Warum Orbán Ukrainer festnehmen ließ | Vitaly Portnikov. 06.03.2026.

Die Eskalation zwischen der Ukraine und Ungarn hat ein neues, ich würde sagen, außerordentliches Niveau erreicht, obwohl auch daran, vor dem Hintergrund der bevorstehenden Parlamentswahlen in Ungarn nichts Unvorhersehbares ist. Es sind die ersten für Ministerpräsident Viktor Orbán seit vielen Jahren seiner Herrschaft in diesem Land wirklich bedrohlichen Wahlen. Nach den gestrigen harten Äußerungen Volodymyr Zelenskys an Orbáns Adresse geschah etwas, das selbst in so angespannten Beziehungen wie den ukrainisch-ungarischen völlig unerhört ist.

In Ungarn wurden ukrainische Geldtransporteure festgenommen, ebenso die Wertsachen, die sie transportierten. Und natürlich wurde diese Festnahme zu einem weiteren, ich würde sagen, Bestandteil jener Maßnahmen, die das offizielle Budapest derzeit gegenüber der Ukraine ergreift, um sowohl die eigenen Mitbürger als auch die Europäer von der Korruptheit und Mafiahaftigkeit des Nachbarstaates zu überzeugen, dem man nicht helfen sollte, weil er ein weiteres postsowjetisches Echo sei, das kaum den Beitritt zur Europäischen Union verdiene.

Und wir sehen, dass diese Äußerungen Orbáns über die Ukraine, die er wiederholt gemacht hat und die sich, wie zu erwarten war, während des Wahlkampfes verschärfen, jetzt neue Qualität und neue Kraft gewinnen, was das betrifft, was sich in den nächsten Wochen zwischen Kyiv und Budapest abspielen wird. Budapest verhehlt nicht die Tatsache, dass es ukrainische Staatsbürger festgenommen hat. Es macht keinen Hehl daraus, dass es im Grunde Wertsachen beschlagnahmt hat, die auf Grundlage eines internationalen Abkommens transportiert wurden, denn es bezeichnet sie als Mafiageld.

Inwieweit das der Wirklichkeit entspricht, interessiert in der ungarischen Regierung niemanden, denn hier ist es wichtig, eine Erklärung abzugeben. Danach kann man lange ermitteln. Danach kann diese Ermittlung erst nach den Parlamentswahlen abgeschlossen werden. Und mir scheint, dass es noch viele solcher Situationen geben wird, die mit ähnlichen Handlungen Budapests gegenüber Kyiv zusammenhängen. Denn besondere Möglichkeiten, die Umfragewerte der Opposition irgendwie zu drücken, hat Orbán nicht, außer mit dem Thema Krieg zu spielen. Die wirtschaftliche Lage wird sich aus objektiven Gründen nicht verbessern. Tatsächlich funktioniert erstens die Druschba-Pipeline nicht.

Und es lohnt sich daran zu erinnern, dass nicht die Ukrainer sie zerstört haben, sondern dass sie durch einen direkten russischen Treffer auf diese Pipeline beschädigt wurde. Und viele wunderten sich, dass die Russen Orbán gerade in dem Moment, in dem er sie im Wahlkampf braucht, das billige Öl genommen haben. Vor dem Hintergrund aber, dass in Budapest russische Polittechnologen aufgetaucht sind, die dem ungarischen Ministerpräsidenten helfen sollen, diese Wahlen zu gewinnen, wirkt der russische Schlag nicht mehr so unberechnet, denn in Moskau konnte man der Meinung sein, dass es selbst bei jenen Ölpreisen, die Orbán vor den Wahlen halten könnte, kaum gelingen würde, den Abwärtstrend seiner Zustimmungswerte zu stoppen. Wenn es ihm aber gelingt, einen Feind zu finden, der diese Pipeline nicht reparieren will, ist das eine ganz andere Situation. Und mit dieser Situation kann man spielen.

Und Orbán selbst verhielt sich wie ein Mensch, der an einer Provokation teilnimmt. Er wusste sehr gut, dass die Pipeline nicht von den Ukrainern, sondern von den Russen beschädigt worden war, dass dies das Ergebnis des Beschusses unseres Landes war. Aber er schenkte dem überhaupt keine Aufmerksamkeit. Er begann sofort, die Ukraine dafür zu beschuldigen, dass sie Ungarn keinen Zugang zu billigem russischem Öl gewähren wolle. Und auch das war eine Provokation, die gerade darauf berechnet war – wir verstehen doch, dass die Leute, die solche Provokationen schreiben, nicht nur mit Orbáns Aussagen arbeiten, sondern auch mit dem Psychotypus Zelenskys und ukrainischer Beamter –, dass die Ukrainer Orbán klar daran erinnern würden, dass er mit dem Kauf russischen Öls den Krieg finanziert, dass er längst nicht-russisches Öl beziehen könnte. Und darauf antwortete Orbán den Ungarn: „Seht ihr, es geht nicht um die Russen, es geht um die Ukrainer. Sie wollen diese Pipeline nicht reparieren. Sie wollen uns das Recht verweigern, billiges Öl zu bekommen. Sie wollen nicht nur ihren Krieg nicht beenden, sondern das auch noch auf unsere Kosten. Wir helfen ihnen. Und wir sollen auch noch teures Öl kaufen, weil sie die Pipeline nicht reparieren wollen, die auf Grundlage der internationalen Verpflichtungen der Ukraine funktioniert.“

