Trump verlangt Grönland | Vitaly Portnikov. 23.12.2025.

Donald Trump hat Grönland wieder ins Spiel gebracht – dessen Anschluss er, wie bekannt, schon in den ersten Wochen seiner Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten thematisiert hatte. Danach schien er das Thema Grönland vergessen zu haben. Wie wir uns jedoch gut erinnern, besuchten damals sowohl der Sohn des amerikanischen Präsidenten, Donald Trump Jr., als auch Vizepräsident J. D. Vance die Insel.

Nun spricht Trump erneut von der Notwendigkeit, Grönland den Vereinigten Staaten anzugliedern, und ernennt den Gouverneur von Louisiana, Jeff Landry, zu seinem ständigen Vertreter in dieser Frage. Landry erklärt, es sei ihm eine Ehre, Grönland den Vereinigten Staaten von Amerika anzuschließen.

Dabei gibt es in Trumps Aussagen und Handlungen in Wirklichkeit keinerlei logische Grundlage. Er begründet die Notwendigkeit der Angliederung Grönlands mit Fragen der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten. Doch Amerika unterhält Militärbasen auf dem Territorium zahlreicher Länder, von deren Angliederung keine Rede ist.

Grönland ist eine autonome Einheit des dänischen Königreichs, das ein NATO-Verbündeter der USA ist. Und eigentlich wäre der logischste Schritt Verhandlungen über eine Ausweitung der amerikanischen Militärpräsenz in der Region. Das würde tatsächlich sowohl den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten als auch den nationalen Interessen der europäischen Länder, Dänemarks und der Grönländer selbst entsprechen, da es sie zuverlässig vor möglichen Ansprüchen der Volksrepublik China oder der Russischen Föderation schützen würde.

Deshalb liegt der Verdacht nahe, dass es hier weniger um die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten geht als vielmehr um die Ausnutzung dieser Interessen durch Trumps engstes Umfeld und den amerikanischen Präsidenten selbst, um Zugang zu den natürlichen Reichtümern Grönlands zu erhalten.

Bemerkenswert ist, dass Trump in diesem Zusammenhang nicht einmal versucht, sich auf das Völkerrecht zu berufen. Die Vereinigten Staaten haben keinerlei rechtliche Möglichkeiten, Grönland zu annektieren. Grönland ist ein integraler und autonomer Teil Dänemarks. Sein Volk hat das Recht auf Unabhängigkeit. Und erst wenn die Mehrheit der Einwohner Grönlands sich tatsächlich für diese Unabhängigkeit ausspricht, könnten die Vereinigten Staaten Verhandlungen mit dem Volk und der Regierung Grönlands über einen Anschluss dieses Landes an die Vereinigten Staaten führen.

Derzeit sehen wir jedoch eine Politik nach putinschem Muster. Zudem wird diese Politik von Donald Trump ungefähr so begründet, wie Putin die Besetzung und Annexion der Krim mit historischen Ansprüchen rechtfertigte – mit Verweisen auf eine ferne Vergangenheit und mit der Behauptung, dass, wenn vor 300 Jahren dänische Schiffe in Grönland gewesen seien, dort auch amerikanische hätten sein können.

Dabei werden die Rechte der indigenen Bevölkerung Grönlands, also der Mehrheit der Inselbewohner, mit derselben demonstrativen Gleichgültigkeit ignoriert, mit der Wladimir Putin die Rechte der indigenen Völker der Krim oder der Bewohner jener ukrainischen Regionen missachtet, die heute von der Russischen Föderation besetzt und annektiert sind.

Gerade deshalb ist Trumps Position aus mehreren Gründen gefährlich. Der erste Grund besteht darin, dass die Handlungen des amerikanischen Präsidenten die Politik des russischen Präsidenten legitimieren. Wenn Donald Trump Anspruch auf Territorien anderer Staaten erheben kann, die keinerlei Bezug zu den Vereinigten Staaten haben, und dies mit Fragen der nationalen Sicherheit Amerikas begründet, warum sollten dann die Russische Föderation oder die Volksrepublik China nicht mit ähnlichen politischen Programmen auftreten? Und warum sollte man Russland dann noch für die Besetzung und Annexion der Krim oder anderer ukrainischer Regionen verurteilen?

Erinnern wir uns zudem daran, dass Donald Trump Russland ohnehin kaum verurteilt und sogar von der Möglichkeit gesprochen hat, den russischen Status der Krim durch die Vereinigten Staaten anzuerkennen – was natürlich ein weiterer Schlag des amerikanischen Präsidenten gegen das Völkerrecht wäre. Möglicherweise will Donald Trump diesen Schlag bewusst führen, um den Weg für seine eigenen imperialistischen Ambitionen freizumachen und die Vereinigten Staaten in ein schlechtes Remake der Russischen Föderation zu verwandeln.

Eine weitere, nicht minder ernste Gefahr ist die Zerstörung der Bündnisbeziehungen mit Europa. Als Putin die Krim besetzte und annektierte, handelte er zumindest nicht gegen einen formellen Verbündeten Russlands. Die Ukraine war ein blockfreier Staat. Sie gehörte weder zur Eurasischen Wirtschaftsunion noch zur OVKS. Und wenn Russland ihr gegenüber irgendwelche Verpflichtungen hatte, dann etwa in dem Maße wie die Vereinigten Staaten gegenüber der Ukraine im Budapester Memorandum.

Dänemark hingegen ist ein realer Verbündeter der Vereinigten Staaten in der NATO, und sein Schutz ist Teil des Konzepts der euro-atlantischen Sicherheit. Nach gesundem Menschenverstand – der offenbar die Flure des Weißen Hauses verlassen hat – müssten die Vereinigten Staaten Dänemark vor Versuchen schützen, Teile seines Territoriums zu besetzen oder Ansprüche darauf zu erheben, egal durch welchen durchgeknallten imperialistischen Wahnsinnigen.

Doch wir erleben das genaue Gegenteil. Donald Trump selbst erhebt weiterhin Anspruch auf das Territorium eines anderen Staates und wirft Dänemark vor, nicht ausreichend für die Sicherheit Grönlands zu sorgen.

Ich wiederhole: Nach meiner Ansicht ist Sicherheit hier nur ein Vorwand zur Befriedigung neuer wirtschaftlicher Bedürfnisse der Menschen in Trumps Umfeld und möglicherweise auch des amerikanischen Präsidenten selbst.

Das ist derselbe politische Vektor, den wir auch bei den Bemühungen um eine Regelung des Krieges zwischen Russland und der Ukraine beobachten. Auch dort scheint Trumps engstes Umfeld nicht darüber nachzudenken, wie der Krieg wirklich beendet und der Aggressor gezwungen werden kann, von Versuchen abzusehen, einen Nachbarstaat zu erdrosseln, sondern darüber, welche beeindruckenden wirtschaftlichen Perspektiven sich für einzelne Vertreter der US-Regierung und für Mitglieder der Präsidentenfamilie eröffnen könnten, wenn es gelingt, sich mit Russland zu einigen – und wenn Putin all jene großzügigen Versprechen erfüllt, die er ohne Zweifel selbst oder über seinen Sondergesandten Kirill Dmitrijew als verlässliche Köder anbietet.

Es ist offensichtlich: Wenn die Vereinigten Staaten und die Russische Föderation gemeinsam das Völkerrecht zerstören, wird es keinen Ort geben, an dem man sich vor der heraufziehenden globalen Krise verstecken kann.

Man sollte nicht glauben, dass Amerikaner, Russen und Chinesen bei ihren Versuchen, das Völkerrecht zu zerstören, gemeinsam handeln werden. Wenn es keine Regeln mehr gibt, werden die Imperialisten unweigerlich aneinandergeraten. Und da diese Imperialisten über riesige Bestände an Atomwaffen verfügen, kann man sich vorstellen, wie viele Dutzende Millionen Menschen wegen des Unverständnisses – vor allem der Führer der demokratischen Welt – für die Bedeutung des Lebens nach Regeln sterben werden. Und dabei geht es scheinbar nur um eine eisige Insel im Atlantik.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп требует Гренландию | Виталий Портников. 23.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 23.12.2025.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Die Verhandlungen zwischen den USA und Russland sind in eine Sackgasse geraten | Vitaly Portnikov. 22.12.2025.

Nach mehreren Verhandlungsrunden beginnen Beobachter im Westen festzustellen, dass die Suche nach Wegen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges in einer Sackgasse steckt.

Die Teilnehmer der Gespräche zeigen sich durchaus optimistisch und sprechen davon, dass die Verhandlungen konstruktiv verlaufen und Fortschritte bringen. Gleichzeitig gibt es jedoch in den grundsätzlichen Fragen dieser Gespräche – jenen, die etwa der finnische Präsident Alexander Stubb als die „fünf Prozent der Vereinbarungen“ bezeichnet – bislang keinerlei Kompromiss. Und ohne einen solchen Kompromiss lohnt es sich überhaupt nicht, von einem realen Friedensprozess zu sprechen.

Die erste Frage, in der kein Kompromiss gefunden werden kann, ist die territoriale Frage. Die Russische Föderation besteht weiterhin darauf, dass ihre territorialen Erwerbungen in der Ukraine seit 2014 rechtlich anerkannt werden müssen. Zudem fordert sie selbstverständlich den Abzug der ukrainischen Truppen aus dem Gebiet der Region Donezk. Und, wie man aus Äußerungen des russischen Präsidenten Putin schließen kann, nicht nur aus der Region Donezk, sondern auch aus den Regionen Cherson und Saporischschja. Die Ukraine lehnt es hingegen entschieden ab, die Tatsache der Annexion ihres Territoriums durch einen aggressiven Nachbarstaat anzuerkennen.

Sogar der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat wiederholt gesagt, dass Putin die gesamte Ukraine haben wolle. Es ist daher völlig unverständlich, woher die Vorstellung stammt, der russische Präsident sei bereit, sich mit nur einigen ukrainischen Regionen zufriedenzugeben.

Wenn es jedoch um den Donbas geht, stellt sich die Frage, aus welchem Grund die Ukraine auf ein Territorium verzichten sollte, das sie effektiv verteidigt. Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, J. D. Vance, räumt ein, dass die Ukraine den Donbas noch ein Jahr lang verteidigen könne, betont jedoch zugleich, dass ukrainische Verhandlungsteilnehmer ihm in vertraulichen Gesprächen zu verstehen gegeben hätten, dass sie tatsächlich die Kontrolle über dieses Gebiet der Region Donezk verlieren könnten.

Derzeit geht es jedoch weniger um den bloßen Verlust der Kontrolle als vielmehr um das Tempo dieses Kontrollverlustes. Wenn die Ukraine die russische Armee noch ein Jahr oder sogar länger im Gebiet der Region Donezk aufhalten kann, bedeutet dies, dass sämtliche Ressourcen Russlands ausschließlich darauf verwendet werden müssen, einen Teil des Territoriums nur einer ukrainischen Region zu erobern. Damit würden Russlands Ambitionen auf weitere territoriale Eroberungen zumindest deutlich eingeschränkt.

Sollte die Russische Föderation jedoch ohne größere Schwierigkeiten Teile der Region Donezk mit ihren Festungsstädten erobern, würde sich für Russland ein operativer Raum zur Eroberung weiterer ukrainischer Regionen öffnen – mindestens zur Herstellung der Kontrolle über das linksufrige Gebiet der Ukraine.

Natürlich könnte man entgegnen, dass Sicherheitsfragen, die ebenfalls Gegenstand der Verhandlungen sind, garantieren würden, dass es dazu nicht kommt. Doch auch in dieser Hinsicht gibt es keinerlei Konkretheit. Und das ist bereits keine Frage mehr des russisch-ukrainischen Dialogs, obwohl offensichtlich ist, dass Russland gegen jede Sicherheitsgarantie auftreten wird, die eine weitere russische Aggression gegen unseren Staat unmöglich machen könnte.

Damit Russland jedoch überhaupt die Möglichkeit hat, Nein zu sagen, müssen die Vereinigten Staaten und andere westliche Länder zunächst der Ukraine Ja sagen. Und das betrifft die Frage, wie realistische Sicherheitsgarantien für die Ukraine aussehen sollen, wenn die Vereinigten Staaten weiterhin die Möglichkeit eines NATO-Beitritts der Ukraine blockieren und damit auch die Anwendung von Artikel 5 verhindern – jenes Artikels, der zumindest die Chance auf eine unmittelbare Beteiligung der Vereinigten Staaten und anderer westlicher Länder an einem Krieg mit Russland im Falle eines erneuten Angriffs Russlands auf die Ukraine eröffnen würde. Damit hätte man die Russische Föderation faktisch vor die Gefahr eines großen nuklearen Krieges gestellt, möglicherweise sogar unter Einsatz strategischer Atomwaffen – was das Ende der Geschichte Russlands, vielleicht aber auch der Geschichte der Vereinigten Staaten hätte bedeuten können.

Gerade die Tatsache, dass zwei nukleare Supermächte aufgrund rechtlicher Verpflichtungen der Vereinigten Staaten vor der Möglichkeit ihres eigenen Verschwindens stünden, wäre eine verlässliche Garantie dafür gewesen, dass kein neuer Krieg beginnt. Doch die Vereinigten Staaten unter Trump – und nicht nur unter Trump, auch seine Vorgänger waren von dieser Idee nicht begeistert – sprechen sich entschieden dagegen aus, die Ukraine in die NATO aufzunehmen.

Welche Garantien mit kompensatorischem Charakter gibt es also? Auch auf diese Frage existiert keinerlei konkrete Antwort. Vielleicht deshalb, weil solche Garantien in der Realität gar nicht existieren und man sie erst erfinden muss, in der Hoffnung, dass sie die Russische Föderation abschrecken.

Da es den amerikanischen Verhandlungsteilnehmern nicht gelingt, sich etwas wirklich Ernsthaftes auszudenken, rückt erneut eine sehr konkrete Frage in den Vordergrund. Wenn es keine realen Sicherheitsgarantien gibt, sollte man Russland dann nicht im Donbas aufhalten, um seine Armee sowie sein militärisches und demografisches Potenzial zu zerschlagen und damit eine weitere Besetzung ukrainischen Territoriums durch den russischen Aggressor unmöglich zu machen? Warum sollte man Russland zusätzliche Möglichkeiten für eine solche Besetzung einräumen, wenn westliche Länder – vor allem die Vereinigten Staaten – nicht bereit sind, Sicherheitsgarantien zu entwickeln, die auch nur annähernd den Garantien von Artikel 5 der NATO ähneln?

Dies gilt umso mehr, als wir nicht wissen, ob dieser Artikel 5 im Zeitalter Trumps überhaupt funktionieren wird und ob wir im kommenden Jahr nicht feststellen werden, dass auch diese Sicherheitsgarantien wertlos sind. Etwa wenn Putin beschließt, eines der europäischen NATO-Länder anzugreifen, und die Vereinigten Staaten statt eines entschlossenen Schlages gegen russische Militärziele Steve Witkoff nach Moskau schicken, um über gemeinsame Wirtschaftsprojekte in der Arktis zu verhandeln. Es würde mich nicht überraschen, wenn genau dies die Reaktion dieser Administration auf eine Bedrohung der Verbündeten wäre.

In dieser Situation kann man natürlich hoffen, dass die Vereinigten Staaten Druck auf Russland ausüben könnten, um es zu einem Waffenstillstand zu zwingen, und erst danach – wie es der Logik entsprechen würde und nicht jener Abrakadabra, die wir derzeit von Witkoff und Kushner beobachten – über einen realen Frieden zu verhandeln.

Dafür ist jedoch Druck notwendig, von dem bereits Senator Lindsey Graham spricht. Wenn Putin eine realistische Friedensvereinbarung ablehnt, sollte man der Ukraine ausreichend Waffen zur Verfügung stellen, einschließlich Tomahawks zur Zerstörung des militärischen und ölverarbeitenden Potenzials der Russischen Föderation und zur Verwandlung der russischen Wirtschaft in echte Trümmer.

Bislang jedoch haben wir weder beim Präsidenten Donald Trump noch bei seinen Vertrauten den wirklichen Wunsch gesehen, aus der Welt der Illusionen – in der sich der amerikanische Präsident seit seinem Einzug ins Oval Office befindet – in die reale Welt überzuwechseln, in der es tatsächlich um Krieg, Frieden und Überleben geht und nicht um die Garderobe von Melania Trump, über die der amtierende amerikanische Präsident seinen erstaunlichen Anhängern mit so sichtlichem Vergnügen erzählt.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Перемовини США і Росії зайшли у глухий кут| Віталій Портников. 22.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Poro­shenko darüber, was 2026 sein wird, wann es Frieden geben wird, was die Streitkräfte der Ukraine brauchen, die Korruptionsskandale der Regierung, die Wahlen. 21.12.2025.

Portnikov. Fangen wir mit der Frage an, die sich im Moment eine enorme Zahl von Menschen in jeder möglichen Situation stellt – ich würde sagen in politischen wie unpolitischen. Was ist mit dem Friedensprozess? Gibt es überhaupt tatsächlich Friedensverhandlungen? Kann man von der Möglichkeit einer Unterbrechung des Krieges oder sogar seiner Beendigung in naher Zukunft sprechen?

Poroshenko. Erstens: Man kann und man muss darüber sprechen. Zweitens: Der Friedensprozess ist alternativlos. Drittens: Man sollte darüber reden, dass der Friedensprozess realistisch ist. Und wenn der Friedensprozess von professionellen Diplomaten geführt wird, von bevollmächtigten und hoch angesehenen Persönlichkeiten, und wenn es letztlich eine klare Festlegung seitens des Präsidenten, des Oberbefehlshabers, gibt, dann wird der Friedensprozess auf jeden Fall ein Ergebnis bringen, trotz des gewissen Skeptizismus, der sowohl in Ihren Einschätzungen, Vitaly, als auch in meinen Einschätzungen vorhanden ist. Denn wenn man Sie außerhalb des Interviews fragen würde, ob Sie glauben, dass Putin auf Frieden eingehen wird, kann ich Ihre Antwort vorhersagen.

Portnikov. Ich kann sie auch während des Interviews sagen. Das ist übrigens ebenfalls eine Frage. Wird Putin auf Frieden eingehen? Das ist doch eine gute Frage. Warum sie außerhalb des Interviews stellen?

Poroshenko. Ich möchte Ihnen betonen, dass man im Jahr 2014, als vor Beginn der Minsker Verhandlungen alle fragten, ob Putin zur Unterzeichnung bereit sei – fragen Sie Arsenij Jazenjuk, fragen Sie die amerikanischen Diplomaten, fragen Sie alle, alle, mit denen ich mich traf, Turtschinow, Hrojsman, alle –, „also das ist unmöglich, er hat keinen einzigen Anreiz. Wir sind ein Land ohne Armee. Wir sind ein Land ohne Geld. Wir sind ein Land, das heute eine leichte Beute in Putins Händen ist“. Vergleicht man das, ist unsere Lage jetzt viel besser als 2014. Ich werde das nicht im Detail beschreiben, falls nötig, werde ich mich dazu noch äußern.

Aber wenn sich das Land freut, dass wir Trump „zeigen, wo der Hammer hängt“, und das war sowohl im Februar im Oval Office so als auch jetzt, dann motiviert das eine Regierung, die sich nicht von den Interessen des Landes, sondern von Umfragewerten leiten lässt, dazu, einmal mehr alle zum Teufel zu schicken. Wir brauchen einen anderen Plan. Es gibt einen Präsidialerlass – das ist seine Zuständigkeit, ich kritisiere das nicht. Mehr noch: Wenn jede Hilfe gebraucht wird, bin ich bereit, ihm den Rücken zu stärken. 

Aber in diesem Erlass des Präsidenten stand: „Eine Verhandlungsgruppe unter Leitung von Jermak bilden.“ So stand es. Punkt. Mit Jermak wollte sich niemand an einen Tisch setzen – weder in Genf noch in den Vereinigten Staaten. Und warum? Weil er toxisch ist. Weil alle die Geschichte Jermaks sehr gut kannten. Danach wurden Änderungen vorgenommen, und nun steht da: „Eine Gruppe unter Leitung von Umerow bilden.“ Umerow ist schon deutlich weniger toxisch, aber er ist toxisch. Doch der zweite Punkt fehlt dort. Welcher Punkt? Die Verhandlungsdirektiven zu beschließen (in Klammern – streng geheim). Ich habe das geschrieben, alle haben es geschrieben. Womit fahren die Leute los, wo ist die Position des Präsidenten, zu welchen Ergebnissen sollen sie kommen?

