische Ministerpräsident Narendra Modi erklärte, der russisch-ukrainische Krieg müsse beendet werden.

Allerdings hatte der Chef der indischen Regierung eine ähnliche Erklärung bereits 2022 auf dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Samarkand abgegeben. Putin schenkte seinen Worten keine besondere Beachtung. Und das ist nicht verwunderlich, denn für den Präsidenten der Russischen Föderation ist es weitaus wichtiger, dass Indien russisches Öl kauft, als das, was Ministerpräsident Narendra Modi ihm über den Krieg sagt.

Ein weiterer ziemlich offensichtlicher Faktor, der zeigt, wie weit der Westen und der Globale Süden auseinanderliegen, ist die Tatsache, dass neben Putin auch der iranische Präsident Massud Peseschkian am Gipfel in Bischkek teilnahm. Und das in einer Situation des Krieges der Vereinigten Staaten gegen den Iran. Und das in einer Situation, in der der Iran noch vor Kurzem die benachbarten Staaten am Persischen Golf beschossen hat, von denen viele gute Freunde der Teilnehmer des Gipfels in Bischkek und sogar deren wirtschaftliche Sponsoren sind. Und das, obwohl der Iran weiterhin Schritte unternimmt, um die Straße von Hormus weiter zu blockieren und damit eine Energiekrise in der Welt herbeizuführen, die sich auf jedes der Länder auswirken könnte, deren Staats- und Regierungschefs in Kirgisistan vertreten waren.

Doch wie wir sehen, ist politische Solidarität hier weitaus wichtiger als irgendwelche wirtschaftlichen Probleme. Und wir konnten beobachten, wie freundschaftlich die Teilnehmer dieses Gipfels mit dem iranischen Präsidenten umgingen – ebenso übrigens wie mit dem Präsidenten der Russischen Föderation. Putin traf sich auf diesem Gipfel sowohl mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan als auch mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi, mit dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping und sogar mit dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev – trotz der offensichtlichen Spannungen in den Beziehungen zwischen Baku und Moskau.

Was der Gipfel in Bischkek also definitiv bewiesen hat, ist, dass weder Russland noch der Iran im Globalen Süden isoliert sind und dass weder Kriege noch das Streben nach Atomwaffen noch Drohungen mit Atomwaffen Anlass für eine Isolation sind – ja nicht einmal für ernsthafte Äußerungen oder Schritte, die eine Verurteilung eines solchen Vorgehens erkennen ließen. Nein. Die anderen Gipfelteilnehmer gingen mit Wladimir Putin und Massud Peseschkian so um, als gäbe es im Grunde überhaupt keine Kriege und als wäre all dies kein Problem für die Zukunft.

Die Teilnehmer des Gipfels in Bischkek weigerten sich also hartnäckig, den sprichwörtlichen Elefanten im Raum zu bemerken, dessen Anwesenheit das Schicksal jedes einzelnen dieser Staats- und Regierungschefs und jedes ihrer Landsleute beeinflussen kann, und beschränkten sich bei den schwierigsten Fragen der heutigen Welt eher auf deklarative Erklärungen.

Wie sonst sollte man die Worte des Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping über die Notwendigkeit politischer Koordinierung zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges nennen? Politische Koordinierung mit wem, zwischen wem? Mit Russland? Mit der Ukraine? Mit dem Westen? Wie möchte China überhaupt Einfluss auf die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges oder beispielsweise auf die Beendigung der Krise im Nahen Osten nehmen, wenn es der wichtigste Käufer sowohl russischen als auch amerikanischen Öls war und bleibt und damit beiden Regimen die Möglichkeit gibt zu glauben, sie könnten ihren Kampf gegen den Westen einfach deshalb fortsetzen, weil sie über Geld verfügen? Und wie lassen sich die Worte über politische Koordinierung mit der Erklärung Pekings vereinbaren, dass es jederzeit bereit sei, auf jegliche amerikanischen Sanktionen gegen chinesische Unternehmen zu reagieren, die im Energiesektor mit Moskau und Teheran zusammenarbeiten?

Doch all das sind rhetorische Fragen. Wie wir verstehen, sind die Menschen, die sich in Bischkek versammelt haben – zumindest wenn wir von den wichtigsten Akteuren sprechen –, derzeit an keiner Beendigung der Kriege interessiert, weil sie der Auffassung sind, dass sich sowohl die Vereinigten Staaten als auch der kollektive Westen als solcher in diesen Kriegen aufreiben. Und das kann sowohl Peking als auch, so paradox es klingen mag, Neu-Delhi durchaus gelegen kommen. Obwohl man meinen sollte, Indien müsste daran interessiert sein, dass die Vereinigten Staaten ihre Position als alternative Macht gegenüber China bewahren.

Doch wenn es um gemeinsame Vorstellungen und Möglichkeiten geht, steht Narendra Modi Xi Jinping und Wladimir Putin wesentlich näher als beispielsweise Donald Trump. Obwohl ich nicht ausschließe, dass Donald Trump selbst gerne eine Einladung in einen solchen Klub erhalten würde.

Man kann auch über die Widersprüche sprechen, und auch das ist ein wichtiges Thema, denn auf dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit sehen wir sowohl den aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev als auch den armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan, die noch vor Kurzem in Trumps Amtszimmer eine Vereinbarung über die Öffnung der Handelswege unterzeichnet haben und sich nun auf dem Forum in Bischkek erneut, wenn auch nur kurz, miteinander treffen. Wir sehen die Staats- und Regierungschefs der zentralasiatischen Länder, die noch vor Kurzem zum Gipfel USA–Zentralasien nach Washington gereist waren.

Und all dies müsste eigentlich auf einen offensichtlichen Rückgang des russischen Einflusses im postsowjetischen Raum hindeuten. Aber machen wir uns nichts vor: Alle diese Länder sind auch an besonderen Beziehungen zur Volksrepublik China interessiert. Und sie verstehen sehr gut, dass eine wichtige Voraussetzung für derartige Beziehungen in gewissem Sinne darin besteht, zumindest keine feindseligen Beziehungen zur Russischen Föderation aufzubauen.

Das beste Modell für China – und dieses Modell war übrigens ebenfalls auf dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit vertreten, wobei unklar ist, in welcher regionalen Eigenschaft – ist Belarus, ist Alexander Lukaschenko, der auf dem Familienfoto dieses Forums ebenfalls zu den formellen Ausgestoßenen des Westens gehörte. Man kann also im Westen ein Ausgestoßener sein und im Globalen Süden dennoch zu den Eigenen gehören. Das ist wohl der zentrale Punkt der politischen Philosophie, zu der sich die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit bekennt.

Man muss nicht einmal Mitglied dieser Organisation sein. Man kann Gast des Gipfels sein, auf dem gemeinsamen Foto erscheinen, seine Verbundenheit mit anderen Mächtigen dieser Welt demonstrieren und auf diese Weise keine Angst vor dem Abbau demokratischer Institutionen haben, die es in vielen Ländern, deren Staats- und Regierungschefs auf diesem Gipfel vertreten waren, in der einen oder anderen Form gibt, die aber zweitrangig werden, sobald es um die Beziehungen zu Autokratien geht.

Autokratien, die Demokratien selbst im Globalen Süden ihr Modell des Zusammenlebens aufzwingen, schaffen Voraussetzungen dafür, dass auch der Sinn demokratischer Willensbekundung irgendwo gegenüber der Konfrontation mit der zivilisierten Welt verloren geht. Und hier haben wir ein gutes Beispiel dafür, wie Staats- und Regierungschefs von Ländern, die ein Mandat ihrer Völker besitzen – etwa Indien, Pakistan oder Armenien –, neben jenen stehen, die ihr Mandat von Zentralkomitees oder einfach von sich selbst haben, die Scheinwahlen abhalten und sich gerade deshalb zu beliebigen militärischen Aktionen und beliebigen Verbrechen entschließen und beliebige Fehler begehen können, weil sie keine Konsequenzen fürchten müssen.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen jener Koalition, die wir in Bischkek sehen, auch wenn sie bislang noch informell ist, und den Treffen, die auf der westlichen Seite organisiert werden und die vor dem Hintergrund der offensichtlichen Weigerung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, sein Land als Beschützer und untrennbaren Bestandteil der zivilisierten Welt zu betrachten, immer hilfloser wirken.


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Titel des Originals: Саммит в Бишкеке: главное | Виталий Портников. 01.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 01.09.2026.
Originalsprache: ru
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Musterbeispiel für Menschenfresserei.. Vitaly Portnikov. 31.08.2026.

Зразок людожерства. Віталій Портников. 31.08.2026.

Die russischen Funktionäre haben aufgehört, sich zu schämen. Noch vor einigen Wochen konnten wir die vertraute Rhetorik von der Befreiung der Ukrainer von den Nazis hören, von der Vorherrschaft des Westens, der gegen Russland Krieg führe, und von dem „einen Volk“, das von den verfluchten „Nationalisten“ gewaltsam auseinandergerissen worden sei.