Und interessant ist, dass man in Budapest in dieser ganzen Zeit kein einziges Mal Russland beschuldigt hat, das diese Pipeline beschädigt hat. Vor einigen Tagen war der ungarische Außenminister Péter Szijjártó in Moskau, traf sich mit dem Präsidenten Russlands Putin und mit Außenminister Lawrow. Er erwähnte nicht einmal, dass diese Pipeline von den Russen beschädigt worden war, erhob keinerlei Ansprüche, es gab keine einzige Note des ungarischen Außenministeriums an Russland, das jene Route beschädigt hat, über die es gemäß seinen Verpflichtungen Öl nach Ungarn hätte liefern sollen. Der Schlag gegen die Pipeline könnte also bereits eine koordinierte Aktion gewesen sein.

Jetzt verbessert sich Orbáns Lage, würde ich sagen, mit dieser ganzen Geschichte vor dem Hintergrund des Krieges im Nahen Osten sogar noch. Denn in einer alternativen Situation, in der die Ukraine sagen würde, dass sie keine Möglichkeit habe, diese Pipeline schnell zu reparieren, könnte Ungarn sich mit entsprechenden Forderungen an die Europäische Kommission wenden. Und die Europäische Kommission könnte ihm sagen: „Hören Sie, wir haben Ihnen Zeit gegeben, die Pipeline ist nicht von den Ukrainern beschädigt worden, sie verfügen vielleicht nicht über ausreichende Kräfte, um sie zu reparieren. Nehmen Sie Öl aus der kroatischen Pipeline, die bis auf Ihr Territorium reicht.“ Aber jetzt wird das niemand sagen. Jetzt steht die Welt am Rand eines Energiezusammenbruchs. Jetzt verändert sich die Situation mit jedem Tag.

Wir kennen die heutigen Nachrichten: Sagen wir, Indien, das Präsident Donald Trump versprochen hatte, kein russisches Öl mehr zu kaufen, hat von den Vereinigten Staaten die Erlaubnis erhalten, jene Mengen russischen Öls zu kaufen, die sich auf Tankern auf See befinden und seit vielen Wochen auf ihre Käufer warten. Die Erlaubnis, diese Ölmenge zu kaufen. Vorerst wurde diese Erlaubnis für 30 Tage erteilt, aber ich habe praktisch keinen Zweifel daran, dass sie verlängert wird und dass Indien wieder Rekordmengen russischen Öls kaufen wird, weil es keine Alternative geben wird. Denn niemand kann Indien, wenn es die Amerikaner fragt: „Was sollen wir denn mit unserer Ölbilanz machen?“, sagen, dass es unter den Bedingungen der faktischen Blockade der Straße von Hormus irgendwo sonst noch Öl gibt. Das ist ein gewaltiges Problem auch für Indien, das ist ein gewaltiges Problem für China, das mit Iran darüber verhandelt, dass seine Schiffe die Straße von Hormus passieren dürfen, in einer Situation, in der amerikanische und europäische Schiffe oder Schiffe, die aus dem Persischen Golf kommen, dort nicht passieren.

Aber in dieser Situation, wie Sie verstehen, gibt es schlicht kein zusätzliches Öl für Ungarn, das es nutzen könnte. Das heißt, die Aufgabe der Europäischen Kommission besteht darin, Ungarn den Zugang zu russischem Öl zu sichern, und der Druck wird sich hier auf die Ukraine richten, die faktisch die Möglichkeit stört, dass Ungarn und die Slowakei aus Moskau Öl beziehen, weil das die einzige Möglichkeit ist, ihre Ölbilanzen zu decken. Und wenn in Ungarn mit all dem irgendwelche Probleme beginnen, wird Orbán natürlich wissen, wen er beschuldigen muss.

Und interessant ist, dass sich bereits gestern nach diesen Äußerungen Zelenskys auch der Vorsitzende der ungarischen Oppositionspartei Tisza, Péter Magyar, den antiukrainischen Äußerungen Orbáns angeschlossen hat. Er rief die Europäische Union dazu auf, alle Beziehungen zu Volodymyr Zelensky abzubrechen, bis der ukrainische Präsident sich bei den Ungarn, beim ungarischen Ministerpräsidenten, entschuldigt. Das heißt, Magyar nahm Zelenskys Äußerungen als offensichtliche Respektlosigkeit gegenüber der ungarischen Staatlichkeit selbst wahr. Und das zeigt uns im Grunde, dass man, wie auch immer die Parlamentswahlen in Ungarn ausgehen mögen, keine schnelle Lösung der Frage des ungarischen Vetos zu den 90 Milliarden Dollar für die Ukraine oder zur europäischen Integration der Ukraine erwarten sollte.

