Die Falle der Verhandlungen mit Putin | Vitaly Portnikov @EspresoTv. 22.09.2026.

Kateryna Nekretscha. Mein Name ist Kateryna Nekretscha, und Sie sehen „Die Blackbox“. Das ist unser Projekt, in dem wir die Mechanismen von Ereignissen untersuchen, politische Entscheidungen und historische Prozesse analysieren und zu verstehen versuchen, wohin sie führen werden. Und all das können wir nicht ohne Vitaly Portnikov tun, der uns zugeschaltet ist.

Heute werden wir also über die Kunst des Verhandelns sprechen. Können Verhandlungen einen Krieg beenden? Gab es dafür Beispiele in der Geschichte? Gab es in der Geschichte umgekehrt Beispiele dafür, dass gescheiterte Verhandlungen die Situation verschlimmerten? Und in diesem ganzen Strudel von Fragen möchte man natürlich auch versuchen, eine Antwort auf die Frage zu bekommen: Wie könnte der russisch-ukrainische Krieg enden?

Zunächst möchte ich Sie fragen: Können Verhandlungen als Prozess, als ein solcher diplomatischer und politischer Prozess, Ihrer Meinung nach überhaupt zum Ende eines Krieges führen? Kann infolge von Verhandlungen Frieden eintreten?

Portnikov. Natürlich kann infolge beliebiger Verhandlungen Frieden eintreten. Nur muss dafür auf beiden Seiten der Wille zum Frieden vorhanden sein. Im Grunde geht es ja nicht um die Verhandlungen als solche, sondern darum, dass beide Seiten Frieden anstreben, dass sie ein Ende des Krieges erreichen wollen.

Wenn Länder, die Krieg führen, ein Ende des Krieges wollen, leiten sie einen Verhandlungsprozess ein, um zu verstehen, unter welchen Bedingungen Frieden erreicht werden kann. Und übrigens hat der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump vollkommen recht, wenn er ständig wiederholt, dass zum Tango zwei gehören. Das heißt, die Ukraine, die Opfer einer ungerechtfertigten Aggression geworden ist, muss ein Ende des Krieges wollen. Aber auch Russland muss ein Ende des Krieges wollen, das seinerseits, wie Sie sehen, alles Mögliche tut, damit der Krieg weitergeht.

Und nur wenn sowohl in Moskau als auch in Kyiv ein Ende der Kampfhandlungen angestrebt wird, kann man darauf hoffen, dass der Krieg tatsächlich endet. Wenn aber eine Seite den Krieg fortsetzen und die andere ihn beenden will, dann sind natürlich alle Verhandlungen, selbst wenn sie stattfinden, ausschließlich, wenn Sie so wollen, eine Imitation des Prozesses. Darüber muss man sprechen, wenn wir jetzt die jüngsten Ereignisse diskutieren.

Denn jedes Mal, wenn ein Verhandlungsprozess beginnt, sehen wir sofort, wie die Hoffnungen der ukrainischen Gesellschaft wachsen. „Sehen Sie, wenn Putin beschlossen hat, sich mit den amerikanischen Vermittlern zu treffen, wenn er wieder mit ihnen spricht, dann gibt es also Hoffnung auf ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges.“

Ich aber glaube, dass Putin seine eigenen Wünsche und seine eigenen Aufgaben haben kann, die mit dem Ende des Krieges verbunden sind. Und er muss Treffen mit den Amerikanern keineswegs für eine unabdingbare Voraussetzung echter Verhandlungen, für eine unabdingbare Voraussetzung eines tatsächlichen Kriegsendes halten. Im Gegenteil, er kann den Verhandlungsprozess als Instrument, wenn Sie so wollen, für seine Beziehungen zum Präsidenten der Vereinigten Staaten nutzen.

Das heißt, Trump braucht Verhandlungen, und Putin braucht Trump. Und wenn er darüber nachdenkt, wie er mit dem amerikanischen Präsidenten eine gemeinsame Sprache finden kann, dann geht er seinerseits davon aus, dass er, wenn Trump einen Friedensprozess braucht, diesen eben imitieren wird. Genau damit haben wir es jetzt zu tun.

Kateryna Nekretscha. Als ich mich auf unser Gespräch vorbereitet habe, habe ich mit einem Vertreter der Ukraine aus der ukrainischen Delegation gesprochen, der all diese Jahre seit Beginn der großangelegten Invasion an diesen Vorbereitungen, an diesen Verhandlungen beteiligt ist. Und mich interessierte einfach, wie sich dieser Moment verändert hat, nachdem Trump Präsident geworden war. Und wie mir erzählt wurde, musste man den amerikanischen Partnern zunächst alles erklären: bestimmte historische Aspekte, warum für die Ukraine jedes Territorium wichtig ist, kulturelle Aspekte. Das heißt, man musste buchstäblich bei null anfangen und die eigene Position erklären, was wie geschieht. Gewissermaßen musste man den amerikanischen Partnern, den Vertretern Trumps, sogar Geschichtsunterricht geben. Sagen wir es so: Wir sind es manchmal gewohnt zu hören, dass dies eine Verzögerung des Prozesses ist, weil Trump den Anschein erwecken oder tatsächlich irgendwelche Kriege beenden muss, worüber er ständig spricht. Ist es eine notwendige Voraussetzung für Verhandlungen, wenn es Seiten gibt, denen die Ukraine sogar ihre historischen und kulturellen Aspekte erläutern, vermitteln und auf Karten erklären muss, warum wir dieses eigene Territorium nicht abgeben dürfen? Oder sind das eigentlich selbstverständliche Dinge, bei denen ein unabhängiger Staat nicht erklären müsste, warum er seine Territorien nicht teilen will?

Portnikov. Sehen Sie, in Wirklichkeit spielen wir nach den russischen Regeln. Wir geraten jetzt in genau dieselbe Falle, die Putin so geschickt aufgestellt hat. Und auch Ihr Gesprächspartner befindet sich in dieser Falle, denn es stellt sich heraus, dass wir mit den Amerikanern darüber sprechen – und damit sind auch die Amerikaner in dieser Falle –, dass es irgendwelche Territorien gibt, die uns historisch gehören.

Obwohl, wie Sie verstehen, sobald ein Gespräch über die historische Zugehörigkeit eines Territoriums beginnt, dies immer gekontert werden kann, denn ein großer Teil ukrainischer Territorien ist ein untrennbarer Bestandteil der Russischen Föderation. Ich meine ukrainische nationale Territorien. Und niemand stellt ihre Zugehörigkeit zu Russland infrage. Das ist also, würde ich sagen, kein besonders gelungenes Argument im Verhandlungsprozess, weil sich die Grenzen europäischer Länder ständig verändert haben.

Es gibt das Argument des Völkerrechts. Ich halte es für wesentlich besser. In den Grenzen, in denen uns die Russische Föderation 1991 anerkannt hat, müssen beide Staaten existieren, Russland und die Ukraine. Gibt es irgendwelche kulturellen Argumente? Wir sprechen dort die eine Sprache, sie eine andere. Obwohl auch das, wie Sie verstehen, für Russland und sogar für die Vereinigten Staaten ein unsicheres Argument ist.

Aber darum geht es gar nicht. Wir beginnen all das mit den Amerikanern so zu diskutieren, als müsste man nur zustimmen, dass die Gebiete Donezk und Luhansk vollständig unter russische Kontrolle kommen, und schon wäre der Krieg vorbei. Und wir diskutieren das eifrig mit den Amerikanern, wir diskutieren es mit unserer Gesellschaft. „Wissen Sie, wir können die Gebiete, in denen unsere Armee steht, einfach nicht kampflos abgeben. Wissen Sie, wir können auf diese Gebiete nicht verzichten und werden sie verteidigen, denn warum sollten wir sie abgeben, wenn die Russen sie nicht erobern können?“

Aber das hat mit dem Ende des Krieges überhaupt nichts zu tun. Das ist einfach unser Spiel nach Putins Drehbuch. Warum? Weil Putin uns sagt: „Wissen Sie, wenn Sie die Gebiete Donezk und Luhansk verlassen, könnten Bedingungen dafür entstehen, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine beendet wird.“ „Danach werden wir echte Verhandlungen beginnen“, sagt Putin uns. Aber er sagt nicht, dass er den Krieg beenden wird, denn wie Sie wissen, hat Russland für ein Ende des Krieges eine Million weiterer Forderungen. Demilitarisierung, Entnazifizierung, neutraler Status der Ukraine. Putin fordert vieles.

Und wenn wir anfangen, uns auf die Territorien zu konzentrieren, beginnen wir faktisch, nach dem russischen politischen Plan zu spielen. Wir diskutieren eine Frage, die mit dem Ende des russisch-ukrainischen Krieges überhaupt nichts zu tun hat. Wir können diese Gebiete verteidigen, und ich halte das für richtig, weil es keinerlei Grund für die Annahme gibt, dass man Gebiete, die man verteidigt, einfach deshalb abgeben kann, weil das Land, das einen angreift, es so beschlossen hat. Wir können auf diese Gebiete verzichten, wenn dies dem Willen der ukrainischen Gesellschaft entspricht und die ukrainische Staatsführung eine solche Entscheidung trifft. Aber das wird den Krieg nicht beenden. Es wird lediglich bedeuten, dass wir in diesem Krieg noch weitere Gebiete verlieren.

Nun, wir haben Teile der Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja verloren. Hat das den Krieg beendet? Stellen wir uns vor, wir verlieren diese vier Gebiete vollständig. Wo ist die Garantie, dass danach der Krieg endet? Ich habe eine andere Gewissheit. Ich bin überzeugt, dass der Krieg danach nur weitergehen wird, dass auch andere Gebiete besetzt werden.

Aber wenn wir mit den Amerikanern über diese Themen sprechen, wenn Ihr Gesprächspartner über diese Themen spricht, desorientieren wir die Amerikaner faktisch, sodass es aussieht, als würden wir einfach über ein paar Kilometer Territorium sprechen. Und die Amerikaner beginnen uns zu sagen: „Na ja, dann gebt diese paar Kilometer ab, schließlich wird euer ganzes Land zerstört. Gebt diese Kilometer ab und macht euch und uns nicht länger den Kopf damit schwer.“

Und die Gesellschaft beginnt zu sagen: „Hören Sie, dann geben wir eben Kramatorsk, Slowjansk und schließlich Saporischschja ab, und dann gibt es keinen Krieg mehr, dann werden Kyiv, Poltawa, Charkiw und Ternopil nicht mehr bombardiert. Warum sollen wir mit unseren Kindern wegen dieser Städte leiden, in denen wir noch nie waren? Nun, die Russen brauchen diese Städte. Geben wir sie ihnen. Führen wir Verhandlungen und geben wir sie ab.“

Aber das ist alles nicht wahr. Und wenn wir anfangen, so zu tun, als könnten wir einfach ein Stück Territorium abgeben und dann wäre alles vorbei, verwandeln wir uns in einen, wissen Sie, KZ-Häftling, der glaubt, dass all sein Leiden ein Ende hat, wenn man ihm ein paar Finger abhackt. Natürlich ist es unangenehm, ohne Finger zu sein, aber man will leben, also sollen sie diese Paar Finger eben abhacken, und er wird weiterleben. Und danach führt man ihn ohne Finger in die Gaskammer. Verstehen Sie?

Und genau das muss der Kern des Verständnisses dieses Prozesses sein. Das Problem des russisch-ukrainischen Krieges besteht darin, dass die Ukrainer sich bis heute nicht die Wahrheit über die tatsächlichen Ziele der Russischen Föderation sagen wollen. Und das überrascht mich nicht, denn ich möchte Sie daran erinnern, dass die Juden, die während des Zweiten Weltkriegs in Konzentrationslager gebracht oder nach Babyn Jar geführt wurden, sich bis zur letzten Minute – bis zu dem Moment, als man begann, sie in den Konzentrationslagern in die Gaskammern zu führen, oder bis die ersten Schüsse in Babyn Jar fielen – nicht eingestehen konnten, was tatsächlich geschehen würde. Die Menschen, die nach Babyn Jar geführt wurden, glaubten, man würde sie aus Kyiv aussiedeln und an einen anderen Wohnort umsiedeln. Aus irgendeinem Grund hätten die Hitlerleute eben entschieden, dass Juden nicht in großen Städten leben sollten, also würden sie in irgendwelchen anderen Städten leben, in denen man sie ansiedeln würde. Die Menschen, die in Konzentrationslager gebracht wurden, glaubten, man bringe sie dorthin, um zu arbeiten.

Kateryna Nekretscha. Das ist die menschliche Natur. Wahrscheinlich können sich nur wenige ehrlich eingestehen oder glauben, dass es tatsächlich so weit gehen kann, dass ein solcher Mord möglich ist.

Portnikov. Die menschliche Natur ist der Selbsterhaltungstrieb. Wenn bei einem Menschen der Selbsterhaltungstrieb versagt, stirbt er. Es ist nicht die menschliche Natur, die so ist. Es gibt einfach Menschen, denen der Selbsterhaltungstrieb fehlt.

Kateryna Nekretscha. Manche erstarren, manche kämpfen, manche fliehen.

Portnikov. Natürlich. Oder Menschen geraten in eine solche Situation. Wenn man dich nach Babyn Jar führt, dann gerät der Mensch in eine Situation, in der er diese Kolonne ohnehin nicht verlassen kann, verstehen Sie? Und sie redet sich irgendwelche Geschichten ein, die sich nicht bewahrheiten werden. Er will sich einfach sagen, dass alles gut mit ihm sein wird. Glauben Sie, dass es in diesen Kolonnen von Menschen, die nach Babyn Jar gingen, Menschen gab, die alles verstanden hatten? Die gab es.

Und ich kenne übrigens eine Geschichte, die ich einmal im israelischen Radio gehört habe. Dort sprach eine Frau, die erzählte, dass sie Hand in Hand mit ihrer Mutter nach Babyn Jar ging. Ihre Mutter hielt sie an der Hand. Sie war ein vierjähriges Kind. Und plötzlich, an irgendeiner Wegbiegung, packte ihre Mutter sie mit aller Kraft und schleuderte sie in irgendeine Schlucht neben dem Weg. Sie stieß sie einfach sehr heftig, und das Mädchen rollte hinunter. Der Stoß war so stark, dass sie in diese Schlucht hinunterrollte und dort bis zum Morgen lag, weil der Stoß so heftig gewesen war, dass es ihr sogar schwerfiel aufzustehen. Sie konnte einfach nicht zu sich kommen. Und als sie aufstand und wieder zu sich kam, war dort in Babyn Jar alles vorbei. Eine ukrainische Frau nahm sie auf und rettete ihr das Leben. So überlebte sie bis zum Ende des Krieges in der Familie dieser ukrainischen Frau und repatriierte später nach Israel. Aber ihre Mutter hatte verstanden, dass das Mädchen höchstwahrscheinlich getötet werden würde, wenn sie mit ihm bis zu Babyn Jar weiterging. Bei ihr wirkte nicht der eigene Selbsterhaltungstrieb, sondern der Selbsterhaltungstrieb für ihr Kind. Auf diese absolut unglaubliche Weise konnte sie ihr Kind retten.

Ich möchte also sagen, dass wir wie diese Mutter handeln müssen. Auf diese Weise müssen wir das Vaterland retten. Wenn wir aber einfach die Straße entlanggehen und uns damit einlullen, dass Witkoff und Kushner morgen kommen und Putin überzeugen werden, dass man Verhandlungen beginnen und den Krieg beenden müsse, dann werden wir darauf niemals warten können. Deshalb sage ich ständig: Wir dürfen uns keinerlei Illusionen machen.

Damit es irgendwelche echten Verhandlungen geben kann, muss man die Ziele des Feindes klar verstehen. Die Ziele des Feindes sind die Vernichtung des ukrainischen Staates und die Vernichtung des ukrainischen Volkes. Und das ist ein sehr wichtiger Punkt, denn die Vernichtung des ukrainischen Staates war immer das Ziel der Russen, aber die totale Vernichtung des ukrainischen Volkes, die sogenannte endgültige Lösung der ukrainischen Frage nach dem Vorbild der jüdischen, hat es so nicht gegeben, weil die Russen die Ukrainer immer für ausreichend loyal gegenüber ihrer Herrschaft hielten. Aus der Sicht eines Russen wie Putin, eines chauvinistisch eingestellten Russen, ist ein Ukrainer ein noch nicht ganz fertiger Russe, den man einfach nur noch zum Russen machen muss.

Nun haben diese Kriegsjahre die Russen davon überzeugt, dass dem nicht so ist. Sie haben daraus alle Schlüsse gezogen: Weder soll es den Staat geben, noch soll es Menschen geben, die sich als Ukrainer betrachten. Das muss man sich einfach bewusst machen.

Weiter muss man sich bewusst machen, dass Verhandlungen während eines Krieges immer dann stattfinden, wenn es eine reale Grundlage dafür gibt, dass sie stattfinden können. Mit Grundlage ist, wie Sie verstehen, zunächst einmal eine Waffenruhe gemeint.

Kateryna Nekretscha. Bevor wir über die Waffenruhe und über irgendwelche Anzeichen dafür sprechen, dass der Aggressor bereit ist zu reden, nur einige historische Beispiele. Nun, weil wir darüber in unseren Sendungen sprechen: Wir erinnern an das Münchner Abkommen von 1938, als man Deutschland gewissermaßen etwas geben wollte, damit es sich beruhigt, aber letztlich beruhigte es sich nicht und rückte weiter vor. Der Versailler Vertrag. Interessant ist auch das umgekehrte Beispiel, als nach dem Ersten Weltkrieg ohne Deutschland diskutiert und gewissermaßen gesagt wurde, es müsse so und so sein, und Deutschland dann trotzdem wieder zu Kräften kam und weitermachte. Diese Parallelen können wir doch klar ziehen, wenn ein Aggressor ein Aggressor ist, seine Schuld nicht anerkennt und offensichtlich nicht aufhören will. Was sind also die Anzeichen? In welchen Momenten kann eine solche Beschwichtigung irgendwo funktionieren und wann nicht? Oder Verurteilung und die Grenzen, die Länder jetzt gewissermaßen setzen können, und dann kommt der Aggressor, sammelt wieder Kräfte und schlägt noch härter zu. Gemessen an den heutigen Anzeichen.

Portnikov. Ich glaube aus mehreren Gründen nicht, dass das besonders passende Parallelen sind. 1938 gab es überhaupt keinen Krieg. Die Entscheidung, dass „wir Gebiete der Tschechoslowakei abgeben“, ich meine, dass die zivilisierte Welt sie abgibt, wurde getroffen, damit es keinen Krieg gibt. Es war eine Entscheidung, um einen Krieg zu verhindern. Wir befinden uns aber bereits im Krieg, seit zwölf Jahren im Konflikt und seit viereinhalb Jahren im großen Krieg. Deshalb funktioniert München hier nicht. München ist gerade ein Beispiel dafür, wie der Wunsch, einen Krieg zu verhindern und nicht zuzulassen, zu seinem Beginn führte. Bei uns ist es aber nicht mehr München.

Und der Versailler Vertrag wurde geschlossen, als Deutschland besiegt war. Bei uns gibt es noch keinen Versailler Vertrag. Einen Versailler Vertrag könnte es geben, wenn beispielsweise Russland die Ukraine besiegt und uns einen Versailler Vertrag aufzwingt.

Oder es gab 1945 die Kapitulationsurkunde Hitlerdeutschlands. Das waren doch überhaupt keine Verhandlungen. Man lädt einfach die Führung des besiegten Landes ein. Man sagt einfach: „Unterschreiben Sie hier. Hier ist das Papier, unterschreiben Sie hier. Und jetzt sind Sie wegen Kriegsverbrechen verhaftet. Bitte gehen Sie ins Gefängnis.“ Denn wie Sie wissen, wurden Menschen, die die Kapitulation Hitlerdeutschlands unterzeichneten, zu Angeklagten im Nürnberger Prozess. Man verlangte von ihnen lediglich, dass sie ihren Truppen einen klaren Befehl zur Einstellung des Feuers erteilten, und danach begann man, sie wegen Kriegsverbrechen vor Gericht zu stellen.

Das ist also gerade kein besonders genaues Beispiel. Wenn wir Russland besiegt hätten, könnten wir ihm Bedingungen diktieren. Und dann würden wir sagen: „Nun haben wir es besiegt, diktieren ihm Bedingungen, aber es wird wieder zu Kräften kommen und uns erneut angreifen.“

Jetzt ist die Situation aber völlig anders. Der Krieg befindet sich jetzt in einer Sackgasse. Weder Russland kann seine Ziele erreichen, noch können wir unsere Ziele erreichen. Und bislang sieht keine der Seiten eine Grundlage für einen Durchbruch. Genau darüber sprechen auch andere Länder.

Darüber sprechen meines Erachtens nicht nur die westlichen Länder, nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern auch die Volksrepublik China deutet Putin das an: „Wenn du keinen wirklichen Durchbruch erreichen und deine Aufgaben zur Vernichtung ihrer Staatlichkeit nicht erfüllen kannst, dann vereinbare wenigstens, nicht weiter Ressourcen für etwas zu verschwenden, das du nicht erreichen kannst.“

Putin sieht das aber anders. Er glaubt, dass die Zeit auf seiner Seite ist und dass er das, was er heute nicht erreichen kann, morgen erreichen wird. Deshalb gibt es keine echten Verhandlungen.

Kateryna Nekretscha. Ich habe in diesem Gespräch mit der Person aus der Verhandlungsgruppe auch nach den Erwartungen gefragt und danach, wohin das alles führt. Im Grunde stimmt das, was wir öffentlich in unseren Sendungen mit Ihnen diskutieren und worüber Sie sprechen, ungefähr mit dem inneren Eindruck überein: Der Prozess muss stattfinden, weil die Ukraine zeigen muss, dass sie an einem Ende des Krieges interessiert ist. Offensichtlich spielen alle ihre Rollen. Trump würde den Krieg natürlich gerne beenden, weil das für ihn ein großer Pluspunkt wäre. Wie der Krieg endet, ist eine andere Frage. Wahrscheinlich stimmen viele Einschätzungen darin überein, dass es ihm gleichgültig wäre. Würde die Ukraine kapitulieren, würde er sagen: „Wir haben den Krieg beendet.“ Würde Russland kapitulieren, würde er sagen: „Sehen Sie, ich bin ein guter Verhandler.“ Also egal wie, Hauptsache, es endet. Und Russland wiederum zieht etwas in die Länge, spielt seine Rolle, hält bei diesen Treffen dieselben Geschichtsvorträge, statt darüber zu sprechen, wo man hier aufhören kann, wo man den Krieg stoppen kann, wie viele Menschen man beispielsweise zurückgeben wird, wie viele eurer zivilen Kinder, die wir euch weggenommen, gestohlen, entführt haben. Und das alles ist ein solches Spiel. Jeder hat darin seine Rolle und spielt sie. Wenn wir darüber sprechen, wohin das weiter führen kann: Nun, wir haben bereits die zweite Hälfte des Jahres 2026. Aus meinen Gesprächen mit unseren Bürgern sehe und höre ich, dass noch immer Hoffnungen bestehen, dass sich das irgendwie durch Verhandlungen lösen lässt. Gleichzeitig betont die ukrainische Seite: Wir wollen uns treffen, Zelensky soll sich mit Putin treffen, es soll ein Treffen der Staatschefs geben, denn vielleicht verändert sich gerade dann etwas, wenn die Staatschefs zusammentreffen. Kann ein Treffen Volodymyr Zelenskys mit Wladimir Putin Ihrer Meinung nach die Situation irgendwie verändern?

Portnikov. Mir scheint, man muss von vorne anfangen. Ich meine, der Präsident der Vereinigten Staaten Joseph Biden versuchte, mit Putin darüber zu sprechen, dass man die Ukraine nicht angreifen dürfe, und warnte ihn vor den Folgen. Als er sah, dass Putin dem keinerlei Beachtung schenkte, verzichtete er auf jeglichen Kontakt mit ihm, bis Russland tatsächlich ein echtes Ende des Krieges wollen würde. Und das war eine richtige Position, die erstens auf einem Verständnis der Motive des russischen Präsidenten beruhte und zweitens auf dem Verständnis, dass die Vereinigten Staaten außer Sanktionen keine besonders großen Möglichkeiten haben, Druck auf Russland auszuüben. Denn die Vereinigten Staaten verhängen Sanktionen, die Volksrepublik China kauft weiterhin Öl von Russland, Indien kauft weiterhin Öl von Russland. Russland bekommt Geld, um den Krieg fortzusetzen. Was können die Amerikaner tun? Nur der Ukraine helfen.

Als Donald Trump an die Macht kam, verwarf er dieses Konzept. „Man muss der Ukraine nicht helfen. Warum sollten wir dafür Geld ausgeben? Wir sprechen lieber mit Putin und erreichen Frieden. Und Frieden gab es nur deshalb nicht, weil niemand mit Putin gesprochen hat.“ Das war eine völlig falsche, dilettantische Position, die nicht nur auf einer falschen Einschätzung der Perspektiven des Krieges beruhte, sondern auch auf dem Unverständnis dafür, dass die Vereinigten Staaten keine ernsthaften Instrumente besitzen, um Druck auf den russischen Staatschef auszuüben. Und man kann sagen, dass es Trump weniger darum ging, den Krieg zu beenden, als vielmehr darum, die Beziehungen zu Putin wiederherzustellen.

Aber er verstand, dass sich diese Beziehungen ohne ein Ende des Krieges nicht in dem Umfang wiederherstellen ließen, auf den er gehofft hatte. Und so sind wir in einen Prozess der Imitation geraten. Diesen Prozess hätte es einfach überhaupt nicht geben dürfen. Bidens Position war vollkommen richtig. Trumps Position war falsch. Und alles, was wir jetzt beobachten, ist das Ergebnis dieser Position.

Wenn Donald Trump nicht Präsident der Vereinigten Staaten wäre, gäbe es diese Komödie einfach nicht. Verstehen Sie? Denn ich habe gesehen, wie unsere Bürger darauf reagieren: „Nun sind Witkoff und Kushner zu uns gekommen, und man hat sie nicht richtig empfangen, ist in irgendwelchen T-Shirts herausgekommen, hat nicht ernsthaft mit ihnen gesprochen.“ Vielleicht, ich werde darüber nicht einmal streiten, hätte man ihnen keine T-Shirts schenken sollen, vielleicht hätte man bei den Verhandlungen nicht in T-Shirts erscheinen sollen, aber verstehen Sie denn nicht, dass Witkoff und Kushner an sich schon eine Komödie sind? Sie sind die Komödie. Das ist die Komödie.

Nicht Arachamija, nicht Umerow, der größte groteske Komödie sind zwei Immobilienmakler, die von Politik überhaupt nichts verstehen, durch die Welt reisen, keinen einzigen Konflikt gelöst haben, in dem sie Verhandlungen führten, sondern alle Konflikte nur noch weiter festgefahren haben. Und deren wichtigste Aufgabe darin besteht, Donald Trump zu gefallen, denn wenn Donald Trump sie mag – es handelt sich um seinen Freund und seinen Schwiegersohn –, eröffnet ihnen das den Zugang zu finanziellen Strömen. Sie handeln wie Geschäftsleute, die einem Auftraggeber gefallen wollen, wie Immobilienmakler, die eine Wohnung verkaufen wollen. Und das hat mit Verhandlungen und dem Ende des Krieges überhaupt nichts zu tun.

Und anstatt einander zu sagen: „Hören Sie, diese Leute spielen eine Komödie. Wir können an dieser Komödie nur teilnehmen, damit die Amerikaner nicht aufhören, uns Geheimdienstinformationen zu liefern, und damit sie nicht aufhören, den Europäern Waffen zu verkaufen, solange sie überhaupt noch welche haben, denn bald werden sie auch keine mehr haben“, beginnen wir, statt uns das zu sagen, zu erklären: „Nun sind ernsthafte Leute zu uns gekommen, und wir haben sie nicht ernst genommen.“ Hören Sie auf, sich Dinge auszudenken, die es nicht gibt.

Kateryna Nekretscha. Das heißt, man hat sie so behandelt, wie sie es verdienen?

Portnikov. Nun, ich würde dort auch nicht in einem T-Shirt herumlaufen. Hören Sie, ich verstehe sehr gut, dass die Menschen, die die Ukraine regieren, im Grunde ebenfalls Dilettanten sind. Nun, auch das kann man als vollendete Tatsache betrachten. Aber das ändert nichts daran, dass Menschen zu uns kommen, die ebenfalls Dilettanten sind. Wenn die einen Dilettanten den anderen Dilettanten mit protokollarischen, würde ich sagen, Zeremonien begegnen, wird das an der Kriegssituation trotzdem nichts ändern.

Dass Putin Witkoff und Kushner in voller Montur, mit Jackett und Krawatte empfängt, steigert seinen Wunsch, den Krieg zu beenden, nicht, sondern verringert ihn im Gegenteil, denn er weiß, dass Witkoff und Kushner, solange er mit den Amerikanern spricht, zumindest davon überzeugen können, dass man keine neuen harten Sanktionen gegen Russland verhängen sollte.

Nicht die Krawatte entscheidet über das Ende des Krieges, sondern das Fehlen militärischer, wirtschaftlicher, sozialer und demografischer Ressourcen. Solange Putin über diese Ressourcen verfügt, wird er Krieg führen, selbst wenn Trump persönlich zu ihm kommt und nicht nur Witkoff und Kushner.

Nun, und was ein Treffen Zelenskys mit Putin betrifft. Ich verstehe überhaupt nicht, warum Zelensky so von dieser fixen Idee besessen ist, dass er, wenn er Putin trifft, dort irgendetwas regeln wird. Er hat doch bereits die Erfahrung von 2019. Er wollte Putin unbedingt treffen. Damals verstand er überhaupt nichts von Politik. Und aus irgendeinem Grund dachte er, wenn er Putin trifft, werde er ihm etwas sagen, was Poroschenko ihm nicht gesagt hatte. Er werde von Mensch zu Mensch mit ihm sprechen.

Ich halte bereits die Vorbereitung dieses Normandie-Formats für einen der größten politischen Fehler, die Zelensky während seiner Präsidentschaft begangen hat. Denn warum begann der große Krieg im Grunde nicht, bevor Zelensky Präsident der Ukraine wurde? Weil sein Vorgänger bei Putin die Illusion schuf, alle ukrainischen Fragen könnten auf politischem Wege gelöst werden, durch Druck, durch mögliche Investitionen in prorussische politische Kräfte, in prorussische Medien. Und gleichzeitig gab es Möglichkeiten, die ukrainische Armee zu stärken.

