Die Logik und das Chaos des Rückzugs. Vitaly Portnikov. 19.05.2026.


Amerikanische M1-Abrams-Panzer bei einer Militärparade in Polen. Foto: Artur Widak/NurPhoto via Getty Images

In Warschau versucht man die Folgen der faktisch gescheiterten Rotation amerikanischer Truppen in Polen zu minimieren. Präsident Karol Nawrocki telefonierte mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump, nach Warschau reist der stellvertretende Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs der US-Streitkräfte, General Christopher Mahoney, und die Führung des polnischen Verteidigungsministeriums fährt ins Pentagon.

Das Wichtigste ist: Sowohl in Warschau als auch in Washington versucht man so zu tun, als sei nichts Außergewöhnliches geschehen, als handle es sich um routinemäßige Maßnahmen und als sei der Brief, in dem über die Absage der Rotation informiert wurde, einfach in irgendeinem geheimen Postfach liegen geblieben. All das wirkt ziemlich unbeholfen.

Praktisch offensichtlich ist, dass US-Verteidigungsminister Pete Hegseth beschlossen hat, die amerikanische Präsenz in Polen zu reduzieren. Und nicht nur in Polen – die amerikanische Präsenz in Europa insgesamt.

In Polen wird dies besonders schmerzhaft wahrgenommen, weil das Land stets Anspruch auf die Rolle des wichtigsten Verbündeten der Vereinigten Staaten erhob, und der frühere Präsident Andrzej Duda sogar plante, während Donald Trumps erster Amtszeit im Oval Office einen amerikanischen Stützpunkt im Land nach Trump zu benennen.

Und natürlich fühlt sich Polen – im Unterschied zu seinen westlichen Nachbarn – buchstäblich an der Frontlinie des russisch-ukrainischen Krieges. Deshalb hätte man auf eine aufmerksamere Haltung des Pentagons hoffen können.

Aber genau darin liegt der entscheidende Punkt: Im Pentagon möchte man nicht, dass die Vereinigten Staaten an dieser Frontlinie präsent sind, und versucht, Donald Trumps bizarre Idee umzusetzen, wonach der Krieg durch eine Verringerung der westlichen Präsenz und der amerikanischen Beteiligung beendet werden könne.

Deshalb könnten die Kürzungen gerade in Polen begonnen haben.

Es lohnt sich daran zu erinnern, dass Ende 2021, als in Russland bereits mit Hochdruck die Vorbereitungen für den Krieg gegen die Ukraine liefen, das Außenministerium der Russischen Föderation an das US-Außenministerium sowie an die Außenministerien anderer NATO-Mitgliedstaaten ein Schreiben verschickte, in dem sogenannte Sicherheitsgarantien für Russland gefordert wurden.

Dabei ging es nicht nur um das Versprechen, dass ehemalige Sowjetrepubliken – vor allem die Ukraine und Georgien – niemals Mitglieder der NATO werden würden, sondern auch um den Abzug moderner Waffensysteme aus den Gebieten jener Länder, die dem Bündnis nach 1997 beigetreten waren.

Im Grunde verlangte Präsident Putin von Washington die Wiederherstellung der russischen Einflusssphäre in Form der Einflusssphäre der ehemaligen Sowjetunion vor 1991.

Damals stimmte die amerikanische Regierung diesen dreisten Forderungen natürlich nicht zu, schlug Moskau jedoch vor, Verhandlungen über Sicherheitsgarantien in Mittel- und Osteuropa aufzunehmen.

Doch manchmal entsteht der Eindruck, dass Trump, wenn er sagt, unter seiner Präsidentschaft hätte der russisch-ukrainische Krieg niemals begonnen, damit meint, dass er Putins Forderungen gerne erfüllt hätte.

Die jetzige Idee mit der abgesagten Rotation könnte schlicht ein Schritt in die vorgegebene Richtung sein – in Richtung jener „Sicherheitsgarantien“, die Moskau bereits 2021 von Washington verlangt hatte.

Im Pentagon könnte man der Ansicht sein, dass die amerikanische Position dadurch nicht geschwächt, sondern im Gegenteil gestärkt werde – weil die Trump-Administration Bereitschaft demonstriert, Putins Wünschen entgegenzukommen, und dieser deshalb den Krieg beenden könne, indem er seine geopolitischen Ambitionen ohne aktive Kampfhandlungen befriedigt.

Natürlich kann man fragen: Wo bleiben dabei die Interessen der Ukraine, die Interessen Polens und die Interessen Europas?

Aber genau darin besteht das Wesen der gegenwärtigen Situation: Donald Trump interessieren weder die Interessen der Ukraine noch die Interessen Europas insgesamt – weil er überzeugt ist, dass diese Interessen in keinerlei Zusammenhang mit den nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten stehen.

Die Sicherheitsinteressen der USA bestehen seiner Ansicht nach vielmehr in einem besseren Einvernehmen mit Putin und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping sowie natürlich darin, diese beiden strategischen Partner voneinander zu trennen – obwohl diese keinerlei Anstalten machen, sich den Träumen des amerikanischen Präsidenten zuliebe voneinander zu lösen.

Und die Administration ist bereit, die Interessen der Europäer ihren unrealistischen Erwartungen zu opfern – nicht nur rhetorisch, sondern auch ganz konkret bei der Zahl der Soldaten, die in Europa stationiert bleiben sollen, und bei den Summen, die sie für die Sicherheit nicht nur der Ukraine, sondern auch ihrer Verbündeten im Nordatlantischen Bündnis bereitzustellen bereit ist.

Wenn man die Situation um die Rotation aus dieser Perspektive betrachtet, wirkt das Geschehen keineswegs chaotisch – sondern vollkommen logisch.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Логіка і хаос відступу. Віталій Портников. 19.05.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 19.05.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Putin bereitet einen Angriff auf Lettland vor | Vitaly Portnikov. 19.05.2026.

Der Auslandsgeheimdienst der Russischen Föderation hat eine Erklärung abgegeben, laut der der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky die Führung Lettlands davon überzeugt habe, der Ukraine die Möglichkeit zu geben, Drohnen vom Territorium dieses baltischen Landes und unter Nutzung seines Luftraums in Richtung Russland zu starten.

In der Erklärung des russischen Geheimdienstes heißt es, dass ukrainische Militärangehörige der Kräfte für unbemannte Systeme bereits auf Militärbasen in Ādaži, Sēlija, Lielvārde, Daugavpils und Jēkabpils stationiert seien und Angriffe auf die Russische Föderation vorbereiteten. Dabei wird betont, dass Russland die Koordinaten der sogenannten Zentren der Entscheidungsfindung in der Republik Lettland kenne. Und die Mitgliedschaft Lettlands in der Nordatlantischen Allianz werde das Land nicht vor Schlägen der Russischen Föderation schützen.

Was ist das anderes als eine direkte Anstiftung zum Krieg und die Vorbereitung eines Angriffs auf ein Nachbarland?

Dabei verstehen wir sehr gut, dass die Information, der Luftraum Lettlands könne für Angriffe in Richtung der Russischen Föderation genutzt werden, eine offensichtliche Erfindung des russischen Auslandsgeheimdienstes ist, denn von solchen Angriffen würde buchstäblich wenige Minuten nach ihrem Stattfinden bekannt werden. Und niemand könnte erklären, wie Angriffe auf das Territorium der Russischen Föderation vom Territorium und unter Nutzung des Luftraums der Nordatlantischen Allianz aus erfolgen könnten.

Deshalb kann man klar sagen, dass die Behörde von Sergej Naryschkin einfach lügt. Aber warum?

In Russland hat man beschlossen, die Situation auszunutzen, die mit dem Drohnenkrieg an der russisch-lettischen Grenze zusammenhängt. Wie bekannt ist, nutzt Moskau Mittel zur Bekämpfung ukrainischer Drohnen, um sie in den lettischen Luftraum umzuleiten. Kürzlich geschah dies sogar mit dem Einschlag ukrainischer Drohnen in leere Tanks eines Öldepots in der lettischen Stadt Rēzekne.

Und das führte, so seltsam es auch klingt, zu einer großen Regierungskrise in Lettland. Die Premierministerin Vītasija entließ den Verteidigungsminister des Landes, Andris Sprūds, und später zerbrach auch die Regierungskoalition selbst: Die Parteien, die sie gebildet hatten, weigerten sich, weiter zusammenzuarbeiten. Und die Premierministerin musste buchstäblich wenige Monate vor den Parlamentswahlen in Lettland ihren Rücktritt bekannt geben.

Derzeit wird in Lettland also an der Bildung einer neuen Regierung gearbeitet, die diese wenigen Monate im Amt bleiben wird. Aber offensichtlich liegt es im Interesse Russlands, dass die neue lettische Regierung in einer Atmosphäre der Instabilität gebildet wird und arbeiten muss, dass das Hauptthema der lettischen Gesellschaft die Möglichkeit eines bewaffneten Konflikts mit der Russischen Föderation ist, dass die politischen Kräfte jener wachsen, die sich gegen Hilfe für die Ukraine und für eine gemäßigtere Haltung gegenüber der Russischen Föderation aussprechen. Denn Moskau droht Riga bereits offen mit einem möglichen Krieg.

Und hier kann der Kreml natürlich jede beliebige Provokation nutzen. Denn wenn ukrainische Drohnen erneut im lettischen Luftraum auftauchen, hindert niemand den Auslandsgeheimdienst der Russischen Föderation daran zu erklären, dass sie nicht aus dem Luftraum der Russischen Föderation in den lettischen Luftraum geraten seien, sondern umgekehrt aus dem Luftraum der Republik Lettland in den Luftraum Russlands eingedrungen seien. Das heißt, sie seien von genau jenen ukrainischen Militärangehörigen gestartet worden, die sich angeblich auf Basen auf lettischem Territorium befinden.

Und aus dieser Sicht kann man natürlich erklären, dass Russland nun bereit sei, einen Gegenschlag gegen das Territorium eines NATO-Mitgliedsstaates auszuführen. Die wichtigste Frage heute lautet: Ist Russland tatsächlich zu einem solchen Schlag bereit? Ist man in Moskau tatsächlich überzeugt, dass ein Angriff russischer Raketen und Drohnen auf das Territorium eines Mitgliedsstaates der Nordatlantischen Allianz nicht zu einem Gegenschlag der NATO und zu einer erheblichen Verschlechterung der Beziehungen zwischen Moskau und Washington führen würde?

Und das ist nicht einmal eine Frage dessen, wie sich heute die Beziehungen zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, und dem Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, gestalten. Es ist eine Frage dessen, wie Putin diese Beziehungen einschätzt und wie er die Bereitschaft Donald Trumps bewertet, in Europa entschlossen zu handeln, falls einer der europäischen Verbündeten der Vereinigten Staaten von der Russischen Föderation angegriffen wird.

Und natürlich braucht Putin einen hybriden Angriff. Einen solchen Angriff, bei dem er eines der Mitgliedsländer der Nordatlantischen Allianz – Lettland, Litauen, Estland oder Polen – beschuldigen könnte, von dessen Territorium aus ein Schlag gegen das Territorium der Russischen Föderation ausgeführt worden sei, woraufhin Putin lediglich zurückschlage. 

Und man kann sagen, dass die Erklärung des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation, der von einem der engsten Verbündeten Putins, dem ständigen Mitglied des Sicherheitsrates der Russischen Föderation Sergej Naryschkin geleitet wird, bereits nicht mehr nur eine ideologische, sondern eine praktische Vorbereitung auf einen solchen möglichen Schlag darstellt – eine Rechtfertigung des Angriffs, die Schaffung einer Möglichkeit für den Präsidenten der Russischen Föderation, falls bei ihm ein solcher Wunsch entsteht, eine Entscheidung über einen Angriff auf ein Land zu treffen, das Mitglied der Nordatlantischen Allianz ist, allerdings als Gegenschlag und nicht als Aggression gegen dieses Land.

Nun sollte man daran erinnern, dass auch die sogenannte spezielle Militäroperation gegen die Ukraine von Putin unter Begleitung russischer Propaganda begonnen wurde, wonach angeblich die Ukraine selbst Angriffe auf ihre eigenen Territorien ausführe, die damals bereits von den Russen besetzt und zu sogenannten Volksrepubliken erklärt worden waren.

Und auch die sogenannte „SVO“ ist aus Sicht der russischen Propaganda ein Gegenschlag und keine offene Aggression. Der einzige Unterschied zwischen der Ukraine und Lettland besteht darin, dass Lettland Mitglied der Nordatlantischen Allianz ist, während die Ukraine bekanntlich nicht der NATO beigetreten ist.

Und sollte ein Schlag gegen Lettland ausgeführt werden, wäre das ein ernsthafter Test der Widerstandsfähigkeit und Verteidigungsbereitschaft sowohl für die NATO als auch für die Vereinigten Staaten als führendes Land der Nordatlantischen Allianz. Und falls sich in der NATO niemand finden sollte, der Lettland vor einem russischen Schlag schützt, würde das den Tod der euro-atlantischen Solidarität buchstäblich vor unseren Augen bedeuten.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін готує напад на Латвію | Віталій Портников. 19.05.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 19.05.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Kuba bereitet sich auf einen Krieg mit den USA vor | Vitaly Portnikov. 17.05.2026.

Die kommunistische Führung Kubas modernisiert aktiv ihre Streitkräfte und kann inzwischen offenbar auf etwa 300 Drohnen zählen, die sich im Arsenal der kubanischen Armee befinden.

Diese Drohnen könnten nach Einschätzung militärischer Beobachter von den Kubanern für Angriffe auf den amerikanischen Militärstützpunkt Guantanamo Bay Naval Base eingesetzt werden, der sich auf der Insel befindet, ebenso wie gegen strategische amerikanische Objekte im Bundesstaat Florida. Bekanntlich befindet sich in diesem Bundesstaat auch die Residenz des amerikanischen Präsidenten Donald Trump – Mar-a-Lago.

Die Meldungen darüber, dass Kuba über ein derart ernstzunehmendes Drohnenarsenal verfügt, wurden für die amerikanische Führung vor dem Hintergrund des Wunsches von Präsident Donald Trump, einen Regimewechsel auf Kuba herbeizuführen, zu einer unangenehmen Nachricht.

Am 14. Mai besuchte der Direktor der Central Intelligence Agency, John Ratcliffe, die Insel. Dort traf er sich mit den Leitern der kubanischen Sicherheitsstrukturen und warnte sie vor der Unzulässigkeit irgendwelcher aktiver militärischer Schritte gegen die Vereinigten Staaten. Wie angenommen wird, übermittelte Ratcliffe der kubanischen Führung ein Ultimatum Trumps, das mit der Bereitschaft verbunden war, die Sanktionen gegen das kubanische Regime im Austausch gegen dessen erhebliche Transformation zu lockern.

Zu den Absichten der Amerikaner, die bereits in naher Zukunft umgesetzt werden könnten, falls die kubanische Führung diesen Forderungen nicht zustimmt, gehört angeblich auch die Festnahme des vorletzten kommunistischen Herrschers Kubas, Raúl Castro, des jüngeren Bruders des Gründers des repressiven Regimes, Fidel Castro. Raúl Castro soll wegen Verbrechen angeklagt werden, die 30 Jahre zurückliegen. Auf diese Weise sucht man offenbar lediglich einen Vorwand dafür, dass der fast hundertjährige Führer der kubanischen Revolution auf der Insel festgenommen und – nach dem Vorbild des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro – in die Vereinigten Staaten überstellt werden könnte.

Doch im Unterschied zu Venezuela haben die kubanischen Kommunisten, die sich seit Jahrzehnten in einem permanenten Kampf mit den Vereinigten Staaten befinden, keineswegs die Absicht, einfach die Waffen niederzulegen. Bereits nach dem Besuch des Direktors der CIA, John Ratcliffe, in der kubanischen Hauptstadt betonte Kubas Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla, dass Kuba im Falle aggressiver Handlungen der Vereinigten Staaten gegen die Insel sein Recht auf Selbstverteidigung wahrnehmen und sich verteidigen werde.

Und meiner Meinung nach sind das nicht bloß Worte eines kommunistischen Funktionärs. Anstatt mit den Vereinigten Staaten zu verhandeln, könnten die kubanischen Führer gemeinsam mit zahlreichen Militärinstrukteuren aus Russland und der Volksrepublik China, deren Zahl auf der Insel zunimmt, Pläne für eine Antwort auf die Vereinigten Staaten ausarbeiten und darüber nachdenken, wie ihre Drohnenarmee richtig eingesetzt werden kann.

Kuba unterscheidet sich natürlich vom Iran – sowohl hinsichtlich des Territoriums als auch der Landschaft und der Zahl der Militärangehörigen. Doch zugleich sollte man daran erinnern, dass gerade die kubanische Armee jahrzehntelang Lateinamerika terrorisierte und über erhebliche Erfahrungen im Guerillakrieg verfügt, die dem amerikanischen Militär praktisch fehlen. 

Außerdem besteht ein weiterer wichtiger Unterschied Kubas zum Iran in der Entfernung. Man kann sich also vorstellen, dass kubanische Drohnen im Falle ihres Starts vom Territorium der Insel nicht nur ernsthafte Probleme für das Funktionieren des amerikanischen Militärstützpunkts in Guantánamo verursachen könnten, sondern auch echtes Chaos auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten selbst hervorrufen und sogar die Sicherheit Donald Trumps infrage stellen könnten. Natürlich nur dann, wenn der amerikanische Präsident in dieser Situation nicht auf Erholungsaufenthalte in seiner Residenz Mar-a-Lago verzichtet und gezwungen wäre, zumindest während der gesamten Dauer eines Konflikts zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba an Wochenenden in Washington zu bleiben.

Solche Annahmen wirken heute natürlich wie politische Science Fiction . Doch man sollte daran erinnern, dass viele Szenarien politischer Science Fiction, die vor dem Auftreten Donald Trumps im Oval Office völlig unrealistisch erschienen, inzwischen Realität der großen Politik geworden sind. Und wir diskutieren sie inzwischen wie Selbstverständlichkeiten. 

Deshalb könnten wir bereits in einigen Wochen ebenso selbstverständlich darüber sprechen, dass zum Krieg im Nahen Osten und zum russisch-ukrainischen Krieg noch Angriffe kubanischer Drohnen auf den amerikanischen Bundesstaat Florida hinzukommen, ebenso wie die Zerstörung Havannas und schwere Schäden auf dem Gelände von Trumps Residenz Mar-a-Lago. 

Und der Präsident der Vereinigten Staaten würde dann zwischen weiteren Angriffen auf die sogenannte Insel der Freiheit und einer Vereinbarung mit den kubanischen Kommunisten wählen müssen, die ihm erlauben würde, seine Residenz in relativer Sicherheit zu bewahren und keine neuen Angriffe auf sein eigenes Zuhause fürchten zu müssen.

Natürlich stellt sich die Frage, wofür sich Donald Trump entscheiden würde, der einen Regimewechsel auf Kuba vor dem Hintergrund der Sackgasse, in die er infolge des Krieges gegen den Iran und der anhaltenden Blockade der Straße von Hormus geraten ist, als wichtigen Erfolg betrachten könnte. Denn wir sehen, dass der amerikanische Präsident sich noch immer nicht entschieden hat, wie er aus einer Situation herauskommen soll, die gerade im Vorfeld der Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten zu einer großangelegten Energie- und Wirtschaftskrise führen könnte. 

Und in diesem Zusammenhang könnten die Bildung einer neuen Regierung auf Kuba und die Beseitigung des kommunistischen Regimes tatsächlich eine gute Nachricht sein – zumindest für jenen Teil von Donald Trumps Wählerschaft, der die kubanischen Kommunisten seit Langem als autoritären Staat betrachtet, der die amerikanische Sicherheit und die amerikanischen Werte bedroht.

Doch es stellt sich die Frage, wie einfach die Lösung dieses Problems sein wird und ob sich Trumps Vorstellung bewahrheiten wird, dass er seine surrealistische venezolanische Erfahrung in jedem anderen Land wiederholen könne. Denn auch im Iran glaubte Donald Trump, dass das Verschwinden des Ajatollahs Ali Khamenei von der politischen Bühne zu denselben Folgen führen würde wie einst das Verschwinden von Nicolás Maduro. Und wie wir sehen, hat sich der amerikanische Präsident verrechnet. Ich schließe nicht aus, dass er sich auch im Fall der kommunistischen Insel verrechnen könnte.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Куба готується до війни з США | Віталій
Портников. 17.05.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 17.05.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Putin sprach vom „Ende“ des Krieges. Vitaly Portnikov. 10.05.2026.

Unser heutiges Gespräch wird der Erklärung Putins gewidmet sein, die jetzt so aktiv in den Medien und in den sozialen Netzwerken diskutiert wird. Man spricht darüber, dass der russische Präsident angeblich davon gesprochen habe, dass das Ende des Krieges schon nahe sei. Und was bedeutet das? Putins Verständnis der Tatsache, dass die Sache sich dem Finale dieses aggressiven Krieges nähert, den er 2014 gegen unser Land begonnen hat und der 2022 in einen großen Krieg überging?

Absolut offensichtlich ist die Tatsache, dass Putins Erklärung in Wirklichkeit vor allem darauf gerichtet ist, eine entsprechende Reaktion in der russischen öffentlichen Meinung zu erzeugen, denn Putin muss die eigene Gesellschaft beruhigen. Und natürlich ist es auch ein weiterer Versuch, in den Beziehungen zum Westen Zeit zu gewinnen. Putin hat überhaupt eine solche Taktik. Er tritt gern als konstruktiver Anhänger des Friedens auf und setzt gleichzeitig den Krieg fort.

Und auch jetzt, wenn man sich aufmerksam in Putins Signale hineinliest, müssen wir uns erstens die Frage beantworten: „Was ist für Putin das Ende des Krieges?“ Der russische Präsident ist angeblich von seiner Idee abgerückt, dass er sich mit dem ukrainischen Staatsoberhaupt Volodymyr Zelensky nur in Moskau treffen könne, und betonte, dass ein solches Treffen auch in der Ukraine und in einem anderen Land möglich sei. Aber die Präsidenten können sich nur treffen, um ein vollwertiges Friedensabkommen zu unterzeichnen.

Was dieses Friedensabkommen für Putin bedeuten würde, können wir aus denselben Worten bei seinem Treffen mit Journalisten verstehen, als er über Sicherheitsgarantien für Russland sprach und darüber, dass diese Sicherheitsgarantien natürlich bis an die westlichen Grenzen der Ukraine reichen müssten. Im Prinzip war das ein solcher Pass von ihm an einen Journalisten, der, wie wir verstehen, ganz und gar nicht zufällig die Frage nach diesen westlichen Grenzen stellte.

