Russland bedroht die Botschaften in Kyiv | Vitaly Portnikov. 05.10.2026.

Im Kreml hat man begonnen, den Botschaften jener Länder offen zu drohen, die sich weiterhin in der ukrainischen Hauptstadt befinden.

Der Pressesprecher von Präsident Putin, Dmitri Peskow, betonte, dass das Außenministerium der Russischen Föderation und das Verteidigungsministerium des Landes ständig vor der Gefahr in Kyiv warnten, die endgültigen Entscheidungen jedoch von den Regierungen jener Länder getroffen werden müssten, deren Botschaften sich in der ukrainischen Hauptstadt befinden.

Über diese Drohungen sollte man sich meiner Ansicht nach nicht wundern. Denn wir verstehen, dass der Beschuss Kyivs für Russland nicht nur einen militärisch-technischen, sondern vor allem einen psychologischen Zweck hat.

Die russische Armee kann an der Front nicht jene Ergebnisse erzielen, die Präsident Putin bereits 2022 vorgesehen hatte. Und das ist keine Übertreibung, denn aus Sicht des Kremls hätten die russischen Streitkräfte bereits im Frühjahr 2022 die Kontrolle über das gesamte Gebiet der Oblast Donezk erlangen sollen.

Jetzt ist Ende 2026, und es ist offensichtlich, dass es den russischen Truppen nicht gelingen wird, diese Aufgabe ihres Oberbefehlshabers zu erfüllen. An bestimmten Frontabschnitten ziehen sie sich sogar zurück.

Was kann Russland diesem offensichtlichen Scheitern seiner militärischen Pläne entgegensetzen? Nur die Einschüchterung der Ukrainer und Angriffe auf das Hinterland. Das ist, so kann man sagen, der letzte Trumpf des blutrünstigen russischen Präsidenten: die Ukrainer davon zu überzeugen, dass sie vor Russland kapitulieren müssen, selbst in einer Situation, in der die russische Armee nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen kann.

Und aus dieser Sicht wäre die Verlegung der Botschaften, so glaubt man in Moskau, ein wichtiger psychologischer Sieg über die Ukrainer.

Wir alle erinnern uns an das Jahr 2022. Damals ging man im Westen davon aus, dass Kyiv im Falle eines Angriffs der Russischen Föderation von den Besatzungstruppen eingenommen und dort ein Marionettenregime der Agenten russischer Geheimdienste Viktor Janukowytsch und Viktor Medwedtschuk errichtet werden würde.

Schon damals wurden die Botschaften entweder nach Lwiw oder sogar nach Polen verlegt. So kamen etwa die Diplomaten der Vereinigten Staaten nur tagsüber nach Lwiw, übernachteten aber in Polen. Nach diesem oder einem ähnlichen Schema arbeiteten auch die Vertreter der diplomatischen Vertretungen anderer westlicher Länder. Von den Leitern der diplomatischen Vertretungen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union und der NATO blieb damals nur der polnische Botschafter in Kyiv.

Damit wurde demonstriert, dass man in den westlichen Hauptstädten die Möglichkeit einer Einnahme der ukrainischen Hauptstadt durch russische Truppen und den Übergang eines erheblichen Teils des ukrainischen Territoriums unter die Kontrolle der Besatzungstruppen und einer illegitimen Marionettenregierung für möglich hielt, deren Zusammensetzung bereits in Putins Büro festgelegt worden war.

Diese Erwartungen erwiesen sich als völlig unbegründet. Und seit diesem Zeitpunkt sind das Ansehen des russischen Staates und der russischen Armee buchstäblich zerstört. Russland begann seinen Einfluss sowohl in der Welt als auch im postsowjetischen Raum zu verlieren.

Einen Teil seines Einflusses konnte Putin erst dank des Sieges des Republikaners Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten und der Rückkehr des Milliardärs ins Weiße Haus wiederherstellen. Gerade dank Trumps Hilfe durchbricht Putin seine diplomatische Isolation. Und bei ihm entsteht die Hoffnung, nun auch seine alten Pläne hinsichtlich der Ukraine wieder aufnehmen zu können.

Doch wie wir verstehen, reichen Trumps Sympathien für seinen russischen Amtskollegen allein nicht aus. Wichtig ist auch, dass die russischen Streitkräfte eine tatsächliche Wirksamkeit zeigen.

Was bleibt also in einer Situation, in der die westlichen Länder ihre Unterstützung für die Ukraine nicht einstellen und die Administration der Vereinigten Staaten keine offenen Vereinbarungen mit dem selbstverliebten russischen Herrscher treffen kann?

Es bleibt, Kyiv und andere ukrainische Städte zu terrorisieren. Es bleibt, Zivilisten zu Opfern zu machen. Es bleibt, so zu handeln, wie die Russen im Laufe der Jahrhunderte der schändlichen Geschichte ihres imperialistischen und menschenverachtenden Staates gehandelt haben.

Damit diese Handlungen jedoch überzeugend wirken, muss man natürlich auch im Westen wieder an die russische Macht glauben und zu jener Angst zurückkehren, die 2022 in den westlichen Hauptstädten herrschte, als Politiker bereits davon ausgingen, dass man sich von der ukrainischen Staatlichkeit verabschieden müsse. Und sie sagten dies den ukrainischen Politikern und Ministern, die sich damals mit ihren westlichen Amtskollegen trafen, beinahe ganz offen.

Die Verlegung der Botschaften wäre gerade für den psychologischen Druck ein gewichtiger Faktor. In der Praxis würde sie allerdings nicht viel verändern.

Nun, was hat die Verlegung der Botschaften aus der ukrainischen Hauptstadt im Jahr 2022 verändert? Wie hat sie den russischen Unmenschen geholfen, Kyiv zu erreichen und die Kontrolle über die ukrainische Hauptstadt zu übernehmen? Wie hat sie ihnen geholfen, all jene Operationen durchzuführen, die bereits im fernen Jahr 2014 in Putins Büro geplant worden waren? Wie hat sie ihnen geholfen, die Kontrolle über das gesamte Gebiet der leidgeprüften Regionen Donezk und Luhansk zu erlangen, die für die russischen Truppen bei ihren Versuchen, ukrainisches Territorium zu besetzen, zu einem regelrechten Erprobungsfeld geworden sind?

In Wirklichkeit hat sich nichts Wesentliches verändert. Verändert hat sich lediglich die psychologische Wahrnehmung der Realität. Und genau diese psychologische Wahrnehmung der Realität wurde zerstört, als die Russen aus der Umgebung von Kyiv und anderen Städten im Norden unseres Landes flohen.

Selbst wenn man sich also vorstellen würde, dass die westlichen diplomatischen Vertretungen heute von Kyiv in andere Städte verlegt würden, würde dies an der Realität des Krieges wenig ändern, an unserer Wahrnehmung dieses Krieges jedoch sehr viel. Und das verstehen wir alle sehr gut.

Deshalb ist es natürlich sehr wichtig, dass man sich in den westlichen Hauptstädten über das Ziel des russischen Präsidenten realistisch im Klaren ist. Sowohl wenn er von der Fortsetzung des Beschusses von Kyiv und anderen ukrainischen Städten spricht, ohne auch nur noch seinen Wunsch zu verbergen, zivile Objekte zu beschießen und friedliche Stadtbewohner zu töten, als auch wenn der Pressesprecher des russischen Präsidenten seinen ehemaligen Kollegen inzwischen ganz unverhohlen droht.

Vielleicht haben Sie vergessen, dass Peskow eigentlich kein professioneller Propagandist, sondern Berufsdiplomat ist und Putin einst gerade in dieser Eigenschaft kennenlernte, als er in der russischen Botschaft in der Türkei arbeitete und dem russischen Präsidenten durch seine Bereitschaft gefiel, jeden, selbst den niederträchtigsten Auftrag auszuführen.

Und nun droht ein ehemaliger Diplomat Diplomaten mit Mord und Tod. Das unterstreicht noch einmal die ganze Amoralität sowohl des Landes, das gegen uns Krieg führt, als auch jener Menschen, die dieses Land regieren und bereit sind, jeder Laune ihres verrohten Diktators nachzugeben, der mit dem Tempo des Vormarsches seiner Armee und damit unzufrieden ist, dass seine geopolitischen Pläne nicht verwirklicht werden.

Doch die Zeit vergeht, und das Imperium in jenem Ausmaß, von dem Putin und andere Tschekisten träumten, lässt sich nicht mehr wiederherstellen. Und die Schuldigen an diesem Scheitern der Pläne des Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion und des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation sind nicht etwa sie selbst, Menschen, die mit blutbefleckten Händen in der Vergangenheit verharren, sondern die Zivilbevölkerung von Kyiv und westliche Diplomaten, die lediglich ihre beruflichen Pflichten in der Hauptstadt eines europäischen Staates erfüllen. Eine bestechende Logik, muss man schon sagen.


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Titel des Originals: Росія погрожує посольствам у Києві | Віталій Портников. 05.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 05.10.2026.
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Putin stellt Geld für einen langen Krieg bereit | Vitaly Portnikov. 02.10.2026.

Russlands Präsident Putin bereitet sich auf einen jahrelangen Krieg vor. Und keineswegs unbedingt nur mit der Ukraine. Zu diesem offensichtlichen Schluss kommt die Nachrichtenagentur Bloomberg bei ihrer Analyse des neuen Haushalts der Russischen Föderation.

Die Militärausgaben in diesem Haushalt sind für das kommende Jahr mit 205 Milliarden Dollar veranschlagt, das sind 40 Prozent mehr als 2026. Und natürlich 380 Prozent mehr als die Militärausgaben der Russischen Föderation vor dem großangelegten Angriff dieses Landes auf die Ukraine.

Somit lässt sich mit Sicherheit sagen, dass die russische Wirtschaft auf Kriegswirtschaft umgestellt wurde und ein jahrelanger Krieg für Putin und sein Umfeld zu einer echten Priorität wird.

Man kann sich fragen, warum die Militärausgaben für 2026 in keinem Verhältnis zu den Militärausgaben für 2027 stehen. Diese Frage ist nicht besonders schwer zu beantworten.

Der russische Präsident hatte eine Theorie, wonach Amerika nach den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten und der Rückkehr Donald Trumps ins Oval Office seine Unterstützung für die Ukraine einstellen und die Ukraine gezwungen sein würde, vor der Russischen Föderation zu den von Putin vorgegebenen Bedingungen zu kapitulieren.

Das heißt, aus Sicht des russischen Präsidenten hätte der ukrainische Staat im Jahr 2026 bereits aufgehört haben sollen zu existieren und seine Gebiete hätten als Föderationssubjekte Teil der Russischen Föderation werden sollen.

Doch dieses Kalkül ging nicht auf. Es stellte sich heraus, dass die europäische Unterstützung für die Ukraine fortgesetzt wird und die Ukraine nicht nur weiterhin Widerstand gegen die Russische Föderation leistet, sondern auch mit der systematischen Zerstörung der Wirtschaft eines der widerwärtigsten Staaten der heutigen Welt begonnen hat.

Das gehörte nicht zu Putins Plänen. Er hatte nicht damit gerechnet, dass die europäische Unterstützung für die Ukraine es dem Nachbarstaat ermöglichen würde, mit der Zerstörung der russischen Wirtschaft und damit mit der Zerstörung seines terroristischen Regimes zu beginnen.

Und auch die Amerikaner stellen trotz aller Sympathien von Präsident Donald Trump für Putin ihre Unterstützung für die Ukraine zumindest in den Bereichen nicht ein, die für die Verteidigungskräfte von Bedeutung sind. Dazu gehört insbesondere die Bereitstellung von Geheimdienstinformationen. Donald Trump spricht weiterhin weniger darüber, dass die Ukraine den von Putin gestellten Bedingungen zustimmen müsse, als vielmehr über die Notwendigkeit eines Waffenstillstands an der russisch-ukrainischen Front.

Somit ist man im Kreml zu dem Schluss gelangt, dass nur die Fortsetzung eines jahrelangen Krieges mit seiner möglichen Ausweitung auf die andere Länder des europäischen Kontinents Russland zu jenem Sieg verhelfen wird, den es benötigt, um seine Rolle als führender geopolitischer Akteur zu bewahren und sich im Wettbewerb zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China auf der Seite Pekings zu positionieren.

Doch für einen solchen großen Krieg braucht man natürlich Geld. Und Putin kann keinen Krieg führen, ohne den Militärhaushalt zu erhöhen – und zwar drastisch. Genau diese drastische Erhöhung vollzieht sich jetzt vor unseren Augen.

Somit sind es die Zahlen und nicht die Worte des russischen Präsidenten, die von seinem tatsächlichen Plan zeugen. Putin mag nicht darauf hoffen, den russisch-ukrainischen Krieg schnell zu beenden, doch er möchte unter allen Umständen über die notwendigen Ressourcen für diesen Krieg verfügen.

Es muss betont werden, dass die Haushaltspläne der Russischen Föderation inzwischen nicht nur ein Jahr, sondern gleich drei Jahre umfassen. Sowohl 2028 als auch 2029 ist lediglich ein geringfügiger Rückgang der Verteidigungsausgaben zu beobachten. Somit lässt sich davon ausgehen, dass der Kreml damit rechnet, dass zumindest die gesamten 2020er-Jahre vom Krieg geprägt sein werden.

Warum? Sowohl 2028 als auch 2029 sind als Jahre vorgesehen, in denen der russische Militärhaushalt auf dem höchsten Niveau seiner Geschichte gehalten werden soll. Auch der Grund dafür ist nicht schwer zu verstehen. Ende 2028 werden in den Vereinigten Staaten erneut Präsidentschaftswahlen stattfinden.

Offensichtlich hat Putin gerade diesen Zeitpunkt dafür vorgesehen, zu entscheiden, wie er mit dem endlosen russisch-ukrainischen Krieg weiter verfahren will. Ob er einen Waffenstillstand verkünden und darauf hoffen soll, mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, der dann bereits am Ende seiner politischen Karriere stehen wird, für Russland günstige Bedingungen auszuhandeln, oder ob er im Gegenteil den neuen amerikanischen Präsidenten abwarten soll, dessen Name Ende 2028 bereits bekannt sein wird, um im Gespräch mit diesem Politiker zu klären, wie sich die Kriegssituation weiterentwickeln und zu welchen Zugeständnissen gegenüber Russland die Vereinigten Staaten bereit sein werden, damit dessen Krieg gegen die Ukraine endet.

Das wird natürlich davon abhängen, wie man im Kreml das Potenzial des neuen amerikanischen Präsidenten einschätzen wird. Ob er eher zu Zugeständnissen an Moskau bereit sein wird als sein Vorgänger oder ob man im Gegenteil das Zeitfenster nutzen muss, das in den letzten Monaten von Donald Trumps Amtszeit im Weißen Haus noch bestehen wird, und sich auf diese Weise die Friedensstifterambitionen des amerikanischen Präsidenten zunutze machen kann.

Doch das gilt nur unter bestimmten Voraussetzungen. Wenn die russische Wirtschaft in den kommenden Jahren der russisch-ukrainischen Konfrontation weiter unaufhaltsam zerfällt und verfällt, kann natürlich auch alles früher enden – insbesondere dank der Anstrengungen der ukrainischen Streitkräfte und der Zerstörung des russischen Wirtschaftspotenzials. Russland könnte schlicht das tatsächliche Geld – und nicht nur das auf dem Papier im Haushalt ausgewiesene – fehlen, um einen jahrelangen Krieg fortzusetzen, der bis in die 2030er-Jahre hineinreicht.

Doch wenn wir darüber sprechen, was enden könnte und was nicht, müssen wir uns zumindest der Pläne des russischen Diktators bewusst sein. Diese Pläne wirken in der Regel nicht realistisch. Erinnern wir uns an den Plan eines Blitzkriegs gegen die Ukraine und daran, dass der ukrainische Staat aus Sicht des Kremls bereits seit 2022 nicht mehr auf der politischen Landkarte der Welt existieren sollte. Inzwischen schreiben wir das Jahr 2026, und Putin plant, mindestens bis 2029 Krieg zu führen.