Seit 2019 gab es einen völlig anderen Kurs. „Ein ehrliches Gespräch mit Putin. Wir werden mit ihm nicht so sprechen wie Poroschenko. Wir sind hier keine Politiker. Wir sind einfache Jungs. Wir sagen ihm einfach ehrlich, dass wir Frieden wollen. Und andererseits bereiten wir uns nicht auf einen Krieg vor. Wir kürzen die Militärprogramme.“ Und Zelensky selbst sagte: „Wir könnten die Mittel für die Armee erhöhen, aber dann könnten wir keine Straßen bauen.“ Und die Straßen wurden gebraucht, um schnellen Applaus von all den Menschen zu bekommen, die für Zelensky gestimmt hatten und von denen eine große Zahl inzwischen über diese Straßen entweder auf den Friedhof, in die Emigration oder in die Armee gelangt ist. Das ist alles, was geschehen ist.

Und das Treffen mit Putin war einer der Fehler, denn während dieses Treffens überzeugte sich Putin davon, dass Zelensky, den er bis dahin als Kandidaten für eine Revanche, als eine Art neuen Janukowytsch wahrgenommen hatte, in Wirklichkeit kein Janukowytsch war und nicht vor ihm kapitulieren würde. Das war das wichtigste Ergebnis des Treffens in Paris. Putin sah einen politisch sehr schwachen Menschen, der nicht vor ihm kapitulieren wollte.

Was tut ein Raubtier, wenn es vor sich ein potenzielles Opfer sieht und dieses Opfer sich ihm nicht ergeben will? Es entscheidet, dass es dieses Opfer zerreißen muss. Nach Paris wurde also keine Entscheidung über einen Krieg getroffen. Ich möchte Sie daran erinnern, dass in Russland niemals die Entscheidung für einen jahrelangen Krieg getroffen wurde, sondern für einen Blitzkrieg und einen schnellen Austausch der ukrainischen Führung gegen Marionetten.

Zelensky hätte sich so lange wie möglich von einem Treffen mit Putin fernhalten müssen. Zumal die Russen selbst keineswegs darauf brannten, sich mit ihm zu treffen. Und in dieser Zeit hätte man keine Straßen bauen, keine PR-Projekte betreiben und keine Feste mit sich selbst in der Hauptrolle organisieren sollen, sondern sich auf den Krieg vorbereiten, Raketenprogramme ausbauen, die Armee vergrößern und zeigen sollen, dass die Ukraine bereit ist, sich zu verteidigen, also schon die Idee eines Blitzkriegs unmöglich machen. Und dass dies nicht getan wurde, hat den Weg zum großen Krieg geöffnet.

Wir können so oft wir wollen sagen, dass Putin am großen Krieg schuld ist, und das wird eine absolute Wahrheit sein. Aber die Idee des Blitzkriegs entstand aus dem völlig falschen politischen Kurs, den der Präsident der Ukraine und sein Umfeld von 2019 bis 2022 verfolgten. Und für diesen Kurs gab es eine gesellschaftliche Nachfrage, weil die Menschen damals ebenfalls glaubten, man könne durch Verhandlungen leicht Frieden erreichen.

Kateryna Nekretscha. Nun, das ist das, womit wir begonnen haben, und Ihr Beispiel dafür, dass Menschen selbst dann nicht glauben, dass es geschehen wird, wenn sie bereits zur Erschießung geführt werden können. Und Menschen, die verstehen, was geschieht, haben die Chance, im richtigen Moment erfolgreich zu reagieren, um ihr eigenes Leben, das ihrer Kinder oder ihres Landes zu retten.

Portnikov. Oder bis zum Ort der Erschießung zu gehen.

Kateryna Nekretscha. Hier traf also wahrscheinlich Folgendes zusammen: Einerseits sah Putin in Zelensky, wie Sie sagten, dass dieser nicht kapitulieren wollte. Andererseits Zelensky – nun, das ergibt sich aus vielen Interviews mit Diplomaten aus Volodymyr Zelenskys Team, die erzählen, wie es zum Zeitpunkt des Beginns der großangelegten Invasion war. Daraus ergibt sich die seltsame Situation, dass selbst diese dem Präsidenten nahestehenden Menschen ihre Familien nicht außer Landes brachten und bis zuletzt nicht glaubten, dass eine großangelegte Invasion möglich sei. Wenn also die Staatsführung bis zuletzt nicht glaubt, dass dies möglich ist, bereitet sie sich auch nicht so darauf vor, wie sie sich hätte vorbereiten müssen.

Aber über die Motivation dafür, warum es ein Treffen der Staatschefs geben sollte, habe ich ebenfalls mit meiner Quelle gesprochen und gefragt: „Nun, wozu brauchen Sie das?“ Die Motivation lautet, dass dies eine Verhandlungstaktik sei, bei der man die Verhandlungen auf eine andere Ebene bringen müsse; dies würde helfen, die Bereitschaft oder Nichtbereitschaft der Seiten zu Verhandlungen endgültig sichtbar zu machen. Nun, um Amerika endgültig zu zeigen: „Sehen Sie, wir sind bereit. Er sagt dort ganz eindeutig mit seinem eigenen Mund, dass er nicht bereit ist.“ Und die schwierigsten Fragen müssten die Staatschefs besprechen. So ergibt sich, dass Kyiv bereit ist, Washington bereit ist, Moskau aber nicht bereit ist. Und auch das ist ein bestimmtes Signal. Und die schwierigsten Fragen sind jene unter diesen 38 oder wie vielen Punkten es dort gab, wie wir uns nach Anchorage erinnern. Im Grunde geht es dort doch um territoriale Fragen, um Fragen der ukrainischen Armee, nicht wahr? Im Grunde um die ukrainische Unabhängigkeit. Das ist die Motivation.

Sie sagen, Zelensky hätte sich nach seiner Wahl 2019 von einem Treffen mit Putin fernhalten sollen. Sollte Zelensky Ihrer Meinung nach auch jetzt, in diesem Prozess dieser wie auch immer gearteten Verhandlungen, ein solches Treffen meiden, weil Putin es meidet, oder sollte man dieses Thema, dieses Treffen, doch vorantreiben, um Washington zu zeigen: „Sehen Sie, sie sind nicht bereit, übt endlich Druck auf sie aus, damit Moskau irgendwie, nun ja, die Sanktionen endlich in vollem Umfang zu spüren bekommt“?

Portnikov. Noch einmal: Wenn wir Washington sagen, es müsse Druck ausüben, schaffen wir erneut das Problem, in dem Trump und die Vereinigten Staaten stecken. Die Vereinigten Staaten haben keine besonderen Instrumente, um Druck auf Russland auszuüben. Noch einmal: Biden wusste das und hielt sich deshalb von diesem Verhandlungsprozess fern, weil er nicht recht verstand, was die Amerikaner Putin sagen könnten, das Putin zur Kapitulation zwingen würde. Trump versteht das nicht. Er wollte ja auch keinen Druck ausüben. Er wollte sich einigen, Putin sagen: „Wir werden eine für beide Seiten vorteilhafte wirtschaftliche Zusammenarbeit haben.“ Das sagt er doch ständig. Er will Putin nicht mit der Peitsche, sondern mit irgendeinem Zuckerbrot von der Fortsetzung des Krieges abbringen. Putin aber braucht die Ukraine und nicht Trumps Zuckerbrot.

Das ist also ebenfalls eine sehr seltsame Prämisse, die wiederum zeigt, dass wir in Kyiv eine einfache Sache einfach nicht begreifen können. In der Tasche des Präsidenten der Vereinigten Staaten befindet sich kein Schlüssel zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges. Biden hatte ihn nicht, Trump hat ihn nicht, und auch der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird ihn nicht haben. Die Welt hat sich verändert. Früher konnten die Vereinigten Staaten Sanktionen gegen irgendein Land verhängen, und dieses Land war nach einiger Zeit gezwungen, wenn es sich wirklich um ein großes Wirtschaftsland handelte und nicht um Kuba oder Nordkorea, irgendwelche Vereinbarungen mit den Vereinigten Staaten zu treffen. Heute funktioniert das nicht mehr. Trump begann einen Zollkrieg mit China und verlor ihn innerhalb weniger Wochen.

Was kann er also tun? Wir sagen ständig: „Oh, jetzt wird das Gesetz von Lindsey Graham verabschiedet, und Trump bekommt die Möglichkeit, Zölle gegen Länder zu verhängen, die russisches Öl kaufen.“ Hören Sie, das ist doch völliger Wahnsinn, das ist doch PR. Der größte Käufer russischen Öls ist China. Wenn Trump, ich weiß nicht, 500 oder 50 oder 150 Prozent Zoll auf chinesische Waren erhebt, wird China den Vereinigten Staaten antworten, und zwei Wochen später werden alle Zölle, all diese Zahlen wieder geändert. Das funktioniert heute einfach nicht mehr.

Wenn wir also sagen: „Wir werden auf einem Treffen mit Putin bestehen, damit die Amerikaner stärkeren Druck auf Putin ausüben. Jetzt üben sie nicht genug Druck auf ihn aus, und deshalb beendet er den Krieg nicht.“ Entschuldigen Sie bitte. Und wie hat Biden Druck auf ihn ausgeübt, ebenfalls nicht genug? Er wollte überhaupt nicht mit Putin sprechen. Er wollte nur Druck auf ihn ausüben. Warum hat Putin den Krieg dann nicht beendet? Warum erfinden wir irgendwelche Illusionen darüber, dass es tatsächlich eine solche unglaubliche Möglichkeit gebe, den Krieg allein deshalb zu beenden, weil der Präsident der Vereinigten Staaten es will? So ist es nicht.

Der Präsident der Vereinigten Staaten kann uns intensiver helfen. Ich denke, das hängt nicht davon ab, ob Zelensky Putin trifft oder nicht. Er kann schließlich anfangen, seine Politik zu ändern. Ich glaube nur nicht daran. Er kann uns finanzielle Unterstützung gewähren, er kann uns mehr Waffen geben. Aber Sie sehen, dass Trump kategorisch dagegen ist, irgendjemandem mit Geld zu helfen. Und er sagt ständig, uns mit Geld zu helfen sei Bidens größter Fehler gewesen und er werde diese Politik nicht ändern. Und was die Waffen betrifft, befinden sich die Vereinigten Staaten bei den Waffen in einer solchen Lage, dass sie bald, selbst wenn sie jemandem ernsthaft helfen wollen, dazu nicht in der Lage sein werden.

Meine Hoffnung besteht darin, dass die Demokraten nach ihrem Sieg bei den Kongresswahlen Trump dazu zwingen werden, nicht dem Gesetz von Lindsey Graham, sondern diesem Ukraine-Unterstützungsgesetz zuzustimmen, das uns einen großen Teil der finanziellen Hilfe gewährt, und dass wir dieses Geld bei Unternehmen des amerikanischen militärisch-industriellen Komplexes platzieren und neue Waffen erhalten können. Aber das sind trotzdem Jahre, keine Monate, das sind Jahre eines zermürbenden Krieges. Wenn also jemand glaubt, er könne Trump durch die Demonstration, dass Putin nicht mit Zelensky sprechen will, dazu bringen, stärkeren Druck auf Putin auszuüben, muss er sich zunächst sagen: „Was genau soll Trump denn tun?“ Einfach formulieren: „Nun, es wird alles klappen, wir werden den Amerikanern sagen, sie sollen ernsthafter Druck auf Russland ausüben. Und was sollen sie tun?“ Was genau?

Kateryna Nekretscha. Sie müssen der Ukraine Waffen geben. Derzeit gibt es keine solche direkte Militärhilfe. Das heißt, die europäischen Partner kaufen Waffen. Maximale Sanktionen, mehr Geld, mehr Waffen, die Produktion dieser Waffen.

Portnikov. Das heißt, Sie schlagen im Grunde vor, dass Trump zu Bidens Politik zurückkehrt.

Kateryna Nekretscha. Sie erinnern sich doch daran, dass es auch während Bidens Präsidentschaft in der Ukraine viele Stimmen gab, die sagten, es sei nicht genug. Diese Forderungen nach einer Flugverbotszone oder nach diesen F-16, um die man im Grunde jahrelang gebeten hat, und dann wurden nur sehr wenige geliefert, und natürlich haben sie den Verlauf des Krieges nicht verändert. Die NATO zum Beispiel: Wie viele Chancen hätte die Ukraine gehabt, der NATO beizutreten? Obwohl man auch unter Biden Nein sagte, aber was wäre gewesen, wenn man Ja gesagt hätte? Nun, die Ukrainer haben seit 2022 viele Hoffnungen.

Portnikov. Aber das sind alles politische Fantasien. Wir hatten keinerlei Chance, der NATO beizutreten. Niemand hätte zugestimmt, dass ein Land, das sich im Krieg mit der größten Atommacht der Welt befindet, der NATO beitritt. Das wird nicht einmal diskutiert. Diskutiert wird die Frage, und darum geht die Debatte, ob die Ukraine nach dem Krieg der NATO beitritt oder nicht. Darin liegt der Konflikt. Trump sagt, sie werde niemals Mitglied der NATO sein, und die europäischen Länder sagen: „Warum denn? Nach dem Krieg können wir sie doch aufnehmen.“ Aber glauben Sie mir, darüber, dass die Ukraine während des Krieges niemals der NATO beitreten wird, herrscht völliger Konsens. Hier gibt es überhaupt keine Meinungsverschiedenheiten, denn alle verstehen, dass man die Ukraine in die NATO aufnimmt und noch am selben Tag Artikel 5 aktiviert wird und ein Atomkrieg beginnt. Richtig? Wer würde das tun? Warum denken wir uns Dinge aus, die niemals geschehen wären?

Dasselbe gilt für Bidens Hilfe. Ja, es gab immer Menschen, die unzufrieden waren, aber es waren reales Geld und reale Waffen, die von amerikanischen Unternehmen produziert wurden. Das Problem besteht jedoch darin, dass die amerikanischen Unternehmen nach dem Krieg mit dem Iran daran arbeiten müssen, die Bestände des Pentagon irgendwie wieder aufzufüllen. Die amerikanische Armee hat nicht genügend Waffen. Und amerikanische Politiker aus dem republikanischen Lager sagen jetzt, das liege daran, dass Biden der Ukraine so viele Waffen gegeben habe und die Amerikaner deshalb nicht genug hätten. Das wird dort so gesagt. Das stimmt nicht. Sie haben nicht genug, weil die Amerikaner im Krieg gegen den Iran so viele Waffen eingesetzt haben, wie sie konnten.

Aber noch einmal: Wir beginnen ständig, über irgendwelche Illusionen zu sprechen. Wir bewegen uns ständig aus der realen Welt in die Welt der Illusionen und unserer Wünsche. Verstehen Sie, worin unser Problem besteht? Und das ist übrigens auch die Geschichte mit den Verhandlungen. Ja, wir wollen, dass die Welt so ist, wie wir sie uns vorstellen. Das ist nun das Problem. Putin will, dass die Welt so ist, wie er sie sich vorstellt. Deshalb schießt er, damit diese Welt so wird. Trump will, dass die Welt so ist, wie er sie sich vorstellt. Und Zelensky will, dass die Welt so ist, wie er sie sich vorstellt. Ich habe eine kleine Frage: Wird irgendjemand in der Realität leben? Vielleicht sollten wir versuchen, in der Realität zu leben?

Wenn Trump und Putin in ihren eigenen Welten leben, die mit der Realität nichts zu tun haben, dann könnten vielleicht wir den ersten Schritt machen und unser Präsident den ersten Schritt machen, in die Realität wechseln, sich ansehen, wie es dort aussieht, und dann werden wir verstehen, was man lösen kann und was nicht.

Kateryna Nekretscha. Und wie sieht es dort aus? Was ist dann diese Realität?

Portnikov. Die Realität ist sehr einfach. Es gibt keine echten Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine. Und wahrscheinlich wird es sie in nächster Zeit auch nicht geben.

Kateryna Nekretscha. Das heißt, auf diese verzichten?

Portnikov. Die Amerikaner verfügen über keinerlei Instrumente für einen wirklichen Druck auf die Russische Föderation außer der Hilfe für die Ukraine. Und sie wollen der Ukraine nicht helfen, weil das Trumps politischem Kurs widerspricht. Also sind Putin ihre Verhandlungsbemühungen völlig egal. Das ist die Realität. Das sind die ersten Schritte in die Realität.

Weiter. Kann man den Krieg beenden? Ja. Wenn man das russische Wirtschaftspotenzial zerstört. Was müssen wir also tun? Wir müssen die russische Ölverarbeitung, die russische Ölindustrie zerstören und dürfen nicht auf die Amerikaner hören, wenn sie uns sagen, wir sollen hier nicht zuschlagen und dort nicht zuschlagen. Denn natürlich können wir in eine Situation geraten, in der sie uns irgendetwas nicht liefern, aber wenn Russland über wirtschaftliches Potenzial verfügt und uns vernichtet, wird es uns völlig egal sein, ob die Amerikaner uns etwas liefern oder nicht, denn uns wird es einfach nicht mehr geben.

Verstehen Sie? Der Schlüssel zur Beendigung des Krieges liegt nicht im diplomatischen Prozess, sondern in der Zerstörung des wirtschaftlichen Potenzials Russlands. Ich wiederhole: Solange Putin über Ressourcen verfügt, so lange wird er Krieg führen. Daran habe ich keinerlei Zweifel. Deshalb gibt es keine Daten für das Ende des Krieges. Jedes Mal, wenn ich von den 20er- und 30er-Jahren spreche, nehmen die Menschen das als Meme wahr. Aber das ist die Realität. Die ganz gewöhnliche Realität. Wenn Russland in den 20er- und 30er-Jahren über Ressourcen verfügt, wird es in den 20er- und 30er-Jahren Krieg führen.

Wenn die Menschen sagen: „Dann werden wir sterben.“ Wenn Sie unser Potenzial unterschätzen, müssen Sie sich sagen: „Ja, wir werden sterben.“ Aber ich glaube, dass unser Potenzial für einen langen Krieg ausreichen wird, was auch immer die Menschen denken mögen, weil wir gemeinsam mit dem Westen, gemeinsam mit Europa Krieg führen. Wenn Europa uns seine Unterstützung entzieht, ist das eine andere Geschichte. Die Ukraine wird verschwinden, und dann wird der Krieg schon mit Europa beginnen. Aber bislang gibt es dafür praktisch keine Voraussetzungen.

Kateryna Nekretscha. Aber wie stellen Sie sich vor, dass die Ukraine aus diesen Verhandlungen aussteigen soll? Nun, sie ergeben keinen Sinn, okay, sie führen zu nichts. Ja?

Portnikov. Man muss aus den Verhandlungen nicht aussteigen. Die Russen steigen selbst ständig aus den Verhandlungen aus. Sehen Sie, sie sind aus den Verhandlungen ausgestiegen und haben gesagt, dass sie diese Verhandlungen erst wieder aufnehmen werden, nachdem die ukrainische Armee das Gebiet Donezk verlassen hat. Erinnern Sie sich, das war vor einigen Monaten. Wir mussten nirgendwo aussteigen. Die Verhandlungen waren beendet. Jetzt haben sie plötzlich wieder begonnen. Ich halte es für möglich, dass wir jetzt September haben und diese Verhandlungen im November, wenn die Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress vorbei sind, weder Trump noch Putin mehr brauchen werden und beide sie vergessen. Auch das kann geschehen.

Putin wird darauf warten, dass der Winter für die Ukrainer unerträglich wird und wir nach dem Winter kapitulieren, und Trump wird die Zwischenwahlen hinter sich haben und sich nicht mehr mit der Ukraine beschäftigen. Alles, was er aus diesem Prozess herausholen konnte, wird er herausgeholt haben. Damit wird alles enden. Wir müssen also einfach im September, Oktober und November dieses Spiel mitspielen und uns währenddessen auf den Winter vorbereiten und das russische Wirtschaftspotenzial zerstören, was wir auch tun.

Kateryna Nekretscha. Unser Thema ist also die Kunst des Verhandelns, aber nach allem, was Sie beschrieben haben, sieht es im Grunde so aus, als sei es nicht einmal wichtig, ob es T-Shirts gibt oder keine T-Shirts, wenn dieser Verhandlungsprozess selbst gar nicht existiert, weil eine Konfliktpartei, der Aggressor, damit spielt, ihn aber nicht ernst nimmt. Das heißt, an erster Stelle stehen die Front und die Erfolge an der Front, das Aufhalten des Aggressors und wirtschaftlicher Druck? Verstehe ich Sie richtig? Und erst danach – in welchem Moment müssen wir also nach genialen Verhandlern, erfahrenen Diplomaten suchen, diese Kunst erlernen und verstehen, welche Worte man besser wählt? In welchem Moment geschieht das?

Portnikov. Ich kann Ihnen sagen, wann. Wenn Roman Arkadjewitsch Abramowitsch Volodymyr Zelensky oder Dawyd Arachamija oder wen auch immer er dort anruft, anruft und ihm sagt: „Leute, der Chef will das Feuer einstellen. Wir haben hier ein paar Probleme, beim Haushalt wird es bei uns eng. Wir verstehen, dass die Lage schlecht ist. Wir können den Krieg nicht beenden, weil man uns zerreißen würde, aber wir sind bereit, das Feuer einzustellen. Die Generalstabschefs sollen sich treffen und eine Waffenruhe vereinbaren.“ Nachdem dieser Anruf erfolgt ist, nachdem sich die Generalstabschefs getroffen und eine Waffenruhe entlang der Kontaktlinie vereinbart haben, wovon der Präsident der Ukraine übrigens ständig spricht – danach werden wir geniale Verhandler, starke Diplomaten, Fachleute und Völkerrechtler brauchen. Und sie alle können zu Verhandlungen zusammenkommen, die nach zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren enden können oder vielleicht niemals enden.

Kateryna Nekretscha. Das heißt, es ist ein langwieriger Prozess. Selbst wenn jemand aus Moskau anruft und sagt: „Wir sind bereit, es zu beenden“, kann sich das ebenfalls über Jahrzehnte hinziehen. Man kann das Feuer einstellen, ohne den Konflikt zu beenden.

Portnikov. Ja. Gibt es zwischen Georgien und Russland irgendeinen wirklichen Friedensvertrag außer diesem Dokument, das 2008 unter Vermittlung des Westens angenommen wurde? Nein. Georgien erkennt Abchasien und Südossetien nicht als unabhängige Staaten an. Russland erkennt sie nicht als georgische Territorien an. Zwischen den Ländern bestehen keine diplomatischen Beziehungen. Obwohl die Regierung in Georgien im Grunde Moskau nahesteht, ist der Konflikt nicht einmal um ein Jota gelöst. 

Und Japan und die Russische Föderation – sie vereinbarten 1945 eine Einstellung des Feuers. Und wo ist der Friedensvertrag? Es gibt keinen. Und der Nahe Osten. 1948 vereinbarten Israel und die arabischen Staaten auf der Insel Rhodos eine Waffenruhe. Der erste Friedensvertrag zwischen Israel und einem arabischen Staat, zwischen Israel und Ägypten, entstand aber erst in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Und mit anderen Staaten, die an dieser Waffenruhe beteiligt waren, gelten die Vereinbarungen von 1948.

Höchstwahrscheinlich wird es zwischen Russland und der Ukraine ebenfalls so sein. Deshalb werden jene Menschen, die wir heute als Verhandler bezeichnen, als schlechte, gute und so weiter, zu dem Zeitpunkt, an dem wir uns mit Russland über irgendetwas einigen, höchstwahrscheinlich bereits eines natürlichen Todes gestorben sein. Und damit werden sich ihre Enkel oder Kinder beschäftigen, die heute an Fakultäten für internationale Beziehungen studieren. Sollen sie gut lernen.

Ich habe vor Kurzem mit einem jungen Mann gesprochen, der an einer Fakultät für internationale Beziehungen in Europa studiert und eine gute Qualifikation erwirbt. Er fragte, was er tun solle. Ich wollte ihm sagen: „Du musst eine sehr gute Qualifikation haben, denn möglicherweise wirst du, wenn du 40 oder 45 Jahre alt bist, gerade am Friedensabkommen zwischen der Ukraine und Russland arbeiten. Wir werden qualifizierte Juristen brauchen. Aber ich glaube nicht, dass ich das noch erleben werde.“

Kateryna Nekretscha. Das sind wiederum sehr ferne Perspektiven, aber ein wichtiger Punkt. Sie sagen also, dass eine Waffenruhe in irgendeiner näheren Perspektive realistischer ist, selbst wenn wir von Jahrzehnten sprechen. Aber wenn bei der Waffenruhe ein Punkt gesetzt wird, bleiben all die rechtlichen Fragen bestehen, und Russland kann die Gebiete, die es zuvor besetzt hat, nicht als ukrainische Gebiete anerkennen, während die Ukraine diese besetzten Gebiete ebenso wenig als russische Gebiete anerkennen kann. Das heißt, im Grunde könnten wir eine Situation haben wie vor 2022 mit der Krim, wo es keine Kampfhandlungen gab, ja, aber …

Portnikov. Aber auch keine gegenseitige Anerkennung.

Kateryna Nekretscha. Und Kyiv hatte eben keine Kontrolle über diese eigenen Gebiete. Wir könnten also in eine solche Situation geraten.

Portnikov. Höchstwahrscheinlich werden wir in einer solchen Situation landen. Zu 99 Prozent werden wir in einer solchen Situation landen, denn wenn die Ukraine die Gebiete nicht deokkupieren kann und Russland keine neuen besetzen kann, dann ist genau das die Situation. Die Frage ist, wann in dieser Situation das Feuer eingestellt wird.

Und ja, eine Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine ist ein realistisches Ziel, das man anstreben muss. Alle anderen Aufgaben sind unrealistisch. Unrealistisch ist der russische Wunsch, aus dieser Situation durch die Vernichtung der Ukraine herauszukommen. Unrealistisch ist der ukrainische Wunsch, aus dieser Situation durch die Unterzeichnung irgendeines Abkommens über einen gerechten Frieden herauszukommen. Weder das eine noch das andere wird geschehen. Es wird weder ein Verschwinden des ukrainischen Staates von der politischen Weltkarte noch ein Verschwinden des ukrainischen Volkes geben, und es wird keinen gerechten Frieden geben.

Dieser Konflikt wird das Leben der heutigen Ukrainer, ihrer Kinder und ihrer Enkel über Jahrzehnte begleiten. Sie alle werden in diesem Konflikt leben. Etwas anderes wird es nicht mehr geben. Die Frage ist, ob dieser Konflikt so aussehen wird wie jetzt, mit Raketen, Shaheds und so weiter, oder ob es ein, würde ich sagen, eingefrorener Konflikt sein wird, der von Zeit zu Zeit durch irgendwelche Phasen konfliktbedingter Aktivität unterbrochen wird. Das ist alles.

Und genau das ist der Realismus, der zeigt, worum es bei Verhandlungen gehen muss: um eine Waffenruhe. Trump begann seine Arbeit mit Putin, indem er von ihm eine Waffenruhe verlangte. Ich bedauere sehr, dass er das nicht erreicht hat, denn das war ein vollkommen richtiges, realistisches und logisches Ziel. Und ich habe ihn darin nachdrücklich unterstützt: Man musste einfach eine Waffenruhe entlang der Kontaktlinie vereinbaren, wie er sagte: „Lassen Sie uns das Feuer einstellen und Verhandlungen beginnen.“

Ich war überzeugt, dass Trump, wenn das Feuer eingestellt und Verhandlungen begonnen würden, deren Ende nicht mehr erleben würde. Aber er hätte eine Waffenruhe erreichen können, wenn er irgendwelche Argumente für Putin gefunden hätte. Anstatt nach diesen Argumenten zu suchen – und das ist tatsächlich Hilfe für die Ukraine, das stimmt –, begann er, einer Bedingung Putins nach der anderen zuzustimmen. Zunächst stimmte er zu, dass eine Waffenruhe an irgendwelche Bedingungen geknüpft sein könne, dass sie nicht bedingungslos sein müsse, und dann, dass man Verhandlungen ohne Waffenruhe führen könne. Und in diesem Moment waren alle Verhandlungen auch schon beendet.

Kateryna Nekretscha. Uns bleiben noch einige Minuten. Und wir haben heute nicht über einzelne Personen gesprochen, im Grunde nur über Trump, Zelensky und Putin. Über jene Menschen aber, die diese Verhandlungen führen, haben Sie bereits gesagt, dass im Grunde nicht wichtig ist, was sie jetzt tun, sondern was geschehen wird, wenn die Kampfhandlungen tatsächlich enden und wenn jene Menschen, die heute studieren, bereits in einem Erwachsenenalter sein und diese Verhandlungen führen werden.

Sie haben Arachamija erwähnt, Sie haben dieses T-Shirt „Kyiver Regime“ erwähnt. Mir wurde gesagt, dass nicht alle Mitglieder der ukrainischen Delegation davon begeistert waren, um es vorsichtig auszudrücken. Aber sollen wir dann als Zuschauer, Beobachter, als Bürger unseres Landes, die sich Sorgen machen, wenn Witkoff endlich bei uns angekommen ist, wie man ihn wohl empfangen wird, einfach die Augen davor verschließen und uns überhaupt nicht darüber aufregen, in welchen T-Shirts jemand jemanden empfängt, welche Sätze gesagt und welche Witze gemacht werden? Ist das in dieser Phase alles unwichtig?

Portnikov. In dieser Phase ist das völlig unwichtig. Genauso unwichtig wie die Tatsache, dass Trump ständig irgendwelche seltsamen Kappen trägt. Verstehen Sie, auch das ist für einen Präsidenten der Vereinigten Staaten seltsam: Er läuft ständig mit irgendwelchen merkwürdigen Kappen mit verschiedenen Aufschriften herum, zeigt seinen Gästen seine Sammlung dieser Hüte – ich weiß nicht einmal, wie ich das nennen soll – und erscheint ständig damit bei Kundgebungen. Früher haben sich Präsidenten der Vereinigten Staaten ebenfalls nicht so verhalten. Sagen Sie bitte, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten einen solchen Stil vorgibt, kann er Zelensky alles Mögliche darüber erzählen, dass man einen Anzug tragen müsse, aber er selbst kleidet sich sehr seltsam. So etwas hat sich ein Präsident der Vereinigten Staaten noch nie erlaubt. Welche Bedeutung hat es dann, welches T-Shirt Arachamija trägt und welches Zelensky Witkoff und Kushner schenkt? Nun, das ist eben so etwas wie eine Demonstration von Nähe, wenn Sie so wollen. Und ich glaube nicht, dass das überhaupt etwas mit den wirklichen Angelegenheiten zu tun hat.