Man muss sich in die reale Welt versetzen, in der all das vielleicht gar nicht so eintreten wird, wie wir hoffen. Ja, nach den Parlamentswahlen könnten sowohl Orbán als auch Magyar ihre Positionen korrigieren, weil sie eine gemeinsame Sprache mit der Europäischen Kommission finden müssen. Aber ich bin mir dessen nicht sicher. Und hier würde ich übrigens auch die Bedeutung des Tons Volodymyr Zelenskys nicht überschätzen, denn ich diskutiere nicht einmal den Inhalt dieser Erklärungen, weil, wenn wir beginnen, über das diplomatische Geschick entweder Volodymyr Zelenskys oder der Menschen zu sprechen, die im Büro des Präsidenten oder im diplomatischen Korps Volodymyr Zelensky gefallen und so sprechen wollen wie er, mir scheint, dass diese Situation seit 2019 offensichtlich ist: Politik kann man nicht lernen. Und wer für Volodymyr Zelensky gestimmt hat, ist nicht in der Lage, das zu begreifen. Also wird es eben so funktionieren. Dem einen gefallen solche Äußerungen, dem anderen nicht. Jemand meint, man hätte sich anders ausdrücken können. Aber ich möchte Sie an eine wichtige Sache erinnern.

Es gab nach 2019 Zeiten, in denen Zelensky, sagen wir, sich genau entgegengesetzt verhielt. Er erwähnte den Namen des Präsidenten der Russischen Föderation überhaupt nicht. Nicht nur, dass er ihn nicht Aggressor nannte, ihn nicht beleidigte – er versuchte, ihn überhaupt nicht zu erwähnen. Überhaupt nicht. Und erklärte, dass gerade dieses Nichterwähnen des Präsidenten der Russischen Föderation Putin der richtige Ansatz sei. Man dürfe nicht schlecht über ihn sprechen, weil das den damals wie heute übrigens nicht existierenden Friedensprozess mit Russland blockieren könne. Sonst würde Putin sich beleidigt fühlen und sich unserem Staat gegenüber ganz anders verhalten. Das alles klang natürlich wunderbar, nur brachte es weder Zelensky noch der Ukraine irgendeinen Nutzen, denn Putin hatte gar nicht vor, darauf zu achten, ob Zelensky über ihn spricht oder nicht. Putin kalkulierte seine Pläne. Pläne, die mit der Liquidierung der ukrainischen Staatlichkeit, der Liquidierung Zelenskys selbst, seiner Ersetzung – lebendig oder tot, das wäre dann schon so gekommen, wie es kommt – durch Marionettenherrscher wie Janukowytsch oder Medwedtschuk verbunden waren. Und Putin hatte nicht vor zu verfolgen, was Zelensky über ihn sagte oder nicht sagte, denn irgendein Zelensky existierte für ihn einfach nicht, so wie er im Grunde auch jetzt nicht existiert. Es existiert nur die Aufgabe, jene Territorien, die er für russisch hält, an Russland anzugliedern. Natürlich am besten im herzlichen Einvernehmen mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, der diese Tatsache sanktionieren soll und aus irgendeinem Grund nicht sanktioniert.

Auch jetzt zu sagen: „Wenn Zelensky sich anders verhalten hätte, dann hätte Orbán uns plötzlich liebgewonnen“, ist eine gewaltige Übertreibung. Orbán spielt seine eigene Schachpartie. Diese Partie ist seit Langem damit verbunden, aus der Ukraine, nicht aus Zelensky, das Bild des Feindes zu machen. Ob Zelensky Orbán in dieser Situation in die Hände gespielt hat oder nicht – Orbán hätte selbst einen Anlass gefunden, um die Ukraine zu beschuldigen. Und das muss man in der Situation, die sich heute in den Beziehungen zwischen Ungarn und der Ukraine entwickelt hat, einfach klar begreifen.

So scheint es mir im Grunde, dass das, sagen wir so, zwei verschiedene Geschichten sind, und die Realität besteht darin, dass wir, sagen wir so, aus Sicht der ungarisch-ukrainischen Beziehungen in einen gefährlichen Monat eingetreten sind. Das heißt, die beiden Hauptteilnehmer dieses Wahlkampfs werden das Thema des russisch-ukrainischen Krieges die ganze Zeit nutzen, um einander auszustechen. Und Orbán wird als Ministerpräsident Ungarns noch zusätzliche Möglichkeiten haben, durch Taten irgendwie zu demonstrieren, dass er tatsächlich bereit ist, irgendeine Mafia, irgendwelche ukrainischen korrupten Machenschaften und so weiter aufzuzeigen. Und das ist für mich im Grunde eine völlig klare Tatsache in dem, was mit dieser Festnahme der Geldtransporteure, mit diesen Erklärungen Budapests geschieht.