Wir müssen uns jedoch darüber im Klaren sein, welche konkreten Absichten des russischen Präsidenten, seiner Armee und seiner vom Chauvinismus vergifteten Gesellschaft wir in der nächsten Phase des Krieges vereiteln müssen. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass niemand in Russland beabsichtigt, auf den diplomatischen Prozess zu setzen und die Waffen niederzulegen.

Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass Russland nicht an territorialen Zugeständnissen interessiert ist, sondern an der Vernichtung des ukrainischen Staates selbst, mit der anschließenden Vertreibung seiner Bevölkerung und der Vernichtung eines großen Teils der ukrainischen Bürger. Und wenn wir dies nicht nur aus Putins Worten, sondern aus den Zahlen des Staatshaushalts erkennen, werden wir Russland und seinen menschenverachtenden aggressiven Ambitionen wirksamer Widerstand leisten können – Ambitionen, die sich schon jetzt in Rubel für Militärausgaben verwandeln.


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Titel des Originals: Путін готує гроші для довгої війни | Віталій Портников. 02.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 02.10.2026.
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Interview mit Zelensky: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 03.10.2026.

Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, betonte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Ukraine ihre Angriffe auf die Erdölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation als Reaktion auf die Intensivierung neuer russischer Angriffe auf die Ukraine verstärken, dabei jedoch keine zivilen Objekte angreifen werde.

Zelensky sagt, der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, habe eine neue Doktrin beschlossen, in der es keinerlei Beschränkungen mehr hinsichtlich der Ziele gebe, auf die russische Raketen und unbemannte Luftfahrzeuge gerichtet werden könnten.

Meiner Ansicht nach ist der Grund für diese neue Doktrin jedoch nicht Putins Wut, die seit 2022 unvermindert anhält, sondern die Möglichkeit, die Ukraine ungestraft mit Raketen und Drohnen anzugreifen, solange es nicht genügend Raketen für die Patriot-Luftverteidigungsbatterien und auch keine ausreichenden Möglichkeiten gibt, strahlgetriebene Drohnen abzuschießen. Und wenn sich dieses Zeitfenster der russischen Möglichkeiten schließt, werden natürlich auch die Angriffe zurückgehen, die heute gegen zivile Objekte in der Ukraine geführt werden.

Die Worte, dass die Ukraine ihre Angriffe auf die Erdölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation fortsetzen werde, sind im Grunde nicht nur eine Antwort an Putin, sondern auch an den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der die Ukraine wiederholt dazu aufgerufen hat, diese Angriffe einzustellen. Er begründete dies damit, dass gerade infolge dieser Angriffe die Dieselpreise weltweit und auch an den amerikanischen Tankstellen rapide zu steigen begonnen hätten.

Übrigens stimmt, so seltsam es klingen mag, nicht nur Zelensky dieser Erklärung Trumps nicht zu, mit der dieser die Situation um die Blockade der Straße von Hormus zu kaschieren versucht, sondern auch der russische Präsident Putin. Dieser betonte bei seinem Auftritt auf einer Diskussionsrunde des Waldai-Klubs, dass sein Land über genügend Kraftstoff verfüge, westliche Sanktionen jedoch verhinderten, dass dieser Dieselkraftstoff auf den Weltmarkt gelange.

Als Zelensky über die Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges sprach, zeigte er sich keineswegs optimistisch. Er betonte, dass die Bemühungen der Administration von Präsident Donald Trump um eine Wiederaufnahme solcher Verhandlungen bislang zu keinen konkreten Ergebnissen geführt hätten. Nach Ansicht des ukrainischen Staatschefs ist der russische Präsident Putin weder an irgendwelchen Friedensverhandlungen noch auch nur an einer Diskussion über einen Waffenstillstand im Bereich der Energieinfrastruktur interessiert.

Diese Worte Zelenskys werden auch durch die Äußerungen Putins selbst bestätigt, der bei seinem Auftritt beim Waldai-Klub bereits die Vorschläge für eine Energiewaffenruhe als absurd bezeichnete und damit jegliche Bemühungen der amerikanischen Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner zurückwies, die vor Kurzem Moskau und Kyiv besucht hatten – mit einem Besuch, der im Hinblick auf ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges ergebnislos blieb.

Im Grunde wird gerade jetzt deutlich, worin der eigentliche Sinn dieser Reise bestand. Wie sich herausstellt, führen die Vereinigten Staaten mit der Russischen Föderation Verhandlungen über den Verkauf von Vermögenswerten des russischen Ölkonzerns Lukoil in aller Welt. Bekanntlich ist dieses Unternehmen von amerikanischen Sanktionen betroffen. Und zu den Unternehmen, die an einem solchen Kauf interessiert sind, gehören auch solche, die unmittelbar mit dem Schwiegersohn von Präsident Trump, Jared Kushner, und Trumps Sondergesandtem und engem Freund Steve Witkoff verbunden sind. Angeblich war es Putin selbst, der Witkoff und Kushner bei ihrem jüngsten Treffen im Kreml ein solches Angebot machte.

Dann wird verständlich, worüber die amerikanischen Vertreter mit dem russischen Präsidenten tatsächlich sprechen und wie sehr sie der Friedensprozess selbst wirklich interessiert angesichts der Gewinne, die sich durch den Kauf von Vermögenswerten eines der größten russischen Ölkonzerne erzielen ließen.

Somit können wir feststellen, dass der einzige Ansatz der ukrainischen Führung für die nächste Phase der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation weiterhin darin besteht, das russische Energiepotenzial zu verringern.

Gleichzeitig kann die Ukraine natürlich aus mehreren Gründen nicht zu Angriffen in einem solchen Ausmaß greifen, wie sie die Russische Föderation gegen unser Land führt.

  • Erstens verfügt die Ukraine bislang nicht über eigene ballistische Waffen. Ein wichtiger Punkt ist dabei, dass Zelensky in seinem Reuters-Interview bereits über die Perspektiven der Entwicklung ballistischer Waffen spricht.
  • Zweitens verfügt die Ukraine nicht über jenes Zeitfenster, das Russland heute für seine ballistischen Angriffe und für Angriffe mit Raketen hat, die im Grunde strahlgetriebene „Shaheds“ sind.
  • Drittens kann die Ukraine schon aus Gründen ihrer eigenen Selbstachtung nicht so barbarisch Krieg führen wie Russland. Hinzu kommt, dass ein Krieg gegen den zivilen Sektor der russischen Wirtschaft und gegen Wohnviertel russischer Städte die Unterstützung für die Ukraine im Westen infrage stellen und die Position derjenigen stärken könnte, die für ein Ende dieser Unterstützung eintreten.

Das versteht auch Putin sehr gut. Gerade deshalb verstärkt er seine Angriffe auf die Ukraine, um die ukrainische Gesellschaft zu der Überzeugung zu bringen, dass sie vor der Russischen Föderation und ihren verbrecherischen Angriffen kapitulieren müsse. Und das ist ein klassischer historischer Moment, in dem eine barbarische Zivilisation, die vor massiven Angriffen auf Wohnviertel nicht zurückschreckt und deren Vertreter sich faktisch über die Tötung von Zivilisten freuen und dies als Vergeltung bezeichnen, darauf hofft, einen Vorteil gegenüber Zivilisationen zu erlangen, die an Menschlichkeit und am Respekt vor dem Leben festhalten – selbst vor dem Leben der Bürger jenes Landes, das sich in eine regelrechte terroristische Organisation verwandelt hat, die sich als Staat tarnt. Und darin liegt natürlich der eigentliche Kern jener Konfrontation, die wir im russisch-ukrainischen Krieg beobachten.

Deshalb bleiben die Wirksamkeit der Angriffe auf die russische Wirtschaft, die Zerstörung des Erdölverarbeitungssektors der Russischen Föderation, die Verringerung der russischen Ölförderung und der Nachweis, dass die russischen Streitkräfte nicht in der Lage sind, weitere Teile des ukrainischen Territoriums zu erobern, tatsächlich wichtige Instrumente, um die russische Aggression zu stoppen und Putin und sein Umfeld davon zu überzeugen, dass selbst derart brutale Mittel im Krieg gegen unser Land weder zur Kapitulation der Ukraine noch zu dem von Putin ersehnten Verschwinden des ukrainischen Staates von der politischen Landkarte der modernen Welt führen können. Und wir verstehen sehr gut, dass genau dies das Ziel sowohl von Putins Offensive als auch von Putins Angriffen auf Kyiv und andere ukrainische Städte und Ortschaften ist. 


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Titel des Originals: інтервʼю Зеленського: головне | Віталій Портников. 03.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 03.10.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Frieden mit Russland kann kein Geschäftsdeal sein: Valery Zaluzhny über Krieg, Frieden und die Rolle der Veteranen. 24 Kanal. 01.10.2026.

Мир із Росією не може бути бізнесовою угодою: Валерій Залужний про війну, мир і роль ветеранів. 24 канал. 01.10.2026.

Der Krieg gegen die Ukraine, der Teil der Zerstörung der alten Weltordnung geworden ist, ist nicht nur ein Schlüsselereignis, sondern auch ein einzigartiges Ereignis der Weltpolitik seit dem Ende des Kalten Krieges.

Dieser Krieg ist hinsichtlich seiner Ursachen und der Formen seiner Führung einzigartig. Doch noch einzigartiger werden seine Folgen sein. Folgen, die wir gerade aufgrund der Fehler aller Beteiligten erleben werden und nicht aufgrund der Umsetzung von Politik und Strategien. Obwohl sich dies offenbar in die Strategie von irgendjemandem einfügt.

Das Schicksal des Krieges liegt in den Händen der Soldaten

Die Einzigartigkeit der Folgen dieser Fehler liegt nicht nur in dem offensichtlichen und vorhersehbaren Ergebnis. Sie liegt gerade in der hartnäckigen Weigerung, die Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge dieses Krieges zu verstehen, um sich der Möglichkeit zu entziehen, dieses Ergebnis zu beeinflussen.

Trotz der großen Zahl von Staats- und Regierungschefs, die in diesen Prozess einbezogen sind, floriert auch ein einzigartiges Marketing. Trotz der unausgesprochenen Weigerung, die kommenden Entwicklungen sehen zu wollen, verdient es weiterhin Geld mit dem, was buchstäblich vom Himmel über der Ukraine fällt und dabei jeden Tag Zivilisten tötet.

Und natürlich denkt trotz der offensichtlichen Bedrohungen niemand daran, über die moderne Variante der Industrialisierung – die Technologisierung – auch nur zu sprechen. Sie brauchen nur diejenigen, die dadurch überleben, selbst aber nicht über solche technologischen Möglichkeiten verfügen.

Infolgedessen ist das Schicksal dieses Krieges mitten im Herzen Europas wohl zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit den Händen von Strategen und Denkern entrissen und dem Soldaten auf dem Schlachtfeld übergeben worden. Dieser Soldat ist, so seltsam es klingen mag, nicht mehr Geisel der politischen Ambitionen anderer, sondern lediglich Teilnehmer an einem gewaltigen, halb vom Marketing bestimmten Prozess, in dem nicht Stärke und die Fähigkeit zum Sieg gemessen werden, sondern versucht wird, irgendwelche Vereinbarungen zu schließen, die gestern aktuell waren, um nicht über morgen nachdenken zu müssen. Und gerade dieser Soldat ist die treibende Kraft, die alles aufhalten kann. Und genau das gab es schon einmal.

Die alte Weltordnung ist zerstört

Heute reicht es nicht mehr zu sagen, dass die Ukraine ihren Überlebenskampf gegen Russland fortsetzt. Ich würde es so sagen: Es ist unser Krieg um unsere eigene Freiheit gegen diejenigen, die sie uns mit Gewalt nehmen wollen, und gegen diejenigen, die sie gewinnbringend verkaufen wollen. Bei einem solchen Szenario wird es vermutlich schon bald nicht mehr nur Russland sein und sich nicht mehr nur gegen die Ukraine richten, obwohl bislang nur Ukrainer sterben.

Gerade während dieses Krieges wurde, anders als in den anderen Kriegen nach 1945, die globale Stabilität erschüttert. Manche glauben auch heute noch, dass die Weltordnung nicht zusammenbricht, solange sie selbst nicht von Robotern bombardiert werden. Solche Menschen gibt es auch unter klugen Leuten viele. Leider.

Dieser Krieg hat als eine der Hauptursachen der globalen Instabilität bereits dem Krieg im Nahen Osten die Tür geöffnet und kann weitere Konflikte auslösen. Aber das ist noch nicht alles. Denn die Einzigartigkeit dieses Krieges besteht auch darin, dass, während die einen kämpfen, in jenen Ländern bereits Regierungen und politische Kräfte wechseln, die noch gestern mit aller Kraft, sogar mit ihrem eigenen Blut, für die Demokratie gekämpft und sie als historische Errungenschaft betrachtet hatten.

Noch interessanter ist es, sich die geografische Lage dieser Länder anzusehen. Gerade sie bestätigt, dass die Regeln, nach denen diese Demokratie aufgebaut wurde und nach den Schablonen des Kalten Krieges allen Interessierten ihre Türen öffnete, nicht mehr funktionieren. Unabhängig davon, auf welcher Erdhalbkugel dies geschieht. Kein Flugzeugträger als Symbol jenes Krieges und jener Epoche wird davor noch retten können.

Der Prozess der Zerstörung der alten Weltordnung nimmt erst an Fahrt auf und beeinflusst weiterhin ausnahmslos alle wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Prozesse der Welt.

Angesichts der völligen Weigerung, diesen Prozess auch nur zu analysieren, werden die Ergebnisse immer offensichtlicher – sowohl durch den Verlust der Macht aus der Zeit des Kalten Krieges als auch durch den Kraftstoffpreis in jenem Land, das sowohl als Symbol der Demokratie als auch des Kraftstoffs galt. Manchen schien sogar, diese Begriffe seien miteinander verbunden und würden ewig bestehen.

Doch von russischen Militärs abgefeuerte Raketen und Drohnen, die größtenteils aus außerhalb Russlands hergestellten Bauteilen zusammengesetzt sind und ungehindert auf NATO-Gebiet niedergehen, veranlassen trotz der gestrigen Weigerung, dies sehen zu wollen, andere Staats- und Regierungschefs schon heute dazu, die Schuldigen unter denen zu suchen, die kämpfen, und nach dem billigsten Kraftstoff Ausschau zu halten. Denn gerade aufgrund der Demokratie aus der Zeit des Kalten Krieges hat eine Demokratie einer anderen deren Wunsch verweigert, auf diesen Preis Einfluss zu nehmen.

Wenn Generäle, die Mitte der 1980er-Jahre dienten, all dies gehört hätten, hätten sie es, gelinde gesagt, vermutlich nicht geglaubt. Übrigens glaubten sie auch nicht daran, dass die Ukraine imstande sein würde, um ihr eigenes Leben zu kämpfen. Ebenso wenig glaubten sie daran, dass wir siegen können.

Veteranen wird das Recht genommen, die Zukunft mitzugestalten

Auch in der Ukraine selbst hat sich der offizielle Glaube an den Sieg verändert. Zunächst war von einem gerechten Frieden die Rede, dann von einem gerechten und dauerhaften und schließlich von einem würdigen Frieden. Doch das löst unser gemeinsames Problem nicht. Das Problem von Krieg und Frieden. Denn wenn uns Veteranen, Menschen wie Ihnen und mir, der Frieden wegen unseres Gerechtigkeitsempfindens und der Möglichkeit, das friedliche Leben mitzugestalten, nicht ganz behagt, dann nimmt uns der Krieg leider genauso an, wie wir zu sein gewohnt sind. Und wir sind es gewohnt, das Kostbarste herzugeben, was wir haben – unser Leben für andere.

Das Problem besteht gerade darin, dass Menschen, die verstanden haben, dass jemand für sie sein Leben gegeben hat, dies mit der Zeit schnell vergessen. Ja, sie grüßen uns noch, überlassen uns manchmal ihren Platz im Bus, glauben aber, dass wir nicht mehr das Recht hätten, das friedliche Leben aufzubauen und es mitzugestalten, um den nächsten Krieg zu verhindern. Unser Recht bleibt ihrer Ansicht nach dort, wo die Wucht der Kugel nachlässt, die für uns bestimmt war.