Portnikov. Vielleicht wird das sozusagen unterwegs entschieden…

Poroshenko. So macht man das nicht, denn das sind Dokumente – und sie stehen nicht im Erlass. Wissen Sie, was das bedeutet? Dass es keine Direktiven gibt. Wie soll die Position der diplomatischen Delegation der Ukraine während des Friedensprozesses aussehen? Es gibt eine Aufgabe Nummer eins, jenseits jeden Zweifels, genauso wie wir das in Minsk gemacht haben: eine bedingungslose, umfassende, sofortige Feuerpause. Dieses Thema steht über allen anderen. Und wir kämpfen um die Positionen der Ukraine in der Welt. Denn wenn Putin auftritt und sagt: „Die Ukraine will keinen Frieden“, dann ist unsere Position eine andere, Freunde. Die ganze Welt hat Putin einen Waffenstillstand angeboten. Putin hat abgelehnt. Das ist Putins Verantwortung. Lehnt Putin ab, was passiert dann weiter? 

Und dann gibt es den sogenannten Plan B. Wenn Putin ablehnt, wird eine Arbeitsgruppe gebildet, wir führen Verhandlungen über alle Fragen, mir ist völlig egal, ob es 28 oder 19 Punkte sind. Das spielt im Moment gar keine Rolle. In der Diplomatie und im Militärwesen nennt man das eine Nebelwand. Das hat nichts mit dem eigentlichen Inhalt der Verhandlungen zu tun.

Unsere Position aber wäre Plan B. Was ist Plan B? Erstens: Wenn Putin nicht bereit ist, das Feuer einzustellen, werden uns weitreichende Waffen übergeben, werden uns Raketen für unsere Luftstreitkräfte übergeben, werden uns Systeme für die elektronische Kriegsführung übergeben. Und ich bin bereit, das alles auszubuchstabieren, denn die Lage bei den Drohnen und bei der Munition ist inzwischen etwas besser.

Portnikov. Aber sind die Amerikaner bereit, uns – sagen Sie…

Poroshenko. Das muss Gegenstand der Verhandlungen mit den Amerikanern sein, und nicht, dass wir mit ihnen über Bedingungen feilschen, die sie, die Amerikaner, von Putin erhalten haben. Das ist einfach Zeitverschwendung. Wir sprechen mit den Amerikanern über das Falsche. Und warum sprechen wir mit den Amerikanern, Vitaly, über das Falsche? Weil unsere Kommunikation mit unserem wichtigsten strategischen Partner zerstört wurde.

Die Amerikaner wollten nicht mit Markarowa sprechen – einer großartigen Frau, Ministerin in meiner Regierung. Sie werden von mir kein schlechtes Wort über sie hören. Nur müssen wir nicht diejenigen ernennen, die uns gefallen, sondern diejenigen, die mit ihnen reden können. Es gibt Kommunikationsprobleme, trotz ihres glänzenden Englisch, obwohl ich aufgehört habe, sie zu kritisieren, sobald sie, obwohl sie an der Unterzeichnung von Sanktionen gegen mich beteiligt war, den Staat in Washington vertritt – kommentiere ich sie nicht. Für sie sind trotzdem alle Türen verschlossen. Ihr wurden bis heute, und das ist sehr schlecht, was ich bedaure, die Beglaubigungsschreiben nicht überreicht. Das ist auch ein Faktor. Und ohne Beglaubigungsschreiben sind viele Amtsträger der Vereinigten Staaten rechtlich gar nicht befugt, sich mit ihr zu treffen. Wovon reden wir hier?

Unter diesen Umständen ist unsere Position: Wir müssen die beste Delegation aufstellen, die es versteht, mit dem Kongress, mit dem Repräsentantenhaus, mit dem Senat zu sprechen, die es versteht, mit der Administration, mit dem State Department, mit dem Verteidigungsministerium, mit dem Finanzministerium zu sprechen – denn dort werden die Sanktionen beschlossen. Und keine einzige dieser Personen sitzt in dieser Delegation, vielleicht mit Ausnahme von Kyrylo Budanow. Vielleicht Kyslyzja, aber der ist gerade in China. 

Und welche Forderung müsste diese Delegation stellen? Die erste: Waffen. Sobald wir „Tomahawks“ und „Taurus“-Raketen haben – ich habe vorgestern im Parlament ein sehr langes Gespräch mit Syrskyj geführt, er hat das voll unterstützt. Übrigens gab es ein offenes Gespräch mit dem gesamten Ältestenrat, und es wurde viel mehr über das Verständnis der Lage gesprochen. Einen Teil davon kann ich nicht wiedergeben, aber das hat mich etwas ermutigt. 

Also: Wenn wir „Tomahawks“, „Taurus“, Luft-Boden-Raketen, verstärkte Drohnenkapazitäten und Komponenten hätten, würde Putin dreimal überlegen: „Vielleicht lohnt es sich doch, das Feuer einzustellen.“ Und damit meine ich nicht nur das Feuer auf Raffinerien und Energieanlagen. Wir haben damit begonnen, das effektiv zu nutzen. Zweiter Punkt – die Sanktionen. Wissen Sie, wie hoch der Preis für Urals-Öl im Moment ist?

Portnikov. Nicht besonders hoch, um es milde zu sagen…

Poroshenko. Unter, deutlich unter den Produktionskosten. Er liegt bei bis zu 40 Dollar pro Barrel. Das bedeutet, dass es für die Russen wirtschaftlich keinen Sinn hat, Öl zu verkaufen. Nun, 80 Prozent des russischen Öls… Bravo. Und China kauft noch billiger, und Indien lehnt ab. Und die Reedereien haben nach unseren erfolgreichen Angriffen auf Tanker der Schattenflotte sowohl im Schwarzen Meer als auch im Mittelmeer ihre Versicherungsprämien um das Siebenfache erhöht. Was heißt das? Dass das zweite Ziel der Sanktionen darin besteht, den russischen Export auf unter 200 Milliarden Dollar zu drücken, also unter das Niveau, ab dem Putin den Krieg finanzieren kann. Das ist das zweite Motiv dafür, dass Putin dreimal nachdenken muss.

Der dritte Punkt, den man umsetzen muss, ist die Hilfe für die Ukraine. Zunächst einmal, wenn von „Hilfe“ die Rede ist. Was die Finanzen betrifft: Die Amerikaner geben uns kein Geld, damit das Land seine Budgetausgaben finanziert. Und sie werden es nicht tun, weil die Ausgaben der Ukraine – dank der Verbrecher aus dem „Mindychgate“ und jetzt auch dank anderer Mitschnitte, die die NABU veröffentlicht hat – jede finanzielle amerikanische Hilfe faktisch blockieren.

Worüber müssen wir mit den Amerikanern jetzt sprechen? Über Hilfe für die Rüstungsindustrie. Und überhaupt ist unsere Position derzeit, dass die Forderung nicht nur in der Stärkung der Streitkräfte besteht, was der aktuelle Haushalt nicht leistet, sondern dass ein Schlüsselbestandteil dieser Stärkung der Aufbau einer Kriegswirtschaft ist, beziehungsweise die Umstellung der Wirtschaft auf Kriegsbetrieb. Das ist unvereinbar. Eine Wirtschaft auf Kriegsbetrieb und ein einheitlicher TV-Marathon sind unvereinbar. Die Finanzierung der Telegram-Kanäle des Präsidialamts ist unvereinbar. Die Finanzierung einer Kommunikationsstrategie im Umfang von 4 Milliarden ist unvereinbar. Die Finanzierung von Gehaltserhöhungen für Staatsanwälte und das Staatliche Ermittlungsbüro bei gleichzeitigen Kürzungen für die Armee ist unvereinbar. Die Finanzierung von auf korruptem Wege an die Macht angedockten Unternehmen à la „Flamingo“ und das Nichtstun gegenüber echten Produzenten – unvereinbar.

Und der dritte Punkt – da sind unsere europäischen Partner. Ich danke ihnen übrigens sehr für die 90 Milliarden Euro, die mit dieser Entscheidung bewilligt wurden und die das russische…

Portnikov. Ich möchte nachfragen. Die „Flamingo“-Raketen existieren Ihrer Meinung nach nicht?

Poroshenko. Doch, sie existieren. Ich weiß alles über sie.

Portnikov. Treffen sie ihr Ziel?

Poroshenko. Nein. Nein, sie starten effektvoll. Es gibt dort sehr alte Triebwerke, die in sehr begrenzter Stückzahl beschafft wurden. Ich kann nicht sagen, wie viele, aber sehr wenige. Und sie haben diese Triebwerke nicht gekauft, sie haben den Vorrat genutzt, den ich damals angelegt habe. Und es gibt eine gewisse Sprengstoffmenge, aber wohin fliegt sie? „Flamingo“ ist ein ganz, ganz großes Militärgeheimnis. Sie ist nur bei einem kombinierten Einsatz mit „Neptun“ wirksam. Wenn sie gemeinsam fliegen, erreicht „Neptun“ das Ziel. Fliegt sie allein, trifft sie nirgendwo. Aber sie hat einen psychologischen Effekt.

Portnikov. Sagen Sie, Sie haben von der Unvereinbarkeit verschiedener Ausgaben gesprochen. Ist diese Unvereinbarkeit Ihrer Ansicht nach nicht mit dem Prozess der Wahlvorbereitung verbunden? Sind Wahlen überhaupt möglich? Warum bereiten sich alle weiterhin auf sie vor, als wäre der Krieg bereits zu Ende?

Poroshenko. Wahlen sind unvermeidlich – selbst wenn die Kampfhandlungen andauern, sind Wahlen unvermeidlich. Wahlen können nur verschoben oder nicht durchgeführt werden, wenn wir die Amerikaner im Stil des Oval Office abfertigen und die Europäer ebenfalls, nach dem Motto: Wir schaffen das schon allein, wir wissen auch ohne euch Bescheid. Die Taktik der ukrainischen Regierung war leider so, und sie wird von anderen nicht akzeptiert: „Gebt uns das russische Geld, 300 Milliarden, und wir klären ohne euch, wie es weitergeht.“ Das nennt man die „Mindychgate“-Strategie. Obwohl dieser unglückselige Mindych, der in Israel sitzt…

Portnikov. Er sitzt nicht in Israel, er spaziert dort herum. Übertreiben wir sein Unglück mal nicht.

Poroshenko. Er spaziert dort zusammen mit bestimmten bekannten Personen. Nun, ich denke, das wird bald bekannt werden. Aber er ist unglücklich. Ich glaube nicht, dass er glücklich ist, selbst wenn er spazieren geht. Er ist unglücklich, weil er ein „Strohmann-Vorsitzender Funt“ ist. Anspielung auf den fiktiven ‚Sitzpräsidenten Funt‘ aus Ilf und Petrows Roman, der als juristische Tarnfigur für andere haftet). Er ist Funt. Er ist kein Organisator. Und selbst Jermak ist sein Vorgesetzter, der Organisator dieses Schemas, aber nicht der einzige, der verantwortlich gemacht werden muss.

Und genau dann, wenn wir um westliche Hilfe bitten, ist diese Wirtschaft – der Haushalt, den die Werchowna Rada verabschiedet hat und gegen den ich scharf aufgetreten bin – nicht nur deswegen problematisch, weil die Streitkräfte unterfinanziert sind, nicht nur deswegen, weil die zentrale Position fehlt, nämlich die Motivation zur Mobilisierung.

Wissen Sie, wie viel ein russischer Soldat bekommt, der heute auf Vertragsbasis in die Armee eintritt? Sie sagen, sie hätten nur Zeitsoldaten, keine Mobilmachung. Diese Information – ich denke, der Oberbefehlshaber verzeiht mir –, sie basiert auf Daten des Geheimdienstes: von 20 bis 45 000 Dollar plus regionale Zuschläge. Plus regionale Zuschläge, die von 500 000 bis 3 Millionen Rubel reichen, der Vollständigkeit halber. Die Regionen senken diese Zuschläge aktuell zwar, aber es ist eine Söldnerarmee. Wir könnten uns eine solche Armee kaum leisten.

Portnikov. Wovon denn?

Poroshenko. Wir sind eine Armee, deren Motivation ist, das eigene Land zu verteidigen. Sie sind eine Armee, die ihren Mobilmachungs­ressourcen noch gar nicht ausgeschöpft hat. Darum geht es nicht. 40 000 Dollar, das sind etwa anderthalb bis zwei Millionen Hrywnja, wenn ich mich nicht irre. Und unter diesen Umständen erklären Sie mir bitte, warum wir jetzt nicht – und das ist das, was ich vorgeschlagen habe – ernsthaft eine gewisse administrative Verantwortung für Wehrdienstentzug diskutieren können, nicht strafrechtliche Verantwortung.

Portnikov. Wir müssen natürlich in einer solchen Situation auch die Gehälter der Soldaten erhöhen.

Poroshenko. Zweitens: Wir müssen eine erste Zahlung bei Vertragsabschluss leisten, in dem Moment, in dem jemand mobilisiert wird. Sie soll über vier, fünf, sechs Monate ausgezahlt werden, denn für eine mobilisierte Person ist es am schwersten in den ersten ein, zwei, drei Monaten.

Portnikov. Aber man muss auch an diejenigen denken, die momentan dienen. Es wäre seltsam, wenn diejenigen, die mobilisiert werden, Geld erhalten, und diejenigen, die kämpfen, nicht das gleiche Geld bekommen. Wie soll das aussehen?

Poroshenko. Erstens: Sie bekommen es. Zweitens: Das ist eine erste motivierende Einmalzahlung. Und drittens geht es um die Indexierung der Bezüge der Soldaten. Es ist durch nichts zu rechtfertigen, dass wir 100 Milliarden… Und jetzt haben wir einen Gesetzentwurf eingebracht: Wir haben vorgeschlagen, die Ausgaben um 100 Milliarden zu kürzen. Und diese 100 Milliarden reichen ganz sicher sowohl für die Motivation als auch für die Indexierung.

Portnikov. Aber Sie sind meiner Frage nach den Wahlen ausgewichen, denn ich verstehe immer noch nicht, wie man während der Kampfhandlungen Wahlen technisch durchführen kann. Sie glauben doch nicht, dass wir sie nach Putins Rezept abhalten, der für einen Tag das Feuer einstellt?

Poroshenko. Nein, das ist ausgeschlossen. Aber ich bin der Einzige, der das sagen kann, weil während des Krieges drei Wahlkampagnen mustergültig…

Portnikov. Aber was für eines Krieges?

Poroschenko. …mit der Garantie des freien Willens der Bürger von Poroschenko durchgeführt wurden. Und in diesem Fall, wenn man es nicht schafft… Ja, Wahlen während des Kriegsrechts sind ohne Aufhebung des Gesetzes über den Kriegszustand unmöglich. Sie sind illegitim und werden von niemandem anerkannt, egal welche Aufträge jemand dem Parlament erteilt. Aber wir können heute eine Position finden, die nicht das dauerhafte, sondern zumindest das zeitweilige Einstellen des Feuers vorsieht, zum Beispiel für ein halbes Jahr. Und in diesen sechs Monaten…

Portnikov. Das heißt, Sie glauben, dass Putin dem zustimmen wird?

Poroshenko. Ich glaube, dass unsere Partner, wenn sie klar ein Sanktionspaket formulieren, klar die Beschlagnahme eingefrorener Vermögenswerte formulieren und klar die Koordinierung von Maßnahmen mit Indien, China und den wichtigsten Handelspartnern Russlands – dass dies der einzige mögliche Weg ist. Zum Beispiel verstehe ich neben dem, was ich betont habe, das jahrelange Ignorieren Chinas nicht. Ich verstehe nicht, warum ich, als ich 2022–23 – und ich kenne Präsident Xi Jinping persönlich – ihm zu seiner Wiederwahl gratulierte, von ihm einen persönlichen Brief erhielt, eine Einladung nach China erhielt und sofort zum Ziel eines völlig unsinnigen, inkompetenten Angriffs wurde: „Er gratuliert China, obwohl China den Friedensplan von Präsident Zelensky nicht unterstützt“. Freunde, wir haben die Chance der Jahre 2022–23 verpasst, denn der Schlüsselpunkt des chinesischen Friedensplans wissen Sie, welcher war? Einstellung des Feuers.

Portnikov. Gab es überhaupt die Möglichkeit, dass China real Druck auf Russland ausübt, oder ist das wieder eine Illusion?

Poroshenko. Offensichtlich gab es diese Möglichkeit. Sie haben Hunderte Milliarden Handelsvolumen. Sobald China den Hahn zudreht, bleibt Russland ohne Geld. Noch ein Argument zu China: Ich bin kein Anwalt Chinas. Ich sage nur, dass wir keine einzige Möglichkeit ignorieren dürfen, um den Druck Chinas auf Russland zu erreichen. Verzeihen Sie. Das ist richtig, oder? Wissen Sie, wie hoch der Anteil der Lokalisierung bei der überwältigen Mehrheit der FPV-Drohnen, der Detektoren, Radare, EW-Mittel ist? Lokalisierung heißt: Wie viel Wertschöpfung wird in der Ukraine hinzugefügt und wie viel davon besteht aus importierten Komponenten – aus China?

Portnikov. 75–80 Prozent.

Poroshenko. Sehen Sie, Sie liegen nah dran. Es sind 80 Prozent – China. Stellen Sie sich vor, China stellt morgen die Lieferung von Komponenten an die Ukraine ein. Kann das theoretisch passieren?

Portnikov. Kann es. Aber vielleicht ist es für China einfach vorteilhaft, dass wir ewig mit den Russen kämpfen, sodass wir schwächer werden und sie schwächer werden.

Poroshenko. Ja, offensichtlich ist das vorteilhaft. Und wir müssen dafür sorgen, dass der Nutzen daraus… Nun, Sie erinnern sich, da war von „Leichen der Feinde“ die Rede – China soll am Ufer sitzen, wenn die Leichen der Feinde den orangefarbenen Fluss hinabtreiben. Aber ich will etwas anderes sagen. Wenn China schlagartig aufhört, uns Komponenten zu liefern, wird unser Land nicht schnell auf koreanische, taiwanische, europäische, amerikanische Lieferungen umstellen können.

Portnikov. Vielleicht hätte man sich rechtzeitig darum kümmern müssen. Ich habe schon während Ihrer Präsidentschaft gesagt, man müsse wenigstens ein Vertretungsbüro der Taipei-Kommission in Kyiv eröffnen, um politisch mit China verhandeln zu können. Das haben beide Präsidenten blockiert – Sie und Zelensky.

Poroshenko. Machen wir nicht alles auf einmal, wie man in Odesa sagt. Ich bestreite das nicht. Erstens können wir jetzt nicht von der Ein-China-Politik abrücken. Zweitens…

Portnikov. Die Ein-China-Politik schließt die Einrichtung eines Vertretungsbüros nicht aus, das es in Moskau, in Warschau, in Washington gibt.

Poroshenko. Ich kann Ihnen sagen, dass einzelne Politiker mit Taipei kommunizieren und es für uns dort keinerlei Probleme gibt, selbst ohne Eröffnung einer Vertretung. Ich möchte nicht mehr sagen. Sie und ich wissen beide, worum es geht. Aber die Beziehungen zu China wurden in eine Sackgasse getrieben. Und ich wiederhole: Es genügt, wenn China die Lieferung von Komponenten an die Ukraine einstellt, um die ukrainischen Streitkräfte ihres derzeit effektivsten Mittels zu berauben.

Portnikov. Sie sagen selbst, dass Kyslyzja jetzt in China ist, also kommt das irgendwie aus…

Poroshenko. Leider ist das nur die Wiederaufnahme zumindest eines Dialogformats. Aber China kann auch betonen, dass es Russland die Lieferungen einstellt, und das wäre das stärkste Motivationsmittel für Putin, das Feuer einzustellen. Deshalb, wenn ich sage, dass China, Indien und eine harte Position der Vereinigten Staaten, eine koordinierte Position – zum Glück haben wir diese jetzt –, eine koordinierte Position der Europäischen Union trotz der Positionen der Führungen Ungarns, der Slowakei und jetzt leider auch Tschechiens, uns die Möglichkeit geben, zu hoffen, dass es möglich ist, das Feuer einzustellen, und zwar schon jetzt, unverzüglich. Und wenn wir…

Portnikov. Wird es im Zusammenhang mit den Wahlen keine Destabilisierung geben? Das ist ebenfalls eine gute Frage, die alle stellen. Wird Russland diese Situation nicht ausnutzen? Und nicht nur Russland. Fürchten Sie keine Destabilisierung der Lage?