Man muss auch daran erinnern, dass gerade vor diesem Auftritt Putins sein Berater Yuri Ushakov betonte, dass die Russische Föderation den Verhandlungstisch der dreiseitigen Konsultationen mit der Ukraine und den Vereinigten Staaten verlässt und erst dann an diesen Verhandlungstisch zurückkehren wird, wenn die ukrainischen Truppen jenen Teil des Gebiets der Region Donezk verlassen, der heute von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert wird. Putin verriet bei diesem Treffen mit Journalisten in keiner Weise den Wunsch, diese Erklärung Ushakovs irgendwie zu widerlegen.

Und übrigens möchte ich Sie daran erinnern, dass in Ushakovs Erklärung und in den Erklärungen anderer russischer Beamter gerade von einer Aussetzung der Kriegshandlungen die Rede war und keineswegs von einer Beendigung des Krieges, falls ukrainische Truppen den Donbas verlassen. Das heißt, der Abzug ukrainischer Truppen aus dem Gebiet der Region Donezk ist nicht einmal eine Vorbedingung für das Ende des Krieges, sondern eine Vorbedingung für irgendeine vorübergehende Feuerpause an der russisch-ukrainischen Front für weitere Friedensabkommen. Also, für die Schaffung, sagen wir, einer solchen Situation, wie wir sie heute in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran oder zwischen Israel und der terroristischen libanesischen Organisation Hisbollah beobachten, wenn ein Waffenstillstand zwar offiziell gilt, aber jederzeit in einen neuen großen Krieg umschlagen kann.

Nur wird unser Unterschied darin bestehen, dass wir in dem Moment, in dem dieser große Krieg wieder beginnt, keine Kontrolle über die Region Donezk mehr haben werden. Und auch das ist eine absolut offensichtliche Tatsache von Putins Interesse.

Dann versucht Putin in demselben Gespräch, irgendwelche neuen Plattformen für Verhandlungen zu schaffen, irgendwelche neuen Vermittler zu suchen. Dass er den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder erwähnte, einen der wenigen westlichen Politiker, der weiterhin Kontakte zum Kreml unterhielt, selbst um den Preis des eigenen Rufes und des Rufes seiner eigenen Partei, der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, die er einst führte und für die er für das Amt des deutschen Regierungschefs kandidierte, erinnert uns noch einmal daran, dass Putin sich in seinen Vorstellungen von Außenpolitik weiterhin, ich würde sagen, vom Konzept Medvedchuk leiten lässt.

In jedem solchen Land, mit dem Putin Verhandlungen führen will, muss es seinen eigenen Medvedchuk geben, der nicht so sehr für eine Vermittlungsmission bereit ist, sondern für die Erfüllung der Launen des Kremls. Und genau einen solchen Menschen nimmt Putin als Vermittler bei Verhandlungen mit jenen wahr, die ihm irgendeinen Verhandlungsprozess anbieten.

Also haben wir es in Wirklichkeit nicht so sehr mit einer Erklärung über das Ende des Krieges zu tun, sondern mit einer Erklärung darüber, wie Putin dessen weitere Fortsetzung sieht und wie er möchte, dass dieser Krieg ihm auf die eine oder andere Weise bei der Schaffung seines eigenen totalitären Regimes auf dem Territorium Russlands und der von ihm besetzten Gebiete hilft.

Und das ist eine absolut verständliche Tatsache, die man, wie mir scheint, berücksichtigen muss, wenn wir diese oder andere Erklärungen Putins kommentieren. Mir scheint, dass wir sehr oft in den Erklärungen des russischen Präsidenten nicht das sehen wollen, was Putin wirklich sagen möchte, sondern das, was wir von ihm hören wollen. Und Putin nutzt das übrigens als erfahrener Provokateur zweifellos aus und formuliert diese Erklärungen gerade so, dass diejenigen, die sich von seiner Friedfertigkeit überzeugen wollen, genau das tun werden, wenn sie die eine oder andere Pressekonferenz des russischen Präsidenten kommentieren.

Wenn Putin also im Prinzip von einem realen Ende des Krieges spricht, steht dahinter keinerlei reale Konkretheit. Die Konkretheit besteht darin, dass Russland den Verhandlungsprozess mit der Ukraine und den Vereinigten Staaten im Grunde ausgesetzt hat. Die Konkretheit besteht darin, dass Russland den Europäern vorschlägt, Schröder zu benutzen, wenn sie wirklich über etwas mit der Russischen Föderation sprechen wollen. All das ist die reale Konkretheit, über die gesprochen werden muss, wenn wir Putins Erklärungen diskutieren. Und genau das ist das reale Problem in unserem Verständnis dessen, was der Kreml will.

Ich habe das übrigens an jener Reaktion bemerkt, die es auf andere Worte Putins bei dieser Pressekonferenz gab, auf Reaktionen im Zusammenhang damit, dass Putin sagte, Russland habe bisher keine ukrainischen Vorschläge zum Austausch gesehen, dass Russland der Ukraine eine Liste mit 500 seiner Bürger übermittelt habe, die ausgetauscht werden sollten, die Ukraine aber von den Radaren verschwunden sei. Und wieder sah ich in sozialen Netzwerken und in den Medien Erklärungen, dass Putin nun den Austausch platzen lassen wolle. Und dass dies seine Reaktion auf diesen scherzhaften Erlass Zelenskys sei, mit dem der ukrainische Präsident die Durchführung der Parade auf dem Roten Platz in der russischen Hauptstadt erlaubte, also seinen Truppen befahl, die Parade nicht zu beschießen. Obwohl wir verstehen, dass dieser Erlass keinerlei konkreten Inhalt hatte, nachdem die Ukraine faktisch gezwungen war, um den amerikanischen Präsidenten Donald Trump nicht zu reizen, diesem dreitägigen Waffenstillstand zuzustimmen. Und damit war nicht nur das Quadrat des Roten Platzes, sondern das gesamte Territorium der Russischen Föderation für diese drei Tage für Handlungen der ukrainischen Streitkräfte nicht zugänglich. Nun, wenn wir real darüber sprechen, wozu wir uns verpflichtet haben.

Aber ich habe schon gesagt, dass ich selbst von der Reaktion der Russen auf diesen scherzhaften Erlass verblüfft war, der noch einmal jenen tiefen Minderwertigkeitskomplex und jene tiefe Verachtung gegenüber der Ukraine als einem Nicht-Staat zeigte, die sich bei Russen in einer solchen Situation immer äußert. Für mich wurde das zu einem weiteren Anzeichen dafür, dass die Ukraine als Staat für Russland nicht existiert, und nicht nur für Putin. Und dass sich jedes Mal, wenn der Präsident der Ukraine die Russen verspottet, diese gerade darüber beleidigt zeigen, dass „irgendein Führer einer aufständischen Provinz, der unserem großen Zaren nicht einmal ebenbürtig ist, sich erlaubt zu scherzen. Was für ein Schrecken! Man muss es ihnen heimzahlen.“

Aber man sollte nicht denken, dass Putin sich über solche Dinge beleidigt und in einem solchen beleidigten Zustand irgendeine Entscheidung trifft. Diese ewige ukrainische Idee, dass man Putin beleidigen kann und er als Antwort irgendetwas zu tun beginnt, ist faktisch, wenn Sie so wollen, eine Spiegelung ukrainischer Handlungen in Bezug auf die reaktive, reale Reaktion auf die Handlungen Moskaus.

Und ich spreche ständig darüber. Die Ukraine hat faktisch eine reaktive Staatsgeschichte. Jede Entscheidung der Ukraine, die mit ihrer Souveränität, mit ihrer Zukunft verbunden ist, ist immer eine Reaktion auf die Handlungen Moskaus, beginnend mit 1917, entschuldigen Sie, und endend mit 2022.

Erinnern Sie sich einfach daran, wann die Ukrainer die Ukrainische Volksrepublik ausriefen, wann sie ihre Autonomie ausriefen, wann sie ihre Unabhängigkeit ausriefen, wann die Werchowna Rada der Ukrainischen SSR die Erklärung über die Souveränität verkündete, wann die Werchowna Rada der Ukraine den Akt über die Unabhängigkeit verkündete, wann die Ukrainer die Wichtigkeit der europäischen Integration begriffen, wann die Ukrainer mehrheitlich begannen, die euroatlantische Integration zu unterstützen. Wann russische Namen von ukrainischen Straßen zu verschwinden begannen, wann Ukrainer in dieser Situation begannen, auf die russische Sprache und Kultur zu verzichten, und so weiter, und so weiter, und so weiter. Und überall werden Sie sehen, dass dies Reaktionen auf entsprechende Handlungen Moskaus sind, auf die Februarrevolution, auf den Oktoberumsturz, auf Tuzla, auf die russische Reaktion auf den ersten Maidan, auf die Annexion der Krim, auf den Krieg im Donbas, auf den großen Krieg.

Und man hätte immer fragen können: „Und wenn die Russen anders gehandelt hätten, wie hätten dann die Ukrainer reagiert?“ Erinnern Sie sich, dass wir heute am 10. Mai miteinander sprechen; allein die Diskussion darüber, an welchem Mai man den Tag des Sieges im Zweiten Weltkrieg begehen soll, am achten, wie die ganze Welt, oder am neunten, wie die Sowjetunion und das heutige Russland, wurde in unserer Gesellschaft jahrzehntelang geführt. Und der 8. Mai siegte nur deshalb, weil Russland uns angegriffen hat. 2022 war die Krim bereits besetzt, im Donbas ging bereits der Krieg, russische Soldaten töteten bereits Ukrainer, aber der überwiegende Teil der Gesellschaft hielt an russischen, an sowjetischen Markern fest. Es musste so weit kommen, dass Raketen in die Wohnungen der Ukrainer flogen, damit sie sich schließlich entschieden, dass der 8. Mai ihnen mehr zusagt als der neunte. Und selbst das ist noch nicht die Meinung der gesamten Gesellschaft. Es gibt noch Teile, die noch solche Handlungen, solche Explosionen, solche Morde und solche Verbrechen brauchen, um sich davon zu überzeugen, dass es sich lohnen würde zu reagieren.

Warum erinnere ich Sie an all das als an ein Bild einer reaktiven Gesellschaft? Das ist das normale Erbe jeder kolonialen Nation. Die Ukrainer sind zu meinem großen Bedauern eine koloniale Nation, weil Russland nicht so ist und Putin nicht so ist. Ein Imperium ist ein initiativer Aggressor.

Haben Sie keine Angst, Putin zu beleidigen. Nehmen Sie seine Handlungen, die Handlungen der Russen, nicht als Ihre eigenen wahr. Wenn die Russen und Putin auf Geschichte, auf die Handlungen des Gegners so reagieren würden, wie die Ukrainer reagieren, wären auch sie eine koloniale Nation und keine imperiale aggressive Nation, bereit, alles um sich herum unter sich zu begraben und zu zerstören.

Nein, Zelenskys Erlass mag Ihnen gefallen oder nicht gefallen, aber Putin reagiert nicht darauf. Putin trifft einfach Entscheidungen, die mit einer konkreten Situation verbunden sind. Wenn er wirklich die Idee hat, den Gefangenenaustausch zu sprengen, dann wird er ihn ohne irgendwelche Erlasse Zelenskys sprengen.

Aber mir scheint, dass das aus einem einfachen Grund, den man ebenfalls verstehen muss, keine sehr reale Sache ist: Dieser Austausch ist kein russisch-ukrainischer Austausch. Es ist ein Austausch, der mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, abgestimmt wurde. Und wenn Putin diesen Austausch verweigert, wird er vor allem den Präsidenten der Vereinigten Staaten hereinlegen. Ich glaube nicht, dass er bereit ist, diesen Schritt zu gehen. Deshalb scheint es mir gerade, dass dieser Austausch höchstwahrscheinlich stattfinden wird. Ich hoffe darauf. Und dafür braucht es einfach noch eine gewisse Zeit.

Russland wird den Vereinigten Staaten seine ganze Konstruktivität gegenüber deren Vereinbarungen demonstrieren müssen, denn andernfalls wird Putin in den nächsten Kriegsperioden keine Möglichkeiten haben – und wir verstehen, dass wir noch an der Schwelle der nächsten Perioden eines erschöpfenden Krieges stehen –, sich an Trump um Unterstützung zu wenden, sagen wir, falls es nötig sein sollte, die nächste Siegesparade durchzuführen. Denn auch der 9. Mai 2027 wird kommen. Und der Krieg kann zu dieser Zeit mit nicht geringerer, sondern sogar größerer Intensität weitergehen. Und das Territorium Russlands kann angesichts der Entwicklung der Situation 2027 und 2028 für Beschuss durch ukrainische Truppen noch zugänglicher sein als 2026. Und wenn Putin diese Tendenz versteht, kann er sich wirklich Sorgen darüber machen, inwieweit dieser amerikanische Präsident bereit sein wird, ihm entgegenzukommen.

2029, und auch das ist eine absolut wahrscheinliche Zeit des russisch-ukrainischen Krieges, wird er bereits über den nächsten Präsidenten nachdenken müssen. Deshalb kann er Trump 2028 leicht hereinlegen, aber nicht 2026. Und auch das ist absolut verständlich.

Putin musste während dieser Pressekonferenz auch eine solche, ich würde sagen, Tatsache schaffen, dass der Krieg sich dem Ende nähert, weil der Westen eine Niederlage erleidet. Auch das war eine solche bewusste Spiegelung der Situation. „Sie haben Monate damit verbracht zu warten, bis Russland eine vernichtende Niederlage erleidet, bis seine Staatlichkeit fällt. Das hat nicht funktioniert. Und dann blieben sie in diesem Rhythmus stecken und können jetzt nicht mehr daraus herauskommen“, sagte Putin.

Und jetzt ersetzen Sie in diesem Zitat das Wort Russland durch das Wort Ukraine. „Russland hat Monate damit verbracht zu warten, bis die Ukraine eine vernichtende Niederlage erleidet, bis ihre Staatlichkeit fällt. Das hat nicht funktioniert, und dann blieben sie in diesem Rhythmus stecken und können jetzt nicht mehr daraus herauskommen.“ Das ist ein genaues Bild jener Situation, in der sich die russische politische und militärische Führung im fünften Jahr des großen Krieges gegen den Nachbarstaat befindet. Aber Putin, wie wir sehen, extrapoliert diese Situation nicht auf sich selbst, sondern auf den Westen.

Und wir könnten ebenfalls sagen, dass das eine riesige Katastrophe ist, dass er die Realität nicht so sieht. Ich aber denke, dass man dem positiv gegenüberstehen sollte, weil er begreift, dass Russland dem Westen gegenübersteht, dass die Konfliktpartei nicht die Ukraine ist, die man erledigen, der man das Geld entziehen kann und so weiter, sondern der Westen, der bereit ist, der Ukraine zu helfen, der bereits Geld bereitgestellt hat und das weiter tun kann.

Übrigens wissen Sie, dass der neue Ministerpräsident der Niederlande, darüber wollte ich gerade sprechen, betont hat, dass er die Verhandlungen über die Übergabe eingefrorener russischer Vermögenswerte an die Ukraine wieder aktivieren wird. Im vergangenen Jahr wurde diese Geschichte mit den eingefrorenen russischen Vermögenswerten, die der Ukraine übergeben werden sollten, damit unser Land seinen Haushalt für die weiteren Jahre des russisch-ukrainischen Krieges ausgleichen kann, faktisch blockiert. Die Vermögenswerte blieben dort, wo sie sich befinden, dank energischen Drucks nicht aus Moskau, sondern aus Washington. Und im Ergebnis stellte die Europäische Union der Ukraine Geld aus eigenen Reserven bereit. Das ist das, was tatsächlich geschah.

Aber in dieser Zeit sind Veränderungen eingetreten, an die auch Putin denken muss. Erstens ist das eine erhebliche geopolitische Schwächung von Präsident Trump und seiner Administration. Und ich denke, infolge des Krieges in Iran, der keineswegs beendet ist, infolge der Energie- und Wirtschaftskrise in der Welt, die weitergehen und mit ihren Schlägen neue und neue Länder erfassen und ernste Probleme für die Vereinigten Staaten selbst schaffen werden, sieht Trumps geopolitischer Druck jetzt ganz anders aus als in dem Moment, als die Frage der eingefrorenen russischen Vermögenswerte diskutiert wurde.

Und Trumps Gewicht wird ebenfalls mit jedem Tag abnehmen. Und wenn der amerikanische Präsident sich mit einer Niederlage seiner Partei bei den Kongresswahlen konfrontiert sehen und zumindest das Repräsentantenhaus verlieren sollte, obwohl ich denke, dass infolge der vernichtenden wirtschaftlichen und energetischen Krise in Amerika die Republikaner auch den Senat verlieren können, wird Präsident Trump vor unseren Augen von einem selbstbewussten Herrn des Landes zu einer lahmen Ente werden, die in ständiger Konfrontation mit dem Kongress feststecken und kein einziges ihrer Gesetze durch den Kongress bringen können wird.

Und die Europäer bereiten sich darauf vor. Und sie wünschen sich genau so einen Trump, hinkend, machtlos, unfähig, die euroatlantische Solidarität loszuwerden, in Erwartung eines neuen Präsidenten, der einen völlig anderen politischen Kurs einschlagen könnte.

Es gibt keinen Viktor Orbán mehr, einen der wichtigsten Spieler des Kremls auf der europäischen politischen Bühne, einen Menschen, der mit Freude jede russische Laune erfüllte, wie wir wissen, sogar indem er russische Oligarchen bediente. Gestern wurde Péter Magyar zum neuen Ministerpräsidenten Ungarns gewählt, und Viktor Orbán, beschämt und politisch geschwächt, erschien nicht einmal zur feierlichen Sitzung des ungarischen Parlaments, während der der Schlusspunkt unter seine schändliche politische Karriere gesetzt wurde, die Ungarn entkräftete.

Das alles sind neue Realitäten für die Europäische Union, wie wir verstehen, völlig neue. Und in diesen Realitäten kann man wieder zu den Verhandlungen über die Bereitstellung eingefrorener russischer Vermögenswerte für die Ukraine zurückkehren. Und das ist viel realistischer als das Auftreten Gerhard Schröders in der Rolle eines Vermittlers bei Verhandlungen mit den Europäern.

Aber es gibt noch eine wichtige Tatsache, die meiner Meinung nach gerade gezeigt hat, dass sich Vladimir Putins Position nicht geändert hat. Und diese Tatsache ist nicht mit der Ukraine verbunden, sie ist mit einem anderen Land verbunden, sie ist mit Armenien verbunden. Als Putin auf Fragen antwortete, sagte er, Armenien – es ging um die europäische Wahl dieses Landes – könne alles tun, was es wolle. Und wenn sie entscheiden, dass sie bereit sind, der Europäischen Union beizutreten, können sie der Europäischen Union beitreten, aber dafür müssten sie ein Referendum abhalten. Und zugleich sagte Putin eine ziemlich interessante Sache, wie mir scheint, nämlich dass man „sich daran erinnern muss, womit in der Ukraine alles begonnen hat“.

Nun, in der Ukraine hat damit eben nicht alles begonnen. Die Aggression Russlands gegen die Ukraine begann gerade im Zusammenhang mit der europäischen Wahl unseres Staates. Wir müssen uns daran erinnern, wie all das geschah. Und übrigens geschah das synchron mit Armenien. Damals, im Jahr 2013, trifft Putin sich mit zwei Präsidenten: dem Präsidenten der Ukraine Viktor Janukowytsch und dem Präsidenten Armeniens Serzh Sargsyan. Die Treffen mit Sargsyan fand öffentlich statt. Mit Janukowytsch gab es mehrere geheime Treffen. Und nach diesem Treffen verzichtete Serzh Sargsyan, ohne sich auch nur mit den Mitgliedern seiner eigenen Delegation, mit seiner eigenen Regierung, mit seinem eigenen Parlament zu beraten, bei einem Treffen mit den Russen auf die Unterzeichnung des bereits fertigen Assoziierungsabkommens Armeniens mit der Europäischen Union, das im Prinzip sehr an jenes Abkommen erinnerte, das die Ukraine jetzt hat, das 2013 von Moldau und Georgien unterzeichnet wurde, und wählt den Weg der eurasischen Integration. Und viele meinen, dass Putin Sargsyan wie auch Janukowytsch einschüchterte, unter anderem mit dem Verlust armenischer Positionen rund um Bergkarabach. Und möglicherweise konnte er ihn wie auch Janukowytsch mit irgendeinem individuellen Druck einschüchtern. Nennen wir es so.

Janukowytsch handelte ungefähr so, aber nicht ganz so. Er verzichtete nicht persönlich auf das Assoziierungsabkommen, sondern beauftragte die Regierung unter Führung von Mykola Asarow, auf die sofortige Unterzeichnung dieses Abkommens bis zu seiner weiteren Prüfung zu verzichten. Auf dem Gipfel der Europäischen Union in Vilnius setzte Janukowytsch seine Unterschrift nicht unter das Abkommen und berief sich auf diese Regierungsentscheidung. Und gerade das löste Ende 2013 Massenproteste in der Ukraine aus, die in den zweiten Maidan, in die Revolution der Würde, in den Zusammenbruch des Janukowytsch-Regimes übergingen.

Und vor dem Hintergrund dieses Zusammenbruchs wurde, wie bekannt, das Abkommen über die Europäische Assoziation der Ukraine in zwei Etappen unterzeichnet. Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk unterzeichnete einen Teil. Später unterzeichnete der neu gewählte Präsident Petro Poroschenko den zweiten Teil, und es begann bereits in vollem Umfang zu wirken. Aber in der Ukraine gab es, wie bekannt, keinen inneren Konflikt um das Abkommen über die Europäische Assoziation. Das Abkommen über die europäische Assoziation wurde von der Partei der Regionen der Ukraine unterstützt. Ihre jungen Aktivisten zerstreuten Kundgebungen der Kommunisten, der Gegner dieses Abkommens, die sehr klein waren. Sowohl die Partei der Regionen als auch die demokratische Opposition, die Parteien Batkiwschtschyna, UDAR und Swoboda, unterstützten die Idee der Europäischen Assoziation.

Was also begann in der Ukraine? Die russische Aggression gegen die Ukraine begann in dem Moment, als Putin begriff, dass der europäische Weg der Ukraine unvermeidlich ist. Und dass die einzige Möglichkeit, diesen Weg zu verhindern, darin besteht, das Territorium des Nachbarlandes zu besetzen oder ihm, wie 2022 entschieden wurde, ein Marionettenregime aufzuzwingen.