Denn noch einmal: Wenn es um irgendeine mafiöse Organisation geht, werden ihre Mitglieder festgenommen und nicht ausgewiesen. Wenn es um einen ehemaligen SBU-General geht, der am Steuer des Fahrzeugs gesessen habe, wie man in Budapest erzählt, dann müsste diese Person sich in einer Gefängniszelle befinden und nicht der Ukraine übergeben werden. Denn wie will man sonst Beweise krimineller Tätigkeit erhalten, wenn man Europa angeblich vor der ukrainischen Mafia rettet?

Und hier ist immer die gute Frage: Warum rettet ihr Europa dann nicht vor der russischen Mafia? Mit der russischen Mafia unterhaltet ihr Beziehungen. Über die Korruptheit der Russen sagt ihr überhaupt nichts. Für sie schafft ihr Bedingungen. Ihr habt im Wesentlichen das neue Sanktionspaket der Europäischen Union gegen Russland blockiert. Daran möchte ich erinnern: Dieses Paket ist bis heute nicht in Kraft getreten, weil sowohl Orbán als auch der Ministerpräsident der Slowakei, Robert Fico, es im Grunde blockieren. Und das ist zu einem ernsten Problem für die Europäische Union geworden. Und dort geht es um eine echte Mafia, nicht um die, die heute in Meldungen aus Budapest erfunden wird. Und wie Sie sehen, hat sich nichts geändert.

In dieser Situation gibt es also aus Sicht der ungarischen Motive nichts zu überlegen. Sie sind klar. Nachdenken muss man über die Realität. Und die Realität ist die, dass es sehr schwierig, wenn nicht unmöglich sein wird, Ungarn in der Frage der Hilfe für die Ukraine und der europäischen Integration der Ukraine zu umgehen. Wir beruhigen uns ständig damit, dass man das tun könne. Wir haben da ja diesen Prozess von Ersatzverhandlungen mit der Europäischen Union über den Beitritt. Das heißt, wir führen technische Verhandlungen in der Hoffnung, dass, wenn Ungarn sein Veto gegen die Durchführung dieser Verhandlungen aufhebt, bei uns schon alles vorbereitet sein wird. Aber wenn Ungarn sein Veto nicht aufhebt, dann wird es, ob alles vorbereitet ist oder nicht, keinerlei Bedeutung haben, denn das bedeutet, dass es keinen realen verfahrensmäßigen Prozess der europäischen Integration geben wird. Den gibt es auch jetzt nicht.

Das ist ein Prozess der Selbstberuhigung. Das ist übrigens ungefähr dasselbe, was wir über die russisch-ukrainischen Verhandlungen über Frieden sagen. Da treffen sich Militärs, besprechen technische Details: wie eine Truppenentflechtung aussehen soll, wer sie kontrollieren wird, ob Amerikaner dabei sein werden oder nicht. Nun, ein wunderbares Gespräch, sehr angenehm zwischen General Budanow und Admiral Kostjukow. Sie können sich im Prinzip technologisch, als Profis, über alles verständigen. Aber da der Präsident der Russischen Föderation, Präsident Putin, keinerlei politischen Willen hat, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, sind all diese professionellen Verhandlungen zwischen General und Admiral nichts wert. Nicht einmal die Zeit wert, die man auf sie verwendet. Denn wenn es einen politischen Willen zur Beendigung des Krieges gäbe – vielleicht wird er irgendwann, in irgendeiner Perspektive in den 2020er- oder 2030er-Jahren des 21. Jahrhunderts auftauchen –, dann könnte man sich leicht über technische Details verständigen. Wenn es aber keinen politischen Willen gibt, dann haben technische Details keine Bedeutung.

Genauso ist es hier: Wir vereinbaren politische, also technische Details mit der Europäischen Union. Wir schließen Kapitel der europäischen Integration ab. Aber der politische Wille der Europäischen Union bedeutet die Zustimmung aller Länder zum Beginn von Verhandlungen. Es gibt diese Zustimmung nicht, also gibt es keinen politischen Willen zur europäische Integration der Ukraine. Diese Europäische Union kann neue Sanktionspakete gegen Russland vereinbaren, aber wenn es keine Einstimmigkeit gibt, dann gibt es dieses Sanktionspaket nicht, gibt es keinen politischen Willen, denn in der EU sieht er eben so aus.