Poroshenko. Erstens: Ich fürchte sie nicht. Zweitens: Chaos ist nur in einem Fall möglich – wenn die derzeitige Regierung so tut, als geschehe nichts. Wenn sie glaubt, dass sie mit einem internationalen Skandal die Aufmerksamkeit der Gesellschaft von „Mindychgate“ ablenken kann, dass es reicht, E-Voting-Technologien, Manipulation von Wahlen, Briefwahl, Nichtzulassung von Gegnern – Ihres ergebenen Dieners – anzuwenden. Wenn mir aufgrund der Sanktionen verboten ist, an den Wahlen teilzunehmen, wird niemand diese Wahlen anerkennen.

Wenn die Regierung also auf diese Weise versucht, sich für die nächste Amtszeit an der Macht zu halten, ist das ein direkter Schritt ins Chaos, denn 90 Prozent der Gesellschaft sind über „Mindychgate“ informiert. 50 Prozent sind sehr gut informiert. 77 Prozent nennen konkrete Nachnamen. Sie wissen selbst, wen. Ich möchte in Ihrer Sendung nicht einmal nennen, wer unmittelbar und persönlich für die Organisation systemischer Korruption in der Ukraine verantwortlich ist.

Portnikov. Verstehe ich richtig, dass diese Sanktionen, die gegen Sie verhängt wurden, Ihre Teilnahme am politischen Prozess de facto blockieren?

Poroshenko. Ich bin der Einzige unter den sanktionierten Personen, bei dem sie das wirklich tun. Es ist mir verboten, etwas zu unterschreiben, Rechtsgeschäfte vorzunehmen, alles. Und diese Sanktionen sind absolut verfassungswidrig, außergerichtlich, rechtswidrig. Und das weiß inzwischen die ganze Welt, weil es entsprechende Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, des Europäischen Parlaments, des Europarats, der Europäischen Kommission, des Menschenrechtskommissars des Europarats und so weiter gibt. Er hat sich damit selbst ins Bein geschossen. Und man muss jetzt einen Weg finden, mit Wahrung des Gesichts aus diesem für die Regierung und für das Land sehr gefährlichen Prozess herauszukommen.

Portnikov. Das Gerichtsverfahren selbst, soweit ich verstehe, läuft weiter, oder?

Poroshenko. Ja. Und heute kann ich Ihnen sagen, dass selbst als jetzt 90 Milliarden Euro bewilligt wurden, es dort zwei Bedingungen gab. Der erste Bedingung ist ein systemischer und effektiver Kampf gegen die Korruption und die Unantastbarkeit und Unabhängigkeit der Antikorruptionsbehörden. Und die zweite Bedingung, die sehr klar formuliert ist, ist die Rechtsstaatlichkeit. Was bedeutet das? •

  • Erstens die Unabhängigkeit der Justiz. 
  • Zweitens die Menschenrechte. 
  • Drittens die Rechte der Medien. 
  • Viertens die Rechte der Opposition. 
  • Fünftens die Rechte der Leiter gesellschaftlicher Organisationen. 

Das ist alles. Und es steht geschrieben: „Wenn ihr das verletzt, geben wir kein Geld.“ Und wer die Augen davor verschließen will – das ist unmöglich.

Aber ich komme zum Chaos zurück. Das Chaos… Wodurch begann das Chaos 2004? Sie erinnern sich sehr gut daran. Ich war einer der Führer der Orangen Revolution. Für mich ist das eine große Ehre – im Gegensatz zur derzeitigen Regierung. Durch Wahlfälschung. Danach gab es die dritte Runde. Die Menschen gingen auf den Maidan, weil ihnen die Ergebnisse gestohlen wurden.

Portnikov. Das war genau das Hauptmotiv.

Poroshenko. Was war die Motivation der Revolution der Würde?

Portnikov. Die Ablehnung des Assoziierungsabkommens mit EU.

Poroshenko. Die Aberkennung des Rechts auf eine künftige EU-Mitgliedschaft. Warum? Weil das Janukowytsch bei den Wahlen im Weg stand.

Meine Position ist folgende: Spielt nicht damit, denn das führt zum Chaos. Und dieses Chaos wird Putin ausnutzen. Das wäre sehr verantwortungslos. Das Einzige ist, dass die Ukrainer sehr verantwortungsvoll sind. Ich glaube an sie und bin mir dessen sicher, besonders jetzt. Verstehen Sie, ohne „Mindychgate“.

Die große Mehrheit versteht sehr klar: Zelensky wird die Wahlen nicht gewinnen. Und er – ich war Präsident, ich kann das sagen – muss jetzt konkret daran arbeiten, eine Spur in der Geschichte zu hinterlassen. Und er hat diese Möglichkeit, und ich rate ihm dringend, das zu tun. Wenn aber seine Umgebung ihn, wie jetzt, dazu drängt, um den eigenen Hintern zu decken, dann kann das schwerwiegende Folgen haben, nicht nur für das Land, nicht nur Chaos, nicht nur für jeden von uns, sondern auch für ihn persönlich.

Portnikov. Sagen Sie: Wenn wir über die Zukunft sprechen – welche der Dinge, die erreicht wurden oder nicht erreicht wurden, werden Ihrer Meinung nach aus dem Jahr 2025 in das Jahr 2026 hinüberwachsen? Wovon müssen wir uns befreien, was müssen wir fortsetzen?

Poroshenko. Die Ukraine hat eine grundlegende Errungenschaft. Die Ukraine existiert. Es ist gelungen, das Land zu erhalten. Ich möchte übrigens daran erinnern, dass wir in weniger als drei Wochen ein sehr wichtiges Datum haben – den 11. Januar. Wissen Sie welches? Am 11. Januar sind es vom 24. Februar an 1418 Tage und Nächte. 1418 Tage – genau so lange dauerte der sowjetisch-faschistische Krieg vom 22. Juni bis zum 9. Mai 1945. Aber während der 1418 Tage der 40er Jahre gelangte Hitler von Brest bis an die Wolga nach Stalingrad, eroberte Kyiv, Charkiw, rückte bis an Moskau heran. Und das schaffte er in fünf Monaten. Und in 1418 Tagen ist Putin im Donbass stecken geblieben. Im Donbass, wo seit 2014–15 wirksame und nicht korrupte Befestigungsanlagen gebaut worden waren.

Portnikov. Die man uns übrigens jetzt wegnehmen will.

Poroshenko. Sie haben recht. Das ist das Hauptziel, warum Putin Slowjansk, Kramatorsk, Druschkiwka, Kostjantyniwka einnehmen will – weil wir dort 2014 gebaut haben. 3 Milliarden Hrywnja – wecken Sie mich nachts, ich weiß noch, was jeder Abschnitt kostet und welche Region für welchen Abschnitt verantwortlich war. Und wir haben kein weiteres Geld gegeben, es bestand keine Hoffnung, dass sie dort irgendwo zu überhöhten Preisen einkaufen würden, wie Pronin oder andere in diesen Dingen.

Und 1418 Tage – die wichtigste Errungenschaft des Jahres 2025 ist: Die Ukraine ist erhalten. Die Hauptpläne für 2026 – der Frieden, ein wirklicher. Und wir müssen jetzt einen Aktionsplan, Aufgaben, eine Strategie zur Erreichung des Friedens ausarbeiten. Zur Erreichung des Friedens und zur Erhaltung der Ukraine ohne Kapitulation, ohne kapitulative Zugeständnisse, auf dem Weg zu einer vollständigen Feuerpause. 

Wir müssen aufhören, darüber zu reden, dass wir intensive Verhandlungen über Sicherheitsgarantien führen. Freunde, ihr verhandelt seit sieben Jahren darüber und besonders aktiv in den letzten vier Jahren. Ihr habt 40 Sicherheitsabkommen unterzeichnet. Warum nutzt ihr sie jetzt nicht? Wo sind eure Sicherheitsgarantien, mit denen ihr euch gebrüstet habt, mit denen ihr herumgewedelt und gesagt habt: „Jetzt haben wir alle Sicherheitsgarantien“? Weil das keine Sicherheitsgarantien sind.

Portnikov. Gibt es überhaupt Sicherheitsgarantien? Welche, Entschuldigung?

Poroshenko. Sehr gute Frage. Jetzt formuliere ich sie für Sie. Es gibt drei Arten von Sicherheitsgarantien. Und das ist nicht nur für Sie, das ist auch für die derzeitige Regierung, die über sehr begrenzte diplomatische Ansätze verfügt. Garantie eins – das, woran ich gearbeitet habe – ist die vollwertige NATO-Mitgliedschaft.

Portnikov. Das, wogegen Donald Trump ist.

Poroshenko. Nein, er ist nicht dagegen. Erstens sagt er, dass er es jetzt nicht zulassen werde, weil er im Gegensatz zu Putin nicht über das Schicksal der Ukraine und der Vereinigten Staaten auf Jahrzehnte hinaus entscheiden kann. Und ich bin stolz darauf, dass ich die Verpflichtung zur NATO-Mitgliedschaft in die Verfassung aufgenommen habe. Stellen Sie sich vor, wir hätten diese Verfassungsnormen jetzt nicht – wie leicht würde sich das heutige Verhandlungsteam davon lossagen und wäre bereit, Änderungen an der Gesetzgebung vorzunehmen. Es gibt keine andere verlässliche Alternative für die Sicherheit. Und deshalb bin ich endlich froh, dass ich das von Zelensky gehört habe, denn es hat eine seltsame Transformation seit 2019 gegeben, als es hieß: „Wozu brauchen wir die NATO, und ich weigere mich, zum NATO-Gipfel in London zu fahren, denn ich habe dort nichts zu tun“, bis heute, wo es heißt: „Wir werden die Verfassung über die künftige NATO-Mitgliedschaft der Ukraine nicht ändern.“ Warum? Weil das die einzige Form ist.

Der zweite Punkt ist das sogenannte Abkommen über eine strategische Verteidigungspartnerschaft. Zwei Länder haben diese Sicherheitsformate – Japan und Südkorea. Wissen Sie, was sein Hauptmerkmal ist? Boots on the ground. Das bedeutet…

Portnikov. Dass Amerikaner dort präsent sind.

Poroshenko. Verbände der US-Streitkräfte befinden sich auf dem Gebiet Japans und Südkoreas. Und das ist eine wirksame Form außerhalb der NATO.

Portnikov. Das will Trump in Bezug auf uns auch nicht.

Poroshenko. Trump ist nicht ewig. Die Vereinigten Staaten sind ein demokratischer Staat.

Portnikov. Wir müssen irgendwie bis 2029 durchhalten.

Poroshenko. Ich werde Trump in dieser Sendung nicht kritisieren.

Portnikov. Wir kritisieren ihn nicht, wir suchen nach realen Sicherheitsgarantien.

Poroshenko. Schauen wir, wie ich sie gesucht habe. 2016 wird Trump Präsident. 2016 bin ich einer der Ersten, die Trump gratulieren, mit dem er Telefongespräche führt. 2017 bin ich einer der Ersten im Weißen Haus. Das Ergebnis meiner Gespräche im Jahr 2017 – das, was ich drei Jahre lang zuvor nicht erreichen konnte: lethal weapons, tödliche Waffen. Und jetzt kann ich Ihnen sagen, dass es weit mehr war als nur „Javelins“ – die Umrüstung der Gegenbatteriestellungen und vieles andere. Das ist nicht nur das Verdienst von Mattis als Verteidigungsminister, nicht nur des Außenministers. Das ist das Verdienst Trumps. Und wir haben das in zwei Stunden entschieden. Trump ist ein Mensch, der keine Dossiers liest. Trump ist jemand, mit dem man am Verhandlungstisch alles Mögliche erreichen kann. Stellen Sie nur eine Verhandlungsdelegation zusammen. Sie haben derzeit niemanden, der mit dem Weißen Haus kommunizieren kann.

Portnikov. Sagen Sie die dritte Sicherheitsgarantie.

Poroshenko. Die dritte Sicherheitsgarantie ist die sogenannte „Finnlandisierung“.

Portnikov. Das ist eine Sicherheitsgarantie?

Poroshenko. Ja. Finnlandisierung bedeutet, dass auf einem NATO-Gipfel die Entscheidung getroffen wurde, dass dieses Land ein künftiges Mitglied ist.

Portnikov. Warum ist das Finnlandisierung?

Poroshenko. Lassen Sie mich ausreden, dann verstehen Sie es. Bis zur Entscheidung – Sie erinnern sich, mal blockierte die Türkei, mal Ungarn, mal gab es andere Vorbehalte. So war es bei Schweden, und in geringerem Maße bei Finnland. Und dann beschloss die NATO, dass bis zum offiziellen Beitritt…

Portnikov. Sicherheitsgarantien. Das ist keine Finnlandisierung, das ist ein gefährlicher Begriff. Finnlandisierung ist etwas völlig anderes. Verzichten Sie lieber darauf.

Poroshenko. Ich glaube, ich verzichte, weil Sie eine Parallele zum Krieg von 1939 ziehen wollen.

Portnikov. Natürlich, zum Status Finnlands von 1945 bis 1991. Das ist Finnlandisierung.

Poroshenko. Man muss einfach die Begriffe definieren, mit denen wir in der Diskussion operieren. Und es ist schön, dass wir uns sofort verstehen. Also, vergessen wir den Begriff „Finnlandisierung“. Das bedeutet eine Situation, in der wir eine hundertprozentige Garantie für den Zeitraum bis zum Beitritt erhalten. Die Arbeit am Beitritt geht weiter.

Portnikov. Zu diesen Sicherheitsgarantien, die Finnland und Schweden erhalten haben, gehörte die Bereitschaft zur unmittelbaren Verteidigung im Falle eines Angriffs.

Poroshenko. Wir müssen eine Komponente davon haben, die worin besteht, Vitaly? Boots on the ground. Die Amerikaner verweigern das im Moment. Dann müssen wir militärische Einheiten und Kontingente Großbritanniens, Frankreichs und weiterer elf Staaten haben, die bereit sind, ihre Truppen zu entsenden, um die Sicherheit des erreichten Prozesses zu gewährleisten.

Portnikov. Wie der Assistent des russischen Präsidenten, Uschakow, sagt, würden diese Kontingente zu legitimen Zielen für die russischen Streitkräfte. Wie sollen sie hierher kommen?

Poroshenko. Ich habe eine Bitte. Erinnern Sie sich: Lesen Sie keine sowjetischen Zeitungen.

Portnikov. Das sind aber keine Zeitungen, das ist eine offizielle Erklärung eines Beamten.

Poroshenko. Bei uns gibt niemand, einschließlich Putin, offizielle Erklärungen ab. Sie machen PR. Und Uschakow – Sie und ich kennen ihn sehr gut, genauso wie Lawrow, leider – sagt niemals das, was Putin denkt. Uschakow sagt immer das, was eine „smoke screen“, eine Nebelwand oder ein Informationsbegleitgeräusch für den Moment erzeugen soll. Darum die Bitte: Berufen Sie sich nicht auf Uschakow, schenken Sie ihm keine Beachtung.

Portnikov. Gut, ohne auf Uschakow zu achten: Glauben Sie, dass Russland jemals einem Abkommen mit Präsenz westlicher Streitkräfte auf dem Gebiet der Ukraine zustimmen wird?

Poroshenko. Ich glaube. Ich glaube an Gott, aber ich weiß…

Portnikov. Das war jetzt ein rhetorischer Trick, aber ich lasse ihn durchgehen.

Poroshenko. Danke. Aber ich weiß genau, dass wir mit Putin immer ein Ergebnis erzielen können, wenn wir in einer Sprache sprechen, die er versteht. Und welche Sprache versteht er?

Portnikov. Sanktionen und Druck.

Poroshenko. Die Sprache der Stärke. Language of strength. Dann können wir mit Putin immer ein Ergebnis erreichen. Ich will betonen – ich verrate Ihnen jetzt ein Geheimnis. Als Putin am 11. Februar 2015 nach Minsk kam, betonte er gegenüber Hollande ganz offen – Merkel und ich standen beiseite –, er sagte: „Von einem Waffenstillstand kann es überhaupt keine Rede sein. Vergesst es. Ich diskutiere dieses Thema nicht einmal.“ Wissen Sie, warum er das sagte? Weil Surkow neben ihm stand. Und das war der Satz Surkows. Ich habe gemerkt, dass Putin auf ihn hörte und es sofort aussprach. Nach 19 Stunden ununterbrochener Verhandlungen. Einige schreiben, dort habe jemand Tee getrunken, jemand Wodka, jemand Mittag gegessen. Das ist alles Lüge. Diese Leute waren nie dort. 19 Stunden ununterbrochene Verhandlungen. Einer aus der Delegation hat etwa 20 Minuten geschlafen, während wir verhandelten. Dann ist er aufgewacht, und das war’s. Ich kann betonen, dass ich nach 15 Stunden Verhandlungen zu Kanzlerin Angela Merkel gegangen bin und gesagt habe: „Wenn wir Surkow nicht rausnehmen, wird nichts daraus.“ Sie sagt: „Was sollen wir tun?“ Ich sage: „Schicken Sie Surkow mit Thesen zu Sachartschenko und Plotnizki, die sich ein paar Dutzend Kilometer entfernt aufhalten, und lassen Sie ihn dort abstimmen. Und nutzen Sie aus, dass er nicht hier ist.“ Sie sagt: „Aber ohne wird Putin nicht verhandeln.“ „Dann stellen Sie Putin eben Lawrow zur Seite.“ Und wenn Lawrow neben ihm ist – Lawrow hört im Gegensatz zu Surkow zu, zumindest hat er damals zugehört. Heute bin ich mir da nicht sicher. Und ich kann betonen, dass wir nach einer Stunde und 15 Minuten einen Waffenstillstand erreicht hatten. Das, wovon Putin gesagt hatte, dass es niemals geschehen werde. Sie verstehen, ich betreibe keine Angeberei und phantasiere nicht. Ich möchte betonen: Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es möglich ist. Wichtig ist, die…

Portnikov. Es gibt unterschiedliche Momente.

Poroshenko. Natürlich, das ist offensichtlich.

Portnikov. Und jetzt ist es einfach ein anderer Moment.

Poroshenko. Hören Sie, Vitaly, es ist offensichtlich, dass das eine schwierige Aufgabe ist. Aber davon hängt das Überleben und die Existenz unseres Staates ab. In welcher Form er erhalten bleibt. Und die vierte Form von Garantien – wenn wir schon mit den Garantien begonnen haben.

  • Die erste: Vollmitgliedschaft.
  • Die zweite: Soldaten am Boden.
  • Die dritte: NATO-Garantien plus Artikel 5 plus boots on the ground.
  • Und die vierte – das, was jetzt unterzeichnet wird – das sind keine Garantien der Sicherheit. Das sind keine Verteidigungsgarantien. 

Wissen Sie, was für Garantien das sind? Garantien für Waffenlieferungen und finanzielle Hilfe. Mehr ist da nicht drin. Das ist die vierte Form.

Damit hat sich die Regierung vier Jahre beschäftigt. Sie sind nicht legally binding, also rechtlich nicht bindend, sie werden nicht vom Parlament ratifiziert und sie sind sogar schlechter als das Budapester Memorandum. Und um das zu begreifen, braucht es einen professionellen, kompetenten, ruhigen Ansatz. Und leider fehlt dieser Ansatz der Regierung. Noch einmal: Mein Ziel ist nicht, die Regierung zu kritisieren.

Übrigens, wenn wir jetzt über eine Regierung der nationalen Einheit sprechen, hat Zelensky ebenfalls unterschiedliche Optionen. Option eins: Er tritt vor, entlässt die Regierung, bildet eine Regierung der Einheit auf Kompetenzbasis. Heute ist eine erneuerte Regierung, die die Unterstützung deutlich größerer Bevölkerungsschichten genießt als die enge Wählerbasis der „Diener des Volkes“, der richtige Ansatz. 

Die zweite Option, die Zelensky hat – und das ist sein Recht, ich erhebe keinen Anspruch darauf –, ist, keine Regierung der Einheit zu bilden, aber alle Beteiligten am „Mindychgate“ zu entlassen, diejenigen dort zu lassen, die nicht durch alle Korruptionsgeschäfte toxisch sind, und jemanden, den er will, zum Justizminister und Energieminister zu ernennen, Pronin zu entlassen, den Finanzmonitoringdienstchef, den Leiter des Antimonopolkomitees zu entlassen, jemanden an die Spitze des Fonds für Staatseigentum zu setzen – kurz, all diesen Fäulnisherd zu beseitigen und weiter allein die Verantwortung zu tragen. 