Doch nun ruft der stellvertretende Vorsitzende der russischen Staatsduma von Putins „Einigem Russland“, Pjotr Tolstoi, zur Vernichtung ukrainischer Städte auf und behauptet, dass es in der Ukraine keine Unschuldigen gebe. Und der Staatsduma-Abgeordnete einer anderen putintreuen Partei – „Gerechtes Russland“ –, Alexej Schurawljow, bezeichnet den Einsatz von Atomwaffen als Pflicht der Russischen Föderation und vergleicht die Ukrainer mit … den Japanern, die nach den Atombombenabwürfen zu Verbündeten der Vereinigten Staaten wurden. Obwohl man meinen sollte: Was haben Amerikaner und Japaner mit Ukrainern und Russen zu tun? Amerikaner und Japaner hat schließlich nie jemand als ein Volk bezeichnet, nicht wahr?

Putins Handlanger verstehen, dass der Krieg ganz anders verläuft, als man ihn im Kreml geplant hatte. Dass die Armee nicht in dem Tempo vorankommt, das Putins Generäle ihm versprechen. Dass die Europäer der Ukraine auch nach der Reduzierung der Hilfe aus den Vereinigten Staaten weiterhin helfen. Dass die Schläge gegen die russische Wirtschaft ernsthafte Probleme für das künftige Funktionieren des Tschekistenregimes schaffen. Und ihre Wut sind sie bereit, an Frauen und Kindern auszulassen – buchstäblich! Denn die Abrechnung mit Kyiv und dem Kyiver Gebiet ist buchstäblich eine Kompensation dafür, dass es ihnen nicht gelingt, die Kapitulation der Ukraine zu erzwingen.

Ich werde nicht behaupten, dass dies die Hysterie einer Agonie ist. Bis zur Agonie des Putin-Regimes ist es noch weit, sehr weit, und ich schließe nicht aus, dass der russische Präsident auf dem Weg zum Zusammenbruch noch mehrere Angriffskriege entfesseln wird. Aber das ist ein echtes Schuldeingeständnis für ein Kriegstribunal, eine offene Darlegung der tatsächlichen russischen Absichten. Was Tolstoi, Schurawljow und andere russische Propagandisten und Funktionäre jetzt sagen, zerstört endgültig die Legende von der „Brüderlichkeit“ und der Befreiung. 

Die russischen Chauvinisten haben auch früher nie so gedacht, haben die Ukrainer auch früher als Fremde betrachtet und die Eroberung ukrainischer Gebiete auch früher ausdrücklich als Besatzung verstanden – es genügt, die Dokumente aus der Zeit des Vertrags von Perejaslaw und des bolschewistischen Angriffs auf die Ukraine zu lesen, um sich davon zu überzeugen. Aber sie haben immer freudig gelogen, um die Eroberung fremder Gebiete zu rechtfertigen, um zu erklären, warum sie töten, plündern und brandschatzen.

Doch jetzt haben sie aufgehört zu lügen. Und sie haben gezeigt, dass wir es mit der Banalität des reinen Bösen zu tun haben, das nicht einmal mehr versucht, sich als das Gute auszugeben. Und tatsächlich – warum sollte der Teufel verbergen, dass er einen Schwanz hat, wenn es ohnehin jeder sieht? Tolstoi jedenfalls verbirgt ihn nicht mehr.

Übrigens zu Tolstoi, diesem Kannibalen und Widerling, der ein direkter Nachfahre des berühmten russischen Schriftstellers ist. Vor genau 117 Jahren schrieb Lew Tolstoi in einem letztlich nicht abgeschickten Brief an einen hochrangigen russischen Beamten, er schreibe „über einen sehr bemitleidenswerten Menschen, den bemitleidenswertesten von allen, die ich heute in Russland kenne. Diesen Menschen kennen Sie und, seltsam genug, lieben Sie ihn, aber Sie begreifen nicht das ganze Ausmaß seines Unglücks und bedauern ihn nicht so, wie es seine Lage verdient. Dieser Mensch sind Sie selbst … Ich kann die Verblendung nicht begreifen, die es Ihnen erlaubt, Ihre schreckliche Tätigkeit fortzusetzen, denn durch Ihre heutige Tätigkeit haben Sie sich bereits jenen schrecklichen Ruf erworben, aufgrund dessen Sie für immer als Beispiel für Grobheit, Grausamkeit und Lüge gelten werden.“

Heute könnte man diese Worte des russischen Klassikers sowohl an seinen verlogenen Urenkel als auch an diejenigen richten, denen er dient – an Putin, die Generäle der Tschekisten und der Armee, an alle Mittäter des offen angekündigten Mordens an friedlichen Ukrainern. Besser als Tolstoi selbst – der echte Tolstoi wohlgemerkt und nicht der Abschaum mit dem berühmten Nachnamen – kann man es nicht sagen. All diese Menschen sind ein Beispiel für Grobheit, Grausamkeit und Lüge.

Ein Musterbeispiel für Menschenfresserei.


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Titel des Originals: Зразок людожерства. Віталій Портников. 31.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 31.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Tod hinter Gittern. Vitaly Portnikov. 30.08.2026.

Смерть за ґратами. Віталій Портников. 30.08.2026.

In diesen Tagen, als Russland seine systematischen Angriffe auf Kyiv und andere ukrainische Städte fortsetzte, als buchstäblich jede Stunde die Luftschutzsirenen heulten, als Einkaufszentren und Wohnhäuser brannten, starb in Den Haag der ehemalige Chef des Generalstabs der Armee der bosnischen Serben, Ratko Mladić.

Es war ein vorhersehbares Ende. Niemand hatte vor, den alten Mörder selbst kurz vor seinem Tod freizulassen, denn die Verbrechen, die er begangen hatte, ließen keine Begnadigung zu. Und vielleicht ist das Wichtigste jetzt: Mladić starb gerade zu einem Zeitpunkt, als deutlich geworden war, dass all diese Verbrechen eine Generalprobe für Morde ganz anderen Ausmaßes gewesen waren, die Russland nun auf unserem Boden begeht. Ja, formal unterstützte Moskau weder Ratko Mladić noch seinen formellen Vorgesetzten, den Präsidenten der Republika Srpska Radovan Karadžić – er lebt noch und sitzt im Gefängnis. Russland half auch seinem langjährigen Verbündeten, dem faktischen Machthaber über die bosnischen Serben Slobodan Milošević, nicht. In einer kurzen Phase, in der versucht wurde, in Serbien eine echte Demokratie zu etablieren, wurde er der internationalen Justiz ausgeliefert und starb ebenfalls in einer Gefängniszelle des Haager Tribunals.

Doch die russischen Tschekisten waren schon damals an den Vorgängen auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens beteiligt, schon damals betrachteten sie den Jugoslawienkrieg als Versuchsfeld. Schon damals halfen sie jenen, sich der Verantwortung zu entziehen, die bereit waren, ihre schrecklichen Wünsche zu erfüllen. Von Srebrenica, das zum blutigen Vorspiel unseres Butscha wurde, von der Belagerung Sarajevos, die zum Vorspiel der Angriffe auf ukrainische Städte wurde, bis zur Jagd auf Menschen in Cherson, bis zu den Raketen- und Drohnenangriffen auf Wohnviertel und bis zur Festnahme Mladićs und seiner Überstellung an das Haager Tribunal vergingen ganze 15 Jahre.

In all diesen Jahren versteckte er sich nicht einmal besonders – zumindest nicht in der Zeit, als sein eigentlicher Vorgesetzter Milošević in Serbien an der Macht blieb. Er wurde nicht aus der serbischen Armee entlassen – wohlgemerkt aus der serbischen, nicht aus der Armee der bosnischen Serben –, er blieb also ein angesehener Militärpensionär. Während dieser gesamten Zeit wusste der FSB, wie aus inzwischen veröffentlichten Dokumenten hervorgeht, wo man ihn finden konnte. Mehr noch: Er schuf für ihn alle Voraussetzungen, seine Freiheit zu bewahren. Hätte Belgrad nicht den Wunsch gehabt, mit Brüssel eine gemeinsame Sprache zu finden und einen wirklichen Prozess der europäischen Integration einzuleiten, wäre Mladić ungestraft gestorben.

Doch man sollte auch etwas anderes wissen. Zoran Đinđić, der serbische Ministerpräsident, der die Auslieferung Miloševićs organisiert hatte, wurde kurz darauf ermordet. Sein Parteifreund Boris Tadić, der Präsident Serbiens wurde und die Auslieferung von Karadžić und Mladić organisierte, wurde politisch marginalisiert. Und in Belgrad kam der ehemalige Propagandaminister Miloševićs an die Macht, der selbst vor dem Hintergrund des Diktators als Radikaler und Lügner erschien – Aleksandar Vučić, den unser Präsident noch vor wenigen Tagen umarmte. Vučić, ein echtes politisches Tier, versteht sehr gut, dass die Mehrheit der Serben Mladić weiterhin für einen Helden und ein Opfer hält und das Blut an den Händen des Mörders hartnäckig nicht sehen will. Deshalb erzählt er seinen Landsleuten von der Ungerechtigkeit der internationalen Justiz, deshalb schlägt er vor, Mladić in serbischer Erde zu bestatten, deshalb empört er sich darüber, dass man den blutbefleckten General nicht zu Hause sterben ließ.