Genau deshalb gibt es in der Ukraine seit zwölf Jahren keinen Frieden, obwohl all dies mitten in Europa geschieht. Denn diejenigen, die dafür ihr Leben gegeben haben und noch Zeugen all dessen waren, sind inzwischen selbst Geschichte. Und diejenigen, deren Aufgabe es ist, Frieden zu schaffen, fragen natürlich nicht diejenigen um Rat, die wissen, was ein solcher Frieden tatsächlich kostet.

Die alten Regeln und das Völkerrecht funktionieren nicht mehr. Davon zeugen die frischen Gräber mit Fahnen und die Veteranen, die nach Wahrheit und Gerechtigkei suchen. Die meisten von ihnen finden sie – allerdings erst unter denselben Fahnen des Staates, den sie verteidigt haben und für den sie überflüssig geworden sind. Nur weil die Kugel sie dort verfehlt hat, wo sie sie hätte treffen sollen.

Das Ende der alten Weltordnung

Unterdessen geht der Krieg weiter. Ein einzigartiger Krieg. Denn dies ist der erste Krieg dieses Jahrhunderts, der als Krieg um die Freiheit begann und zu einem Krieg um das Recht zu leben geworden ist. In dieser Phase zu einem Überlebenskrieg.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es natürlich mehr als einen Krieg. Diese Kriege hatten schreckliche Folgen, doch ihre Ziele waren Öl, Ressourcen, Logistik und Einfluss. Aber gerade die Tatsache, dass jemand nach der Freiheit griff, für die ein Land Hunderte Jahre lang gekämpft hatte, war wirklich überraschend. Dafür hatten unsere Großväter gekämpft und waren gestorben, damit niemals und niemand diese Freiheit nehmen würde.

Meiner Ansicht nach war die UNO selbst am meisten überrascht – als Institution, die dazu berufen ist, die Freiheit zu schützen. Eine Organisation, die nicht nur bis heute die Rechte eines Aggressorstaates schützt, der täglich Menschen tötet, sondern die sich, wie sich herausgestellt hat, auch als unfähig erweist, eben diese Freiheit und Unabhängigkeit zu schützen.

Denn die Institution der UNO war Bestandteil und Ergänzung derselben alten Weltordnung, in der der Schutz der Freiheit zwar proklamiert wurde, zwischen den Zeilen dieser Erklärungen jedoch ein nahezu legaler Einfluss auf diese Freiheit vorgesehen war. Nicht immer mit Gewalt. Dieser Einfluss war lediglich auf eine jemandem zugestandene Einflusssphäre begrenzt. Letztlich sind wir Ukrainer gezwungen, solche Regeln zu brechen.

Die Ukraine begann entgegen allem, insbesondere entgegen dem Völkerrecht und den Wünschen heutiger Politiker, die Regeln mit Gewalt zu verändern, weil sie keine andere Wahl hatte. Denn der Wunsch, unsere eigene Freiheit zu besitzen und unsere Zukunft selbst zu wählen, war mehr wert als unser Leben. Leider erwies sich dieselbe Wucht der Kugel, die Ihnen und mir nur allzu vertraut ist, als erbarmungslos. Auf unseren Friedhöfen stehen immer mehr Fahnen …

Haben die Politiker denn nicht gesehen, dass nach der Annexion der Krim im Jahr 2014 das gesamte nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaute System des Völkerrechts aufgehört hatte zu funktionieren? All diese UN-Statuten, die Helsinki-Vereinbarungen, das Wiener Übereinkommen über das Recht der Verträge, das Budapester Memorandum und der damit verbundene Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen hörten auf, als Sicherungen gegen die mögliche Entfesselung eines Krieges zu funktionieren. Eines Dritten Weltkriegs.

Konfrontation zwischen Autoritarismus und verfallenden Demokratien

Vielleicht ist all dies eine Folge der tektonischen Verschiebungen in Gesellschaften, Eliten und Strategien nach dem Ende des Kalten Krieges im Jahr 1991. Die Geschichte wird dies bestätigen. Eines ist offensichtlich: Nachdem die letzten Soldaten des großen Krieges Geschichte geworden waren und zu ihren Kameraden und Fahnen gegangen waren, taten die Politiker, die den Wert des Lebens nicht verstanden, das Ihre. Denn gerade das Ausbleiben einer Reaktion sowie das Fehlen von Analysen und der Entwicklung neuer Strategien unter neuen Bedingungen und weltpolitischen Umständen führten dazu, dass der Aggressor nach unserer Freiheit griff und niemand dies verhinderte.

Später führte dieses Vakuum an Willen und Stärke, begleitet von ‚aufrichtiger Besorgnis‘, zum Genozid mitten in Europa, wo das Überleben für die einen zur Normalität wurde, während den anderen nur aufrichtiges Mitgefühl und bisweilen auch Vorwürfe blieben.

Als die Ukraine später aus eigener Kraft gegen die zweitstärkste Armee der Welt kämpfte, führte dieselbe Unfähigkeit der Weltordnung, den Krieg mitten in Europa zu beenden, zum Unvermeidlichen – zur Konfrontation des globalen Autoritarismus mit den bereits verfallenden Demokratien des Westens. Zunächst durch die Unterstützung des Krieges in der Ukraine und später durch die Durchsetzung eigener Regeln in anderen Regionen. Die Folgen dieser Regeln sehen Sie heute an den Preistafeln der Tankstellen – Tankstellen, die es bei uns bald womöglich gar nicht mehr geben wird, weil Russland sie mit Raketen und ‚Shaheds‘ zerstört, deren Bauteile außerhalb Russlands hergestellt wurden.

Doch wie ich bereits sagte, nimmt all dies erst an Fahrt auf, ohne Sie oder mich danach zu fragen, was ein Leben wert ist. Denn wenn die Weltordnung selbst nicht mehr funktioniert, ist es nur logisch, dass auch das Völkerrecht fehlt, das die Grundlage – und sei es nur für einen Verhandlungsprozess – bilden müsste. Dann verstehen wir beide ganz genau, dass ohne ein solches Recht jede Vereinbarung lediglich das Vorspiel zum nächsten Krieg ist, dessen Beginn nur eine Frage der Zeit sein wird.

Bei der Beilegung des Krieges kann es keine Geschäftslogik geben

Wir handeln nicht mit unserer eigenen Freiheit. Und diplomatische oder geschäftliche Fähigkeiten haben damit nichts zu tun. Denn das Ende eines Krieges schafft die Bedingungen für den Beginn des nächsten. Und wie viel Zeit zwischen diesen Kriegen liegen wird, hängt von denen ab, die von der Wucht der Kugel verschont geblieben sind. Denn gerade sie werden immer wieder daran erinnern, welchen Preis dieser Frieden hat.

Heute erleben wir, wie diejenigen, die sich an den Wert des Lebens erinnern und es schützen müssten, unter den Bedingungen eines von irgendjemandem geschaffenen globalen Chaos, das in erster Linie durch den Krieg in der Ukraine verursacht wurde, ruhig weiterarbeiten. Indem dieser als Krieg zwischen Demokratie und Totalitarismus genutzt wird.

Dann muss man anerkennen, dass gerade der Sieg der Ukraine auch der Sieg der Demokratie sein wird. Doch das fällt manchen schwer, denn dafür muss man nicht nur beim Überleben helfen, sondern auch kämpfen. Und man muss damit beginnen, keine Angst davor zu haben, den Feind einen Feind zu nennen und nicht einen Geschäftspartner.

In diesem Krieg ist das Arsenal der Demokratie nahezu erschöpft. Wohl zum ersten Mal in der Geschichte hat ein großes Land die Instrumente verloren, mit denen es Einfluss auf diejenigen nehmen kann, die nicht nur töten, sondern auch die Weltordnung zerstören. Und ein Pakt mit dem Teufel ist schlicht unmöglich. Denn er versteht nur Stärke. Und diese Stärke sind wir. Diejenigen, die wissen, was das Kostbarste kostet. Es ist nicht einmal das Leben. Es ist die Freiheit, die es wert ist, für sie zu kämpfen und zu siegen.

Die Einzigartigkeit dieses Krieges besteht auch darin, dass gerade er das Rad des Fortschritts in Bewegung gesetzt hat, eines Fortschritts, der diejenigen stärker macht, die kämpfen, und diejenigen schwächt, die Mitgefühl zeigen. Und dann werden Sie und ich vermutlich die letzten Veteranen sein, die noch Gefühle hatten. Pflichtgefühl, Liebe und schließlich Gerechtigkeitssinn.

Es ist sogar schwer, sich einen künftigen Veteranen vorzustellen, dessen Gehirn mit einem Chip versehen ist und der ein Herz aus Stahl hat. Das wird eine Maschine sein. Und wenn es eine Maschine sein wird, dann haben wir mit Sicherheit verloren. Wir haben gegen uns selbst verloren – die Erinnerung an diejenigen, die für uns bereits unter den Fahnen ruhen.

Wir dürfen nicht die Letzten sein, auch wenn es ebenfalls nichts Gutes ist, Kriegsveteran zu sein. Doch den Krieg gegen uns selbst zu verlieren bedeutet auch, die Zivilisation zu verlieren. Indem wir sie beispielsweise gegen Seltene Erden für Tötungsroboter eintauschen. Ein für alle Mal.


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Autor/Kanal: Мир із Росією не може бути бізнесовою угодою: Валерій Залужний про війну, мир і роль ветеранів. 24 канал. 01.10.2026.
Veröffentlichung: 01.10.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Der Krieg, der alles verändert hat. Über historische Fehler, die Rolle des Fortschritts und eine neue Welt. Valery Zaluzhny. Ukrajinska Prawda. 16.09.2026.

Війна, яка змінила все. Про історичні помилки, роль прогресу і новий світ. Валерій Залужний. 16.09.2026.

Der russisch-ukrainische Krieg ist zum ersten großen Krieg auf europäischem Boden seit dem Zweiten Weltkrieg geworden, einem Krieg ohne Beispiel, der bereits Teil der Geschichte der Menschheit ist.

Das ist nicht nur eine Geschichte von Ereignissen, Fakten und der Zahl der Opfer. Es ist auch eine Geschichte der Menschen, die dahinterstanden und die noch nicht wissen, dass sie bereits dort sind, in der Geschichte – die gegenüber menschlichen Gefühlen erbarmungslos ist.

Doch heute wird diese Geschichte erst geschrieben. Gelesen und erforscht werden wird sie viel später, in etwa 50 Jahren, wenn die letzten Zeugen all dessen, was geschehen ist, selbst in die Geschichte eingegangen sein werden, um bereits anderen Menschen die Möglichkeit zu geben, mit kühlem Verstand Schlussfolgerungen zu ziehen und die Fehler niemals zu wiederholen. Die Möglichkeit zu geben, in die Geschichte einzugehen und nicht in sie hineinzustolpern. Denn gerade jene Fehler, die zu diesem Krieg geführt haben, haben es nicht ermöglicht, ihn rechtzeitig zu beenden, und vor allem – seine Folgen vorauszusehen.

Dies ist nicht nur ein Krieg, der vieles verändert hat. Er hat faktisch das Wichtigste verändert – die Weltordnung, begleitet vom Beifall für Unsinn und Absurditäten. Die Weltordnung, die unsere Großväter vor mehr als 80 Jahren mit ihrem eigenen Blut aufgebaut haben und die wir, die  noch Bücher gelesen haben, nicht die Kraft hatten zu bewahren.

Dies ist ein Krieg, der ebenso wie der Zweite Weltkrieg aufgrund der Feigheit derjenigen begann, die zu diesem Zeitpunkt nicht selbst um ihr Leben fürchten mussten. Sie glaubten, das Beste sei, das Tier nicht zu reizen.

Dies ist ein Krieg, der mit wesentlich geringeren Verlusten hätte enden können, doch dieselben, die Angst hatten, dass das Tier seinen Appetit nicht zügeln und auch sie angreifen würde, taten einfach so, als seien dies nicht ihre roten Linien. Denn das Wichtigste wäre es, einen Atomkrieg zu vermeiden.

Ein Krieg, der letztlich zu einem Theater des Mitgefühls angesichts des täglichen Tötens einer ganzen Nation geworden ist, die an ihrer eigenen Korruption erstickt.

Und vor allem ist dies ein Krieg, der sich den Marketingexperten und Geschäftemachern ausgeliefert hat, die aus Unverständnis und mangels Strategien sein Feuer durch das Streben nach schnellem Geld nur weiter anfachen und immer mehr mit der rasanten Entwicklung des technischen Fortschritts prahlen.

Ein Krieg, der überrascht hat, weil der Fortschritt nicht dazu dient, die Konturen seines Endes zu formen, sondern gerade dazu, ihn fortzusetzen. Denn für die einen ist er die Gewissheit, dass der Krieg sie nicht betrifft, und für die anderen eine Existenz- und Verdienstmöglichkeit.

Ein Krieg, in dem Strategie und globale Entscheidungen mitten in seinem Verlauf auf der Strecke geblieben sind. Und ja, die Geschichte wird das nicht verzeihen, denn hinter all dem stehen Menschen und keine Maschinen.

Das ist der heutige Krieg für die Geschichte der Menschheit.

Wenn man jedoch gerade über den Fortschritt als Weg zum Sieg und zur Beendigung des Krieges spricht, muss man bedenken: Im Militärwesen gibt es eine eigene Wissenschaft, die historisch aufgebaut wurde und weiterhin auf Gesetzmäßigkeiten beruht, unabhängig davon, womit TikTok inhaltlich gefüllt wird. Schade, dass das Verständnis dafür durch eben diesen Fortschritt immer mehr nur einem engen Kreis von Menschen zugänglich wird und wir diejenigen nicht erreichen können, deren Strategie lediglich aus Aufrufen in den sozialen Netzwerken und der nächsten spektakulären Nachricht besteht.

Gerade das Ende des Zweiten Weltkriegs bestimmte zwei wichtige Dinge, die auch für das Ende dieses Krieges charakteristisch sein werden, der unaufhörlich an Fahrt gewinnt.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs bestimmte Ort und Zeitpunkt des Beginns des nächsten Krieges sowie die Formen und Methoden, mit denen dieser Krieg beginnen wird. Und wenn das Erste lediglich eine Wiederholung der Fehler durch Politiker und ihre Wähler ist, so gehört das Zweite zweifellos zum wissenschaftlich-technischen Fortschritt, der diese Fehler unweigerlich ausnutzen wird.

Deshalb begannen sowohl der Beginn der Expansion als auch die Wiedererrichtung des russischen Imperiums als ein Krieg, der in vielem den großen Konflikten des 20. Jahrhunderts ähnelte und sich gerade auf die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs stützte. Daran ist nichts Überraschendes oder Gesetzeswidriges, außer dass man sich darauf hätte vorbereiten können – zumindest, um ihn zu vermeiden, wenn auch nur für kurze Zeit.

Dann, im Sommer 2023, als die militärischen Operationen auf dem Territorium der Ukraine massenhaften Charakter annahmen und das Überleben auf dem Schlachtfeld erforderten, setzte sich das Rad des Fortschritts nach fast 80 Jahren Stillstand in Bewegung.

Meine ersten Gedanken darüber im Herbst 2023 lösten politische Vorwürfe in der Ukraine selbst und völliges Unverständnis bei Vertretern der einst führenden Armeen der Welt aus.

Heute ist es in der Ukraine politisch und finanziell vorteilhaft, Geschäft mit Augenwischerei auf Technologien umzusatteln. Diejenigen, die noch vor drei Jahren ihre Vorwürfe gegen mich formulierten, versichern heute, dass Technologien ihre einzig richtige Entscheidung seien.

Heute erinnert jede Rüstungsmesse zugleich an eine Szene aus Science-Fiction-Filmen und an ein Museum vergangener Kriege. Damals jedoch dachten alle anders. Mit Ausnahme des Fortschritts, der an Fahrt gewann und darauf wartete, dass ein neues Imperium entstand, das ihn zügeln würde. Doch leider kam es anders.