Vielleicht wird es der Europäischen Union irgendwann gelingen, so reformiert zu werden, dass ein oder zwei Länder sich der Mehrheit nicht entgegenstellen können. Aber bislang gibt es keinerlei objektive Voraussetzungen für eine solche Reform, denn einen Versuch gab es seinerzeit, als wir noch weit vom Verfahren der europäischen Integration entfernt waren. Damals wurde eine Europäische Verfassung entworfen, eine Kommission unter Leitung des Veteranen der europäischen Politik, des ehemaligen französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing, arbeitete daran. Und all das wurde ausgearbeitet. Im Wesentlichen versuchte die Europäische Union damals erstmals, sich vom Prinzip der Einstimmigkeit zu verabschieden. Und die überwältigende Mehrheit der europäischen Länder stimmte diesem Ansatz zu. Außer Irland, das diesen Verfassungsentwurf in einem eigenen Referendum scheitern ließ, weil in Irland nach dem Gesetz eine solche Entscheidung nicht durch das Parlament, sondern durch das Volk getroffen werden muss. Das irische Volk lehnte dies ab und verwandelte damit die Europäische Union in ein Gebilde, das aus Sicht grundsätzlicher Entscheidungen nicht lebensfähig ist.

Nun, das ist eben die Realität. Wir waren diesen Prozessen, wiederum, einfach sehr fern, aber alle, die die Entwicklung der Europäischen Union verfolgt haben, haben alles verstanden, was damals geschah. Und wiederum: Um eine solche Ordnung real zu ändern, müsste dies ebenfalls von allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union beschlossen werden. Vor dem Hintergrund der Bemühungen sowohl Trumps als auch Putins, die Europäische Union daran zu hindern, eine solche echte geopolitische Subjektivität zu erlangen, habe ich persönlich keinerlei Hoffnung, dass das geschieht. Und das muss man klar begreifen.

Wie realistisch ist also unter solchen Bedingungen die Perspektive der europäischen Integration der Ukraine? Nicht besonders realistisch. So sieht das Gesicht des geeinten Europas heute nun einmal aus. Ja, man muss hoffen, dass etwa das Interesse der amerikanischen Administration an einem Friedensprozess in der Ukraine und die Überzeugung aus dem Weißen Haus, dass die europäische Integration der Ukraine diesem dienen werde, ihrerseits dem Dialog zwischen Donald Trump und Viktor Orbán helfen könnte, oder zwischen Donald Trump und einem neuen Ministerpräsidenten Ungarns, falls Orbán diese Wahlen in einem Monat tatsächlich verliert. Aber das sind nur Hoffnungen, denn man darf auch nicht glauben, dass das Weiße Haus, zumal in einer Situation, in der die Positionen des US-Präsidenten nicht stärker, sondern schwächer werden, jemandem irgendetwas diktieren kann. Vielleicht überzeugen die Europäer Orbán, und dann beginnt der Verhandlungsprozess.

Aber vergessen Sie das Wichtigste nicht: Auf den Verhandlungsprozess folgt noch der Beitrittsprozess. Und dann wird vieles davon abhängen, wie sich alle Mitglieder der EU zu diesem Beitrittsprozess stellen. Umso mehr müssen wir verstehen, dass wir nicht wissen, wie die europäischen Regierungen im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung in Europa aussehen werden und im Hinblick auf die Bemühungen sowohl Präsident Trumps als auch Präsident Putins, die zu echten Partnern auf dem europäischen Kontinent geworden sind, rechtspopulistische radikale Kräfte in Europa an die Macht zu bringen. Glauben Sie mir: Diese rechtspopulistischen radikalen Kräfte werden alles Mögliche und Unmögliche tun, um die Ukraine außerhalb der Europäischen Union zu halten und die Rückkehr der Ukraine in den „Heimathafen“,  zur Freundschaft, zum Einvernehmen und zur wirtschaftlichen Abhängigkeit von der Russischen Föderation zu fördern.

Natürlich ist es sich unter den Bedingungen, in denen die Russische Föderation ihre Bemühungen um die Liquidierung der ukrainischen Staatlichkeit fortsetzt, für Menschen, die in der Ukraine unter russischen Bomben und Raketen leben, unmöglich, sich eine solche Variante vorzustellen. Aber glauben Sie, dass auch das möglich ist. Schauen Sie auf Georgien. Selbst heute, als es zu dieser Festnahme ukrainischer Geldtransporteure in Budapest kam, höre ich oft: „Wozu brauchen wir eine solche Europäische Union?“ 

Die Ukraine hat leider, wie jedes Frontland, das keine eigene offensichtliche Subjektivität besitzt, keine Wahl. Sie wird entweder Teil des Westens sein oder Teil des Ostens, entweder zusammen mit Russland oder zusammen mit Europa. Deshalb müssen wir zusammen mit Europa sein, nicht weil Europa das will oder nicht will, sondern weil wir keine andere Wahl haben, wenn wir die ukrainische Staatlichkeit und die ukrainische Ethnizität bewahren wollen. Selbst wenn Europa uns nicht will, bedeutet das nicht, dass wir nicht nach Europa wollen dürfen. Mehr noch: Wir müssen nach Europa wollen – gegen den offensichtlichen Wunsch einer großen Zahl von Europäern, das ukrainische Problem als Teil des russischen Problems zu vergessen. Und auch das sollte, wie mir scheint, jedem absolut klar sein.