Das heißt: Die Bestrafung hat stattgefunden. Und das ist wichtig. Aber dass die Gesellschaft sich ihrer Verantwortung für das Verbrechen bewusst geworden wäre oder zumindest den Wunsch entwickelt hätte, sich von diesem Verbrechen zu distanzieren – das ist nicht geschehen. Und das bedeutet, dass Den Haag seine wichtigste Funktion nicht erfüllt hat: Es ist nicht zu einer Impfung gegen das Auftreten neuer Mladićs, gegen neue Kriege, gegen neue ethnische Säuberungen geworden. All das kann sich immer und immer wieder wiederholen.

Und für uns ist das die wichtigste Schlussfolgerung für die kommenden Jahrzehnte. Man kann Gerechtigkeit für die Verbrechen eines Täters erreichen – aber man kann ein Land und eine Gesellschaft nicht verändern, wenn die Bürger selbst solche Veränderungen nicht wollen. Die Serben hatten, anders als die Russen, sowohl die Möglichkeiten als auch die Politiker und internationale Unterstützung – und nichts davon hat geholfen. Und das bedeutet, dass wir und die Russen nun – und vielleicht noch jahrzehntelang – unterschiedliche Helden und unterschiedliche Opfer haben werden. Unsere Helden sind diejenigen, die sie aufgehalten haben. Ihre Helden sind diejenigen, die uns getötet haben. Und selbst wenn wir sie zurückschlagen und es uns irgendwann tatsächlich gelingt, Gerechtigkeit für die Verbrecher zu erreichen, und einige von ihnen im Gefängnis statt im eigenen Bett sterben, wird dies in Russland nur das Gefühl der Ungerechtigkeit und die Gier nach Revanche verstärken.

Dieses Damoklesschwert wird auch nach dem Krieg über unseren Köpfen, über den Köpfen unserer Kinder und Enkel hängen. Es ist wichtig, sich einfach daran zu erinnern – nicht nachzulassen und sich nicht wieder einmal täuschen zu lassen: weder von den heimtückischen Fremden noch von den gierigen und dummen eigenen Leuten.


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Titel des Originals: Смерть за ґратами. Віталій Портников. 30.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 30.08.2026.
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Putin fürchtet, am Galgen zu enden | Vitaly Portnikov. 31.08.2026.

Der russische Präsident fürchtet um sein Leben für den Fall einer Niederlage im russisch-ukrainischen Krieg und sagt seinen Mitstreitern sogar, dass man ihn hängen werde, wenn er keinen Erfolg habe. Mit diesen Informationen ist die britische Zeitschrift The Economist an die Öffentlichkeit gegangen, die Putins Neigung zu einer weiteren Eskalation im russisch-ukrainischen Krieg gerade mit solchen Motiven erklärt.

Und wir können mit Sicherheit sagen, dass eine solche Erklärung von Putins Logik auch den Interessen des Kremls entspricht. Es ist eine Sache, wenn Putin die Realität nicht begreift – dann muss alles Mögliche getan werden, damit er sich der Realität bewusst wird und seinen Krieg gegen die Ukraine beendet. Und es ist etwas völlig anderes, wenn Putin sehr wohl versteht, dass er den Krieg nicht gewinnen kann, ihn aber fortsetzen muss, weil er den Zorn des russischen Volkes fürchtet. Dann muss man dem russischen Präsidenten natürlich entgegenkommen, ihm helfen, sein Gesicht zu wahren, und die Ukraine zu Zugeständnissen bewegen, denn die Alternative zu Putin könnte eine noch überraschendere und unberechenbarere Führung der Russischen Föderation mit revanchistischen Einstellungen sein, die denen Putins in nichts nachstehen, sondern die chauvinistischen Ambitionen des russischen Präsidenten sogar noch übertreffen.

Putin bedient sich nicht zum ersten Mal einer solchen Propaganda, die sich an westliche Medien und westliche Politiker richtet. Vom ersten Tag nach seiner Machtübernahme in der Russischen Föderation an betonte er immer wieder, er sei weitaus liberaler als die Mehrheit der russischen Bevölkerung, die in den kommunistischen und chauvinistischen Traditionen der jüngeren Vergangenheit erzogen worden sei. Und deshalb müsse man gerade mit ihm, mit Putin, verhandeln.

Russlands Krieg gegen die Ukraine hat Putins Ruf als berechenbarer Politiker zerstört, der gegenüber der Welt realistischer eingestellt sei als die überwiegende Mehrheit der Russen. Und nun versuchen die Propagandisten des Kremls, diesen Ruf ihres Machthabers wiederzubeleben.

Doch wie sieht es in Wirklichkeit aus? Droht Putin tatsächlich Gefahr, falls der russisch-ukrainische Krieg verloren geht?

Am Anfang dieser Überlegungen müssen wir zunächst verstehen: Was bedeutet überhaupt ein Sieg im russisch-ukrainischen Krieg? Glauben die Russen tatsächlich, dass ihrem Land Gefahr droht und dass sie, falls Russland die Ukraine nicht vollständig vernichten und ihr Territorium dem eigenen Staat einverleiben kann, eine Revolution beginnen und bereit sein werden, die russische Staatsführung zu stürzen?

Solche Stimmungen sind in der russischen Gesellschaft nicht zu beobachten. Man kann von der Apathie der überwiegenden Mehrheit der Russen sprechen. Putin hat ihnen das Krim-Abenteuer und den anschließenden Krieg gegen die Ukraine aufgezwungen. Wenn der russische Präsident morgen verkündet, dass der Krieg beendet wird und die Truppen an der heutigen Trennlinie bleiben – wenn er also faktisch dem Vorschlag zustimmt, den der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky gemacht hat und der vom Westen unterstützt wird –, wird die überwiegende Mehrheit der Russen erleichtert aufatmen.

Erleichtert aufatmen wird auch die russische Wirtschaft, die die Folgen ukrainischer Angriffe auf Marktplätze und eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage im Land fürchtet. Erleichtert aufatmen wird auch die russische Oligarchenelite, weil sie die Chance erhält, den für ihre Geschäfte verheerenden westlichen Sanktionen zu entkommen.

Dann stellt sich die Frage: Wer soll eigentlich eine Revolution ausrufen und einen Wechsel der russischen Staatsführung fordern, wenn die überwiegende Mehrheit der Russen entweder objektiv an einem Ende des russisch-ukrainischen Krieges interessiert ist oder allen politischen Ereignissen gleichgültig gegenübersteht, die den einzelnen Bürger der Russischen Föderation nicht unmittelbar betreffen? Das heißt, sie erinnern sich an den russisch-ukrainischen Krieg erst in dem Moment, in dem eine Drohne in der eigenen Wohnung reinfliegt – und nicht einmal dann, wenn sie die benachbarte Ölraffinerie zerstört.

Und wie wahrscheinlich ist es, dass selbst Proteste gegen Putins Handeln in den letzten Jahren so wirkungsvoll sein könnten, dass die mächtigen Sicherheitsstrukturen der Russischen Föderation nicht mit ihnen fertigwerden könnten – jene Sicherheitsstrukturen, deren Vertreter im Kreml seit dem Jahr 2000 der ehemalige Oberst des Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion ist?

All das sind natürlich rhetorische Fragen, denn wir kennen die Antworten darauf. Wenn Putin beschließt, den russisch-ukrainischen Krieg morgen zu beenden, bedroht seine Macht nichts und niemand. Putin entscheidet sich bewusst für die Eskalation, weil er weiterhin darauf hofft, dass die Zeit es ihm ermöglichen wird, den ukrainischen Staat zu vernichten und die Grenzen der Sowjetunion von 1991 zu erreichen – zumindest entlang der Grenzen der ehemaligen Ukrainischen SSR. 

Dies würde es ihm nach Auffassung des russischen Machthabers ermöglichen, sowohl den ehemaligen Sowjetrepubliken seine Bedingungen zu diktieren, die aus Sicht des Kremls Teil eines neuen Unionsstaates werden sollen, dessen Führer Putin noch immer zu werden hofft, als auch den Ländern Mitteleuropas, die ohne wirksame Unterstützung der Vereinigten Staaten dastehen könnten, falls Putin die Ukraine begräbt.

Eine Gefahr durch irgendeine Revolution in der Russischen Föderation oder einen Aufstand der Russen gegen Putin, falls er den Krieg beendet – all das existiert praktisch nicht. Man sollte nicht glauben, dass die Russen selbst glühende Befürworter des Beginns dieses Krieges waren, dass Putin ihre geheimsten Ambitionen verwirklicht hat und deshalb nun jemand ist, der ein Ende der Kampfhandlungen fürchtet, weil er selbst wesentlich vorsichtiger eingestellt sei als seine eigene Gesellschaft. Im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg besteht ein solcher direkter Zusammenhang jedenfalls nicht.