Im Grunde ist das also eine direkte Drohung an Armenien. „Ihr könnt natürlich ein Referendum abhalten, und ihr könnt euch bei diesem Referendum sogar wie die Ukrainer für den Weg der Europäischen Assoziation aussprechen. Aber vergesst nicht, dass wir euch danach angreifen können.“ Das ist natürlich schwieriger mit Armenien als mit der Ukraine, weil Armenien zu seinem großen Glück keine gemeinsamen Grenzen mit Russland hat. Aber auf dem Territorium Armeniens befinden sich derzeit russische Truppen. Man muss sie nicht einmal dorthin einführen. Russland kann andere Einflusshebel nutzen, versuchen, erneut einen Krieg im Südkaukasus zu schaffen. Das ist von ihm zu erwarten.

Aber gerade die Haltung zur Idee der europäischen Integration, nicht der euroatlantischen, ich möchte das betonen, sondern der europäischen, als etwas unglaublich Gefährlichem für das Land selbst, das nach Europa geht, sagt meiner Meinung nach bereits viel aus und sagt uns zumindest, dass Putin in Wirklichkeit von keiner seiner Vorstellungen darüber abgerückt ist, wie sich die Situation im postsowjetischen Raum entwickeln soll. Und genau auf die Fortsetzung dieser Vorstellung müssen wir vorbereitet sein.

Ich werde auf einige Fragen antworten, die in dieser Sendung gestellt wurden.

Zuschauer: Von diesem Öl gibt es auf der Welt doch im Überfluss, was ist da schon Russland, wenn man die Selbstkosten berücksichtigt. Ruhm der Ukraine! Ruhm den Helden!

Portnikov: Öl gibt es auf der Welt tatsächlich sehr viel, aber im Zusammenhang mit der Blockade der Straße von Hormus und mit der amerikanischen Blockade des iranischen Öls ist der Ölpreis in der Welt bereits um 30 Prozent gestiegen. Und es gibt ein 20-prozentiges Öldefizit. Das sind Zahlen. In dieser Situation wird die Rolle der Länder, die Öl außerhalb der Straße von Hormus liefern, natürlich wachsen. Deshalb nennen praktisch alle nüchtern denkenden Beobachter das Putin-Regime den Hauptbegünstigten des Nahostkrieges. Das ist objektive Realität. Die Einnahmen des russischen Haushalts wachsen. Und hier wird alles natürlich nicht nur davon abhängen, wie sich die Situation im Nahen Osten entwickelt – Spoiler: Sie wird sich schlecht entwickeln –, sondern davon, inwieweit es den Streitkräften der Ukraine gelingt, die Ölhäfen und die ölverarbeitende Industrie der Russischen Föderation zu zerstören. Wenn solche Anstrengungen nicht ausreichend effektiv sind, wird Russland seinen Haushalt für weitere Jahre des Krieges gegen die Ukraine füllen. Das ist eine objektive Realität, der wir in den 20er Jahren und vielleicht auch in den 30er Jahren des 21. Jahrhunderts begegnen werden. Alles hängt also von den Streitkräften der Ukraine und von Ihrer Unterstützung für die Streitkräfte der Ukraine ab.

Zuschauer: Souveränität und territoriale Integrität der Grenzen der Ukraine von 1991. Alles andere ist die Kapitulation der Ukraine.

Portnikov: Ich stimme Ihnen absolut zu, dass die Wiederherstellung jeglicher Gerechtigkeit mit der Rückkehr der Ukraine zu ihren Grenzen von 1991 verbunden sein muss. Aber damit das Wirklichkeit wird, muss man ausreichende militärische, technische, demografische Möglichkeiten haben. Man muss sagen, dass die Ukraine weder 2014 noch 2022 noch 2026 solche Möglichkeiten hatte. Und wiederum, wenn Sie diese Realität nicht berücksichtigen, wird sie Sie unweigerlich einholen und Sie werden sich ihr stellen müssen. Ich bin absolut überzeugt, dass nicht nur die Ukraine, sondern die gesamte zivilisierte Welt an der Wiederherstellung der Grenzen der Ukraine zum Zeitpunkt der Verkündung ihrer Unabhängigkeit interessiert sein muss, weil dies mit dem Triumph des Völkerrechts selbst verbunden ist. Zugleich bin ich überzeugt, dass das weltweite Völkerrecht bereits zerstört ist und wir in den nächsten kriegerischen Jahrzehnten nicht zu ihm zurückkehren werden. Und ich halte es für möglich, dass viele Länder, die heute in der Welt existieren, ihre Grenzen verlieren werden. 

Und Sie müssen klar verstehen, dass die Welt des 20. Jahrhunderts für immer beendet ist. Wir hatten einfach Glück mit diesen friedlichen Jahrzehnten. Jetzt ist die Zeit kriegerischer Jahrzehnte, schwarzer, schrecklicher und entsetzlicher, nicht nur für die Ukraine. Glauben Sie mir, dass die Krise Realität unseres Lebens in den 20er bis mindestens 50er Jahren des 21. Jahrhunderts sein wird. Warten Sie nicht auf das, was es in Ihrem Leben nie wieder geben wird: Frieden als Norm.

Und wenn Sie mich fragen: „Und wie überlebt man?“ Nun, nicht alle werden überleben, wie Sie verstehen, aber diejenigen, die überleben können, und es werden nicht so viele sein, müssen eine einfache Sache begreifen. Es gibt zwei nahöstliche Formeln. Die erste sind lange Kriege mit kurzem Frieden. Das ist die Situation, in der wir jetzt leben. Und sie ist schrecklich. Denn lange Kriege mit kurzem Frieden erschöpfen die Wirtschaft, vernichten die Bevölkerung und bringen solche Völker wie das ukrainische, und übrigens auch solche Völker wie das russische, an den Rand einer echten demografischen Katastrophe ohne Chancen auf Wiederherstellung. Ich denke übrigens, dass die demografische Katastrophe des russischen Volkes, ich spreche sogar von ethnischen Russen, viel gravierender und gefährlicher für sie sein wird als die demografische Katastrophe des ukrainischen Volkes. Wir können schon beginnen, uns zu verabschieden.

Aber es gibt eine andere, positivere Variante, wenn auch keineswegs eine solche, mit der wir leben wollten, sondern jene Variante, mit der der Nahe Osten bis zum 7. Oktober 2023 lebte, bis zum Angriff der Hamas auf Israel: langer Frieden mit kurzen Kriegen. Wenn es uns irgendwann gelingt, ich weiß nicht, wann das sein wird, zur Variante langer Frieden mit kurzen Kriegen zu kommen, wird das unsere größte Errungenschaft für die nächsten Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts sein.

Aber Gott bewahre Sie davor, dauerhaften Frieden dadurch zu wünschen, dass man alles zurückerobert, was man vom Standpunkt der Gerechtigkeit aus zurückerobern könnte. Dann werden Sie in die nächste Periode langer Kriege und kurzen Friedens stürzen. Die Wahl ist nur diese: kurze Kriege, langer Frieden oder lange Kriege, kurzer Frieden. Zwei Varianten. Eine dritte Variante des Friedens liegt nicht auf dem Tisch. Auf dem Tisch Ihres Schicksals fehlt sie. Suchen Sie nicht ständig die schwarze Katze des dauerhaften Friedens im dunklen Raum des Krieges. Das ist, was ich Ihnen sagen möchte. Begreifen Sie das endlich. Leben Sie nicht in Märchen und Illusionen. Versuchen Sie gemeinsam mit nüchtern denkenden Menschen in der ganzen Welt, zu einer solchen Periode in Europa zu gelangen: kurze Kriege, langer Frieden.

Wie macht man das? Ich sage Ihnen, wie. Man muss ein starker Staat sein. Ein starker Staat ist wirklich das, was sich langen Frieden leisten kann, selbst wenn er neben einem Aggressor liegt. Ein starker Staat ist der Staat, den man vielleicht nicht fürchtet anzugreifen, mit dem man aber nicht lange Krieg führen will. Ein solcher Staat, wie Israel es im Nahen Osten seit der Verkündung seiner Unabhängigkeit und dem Sieg im Unabhängigkeitskrieg war. Das ist das Modell, das meiner Meinung nach für diese Situation maßgeblich sein sollte.

Frage: Herr Vitaly, hat es Sie nicht gereizt, wie man bei uns zu Beginn des Krieges von unbekannten Drohnen über Russland sprach, als schäme man sich der eigenen Fähigkeit, es anzugreifen? Wann werden wir diese Mentalität der Unterwürfigkeit endlich los?

Portnikov: Mich hat das unglaublich gereizt, aber ich glaube, dass es nicht mit unserer Mentalität der Unterwürfigkeit verbunden war, sondern mit unserem Unwillen, unsere Verbündeten zu erschrecken. Hier muss man noch eine weitere Frage stellen. Nicht die Frage, wann aus den Ukrainern ihr koloniales Erbe und dieses Gefühl der Unterwürfigkeit gegenüber Russland los wird, wie man Russland angreifen kann. Sondern wann Europa und die Vereinigten Staaten die Angst vor Russland los wird. Das ist die Hauptfrage. Wir wollten sie wirklich nicht mit unseren Schlägen reizen.

Und hier muss man eine wichtige Sache sagen: In diesem Verständnis haben wir bereits eine große Distanz gemeinsam mit ihnen zurückgelegt. Und jetzt, da nicht nur das geopolitische Gewicht Russlands, sondern auch das geopolitische Gewicht der Vereinigten Staaten abnimmt, verändert das im Prinzip die gesamte Weltpolitik.

Als klar wurde, dass man das Territorium nuklearer Staaten, die theoretisch in einigen Stunden die gesamte Menschheit vernichten können, angreifen kann und nichts Fatalistisches geschieht. Das Territorium Russlands, amerikanische Basen. Dann verändert das die gesamte Konfiguration der Konfrontation in der Welt vollständig. Auch diese Frage ist absolut verständlich.

Dann die Frage: Warum in der Ukraine bleiben?

Portnikov: Nun, mir schien, dass man in der Ukraine bleiben muss, um sie zu verteidigen und wiederaufzubauen. Dass die Ukraine der einzige Ort auf der Erde ist, an dem ein Ukrainer Ukrainer sein kann. Sie können Ihr Kind vor dem Krieg wegbringen, aber vergessen Sie nicht, dass dieses Kind, und höchstwahrscheinlich zumindest seine Kinder, niemals mehr Ukrainer sein werden. Sie setzen einen Schlusspunkt unter die Existenz des ukrainischen Volkes. Natürlich behält irgendjemand dort seine Identität, aber, wie Sie verstehen, bei weitem nicht alle. 

Aber das Wichtigste ist etwas anderes. Wie können Sie genau wissen, dass Sie in ein Land kommen, in das eines schönen Tages keine feindliche Rakete fliegen wird? Wo haben Sie eine Garantie? Haben Sie irgendeinen Spiegel, in dem Sie die Zukunft sehen? Nein, diesen Spiegel haben Sie nicht. Fragen Sie die Menschen, die gezwungen waren, ihre Wohnungen in Dubai zu verlassen, weil sie sie am sichersten Ort gekauft hatten, neben der amerikanischen Basis. Oder in Bahrain. Wo befinden sie sich jetzt? Dem Schicksal entkommt man nicht. Der Krieg wird Sie einholen und vernichten. So sehr Sie auch vor ihm weglaufen, wenn dies ein solches Schicksal ist. So sieht das 21. Jahrhundert aus. Wenn Sie als Mensch überzeugt sind, dass man aus gefährlichem Gebiet so schnell wie möglich verschwinden muss, dann können Sie Ihren Tod dort finden, wo Sie glauben, dass Sie die größte Sicherheit erwartet.

Ich glaube, dass ein Mensch ein Land verlassen sollte, wenn die Gefahr über ihm persönlich schwebt. Und ich selbst habe, wie Sie wissen, eine solche Entscheidung während des Maidan 2013–2014 getroffen, als ich genau wusste, dass ich persönlich liquidiert werden könnte, weil dies Teil einer Operation russischer und ukrainischer Sonderdienste war. Und Sie erinnern sich, wie Menschen im Wald zusammengeschlagen wurden, wie man Jagd auf sie machte, wie Titushky zu meiner Wohnung kamen. Das war Realität. Ich wollte mich nicht wie eine Ratte verstecken. Und deshalb fuhr ich für einige Wochen nach Polen, um das laut zu sagen. Und ich hoffe, dass ich damals viele Pläne gegen meine Kollegen durchkreuzt habe, die bereits auf den Tischen all dieser Janukowytschs und Bortnikows lagen.

Aber wenn eine kollektive Gefahr über dir schwebt, eine Gefahr über deinem Land und deinem Volk, wirst du nirgendwohin fliehen. Selbst deine Flucht kann sich als völlig nutzlos erweisen. Das bedeutet nicht, dass Menschen, wenn sie die Möglichkeit haben, sich auf dem Territorium anderer Länder zu verwirklichen, in zwei Ländern zu leben, sich verschiedene Möglichkeiten zu schaffen, das nicht tun sollten. Davon spreche ich nicht einmal. Aber wenn Sie sich entscheiden irgendwohin zu fliehen, denken Sie nicht, dass es so leicht ist, einen Ort zu wählen, an dem es Ihnen ganz sicher behaglich sein wird.

Ganz zu schweigen davon, dass Sie sehr oft in Länder fahren, für deren Geschichte und geopolitische Lage Sie sich einfach nicht interessieren. Sie wissen einfach, dass es dort gut ist, dass einem dort ganz ordentlich geholfen wird und dass es gute Gehälter gibt. Sie fahren in irgendein Australien, und dann stellt sich heraus, dass es in fünf oder sechs Jahren zur Arena einer Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und China werden kann. Das wird lustig. Und ich mache übrigens keinen Scherz. Also ist das alles absolut real.

Zuschauer: Das Ende unseres Krieges bei Erhalt der Staatlichkeit der Ukraine wird die westliche Welt zur stabilen Demokratie zurückführen.

Portnikov: Ich kann das nicht garantieren im Zusammenhang mit der Stärkung, ich würde sagen, rechtspopulistischer und linkspopulistischer Tendenzen, die in dieser Welt existieren. Für die Demokratie, wie die jüngsten Ereignisse in der Welt der letzten Jahrzehnte gezeigt haben, muss man kämpfen. Sie ist selbst für entwickelte Länder mit entwickelter Demokratie nicht automatisch.

Früher erklärten wir all diese Ereignisse, die wir etwa bei Wahlen in der Ukraine beobachteten, immer mit der Unreife der ukrainischen Demokratie, damit, dass die Ukrainer erst 1991 begonnen hatten, Demokratie zu lernen, und keine solche Erfahrung hatten. Und was ist mit Mitteleuropa? Nun, es hatte auch keine Demokratie. Nun, Orbán, nun, das ist ja klar. Wann begann in Ungarn überhaupt die demokratische Entwicklung? In Wirklichkeit 1991. Davor war Ungarn mal unter den Kommunisten, mal unter dem Szálasi-Regime, mal unter dem Horthy-Regime, und davor kommt bereits Österreich-Ungarn. Eine ganz alte Periode.

Nun, und die Vereinigten Staaten? Sie waren doch die ganze Zeit eine Demokratie, und die Briten stimmten für den Brexit. Jetzt raufen sie sich die Haare. Sie hatten doch immer eine so große Demokratie. Vielleicht verändert sich einfach etwas in der Welt? Und auch darüber muss man absolut konkret sprechen.

Also, wie Sie verstehen, werde ich Ihnen nicht garantieren, dass der ukrainische Sieg im Sinne der Bewahrung unseres Staates und unserer Souveränität ein zwingender Sieg der Demokratie ist. Ich werde Sie nicht täuschen. Die Demokratie wird im 21. Jahrhundert einen schwierigen Weg der Verteidigung durchlaufen müssen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін заговорив про „закінчення“ війни | Віталій Портников. 10.05.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 10.05.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Die Saudis haben Trump abblitzen lassen | Vitaly Portnikov. 07.05.2026.

Der amerikanische Präsident Donald Trump musste die Operation „Freiheit“, die darauf abzielte, die ungehinderte humanitäre Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus sicherzustellen, aufgeben, nachdem die Führung Saudi-Arabiens sich geweigert hatte, die Vereinigten Staaten bei der Durchführung dieser Operation zu unterstützen und den eigenen Luftraum, Stützpunkte und Ressourcen zur Verfügung zu stellen, damit die Vereinigten Staaten das Geplante umsetzen könnten. Nicht einmal ein Telefonat des Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump mit dem Kronprinzen Saudi-Arabiens und faktischen Herrscher des Königreichs, Mohammed bin Salman, half.

So waren die Vereinigten Staaten gezwungen festzustellen, dass es keine logistischen Möglichkeiten zur Durchführung der von Donald Trump angekündigten Operation gab. Und sie wurde buchstäblich wenige Stunden nach der Ankündigung ihrer Durchführung durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten eingestellt, obwohl der Verteidigungsminister und der Außenminister der USA die Absicht Washingtons bestätigt hatten, diese Operation fortzusetzen.

Was ist also tatsächlich geschehen? Faktisch schuf die von Donald Trump angekündigte Operation „Freiheit“ Risiken neuer militärischer Zusammenstöße zwischen den Vereinigten Staaten und Iran. Und Saudi-Arabien tritt zusammen mit Pakistan, das weiterhin die Idee von Friedensverhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran unterstützt, für eine möglichst schnelle Lösung jener Probleme ein, die in der Straße von Hormus nach Beginn der amerikanisch-israelischen Operation gegen Iran entstanden sind, und sieht reale Möglichkeiten zur Lösung der Probleme gerade in einer diplomatischen Lösung der Frage.

So beschloss man in Riad, den Vereinigten Staaten die Durchführung einer solchen Operation nicht zu ermöglichen, damit Donald Trump weder Anlass noch Notwendigkeit erhält, die Angriffe auf die Islamische Republik wieder aufzunehmen, was zu einer neuen groß angelegten Energie- und Wirtschaftskrise führen könnte – zusätzlich zu den katastrophalen Umständen, die bereits in der Weltwirtschaft infolge der unüberlegten Handlungen der Vereinigten Staaten gegenüber der Islamischen Republik stattfinden.

Und das zeigt, dass sich jetzt in Bezug auf den Krieg gegen Iran im Nahen Osten und im Persischen Golf zwei Koalitionen herausgebildet haben, von denen jede versucht, die Position des amerikanischen Präsidenten zu beeinflussen.

In einer informellen Koalition befinden sich Israel und die Vereinigte Arabische Emirate. Die Interessen dieser beiden Staaten, die am stärksten unter iranischen Angriffen gelitten haben, sind mit der Fortsetzung der Angriffe auf Teheran verbunden, mit dem Ziel, das bestehende Regime im Land zu stürzen und seine militärischen Möglichkeiten einzuschränken. Außerdem versteht man in Israel sehr gut, dass das Hauptproblem, das mit dem Beginn dieses Krieges verbunden ist – die Zerstörung des nuklearen Potenzials der Islamischen Republik und ihrer Raketenprogramme – noch immer nicht gelöst wurde.

Und es ist völlig offensichtlich, dass die Islamische Republik unabhängig davon, auf welches Abkommen sich die Vereinigten Staaten und Iran jetzt einigen, Möglichkeiten finden wird, eine Atombombe zu schaffen, falls angereichertes Uran auf ihrem Territorium verbleibt und nicht ordnungsgemäß kontrolliert werden kann. Und die Situation, in der jederzeit ein nuklearer Schlag aus Iran gegen Israel erfolgen könnte – nun zum Beispiel dann, wenn die politische Karriere Donald Trumps beendet sein wird –, bleibt die größte Herausforderung für den jüdischen Staat.

Auch die Vereinigten Arabischen Emirate sahen sich damit konfrontiert, dass Iran bereit ist, ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten und den Ruf als sicherer Hafen für Investoren zu untergraben. Und Vertrauen in die iranische Führung haben die Vereinigten Arabischen Emirate nicht.

Saudi-Arabien und Pakistan hingegen hoffen weiterhin auf die Möglichkeit eines gegenseitigen Verständnisses mit dem Regime in Teheran. Außerdem ist man in Saudi-Arabien nach dem Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der OPEC der Ansicht, dass die Vereinigten Staaten faktisch den Weg einer Entwertung der wirtschaftlichen und politischen Möglichkeiten des Königreichs eingeschlagen haben, das ohnehin schwierige Beziehungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten hatte.

Schon vor Beginn des Krieges im Persischen Golf stießen beide Länder hinsichtlich ihrer Interessen in Staaten wie Jemen und Sudan aufeinander. Und dass Iran die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien während seines Krieges mit den Vereinigten Staaten und Israel unterschiedlich behandelte, wurde für Riad zu einem weiteren Beweis dafür, dass der von den Emiraten gewählte außenpolitische Kurs nur in eine wirtschaftliche und politische Katastrophe führt. Man müsse viel ernsthaftere Sicherheitsgarantien für Saudi-Arabien schaffen, ohne jene Wünsche zu berücksichtigen, die in Washington oder Jerusalem entstehen könnten.

Und jetzt sehen wir, wie diese neue Außenpolitik Saudi-Arabiens beginnt, Wirklichkeit zu werden, was zudem davon zeugt, dass sich auch jene Orientierungspunkte verschieben, von denen sich die Vereinigten Staaten vor Beginn des großen Krieges mit Iran leiten ließen – in Richtung einer Verringerung des Einflusses der Administration Donald Trumps und einer Verringerung der Zahl der Verbündeten im Persischen Golf.

Wie viele Komplimente Donald Trump dem Kronprinzen Saudi-Arabiens und dem Oberbefehlshaber der pakistanischen Armee auch machen mag – völlig offensichtlich ist, dass man nun sowohl in Riad als auch in Islamabad vor allem an die eigenen Interessen denkt und versucht, den Einfluss auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten – und angesichts des Investitionspotenzials Saudi-Arabiens und der persönlichen Verbindungen von Vertretern aus Trumps Umfeld zur Königsfamilie ist dieser Einfluss tatsächlich groß – dafür zu nutzen, vor allem Fragen des eigenen wirtschaftlichen und energetischen Überlebens unter den Bedingungen des andauernden Konflikts zu lösen.

Und das sind völlig andere Beziehungen als jene, die zwischen den Vereinigten Staaten und den Staaten des Persischen Golfs vor Beginn des großen Krieges im Persischen Golf bestanden. Ich würde die Situation mit der Verringerung des Einflusses der Russischen Föderation im postsowjetischen Raum nach Beginn des großen Krieges gegen die Ukraine vergleichen, als die ehemaligen Sowjetrepubliken erkannten, dass Moskau nicht in der Lage war, jene Ziele schnell zu erreichen, die es sich gesetzt hatte, und somit weder Verbündeter noch jene Bedrohung mehr war, mit der die russische Führung vor Februar 2022 assoziiert wurde.