Umso mehr, als wir jetzt Karten haben, was Trump in seinem Wahlkampf auch sagen mag. Diese Karten hängen damit zusammen, dass vor dem Hintergrund möglicher neuer Sicherheitsbedrohungen für Europa, das ebenso wie jeder andere Kontinent an den Dritten Weltkrieg mit einem möglichen Austausch strategischer Nuklearschläge zwischen den Beteiligten heranrückt, Streitkräfte gebraucht werden, die verstehen, wie man Bedrohungen entgegentritt. Und jetzt gibt es in dieser Welt zwei starke moderne Armeen: die ukrainische und die russische. Nur kämpft die russische für eine andere Mannschaft, für die Mannschaft Chinas, Irans, Nordkoreas und wird Europäer und Amerikaner nichts lehren.

Dass die Amerikaner gezwungen waren, jenseits ihrer Selbstverliebtheit, Überheblichkeit und ihres Machtgefühls, sich an die Ukrainer mit der Frage zu wenden, wie sie iranischen Drohnen entgegenwirken können, sagt bereits sehr viel. Das sagt auch, dass die Menschen, die in den Vereinigten Staaten Militäroperationen planen, einfach nicht in der Lage sind, das Ausmaß moderner Bedrohungen zu verstehen, und deshalb sogar mit einem Land wie Iran eine vernichtende Niederlage erleiden können. Ganz zu schweigen davon, wenn sie in einen Konflikt mit Russland geraten würden.

Ja, die einen haben eine moderne Armee, ihre Armee ist ja nicht anachronistisch, die einen haben viel Geld, die anderen wenig. Und die einen sind technologische Giganten, die anderen eine Tankstelle. Nur hat der technologische Gigant nicht den blassesten Schimmer davon, wie man moderne Kriege führt. Und die Tankstelle versteht das. Was ist daran neu in der Geschichte? Das Römische Reich hatte große Feldherren, eine geniale Zivilisation, eine Militärmacht, die die Welt erobert hatte, Gelehrte. Und dieses Reich fiel unter fremdem Druck zweimal. Zweimal. Zuerst wurde das westliche zu nichts, dann das östliche. Obwohl das die zivilisatorischen Zentren ihrer Welt waren. Solche Städte wie das antike Rom erschienen noch viele Jahrhunderte lang nicht auf der politischen oder der demografischen Landkarte der Welt, und eine Stadt wie Konstantinopel erschien ebenfalls viele Jahrhunderte lang nicht mehr. Und was dann? Barbarenarmeen verstanden es, in einem modernen Krieg sehr viel besser zu kämpfen als römische Soldaten, Legionäre und Generäle, die sogar einfach davon überzeugt waren, dass sie all das mit bloßer Kraft besiegen würden. Die Armee der Osmanen war sehr viel moderner als die byzantinische. Das ist eine solche Katastrophe des Vertrauens in die eigene Stärke.

Und genau darüber müssen wir mit unseren europäischen und amerikanischen Verbündeten sprechen. Denn vor dem Hintergrund der Angriffe iranischer Shaheds auf die Infrastruktur der Länder des Persischen Golfs, auf Israel, auf amerikanische Militärbasen wird all das bald für alle offensichtlich werden. Und auch hier muss man überlegen, wer Trump in Wirklichkeit mehr braucht: Orbán, der eine gewaltige Zahl von Karten hat, weil er mit Trumps Lieblingspartner Putin befreundet ist, oder Zelensky, den man nicht mögen kann, weil er nicht bereit ist, den Donbas abzugeben, was aus Trumps Sicht sein Problem lösen und ihm erlauben würde, mit Putin nichtexistierende Billionen Dollar zu verdienen.

Wer wäre wichtiger im Hinblick darauf, was in dieser künftigen Stärkung der amerikanischen geopolitischen Rolle geschähe? Darüber muss der Westen, wie mir scheint, nachdenken. Und dann werden Politiker wie Orbán oder auch nicht Orbán natürlich eine Antwort bekommen. Aber wenn das nicht geschieht, dann bleiben wir lange an der Tür der Europäischen Union stehen. Und das ist ganz sicher nicht das, was in unserem Interesse liegen sollte. Es geht also nicht darum, wie wir Orbán nennen werden und wie das aus Sicht Präsident Zelenskys für sein Publikum schön klingt. Es geht darum, was wir so anbieten können, dass für die Vereinigten Staaten und Europa die Existenz des ukrainischen Staatsorganismus selbst grundsätzlich sinnvoll erscheint.

Denn verstehen Sie: Die Zeiten der Vorrangstellung des Völkerrechts sind vorbei und kehren vielleicht zu unseren Lebzeiten nicht zurück. Das Völkerrecht ist erledigt. Das bedeutet, dass Staaten künftig nur noch aus Sicht von Macht oder Zweckmäßigkeit auf der politischen Landkarte der Welt verbleiben werden – oder samt den Völkern, die sie bewohnen, verschwinden werden. So, als hätte es diese Staaten und Völker nie gegeben. So war es in der Geschichte schon viele Male. Und es kann auch jetzt so sein, und wir sind die ersten Kandidaten fürs Aus, weil unser Territorium von den Russen als ihr eigenes wahrgenommen wird, und nicht wenige Menschen im Westen, auch in Europa, wie Sie verstehen, bereit sind, sich mit dieser Formel abzufinden, nur um wieder ruhig in einem Einvernehmen mit Russland zu leben.

