Putin schlägt Verhandlungen vor | Vitaly Portnikov. 18.05.2026.

Der Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation, Dmitri Peskow, betonte, dass der Kreml an der Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen mit der Ukraine interessiert sei und dabei auf die Unterstützung der Vereinigten Staaten setze.

Ich erinnere daran, dass russische Funktionäre, darunter der außenpolitische Berater des Präsidenten der Russischen Föderation Juri Uschakow sowie der Leiter des russischen Außenministeriums Sergej Lawrow, zuvor erklärt hatten, dass die Russische Föderation weitere Verhandlungen mit der Ukraine ablehne, solange die ukrainischen Streitkräfte nicht aus dem Gebiet der Region Donezk abgezogen würden. Auch der russische Präsident Wladimir Putin hatte betont, dass die Kampfhandlungen an der russisch-ukrainischen Front jederzeit beendet werden könnten, wenn der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die notwendigen Entscheidungen treffe, von denen er wisse. Und man konnte mit Sicherheit sagen, dass die Führung der Russischen Föderation entschieden hatte, dass sie den Friedensprozess nicht länger benötige.

Warum also spricht man jetzt im Kreml plötzlich wieder von einer Wiederaufnahme dieses Friedensprozesses? Offensichtlich gibt es dafür gleich mehrere Gründe.

Der erste davon: In der russischen Hauptstadt könnte man erkannt haben, dass man ohne den Friedensprozess kaum auf irgendein Einvernehmen mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hoffen kann. Vielleicht konnte Putin noch vor einigen Wochen glauben, dass die Fortsetzung des Krieges im Nahen Osten ihm ein Einvernehmen mit dem amerikanischen Präsidenten garantiere. Doch heute sieht das nicht mehr so aus. Zumindest beabsichtigen die Vereinigten Staaten nicht einmal, die Lizenz für den Verkauf russischen Öls zu verlängern, von der während der Krise rund um den Iran bereits Länder wie die Volksrepublik China, Indien und andere Staaten des globalen Südens profitiert haben. So kann bereits die bloße Rückkehr zum Friedensprozess im Kreml heute als zusätzliche Option zur Fortsetzung des russisch-amerikanischen Dialogs betrachtet werden.

Zweitens bereitet sich Putin auf einen Besuch in der Volksrepublik China vor. Dieser Besuch war bereits zuvor angekündigt worden. Schon vor der Ankunft des amerikanischen Präsidenten in Peking war bekannt, dass der russische Präsident die chinesische Hauptstadt besuchen und unmittelbar nach Trumps Abreise aus China Gespräche mit dem Vorsitzenden der Volksrepublik China und Generalsekretär der dortigen Kommunistischen Partei, Xi Jinping, führen würde.

Doch nach dem Besuch des amerikanischen Präsidenten betonte der Außenminister der Volksrepublik China, Wang Yi, dass China an einem Ende des russisch-ukrainischen Krieges interessiert sei und daran, dass Russland und die Ukraine an den Verhandlungstisch zurückkehren. Somit kann die Erklärung des Pressesprechers des Präsidenten der Russischen Föderation auch eine Antwort auf diese chinesische Erklärung sein, die mit den Ergebnissen der Gespräche zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Vorsitzenden der Volksrepublik China zusammenhängt.

Putin und Xi Jinping können nun während ihrer Gespräche in Peking ebenfalls die Notwendigkeit einer Fortsetzung der russisch-ukrainischen Friedensverhandlungen feststellen – so, als hätte es die Weigerung der Russischen Föderation, an diesen Verhandlungen teilzunehmen, solange die ukrainischen Truppen nicht aus dem Donezker Gebiet abgezogen werden, nie gegeben.

Ein weiterer Punkt, der Putin zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch bewegen könnte, sind die Angriffe der ukrainischen Streitkräfte auf die russische Infrastruktur. Das ist tatsächlich eine ernsthafte Belastungsprobe sowohl für den Ölraffinerie- als auch für den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation. Es entzieht Russland einen großen Teil seiner Energieeinnahmen und stellt zudem die Frage, ob der Krieg gegen die Ukraine weiterhin in dem vom Kreml geplanten Tempo fortgeführt werden kann.