Jetzt erleben auch die Vereinigten Staaten Donald Trumps eine ähnliche Geschichte der Entwertung von Möglichkeiten und Einfluss. Und mit jedem neuen Tag des Konflikts im Nahen Osten wird sich diese Entwertung parallel zur wirtschaftlichen und energetischen Krise in der Welt verstärken.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Саудиты послали Трампа | Виталий
Портников. 07.05.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 07.05.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Trump weist Iran zurück | Vitaly Portnikov. 03.05.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat die neuen Vorschläge Irans zur Beendigung des amerikanisch-iranischen Krieges endgültig abgelehnt.     Man kann Trump verstehen, denn die neuen Vorschläge des Ayatollah-Regimes sahen überhaupt keinen Verzicht Irans auf sein Atomprogramm vor.

Die Iraner versprachen lediglich, die Passage von Schiffen durch die Straße von Hormus freizugeben, während die Vereinigten Staaten im Gegenzug ihre eigene Seeblockade aufheben sollten. Danach sollten Verhandlungen über die Beendigung des amerikanisch-israelisch-iranischen Krieges sowie über Parameter beginnen, die die Nuklearprojekte der Islamischen Republik regeln sollten.

Offensichtlich wären die Amerikaner in einer solchen Situation erneut in das bekannte Spiel der iranischen Verhandlungsführer geraten, Zeit zu gewinnen und keine klaren Antworten auf die Frage zu geben, ob sie bereit sind, auf angereichertes Uran zu verzichten. Trump hätte wie jemand ausgesehen, der den Krieg im Austausch für die Bereitschaft Irans beendet, den Welthandel wieder freizugeben.

Und das, obwohl zu Beginn des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran überhaupt keine Probleme mit der Straße von Hormus bestanden. Zu den Hauptzielen dieses Krieges gehörte, wie in Erinnerung zu rufen ist, die Forderung der Vereinigten Staaten an Iran, auf sein Atomprogramm zu verzichten sowie auf sein Raketenprogramm, das sich, wie wir gesehen haben, erfolgreich entwickelte und zu massiven Angriffen nicht nur auf Israel, sondern auch auf Länder des Persischen Golfs führte. Den Krieg im Austausch für die Freigabe der Straße von Hormus zu beenden, würde daher faktisch bedeuten, anzuerkennen, dass die Vereinigten Staaten diesen Krieg verloren haben – und das ist offensichtlich nicht das, was Donald Trump will.

Damit stellt sich die Frage, wie es weitergehen wird. Der Präsident der Vereinigten Staaten hat die Wahl zwischen einer Wiederaufnahme der Kampfhandlungen und der Fortsetzung der Seeblockade gegen Iran. Den Äußerungen Donald Trumps nach zu urteilen, neigt er eher zur zweiten Option. Der US-Finanzminister Scott Bessent betonte heute, dass die Seeblockade so effektiv sei, dass Iran bereits nicht mehr in der Lage sei, seine eigenen Soldaten zu bezahlen. Eine Fortsetzung der Blockade könnte somit zum Zusammenbruch des Regimes führen oder dazu, dass Vertreter der Revolutionsgarden zustimmen, auf das Atomprogramm zu verzichten – sofern dies vom Obersten Führer, Ayatollah Mudschtaba Chomeini, gebilligt wird, der seit Beginn des Krieges zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und Iran weder gesehen noch gehört wurde.

Die Iraner haben ihre eigenen Kalkulationen. Sie gehen davon aus, dass sie noch einige Monate durchhalten können und dass ein dramatischer Einbruch der Weltwirtschaft infolge der Energiekrise zu einer vernichtenden Niederlage der Republikanischen Partei bei den Zwischenwahlen zum US-Kongress führen wird. Danach werde Trump sich nicht mehr um den Krieg mit Iran kümmern können, da er in eine politische Konfrontation mit seinen Gegnern geraten werde, die darauf abzielen, ihm das Leben im Oval Office zu erschweren und alles zu tun, um zu verhindern, dass ein Republikaner erneut Präsident der Vereinigten Staaten wird.

Nur wenige zweifeln daran, dass im Falle einer Kontrolle des Kongresses durch die Demokraten im Herbst dieses Jahres die Vereinigten Staaten eine Phase intensiver politischer Konfrontation erleben werden. Genau daran ist die Islamische Republik interessiert.

So beobachten wir derzeit eher einen Wettbewerb zweier Zermürbungskriege. Die Vereinigten Staaten hoffen, dass ihre Blockade Iran erschöpfen und die Führung des Landes zur Kapitulation zwingen wird. Die Führung der Islamischen Republik hingegen hofft, dass die Blockade der Straße von Hormus zu einem politischen Zusammenbruch der Republikaner und zu ernsthaften Problemen für Donald Trump führen wird.

Es gibt hier auch eine Dimension, die mit Israel zusammenhängt. Die Iraner hoffen, dass, wenn es Israel in den kommenden Monaten nicht gelingt, reale Ziele im Krieg gegen Iran zu erreichen – insbesondere die Zerschlagung des Atomprogramms –, dies zu einer politischen Niederlage des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu und seiner politischen Verbündeten bei den kommenden Parlamentswahlen führen wird.

Sowohl Trump als auch Netanyahu gleichzeitig in Schwierigkeiten zu bringen, ist für die iranische Führung natürlich ein politischer Traum. Und ich habe keinen Zweifel, dass auch Irans Verbündete diese politische Krise als zentrales Ziel betrachten.

Doch unter den Verbündeten gibt es unterschiedliche Vorstellungen über den weiteren Verlauf der Ereignisse. Russland, dessen Präsident Vladimir Putin kürzlich den iranischen Außenminister Abbas Araghchi traf, könnte der Ansicht sein, dass die weitere Entwicklung ihm hilft, die Einnahmen aus dem Verkauf seines eigenen Öls zu steigern. Es ist offensichtlich, dass in einer solchen Situation russische Energieressourcen zu einer letzten Hoffnung für viele Länder werden, die zuvor auf Öl aus den Staaten des Persischen Golfs und aus Iran gesetzt hatten. Daher wird Putin die Führung der Islamischen Republik dazu ermutigen, keine Zugeständnisse zu machen und die Bemühungen zur Destabilisierung der Lage in den Vereinigten Staaten und im Westen fortzusetzen.

Ein anderer Verbündeter Irans jedoch, China unter der Führung von Xi Jinping, steht bereits jetzt vor eigenen wirtschaftlichen Problemen infolge des Ausbleibens von Öllieferungen aus den Staaten des Persischen Golfs und aus Iran. Xi Jinping wünscht sich einerseits eine politische Niederlage von Donald Trump und den Vereinigten Staaten, andererseits aber möchte er ein Gleichgewicht bewahren, das es der chinesischen Wirtschaft ermöglicht, die Folgen des Ausfalls arabischen und iranischen Öls nicht in vollem Umfang zu spüren.

ЄAus dieser Perspektive kann man sagen, dass die Ziele Russlands und Chinas nicht identisch sind. Zudem ist offensichtlich, dass man auch in Teheran nicht daran interessiert ist, die Situation bis zum Zusammenbruch der eigenen Macht zu treiben. Denn auch die Geduld der iranischen Gesellschaft hat ihre Grenzen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп послав Іран | Віталій Портников. 03.05.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.05.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Trump überlässt Europa Putin | Vitaly Portnikov. 02.05.2026.

Das Pentagon hat den Abzug von 5.000 amerikanischen Soldaten aus Deutschland bestätigt, was einer Brigade entspricht – vor dem Hintergrund eines öffentlichen Streits zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, und dem deutschen Bundeskanzler, Friedrich Merz, der es gewagt hatte, Zweifel an der Wirksamkeit des amerikanischen Ansatzes im Krieg mit Iran zu äußern.

Zuvor hatte die US-Regierung die Entscheidung aufgehoben, eine weitere Brigade der amerikanischen Armee in Deutschland zu stationieren – zusätzlich zu den bereits dort befindlichen Truppen. Damit sinkt die Zahl der in Europa stationierten amerikanischen Soldaten auf das Niveau von 2022, also auf den Stand vor der russischen Invasion in die Ukraine.

Man muss verstehen, dass es sich hier keineswegs nur um einen Streit zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem deutschen Bundeskanzler handelt. Zwar hat Donald Trump vermutlich die scharfen Äußerungen von Friedrich Merz als Vorwand genutzt, um die Truppenstärke in Europa zu reduzieren. Tatsächlich aber haben wir es höchstwahrscheinlich mit dem Bestreben der amerikanischen Regierung zu tun, dem russischen Präsidenten Vladimir Putin entgegenzukommen und zu demonstrieren, dass die Vereinigten Staaten Russland nicht als reale Bedrohung betrachten und bereit sind, ihre militärische Präsenz in Europa zu verringern, um so den Sicherheitsbedenken des Kremls Rechnung zu tragen.

Und das ist, wie wir wissen, ernst zu nehmen. Es entspricht jener Strategie der Beziehungen zu Putin, die Trump unmittelbar nach seiner Rückkehr ins Oval Office zu gestalten versucht hat. Vor dem Hintergrund der Ablehnung weiterer Hilfe für die Ukraine – selbst ein Programm über lediglich 400 Millionen US-Dollar wurde inzwischen aus dem Entwurf des neuen amerikanischen Militärhaushalts gestrichen – zeigt dies erneut den Wunsch des amerikanischen Präsidenten, dem Kreml die neue amerikanische Politik gegenüber Europa deutlich zu machen.

Man kann sagen, dass Donald Trump Europa Russland überlässt. Und das ist keineswegs übertrieben. Allein die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten bereit sind, die Zahl ihrer Soldaten in Europa auf das Niveau von 2022 zu reduzieren – und übrigens hat niemand gesagt, dass diese Reduzierung nicht fortgesetzt wird, da Trump auch die Möglichkeit erwägt, amerikanische Truppen aus Italien und Spanien abzuziehen –, zeigt, dass die Verteidigung des europäischen Kontinents für die Vereinigten Staaten keine Priorität mehr ist. Mehr noch: Die Regierung unter Donald Trump scheint nicht zu begreifen, dass zur Aufrechterhaltung der geopolitischen Rolle Amerikas auch ein ausreichendes militärisches Kontingent in Europa und eigene Militärbasen notwendig sind. Ohne eine solche Präsenz werden die Vereinigten Staaten natürlich sowohl gegenüber der Russischen Föderation als auch gegenüber der Volksrepublik China an Einfluss verlieren.

Es bleibt daher die wichtigste Frage, warum Donald Trump all dies tut: Versteht er wirklich nicht, dass seine Maßnahmen zum Abzug amerikanischer Truppen aus Europa den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten widersprechen? Oder ist er so sehr von der Möglichkeit neuer Beziehungen zum Kreml fasziniert, dass er diese nationalen Interessen einfach außer Acht lässt?

Wie dem auch sei, wir sehen, dass der amerikanische Präsident von bloßen Drohungen zu realen Maßnahmen übergeht. Und es wird für seinen Nachfolger sehr schwierig sein, nicht nur die amerikanische Präsenz in Europa wiederherzustellen, sondern auch das Vertrauen der europäischen Verbündeten in die Vereinigten Staaten.

Man könnte sagen, dass die Präsenz der Vereinigten Staaten in Europa angesichts der Aufrüstung der europäischen Staaten selbst nicht mehr so entscheidend ist. Doch das ist eine Illusion. Es geht nicht nur um die Anzahl der Truppen oder die Existenz von Militärbasen. Es geht um ein Land, das über ein Atomwaffenarsenal verfügt, das praktisch dem der Russischen Föderation entspricht. Genau darin liegt der Kern der europäischen Sicherheit: dass die Vereinigten Staaten auf dem europäischen Kontinent als nukleare Macht mit Russland konkurrieren können.

Ja, die europäischen Staaten können aufrüsten, sie können ihre Streitkräfte vergrößern. All dies mag schon bald geschehen. Doch die Russische Föderation wird weiterhin – gemeinsam mit den Vereinigten Staaten – die größte Atommacht der Welt bleiben. Und selbst Veränderungen in der modernen Kriegsführung werden diese unbestreitbare Tatsache nicht aufheben.

Die Befürchtung, dass es niemanden geben könnte, der Europa schützt, könnte sowohl die Außenpolitik der europäischen Staaten als auch die Stimmung der Wähler verändern, die nach jemandem suchen werden, der mit Putin verhandelt. Ebenso könnte dies die Absichten der russischen Führung beeinflussen, die erkennen und daran glauben wird, dass die Vereinigten Staaten nicht mehr bereit sind, Kräfte und Ressourcen für die Unterstützung Europas aufzuwenden – Europa also praktisch sich selbst überlassen.

So werden die verantwortungslosen Handlungen des amerikanischen Präsidenten – ganz gleich, ob sie durch den Wunsch motiviert sind, Putin zu gefallen, oder durch persönliche Kränkungen gegenüber Merz oder Meloni – zwangsläufig zu äußerst gefährlichen Konsequenzen führen, sowohl für die europäischen Staaten als auch, ohne jeden Zweifel, für die Vereinigten Staaten selbst. Und natürlich werden sie sich leider auch auf den weiteren Verlauf des russisch-ukrainischen Krieges auswirken. Denn der Abzug amerikanischer Truppen aus Deutschland ist ein Signal an den Kreml – ein Signal, das auch die russische Position in diesem Krieg beeinflusst.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп залишає Європу Путіну | Віталій
Портников. 02.05.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 02.05.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Trump schockiert das Pentagon und greift Merz an | Vitaly Portnikov. 01.05.2026.

Amerikanische Medien betonen, dass man im Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten von der Erklärung von Donald Trump über einen möglichen Abzug amerikanischer Truppen aus Deutschland schockiert war.

Diese Erklärung kam völlig überraschend, denn in den Vereinigten Staaten gibt es keinerlei konkrete Pläne zur Reduzierung der militärischen Präsenz in diesem Land. Ein Abzug der US-Truppen aus Deutschland wäre heute ein schwerer logistischer Schlag für die amerikanische Armee selbst – umso mehr vor dem Hintergrund einer möglichen Fortsetzung des Krieges mit Iran.

Da stellt sich die Frage, warum Donald Trump überhaupt solche Aussagen macht. Die Antwort ist recht einfach: Der Präsident der Vereinigten Staaten versucht, den Bundeskanzler Friedrich Merz zu bestrafen, nachdem dieser es gewagt hatte, die Handlungen Donald Trumps im Krieg mit der Islamischen Republik zu kritisieren.

Der Bundeskanzler hatte darauf hingewiesen, dass die Vereinigten Staaten in diesen Krieg ohne ernsthafte Konsultationen mit ihren Verbündeten eingetreten seien, dass es keinen klaren strategischen Plan für die Fortsetzung des Krieges gebe und dass Iran die Verhandlungen recht geschickt führe und damit die Vereinigten Staaten demütige.

All das konnte dem amerikanischen Präsidenten natürlich nicht gefallen, der weiterhin darauf beharrt, dass in dem, was einige als Krieg bezeichnen – ich zitiere hier den Präsidenten selbst aus Gesprächen mit Journalisten – alles nach Plan verlaufe, dass die Amerikaner bereits einen militärischen Sieg errungen hätten und dass Trump sich lediglich wünschen würde, dass dieser Sieg größer ausfalle.

So versucht der Präsident der Vereinigten Staaten schlicht, die Tatsache zu verschleiern, dass praktisch keines der Ziele, mit denen dieser Krieg begründet wurde – die Zerstörung des iranischen Atomprogramms sowie seiner Möglichkeiten zu Raketenangriffen auf Israel und andere Länder des Nahen Ostens – erreicht worden ist. Stattdessen ist eine neue, nicht minder ernste Bedrohung entstanden: die Fortsetzung der Blockade der Straße von Hormus, die zu schwerwiegenden energie- und wirtschaftspolitischen Folgen für die ganze Welt führen kann – und zu einem echten politischen Fiasko für Donald Trump vor dem Hintergrund steigender Öl- und Treibstoffpreise in den Vereinigten Staaten. Man kann sagen, dass sich dies bereits jetzt abzeichnet.

Und Trump – wie jeder Führer, der nicht möchte, dass andere über die Realität sprechen – konnte die Erklärung von Merz nicht gefallen. Der amerikanische Präsident wartete einige Tage und begann dann, dem Bundeskanzler vorzuwerfen, er erfülle seine Aufgaben schlecht und hätte sich stärker mit der Situation in der Ukraine befassen können. Dabei wissen wir, dass gerade der deutsche Bundeskanzler – im Gegensatz zum Präsidenten der Vereinigten Staaten – auf eine Fortsetzung der Hilfe für die Ukraine drängt und auf den letzten Gipfeln der Europäischen Union ein echter Motor entsprechender Entscheidungen war.

Trump versucht jedoch offensichtlich, die derzeitige Unpopularität des Bundeskanzlers in Meinungsumfragen in Deutschland auszunutzen. Und möglicherweise auch, der rechtsextremen politischen Kraft Alternative für Deutschland zu helfen – im Rahmen der Unterstützung, die Donald Trump und sein Vizepräsident JD Vance ultrarechten politischen Kräften auf nahezu dem gesamten europäischen Kontinent gewähren.

Merz hat seine scharfen Einschätzungen zur Situation rund um den Krieg mit Iran inzwischen etwas korrigiert und ruft Teheran dazu auf, weitere Angriffe auf Israel und die Länder des Persischen Golfs einzustellen sowie auf die Möglichkeit des Besitzes von Atomwaffen zu verzichten. Doch kaum ist anzunehmen, dass diese Korrektur der Position des deutschen Bundeskanzlers Donald Trump zufriedenstellen wird.

Die wichtigste Frage ist, ob die Vereinigten Staaten tatsächlich bereit sind, ihre Truppen aus Deutschland – und nicht nur aus Deutschland – abzuziehen. Denn bei einer der letzten Begegnungen mit Journalisten wurde der Präsident der Vereinigten Staaten gefragt, ob er ebenso bereit sei, amerikanische Truppen auch aus Italien und Spanien abzuziehen. Trump antwortete darauf, dass auch dies in Betracht gezogen werden könne, da diese Länder den Vereinigten Staaten in ihrem Krieg mit Iran nicht helfen wollten und Spanien sich schlicht „schrecklich“ verhalten habe.

Doch die entscheidende Frage ist, wie sehr die Vereinigten Staaten selbst darauf angewiesen sind, ihre Truppen auf dem europäischen Kontinent zu stationieren. Eine nüchterne Analyse der globalen Lage zeigt, dass sowohl die europäischen Länder ein Interesse an der Fortsetzung der euro-atlantischen Solidarität und der Präsenz amerikanischer Truppen haben sollten, als auch die Vereinigten Staaten selbst aus rein logistischen Gründen Militärbasen in Europa benötigen – vorausgesetzt, sie wollen eine einflussreiche Supermacht bleiben, und zwar nicht nur auf dem europäischen Kontinent.

Die zentrale Frage ist, inwieweit Donald Trump selbst sich dessen bewusst ist. Inwieweit seine Bereitschaft, diejenigen zu bestrafen, die sich seinen Vorstellungen von der Realität nicht unterordnen – diejenigen, die das Recht ihrer Staaten auf Souveränität verteidigen und eigene Bewertungen der politischen Lage abgeben –, mit seiner Vorstellung davon vereinbar ist, wie sich die Beziehungen zu solchen Ländern und ihren Führern entwickeln sollten.

Am wichtigsten ist zu verstehen, ob Donald Trump die Abhängigkeit der Sicherheit der Vereinigten Staaten vom Konzept der europäischen und euro-atlantischen Solidarität begreift. Wenn man die Aussagen des amerikanischen Präsidenten nüchtern analysiert, erkennt man,     dass er nicht nur politisch, sondern selbst geografisch kaum Grundkenntnisse hat – und möglicherweise nicht versteht, wie sich die Schließung der einen oder anderen Militärbasis in Europa, insbesondere der bekannten Basis Ramstein Air Base, auf die Verteidigungsfähigkeit der Vereinigten Staaten auswirken könnte.

Und noch eine wichtige Frage: Gibt es im Umfeld von Donald Trump überhaupt kompetente Fachleute, die dem amerikanischen Präsidenten die Risiken seiner wenig sachkundigen Entscheidungen erklären könnten – und dabei auch gehört werden? Wir verstehen sehr gut, dass die Hoffnungen auf den US-Verteidigungsminister Pete Hegseth eher gering sind.

Und damit stellt sich die Frage: Wer kann ernsthaft, kompetent und vor allem mit Autorität mit einem Menschen sprechen, der niemandem zuhört – außer sich selbst?


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп шокує Пентагон і нападає на Мерца| Віталій Портников. 01.05.2026.
Autor: [Name oder Kanal]
Veröffentlichung / Entstehung: Vitaly Portnikov
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Russland nach dem Zusammenbruch: Kasparovs Plan | Vitaly Portnikov. 23.04.2026.

Portnikov. Russisches Taiwan. Und wie der Weg der russischen demokratischen Opposition in der Epoche des Krieges mit der Ukraine und des Vormarsches ultrarechter Kräfte gegen liberale Werte in der ganzen Welt aussehen könnte. Über all das werden wir mit unserem Gast des Kanals „Portnikov Argumente“, Garry Kasparov, sprechen. Guten Tag, Garry.

Kasparov. Ich begrüße Sie, Vitaly. Danke für die Einladung.

Portnikov. Danke, dass Sie zugestimmt haben, mit mir über, wie mir scheint, ziemlich wichtige Themen zu sprechen, die gerade in den letzten Tagen der Sichtweise, mit der Sie auftreten, noch mehr Aufmerksamkeit verschafft haben. Eben diese Idee des russischen Taiwan wird jetzt sehr lebhaft diskutiert, und zwar nicht nur in Kreisen der russischen Opposition, sie wird in der Ukraine diskutiert, sie wird im Westen diskutiert. Und immer entsteht die wichtigste Frage: Wie kann russisches Taiwan exterritorial sein? Nun, letzten Endes ist Taiwan selbst ein Territorium, das man, kann man sagen, den Kommunisten abgerungen hat, wohin die Volksbefreiungsarmee Chinas nicht gekommen ist, wo eine alternative Regierung gebildet wurde und letzten Endes ein echter Staat mit demokratischen Werten. Aber was ist russisches Taiwan ohne einen Tropfen russischer Erde, wenn Sie so wollen?