Der Fortschritt wurde auch unseren Feinden zugänglich, so wie es vor fast 100 Jahren geschah – von Verdun und der Somme bis Robotyne und Bachmut. An dieser Analogie ist nichts Beängstigendes.

Nachdem die Front erstarrt war, erweckte sie nun nicht mehr industrielle, sondern technologische Schrecken zum Leben. Und wieder geschah in der Entwicklung der Kriegskunst nichts Überraschendes. Seltsam bleibt nur, dass es bei uns ebenso wie 2023 noch immer politisch unvorteilhaft und in den einst führenden Armeen der Welt finanziell unmöglich ist, diese Gesetzmäßigkeiten zu nutzen.

So war es einst mit der Kavallerie und den berühmten roten Hosen der Soldaten einer Armee vor dem Ersten Weltkrieg, die gegen Repetiergewehre, Maschinengewehre, weitreichende Artillerie und die Verwendung von rauchlosem Pulver helfen sollten, das ebendort erfunden worden war, und später gegen Panzer und Flugzeuge. Wie das endete, weiß meine Generation.

Und schon heute werden die gegenwärtigen Illusionen kollektiver Sicherheit ebenso wie dieser Soldat vor mehr als 100 Jahren im dunkelblauen Mantel und in roten Hosen trotz seiner offensichtlichen Zielwirkung auf dem Schlachtfeld leider beinahe als nationales Symbol und nationaler Stolz wahrgenommen.

Dieser Krieg hat natürlich die Formen und Methoden seiner Führung verändert, sein Wesen jedoch unverändert gelassen. Er ist ein Akt der Gewalt, nun allerdings der Gewalt gegen ein ganzes Land.

Gewalt, die wie im Zweiten Weltkrieg einen Infanteristen, der seinen Schützengraben physisch nicht mehr verlassen kann, und ein neugeborenes Kind in einem anderen Teil des Landes in eine Reihe gestellt hat. Denn beide stehen ständig im Visier dessen, der sie beide töten will.

Die heutige Technologie des Krieges ist genau so: Sie verwandelt das ganze Land in eine große Brandstätte, die niemanden verschont – weder denjenigen im Schützengraben noch denjenigen an einem friedlichen Ort im Supermarkt. Alles ist wie früher, doch der Bombardierungsprozess selbst ist ein anderer geworden, effizienter und infolgedessen – überaus grausam.

Verstehen das diejenigen, die Panzer und Artillerie näher an das Krisengebiet verlegen? Vermutlich nicht. Die roten Hosen haben sie nichts gelehrt.

Dies ist bereits kein Drohnenkrieg mehr. Wer heute noch in Drohnen denkt, ist ganze drei Jahre zu spät. Für sich genommen existieren sie bereits einfach nicht mehr. Sie haben sich in uns schon früher bekannte Arten von Bewaffnung verwandelt, allerdings bei geringeren Kosten, größerer Verfügbarkeit und höherer Effizienz.

Richtig ist die Annahme, dass 2026 ein Krieg der Technologien stattfindet, und nicht nur das. Es ist auch ein Krieg der Strategien und Doktrinen, die sich unter dem Druck des Fortschritts unaufhörlich verändern. Deshalb ist es ein großer Fehler, sich auf einzelne Technologien und ihre PR lediglich als Waffen zu fixieren, die die sowjetische Strategie ergänzen und zu ihrer Umsetzung natürlich auch Akteure sowjetischer Prägung benötigen. Waffen, die man rechtzeitig produzieren und gewinnbringend verkaufen muss und mit denen man, noch besser, unbedingt zumindest irgendein Gebiet deokkupieren sollte.

Gerade der Wunsch, Gebiete mit sowjetischen Methoden und Strategien, nur bereits mit neuen Waffen, zu deokkupieren und zu halten, hat die Mobilisierung in eine Sackgasse geführt. Die Mobilisierung bot nur eine einzige Chance, die zu nutzen immer weniger Menschen bereit waren. Denn einen Krieg der Maschinen mit einem riesigen sowjetischen Land, in dem Menschen faktisch in Maschinen verwandelt und in den Kampf gegen echte Maschinen geschickt werden, können wir nicht verkraften. Verfluchtes Marketing, das tötet.

Denn wenn man Technologien als neue Waffen anerkennt, muss man sich an die Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung der Kriegskunst erinnern und auf dieser Grundlage unbedingt neue Formen und Methoden ihres Einsatzes entwickeln. Und erst danach organisatorische Veränderungen in der Struktur der Streitkräfte vornehmen, die diese neuen Waffen in neuen Formen und Methoden einsetzen. Genau an dieser Stelle befindet sich die Mobilisierung als Teil einer neuen Strategie, die auf neuen Waffen und gerade neuen, nicht sowjetischen Formen und Methoden ihres Einsatzes beruht.

Nur so kann man an die Verbesserung der Mobilisierung herangehen und vor allem systematischen Druck und Überlegenheit gegenüber dem Gegner schaffen. Natürlich braucht das heute Zeit. Diese Veränderungen sind absolut unumkehrbar und betreffen die Kriegsführung auf allen Ebenen: der taktischen, operativen und strategischen sowie den Aufbau des militärisch-industriellen Komplexes.

Logischerweise führt all das unweigerlich bis zum Aufkommen eines neuen Begriffs, das manchen heute seltsam erscheint – Doktrin. Gerade sie, die Doktrin, ist die Grundlage des systematischen Einwirkens auf den Gegner und formt die Strategie mit Blick allein auf den künftigen Sieg. Bei wem wir dieses systematische Einwirken sehen und wer heute seinem Sieg näher ist – diese Frage bleibt politisch korrekt offen. Doch in der Ukraine lässt sich das am Ausmaß und an der Systematik der Angriffe sowie an der Dauer der Luftalarme ziemlich deutlich erkennen. Und die festgefahrene Front kann diejenigen gewiss nicht beruhigen, die den Krieg nur aus der Perspektive der Kampfgebiete betrachten.

Schade, dass viele das Ausmaß dieser Veränderungen bis heute nicht begreifen – oder vielleicht nicht begreifen wollen. Doch das kann den wissenschaftlich-technischen Fortschritt und die Evolution der Kriegskunst in keiner Weise aufhalten.

Die alten Regeln gelten nicht mehr. Das demonstriert der russisch-ukrainische Krieg jeden Tag, und das werden unweigerlich auch alle neuen großen Konflikte demonstrieren, die vor dem Hintergrund der Neuordnung der alten Weltordnung aufflammen werden.

Die Fragen der Anpassung an die neuen Bedingungen, wie die Steigerung des Potenzials und der Verfügbarkeit von Wirkmitteln, die Einführung robotischer Systeme und künstlicher Intelligenz, der Schutz von Logistik und Häfen, eine effektive und ununterbrochene Kommunikation, Weltraumtechnologien, die digitale Dimension der Sicherheit sowie die Veränderung der Ausbildung des Personals entsprechend den Anforderungen und Herausforderungen des neuen Krieges – das sind Probleme, vor denen heute nicht mehr die Armeen der Staaten stehen, denn diese müssen a priori bereits vorbereitet sein. Das sind Probleme der Regierungen und Bündnisse, die sich um Technologien zusammenschließen müssen, die ihre eigene Zukunft schützen.

Der moderne Krieg verlangt neue Doktrinen. Den rasanten wissenschaftlich-technischen Fortschritt nur zu betrachten und nicht in der Lage zu sein, diese Doktrinen zu schaffen, ist derart kurzsichtig, dass dies kaum ermöglichen wird, dieselben roten Hosen endlich loszuwerden und die Zukunft zu sehen. Manche glauben noch immer, sie könnten jetzt eine wirklich wirksame Doktrin für den Einsatz von Drohnen und Robotern entwickeln, andere glauben, dass dies unmöglich sei.

Unterdessen findet bereits ein Krieg der Technologien statt, und die Ukraine spürt bereits den systematischen Druck, der das Ergebnis der Einführung nicht nur von Technologien, sondern auch eines neuen doktrinären Ansatzes für ihren Einsatz ist, einschließlich Produktion und Forschung als untrennbarem Bestandteil der Strategie. Gerade das gibt Russland die Möglichkeit, uns über bekannte Vermittler Ultimaten zu stellen.

Genau darauf ist dies ausgerichtet, und es kann zu einer ganzen Reihe von Krisen führen. Obwohl es in einem Krieg führenden Land manchen noch immer lächerlich erscheint, muss man der Mehrheit nicht erklären, um welche Krisen es sich handelt. Ich möchte daran erinnern, dass ein Zermürbungskrieg nicht nur aus Schlachten besteht, sondern auch aus gesellschaftlichen Brüchen. Entscheidend ist, wer sie zuerst hervorruft.

Und wenn das offensichtlich ist, warum weichen die Gesetze des Krieges dann erneut Prognosen und die Strategie dem Marketing? Denn allgemeine Tendenzen zu erfassen, um ungefähre Prognosen zu erstellen, ist genau das, was das Marketing im Verborgenen braucht. Schnell und viel. Doch ob dies systematischen Druck auf Russland erzeugt oder ob es den systematischen Druck Russlands auf uns erhöht – diese Frage ist bislang unbeantwortet, obwohl die Wege zum Verständnis mehr als offensichtlich sind.

Für die Suche nach einem Ausweg aus einer folgerichtige Entwicklung ist also ein Verständnis dafür erforderlich, wie gerade eine systematische Antwort auf den Druck Russlands gefunden und umgesetzt werden kann. Diese systematische Antwort muss auf dem Aufbau einer solchen Strategie beruhen, in der die gemeinsame Produktion und Einführung neuer technologischer Lösungen Teil systematischer Schritte sowohl zum Schutz als auch zur Einwirkung auf Russlands Möglichkeiten zur Fortsetzung des Krieges werden muss.

Dafür bleibt natürlich gerade die Suche nach Ressourcen- und Technologieallianzen aktuell, die in der Lage sind, diese Produktion sicherzustellen, auch zur Deckung des eigenen Verteidigungsbedarfs. Diese Produktion muss doktrinär in die Siegesstrategie eingebunden werden, bei der nicht irgendein magisches Waffensystem produziert wird, sondern das gesamte notwendige neue Arsenal, einschließlich für zivile Zwecke, entsprechend den Bedingungen des Fortschritts.

Die Ukraine und Russland haben sich in Testgelände unter realen Bedingungen verwandelt. Deshalb müssen Analyse und Verständnis dieser neuen Logik des Krieges nicht nur dabei helfen, neue Doktrinen, Taktiken und Strategien zu entwickeln, sondern vor allem eine Vorstellung davon vermitteln, wie Frieden und Ruhe der Menschen bewahrt werden können, während wir Ukrainer dafür mit unserem Blut bezahlen.


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Titel des Originals: Війна, яка змінила все. Про історичні помилки, роль прогресу і новий світ. Валерій Залужний. 16.09.2026.
Autor: Valery Zaluzhny
Veröffentlichung: 16.09.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Honcharenkos Illusion vom Frieden mit Putin. Vitaly Portnikov. 02.10.2026.

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Die Diskussion, die sich um die jüngste Portion „friedensstiftender“ Äußerungen von Oleksiy Honcharenko entwickelt hat, wäre sinnvoll, wenn Russland uns tatsächlich irgendwelche realen Bedingungen für eine Waffenruhe anbieten würde oder zumindest an irgendeinem Verhandlungsprozess interessiert wäre. Doch genau das geschieht nicht. Putin setzt den Krieg nicht deshalb fort, weil er uns zu Vereinbarungen drängen will, sondern weil er uns vernichten will.

Kann man das übersehen? Natürlich. Wenn gewöhnliche Menschen das nicht sehen, warum sollte Oleksiy Honcharenko es sehen? Ja, wenn er das sagt, kann er sich selbst davon überzeugen, dass er sich damit Wahlchancen schafft. Nun, wer möchte sich schon eingestehen, dass es womöglich überhaupt keine Wahlen geben wird, wenn man sein Leben der Politik gewidmet hat? Wer möchte sich schon eingestehen, dass es den Staat, dessen Abgeordneter man war, womöglich nicht mehr geben wird? Ein Schlosser bleibt auch in Russland ein Schlosser. Ein Abgeordneter ist nur in der Ukraine ein Abgeordneter – natürlich sofern es sich nicht um Derkatsch oder Arbuzow handelt 🙂.

Außerdem folgt Oleksiy, wie ich sagen würde, der traditionellen ukrainischen politischen Kultur, der zufolge man sich mit den Russen einigen kann, wenn man sie nicht besiegen kann. Und sie werden einem die Ukraine zum häuslichen Gebrauch überlassen. Schließlich hat man sich jahrhundertelang mit ihnen geeinigt, oder? Die Kosakenobersten ebenso wie die Borotbisten, und auch über billiges Gas wurde verhandelt. Und irgendetwas haben sie ihnen immer gelassen.

Nur befinden wir uns jetzt in einer historischen Phase, in der man in Moskau zu der Überzeugung gelangt ist, dass die Ukrainer, solange sie weiter existieren, ihre großrussischen Sieger bei der erstbesten Gelegenheit unweigerlich im Stich lassen. So war es übrigens auch während der gesamten ukrainischen Geschichte. Wenn sogar Janukowytsch das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union unterzeichnen wollte und Putin ihn davon abhalten musste, was soll man dann erst über die anderen sagen?

Deshalb hat Putin für sich einen vollkommen logischen Schluss gezogen: Gibt es keine Ukrainer, gibt es auch kein Problem. Wenn Oleksiy sich an Putins Stelle versetzt, wird er erkennen, wie nachvollziehbar diese Schlussfolgerung für den russischen Präsidenten ist. Und er wird aufhören zu glauben, dass man sich mit diesem Menschen auf irgendetwas anderes als die bedingungslose Kapitulation der Ukraine einigen kann.

Wenn ich also sage, dass der einzige Weg zu einem Ende des Krieges darin besteht, dass die Verluste Russlands einen höheren Preis für die Fortsetzung der Aggression darstellen als der Versuch, die ukrainische Frage zu lösen, dann ist das kein Bild, sondern die Feststellung einer Tatsache. Wenn Putin erkennt, dass er Russland verliert, anstatt die Ukraine zu vernichten, könnte er über eine Waffenruhe nachdenken.

Und später könnte in Russland vor dem Hintergrund dieser offensichtlichen Niederlage tatsächlich jemand auftauchen, der bereit wäre, erneut so zu tun, als glaube er an das Konzept der Koexistenz zweier „Brudervölker“. Und mit diesem Menschen könnte man sich irgendwann über etwas einigen.

Doch dafür muss man überleben und Russland dazu zwingen, aufzuhören. Kein besonders angenehmer Weg, bei dem es keine Wahl gibt. Aber einen anderen gibt es nicht.


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Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 02.10.2026.
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Vitaly Portnikov über die russische Drohne über Litauen: Die Geografie des Krieges hat sich verändert, er ist bereits an den Grenzen der NATO. 24.09.2026.

Виталий Портников о российском дроне над Литвой: география войны изменилась, она уже у границ НАТО. 24.09.26.

Die russische Drohne, die von NATO-Kampfjets über Litauen abgeschossen wurde, mag nur wie eine weitere Episode des großen Krieges erscheinen. Zumal die Drohne nach der vorläufigen Einschätzung der litauischen Behörden keineswegs Litauen angreifen sollte. Sie flog in Richtung Ukraine und kam vom Kurs ab. Doch gerade solche „Zufälle“ zeigen am besten, wie sich die Geografie und das Wesen des Krieges selbst verändern.

Putin begann diesen Krieg in der Überzeugung, dass er ausschließlich ein ukrainisches Problem bleiben würde. Russland würde ukrainische Städte bombardieren, ukrainische Infrastruktur zerstören und ukrainische Gebiete besetzen, während die NATO-Staaten das Geschehen von der Seitenlinie aus beobachten und untereinander darüber streiten würden, wie viele Waffen man Kyiv liefern könne, ohne Moskau zu provozieren.