Ich halte das für sehr gefährlich, weil niemand glaubt, dass es nur bei denen bleibt, die auf den Mindych-Aufnahmen vorkommen, weil es auch Aufnahmen eines amtierenden Abgeordneten gibt, der in seinem Büro den Abgeordneten der „Diener des Volkes“ monatlich Geld für „richtiges“ Abstimmen verteilt hat.

Haben wir vergessen, dass Journalisten 2019–20 Mykola Tyschtschenko entdeckt haben, der Listen erstellte, mit dem „Joker“ unterschrieb und Geld verteilte? Haben wir Turchin vergessen, der mit Geldtaschen in den Wald gehen wollte, mit Dollar-Säcken, die er für die Verteilung von je 20 000 Dollar an Abgeordnete mitführte? Und wissen wir nicht, was während Covid geschah, wissen wir nicht, was jetzt in der „Krypto“-Phase geschah? Wie kann man einem Parlament trauen, dessen Mehrheit, die Regierungsmehrheit, Geld in Umschlägen bekommt?

Portnikov. Aber ein anderes Parlament gibt es trotzdem nicht.

Poroshenko. Doch.

Portnikov. Und wo ist es?

Poroshenko. Eine Regierung der nationalen Einheit. Und im Parlament gibt es eine Opposition. Und ich kann betonen, dass diese Opposition… Es freut mich, dass die „Europäische Solidarität“… Können Sie sich vorstellen, dass die „Europäische Solidarität“ noch vor einem halben Jahr wahrscheinlich mehr als 100 Unterschriften für die Abberufung der Regierung gesammelt hätte? Der Löwenanteil dieser Unterschriften stammt von den „Dienern des Volkes“.

Portnikov. Aber wird nicht jede Regierung der nationalen Einheit von der Mehrheit abhängen? Und die Mehrheit sind die „Diener des Volkes“, nicht Sie.

Poroshenko. Nein. Die Mehrheit – das sind auch wir. Und wären wir Teil der Koalition – ich betone noch einmal: Wir drängen uns nicht auf Posten –, wir sind bereit, offiziell auf Positionen in der Exekutive zu verzichten und uns auf reine Kontrollfunktionen, parlamentarische Kontrollfunktionen, zu beschränken. Aber das würde ermöglichen, dreimal nachzudenken, bevor man korrupte Gesetzentwürfe einbringt, was leider weiter geschieht. Doch wiederum – unsere Kompetenz wird es erlauben, die Wirtschaft auf Kriegsbetrieb umzustellen. Ohne das wird es nichts geben.

Portnikov. Sie appellieren erneut an Zelensky. Aber es ist im Grunde eine Frage der politischen Verantwortung des Parlaments. Wenn die Parlamentsmehrheit es wollte, könnte sie eine Regierung bilden und einen Vorschlag machen.

Poroshenko. Bei allem Respekt, ich bitte im Voraus um Entschuldigung, aber die Mehrheit der Monokoalition besteht aus No-Names. Und ich bin überzeugt, dass 90 Prozent der Ukrainer bei der zweiten Zehnergruppe der Parlamentarier stehenbleiben, die sie überhaupt noch nennen können. Und daher sind sie in über fünf Jahren keine wirklichen Abgeordneten geworden. Warum? Weil es das Parlament des Präsidialamts ist. Es muss eine „Dejermakisierung“ des Parlaments stattfinden, so wie jetzt glücklicherweise eine Dejermakisierung und Deportnowisierung des Justizsystems stattfindet. Schauen Sie: Es sind nur drei Wochen vergangen, seit Jermak weg ist, und schon hat man die NABU-Ermittler freigelassen – sowohl den Ermittler als auch seinen Vater, Usakow und viele andere. Drei Wochen ohne Jermak.

Portnikov. Dämonisieren Sie nicht den früheren Chef des Präsidialbüros?

Poroshenko. Ich sage nichts über ihn. Ich sage, dass es Fakten gibt. Die Ermittler saßen – sie kamen frei. Roman Tscherwinskyj stand unter Hausarrest rund um die Uhr. Der Arrest wurde aufgehoben – von wem? Vom Gericht. Der Richter hat sich schlau gemacht, auf welcher Seite das Gesetz steht. Drei Geiseln, denen man Geständnisse gegen Poroschenko abgepressen wollte, saßen 10 Monate lang mit einer eingesetzten Kaution von 1,5 Milliarden Hrywnja für drei Personen. Andere ließ man mit für 10 Millionen frei. Und diese saßen – 1,5 Milliarden – 10 Monate lang mit der Forderung: „Gebt ein Geständnis gegen Poroschenko ab. Egal welches.“ Und ein Wunder: In der vergangenen Woche kamen sie aus dem Gefängnis frei. Der Richter traf die Entscheidung und senkte die Kaution. Bei einem von ihnen blieb die Kaution bei 200 Tausend. Ein Mensch saß 10 Monate mit einer Kaution von 500 Millionen und kam gegen eine Kaution von 200 Tausend frei. Und Sie wollen das nicht bemerken? Jermak ist nicht allein. Ich dämonisiere ihn nicht. Angefangen hat das alles Portnow in Koordination mit Derkatsch. Jermak war nur ein Bestandteil dieses Systems. 

Und jetzt steht Zelensky vor einer gewaltigen Herausforderung: Mit wem ist er? Entweder mit der Ukraine – und dann muss er nach dem ersten Szenario handeln: Regierung der Einheit, Entlassung, Heranziehung zur Verantwortung, denn ohne das ist es unmöglich, wiederherzustellen… 

Wir haben heute bereits die Zahl drei. Drei Arten von Vertrauen.

  • Vertrauen Nummer eins – das Vertrauen der Gesellschaft in die gesamte Staatsmacht. Ohne das lässt es sich jetzt nicht wiederherstellen.
  • Vertrauen Nummer zwei – das Vertrauen der Front in die Heimat. Das ist ebenfalls sehr wichtig. Und dieses Vertrauen ist erschüttert. Und die Front hat Fragen, auf die niemand in der Regierung eine Antwort zu geben vermag.
  • Und Vertrauen Nummer drei – das Vertrauen der Partner in den Staat Ukraine, denn sie haben jetzt enorme Schwierigkeiten in ihrem innenpolitischen Umfeld, wenn ihre Gegner, die antiukrainisch eingestellt sind, die Frage stellen: „Wie könnt ihr Geld an Korruptionäre geben?“ Unser einziger Weg hier heraus ist eine transparente, effektive, unparteiische und unabhängige Ermittlung mit der Heranziehung aller, einschließlich Mindych, zur Verantwortung. Dafür muss Mindych in die Ukraine zurückgebracht werden.

Portnikov. Wie, wenn er nicht ausgeliefert wird?

Poroshenko. Ich habe einige Ideen. Besser gesagt, nicht Ideen, sondern Informationen. Sensationelle, aber wichtige. Und ich habe sie aus zuverlässigen Quellen. Ich kann betonen, dass Mindychs Firma sich nicht nur mit einer Schranke in der Energiewirtschaft und nicht nur mit Korruption in der Rüstungsindustrie befasst hat. Mindychs Firma hat sich auch über eine Schranke im Hafen von Odesa mit einem Teil des ukrainischen Agrarexports beschäftigt. Nun passen Sie auf: Ein Teil dieses Exports… Mindychs Leute organisierten Verträge, die über die Türkei in den Iran gingen – unter Verletzung der Sanktionen.

Portnikov. Sie scherzen.

Poroshenko. Ich habe bestimmte Informationen, die der Bestätigung bedürfen. Sehr geehrte Kollegen in Israel, ich hoffe sehr, dass das für Sie interessant sein wird. Mindych, Grüß an Sie.

Portnikov. Mich irritiert ehrlich gesagt noch etwas anderes, wenn Sie über das ukrainische Justizsystem sprechen. Da wird irgendeine Person entfernt – und plötzlich beginnt es „gerecht“ zu sein. Das ist doch eine Art Anti-Gerechtigkeit, wenn Richter ihre Entscheidungen abhängig davon fällen, wer der Kurator des Justizsystems ist. Und das passiert nicht erst seit einem Jahr und nicht erst seit sechs Jahren.

Poroshenko. Ich kann sagen, dass es in jedem Justizsystem Korruption gibt, leider.

Portnikov. Aber das ist doch nicht Korruption, das ist Unterordnung.

Poroshenko. Ich kann betonen: Als ich das Hohe Antikorruptionsgericht geschaffen habe – auf dem Präsidialerlass jedes einzelnen Richters dieses Gerichts steht die Unterschrift von Präsident Poroschenko, nicht von Zelensky –, und heute: Gibt es Korruption im Hohen Antikorruptionsgericht? Ich weiß es nicht, mag sein. Aber ist das Hohe Antikorruptionsgericht heute Jermak untergeordnet? Nun, ich habe darüber keine Informationen. Sicher nicht. Gibt es Korruption im Obersten Gerichtshof? Ja, die gibt es. Und die NABU hat Knyasjew und alle anderen verhaftet. Und sagen Sie mir bitte: Gibt es einen Unterschied in der Reaktion des Obersten Gerichtshofs auf die Bitten des Präsidialamts und des Petschersker Gerichts?

Portnikov. Offensichtlich.

Poroshenko. Und worin unterscheiden sie sich?

Portnikov. In der Unterordnung?

Poroshenko. Nein.

Portnikov. Worin dann?

Poroschenko. Der Oberste Gerichtshof wurde neu aufgestellt. Das Petschersker Gericht nicht.

Portnikov. Aber das ist ja genau diese Unterordnung. Nicht erneuerte Gerichte sind untergeordneter.

Poroshenko. Ein gewisser Herr Vovk hat die Neuaufstellung des Petschersker Gerichts verboten. Dieser Beschluss hielt anderthalb Jahre. Und ein gewisser Vovk, ich glaube, er heißt Pawlo, blockierte vollständig die Hohe Qualifikationskommission der Richter, der die Möglichkeit genommen wurde, die Neuaufstellung vorzunehmen – nur weil Vovk selbst vor diese Kommission musste, um Prüfungen zu bestehen, die er nicht bestand. Und dann trat er einer Gruppe bei, einer kriminellen, die sich gegen das Staatsrecht richtete. Und in diesem Fall ist ohne eine Fortsetzung der Neuaufstellung der richterlichen Gewalt, auch unter Berücksichtigung der Anforderungen an Integrität, auch unter Berücksichtigung der Positionen der Partner, nichts möglich. Niemand schreit jetzt auf, dass die Bildung der Richterschaft des Hohen Antikorruptionsgerichts unter Berücksichtigung der Integrität erfolgte, die von unseren Partnern unterstützt wurde. 

Macht es genauso – ihr müsst das Rad nicht neu erfinden. Macht es so, wie wir es bei der Neuaufstellung der gesamten Staatshierarchie gemacht haben, als wir transparente Kommissionen hatten, die jetzt angeblich wegen Covid, dann angeblich wegen des Krieges abgeschafft wurden. Und heute hat das nur zum Aufbau einer Vertikal geführt. Insgesamt muss das Jahr 2026, wenn wir wollen, dass es ein Jahr des Friedens wird, ein Jahr kompetenter, professioneller, erfahrener Menschen werden. Wir können nicht weiter mit Populismus, Umfragewerten und Täuschung spielen. Das Land wird das nicht mehr aushalten.

Portnikov. Uns bleiben praktisch nur noch zwei Minuten. An welche der von Ihnen aufgezählten Veränderungen glauben Sie wirklich – nicht nur an jene, die Sie deklarieren, sondern die Ihrer Meinung nach tatsächlich eintreten können?

Poroshenko. Erstens – Einstellung des Feuers und Frieden. Zweitens – Neuaufstellung der Regierung. Drittens… Glauben Sie nicht, dass nach den Wahlen alle Schwierigkeiten zu Ende sind.

Portnikov. Nein, ich glaube, sie fangen erst richtig an.

Poroshenko. Zu 100 Prozent wird es umgekehrt sein. Aber wir müssen kompetent und professionell darauf vorbereitet sein. Und dann glauben Sie nicht, dass unsere Militärausgaben verschwinden werden. Im Gegenteil: Der einzige verlässliche Garant für Souveränität, territoriale Integrität und Unabhängigkeit des Staates werden die Streitkräfte und die Verteidigungsindustrie der Ukraine sein, die wovon finanziert wird? Von einer starken, transparenten, effizienten postindustriellen Wirtschaft. Jemand muss das tun, nicht mit Gerede und leeren Versprechen, sondern jemand, der fähig ist, die Ukraine zu verändern. Die Ukraine steht vor einer gewaltigen Herausforderung. Und ich verrate jetzt kein Geheimnis, wenn ich sage, dass die Prüfungen, die vor uns liegen, außergewöhnlich sind. Aber ich kann Ihnen genau sagen: Wenn du nicht an das glückliche Schicksal deines eigenen Landes glaubst, wirst du ganz sicher verlieren. Und ich habe keinen einzigen Tag in meinem Leben den geringsten Zweifel gehabt: Die Ukraine wird siegen, denn sie ist das beste Land der Welt.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Порошенко про те, що буде в 2026,
коли буде мир, що потрібно ЗСУ, корупційні скандали влади, вибори. 21.12.2025.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 21.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Ergebnisse der Verhandlungen in Miami | Vitaly Portnikov. 21.12.2025.

Der Sonderbeauftragte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, berichtete über die ersten Ergebnisse der Gespräche, die er und der Schwiegersohn von Präsident Trump, Jared Kushner, mit einer ukrainischen Delegation in Miami geführt haben. Über die Ergebnisse jener Gespräche, die Witkoff und Kushner mit dem Sonderbeauftragten des Präsidenten Russlands, Kirill Dmitrijew, geführt haben – der sich dieser Tage ebenfalls in den Vereinigten Staaten aufhielt –, äußert sich Witkoff bislang nicht. Es geht ausschließlich um einzelne Gesprächsrunden mit der ukrainischen Delegation sowie um ein gemeinsames Treffen von Amerikanern, Ukrainern und Sicherheitsberatern europäischer Staats- und Regierungschefs.

Wie Witkoff betont, wurden vier zentrale Dokumente erörtert.

  • Das erste ist ein 20-Punkte-Plan, der entstand, nachdem der ursprüngliche Plan – angeblich im Weißen Haus erstellt, von vielen Beobachtern jedoch eher als Werk von Kirill Dmitrijew und dem außenpolitischen Berater des Präsidenten der Russischen Föderation, Juri Uschakow, wahrgenommen – in Gesprächen mit der ukrainischen und europäischen Delegation korrigiert wurde.
  • Das zweite Dokument betrifft multilaterale Sicherheitsgarantien für die Ukraine seitens westlicher Staaten.
  • Das dritte Dokument betrifft separate Sicherheitsgarantien für die Ukraine seitens der Vereinigten Staaten von Amerika.
  • Und das vierte Dokument ist ein Plan für die wirtschaftliche Entwicklung der Ukraine, also für den Wiederaufbau unseres Staates, falls sich die Möglichkeit ergeben sollte, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden.

Witkoff unterstreicht, dass es sich um eine konstruktive Diskussion gehandelt habe, die darauf abziele, nicht nur einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zu erreichen, sondern auch einen dauerhaften Frieden.

Die Ziele sind natürlich ehrenwert. Doch es stellt sich die Frage: Inwieweit bringen uns die Gespräche der amerikanischen Vertreter mit der ukrainischen Delegation und den Europäern einem wirklichen Frieden näher? Der Assistent des Präsidenten der Russischen Föderation, Juri Uschakow, seinerseits erklärte, er verfüge bereits über gewisse Informationen von Kirill Dmitrijew. Am Montag werde Dmitrijew jedoch in der russischen Hauptstadt eintreffen und der Führung der Russischen Föderation ausführlich über die Ergebnisse seiner Beratungen mit Witkoff und Kushner berichten. Erst auf Grundlage dieser Informationen werde man eigene Bedingungen für die Fortsetzung des Verhandlungsprozesses formulieren.

In Moskau ist selbstverständlich nicht beabsichtigt, sich vom Verhandlungsprozess zurückzuziehen, denn er ermöglicht dem russischen Präsidenten Putin, Zeit für die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges zu gewinnen. Doch Uschakow ließ bereits erkennen, dass jene Änderungen im sogenannten Trump-Plan, die nach Gesprächen mit der ukrainischen und der europäischen Delegation vorgenommen wurden, die Seiten kaum wirklichen Vereinbarungen näherbringen dürften.

Und wie sehen aus der Sicht des Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, „wirkliche Vereinbarungen“ aus? Das wissen wir sehr genau aus der sogenannten „Direktleitung“ des russischen Präsidenten, während der Putin wieder zu seinen Bedingungen für eine ukrainische Kapitulation zurückkehrte – Bedingungen, die er bereits 2024 in seiner Rede vor dem Kollegium des Außenministeriums der Russischen Föderation detailliert formuliert hatte.

Und zu diesen harten Bedingungen, die logischerweise das Verschwinden des ukrainischen Staates von der politischen Weltkarte als Endergebnis vorsehen, fügt Putin nun Drohungen gegenüber Europa hinzu – als Auftakt zu jenem hybriden Krieg, auf den er sich offensichtlich als Hauptereignis des kommenden Jahres 2026 vorbereitet, als eine Art politischen Benefizabend des Kreml.

Wenn wir also Witkoffs Erklärungen lesen, müssen wir verstehen, worauf sich der Sonderbeauftragte des amerikanischen Präsidenten stützt, wenn er über Frieden spricht, so als hinge dieser Frieden von einer Einigung zwischen Amerikanern und Ukrainern ab – und nicht von einer Einigung zwischen Ukrainern und Russen.

Und welche Friedensverhandlungen können überhaupt gemeint sein, wenn die russische Seite kategorisch keinerlei realistische Ansätze akzeptiert, die zumindest in absehbarer Zukunft zu einem Waffenstillstand im russisch-ukrainischen Krieg führen könnten? Von einem wirklichen Kriegsende kann gegenwärtig, so scheint es mir, überhaupt niemand denken – so wenig gibt es dafür Anhaltspunkte.

Man sollte daran erinnern, dass viele behaupteten, Präsident Donald Trump wünsche, dass irgendein Abkommen bis Weihnachten unterzeichnet werde. Bis Weihnachten bleiben buchstäblich nur wenige Tage, und es ist bereits offensichtlich, dass zwischen den Positionen der Seiten eine so tiefe Kluft besteht, dass man vielleicht besser an andere christliche Feiertage oder an Weihnachten 2026 denken sollte, um zu einem realistischen Ergebnis zu gelangen.

Das entspricht im Grunde genau dem Interesse Putins – seit er verstanden hat, dass Trump nicht auf ein Ende der Kampfhandlungen, sondern auf Verhandlungen drängt, deren Ziel ein dauerhafter Frieden sein soll. Dies öffnet Putin den Weg, Zeit bei diesen Verhandlungen genau so lange hinauszuzögern, wie er sie seiner Meinung nach braucht, um die Ukraine zu vernichten. Gibt es keine Ukraine mehr – gibt es auch kein Problem. Und bis dahin kann man endlose Gespräche mit Steve Witkoff oder Jared Kushner führen.

Ein weiteres durchaus wichtiges Merkmal dieses Verhandlungsprozesses ist die Abwesenheit des amerikanischen Außenministers Marco Rubio. Rubio – ein erfahrener Bürokrat und jemand, der hoffen kann, dass Trump in den kommenden Jahren nicht nur sich selbst, sondern auch den charismatischen Führer der amerikanischen Ultrarechten, Vizepräsident J.D. Vance, verbrennt – könnte schlicht keine Lust haben, an Prozessen teilzunehmen, die nicht in institutionelle Entscheidungen münden, sondern lediglich die Inkompetenz und Hilflosigkeit der engsten Freunde und Verwandten des amerikanischen Präsidenten unterstreichen. Er wartet daher vermutlich auf den Moment, in dem entweder Witkoff zu konkreten Ergebnissen vordringt, die dann gemeinsam mit dem Außenminister erörtert werden müssen, oder die völlige Hilflosigkeit und Aussichtslosigkeit seiner Bemühungen demonstriert, eine Vereinbarung über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu erzielen.