Kasparov. Nun, tatsächlich verstehe ich die Frage natürlich, sie ist absolut logisch, aber wir sprechen vorerst von einer Metapher. Tatsächlich habe ich die Wortverbindung „russisches Taiwan“ benutzt, um gerade diese Trennung festzuhalten, diese sehr wichtige Trennung, die in Wirklichkeit schon existiert; wieder habe ich Angst, Taiwan zu sagen, man kann auch freies Frankreich sagen, obwohl auch de Gaulle irgendein Territorium hatte,

Portnikov. Er hatte ein Territorium in den Kolonien, ja. Es gab eine territoriale Stütze.

Kasparov. Ja, es gab immer eine territoriale Stütze. Aber in diesem Fall haben wir es meines Erachtens mit einer Situation zu tun, die insgesamt eine unverzügliche Lösung verlangt, nämlich damit, dass bereits Hunderttausende Menschen, mindestens, faktisch aus dem russischen Rechtsraum herausgefallen sind. Ein Teil von ihnen befindet sich weiterhin gewissermaßen zwischen Himmel und Erde, ist nicht bereit, eine prinzipielle Position einzunehmen, aber ein ziemlich großer Teil, und dieser Teil wächst mit jedem Tag, ist der Ansicht, dass alle Verbindungen bereits abgebrochen sind und wir uns im Prinzip auf der Seite der Ukraine befinden. Wir nehmen, jeder so gut er kann, am Krieg teil, helfen. Nun, ich tue insgesamt, wie Sie wissen, ziemlich viel. Denn für uns ist dieser Krieg ein gemeinsamer Krieg. In Russland wird sich nichts ändern, solange die Ukraine nicht siegt. Deshalb müssen heute all unsere Ressourcen, all unsere Möglichkeiten auf die Unterstützung der Ukraine in diesem Krieg eingesetzt werden. Nun also, wie organisiert man diese Unterstützung maximal effektiv? Denn jene Bürger Russlands, die sich in diesem Zwischenraum rechtlicher Art befinden, können im Grunde nicht jenen Archimedischen Punkt finden. Bei mir ist mehr oder weniger alles in Ordnung, ich habe einen kroatischen Pass, ich bin Bürger der Europäischen Union. Aber in diesem Fall haben wir es mit Hunderttausenden Menschen zu tun, potenziell mit Millionen, die diesen Stützpunkt für sich nicht finden können. Und mir scheint, dass gerade die Anschaulichkeit der Idee von Taiwan die Aufmerksamkeit europäischer Politiker darauf lenken soll, dass wir hier eine doppelte Aufgabe lösen. 

Die erste Aufgabe ist, der Ukraine zu helfen, den Krieg zu gewinnen. Und hier ist dieses konzeptionelle Taiwan eine Möglichkeit, Probleme des travel document, Passprobleme, Probleme der Eröffnung von Bankkonten zu lösen. Das heißt, jenen Teil der russischen Gesellschaft heranzuziehen, der, meiner Meinung nach, und das ist offenkundig, natürlich die Beziehungen zu diesem Regime abbrechen möchte. Nun, wohin sollen diese Menschen im Prinzip gehen? Und jenen zu helfen, die schon hier sind, sich zu etablieren, und all das immer organisierter zu machen. Denn neben rein praktischen Fragen gibt es zum Beispiel noch so eine Frage. Wenn wir uns vorstellen, nun, fantasieren wir, dass die Idee des russischen Taiwan funktioniert hat und dort 100.000 russische Ingenieure, Computerfachleute und Finanziers, sehr wahrscheinlich werden gerade diese Leute in den Westen fliehen, beschlossen haben wegzugehen. Dann ist doch völlig offensichtlich, dass das den Kriegsverlauf beeinflussen wird, denn der Krieg wird im Prinzip auf drei Komponenten geführt.

Die erste Komponente ist die menschliche Kraft. Davon hat Putin vorerst genug, obwohl es auch da schon Unterbrechungen gibt. Die zweite sind Geldmittel. Mit dem Geld wird es schlechter, aber vorerst ist es insgesamt auch noch nicht zu Ende. Die dritte sind Köpfe. Der heutige Krieg ist in Wirklichkeit ein Krieg, in dem Köpfe eine immer größere Rolle spielen. Die Ukraine hat das auf glänzende Weise der ganzen Welt gezeigt. Und davon hat Putin viel weniger. Und wenn es gelingt, wenigstens einen Teil davon abzuziehen, dann ist dort jeder Ingenieur, jeder Computerfachmann, der weggegangen ist und Teil des russischen Taiwan geworden ist, minus eine bestimmte Menge von Raketen und Drohnen, die in die Ukraine fliegen, und vielleicht sogar die Herstellung von Drohnen und Raketen auf der anderen Seite. Das ist also, wie mir scheint, eine praktische Komponente.

Die zweite wichtige ist die ideologische Komponente. Wiederum, Kriege werden ja auch ideologisch geführt. Putin hat für sich ein wichtiges Ergebnis erzielt. Er hat die russische Gesellschaft davon überzeugt, dass das ein Krieg gegen Russland ist, gegen ganz Russland. Ich werde hier keinen Streit darüber anfangen, wie viele Menschen ihn unterstützen oder nicht unterstützen. Ich, wie Sie wissen, distanziere mich überhaupt von jener russischen liberalen Opposition, die dort irgendwelche Proteste sucht. Aber es ist völlig offensichtlich, dass es eine gewisse Anzahl von Menschen gibt, denen das sehr missfällt. Doch heute können sie nirgendwohin gehen.

Diese westlichen Sanktionen treffen ja insgesamt auch jene, die diese Verbindungen abbrechen möchten. Das heißt, ich versuche, irgendein anschauliches Konzept zu finden, das den Westen zum Handeln zwingt, denn es gibt die gegenwärtige Frage, aber auch die Frage der Zukunft. In Wirklichkeit muss man auch damit rechnen: Wenn etwas geschieht, die Ukraine siegt – nun, wie werden dann die Veränderungen in Russland verlaufen? Nun, diese Fantasten vom schönen Russland der Zukunft erzählen, wie sie dort Prozesse führen werden. Das alles ist schön zu erzählen. Aber wer wird das machen? All diese heutigen Menschen – man könnte auch versuchen, einen Kern zu bilden, einen solchen Cluster von Menschen, die später vielleicht, sehr viel jüngere, nicht solche wie ich oder Chodorkowski vom Alter her, sondern die, die jetzt bereit sind, auf unsere Seite zu treten – vielleicht kann es gelingen, aus ihnen den Kern jener zu schaffen, die garantieren werden, dass sich Russland doch verändert.

Denn wir sprechen ja in Wirklichkeit von einer vollständigen Veränderung, einem vollständigen Verzicht auf diese traditionelle russische Matrix. Taiwan ist nicht einfach nur ein Konzept, es ist in Wirklichkeit der Verzicht auf Rechtsnachfolge. Russland wurde schließlich Rechtsnachfolger der UdSSR, mit allen daraus folgenden Konsequenzen. Die UdSSR wiederum, auch wenn man das abstritt, wurde Rechtsnachfolger des zaristischen Russland. Das heißt, diese imperiale Rechtsnachfolge reproduziert sich endlos in verschiedenen Variationen. Taiwan ist der Versuch, auch darauf zu verzichten. Ich verstehe, dass das idealistisch ist, selbstverständlich, und man wird darauf zeigen, dass es kein Territorium gibt. Aber letzten Endes, wenn es juristische Rechte gibt, nun ja, irgendeine Insel finden, ich weiß nicht, eine Insel mieten – ich denke, wir werden einen Ort finden. Die Frage ist doch nicht das Territorium, davon gibt es genug in der Welt. Die Frage stößt jetzt, wie man sagt, an die dokumentarische Anerkennung.

Portnikov. „Eine Insel mieten“ erinnert mich daran, dass Sie mit denen, die dieser Idee zustimmen, einfach eine zionistische Idee propagieren werden. Lassen Sie uns einen idealen Staat schaffen und ein Territorium dafür finden. Aber der Zionismus hatte zumindest ein historisches Territorium, man verstand, wohin man zurückkehren konnte.

Kasparov. Erinnern Sie sich, tatsächlich gab es Streit. Das Territorium gab es, aber dennoch wurde alles Mögliche diskutiert. Sogar Madagaskar.

Portnikov. Und Uganda.

Kasparov. In der Anfangsphase war Herzl bereit, verschiedenen Varianten zuzustimmen.

Portnikov. Aber wenn wir ernsthaft sprechen, gibt es noch eine solche Befürchtung. Mir scheint, dass unsere Generation so oder so unter verschiedenen Bedingungen aufgewachsen und geformt worden ist: unter den Bedingungen der Breschnew-Stagnation, unter den Bedingungen der Gorbatschow-Perestroika. Dann begannen die Jelzin-Jahre. Wenn man auf die heutigen jungen Menschen in Russland schaut – für sie ist Putin schon 26 Jahre Präsident, nun, mit einer Unterbrechung für Medwedew, was keine Bedeutung hat. Sechsundzwanzig Jahre Tschekisten-Regime, und davor einige Jahre späte Jelzin-Zeit, die man vor dem Hintergrund des Tschetschenien-Krieges, der Explosionen in der Metro, der Explosionen von Wohnhäusern und all dessen, was man will, auch schwerlich demokratisch nennen kann. Es ergibt sich, dass Menschen, die jetzt 30 bis 40 Jahre alt sind, kein anderes Russland als ein autoritäres überhaupt kennen. Das heißt, im Grunde ist das für sie ein Ticket in eine unbekannte Zukunft. Darin liegt die Sache.

Kasparov. Ich stimme zu. In Wirklichkeit ist das ein sehr wichtiger Punkt. Gerade eben haben Sie die Generationenfrage angesprochen. Auch ich denke darüber nach, bespreche das mit meinen Freunden, Kollegen. Erinnern Sie sich an die neunziger Jahre, an Gaidars Konzept, dass jetzt nichts gelingt, weil das die sowjetische Generation hätten Sowjetmentalität, und dass dann neue heranwachsen würden, die jetzt geboren werden.

Portnikov. Ja, so sage ich, wenn es um die Ukraine geht: Da werden schon neue Kinder geboren, die niemals die sowjetische Ukraine gesehen haben und sogar die prorussische Ukraine nicht gesehen haben. Ja.

Kasparov. Aber bei uns ist heute das Rückgrat dieser sogenannten speziellen Militär­operation, dieses aggressiven Krieges gegen die Ukraine, von Menschen gebildet, Bürgern Russlands, die schon entweder am Ende der Sowjetunion oder überhaupt nach ihrem Zerfall geboren wurden. Das heißt, das sind genau jene Generationen, sogar zwei kann man wohl schon sagen, die nach Meinung Gaidars und der Reformer dieses neue demokratische Russland hätten aufbauen sollen. Herausgekommen ist, was herausgekommen ist. Aber da erinnern wir uns an die neunziger Jahre, Sie haben das richtig gesagt. Sogar jene, die damals ins Leben eintraten, wurden doch sofort vergiftet von den „Liedern über das Wichtigste“. Bruder eins, Bruder zwei. In Wirklichkeit sind das nicht nur die späten Jelzin-Jahre; der Tschetschenien-Krieg begann 1994. Das Fenster der Möglichkeiten, um sich von der imperialen Vergangenheit in Russland zu befreien, war minimal. Ich denke, das waren tatsächlich die Jahre 1991 bis 1993. Genau da gab es ein ganz kleines Fenster nach dem Ende der Konfrontation zwischen Jelzin und dem Parlament, unter Begleitung von Panzern. Ich denke, wir können jetzt nach so vielen Jahren objektiv sagen, dass Russland wieder in die ausgetretene Spur zurückgegangen ist.

Und ich sage immer, dass der wertemäßige Bruch zwischen Russland und der Ukraine das Jahr 1994 ist. Das ist Jelzin, der den Krieg in Tschetschenien beginnt, um Jelzins Null-Rating vom Gefrierpunkt irgendwie anzuheben. Und die Ukraine, in der ein friedlicher Machtwechsel stattfindet, in der Krawtschuk die Wahlen verliert, und zwar gegen den prorussischen Kandidaten Kutschma, und geht. Mir scheint, psychologisch, wenn man auf die Menschen schaut, die, sagen wir, in Charkiw und in Kursk geboren wurden und aufgewachsen sind, nun, einige Hundert Kilometer voneinander. Und klar ist, sie wurden in der Sowjetunion geboren, sie sprachen dieselbe Sprache, lesen dieselben Bücher. Lange Zeit gab es dort in Wirklichkeit nicht einmal eine Grenze, aber psychologisch ist die Ukraine, wie mir scheint, in eine andere Qualität übergegangen, es kam zu einem Machtwechsel.

Diese Formel „Wir sind das Volk“ beginnt für die Bürger bereits verständlich zu werden. Und zehn Jahre später endet Putins Versuch, Janukowytsch aufzuzwingen, mit dem ersten Maidan, und weitere zehn Jahre später bereits mit dem zweiten Maidan und schon einer echten Revolution und einer vollständigen Hinwendung nach Europa. Und in Russland ist in Wirklichkeit dieser Bewegungsvektor in jene Richtung stecken geblieben, weil es keine friedliche Machtübertragung gab. Gerade das, was jetzt in Ungarn geschehen ist, Orbán hat verloren, ist gegangen. Das ist es doch. Man muss doch verstehen, er ist gegangen. Natürlich hat er sehr deutlich verloren, wahrscheinlich hätte er angefangen zu fälschen, wenn die Niederlage geringer gewesen wäre, aber dennoch – so funktioniert Demokratie.

Die Ukraine ist in dieser Frage vollständig demokratisch geworden, und dort sind bereits zwei Generationen. Und wenn man berücksichtigt, dass für diese Freiheit jetzt ein so kolossaler Preis gezahlt wird, dann ist das alles bereits ein Land mit einer anderen Mentalität. Unabhängig davon, in welcher Sprache der Mensch dort denkt. Ich werde nicht einmal sagen, in welcher. In Russland hat sich leider ein völlig anderes Konzept herausgebildet.

Und dennoch gibt es dort wahrscheinlich eine gewisse Zahl von Menschen. Nun, irgendwen vertreten wir ja doch, die anders denken. Es gibt doch Verbindungen mit der übrigen Welt, Verbindungen mit dem Westen, also es gibt doch schon irgendwelche anderen Lebensparameter, die Hoffnung lassen können – ich spreche jedenfalls sehr vorsichtig – Hoffnung darauf, dass der Sieg der Ukraine im Krieg und der Zusammenbruch dieses imperialen Fetischs eine Chance, ich wiederhole, eine Chance zur Veränderung geben können. Und diese Chance wird auch damit verbunden sein, dass jene, die noch bei Verstand sind, verstehen: Die Bedrohung geht für Russland nicht vom Westen aus, sondern vom Osten. Und dass im Prinzip der Verlust riesiger Territorien – nicht zweier Dörfer, sondern Hunderttausender Quadratkilometer – an China, das sie höchstwahrscheinlich ohnehin schon stillschweigend kontrolliert, Realität wird. Deshalb besteht meine Hoffnung auf der Bildung eines gewissen Clusters von Menschen, die verstehen, dass die Wahl einfach sein wird: chinesische Provinz oder Teil Europas. Und für die Zugehörigkeit zu Europa wird man teuer bezahlen müssen.

Portnikov. Haben Sie nicht das Gefühl, dass eine riesige Menge von Menschen Russland bereits als chinesische Provinz wahrnimmt und sagt: Die Reise nach Europa ist zu Ende?

Kasparov. Diese Antiutopie Sorokins wird verwirklicht. Man hat das Gefühl, er hätte besser gar nichts geschrieben. Man hat das Gefühl, dass die russische Literatur es beschrieben hat und es sich nun so zusammenfügt. Wissen Sie, dieser „Tag des Opritschniks“. Genau das haben wir jetzt. Aber vielleicht ist eine Antwort möglich, welche anderen Varianten gibt es überhaupt? Eine solche Variante ist möglich, mehr noch, höchstwahrscheinlich ist sie sogar wahrscheinlicher, aber das bedeutet nicht, dass man nichts tun muss. Es braucht irgendeine, ich sage, grundlegende Idee; und wenn man berücksichtigt, dass auf jener Seite China steht, passt Taiwan auch hier hinein. In Wirklichkeit ist das ein Versuch, diese Situation aufzurütteln, die bisher recht unbeirrt ins Verderben steuert.

Mehr noch, in der Deklaration, die wir veröffentlicht haben, ist klar gesagt, dass es nicht um die Schaffung eines demokratischen Russland geht, eines schönen Russland der Zukunft. Vielleicht werden es Staaten sein, das wird ausdrücklich gesagt. Das heißt, in Wirklichkeit scheint mir das offensichtlich. Russland wird sich im Prozess der Veränderungen nicht in den heutigen Grenzen erhalten können. Das ist für mich, meiner Meinung nach, bereits ein Axiom.

Deshalb wird die territoriale Frage jetzt, wie mir scheint, oft einfach genutzt, um die Idee zu begraben. Gebt eine juristische Grundlage für die Formierung jenes neuen Russland, das heute bereit ist, gemeinsam mit der Ukraine zu kämpfen. Denn der Übergang von der Berliner Deklaration, die einfach nur festhielt, dass ja, die Ukraine unterstützt werden muss, ja, wir stehen auf dieser Seite, aber radikale Dinge gab es dort noch nicht – die Straßburger Deklaration sagt, dass wir auf dieser Seite kämpfen werden. Auch das ist ein wichtiger Übergang. Es ist klar, dass die Zahl der Menschen, die sie unterschreiben werden, höchstwahrscheinlich geringer sein wird als bei der Berliner Deklaration, aber auch das ist keineswegs sicher.

Wenn der Westen bereit ist, die offensichtliche Tatsache anzuerkennen, dass der Krieg mit Russland andauern wird, solange Putin an der Macht ist, dann beginnt er vielleicht zu handeln. Ich sehe hier Beamte der Europäischen Union, wissen Sie, und auf ihren Gesichtern steht dieses Zeichen kognitiver Dissonanz. Das heißt, sie verstehen, dass der Krieg läuft. Mehr noch, Europa bereitet sich auf den Krieg vor. Die deutsche Industrie stellt auf Rüstungsindustrie um. Vom Baltischen Kristall spreche ich gar nicht. Sie bereiten sich real, bereits vielleicht sogar in diesem Jahr auf irgendwelche Provokationen vor. Aber das eine ist die Vorbereitung, und das andere ist, dies anzuerkennen. Wissen Sie, auf ihren Gesichtern steht, ich würde sagen, abergläubischer Schrecken geschrieben.

Portnikov. Nun stellen Sie sich eine andere Sache vor. Diese Beamten haben dieser Idee zugestimmt. Es ist ein juristischer Status entstanden, irgendwelche bedingten Nansen-Pässe, die jenen ausgestellt werden, für die, sagen wir, das Forum des freien Russland bürgt. Und Sie sagen den Menschen damit: „Aber Sie müssen anerkennen, dass Russland ein aggressives Land ist, ein imperialistisches, und Sie müssen anerkennen, dass das Hauptziel darin besteht, der Ukraine im Krieg gegen Russland zu helfen.“

Kasparov. Das ist die einzige Chance, etwas in Russland zu ändern. So wie der Weg, potenziell, dorthin nach Russland über Sewastopol führt.

Portnikov. Stellen Sie sich vor, ein Mensch, der auf diese Weise aus Russland emigrieren will, ohne Ihre Ansichten zu teilen, erkennt das völlig ruhig an. Das ist, wissen Sie, wie die Geschichte mit dem Erhalt bulgarischer Pässe durch Bürger Nordmazedoniens. Sie halten sich nicht für Bulgaren. Um einen Pass zu erhalten, musst du eine Prüfung in bulgarischer Geschichte ablegen, sagen: „Ja“, dann mit dem Pass hinausgehen und denken: „Mein Gott, was für Idioten, dass sie glauben, ich hätte tatsächlich ihrer Version der Geschichte zugestimmt.“ Oder wie viele Ukrainer, die Putin und Russland im Grunde unterstützt haben, sind nach 2022 mit dem ukrainischen Pass nach Europa ausgewandert? Für sie war das einfach ein Mittel, um wegzukommen.

Kasparov. Vollkommen richtig. Aber hier gibt es eine Nuance, eine wichtige Nuance. Mit der Unterzeichnung der Deklaration wird der Mensch in Russland ungefähr nach zehn Artikeln des Strafgesetzbuches zum Kriminellen. Man kann noch eine Spende von 10 Euro für die ukrainische Armee-Spende hinzufügen, um das endgültig zu fixieren. Das ist nicht wichtig. Er kappt die Verbindungen zu Russland, weil er bereits ein Krimineller ist. Dort ist jeder Punkt der Deklaration ein Artikel des Strafgesetzbuches. So einfach ist das nicht, verstehen Sie? Einen Weg zurück wird es nicht mehr geben. Das ist nicht, wie Sie über die bulgarische Geschichte sagten: man ist durchgegangen, hinausgegangen. Nein, das ist öffentlich. Deine Unterschrift steht dort mit Familiennamen, mit all diesen Dingen. Dir wird ein neues Dokument ausgestellt, dort bist du ein Krimineller.

Portnikov. Nun, vielleicht ist er bereit, ein Krimineller zu werden, wenn er nur nicht in Russland leben muss, wenn er sich nur, bedingt gesagt, als IT-Fachmann irgendwo im Westen verwirklichen kann.

Kasparov. Gut, er ist weggegangen. Ja, er ist weggegangen, hat alle getäuscht. Er baut für Putin keine Drohnen mehr. Das heißt, rechne mit hundert Drohnen weniger, die in die Ukraine fliegen. Gut. Ja. Er hat uns getäuscht, ist weggegangen, Gott sei Dank ist er weggegangen. Putin ist dadurch schwächer geworden. Wir knüpfen ihm wenigstens eine Ressource ab.

Portnikov. Das ist übrigens eine Veränderung des Ansatzes, denn Sie erinnern sich, dass in der Ukraine, als Menschen vor der Mobilisierung flohen, diese sogenannten Mobiki, man in der Ukraine in der ersten Phase des Krieges sehr unzufrieden damit war, dass der Westen sie aufnimmt. Und im Westen wollten viele sie nicht aufnehmen und sagten: „Warum sollen wir Menschen aufnehmen, die Bürger Russlands sind und vor dem Krieg fliehen?“ Und sie veränderten im Grunde die Mobilisierungspolitik.