Umso mehr müssen wir uns an eine sehr wichtige Sache erinnern. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung der Russischen Föderation hört auf die eigene Propaganda. Wenn diese Propaganda morgen ihre Rhetorik um 180 Grad ändert und von der Notwendigkeit einer Versöhnung mit der Ukraine spricht und davon, dass Putin die Zivilbevölkerung sowohl Russlands als auch der Ukraine vor dem Krieg rettet, wird die Mehrheit der Russen daran glauben und dem zustimmen.

Ich erinnere mich gut daran, wie sich die Stimmung der Menschen während Gorbatschows Perestroika und in den ersten Jahren Jelzins an der Macht veränderte. Ja, vielleicht blieben viele weiterhin in der sowjetischen Ideologie gefangen, aber sie glaubten, dass die Staatsführung besser wisse, wie das Land zu regieren sei.

Wenn wir über all diese Aufstände und Revolutionen sprechen, müssen wir daran denken, dass wir dabei von jenen Ereignissen ausgehen, die sich im Russischen Reich in den fernen Jahren 1905 oder 1917 ereigneten. Das Russland, das damals existierte, gibt es nicht mehr. Die Bevölkerung dieses Russlands wurde grundlegend umgeformt. Menschen mit eigener Initiative, mit einem Glauben an Demokratie wurden bereits damals entweder erschossen, eingeschüchtert oder aus dem bolschewistischen Russland vertrieben und spielten danach nie wieder irgendeine Rolle in seiner gesellschaftlichen Entwicklung.

Das heutige Russland ist das Russland der Enkel jener, die den Bürgerkrieg gewonnen haben. Also das Russland von Menschen, die nicht nur nicht dazu neigten, eine eigene Position zu vertreten, sondern schlicht Analphabeten waren. Die Bolschewiki brachten ihnen das Schreiben bei, aber nicht das Denken. Dafür überzeugten sie sie davon, dass die Staatsmacht alles besser weiß.

Und genau in diesen Traditionen haben diese Menschen, die ihr Leben mit Büchern über die sozialistische Revolution und mit Schulbüchern begannen, in denen sie lernten, dass „Mama den Fensterrahmen wusch“, ihre Nachkommen erzogen. Und genau diese Nachkommen sind heute in der Russischen Föderation an der Macht und stellen die überwiegende Mehrheit ihrer Bürger.

Alle Veränderungen in diesem postbolschewistischen Russland – sowohl nach Stalins Tod als auch nach Breschnews Tod – waren Veränderungen, die von oben durch die Führer der Kommunistischen Partei oder durch ehemalige Parteifunktionäre initiiert wurden, wenn wir etwa an Boris Jelzin denken. Und natürlich versteht auch Putin das sehr gut. Er versteht also, dass ihn niemand irgendwo hängen und niemand einen Aufstand gegen ihn organisieren wird.

Nein, der russische Machthaber fürchtet nicht um sein Leben. Aber er möchte, dass man im Westen genau das glaubt, dass die westliche Presse darüber schreibt, dass westliche Politiker so denken, dass man sich mit ihm zu Bedingungen verständigt, die einer Kapitulation der Ukraine gleichkommen – nur um, Gott bewahre, eine neue Revolution in Russland, irgendwelche Veränderungen in eine ungewisse Richtung und eine unkontrollierte Verbreitung von Atomwaffen zu verhindern.

All diese Geschichten, mit denen russische Propagandisten ihre leichtgläubigen westlichen Gesprächspartner füttern, kann ich Ihnen erzählen, denn sie kursieren bereits seit mehreren Jahrzehnten. Vertrauen wir also nicht denen, die glauben, Putin entscheide sich tatsächlich für die Eskalation, weil die Alternative zur Eskalation eine Revolution wäre.

Nein, die Alternative zur Eskalation besteht faktisch darin, dass der russische Präsident auf seine imperialen Ambitionen verzichtet. Und genau das ist etwas, was er zumindest in absehbarer Zukunft nicht zulassen kann. Und genau das muss durch die Zerstörung der Wirtschaft der Russischen Föderation erzwungen werden. Glauben Sie mir: In den kommenden Jahren der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation wird es keine andere Alternative geben.


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Titel des Originals: Путін боїться потрапити на шибеницю |Віталій Портников. 31.08.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 31.08.2026.
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Trump-Zelensky-Putin-Gipfel: Gibt es eine Perspektive? | Vitaly Portnikov. 30.08.2026.

Der Direktor der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten, John Ratcliffe, hat während seines Aufenthalts in der russischen Hauptstadt seinem Amtskollegen, dem Direktor des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation Alexander Bortnikow, vorgeschlagen, einen Dreiergipfel der Präsidenten der Vereinigten Staaten, der Ukraine und Russlands zu organisieren, um den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. Über diese neuen Einzelheiten des mysteriösen Aufenthalts des CIA-Direktors in der russischen Hauptstadt berichtet Axios.

Wie wir sehen, kommen mit jedem weiteren Tag nach dem Ende des kurzen Aufenthalts des CIA-Direktors in Moskau immer neue Einzelheiten ans Licht, die erklären, warum der Leiter der Central Intelligence Agency so dringend in die russische Hauptstadt reisen musste.

Und hier stellt sich eine naheliegende Frage: Kann ein Gipfeltreffen der Staatschefs der Vereinigten Staaten, Russlands und der Ukraine tatsächlich stattfinden? Und wird Putin dem zustimmen? Und warum ist gerade jetzt eine solche Initiative des Direktors der Central Intelligence Agency entstanden?

Wie wir sehen, ist der russische Präsident derzeit zu keinerlei Verhandlungen über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges bereit. Obwohl Ratcliffe Bortnikow für einen vernünftigeren und konstruktiveren Menschen hält als andere russische Beamte, stellt sich die große Frage, ob der langjährige Direktor des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation – selbst wenn Bortnikow ein ebenso großer Realist ist wie Portnikow – in der Lage ist, den Machthaber der Russischen Föderation von der Notwendigkeit zu überzeugen, den Krieg zu beenden und einen solchen Gipfel abzuhalten.

Ich habe ernsthafte Zweifel sowohl an seiner Vernunft als auch an seinen Möglichkeiten. Und natürlich hätten solche Zweifel auch dem Direktor der Central Intelligence Agency kommen müssen. Er hätte von Anfang an begreifen müssen, dass seine Mission zum Scheitern verurteilt war.

Warum ist er also hingefahren, und wozu hat er all das vorgeschlagen? Wie ich bereits mehrfach erklärt habe, als ich über die Treffen des Direktors der Central Intelligence Agency in der russischen Hauptstadt gesprochen habe, sollte man den Sinn dieser Reise nicht aus der Perspektive dessen erklären, was früher geschah, als CIA-Direktoren Moskau besuchten oder sich auf neutralem Boden mit ihren Amtskollegen, den Direktoren des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation und des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation, trafen. Man muss versuchen, den Zweck dieser Reise ausgehend von der Logik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump und seinen eigenen Interessen zu verstehen.

Denn heute ist die gesamte Außen- und auch Innenpolitik der Vereinigten Staaten gerade mit diesen Interessen verbunden. Donald Trumps wichtigstes Interesse besteht derzeit darin, die Kongresswahlen zu gewinnen. Sollten die Republikaner auch nur im Repräsentantenhaus ihre Mehrheit verlieren, drohen Trump ernsthafte Untersuchungen über das Wesen seiner Tätigkeit als Präsident der Vereinigten Staaten sowie über die Interessen seiner Familienmitglieder und seines engsten Umfelds.

All das versucht Trump mit einer enormen Zahl innenpolitischer Entscheidungen und Manipulationen ebenso wie mit Schritten auf der außenpolitischen Bühne zu verhindern. Und das, obwohl er praktisch keine besonderen Möglichkeiten hat, die Situation zu verändern.

Und hier könnte Trump, der bekanntlich vor allem in PR-Kategorien denkt, auf die Idee eines Dreiergipfels gekommen sein, dessen Durchführung er praktisch seit 2025 vorschlägt. Übrigens sollte man auch daran erinnern, dass diese Initiative stets die Unterstützung des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky gefunden hat, der immer wieder von der Zweckmäßigkeit eigener Verhandlungen mit dem Präsidenten der Russischen Föderation unter Vermittlung des Präsidenten der Vereinigten Staaten spricht.

Was Zelensky betrifft, hat Donald Trump also keinerlei Probleme. Der ukrainische Präsident ist bereit, sich mit dem Präsidenten Russlands zu treffen, wobei Trump bei diesem Treffen der wichtigste Vermittler sein soll. 

Das Problem liegt beim Präsidenten der Russischen Föderation, der:

  • erstens nicht beabsichtigt, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden;
  • zweitens nicht beabsichtigt, sich mit dem Präsidenten der Ukraine zu treffen – nach jenem Fiasko, zu dem es beim letzten Treffen des ukrainischen und des russischen Präsidenten im Normandie-Format in Paris noch zu Beginn von Volodymyr Zelenskys Amtszeit als Präsident der Ukraine kam;
  • drittens versucht, bis zum Ende von Donald Trumps Amtszeit als Präsident Zeit zu schinden und damit keine realen Probleme zu lösen, sondern ausschließlich seine Bereitschaft zu Kompromissen zu demonstrieren, falls die Ukraine auf die politischen Bedingungen eingeht, die von der Führung der Russischen Föderation gestellt werden – also auf Kapitulationsbedingungen.