Und Orbán ist eine dieser Figuren, wie Sie das sehr gut verstehen, denn er ist seit sehr, sehr langer Zeit in diese Vertikale solcher Beziehungen eingebunden. Und es überrascht mich, dass wir diese Entwicklung eines Menschen nicht begreifen, der einst die Fahne des liberalen ungarischen politischen Prozesses war, der seine Karriere mit Erinnerungen an die Notwendigkeit begann, die Teilnehmer der Proteste von 1956 zu würdigen, der in der Stiftung George Soros’ groß geworden ist. Und plötzlich ist aus diesem liberal denkenden Menschen ein rechtsradikaler Populist, ein Demagoge geworden, der in Ungarn ein System personifizierter, kontrollierter staatlicher Korruption geschaffen hat, über das Autoren zahlreicher Orbán-Biografien, die auch in Budapest erschienen sind, wiederholt geschrieben haben, und der die Überlebensfähigkeit eines solchen Regimes unter demokratischen Verfahren demonstrieren konnte und sogar gezeigt hat, dass er der wichtigste Partner eines amerikanischen Präsidenten sein kann, wenn dieser amerikanische Präsident selbst ein Mensch mit rechtsradikalen Ansichten ist.

Und man muss Orbán zugutehalten, dass er sich nie gescheut hat, Risiken einzugehen. In dieser Hinsicht ähneln er und Zelensky einander. Orbán suchte keinerlei Einvernehmen mit der Biden-Administration. Als einer der wenigen Politiker der Welt – selbst Netanjahu ging ein solches Risiko nicht ein – blieb er überzeugter Trumpist, obwohl man ihn im Weißen Haus während des größten Teils von Bidens Präsidentschaft im Grunde boykottierte. Und wie Sie sehen, hat er nicht verloren, sondern gewonnen. Denn Trump, der mit großer Eifersucht darauf reagierte, dass niemand in der Welt seine Reden über die Fälschung der Präsidentschaftswahlen wahrnahm, über die ihm gestohlene Niederlage, muss Orbán wirklich dankbar sein, dass Orbán bereit war, diese Version sogar um den Preis der Verschlechterung der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika zu vertreten.

Warum, denken Sie, geschah das? Nicht weil Orbán so prinzipienfest wäre, sondern weil er ein anderes Sicherheitskissen hatte – in Form der Unterstützung Putins, in Form dieser Druschba-Pipeline, in Form besonderer Beziehungen zwischen Ungarn und Russland die ganze Zeit über. Denn Péter Szijjártó, der Moskau ständig mit all diesen Sondermissionen besucht, hat ja sogar einen Freundschaftsorden von Putin erhalten. Sie glauben doch nicht, dass Putin in der Situation, in der er sich heute in den Beziehungen zum Westen befindet, Orden nach rechts und links verteilen würde? Nein, das spricht wirklich von der besonderen Rolle, die Szijjártó als Leiter der ungarischen Diplomatie dabei gespielt hat, Ungarn als ein Trojanisches Pferd der Russischen Föderation zu bewahren. Aber das ist ein Trojanisches Pferd, das man nicht loswerden kann, das man nicht aus den Grenzen Trojas hinauswerfen kann, während wir nach Troja hineinmüssen. Das ist ein wichtiger Punkt, den man ebenfalls begreifen muss.

Das sind also die ersten Einschätzungen im Zusammenhang mit der neuen Eskalation der ungarisch-ukrainischen Beziehungen. Es gibt alle Voraussetzungen dafür, dass diese Eskalation sich verstärkt und einen Monat vor den Parlamentswahlen in Ungarn neue gefährliche Züge annimmt, Wahlen, bei denen sich das politische Schicksal Viktor Orbáns selbst, das politische Schicksal des Konstrukts eines russischen Europa, das politische Schicksal des Konstrukts eines chinesischen Europa entscheiden wird. Und ich möchte Sie daran erinnern, Freunde, dass das chinesische und das russische Europa in bestimmten Grenzen verdächtig stark mit dem Konzept eines amerikanischen Europa von Präsident Donald Trump und seinen rechtsradikalen Anhängern übereinstimmt. Auch das muss man verstehen, um sich keinen Illusionen hinzugeben.

Ich werde auf einige Fragen antworten, die während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage. Es gibt leider kein Verfahren zur Suspendierung der Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Die EU-Kommissare hätten sich längst etwas einfallen lassen müssen, wie man Orbáns Veto umgehen kann.