Doch der Krieg kennt jene politischen Grenzen nicht, die man sich für ihn in Amtsstuben ausdenkt.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine russische Drohne in den Luftraum eines NATO-Staates gelangt. Doch zum ersten Mal wird sie nicht von der ukrainischen Luftverteidigung zerstört, sondern von einem italienischen Kampfjet, der im Rahmen einer Mission der Nordatlantischen Allianz im Einsatz ist. Das ist noch keine Konfrontation zwischen Russland und der NATO. Aber es ist bereits eine Situation, in der die Folgen des russischen Krieges unmittelbar von den Streitkräften der NATO beseitigt werden.

Und hier stellt sich eine einfache Frage: Wie viele solcher Vorfälle müssen noch geschehen, damit die Europäer das Offensichtliche endgültig begreifen?

Man kann so viel man will über die Notwendigkeit sprechen, eine Eskalation zu vermeiden. Man kann sich selbst davon überzeugen, dass der Krieg irgendwo zwischen Charkiw und dem Donbas stattfindet und dass es vor allem darauf ankomme, ihn nicht an die Grenzen der Europäischen Union herankommen zu lassen. Doch russische Raketen und Drohnen sind nicht verpflichtet, sich an diese psychologische Grenze zu halten. Sie können außer Kontrolle geraten, vom Kurs abkommen und über dem Territorium eines Nachbarstaates auftauchen. Und irgendwann kann eine Situation entstehen, in der sich nicht mehr mit Sicherheit sagen lässt, ob die nächste Verletzung des Luftraums ein Zufall war oder ein Test der Bereitschaft der NATO, ihren eigenen Luftraum zu verteidigen.

Genau deshalb liegt die Bedeutung des Vorfalls in Litauen nicht in einer einzigen abgeschossenen Drohne.

Seine Bedeutung liegt darin, dass die NATO das getan hat, was die Bürger der Bündnisstaaten von ihr erwarten sollten: Sie hat eine Bedrohung erkannt und beseitigt. Ohne endlose und sinnlose Diskussionen darüber, ob Russland nicht schon durch die bloße Tatsache des Widerstands verärgert werden könnte.

Putin hat seine Politik viele Jahre lang auf der Angst des Westens vor einer direkten Konfrontation mit Russland aufgebaut. Und diese Angst hat tatsächlich existiert und besteht weiterhin. Doch je länger der Krieg dauert, desto mehr Möglichkeiten für eine solche Konfrontation schafft Russland selbst.

Nicht Litauen hat eine Drohne an die russische Grenze geschickt. Eine russische Drohne befand sich über Litauen.

Nicht die NATO hat einen Krieg in Europa begonnen. Russland hat den Krieg gegen die Ukraine begonnen.

Und mit jedem weiteren Tag des Krieges wird der Abstand zwischen der russischen Aggression gegen die Ukraine und der Notwendigkeit für die NATO-Staaten, bereits ihr eigenes Territorium zu verteidigen, immer geringer.


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Titel des Originals: Виталий Портников о российском дроне над Литвой: география войны изменилась, она уже у границ НАТО. 24.09.26.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 24.09.26.
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Wer kann Xi Jinping überzeugen? Vitaly Portnikov. 29.09.2026.

Хто переконає Сі Цзіньпіна. Віталій Портников. 29.09.2026.

Treffen zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem chinesischen Staatschef werden stets mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt, obwohl bei diesen Treffen schon seit vielen Jahren praktisch nichts geschieht und die wichtigste Aufgabe ihrer Teilnehmer darin besteht, sich nicht völlig zu zerstreiten.

In der Ukraine versucht man jedoch in den letzten Jahren jedes Mal, wenn der amerikanische und der chinesische Staatschef zusammentreffen, zu verstehen, ob Donald Trump – und vor ihm Joseph Biden – Xi Jinping so beeinflussen kann, dass dieser Putin „befiehlt“, den Krieg zu beenden. Und jedes Mal ist man enttäuscht, wenn sich herausstellt, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine nicht einmal zu den wichtigsten Themen der amerikanisch-chinesischen Gespräche gehörte.

Ja, natürlich haben die USA und China eine Vielzahl eigener Probleme, über die man wochenlang sprechen könnte. Taiwan, die Ansprüche Chinas gegenüber den Philippinen, wirtschaftliche Fragen, die Reduzierung der Atomwaffen und inzwischen auch noch die „künstliche Intelligenz“. Und bei keinem dieser Themen zeichnet sich irgendeine Verständigung ab – allenfalls herrscht ein „kalter Frieden“. Und im Rahmen dieses „kalten Friedens“ ist es sogar schwer vorstellbar, wie der Präsident der USA die Bestimmungen des gerade erst verabschiedeten und unterzeichneten „Graham-Gesetzes“ in der Praxis gegen China anwenden soll – zumal sich amerikanische und chinesische Regierungsvertreter unmittelbar vor dem Besuch des chinesischen Staatschefs erneut auf einen wirtschaftlichen Waffenstillstand für die kommenden Monate geeinigt haben. Wie also kann der amerikanische Präsident seinen chinesischen Gast beeinflussen, und lohnt es sich für ihn überhaupt, das Thema Ukraine anzusprechen?

Aber selbst wenn man sich vorstellt, dass Trump und Xi ausführlich über die Ukraine gesprochen haben – können sie sich auf irgendetwas Konkretes einigen? Trump ist an einem Ende des Krieges interessiert, aber nicht am Verschwinden der Ukraine. Xi ist vor allem daran interessiert, dass Russland nicht verliert, und muss sich dabei auf Putins Vorstellung von Erfolg verlassen. Trump will – zumindest öffentlich – nicht, dass Russland die Sanktionen umgeht und Öl an China verkauft. Xi ist daran interessiert, dass Russland dieses Öl an China verkauft, und vor dem Hintergrund der Krise in der Straße von Hormus ist das derzeit nicht bloß eine Laune.

Und schließlich überschätzt auch derjenige, der glaubt, Xi könne Putin irgendetwas befehlen, die Möglichkeiten des chinesischen Staatschefs. Ja, der russische Präsident kann den Standpunkt seines chinesischen Amtskollegen nicht außer Acht lassen. Doch Russland ist für China sowohl der Partner mit dem größten Atomwaffenpotenzial als auch ein Lieferant billigen Öls und – was am wichtigsten ist – ein Instrument zur Destabilisierung des Westens. Und der russisch-ukrainische Krieg ist Teil dieses Destabilisierungsprozesses. Warum sollte China zu seiner Beendigung beitragen, wenn die Fortsetzung des Krieges sowohl den Westen als auch Russland schwächt?

Deshalb sollte man von Treffen amerikanischer und chinesischer Staatschefs keine ernsthaften Ergebnisse erwarten. Nicht nur im Hinblick auf den russisch-ukrainischen Krieg, sondern auch bei anderen grundsätzlichen Fragen. Die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China befinden sich heute – auch wenn der amerikanische Präsident und sein chinesischer Amtskollege nach Trumps Auffassung ausgezeichnete persönliche Beziehungen haben – dennoch an unterschiedlichen Polen der heutigen Welt. Und die Probleme der beiden größten Volkswirtschaften der Welt sind unterschiedlich. Selbst die persönlichen Probleme von Trump und Xi Jinping sind unterschiedlich. Trump denkt über den Erfolg seiner Partei bei den Wahlen und über seinen Nachfolger nach. Xi hingegen ist mit Parteisäuberungen beschäftigt und will sich für eine vierte Amtszeit wiederwählen lassen.

Aber kann man die Haltung des chinesischen Staatschefs zum russisch-ukrainischen Krieg verändern? Ja, das kann man – und das haben die jüngsten Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs des „Globalen Südens“ bestätigt, bei denen sowohl Xi als auch der indische Ministerpräsident Narendra Modi gegenüber Putin von der Notwendigkeit sprachen, eine politische Lösung für den Konflikt zu finden. Aber warum?

Keineswegs aus übertriebener Friedfertigkeit. Sondern vor allem deshalb, weil China kein Interesse an der Zerstörung der russischen Ölverarbeitungsindustrie und an einem Rückgang der Ölförderung hat – der zwangsläufig eintreten wird, wenn die Raffinerien stillstehen. China braucht russisches Öl – und wenn Putin es nicht retten kann, sollte er vielleicht darüber nachdenken, die Eskalation zu beenden?

Deshalb ist derjenige, der Xi tatsächlich überzeugen kann, der ukrainische Soldat.


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Titel des Originals: Хто переконає Сі Цзіньпіна. Віталій
Портников. 29.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.09.2026.
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Putins Logik der Widerstandsfähigkeit. Vitaly Portnikov. 24.09.2026.

Путінська логіка витривалості. Віталій Портников. 24.09.2026.

Volodymyr Zelensky traf sich am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung in New York mit Donald Trump. Derzeit sieht es nicht danach aus, als könnte dieses Treffen zu irgendwelchen konkreten Ergebnissen bei der Suche nach Möglichkeiten zur Beendigung des Krieges führen. Doch allein die Tatsache, dass es stattgefunden hat, ist wichtig, denn sie zeigt, dass der Präsident der USA diesen Krieg nicht einfach ignorieren kann und dass die Suche nach Wegen zu seiner Beendigung sowie die Zusammenarbeit mit der Ukraine ein wichtiger Bestandteil der politischen Agenda der USA bleiben – zumindest bis zu den für Donald Trump so wichtigen Zwischenwahlen.

Vielleicht gerade weil Trump sich darüber im Klaren ist, dass die Mehrheit der amerikanischen Gesellschaft auf der Seite der Ukraine steht, demonstriert auch er selbst diese Unterstützung. Doch Unterstützung zu demonstrieren und auf konkrete Ergebnisse zu hoffen, sind nicht dasselbe. Über Lizenzen für Luftverteidigungsraketen wird weiterhin nur gesprochen, und selbst wenn es zu einer Vereinbarung kommt, wird es Jahre dauern, bis Raketen in der Ukraine hergestellt werden. Auch über die Nutzung von Starlink auf dem souveränen Territorium Russlands, um russische ballistische Raketen zu zerstören, konnte man sich erneut nicht einigen. Trump rät Zelensky, mit Musk zu sprechen, und Musk rät Zelensky, mit Trump zu sprechen. Dieses Spiel kann man bis zum Ende des Krieges weiterspielen.

Dennoch muss man mit dem ukrainischen Präsidenten über Wege zur Beendigung des Krieges sprechen. Ich möchte daran erinnern, dass Donald Trump nach dem Besuch der amerikanischen Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner in Moskau und Kyiv sowohl mit Putin als auch mit Zelensky sprechen wollte. Damals fand nur das Gespräch mit dem russischen Präsidenten statt, das Trump als „gut“ bezeichnete, ohne jedoch irgendwelche konkreten Angaben zu machen – vielleicht deshalb, weil es auch keinerlei konkrete Ergebnisse gab. Witkoff und Kushner konnten in Moskau stundenlang über wirtschaftliche Projekte sprechen, vermochten jedoch nicht, das Wichtigste von Putin zu erreichen – seine Zustimmung zur Beendigung des Krieges.

Zelensky in dieser Situation zu ignorieren, erwies sich ebenfalls nicht als die beste Lösung. Zumal Trump ständig sagt, die ukrainischen Angriffe auf die russische Ölverarbeitung führten zu einem Anstieg der Dieselpreise – auch an amerikanischen Tankstellen. Das ist natürlich eine Übertreibung mit Blick auf die Wahlen. Ohne eine Öffnung der Straße von Hormus dürfte sich der Kraftstoffpreis kaum wesentlich verändern – selbst wenn die Ukraine aufhört, russische Ölraffinerien anzugreifen. Aber für den amerikanischen Präsidenten ist es zumindest wichtig zu demonstrieren, dass er sich um eine Lösung des Problems bemüht. Er schickt Vermittler nach Kyiv und Moskau, unterzeichnet das „Graham-Gesetz“, trifft sich mit Zelensky und warnt Putin vor den Folgen für dessen Ölverarbeitungsindustrie, über die der russische Präsident – zumindest aus Trumps Sicht – bereits die Kontrolle verloren hat.

Im Geschäftsleben versucht Trump stets, einer bestimmten Logik zu folgen. Wenn Putin seine eigene Ölverarbeitungsindustrie retten muss, muss er zumindest einer Energiewaffenruhe zustimmen. Genau deshalb begann Trump, den russischen Präsidenten öffentlich daran zu erinnern, dass dieser die Kontrolle über seine eigene Ölverarbeitung verloren habe.

Doch Putin folgt einer anderen Logik, die eher Trumps iranischen „Partnern“ eigen ist. Putin bemisst die Situation nicht nach wirtschaftlichen Interessen, sondern nach den Grenzen der Widerstandsfähigkeit. Für den russischen Präsidenten ist nicht wichtig, wie viel Russland verliert, sondern welchem Druck es standhalten kann. Und die Ukraine zermürbt er aus genau denselben Erwägungen – um ein Ausmaß an Zerstörung zu erreichen, das die Widerstandsfähigkeit des Gegners untergräbt. Und Europa „terrorisiert“ er aus genau denselben Erwägungen – damit die Europäer der Ukraine nicht die Möglichkeiten geben, der russischen Aggression zu widerstehen.

Das ist ganz und gar nicht die Logik des Geschäftslebens. Es ist die Logik des Fanatismus. Doch bei der Suche nach Wegen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges müssen sowohl Zelensky als auch Trump diese Logik berücksichtigen. Putin wird keine echten Verhandlungen beginnen, solange er die Möglichkeit hat, die Ukraine zu zermürben. Und solange Russland über Ressourcen für den Krieg und die nötige Widerstandsfähigkeit verfügt. Das ist eine einfache Formel, die für weitere Angriffe auf Russland und eine verstärkte Unterstützung der Ukraine spricht. Das bedeutet, dass die russische Ölverarbeitungsindustrie endgültig ausgeschaltet und Raketen für die ukrainische Luftverteidigung gefunden werden müssen.

Und ja, das erfordert die Anerkennung der Tatsache, dass weiterhin ein Zermürbungskrieg stattfindet und kein erfolgreicher Verhandlungsprozess. Doch gerade diese Erkenntnis bringt uns tatsächlichen und nicht nur vorgetäuschten Friedensverhandlungen näher.


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Titel des Originals: Путінська логіка витривалості. Віталій
Портников. 24.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 24.09.2026.
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Putins Auftritt beim Waldai-Forum: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 01.10.2026.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden terroristischen Angriffe der Russischen Föderation auf die ukrainische Hauptstadt und andere Städte und Ortschaften unseres Landes, vor dem Hintergrund des offensichtlichen Bestrebens, die Eskalation im Krieg gegen die Ukraine weiter zu verschärfen, und neuer Drohungen gegen den Westen tritt Präsident Putin bei einer Sitzung des Waldai-Diskussionsklubs auf – einer eigens veranstalteten Zusammenkunft von Experten sowohl aus der Russischen Föderation selbst als auch aus westlichen Ländern, die bereit sind, dem russischen Präsidenten und seinen Drohungen zuzuhören. Ein sorgfältig ausgewähltes Publikum, das eher als Expertenkulisse für den selbstverliebten russischen Diktator dient.

Schon vor Putins Auftritt sagte sein Pressesprecher Peskow, die ganze Welt warte auf diese Rede. Und es ist schwer zu sagen, inwieweit er hinsichtlich der Erwartungen der Welt damit recht hat. Aber ich bin bereit, Peskow darin zuzustimmen, dass diese Rede des Präsidenten der Russischen Föderation tatsächlich historisch ist, weil sie die Welt, selbst unabhängig vom Kontext der Ereignisse im russisch-ukrainischen Krieg, dem tatsächlichen Einsatz von Atomwaffen durch die Russische Föderation näher bringt. Und wir müssen feststellen, dass Moskau sich darauf vorbereitet. Das ist eine völlig neue außenpolitische Konzeption, die Putin in dieser Rede formuliert hat.