In jedem Fall ist offensichtlich, dass Verhandlungen auch mit der Suche Russlands nach Wegen zu einem teilweisen Waffenstillstand verbunden sein könnten – insbesondere wenn es um den militärisch-industriellen Komplex und Energieanlagen der Russischen Föderation geht. Allerdings stellt sich die Frage, inwieweit Russland bereit ist, für die Sicherheit solcher Objekte mit der Sicherheit des ukrainischen Energiesystems zu bezahlen.

Die Einsätze sind inzwischen sehr hoch geworden – schon deshalb, weil das Auftauchen ukrainischer Drohnen am Himmel über der Moskauer Region und über der russischen Hauptstadt selbst für den russischen Präsidenten eine unangenehme Überraschung darstellt. Denn wie jeder Machthaber in Moskau sorgt auch er sich in erster Linie um die Stabilität der russischen Hauptstadt, darum, dass der Krieg nicht gerade in die Wohnungen der Moskauer kommt. Und die Bilder brennender Gebäude in der russischen Hauptstadt, die sich derzeit in den sozialen Netzwerken verbreiten, sind auch eine ernste Warnung für die Bewohner des übrigen Russlands, die sich daran gewöhnt haben zu glauben: Wenn es nicht einmal in Moskau Sicherheit gibt, worauf sollen dann die Bewohner der Provinzstädte hoffen, um die sich die Macht gewöhnlich weit weniger kümmert?

Gleichzeitig würde ich jedoch keine allzu großen Hoffnungen auf das Ergebnis solcher Verhandlungen setzen, selbst wenn man sich vorstellt, dass sie tatsächlich beginnen. Denn bislang haben wir gesehen, dass der Verhandlungsprozess keinerlei ernsthafte Ergebnisse brachte und dass der Präsident der Russischen Föderation ihn vor allem dazu nutzte, Zeit zu gewinnen.

Jetzt könnte Putin sich an der schwierigen Lage orientieren, in die Donald Trump durch die Krise im Nahen Osten geraten ist, und darüber nachdenken, wie diese Krise für die außenpolitischen Positionen und Möglichkeiten der Vereinigten Staaten enden wird. Außerdem warten jetzt nicht nur Putin, sondern praktisch alle Akteure auf der politischen Bühne auf die weitere Entwicklung rund um die amerikanischen Zwischenwahlen. Denn alle verstehen sehr gut: Sollten die Republikaner das Repräsentantenhaus und vielleicht sogar den Senat verlieren, wird der amerikanische Präsident nicht mehr die realen Möglichkeiten haben, jene Außenpolitik vollständig umzusetzen, auf die Donald Trump nach seiner Rückkehr ins Oval Office gesetzt hatte. Stattdessen wird er sich mit einer ganzen Reihe innenpolitischer Probleme beschäftigen müssen, die bereits mit der Vorbereitung der Präsidentschaftswahlen des – übrigens gar nicht mehr so fernen – Jahres 2028 zusammenhängen.

Und hier ist es wichtig zu verstehen, was während jener Verhandlungen geschehen wird, falls sie tatsächlich beginnen sollten, und die bis zum Herbst 2026 andauern dürften. Denn theoretisch könnte Trump gerade bis zu den Zwischenwahlen reale Ergebnisse bei der Beendigung des russischen Krieges gegen die Ukraine erzielen wollen, um deren Ende den Wählern, die sich für amerikanische Außenpolitik interessieren und die Ukraine in ihrem Krieg gegen die Russische Föderation unterstützen, als seinen tatsächlichen außenpolitischen Triumph zu präsentieren – auch wenn dies keineswegs das wichtigste Thema der amerikanischen Zwischenwahlen ist.

Man kann also davon ausgehen, dass gerade die Verhandlungen der kommenden Monate entscheidend sein könnten.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін пропонує перемовини | Віталій Портников. 18.05.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 18.05.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Kommentar verfassen