Kasparov. Schauen Sie, wir kennen die genaue Zahl der Bürger Russlands nicht, die 2022 davonlaufen, besonders als im September die Mobilisierung ausgerufen wurde; die Zahl schwankt von einer Million bis drei Millionen. Warum sage ich so eine Spannbreite? Weil niemand Buch geführt hat. Natürlich flohen sie in jene Länder, in die man ohne Visum einreisen konnte. Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Armenien. Nach indirekten Daten zu urteilen, war diese Zahl gewaltig, denn welche indirekten Daten? Der starke Anstieg der Immobilienpreise in Taschkent, eine unglaubliche Zahl von Anfragen nach Kreditkarten in Tadschikistan oder das riesige BIP-Wachstum Armeniens. Also, ihrer waren viele. Etwa 75 Prozent – das kann man sagen, ich kenne es aus den Zahlen des Projekts „Kowtscheg“, das Chodorkowski geführt hat – etwa 75 Prozent waren gezwungen zurückzukehren, weil die Dokumente ablaufen. In Wirklichkeit ist genau das Problem, dass dir physisch das Dokument abläuft. Und Putin hat sofort erklärt, dass Dokumente nur dort in Moskau gemacht werden können. Aus, das war’s. Praktisch ist es jetzt schon für fast niemanden mehr möglich, Dokumente zu verlängern. Und er versteht im Prinzip, dass die Menschen in Russland festgehalten werden müssen. Und im Idealfall, ich sage noch einmal, fügen sich diese Menschen in das Konzept ein, aber selbst wenn sie nicht bereit sind, der Ukraine zu helfen, werden sie dort nicht sein. Das ist dennoch die Untergrabung irgendeiner Ressource, die Putin heute hat. Diese Ressource hat er in geringerem Maß als Kanonenfutter und Geld. Und deshalb gilt: Wenn es gelingt, auch nur auf der Ebene einiger Zehntausend Menschen diese herauszuziehen, dann ist das, wie ich meine, minus eine bestimmte Zahl von Raketen und Drohnen, die in die Ukraine fliegen werden. 

Außerdem ist das auch psychologisch ein sehr wichtiger Moment. Denn heute liest man ja, nun ja, im russischen Internet hört man: Was sollen wir tun? Damit es diese Ausrede nicht mehr gibt. Was sollst du tun? Nimm ein Ticket und flieg nach Jerewan, geh dort zur französischen Botschaft, füll die Deklaration aus. Im Grunde musst du antworten – sobald ein solches Thema erscheint, wird das in Wirklichkeit für sehr viele Menschen moralisch ein Problem sein.

Portnikov. Verengt das nicht die Möglichkeit der Wahl? Wenn Sie dem Menschen sagen: Was sollt ihr tun? Ihr müsst euch dieses Regimes entledigen. Und Sie sagen dem Menschen, dass er fliehen muss.

Kasparov. Das Regime – das ist wie Deutschland im Jahr 1943. Natürlich gefällt es mir vielleicht nicht, aber solange die Alliierten nicht kommen, wird nichts geschehen. Nichts kann geschehen. Wir beide kennen die russische Geschichte. In der russischen Geschichte stürzten Zaren, Diktatoren, wie man sagt, nur im Fall eines verlorenen Krieges. Ein verlorener Krieg, sogar ein nicht gewonnener Krieg, ein entfesselter Krieg, ist immer ein Indikator einer tiefen Krise, angefangen beim Livländischen Krieg bis hin zum Krimkrieg des 19. Jahrhunderts, dem Russisch-Japanischen Krieg, dem Ersten Weltkrieg und so weiter.

Deshalb ist für Putin heute, wie wir sehen, ein ziemlich unangenehmer Moment gekommen, denn es raucht ja schon von überall. Gestern lese ich einfach, wissen Sie, so ein höhnisches Lächeln der Geschichte. Der Chef der KPRF sagt voller Angst, dass sich das Jahr 1917 wiederholen könnte. Das heißt, die Nachfolger Lenins sagen voller Entsetzen: Haltet ein, ihr Wahnsinnigen.

Portnikov. Das sind doch wohlhabende Lenins Nachfolger, sozusagen, nicht die aus der Schweiz, sondern die aus Moskauer Restaurants, ja? Warum sollten sie diese verlassen? Das ist gerade verständlich. Aber Sie haben noch vor ganz kurzer Zeit gesagt, dass der Westen im Grunde seine eigenen Werte verrät, wenn er das ukrainische Leid nicht beachtet und sich im Grunde nicht mobilisieren kann. Und nach dieser Ihrer Rede ist die Situation nur noch schlechter geworden, denn die Spaltung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa verstärkt sich mit jedem Tag.

Kasparov. Sie beschuldigen mich doch nicht der Spaltung zwischen…

Portnikov. Nein, ich verstehe nur nicht ganz, welchen Sinn Erklärungen haben, wenn sie danach die Stimmung in die entgegengesetzte Richtung beeinflussen. Nicht die Erklärungen selbst, ich meine die Situation.

Kasparov. Diese Situation ist mir gut bekannt. Erstens muss man einfach reden. Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Wir haben keine Zeit für eine ernsthafte Analyse von all dem, aber ja, die Ukraine wurde im Stich gelassen. Und übrigens ist das in erster Linie ein amerikanisches Thema. Europa war ja insgesamt sehr passiv. Wir verstehen doch, dass in Europa ebenfalls eine Generation von Politikern, und die Gesellschaft erst recht, in der Überzeugung aufgewachsen ist, dass Amerika sie immer schützen werde. Europa lebte unter dem amerikanischen Schirm, sozusagen. Und sogar nach 1991 hat sich daran im Grunde nichts geändert. Zumal die UdSSR verschwunden war, entspannte sich der Kontinent.

Das Wachstum der putinschen Aggressivität hing damit zusammen, dass er einfach spürte: Europa ist schwach. Warum sollte man es nicht auf seine Belastbarkeit prüfen? Und das alles beginnt: zuerst Georgien, ich schrieb schon im August 2008, dass die Nächste die Ukraine sein werde. Und als man mich fragte: „Warum denken Sie das?“, sagte ich: „Man muss auf die Karte schauen.“ Das heißt, in Wirklichkeit war offensichtlich, dass Putin seine Handlungen fortsetzen würde. Und die syrische Geschichte, diese schändliche Weigerung Obamas, die Überschreitung der roten Linie, den Einsatz chemischer Waffen, festzuschreiben und Assad einfach eins auf den Hintern zu geben.

Danach kam die Krim; übrigens schrieb ich auch damals, dass es nach Syrien an anderen Orten Folgen geben werde. Die Krim kam ebenfalls. Und wie war die Reaktion auf die Krim? Keine Reaktion gab es auf die Krim. Das heißt, in Wirklichkeit nahm Putin einfach, was man nehmen konnte. Ich meine, ich habe dazu damals einen großen Text geschrieben, vor etwa drei Jahren, er hieß „Geschichte des Verrats“, darüber, wie Amerika unter Biden die Ukraine aufgab. Jetzt habe ich das Gefühl, dass Putins Ultimatum vom Dezember 2021, erinnern Sie sich, als die NATO…

Portnikov. Ja, ihre Basen entfernen sollte.

Kasparov. … im Grunde auf irgendwelchen Abmachungen mit Trump beruhte. Ich bin fast sicher, dass Trump – warum sagt Trump: „Es hätte keinen Krieg gegeben“? Ja weil sie planten, die Ukraine in Wirklichkeit ohne Krieg zu teilen.

Portnikov. Oder bei jenen Konsultationen, die Stoltenberg mit Lawrow nach eigenem Eingeständnis Stoltenbergs führte. Er hat selbst darüber gesprochen.

Kasparov. Genau das hat mir gefehlt, dieses kleine Detail. Das heißt, das bedeutet, dass der Plan höchstwahrscheinlich bereits unter Trump abgestimmt worden war. Deshalb. Und ich denke, das Treffen Bidens mit Putin, das erste in Genf, und dann noch zwei per Telefon, also faktisch drei Gipfel, standen damit in Zusammenhang, dass die Amerikaner eigentlich verstanden, dass Putin das ernsthaft tun würde. Und Putin sagte im Dezember 2021 einfach: „Also, diesen Plan haben wir doch besprochen.“

Und die Ukraine wurde preisgegeben; es ist völlig offensichtlich, dass die amerikanische Administration sich, ebenso wie Europa, darauf vorbereitete, dass Putin in drei Tagen in Kyiv sein würde und ja, dann eine Exilregierung oder vielleicht irgendein Stück erhalten bliebe. Jetzt werden wir wahrscheinlich erfahren – ich hoffe sehr, dass Magyar zu graben beginnt –, was Ungarn vorhatte zu tun, denn mit Sicherheit versuchte Orbán dort ein Stück der Ukraine mit ungarischer Bevölkerung abzubeißen.

Das heißt, die Ukraine wurde einfach ausgeliefert. Es geschah ein Wunder, wie es, wie man sagt, seit altgriechischen Zeiten oft geschah. Freie Menschen verteidigten sich selbst gegen, wie man sagt, alle Wahrscheinlichkeitsrechnung. Sie hielten einfach stand, und die Situation hat sich jetzt verändert.

Trump hat in Wirklichkeit übrigens ebenfalls eine wichtige Sache getan. Er hat Europa geweckt. Tatsächlich denke ich, dass die Situation jetzt viel, viel besser ist als damals, als es diese Unbestimmtheit gab, denn erstens wird Trump nicht lange durchhalten. Die Zwischenwahlen werden die Situation doch verändern. Sie verändert sich, wie mir scheint, insgesamt schon jetzt.

Und in Europa – nun, Europa bereitet sich auf den Krieg vor. Es wäre unmöglich gewesen, sich vorzustellen, dass Europa, das jahrzehntelang in diesem lethargischen Schlaf lebte, sich so zu verhalten beginnen würde. Natürlich ist das nicht ganz Europa. Estland ist das eine, Portugal etwas anderes. Und dennoch sehen wir in Europa diese Veränderungen. Die Ukraine hat in Wirklichkeit die gesamte geopolitische Konstellation verändert.

Deshalb wenden wir uns heute gerade an Europa. Amerika brauchen wir nicht, weil es dort sowieso andere Konstellationen in der Welt geben wird. Und in Europa braucht es heute einen mächtigen Verteidigungswall. Es gibt die Ukraine, die wie ein Felsen vor Putin steht. Aber fügen Sie noch die russische Komponente hinzu, im Prinzip jene Bürger Russlands, die bereits mit Putin brechen wollen, denen aber irgendeine juristische Legitimität fehlt. Und auch das ist dennoch ein Faktor.

Wie viele Russen kämpfen denn heute im Prinzip in Bataillonen? Nun, real einige Hunderte. Ich habe mit Pjotr Rusawin gesprochen. Er, „Chartija“, hat einen Aufruf gemacht, denn es gibt dort nicht nur Ultrarechte, sondern im Prinzip auch liberale Menschen, die ebenfalls irgendetwas tun wollen. Es gibt eine gewisse Nachfrage. Ich weiß nicht, wie viele Menschen bereit sein werden, direkt zu kämpfen. Obwohl Krieg heute ja nicht nur die Frontlinie ist, sondern auch die zweite Linie der Front, die Wand von Drohnen.

Das heißt, ich bin überzeugt, dass das, um noch einmal auf russisches Taiwan zurückzukommen, eine wichtige Komponente sowohl des ukrainischen Sieges als auch einer potenziellen Umgestaltung Europas in der Zukunft ist. Obwohl ich an den ukrainischen Sieg glaube, an die Fähigkeit Russlands aber, sich in neuer Qualität normal zu materialisieren, weniger glaube.

Portnikov. Wenn Sie sagen, dass man keine ernsthafte Analyse der Situation mit dem Westen durchführen kann, dann kann man es vielleicht doch versuchen, mir scheint, und zwar nicht politisch, sondern vielleicht wird es für Sie einfacher sein, mir das in einem Schachmodell zu erklären, denn ich habe immer das Gefühl, dass jetzt jeder neue Schritt im Westen, jeder neue Zug, zur Verschlechterung der Positionen führt. Die amerikanische Administration macht einen Zug und verschlechtert ihre Position im Nahen Osten. Die Europäer versuchen, sich mit den Amerikanern zu verständigen, machen einen Zug und verschlechtern ihre Position in Amerika. Das ist so eine schlechte Partie. Ich verstehe nicht ganz, welche Züge man jetzt machen kann, um die Position zu verbessern.

Kasparov. Interessant. Ich weiß nicht, inwieweit das hier passt, an irgendwelche höheren Materien zu erinnern. Der erste Satz Gödel. Also, erinnern wir uns.

Portnikov. Das wird schwieriger als eine Schachpartie.

Kasparov. Es wird schwieriger. Gut. Es gibt einen der wichtigsten mathematischen Sätze des 20. Jahrhunderts. In der Mathematik bin ich ein Laie, aber da ich 2006 in Wien zum hundertsten Geburtstag Gödels gesprochen habe, erinnere ich mich daran. Er sagt in vereinfachter Form, dass in jedem System eine Periode eintritt, in der es innerhalb dieses Systems keine Lösung für die Probleme gibt, die das System selbst erzeugt. Deshalb erfolgt automatisch der Übergang auf ein neues Niveau, die Schaffung jenes Systems, in dem die Probleme gelöst werden, die in diesem System unlösbar waren.

Portnikov. In der Politik, scheint mir, kann es auch zu Degeneration kommen. Es kann auch ein neues Niveau geben.

Kasparov. Ich spreche davon, dass insgesamt ein solcher Niveauanstieg stattfindet. Meiner Meinung nach befinden wir uns jetzt gerade in einer solchen Übergangsphase. Das ist so ein Phasenübergang. Im Großen und Ganzen funktionieren alle Komponenten der alten Welt nicht. Was ist die UNO heute? Nun, das ist eine Versammlung von Diktatoren, es ist einfach eine Schande, sich das anzusehen. Dort werden hauptsächlich die Resolutionen gegen Israel verabschiedet. Im Prinzip verstehen wir doch, wie das ist. Jeder verfolgt seine eigene Agenda.

Portnikov. Meiner Meinung nach geschieht das seit 80 Jahren, und niemand hat es bemerkt.

Kasparov. Bis 1991 löste die UNO immerhin die Aufgabe, das Risiko eines Atomkrieges zwischen der UdSSR und den USA zu minimieren. Nach 1991 wurde diese Funktion sinnlos. Deshalb ist die UNO heute ein bodenloses Loch, in dem eine Menge Geld verschwindet, und ihre Beschlüsse zu lesen – das ist zu viel.

Portnikov. Jetzt sprechen Sie wie Trump.

Kasparov. Was hat Trump damit zu tun, das verstehe ich nicht. Gott sei Dank habe ich viele dissidente Freunde. Schauen Sie sich an: Der Iran tritt dort in eine Kommission ein…

Portnikov. Für Menschenrechte, das ist einfach Wahnsinn.

Kasparov. Das ist in Wirklichkeit eine Parodie. Die meisten Institutionen, die heute existieren, funktionieren nicht. Das ist gerade diese klare historische Parallele: Wenn Institutionen aufhören zu funktionieren, entsteht eine Krise. Der Völkerbund funktionierte nicht – es kam zum Krieg. Tatsächlich gilt: Sobald ein System internationaler Beziehungen sich erschöpft, entsteht eine Krise, die leider immer tragisch durch Krieg gelöst wurde. Jetzt befinden wir uns im Grunde in einer Kriegsperiode. Und solche Kriege, wenn wir die Geschichte seit dem Dreißigjährigen Krieg nehmen, sind lang. Deshalb ist das fünfte Kriegsjahr – im Prinzip dauern diese Kriege, man nehme den Zweiten Weltkrieg, den sechs Jahre dauerte. Diese Kriege dauern lange, denn es muss sich ein neues Gleichgewicht bilden. Jetzt schaffen wir im Grunde ein neues Gleichgewicht.

In diesem Sinne hat Trump einen gewissen Nutzen, er ist ein Bulldozer. Ein Bulldozer räumt alles weg, aber im Prinzip räumt er das weg, was ohnehin nicht mehr funktioniert. Natürlich kann das auch tragisch sein, er kann auch ein Wohnhaus wegräumen, in dem Menschen wohnen. Aber im Prinzip war Trump in gewisser Weise unvermeidlich, weil das, was wir bei Obama und Biden gesehen haben, ein Versuch war, zu bewahren, was nicht funktionierte. Putin erhob sich doch real unter Obama, genau dann begann Putin außer Kontrolle zu geraten und roch Blut. Das war wieder der Versuch, zu bewahren, was nicht funktioniert.

Portnikov. Lassen Sie uns anschauen, was nicht funktioniert. Funktioniert die NATO oder funktioniert auch sie schon nicht mehr?

Kasparov. Was funktioniert nicht?

Portnikov. Die UNO funktioniert nicht. Funktioniert die NATO oder funktioniert sie nicht? Ich will verstehen, was nicht funktioniert.

Kasparov. Das habe ich schon in Halifax gesagt: Eine solche Organisation gibt es nicht. Es gibt sie einfach nicht. Nein. Deshalb sagte ich, als sie mit ihren 75 Jahren kamen: Das ist das Rentenalter, 75 Jahre, verstehen Sie? Einfach aus und vorbei.

Portnikov. Und die Europäische Union, funktioniert sie oder funktioniert sie nicht? Auch eine Frage.

Kasparov. Ja, sie funktioniert. Aber wiederum, wofür wurde sie geschaffen? Sie wurde unter Bedingungen geschaffen, in denen Europa vollständig auf irgendwelche militärischen Vorbereitungen verzichtet hatte. Die Europäische Union ist eine Organisation, die sich mit Finanzen, gesellschaftlich-sozialen Programmen befasst; selbst politisch ist es dort schon schwieriger, weil es Konsens gab. Militärisch, dieses Wort kannte man dort einfach nicht. Das Problem besteht darin, dass Europa jetzt innerhalb seiner eigenen Strukturen, die für Krieg nicht angepasst waren, umgebaut werden muss. Übrigens, es wird umgebaut. Es läuft ein Prozess der Formierung dessen, was Deutschland, Polen, die baltischen Staaten, die skandinavischen Länder zu tun versuchen. Und in Wirklichkeit reagiert Europa doch. Wiederum: Man hat der Ukraine einen Kredit gegeben, obwohl man natürlich alle russischen Gelder hätte nehmen müssen, aber nun, was soll man jetzt machen? Natürlich hat Belgien, mit Frankreich hinter seinem Rücken, riesige Interessen, alles klar. Und natürlich wurde laviert. Aber Merz hat den Kredit doch durchgedrückt, es wird Geld gegeben, die Ukraine kämpft, das heißt, Europa ist in diesem Fall aufgewacht. Das Potenzial ist doch da.

Portnikov. Das heißt, die europäischen Institutionen sind doch lebensfähiger als die euroatlantischen. Sie haben, ich versuche zu sagen, nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

Kasparov. Deshalb wenden wir uns an Europa, weil es nur hier handlungsfähige Institutionen gibt. Und…

Portnikov. Sagen Sie mir bitte: Wenn Ihrer Meinung nach die NATO nicht funktioniert, welche Sicherheitsgarantien kann es dann in der Welt überhaupt für mittlere Staaten geben, von denen der Premierminister Kanadas, Michael Carney, sprach? Zelensky bespricht mit Trump die ganze Zeit Sicherheitsgarantien.

Kasparov. Das sind keinerlei Garantien. Hören Sie, in Budapest wurden alle Garantien gegeben. Alles, alles ist klar. Jetzt trollt der Iran die Amerikaner ironischerweise und sagt: „Ihr habt der Ukraine doch Garantien gegeben.“ Garantie bedeutet eine Veränderung der allgemeinen Situation in der Welt, in Wirklichkeit.

Portnikov. Das ist eine gute Antwort.

Kasparov. Heute hat die Ukraine die Geopolitik verändert. In Wirklichkeit, ich sage es ja, es findet die Schaffung eines neuen Koordinatensystems statt. Wie es aussehen wird, weiß ich nicht. Natürlich wird dafür eine nukleare Komponente nötig sein, aber die gibt es auch in Europa. Es würde mich nicht wundern, wenn morgen im Prinzip auch in Deutschland und Polen der Prozess der Schaffung einer solchen nuklearen Komponente beginnt. Ich hoffe, dass es dazu nicht kommt. Aber mir scheint, dass das Ergebnis des ukrainischen Krieges, das sich bereits abzeichnet und für Putin negativ sein wird, doch eine neue Sicherheitsstruktur schaffen muss; denn wenn Putin sein Potenzial verliert und Russland zusammenbricht, bleibt China.

Nun, bei China ist doch nicht alles so einfach. Alle sagen: Taiwan wird jetzt erobert. Aber dort gibt es ja nicht nur Amerika, dort gibt es unter anderem Japan. Und wir sollten nicht vergessen, dass es ein Land ist, das eine große Erfahrung mit den Chinesen hat, eine besondere. Und wie viel Zeit Japan brauchen wird, um eine Atombombe zu bauen, wenn es das will.

Portnikov. Einige Monate, denke ich.

Kasparov. Eben. Deshalb – wieder braunsche Bewegung, wieder, entschuldigen Sie, benutze ich diese Begriffe, Chaos – aber daraus zeichnen sich gewisse Konturen ab. Und wieder ist der Gravitationspunkt der Sammlung die Ukraine, der ukrainische Krieg; ich sage doch, er ist zur Hauptfront des weltweiten Kampfes von Freiheit und Tyrannei geworden. Mir scheint nur, dass dieser Krieg in Wirklichkeit auch mit dem Krieg im Nahen Osten verbunden ist. Hier ist es komplizierter, weil viele Menschen deswegen, wie man sagt, hysterisch werden. Aber im Prinzip, wenn man hinschaut, kämpft Israel mit derselben Koalition.

Portnikov. Die gegen die Ukraine kämpft.

Kasparov. Im Grunde sind die Feinde dieselben. Natürlich ist Russland heute dort weniger sichtbar, obwohl das von Anfang an, seit der Gründung dieser Organisation, der PLO, im Grunde alles Moskau war. Man hat sie 1964 in Moskau geschaffen.

Portnikov. Paradoxerweise wollen die Ukraine und Israel selbst nicht anerkennen, dass das hier bereits ein gemeinsames Problem ist; sie werfen es wie eine heiße Kartoffel hin und her.

Kasparov. Das erste Problem mit Israel ist das Problem Netanyahu. Und ich denke, dass er insgesamt ein gesondertes Thema ist; leider hat Israel einen Führer, der insgesamt auch andere Spiele spielt. Ich bin überzeugt, dass er in Trumps erster Amtszeit das Bindeglied zwischen Putin und Trump war. Und jetzt versucht er die ganze Zeit, irgendeine Zwischenvariante zu finden.