Und Trump könnte zu dem Schluss gekommen sein, dass Putin in einer Situation, in der die Ukraine russische Infrastrukturobjekte angreift und Russland mit ernsthaften wirtschaftlichen Problemen konfrontiert ist, einem Dreiergipfel zustimmen könnte – zumindest um die eigenen wirtschaftlichen Kapazitäten zu retten, um die Situation in der Russischen Föderation nicht bis zu einer sozialen Explosion kommen zu lassen und um keine massive Mobilmachung durchführen zu müssen, die sich ebenfalls auf die Stabilität des russischen Regimes auswirken könnte.

Und all das hätte John Ratcliffe natürlich dem Direktor des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation erklären müssen, der all das auch ohne ihn weiß, aber wohl kaum bereit ist, es sich erstens selbst einzugestehen und es zweitens dem Präsidenten der Russischen Föderation zu erklären, der seit dem 24. Februar 2022 von all dem nichts hören will, sondern nur hören möchte, dass die ukrainische Staatlichkeit beseitigt und das ukrainische Territorium einverleibt worden ist.

Und die Menschen, die in Putins Umfeld erfolgreich Karriere machen wollen, erzählen ihm auch nur genau das. Ähnliche Äußerungen haben wir bereits vom ehemaligen Präsidenten der Russischen Föderation und stellvertretenden Vorsitzenden des russischen Sicherheitsrates Dmitri Medwedew sowie von anderen russischen Beamten gehört, die über ihre Zukunft unter Putin und nach Putin nachdenken.

Man kann also grundsätzlich sagen, dass Donald Trump den Direktor der Central Intelligence Agency in die russische Hauptstadt geschickt hat, um ein zum Scheitern verurteiltes Treffen vorzubereiten, das in der Realität ohnehin kaum hätte stattfinden können.

Doch die Situation mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten ist nun einmal so, wie sie ist. Donald Trump versucht, in seiner eigenen Realität zu leben, und wehe demjenigen, der versucht, den amerikanischen Präsidenten aus dieser Realität herauszuholen. Der Direktor der Central Intelligence Agency hat es jedenfalls nicht gewagt und ist stattdessen einfach in die russische Hauptstadt geflogen, um mit dem Direktor des Föderalen Sicherheitsdienstes über eine Initiative zu sprechen, die von vornherein auf Ablehnung stoßen musste.

Das ist die ganze Situation, in der wir uns heute befinden. Der Präsident der Vereinigten Staaten befindet sich in seiner eigenen Realität, die sich von dem unterscheidet, was tatsächlich in der Welt geschieht. Der Präsident der Russischen Föderation befindet sich in seiner eigenen Realität, die sich von dem unterscheidet, was tatsächlich in der Welt geschieht. 

Die Direktoren der Central Intelligence Agency und des Föderalen Sicherheitsdienstes sind gezwungen, Verhandlungen zu inszenieren, damit ihre Chefs sehen, wie gewissenhaft sie ihre Aufträge erfüllen. Und natürlich können in einer solchen Situation selbst Menschen, die die Lage realistisch einschätzen, über nichts wirklich ernsthaft sprechen.

Und wissen Sie, welche Schlussfolgerung wir daraus ziehen müssen? Wir müssen zumindest eine Situation erreichen, in der sich der Präsident der Ukraine – anders als der Präsident der Vereinigten Staaten und der Präsident der Russischen Föderation, die sich längst und endgültig in eine andere Realität verabschiedet haben – in der realen Welt befindet und mit unserer Hilfe, mit der Hilfe der ukrainischen Gesellschaft, begreift, was in der Ukraine und in der Welt tatsächlich geschieht, und keine Entscheidungen trifft, die nicht von der Realität bestimmt werden, sondern von seiner persönlichen Vorstellung davon, wie diese Realität aussieht. Denn in Wirklichkeit wird die Initiative bei demjenigen liegen, der in der realen Welt lebt, und nicht bei denen, die sich ihre eigene Realität erschaffen, damit sie ihnen gefällt und ihren Vorstellungen von Macht und Politik entspricht.

Es scheint, dass das Treffen des Direktors des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation mit dem Direktor der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten zu einer weiteren hervorragenden Illustration dessen geworden ist, was geschieht, wenn Menschen versuchen, die Realität nicht durch konkrete Entscheidungen zu verändern, sondern aus der Perspektive, wie sie ihren eigenen Präsidenten gefallen und Perspektiven aufzeigen können, die sich ohnehin nicht in jener Welt verwirklichen lassen, die vor ihren Augen existiert – sondern nur in den Köpfen von Trump oder Putin.


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Titel des Originals: Саміт Трампа, Зеленського і Путіна: чи є перспектива | Віталій Портников. 30.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 30.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Hysterie der Fanatiker: In Russland wird wieder mit der „Atombombe“ gedroht | Vitaly Portnikov. 30.08.2026.

Der Abgeordnete der Staatsduma der Russischen Föderation und Vorsitzende der faschistischen Partei Rodina, Alexej Schurawljow, hat den Kreml dazu aufgerufen, im Krieg gegen die Ukraine taktische Atomwaffen einzusetzen.

Der russische Abgeordnete betonte, der Einsatz solcher Waffen sei eine Pflicht der Russischen Föderation, und führte als positives Beispiel die japanisch-amerikanischen Beziehungen an: Japan sei nach den Atombombenabwürfen zu einem treuen Verbündeten der Vereinigten Staaten geworden. Den Ukrainern warf Schurawljow dagegen vor, undankbar für all das zu sein, was die Russen während der Existenz der unheilvollen Sowjetunion für sie getan hätten.

Wie wir also sehen, werden die Einschüchterung der ukrainischen Zivilbevölkerung und die Drohung mit Atomschlägen zu einem wichtigen Bestandteil des russischen Wahlkampfs. Ich möchte Sie daran erinnern, dass diese Leute gerade Wahlen haben und mit ihren menschenverachtenden, kannibalistischen Äußerungen versuchen, nicht nur die Aufmerksamkeit ihrer Kuratoren im Kreml, sondern auch die potenzieller Wähler auf sich zu ziehen.

Gestern rief der Abgeordnete der Staatsduma der Russischen Föderation und sogar Vizepräsident der Staatsduma von der Partei Einiges Russland, Pjotr Tolstoi, zu Angriffen auf die Zivilbevölkerung auf, um die Ukrainer einzuschüchtern und sie zur Kapitulation vor Russland zu zwingen. Er betonte, auf dem Territorium der Ukraine gebe es keine Unschuldigen mehr. Angriffe der russischen Armee auf Zivilisten und Wohnviertel seien somit aus der Sicht der Fortsetzung des Krieges völlig richtige Maßnahmen.

Nun aber spricht der Abgeordnete einer anderen russischen politischen Partei, Schurawljow, der in der Staatsduma Gerechtes Russland vertritt, davon, dass taktische Atomwaffen eingesetzt werden müssten und dass auch dies ein logischer Schritt zur Fortsetzung des Krieges sein müsse.

Und hier stellt sich eine durchaus naheliegende Frage: Was geschieht eigentlich mit der russischen Gesellschaft, wenn Kandidaten für die Staatsduma der Russischen Föderation hoffen, ihren Wählern zu gefallen, indem sie menschenverachtende, kannibalistische Parolen verkünden, zum Einsatz von Atomwaffen aufrufen und vorschlagen, die Zivilbevölkerung von Kyiv und anderen ukrainischen Städten anzugreifen – und wenn all das beim Wähler gut ankommen soll?

Was ist also mit diesem Wähler los und was übrigens mit den russischen Oppositionellen? Ich möchte daran erinnern, dass einige von ihnen die absurde Parole von Julia Nawalnaja unterstützt haben, für jeden beliebigen Kandidaten zu stimmen, solange er kein Vertreter von Einiges Russland ist. Was bedeutet das also? Dass man, wenn man oppositionell eingestellt ist, in Russland nun für einen solchen Kannibalen wie Schurawljow stimmen soll, der vorschlägt, die Ukrainer mit taktischen Atomwaffen anzugreifen?

Aber das ist wohl eher eine rhetorische Frage. Wir haben uns bereits davon überzeugen können, dass viele Vertreter der russischen Opposition im Ausland die Realität, in der sich ihr eigener Staat befindet, schlicht nicht begreifen. Vielleicht wollen sie auf diese Weise aber auch potenziellen Wählern gefallen, indem sie Kandidaten unterstützen, die zwar formal nicht die Partei der Macht vertreten, im Grunde aber in den Medien all die schrecklichen Narrative Putins wiederholen.