Und dann könnte die Angelegenheit – einfach zur Rettung der Reputation Trumps – von den Amateuren, die an Geschäften mit dem Kreml interessiert sind, in die Hände professioneller Politiker und Diplomaten übergehen, die die Sprache verstehen, in der man mit Putin sprechen muss: die Sprache der Stärke. Übrigens hat einer dieser professionellen Politiker, Senator Lindsey Graham, der die Lage offenbar bereits erfasst, den Präsidenten Trump heute zu härteren Maßnahmen gegenüber der Russischen Föderation aufgerufen, insbesondere zur Kontrolle der Versorgung mit russischem Öl, die selbstverständlich unter Umgehung amerikanischer Sanktionen erfolgen kann. Denn, wie wir wissen, braucht Russland nur wenige Monate, um geeignete Mechanismen zu finden, mit denen es auch diese amerikanischen Energiesanktionen umgehen kann – so wie frühere auch umgangen wurden.

Und dann wird dies erneut ein Beweis für die völlige Machtlosigkeit der amerikanischen Sanktionspolitik und für jene Möglichkeiten sein, über die die Russische Föderation und die Volksrepublik China bei der Beherrschung der modernen Welt verfügen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Результати перемовин у Майамі | Віталій Портников. 21.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 21.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Russland kippt den „Friedensplan“ | Vitaly Portnikov. 21.12.2025.

Der Assistent des Präsidenten der Russischen Föderation, Juri Uschakow, betonte, dass jene Änderungen, die die Ukrainer und die Europäer am sogenannten Friedensplan von Donald Trump vornehmen, nicht zur Erzielung einer Einigung beitragen.

Darin, wie wir verstehen, bestand auch der russische Plan, der mit einer Verzögerungstaktik zur Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges und zur Verhinderung neuer Sanktionen gegen Russland verbunden war. Zuerst wollte man der amerikanischen Seite irgendwelche vermeintlich friedlichen Vorschläge unterbreiten, die die Konstruktivität Putins belegen sollten. Und später, wenn diese Vorschläge mit ukrainischen und europäischen Partnern diskutiert würden, sollte Kyiv und die europäischen Hauptstädte genau der fehlenden Konstruktivität beschuldigt werden – um sich entweder von der Erörterung des Friedensplans zu verabschieden oder die Diskussionen über jeden einzelnen Punkt so lange fortzuführen, bis Donald Trumps Amtszeit endet.

Geradezu erstaunlich ist die Tatsache, dass Uschakow, der außenpolitische Assistent des russischen Präsidenten, nichts über die Änderungen am Friedensplan weiß und sagt, der Kreml verfolge diese Änderungen ausschließlich über Medienberichte. Nichts weiß Uschakow auch über das, womit sich in Miami der Sondergesandte des russischen Präsidenten, Kyrill Dmitrijew, beschäftigt, der sich in den Vereinigten Staaten mit dem Sonderbeauftragten des amerikanischen Präsidenten, Steve Witkoff, und mit dem Schwiegersohn von Präsident Trump, Jared Kushner, trifft.

Dieses offen zur Schau gestellte Desinteresse am Ergebnis von Dmitrijews Reise belegt einmal mehr, dass die Aufgabe des sogenannten Sonderbeauftragten lediglich die Ausschmückung eines Friedensprozesses ist. Niemand in der Präsidialverwaltung Russlands erwartet von Dmitrijew irgendein reales Ergebnis, und man verfolgt seine Reise nicht einmal besonders – denn seine einzige Aufgabe besteht darin, Zeit zu schinden.

Der interessanteste Moment in Uschakows Erklärung ist seine erleichterte Feststellung der Tatsache, dass bald Weihnachten sei, und dass Weihnachten in den Vereinigten Staaten niemand gestrichen habe und natürlich dort an Weihnachten niemand arbeiten werde. Dass Steve Witkoff und Jared Kushner während Chanukka im Grunde weiterarbeiten, dass für sie der 24. Dezember die Neujahrsfeiertage praktisch nichts einleitet, sondern  eher abschließt – all das ist für den Assistenten des Präsidenten der Russischen Föderation offenbar völlig unverständlich, doch Tatsache bleibt Tatsache.

Er wünscht sich, dass die amerikanischen Vertreter wenigstens bis zum Ende der Neujahrsfeiertage die Arbeit einstellen – nun, zumindest bis zum Neujahrsfest im russischen Verständnis, also bis Weihnachten nach dem julianischen Kalender. Und so könnte man noch etwas Zeit gewinnen und zu neuen Verhandlungen erst im Januar des kommenden Jahres zurückkehren.

Meiner Ansicht nach könnte Russland jetzt überhaupt das Interesse an irgendeinem Friedensprozess verlieren. Denn das Hauptziel des Kreml war erstens, westliche Sanktionen gegen die Russische Föderation zu verhindern. Putin hat hier eine Niederlage erlitten, weil Trump trotz des Friedensprozesses Sanktionen gegen die russischen Öl-Giganten „Rosneft“ und „Lukoil“ verhängt hat – und diese Sanktionen sind bereits in Kraft getreten.

Und zweitens sollte die Beschlagnahme russischer Vermögenswerte zur Unterstützung der ukrainischen Wirtschaft verhindert werden. Einerseits ist es Putin mithilfe Trumps und dessen enger Freunde in der Europäischen Union – vor allem Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni – gelungen, zu verhindern, dass russische Vermögenswerte der Ukraine für die kommenden Jahre zur Verfügung gestellt werden.

Doch gleichzeitig hat die Europäische Union, und das hatte Putin offensichtlich nicht erwartet, beschlossen, der Ukraine aus ihrem eigenen Haushalt Gelder ungefähr in jener Höhe bereitzustellen, die im Fall einer Beschlagnahme russischer Vermögenswerte hätte bereitgestellt werden können.

Und die Vermögenswerte selbst bleiben auf unbestimmte Zeit eingefroren – was den Europäern die Möglichkeit gibt, jederzeit zu dem Thema ihrer Beschlagnahme zurückzukehren, sagen wir dann, wenn Donald Trump von der politischen Bühne Amerikas verschwunden ist und der nächste Präsident der Vereinigten Staaten sich als weit angemessenere und realistischere Person erweisen könnte als sein ultrarechter Vorgänger. So kann es eben sein – unter den Bedingungen eines demokratischen Staates, den in den Vereinigten Staaten noch niemand demontiert hat.

Dann stellt sich die Frage, wozu Putin überhaupt ein Friedensprozess dient, wenn er ohnehin unter der Bedingung neuer Sanktionen gegen die Russische Föderation stattfindet und unter der Bedingung, dass die Ukraine Geld im Haushalt haben wird, um der russischen Aggression sowohl 2026 als auch 2027 zu widerstehen.

Die Antwort ist recht einfach: Vielleicht will man neue Sanktionen verhindern – verhindern, dass Donald Trump Entscheidungen trifft, die die russische Wirtschaft weiter zerstören und schließlich Prozesse auslösen würden, die Putin selbst mithilfe seiner Verbündeten in der Volksrepublik China, die offensichtlich zu weiterer Unterstützung Moskaus bereit sind, nicht mehr aufhalten könnte.

Unter diesen Umständen kann die Imitation eines Friedensprozesses sozusagen auf Minimalniveau stattfinden. Denn wir sehen, dass kein einziger ernstzunehmender russischer Beamter derzeit beabsichtigt, an Verhandlungen teilzunehmen. Von keinem Dreiertreffen, selbst nicht auf Expertenebene zwischen Amerikanern, Russen und Ukrainern, von dem in den Vereinigten Staaten die Rede war, will man in Russland überhaupt etwas hören.

Uschakow sagte im Gespräch mit Journalisten, dass ihm darüber nichts bekannt sei und dass Dmitrijew ausschließlich für Gespräche mit amerikanischen Partnern in die Vereinigten Staaten entsandt worden sei. Und in Moskau weiß man nicht einmal – und will, wie ich verstehe, auch gar nicht wissen –, ob sich derzeit Vertreter der Ukraine in den Vereinigten Staaten aufhalten.

Wie ich also bereits mehrfach sagte, handelt es sich nicht um einen realen Friedensprozess, sondern um die Arbeit der Präsidialverwaltung der Vereinigten Staaten, die Arbeit des besten Freundes des amerikanischen Präsidenten und seines Schwiegersohns – im Interesse einer einzigen Person.

Und diese Person ist keineswegs Donald Trump, der im Grunde während dieses Prozesses zum Narren gehalten wird. Diese Person ist selbstverständlich Putin, der sich mithilfe von Witkoff und Kushner Zeit erkauft – für den weiteren Krieg gegen die Ukrainer, für Angriffe auf ukrainische Städte, für die Zerstörung der ukrainischen Wirtschaft und für die Besetzung ukrainischen Territoriums.

Und Verhandlungen ohne jegliche Ergebnisse fördern meiner Ansicht nach nur die Erreichung der ehrgeizigen imperialistischen Ziele des russischen Präsidenten und bringen dem amerikanischen Präsidenten nichts außer der Erkenntnis der Welt über seine Unangemessenheit und Realitätsferne.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Росія перекреслює «мирний план» | Віталій Портников. 21.12.2025.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 21.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Wohin sich der „Friedensplan“ bewegt | Vitaly Portnikov. 20.12.2025.

Die Verhandlungen über den sogenannten Friedensplan von Donald Trump finden derzeit, könnte man sagen, unter strenger Geheimhaltung statt. Über die Ergebnisse der amerikanisch-ukrainischen Konsultationen zwischen dem Sekretär des Rates für Nationale Sicherheit und Verteidigung der Ukraine, Rustem Umerow, und den Sonderbeauftragten Donald Trumps, Steve Witkoff und Jared Kushner, wurde praktisch nichts mitgeteilt.

Dabei sollten sich diesen Konsultationen auch sicherheitspolitische Berater europäischer Staaten sowie der Außenminister der Türkei und der Premierminister von Katar anschließen, was grundsätzlich auf eine größere geografische Streuung dieser Verhandlungsrunde hinweist.

Nun ist das Auto des Sonderbeauftragten des russischen Präsidenten, Kirill Dmitrijew, in Miami eingetroffen. Und erneut ist völlig unklar, ob es irgendwelche realen Ergebnisse dieser Beratungen geben wird oder ob in den Vereinigten Staaten das überhaupt verkündet wird.

Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, betonte, dass die Amerikaner ein gemeinsames trilaterales Verhandlungsformat vorschlagen – also Gespräche zwischen Vertretern der USA, Russlands und der Ukraine gleichzeitig. Doch derzeit gibt es keinerlei Informationen über die Möglichkeit eines solchen Treffens, wenngleich – wie wir verstehen – auch dieses keine Sensation wäre.

Bekanntlich haben sich russische und ukrainische Delegationen bereits mehrfach getroffen, ohne dass dies je zu konkreten Ergebnissen geführt hätte, die eine Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges ermöglicht hätten.

Aus den Absichten der russischen Führung lässt sich schwer erkennen, dass Putin wirklich Frieden anstrebt. Seine jüngste sogenannte „Direkte Linie“, von der nahezu die Hälfte der Zeit speziell dem russisch-ukrainischen Krieg gewidmet war, zeigte vielmehr den brennenden Wunsch des russischen Präsidenten, die Kampfhandlungen fortzusetzen – und wenn, dann nur auf der Grundlage einer Kapitulation der Ukraine und des Zusammenbruchs des Westens. Und das ist genau nicht das, was man in Kyjiw will und ebenso wenig das, was man in den Vereinigten Staaten will.

Der Präsident der Ukraine sagt zudem, dass es in der Praxis möglicherweise überhaupt keinen realen Friedensplan geben wird, denn es ist eine Sache, Vereinbarungen auf Papier zu haben, und eine andere, sie im echten Leben umzusetzen. Dennoch hofft Zelensky weiterhin auf stärkeren Druck der Vereinigten Staaten auf die Russische Föderation. Noch ist jedoch unklar, inwieweit dieser verstärkte Druck die Lage in der russischen Wirtschaft tatsächlich verändern und Putin dazu bringen könnte, über einen echten und nicht über einen imitierten Friedensprozess nachzudenken.

Was sich tatsächlich auf die russische Position auswirken könnte, ist der Beschluss der Europäischen Union, der Ukraine 90 Milliarden Euro für die kommenden zwei Jahre bereitzustellen. In Moskau hat man bekanntlich enorme Anstrengungen unternommen, nicht nur die Möglichkeit zu torpedieren, der Ukraine die eingefrorenen russischen Vermögenswerte aus europäischen Depots zuzuweisen, sondern überhaupt die Bereitstellung jeglicher Gelder an die Ukraine zu verhindern.

Und die Tatsache, dass die Europäer dennoch einen Weg gefunden haben, ruft aufrichtige Verärgerung bei der russischen Führung und ihrer Propaganda hervor. Schon hören wir aus Moskau Behauptungen, dieses Geld werde es in Wirklichkeit gar nicht geben, für die EU sei es eine gigantische Summe, die sie nicht aufbringen könne – obwohl solche Aussagen, milde gesagt, nicht der Realität entsprechen. Für die Europäische Union ist das, ernsthaft betrachtet, keine gigantische Summe. Man darf die russische Wirtschaft nicht mit der Wirtschaft der europäischen Länder verwechseln.

Aber es bedeutet, dass Putin lange weiterkämpfen und den Zustand der eigenen Wirtschaft einkalkulieren muss. Und genau das kann sich künftig auf die russische Verhandlungsposition auswirken – ebenso wie ein stärkerer amerikanischer Druck, sofern er zustande kommt.

Vorausgesetzt, Donald Trump findet nach der Verhängung von Sanktionen gegen die russischen Öl-Giganten „Lukoil“ und „Rosneft“ auch Möglichkeiten, diese Sanktionen seitens der Vereinigten Staaten zu kontrollieren. Denn wir wissen, dass Russland gelernt hat, diese Sanktionen zu umgehen und zahlreiche Partner besitzt, die bereit sind, neue Modelle zu unterstützen. Zwar verzichten die größten Unternehmen der Volksrepublik China und Indiens bisher – ich betone: bisher – auf den Kauf von russischem Öl, doch andere Unternehmen dieser beiden Länder kaufen es weiterhin, wenn auch mit erheblichen Rabatten. Und ich wäre nicht überrascht, wenn Russland, Indien und China in ein paar Monaten ein effektives System finden, das Russland erlaubt, die Sanktionen gegen „Lukoil“ und „Rosneft“ zu vergessen – so wie man in Moskau längst die Ergebnisse früherer amerikanischer Sanktionen gegen andere russische Öl-Konzerne vergessen hat.

Doch wenn man fragt, wohin sich der Friedensprozess bewegt, kann man klar sagen: bislang nirgendwohin. Für die Führung der Russischen Föderation ist dies kein Friedensprozess, sondern eine Möglichkeit, Zeit für weitere Kriegshandlungen gegen unser Land zu gewinnen. Und dass Russland tatsächlich Zeit schindet und auf einen langen Krieg, auf die Erschöpfung der Ukraine setzt, dürfte wohl niemand bestreiten können.

Für die Ukraine ist dieser Friedensprozess eine Möglichkeit, gute Beziehungen zum Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, aufrechtzuerhalten – selbst wenn man dafür lange und sinnlose Konsultationen mit Steve Witkoff und Jared Kushner führen muss, die offenbar bis heute das Wesen des russischen Ansatzes nicht verstehen können.

Für die europäischen Länder, deren Vertreter ebenfalls an diesen Gesprächen teilnehmen, besteht die Hauptaufgabe darin, die Ukraine vor der vollkommen vorhersehbaren Wut des amerikanischen Präsidenten zu schützen, falls sich herausstellt, dass er erneut ein Luftschloss gebaut hat. Und wir wissen, wie Trump auf den Zusammenbruch seiner politischen Illusionen reagiert. Und zugleich – sich nicht mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zu überwerfen.

Interessant ist, welche Rolle in dieser Situation Vertreter des sogenannten globalen Südens spielen, in erster Linie die Türkei und Katar. Wir wissen bereits, dass Steve Witkoff und Kirill Dmitrijew durch den Kronprinzen von Saudi-Arabien, Mohammed, zusammengebracht wurden, der besondere persönliche Beziehungen zum russischen Präsidenten Putin unterhält und sich zugleich über die Begeisterung Donald Trumps freuen kann, der auf saudische Investitionen in die amerikanische Wirtschaft hofft.

Doch der Umstand, dass mit den Ukrainern über den Frieden nun katarische und türkische Beamte sprechen, ist sogar noch interessanter als die Anwesenheit der Europäer. Denn Russland ist von den Geldern abhängig, die es heute aus seinen wirtschaftlichen Beziehungen mit Ländern des globalen Südens erwirtschaftet, und möchte diese Beziehungen erhalten.

Obwohl man in jedem Fall verstehen muss: Katar und die Türkei sind nicht die Volksrepublik China. Und eventuelle Probleme, die in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit diesen oder anderen Ländern entstehen könnten, werden Russland nicht übermäßig schaden, sofern es für weitere Jahre des zermürbenden Krieges die Unterstützung seines chinesischen Partners bewahrt.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Куди рухається „мирний план“ | Віталій Портников. 20.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 20.12.2025.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Friedensverhandlungen: Womit ist zu rechnen | Vitaly Portnikov. 16.12.2025.

Wir setzen mit Ihnen unseren, man kann sagen, fast täglichen Marathon fort, der dem gewidmet ist, was sich künftig mit dem Friedensprozess im russisch-ukrainischen Krieg ereignen wird. Und natürlich müssen wir klar verstehen, warum wir so viel darüber sprechen und wie die Lage bei der Regelung jetzt aussieht.

Zunächst hängt das damit zusammen, dass viele Menschen große Hoffnungen haben, dass der Krieg infolge der Verhandlungen, die zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten stattfinden, und manchmal zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation, enden könnte. Und dass wir doch noch Frieden in einem Konflikt erleben werden, der bald schon 12 Jahre andauert, und in einem großen Krieg, der bald schon vier Jahre andauert.

Und natürlich gibt es den Satz, der viele Politiker charakterisiert, die Ihnen sagen können, dass es Dinge gibt, die wichtiger sind als Frieden. Obwohl es in Wirklichkeit natürlich nichts Wichtigeres als Frieden im menschlichen Leben gibt. Aber in einer Situation, in der es keine realen Perspektiven für eine Regelung gibt, erscheinen tatsächlich Dinge, die wichtiger sind als Frieden. Und vor allem können wir darüber sprechen, was passiert, wenn Sie so wollen, in einer Situation, in der wir nach einem Modell amerikanisch-ukrainischer Verhandlungen suchen, das der amerikanischen Administration nicht die Möglichkeit gibt, ausgerechnet uns und die Europäer für das Scheitern des Friedensprozesses verantwortlich zu machen und so alle Bedingungen dafür zu schaffen, die Hilfe für die Ukraine einzustellen, den Austausch von Aufklärungsdaten mit der Ukraine einzustellen, den Verkauf von Waffen auf Kosten der Europäischen Union einzustellen.

Deshalb muss die Ukraine in diesem Prozess, kann man sagen, eine doppelte Aufgabe lösen. Erstens: tatsächlich für einen realen Friedensvertrag zu kämpfen, der zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges führen würde, falls Bedingungen entstehen, die dazu führen, dass ein solcher Vertrag tatsächlich angenommen wird, wenn Russland gezwungen sein wird, zuzustimmen, dass der Krieg beendet werden muss. Wenn aber keinerlei Bedingungen entstanden sind, damit Russland bereit wäre, den Krieg zu beenden, gibt es eine andere Aufgabe, nicht weniger wichtig: die amerikanische Unterstützung und die Unterstützung des Westens zu bewahren.

Und das Allerwichtigste im Rahmen dieser Unterstützung ist, den Druck auf die Russische Föderation zu erhöhen, was ebenfalls eine ziemlich wichtige Voraussetzung für die weitere Entwicklung der Ereignisse in diesem Verhandlungsprozess ist. Und ich würde sagen, dass wir heute zum ersten Mal auf relativ hoher Ebene die russische Reaktion auf das gesehen haben, was rund um den Friedensprozess passiert.

Wir sprechen viel darüber, dass das reale Friedensverhandlungen seien. Und wenn schon die Amerikaner sie führen, dann wissen sie doch ganz genau, dass die Russen grundsätzlich bereit sind, den Krieg zu beenden. Sie suchen einfach für die Russen solche Bedingungen, die ihnen die Möglichkeit geben würden, diesen Krieg tatsächlich zu beenden.

