Kaczyński opfert seinen Orden – und setzt Polens Zukunft aufs Spiel. Vitaly Portnikov. 25.06.2026.

https://www.facebook.com/share/p/18mkMhNkst/?mibextid=wwXIfr

Jarosław Kaczyński hat seine Bereitschaft erklärt, den Orden Jaroslaws des Weisen II. Klasse an den ukrainischen Staat zurückzugeben – als Zeichen der Solidarität mit dem polnischen Präsidenten Karol Nawrocki, der von Kaczyńskis Partei Recht und Gerechtigkeit für dieses Amt nominiert wurde.

Es bleibt nur, Bedauern über diese Entscheidung zum Ausdruck zu bringen. Jarosław Kaczyński hat – ungeachtet seiner anachronistischen Haltung zu Fragen der historischen Erinnerung und ihrer Rolle für die künftigen Beziehungen zwischen dem ukrainischen und dem polnischen Volk – unbestreitbare Verdienste um die Ukraine.

Er war einer der ersten ausländischen Politiker, die 2013 auf dem winterlichen Maidan in Kyiv erschienen – und kein einziges Bandera-Porträt hielt ihn davon ab. Er war derjenige, der über Jahre hinweg praktisch im Alleingang jene Führungspersönlichkeiten Polens auswählte, die die Ukraine im Jahr 2022 unterstützten: Ohne seine Entscheidung wäre Andrzej Duda niemals Präsident Polens geworden, und Mateusz Morawiecki hätte niemals die polnische Regierung geführt.

Schon die Wahl Nawrockis als Kandidat für das Amt des polnischen Präsidenten zeigte, dass der langjährige Vorsitzende von Recht und Gerechtigkeit erkannt hat, dass sich seine Wählerschaft zunehmend in Richtung radikal rechter Positionen bewegt – und dass er möchte, dass seine Partei diesem Trend entspricht. Doch der Versuch, sich den Erwartungen der Wählerschaft anzupassen, anstatt ihre Stimmung zu verändern, hat seinen Preis. Was wir heute beobachten, ist genau dieser Preis.

Deshalb ist der Dialog zwischen ukrainischen oPolitikern und Vertretern der Zivilgesellschaft einerseits und den Vertretern des rechten Lagers in Polen andererseits so wichtig. Diese Menschen müssen begreifen, dass es hier nicht um die ukrainisch-polnischen Beziehungen geht, nicht um die politischen Perspektiven der polnischen Rechten und nicht einmal um die Zustimmungswerte des Präsidenten.

Es geht um das Vermächtnis Jarosław Kaczyńskis – sofern er das weitere Bestehen Polens auf der politischen Landkarte der Welt als sein Vermächtnis betrachtet. Denn das gesamte Bündnissystem, das Warschau nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion aufgebaut hat, ist zerstört und existiert nur noch in den Fantasien westlicher Politiker.

Amerika zieht sich aus Europa zurück – selbst wenn es heute Truppen, die zuvor in Deutschland stationiert waren, nach Polen verlegt. In den größten europäischen Ländern gewinnen ultrarechte Tendenzen an Stärke, und mit ihnen verbreitet sich auch die Vorstellung von Staaten wie Polen als einer bloßen geografischen Erfindung.

Sollte Russland im russisch-ukrainischen Krieg Erfolg haben, wird die Ostgrenze Polens zu einer Grenze des Drucks werden. Sollte in Deutschland irgendeine Alternative an die Macht kommen, wird auch die Westgrenze ähnlich aussehen. Und was dann folgt, wissen Sie selbst.

Deshalb geht es überhaupt nicht darum, ob Jarosław Kaczyński den Orden Jaroslaws des Weisen besitzen wird. Die eigentliche Frage lautet, wie die Zukunft seiner polnischen Auszeichnungen aussehen wird.

Und die Antwort auf diese Frage liegt nicht in den Bündnissen, die polnische Politiker in der jüngeren Vergangenheit geschaffen haben, sondern im Ausgang des russisch-ukrainischen Krieges.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Social Media

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 25.06.2026
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.