Früher sprachen sowohl sowjetische als auch russische Staatschefs davon, dass der Einsatz von Atomwaffen in jedem Krieg unmöglich sei, dass es in einem Atomkrieg keine Sieger geben werde und dass man alle Anstrengungen unternehmen müsse, damit es zu einem solchen Krieg nicht kommen könne. Eine solche Wende in der sowjetischen Außenpolitik, die die Russische Föderation später erbte, vollzog sich faktisch unmittelbar nach dem Tod des sowjetischen Diktators Josef Stalin, der bekanntlich für Putin und die Putinisten ein Vorbild ist.

Stalin zog grundsätzlich die Möglichkeit eines Atomkriegs mit dem Westen in Betracht, weil er von der Vernichtung der westlichen Zivilisation träumte. Nun, natürlich hatte er sich gerade deshalb in den 1930er-Jahren mit seinem Verbündeten Adolf Hitler über ein gemeinsames Vorgehen gegen die zivilisierte Welt verständigt und war sehr unzufrieden darüber, dass Hitler ihn hinterging. Doch nach Stalins Tod entstand die Konzeption der friedlichen Koexistenz von Staaten mit unterschiedlichen Gesellschaftssystemen.

Und man kann sagen, dass diese Konzeption bis zum 1. Oktober 2026 Bestand hatte, denn nun spricht der Präsident der Russischen Föderation, einer der größten Atommächte der heutigen Welt, die in der Lage ist, die gesamte Menschheit zu vernichten, ebenso wie dies etwa die Volksrepublik China könnte. Ein Land, das dafür größere Möglichkeiten besitzt als andere Atommächte. Denn selbst wenn man sich vorstellt, dass Frankreich oder Großbritannien an einem Atomkrieg teilnehmen und ihre gesamten Atomwaffen bereits eingesetzt haben, werden Russland und die Vereinigten Staaten noch eine beträchtliche Menge davon besitzen. China inzwischen ebenfalls. Und der Staatschef eines solchen Landes sagt bei einem Treffen mit Experten öffentlich, es könne dazu kommen, dass das Gewehr, das an der Wand hängt, auch abgefeuert werden müsse, womit er faktisch die Unvermeidlichkeit des Einsatzes von Atomwaffen in modernen Kriegen anerkennt. Das ist natürlich eine regelrechte zivilisatorische Katastrophe.

Und ich möchte, dass wir uns dieses Datum als den Tag merken, an dem diese Katastrophe aus dem Kreml angekündigt wurde. Wenn es uns in den nächsten Jahren nicht gelingt, die derzeitige Führung der Russischen Föderation dazu zu zwingen, auf sämtliche aggressiven Pläne zu verzichten, wird die Menschheit nicht an künstlicher Intelligenz zugrunde gehen, über deren Gefahren Putin heute bei der Sitzung des Waldai-Klubs ebenfalls gesprochen hat. Die Menschheit wird an Putin zugrunde gehen, und wir werden Zeugen dieser – wie der Präsident der Russischen Föderation selbst sagt – unvermeidlichen Katastrophe sein, sofern wir natürlich überleben.

Nun, ich werde diese Worte des russischen Präsidenten zitieren, damit wir verstehen, worauf sie sich beziehen. Es ist die Antwort auf eine Frage, die der Kreml-nahe Experte Fjodor Lukjanow zu einer Warnung des Außenministeriums der Russischen Föderation an die westlichen Länder stellte, die das russische Gebiet Kaliningrad betraf, eine Enklave, die zwischen zwei Mitgliedern der NATO und der Europäischen Union liegt, Polen und der Republik Litauen. Auch das ist inzwischen ein nicht mehr ganz neuer, ich würde sagen, propagandistischer Trick. Zuerst gibt Lawrows Außenministerium Warnungen heraus, anschließend wendet man sich an Putin, damit er seine Diplomaten gewissermaßen beruhigt. Doch dann geschieht etwas völlig anderes, vom Kreml Geplantes.

„Wir schüchtern niemanden ein“, sagt Putin. „Und das, was Sie gerade angesprochen haben, die Erklärungen des Außenministeriums und die Schreiben, die das Außenministerium an einige Länder geschickt hat, das ist keine Einschüchterung, sondern eine Antwort auf den Versuch, uns einzuschüchtern. Denn diese Äußerungen westlicher Politiker, europäischer Politiker über die Notwendigkeit, die Möglichkeit und die Vorbereitung eines Krieges mit Russland in den Jahren 2029 bis 2030 stammen doch nicht von uns. Wir hören das von der anderen Seite, und zwar ständig. Und jetzt kommen auch konkrete Handlungen hinzu. Eine Militärübung nach der anderen in der Ostsee und anschließend Versuche, unsere Schiffe festzuhalten. Aber all das ist die Eskalation, von der ich gerade in meiner Rede gesprochen habe. Und dann hörten wir Äußerungen zum Kaliningrader Gebiet. Und alles, was in der Erklärung des Außenministeriums und in den verschickten Schreiben steht, ist richtig. Sollte es zu einem direkten Angriff auf die Russische Föderation kommen – in diesem Fall ist sowohl Kaliningrad als möglicherweise auch anderes Territorium gemeint –, wird selbstverständlich unvermeidlich und unverzüglich die Frage des Einsatzes sämtlicher Waffen auf die Tagesordnung kommen, über die unser Land verfügt.“

Das heißt, Putin kann jede beliebige Provokation inszenieren, wie Hitler oder Stalin dies seinerzeit taten, und unter dem Vorwand dieser Provokation Waffen gegen jedes beliebige Land im Westen einsetzen, das er zum Ziel seiner Handlungen erklärt. Und das kann, wie Sie verstehen, keineswegs nur die Situation mit dem Kaliningrader Gebiet betreffen. Putin sagte heute ganz klar, dass er die Hilfe für die Ukraine weiterhin aufmerksam beobachtet und dass derzeit zwar nicht von Angriffen auf jene Rüstungsbetriebe die Rede sei, die der Ukraine helfen und Produkte für die ukrainische Armee herstellen, Russland diese Arbeit jedoch beobachte.

Das ist also ebenfalls eine Drohung. Es ist die Drohung mit dem Einsatz von Instrumenten hybrider Kriegsführung durch die Russische Föderation. Wie Sie verstehen, werden diese Bedrohungen in nächster Zeit auf dem gesamten europäischen Kontinent zunehmen. Und es sind möglicherweise Drohungen mit dem Beginn eines Krieges gegen europäische Länder. Denn vielleicht versuchte Putin am 1. Oktober 2026 seinen westlichen Partnern zu signalisieren, dass die Entscheidung über den Beginn eines Krieges auf dem europäischen Kontinent, eines Krieges, der zu einem wirklichen Dritten Weltkrieg werden könnte, im Kreml bereits getroffen wurde und nur noch der endgültige Befehl des Oberbefehlshabers der russischen Streitkräfte erforderlich ist, damit dieser Krieg beginnt.

Wir wissen nicht, auf welche Weise Russland angesichts des Mangels an Ressourcen, der aufgrund des fortdauernden endlosen russisch-ukrainischen Krieges derzeit zu beobachten ist, einen solchen Krieg führen würde. Aber dass Putin mit solchen möglichen Raketenangriffen, vielleicht mit dem Einsatz strahlgetriebener Drohnen droht, ist angesichts dieser Rede ebenfalls eine völlig offensichtliche Tatsache.

Was die Ukraine betrifft, denke ich, dass wir uns ebenfalls keinerlei Illusionen darüber gemacht haben, was Putin sagen würde. Es ist offensichtlich, dass er den russisch-ukrainischen Krieg nicht beenden will. Es ist offensichtlich, dass er keinerlei Möglichkeiten für Friedensverhandlungen zustimmen will, die zu einer tatsächlichen Unterbrechung, geschweige denn zu einer Beendigung der Kampfhandlungen führen würden. Wichtig ist aber auch, was er über die Ukraine sagte und wie er seine Aggression gegen unseren Staat erklärte. Putin trat mit friedensstiftenden Erklärungen auf, sprach davon, wie wichtig Frieden sei, und beantwortete selbst eine Frage, die sich sogar im Kreis der loyalen Experten von Waldai aufdrängte.

„Russland spricht also vom Frieden, hat aber selbst den Krieg begonnen. Nun, ich habe mich zu diesem Thema schon oft geäußert: Wo liegt die Wahrheit? Die Wahrheit ist, dass nicht wir kämpfen wollten und nicht wir den Krieg begonnen haben, sondern dass man begonnen hat, gegen uns Krieg zu führen“, sagt der russische Diktator. „Man hätte nicht jahrelang aggressiven Nationalismus und Russophobie in der Ukraine fördern dürfen, um sie zu einem Instrument des Kampfes gegen Russland zu machen. Die NATO hätte nicht mit der militärischen Erschließung beginnen dürfen.“ Und hier kommt der wichtigste Satz, der uns im Grunde die gesamte endlose Perspektive des russisch-ukrainischen Krieges für die kommenden Jahre und Jahrzehnte vor Augen führt: „Die NATO hätte nicht mit der militärischen Erschließung unserer historischen Gebiete im Interesse der Organisation selbst beginnen und dort ihre Stützpunkte planen dürfen.“

Das bedeutet, dass das Territorium der Ukraine als historisches Territorium der Russischen Föderation betrachtet wird und Russland diesen erbarmungslosen Krieg um Territorium, um das, was es als sein Eigentum betrachtet, führt und weiter führen wird. Natürlich interessiert die Russen in dieser Situation überhaupt nicht, welche Bevölkerung auf diesem Gebiet lebt, das historisch russisch sein und an Russland zurückgegeben werden soll. Putin hat das laut ausgesprochen. Man muss es einfach hören. Es ist ein Krieg um Territorium, um russisches Territorium.

„Man hätte die Radikalen in Kyiv nicht zu einem Staatsstreich drängen und das auf diese Weise geschaffene illegale Regime anschließend mit verschiedensten Offensivwaffen vollpumpen dürfen. Man hätte keine Pläne ausarbeiten dürfen“ – Achtung – „Konzentrationslager für die Bewohner des Donbas und der Krim einzurichten. Man hätte unbewaffnete Menschen nicht mit Panzern niederwalzen, mit Raketen beschießen, aus Flugzeugen unter Feuer nehmen und bei lebendigem Leib töten dürfen“ – er spricht hier nicht über russische Handlungen – „nur weil sie ihrer Nationalität und ihrem Geist nach Russen sind. Russland wurde bewusst in eine Situation gebracht, in der es schlicht gezwungen war, als Antwort auf diese aggressive Aggression zu den Waffen zu greifen. Man hat uns bewusst an diese Grenze gebracht. Man hätte Russophobie, die Unterdrückung und Ermordung von Russen und die Vernichtung Russlands nicht zur Staatsideologie machen und sich nicht die strategische Niederlage Russlands zum Ziel setzen dürfen. Ja, das wurde gesagt, nicht wahr? Niemand hat das vergessen. Wenn wir freundschaftlich miteinander leben wollen, dann lasst uns gemeinsam nach Wegen suchen, wie das möglich ist.“

Oder glauben Sie, Putin sagt nicht, welcher Weg das sein soll? Doch, sagt er. Er sagt ganz klar, dass es überhaupt keine Ukraine geben könne, dass „die Ukraine – ich weiß das, und alle wissen es sehr gut – nicht selbstständig existieren kann. Sie verliert zunehmend die Elemente ihrer Staatlichkeit. Meiner Ansicht nach ist das eine offensichtliche Tatsache. Sie wird von außen gesteuert. Und wenn jemand mit fremden Händen gegen uns Krieg führen will, in diesem Fall mit den Händen des ukrainischen Regimes, das seine Menschen, die es nicht einmal als die eigenen betrachtet, unter die Kugeln und faktisch in die Vernichtung schickt – wenn also jemand beginnt, mit fremden Händen gegen uns Krieg zu führen, dann ist das natürlich eine Bedrohung.“

Das heißt, alles ist sehr einfach: „Wenn ihr eine Normalisierung der Beziehungen zu Russland wollt“ – das ist ein klares Signal an den Westen –, „dann überlasst Russland die Ukraine, setzt gemeinsam mit Moskau, gemeinsam mit Putin, gemeinsam mit den von chauvinistischer Galle erfüllten Russen einen Schlusspunkt unter die ukrainische Staatlichkeit. Und das ist das Einzige, was euch vor einem Atomkrieg bewahren wird. Denn die Alternative zu einer solchen Kapitulation der Ukraine vor Russland und zu gemeinsamen Anstrengungen zur Vernichtung der ukrainischen Staatlichkeit ist ein Atomkrieg.“ Das ist der Kern dieser Rede, einer sehr wichtigen, sehr aggressiven Rede, erfüllt von dem unverhohlenen Wunsch, die Gewalt fortzusetzen und auszuweiten.

Wie ich schon mehrfach gesagt habe, ist die Ausweitung des russisch-ukrainischen Krieges auf andere Länder, auf andere Gebiete und die Steigerung seines Eskalationsniveaus unvermeidlich. Putin hatte darauf gesetzt, dass die Wahlen 2024 in den Vereinigten Staaten von Amerika und Donald Trumps Machtantritt mit seinem Programm zur Einstellung der direkten Hilfe für die Ukraine einen Schlusspunkt unter den russisch-ukrainischen Krieg setzen und es Russland ermöglichen würden, sämtliche ukrainischen Gebiete, die heute nicht von Russland kontrolliert werden, als Regionen der Russischen Föderation an Russland anzuschließen, wie es in jedem politischen Plan steht, der seit Anfang der 2000er-Jahre auf Putins Tisch liegt. All das wird seit damals ausgearbeitet. Da dies nicht geschehen ist, besteht die Hauptaufgabe nun darin, die Europäer dazu zu zwingen, die Hilfe für die Ukraine einzustellen, selbst wenn dafür Massenvernichtungswaffen eingesetzt werden müssen. Das ist alles. Was muss man da noch erklären? Mir scheint, dass man genau das in dieser Rede, in dieser Strategie mit bloßem Auge erkennen kann, wenn Sie so wollen.

Natürlich versucht Putin dabei – und auch das ist eine sehr wichtige Tatsache –, die warmen Beziehungen zu Trump aufrechtzuerhalten. Er versteht, dass er dem amerikanischen Präsidenten weiterhin seine Zuneigung vorspielen muss, und auch während dieser Rede tut er das weiter. „Ich habe mit Präsident Trump“, sagt Putin, „seit vielen Jahren recht gute Beziehungen. Ich bin ihm dankbar dafür, dass er sich um eine Lösung, sagen wir, der Ukraine-Krise bemüht. Ich bin davon überzeugt, dass er das aufrichtig tut. Wir sind der First Lady der USA für ihre Arbeit im humanitären Bereich dankbar. Das sage ich vollkommen aufrichtig, ohne jede Ironie. Aber wie dem auch sei: Alles, was unsere Beziehungen zu den Staaten überschattet, jene Faktoren, die unsere Beziehungen verdunkeln und zerstören, sind nicht gestern und nicht heute entstanden. Sie sind über Jahrzehnte entstanden. Wir würden uns sehr wünschen, dass diese Faktoren, die uns trennen, der Vergangenheit angehören und sich neue Perspektiven für eine für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit eröffnen.“

Da haben Sie es ganz einfach. Einerseits wird betont, dass keinerlei reale Möglichkeiten zur Verbesserung der amerikanisch-russischen Beziehungen bestehen. Andererseits wird alles gesagt, was Trump später in seinen eigenen Reden verwenden kann, wenn er erzählt, wie unglaublich stark Putin ihn liebt. Putin geht hier also mit Trump vollkommen geschickt um. Ohne irgendwelche politischen Zugeständnisse, ohne jeden Wunsch, einem Ende des russisch-ukrainischen Krieges zuzustimmen, möglicherweise über einen Angriff auf Europa und den Einsatz von Atomwaffen zum Sieg über den Westen nachdenkend, macht Putin nur eines: Er macht Trump Komplimente.