Natürlich verstehen wir sehr gut, dass all diese kannibalistischen Äußerungen, die sowohl Putin als auch der Präsidialverwaltung der Russischen Föderation gefallen sollen, zugleich eine Demonstration der Verzweiflung sind. Russlands Krieg gegen die Ukraine dauert seit viereinhalb Jahren an. Inzwischen ist er auch auf das Territorium der Russischen Föderation gekommen und verursacht ernsthafte Probleme für das Funktionieren der Wirtschaft des feindlichen Staates und für das Leben jedes einzelnen Bürgers, der bei den Wahlen zur Staatsduma für die nächsten vom Kreml aufgestellten Gauner stimmen wird.

Und die Menschen, die die russische Staatsmacht vertreten, bieten ihrer Gesellschaft keinen Frieden an. Statt ehrlich zu sagen, dass der Angriff der Russischen Föderation auf die Ukraine 2014 und später 2022 ein nationales Verbrechen, eine Schande für die Russische Föderation und eine Schande für jeden ihrer Bürger war, der sich seiner Verantwortung für das Handeln des eigenen Staates bewusst ist, schlägt ein solcher Pseudopolitiker vor, den Krieg fortzusetzen, die Eskalation zu verschärfen und die Zivilbevölkerung niederzumachen.

Für die Ukrainer sollte dies ebenfalls ein ziemlich wichtiges Signal sein, vielleicht sogar ein noch bedeutenderes als für die Bürger der Russischen Föderation. Denn wir sehen, mit wem wir es tatsächlich zu tun haben, wenn wir Vorschläge hören, sich mit Putin oder mit der russischen Führung als solcher zu verständigen, wenn wir zu glauben beginnen, dass wir einfach nicht genügend diplomatische Anstrengungen unternehmen, um den Russen das anzubieten, was sie brauchen, damit sie uns endlich in Ruhe lassen.

Nach solchen Äußerungen von Schurawljow und Tolstoi müssen wir begreifen, dass sie sich mit niemandem verständigen wollen, sondern nur töten wollen, dass sie zu jedem Verbrechen bereit sind, nur um ihre vermeintliche Größe unter Beweis zu stellen. Dass sie sich nicht selbst als Verbrecher, Mörder, Vergewaltiger und Menschenfresser betrachten, sondern die Ukrainer für undankbar halten – undankbar für all das, was sie Ukraine angetan haben und was sie mithilfe von Atomwaffen noch zu tun versuchen werden.

Diese unglaubliche Schande und diese unglaubliche Katastrophe des russischen politischen und gesellschaftlichen Denkens müssen uns noch einmal daran erinnern, dass die Ukraine, um zu überleben und ihre Bürger zu schützen, diesen schwarzen Ansturm zurückschlagen und diesen schrecklichen Menschen die Möglichkeit nehmen muss, ihre Absichten in die Tat umzusetzen: mithilfe der ukrainischen Armee, die diese Menschenfresser aufhält, mithilfe der internationalen Gemeinschaft, die ihren Druck auf Russland bis hin zur endgültigen Zerstörung der Möglichkeiten der russischen Wirtschaft verstärken muss, und mithilfe unseres eigenen gesunden Menschenverstands, der nach solchen Äußerungen erneut aktiviert werden muss.

Wir müssen uns noch einmal darüber klar werden, dass man mit einem Wahnsinnigen nicht verhandeln kann, damit er einen nicht umbringt, und dass dies für ihn das grundlegende Handlungsmuster und die Grundlage seiner Vorstellung davon ist, wie man sich in diesem Leben verhalten sollte. Und wie wir sehen, gibt es keine rote Linie, die die Russen in ihrem Kampf für die Wiederherstellung ihres eigenen Pseudoimperiums und für die Zerstörung der ukrainischen Staatlichkeit und der ukrainischen Identität nicht zu überschreiten bereit wären.

Die Aufrufe des Vorsitzenden einer faschistischen Partei, der weiterhin in der Staatsduma sitzt und natürlich hofft, auf Beschluss des Kremls wieder dorthin gewählt zu werden, sind ein weiterer offensichtlicher Beleg für diese Haltung des heutigen Russlands gegenüber der Ukraine, der zivilisierten Welt und dem menschlichen Leben selbst.


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Titel des Originals: Істерика маніяків: у Росії знову погрожують «ядеркою»| Віталій Портников. 30.08.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 30.08.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Putin hat Angst vor Orcas | Vitaly Portnikov. 29.08.2026.

Putins jüngster Auftritt vor russischen Lehrern wurde unerwartet zu einer echten Sensation, weil er den psychischen und psychologischen Zustand eines Menschen offenbarte, der täglich den Befehl erteilt, die Ukraine zu bombardieren, unsere Landsleute zu töten und Wohnviertel zu zerstören. Eines Menschen, der sich darauf vorbereitet, nicht mehr nur gegen die Ukraine, sondern auch gegen unsere europäischen Nachbarn Krieg zu führen, der die Europäische Union und die NATO zerstören will und gegen die zivilisierte Welt kämpft.

Und was will dieser Mensch, dass die Lehrer den russischen Kindern erzählen? Was gibt er als Erklärung für die Ursachen des blutigen Krieges Russlands gegen die Ukraine aus?

Es stellt sich heraus, dass in der Arktis Orcas über Bären herfallen und sie fressen. Dem Bären bleibe also gar keine andere Möglichkeit, als sich gegen einen solchen Angriff zu verteidigen. Eine recht einfache und wirkungsvolle Erklärung für die russische Aggression gegen unser Land.

Nur fressen in Wirklichkeit keine Orcas irgendwelche Bären. Putin hat sich das ausgedacht. Oder es ist einfach Teil seiner mangelhaften Bildung. Denn wir sind schon mehrfach mit Situationen konfrontiert worden, die gezeigt haben, dass der amtierende russische Präsident nicht nur in Wirklichkeit nicht an der juristischen Fakultät der Petersburger Universität studiert hat, die er formal abgeschlossen hat, sondern auch in der Schule Informationen offenbar nicht besonders ernst genommen hat.

Darüber gibt es auch die Erinnerungen seiner Lehrerin, die wohl eher mit dem Ziel geschrieben wurden, zu zeigen, was für ein wunderbares Kind der kleine Wolodja Putin gewesen sei, in Wirklichkeit aber zeigten, wie ungebildet der künftige russische Präsident schon als Kind war. Dass Putin keine Ahnung von Zoologie hat, haben wir also gesehen.

Wir haben auch gesehen, dass er versucht, die politische Realität zu verfälschen. Denn den Bären hat niemand angegriffen, keine Orcas. Die Ukraine hatte niemals den Wunsch, einen Krieg mit der Russischen Föderation zu beginnen.

Mehr noch: Putin war noch vor der Annexion der Krim und dem Beginn des nicht erklärten Krieges im Donbas der beliebteste Politiker bei der Mehrheit der Ukrainer. Die Ukraine war ein blockfreier Staat. Die europäischen Länder wünschten eine fruchtbare wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation. 

Es wurden Gaspipelines gebaut, die Gazprom, damals der wichtigsten Geldquelle Putins persönlich und seiner gesamten Bande, über Jahrzehnte hinweg enorme Einnahmen sichern sollten. Länder wie Deutschland waren der Ansicht, dass gerade eine solche Zusammenarbeit mit Russland das Land von jeglichen aggressiven Absichten abhalten und zusätzliche Impulse für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft schaffen würde.

Und dann entschied Putin, dass ihm all das nicht genügte, dass er Krieg führen müsse, um sein Land wieder in das alte sowjetische Imperium zu verwandeln. Nein, das war nicht die Antwort eines Bären auf Orcas. Es war der Wunsch, alles ringsum zu zerstören und dies mit einer erfundenen Aggression zu rechtfertigen.

Und wie wir wissen, versuchen russische Propagandisten übrigens bis heute davon zu überzeugen, dass die Ukraine selbst im März die Russische Föderation angegriffen hätte, wenn Russland seine Kriegshandlungen gegen die Ukraine nicht im Februar 2022 begonnen hätte.

Das erinnert mich sehr an die Rechtfertigung der sowjetischen Aggression gegen Afghanistan, als sowjetische Truppen – übrigens auf Ersuchen der damaligen afghanischen Führung – in dieses Land einmarschierten, den moskautreuen afghanischen Machthaber Hafizullah Amin töteten und einen blutigen, ein Jahrzehnt dauernden Krieg gegen das afghanische Volk begannen.

Auch die sowjetischen Propagandisten erklärten ihren Landsleuten, wenn dieser Angriff der Sowjetunion nicht stattgefunden hätte, hätten am nächsten Tag die Amerikaner Afghanistan angegriffen. Dabei dachten die Amerikaner damals nicht einmal daran, sich in die politischen Ereignisse in einem Land einzumischen, das seit Langem Partner der Sowjetunion war – sowohl unter jenen Machthabern, auf deren Ersuchen die Sowjetunion ihre Truppen nach Afghanistan entsandte, als auch zu Zeiten des Königreichs Afghanistan, als die sowjetische Invasion noch Jahrzehnte entfernt war und bereits jahrzehntelange bilaterale Beziehungen bestanden.