Kateryna Nekretscha. Dann werden wir unsere Nerven also nicht für unwichtige Dinge verschwenden, ja? Und sie für die Gegenwart aufsparen.

Portnikov. Das ist wahrscheinlich eine Schirmmütze. Ja, ich denke die ganze Zeit, dass es eine Schirmmütze ist.

Kateryna Nekretscha. Eine Baseballkappe.

Portnikov. Eine Baseballkappe.

Kateryna Nekretscha. Ja. Ein seltsamer Stil. Aber wir sind keine Stylisten. Wir wollen das nicht gleich verurteilen. Dennoch beansprucht das tatsächlich viel Aufmerksamkeit unserer Zuschauer, auch in den sozialen Netzwerken, wenn wir untereinander das Äußere oder irgendwelche solchen Sprüche diskutieren können, die Menschen auf einer so hohen Ebene zueinander sagen. Und natürlich irritiert uns das, weil wir wahrscheinlich irgendwo mehr Förmlichkeit, irgendwo mehr Ernsthaftigkeit erwarten würden, aber so ist die Diplomatie heute. Nun, was soll man machen?


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Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Пастка перемовин з Путіним | Віталій
Портников @EspresoTv. 22.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 22.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Europa unterwirft sich Usmanow | Vitaly Portnikov. 23.09.2026.

Die russischen Oligarchen Alischer Usmanow und Michail Fridman, die man zu den Wladimir Putin am nächsten stehenden Oligarchen zählen kann, sind nach jahrelangem Kampf um eine solche Streichung von der Sanktionsliste der Europäischen Union gestrichen worden.

Für Aufsehen bei dieser Entscheidung sorgte die Tatsache, dass ausgerechnet Frankreich das Land war, das die Streichung Alischer Usmanows faktisch durchgesetzt hat. Der französische Präsident Emmanuel Macron weigerte sich, einer Verlängerung der Sanktionsliste der Europäischen Union zuzustimmen, solange Usmanow auf ihr stand. Damit wurde erneut demonstriert, über welch realen Einfluss die russischen Magnaten verfügen können.

Man könnte meinen, dass sich auf der Liste der Europäischen Union weiterhin zahlreiche führende russische Politiker, Oligarchen und Propagandisten befinden. Doch woher haben Usmanow und übrigens auch Fridman einen solchen Einfluss, dass sie von der Sanktionsliste gestrichen wurden?

Usmanow nutzte all seine zahlreichen internationalen Verbindungen, um seine Streichung von der Sanktionsliste der Europäischen Union zu erreichen. In verschiedenen Jahren setzte sich der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán dafür ein. Später schloss sich ihm der slowakische Ministerpräsident Robert Fico an. Nun, das sind durchaus verständliche Figuren, die für ihre Verbindungen zu Moskau bekannt sind.

Jedes Mal gelang es, diesen Versuchen Budapests und Bratislavas entgegenzutreten, obwohl die Schwester Alischer Usmanows von der Sanktionsliste gestrichen wurde, damit Ungarn sein Veto gegen die Verlängerung der Sanktionen gegen russische Politiker und Geschäftsleute zurücknahm. Diesmal ging es jedoch bereits um Usmanow selbst.

Wie es heißt, kamen entsprechende Bitten sowohl von der Führung der Slowakei und später Frankreichs als auch vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und vom usbekischen Präsidenten Shavkat Mirziyoyev. Entscheidend wurde jedoch das Bestreben des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev.

Zwischen Paris und Baku laufen derzeit vertrauliche Verhandlungen über die Freilassung eines französischen Staatsbürgers, der sich in einem aserbaidschanischen Gefängnis befindet. Und wahrscheinlich war gerade dieser Dialog der Grund dafür, dass für Emmanuel Macron die Streichung des russischen Oligarchen von der Sanktionsliste zu einem angemessenen Preis für die Freiheit eines eigenen Staatsbürgers wurde.

Doch über welchen Einfluss verfügt Alischer Usmanow dann in der turksprachigen Welt, wenn die Präsidenten gleich mehrerer Staaten versuchen, seine Streichung von der Sanktionsliste zu erreichen? Und welchen tatsächlichen Einfluss auf die Politik dieser Länder hat dann Wladimir Putin, von dem Alischer Usmanow, wie wir sehr gut verstehen, bei seinen Geschäftsprojekten abhängig ist? Ja, möglicherweise handelt es sich um eine gegenseitige Abhängigkeit, um eine Symbiose von Geheimdienstlern und Oligarchen, aber diese Symbiose besteht weiterhin.

Michail Fridman, der stets darauf bedacht war, nicht alle Eier in einen Korb zu legen, und der trotz seiner Nähe zum Kreml viele Jahre lang verschiedene Kulturveranstaltungen in seiner Heimatstadt Lwiw finanzierte und ein Idol der dortigen politischen und kulturellen Elite war, ist, könnte man sagen, noch auf den letzten Waggon des Zuges aufgesprungen, der es ihm ermöglichte, als Letzter von der Sanktionsliste gestrichen zu werden. Denn die gesamte übrige Liste wurde um drei Jahre verlängert. Auch das ist der Preis dafür, dass Usmanow und Fridman nicht mehr auf ihr stehen. Und hätte sich der Oligarch nicht rechtzeitig darum gekümmert, wären in den kommenden drei Jahren jegliche Lobbyversuche für Streichungen von der Sanktionsliste ausgeschlossen gewesen.

So aber schaltete sich Luxemburg, mit dem Fridman einen Rechtsstreit wegen der Blockierung seiner bei Banken dieses Staates liegenden Vermögenswerte führt, in den Streit um die Streichung Usmanows ein und erzielte sein eigenes Ergebnis – diesmal offenbar im Zusammenhang mit dem Wunsch, einen Prozess gegen einen russischen Oligarchen, der der Führung seines eigenen Landes nahesteht, nicht zu verlieren.

Nun können wir natürlich über die Distanzierung der zivilisierten Welt von Russland, seiner Führung und seinen Oligarchen sprechen. Doch die Geschichte mit Usmanow und Fridman beweist erneut:

  • Erstens ist diese Distanz nicht so groß, wie es uns scheint.
  • Zweitens bleibt Moskaus Einfluss auf die Länder des postsowjetischen Raums und auf Staaten, die besondere wirtschaftliche Beziehungen zu Russland unterhalten, weiterhin bestimmend. Und wir unterschätzen schlicht das Ausmaß dieses Einflusses, wenn wir lautstarke offizielle Erklärungen mit den tatsächlichen Positionen in der Wirtschaft und den realen finanziellen Interessen der führenden Persönlichkeiten verwechseln, die niemandem Rechenschaft ablegen müssen.
  • Drittens bleibt für die Europäische Union der Begriff der Zweckmäßigkeit noch immer wichtiger als der Begriff der Prinzipien.

Und das eröffnet die Möglichkeit, jede beliebige Form der Beziehungen zum russischen Geschäftsleben wiederherzustellen, falls es gelingt, zu irgendeiner Art von Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu kommen.

Wir sprechen häufig davon, dass Amerikaner aus dem engsten Umfeld Donald Trumps gemeinsam mit den Russen Geld verdienen wollen. Doch für Steve Witkoff und Jared Kushner sind das lediglich Projekte, die möglicherweise niemals verwirklicht werden. Für europäische Politiker und für diejenigen hingegen, die sich für die Aufhebung der Sanktionen gegen Usmanow und Fridman eingesetzt haben – mit all ihren Konten bei westlichen Banken, all ihren Unternehmen, all ihren Jachten und Möglichkeiten –, ist das bereits eine völlig andere Geschichte. 

Diese Geschichte handelt nicht vom Einfluss von morgen, sondern vom Einfluss von heute. Und sie ist eine Bewährungsprobe dafür, den Einfluss führender russischer Oligarchen einzudämmen, die bei ihrem Handeln stets die Wünsche und Begehrlichkeiten des Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin und der Spitze des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation berücksichtigen.

Das muss nun natürlich berücksichtigt werden, wenn wir über die politische Landschaft Europas sprechen und darüber, wer dieses Europa in den kommenden Jahren führen wird, und darüber, auf welchen Wegen nun Finanzströme kanalisiert werden können, die der Unterstützung von Politikern dienen, die bereit sind, sich mit Moskau zu verständigen, sowie von Geschäftsleuten, die bereit sind, mit Moskau Geschäfte zu machen. 

Das ist also der Triumph von Alischer und Michail, der sich bei näherer Betrachtung als Triumph Wladimir Putins erweisen könnte.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Европа легла под Усманова| Виталий
Портников. 23.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 23.09.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Zelensky weist Trump zurück | Vitaly Portnikov. 23.09.2026.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky betonte, dass der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump ihn bei ihrem Treffen erneut gebeten habe, die Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation einzustellen, und dies mit der Notwendigkeit begründet habe, den Dieselpreis zu senken.

Zelensky war jedoch nicht bereit, einer solchen Entscheidung einseitig zuzustimmen, und betonte, dass für manche vielleicht die Dieselpreise wichtiger seien, für die Ukrainer aber ihr Leben wichtig sei. Und natürlich ist in dieser Situation die Zerstörung der Ölverarbeitungsinfrastruktur der Russischen Föderation ein wichtiges Mittel, um das Putin-Regime zum Frieden und zur Einstellung der Angriffe auf unser Land zu zwingen.

Zelensky äußerte außerdem die meiner Ansicht nach völlig logische Überzeugung, dass der Dieselpreis, der in letzter Zeit weltweit und insbesondere an amerikanischen Tankstellen steigt, mit der Blockade der Straße von Hormus zusammenhängt und keineswegs mit den ukrainischen Angriffen auf russische Ölraffinerien.

Und hier wäre es natürlich wichtig herauszufinden, warum Trump ständig auf dem Thema des ukrainischen Diesels herumreitet. Weil er die Situation im Zusammenhang mit den Folgen der iranischen Blockade tatsächlich nicht versteht oder weil er einfach versucht, nicht für die Verschlechterung der Preissituation verantwortlich gemacht zu werden?

Aus dieser Sicht ist es, wie ich bereits mehrfach zu erklären versucht habe, für den Präsidenten der Vereinigten Staaten vorteilhafter, wenn Zelensky seinen Vorschlägen nicht zustimmt. Denn wenn man sich vorstellt, dass Kyiv auf weitere Angriffe auf russische Ölraffinerien verzichtet, Russland beginnt, seine Kapazitäten wiederherzustellen und statt Diesel zu kaufen, diesen wieder auf dem Weltmarkt zu verkaufen, die Preise an den Tankstellen sich dadurch aber nicht verändern, dann wird niemandem mehr bewiesen werden müssen, dass die Ursache keineswegs in den ukrainischen Angriffen liegt, sondern gerade in der iranischen Blockade der Straße von Hormus und in Trumps Unfähigkeit, die Beendigung dieser Blockade zu erreichen.

Der amerikanische Präsident scheint derzeit aufrichtig darauf zu hoffen, dass Teheran nach den Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten bereit sein wird, bestimmten Bedingungen eines Friedensabkommens zuzustimmen. Doch das könnte sich als eine weitere gefährliche Illusion erweisen, denn totalitäre Regime denken im Gegensatz zu Demokratien nicht in Kategorien von Wahlen, sondern in Kategorien des permanenten Kampfes gegen ihre Feinde. Und dass Donald Trump für den Iran ein Feind ist, muss man meines Erachtens nicht einmal erklären.

Wichtig ist auch die Tatsache, dass Trump erneut keine reale Möglichkeit finden konnte, der Ukraine bei Angriffen auf die russischen ballistischen Systeme und die Abschussorte ballistischer Raketen zu helfen. Obwohl es aus theoretischer Sicht das Interesse der ukrainischen Führung an Angriffen auf den Ölverarbeitungskomplex der Russischen Föderation verringern könnte, wenn die Ukraine Starlink für solche Angriffe einsetzen würde.

Der Präsident der Vereinigten Staaten sagte dem Präsidenten der Ukraine jedoch, dass er sich mit dieser Frage an Elon Musk wenden müsse. Und Elon Musk – und hier handelt er völlig logisch – erinnert ständig daran, dass man sich wegen einer Entscheidung in dieser Frage an Donald Trump wenden müsse.

Und so befinden wir uns bei der Möglichkeit, Starlink für Angriffe auf die ballistischen Systeme der Russischen Föderation einzusetzen, in einer Art Teufelskreis. Trump erklärt, dass Musk darüber entscheiden müsse, und Musk erklärt, dass Trump darüber entscheiden müsse. In Wirklichkeit hat der Präsident der Vereinigten Staaten schlicht kein Interesse daran, den Einsatz von Starlink für Angriffe auf das souveräne Territorium der Russischen Föderation zu erlauben und damit erneut die Spielregeln zu verändern.

Vielleicht hofft Trump noch immer darauf, dass der russische Präsident Putin ihm entgegenkommen und zumindest die Frage einer Waffenruhe im russisch-ukrainischen Krieg lösen wird. Vielleicht hält es der amerikanische Präsident aber auch weiterhin für wichtig, die Beziehungen zum russischen Staatschef nicht endgültig zu beschädigen, während Putin und seine Vertreter Trump und den Vertretern des amerikanischen Präsidenten ständig erzählen, welch gewaltige gemeinsame Wirtschaftsprojekte zwischen der Russischen Föderation und den Vereinigten Staaten möglich wären, sollte der Krieg mit der Ukraine beendet werden.

Nur unterscheiden sich ihre Vorstellungen davon, wie und unter welchen Bedingungen dieser Krieg enden soll. Die Vorstellungen Trumps, Putins und offensichtlich auch Zelenskys sind unterschiedlich. Und das Wichtigste, was Putin vielleicht von Zelensky und Trump unterscheidet, ist, dass er überhaupt nicht in Kategorien eines Kriegsendes denkt und davon überzeugt ist, dass die Zeit, die Donald Trump früher oder später von der politischen Bühne der Vereinigten Staaten verschwinden lassen wird, ein Verbündeter des Kremls und nicht des Weißen Hauses bleibt.

In dieser Situation müsste der amerikanische Präsident natürlich nicht darüber nachdenken, wie die Angriffe auf die russische Ölverarbeitungsinfrastruktur beendet werden können, sondern darüber, wie der Druck auf die Russische Föderation aussehen müsste, um sie dazu zu bringen, jenen ursprünglichen Bedingungen zuzustimmen, die Trump Putin bereits 2025 gestellt hatte, als er dem russischen Präsidenten vorschlug, das Feuer an der russisch-ukrainischen Front einzustellen und realistische Friedensverhandlungen aufzunehmen. 

Angriffe auf die Ölverarbeitungsinfrastruktur der Russischen Föderation und die Zerstörung der energetischen Möglichkeiten Russlands sind genau der Weg, der den Kreml früher oder später dazu zwingen wird, den Krieg und seine Beendigung realistischer zu betrachten. Und wir sehen, dass gerade die ukrainischen Angriffe auf die russische Ölverarbeitungsinfrastruktur so offensichtliche Energiesponsoren der Russischen Föderation wie den Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping und den indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi dazu bringen, über eine politische Lösung des Problems nachzudenken.

Doch anstatt der Ukraine zu raten, die russische Ölindustrie effektiver anzugreifen, sagt Trump dem Präsidenten der Ukraine erneut, dass diese Angriffe eingestellt werden sollten, und kann dabei, wie wir sehen, nicht einmal so auf den ukrainischen Präsidenten einwirken, dass dieser auf die Vorschläge seines amerikanischen Amtskollegen hört.

Und hier befindet sich Trump tatsächlich in einer erstaunlichen Lage. Zum heutigen Zeitpunkt verfügt der amerikanische Präsident weder über reale Instrumente, um auf Moskau Einfluss zu nehmen, noch über reale Instrumente, um auf Kyiv Einfluss zu nehmen. Und wie wir sehen, hat Trump auch keinen wirklichen Willen, auf Moskau Einfluss zu nehmen. Es sei denn, er beginnt früher oder später, die Sanktionen aus dem Graham-Gesetz anzuwenden, doch das ist heute eher eine politische Annahme als eine tatsächliche Wendung der Ereignisse.

Und wenn ein Vermittler, der zudem eine Großmacht ist, keine Instrumente besitzt, um auf die im Krieg befindlichen Länder Einfluss zu nehmen, welche Vermittlerrolle kann er dann überhaupt spielen?


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Зеленський відмовив Трампу | Віталій
Портников. 23.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 23.09.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Trump lädt Putin zum G20-Gipfel ein | Vitaly Portnikov. 23.09.2026.

US-Außenminister Marco Rubio hat den russischen Präsidenten Putin bereits offiziell zum G20-Gipfel in Miami eingeladen. Rubio betonte, dass dies für den russischen Staatschef eine hervorragende Gelegenheit sein werde, nicht nur mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump, sondern auch mit anderen Staats- und Regierungschefs der Welt zusammenzutreffen. Und dass ein Dialog selbst mit jenen notwendig sei, mit denen man in vielen Fragen unterschiedliche Positionen habe.

Damit hat Washington erneut ein offenkundiges Unverständnis für die russische politische Psychologie demonstriert. Allein die Einladung des russischen Präsidenten zum G20-Gipfel unter Bedingungen, unter denen er faktisch auf keinen der amerikanischen Friedensvorschläge eingeht, erscheint Putin als offensichtliches Zeichen der Schwäche Washingtons und rückt die Möglichkeit jeglicher produktiver Verhandlungen über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges in weitere Ferne.

Bislang gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass Putin tatsächlich beabsichtigt, Trumps Einladung anzunehmen und am G20-Gipfel in Miami teilzunehmen. Erstens deshalb, weil dies für ihn keine Demonstration dessen wäre, dass man ihn irgendwo gern empfangen möchte, sondern vielmehr eine Demonstration der Isolation Russlands vom Rest der Welt.

Denn abgesehen von einem Treffen mit Trump oder Treffen mit den Staats- und Regierungschefs der Länder des Globalen Südens, die ohnehin Putins Verhandlungspartner im Rahmen der BRICS oder der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit sind, kann der russische Präsident mit keinen weiteren Treffen rechnen. Die Staats- und Regierungschefs der europäischen Länder werden sich nicht mit ihm treffen, ebenso wenig die Regierungschefs Kanadas oder Japans.

Damit würde auf dem G20-Gipfel offensichtlich werden, dass Russland vom Rest der zivilisierten Welt isoliert bleibt und dass nur Donald Trump innerhalb dieser zivilisierten Welt eine andere Haltung einnimmt.

Warum also sollte Putin einer solchen Tagesordnung zustimmen? Außerdem könnte er befürchten, dass der amerikanische Präsident ihm vorschlagen wird, in Miami ein trilaterales Treffen der Staatschefs der Ukraine, Russlands und der Vereinigten Staaten abzuhalten. Putin aber hat keinerlei Wunsch, sich mit dem Präsidenten der Ukraine zu treffen und mit ihm über Frieden zu sprechen.

Deshalb kann ein Treffen auf der Ebene der Außenminister stattfinden, wie jenes am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung zwischen Marco Rubio und Sergej Lawrow. Obwohl Russland natürlich auch bei diesem Treffen gezeigt hat, dass es nicht bereit ist, von irgendeiner seiner kompromisslosen Positionen in der Frage der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges abzurücken.

Putins Teilnahme an einem prestigeträchtigen Gipfel der Staats- und Regierungschefs der Welt dürfte dagegen kaum stattfinden, solange Putin nicht sicher sein kann, dass sein Aufenthalt dort nicht mit einer ganzen Reihe politischer Skandale, demonstrativen Verlassen des Saals, Weigerungen, sich gemeinsam fotografieren zu lassen, und öffentlichen Erklärungen über die russische Aggression verbunden sein wird. All dieses Vergnügen kann Putin Lawrow oder Siluanow überlassen, aber gewiss nicht sich selbst.

Die Frage ist, warum die Regierung Donald Trumps so beharrlich ein Gespräch mit dem russischen Präsidenten anstrebt. Eigentlich hätte das Treffen in Anchorage den Präsidenten der Vereinigten Staaten davon überzeugen müssen, dass der russische Staatschef jeden Gipfel auf dieser Ebene ausschließlich dazu nutzt, sein eigenes politisches Gewicht zu demonstrieren; dass er zu keinerlei Zugeständnissen bereit ist, die Donald Trump interessieren; dass es vielmehr der amerikanische Präsident ist, der dem russischen Zugeständnisse macht – sowohl dann, wenn er von seiner Idee abrückt, zunächst eine Waffenruhe und erst danach Friedensverhandlungen zu erreichen, als auch dann, wenn er Putin darin zustimmt, dass eine Waffenruhe an die Erfüllung bestimmter russischer Bedingungen geknüpft werden kann und erst anschließend Friedensverhandlungen stattfinden sollen.

Und nun, nachdem Trump entgegen seinen ursprünglichen Vorschlägen Verhandlungen während des Krieges zugestimmt hat, hat dies letztlich keinen realen Weg zur Beendigung der Kampfhandlungen eröffnet. Denn Putin hat einfach erkannt, dass er diese Verhandlungen während des Krieges nutzen kann, um Zeit zu gewinnen, um die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten abzuwarten und danach bereits den Präsidentschaftswahlkampf und die Wahlen des Jahres 2028.

Und nun, bitte sehr: Während des Treffens der Außenminister erklärte Lawrow seinem amerikanischen Amtskollegen unmissverständlich, dass die Russische Föderation zu Verhandlungen bereit sei, von einer Waffenruhe während dieser Verhandlungen jedoch überhaupt keine Rede sein werde. Das heißt, weder ukrainische Angriffe auf die russische Ölverarbeitung noch die schwierige Lage der russischen Wirtschaft noch die Weigerung des Westens, die Sanktionen gegen Russland aufzuheben, solange es die Kampfhandlungen nicht einstellt, noch das Graham-Gesetz bringen Putin dazu, seine Haltung zum russisch-ukrainischen Krieg auch nur um ein Jota zu ändern.

Und da stellt sich eine ganz einfache Frage: Was hindert den amerikanischen Präsidenten daran, das zu erkennen? Vielleicht die Fata Morgana des Geldes. Vielleicht erzählt der Sonderbeauftragte des Präsidenten der Russischen Föderation, Kirill Dmitrijew, Steve Witkoff und Jared Kushner nicht zufällig von den überwältigenden Möglichkeiten einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Russland und den Vereinigten Staaten – sowohl wenn sie nach Russland kommen als auch wenn Dmitrijew selbst sich in den Vereinigten Staaten aufhält –, an der natürlich auch die Familie und das engste Umfeld Donald Trumps selbst beteiligt sein könnten.

Und dieser Wunsch, Zugang zu leicht verdientem russischem Geld zu bekommen, das man allein deshalb verdienen kann, weil Putin einem wohlgesonnen sein wird, könnte der Hauptgrund dafür sein, dass die tatsächlichen politischen Motive des russischen Präsidenten völlig ignoriert werden und man überhaupt nicht sehen will, dass Putin Trump selbst, dessen Verwandten und Freunden mit nahezu unverhohlener Verachtung begegnet und einfach darauf hofft, auch diesen amerikanischen Präsidenten zu überdauern, so wie er bereits dessen Vorgänger überdauert hat. Zumal dies offenbar noch einfacher zu bewerkstelligen ist, wenn man ihm weiterhin von unglaublichen wirtschaftlichen Möglichkeiten und Perspektiven erzählt.

Aus Sicht der staatlichen Interessen der Vereinigten Staaten und ihres Ansehens hätte Putin selbstverständlich keinesfalls zum G20-Treffen eingeladen werden dürfen. Denn wenn der Präsident der Vereinigten Staaten tatsächlich ein Ergebnis im Friedensprozess erreichen will, muss er sich klar daran erinnern, warum Putin aus der G8 ausgeschlossen wurde und warum andere Staats- und Regierungschefs der Welt ihn nicht sehen wollen. Und er darf den russischen Präsidenten nicht zu der Annahme verleiten, dass sich niemand auf der Welt mehr an seine Verbrechen erinnert.


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Titel des Originals: Трамп запрошує Путіна на GZO | Віталій
Портников. 23.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 23.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Die Helden von heute, die Verbrecher von morgen? Der Fall Hashim Thaçi. Vitaly Portnikov. 20.09.2026.

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Im Sommer 1989 kam ich nach Pristina, nicht nur, um den Kosovo zu sehen, sondern auch, um den Führer der Kosovo-Albaner Ibrahim Rugova kennenzulernen.

Heute ist es schon schwer, sich daran zu erinnern, wie sporadisch und zufällig Informationen in Zeiten ohne Internet waren, erst recht hinter dem sowjetischen „Eisernen Vorhang“, selbst in den Jahren der Perestroika. Die Bedeutung von Rugovas Persönlichkeit und die Notwendigkeit, ihn kennenzulernen, begriff ich nur deshalb, weil ich auf sein Interview mit der slowenischen Jugendzeitschrift „Mladina“ stieß – Slowenien war damals wohl die einzige jugoslawische Republik, die es sich erlauben konnte, ein Gespräch mit einem Dissidenten aus Pristina zu führen.

Rugova, ein albanischer Literaturwissenschaftler und Vorsitzender des Schriftstellerverbands des Kosovo, erinnerte mich an ukrainische Literaten, die sich schon damals darauf vorbereiteten, die Volksbewegung Ruch zu gründen – ihr erster Kongress sollte buchstäblich wenige Wochen nach unserem Treffen in Pristina stattfinden. Wir gingen durch das Stadion neben dem kleinen Häuschen des Schriftstellerverbands, und Rugova erzählte, wie er die Zukunft des Kosovo und Albaniens sah. Damals erschien mir dieses Gespräch allzu romantisch. In Albanien herrschte noch immer ein brutales kommunistisches Regime. Im Kosovo hatte Miloševićs Regime eine regelrechte Apartheid geschaffen und Serben und Albaner durch unsichtbare Grenzen voneinander getrennt. Rugovas Zuversicht in die Zukunft war faszinierend.

Noch erstaunlicher aber war der Glaube dieses eleganten Mannes mit seinem unverkennbaren Halstuch an die Kraft des gewaltlosen Widerstands. Als Antwort auf die Repressionen Belgrads schuf Rugova im Kosovo einen regelrechten Parallelstaat – mit eigenen Universitäten, Schulen, Krankenhäusern und sogar Entbindungskliniken. Milošević wusste diese Bereitschaft des Führers der Kosovo-Albaner zum Gewaltverzicht jedoch nicht zu schätzen. Mehr noch, er provozierte die Situation bewusst, weil er glaubte, die Konfrontation stärke nur seine Macht.

Es überrascht nicht, dass auch die jungen Albaner ihren Führer für einen Romantiker hielten und nicht an gewaltlosen Widerstand glaubten – so entstand die Kosovo-Befreiungsarmee und so trat Hashim Thaçi auf den Plan, der in seiner Jugend Rugovas Ideen leidenschaftlich unterstützt hatte, später jedoch von ihnen enttäuscht wurde. Als ich Rugova kennenlernte, war Hashim Thaçi so alt wie ich – etwas über zwanzig. Zehn Jahre später würde die ganze Welt über ihn sprechen, und Belgrad würde ihn zum wichtigsten Kriegsverbrecher und Terroristen erklären. Mit der Kosovo-Befreiungsarmee, der UÇK (Ushtria Çlirimtare e Kosovës), würden serbische Mütter ihren Kindern Angst machen – und dabei Gespräche darüber vermeiden, was die Serben den Albanern antaten, und zwar nicht Kämpfer einer illegalen Armee, sondern völlig legal agierende Soldaten und Polizisten.

Dass ein derart zermürbender Konflikt, noch dazu auf einem kleinen Territorium, zwangsläufig zu Kriegsverbrechen auf beiden Seiten führen musste, braucht meiner Ansicht nach nicht erklärt zu werden. Doch die Kosovaren haben bei allem tiefen Respekt vor Rugova für immer im Gedächtnis behalten, dass es Thaçi war, der beschloss, sie mit der Waffe in der Hand zu verteidigen. An dieser Wahrnehmung änderten auch die Konflikte nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo nichts, als Thaçi – der sowohl Ministerpräsident als auch Präsident des neuen Staates gewesen war – zu einem aktiven Teilnehmer der permanenten Konflikte innerhalb der neuen politischen Elite wurde.

Anders als die Führer der bosnischen Serben, die erst viele Jahre nach ihrer Anklage gefunden wurden, versteckten sich die Politiker des Kosovo nicht vor dem internationalen Tribunal. Thaçi trat sogar vom Amt des Präsidenten zurück, um sich vor diesem Tribunal zu verteidigen. Doch er verlor den Prozess – was im Kosovo unglaubliche Wut auslöste. Und das, obwohl man im Westen dem Überlebenskampf der Kosovo-Albaner stets mit Sympathie begegnet war und Thaçi ein Partner und besonderer Günstling führender westlicher Politiker gewesen war.

Rugova – das spürte man im Gespräch mit ihm – behandelte die Kosovaren wie seine eigenen Kinder. Thaçi war der Ansicht, seine Landsleute müssten gemeinsam mit ihm kämpfen. Rugova wollte leidenschaftlich die Ehre der Albaner schützen und verhindern, dass ihre Hände mit Blut befleckt würden. Als Milošević beschloss, die Albaner aus dem Kosovo zu vertreiben, fuhr Rugova nach Belgrad, um den Diktator davon zu überzeugen, diesen fatalen Schritt nicht zu tun. Das war ein Schlag für seine Reputation – aber offenbar interessierte ihn weniger seine eigene Reputation als das Überleben der Nation. 

Thaçi sah den Weg zu diesem Überleben im Widerstand, im Krieg. Und Krieg ist immer eine schmutzige Angelegenheit. Natürlich würde man gerne nur so siegen, wie Ibrahim Rugova es anstrebte. Aber wenn man versucht, dich buchstäblich vom Erdboden zu tilgen, musst du einfach so antworten wie Hashim Thaçi.