Was kann man zu diesem Schluss sagen? In Wirklichkeit sehen wir jetzt, wenn wir realistisch sprechen, dass russische Beamten weiterhin all diese Erklärungen wiederholen, die wir von ihnen seit 2022 gehört haben. Die erste davon kam vom Außenminister der Russischen Föderation Sergej Lawrow, der klar sagte, dass die Russen zufrieden seien, dass die Amerikaner verstehen, dass vor allem die Frage der „Ursachen“ des Konflikts gelöst werden müsse.

Und hier kommt die Frage auf: Was genau ist mit diesen „Ursachen“ gemeint? Allein die Tatsache der Existenz unseres Staates? Oder dass die Ukrainer ihren eigenen politischen Kurs verfolgen wollen, dass sie nicht in Integrationsbündnissen sein wollen, die Russland geschaffen hat, um die ehemaligen sowjetischen Republiken zu zähmen? Oder dass in der Ukraine überhaupt Ukrainisch und nicht Russisch gesprochen wird – was im chauvinistischen Russland als Ursache des Konflikts gilt, nämlich die Existenz der Ukraine selbst?

Lawrow sprach auch davon, dass dies die Frage des Beitritts der Ukraine zur NATO sei, ebenfalls ein Teil der Ursachen des Konflikts. Wie bekannt ist, hat das Außenministerium der Russischen Föderation 2021 eine entsprechende Erklärung an das US-Außenministerium gerichtet, dass die NATO sich verpflichten müsse, sich nicht auf Kosten der ehemaligen sowjetischen Republiken zu erweitern. Damals wurde der russischen Führung klar gesagt, dass sie nicht auf die Entscheidungen der NATO einwirken könne. Gleichzeitig wurde vom Präsidenten der Vereinigten Staaten Joe Biden vorgeschlagen, als er entsprechende virtuelle Gespräche mit Putin führte, reale Gespräche über die Sicherheit in Europa zu beginnen. Und wie bekannt ist, lehnte Putin diese Gespräche ab.

Ich denke ehrlich gesagt manchmal, wenn Donald Trump sagt, dass es den Krieg nicht gegeben hätte, wenn er Präsident gewesen wäre, meint er, dass er Putins Ultimatum sicher angenommen hätte, weil ein Teil seines Friedensplans genau in der Zustimmung zu Putins Ultimatum besteht: dass die Vereinigten Staaten eine völlig klare Verpflichtung übernehmen, den Beitritt der Ukraine zur NATO zu blockieren, und so würden Russlands Sorgen über seine Sicherheitsprobleme ausgeräumt.

Aber wir verstehen doch, dass das kompletter Unsinn ist, weil Russland sich in Wahrheit absolut nicht darum sorgt, wer NATO-Mitglied sein wird, und überhaupt nicht glaubt, dass die NATO Russland bedroht. Nein. In Russland glaubt man, es sei unmöglich, eine Situation zuzulassen, in der der Kreml nicht über die Besetzung der ehemaligen sowjetischen Republiken entscheiden könnte. Und aus dieser Sicht kann der Beitritt der Ukraine zur NATO tatsächlich den Kremlplänen im Weg stehen.

Aber jetzt sehen wir, dass die Amerikaner nicht nur sagen, dass sie den Beitritt der Ukraine zur NATO nicht zulassen werden, sondern zugleich bereit sind, mit uns Sicherheitsgarantien zu besprechen, die einen juristischen Charakter haben werden. Das heißt faktisch der Ukraine die Möglichkeit geben, auf ein reales amerikanisches Eingreifen im Falle eines erneuten Angriffs Russlands zu hoffen. Und ich verstehe bis heute nicht, warum man in Moskau einem solchen Verlauf zustimmen sollte, wenn die zentrale russische Idee darin besteht, jede Form eines amerikanisches Eingreifens in einer Situation zu verhindern, in der Russland reif für die endgültigen Besetzung der Ukraine wird.

Eine weitere Erklärung – wir haben sie auch gehört – ist die Erklärung des stellvertretenden Außenministers der Russischen Föderation Sergej Rjabkow, des Mannes, der gerade für die amerikanisch-russische Verhandlungsschiene zuständig ist. Rjabkow sagte klar, dass es keinerlei Kompromisse bezüglich der Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja geben könne. Über die Krim rede überhaupt niemand. Sie wurde von Russland schon 2014 annektiert. Und wie bekannt ist, wollte die russische Führung nie über die Krim und ihren Status sprechen.

Aber jetzt sind zu den Territorien, über die niemand sprechen wird, noch vier weiteren ukrainische Regionen hinzugekommen. Und übrigens: Nach Rjabkows Worten kehre ich wieder zu der Frage zurück, die ich ständig zu stellen versuche: „Woher kommt diese Idee, dass wenn die Ukraine Territorium im Gebiet Donezk abtritt, danach nicht die Saporischschja und Cherson an die Reihe kommt?“ Aus der Sicht des sogenannten Verfassungsrechts der Russischen Föderation sind diese vier Regionen ein untrennbarer Teil Russlands, genauso föderale Subjekte wie das Gebiet Brjansk oder Kursk. Und es stellt sich die Frage: Wenn Russland die ukrainischen Truppen auf dem Territorium der Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja als Besatzungstruppen betrachtet, warum sollte Moskau verlangen, dass die ukrainischen Truppen nur das Gebiet Donezk verlassen, die Gebiete Cherson und Saporischschja aber weiterhin halten?

Und wir verstehen, dass es dann um einen eingefrorenen Konflikt gehen wird – und darum, dass die Russen nach einem solchen eingefrorenen Konflikt immer glauben werden, ein Teil russischen Territoriums werde weiterhin von der Ukraine besetzt, und sie werden nur auf den Moment warten, um wieder anzugreifen.

Und hier gibt es immer eine gute Frage: Werden unsere Sicherheitsgaranten bereit sein, an einem Krieg teilzunehmen, wenn es genau um die Territorien der Gebiete Cherson und Saporischschja geht? Und wird Russland wirklich einem Friedensvertrag zustimmen, in dem die Rückgabe seiner sogenannten Territorien Cherson und Saporischschja nicht vorgesehen ist?

Tatsächlich ist das eine ziemlich ernste Frage, weil ich den Verdacht habe, dass sobald die Ukraine der amerikanischen Idee zustimmt, dass die ukrainischen Truppen das Gebiet Donezk verlassen müssen, sofort eine Situation in Zusammenhang mit den Gebieten Cherson und Saporischschja entstehen kann. Das ist der zentrale Punkt, der mit dem russisch-ukrainischen Krieg und der amerikanischen Vermittlung verbunden ist.

Amerikanische Vermittler können das einfach nicht verstehen, weil sie – wie es oft in Verhandlungen mit Leuten wie Putin passiert – auf ein Ehrenwort oder putinsche Garantien hoffen. Aber Putin kann denken, dass er auch in Verhandlungen mit Witkoff und Kushner die Salamitaktik anwenden kann – wie er sie bei der Besetzung neuer ukrainischer Regionen anwendet.

Heute verlangt Russland den Abzug der Truppen aus der Donezk-Region. Morgen ist die Reihe Cherson, und übermorgen – wenn es den russischen Truppen gelingt, von neuen Positionen im Donezk-Gebiet in andere ukrainische Regionen durchzubrechen – wird es там тоже Referenden geben, auch da wird man die Schaffung von irgendwelchen unabhängigen Staat „Dnipropetrowsk“ oder „Poltawa“ verkünden. Und auch diese Regionen werden teilweise von der Russischen Föderation annektiert werden, und dann wird man verlangen, dass die ukrainischen Truppen das gesamte Territorium dieser Gebiete verlassen.

Das heißt: Für mich ist das tatsächlich ein Schritt in eine Sackgasse. Und ich verstehe nicht sehr gut, wie diese Sackgasse in Zukunft real aussehen wird. Zumal wir aus den Worten des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky gesehen haben, dass die Verhandlungen mit den Amerikanern genau über das Territorium des Gebiets Donezk gehen. Und wir sehen jetzt schon keine entschlossene Ablehnung der Fortsetzung solcher Verhandlungen.

Zelensky betont, dass die Ukraine weder faktisch noch juristisch auf das Gebiet Donezk verzichten wird. Aber gleichzeitig, wenn wir die Frage des Status dieses Territoriums der Donezk-Region diskutieren, das heute unter ukrainischer Kontrolle steht, sehen wir, dass die Russen wollen, dass das gesamte Territorium von Russland kontrolliert wird. Wir wollen die Kontrolle über den Teil des Territoriums behalten, der jetzt von den ukrainischen Streitkräften kontrolliert wird. Und die Amerikaner schlagen uns vor, eine sogenannte Freie Wirtschaftszone zu schaffen, was im Grunde eine Wiederholung der Logik der Minsker Abkommen ist.

Und hier zeigt sich ein weiterer Moment für die weitere Entwicklung der Ereignisse. Die Russen sind nicht dagegen, dass es eine Freie Wirtschaftszone oder eine entmilitarisierte Zone gibt, aber sie, nach den Worten eines anderen hochrangigen russischen чиновника Jurij Uschakow zu urteilen, würden gern haben, dass in dieser Zone die Russische Nationalgarde steht.

Stellen wir uns vor, Witkoff und Kushner überzeugen Putin davon, dass es keinerlei russische Einheiten auf diesem Territorium geben wird, oder dass dort internationale Friedenstruppen stehen werden, irgendeine lokale „Volks-Polizei“. Das würde trotzdem bedeuten, dass dies eine Übergangsphase zum faktisch Verlust unserer Kontrolle im Gebiet Donezk ist.

Ich rede schon gar nicht von den ständigen Gesprächen darüber, dass man ein Referendum abhalten müsse und dass bei diesem Referendum das ukrainische Volk über das Schicksal des Territoriums entscheiden solle. Stellen wir uns vor, dass tatsächlich irgendeine Gesetzgebung eingeführt wird, die es erlaubt, in Kriegszeiten ein Referendum abzuhalten. Erstens: Wer hat gesagt, dass die überwältigende Mehrheit der Ukrainer damit einverstanden sein wird, dass das Territorium, auf dem heute ukrainische Truppen stehen, Russland übergeben wird und dass wir die besetzten Territorien überhaupt juristisch als russisch anerkennen? Ich denke, die überwältigende Mehrheit der ukrainischen Wähler wird entschieden Nein sagen. Aber selbst wenn sie nicht Nein sagt – obwohl ich wenig daran glaube – sagen Sie bitte: Wie stellen Sie sich die Umsetzung eines solchen Beschlusses vor, wenn die ukrainische Verfassung Änderungen während des Kriegs- und Ausnahmezustands direkt verbietet?

Das heißt: Selbst um irgendwelche Änderungen durchzuführen, muss man den Krieg beenden und den Kriegszustand aufheben. Und Putin hat nicht vor, den Krieg zu beenden, bevor nicht juristisch die Frage der Anerkennung der Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja als Teile der Russischen Föderation gelöst ist. Und natürlich der Krim.

Und glauben Sie, Putin versteht das nicht? Er versteht es sehr gut. Er treibt die Situation absichtlich in eine Sackgasse, um sich die Möglichkeit zu sichern, den Krieg Russlands gegen die Ukraine fortzusetzen. Das ist die ganze Logik.

Und der nächste Moment, der ein solcher Lackmustest für die russischen Wünsche war, ist die Antwort des Kreml auf die Initiative des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz, der wenigstens einen Weihnachts-Waffenstillstand vorgeschlagen hat, im die Menschen während der Neujahrsfeiertage nicht zu terrorisieren.

Wir erhielten die zynische Antwort des Sprechers von Präsident Putin, Peskow, der sagte, dass Russland in Wirklichkeit Frieden wolle und deshalb an keinerlei Waffenstillständen interessiert sei, während derer die Ukrainer ihre Kräfte wiederherstellen könnten, um der russischen Aggression zu widerstehen. Meiner Meinung nach ist das eine absolut klare Antwort, die eindeutig zeigt, dass man in Russland nicht einmal darüber nachdenkt, die Kampfhandlungen zu beenden – nicht einmal für eine Minute.

Und das ist dieser Lackmustest, von dem ich mehrere Male gesprochen habe. Wenn jemand echten Frieden will, beginnt alles mit einem Waffenstillstand, sogar mit einem vorhandenen Waffenstillstand. Wenn jemand echten Frieden nicht will, gibt es so keinerlei Gründe zu glauben, dass irgendwelche Friedensverhandlungen laufen.

Wenn Russland wirklich an irgendeinen Waffenstillstand, an Frieden gedacht hätte, hätten sie natürlich Weihnachten genutzt. Nicht einmal, damit die Ukrainer diese Feiertage ruhig feiern, sondern damit die Russen sie ruhig feiern. Denn auch gegen der russische Regionen werden Schläge durch ukrainische Drohnen geführt, Ölraffinerien brennen, Explosionen sind уже in der Umgebung der russischen Hauptstadt selbst zu hören. Und selbst das berühmte Luftabwehrsystem Moskaus hilft nicht.

Es scheint, eine Landesführung, die sich um ihre Mitbürger sorgt, hätte über die Notwendigkeit nachdenken müssen, dass es zumindest einen bedingten Prozess gibt, der den Menschen erlaubt, ruhig zu feiern.

Nein, das brauchen die Russen absolut nicht, weil sie auf die Fortsetzung des Krieges fixiert sind und glauben, dass die Erschöpfung der Ukraine ihnen die Möglichkeit geben wird, dem Bestehen eines feindlichen Staates ein Ende zu setzen. Und das ist die Logik, über die ich ständig spreche, wenn ich diesen Friedensprozess kommentiere.

Verstehen Sie eine einfache Sache. Der Nahe Osten ist eine Region, in der Donald Trump wirklich echten Erfolg erzielt hat. Aber dieser Waffenstillstand ist kein Friedensabkommen zwischen Israel und Hamas. Und zweimal wurden reale Entscheidungen über einen Waffenstillstand erreicht. Und die erste Phase des letzten Abkommens im Nahen Osten war ein Waffenstillstand Israels und die Freilassung israelischer Geiseln, die seit dem 7. Oktober 2023 von der terroristischen Organisation Hamas festgehalten wurden. Und dann kommt die nächste Phase, nachdem die erste Phase erfüllt ist und nachdem es keine groß-angelegten Angriffe mehr gibt, die die Konfliktparteien austauschen.

Jetzt passiert überhaupt nichts Ähnliches. Die Amerikaner selbst stimmen der Idee eines Energie-Waffenstillstands, eines Waffenstillstands auf See nicht zu – das waren Initiativen, mit denen etwa der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan aufgetreten ist –, weil sie dem Rezept Putins folgen wollen. Das ist eine Art Bewusstseinswandel, der in Anchorage stattgefunden hat.

Mich interessiert sehr: Wie? Aus welchen Gründen? Denn in Anchorage, das haben wir mit eigenen Augen gesehen, endete das Treffen zwischen Trump und Putin in einem vollständigen Fiasko. Putin nahm Trumps Vorschlag nicht an, an der russisch-ukrainischen Front einen Waffenstillstand zu schließen und dann die Fragen des Friedensprozesses zu lösen. Das ist nicht passiert.

Aus welchen Gründen entschied Trump nach Anchorage, dass er real Putins Vorschlägen folgen und damit einverstanden sein müsse, dass man sich сначала über einen Friedensvertrag einigt und dann darüber sprechen kann, wie man das Feuer einstellt, wenn man realen Fortschritt beim Abschluss eines Friedensvertrags zwischen Russland und der Ukraine erzielen kann?

Vielleicht entschied Trump, dass er real mit seinem Plan an Putin herantreten und ihm zustimmen kann – also faktisch Putins Vorschlägen folgen –, aber im Gegenzug vom russischen Präsidenten einen schnellen Friedensprozess erhalten. Da war die Idee: „Gut, wir stimmen der Logik des Friedens zu, aber lass uns wirklich alles Mögliche tun, damit dieser Friedensvertrag so schnell wie möglich geschlossen wird.“

Und das ist genau das, was Putin braucht. Er kann so diese Friedensverhandlungen buchstäblich bis in alle Ewigkeit fortsetzen, ohne irgendwelche Anstrengungen, Trump in der Hand haltend und die ganze Zeit von seiner Friedfertigkeit erzählend.

Ich kann nicht sagen, dass Putin in einer solchen Situation wirklich gewinnt. Die Wahrheit ist, dass er hoffte, durch all diese Friedenspläne, all diese Friedensvorschläge die Möglichkeiten der Einführung neuer Sanktionen gegen die Russische Föderation zu annullieren – Sanktionen , die, wie bekannt, gegen die Unternehmen Rosneft und Lukoil gerichtet waren. Und das war Putins Hauptidee, als er versuchte, Trumps Bemühungen mithilfe von Friedensverhandlungen zu zerstören, die mit den Initiativen Dmitrijews verbunden wären.

Vielleicht ist das tatsächlich eine reale Sache, die mit der künftigen Entwicklung der Ereignisse an der russisch-ukrainischen Front zusammenhängt. Vielleicht so betrachtete Putin die Möglichkeit, wie sich die weitere Entwicklung im russisch-ukrainischen Konflikt vollziehen würde. Aber wir sehen, dass er sich verrechnet hat. Ja, der Friedensplan wurde akzeptiert, und so begann diese Maschine der Trump-Administration um diesen Friedensplan zu kreisen. Aber die Sanktionen wirken ebenfalls.

Das heißt: faktisch befinden sich jetzt aktuell alle nicht auf den Positionen, auf denen sie gern im Dezember 2025 sein würden. 

  • Putin hätte gern, dass es Verhandlungen über den Friedensplan gibt und dass er diese Verhandlungen so lange hinausziehen kann, wie er es braucht – aber gleichzeitig ohne Sanktionen gegen die Russische Föderation. 
  • Wir würden gern, dass der Druck auf die Russische Föderation weitergeht, aber dass man uns keine ungünstigen Friedensbedingungen aufzwingt – und schon gar nicht den Abzug ukrainischer Truppen aus dem Gebiet Donezk. 
  • Trump hätte gern, dass Putin die Friedensverhandlungen als Ergebnis des Drucks auf ihn wahrnimmt und schließlich den Bedingungen und Vorschlägen zustimmt, die von der amerikanischen Administration real angeboten werden können. 

So ist das ein ziemlich ernsthafter Moment der Enttäuschung aller über das, was jetzt passiert.

Und vor diesem Hintergrund gehen diese Verhandlungen weiter. Und man sollte nicht glauben, dass Trump nicht versteht, was passiert. Heute gab die Stabschefin des Weißen Hauses Susie Wiles, eine der – ich würde sagen – einflussreichsten Figuren in der heutigen amerikanischen Administration, dem Magazin Vanity Fair ein Interview. Ein sensationelles Interview, in dem sie über viele amerikanische Beamten , gelinde gesagt, ohne großen Enthusiasmus sprach. Sie deutete sogar an, dass Elon Musk bestimmte Dinge in verändertem Zustand getan habe. Sie sprach über den Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten J. D. Vance als über einen Menschen, der an Verschwörungstheorien glaubt.

Aber was sagte sie über Donald Trump und seine Haltung zur Ukraine? „Experten sind der Meinung, dass Putin glücklich sein wird, wenn er den Teil des Gebiets Donezk erhält, der jetzt unter Kontrolle der Ukraine steht. Aber im privaten Gespräch ließ Donald Trump verstehen, dass er das nicht glaube. Donald Trump glaubt, dass Putin das ganze Land erobern will“, sagte Susie Wiles.

Das ist vielleicht keine Sensation, weil Trump auch selbst und ohne jeden privaten Rahmen sagte, dass Putin die ganze Ukraine erobern will. Aber wie wir sehen, ist das nicht nur eine öffentliche Aussage. Er sagt es seinen Verbündeten. Das heißt: Er versteht, dass es nicht um den Donbas geht, dass Putin viel ambitioniertere Wünsche gegenüber unserem Land hat. Er versteht, dass das Ziel dieses Krieges die Liquidierung der ukrainischen Staatlichkeit ist.

Aber warum glaubt er dann, dass diese Bedingungen für einen Waffenstillstand, die er Putin vorschlägt, für den russischen Präsidenten ausreichend sind? Warum kann man grundsätzlich jetzt davon sprechen, dass Putin zustimmen wird, dass er sich wirklich nur mit einem Teil des Gebiets Donezk zufriedengibt?