Und mit der Ukraine ist es praktisch dieselbe Geschichte. Es gab keinerlei Gründe für die russische Aggression. Heute wird Russland angeboten, seinen blutigen Krieg gegen die Ukraine zu beenden – jetzt, da bereits die russische Wirtschaft unter diesem Krieg leidet, da ukrainische Angriffe die russische Ölverarbeitung zerstören und die Möglichkeiten russischer Unternehmen einschränken und da mit jedem weiteren ukrainischen Angriff – deren Zahl nur zunehmen wird – auch die Zahl der Arbeitslosen in Russland steigen und die Zahl derjenigen sinken wird, die sich in ihrem eigenen Land noch eine Zukunft aufbauen können.

Anstatt den Russen zu erklären, wozu er all das in Wirklichkeit tut und warum er damit weitermacht, obwohl er selbst aus der Sicht einer rein formalen politischen Logik für einen Waffenstillstand sorgen müsste, erzählt Putin von Orcas und Eisbären. Das ist tatsächlich der Zustand, in dem er sich seit einigen Jahren befindet.

Ein Mensch, der nur deshalb zufällig Präsident der Russischen Föderation wurde, weil man in der Familie seines Vorgängers Boris Jelzin glaubte, Putin könne den Mitgliedern dieser Familie Garantien für ihre finanzielle und persönliche Sicherheit geben. Ein Mensch, der sich niemals auf eine wirkliche politische Karriere vorbereitet hatte. Ein Mensch, der während seiner Tätigkeit in hohen Ämtern vor seiner Präsidentschaft versuchte, die Interessen des Föderalen Sicherheitsdienstes seines Landes umzusetzen, und bis heute glaubt, er befinde sich als Präsident lediglich auf einer Dienstreise. Putin wirkt nicht wie jemand, der die Folgen seines Handelns tatsächlich begreift. Doch die grenzenlose Macht über 26 Jahre hinweg hat aus ihm tatsächlich ein wahres politisches Monster gemacht, das überhaupt nicht mehr daran denkt, dass es Menschen gibt – mit ihrem Leben, ihren Interessen und ihren Zukunftsperspektiven.

Putins gesamte Aufgabe konzentriert sich inzwischen darauf, aus den neuen Generationen von Russen seelenlose Roboter zu machen. Roboter, die bereit sind, auch weiterhin zu töten, zu plündern, zu bombardieren, zu vergewaltigen und all das zu tun, was 2022 in Butscha getan wurde. Das zu wiederholen, was 2026 in Butscha getan wurde, Tötungsinstrumente zu sein, die jederzeit eingesetzt werden können.

Und damit diese Kinder an Putins Wahnvorstellungen glauben, werden Mythen erfunden, die weder mit Politik noch mit Zoologie irgendetwas zu tun haben. Mythen, die es erlauben, sich über Putin und seine Kompetenz lustig zu machen, doch dem Präsidenten der Russischen Föderation selbst scheint es völlig gleichgültig zu sein, wie man seine jüngsten Äußerungen aufnimmt.

Denn die Teilnehmer der Begegnung reagierten überhaupt nicht auf diese Rede ihres Präsidenten. Keiner der Lehrer, die sich in dem Saal befanden, in dem Putin sprach, nicht einmal der Teilnehmer der Arktisexpedition selbst, wagte es, den Machthaber der Russischen Föderation in irgendeiner Weise zu korrigieren und ihm zu erklären, dass man Biologie und Zoologie lernen muss, dass der Bär keine Orcas zu fürchten braucht und dass ihm in seinem natürlichen Lebensraum in Wirklichkeit nichts droht, dass vielmehr nur er selbst faktisch eine Bedrohung für seine Umwelt darstellt.

Aber natürlich würde jeder, der Putin diese einfache Wahrheit über den Eisbären erklären wollte, sofort zum Feind des russischen Präsidenten, zum „ausländischen Agenten“, zu einem Menschen, der seine Tage im Hohen Norden beenden soll, irgendwo in den zahlreichen Strafkolonien, die das russische Regime errichtet, um gegen Andersdenkende vorzugehen.

Doch über Putins Psyche und seinen Zustand wissen wir jetzt wesentlich mehr als vor dieser Begegnung mit den Lehrern.


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Titel des Originals: Путін злякався косаток| Віталій Портников. 29.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.08.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Angriff auf Leipzig: Deutschland bereitet einen Schlag gegen Russland vor | Vitaly Portnikov. 29.08.2026.

Schon in nächster Zeit bereitet sich Bundeskanzler Friedrich Merz darauf vor, Russland zu beschuldigen, den Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig organisiert zu haben, und die Einführung neuer ernsthafter Maßnahmen gegen die Russische Föderation anzukündigen – sowohl im Hinblick auf wirtschaftlichen Druck als möglicherweise auch auf eine Verstärkung der Militärhilfe für die Ukraine. Die Maßnahmen könnten so weitreichend sein, dass deutschen Medien zufolge im Bundeskanzleramt bereits von einer neuen grundlegenden Wende in der deutschen Außenpolitik die Rede ist.

Die erste derartige grundlegende Wende fand 2022 statt, als Friedrich Merz’ Vorgänger im Amt des Bundeskanzlers, Olaf Scholz, vor dem Hintergrund des unprovozierten Angriffs des Putin-Regimes auf die benachbarte Ukraine eine erhebliche Veränderung der deutschen Außenpolitik gegenüber Russland ankündigte. Damals begriff man in Berlin, dass man sich von der Politik der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation verabschieden müsse, dass sich die Vorstellung als falsch erwiesen hatte, eine solche wirtschaftliche Zusammenarbeit könne Wladimir Putin von aggressiven Handlungen gegenüber den Nachbarstaaten abhalten, und dass Expansion, Aggression und Verbrechen für das russische Regime eine weitaus attraktivere Handlungsstrategie darstellen als Geschäfte und die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage im eigenen Land.

Seitdem wird die Militärhilfe für die Ukraine ausgeweitet, während die Wirtschaftssanktionen der Europäischen Union gegen die Russische Föderation sowohl von Bundeskanzler Olaf Scholz als auch von seinem Nachfolger Friedrich Merz energisch unterstützt werden. Doch diesmal können wir davon sprechen, dass Russland zu direkten militärischen Aktionen gegen europäische Länder übergegangen ist. Es ist völlig offensichtlich, dass das Auftauchen von Drohnen am Flughafen Leipzig lediglich der Vorbereitung neuer groß angelegter Angriffe gegen europäische Staaten dient. Und die Drohnen tauchen nicht ausschließlich deshalb auf, um jemanden einzuschüchtern, sondern um herauszufinden, wie realistisch es ist, militärische Objekte zu treffen – insbesondere solche Objekte, die der Unterstützung der Ukraine in ihrem Kampf gegen die russische Aggression dienen.

Man kann also sagen, dass Berlin gezwungen ist, gegenüber Russland eine aktivere Haltung einzunehmen und über einen deutlich stärkeren Druck auf die russische Führung nachzudenken. Mögliche neue deutsche Maßnahmen sollen mit der Vorbereitung eines weiteren umfangreichen Sanktionspakets der Europäischen Union gegen die Russische Föderation zusammenfallen. Und obwohl die bisherigen Sanktionspakete keine wesentliche Veränderung der russischen Politik bewirkt und Wladimir Putin lediglich dazu veranlasst haben, über die Fortsetzung der Konfrontation mit Europa nachzudenken, besteht diesmal vor dem Hintergrund ukrainischer Angriffe auf Einrichtungen der russischen Wirtschaft die Hoffnung, dass neue Sanktionen dazu beitragen werden, die wirtschaftliche Gesamtlage Russlands zu verschlechtern und Moskau die Mittel zu entziehen, die es zur Fortsetzung seiner aggressiven Handlungen gegen die Ukraine und zur Vorbereitung einer Aggression gegen europäische Länder benötigt.

Dass eine solche Aggression tatsächlich vorbereitet werden könnte, wird auch durch die jüngste Reise des Direktors der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten, John Ratcliffe, nach Moskau deutlich. Obwohl die Administration von US-Präsident Donald Trump zu vermitteln versucht, dieser Besuch habe eher routinemäßigen Charakter gehabt, sind sich Beobachter in Europa darin einig, dass gerade Informationen über Russlands Vorbereitung eines hybriden Krieges gegen die europäischen NATO-Mitgliedstaaten den Direktor der Central Intelligence Agency dazu veranlassten, in die russische Hauptstadt zu fliegen und mit den Leitern der Geheimdienste der Russischen Föderation sowie möglicherweise mit Präsident Wladimir Putin selbst zu sprechen, der der geistige Urheber der aggressiven Politik seines terroristischen Staates gegen die zivilisierte Welt ist.

Eine Frage für sich ist, wann Friedrich Merz seine neuen Schläge gegen Russland ankündigen wird. Zumal der Bundeskanzler bereits versprochen hat, dass die Verantwortlichen für den Angriff auf den Flughafen Leipzig nicht ungestraft davonkommen werden. Der Bundeskanzler hat eine recht einfache Wahl zwischen zwei Zeitpunkten.