Das Urteil gegen den ehemaligen Kommandeur der Kosovo-Befreiungsarmee erinnerte mich an das Schicksal der Anführer der ukrainischen Befreiungskämpfe, mit deren Namen andere Mütter ihren Kindern bis heute Angst machen. Aber das ist nicht nur eine Erfahrung der Vergangenheit, sondern auch eine Frage unserer gemeinsamen Zukunft: Werden diejenigen, die uns heute helfen, morgen vielleicht unsere Helden verurteilen?


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Art der Quelle: Social Media
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung/ Entstehung: 20.09.2026.
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Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Trump – Zelensky: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 22.09.2026.

Gerade eben ist in New York am Rande der UN-Generalversammlung, wo ihre nächste Sitzung stattfindet, das Treffen zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine, Donald Trump und Volodymyr Zelensky, zu Ende gegangen.

Man kann sagen, dass bereits die Tatsache dieses Treffens ein wichtiges Ereignis ist. Bekanntlich hatte Präsident Trump, nachdem die Sonderbeauftragten des Präsidenten der Vereinigten Staaten Steve Witkoff und Jared Kushner die russische und die ukrainische Hauptstadt besucht hatten, die Absicht, mit den Präsidenten der Russischen Föderation und der Ukraine zu telefonieren, um die Ergebnisse dieses Besuchs zu erörtern. Tatsächlich fand das Telefongespräch jedoch ausschließlich zwischen den Staatschefs der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation statt.

Trump bezeichnete dieses Gespräch damals als gut, nannte aber keinerlei konkrete Tatsachen, die darauf hingedeutet hätten, dass bei diesem virtuellen Treffen zumindest irgendwelche Vereinbarungen getroffen worden wären, die mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges oder wenigstens mit dem Beginn eines Verhandlungsprozesses zwischen den Vereinigten Staaten, der Russischen Föderation und der Ukraine zusammenhängen. Ein gewisses Zeichen, das natürlich gewisse Besorgnis hervorrief, war jedoch die Tatsache, dass der Präsident der Vereinigten Staaten das erwartete Telefongespräch mit dem Präsidenten der Ukraine letztlich nicht führte. Mehr noch: Im Arbeitsplan des Präsidenten der Vereinigten Staaten am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung war schlicht kein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten vorgesehen.

Stattdessen erklärten sowohl der Präsident der Vereinigten Staaten selbst als auch die Leiter der zuständigen Ministerien der Vereinigten Staaten den Anstieg der Dieselpreise an amerikanischen Tankstellen mit den ukrainischen Angriffen auf den Ölraffineriesektor der Russischen Föderation. Und Trump forderte Volodymyr Zelensky wiederholt öffentlich dazu auf, solche Angriffe einzustellen. Man konnte also davon ausgehen, dass zwischen Washington und Kyiv eine gewisse Abkühlung bestand, die mit den Ergebnissen oder Nicht-Ergebnissen jenes Besuchs zusammenhing, der vor Kurzem in der russischen und der ukrainischen Hauptstadt stattgefunden hatte.

Der heutige Tag zerstreut bis zu einem gewissen Grad gerade diese Befürchtungen einer Abkühlung. Man kann sagen, dass uns und unseren europäischen Verbündeten die Logik des Wahlkampfs in den Vereinigten Staaten derzeit gewisse Möglichkeiten eröffnet – wenn schon nicht für ein reales, dann für ein, wie ich sagen würde, verbales Manövrieren in den Beziehungen zu Donald Trump.

Trump steht tatsächlich vor der Gefahr einer Niederlage bei den Zwischenwahlen zum Kongress. Diese Niederlage könnte schwerwiegende Folgen für seine eigene politische Karriere sowie für das Schicksal seiner Familie und seines Umfelds haben. Umso mehr, wenn die Demokratische Partei der Vereinigten Staaten die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses übernimmt.

Früher war davon überhaupt keine Rede. Man ging davon aus, dass die Zwischenwahlen zum Senat den Demokraten keinesfalls solche Möglichkeiten eröffnen würden, weil nur ein Drittel der Senatoren gewählt wird. Doch jetzt, mit dem erneuten Anstieg der Preise an den amerikanischen Tankstellen, beginnen solche Möglichkeiten realistischer zu werden als alle Berechnungen, wonach die Republikanische Partei die Kontrolle über den Kongress behalten könnte. Der Kampf verläuft, sozusagen, in vielen Senatswahlkreisen steht es, sozusagen, 50 zu 50.

Natürlich muss Trump den Wählern zeigen, dass er sich um ihr Schicksal kümmert und auf ihre Interessen hört. Man kann nicht sagen, dass der russisch-ukrainische Krieg irgendwie im Mittelpunkt der Interessen amerikanischer Wähler steht. Offensichtlich beschäftigen sie die wirtschaftlichen Folgen von Trumps Regierungszeit, der Anstieg eben dieser Dieselpreise und die fortdauernde Blockade der Straße von Hormus mit all ihren wirtschaftlichen Folgen wesentlich mehr. Das alles ist verständlich. Aber in einer Situation, in der jede Stimme wichtig ist und der Kampf in vielen Wahlkreisen wiederum 50 zu 50 steht, passt möglicherweise auch die Demonstration, dass Trump sich um die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges bemüht, in seine Wahlkampftaktik. Von einer Strategie können wir hier nicht sprechen, weil bis zu den Wahlen nicht mehr genügend Zeit bleibt, um irgendeine Taktik durch eine Strategie zu ersetzen.

Was den Präsidenten der Ukraine betrifft, verstehen wir seine Kalkulationen ebenfalls sehr gut. Die Hauptidee lautet: keinen Streit mit Washington, damit die Unterstützung der Vereinigten Staaten fortgesetzt wird, damit uns zumindest die Möglichkeiten zur Verfügung gestellt werden, die es bereits gibt, und damit diese Möglichkeiten erweitert werden. Und das Wichtigste ist natürlich, dass Zelenskys Ziele bei den Verhandlungen, so kann man sagen, denen Putins entgegengesetzt sind. Putin spielt bei diesen Verhandlungen auf Zeit und hofft, das Ende der Amtszeit Donald Trumps – es ist bereits am Horizont – ohne neue ernsthafte zusätzliche Sanktionen der Vereinigten Staaten gegen die russische Wirtschaft zu erreichen und diese Wirtschaft auf diese Weise zur Fortsetzung eines langen Krieges gegen unser Land zu nutzen.

Zelenskys Ziel besteht dagegen gerade darin, selbst wenn es in den kommenden Jahren nicht möglich sein sollte, einen wirklichen Verhandlungsprozess zwischen Moskau und Kyiv zu organisieren, Bedingungen für weiteren wirtschaftlichen und politischen Druck auf die Russische Föderation zu schaffen, um sie irgendwann in absehbarer oder nicht absehbarer Zukunft dazu zu zwingen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen, um den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. Umso offensichtlicher sind diese Ziele vor dem Hintergrund, dass buchstäblich in diesen Tagen ein Treffen zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Staatschef der Volksrepublik China Xi Jinping stattfinden wird. Zumindest war dieses Treffen geplant, und offensichtlich können auch der russisch-ukrainische Krieg und die völlig unterschiedlichen Herangehensweisen Washingtons und Pekings an diesen Krieg zum Thema einer Diskussion zwischen den beiden Staatschefs werden.

Und für uns ist wichtig, dass Trump sich nicht mit Xi Jinping einigt, sondern ihn gerade über jene möglichen Formen des Drucks auf die Volksrepublik China informiert, die entstehen könnten. Natürlich nur, wenn die Vereinigten Staaten dafür tatsächlich über entsprechende Möglichkeiten verfügen, falls China ein wichtiger Unterstützer Russlands im Energie- und Militärbereich bleibt und damit die russischen Bemühungen unterstützt, die Kontrolle Russlands über den gesamten postsowjetischen Raum wiederherzustellen und jene unabhängigen Staaten zu beseitigen, die nach 1991 in diesem Raum entstanden sind.

Trump war heute, wie ich sagen würde, in seinen Äußerungen deutlich proukrainischer eingestellt als in der vorangegangenen Zeit. Er erwähnte die Ölraffinerien der Russischen Föderation, die zu Zielen ukrainischer Angriffe werden, nicht. Und ich habe Ihnen bereits wiederholt gesagt, dass es für Trump ein Problem wäre, wenn wir diese Angriffe plötzlich einstellen würden, dass ihm eine Energie-Waffenruhe nicht nützt, denn wenn wir die Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation einstellen, der Dieselpreis aber nicht sinkt, wäre das ein zusätzliches Signal dafür, dass das ganze Problem beim Iran und nicht bei Russland liegt.

Dennoch sprach Trump von der Tribüne der UN-Generalversammlung über die Notwendigkeit, den Krieg zu beenden, und sagte Journalisten, dass er Putin die Botschaft übermittle, Putin solle diesen Krieg, der aus seiner Sicht Wahnsinn ist – nun, und aus unserer Sicht ebenfalls Wahnsinn –, so schnell wie möglich beenden. Und das ist, denke ich, die wichtigste These, obwohl keineswegs sicher ist, dass sie in die Tat umgesetzt wird: dass er bereit sein könnte, das Graham-Gesetz anzuwenden, das erst vor Kurzem vom amerikanischen Kongress verabschiedet wurde, um Druck auf die Unterstützer der Russischen Föderation im Energiebereich und auf die Russische Föderation selbst auszuüben.

Und wir verstehen, dass am Graham-Gesetz wichtig ist, dass es vom Kongress verabschiedet wurde. Auch die Tatsache, dass nun kein Präsident der Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren der russisch-ukrainischen Konfrontation die Sanktionen gegen Russland aufheben können wird, ist sehr wichtig. Entscheidend ist aber auch, wie dieses Gesetz im Hinblick auf neue wirtschaftliche Schläge der Vereinigten Staaten gegen jene Länder wirken wird, die weiterhin Verbündete Russlands sind und seine imperialen Ambitionen unterstützen, indem sie den russischen Haushalt vergrößern und damit die Fortsetzung des russischen Krieges gegen die Ukraine ermöglichen. Wir verstehen, dass sich auch die begrenzten Möglichkeiten der Vereinigten Staaten hier bemerkbar machen können. Aber so oder so kann gerade dieses, wie ich sagen würde, Gespenst der Sanktionen, das nun über jeder Ölraffineriefirma der Volksrepublik China und Indiens schweben wird, seine Wirkung entfalten – wenn nicht in naher, dann in fernerer Zukunft.

Denn ich erinnere noch einmal daran, dass wir uns auf einer sehr langen Strecke befinden. Und das ist gerade eine solche Geschichte, bei der, um das Licht am Ende des Tunnels zu sehen, zunächst das entstehen muss, was es im russisch-ukrainischen Krieg grundsätzlich noch nicht gibt: der Tunnel selbst, der eine Möglichkeit zu seiner Beendigung eröffnet.

Das heißt, jeder Moment, jedes Anzeichen dafür, dass in irgendeinem für die Weltwirtschaft kritischen Moment amerikanische Sanktionen angewendet werden könnten, selbst wenn dies nicht in den kommenden Monaten geschieht, kann bereits den Kauf russischen Öls verringern. Es kann bereits gewisse Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Ölraffinerieunternehmen der Volksrepublik China und Indiens – zumindest dann, wenn sich der Ölmarkt wieder stabilisiert, wofür es bislang ebenfalls keine Anzeichen gibt – all diese möglichen Maßnahmen berücksichtigen müssen, die sich natürlich auf die tatsächlichen Möglichkeiten des russischen Staatshaushalts auswirken können.

Umso mehr, als wir sagen, dass wir nicht wissen, wie das alles aussehen wird, Trump aber hofft, ein Friedensabkommen mit dem Iran zu unterzeichnen. Und heute fand am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung ein Treffen statt, das hinsichtlich seiner Folgen möglicherweise wesentlich wichtiger ist als das Treffen zwischen Trump und Zelensky. Es handelt sich um die Verhandlungen der amerikanischen Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner mit dem Leiter des iranischen Außenministeriums Abbas Araghtschi.

Und die Tatsache, dass solche Kontakte auf offizieller Ebene stattfinden, kann grundsätzlich darauf hindeuten, dass noch Möglichkeiten für eine gewisse Normalisierung der Beziehungen zwischen Washington und Teheran bestehen, mit der Möglichkeit, die wichtigsten Handelswege wieder zu öffnen, bevor die Weltwirtschaft in eine solche Krise stürzt, aus der sie im kommenden Jahrzehnt nicht wieder herauskommt, wie nach einem Tsunami. Und das ist ein schlechtes Zeichen für die Russische Föderation, deren Führung sich, sozusagen, abseits dieser tiefen Energiekrise befindet und sich bereits darauf vorbereitet, deren Folgen zu nutzen, wenn jene strategischen Ölreserven endgültig erschöpft sein werden, über die die Welt für diesen Zeitraum verfügte.

Natürlich hatte niemand damit gerechnet, dass dieser Zeitraum so lang und so ausweglos sein würde, wie wir es jetzt im Zusammenhang mit der Situation in der Straße von Hormus beobachten. All diese Äußerungen Trumps ebenso wie seine Aussagen darüber, dass er gute Beziehungen zur Ukraine habe und dass man solche Kontakte mit Kyiv unterhalte, die Hoffnung darauf geben, den Krieg durch gemeinsame Anstrengungen beenden zu können, schaffen also, wie Sie verstehen, eine völlig andere Atmosphäre als jene, die einst in den Beziehungen zwischen dem amerikanischen und dem ukrainischen Präsidenten herrschte. Zumindest zu Beginn ihrer Kontakte nach Trumps Rückkehr ins Oval Office.

Denn wir erinnern uns sehr gut daran, was in diesem Oval Office geschehen ist. Und Volodymyr Zelensky, der die Ergebnisse dieses erneuten Treffens mit dem amerikanischen Staatschef zusammenfasste, sagte, dass bei seinem Treffen mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten keinerlei Ideen geäußert worden seien, wonach die ukrainischen Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur einseitig eingestellt werden sollten. Das bedeutet, dass die Amerikaner am Konzept einer beiderseitigen Waffenruhe festhalten, dass sie den Russen als Gegenleistung für die Einstellung der Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Russischen Föderation vorschlagen können, ihre Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur vor dem Winter einzustellen. Denn der Winter bleibt für Putin bekanntlich immer mit dem Traum verbunden, die Ukrainer erfrieren zu lassen und zumindest noch einen weiteren Sieg im demografischen Krieg zwischen dem russischen und dem ukrainischen Volk zu erringen, der zu einer erheblichen Verringerung der Bevölkerung auf dem Russland feindlich gesinnten Territorium unseres Staates führen soll.

Und wir wissen, dass Putin dies mit großem Eifer betreibt und dass auch dies ein wichtiger Teil seines Krieges gegen die Ukraine ist, dass dies in erster Linie ein Krieg gegen das ukrainische Volk ist, der auch das Ziel verfolgt, dass die Zahl der Menschen auf ukrainischem Territorium niemals auch nur annähernd mit der Zahl der Menschen auf russischem Territorium konkurrieren kann. Obwohl, wie wir sehen, auch auf diesem Territorium eine schwere demografische Krise stattfindet, die eines Tages zu, wie ich sagen würde, völlig irreversiblen Folgen für die Existenz des russischen Volkes auf dem Territorium führen wird, auf dem es lebt. Zumindest außerhalb des europäischen Teils Russlands werden die Russen sich nie wieder in einem Maße demografisch erholen können, das ihnen die demografische Kontrolle über dieses Territorium ermöglicht. Das ist sicher. Und im europäischen Teil wird es eigene Krisenprozesse geben, wie überall in solchen Regionen.

Jedenfalls haben wir bei der Führung der Russischen Föderation bislang keinen wirklichen Wunsch gesehen, das Problem einer Energie-Waffenruhe zu lösen, denn Trump kann darüber unter dem Gesichtspunkt der Rationalität nachdenken, und das ist seine Logik, die ebenfalls verständlich ist. Putin dagegen kann ungefähr so denken wie die iranische Führung, wenn sie die Folgen ihrer Konfrontation mit dem Westen kalkuliert. Es geht um das Maß an Widerstandsfähigkeit. „Wie viel Widerstandsfähigkeit besitzen unsere Wirtschaft und unsere Bevölkerung noch, um den Krieg fortzusetzen?“ Und wenn das Maß an Widerstandsfähigkeit und das Ausmaß der Verluste akzeptabel sind, um den Krieg fortzusetzen, dann können keine ukrainischen Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur Putins Bereitschaft zu weiterer Aggression stoppen.

Das ist also ein völlig anderes Vokabular des Krieges, an das Putin sich hartnäckig hält, wie sich vor ihm alle autoritären Führer daran hielten, wie sich die iranische Führung daran hält und wie sich die Führung Nordkoreas daran hält. Die Zahl der Opfer unter der eigenen Bevölkerung, die Höhe der wirtschaftlichen Verluste und das Ausmaß der möglicherweise irreparablen Folgen können niemanden in der russischen Führung interessieren, solange die Widerstandsfähigkeit es ermöglicht, die Aggression fortzusetzen und den Feind zu vernichten, dessen Widerstandsfähigkeit, wie Putin hoffen wird, geringer sein könnte, was zur Destabilisierung der Lage und zur Kapitulation zu russischen Bedingungen führen würde. Das ist die Formel.

Und deshalb müssen wir auch in der kommenden Zeit weiterhin darauf hinarbeiten, dass das Maß an Widerstandsfähigkeit in Russland wesentlich geringer ist und Russland in dieser Hinsicht zumindest nicht mit der Ukraine konkurrieren kann. In diesem Krieg gewinnt derjenige, der dem Druck des Feindes standhalten kann. Wer dem Druck des Feindes nicht standhalten kann, wird verlieren. Und zwar schändlich. Im ukrainischen Fall wäre das das Verschwinden der Ukraine von der politischen Weltkarte und das Verschwinden des ukrainischen Volkes von der demografischen Landkarte. Im russischen Fall wäre es faktisch die Niederlage des Imperiums und seiner imperialen Ambitionen, gefolgt von schweren Krisenerscheinungen auf dem Territorium der Russischen Föderation mit völlig unvorhersehbaren blutigen Folgen, die das gesamte Territorium der Russischen Föderation und der Nachbarstaaten überfluten könnten.

Wir verstehen also, welchen Preis das Ende dieses Krieges für uns und für die Russen hat, und auch das muss man sich bewusst machen. Und dass wir uns mit Vorschlägen für ein Treffen an Putin wenden können, kann ebenfalls zu keinen konkreten Ergebnissen führen, solange er nicht zu dem Schluss kommt, dass seine Widerstandsfähigkeit bereits Risse bekommt. Im Grunde hat Zelensky heute ebenfalls darüber gesprochen. Er sagte, dass er dem Präsidenten der Vereinigten Staaten vorgeschlagen habe, ein trilaterales Treffen zu organisieren, das die Frage der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges lösen sollte. Und natürlich sagte er in dieser Situation, dass Putin zu diesem trilateralen Treffen nicht bereit sei und auch nicht bereit sei, den Krieg zu beenden.

Ich teile diese Auffassung des ukrainischen Präsidenten. Ich sehe keinerlei objektive Grundlage für die Annahme, dass der Präsident der Russischen Föderation in absehbarer Zukunft auch nur 30 Sekunden lang über die Möglichkeit eines solchen Kriegsendes nachdenken wird, das es der Ukraine erlaubt, auf der politischen Weltkarte zu bleiben. Deshalb muss der Druck auf Russland in der kommenden Phase der russisch-ukrainischen Konfrontation fortgesetzt werden, er muss wachsen, er muss ukrainisch, europäisch und amerikanisch sein. Konfrontation und Eskalation müssen den Kern unserer Politik gegenüber der Russischen Föderation und unseres Verständnisses jener Situation bilden, die sich in diesem zermürbenden, langen, endlosen Krieg um das Überleben des ukrainischen Volkes und die Existenz des ukrainischen Staates entwickelt.

Und hier muss das Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten natürlich ein weiteres Instrument zur Fortsetzung dieser harten Kampagne des Drucks auf die Russische Föderation sein, mit der Zerstörung ihrer Wirtschaft und der Vernichtung ihrer Soldaten, die auf unserem Boden kämpfen, und so weiter. Mir scheint also, dass ebenfalls klar ist, warum wir mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten über Druck auf den Präsidenten der Russischen Föderation sprechen. Ein weiterer wichtiger Aspekt dieses Gesprächs zwischen Trump und Zelensky ist natürlich Zelenskys Bereitschaft, sich mit Putin zu treffen. Aber Zelensky äußert diesen Wunsch immer wieder; man kann sagen, dass dies ein Ausdruck seiner Friedfertigkeit ist.

Wie Sie wissen, sehe ich grundsätzlich seit dem Normandie-Treffen 2019 in Paris keinerlei Grund zu der Annahme, dass die Präsidenten Putin und Zelensky sich irgendwann in ihrem Leben wieder treffen werden. Ich halte es für möglich, dass selbst dann, wenn auf vorläufiger Grundlage eine Waffenruhe zwischen den russischen und ukrainischen Armeen erreicht wird, diese nicht auf der Ebene der Präsidenten vereinbart wird und dass in absehbarer Zukunft kein dauerhafter Frieden zwischen Russland und der Ukraine erreicht werden wird. Und wenn er erreicht wird, werden ihn möglicherweise die Nachfolger Putins und Zelenskys in den Präsidentenämtern ihrer Länder schließen.

Vielleicht werden es sogar Menschen nach den unmittelbaren Nachfolgern der Präsidenten Russlands und der Ukraine sein, weil Putins und Zelenskys Nachfolger sich auf keinen Frieden einigen können. Wir sehen doch beispielsweise, dass es in Georgien seit vielen Jahren eine Regierung gibt, die ihrem Wesen nach auf Zusammenarbeit mit Moskau ausgerichtet ist, aber keinerlei Perspektiven für ein Treffen auf höchster Ebene zwischen der georgischen und der russischen Führung oder für die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Georgien und Russland entstanden sind und auch nicht entstehen werden. Und genauso wird die Situation in den russisch-ukrainischen Beziehungen aussehen, selbst wenn man sich theoretisch vorstellen kann, dass die heiße Phase der Kampfhandlungen zwischen den beiden verfeindeten Ländern und Völkern irgendwann endet.

Vielleicht entsteht also erst dann, wenn eine gewisse Zeit vergangen ist und die Generation der Kämpfenden und Hassenden abgelöst wurde, eine wirkliche Möglichkeit für einen dauerhaften Frieden und einen Friedensvertrag. Aber das ist ganz sicher kein Frieden, den Putin und Zelensky miteinander unterzeichnen werden. Selbst wenn man sich so etwas vorstellt, wäre der nächste Krieg dann nicht weit entfernt. Auch das muss man sich sehr klar bewusst machen, denn Putin wird jedes Friedensabkommen nur unterzeichnen, um es anschließend zu brechen.

Ein weiterer wichtiger Punkt des Treffens ist, dass Zelensky mit Trump weiterhin den Aufbau einer Produktion von Patriot-Systemen in der Ukraine erörtert, dass er den Prozess weiter beschleunigen will und sagt, dass das Unternehmen, das diese Raketen herstellt, bereit sei und Trump der Frage einer Lizenz positiv gegenüberstehe. Aber es ist klar, dass dies keine Sache des heutigen Tages ist. Und dann gibt es die sehr wichtige Frage der Lokalisierung einer solchen Produktion. Wo soll sie stattfinden? Soll sie auf dem Territorium der Ukraine selbst stattfinden oder in mit uns verbündeten europäischen Ländern, die uns diese Raketen liefern werden? Denn wir verstehen, dass jede Patriot-Produktion in der Ukraine jederzeit von Russland bombardiert und die Produktionskapazität dabei zerstört werden kann. Und auch hier stellt sich selbst bei Erhalt einer Lizenz immer die Frage der Sicherheit.

Aber wiederum weiß ich nicht, inwieweit diese Diskussion derzeit überhaupt realistisch ist, solange wir keine politischen Entscheidungen aus dem Weißen Haus hören, sondern lediglich, dass die Diskussionen darüber weitergehen. Offen gesagt wäre es schon gut, von Donald Trump wenigstens eine politische Entscheidung zu bekommen, die mit der Möglichkeit zusammenhängt, Starlink für Angriffe auf das Territorium der Russischen Föderation einzusetzen. Aber auch dafür, dass wir annehmen könnten, dass diese Diskussion tatsächlich stattfinden wird, sehen wir keinerlei Grundlage. Und auch das ist ein Aspekt dieses Treffens: Dieses Thema wird derzeit nicht einmal erörtert. Dabei verstehen wir, dass angesichts einer Situation, in der es weltweit weniger Flugabwehrsysteme und mehr Kriege geben wird, die Verringerung der Bedrohung durch ballistische Raketen darin besteht, die Abschussanlagen dieser ballistischen Raketen und die Fabriken, in denen sie hergestellt werden, anzugreifen. Ohne Starlink und ohne eigene Waffen, die präzise Informationen über den Zeitpunkt des Entstehens einer ballistischen Bedrohung nutzen können, glaube ich nicht, dass man solche Angriffe bewältigen kann.

Nun sagt Zelensky – und offensichtlich spricht er darüber sowohl mit Putin als auch mit Trump –, dass er befürchtet, die Russen würden über die Ukraine hinausgehen, und dass er Raketen- und Drohnenangriffe sowie einen Vormarsch auf europäische Länder auf dem Landweg, insbesondere auf Staaten, die an die Russische Föderation grenzen, nicht ausschließt. Grundsätzlich glaube ich wegen der begrenzten Ressourcen der Russischen Föderation nicht, dass ein solcher Vormarsch auf dem Landweg möglich ist. Aber ich glaube auch nicht, dass Putin sich in dieser Situation tatsächlich von einem hybriden Krieg gegen Europa, selbst von Angriffen auf Europa, zurückhalten kann, und zwar aus dem einfachen Grund, dass er bereits erkannt hat, dass gerade die europäischen Länder heute das wichtigste Zentrum der Unterstützung für die Ukraine im russisch-ukrainischen Krieg sind.

Die Stimmung ihrer Gesellschaften zu verändern und den Europäern zu demonstrieren, dass der einzige Weg zum Frieden in Europa selbst darin bestehe, die Unterstützung der Ukraine einzustellen, kann in den kommenden Jahren des russisch-ukrainischen Krieges ein tatsächliches Instrument des Kremls zur Einflussnahme sein. Ich habe wiederholt gesagt, dass dies ein ziemlich ernstes Anzeichen dafür sein könnte, dass Russland gewisse Schlussfolgerungen daraus gezogen hat, dass seine Vorstellung, die Ukraine werde nach der US-Präsidentschaftswahl 2024 kapitulieren, wenn die Unterstützung für die Ukraine eingestellt werde, sich nicht bewahrheitet hat. Und nun kann Russland ganz ruhig auf eine Verringerung der europäischen Unterstützung setzen.

Ich muss übrigens sagen, dass dieses Feuerwerk an Sabotageakten, das in Deutschland vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stattgefunden hat, meiner Überzeugung nach gerade darauf ausgerichtet war, die Position der Alternative für Deutschland bei diesen Landtagswahlen zu stärken und Voraussetzungen für eine politische Katastrophe der Christlich Demokratischen Union unter Bundeskanzler Friedrich Merz zu schaffen, der der russischen Aggression ziemlich entschieden entgegentritt und bereit ist, die Ukraine weiter zu unterstützen. Solche Politiker, solche politischen Kräfte und solche Stimmungen will der Kreml in den kommenden Kriegsjahren beseitigen. Ich weiß nicht, wie das geschehen wird, mithilfe von Angriffen oder mithilfe hybrider Mittel. Auf welche Weise ein Einmarsch auf dem Landweg stattfinden könnte, ist bereits eine andere Frage, aber das ist Zelenskys Sichtweise.

Zelensky sprach außerdem davon, dass nach Wegen zu einer Energie-Waffenruhe gesucht werde, dass er und Trump nach Möglichkeiten für eine solche Energie-Waffenruhe suchten. Nun, wir sehen, dass Putin bislang auf keine Initiativen Trumps eingeht.

Das sind also die wichtigsten, wie ich sagen würde, Thesen dieses rituellen Treffens der Präsidenten am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung. Die Angriffe auf russische Ölraffinerien und Energieanlagen werden fortgesetzt, wenn Russland keiner Energie-Waffenruhe zustimmt. Das ist ein wichtiges Signal an Moskau. Die Verhandlungen über eine Lizenz zur Herstellung von Raketen für Patriot-Systeme werden fortgesetzt.

Zelensky spricht sogar von Zustimmung, aber soweit ich verstehe, laufen die Verhandlungen dennoch weiter, und dies ist eines der Hauptthemen der Gespräche. Aber wiederum ist das eine Frage der Perspektive, denn aus einem Jahr können auch zwei werden, während wir schon heute, 2026 und 2027, überleben müssen und nicht erst 2028.

Und natürlich ist auch das bevorstehende Treffen Trumps mit dem Staatschef der Volksrepublik China ein wichtiges Thema. Aber es ist klar, dass auch dieses Treffen zu keinen konkreten Ergebnissen im russisch-ukrainischen Krieg führen könnte, und zwar aus dem einfachen Grund, dass Xi Jinping und Trump völlig entgegengesetzte Vorstellungen davon haben könnten, wie dieser Krieg enden soll. Und hier ist natürlich auch der Druck Chinas auf Trump ein wichtiger Teil der Geschichte, denn wir erinnern uns daran, dass Trump versucht hat, China mit Zöllen zu begegnen, und diesen Zollkrieg gegen Xi Jinping verloren hat. Inwieweit das Graham-Gesetz Xi Jinping jetzt davon überzeugen kann, dass seiner Wirtschaft bei der Einführung neuer amerikanischer Zölle etwas droht, ist eine große Frage.

Vielleicht wird Trump mit Xi Jinping unter dem Gesichtspunkt der Perspektiven für das normale Überleben der russischen Wirtschaft in diesem Krieg anders sprechen. Denn mir scheint, dass dies das Einzige ist, was Xi Jinping interessiert. Gerade unsere Angriffe auf die Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation waren der Grund dafür, dass sowohl Xi Jinping als auch der indische Ministerpräsident Narendra Modi mit Wladimir Putin über die Notwendigkeit einer politischen Lösung der Situation rund um den russisch-ukrainischen Krieg gesprochen haben.

Nun, das sind die ersten Ergebnisse des Treffens der Präsidenten der Ukraine und der Vereinigten Staaten am Rande der UN-Generalversammlung.