Portnikov. Löst es in Ihnen keinen inneren Schrecken aus, dass nun so große Hoffnungen auf die Vernunft der Länder gesetzt werden, die den Zweiten Weltkrieg verloren haben – Deutschland und Japan –, als Gegengewicht zum faktischen Fehlen von Vernunft bei den Siegerländern?

Kasparov. Vielleicht ist das eine neue Lehre der Geschichte, das ist paradox, aber ich sage ja, die Welt besteht überhaupt aus Paradoxien. Dass in der neuen Sicherheitskonfiguration in Asien und Europa Deutschland und Japan eine wichtige Rolle spielen können, das klingt natürlich für unsere Generation seltsam.

Portnikov. Seltsam, ja, aber das ist doch eine Tatsache.

Kasparov. Aber vielleicht liegt darin eine gewisse historische Logik. Das sind Länder, die gelitten haben und durch all das hindurchgegangen sind. Denn heute findet in Deutschland in Wirklichkeit eine Revolution des Bewusstseins statt. Generationen von Deutschen wurden darin erzogen, dass „wir im Prinzip schuldig sind“, dass Krieg schlecht ist, dass selbst Waffenproduktion ebenfalls sehr schlecht ist. Schon der Gedanke, dass deutsche Panzer irgendwann mit Russen in den ukrainischen Steppen kämpfen könnten, wäre nicht einmal in einen Science-Fiction-Film vorgekommen. Jetzt sehen wir in Wirklichkeit, dass in Deutschland eine vollständige Neubewertung stattfindet; ein Prozess läuft. Schmerzliche Prozesse, aber hier erscheint immer eine Möglichkeit, ein Spalt, wenn das System und dieser Phasenübergang stattfindet, es entstehen Spielräume. Deshalb meine ich, dass auch die radikalsten Ideen sich verwirklichen können, sich aber auch nicht verwirklichen können, aber man muss, wissen Sie, das historische Glück beim Schopf packen.

Portnikov. Ich danke Ihnen für dieses Gespräch, Garry. Und ich hoffe, dass wir jedenfalls nach einiger Zeit sehen werden, inwieweit beliebige unerwartete Ideen rationale und realistische Formen annehmen können.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Россия после краха: план Каспарова |
Виталий Портников. 23.04.2026.

Autor: Vitaly Portnikov,Garry Kasparov
Veröffentlichung / Entstehung: 23.04.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Trump ist wieder zum Krieg bereit | Vitaly Portnikov. 21.04.2026.

Es bleiben buchstäblich nur noch wenige Stunden bis zum 22. April, dem letzten Tag des Waffenstillstands, den der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump an jenem Tag ausgerufen hatte, als die Welt sich bereits auf einen neuen, harten Schlag der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran und auf eine mögliche iranische Antwort vorbereitet hatte, die damals nach Meinung vieler Beobachter die Lage in den Ländern des Persischen Golfs destabilisieren, zu möglichen Verzögerungen bei der Produktion und Lieferung von Öl führen und zu einer weiteren Stufe hin zu einer großen Energiekatastrophe werden sollte.

Viele meinten, dass jene Militäroperation kaum schnell zur Entblockierung der Straße von Hormus, zur Wiederherstellung der Wege der Öllieferungen geführt hätte. Und die Entscheidung des Präsidenten der Vereinigten Staaten über einen Waffenstillstand mit dem Iran schien ein reales Programm zu sein, das darauf abzielte, Wege zu finden, zumindest vorübergehende Vereinbarungen mit der Islamischen Republik zu erreichen, was seinerseits zur Entblockierung der Straße von Hormus geführt hätte.

Nach zwei Wochen können wir sagen, dass wir wieder in einem Murmeltiertag gelandet sind. Zu keiner Entblockierung der Straße von Hormus ist es gekommen. Sie wurde vom Iran buchstäblich nur für einige Stunden entblockiert, dann aber wieder blockiert, nachdem Donald Trump erklärt hatte, dass er trotz der iranischen Entscheidung seine eigene Blockade der Straße von Hormus bis zu dem Moment fortsetzen werde, in dem die Islamische Republik seine Forderungen nach Verzicht auf Atomwaffen und auf die Entwicklung eines Raketenprogramms annehme.

Die Verhandlungen zwischen der amerikanischen und der iranischen Delegation, die ersten seit der Errichtung der Islamischen Republik auf hohem Niveau, verliefen ohne irgendwelche Ergebnisse. Sogar jetzt, wenn bis zum Ende des Waffenstillstands nur noch einige Stunden bleiben, ist unbekannt, ob der amerikanische Vizepräsident J. D. Vance nach Islamabad aufbrechen wird und ob dort eine iranische Delegation eintreffen wird, die als Bedingung für ihr Eintreffen die Entblockierung der Straße von Hormus durch Donald Trump nennt.

Donald Trump wiederum sagt, dass er zu einer neuen Bombardierung des Iran bereit sei, und meint, dass eine solche Bombardierung eine starke Position in den Verhandlungen sein könne. Der Iran betonte als Antwort, dass er neue Karten vorbereitet habe, um Trump auf einen möglichen neuen Schlag gegen den Iran zu antworten. So weit sind wir am Abend des 21. April 2026 gekommen.

Und es kann eine ziemlich einfache Frage entstehen: Wozu musste dann dieser Waffenstillstand überhaupt ausgerufen werden, wenn am Tag seines Endes absolut nichts geschehen ist, nicht einmal die Straße von Hormus ist entblockiert. Und damit ist die Vorstellung der Welt von einer möglichen Krise, die alle Bereiche der Wirtschaft erfassen wird, absolut realistisch und möglich.

Inwieweit musste man dann auf die Militäroperation gegen den Iran verzichten, die vorbereitet zu sein schien, wenn man nun wieder zu Drohungen mit Schlägen gegen den Iran zurückkehren muss? Und wenn schon vor zwei Wochen klar war, dass diese Schläge zu nichts Konkretem und zu nichts Realem führen würden, welchen Sinn haben dann neue Schläge nach dem 22. April? Auf all diese Fragen gibt es heute, wie mir scheint, vor allem bei Donald Trump selbst keine Antwort.

Obwohl man der Wahrheit ins Auge sehen muss: Den Iranern ist es in diesen zwei Wochen gelungen zu beweisen, dass die Straße von Hormus tatsächlich ein ernstes Instrument der Erpressung ist, sogar ernster vom Standpunkt der Auswirkung auf die Menschen und auf die Wirtschaft als das Vorhandensein einer iranischen Atombombe. Trump musste in diesen zwei Wochen auf eine solche iranische Bedingung eingehen wie die Einstellung der Schläge Israels gegen die Positionen der terroristischen Organisation Hisbollah, die das Leben im Norden des jüdischen Staates buchstäblich unerträglich gemacht hat. Israel betonte nach der Verkündung des Waffenstillstands zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran, dass der Libanon nicht zur Zone des Waffenstillstands gehöre. In dieser Position wurde es von Trump unterstützt. Buchstäblich nach einigen Tagen änderte sich die Position des amerikanischen Präsidenten ins Gegenteil, weil er sich überzeugt hatte, dass es ohne eine solche atemberaubende Änderung der Position nicht gelingen würde, die Öffnung der Straße von Hormus zu erreichen. Israel musste die Schläge gegen die Hisbollah nach der öffentlichen Erklärung Donald Trumps einstellen, dass er dies Israel befohlen habe, das heißt, er stellte die Autorität des einzigen verbündeten Staates, der bereit war, gemeinsam mit ihm gegen den Iran zu kämpfen, und sogar dessen Souveränität infrage.

Aber dieses Zugeständnis Donald Trumps hat, wie wir sehen, zu keinerlei realen Ergebnissen geführt, außer dem Zugeständnis selbst. Der Iran öffnete die Straße von Hormus für einige Stunden, und als er sich überzeugt hatte, dass Donald Trump nicht bereit war, sie von seiner Seite zu öffnen, und bereit war, iranische Schiffe festzuhalten, schloss er sie wieder. Und nun stehen wir tatsächlich vor mehreren Optionen, von denen jede schlimmer ist als die vorherige.

Eine Option: Der Status quo bleibt bestehen. Sagen wir, die Führung Pakistans vereinbart mit den Vereinigten Staaten und dem Iran ohne irgendwelche Verhandlungen von ihrer Seite eine Verlängerung des Waffenstillstands um zwei Wochen, um dem Verhandlungsprozess die Möglichkeit zu geben, weiterzugehen. Das bedeutet, dass die Straße von Hormus weitere zwei Wochen geschlossen bleiben wird, was ein unglaubliches Risikoniveau für die weltweite Energiewirtschaft, die Wirtschaft, die Landwirtschaft und andere Industriezweige schafft, die sich mit einer solchen Geschwindigkeit in Richtung Degradation bewegen, dass wir sie bald nicht einmal mehr verfolgen können.

Zweite Variante. Der Waffenstillstand bleibt bestehen, aber gleichzeitig geht Trump in seinem Bemühen, die Straße von Hormus zu öffnen, auf weitere Zugeständnisse an den Iran ein, das heißt, er hebt seine eigene Blockade auf. Genau davon sprach Trumps der Oberbefehlshaber der Streitkräfte Pakistans, Feldmarschall Asim Munir, offen, der der wichtigste Vermittler im Dialog zwischen Washington und Teheran ist.

Das wird bedeuten, dass der Iran demonstriert, dass er den amerikanischen Präsidenten und seine Administration buchstäblich an der Gurgel hat. Denn wenn der Iran diese Meerenge öffnet und ihm dann etwas nicht gefällt, kann er sie wieder schließen und Donald Trump erneut mit neuen Forderungen erpressen. Man kann sagen, dass der Iran jetzt nicht amerikanische Diplomaten als Geiseln hält, wie das in den ersten Monaten nach dem Sieg der Islamischen Revolution war, sondern die gesamte Weltwirtschaft.

Und das ist ein solches Instrument des Einflusses, das den Iran buchstäblich zu einer Supermacht unter den Supermächten macht, unter Bedingungen der Vernichtung einer großen Zahl politischer und militärischer Führer dieses Landes und eines großen Teils seiner Wirtschaft. Die Straße von Hormus hat sich in eine echte Schwachstelle Donald Trumps, der Weltwirtschaft, des kollektiven Westens verwandelt. Und niemand versteht, wie man sie entblockieren soll. Katastrophe auf Katastrophe.

Dritte Variante. Donald Trump versteht, dass jedes neue Zugeständnis zu einer Verschlechterung der Situation führt. Er stimmt der Idee einer Verlängerung des Waffenstillstands nicht zu, obwohl offensichtlich ist, dass er sehr nicht kämpfen will, weil er versteht, dass jede neue Bewegung zu neuen politischen Problemen führt, die im November 2026 mit einer Niederlage der Republikanischen Partei enden werden. Und in dieser Situation beginnt er, wie wir verstehen, eine neue Runde des Krieges mit dem Iran.

Hier ist die Situation absolut unvorhersehbar. Wir kennen die Antwort auf die Frage nicht, zu welchen Ergebnissen dieser Krieg führen wird. Wirklich, zu welchen? Vielleicht wird dieser Krieg dazu führen, dass es den Vereinigten Staaten doch gelingt, die Kontrolle über die Straße von Hormus zu errichten, das iranische Regime zu vernichten. Aber da stellt sich die Frage: Wenn solche Möglichkeiten bestanden, warum hat Trump sie dann nicht ohne irgendeinen Waffenstillstand genutzt?

Und wenn es solche Möglichkeiten heute auch nicht gibt, welchen Sinn hat es dann, sie im gegenwärtigen Moment zu diskutieren? Es gibt noch die reale Variante, dass die Militäroperation der Vereinigten Staaten zu keinen wesentlichen Ergebnissen führt, aber mit einer Degradierung sowohl der iranischen Ölindustrie als auch der Ölindustrie der benachbarten Länder des Persischen Golfs endet, und auch möglicherweise mit iranischen Schlägen gegen ihre Entsalzungsanlagen, was vor unseren Augen eine noch vor Kurzem blühende Region in eine lebenslose Wüste verwandeln wird. Auch diesem ziemlich gefährlichen Szenario können wir näherkommen.

Und es ist offensichtlich, dass die Führer der Länder, die jetzt den Persischen Golf regieren, sich der ganzen Gefahr einer solchen Entwicklung der Lage sehr gut bewusst sind und alles Mögliche tun werden, um sie zu verhindern. Aber auch dort muss es keine Einigkeit geben. Wie wir verstehen, wissen wir nicht, mit welchen Vorschlägen sich der Kronprinz Saudi-Arabiens jetzt an Donald Trump wendet und mit welchen Vorschlägen sich die Führer der Vereinigten Arabischen Emirate an ihn wenden. All das sind ebenfalls Fragen, die dem Verständnis der Realität völlig fernliegen.

Gerade jetzt findet in den Vereinigten Staaten eben eine weitere Beratung amerikanischer Führungsvertreter statt, die zu begreifen versuchen, was man mit dem Iran in einer solchen Situation tun soll; an dieser Beratung nehmen neben Donald Trump J. D. Vance teil, der vorerst in Washington geblieben ist und nicht nach Teheran abgeflogen ist, ebenso der Außenminister der Vereinigten Staaten Marco Rubio, der Verteidigungsminister Pete Hegseth und der Direktor der Central Intelligence Agency John Ratcliffe. Also findet in Washington jetzt faktisch eine solche Beratung auf höchster Ebene statt. Das ist ebenfalls ein wichtiger Punkt, den man erwähnen sollte, wenn wir die heutige Situation besprechen.

Wir wissen nicht, was Donald Trump wählen wird. Wir müssen begreifen, dass es hier buchstäblich keine guten Varianten gibt, weil die beste Variante in dieser Situation jetzt für Trump, das, was er wirklich braucht, darin besteht, die Straße von Hormus zu entblockieren, aber so, dass er sein Gesicht wahrt. Der amerikanische Präsident spricht ja schon nicht einmal mehr von einem Regimewechsel im Iran. Nein, er äußert sogar den Wunsch, sich mit den Führern des Iran zu treffen, wenn eine Vereinbarung erreicht wird.

Dabei ist die Situation auch interessant. Wenn wir von Vereinbarungen mit den Führern des Iran sprechen, wissen wir nicht, von wem prinzipiell überhaupt die Rede ist. Wer sind diese Führer, wer regiert den Iran überhaupt? Ja, die iranische Delegation bei den Verhandlungen wird vom Parlamentspräsidenten Ghalibaf angeführt, aber er ist nicht der Oberbefehlshaber der Streitkräfte des Iran.

Oberbefehlshaber ist Ajatollah Khamenei, der Sohn des von den Israelis getöteten früheren Diktators der Islamischen Republik. Ajatollah Mojtaba Khamenei hat seit dem Moment, als die Residenz seines Vaters bombardiert wurde, niemand gesehen und niemand gehört. Man spricht davon, dass tatsächlich die Möglichkeit besteht, dass der Iran von den Führern des Korps der Wächter der Islamischen Revolution regiert wird und dass der reale Führer dieses Landes heute der Kommandeur des Korps der Wächter der Islamischen Revolution ist, dass er dem Parlamentspräsidenten Ghalibaf Anweisungen gibt.

Das kann eine absolut reale Geschichte sein. Dem könnte man auch zustimmen. Aber es entsteht eine andere Frage. Kann der Oberbefehlshaber des Korps der Wächter der Islamischen Revolution denn Befehle an die Armeeführung geben? Denn im Iran ist gerade durch die Bemühungen von Ajatollah Khomeini und Ajatollah Khamenei eine parallele Struktur staatlicher Organe und Institutionen geschaffen worden. Und sie besteht sogar auf der Ebene der Machtstrukturen fort. Ich erinnere die ganze Zeit daran und werde nicht müde, das zu tun.

Es gibt das Korps der Wächter der Islamischen Revolution, es gibt die iranische Armee, es gibt die Basidsch, die zivile Miliz, die das Korps der Wächter der Islamischen Revolution unterstützt. Es gibt schließlich die inneren Truppen des Innenministeriums des Iran. Keiner der iranischen Beamten und Generäle kommandiert all diese Gruppierungen gleichzeitig. Nicht einmal der Präsident der Islamischen Republik, ein Mensch, den angeblich die gesamte Bevölkerung wählt, hat das Amt des Obersten Oberbefehlshabers der Streitkräfte des Iran. Er tritt im Grunde in der Rolle des Regierungschefs auf, der sich ausschließlich mit technischen Problemen beschäftigen und Tweets in sozialen Netzwerken veröffentlichen kann. Vom Parlamentspräsidenten rede ich schon gar nicht. Stimmen Sie zu, dass es eine sehr seltsame Situation ist, wenn den Iran bei Verhandlungen nicht der Präsident des Landes vertritt, sondern der Parlamentspräsident.

Aber das Wichtigste ist, dass auch der Kommandeur des Korps der Wächter der Islamischen Revolution nicht über die gesamte Fülle der Macht verfügt. Die gesamte Fülle der Macht und das Amt des Oberbefehlshabers der Streitkräfte aller Iraner nimmt der Oberste Führer der Islamischen Revolution ein, eben jener Rahbar, den seit 50 Tagen niemand gehört und seit 50 Tagen niemand gesehen hat. Und es gehen verschiedene Gerüchte über seinen Zustand um, aber tatsächlich wissen wir davon nichts, was mit ihm real geschieht. Und auch das begrenzt die Möglichkeiten von Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran und das Erreichen einer Vereinbarung bei diesen Verhandlungen.

Dabei versucht jeder Politiker, in seiner eigenen Welt zu leben. Heute hielt der Präsident Frankreichs Emmanuel Macron, der, wie wir wissen, einer der Patronen der Unabhängigkeit und Souveränität des Libanon ist, eine große Rede zum Nahen Osten. Und der Präsident der Französischen Republik sagte absolut logische Dinge vom Standpunkt der Lage im Nahen Osten aus. Er sagte, dass der Schlüssel zum Frieden im Libanon der Abzug der israelischen Truppen und die Entwaffnung der Hisbollah sein könne.

Nun, wie der Abzug der israelischen Truppen vor sich gehen kann, kann man sich vom technischen Standpunkt aus vorstellen. Das kann eine Entscheidung der Regierung Israels sein. Also, sagen wir, wenn die Regierung Israels entscheidet, dass die israelischen Truppen aus dem Territorium des Libanon abziehen müssen, vom Standpunkt der eigenen Sicherheit aus oder vom Standpunkt des Drucks auf Israel seitens Präsident Donald Trump, der bereits demonstriert hat, dass er der amtierenden israelischen Regierung jede beliebige seiner Wünsche und Launen aufzwingen kann, dann werden die israelischen Truppen aus dem Libanon abziehen. Das ist in Wirklichkeit nicht so schwierig, wie es scheint.

Aber wer wird die Hisbollah entwaffnen? Auch eine wunderbare Frage. Der Premierminister Israels Benjamin Netanyahu kann sich im Weißen Haus mit Präsident Joseph Aoun treffen und mit ihm die Frage der Entwaffnung dieser terroristischen Organisation besprechen. Aber tatsächlich hat der Präsident des Libanon keinerlei reale Druckmittel auf die Hisbollah und ihre Führer.

Und so bleibt der Iran das einzige reale Land, das auf die Hisbollah Einfluss nimmt, ihr Geld und Waffen gibt und offensichtlich an ihrer Entwaffnung nicht interessiert ist. Sogar der jetzige Führer dieser terroristischen Organisation, Naim Qassem, den Israel jeden Augenblick liquidieren kann, so wie es seinen Vorgänger Hassan Nasrallah liquidiert hat, kann diese terroristische Organisation kaum entwaffnen.

Und in dieser einfachen Wahrheit zeigt sich, würde ich sagen, wie in einem Wassertropfen die ganze schwierige Lage im Nahen Osten. Dass es für viele Fragen einfach keine Lösung gibt, und wenn es sie gibt, dann gibt es mächtige Kräfte, um sie zu blockieren.

Das betrifft übrigens auch unseren Krieg. Heute hörten wir die Rede des Präsidenten der Russischen Föderation, der erneut sagte, niemand zweifle daran, dass der Sieg im Krieg Russland gehören werde, und damit seinen aufrichtigen Wunsch zeigte, weiter Krieg zu führen. Und auch hier kann man die amerikanische Administration fragen, die sich angeblich derzeit nicht so ernsthaft mit der russisch-ukrainischen Regelung beschäftigt. Die Vereinigten Staaten können Druck auf die Ukraine ausüben, Präsident Zelensky die ganze Zeit davon überzeugen, dass man die Truppen aus dem Gebiet der Oblast Donezk abziehen müsse und der Krieg dann ende, Putin einem Ende des Krieges, dem Abschluss eines Friedensabkommens zustimme. Aber wer wird Druck auf Putin ausüben und wie?

Putin sagt mit voller Überzeugung, dass die russischen Truppen Schritt für Schritt Teile des ukrainischen Territoriums abbeißen werden, um eine Pufferzone zwischen dem Territorium der Russischen Föderation, den von Russland besetzten Regionen der Ukraine und dem freien Territorium der Ukraine zu schaffen. Nun, wir verstehen doch, dass man eine Pufferzone bis ins Unendliche abbeißen kann. Erst eine Pufferzone abbeißen und dann eine Pufferzone schaffen, um die Pufferzone selbst zu schützen, und so bis Uschhorod, und weiter eine Pufferzone auf den Territorien Ungarns, der Slowakei, Polens und Rumäniens schaffen, um die Pufferzone zu schützen, die in dieser Zeit bereits geschaffen worden ist.

Und da stellt sich die Frage: Wie, auf welche Weise Druck auf Trump ausüben, damit er diese Situation begreift? Und wie kann Trump Druck auf Putin ausüben in einer Situation, in der der amerikanische Präsident heute, unter Bedingungen, in denen der Ölmarkt buchstäblich vor unseren Augen aus dem Gleichgewicht gerät und es keinerlei reale Instrumente zur Öffnung der Straße von Hormus gibt, dem Russen eher hilft, Milliarden Dollar mit Öl zu verdienen, als ihn im Krieg zu stoppen?

Und das ist so ein Teufelskreis. Einerseits hätte Trump gern ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges, um den Wählern wenigstens irgendetwas im Hinblick auf seine erfundene Friedensstifterrolle vorzuführen. Andererseits steckt er in der Falle des Iran-Krieges fest und kann nicht mehr heraus. Und um diese Falle, in der er sich befindet, etwas zu lockern, versucht er natürlich, wie wir verstehen, mit Präferenzen für Putin den Öldruck des Iran zu verringern.