Und wiederum können wir hier von einer Revision der Weltordnung sprechen. Und sie ist, würde ich sagen, keineswegs nur für einen Tag gedacht. Putin sagt ganz klar, dass sich die Weltordnung verändert, dass der Westen seine Rolle verliert und dass die Bedeutung der westlichen Staaten überschätzt werde. Nun, er meint dabei vor allem die G7, obwohl man feststellen kann, dass diese Gruppe bei aller angeblichen Überschätzung praktisch über den größten Teil der Ressourcen der Weltwirtschaft verfügt, was auch immer mit China oder anderen Ländern des Globalen Südens sein mag. Und das müsse historisch neu bewertet werden.

Putin griff sogar auf Gorbatschows politisches Erbe zurück, um zu zeigen, wie falsch dessen Versuch gewesen sei, die Sowjetunion zu reformieren: „Ich möchte auf eine gewisse Naivität, einen gewissen Edelmut und vielleicht sogar eine gewisse Sorglosigkeit jener Menschen hinweisen, die den Staat in den letzten Jahren der Sowjetära führten. Blindes Vertrauen in die westlichen Partner, die Überzeugung, dass gewisse Gentlemen’s Agreements möglich seien.“ Damit meint er die erfundene Behauptung, der Westen habe Gorbatschow versprochen, die NATO nicht zu erweitern. „Eine gewisse Naivität, als reiche es aus, sich auf das Wort anderer zu verlassen und zu glauben, man könne sich über etwas einigen – genau das hat der Sowjetunion einen so bösen Streich gespielt. Rückblickend wird deutlich, welch zerstörerische Rolle dies nicht nur für das Schicksal der UdSSR, sondern auch für die Gewährleistung langfristiger globaler Stabilität gespielt hat. Die sowjetischen Führer wollten dem Westen gefallen, der Westen dagegen wollte die Welt nach seinen Vorstellungen umgestalten. Das ist der ganze Kern dessen, was geschieht.“

Und natürlich kommt Putin in dieser Situation nach seiner Rede erneut auf das Thema Atomwaffen zurück. „Die These, Russland drohe mit Atomwaffen, soll davon ablenken, dass sie selbst eine aggressive Politik gegen Russland betreiben und ihre Bürger in der Konfrontation mit uns an eine gefährliche Grenze heranführen und treiben – das ist, würde ich sagen, eine instrumentelle Vorgehensweise westlicher Politiker. Aber wenn wir mit einer Aggression konfrontiert werden – wir selbst haben nicht vor, irgendjemanden anzugreifen –, werden wir gezwungen sein zu antworten. Und die Bürger der europäischen Länder müssen unsere Position und die Position der amtierenden politischen Führung dieser Länder klar verstehen und voneinander unterscheiden.“

Und hier kommt das Wichtigste: womit sich die Russische Föderation in den nächsten Jahren beschäftigen wird. Mir scheint, dieses Verständnis ist vorhanden, und wir sehen das unter anderem an den Wahlergebnissen und den Stimmungen in den größten europäischen Ländern. Genau das möchte ich kommentieren. Die Russische Föderation arbeitet ganz bewusst darauf hin, dass in europäischen Ländern – und nicht nur in europäischen, sondern auch in nordamerikanischen Ländern – Politiker an die Macht kommen, die bereit sind, vor dem Kreml zu Kreuze zu kriechen, sich mit Putin zu verständigen, Russlands Recht auf vollständige Kontrolle über den postsowjetischen Raum durch die Eingliederung der Gebiete ehemaliger Sowjetrepubliken in die Russische Föderation anzuerkennen und ihm indirekte Kontrolle beziehungsweise eine Einflusssphäre in den Staaten Mitteleuropas zuzugestehen.

Und Putin sagt ganz klar, dass er die Wahlergebnisse als förderlich für die Interessen der Russischen Föderation betrachtet. Welche Wahlen? Gemeint ist vor allem der jüngste Erfolg der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland bei den Landtagswahlen in Deutschland, deren Führung ihre Sympathien für Putin nicht verbirgt. Denn wie könnten Menschen, die einer ultrarechten Ideologie anhängen, die faschistische Ideologie des heutigen Russlands nicht schätzen, das sich im Grunde in eine Neuauflage des Hitler-Reichs verwandelt hat, in ein Viertes Reich unter Putin? Und Sie verstehen doch, dass dieses Feuerwerk an Sabotageakten, das sich in der Bundesrepublik vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ereignete, jetzt nicht mehr in dieser Form stattfindet, nicht wahr? Es war gerade darauf abgestimmt, dass die Stimmung in den europäischen Gesellschaften diesen Zielen des Präsidenten der Russischen Föderation, der russischen Führung und der russischen Gesellschaft entspricht.

Und natürlich erwartet man in Russland genau so, dass im kommenden Jahr bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich die Vorsitzende des rechtsextremen Rassemblement National, Marine Le Pen, gewinnt, die zwar die Politik der Russischen Föderation verbal verurteilen kann, in der Praxis jedoch die Hilfe für die Ukraine einstellen und bestimmte Initiativen zur Unterstützung der Ukraine in der Europäischen Union blockieren könnte, während sie demonstrativ und deklarativ eine Gegnerin der Russischen Föderation bleibt.

So wird die Politik der Russischen Föderation aussehen. Dazu dient diese Einschüchterung mit Atomwaffen: damit die Europäer richtig wählen, damit man Europa ohne Atomwaffen erobern kann. Genau das haben sie in unserem Land immer versucht, als sie 1994 prorussischen Politikern zur Macht verhalfen, es 2004 versuchten, 2010 versuchten und anschließend nach 2014 die Revanche vorbereiteten. Das alles ist Moskau. Alles Moskau. Und jetzt tun sie in Europa genau dasselbe und geben dafür Milliarden aus und werden weiter Milliarden dafür ausgeben, weil sie sicher sein können, dass das sogar effektiver ist, als Geld für die Armee auszugeben: Die anderen kommen selbst und bringen ihnen alles.

Nun, mir scheint, das alles ist verständlich, ebenso wie klar ist, dass Russlands Aggression gegen die Ukraine weitergehen wird und die Ukraine ständig beschuldigt werden wird, Russland zu provozieren. Unter anderem sagte Putin während dieser Rede: „Die Ukraine hat angefangen, russische Ölraffinerien anzugreifen, aber das macht nichts, das ist nicht schlimm. Russland hat durch diese Angriffe nur ein Prozent seines BIP verloren.“ Tatsächlich ist das eine sehr große Zahl. Ich hoffe, dass wir die Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation auch weiterhin zerstören werden, um dieses räuberische, aggressive Land auf die Knie zu zwingen, von denen es sich in den kommenden schwarzen Jahrzehnten der Armut, der inneren Konflikte, der Katastrophen und der internen Kämpfe nicht wieder erheben soll. In einen solchen Zustand muss dieses Land gebracht werden – natürlich vorsichtig, damit seine inneren Konflikte nicht über die Grenzen der Russischen Föderation hinausgreifen und sämtliche Nachbarländer überfluten und sie neben einem brennenden Russland in eine dann nicht mehr zu bewältigende Katastrophe stürzen.

Auch das kann geschehen. So war es in den Jahren 1917 bis 1920 des 20. Jahrhunderts. Wir müssen diese Erfahrung im 21. Jahrhundert nicht wiederholen, aber ein starkes Russland bedeutet den Tod für die Ukraine und den Tod für Mitteleuropa. Den physischen Tod von Millionen Menschen, die hier leben. „Faschist, hier kommt die Granate – vom Sowjetsoldaten.“ Das sagte Putin, als er darüber sprach, dass Russland die ukrainische Metallurgie faktisch zerstört habe. Er verbirgt nicht einmal seinen Wunsch, zivile Branchen der ukrainischen Wirtschaft zu zerstören. Man muss das also nicht einmal übertreiben. Diese seine Absichten sind alle offensichtlich.

Und natürlich Komplimente an China. Hier kann Putin selbstverständlich nichts anderes tun, als sich vor Xi Jinping in den Staub zu werfen. Und hier ist die Linie seines Verhaltens, würde ich sagen, noch viel ernster als gegenüber Trump, weil sie familiär ist. Putin sagt, seine Enkel lernten Chinesisch und könnten, wie Sie verstehen, bei Treffen zwischen Putin und Xi Jinping als Dolmetscher arbeiten. Das ist, wie Sie verstehen, etwas anderes als bei Trump, mit dem er gute Beziehungen hat. Es ist der Versuch, alles dafür zu tun, dass Xi Jinping erkennt, wie groß die Ergebenheit des russischen Präsidenten ist.

Das heißt, trotz all dieser Drohungen, trotz all dieser Gefahren versucht Putin weiterhin, dem chinesischen Staatschef zu gefallen, weil er offensichtlich versteht, dass gerade davon die Zukunft der russischen Wirtschaft abhängt. Wenn China aufhört, russisches Öl zu kaufen, dann sind all diese selbstverliebten Erklärungen vorbei. Dann wird man seine eigenen Zähne vom Boden aufsammeln müssen, die einem mangels Parodontosebehandlung ausfallen werden, statt über einen globalen Atomkrieg zu erzählen.

Und nun zum globalen Atomkrieg. „Wir entwickeln unsere Nuklearstreitkräfte weiter. Wir haben strategische Raketentruppen. Fast 98 Prozent davon sind modern. Einen solchen Modernisierungsgrad gibt es bei keiner anderen Atommacht. Neue moderne Mittel, das sind völlig neue Systeme zur Überwindung von Luftverteidigungssystemen, hochmoderne Mittelstreckenwaffen, die modernsten überhaupt. Alle Atommächte sind Hochtechnologieländer. Irgendwann werden alle so etwas ebenfalls besitzen, aber bislang haben nur wir es.“ Das ist also, wenn Sie so wollen, bereits eine direkte Drohung auch an die Vereinigten Staaten von Amerika. Das ist der Anspruch darauf, dass Russland die wichtigste, die führende Atommacht der heutigen Welt sei, weil alle anderen Staaten in dieser Hinsicht anachronistisch seien. Da haben Sie Putins historische Antwort hinsichtlich seiner Möglichkeiten.

Und wenn wir natürlich wieder an die Liebe zu Trump denken, gibt es noch eine andere Liebe, die Trump ebenfalls bemerken müsste. „Die ganze Welt ist beeindruckt vom Mut und Heldentum des iranischen Volkes und von seiner Standhaftigkeit“, sagt Putin. Da haben Sie seine Haltung gegenüber einem Land, das Krieg gegen die Vereinigten Staaten führt und amerikanische Soldaten tötet. Ich denke, damit ist alles klar. Und natürlich betont Putin ausdrücklich, er hoffe, dass die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben würden und dann die Straße von Hormus geöffnet werde. Das ist alles.

Und noch einen Krieg bereitet Putin vor – auf dem Balkan. Auch das muss man klar verstehen. In dieser Rede gab es vieles, was uns bereits erlaubt zu sagen, dass Russland an vielen Fronten in die Offensive übergeht. „Die Serben“, sagt Putin, „sind eine geteilte Nation in Europa, mit Gewalt geteilt. Das ist ungerecht.“ Das heißt, Russland wird nun neue Anstrengungen zur territorialen Aufteilung Bosnien und Herzegowinas unternehmen. Und natürlich könnte das einen neuen Balkankrieg auslösen, den europäischen Perspektiven sowohl Serbiens als auch Bosnien und Herzegowinas ein Ende setzen und zum Hintergrund für den Beginn eines neuen Konflikts im Kosovo werden. Zu all dem könnte Putin nun den ehemaligen serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić anstacheln, der sich darauf vorbereitet, neuer Ministerpräsident dieses Landes zu werden.

Und wenn es den Serben natürlich nicht gelingt, proeuropäische, vernünftig denkende Politiker an die Macht zu bringen, die einen Schlusspunkt unter die Beziehungen ihres Landes zu dem widerwärtigen Putin-Staat setzen, werden sie erneut zu einem Instrument von Putins Krieg in Europa. Sie werden sehen, welche enormen Ausmaße dieser Krieg annehmen wird, wie der Balkan in den kommenden schweren Jahren brennen wird, wenn das nicht jetzt gestoppt wird. Denn, noch einmal, Putin sagt solche Dinge nicht einfach so. Das bedeutet, dass es bereits irgendwelche Dokumente gibt, die aus Sicht des Kremls vollkommen realistisch sind. Der Plan ist bereits von Putin gebilligt. Und genau das wird geschehen.

Und was wird nicht geschehen? Es wird kein trilaterales Treffen der Präsidenten Russlands, der Ukraine und der Vereinigten Staaten geben, ebenso wie es, denke ich, niemals zu einem Treffen zwischen Putin und Zelensky kommen wird. „Wir brauchen eine Tagesordnung für ein trilaterales Treffen“, sagt Putin auf die Frage nach einem solchen Treffen. „Wir müssen verstehen, wie diese aussehen könnte, worüber wir überhaupt sprechen werden.“ Das heißt, Putin hat nichts zu besprechen. Auch das muss man klar begreifen, wenn wir all diese Möglichkeiten irgendwelcher Verhandlungen, irgendwelcher Entscheidungen im Zusammenhang mit einem künftigen Verhandlungsprozess erörtern. In Putins Kopf gibt es keinen Verhandlungsprozess. In seinem Kopf gibt es nur die Ausweitung des Krieges. Wir glauben, er denke darüber nach, wie er den russisch-ukrainischen Krieg beenden kann. Er denkt nicht einmal 30 Sekunden darüber nach. Er denkt darüber nach, wie er diesen Krieg vergrößern, wie er ihn ausweiten und wo er Atomwaffen einsetzen kann. Darüber denkt er nach. Das sind die wirklichen Probleme.

Natürlich hat niemand vor, auf die besetzten Gebiete zu verzichten. „Russland“, sagt Putin, „wird bei der Wiederherstellung der historischen Regionen“ – Achtung, der historischen Regionen! – „davon ausgehen, dass dort russische Bürger leben und ihr Lebensstandard verbessert werden muss. Russland errichtet neue Betriebe des militärisch-industriellen Komplexes in möglichst sicheren Gebieten. Der Bau wird fortgesetzt.“ Das heißt, ja, inzwischen ist klar, dass ukrainische Shahed-Drohnen russische Rüstungsbetriebe erreichen können. Nun wird der militärisch-industrielle Komplex Russlands im Fernen Osten und in Sibirien jenseits des Urals im Eiltempo ausgebaut werden. Das ist ganz sicher kein Hinweis darauf, dass Putin den Krieg beenden will.

Übrigens noch ein Seitenhieb gegen Donald Trump, der ständig sagt, dass es weltweit an Dieselkraftstoff fehle, weil die Ukraine die Ölraffinerien der Russischen Föderation angreife und nicht etwa, weil die Straße von Hormus blockiert sei. „Nein“, sagt Putin zu Trump, „Russland hat genügend Dieselkraftstoff, aber aufgrund der Sanktionen gelangt er nicht auf die Weltmärkte.“ Das ist also ebenfalls ein sehr einfacher Appell sowohl an Trump als auch an die amerikanische Gesellschaft: „Wollt ihr die Preise an den Tankstellen senken?“ Sie werden nicht sinken – Spoiler –, weil das mit dem, was tatsächlich geschieht, überhaupt nichts zu tun hat. „Wollt ihr die Preise an den Tankstellen senken, dann hebt bitte die Sanktionen gegen Putins Regime auf und schafft ihm komfortable Bedingungen, damit es die Ukraine vernichten und ihre Bevölkerung auslöschen kann.“ Das ist der ganze Kern dieser Aussagen.

„Russland wird selbst entscheiden, welche Betriebe in den neuen Gebieten nach der militärischen Spezialoperation wiederaufgebaut und welche aus wirtschaftlicher Notwendigkeit verlagert werden.“ Was bedeutet das? Nun, erstens, dass Putin sich darüber im Klaren ist, dass er nicht das gesamte Territorium der Ukraine erobern kann, und deshalb hier so viel zerstören will. Er versteht, dass er früher oder später möglicherweise gezwungen sein wird, Halt zu machen. Aber das bedeutet hier etwas sehr Wichtiges. Er hat nicht vor, diesen Krieg zu beenden, selbst wenn irgendwann Bedingungen für seine Unterbrechung entstehen. Wenn er nicht vorhat, Betriebe in den besetzten Gebieten aufzubauen, die er als seine eigenen betrachtet und über die er die Kontrolle behalten will, bedeutet das, dass er diese besetzten Gebiete künftig als Brückenköpfe für einen neuen Angriff auf die Ukraine nutzen will. Genau deshalb braucht er sie. Warum sonst sollte er dieses Thema ansprechen?