Ich werde die Fragen beantworten, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Warum bevorzugen Gesellschaften in der modernen Welt eher extreme Ideologien als ausgewogene Zentristen? Ist das ein fehlender Selbsterhaltungstrieb?

Portnikov. Ich denke, wenn zentristische Ideologien siegen, geschieht das in der Regel in der Zeit nach großen Konflikten und großen Krisen, wenn die Menschen von ihrer eigenen Suche nach einfachen Antworten auf schwierige Fragen so erschreckt sind, dass sie bereit sind, zentristischen liberalen Ideen zuzustimmen, um sich vor dem Radikalismus zu retten. Doch später sterben diese Generationen von Menschen, die sich an die Folgen ihrer früheren Dummheit erinnern, einfach eines gewöhnlichen natürlichen Todes. Die Generationen wechseln, und es entstehen neue Generationen von Narren, die noch keinen Schrecken erlebt haben und glauben, dass sich viele Probleme mit Gewalt lösen lassen, dass man einfache Antworten auf schwierige Fragen geben kann. Diese Menschen wählen, dann kommt es zu Konflikten und Kriegen. Eine enorme Zahl dieser Menschen landet in den Gräbern. Sie können keine neuen Kinder bekommen, weil sie während der Katastrophen und Kriege schlicht sterben. Und danach beginnt ein neuer Teil der verängstigten Bevölkerung wieder ausgewogener zu wählen, für die nächsten zwei oder drei Generationen. Das ist ein Gesetz der Geschichte.

Wir leben gerade in einer Zeit, in der bereits die Kinder des Zweiten Weltkriegs in den Gräbern landen. Diejenigen, die noch leben, sind heute 80 oder 90 Jahre alt. Praktisch alle Menschen, die heute die Welt regieren oder Wähler sind, haben selbst keinen solchen Schrecken erlebt. Das bedeutet, dass die Geschichte jetzt ihr Haupt erhebt, um sie sehr ernsthaft zu erschrecken. Unter den Bedingungen neuer Technologien und künstlicher Intelligenz wird dieser Schrecken wesentlich größer sein als während der vorangegangenen Weltkriege.

Wir werden das erleben, Zeugen davon sein und es in diesen Sendungen diskutieren, wenn wir natürlich überleben. Denn das ist ein unglaublich interessanter dramatischer Prozess, den nicht jede Generation erlebt. Und danach wird es 70 oder 80 Jahre eines mehr oder weniger normalen Lebens geben. Diejenigen von uns, die überleben – nun, Menschen meines Alters werden diese 80 Jahre natürlich nicht erleben –, aber die letzten 20 oder 25 Jahre nach dem Ende dieser Prüfung werden sehr interessant, friedlich und ruhig sein. Und Menschen, die heute 20 oder 30 Jahre alt sind und das Glück haben zu überleben, werden ebenfalls in einer relativ ruhigen, normalen Welt leben. Und wenn dann neue Generationen auftauchen, denen diese Erfahrung fehlt, wird sich alles wiederholen. Das ist ein Gesetz der Geschichte.

Der nächste solche Kataklysmus wird also stattfinden … Nun, wenn dieser irgendwann um 2035 endet, dann wird zu Beginn des neuen Jahrhunderts ein neuer großer Kataklysmus stattfinden. Irgendwann 2095, 3005. Nun, Sie werden diese meine Prognose überprüfen – diejenigen, die so lange leben und es erleben, oder Ihre Kinder und Enkel werden sie überprüfen.

Man muss es also so betrachten: Die 2020er- und 2030er-Jahre sind jetzt eine Zeit der Krisen, der großen Zusammenstöße, des Todes, des Blutes und der Tragödie. Danach kommt eine friedliche Periode, und dann, 2095 oder 3005, beginnt alles von vorn, bereits mit völlig neuen technologischen Möglichkeiten. Vielleicht werden die Menschen dann überhaupt nicht mehr Krieg führen, sondern nur noch Roboter und künstliche Intelligenzen werden gegeneinander kämpfen. Die Menschen werden lediglich durch deren Krieg sterben. So wird es sein. Das wäre etwas völlig anderes als heute. Aber versuchen wir erst einmal, das Ende der gegenwärtigen Phase der Konfrontation zu erleben, die vielleicht die letzte Periode von Kriegen zwischen Menschen sein könnte. Das ist ebenfalls unglaublich interessant, nicht wahr?

Frage. Wie wirksam ist die bittere Pille des Krieges, oder ist die ukrainische Gesellschaft ein Goldfisch, der bei der ersten Gelegenheit wieder für „man muss einfach aufhören zu schießen“ stimmen wird?

Portnikov. Nun, das ist schwer zu sagen. Ich denke, höchstwahrscheinlich wird ein großer Teil der Menschen dafür stimmen, dass man einfach aufhören müsse zu schießen. Ich glaube nicht, dass Menschen aus ihren Fehlern lernen. Menschen verändern sich nicht, Menschen werden nicht klüger. Sie können aus den Prüfungen lediglich Schlussfolgerungen ziehen, die ihrer eigenen Sichtweise entsprechen. Und das, was uns elementar erscheint, wird für sie überhaupt nicht elementar sein. Sie werden nach verschwörungstheoretischen Antworten auf Fragen suchen. Nun, sie werden vieles in dieser Art tun.

Wann könnten sie für einen Präsidenten oder ein Parlament aus dieser sogenannten Friedenspartei stimmen, die sagt: „Man muss sich mit Putin einigen“ und „früher hat sich die Regierung am Krieg bereichert“? Vielleicht nicht im ersten Wahlzyklus, möglicherweise nach dem Krieg, falls es Wahlen geben wird. Ich weiß nicht, wann das sein wird, irgendwann in den 2030er-Jahren. Nun, vorerst ist das alles. Ich sage es noch einmal: Da es keinen Tunnel gibt, gibt es auch keine Wahlen.

Stellen wir uns nun vor, der Staat bleibt erhalten, die Wahlen finden statt. Höchstwahrscheinlich wird die Person, die gewählt wird, nicht aus dieser Partei „man muss einfach aufhören zu schießen“ stammen, aber bereits die nächsten Wahlen werden genau einen solchen Menschen an die Macht bringen. Das kann durch Wahlen geschehen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass ein Mensch mit patriotischer Haltung zumindest zwei Amtszeiten bleibt, obwohl das keine besonders große Perspektive ist, wie wir an den Ergebnissen der Wahlen 2014 und an dem gesehen haben, was 2019 geschah.

Frage. Kann der Winter 2026/27 der letzte sein? Wird der Krieg enden, wenn wir mit unseren Angriffen den Energiemarkt der Russischen Föderation wirksam ausschalten?

Portnikov. Nun, das ist schwer zu sagen.

  • Erstens wissen wir nicht, ob wir den Energiemarkt der Russischen Föderation tatsächlich wirksam ausschalten können.
  • Zweitens ist, wie ich Ihnen bereits gesagt habe, die Frage der Widerstandsfähigkeit Russlands ein wichtiges Problem.

Wenn sich herausstellt, dass Russland bereit ist, unter den Bedingungen von Angriffen auf den Energiesektor durchzuhalten, dann wird möglicherweise auch dieser Winter nicht der letzte sein. Und wir werden uns der Frage nähern, ob vielleicht der Winter 2027/2028 der letzte sein kann.

Denn ich wiederhole noch einmal: Autoritäre Regime denken in völlig anderen Kategorien der Widerstandsfähigkeit als Regime, die von Wahlentscheidungen abhängig sind. Und wenn Putin sieht, dass die Russen, sagen wir, selbst ohne Strom oder Wärme leben, aber die Idee der Expansion und der Eroberung fremder Gebiete unterstützen und deswegen nicht gegen die Staatsführung vorgehen wollen, dann wird der Krieg fortgesetzt, und dies könnte keineswegs der letzte Winter sein. Auch der nächste Winter könnte keineswegs der letzte sein. Solcher Winter kann es noch viele geben.

Frage. Versteht Trump, dass die Senatswahlen höchstwahrscheinlich für die Republikaner verloren gehen werden und er sich deshalb darauf einstellen muss, dass es mit seinem Traum, Zar der USA zu sein, nichts mehr wird?

Portnikov. Nun, erstens glaube ich nicht, dass Trump davon ausgeht, dass die Senatswahlen verloren gehen werden, denn auch ich bin davon nicht überzeugt, dass die Senatswahlen verloren gehen werden. Derzeit haben Demokraten und Republikaner vergleichbare Chancen darauf, die Kontrolle über den Senat zu erlangen beziehungsweise die republikanische Kontrolle über den Senat zu bewahren. Dabei haben die Republikaner derzeit größere Chancen, die Kontrolle über den Senat zu behalten, als die Demokraten, sie zu übernehmen.

Aber natürlich ist es möglich, dass republikanische Senatoren ihre Sitze an demokratische Senatoren verlieren, wenn die Preise an den Tankstellen weiter so steigen, wie sie derzeit steigen. Diese Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, aber sie ist keineswegs sicher. Ich habe keinerlei Garantie dafür, wie es tatsächlich ausgehen wird.

Frage. Kann dieser Krieg der Städte, bei dem die Städte im Hinterland beider Seiten im Grunde fast täglich beschossen werden, bis zum Ende der heißen Phase des Konflikts andauern?

Portnikov. Natürlich kann er das. Der Krieg der Städte wird vorerst zum Wesen dieses Krieges, und zwar aus dem Grund, dass sich beide Armeen im Großen und Ganzen in einer Sackgasse befinden und keine wesentlichen Ergebnisse erzielen können. Deshalb wird gerade die Zerstörung des feindlichen Hinterlands zur Hauptaufgabe, zumindest für die Russische Föderation. Denn wenn man auf dem Schlachtfeld keinen Sieg erringen kann, kann man das Hinterland demoralisieren und darüber hinaus einen gesonderten Sieg im demografischen Krieg erringen, der für die russische Führung heute vielleicht sogar wichtiger ist als der territoriale.

Eine Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine, falls es irgendwann dazu kommt, kann also auf Ruinen zustande kommen, wie ich bereits wiederholt gesagt habe. Zumindest gibt es dafür alle Voraussetzungen. Wenn wir uns aber gegen diesen Krieg der Städte wirksamer verteidigen können als die Russen, dann stellen möglicherweise auch die Russen ihre Angriffe ein, um nicht einseitig Opfer unserer Angriffe zu sein.

Frage. Wie sehen Sie die Situation mit dem Iran im Zeithorizont des kommenden Jahres? Was sollten wir erwarten?

Portnikov. Nun, ich denke, dass der Konflikt, den wir jetzt haben, in dieser Form weitergehen wird. Ich sehe bislang keinen Grund zu der Annahme, dass die Iraner sich mit den Vereinigten Staaten wirklich über irgendetwas einigen wollen. Und ich sehe keinen Grund zu der Annahme, dass die Vereinigten Staaten bereit sind, irgendeine große Operation gegen den Iran zu beginnen. Trump will das offensichtlich nicht. Was können wir also erwarten, wenn sie in nächster Zeit zu keiner Einigung kommen? Eine massive Energiekrise. Alle Voraussetzungen für diese Krise sind vorhanden.

Wir verstehen, dass sie derzeit nur deshalb noch nicht eintritt, weil strategische Treibstoffreserven eingesetzt werden. Der Winter wird sie natürlich schneller aufbrauchen. Aber wir sehen auch, dass neue Risiken entstehen. Beispielsweise der Krieg der jemenitischen Huthis gegen Saudi-Arabien, der die Öllieferungen aus Saudi-Arabien in noch größerem Umfang infrage stellen könnte, als dies bislang der Fall war. Auch das ist ein ziemlich ernstes Problem, über das gesprochen werden muss, wenn wir diese Situation diskutieren. Deshalb glaube ich, dass wir mit neuen ernsthaften Problemen rechnen müssen.

Frage. Gibt es wirklich niemanden in Trumps Nähe, der ihm erklären könnte, mit welcher Verachtung und Geringschätzung man ihm in Russland, einschließlich Putin, begegnet und dass dort niemand mit ihm Geschäfte machen wird?

Portnikov. Nun, erstens kann man Trump nur das erklären, was Trump selbst hören will. Die Besonderheit der Situation besteht darin, dass wir in einer Welt leben, die von Politikern regiert wird, denen man nur das erklären kann, was sie selbst hören wollen, wie Sie verstehen, und die Ukraine ist hier keine Ausnahme. In Trumps Umfeld kann also jeder mögliche Mensch sein, der ihm alles Mögliche erklären könnte. Die Frage ist, ob dieser Mensch es tun wird. Wird beispielsweise irgendein Marco Rubio angesichts der Aussicht, jegliche Gunst Trumps und damit jede Möglichkeit zur Entwicklung seiner eigenen politischen Karriere zu verlieren, dies tun, oder wird er sich mit seiner Meinung zurückhalten und Trump das sagen, was Trump selbst hören will? Das ist, denke ich, die wichtigste Frage, die man sich stellen kann, wenn wir über diese Geschichte sprechen.

Frage. Kann man sagen, dass die jüngsten Treffen unserer Delegationen mit den Delegationen der USA kein Schauspiel mehr sind, um Trump zufriedenzustellen, sondern wirkliche Treffen mit einem konkreten Gesprächsgegenstand?

Portnikov. Nun, bislang sehe ich überhaupt keinen konkreten Gesprächsgegenstand. Einen konkreten Gesprächsgegenstand wird es geben, wenn wir tatsächlich Raketen für Patriot erhalten oder zumindest eine Lizenz, die wir, sagen wir, 2028 oder 2029 umsetzen können. Schließlich muss man auch an den Krieg 2028/29 denken und nicht nur an 2026/27, man muss an alles denken. Wirkliche Gespräche können es dann sein, wenn Trump das Graham-Gesetz tatsächlich anwendet oder wir eine Abstimmung über den Ukraine Support Act sehen. Das sind alles konkrete Dinge.

Bislang diskutieren wir aber abstrakte Dinge: Werden wir eine Lizenz erhalten, die wir in zwei oder drei Jahren umsetzen können, vielleicht sogar in anderthalb Jahren? Wird Trump das Gesetz anwenden, das er unterzeichnet hat? Und wird der Senat über den Ukraine Support Act abstimmen, den das Repräsentantenhaus verabschiedet hat, über den im Senat aber bis heute nicht abgestimmt wurde? Das sind alles abstrakte Dinge. Im Großen und Ganzen geht das gewöhnliche Wahlkampfspektakel weiter, weil es niemanden in irgendeiner Weise berührt und nichts Neues geschieht. Deshalb weiß ich nicht, über welche konkreten Dinge wir derzeit sprechen.

Ich glaube, über konkrete Dinge können wir sprechen, wenn es darum geht, wie man einer möglichen Ausweitung des Krieges auf Europa und den Folgen dieser Ausweitung in Form einer Verringerung der Hilfe für die Ukraine tatsächlich begegnen kann. Darüber könnte Volodymyr Zelensky übrigens mit CIA-Direktor Ratcliffe auf einem irischen Flughafen gesprochen haben, als er in die Vereinigten Staaten flog. Es sah so aus, als sei dieses Treffen unerwartet zustande gekommen.

Frage. Glauben Sie, dass sich die Beziehungen zwischen den USA und Europa nach den Wahlen in den Vereinigten Staaten im Falle eines Sieges der Demokraten verbessern werden?

Portnikov. Ich verstehe nicht ganz, von welchem Sieg der Demokraten Sie genau sprechen. Wenn die Demokraten im Kongress gewinnen, bleibt die Außenpolitik trotzdem das Vorrecht der Regierung, und sie kann sich erst nach der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2028 ändern. Falls 2029 ein Demokrat Präsident der Vereinigten Staaten wird – was keineswegs zwangsläufig geschehen wird. Wie Sie verstehen, befinden sich beide großen politischen Kräfte in den Vereinigten Staaten in einer tiefen Krise. Und auch das muss man verstehen, wenn wir über die Folgen der weiteren Entwicklung sprechen.

Aber es gibt hier noch einen anderen Punkt. Als Trump mit seinem Euroskeptizismus Präsident der Vereinigten Staaten gewesen war und danach Biden mit seinem Slogan „America is back“ kam, nahmen sehr viele Europäer, sowohl Politiker als auch gewöhnliche Menschen, dies mit großer Erleichterung auf und betrachteten Trumps Amtszeit als eine, wie ich sagen würde, Abweichung in der amerikanischen politischen Entwicklung. „Da war eben so ein Mensch, alle haben gesehen, was er darstellt, welche Parolen er hat, und für solche Menschen wird man nicht mehr stimmen. Selbst die Republikaner werden völlig andere Kandidaten aufstellen, die hinsichtlich der Beziehungen zu Europa wesentlich nüchterner denken. Sagen wir, beispielsweise Nikki Haley.“

Jetzt aber, nachdem Trump erstens ins Oval Office zurückgekehrt ist, zweitens die Republikanische Partei vollständig zu einer Partei mit Trumps Parolen geworden ist und drittens andere Vertreter der Republikanischen Partei denselben Euroisolationismus vertreten wie Trump – ich erinnere Sie daran, dass die Rede von J. D. Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz wesentlich, wie ich sagen würde, antieuropäischer, isolationistischer und ultrarechter war als alle Reden Trumps zusammengenommen –, kann sich für die Europäer die Frage stellen: Welche Garantie gibt es eigentlich dafür, dass, selbst wenn dieser Demokrat wieder sagt, Amerika sei zurück, die Amerikaner bei der nächsten Präsidentschaftswahl nicht einen neuen Trump zum Präsidenten wählen? Diese Garantie hat niemand mehr.

Wenn so etwas zweimal geschieht und wenn klar wird, dass Trump, hätte es nicht einen Menschen vom Format Bidens gegeben, sagen wir, mit dessen Popularität bei den einfachen, sogenannten gewöhnlichen Menschen, wahrscheinlich schon damals eine zweite Amtszeit gewonnen hätte, muss man daraus Lehren ziehen: Amerika ist kein verlässlicher Verbündeter mehr, und die Rolle der Vereinigten Staaten, die sie in Europa in den Nachkriegsjahren gespielt haben, kann nicht mehr als Konstante betrachtet werden, wie es früher der Fall war. Und darüber spricht grundsätzlich auch das europäische Establishment. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hat klar gesagt, dass in diesen Beziehungen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten eine Epoche zu Ende geht und dass die Europäer sich der Vereinigten Staaten nicht mehr sicher sein können.

Das ist der entscheidende Punkt dessen, was während der beiden Amtszeiten Donald Trumps als Präsident der Vereinigten Staaten geschehen ist. Und das lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Nach einem Mal hätte man es noch gekonnt, selbst wenn Trump unmittelbar eine zweite Amtszeit geblieben wäre, hätte man es vielleicht noch gekonnt. Aber nachdem es mit zeitlichem Abstand erneut geschehen ist und sich dies hinsichtlich des Euroskeptizismus, der Haltung zur NATO und so weiter nur noch verstärkt hat, würde ich mir keine Illusionen darüber machen, dass dies tatsächlich zu einer Wiederherstellung jener Beziehungen führen könnte, die zwischen Europa und den Vereinigten Staaten bestanden. Leider wird das nicht geschehen. Deshalb müssen wir gemeinsam mit den Europäern darüber nachdenken, wie wir uns selbst verteidigen und wie wir gegen Russland kämpfen können.

Was die konkreten Ergebnisse in den Beziehungen zwischen Washington und Kyiv hinsichtlich der Beendigung des Krieges betrifft, werden wir überprüfen können, ob das Treffen zwischen Zelensky und Trump ritueller Natur war oder tatsächlich zumindest zwischen ihnen zu konkreten Vereinbarungen über einfache, wie ich sagen würde, Dinge führen konnte. Wird es nach diesem Treffen Kontakte zwischen Trump und Putin geben? Oder wird zumindest Rubio mit Lawrow darüber sprechen, und wie wird Russland reagieren? Oder wird es nach diesem Treffen zwischen Trump und Zelensky keine Kontakte zwischen Trump und Putin geben, so wie es im Grunde nach dem Telefongespräch zwischen Trump und Putin keine Kontakte mit Zelensky gab, nachdem Witkoff und Kushner sowohl die russische als auch die ukrainische Seite besucht hatten? Das wird die Antwort auf die Frage sein, wie real und ergebnisreich dieses Treffen im Hinblick auf Fortschritte auf dem Weg zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges tatsächlich war.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп – Зеленський: головне | Віталій Портников. 22.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 22.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach],
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump droht Putin | Vitaly Portnikov. 22.09.2026.

In seiner Rede auf der Sitzung der UN-Generalversammlung, vor einem möglichen Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky, versprach der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump, das Graham-Gesetz anzuwenden, falls dies im Zusammenhang mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges notwendig sein sollte. In derselben Rede betonte Trump, dass die Vereinigten Staaten mit den Führungen Russlands und der Ukraine zusammenarbeiten, um den Krieg zu beenden, und dass dies früher geschehen werde, als viele für realistisch halten. Vor seiner Rede sagte Trump im Gespräch mit Journalisten, seine Botschaft an den russischen Präsidenten Putin sei hinreichend klar und konkret. Er müsse den Krieg beenden.

Aber natürlich ist die Warnung, dass das Graham-Gesetz angewendet werden könnte, ein ernstes Signal nicht nur an die Führung der Russischen Föderation, sondern vor allem auch an die Führungen der Länder, die Russland im Energiebereich unterstützen, der Volksrepublik China und Indiens. Bekanntlich trifft sich der Präsident der Vereinigten Staaten in nur wenigen Tagen mit dem Staatschef der Volksrepublik China Xi Jinping. Das Gespräch könnte auch Fragen zur Beendigung des Krieges Russlands gegen die Ukraine betreffen. Und da Trump nicht nur das Graham-Gesetz in der Tasche hat, das Zölle von bis zu 100 Prozent gegen Länder vorsieht, die weiterhin russisches Öl kaufen, sondern auch mit der tatsächlichen Anwendung dieses Gesetzes droht, kann er mit dem chinesischen Staatschef darüber sprechen, ob Peking tatsächlich in der Lage ist, auf Moskau einzuwirken, um die Kampfhandlungen an der russisch-ukrainischen Front zu beenden.

In jedem Fall kann man davon ausgehen, dass Trumps Rede, in der er nicht nur über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges spricht, sondern dem russischen Präsidenten faktisch auch mit Sanktionen gegen dessen wirtschaftliche Unterstützer und gegen Russland selbst droht, einen etwas anderen Ton gegenüber dem Kreml anschlägt, als Putin nach dem Besuch der amerikanischen Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner in der russischen Hauptstadt hätte erwarten können.

Denn bislang bestand eine wichtige Taktik des russischen Staatschefs darin, auf Zeit zu spielen, um den amerikanischen Präsidenten davon zu überzeugen, dass Russland zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges bereit sei, zugleich aber bis zum Ende der Amtszeit Donald Trumps als Präsident keinerlei konkrete Schritte zu unternehmen, die von der Ernsthaftigkeit dieser Absichten zeugen würden. Es sieht so aus, als beginne der amerikanische Präsident diese Taktik seines russischen Amtskollegen zu erkennen.

Und wir müssen auch daran denken, dass Trumps Rede vor den für ihn ziemlich wichtigen Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten stattfindet, auch wenn er das vielleicht nicht eingestehen will. Wenn diese Wahlen mit einem vernichtenden Sieg der Demokraten und einem Fiasko der Republikaner enden und Trump nicht nur die Kontrolle über das Repräsentantenhaus des amerikanischen Kongresses, sondern auch über den Senat verliert, wird ihn das buchstäblich innerhalb weniger Tage zu einer lahmen Ente in der Weltpolitik machen und ihn dazu zwingen, viele seiner Vorhaben aufzugeben. Und genau das versucht Trump zu verhindern.

Und er weiß sehr gut, dass ein großer Teil der Amerikaner, die heute entscheiden, welcher der politischen Parteien sie bei diesen wichtigen Zwischenwahlen ihre Stimme geben werden, die Ukraine unterstützt und, wie inzwischen offensichtlich ist, die russische Diktatur nicht unterstützt, die als offener Feind der Vereinigten Staaten und der zivilisierten Welt erscheint. In dieser Situation einen nachsichtigen Ton im Dialog mit dem Kreml anzuschlagen, bedeutet, zusätzliche Stimmen zu verlieren, von denen der Republikanischen Partei bei den bevorstehenden Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress ohnehin nicht mehr allzu viele geblieben sind.

Zugleich müssen wir sehen, dass Trump zwar Signale sendet, aber möglicherweise keine wirklichen konkreten Schritte unternimmt, die den Ländern, die Russland im Energiebereich unterstützen, Probleme bereiten und Moskau dazu zwingen würden, weniger Öl zu verkaufen und damit weniger Einnahmen für den Staatshaushalt zu erzielen, der für die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges wichtig ist.

Auch andere Äußerungen Donald Trumps zeigen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten weiterhin in seiner eigenen Realität lebt, die möglicherweise nicht mit jener Realität übereinstimmt, in der wir uns befinden. So ist Präsident Trump überzeugt, dass die Straße von Hormus offen sei und mehr Tanker sie passierten als vor dem Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran. Außerdem verspricht er, nach den Zwischenwahlen ein Friedensabkommen mit dem Regime in Teheran zu erreichen, weil er überzeugt ist, dass gerade diese Wahlen einer Einigung zwischen den Vereinigten Staaten und der Islamischen Republik im Wege stehen.

Trumps Äußerungen zeigen, dass er die Absichten und Wünsche der Feinde der Vereinigten Staaten möglicherweise nicht besonders realistisch einschätzt. Und das betrifft nicht nur den Iran, dessen Führung an einem politischen Fiasko des amtierenden amerikanischen Präsidenten und der Republikaner insgesamt interessiert ist. Es könnte auch Russland betreffen, das gemeinsam mit China ebenfalls versucht, die Präsidentschaft Donald Trumps und jene Sicht auf die Welt, die wir heute beim amerikanischen Präsidenten, seinem Umfeld und seinen Anhängern beobachten, dazu zu nutzen, den Vereinigten Staaten ihre weltweite Führungsrolle zu nehmen und die Führungsrolle Pekings und Moskaus zu stärken.

Daher könnte es vergeblich sein, in einer solchen Situation zu erwarten, dass Präsident Putin tatsächlich bereit sein wird, die Signale aus Washington zu hören und dass der Staatschef der Volksrepublik China Xi Jinping gemeinsam mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi angesichts des akuten Ressourcenmangels auf dem Weltmarkt auf russisches Öl verzichten wird. Denn die Straße von Hormus verschwindet nicht von der Tagesordnung der Weltwirtschaft, was auch immer Trump darüber sagen mag.

Aber für uns ist es natürlich besser, wenn Trump Putin droht, als wenn er versucht, sich mit dem dreisten russischen Staatschef zu einigen. Denn solche Drohungen können sowohl zu einer Ausweitung der Hilfe für die Ukraine führen als auch dazu, dass wir neue Flugabwehrraketen erhalten, und dazu, dass das Weiße Haus möglicherweise bereits nach den Zwischenwahlen nicht nur über die Anwendung des Graham-Gesetzes nachdenkt, sondern auch über die Verabschiedung des Ukraine Support Act, der unsere Möglichkeiten in der weiteren Konfrontation mit der Russischen Föderation stärken würde. Deren Führung konnte natürlich auch mit einer Veränderung des Tons rechnen, den der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump und seine Regierung ihr gegenüber anschlagen.


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Titel des Originals: Трамп погрожує Путіну | Віталій Портников. 22.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 22.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump: Russland verliert die Kontrolle | Vitaly Portnikov. 21.09.2026.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky ist bereits auf dem Weg nach New York, wo die nächste Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen stattfinden wird. Der einzige Unterschied zum bisherigen Arbeitsplan Zelenskys bei dieser Generalversammlung könnte sein Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump sein. Bekanntlich war dieses Treffen ursprünglich nicht geplant. Es stand nicht im Arbeitsplan des amerikanischen Präsidenten, der sich allerdings mit vielen anderen Vertretern der Länder treffen wollte, die zur Generalversammlung anreisen werden.

Das Treffen ist wahrscheinlich nach dem Telefongespräch zwischen Trump und Zelensky in den Terminplan aufgenommen worden. Und ich möchte daran erinnern, dass dies das erste Telefongespräch zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine war, nachdem die Sondervermittler des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff und Jared Kushner, Moskau und Kyiv besucht hatten.

Wichtig ist die Tatsache, dass der amerikanische Präsident unmittelbar nach diesem Besuch, obwohl er sowohl mit seinem ukrainischen als auch mit seinem russischen Amtskollegen sprechen wollte, ausschließlich mit Putin sprach, mit Zelensky dagegen nicht, obwohl ursprünglich geplant gewesen war, dass ein virtuelles Gespräch mit beiden Präsidenten stattfinden würde.

Die Tatsache, dass Trump mit Putin sprach und das Gespräch mit seinem russischen Amtskollegen auch noch als gut bezeichnete, sprach im Grunde dafür, dass die amerikanischen Vermittler in der Position des russischen Präsidenten Konstruktivität gesehen hatten, in der ukrainischen Position dagegen nicht. Das schafft natürlich keine wirklichen Gründe für die Annahme, dass die Vereinigten Staaten weiterhin Druck auf Russland ausüben könnten.

Danach begannen sich jedoch Ereignisse anderer Art zu entwickeln, die, wie ich sagen würde, für Putin und für Russland selbst als Land, das seinen Angriffskrieg gegen unseren Staat fortsetzt, ungünstiger waren. Das Graham-Gesetz wurde verabschiedet. Und obwohl dieses Gesetz vor allem Instrumente bereitstellt und den Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht dazu verpflichtet, sie einzusetzen, zeugt bereits die Tatsache der Abstimmung und der feierlichen Unterzeichnung des Gesetzes von einer gewissen Veränderung der Haltung gegenüber Russland, zumindest vor den Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten.

Wir haben viel über das Graham-Gesetz gesprochen. Und natürlich wäre es wesentlich besser, wenn der Kongress Donald Trump dazu verpflichten würde, bestimmte Sanktionen gegen Russland zu verhängen, statt ihm zu erlauben, Zölle von, sagen wir, einem bis 100 Prozent auf Produkte jener Länder zu erheben, die weiterhin als Unterstützer der Russischen Föderation im Energiebereich auftreten.