Und in der Zeit, in der er für Putin den Öldruck verringert, ist Putin seinerseits nicht nur daran interessiert, dass der Iran aus dem Krieg mit den Vereinigten Staaten und Israel als eindeutiger Sieger hervorgeht. Und die Russen verbergen das bereits nicht mehr.

Haben Sie diese Geschichte mit der Festnahme israelischer Bürger in Moskau gesehen? Ich frage nicht, warum sie dorthin gefahren sind. Dummheit läuft, wie bekannt, den Menschen voraus. Wir erinnern uns, wie viele ukrainische Bürger Russland bis 2022 und auch nach 2022 besuchten. Bei vielen ist dieser Wunsch nicht verschwunden. Aber man sagte Israelis einfach ins Gesicht, dass sie aus einem feindlichen Land kommen, das den Verbündeten angegriffen hat.

Also, Russland wünscht nicht nur den Sieg des Iran und das Verschwinden Israels von der politischen Weltkarte und eine Katastrophe für Amerika, es will auch, dass dieser Krieg lange andauert und dass Donald Trump gezwungen ist anzuerkennen, dass der Westen ohne russisches Öl einfach nicht standhalten wird und dass auch der globale Süden dieses russische Öl braucht. Auch das ist ein sehr wichtiger Punkt, den man erwähnen muss, wenn wir über die Fragen der zukünftigen Entwicklung der Ereignisse sprechen.

Wenn man sagt: „Das ist unser Krieg, das ist nicht unser Krieg.“ Wir sehen, dass das im Wesentlichen ein Krieg ist oder zwei Fragmente des Vorspiels zum Dritten Weltkrieg, in dem die verängstigte Menschheit bald leben wird, oder bereits ein Element des Dritten Weltkriegs. Auch das können wir bis zum Ende nicht wissen. Und ich denke, dass die Antwort auf diese Frage nicht wir erhalten werden, sondern sie die Historiker der Zukunft. Man wünschte sich, dass diese Antwort nicht so schrecklich wäre. Aber was muss man tun, damit diese Antwort nicht so schrecklich wird? Nun, zumindest zu begreifen, dass das ein Krieg ist, das wäre ebenfalls kein schlechter Punkt, der mit der Zukunft zusammenhängt.

Gerade eben hat ein hochrangiger Vertreter der Administration der Vereinigten Staaten gesagt, dass Trump alternative Varianten habe außer der Wiederaufnahme von Luftschlägen gegen den Iran. Wir wissen nicht, was das für alternative Varianten sind. Wir können uns vorstellen, dass sich unter diesen alternativen Varianten sowohl die Suche nach einem Verhandlungsweg als auch die Suche nach irgendwelchen möglichen alternativen wirtschaftlichen Maßnahmen befinden kann, die die Möglichkeiten der Islamischen Republik schwächen würden. Und sogar der Versuch einer Bodenoperation. Obwohl wiederum: Wie kann eine Bodenoperation ohne vorausgehende Luftschläge aussehen?

Aber es ist bereits völlig klar, dass Trump diesen Krieg sehr nicht wieder aufnehmen will, dass er die Wiederaufnahme des Krieges und die Folgen dieser Wiederaufnahme sehr fürchtet. Und ich schließe absolut nicht aus, dass man jetzt bei der Beratung beim Präsidenten der Vereinigten Staaten gerade diese möglichen alternativen Varianten bespricht. Eine der alternativen Varianten kann, wie ich schon sagte, auch ein Waffenstillstand sein, der im amerikanisch-iranischen Krieg ausgerufen werden könnte. Und dieser Waffenstillstand kann, wie wir verstehen, in irgendeinem Szenario auch ein Szenario für einen Waffenstillstand im russisch-ukrainischen Krieg sein, wenn er irgendwie gestaltet und erreicht wird.

Schon allein unter diesem Gesichtspunkt, dass im amerikanisch-iranischen Krieg zumindest verständlich ist, dass die Amerikaner die Möglichkeit des Drucks auf den Iran noch nicht verloren haben, obwohl der Iran, wie wir sehen, gewichtige Möglichkeiten des Drucks auf die Vereinigten Staaten hat, dass die Straße von Hormus ein Instrument dieses Drucks ist. Was aber den Druck auf Russland betrifft, sehe ich heute solche realen Möglichkeiten bei den Amerikanern nicht. Real Druck auf Russland übt die ukrainische Armee aus, die auf die Ölhäfen und die Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation schlägt und so Bedingungen für eine reale wirtschaftliche, energetische Krise in Russland selbst schafft.

Ich werde einige Fragen beantworten, die während dieser Sendung eingegangen sind.

Frage. Wie viele Weltkriege hat Trump schon gewonnen und wie viele Iran-Kriege ebenfalls? Ist das nicht der Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“?

Portnikov. Ich habe schon gesagt, dass das ein echter Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ ist und wir in ihm leben und vielleicht noch ziemlich lange in ihm leben können. Und leider ist das so eine Tendenz der Weltpolitik, dass wir uns die ganze Zeit in genau einem solchen Tag wiederfinden.

Frage. Glauben Sie, dass die Regelung beider Kriege durch neue internationale Gesetze und Normen bedingt sein könnte?

Portnikov. Ich sehe vorerst keinerlei Möglichkeit zur Schaffung irgendwelcher neuen internationalen Gesetze und Normen, weil die Idee jetzt damit zusammenhängt, dass die Russische Föderation, der Iran, sogar China beschlossen haben, jene Welt nach Regeln zu bombardieren, die bis jetzt existierte. Und die Vereinigten Staaten wollen, statt zu dieser Welt nach Regeln zurückzukehren, Russland, dem Iran und China beweisen, dass sie in einer Welt ohne Regeln die Ersten sein können. Und so sind wir mit Ihnen in eine Situation unkontrollierten Chaos geraten, die mehrere Jahrzehnte in Folge andauern und den größeren Teil der Länder der heutigen Welt in einen Strudel der Aussichtslosigkeit ziehen kann.

Wie kehrt man zu einem normalen Leben zurück? Ich sage Ihnen wie. Wenn die Vereinigten Staaten zur Idee der Notwendigkeit einer Welt nach Regeln zurückkehren, vielleicht geschieht das bereits, nachdem Donald Trump die politische Bühne verlassen hat, vielleicht auch nicht, dann werden die Vereinigten Staaten יחד mit anderen Ländern des Westens gerade Anstrengungen dieser Art unternehmen. Bis dahin aber sehen wir, wenn Sie wollen, eine Konkurrenz der Chaose.

Frage. Welche Rolle spielt Israel in diesen Verhandlungen?

Portnikov. Nun, erstens möchte ich alle, die diese Sendung aus Israel sehen, zum Unabhängigkeitstag beglückwünschen, der vor einigen Stunden begonnen hat, und zumindest wünschen, dass unsere israelischen Zuschauer und Zuhörer den nächsten Unabhängigkeitstag in Frieden und nicht im Krieg begehen. Das ist jener Wunsch, den wir uns am Unabhängigkeitstag der Ukraine selbst immer machen.

Die Rolle Israels in diesen Verhandlungen ist jetzt auf null reduziert. Soweit wir verstehen, erfuhr der Premierminister Israels Benjamin Netanyahu von dem von Donald Trump im iranisch-amerikanischen Krieg ausgerufenen Waffenstillstand einige Minuten, bevor der Präsident der Vereinigten Staaten einen solchen Waffenstillstand öffentlich verkündete. Für den Premierminister Israels, für seine Regierung war all das eine echte kalte Dusche aus dem einfachen Grund, dass Israel sich auf die Fortsetzung der Operation gegen den Iran vorbereitete und nicht glaubte, dass Donald Trump auf die Fortsetzung des Krieges verzichten würde.

Und das war noch nicht das Ende, weil Benjamin Netanyahu auch vom Ende der Kampfhandlungen im Libanon einige Minuten, bevor Donald Trump diesem Ultimatum seitens des Iran nachkam, erfuhr. So spielt Israel im Verhandlungsprozess heute keine irgendeine reale Rolle.

Und das ist übrigens auch für uns eine sehr ernste Lehre. Nun, was haben wir die ganze Zeit gesagt: „Oh, Donald Trump nimmt auf uns keine Rücksicht, weil Zelensky sich falsch verhält. Weil er Putin liebt und nicht Zelensky. Weil er an einer Lösung der Frage des russisch-ukrainischen Krieges nicht so interessiert ist, wie wir es gern hätten, weil er nicht so unser Freund ist.“ Nun gut. Donald Trump ist ein großer Freund Israels, der beste. Er ist ein persönlicher Freund Benjamin Netanyahus. Benjamin Netanyahu übernachtete im Haus Donald Trumps und ist seit vielen Jahren mit der Familie von Trumps Schwiegersohn Kushner befreundet.

Aber in dem Moment, als Trump begann, an seine Interessen zu denken, begann er sich Netanyahu ungefähr so gegenüber zu verhalten wie Zelensky. Das heißt, überhaupt nicht, ohne jede Berücksichtigung dessen, was Benjamin Netanyahu über die Situation denkt. Und Benjamin Netanyahu blieb nichts anderes übrig, als Reden zu halten, so zu tun, als entscheide er in dieser Situation irgendetwas, und Donald Trump zu danken. Genau dasselbe, was Volodymyr Zelensky nach dem Skandal im Oval Office tun musste.

Also spielt es keine Rolle, ob du ein Freund Donald Trumps bist, ob du nach Mar-a-Lago fährst oder nach Washington, in Donald Trumps Büro, oder nirgendwohin fährst. Ob du mit seiner Familie befreundet bist oder mit dieser Familie nichts zu tun hast. Wenn es um die realen Interessen Donald Trumps geht, wird man an dir die Füße abtreten, in jeder Situation auf dich spucken. Das ist alles, was man begreifen muss. Nun, das sollte man begreifen.

Frage. Nach Angaben von CNN sind 30–50 % der Raketenbestände der USA im Krieg gegen den Iran aufgebraucht. Wie wahrscheinlich ist es, dass ein weiterer Krieg die Vereinigten Staaten so sehr schwächt, dass die Achse des Bösen auf absehbare Zeit einen Freibrief für neue Konflikte erhält?

Portnikov. Eine solche Möglichkeit gibt es, und sie verstärkt sich mit jedem Tag. Heute gab es übrigens die Meldung aus Estland, dass Estland die bereits geplante Lieferung von Raketen für HIMARS aus den Vereinigten Staaten nicht erhalten hat, weil die Vereinigten Staaten bei dieser Technik einen ernsthaften Mangel haben. Und zweifellos wird ein weiterer Krieg das militärische Potenzial der Vereinigten Staaten erschöpfen, insbesondere die Bestände an strategischen Raketen, Flugabwehrraketen und so weiter. Also werden die Vereinigten Staaten vieles über viele Jahre hinweg wiederherstellen müssen. Donald Trump hat bereits vorgeschlagen, den Militärhaushalt der Vereinigten Staaten um 40 % auf eineinhalb Billionen Dollar zu erhöhen. Das ist eine gewaltige Zahl, die, denke ich, von den Vereinigten Staaten eine erhebliche Kürzung ihrer eigenen Sozialprogramme und vieler Haushaltsausgaben verlangen wird und im Grunde, würde ich sagen, zu einem ernsthaften Geschenk für viele Wähler Donald Trumps werden wird, die sich bereits im nächsten Jahr von vielen ihrer Träume und Erwartungen für die kommenden Jahrzehnte verabschieden werden.

Andererseits meine ich, dass ehrliche Armut besser ist als das Fehlen von Sicherheit. Und genau eine solche ehrliche Armut wünsche ich den Wählern Donald Trumps für alle Jahre, die ihnen in ihrem Leben bleiben, denn es ist normal und richtig, beim Wählen dieser oder jener Person genau das zu bekommen, was du verdienst. Armut und Sicherheit. Und jetzt werden darin alle Wähler von Populisten in der ganzen Welt leben, von den Vereinigten Staaten bis zu den europäischen Ländern, wo man, wie wir aus eigener Erfahrung wissen, bei uns heute das siebenjährige Jubiläum, so zu wählen vermag. Dagegen lässt sich nichts machen. Für alles im Leben muss man mit harter Münze bezahlen.

Also ist das ein reales Problem, das tatsächlich in die Zukunft verlagert werden kann. Und in erster Linie können wir natürlich von der Volksrepublik China sprechen, die all diese Chancen zu nutzen vermag, zumindest einen neuen Kriegsschauplatz in der asiatischen Ebene zu eröffnen oder einfach asiatische Länder so zu erschrecken, dass sie bereit sein werden, jeden Wunsch Chinas zu erfüllen, nur um nicht mit seinen Bemühungen konfrontiert zu werden. Die Konfrontation Chinas mit Japan verschärft sich buchstäblich heute vor unseren Augen. Auch das muss man klar begreifen.

Frage. Vorbereitete neue Karten Irans, sind das Schläge gegen die Türkei oder gegen Europa? Wenn man von der Logik der Eskalation ausgeht, erscheint mir das als wahrscheinliches Szenario.

Portnikov. Nun, ehrlich gesagt sehe ich keine Notwendigkeit für Schläge gegen die Türkei und Europa seitens des Iran. Aus einem einfachen Grund: Sowohl in der Türkei als auch in den europäischen Ländern tritt man im Wesentlichen gegen den Krieg der Vereinigten Staaten gegen den Iran auf, und gegen die Türkei und gegen Europa zu schlagen erscheint mir vom Standpunkt der iranischen Interessen aus absolut unlogisch. Aber ich lasse zu, dass der Iran im Fall amerikanischer Schläge ein vollständigeres Verzeichnis von Zielen vorbereitet haben könnte, ein Verzeichnis von Zielen, das gerade die Öl- und Ölverarbeitungsindustrie der Länder des Persischen Golfs sowie Schläge gegen die Energiewirtschaft Israels umfassen würde. Obwohl das eine zweitrangige Frage ist, weil die Ausschaltung der israelischen Wirtschaft von der Weltwirtschaft nicht bemerkt werden wird. Aber von der Ausschaltung der Wirtschaften der ölreichen Länder des Persischen Golfs wird eine schwere Erkrankung beginnen, verbunden mit der Blockade von Hormus. Also ist das eine absolut reale Sache.

Frage. Hat Netanyahu, ein so erfahrener Politiker, denn nicht verstanden, dass man, man kann nicht, man kann noch einmal nicht mit Trump als Hauptverbündeten in einen so ernsten Krieg gehen darf?

Portnikov. Erstens hatte Netanyahu keine anderen Verbündeten, die bereit gewesen wären, gemeinsam mit Israel gegen den Iran zu kämpfen und die Gefahr zu verringern, die der Iran für den jüdischen Staat darstellt, und vielleicht wird er solche auch nicht mehr haben. Und die Bedrohung seitens des Iran hat aus Sicht Israels einen existenziellen Charakter, weil das Ziel des Iran die Vernichtung des jüdischen Staates im Nahen Osten ist. Und zweifeln Sie nicht daran, dass dieses Regime, wenn es erhalten bleibt, alles tun wird, um dieses Ziel zu verwirklichen. Das ist kein deklaratives Ziel. Zu glauben, dass der Iran das einfach so sagt und nicht vorhat, es zu tun, heißt, die realen Ziele Teherans nicht zu verstehen.

Genauso wie viele Ukrainer bis heute nicht verstehen, dass das reale Ziel des Präsidenten der Russischen Föderation die Liquidierung der ukrainischen Staatlichkeit ist. Der Präsident der Russischen Föderation ist bereit, jeden Preis in Menschenleben der eigenen Landsleute und in Geld zu zahlen, wenn er es haben wird, um dieses Ziel in den 20er–30er Jahren des 21. Jahrhunderts zu verwirklichen. Kriegerische Jahrzehnte für die Ukraine, obwohl auch das zehnte Jahrzehnt, wie bekannt, in jener Kollektion des endlosen Krieges kriegerisch ist.

Andererseits müssen Sie bedenken, dass jeder Politiker, der viele Jahre an der Macht ist und der, wie Netanyahu, noch dazu durch Strafverfolgung belastet ist, jeden Krieg, der zur Niederlage des Feindes hätte führen sollen, als Ablass und als Möglichkeit zur Machtbewahrung betrachten kann und als Möglichkeit, nicht auf der Anklagebank zu landen, nicht nur wenn du vor Gericht gehst und aussagst, sondern real nicht in einer Gefängniszelle zu landen. Und Netanyahu konnte in seinem Kopf einfach Wunsch und Wirklichkeit verwechseln, genau so, wie Donald Trump das tat. Wenn du Staatsinteressen mit den Interessen deines eigenen politischen Überlebens verwechselst, ist das leider immer so.

Obwohl, ich wiederhole, was wir auch immer über Netanyahu sagen mögen, über seine Erfahrenheit oder Unerfahrenheit, Befangenheit oder Unbefangenheit, Korruptheit oder Nicht-Korruptheit, die existenzielle Gefahr für die Juden, die in Israel leben, hinsichtlich des Wunsches des Iran, sie zu vernichten, hebt das nicht auf, denn der Iran hat das niemals verborgen, sondern im Gegenteil bei jeder Gelegenheit immer erklärt.

Frage. Angenommen, Trump würde des Amtes enthoben. Angenommen, obwohl das technisch unmöglich ist, weil es im Senat keine zwei Drittel der Demokraten gibt und sie auch nach 2026 nicht erscheinen werden. Angenommen, die Demokraten kommen an die Macht. Das kann wahrscheinlich erst 2029 geschehen, bis zu dem man noch ohne einen Dritten Weltkrieg leben muss, der die Lebensperspektiven von zig Millionen Menschen, die in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern der Welt leben und niemals mehr Wähler werden können, beenden könnte. Auch das ist in nächster Zeit absolut real. Nun, angenommen, das ist nicht geschehen. Seltsam, aber es ist nicht geschehen. Und die Demokraten sind an die Macht gekommen. Werden die USA Verbündeter Israels bleiben?

Portnikov. Ja, werden sie. Aber es ist klar, dass jeder neue Präsident der Vereinigten Staaten, auch wenn er kein Demokrat, sondern ein Republikaner sein wird, höchstwahrscheinlich ein vorsichtigerer Verbündeter Israels sein wird als Donald Trump. Denn es wird sowohl die Erfahrung Donald Trumps geben als auch die Unwilligkeit, Risiken einzugehen, und die Suche nach irgendeinem diplomatischen Weg zur Lösung des Problems, die in Wirklichkeit ein Zerreden des Problems sein kann. Wir müssen uns sagen: Hätte der Iran denn wirklich keine Atomwaffe bekommen, wenn seine Abkommen mit Barack Obama weiter erfüllt worden wären? Wer kennt die Antwort auf diese Frage?

Frage. In den Medien erschien die Information, dass in Peking ein trilaterales Treffen von Xi, Trump und Putin möglich sei. Was ist Ihre Meinung dazu, ist das wieder eine weitere Verschwörungstheorie?

Portnikov. Im Moment gibt es nicht einmal Gründe anzunehmen, dass in Peking ein bilaterales Treffen zwischen Trump und Xi Jinping stattfinden wird. Und ich denke, Sie haben die Medienberichte einfach falsch gelesen. Die Medien berichteten, dass Putin höchstwahrscheinlich nach Peking kommen könne, nachdem der Besuch Trumps stattfindet. Oder dass er unabhängig vom Besuch Trumps nach Peking kommen könne. Aber ein solches trilaterales Treffen war nicht geplant. Geplant war, dass Xi Jinping und Putin die Lage erörtern würden, sagen wir, im Zusammenhang mit ihrer eigenen Sicht ihrer Zusammenarbeit und des Drucks auf Amerika, nachdem der Vorsitzende der Volksrepublik China sich mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten getroffen hat.

Frage. Mir persönlich ist klar, dass die Kriege andauern und sich ausbreiten werden, zu viele neue Militärtechnologien, die Asymmetrie und Unvorhersehbarkeit schaffen. Warum glauben die meisten Menschen an einen schnellen Frieden?

Portnikov. Menschen neigen dazu, an das zu glauben, was nicht geschehen kann, einfach weil es der menschlichen Natur eher entspricht, in Frieden als im Krieg zu leben. Und viele Menschen können den Krieg nicht als Norm akzeptieren. Obwohl in Wirklichkeit die reale Norm der politischen Existenz in der Welt immer Krieg war und nicht Frieden. Das gilt besonders für Menschen, die zufällig in das relativ friedliche Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg geraten sind, als die Angst vor einem neuen Krieg die Unmöglichkeit großer Konflikte schuf und alle Kriege eher in einem lokalen Maßstab stattfanden. Die Jahre sind vergangen, und jetzt wird Krieg, Krieg und noch einmal Krieg die Norm der Existenz dieser Generationen von Menschen sein bis zu dem Moment, in dem irgendeine große Katastrophe und der Tod von Millionen Menschen in kurzer Zeit die Menschen wieder dazu bringen, sich vor dem Krieg zu fürchten und die Bemühungen zu seiner Fortsetzung zu stoppen. Und so werden die nächsten Generationen jener Menschen, denen es gelingt, in diesem Fleischwolf zu überleben, ebenfalls in Frieden leben. Und wir müssen ihnen alles Gute wünschen, falls es uns nicht gelingt, und auch das ist möglich, uns diesen Menschen anzuschließen.

Frage. Glauben Sie, dass gerade die Angst Trumps, vor den amerikanischen Wählern das Gesicht zu verlieren, ihn morgen dazu bringen kann, auf den Knopf zu drücken, selbst wenn die militärischen Berater dagegen sein werden?

Portnikov. Die Frage ist, was Trump unter Gesichtsverlust vor den amerikanischen Wählern versteht. Trump wird meinen, dass er vor den amerikanischen Wählern das Gesicht verliert, wenn sie wieder zu den Tankstellen kommen und dort hohe Kraftstoffpreise sehen, und wenn das bis November 2026 so bleibt. Und das ist seine Hauptkatastrophe, sein Hauptalptraum. Und niemand wird ihm sagen, dass, wenn er auf den Startknopf drückt, sich dadurch irgendetwas an der Situation mit seinem Gesicht vor den amerikanischen Wählern ändern wird. Genau darin liegt die Hauptintrige des morgigen Tages. Wie Trump die Situation real einschätzt unter Bedingungen, in denen sich seine Ansichten über das, was geschieht, jede Minute ändern.

Danke, Freunde. Wir werden auf dieses Thema unbedingt zurückkommen. Ich bitte Sie, zu kommentieren, wie Sie denken, ob am 22. April eine neue Runde des amerikanisch-israelischen Krieges beginnen wird und zu welchen Folgen sie für die Welt und für Russlands Krieg gegen die Ukraine führen wird.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп знову готовий воювати | Віталій Портников. 21.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 21.04.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.