Ein weiterer Mensch, dem er, sagen wir, nahestehen möchte, ist Narendra Modi, der indische Ministerpräsident, der zusammen mit Xi Jinping ein wichtiger energetischer Sponsor der Russischen Föderation bleibt. Es stellte sich heraus, dass Narendra Modi sehr gute Ideen für die Suche nach den notwendigen Lösungen für die Ukraine hat, aber absolut niemand weiß, was das für Ideen sein sollen und was Narendra Modi Putin vorgeschlagen haben könnte, das ihm so gut gefallen hat.

Und die wichtigste These dieser ganzen Geschichte, würde ich sagen, die zusätzlich verdeutlicht, was Putin will, lautet, dass die Welt nicht bipolar, sondern nur multipolar sein könne. Dieser Krieg um die Eroberung ukrainischer Gebiete, die Putin für historisch russisch hält, und die Einschüchterung Europas, das aus Putins Sicht jederzeit Angst vor einem russischen Angriff haben soll – all das ist Teil des Versuchs Russlands, ein Akteur der Weltpolitik zu bleiben. Und angesichts seines tatsächlichen wirtschaftlichen Potenzials kann Russland diese Rolle nur mithilfe von Gewalt bewahren. Andere Möglichkeiten, diese Stellung zu bewahren, hat die Russische Föderation, wie wir sehr gut verstehen, nicht.

Nun, das sind die ersten Randnotizen zu dieser historischen Rede des russischen Präsidenten, einer Rede, die das Gewehr der Atomwaffen und der Vernichtung der Menschheit von der Wand nimmt.

Ich werde einige Fragen beantworten, die bereits vorliegen.

Frage: Sie haben davon gesprochen, dass eine Normalisierung des Krieges nicht hingenommen werden darf. Russland erfindet inzwischen nicht einmal mehr Rechtfertigungen für seine Angriffe, und der Westen verurteilt sie nicht einmal mehr demonstrativ. Ist das nicht die Akzeptanz der Vorstellung einer Ukraine im ewigen Krieg durch den Westen?

Portnikov: Nun, mir scheint, dass der Westen sie durchaus verurteilt. Und als das Gebäude der Nationalen Akademie der Wissenschaften getroffen wurde, stand das auf den Titelseiten aller westlichen Medien. Westliche Politiker sprachen darüber. Ja, Präsident Trump hat sich nicht dazu geäußert. Aber wir verstehen doch sehr gut, welche Gefühle der Präsident der Vereinigten Staaten empfindet, wenn es um den Präsidenten der Russischen Föderation geht. Das verstehen wir sehr gut. Aber dass bis zu einem gewissen Grad eine Normalisierung des Krieges stattgefunden hat, ist ebenfalls eine Tatsache. Das ist nach vier Jahren Krieg ein völlig normaler Prozess. Und wir haben wiederholt gesagt: Ein Krieg, der nicht nach vier Monaten endet, kann dann auch acht oder zehn Jahre dauern.

Deshalb erkläre ich immer wieder, dass wir uns erst in der ersten Phase dieses grausamen und unerbittlichen Krieges befinden. Wir haben noch nicht einmal die Hälfte erreicht, von der aus wir sagen könnten, dass sich irgendwo ein Tunnel abzeichnet, an dessen Ende irgendwann – hoffentlich nicht erst in den 2030er-, sondern noch in den 2020er-Jahren des 21. Jahrhunderts – ein schwacher Lichtstrahl des Friedens erscheinen wird.

Ja, der Westen ist gezwungen, das hinzunehmen, aber stimmen Sie mir zu, dass er alles Mögliche tut, damit die Ukraine diesen langen Zermürbungskrieg gegen die Russische Föderation durchsteht und standhält. Ich möchte Sie daran erinnern, dass die Russische Föderation trotz dieser brutalen Angriffe auf Kyiv und andere ukrainische Städte diese Angriffe gerade deshalb durchführt, weil ihre militärischen Ziele nicht erreicht werden. Und solange die militärischen Ziele nicht erreicht sind, gibt es bislang keinen Grund anzunehmen, dass der Krieg endet oder dass Russland ihn gewinnen kann.

Frage: Gegen wen wäre es für Putin in seiner verdrehten Logik folgerichtig, Atomwaffen einzusetzen?

Portnikov: Nun, wissen Sie, ich weiß nicht gegen wen, aber wenn es um das Kaliningrader Gebiet geht, könnten natürlich Atomwaffen gegen Polen oder Litauen oder gegen irgendwelche militärischen Einrichtungen auf deren Territorium eingesetzt werden. Wir verstehen doch, dass, wenn man tatsächlich die Kaliningrad-Frage ins Zentrum stellt, man sich auf irgendetwas vorbereitet, sagen wir auf den Suwałki-Korridor, auf irgendeine provokative Entsendung von Truppen auf das Territorium Polens oder Litauens. Und als Antwort darauf, dass sie sich verteidigen, könnte man Atomwaffen einsetzen und schauen, wie die NATO darauf reagiert. Sollte sich herausstellen, dass die Amerikaner darauf überhaupt nicht reagieren, wird Russland zum König Mitteleuropas. Eine solche Idee könnte dahinterstehen: zu sehen, ob die NATO bereit ist zu reagieren, sie auf die Probe zu stellen.

Frage: Ich habe nur eine Frage: Was wäre gewesen, wenn Russland damals in die NATO aufgenommen worden wäre, als es darum gebeten hat?

Portnikov: Russland hat niemals darum gebeten, in die NATO aufgenommen zu werden. Das ist ein weiterer Unsinn, den Putin erzählt. Auch Stalin schlug vor, ihn in die NATO aufzunehmen, nachdem das Bündnis gegründet worden war. Es gab niemals einen ernsthaften Antrag Russlands auf eine NATO-Mitgliedschaft. Wiederholen Sie diese Propagandafloskeln nicht, denn wenn Russland der NATO hätte beitreten wollen, hätte es einen Antrag stellen müssen, wie alle Länder das getan haben, und mit Reformen beginnen müssen, damit seine Streitkräfte den NATO-Standards und der Staat selbst demokratischen Kriterien entsprechen. Was heißt „in die NATO aufgenommen“? In die NATO wird man nicht einfach aufgenommen. Der Staat muss demokratisch sein und die Kriterien erfüllen, und die Streitkräfte müssen die Kriterien erfüllen. Haben wir jemals etwas davon gehört? Gab es jemals auch nur einen einzigen offiziellen Antrag der Russischen Föderation auf NATO-Mitgliedschaft?

Frage: Wird der Westen die Ukraine nach dieser Erklärung Putins wirklich ihrem Schicksal überlassen, allein mit Russland?

Portnikov: Danke. Ich denke, diese Frage beschäftigt alle. Nein, der Westen wird die Ukraine nicht ihrem Schicksal überlassen und sie nicht allein mit Russland lassen, weil man im Westen sehr gut versteht, dass ein solches Vorgehen dazu führen würde, dass Russland den Westen anschließend von ukrainischem Territorium aus angreift. Deshalb teilen sich die westlichen Politiker in zwei Gruppen. Die eine Gruppe ist der Ansicht, dass die Ukraine ihre Souveränität verteidigen, das militärische Potenzial der Russischen Föderation verringern und für sich und ihre Nachbarn Sicherheit schaffen muss. Die andere Gruppe ist der Ansicht, dass die Ukraine ein Pufferstaat sein muss. Und darüber könne man sich dann ebenfalls mit dem Kreml verständigen. Aber Menschen, die sagen würden: „Lasst uns die Ukraine ihrem Schicksal überlassen, soll sie eben verschwinden, und die Russen sollen von Uschhorod aus mit Atomwaffen auf uns schießen“, solche Menschen gibt es nicht. Solche Idioten gibt es nicht, nicht einmal unter denen, die Geld vom Kreml bekommen. Das sind die beiden unterschiedlichen Positionen.

Frage: War die Welt während des Kalten Krieges an derselben Eskalationsgrenze wie heute? Wann war es Ihrer Meinung nach gefährlicher, heute oder damals?

Portnikov: Die Welt befand sich während des Kalten Krieges an derselben Eskalationsgrenze wie heute. Einen solchen Moment gab es beispielsweise während der Herrschaft Josef Stalins in der Sowjetunion. Einen solchen Moment gab es während der Kubakrise. Mit der Zeit, als das sowjetische Regime, würde ich sagen, zu degenerieren begann, verschwand diese unmittelbare Gefahr. Aber zweifeln Sie nicht daran, dass während des Kalten Krieges jederzeit die Möglichkeit bestand, dass ein Dritter Weltkrieg unter Einsatz von Atomwaffen beginnt.

Frage: Warum stimmen unsere Abgeordneten nicht für Gesetze, die es der Ukraine ermöglichen würden, europäische Unterstützung zu erhalten?

Portnikov: Ich selbst würde gern eine Antwort auf diese Frage bekommen. Aber ich denke, indirekt liegt die Antwort darin, dass ein großer Teil dieser Gesetze gerade deshalb verzögert wird, weil im Land eine Machtvertikale sowjetischen Typs aufgebaut wurde und der Mensch an der Spitze dieser Vertikale seine Befugnisse nicht verlieren will, wenn man es einfach ausdrückt. Und ich möchte Sie daran erinnern, dass die Ukrainer, die postsowjetisch geprägte Menschen sind, 2019 gerade für diese Machtvertikale gestimmt haben, weil der Glaube daran, dass wir einen guten Präsidenten haben werden, der alles für uns regelt, in den vernebelten Köpfen vieler unserer Landsleute erhalten geblieben war. Deshalb wollten sie nicht einmal besonders, dass die Macht geteilt wird, denn für uns ist es, wie Sie ebenfalls sehr gut wissen, immer ein negatives Element des politischen Lebens, wenn die Macht geteilt ist oder wenn es eine Position des Parlaments und eine Position der Regierung gibt, die sich von der Position des Präsidenten unterscheidet. In der ukrainischen politischen Sprache nennt man das Streit und Gezänk. Die Ukrainer verstehen nicht, was Kompromiss bedeutet, was Interessenausgleich bedeutet, was eine Koalition bedeutet, weil sie alle – nun, die meisten Menschen – aus dem Prokrustesbett der Sowjetunion hervorgegangen sind und ihre Kinder entsprechend erzogen haben. Und solange bei den Ukrainern kein europäisches politisches Denken entsteht, wird natürlich niemand solche europäischen Gesetze verabschieden wollen, die eine solche Gewaltenteilung garantieren.

Frage: Ich möchte Sie nach dem Zeitpunkt von Putins Erklärung fragen. Es ist doch kein Zufall, dass sie gerade jetzt, mitten in Trumps Präsidentschaft, erfolgt. Bedeutet das, dass es in den nächsten zwei Jahren Krieg geben wird?

Portnikov: Nun, ich glaube, ich habe auch in diesen Sendungen schon gesagt, dass Putin bis 2028 ein Zeitfenster zum Handeln hat. Denn wenn bis 2028 kein Krieg in Europa beginnt, könnte der neue Präsident der Vereinigten Staaten, der 2029 ins Amt kommt, ganz anders reagieren als Trump, selbst wenn es ein Republikaner sein sollte. Aber grundsätzlich steuern die Republikaner dank Donald Trumps Politik auf eine vernichtende, ich würde sagen endgültige Niederlage zu. Was ihnen eigentlich bereits zuvor, noch vor dem Auftauchen Trumps, hätte widerfahren sollen, nämlich der Zusammenbruch als politische Kraft infolge der demografischen Gesetzmäßigkeiten in den Vereinigten Staaten, könnte 2028 unausweichlich eintreten.

Vielleicht hat ihnen also die Umgestaltung von einer konservativen zu einer ultrarechten Partei nicht geholfen. Vielleicht hat das Entstehen der MAGA-Bewegung nicht geholfen. Vielleicht hat gerade das den Niedergang beschleunigt. Und deshalb könnte ein neuer Präsident der Vereinigten Staaten Putin große Angst machen. Andererseits müssen Sie verstehen, dass Putin erkennt, dass er den Krieg gegen die Ukraine nicht gewinnt, wirtschaftliches Potenzial verliert und darüber wütend ist. Und in seiner Wut versucht er, die Europäer einzuschüchtern, in denen er derzeit die wichtigsten Förderer seiner in einer solchen Situation unvermeidlichen Niederlage sieht. Insofern kann darin grundsätzlich eine gewisse Logik liegen. Und deshalb bereitet er, wie Sie verstehen, in dieser Lage, die sich in der Welt entwickelt hat, neue Kriege vor.

Und da haben Sie noch eine wunderbare Antwort auf eine Frage. Putin wurde in Waldai vorgeschlagen, die Europäische Union auseinanderbrechen zu lassen. Und er sagte: „Das ist gar nicht nötig, sie wird von selbst auseinanderbrechen.“ Da haben Sie einen weiteren Teil der russischen Politik gegenüber den Europäern. Russland stellt keinerlei Bedingungen für eine Wiederherstellung der Beziehungen zu Europa insgesamt oder zu irgendwelchen konkreten Ländern. Aber Russland hofft darauf, dass die Europäische Union von selbst auseinanderfällt.

Nun, während dieser Diskussion wird noch vieles gesagt werden. Wir sprechen ja miteinander, während Putin diese Diskussion in Waldai fortsetzt, deshalb wird er noch vieles sagen, was außerhalb unserer heutigen Sendung liegt. Mir scheint, auch das ist eine völlig offensichtliche Tatsache. Aber grundsätzlich verstehen wir sehr gut, wie gefährlich ein Mensch ist, der seine Ziele nicht erreicht, darüber wütend wird, alle einschüchtert und tobt. Und in den Händen dieses schrecklichen Menschen befinden sich Atomwaffen.

Da haben Sie die ganze Antwort auf die Frage, wozu diese Rede diente. Und hier stellt sich immer die Frage, ob Putin tatsächlich endgültig den Verstand verloren hat, was unter den Bedingungen, dass er sich bereits seit viereinhalb Jahren in einem großen Krieg befindet und nichts von dem eingetreten ist, worauf er gehofft hatte, ebenfalls durchaus möglich ist. Oder ob dieser Widerling nur den Wahnsinnigen spielt, um daraus Vorteile zu ziehen, damit alle glauben, er sei verrückt. Er folgt damit einem Rezept Trumps: „Sollen sie glauben, dass ich verrückt bin, dann werden sie mir zustimmen.“ Die Menschen sollen glauben, dass er verrückt ist, und ihm dann Zugeständnisse machen, insbesondere aufhören, uns zu unterstützen.

So sieht also dieser Auftritt des Präsidenten der Russischen Föderation in Waldai aus. Ich sage noch einmal, dass dies eine wichtige Rede ist, keine nebensächliche Rede, die von einer zunehmenden Aggressivität in Putins Handeln zeugt, von seinem Versuch, nicht nur die NATO, sondern inzwischen auch den Westen einzuschüchtern. Auch das ist meines Erachtens völlig offensichtlich.

Zum Abschluss unseres Gesprächs möchte ich Sie dazu aufrufen, die Streitkräfte der Ukraine zu unterstützen. Ich möchte daran erinnern, dass in den kommenden schwierigen Jahren der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation und auch dann, wenn die heiße Phase des Krieges in eine Phase ausgesetzter Kampfhandlungen übergeht, und in den kommenden schwierigen Jahrzehnten lediglich der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine fortbesteht, die Streitkräfte der Ukraine die wichtigste Garantie für den Erhalt der ukrainischen Staatlichkeit und dafür bleiben werden, dass das ukrainische Volk auf dem Land leben kann, das der Feind für historisches Territorium Russlands hält. Vergessen Sie das niemals.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Виступ Путіна на Валдаї: головне | Віталій Портников. 01.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 01.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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