Wie dem auch sei: Dass der Kongress festgeschrieben hat, dass die Sanktionen gegen die Russische Föderation nicht aufgehoben werden können, und dem Präsidenten neue Möglichkeiten sowohl gegenüber russischen Produkten als auch gegenüber den Produkten jener Länder eingeräumt hat, die weiterhin Energiehandel mit Russland betreiben, ist eindeutig kein Schritt in Richtung Kreml.

Dann fand das Gespräch zwischen Trump und Zelensky statt. Und nach diesem Gespräch sagten amerikanische Journalisten, dass das Hauptthema dieses Gesprächs im Grunde die Ölfrage gewesen sein könnte, dass Trump den Präsidenten der Ukraine erneut gebeten habe, russische Ölraffinerien nicht anzugreifen. Und übrigens geschah dies vor dem Hintergrund eines massiven Angriffs ukrainischer Drohnen auf die Russische Föderation, bei dem die für Moskau und das Moskauer Gebiet wichtige Ölraffinerie in Kapotnja erneut brannte. Und dieser Angriff wird möglicherweise auch mit dem ersten Einsatz ukrainischer ballistischer Raketen gegen Ziele auf dem Territorium der Russischen Föderation in Verbindung gebracht.

Ein sehr unangenehmes Signal für den russischen Präsidenten Putin, und das auch noch während der Wahlen zur Staatsduma der Russischen Föderation, die für Putin ein wichtiges Ritual der Stabilität sind. Jetzt hat zudem ein weiteres wichtiges Ereignis stattgefunden, das als Fortsetzung dieser Linie betrachtet werden kann. Es ist die Tatsache, dass während des Gesprächs zwischen Trump und Zelensky ihr mögliches Treffen in New York vereinbart wurde. Das alles trägt also eindeutig nicht zu den Beziehungen zwischen Washington und Moskau bei.

Und nun hat Trump eine Erklärung abgegeben, in der er sich ausdrücklich an Putin wandte, und das kann man als direktes Ergebnis seines Dialogs mit Zelensky bezeichnen. Darin betonte er, dass Russland die Kontrolle über seine Ölraffinerieindustrie verliere und deshalb den Krieg beenden müsse. Auch das ist, wie ich sagen würde, ein vielsagender Moment bei der Einschätzung der mit dem russisch-ukrainischen Krieg verbundenen Situation durch den amerikanischen Präsidenten. Denn er hat wiederholt gesagt, dass die Ukraine keine Karten in der Hand habe. Jetzt stellt sich heraus, dass auch Russland keine Karten in der Hand hat.

„Eine beträchtliche Zahl von Ölraffinerien der Russischen Föderation wurde gesprengt und zumindest vorübergehend außer Betrieb gesetzt. Dieser sinnlose und endlose Krieg gegen die Ukraine muss beendet werden. Die ganze Welt leidet, weil jeden Monat 25.000 Menschen sterben, überwiegend Soldaten. Was für eine Schande“, schrieb Trump in einem sozialen Netzwerk.

Und das ist ein wichtiger Punkt. Es zeigt, dass wir uns im Grunde bewusst machen müssen, dass die Situation in den Beziehungen im Dreieck Vereinigte Staaten–Russland–Ukraine davon abhängt, wie ernsthaft wir die Russische Föderation treffen und ihre Positionen schwächen können. Genau das sage ich immer wieder: Der Schlüssel zu diesem Krieg liegt nicht in der Tasche Donald Trumps und nicht einmal in neuen Sanktionen, welche die Vereinigten Staaten gegen die Russische Föderation verhängen können. Der Schlüssel zur Beendigung dieses Krieges liegt in der Widerstandsfähigkeit der Ukraine und in unserer Fähigkeit, der Russischen Föderation in der nächsten Phase dieser zermürbenden Konfrontation einen solchen Schlag zu versetzen, dass wir tatsächlich darauf hoffen können, dass ihr die Ressourcen zur Fortsetzung des Krieges fehlen werden und dass dies alle verstehen werden, die am Dialog über die Beendigung dieses Krieges beteiligt sind.

Natürlich verstehen wir, warum Trump so viel über die Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation spricht. Bald stehen die Zwischenwahlen an, und sie werden für den amerikanischen Präsidenten eine wirkliche Prüfung hinsichtlich der Perspektiven seiner politischen Karriere sein. Wenn die Demokraten nicht nur die Kontrolle über das Repräsentantenhaus, sondern auch über den Senat übernehmen – theoretische Möglichkeiten dafür gibt es –, dann können sie natürlich die gesamte Situation von Trumps Aufenthalt im Weißen Haus in einen endlosen Prozess der Untersuchung seiner Tätigkeit verwandeln, zumindest seiner Tätigkeit in der vorangegangenen Zeit.

Das Abstimmungsverhalten hängt sehr stark von den Preisen an den amerikanischen Tankstellen ab. Das verstehen Sie sehr gut. Für eine enorme Zahl von Wählern in den Vereinigten Staaten ist der eigene Geldbeutel entscheidend und nicht die politische Überzeugung. Und wenn sie diese Preise sehen, verstehen sie, dass im Land etwas nicht stimmt. Und das veranlasst den amerikanischen Präsidenten, diesen Preisen immer mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Dabei muss Trump sich ständig mit einer Situation auseinandersetzen, in der im Grunde jeder versteht, dass die Preise unmittelbar mit dem zusammenhängen, was rund um die Straße von Hormus geschieht, die weiterhin vom Iran blockiert wird. Und dann stellt sich die Frage nach der Vorbereitung der Vereinigten Staaten auf den Krieg, den der amerikanische Präsident begonnen hat. Das ist eine wichtige Situation.

Trump kann natürlich nach Schuldigen suchen. Und er versucht ständig davon zu überzeugen, dass die Ukraine schuld sei, weil sie die russischen Raffinerien angreift. Zugleich muss er sich jedoch bemühen zu zeigen, dass er das Problem mit den Preisen löst. Und wiederum sehen wir, dass er unter diesen Bedingungen auch über keine offensichtlichen Instrumente verfügt, um auf Kyiv so einzuwirken, dass die Ukraine gezwungen wäre, ihre Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. Das ist eine paradoxe Situation: Ursprünglich hatte er keine wirklichen Instrumente, um Druck auf Moskau auszuüben, und er selbst hat sich der Instrumente beraubt, um Druck auf Kyiv auszuüben. Denn das Niveau der Unterstützung, welche die Vereinigten Staaten der Ukraine heute gewähren, erlaubt es Trump nicht, dem ukrainischen Präsidenten einfach vorzuschreiben, was gegenüber Russland getan werden darf und was nicht.

Diese Dinge hängen miteinander zusammen. Wenn die Vereinigten Staaten uns nicht genügend Flugabwehrraketen zur Verfügung stellen, dann kann man natürlich davon sprechen, dass wir eigene Schritte unternehmen müssen, die mit unseren Möglichkeiten zur Verteidigung gegen die russische Aggression zusammenhängen. Die Zerstörung der russischen Ölraffinerieindustrie ist einer dieser wichtigen Schritte, denn sie ist Teil des russischen Aggressionspotenzials. Mir scheint, dass das eine völlig offensichtliche Tatsache ist.

Und dann bleibt Trump nichts anderes übrig, als Putin dazu aufzurufen, den Krieg zu beenden, und ihn daran zu erinnern, dass er es ist, der seine Ölraffinerieindustrie verliert. Und Trump kann nichts dafür tun, dass Putin sie behält. Wenn Putin weiter in einer Sackgasse bleibt und so tut, als sei das eine völlig aussichtslose Situation, dann ist auch das ein wichtiger Punkt, über den gesprochen werden muss.

Das Paradoxe an der Situation ist, dass es für Trump nicht vorteilhaft ist, wenn wir aufhören, russische Ölraffinerien anzugreifen. Denn wenn wir diese Angriffe einstellen, wenn sich die Russische Föderation wieder von einem Land, das Diesel importiert, in ein Land verwandelt, das Diesel verkauft, wird sich die Preissituation auf dem Weltmarkt nicht wesentlich stabilisieren. Und das wird zeigen, dass die Position des Präsidenten der Vereinigten Staaten, der die Ukraine dafür verantwortlich machte, unrealistisch war. Und dass der Dieselpreis in Wirklichkeit überhaupt nicht von unseren Angriffen auf Russland abhängt, sondern von der fortdauernden Blockade der Straße von Hormus, also von etwas, das Trump mit aller Kraft zu verbergen versucht – gemeinsam sogar mit seinen zuständigen Ministern, dem Finanz- und dem Energieminister, die bekanntlich ebenfalls die Ukraine und nicht den Iran beschuldigten und so zu tun versuchten, als habe das Vorgehen des Iran keinen wesentlichen Einfluss auf die Marktpreise.

Vielleicht wendet sich Trump an Putin und erinnert ihn an das Schicksal der Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation, weil die Wahlen zur russischen Staatsduma inzwischen beendet sind. Putin könnte seinen amerikanischen Gesprächspartnern Witkoff und Kushner eingeredet haben, er könne erst nach Abschluss dieser Wahlen zu irgendeinem wirklichen politischen Prozess zurückkehren. Auch das wäre eine völlig fadenscheinige Ausrede des russischen Präsidenten gewesen, denn die Wahlen zur Staatsduma der Russischen Föderation bedeuten für den politischen Prozess in diesem Land rein gar nichts.

Mich erstaunt überhaupt sehr, wenn Kommentatoren bei diesen Wahlen darüber sprechen, was bei der Abstimmung geschieht, als könnten wir grundsätzlich davon ausgehen, dass es in Russland denselben politischen Prozess gibt wie in anderen demokratischen Ländern der Welt, dass dies echte Wahlen seien. Dabei ist es ein gewöhnliches Ritual. Einer der russischen Oppositionellen hat das übrigens völlig treffend als „elektorale Maßnahmen“ bezeichnet, denn das Wesen der russischen Wahlen besteht darin, dass all die Ergebnisse, die wir kennen, so oder so nicht nur mit dem zusammenhängen können, was in den Wahllokalen geschieht, sondern auch mit dem, was im Büro des stellvertretenden Leiters der russischen Präsidialverwaltung Sergej Kirijenko geschieht. Genau dort werden jene Prozentzahlen festgeschrieben, welche die politischen Parteien erhalten können – die Parteien des Krieges, also alle, die zur Teilnahme an diesen Wahlen zugelassen wurden. Das ist es, was bei der russischen Abstimmung tatsächlich geschieht. Und im Grunde haben wir gesehen, wie diese Ergebnisse unter diesen Parteien des Krieges verteilt wurden.

Übrigens gab es einen interessanten Moment, als man in einem der russischen Gebiete wegen irgendeines bürokratischen Durcheinanders schlicht vergaß, die Wahlliste der Partei Jabloko von der Abstimmung auszuschließen, der einzigen politischen Kraft, die bei diesen Wahlen mit einem, wenn auch zaghaften, Antikriegsprogramm antrat. Und sie zog in die Gebietsversammlung ein. Und ich bin überzeugt, dass sie, wäre sie zu den Wahlen zugelassen worden, auch in die Staatsduma eingezogen wäre. Denn das bedeutet, dass so viele Russen für Jabloko stimmen, dass man diese Situation nicht einmal vollständig fälschen kann. Man ist gezwungen, sich zumindest mit einem solchen Ergebnis abzufinden, und seien es nur fünf Prozent.

Aber welchen Einfluss wird das auf die politischen Prozesse in der Russischen Föderation haben? Keinen. Denn das Parlament in der Russischen Föderation ist seit Anfang der 2000er-Jahre jeder Eigenständigkeit beraubt. Und das hätte übrigens eine große Lehre für uns sein müssen, ist es aber nicht geworden: was mit einem Land geschieht, in dem das Parlament seiner Eigenständigkeit beraubt ist, in dem es ausschließlich ein Drucker ist, der Gesetze ausdruckt, die vom Umfeld des Präsidenten, von der Präsidialverwaltung vorbereitet werden, und zu was für einem Land es für seine Umwelt werden kann.

Aber leider erschien einer enormen Zahl unserer Landsleute ein solches Regierungsmodell mit einem starken Führer ziemlich effektiv und richtig. Und vielen erscheint es bis heute so. Sie verstehen nicht einmal, dass ein solches Regierungsmodell für eine Gesellschaft immer eine Katastrophe ist. Und man muss daran denken, dass uns genau ein solches autoritäres Regierungsmodell angegriffen hat, mit einer ersten Person an der Spitze, die auf die Abgeordneten des gewählten Parlaments keine Rücksicht nimmt und entscheidet, wer im Parlament sein darf und wer nicht.

In jedem Fall glaube ich, dass Donald Trump, wenn er sich an Putin wendet, die nächste Enttäuschung erwartet. Es ist kaum anzunehmen, dass Putin auf seine Schlussfolgerungen hören wird. Sie sehen, dass Putin der Ansicht sein kann, es sei für ihn besser, einen beträchtlichen Teil seiner Ölraffinerieindustrie zu opfern, als auch nur für kurze Zeit den Krieg gegen ein Land zu stoppen, das er in den kommenden Jahren nicht auf der politischen Weltkarte sehen will. Und er kann glauben, dass gerade die Vernichtung dieses Landes seine Eintrittskarte zur Fortsetzung der totalitären Herrschaft in Russland ist.

Deshalb sollte man beim Treffen zwischen Trump und Zelensky meiner Ansicht nach weniger darüber sprechen, wie man die russisch-ukrainischen Verhandlungen wiederbeleben kann – der Nutzen dieser Verhandlungen wird gleich null sein –, sondern darüber, wie man gemeinsam Druck auf die Führung der Russischen Föderation ausüben kann, indem man ihre Möglichkeiten zur Führung des Landes zerstört und die Möglichkeiten der Russen zerstört, in diesem Land normal zu leben. Also nur ein wirtschaftlicher Zusammenbruch und soziale Instabilität in Russland, die zu Krisenmomenten führen werden – natürlich mit dem großen Risiko, dass sich daraus eine Krise entwickelt, die alles ringsum überschwemmt. Auch daran muss man denken, dass diese Möglichkeit ebenfalls besteht. Und deshalb muss man dabei wohlüberlegt vorgehen. Das könnte die russische Führung in absehbarer Zukunft dazu bringen, über eine Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges nachzudenken. Darin liegt der Sinn solcher Treffen.

Trump wird mit Zelensky natürlich über Verhandlungen und über eine Einstellung der Angriffe auf den Ölraffineriesektor der Russischen Föderation sprechen. Wir dagegen müssen über neue Angriffe auf Russland sprechen, über Raketen für Patriot, über Sicherheitsgarantien für den Fall, dass irgendwann zumindest eine gewisse Perspektive auf ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges entsteht. Und natürlich müssen wir erklären, wie wir gegen Korruption auf höchster Ebene kämpfen, was zweifellos ebenfalls immer ein Thema unserer Gespräche mit den Amerikanern ist. Wir dürfen ihnen keine zusätzlichen Anlässe geben, mit denen sie eine Verringerung der Unterstützung für unser Land begründen könnten.

Und wir wissen, dass es solche Politiker auch in Trumps Umfeld gibt. Und nicht nur Politiker. Nachdem sich nun herausgestellt hat, dass ein russischer Oligarch mit einem vielsagenden Nachnamen Donald Trump Jr. Geschenke macht und selbst Trump einräumt, dass dieses Geld zurückgegeben werden müsse und sogar bereits zurückgegeben worden sei, könnte uns das erklären, warum Donald Trump Jr. während Trumps Wahlkampf mit derart unverhohlenen antiukrainischen Tiraden auftrat.

Im Grunde sagen wir ja, vielleicht seien das irgendwelche Überzeugungen, eine Art Ultrakonservatismus in seinen Ansichten. Nun, mit Überzeugungen hat das überhaupt nichts zu tun. Ein Mensch mit ultrakonservativen Ansichten kann seine Vorstellung von der Realität leicht ändern, wenn er mit Tatsachen konfrontiert wird. So hat es etwa diese Lieblingsbloggerin Donald Trumps getan, die hier in Kyiv war, sogar Zelensky interviewte, sich mit Worten der Unterstützung für die Ukraine äußerte und sagte, dass sie sich in Bezug auf Russland geirrt habe. Und ja, das ist ein Mensch mit solchen konservativen, wie ich sagen würde, verschwörungstheoretischen Ansichten. Aber wir sehen, dass, wenn jemand wie Laura Loomer Überzeugungen hat, diese entsprechend den Realitäten korrigiert werden können, mit denen sie konfrontiert wird. Man kann sie überzeugen.

Wenn aber viel Geld auf dem Spiel steht, dann sind das keine Überzeugungen. Dann ist es einfach die Summe, die man dir gibt oder die du infolge der einen oder anderen Partnerschaft zu verdienen beabsichtigst. Und dann kannst du rechtsradikal sein, du kannst linksradikal sein, du kannst verschiedene vermeintliche deklarierte Ansichten haben, aber wenn du auf russisches Geld triffst, passt du diese Ansichten an die Höhe des Geldbetrags an. Das könnte bei Donald Trump Jr. geschehen sein, denn es gab keinerlei Grund für ihn, mit einem solchen Feuerwerk antiukrainischer Äußerungen aufzutreten. Das war uns gegenüber völlig unrealistisch, völlig unsachlich. Und deshalb hat Putin diese Schwachstelle in der gegenwärtigen amerikanischen Regierung erkannt. Etwas, womit Zelensky, glaube ich, ständig konfrontiert ist.

Wozu brauchte Putin Kirill Dmitrijew, den er zu seinem sogenannten Sonderbeauftragten für Wirtschaftsbeziehungen mit anderen Ländern gemacht hat? Damit er Witkoff und Kushner verschiedene Pläne andreht, wie man durch Beziehungen mit der Russischen Föderation Billionen, Trilliarden und so weiter verdienen könne, weil Putin versteht, welchen Eindruck das auf sie machen und wie es die amerikanische Position verändern wird. Selbst wenn sie nicht vollständig daran glauben, bleibt doch ein gewisses Gefühl möglicher Verdienstmöglichkeiten bestehen. Das muss man sich bewusst machen, wenn wir über den Krieg Russlands gegen die Ukraine und über die Haltung der amerikanischen Regierung zu diesem Krieg sprechen.

Und übrigens ist das auch der Grund – auch das muss man verstehen –, warum der inzwischen verstorbene Lindsey Graham Zelensky geraten hatte, dieses Abkommen über Mineralien zu unterzeichnen, das hinsichtlich seiner tatsächlichen Umsetzbarkeit ebenfalls völlig bedeutungslos war. Lindsey Graham, als ein gegen Russland eingestellter Mensch – er hatte dort tatsächlich Überzeugungen, auch wenn er sie entsprechend der politischen Konjunktur anpasste –, konnte der Ansicht sein, dass man den russischen Versprechen von Geld ukrainische Versprechen von Geld entgegensetzen müsse. Und zumindest könnte man Donald Trump immer sagen: „Sehen Sie, Herr Präsident, Sie können an Russland verdienen, aber Sie können auch an der Ukraine verdienen, und das mit wesentlich besseren Folgen für Ihren Ruf.“ Und leider muss all das berücksichtigt werden, wenn wir über die nächsten Kontakte mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und seiner Regierung sprechen. Das muss man berücksichtigen, wenn wir darüber sprechen, wie sich die gesamte Situation rund um das künftige Treffen von Trump und Zelensky am Rande der UN-Generalversammlung entwickelt.

Es ist also wirklich eine gute Nachricht, dass dieses Treffen überhaupt stattfinden wird. Das korrigiert bis zu einem gewissen Grad bereits das Fehlen von Kontakten zwischen Trump und Zelensky in der vergangenen Zeit. Es ist eine ziemlich gute Nachricht, dass Trump nun versteht, dass Russland wirkliche Probleme hat, und davon spricht, dass Russland die Kontrolle über seine Ölraffinerieindustrie verliert. Nun, das ist tatsächlich ein Kontrollverlust, wenn ein enormer Teil der Raffineriekapazitäten stillsteht und ein enormer Teil der Raffineriekapazitäten repariert wird. Es ist unbekannt, wann all das tatsächlich wieder funktionieren wird. Ein großer Teil des Rohöls muss in größeren Mengen auf den Markt gelangen, als Russland verkaufen kann. Und dann müssen die Bohrlöcher stillgelegt werden.

Aber zugleich glaube ich angesichts der Haltung der russischen Führung selbst grundsätzlich nicht, dass irgendjemand im Kreml Schlussfolgerungen über ein Ende des Krieges zieht, die für uns von Interesse wären, oder zumindest Putin über solche Schlussfolgerungen informieren will. Denn wie wir sehen, lebt Putin weiterhin für diesen Krieg und glaubt daran, dass die Zeit sein wichtigster und entscheidender Verbündeter in dieser erbitterten Konfrontation nicht nur mit der Ukraine, sondern auch mit der zivilisierten Welt bleibt. Einer Konfrontation, in der der Präsident der Russischen Föderation sowohl Inspiration als auch neue Möglichkeiten sieht. Und unsere Aufgabe in den kommenden Jahren dieses russisch-ukrainischen Krieges besteht darin, Putin zu beweisen, dass er in dieser Konfrontation und bei seinem Wunsch, die Ukraine zu vernichten, keinerlei neue Möglichkeiten hat.

Nun, das sind die ersten Kommentare zu diesen neuen Äußerungen Trumps und zur Möglichkeit eines Treffens zwischen Trump und Zelensky. Ich werde einige Fragen beantworten, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Das heißt, wir sollen an Trumps Zwischenwahlen denken und ihm den Rücken freihalten, während er überhaupt nichts getan hat, um das rund um die Uhr stattfindende Töten von Zivilisten zu stoppen? Warum zum Teufel sollten wir ihm entgegenkommen?

Portnikov. Ich sage doch nicht, dass wir über irgendetwas nachdenken müssen. Ich erkläre lediglich, dass Trump jetzt in erster Linie an die Zwischenwahlen denkt. Und es interessiert ihn überhaupt nicht, wann und unter welchen Umständen der russisch-ukrainische Krieg endet. Ihn interessiert jetzt, wie viele Stimmen bei den Kongresswahlen für die Republikaner abgegeben werden. Der russisch-ukrainische Krieg ist für Trump derzeit nur unter dem Gesichtspunkt der Wahl wichtig.

Und die Frage ist, wie wir diesen kurzen Zeitraum nutzen können – denn nach dem 3. November wird das wieder an die zehnte Stelle rücken –, um den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu irgendwelchen für uns günstigen Schritten zu bewegen. Deshalb ist das Treffen zwischen Trump und Zelensky wichtig.

Wie Sie verstehen, ist der russisch-ukrainische Krieg für amerikanische Politiker heute Routine. Sie haben bereits verstanden, dass er in den nächsten Jahren kaum enden wird. Und sie simulieren Aktivität, um ihre Beteiligung an dem Prozess zu demonstrieren. Den russisch-ukrainischen Krieg können, zumindest wenn wir über die nächsten schwierigen Jahre sprechen, nur wir beenden und nicht die Amerikaner.

Ich erinnere noch einmal daran, dass kein Präsident der Vereinigten Staaten jemals irgendeinen goldenen Schlüssel besaß, den er hätte benutzen können, um den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. Das ist der erste große Krieg des 21. Jahrhunderts, der lediglich eine Reihe neuer großer Kriege und Prüfungen eröffnet, deren Zeugen und Teilnehmer wir alle sein werden, wo auch immer wir heute in der zivilisierten Welt leben. Einfach deshalb, weil dies eine normale Entwicklung der Zivilisation ist, wenn die Menschen die Gefahr des Krieges vergessen, und genau in einer solchen historischen Epoche leben wir.

Die Frage ist also nicht, ob wir ihm entgegenkommen müssen. Wie Sie sehen, tun wir das nicht. Wir greifen die Ölraffinerien der Russischen Föderation weiter an. Das ist alles. Wir müssen diese Situation in den Vereinigten Staaten lediglich berücksichtigen.

Frage. In letzter Zeit mussten Sie häufig Trumps Äußerungen darüber kommentieren, dass die Ukraine am Dieselmangel schuld sei. Wenn man bedenkt, dass er und alle anderen verstehen, dass das Unsinn ist, sollten wir dann überhaupt so tun, als würden wir auf ihn hören?

Portnikov. Ich glaube, das sollten wir nicht. Ich habe es bereits erklärt. Wenn die Ukraine auf Trump hört und aufhört, die Ölraffinerien der Russischen Föderation anzugreifen, sich der Dieselpreis dadurch aber nicht verändert, wird damit allen klar werden, dass der Dieselpreis vom Iran und nicht von Russland abhängt. Und das wird die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, zumindest derjenigen, die für Trump stimmen will, wieder auf Trumps Fehlkalkulationen im Iran-Krieg lenken. Deshalb ist es für Trump vorteilhafter, wenn wir die Ölraffinerien der Russischen Föderation weiterhin angreifen, während er uns auffordert, damit aufzuhören, und Russland zum Frieden aufruft.

Dabei kann Trump natürlich daran interessiert sein, dass zumindest bis zum 3. November nichts aufhört, dass sich diese Eskalation nur weiter verstärkt und ihm die Möglichkeit gibt zu sagen: „Sehen Sie, die Eskalation nimmt zu, die Ukraine verstärkt ihre Angriffe, ich fordere sie auf, damit aufzuhören. Ich erinnere Russland daran, dass es die Kontrolle über die Branche verloren hat, aber Russland verliert nicht den Wunsch, Krieg zu führen. Ein solcher Wahnsinn auf beiden Seiten.“ Hauptsache, sie kämpfen jetzt gerade um diese Raffinerien, damit man erklären kann, was geschieht und dass er nichts damit zu tun hat. „Denn wer hat diesen Krieg begonnen? Biden. Und nun hat er zu solchen Ergebnissen wie dem Dieselpreis geführt“‚.

Objektiv betrachtet ist Trump in dieser Situation also daran interessiert, dass die Eskalation gerade im Zusammenhang mit der russischen Ölraffinerieindustrie zunimmt. Wenn wir ihm also entgegenkommen, tun wir ihm damit nichts Gutes. Darin liegt das Problem. Und uns selbst ebenfalls nicht.

Frage. Sehen Sie bei den Demokraten den Willen, uns im Falle eines Wahlsiegs tatsächlich zu helfen? Oder sind die Ideen des Isolationismus in dieser Zeit nicht in alle Parteien der Vereinigten Staaten eingedrungen?

Portnikov. Nun, ich möchte Ihnen sagen, dass es konkrete Tatsachen gibt, die diese Behauptung widerlegen. Denn gerade mit den Stimmen der Demokraten im Repräsentantenhaus – praktisch alle stimmten dafür, mit Ausnahme eines demokratischen Kongressabgeordneten, und nur wenige Republikaner schlossen sich ihnen an – wurde der Ukraine Support Act verabschiedet, der im Senat feststeckt. Und dieses Dokument enthält sowohl finanzielle als auch militärische Hilfe für die Ukraine, also eine Rückkehr zu jener Politik, die Biden betrieben hatte. Wenn die Idee des Isolationismus, wie Sie sagen, in alle Parteien der Vereinigten Staaten eingedrungen wäre, warum sollten die Demokraten dann fast einstimmig für ein Gesetz stimmen, das die Möglichkeit vorsieht, amerikanisches Geld, das Geld amerikanischer Steuerzahler, an die Ukraine auszuzahlen? Seien Sie doch objektiv.

Ja, bei den Demokraten gab es ernsthafte Bedenken hinsichtlich dieses Graham-Gesetzes, weil sie glaubten, dass dieses Gesetz in Wirklichkeit nicht dazu führen werde, dass Trump der Ukraine hilft, sondern dazu, dass der Kongress ihm erlaubt, die Zollkriege wieder aufzunehmen. Das ist eine ganz konkrete Tatsache. Und man muss damit rechnen, dass es auch so kommen kann. Aber das hing nicht mit der Ukraine zusammen, denn für die Ukraine haben sie ein wesentlich präziseres und sinnvolleres Gesetz verabschiedet. Und ich würde mir sehr wünschen, dass der Kongress nach den Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten über Druckmittel gegenüber der Regierung verfügt, die Trump dazu zwingen würden, dieses Gesetz zu unterzeichnen, und den Senat dazu, über dieses Gesetz abzustimmen. Ich setze nicht allzu große Hoffnungen darauf, aber das wäre eine Entwicklung in die richtige Richtung. Das muss man verstehen.

Frage. Wenn die Wahlergebnisse in Russland von oben mit den richtigen Zahlen vorgegeben werden, wozu dann dieser beschämende Zirkus mit den offensichtlichen Stimmzettelmanipulationen? Warum führt man nicht einfach eine sterile Abstimmung für die Wahlen durch?

Portnikov. Nun, gerade deshalb gibt es diese Manipulationen, weil die Zahlen von oben vorgegeben werden. Und jede Wahlkommission und jede Region muss die richtigen Zahlen liefern. Es ist völlig klar, warum das so geschieht. Das ist schließlich keine Abstimmung wie in der Sowjetunion. Eine Person für einen Sitz. Hier gibt es mehrere Wahlmöglichkeiten, auch wenn am Ende alles auf dasselbe hinausläuft.

Ganz zu schweigen von der Wahlbeteiligung, die wesentlich niedriger sein kann, als man es sich wünscht. Ganz zu schweigen davon, dass, wenn die Ergebnisse aus dem Kreml vorgegeben werden, das nicht bedeutet, dass die Beamten in der Verwaltung des jeweiligen Gebiets oder der jeweiligen Region das einfach sauber durchführen können. Sie können zeigen wollen, dass sie wesentlich eifriger und wesentlich erfolgreicher sind als ihre Kollegen in der Nachbarregion.

Und deshalb gibt es all diese Stimmzettelmanipulationen und all diese Wahlkarusselle. Und alles, was wir sehen, kann zusätzlich eine Initiative der örtlichen Behörden sein, wenn jeder der regionalen Barone sich beim Kreml einschmeicheln und zeigen will, dass er zur Demonstration seiner Loyalität wesentlich mehr leisten kann als sein Nachbar. Deshalb erreichen diese Wahlergebnisse bereits irgendwelche grotesken, wie ich sagen würde, sowjetischen Ergebnisse. Haben Sie das Wahlergebnis gesehen? Irgendwo 98, 99 Prozent – ich sehe die genaue Zahl gerade nicht –, so etwas in dieser Größenordnung erhielt der Vorsitzende der Staatsduma der Russischen Föderation Wjatscheslaw Wolodin.