Schon in ein oder zwei Wochen finden Landtagswahlen in zwei ostdeutschen Bundesländern statt, in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. In beiden Ländern liegt Umfragen zufolge die rechtsextreme Partei Alternative für Deutschland an der Spitze, die für ihre Sympathien für die russische Führung und ihre faktischen Forderungen bekannt ist, die Unterstützung für die Ukraine einzustellen, um den russisch-ukrainischen Krieg möglichst schnell zu beenden.

Einzelne Vertreter dieser Partei sind für ihre Besuche in der russischen Botschaft und ihr Interesse an der nationalsozialistischen Vergangenheit des eigenen Landes bekannt – etwas, das bei deutschen Rechtsextremen ebenso wie bei der politischen Führung Russlands in der Regel miteinander einhergeht.

Daher kann man auch hier von einer Seelenverwandtschaft sprechen, wenn nicht sogar von einer Finanzierung der Alternative für Deutschland aus entsprechenden russischen Quellen. Bekanntlich haben sowohl rechtsextreme als auch linksextreme politische Bewegungen in Europa, die stets eine Verringerung des russischen Drucks auf den europäischen Kontinent durch eine Politik der Verständigung mit Moskau propagieren, immer wieder Finanzierungsquellen in Kreisen gefunden, die mit dem Kreml verbunden sind.

Und hier stellt sich eine recht einfache Frage: Wann ist eigentlich der beste Zeitpunkt, diese Maßnahmen anzukündigen? Werden sie die Position der Alternative für Deutschland bei den Landtagswahlen stärken oder im Gegenteil schwächen?

Wird der Nachweis, dass das Land, mit dem sich die Führung der Alternative für Deutschland verständigen will, in Wirklichkeit bereits Sabotageaktivitäten in Deutschland betreibt, als Beweis dafür verstanden werden, dass man mit dieser Partei besser nichts zu tun haben sollte? Oder wird dies im Gegenteil für viele ostdeutsche Wähler gerade der überzeugendste Beweis dafür sein, dass man sich mit Putin verständigen muss, solange er noch nicht jene roten Linien überschritten hat, nach deren Überschreiten eine Verständigung, schlicht gesagt, nicht mehr möglich sein wird? Und das ist bereits keine Frage der Soziologie mehr, sondern eine Frage der Intuition.

Sollte man die Anschuldigungen gegen Russland und harte Sanktionen gegen die Führung der Russischen Föderation und die Wirtschaft des terroristischen Staates als Wahlkampftrumpf für die Christlich Demokratische Union und andere politische Parteien nutzen, die Gegner der Alternative sind? Oder sollte man eine solche Erklärung besser bis nach den Wahlen zurückhalten, um die Wähler im Osten des Landes nicht noch zusätzlich zu verängstigen?

Das ist tatsächlich ein wichtiger Punkt, der die gesamte Außenpolitik beeinflusst, und zwar aus dem einfachen Grund, dass es ebenfalls eine grundlegende Wende wäre, wenn es der Alternative für Deutschland gelingen sollte, bei einer Landtagswahl die Mehrheit zu erringen und zumindest in einem deutschen Bundesland eine eigene Regierung zu bilden. Nur wäre es diesmal eine Wende in der deutschen Innenpolitik und nicht in der deutschen Außenpolitik – eine Wende möglicherweise mit unumkehrbaren Folgen.

Und an genau einer solchen Wende ist niemand anderes interessiert als der russische Präsident Wladimir Putin. Ich halte es sogar für möglich, dass bereits der Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig auf eine Destabilisierung im Vorfeld der Wahlen abzielte – darauf, dass die Führung der Alternative für Deutschland ihren Wählern einen greifbaren Beweis dafür liefern kann, dass man Putin besser nicht verärgert und dass man sich mit dem russischen Diktator besser verständigt, bevor die Drohnen tatsächlich beginnen, auf deutschen Flughäfen und überhaupt in deutschen Städten zu explodieren.

Und herauszufinden, inwieweit die Bürger Deutschlands bereit sind, die Tatsache einer unvermeidlichen Konfrontation mit Putins Russland zu akzeptieren, oder ob sie vielmehr jenen Politikern den Vorzug geben werden, die versprechen, sich mit Putin zu verständigen und die Bedrohungen abzuwenden – all das ist tatsächlich eine ziemlich schwierige Frage für den Bundeskanzler und für die gesamte politische Klasse Deutschlands. Dennoch ist klar, dass eine grundlegende Wende sowohl in der deutschen Außenpolitik als wahrscheinlich auch in der innenpolitischen Landschaft Deutschlands unvermeidlich ist.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Атака на Лейпциг: Германия готовит удар по России | Виталий Портников. 29.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.08.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Siehst du, Bruder mein/ Видиш, брате мій

Siehst du, Bruder mein,
mein Gefährte treu,
wie die Kraniche als graues
Band ziehn in die Fern’.

Refrain:
Rufen: „Kru! Kru! Kru!“
In der Fremde sterb ich früh.
Eh das weite Meer ich quere,
reib die Flügel wund,
reib die Flügel wund.

Vor den Augen bebt
endlos weit der Weg,
schwindet, schwindet in den blauen
Wolken ihre Spur hinweg.

Refrain:
Rufen: „Kru! Kru! Kru!“
In der Fremde sterb ich früh.
Eh das weite Meer ich quere,
reib die Flügel wund,
reib die Flügel wund.

1912


Видиш, брате мій,
Товаришу мій,
Відлітають сірим шнуром
Журавлі у вирій.

Приспів:
Кличуть: кру! кру! кру!
В чужині умру,
Заки море перелечу,
Крилонька зітру,
Крилонька зітру.

Мерехтить в очах
Безконечний шлях,
Гине, гине в синіх хмарах
Слід по журавлях.

Приспів:
Кличуть: кру! кру! кру!
В чужині умру,
Заки море перелечу,
Крилонька зітру,
Крилонька зітру.

1912


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Art der Quelle: Lied
Titel des Originals: Видиш, брате мій
Autoren: Text: Bohdan Lepky
Musik: Lewko Lepky

Entstehung: 1912
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Lied-Sammlung
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Deutsche Übersetzung von KI und Viktoriya Limbach,
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Trinket, Brüder, trinket aus (Historischer Festgesang aus dem 17. Jahrhundert)/  Пийте, браття, попийте (Старовинний банкетний кант, ХVIIст.)

Trinket, Brüder, trinket aus,
Schüttet nichts zur Erd hinaus! | (2)

Trinkt euch alle froh und frei,
Dass kein Starrsinn bei euch sei.
Freut euch, tanzt und singet heut,
Einer sei des andern Freud!

Trinket, Brüder, trinket aus,
Schüttet nichts zur Erd hinaus! | (2)

Lasst uns keinen Kummer tragen,
Lasst nach frischem Biere fragen! | (2)

Haben tüchtig wir getrunken,
Ziehn wir heim, gar wohl betrunken.
Mag der Schädel morgen dröhnen,
Wird das Bett uns schön verwöhnen.

Trinket, Brüder, trinket aus,
Schüttet nichts zur Erd hinaus! | (2)

Wenn vom Rausch wir auferstehen,
Wieder nach den Gläsern sehen, | (2)

Nehmen wieder’s Glas zur Hand,
Trinken auf ein langes Leben:

Viele Jahre, viele Jahre,
Viele Jahre lang!

Viele, viele, viele Jahre,
Viele, viele lang!

Schenk uns, o Herr,
Gib uns, o Herr,
Viele Jahre lang!

Trinket, Brüder, trinket aus,
Schüttet nichts zur Erd hinaus! | (2)

Ist das dritte Glas geleert,
Rufen wir, dass jeder’s hört:

Viele Jahre, viele Jahre,
Viele Jahre lang!

Viele, viele, viele Jahre,
Viele, viele lang!

Пийте, браття, попийте,
А на землю не лийте. | (2)

Напийтеся всі п'яні,
Не будете упрямі,
Веселітесь, пляшіте,
Друг друга потішіте.

Пийте, браття, попийте,
А на землю не лийте. | (2)

Ні о чім нам тужити,
Пива велим налити. | (2)

Отпивши як гораздо,
Пойдем потом всі разно,
Болить голова больно,
В постелі лежать вольно.

Пийте, браття, попийте,
А на землю не лийте. | (2)

З похмілля як воставши,
Ті ж чарки в руки взявши, | (2)

Другую ту як вип'єм,
Всі "многа літа" крикнем!

Многая літа, многая літа,
Многая літа!

Многая, многая, многая,
Многая, многая літа!

Сотвори, Господи,
Даруй нам, Господи,
Многая літа!

Пийте, браття, попийте,
А на землю не лийте. | (2)

І третю ту як вип'єм,
Всі "многа літа" крикнем!

Многая літа, многая літа,
Многая літа!

Многая, многая, многая,
Многая, многая літа!

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Art der Quelle: Lied
Titel des Originals: Пийте, браття, попийте (Старовинний банкетний кант, ХVIIст.)
Autor: unbekannt
Entstehung: 17 Jahrhundert
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Lied-Sammlung
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