Wir haben darauf keine Antwort. Und ich denke, dass die Hauptantwort darin liegt, dass Putin nicht mit einem Teil des Gebiets Donezk zufrieden sein will, sondern mit der Destabilisierung der Situation in unserem Land. Diese Formel „gießt Benzin“, die wir еще 2014 gehört haben, wird weiter angewandt: „Was, wenn Trump Zelensky doch dazu zwingt, auf das Gebiet Donezk zu verzichten, und wir sogar mit Hilfe unserer eigenen Propaganda den Ukrainern erklären, dass das ein echter Verrat ist und dass die Macht sie verraten hat und alle verraten hat, die in diesem Krieg gestorben sind, und deren Angehörige. Und dass man sich dieser Macht schon heute entledigen muss, weil sie morgen dem Feind die ganze Ukraine übergeben wird.“ Und das wird so dem russischen Präsidenten die Möglichkeit der Besetzung neuer ukrainischer Regionen erleichtern.

So sage ich die ganze Zeit: Ich denke, es geht nicht um das Gebiet Donezk; es geht genau um die Ukraine. Und es bleibt nur zu hoffen, dass unsere europäischen Partner das nicht schlechter verstehen als die Amerikaner und dass sie zumindest die Fragen lösen können, die mit der künftigen Hilfe für die Ukraine verbunden sind.

Der Bundeskanzler Merz betonte in seinem Interview mit dem Fernsehsender ZDF, als er das mögliche Auftauchen europäischer Kräfte auf ukrainischem Boden kommentierte, dass die Garanten des Friedens russische Kräfte abwehren müssten, falls irgendwelche Bedingungen eines Waffenstillstands verletzt werden. „Wir werden eine entmilitarisierte Zone zwischen den kriegführenden Seiten sicherstellen. Wenn man sehr konkret ist, werden wir auch gegen entsprechende russische Einfälle und Angriffe handeln. Wir sind noch nicht so weit, aber dass die Amerikaner eine solche Verpflichtung übernommen haben, die Ukraine im Falle eines Waffenstillstands zu schützen – ja, so, als wäre sie NATO-Territorium –, halte ich für eine neue Position der Vereinigten Staaten von Amerika, die Aufmerksamkeit verdient.“

Das sind ziemlich konkrete Worte. Das heißt: Friedenstruppen könnten nicht so weit vom Konfliktgebiet entfernt stehen, wie man früher sagte, als sich etwa der Präsident Frankreichs Emmanuel Macron mit diesem Projekt beschäftigte. Sie könnten auch genau zwischen ukrainischen und russischen Truppen stehen und gegen russische Truppen zuschlagen, wenn die Russen снова einen Schlag gegen die Ukraine führen wollen.

Aber es kommt die nächste Frage auf: Wo sind die Instrumente, die Präsident Putin dazu zwingen, einem solchen Friedensabkommen zuzustimmen? Und am Anfang ist es natürlich wichtig zu verstehen, was mit dem Geld für die Ukraine im nächsten Jahr sein wird – in den Worten desselben Friedrich Merz, der in demselben Interview sagte, dass die Europäer jetzt Chancen von 50 zu 50 haben, diese Vereinbarung zu erreichen.

Die EU muss eine solche Entscheidung treffen, weil die Ukraine mindestens noch zwei Jahre Finanzierung benötigen wird, nachdem im ersten Quartal 2026 der laufende Zeitraum europäischer Finanzierung endet. Aber wenn die Europäer nicht gemeinsam handeln und keine solche Entscheidung treffen können – wann werden sie es überhaupt können? Nun, wir werden sehen, was beim EU-Gipfel am 18. und 19. Dezember passiert. Ich denke, darüber werden wir auch sprechen, aber jetzt ist natürlich die Hauptfrage, wie dieser Friedensprozess weitergehen wird.

Das sind solche Zwischenbilanzen nach dem gestrigen Berliner Gipfel und danach, wie wir schon die russische Reaktion erfahren haben.

Und nun Fragen, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Offizielle Vertreter Russlands haben öffentlich schon etwa 10-mal Frieden abgelehnt. Warum sprechen Weltführer und Medien weiter von entscheidenden Wochen und einem nahenden Frieden?

Portnikov. Das verstehe ich auch absolut nicht. Ich halte es für seltsam, vor dem Hintergrund absolut offensichtlicher Aussagen der Russen, dass sie keinen Frieden wollen, über entscheidende Wochen zu sprechen. Aber wir können annehmen, dass europäische Führer und amerikanische Politiker mehr wissen als wir über die Position der Russischen Föderation oder hoffen, dass der Druck der Amerikaner auf die Administration von Präsident Putin zu groß sein wird, als dass Putin nicht auf irgendwelche vorläufigen Vereinbarungen eingehen könnte. Aber ich habe absolut keine logische Erklärung, warum vor dem Hintergrund der offensichtlichen Weigerung der russischen Führer trotzdem weiter von entscheidenden Wochen gesprochen wird – das ist mir völlig unklar. Ich halte diese Gespräche vor allem für destabilisierend für die ukrainische Gesellschaft.

Frage. Wenn Merz öffentlich Putin einen Weihnachts-Waffenstillstand anbietet – ist das auch ein Versuch zu zeigen, wer Frieden will und wer nicht, für Trump?

Portnikov. Ja, ich denke, das ist bis zu einem gewissen Grad ein Test für den Präsidenten der Vereinigten Staaten, für die Amerikaner als solche. Der Bundeskanzler Deutschlands hat dem Präsidenten Russlands vorgeschlagen, einen kurzfristigen Waffenstillstand zu Weihnachten zu schließen, damit in den Feiertagen keine Menschen sterben – heilig für alle Christen. Russland ist formal ein Staat mit einer Mehrheit christlicher Bevölkerung, obwohl wir verstehen, dass die Russische Orthodoxe Kirche nichts mit dem Christentum zu tun hat, dass es einfach eine satanische Sekte mit Kreuzen auf dem Bauch ist. Und die Priester dieser Kirche segnen Waffen, segnen den Krieg, dienen eher dem Teufel als Gott. Und überhaupt glaube ich nicht, dass dort irgendjemand an irgendetwas glaubt. Aber dennoch: formal bleibt Russland ein Land mit einer christlichen Mehrheit und könnte diese Feiertage ehren. Aber nein.

Frage. Im Rahmen begrenzten Optimismus: Kann Russland überhaupt Geld für ein fünftes oder sechstes Kriegsjahr haben – einen Krieg, den es gar nicht geplant hat und den es erzwungen begann, nachdem der Blitzkrieg scheiterte?

Portnikov. Das sage ich die ganze Zeit. Ich sage, dass der Krieg Russlands gegen die Ukraine endet, wenn Russland das Geld für diesen Krieg ausgeht. Geld und Menschen, aber vor allem Geld, weil Menschen ohne Geld in einem Krieg natürlich nichts wert sind. Aber wir wissen nicht, wie viel Potenzial Russland für ein fünftes oder sechstes oder viertes Jahr hat. Wir haben das vierte Kriegsjahr noch nicht überstanden. Das vierte Jahr endet, das fünfte beginnt. Viel wird von der Hilfe der Volksrepublik China abhängen, vom Kauf russischen Öls. Es gibt viele Umstände.

Und dann ist für uns das Wichtigste, dass uns das Geld nicht ausgeht, bevor das russische ausgeht. Das ist auch eine ziemlich ambitionierte Aufgabe. Deshalb erzählte ich Ihnen ja auch von der heutigen Erklärung des Bundeskanzlers Friedrich Merz, der nicht sicher ist, dass die Ukraine auf diesem Gipfel diesen Reparationskredit erhält.

Frage. Ist es möglich, dass die Russen öffentlich eine aggressive Politik/Position haben, aber in Wahrheit Frieden wollen und bereits Hinterzimmer-Absprachen mit den Vereinigten Staaten haben?

Portnikov. Möglich ist alles in der großen Politik. Den Russen ist es, wie Sie wissen, nicht schwer, ihre Position zu ändern und morgen zu sagen, dass sie für Frieden eintreten und dass das ausreichende Bedingungen für Frieden sind, weil sie nicht auf ihre eigene öffentliche Meinung Rücksicht nehmen. Aber die Frage ist: Wozu sollen sie ihre eigene öffentliche Meinung aufheizen und betonen, dass sie mit keinen Bedingungen einverstanden sind und просто den Verhandlungsprozess fortsetzen, weil sie ein friedliebender Staat sind, um dann plötzlich zu verkünden, dass sie bereit zum Frieden sind? 

Also: Ich schließe eine solche Situation nicht aus, in der Russland tatsächlich keine besonders gute wirtschaftliche Lage hat. Es gab bereits eine Frage dazu, und Putin würde den Krieg gern früher pausieren – mindestens um Kräfte für einen neuen zu sammeln. Wir könnten uns im 21. Jahrhundert überhaupt in einer Periode langer Kriege und kurzer Frieden befinden. Das kann ebenfalls Realität sein. Wir wissen das nicht. Lassen wir wenigstens die erste Phase zu Ende gehen. Aber ich sehe noch keine objektiven Gründe zu glauben, dass die Russen eine irgendeine nicht-öffentliche Position zur Beendigung des Krieges haben.

Frage. Sie sagten, Biden habe rational Putin in einem langen Krieg „gekocht“. Aber war es richtig, dass ein Präsident mit begrenzter Amtszeit so ein Spiel mit einem Führer ohne solche Begrenzungen spielt?

Portnikov. Ich sagte, dass das das Rationale aus der Sicht von Joseph Biden war, dass er keinen großen nuklearen Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation zulassen wollte. Das ist wirklich eine klare Sache in seinen Absichten. Ich stimme Ihnen zu, dass das insgesamt vielleicht nicht rational war. Vielleicht hätte man der Ukraine mehr Hilfe geben müssen, mehr Geld – obwohl es in der Biden-Periode auch so genügend Geld und Hilfe gab. Ziemlich viel. Aber die Idee des „Kochens“ Putins konnte den Umstand unterschätzen, dass mit jedem neuen Kriegsjahr neue Umstände entstehen, die für den Westen ungünstig sein können.

Außerdem vergessen Sie noch eine Sache: Biden hoffte, Präsident für zwei Amtszeiten zu sein, nicht für eine. Politiker auf diesem Niveau verlieren ziemlich oft den Bezug zur Realität. Sie erinnern sich, mit welchem Widerwillen Biden auf die Teilnahme am Wahlkampf verzichtete? Er glaubte an seinen Sieg über Trump. Er glaubte, dass er Präsident sein könne, und plante diese Strecke vielleicht nicht für vier, sondern für acht Jahre. Das war aus unserer Sicht vielleicht nicht rational, aber aus der Sicht von Joseph Biden konnte es rational sein.

Frage. Was, glauben Sie, könnte unsere Menschen aus dem Ausland nach Hause zurückbringen, wenn der Nachbar sich beruhigt?

Portnikov. Ich denke, es geht nicht darum, ob Russland sich beruhigt oder nicht. Es geht um die Zeit, die die Menschen im Ausland verbringen. Wenn Menschen schon eine Arbeit gefunden haben. Wenn sie ihre Kinder in Schulen geschickt haben, wenn die Kinder bereits eine Hochschulbildung erhalten, andere Sprachen nicht schlechter sprechen als Ukrainisch oder, entschuldigen Sie, Russisch – dann stellt sich die Frage, warum sie in ein benachteiligtes Land zurückkehren sollen, mit dem Risiko einer erneuten Wiederholung des Krieges oder sogar ohne dieses Risiko, einfach in ein zerstörtes Land, wenn in ihrem Leben in reicheren und erfolgreicheren Ländern bereits alles völlig normalisiert hat. Denn das Leben ist nicht nur irgendein patriotischer Aufruf; es ist in Wahrheit vor allem Alltag. Die Ukraine kann man besuchen, Teil der Diaspora sein, wie es Millionen Menschen auf der ganzen Welt tun, die in ihre Heimatländer einfach zu Feiertagen und Festivals kommen. Die Mehrheit der Iren lebt außerhalb Irlands, die Mehrheit der Juden lebt außerhalb Israels. Und die Mehrheit der Ukrainer lebt noch auf dem Territorium der Ukraine. Das ist, wie Sie verstehen, schon unsere große Leistung. So sehe ich keine objektiven Umstände dafür, dass die Mehrheit der Menschen, die aus der Ukraine weggegangen sind, nach dem Krieg hierher zurückkehrt. Mit jedem neuen Kriegsjahr werden auch immer mehr Menschen im Ausland bleiben. Wenn sich die Situation stabilisiert, werden hierher höchstwahrscheinlich Menschen zurückkehren, die keinen Platz im Wirtschaftssystem der Länder finden, in die sie gegangen sind, und ein Teil der Menschen wird rein aus patriotischen Gründen zurückkehren. Aber solche Menschen sind in der Regel weniger als diejenigen, die aus wirtschaftlichen Gründen zurückkehren.

Frage. Halten Sie das „Fenster der Möglichkeiten“ von Trump bezüglich der Garantien, die er nur bis Weihnachten gibt, für einen Bluff der US-Administration?

Portnikov. Bis zu einem gewissen Grad ist das ein Druckmittel: „Wir haben so glänzende Vorschläge. Wir geben euch Sicherheitsgarantien. Wir sind bereit, zusammen mit euch zu kämpfen. Und heute liegt ein solches Angebot auf dem Tisch – aber wenn ihr es ablehnt, also das andere Angebot ablehnt, den Donbas an Russland abzugeben, dann gibt es auch das Angebot der Sicherheitsgarantie nicht. Alles hängt von euch ab.“ Das ist weniger Bluff als ein völlig normaler Business-Ansatz. Das hat nichts mit Politik zu tun. Deshalb scheint es mir, dass das in dieser Form kaum so stattfinden wird.

Frage. Ich habe heute irgendwo gelesen, dass das alles Sicherheitsgarantien, aber für Russland und nicht für die Ukraine seien. Könnten Sie die Situation aus dieser Perspektive betrachten und diese Variante kommentieren?

Portnikov. Ich halte es nicht für zutreffend, dass eine Ratifizierung durch den US-Kongress, wonach die Amerikaner im Falle eines erneuten russischen Angriffs selbst militärisch eingreifen würden, irgendeine Form von Sicherheitsgarantien für Russland darstellen könnte. Nein, das ist für Russland ein sehr ernstes Problem, das einen Schlussstrich unter ihrem Versuch setzt, die Ukraine vollständig zu erobern, unter ihrem Versuch, ihren Staat in den Grenzen der Sowjetunion von 1991 wiederzubeleben. Das wäre eine schwere geopolitische Niederlage Russlands. Denn wenn wir zu solchen Plänen zurückkehren, Freunde, würde das einen nuklearen Konflikt bedeuten. Ja, vielleicht sogar mit Nuklearschlägen auf das Territorium der Ukraine – aber leichter würde es dadurch niemandem werden, denn die Vereinigten Staaten könnten in dieser Situation einen nuklearen Schlag auf das Territorium Russlands führen. Und das kann natürlich jeden russischen Präsidenten stoppen, sogar Putin. Deshalb halte ich das nicht für Sicherheitsgarantien für die Russen. Nein. Und ich bin nicht sicher, dass diese Sicherheitsgarantien absolut sicher angenommen werden.

Frage. Lesen Sie bitte Artikel 5 der NATO und sagen Sie, wo dort genau steht, dass bei einem Angriff auf ein NATO-Land die anderen Verbündeten hundertprozentig physisch mit ihren Truppen helfen werden.

Portnikov. Nirgendwo steht das. Sie haben absolut recht. Das gibt es im fünften Artikel des Nordatlantikvertrags nicht. Dort steht, dass sofortige Konsultationen beginnen, gerade für militärische Hilfe. Der Mechanismus militärischer Hilfe wird in Gang gesetzt. Wie sie ausgeübt wird, entscheiden dann die Verbündeten. Aber gemeint ist ihre Beteiligung an der Verteidigung des Opferlandes. Deshalb sage ich: Eine Entscheidung, bei der die Vereinigten Staaten selbst, ohne NATO, dafür unterschreiben, ist für Putin sogar gefährlicher als Artikel 5. Denn Artikel 5 kann man noch irgendwie zu blockieren versuchen – über Ungarn, irgendetwas. Und hier wird es niemanden geben, der blockieren kann. Das ist also ein absolut richtiger Punkt.

Frage. Sie erwähnen im Kontext von Trump oft den Friedensnobelpreis. Glauben Sie, er denkt mehr an Geld oder an den Friedenspreis?

Portnikov. Warum kann ein Mensch nicht eitel sein und an Geld denken? Wie widerspricht das einander? Ohne jeden Zweifel ist der Präsident der Vereinigten Staaten ein Mensch, der an Geld denkt, und wir sehen das. Und er prahlt immer damit, wie viel Geld er für die Vereinigten Staaten verdient hat, wie viel Geld er selbst verdient hat und was für ein großartiger Geschäftsmann er ist, was für wunderbare Geschäftsmänner ihn umgeben. Das hören wir ununterbrochen von Präsident Donald Trump. Und übrigens: Das hören wir praktisch seit dem ersten Tag, seit wir von ihm wissen – als er noch kein amerikanischer Präsident, sondern ein Geschäftsmann und Showman war. Er sprach ständig über seine herausragenden geschäftlichen Fähigkeiten. Und das wissen Sie sehr gut. Und Donald Trump sieht die ganze Politik als Deal und sucht sich Menschen aus, die überhaupt nichts von Politik verstehen und nicht verstehen, was Politik ist, und sie ebenfalls als Deal sehen. Und er sucht tatsächlich Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Als er Präsident der Vereinigten Staaten wurde, begann Trump sofort, in Kryptowährungen zu investieren und faktisch an Sympathien für sich selbst zu verdienen. Das ist doch ein objektiver Moment. Sie können das nicht bestreiten, nicht war? Aber gleichzeitig – und das ist ebenfalls ein absoluter Fakt – kam zu dieser, ich würde sagen, Geldgier, die wir heute beobachten, noch ein enormes Maß an Eitelkeit hinzu. Das ist ein neuer Moment, verbunden mit gewissen Veränderungen in Donald Trumps Psychologie, die in den Jahren passiert sind, als er nicht Präsident war – zwischen seiner ersten und zweiten Amtszeit im Weißen Haus. Und aus dieser Sicht hören wir ständig, dass er über den Nobelpreis spricht. Er sagt ständig, dass er den Nobelpreis verdient habe. Er war sehr wütend, als man den Friedensnobelpreis 2025 der Anführerin der venezolanischen Opposition gab, obwohl er im Jahr 2024 – und der Preis wurde für 2024 vergeben – nicht einmal Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika war und überhaupt nichts hätte verdienen können.

Ja, das ist ein schwaches Argument von mir, weil Präsident Obama den Preis unter ähnlichen Umständen erhielt – für ein Jahr, in dem er nicht Präsident der Vereinigten Staaten gewesen war. Aber objektiv gesagt hatte das Nobelkomitee nicht einmal einen Anlass, Trump den Preis zu geben. Und mir scheint, dass er den Preis 2026 wirklich gern bekommen würde – für 2025, als er nach seinen eigenen Worten, ich weiß schon nicht mehr wie viele, acht Kriege, neun Kriege, beendet hat. Und er hätte natürlich sehr gern, dass zu diesen Kriegen noch der russisch-ukrainische hinzukommt, dass dieser Krieg beendet wird, weil er denkt, dass das das gewichtigste Ergebnis und der gewichtigste Beweis für das Nobelkomitee wäre.

Und wissen Sie: Ich würde wollen, dass Donald Trump – falls es ihm gelingt, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, falls Frieden mit Garantien, dass es keinen wiederholten russischen Angriff gibt, zumindest in einem absehbaren Zeitraum, auf ukrainischen Boden kommt – den Friedensnobelpreis erhält. Was ist daran schlecht? Menschen sollen Preise bekommen, wenn sie Kriege beenden. Wir reden doch über Frieden. Aber noch habe ich keinerlei objektive Gründe zu glauben, dass Donald Trump mit dem Ansatz, den er heute zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges verfolgt, das gelingen wird. Und das ist ebenfalls eine ziemlich wichtige Frage, die für mich prinzipiell ist: Womit genau will Donald Trump nicht uns, sondern Putin zwingen, den Krieg zu beenden – einen Krieg, der nach Trumps eigener Anerkennung für Putin um die ganze Ukraine geht und überhaupt nicht um einen Teil unseres Territoriums? Wir werden sehen, wie sich das entwickelt.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Переговори про мир: на що чекати | Віталій Портников. 16.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 16.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Der Kreisel des Friedensprozesses. Vitaly Portnikov. 15.12.2025.

https://hromada.us/uk/articles/2025/12/15/the-spinning-peace-process?fbclid=IwZnRzaAOudMlleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEekluIPQQANjhwpPAnC5u6YNhenwpHhRue3JDF8Ol6-B9xD8UFTONC7PykFE8_aem_Fas1e69ehdfAnVGcS56prA

Seit mehreren Wochen in Folge bleibt der vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump vorgeschlagene Friedensplan das zentrale politische Thema in der Ukraine und darüber hinaus. Die Diskussionen finden nicht nur in den Vereinigten Staaten und in der Ukraine statt, sondern auch in europäischen Hauptstädten und sogar in Moskau, das von den amerikanischen Vertretern Steve Witkoff und Jared Kushner besucht wurde.