Warum eine solche sowjetische Zahl? So wurde doch nur unter Stalin abgestimmt. Weil Wolodin sein Amt als Vorsitzender der Staatsduma unbedingt behalten möchte. Und in Moskau kursieren derzeit Gerüchte, dass der russische Außenminister Sergej Lawrow, der übrigens anstelle Medwedews die Wahlliste von „Einiges Russland“ angeführt hat, das Amt des Parlamentspräsidenten anstrebt. Und in dieser Situation, in der Lawrow seine politische Karriere so beenden möchte wie sein Vorgänger am Smolensker Platz, Andrei Gromyko, der bekanntlich jahrzehntelang Außenminister der Sowjetunion war und danach Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR werden wollte, muss Wolodin Putin zeigen, dass er so sehr respektiert und geliebt wird, dass gerade er im Amt des Parlamentspräsidenten bleiben muss. Darum geht es, und das ist aus Sicht der Interessen des Vorsitzenden der russischen Staatsduma völlig offensichtlich. All das verwandelt diese Wahlen natürlich in eine komische Farce. Was soll man machen?

Frage. Ist die Wahl der Alternative für Deutschland einfach eine strategische Vogel-Strauß-Haltung oder so etwas wie eine andere Vorstellung davon, wie die deutschen Probleme gelöst werden sollen?

Portnikov. Nun, natürlich ist es eine andere Vorstellung davon, wie die deutschen Probleme gelöst werden sollen. Die Menschen, die für die Alternative für Deutschland stimmen, verstehen ganz genau, für wen sie stimmen, zumindest in den ostdeutschen Bundesländern. Und sie können völlig aufrichtig glauben – und Russland trägt mit seinen Sabotageakten auf deutschem Territorium dazu bei –, dass Politiker gebraucht werden, die sich mit Moskau einigen und jene wirtschaftliche Situation wiederherstellen, die vor Russlands großem Krieg gegen die Ukraine bestand. Und dass Politiker, die eine Konfrontation wollen, ernsthafte Probleme für die Zukunft der Deutschen schaffen.

Darüber hat übrigens auch die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, die Sozialdemokratin Manuela Schwesig, gesprochen: dass es in ihrem Bundesland viele Menschen gibt, die gegen die Unterstützung der Ukraine und für die Wiederaufnahme des Betriebs der Gaspipeline Nord Stream eintreten, weil diese Pipeline auch Arbeitsplätze in diesem Bundesland geschaffen hat. Und dass die Sozialdemokratische Partei Deutschlands solche Stimmungen nicht unterstützen will, weil sie versteht, dass sie nicht ihren Werten entsprechen, und mit einem völlig entgegengesetzten Programm antritt. Und dann stimmen Menschen, die beispielsweise früher die Sozialdemokraten gewählt haben, für die Alternative für Deutschland, die auf ihre Sicht der Realität eingeht.

Natürlich sind die russisch-deutschen Beziehungen und der Krieg in der Ukraine keineswegs das Wichtigste, was das Wahlverhalten in Deutschland bestimmt. Das mag ein Teil wichtiger Probleme sein, aber es ist nicht alles. Hinzu kommen in Ostdeutschland die Haltung zu Migrationsproblemen und zum Niveau der wirtschaftlichen Entwicklung, das im Osten, wie Sie verstehen, anders ist als im Westen. Aber dass die Wähler der Alternative für Deutschland bis zu einem gewissen Grad von demselben Wunsch nach einer Verständigung mit Putin geleitet werden, der jahrzehntelang die Wünsche ukrainischer Wähler bestimmte, ist im Grunde eine Tatsache, ja, eine im Grunde offensichtliche Sache.

Deshalb ist in dieser Situation gerade die gesellschaftliche Nachfrage wichtig. Verstehen Sie? Wenn Marine Le Pen eine gesonderte Erklärung mit scharfer Kritik an Putin veröffentlicht, bedeutet das, dass sie sieht, dass es in der französischen Gesellschaft keine Nachfrage nach einer Verständigung mit Moskau gibt und dass sie, wenn sie ihre politische Karriere fortsetzen und sogar Präsidentin Frankreichs werden will, auf diese gesellschaftlichen Stimmungen hören muss. Ein ultrarechter Politiker muss keineswegs prorussisch sein, wenn in der Gesellschaft eine völlig entgegengesetzte Stimmung herrscht. Und umgekehrt wird selbst jemand, der einer Zusammenarbeit mit Kyiv positiv gegenübersteht, sehr vorsichtig sein, wenn er sieht, dass die gesellschaftliche Stimmung nicht dafür ist.

So geschieht es auch mit dem neuen ungarischen Ministerpräsidenten Magyar. Er muss die Stimmungen seiner eigenen Gesellschaft berücksichtigen, die Russland und die Ukraine anders betrachtet als die Gesellschaften der Nachbarländer. Ja, dazu hat die jahrelange Herrschaft von Vertretern der Partei Orbáns beigetragen, aber das bedeutet keineswegs, dass diese gesellschaftlichen Stimmungen nicht fortbestehen.

Frage. Besteht die Chance, dass sich nach dem 3. November, wenn die Demokraten das Repräsentantenhaus und den Senat übernehmen, die Politik gegenüber der Ukraine verändert? Denn es gibt Fragen hinsichtlich der Qualität und Kompetenz der Vertreter der herrschenden Klasse der Vereinigten Staaten.

Portnikov. Ich habe im Augenblick überhaupt keine Fragen hinsichtlich der Qualität und Kompetenz der Vertreter der herrschenden Klasse der Vereinigten Staaten, wenn wir über den Kongress sprechen. Dort gibt es viele professionelle, kluge Menschen. Aber ich möchte Sie einfach daran erinnern, dass die Außenpolitik der Vereinigten Staaten in jedem Fall vom Präsidenten des Landes bestimmt wird. Wenn die Demokraten die Mehrheit der Stimmen im Repräsentantenhaus und im Senat erhalten – derzeit können wir nicht sagen, dass dies zwangsläufig geschehen wird; zumindest beim Senat gibt es ganz sicher eine große Frage –, dann haben die Demokraten einfach eine Chance bekommen, diese Mehrheit zu erreichen. Bis vor Kurzem hatten sie diese Chance nicht. Auf diese Weise kann es zu dem gewöhnlichen politischen Tauschgeschäft kommen, das es in Amerika immer gibt, wenn der Präsident eine der Kammern des Kongresses nicht kontrolliert.

Das heißt, Trump wird darauf angewiesen sein, dass der Kongress über etwas abstimmt, das für ihn wichtig ist. Der Kongress wird darauf angewiesen sein, dass Trump bestimmte Gesetze unterzeichnet, die den Vorstellungen der Demokraten entsprechen. Wenn sie nicht in den Abgrund einer absoluten Konfrontation abrutschen, dann wird man bestimmte Entscheidungen, die für den Präsidenten nicht so schmerzhaft sind, gegen andere eintauschen können. Hilfe für die Ukraine erscheint nicht als eine derart schmerzhafte Entscheidung. Deshalb schafft ein Sieg der Demokraten bei den Wahlen auch nur zu einer Kammer des Kongresses grundsätzlich Voraussetzungen dafür, dass der neu gewählte Kongress – das wird natürlich bereits im nächsten Jahr sein – ein Programm zur Unterstützung der Ukraine für die kommenden Kriegsjahre ausarbeitet. Das ist sehr wichtig, wenn man berücksichtigt, wie schwierig und schwer diese kommenden Jahre werden können.

Deshalb sehe ich gerade im Verlust der Kontrolle über eine Kammer solche Möglichkeiten. Denken Sie nur daran, dass derselbe Sprecher Mike Johnson bestimmte Gesetzesvorlagen schlicht nicht zur Abstimmung stellte. Ebenso stellt der Vorsitzende der republikanischen Mehrheit im Senat, Senator Thune, den Ukraine Support Act schlicht nicht zur Abstimmung. Die Frage ist nicht einmal, wer wie viele Stimmen hat. Die Frage ist, dass der Sprecher oder der Mehrheitsführer Gesetzesvorlagen einfach nicht zur Abstimmung stellen kann.

Ich versichere Ihnen: Wenn Senator Thune den Ukraine Support Act zur Abstimmung stellen würde, würde dieses Gesetz verabschiedet. Im Senat gibt es genügend Stimmen sowohl demokratischer als auch republikanischer Senatoren, die ihn unterstützen können. Und das ist kein Geheimnis. Über dieses Gesetz wird nicht deshalb nicht abgestimmt, weil es dafür keine Stimmen gibt, sondern weil es nicht zur Abstimmung gestellt wird. Das bedeutet, dass man die Situation sogar mithilfe der Zwischenwahlen verändern kann, denn wie Sie verstehen, ist es für den Präsidenten wesentlich schwieriger, ein bereits verabschiedetes Gesetz dieser Art nicht zu unterzeichnen, als ein Gesetz zu ignorieren, das im Senat nicht einmal behandelt wird. Das ist ein einfaches, elementares Beispiel für eine solche Situation.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп: Росія втрачає контроль | Віталій
Портников. 21.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 21.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Trump quält Zelensky mit dem Diesel | Vitaly Portnikov. 21.09.2026.

Axios behauptet, dass Donald Trump während seines Gesprächs mit Volodymyr Zelensky wiederholt auf das Thema eines Endes der ukrainischen Angriffe auf russische Ölraffinerien zurückkam und dies damit erklärte, dass er einen weiteren Anstieg der Dieselpreise weltweit, insbesondere in den Vereinigten Staaten, befürchte.

Natürlich kann man verstehen, dass den amerikanischen Präsidenten das Problem steigender Dieselpreise beschäftigt. Für die Amerikaner ist das ein reales Problem, vielleicht ein weitaus wichtigeres als alle außenpolitischen Erfolge und Misserfolge ihres Präsidenten. Denn vom Dieselpreis, vom Treibstoffpreis hängen der Wohlstand amerikanischer Familien und die Preise nicht nur an den Tankstellen, sondern auch in den Supermärkten ab.

Und all das kann sich auf die Umfragewerte der Republikanischen Partei und auf ihre Ergebnisse bei den Zwischenwahlen auswirken. Trump fürchtet eine Niederlage seiner Parteifreunde, weil er sich bewusst ist, wozu diese Niederlage für ihn persönlich und für die Mitglieder seiner Familie führen könnte.

Das Hauptproblem besteht jedoch darin, dass sich der Dieselpreis weltweit nicht wesentlich ändern wird, wenn die Ukraine aufhört, russische Ölraffinerien anzugreifen. Ja, vor diesen Angriffen verkaufte Russland Diesel auf dem Weltmarkt, während es dazu jetzt nicht mehr in der Lage ist und Diesel aus anderen Ländern importiert. Aber die Menge russischer Produkte, die jetzt nicht mehr auf den Weltmarkt gelangt, lässt sich nicht einmal annähernd mit der Menge an Dieselkraftstoff vergleichen, die infolge der iranischen Blockade der Straße von Hormus und der Aktionen der jemenitischen Huthi-Organisation in der Nähe der Meerenge Bab al-Mandab nicht auf den Markt gelangt.

Das ist tatsächlich eine reale globale Energiekrise, die vor allem damit zusammenhängt, dass es Trump nicht gelungen ist, die Straße von Hormus wieder freizubekommen. Und infolge seines nicht durchdachten Krieges gegen Teheran ist er in eine echte geopolitische Falle geraten, aus der ihn weder der Staatschef der Volksrepublik China Xi Jinping noch der Präsident der Russischen Föderation Putin herauslassen wollen. Und dabei geht es nicht um in Russland produzierten Dieselkraftstoff. Es geht um Dieselkraftstoff, den die Länder am Persischen Golf produzieren, aber nicht auf den Markt bringen können.

Natürlich kann man Trump verstehen, wenn er bei Wahlkampfveranstaltungen den Anhängern der Republikaner sagt, das gesamte Problem bestehe ausschließlich darin, dass die Ukraine russische Ölraffinerien angreife und der Krieg Russlands gegen die Ukraine beendet werden müsse. Denn auf diese Weise versucht Trump, sich der Verantwortung für die inkompetente Führung des Krieges gegen den Iran und für die mangelnde Berücksichtigung der Folgen dieses Krieges zu entziehen. 

Aber ein Gespräch mit dem Präsidenten der Ukraine sollte frei von einer solchen propagandistischen Überlagerung sein. Volodymyr Zelensky wird bei den Kongresswahlen nicht abstimmen. Mit ihm kann Donald Trump, wie mit jedem seiner Präsidentenkollegen, offen sprechen, ohne all jene Erfindungen, die er bei seinen Wahlkampfveranstaltungen oder in Gesprächen mit Journalisten verwendet.

Oder wir müssten zu dem Schluss kommen, dass der amerikanische Präsident tatsächlich nicht einmal die einfachen Größenordnungen versteht, die mit dem Anstieg des Dieselpreises zusammenhängen. Ich glaube aber keineswegs, dass Trump solche Dinge nicht versteht. Er versteht alles sehr gut.

Dann stellt sich die Frage, warum die Themen von Wahlkampfveranstaltungen zum Thema eines Gesprächs zwischen dem amerikanischen und dem ukrainischen Präsidenten werden. Denn Trump versteht sehr gut, dass, wenn die Ukraine aufhört, russische Ölraffinerien anzugreifen, Russland beginnt, seinen Dieselkraftstoff wieder auf dem Weltmarkt zu verkaufen, der Treibstoffpreis sich aber nicht verändert oder sogar noch steigt, dies selbst Donald Trumps Wählern umso deutlicher vor Augen führen wird, dass es nicht um die ukrainischen Angriffe geht, sondern um die Straße von Hormus.

Das heißt, Trump sägt mit seinem Versuch, die ukrainischen Angriffe zu stoppen, an dem Ast, auf dem er selbst sitzt – dem Ast der propagandistischen Verschleierung der Realität. Aus Sicht der Wahlkampflogik müsste er daran interessiert sein, dass die Ukraine ihre Angriffe fortsetzt, damit er Kyiv zumindest bis zum 3. November weiter beschuldigen und demonstrieren kann, dass er sich darum bemüht, die Preise zu senken.

Aber eine Vereinbarung mit Kyiv wäre ein Schlag gegen seine eigene Version. Die Angriffe hören auf, der Diesel kommt wieder auf den Markt, der Preis ändert sich nicht. Was geschieht dann also? Hat es vielleicht doch etwas mit dem Iran zu tun?

Es kann aber einen anderen, weitaus ernsteren Grund geben. Trump ist daran interessiert, dem Präsidenten der Russischen Föderation bestimmte politische Dienste zu erweisen, mit dem er künftig privilegierte Wirtschaftsbeziehungen unterhalten möchte. Trump glaubt weiterhin daran, dass der russisch-ukrainische Krieg enden wird und all diese im Kreml erfundenen Projekte, die Kirill Dmitrijew mit solcher Freude mit Steve Witkoff und Jared Kushner bespricht, verwirklicht werden – und dabei geht es um Milliarden und Abermilliarden Dollar.

Natürlich ist das ein typisches russisches Täuschungsmanöver. Niemand im Kreml hat vor, irgendwelche realen Geschäfte mit Trump, seinen Verwandten oder seinen Freunden zu machen. Aber niemand hindert Trump daran, an das Gegenteil zu glauben. Und wenn man deshalb in Moskau die Vertreter des Präsidenten der Vereinigten Staaten darum bittet, darauf hinzuwirken, dass die russischen Raffinerien nicht angegriffen werden – übrigens ebenso, wie Putin Trump davon zu überzeugen versuchte, ihm bei der Durchführung der Parade am 9. Mai zu helfen –, und Witkoff und Kushner dem amerikanischen Präsidenten von diesen Bitten Putins erzählen, dann kann die Situation völlig anders aussehen.

Unter dem Deckmantel von Gesprächen über eine Senkung der Dieselpreise versucht Trump, die russische Ölraffinerieindustrie vor einem endgültigen Zusammenbruch zu retten, der sich beschleunigen könnte, wenn die Ukraine über eigene ballistische Raketen verfügt und russische Ölraffinerien so zerstören kann, dass sie in den nächsten Jahren niemand mehr reparieren kann. Das könnte der eigentliche Preis dieser Frage sein. Und deshalb könnte Trump Volodymyr Zelensky erneut von der Notwendigkeit erzählen, die Angriffe auf die russischen Raffinerien einzustellen.

Aber zugleich kann er eines nicht: Putin dazu zwingen, wenigstens seine eigenen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur einzustellen und einer beiderseitigen Waffenruhe zuzustimmen. Und das macht Trumps Aufgabe, die Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation zu retten, praktisch unrealistisch.


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Titel des Originals: Трамп мучить Зеленського з дизелем |
Віталій Портников. 21.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 21.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Zelensky hat mit Trump gesprochen: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 20.09.2026.

Die sogenannten Parlamentswahlen in der Russischen Föderation gehen zu Ende. Und viele versuchen, Prognosen darüber anzustellen, was im Krieg Russlands gegen die Ukraine geschehen wird, und berücksichtigen dabei gerade die Situation im Zusammenhang mit diesen Wahlen. Und natürlich können wir in dieser Situation darüber sprechen, was tatsächlich geschehen könnte. 

Wenn wir die Entwicklung des russisch-ukrainischen Krieges erörtern und versuchen, sie mit dem weiteren Verlauf der Ereignisse in Beziehung zu setzen, müssen wir uns natürlich bewusst machen, dass die Wahlen in der Russischen Föderation in Wirklichkeit kein Teil eines Prozesses sind, der mit den russischen Absichten zusammenhängt. Ein wirklicher Teil dieses Prozesses ist vielmehr das, was in den Beziehungen der Ukraine zu unseren Verbündeten geschieht, der Umfang der Hilfe und das, was das künftige wirtschaftliche und militärische Potenzial der Ukraine tatsächlich bestimmen wird.

Deshalb muss man dieses Gespräch natürlich nicht mit den russischen Wahlen beginnen – auf sie werden wir heute auf jeden Fall noch zurückkommen und versuchen zu erklären, was tatsächlich geschieht –, sondern mit dieser letzten Nachricht, die buchstäblich wenige Minuten vor unserer Sendung kam: Schließlich hat ein Gespräch zwischen den Präsidenten der Ukraine und der Vereinigten Staaten stattgefunden.

Präsident Zelensky berichtete über dieses Gespräch, teilte mit, dass es in New York zu einem Treffen mit Donald Trump kommen werde, und ist der Ansicht, dass dieses Treffen vieles verändern könne. Er betonte, dass dies tatsächlich der wichtigste Gesprächskanal in diesem Prozess zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten sei.

Warum müssen wir gerade mit diesem Gespräch beginnen? Warum müssen wir gerade mit diesem Thema beginnen? Weil, wie wir alle sehr gut verstehen, der weitere Verlauf der Ereignisse davon abhängen wird, welches Potenzial Russland für seine Aggression haben wird und welche Haltung die Vereinigten Staaten zu diesem Potenzial einnehmen werden.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass nach den Gesprächen, die die amerikanischen Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner in der russischen und der ukrainischen Hauptstadt geführt hatten, mitgeteilt wurde, Präsident Trump werde – und er selbst sagte das ebenfalls – mit den Präsidenten Russlands und der Ukraine sprechen und mit ihnen die Ergebnisse der Reise seiner Vertreter erörtern. Tatsächlich aber fand nur das Gespräch mit Putin statt. Mit dem ukrainischen Präsidenten sprach Donald Trump bis zum heutigen Tag, bis zum heutigen Abend beziehungsweise bis zum heutigen Tag in Amerika, nicht. Das Gespräch mit Putin bezeichnete er als sehr gut und betonte, Putin wünsche Frieden.

Danach sagte der Präsident der Vereinigten Staaten mehrfach, dass gerade die ukrainischen Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation mit dem Anstieg der Treibstoffpreise zusammenhingen. Es erschienen Meldungen darüber, dass die Regierung sogar Möglichkeiten zur Wiederaufnahme wirtschaftlicher Beziehungen mit der Russischen Föderation erwäge, ohne die Frage von Krieg und Frieden in der Ukraine zu lösen.

Für mich sind das sehr spekulative Informationen, denn ich möchte Sie daran erinnern, dass eben jenes Graham-Gesetz über Sanktionen, das Trump gestern unterzeichnet hat, natürlich keine so offensichtlichen Voraussetzungen für neue Sanktionen gegen die Russische Föderation schafft, aber eindeutig reale Möglichkeiten dafür, die alten aufrechtzuerhalten. Das heißt, es erlaubt dem amerikanischen Präsidenten im Grunde nicht, auf Sanktionen zu verzichten, die bereits von den Regierungen Barack Obamas, Donald Trumps selbst während seiner ersten Amtszeit und Joseph Bidens eingeführt wurden.

Und wie wollen Sie wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation aufbauen, wenn Sie keinerlei reales Potenzial haben, die Sanktionsbelastung aufzuheben? Ohne die Aufhebung dieser Sanktionsbelastung können Sie nicht einmal darauf hoffen, dass sich in Ihren Wirtschaftsbeziehungen etwas entwickelt.

Aber so oder so war allein die Tatsache, dass es keinen Dialog zwischen Trump und Zelensky gab, ein Signal.

  • Erstens ein Signal dafür, dass Trump noch immer hofft, mit Putin über irgendetwas eine Einigung zu erzielen.
  • Zweitens, dass er mit den Kontakten zu Zelensky nicht besonders zufrieden ist.
  • Drittens, dass er die Ukraine für den Anstieg des Dieselpreises an den amerikanischen Tankstellen verantwortlich machen will.

Nun, und all das konnte sich, wie Sie sehen, nicht lange halten. Noch gestern hieß es, im Arbeitsplan des Präsidenten der Vereinigten Staaten während seines Aufenthalts bei der Sitzung der UN-Generalversammlung in New York sei kein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten vorgesehen, und heute ist es bereits vorgesehen. Das heißt, Trump kann Zelensky in dieser Situation ebenfalls nicht ignorieren.

Für uns ist das kein schlechtes Signal. Die Frage ist nicht einmal, was wir bei diesem Treffen des amerikanischen und des ukrainischen Präsidenten erreichen können. Die Frage ist, dass solche Kontakte Trump so oder so von übermäßigen Hoffnungen auf eine Normalisierung der Beziehungen zu Putin abhalten werden. Ganz abgesehen davon, dass der Präsident der Ukraine gerade vor dem Hintergrund der Unterzeichnung des Sanktionsgesetzes durchaus etwas mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zu besprechen hat.

Ja, dieses Gesetz verpflichtet Trump zu nichts, aber nun können Trump und Zelensky über eine weitere Sanktionsbelastung für die Russische Föderation und ihre Unterstützer im Energiebereich sprechen. Ich erinnere daran, dass all dies zudem vor dem Hintergrund der Kontakte zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Staatschef der Volksrepublik China geschieht. Und die Volksrepublik China mag glauben, dass die Vereinigten Staaten es nicht wagen werden, Zölle von 100 Prozent auf ihre Produkte zu erheben, falls sie ihre Zusammenarbeit mit Russland im Energiebereich fortsetzt, aber diese Möglichkeit besteht.

Wir müssen uns bewusst machen, dass Xi Jinping derzeit womöglich überhaupt nicht begeistert von der Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges ist: sowohl weil die Ukraine die russischen Raffineriekapazitäten zerstört und damit das wirtschaftliche und energetische Potenzial des wichtigsten Satelliten der Volksrepublik China untergräbt, als auch weil Putin Peking keine klare Perspektive dafür bieten kann, wie und mit welchen Ergebnissen er den russisch-ukrainischen Krieg beenden will und wie sich das letztlich auf die russische Wirtschaft auswirken wird. Vielleicht sind China die ukrainischen Ruinen gleichgültig, die russischen aber nicht.

Und noch ein wichtiger Punkt betrifft gerade unsere Angriffe auf die russischen Raffinerien. Ich möchte Sie daran erinnern, dass der Präsident der Vereinigten Staaten davon gesprochen hat, er habe angeblich bereits eine Energie-Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine erreicht, und diese Waffenruhe gerade mit den ukrainischen Angriffen auf die russischen Raffinerien in Verbindung brachte. Er sagte, er habe Zelensky aufgefordert, den russischen Diesel nicht anzugreifen. Auch daran erinnern Sie sich sehr gut.

Aber hier haben Sie ein wunderbares Ergebnis. Wir führen den massivsten Angriff auf die russische Hauptstadt und das Moskauer Gebiet durch, möglicherweise sogar seit Beginn dieses großen Krieges. Sie sehen, wie die Ölraffinerie in Kapotnja brennt, ein für den russischen Raffineriesektor strategisch wichtiges Unternehmen. Na und?

Was meinen Sie, hat das irgendwie mit der Dieselproduktion zu tun oder nicht? Und weiß eine ukrainische Drohne etwa ganz genau, dass hier Diesel ist und dort kein Diesel? Nun, das ist völlig unrealistisch. Und nichts passiert. Nach diesem massiven Angriff, vor dem Hintergrund der Brände in Russland, des brennenden Kapotnja, des brennenden Woronesch und der brennenden Lager russischer Infrastrukturunternehmen spricht Trump ganz ruhig mit Zelensky und vereinbart mit ihm ein Treffen.

Das muss man sich bewusst machen, wenn wir über die Situation im Zusammenhang mit den amerikanisch-ukrainischen Kontakten sprechen. Jetzt ist einfach nicht die Situation, in der man sich vor den lauten Worten des Präsidenten der Vereinigten Staaten fürchten sollte. Mit jedem Tag, der ihn den Zwischenwahlen zum Kongress näher bringt, wird der Präsident der Vereinigten Staaten die ganze Schwierigkeit der Lage spüren, in die die Republikanische Partei der Vereinigten Staaten durch seine Politik geraten ist.

Er versteht sehr gut, wie viele Wähler von den wirtschaftlichen Ergebnissen enttäuscht sind. Obwohl ein großer Teil der Republikaner natürlich nach wie vor bereit ist, für die Vertreter der eigenen Partei zu stimmen, weil er immer und ohne Alternative für sie stimmt, gibt es bereits enttäuschte Republikaner und, was am wichtigsten ist, enttäuschte sogenannte unabhängige Wähler, die von Trump eine Verbesserung ihres Lebens erwartet hatten und stattdessen eine durchgehende Verschlechterung bekommen haben. Denn wie Sie verstehen, hält das Lohnwachstum in den Vereinigten Staaten mit dem erstaunlichen Anstieg der Preise für Erdölprodukte und dem Preisanstieg bei allem anderen nicht Schritt, wie das immer der Fall ist, wenn die Preise für Erdölprodukte steigen.

Das ist das Ergebnis, das die Republikaner bekommen könnten. Und natürlich fürchtet Trump das sehr. Wenn man noch gestern davon ausging, dass die Demokraten zwar enorme Chancen auf einen Sieg im Repräsentantenhaus haben, sich aber die Frage stellte, wie sie die Kontrolle über den Senat gewinnen sollen, wenn dort nur ein Drittel der Senatoren neu gewählt wird, dann erscheint ein gleichzeitiger Verlust beider Kammern des Kongresses durch die Republikanische Partei inzwischen nicht mehr wie Science-Fiction. Denn praktisch in der Mehrheit der Bundesstaaten, in denen Senatoren neu gewählt werden, liegen die Kandidaten der Demokraten faktisch völlig gleichauf mit den republikanischen Kandidaten. Selbst in Bundesstaaten, in denen traditionell gerade Republikaner Senatoren wurden: in Texas, in Alaska. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Republikaner ihre jeweiligen Wahlkämpfe nicht gewinnen werden, denn 50 zu 50 schafft, wie Sie verstehen, immer Chancen für beide Seiten. Aber es erlaubt einem nicht, sich im warmen Bad der Erwartungen zu sonnen.

Und Trump muss etwas tun, um seinen Wählern Entschlossenheit bei der Suche nach Schritten zur Verringerung der Belastung durch die Ölpreise und Entschlossenheit bei der Suche nach Schritten zur Beendigung von Kriegen zu demonstrieren, wenn er schon nichts gegen den Iran unternehmen kann. Mehr noch: Wir nähern uns jetzt einer Situation, in der die Möglichkeit einer Blockade der Meerenge Bab al-Mandab zunimmt. Vielleicht kann er also etwas mit dem russisch-ukrainischen Krieg anfangen? Vielleicht kann man ihn davon überzeugen, dass gerade eine Waffenruhe an der russisch-ukrainischen Front, zumindest eine Energie-Waffenruhe, einen gewissen Schutzschirm für den russischen Raffineriesektor schaffen und den Dieselpreis senken oder zumindest den Amerikanern demonstrieren würde, dass ihr Präsident sich darum kümmert, dass er darüber nachdenkt? Auch das ist ein sehr wichtiger Punkt, der erwähnt werden muss. Nun dazu, was man in einer solchen Situation erreichen kann.

Putin wird jetzt natürlich darüber nachdenken, ob es sich für ihn lohnt, die Eskalation bis zum 3. November, bis zu den Zwischenwahlen zum Kongress, zu verschärfen oder ob er sie im Gegenteil nicht braucht. Denn es ist klar, dass eine Verschärfung der Eskalation jetzt ein direkter Schlag gegen Trumps Interessen wäre. So seltsam es klingen mag: Die Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress sind für Putin wesentlich wichtiger als seine eigenen Wahlen.

Und genau das erstaunt mich. Ich kehre zum Anfang unseres Gesprächs zurück. Warum verbinden alle mögliche Eskalationsschritte der russischen Führung gegenüber der Ukraine und im russisch-ukrainischen Krieg ständig gerade mit den russischen und nicht mit den amerikanischen Wahlen? Die Zwischenwahlen zum Kongress sind schließlich tatsächlich ein politisches Ereignis. Wir wissen nicht, wer als Sieger daraus hervorgehen wird. Menschen kämpfen miteinander um Parlamentssitze. Von der Kontrolle über den Kongress hängt ab, wie frei sich die Trump-Regierung fühlen und wie sie handeln wird. Das alles verstehen wir sehr gut.

Die russischen Wahlen dagegen – nun, ich habe bereits mehrfach gesagt, dass Putin, als er Präsident wurde, beschloss, ein System zu schaffen, das er in seiner Jugend gesehen hatte, als er in der Deutschen Demokratischen Republik als Direktor eines Kulturhauses arbeitete. In der Deutschen Demokratischen Republik gab es ein politisches System, das sich von dem der Sowjetunion unterschied. In der Sowjetunion gab es eine Partei, den Block der Kommunisten und Parteilosen bei den sogenannten Wahlen zum Obersten Sowjet der Sowjetunion und der Unionsrepubliken. Die Sowjetbürger stimmten überhaupt nicht wirklich ab. Sie warfen einfach den Stimmzettel ein. Und das war eine Art Plebiszit, das Vertrauen in die Kommunisten voraussetzte.

Die ersten wirklichen Wahlen in der Sowjetunion seit der Auflösung der Verfassunggebenden Versammlung durch die Bolschewiki 1917 fanden erst 1988 oder 1989 statt – ich erinnere mich nicht mehr genau an das Datum –, als die Abgeordneten des Kongresses der Volksdeputierten der Sowjetunion gewählt wurden. Und das waren Wahlen mit Alternativen. Die Sowjetbürger erfuhren zum ersten Mal, dass man zwischen zwei Kandidaten wählen konnte und nicht nur einen einzigen zur Auswahl hatte.

In der Deutschen Demokratischen Republik war dagegen alles anders, weil sie das Schaufenster des sowjetischen Sozialismus war. Und die sowjetischen Kommunisten wollten beweisen, dass sich die Deutsche Demokratische Republik hinsichtlich der Demokratie in nichts von der benachbarten Bundesrepublik Deutschland unterschied. Also schufen sie dort dasselbe System wie in der Bundesrepublik, nur erfunden, imitiert, aus Pappe. In der Deutschen Demokratischen Republik gab es eine Vielzahl von Parteien. Neben der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, die faktisch eine kommunistische Partei unter anderem Namen war, gab es dort die Christlich-Demokratische Union, die Liberal-Demokratische Partei, ein Gegenstück zur Partei der Freien Demokraten in der Bundesrepublik, die National-Demokratische Partei als Gegenstück zu solchen rechtsradikalen Parteien in der Bundesrepublik und die Demokratische Bauernpartei Deutschlands. Und all diese Parteien waren in der Volkskammer der DDR vertreten.

Mehr noch: Zusammen mit den gesellschaftlichen Organisationen und dem Jugendverband, die ebenfalls eigene Quoten in der Volkskammer hatten, stellten all diese Parteien die Mehrheit der Abgeordneten, während die Kommunisten, die Regierungspartei, während der gesamten Existenz der DDR in der Minderheit waren. Aber das störte niemanden, weil all diese Parteien gemäß der deutschen Verfassung die führende Rolle der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands anerkannten. Und natürlich war diese Volkskammer ein Schaufenster, in dem keinerlei Diskussion und keinerlei Demokratie stattfanden. Was übrigens nicht verhinderte, dass sich im Moment des Falls der Berliner Mauer all diese nichtkommunistischen Pseudoparteien zusammenschlossen und die Kommunisten entmachteten. So war der letzte Vorsitzende des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik noch vor den ersten freien Wahlen bereits kein Kommunist mehr, sondern der sogenannte Liberaldemokrat Manfred Gerlach, der dem Regime zuvor jahrelang treu gedient hatte und stellvertretender Vorsitzender dieses Staatsrates gewesen war. Ein solches Paradox.

Ja, Putin, der all das gesehen hatte, hat es bei sich faktisch nachgebildet. Aber alle Parteien, die zu den Wahlen zur Staatsduma zugelassen sind, unterstützen sein politisches Programm. Und wie wir sehr gut verstehen, unterstützen sie den Krieg. Sowohl das verbrecherische „Einiges Russland“ als auch das verbrecherische „Gerechtes Russland“, das inzwischen an Popularität verliert, die verbrecherische Partei Schirinowskis, die Kommunisten, ewige Anhänger von Krieg und Autoritarismus, und natürlich die Partei „Neue Leute“, die geschaffen wurde, um den Anschein einer Alternative zu erwecken, sich aber nicht gegen die offizielle Staatspolitik stellt.

Das bedeutet nicht, dass die russische Gesellschaft nicht nach einer Alternative sucht. Natürlich sucht sie danach, sie kann sie nur nicht finden. Wie Sie gesehen haben, registrierten die Behörden lediglich zur Demonstration dieses DDR-Pluralismus die Partei mJabloko, die als einzige mit einem Antikriegsprogramm antrat. Mag dieses noch so verschwommen gewesen sein, mag es keinerlei Vorwürfe gegen Putin wegen der Aggression enthalten haben, aber die Partei rief zu Friedensverhandlungen auf. Die nicht öffentliche Meinungsforschung des Kremls zeigte eine derartige Popularität Jablokos, dass die Partei unter völlig erfundenen Vorwänden aus dem Wahlkampf genommen wurde und man begann, ihre führenden Vertreter zu verfolgen. Als wären sie selbst daran schuld, dass die Staatsmacht ihre Partei zu den Wahlen zugelassen hatte.

Aber selbst das ist noch nicht alles. Vor unserer Sendung habe ich Umfragen an den ausländischen Wahllokalen gesehen, und dort erhält die Partei „Neue Leute“ die überwältigende Mehrheit der Stimmen, während „Einiges Russland“ etwa zwei bis drei Prozent bekommt. Das heißt, selbst jene Russen im Ausland, die dem Putin-Regime gegenüber loyal sind und zur Wahl gehen, wollen trotzdem nicht für Parteien stimmen, die sie mit dem Kreml verbinden, und stimmen für „Neue Leute“ – vielleicht sogar in dem Bewusstsein, dass dies eine Marionettenpartei, eine erfundene Partei ist. Aber so oder so hoffen sie, dass dies ihr Signal dafür sein wird, dass sie die Politik nicht akzeptieren, die, wie ich sagen würde, die alten politischen Parteien der Putin-Zeit betreiben.

Also dort, wo die Menschen nicht im öffentlichen Dienst beschäftigt sind, wo sie nicht vom Staat abhängig sind, wo sie nicht überwacht werden. Sie verstehen doch, dass, wenn etwa 50 Prozent oder wie viele Menschen auch immer im Ausland für die Partei „Neue Leute“ stimmen, unter diesen Menschen auch Mitarbeiter des diplomatischen Dienstes der Russischen Föderation selbst sind, also Vertreter des Systems. Es sind doch mehr als zwei oder drei Prozent, wie Sie verstehen, die eigentlich für „Einiges Russland“ hätten stimmen müssen. Und sie haben es nicht getan. Aber das System ist so geschaffen, dass du, für wen auch immer du stimmst, für das blutige Putin-Regime stimmst. Das ist das Ergebnis.

Da stellt sich die Frage: Warum sollte Putin auf diese Wahlen Rücksicht nehmen? Warum sollte er entscheiden, dass er eine Mobilmachung durchführen muss, falls er überhaupt ein solches Programm für die Zeit nach den Wahlen hat? Warum sollte er die Frage des russisch-ukrainischen Krieges erst nach den Wahlen entscheiden, wenn in Russland nicht entscheidend ist, wie abgestimmt, sondern wie ausgezählt wird?

Und noch einmal: Wenn es irgendein Jabloko gibt, für das eine große Zahl von Menschen stimmt, und diese große Zahl von Menschen danach erkennt, dass sie betrogen wurde, kann das zu Instabilität führen. Wenn die Menschen aber für Parteien stimmen, die sich untereinander in nichts unterscheiden, dann ist es im Grunde nicht besonders wichtig, wenn sie schon zu diesen Wahlen gegangen sind, wie ihre Stimme angerechnet wird. Und auch das ist ein wichtiger Punkt, der erwähnt werden muss. Putins Wahlen sind also ganz sicher nicht das, was die politische Situation in Russland verändert. Und sie sind ganz sicher nicht das, was die Situation rund um den russisch-ukrainischen Krieg verändert.

Anders als die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Darauf muss man genau achten. Und übrigens muss man auch die europäischen Wahlen genau beobachten. Die Ergebnisse der Wahlen in zwei deutschen Bundesländern, deren Exitpolls gerade eingetroffen sind, zeigen ebenfalls, dass Russland in Europa weiterhin beharrlich arbeitet. Die Partei Alternative für Deutschland, die, wie Sie wissen, bei den vorherigen Landtagswahlen im Bundesland Sachsen-Anhalt die meisten Stimmen erhalten hatte und nur knapp die absolute Mehrheit verfehlte, mit der sie eine Regierung hätte bilden können, ohne auf die Position anderer Parteien Rücksicht nehmen zu müssen, triumphierte auch in einem anderen ostdeutschen Bundesland, in Mecklenburg-Vorpommern, mit 37 Prozent der Stimmen.

Die Christlich Demokratische Union, die Partei, an deren Spitze der derzeitige Bundeskanzler Friedrich Merz steht, schaffte es dagegen mit ungefähr fünf Prozent der Stimmen der Wähler, die sie in diesem Bundesland unterstützten, gerade noch in den Landtag. Und alle sagen, das sei ein vernichtendes Ergebnis. Tatsächlich würde ich aber sagen, dass es im Vergleich zu den Erwartungen ein Erfolg für die Christdemokraten ist, denn man hatte angenommen, dass sie überhaupt nicht in den Landtag einziehen könnten. Das wäre tatsächlich eine absolute Katastrophe für die Partei Friedrich Merz’ gewesen. Insofern kann man natürlich wohl auch nicht sagen, dass dies das schlechteste Ergebnis gewesen wäre, das es in der Geschichte der Christlich Demokratischen Union hätte geben können, aber es ist ganz sicher kein Ergebnis, das dazu beiträgt, die Position von Bundeskanzler Friedrich Merz zu stärken.

Auch in Berlin findet eine Art Revolution statt. Dort, wo bislang ein Vertreter der Christlich Demokratischen Union Regierender Bürgermeister war, ist die Linkspartei auf den ersten Platz gekommen. Das ist wiederum eine Partei, die aus dem Zusammenschluss derjenigen entstanden ist, die die Sozialdemokratische Partei Deutschlands verlassen hatten, mit den Nachfolgern der ehemaligen Kommunisten Ostdeutschlands, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Und diese Partei, die einst im Grunde Ost-Berlin regierte – damals war der Ost-Berliner Stadtchef Mitglied des Politbüros –, erhebt nun ebenfalls Anspruch auf das Amt des Regierenden Bürgermeisters von ganz Berlin.

Die Christlich Demokratische Union liegt deutlich hinter ihr. Und das ist ein ernsthaftes Problem sowohl für die Christlich Demokratische Union als auch übrigens für ihren Koalitionspartner, die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die bei der Zahl der Stimmen nur auf den fünften Platz kam.

Wissen Sie, früher haben wir davon gesprochen, dass es in Deutschland zwei Volksparteien gibt. Das sind die Christlich Demokratische Union und die Sozialdemokratische Partei, die bei praktisch allen Bundestags- und Landtagswahlen die Mehrheit der Wählerstimmen auf sich vereinten, während alle anderen Parteien sozusagen nur die Beilage zu ihrem ewigen Kampf waren. Aber wenn wir uns nun die Wahlergebnisse im selben Berlin ansehen – denn Berlin ist kein typisches ostdeutsches Bundesland; Sie wissen, dass Berlin aus einem östlichen und einem westlichen Teil besteht.

Die Einwohner des westlichen Teils lebten im politischen Raum im Grunde in dem der Bundesrepublik. Sie wurden mit niemandem vereinigt. Sie wählten praktisch so, wie die Westdeutschen wählten. Und wir sehen, dass dort die Linkspartei auf dem ersten Platz liegt, danach die Christlich Demokratische Union, danach die Alternative für Deutschland, danach die Grünen und erst dann die Sozialdemokraten.

Wo sind also diese deutschen Volksparteien, die miteinander um die Macht kämpfen? Das ist in der gegenwärtigen Situation des politischen Prozesses vollkommen vorbei. Und selbst wenn die Alternative jetzt in einigen weiteren Bundesländern noch nicht an die Macht kommt, verstehen wir zugleich sehr gut, dass sich solche Tendenzen zumindest im Osten Deutschlands verstärken. Das bedeutet nicht, dass die Alternative für Deutschland eine Regierung für ganz Deutschland bilden kann, wo ihre Popularität in den westlichen Bundesländern geringer ist als im Osten.

Aber genau damit arbeitet Putin, denn er versteht sehr gut, dass Friedrich Merz einer der europäischen Politiker ist, die bereit sind, sich dem Kreml entschlossen entgegenzustellen, und dass er diese Bereitschaft nicht verbirgt. Und Moskau muss die Position jener Menschen schwächen, die erstens keine Vereinbarung über die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Kreml treffen wollen und zweitens bereit sind, der Ukraine mit Geld und Waffen zu helfen.

Denn in Moskau hat man eine ziemlich einfache Schlussfolgerung gezogen: Die Vorstellung, dass die Ukraine nach den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten 2024 zur Kapitulation gezwungen sein würde, weil sie keinerlei Möglichkeiten mehr hätte, Widerstand zu leisten, ist gescheitert – selbst als Trump die tatsächliche finanzielle Unterstützung für die Ukraine wirklich aussetzte und man begann, uns Waffen für europäisches Geld zu verkaufen.

Es stellte sich heraus, dass die europäische Unterstützung im Prinzip ausreicht, damit die Ukraine nicht nur weiterhin gegen die russische Aggression kämpfen, sondern auch mit einer systematischen Zerstörung der russischen Wirtschaft beginnen kann, die für Russland in nicht allzu ferner Zukunft in Trümmern enden könnte. Und wir wünschen dem russischen Staat aufrichtig genau diese unermesslichen Ruinen. Wir verstehen, dass der Zusammenbruch des wirtschaftlichen Potenzials der Russischen Föderation und eine Krise in diesem aggressiven Terrorstaat für die gesamte zivilisierte Welt ein Geschenk der Ukraine wären, man kann sagen: ein gewaltiges, nicht nur für uns.

Nun, aber die Russen verstehen ebenfalls, worauf sie zusteuern. Glauben Sie etwa, Putin sei ein Dummkopf? Er versteht alles sehr gut. Er will nur nicht, dass dies seinen Kampf gegen uns behindert. Aber die Schlussfolgerung ist einfach. Um gegen die Ukraine kämpfen zu können, muss die europäische Hilfe für die Ukraine gestoppt werden. Um die Hilfe für die Ukraine zu stoppen, muss Europa destabilisiert werden.

Europa kann auf verschiedene Weise destabilisiert werden.

  • Eine dieser Möglichkeiten besteht darin, irgendwelche Sabotageakte zu verüben, Drohnen zu schicken, Raketen zu schicken.

Und übrigens ist auch das Teil des politischen Prozesses, denn wir verstehen, dass Putin davon ausgehen kann, dass eine solche Instabilität, insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern, der Alternative für Deutschland dabei hilft, die Menschen davon zu überzeugen, dass man die Zusammenarbeit mit Russland wiederaufnehmen und der Ukraine nicht helfen müsse – und dann werde es auch keine Raketen und Drohnen geben.

  • Die zweite Möglichkeit besteht darin, die Position jener Politiker zu schwächen, die für die Unterstützung der Ukraine gegen Russland eintreten.

Diese Unterstützung für die Alternative, deren führende Vertreter bildlich gesprochen in der russischen Botschaft übernachten, ist Teil dieser Arbeit zur Destabilisierung Deutschlands und dazu, den Politikern, die bereit sind, eine Alternative zu Putin zu sein, den Boden unter den Füßen wegzuziehen.

Aber ich weiß nicht, inwieweit das alles tatsächlich funktionieren kann, denn wir haben bereits Situationen erlebt, in denen ultrarechte Politiker an die Macht kamen. Ja, vielleicht nicht so umstritten wie die führenden Vertreter der Alternative, aber die Alternative ist schließlich noch sehr weit von der Macht entfernt.

Nun, Giorgia Meloni, die Vorsitzende der Partei Fratelli d’Italia, einer typischen ultrarechten politischen Partei, schloss sich mit anderen rechten und mitte-rechts stehenden politischen Parteien Italiens zu einer Regierungskoalition zusammen, in der sogar ein, wie ich sagen würde, Putin-Sympathisant wie Matteo Salvini als stellvertretender Ministerpräsident tätig ist. Aber nein, Meloni erwies sich als eine der entschlossensten Kritikerinnen Putins in der Europäischen Union. Sie trat immer für die Unterstützung der Ukraine ein. Selbst als dies die Beziehungen zum Weißen Haus zu gefährden drohte, nachdem Trump dort bereits eingezogen war.

Marine Le Pen, eine reale Kandidatin für das Amt der Präsidentin der Französischen Republik. Eine, die immer wieder reale Chancen hat. Sie ist mehrfach in die zweite Runde gekommen. Und jetzt ist es vielleicht das erste Mal, dass sie diese zweite Runde voraussichtlich gewinnen könnte. Aber es ist auch das erste Mal, dass sie auf dem Weg zu dieser zweiten Runde und sogar schon zur ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl hart über Russland spricht und von der Notwendigkeit spricht, der Ukraine zu helfen. Sowohl sie als auch der Vorsitzende ihrer Partei Rassemblement National, Jordan Bardella. Und wir sehen, dass sie schlicht das Bedürfnis verspüren, sich von Putin zu distanzieren, weil sie zu verstehen beginnen, dass Verbindungen zum Kreml einer wirklichen politischen Karriere nicht helfen, sondern sie behindern.

Das heißt, wenn jemand in seinem Land tatsächlich an der Schwelle zur Macht steht – vielleicht gilt das für die Vereinigten Staaten weniger als für Europa, aber dennoch –, versteht er, dass übermäßige Sympathien für Putin und Verbindungen zum Kreml faktisch den nationalen Interessen des Landes widersprechen, das er führt, und ihm nicht die Möglichkeit geben, sich als Politiker und natürlich als künftiger Präsident des Landes zu verwirklichen. Und es kann sein, dass Putin enorme Anstrengungen unternehmen und anschließend enttäuscht sein wird.

Nun, hören Sie, schließlich haben wir auch ukrainische historische Beispiele. Moskau unternahm unglaubliche Anstrengungen für den Sieg Leonid Kutschmas 1994 und Viktor Janukowytschs 2010. In Moskau freute man sich tatsächlich über den Sieg Volodymyr Zelenskys 2019. Der einzige dieser Präsidenten, der einfach begann, das politische Programm Moskaus umzusetzen und damit den ukrainischen Staat faktisch zu zerstören – vielleicht aus Gier, vielleicht aus Dummheit, vielleicht weil er immer nur ein gewöhnlicher bezahlter Agent der russischen Geheimdienste gewesen war –, war Janukowytsch. Er verlor schließlich die Macht und war gezwungen, über eine von den Russen vorbereitete Route zu fliehen, um ihnen die Annexion der Krim zu erleichtern.

Sowohl Kutschma als auch Zelensky begannen, nachdem sie Präsident der Ukraine geworden waren – der eine schneller, der andere langsamer –, zu erkennen, dass die Bereitschaft, vor dem Kreml zu kapitulieren, nicht nur den staatlichen Interessen der Ukraine widerspricht, sondern auch den Interessen ihres eigenen politischen Überlebens. Nun, auch das ist ein ganz gutes Beispiel, nicht wahr, über das man ebenfalls sprechen muss. Warum sollte sich das also nicht auf europäischer Ebene wiederholen können? Das kann durchaus geschehen, und auch das ist ein wichtiger Punkt.

Nun, das sind einige erste Randnotizen zu diesem lang erwarteten Telefongespräch des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump.

Ich werde auf einige der Fragen antworten, die bereits während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage. Warum versuchen die Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien nicht einmal, die Huthis in die Schranken zu weisen, die inzwischen völlig außer Kontrolle geraten sind und allzu ernsthafte Probleme für die Weltwirtschaft schaffen könnten?

Portnikov. Nun, Saudi-Arabien versucht durchaus, die Huthis in die Schranken zu weisen. Es stellt sich nur heraus, dass Saudi-Arabien dafür nicht über genügend militärisches Potenzial verfügt. Und dass der Kampf gegen Ansar Allah für Saudi-Arabien ungefähr dasselbe ist, wie es für die Vereinigten Staaten der Krieg gegen den Iran oder für Israel beispielsweise der Kampf gegen die Hisbollah war, solange man sich nicht unmittelbar auf dem Territorium befindet, das man säubern kann. Aber selbst dann kann man sie nicht alle vernichten, weil sie sich in Gebiete zurückziehen, zu denen man keinen Zugang hat.

Im Jemen ist die Situation noch komplizierter, das Gelände ist noch schwieriger, und die Vereinigten Staaten wollen sich tatsächlich nicht darauf einlassen, weil Trump vor den Wahlen große Angst vor jeder ernsthaften Eskalation hat. Und wiederum glaube ich, wie in allen anderen Fällen, dass er meint, mit Ansar Allah eine Vereinbarung treffen zu können. Zumal die jemenitischen Huthis sagen, sie würden keine amerikanischen Schiffe angreifen, es handle sich ausschließlich um einen Konflikt mit Saudi-Arabien. Trump lässt sich darauf ein. Warum folgt er dieser Logik? Ich glaube, das ist eine Geschichte, die aus einer falschen Einschätzung der Möglichkeiten des Iran entstanden ist. Wer sich an der Milch verbrannt hat, bläst bekanntlich auf das Wasser.

Frage. Wenn Putin nicht genug Geld für den Krieg hat, wie viel Zeit wird Russland brauchen, um seine Wirtschaft wiederherzustellen und erneut anzugreifen?

Portnikov. Ich glaube, die Frage ist falsch gestellt. Ich erinnere Sie immer wieder an eine sehr wichtige Sache. Es hätte niemals einen russischen Angriff auf die Ukraine gegeben, wenn Russland nicht davon überzeugt gewesen wäre, innerhalb weniger Tage einen Blitzkrieg erfolgreich abschließen zu können, und wenn es den ukrainischen Staat nicht für einen schwachen Staat gehalten hätte: institutionell schwach, nicht auf einen Angriff vorbereitet und mit einer Staatsführung, die sich faktisch in einer mentalen Falle der russischen Führung befand.

Die Vorstellung von der Möglichkeit eines solchen Blitzkriegs entstand erst nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2019 und dem Treffen Putins und Zelenskys in Paris, bei dem Zelensky Putin zeigte, dass er nicht kapitulieren würde, während Putin ihn nach seinem eigenen Wertesystem als Verräter und Schwächling einschätzte. Denn wir verstehen sehr gut, dass Zelensky ihn in der realen Welt nicht verraten hat, aber in Putins Wertewelt hat Zelensky, der selbst Teil der „russischen Welt“ hätte sein sollen und, wie Putin sagte, Angst vor den Nationalisten bekommen habe, Verrat begangen.

Und denken Sie außerdem daran, dass man die Wahlen von 2019 in Russland als Wunsch der überwältigenden Mehrheit der Ukrainer deutete, sich mit dem Kreml zu einigen und vor ihm zu kapitulieren. Man glaubte, die russischen Truppen würden mit Applaus empfangen. Wären die Ergebnisse von 2019 anders gewesen und hätte Putin die Ukraine danach natürlich nicht für einen schwachen Staat und Zelensky nicht für einen Menschen gehalten, der vor ihm kapitulieren müsse, dies aber nicht wolle, wäre all das nicht geschehen. Im Grunde ist der tatsächliche Weg zum großen Krieg ein direktes Ergebnis der Abstimmung von 2019 und der Bewertung dieser Abstimmungsergebnisse durch russische Politiker.

Warum erinnere ich daran? Nicht nur, damit jeder, der an den Wahlprozessen in der Ukraine beteiligt war, seine Verantwortung für alles spürt, was geschieht, und versucht, in Zukunft keine Einschätzungen vorzunehmen und keine Wahlentscheidungen zu treffen, die ihn und seine Angehörigen das Leben, die Gesundheit und ihr Schicksal kosten können. Man muss die Menschen einfach davon abhalten, selbst noch am Rand des Grabes muss man sie davon abhalten. Und das ist eine wichtige Aufgabe für mich.

Russland hätte eine starke Ukraine, die sich auf einen Krieg vorbereitet hätte, nicht angegriffen. Wenn Russland verstanden hätte, dass ihm ein jahrelanger Krieg droht, dass Raketen auf sein Territorium niedergehen könnten und dass seine Bürger in großer Zahl sterben würden, hätte es diesen Krieg nicht begonnen, sondern nach anderen Wegen gesucht. Wenn man natürlich bereits in einem Blitzkrieg steckt, alles bereits geschehen ist und man eine Beendigung des Krieges als Niederlage betrachten kann, handelt man anders. Aber solange er noch nicht begonnen hat, denkt man über die Risiken nach.

Die Situation ist also sehr einfach. Man sollte nicht fragen: Wenn Putin kein Geld mehr hat, wie viel Zeit wird er brauchen? Man sollte so fragen: Wenn die Ukraine eine militarisierte Festung ist, deren Gesellschaft zur Verteidigung bereit ist, wird es keinen russischen Angriff geben. Wenn sich die Ukraine erneut in ein Land verwandelt, in dem die Menschen nicht in der Lage sind, die Gefahr einzuschätzen, wird der Angriff auf jeden Fall stattfinden, ganz gleich, wie wenige Kräfte Russland haben mag, und erneut werden Tausende Ukrainer unter Raketen und Bomben sterben. Das verspreche ich Ihnen nicht, das garantiere ich Ihnen. Eine schwache Ukraine ist der Weg zu ihrem Tod. Eine starke Ukraine ist der Weg zum Frieden.

Der ukrainische Sozialstaat muss demontiert werden. Die Prioritäten müssen andere sein: Verteidigung, Verteidigung und noch einmal Verteidigung – auf Kosten des Wohlstands, leider für eine ziemlich lange Zeit. Wie, glauben Sie, hat Israel von 1948 bis ungefähr 1988 überlebt, bis es gelang, gewisse Voraussetzungen für Frieden zu schaffen? Auf Kosten des Wohlstands. Deshalb bin ich völlig bereit, der überwältigenden Mehrheit der Menschen den Wohlstand zu verweigern, damit Sie überleben und Ihre Kinder nicht beerdigt werden müssen.

Natürlich darf es, wenn dieser Preis beim Wohlstand gezahlt werden soll, auch nicht dazu kommen, dass das Geld dieser armen Menschen gestohlen wird, die in der Ukraine in den kommenden militarisierten Jahrzehnten leben werden. Auch das ist eine wichtige Voraussetzung, aber an all dem wird man arbeiten müssen. Und übrigens verstehen Sie doch, dass unsere Armut schnell enden wird, wenn es uns vor diesem Hintergrund noch gelingt, der Europäischen Union beizutreten.

Dann wird bei uns eine wirkliche wirtschaftliche Entwicklung beginnen, zumindest nicht in der Nähe der Grenzen zur Russischen Föderation, sondern dort, wo man sich voraussichtlich gegen mögliche Angriffe verteidigen kann. Und in 20 oder 30 Jahren könnte sich Russland selbst verändern, aber das ist dann bereits eine Frage des Überlebens nicht einmal unserer Kinder, sondern unserer Enkel und nicht mehr unsere eigene.

Frage. Stellen Sie sich Wahlen in der Ukraine vor. Wie viele Menschen würden für eine Friedenspartei stimmen?

Portnikov. Das wird davon abhängen, welche Ideen diese Partei tatsächlich vertritt. „Friedenspartei“ ist schließlich nur eine bedingte Bezeichnung. Sie werden sagen: „Wir werden uns mit Putin einigen.“ Aber welche Wege zu einer solchen Einigung werden sie vorschlagen? Es wird davon abhängen, wann der Krieg endet. Gegenwärtig gibt es keinerlei objektive Voraussetzungen dafür, dass er endet und wir Wahlen abhalten, nicht einmal in absehbarer Zukunft. Wie groß wird die Bevölkerung in dem Gebiet sein, das nicht nur vor russischen Truppen, sondern auch vor russischen Angriffen bewahrt wurde? Wie wird diese Bevölkerung zusammengesetzt sein? Wir wissen nichts. Wir befinden uns erst in der ersten Phase der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation, erst die ersten viereinhalb Jahre des großen Krieges sind vergangen. Wir können über die nächsten viereinhalb Jahre nachdenken, falls es uns nicht gelingt, das wirtschaftliche Potenzial Russlands zu zerstören.

Warum also prognostizieren, was nach Jahren, Jahren und noch mehr Jahren dieses großen Krieges geschehen wird? Beeilen Sie sich nicht. Wenn es Frieden gibt, werden wir über eine Friedenspartei sprechen. Derzeit sind für die nächsten Jahre keinerlei Voraussetzungen für die Entstehung einer Friedenspartei absehbar, weil Krieg, Krieg und noch viele Male Krieg absehbar ist, falls es uns nicht gelingt, Putins Potenzial zu zerstören.

Frage. Glauben Sie wirklich an eine plötzliche Erleuchtung Le Pens? Vielleicht ist das nur eine vorübergehende Veränderung der politischen Stimmung.

Portnikov. Ich glaube überhaupt nicht an die Erleuchtung von Politikern. Politiker erleben keine Erleuchtung. Sie erkennen einfach, was aus Sicht ihrer eigenen Interessen und ihrer Karriereentwicklung für sie vorteilhaft ist. Und manche können, selbst wenn sie Rechtspopulisten sind, der Ansicht sein, dass ihre Karriereentwicklung nicht von den nationalen Interessen zu trennen ist. Sie werden doch nicht bestreiten, dass Marine Le Pen eine erfahrene Politikerin ist. Ihre Ansichten mögen uns nicht gefallen, aber sie ist eine Politikerin mit enormer Erfahrung, ein Idol ultrarechter Kräfte in ganz Europa. Ich erinnere mich noch daran, dass man, als die Partei Recht und Gerechtigkeit in Polen auf dem Weg an die Macht war, in allen polnischen Publikationen, die Jarosław Kaczyński unterstützten, Titelseiten mit dem Gesicht Marine Le Pens sehen konnte. Und so war es von Warschau bis Lissabon. Sie ist eine Heldin. Deshalb riskiert sie nichts, wenn sie ihre Positionen öffentlich macht. Sie beginnt lediglich zu verstehen, wie sich diese Positionen auf ihre künftigen Chancen auswirken und in welchem Verhältnis Russland heute tatsächlich zu den Interessen Frankreichs steht. Das ist schließlich eine neue Situation. Nein, sie hat also keine Erleuchtung erlebt. Sie hat einfach verstanden, wie sich die politische Konjunktur verändert hat. Und auch das sind sehr wichtige Punkte, über die gesprochen werden muss, wenn wir die weitere Entwicklung der Ereignisse in Europa erörtern.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Зеленський поговорив з Трампом: головне
| Віталій Портников. 20.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 20.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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