Auch diese Woche beginnt mit Verhandlungen. Volodymyr Zelensky wird gemeinsam mit europäischen Staats- und Regierungschefs mit den amerikanischen Unterhändlern zusammentreffen. Diskutiert werden soll ein Plan, der bereits von den ukrainischen und amerikanischen Delegationen in Genf und Florida abgestimmt wurde. Zugleich hat Kyiv eine eigene Variante vorbereitet, die zur Prüfung vorgeschlagen werden könnte.

Der Hauptunterschied des ukrainischen Ansatzes besteht im Bestreben, die Kontrolle über alle Gebiete zu bewahren, die derzeit von den Streitkräften der Ukraine gehalten werden. Dabei geht es insbesondere um einen Teil der Oblast Donezk, den Wladimir Putin vollständig zu erobern versucht.

Kyiv besteht zudem auf seinem Recht auf einen NATO-Beitritt und sucht nach einer Formel für Sicherheitsgarantien, die nicht nur symbolische Unterstützung, sondern eine reale Beteiligung der Verbündeten im Falle einer neuen Aggression Russlands vorsehen würden.

Die Frage besteht weniger darin, warum die Amerikaner die ukrainische Sichtweise unterstützen könnten, sondern vielmehr darin, warum die Russen überhaupt einem der vorgeschlagenen Pläne zustimmen sollten. Denn im Kreml wurde bereits erklärt, dass ein erheblicher Teil der Punkte selbst des Trump’schen Plans für sie inakzeptabel sei.

Bislang entsteht der Eindruck, dass Putins Ziel darin besteht, Zeit zu gewinnen, den Krieg fortzusetzen und ernsthaften Druck seitens des Westens zu vermeiden.

Gleichzeitig kann man nicht sagen, dass ihm dies vollständig gelingt. Trotz der Friedensrhetorik hat Donald Trump neue Sanktionen gegen russische Ölunternehmen verhängt. Darüber hinaus sind Signale aufgetaucht, dass die USA ukrainische Angriffe auf Tanker der sogenannten „Schattenflotte“ unterstützen.

Die Europäer haben kürzlich einer unbefristeten Blockierung russischer Vermögenswerte zugestimmt, was den Weg für einen Reparationskredit für die Ukraine öffnet. Dafür ist nun keine einstimmige Abstimmung mehr erforderlich, die zuvor von Ungarn hätte blockiert werden können.

Auch an der Front ist die Lage für Putin alles andere als ideal. Ukrainische Truppen haben die Besatzer in Kupjansk eingekesselt, obwohl der Chef des Generalstabs der Russischen Föderation, Waleri Gerassimow, Putin noch vor wenigen Wochen über die „Einnahme“ dieser ukrainischen Stadt berichtet hatte.

Nehmen wir jedoch an, die USA würden die Ukraine dazu bewegen, auf einen Teil ihrer Territorien zu verzichten. Wie ließe sich das rechtlich gestalten?

Die Verfassung der Ukraine erlaubt keine Änderung der territorialen Ordnung. Selbst die Durchführung eines Referendums garantiert keine Unterstützung solcher Entscheidungen durch die Mehrheit der Bürger. Und das internationale Recht erkennt seinerseits keine Grenzänderungen infolge von Aggression oder Annexion an – genau das, was die Ukraine in den letzten Jahren erlebt.

Ein gesondertes Thema sind die Sicherheitsgarantien. Sind die USA tatsächlich bereit, im Falle einer neuen Aggression in einen Konflikt mit Russland einzutreten? Heute gibt es nicht einmal Gewissheit darüber, ob die NATO im Falle eines Angriffs auf ein europäisches Land bereit wäre, gemäß Artikel 5 zu handeln. Und was soll man dann erst von der Ukraine erwarten? Wird eine solche Unterstützung rechtlich verankert sein – in Form eines ratifizierten Dokuments?

Tatsächlich gibt es nur eine verlässliche Garantie – die Ukraine selbst.

Ein starker, gut bewaffneter Staat mit einem entwickelten militärisch-industriellen Komplex und eigenen Raketen. Eine Ukraine, deren Angriff Russland derart schmerzhafte Verluste zufügen würde, dass dies weitere Aggressionen abschreckt. Doch ein solcher Staat kann nur mit Unterstützung der Verbündeten entstehen – und nur dann, wenn man ihn nicht zur Entwaffnung zwingt, wie es Moskau anstrebt.

Doch wenn man die Idee einer „Demilitarisierung“ der Ukraine aufgibt, wie realistisch bleibt dann überhaupt die Möglichkeit, dass Putin einem Friedensabkommen zustimmt?

Möglicherweise ist das einzige realistische Szenario die Erschöpfung des russischen Staates – eine Entwicklung, bei der das Putin-Regime nicht mehr in der Lage ist, weder der Ukraine noch dem Westen Ultimaten zu stellen. Und erst dann wird sich die Möglichkeit für echte Verhandlungen eröffnen.

Bis dahin bleibt der Friedensprozess eine Art Kreisel, der sich dreht, sich jedoch nicht vorwärtsbewegt.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Дзиґа мирного процесу. Віталій Портников. 15.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 15.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Die Ukraine erkennt den Donbas nicht als russisch an | Vitaly Portnikov. 16.12.2025.

Der Präsident der Ukraine Volodymyr Zelensky erklärte nach den Verhandlungen in Berlin mit den amerikanischen Vertretern Steve Witkoff und Jared Kushner, dass die Ukraine nicht beabsichtigt, den Donbas weder faktisch noch juristisch als russisch anzuerkennen.

Zelensky machte diese Erklärung vor dem Hintergrund von Berichten, wonach die Vereinigten Staaten den Druck auf die Ukraine fortsetzen, damit sie die Kontrolle über jenen Teil des Territoriums der Oblast Donezk aufgibt, der heute vom legitimen ukrainischen Staat kontrolliert wird. Zelensky erklärte diese Differenzen wie folgt: Die Ukraine beabsichtigt nicht, den Donbas aufzugeben oder ihn als russisch anzuerkennen. Russland will den gesamten Donbas an sich reißen, während die Vereinigten Staaten nach einem Kompromiss suchen.

Dabei betonte Volodymyr Zelensky jedoch, dass es im Falle der Schaffung einer sogenannten freien Wirtschaftszone keineswegs bedeute, dass ein solches Gebiet unter russischer Kontrolle stehen müsse. Und soweit man verstehen kann, drehen sich die zentralen Verhandlungen zwischen Kyiv und Washington derzeit genau um die Frage, wie jener Teil des Territoriums der Oblast Donezk aussehen soll, der heute von den ukrainischen Streitkräften kontrolliert wird. Zu diesem Thema sollen an diesem Wochenende Vertreter der Vereinigten Staaten und der Ukraine in Miami Gespräche führen.

Es stellt sich jedoch die Frage, inwieweit Russland bereit sein wird, irgendeinem Vorschlag zuzustimmen, der weder die faktische noch die juristische Anerkennung der Oblast Donezk als Subjekt der Russischen Föderation durch die Ukraine und die Vereinigten Staaten vorsieht. Und wird Putin diese Situation nicht nutzen, um sich jeglichen weiteren Verhandlungen über ein Kriegsende zu verweigern, mit der Begründung, man gebe ihm den Donbas nicht?

Gleichzeitig betont man im Weißen Haus nicht nur die Notwendigkeit, dass die Ukraine die Kontrolle über den Donbas abtritt, sondern verknüpft dies auch mit der Gewährung von Sicherheitsgarantien, deren Umfang mit jeder Runde der ukrainisch-amerikanischen Gespräche zunimmt. Inzwischen ist sogar von rechtlich verbindlichen Sicherheitsgarantien die Rede, die die Möglichkeit eines Eingreifens der Vereinigten Staaten im Falle eines erneuten russischen Angriffs auf die Ukraine einschließen würden. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hob hervor, dass die Amerikaner erstmals von einer möglichen eigenen Intervention sprechen. Ebenso wird erstmals davon gesprochen, dass es sich um rechtlich verbindliche Garantien handeln könnte, die vom US-Kongress ratifiziert würden und somit nicht von der Amtszeit des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, im Weißen Haus abhängen würden.

Doch auch hier stellen sich mehrere wichtige Fragen. Die Amerikaner verknüpfen dies nicht nur mit dem Verzicht der Ukraine auf die Kontrolle über einen Teil des Territoriums der Oblast Donezk, sondern zugleich mit dem Nichtbeitritt der Ukraine zur NATO. Mehr noch: Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, diesen Beitritt selbst zu blockieren.

Dabei verstehen wir sehr gut, dass die sogenannten Sicherheitsbedenken der Russischen Föderation – tatsächlich nicht existierende Ängste – gerade mit dem Bestreben zusammenhängen, sich freie Hand für weitere Aggressionen gegen die Ukraine oder jede andere ehemalige Sowjetrepublik zu bewahren.

Tatsächlich gilt: Wenn die Ukraine oder irgendeine andere ehemalige Sowjetrepublik dem Nordatlantischen Bündnis beitritt, dann verschwindet für Russland zumindest nicht vollständig die Möglichkeit eines Angriffs, doch ein solcher Angriff würde reale Voraussetzungen für einen Konflikt zwischen der Russischen Föderation und den NATO-Mitgliedstaaten schaffen – insbesondere mit den Vereinigten Staaten, ja sogar vor allem mit den Vereinigten Staaten.

Wenn jedoch die Vereinigten Staaten mit der einen Hand den NATO-Beitritt der Ukraine blockieren und mit der anderen der Ukraine rechtlich verbindliche Garantien anbieten, die ihr eigenes Eingreifen im Falle eines erneuten russischen Angriffs vorsehen, schafft dies erhebliche Probleme für Putin. Denn formell beseitigt dies alle seine angeblichen Sicherheitsbedenken, während es ihm und seinen möglichen Nachfolgern im Amt des Präsidenten der Russischen Föderation faktisch die Möglichkeit nimmt, nicht nur Druck auszuüben, sondern auch einen bewaffneten Angriff auf die Ukraine in Betracht zu ziehen – mit dem Ziel, Territorien des Nachbarstaates der Russischen Föderation einzuverleiben und die russische Staatlichkeit in den Grenzen der Sowjetunion von 1991 wiederherzustellen, was seit den 1990er-Jahren das zentrale außenpolitische Ziel Russlands ist.

Daraus ergibt sich eine recht einfache Frage: Warum sollte Putin solchen Bedingungen eines Friedensabkommens zustimmen, selbst wenn sie von Donald Trump vorgeschlagen würden und selbst wenn die Vereinigten Staaten und die Ukraine sich über diese Bedingungen einig wären? Damit befinden wir uns erneut in genau jener Situation, in der wir uns bereits vor Beginn dieser Friedensverhandlungen befanden.

Das Hauptthema dieses Prozesses bleibt, wie wir sehen, der reale Wunsch der Vereinigten Staaten, sich vor allem mit der Ukraine und den europäischen Ländern zu verständigen und eine gemeinsame Position zu erarbeiten, die der Russischen Föderation präsentiert werden kann. Mit der Russischen Föderation selbst werden derartige detaillierte Gespräche jedoch nicht fortgeführt.

Steve Witkoff und Jared Kushner erklärten, dass sie, falls nötig, erneut in die russische Hauptstadt reisen und Gespräche mit Putin und seinen engsten Mitarbeitern führen könnten. Dennoch ist völlig klar, dass echte Verhandlungen über ein Kriegsende nur dann möglich sind, wenn sie gleichzeitig mit Moskau und Kyiv geführt werden und keinesfalls ausschließlich auf einseitigem Druck auf die Ukraine beruhen.

Währenddessen sehen wir keinerlei realen Druck auf Russland – abgesehen von der Einführung neuer Sanktionen gegen die Russische Föderation. Wir sehen lediglich die Hoffnung, dass die Vereinigten Staaten gemeinsam mit der Ukraine und den europäischen Partnern optimale Bedingungen für ein Kriegsende erarbeiten können, die sie anschließend gemeinsam dem Präsidenten der Russischen Föderation vorlegen.

Was geschehen wird, wenn der Präsident der Russischen Föderation diese Bedingungen ablehnt – ein absolut realistisches Szenario –, wissen wir derzeit nicht. Wir könnten uns tatsächlich in einer Situation wiederfinden, in der alle Bedingungen abgestimmt sind, Russland jedoch den Friedensplan zugunsten der Fortsetzung dieses langen Krieges zurückweist.

Und so stellt sich heraus, dass wir weniger über Sicherheitsgarantien der Vereinigten Staaten im Hinblick auf die Sicherheit der Ukraine sprechen, weniger sogar über die konkrete Ausgestaltung der Kontrolle über jene Teile der Oblast Donezk, die heute unter Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung und der Verteidigungskräfte der Ukraine stehen, sondern vielmehr über den Versuch, es sich nicht mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und seinen Mitarbeitern zu verderben, die weiterhin Teilnehmer dieses Friedensprozesses sind.

Und genau dieses Bestreben, die Vereinigten Staaten als Verbündeten sowohl der Ukraine als auch Europas zu bewahren, scheint das zentrale Thema der Verhandlungen zu sein, die wir derzeit beobachten.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Україна не визнає Донбас російським | Віталій Портников. 16.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 16.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Der Elefant im Raum. Vitaly Portnikov. 14.12.2025.

https://zbruc.eu/node/123130?fbclid=IwZnRzaAOtNXpleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEeICOfXu_CfPl3f8x86IssgFzRJ9rJasj-Tf30x_Y0RytVNIxTbnHYc3TCOSk_aem_bm-OL6uWTviRl4Z7JSLlzA

Wenn ich auf die nächste westliche Verfilmung zum Thema des Nürnberger Prozesses stoße, überkommt mich jedes Mal eine unaussprechliche Scham.

Vom ersten klassischen Film des genialen Stanley Kramer – dem Streifen, in dem Spencer Tracy, Maximilian Schell und sogar die legendäre Marlene Dietrich auftraten – bis zur jüngsten Verfilmung von James Vanderbilt mit Russell Crowe und Rami Malek zieht sich ein zentrales Motiv: der Triumph der Demokratie in der Verurteilung des nationalsozialistischen Bösen, mutige und ehrliche amerikanische Richter, die das Urteil über das Böse und seine Hauptvollstrecker fast als biblische Mission begreifen.

Dass im Sitzungssaal des Tribunals Amerikaner Seite an Seite mit sowjetischen Kollegen saßen, wird im Westen entweder vergessen oder schlicht nicht wahrgenommen. Das ist jener Elefant im Raum, den man lieber gar nicht erwähnt. Im jüngsten Film „Nürnberg“ wird nur beiläufig erwähnt, dass es Präsident Harry Truman gelungen sei, den sowjetischen Führer Josef Stalin von der Durchführung eines solchen Tribunals zu überzeugen. Kein einziger sowjetischer Richter oder Staatsanwalt erscheint im Bild – nur Amerikaner oder Briten. Allerdings gehen die Autoren den sowjetischen Richtern auch nicht aus dem Weg. Es ist ein Film der Trump-Ära, ein Warnfilm: Die Vereinigten Staaten können ebenso unter den Einfluss des Faschismus geraten wie jedes andere Land.

Es bleibt nur zu verstehen, warum.

Der gemeinsame Kampf der Alliierten gegen den Nationalsozialismus, wie wir wissen, endete nicht sofort nach dem Sieg. Nürnberg wurde zur Fortsetzung dieser Zusammenarbeit und wurde von Stalin meisterhaft genutzt, um seine eigenen Verbrechen zu rehabilitieren. Ein unaussprechliches Böses verurteilte ein anderes – und Amerikaner, Briten und Franzosen erwiesen sich als Statisten in diesem stalinistischen Spiel.

Ja, die westliche Justiz wurde in Nürnberg tatsächlich von würdigen Menschen vertreten, über die Bücher geschrieben und Filme gedreht wurden. Über die sowjetischen Teilnehmer des Prozesses weiß man in der Welt weit weniger. Kurz gesagt: Es waren echte Henker und Mörder, Beteiligte an massenhaften Verbrechen und Hinrichtungen.

Mitglied des Tribunals von Seiten der Sowjetunion war General Iona Nikitschenko, eine fast literarische Figur, über die der sowjetische Klassiker Dmitri Furmanow in seinem Buch „Der Aufstand“ über die Niederschlagung bäuerlicher Aufstände schrieb. Der „stille Iona“, wie Furmanow ihn nannte, verurteilte nahezu die gesamte ehemalige oberste Führung der UdSSR zum Tode – Grigori Sinowjew, Lew Kamenew, Jan Rudsutak, Pawel Dybenko und andere. Natürlich handelte es sich um fabrizierte Anschuldigungen, doch mit einer derart blutigen Ernte konnte sich damals jeder sowjetische Richter brüsten. Nikitschenko „zeichnete sich“ dadurch aus, dass er Todesurteile … per Telegraph verkündete – er verdammte Hunderte von Menschen einfach per Telegramm zum Tod, Menschen, die er nicht einmal gesehen hatte, geschweige denn deren Akten gelesen! Wegen übermäßiger Grausamkeit erhielt der General selbst in stalinistischen Zeiten Rügen. Und genau dieser Mensch richtete über Hermann Göring oder Ernst Kaltenbrunner – Verbrecher, von denen er sich höchstens durch die Farbe der Uniform unterschied.

Der wichtigste sowjetische Ankläger im Prozess war der Staatsanwalt der Ukrainischen SSR und spätere Generalstaatsanwalt der Sowjetunion Roman Rudenko. Wie Nikitschenko war auch Rudenko ein raffinierter Metzger – er tötete Angeklagte mit seinem eigenen Revolver. Rudenko, Staatsanwalt des Gebiets Donezk, zerstörte den Donbas buchstäblich und beraubte die Region sogar ihrer Elite aus der postrevolutionären Zeit (und die Früchte seiner „Erfolge“ ernten wir bis heute). Dabei amtierte dieser Mann – mit Blut an den Händen – als Generalstaatsanwalt, sowohl unter Chruschtschow als auch unter Breschnew und leitete sogar den Prozess der Rehabilitierung der Opfer von Repressionen. Ich habe keinen Zweifel daran, dass Göring, hätte man ihn nicht verurteilt, sondern ihm erlaubt, Deutschland zu regieren, genau dasselbe getan hätte.

So wurde der Nürnberger Prozess, der in einem speziellen überrechtlichen Verfahren zur Verurteilung nationalsozialistischer Verbrecher organisiert wurde, zugleich zum Triumph bolschewistischer Verbrecher. Die Welt sah, dass man millionenfach töten kann – und später ungerührt auf dem Richterstuhl sitzen und jene zum Tode verurteilen, die analoge Verbrechen begangen hatten.

Darin lag tatsächlich die wichtigste Lehre von Nürnberg: Es geht nicht um Verbrechen und Werte, sondern darum, wer siegt. Wären Hitlers und Mussolinis Verbündete im Krieg die Partner Roosevelts und Churchills gewesen, würde ich einen Petersburger Prozess mit Stalin und Molotow auf der Anklagebank nicht ausschließen – und ehrliche amerikanische Richter würden vor Beginn der Sitzungen den Nationalsozialisten die Hände schütteln. Fantasmagorie? Aber worin unterscheidet sich Molotow von Ribbentrop, Beria von Himmler, Rosenberg von Schdanow? In nichts.

Gerade die Straflosigkeit des Bösen, mehr noch – sein Triumph, seine Popularität und seine Fähigkeit, sich nicht zu verteidigen, sondern andere zu verurteilen –, hat gezeigt, dass ein Psychopath und Mörder für den Erfolg einfach nur einen anderen Psychopathen besiegen muss. Genau das hat die Rückkehr des Wahnsinns auf die politische Bühne in unserer Zeit begünstigt – denn anders konnte es gar nicht sein.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Слон у кімнаті. Віталій Портников. 14.12.2025.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 14.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.