Portnikov. Nun, sie versuchen alles zu tun, was sie können. Und in diesen vier Jahren wurden viele Formeln gefunden, die der Ukraine unter Umgehung der ungarischen Position helfen sollten. Aber in jedem Fall müssen Sie sich daran erinnern, dass die EU-Kommissare Menschen sind, die von allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union abhängen. So funktioniert die Europäische Union. Und wenn wir irgendwann einmal Mitglieder dieser Organisation werden, was ich sehr hoffe, früher oder später, in den 2020er- oder 2030er-Jahren des 21. Jahrhunderts, dann werden wir selbst die Ersten sein, die daran interessiert sind, das Prinzip der Einstimmigkeit zu bewahren. Denn es kann die Situation eintreten, dass man auf uns spuckt, wenn dieses Prinzip nicht mehr gilt – als Erste übrigens, wiederum wegen des russischen Faktors.

Deshalb ist unbekannt, was jetzt besser ist: die Situation zu bewahren, in der es das Prinzip der Einstimmigkeit gibt, aber Wege zu suchen, Orbán zumindest nach den Parlamentswahlen zu beruhigen, oder von der Abschaffung des Prinzips der Einstimmigkeit zu träumen und danach die ersten Opfer dieser Abschaffung zu werden. Das ist also ebenfalls eine sehr wichtige Frage.

Zuschauer. Keine Armee kann heute in der Verteidigung bessere Fähigkeiten haben als die ukrainische. Mächtige Waffen zu besitzen, ohne die Fähigkeiten ihres ständigen, langjährigen, täglichen Einsatzes zu haben, ist die Schwäche aller Armeen außer der ukrainischen.

Portnikov. Nun, und der russischen. Das muss man ebenfalls immer betonen: außer der ukrainischen und außer der russischen, denn die Gefahr für den Westen geht nicht von uns aus, sondern von der russischen Armee. Die russische Armee hat jetzt vier Jahre ernsthafter Kampferfahrung, die ihr in einem Konflikt mit dem Westen helfen wird, besonders in einem begrenzten Konflikt. Daran muss man denken. Und wir sind aus dieser Sicht nicht nur eine Festung, die den Westen vor Russland schützt, sondern auch eine Anleitung, wie das zu tun ist. Darüber muss man nachdenken, darum muss man sich kümmern, darüber muss man mit unseren Verbündeten sprechen. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, an den diejenigen denken müssen, die über ukrainische Argumente in der Situation unserer Integration in den Westen nachdenken. Es wird noch viele solcher schwierigen Episoden geben, nicht nur mit Ungarn. Sie sehen, wie sich der slowakische Ministerpräsident Robert Fico verhält. Und auch das ist übrigens, wie Sie verstehen, ein politisches Spiel, denn Fico versteht die Schwäche seiner Positionen in der Slowakei. Sie sind bei ihm viel schwächer, als sie es in besseren Zeiten bei Orbán in Ungarn waren. Eine schwache Koalition, die nur dank der Unterstützung rechtsradikaler prorussischer Kräfte hält, die Ablehnung der prorussischen, antislowakischen Position des slowakischen Ministerpräsidenten durch einen großen Teil der slowakischen Gesellschaft. Und auch das ist eine Spekulation auf Kosten der Ukraine.

Aber denken Sie daran, dass in den europäischen Ländern bereits eine ganze Reihe rechtsradikaler populistischer Politiker bereitsteht, die bereit sind, für russische, chinesische oder amerikanische Interessen zu kämpfen. Und wir haben jetzt aus der westlichen Presse erfahren, dass eine Gruppe russischer Polittechnologen nach Ungarn gereist ist. Sie verstehen doch, dass das dem Szenario des Jahres 2004 sehr ähnelt, als genau dieselben Leute übrigens dem Wahlkampf zugunsten des prorussischen Kandidaten, faktisch eines Agenten der russischen Geheimdienste, des niederträchtigen Viktor Janukowytsch, dienten. Das heißt, die Methoden sind immer dieselben. Und Sie verstehen: Dort, wo Polittechnologen sind, ist auch Geld. Und wenn dieses Geld in Ungarn eingesetzt werden kann, dann kann es in jedem anderen europäischen Land eingesetzt werden. Denn das ist in der Regel Schwarzgeld. Diese rechts- und linksradikalen Politiker geraten ständig in Geschichten mit russischer Finanzierung. Aber je häufiger sie hinein geraten, desto mehr lernen sie, diese Wünsche und diese Verbindungen nach Moskau zu tarnen.

Frage. Warum ist die Opposition in Ungarn nicht so stark? Worin liegt Orbáns Stärke? In Russland?

Portnikov. Nun, erstens ist die Opposition in Ungarn jetzt Führende im Parlamentswahlkampf. Sie liegt dort derzeit 8 bis 10 Punkte vor Orbán, und die Partei Tisza hat alle Chancen, die Parlamentswahlen zu gewinnen. Und warum war die Opposition so marginalisiert? Ich möchte Ihnen sagen: Sie haben nicht beobachtet, wie Orbán an die Macht kam. Mit Kritik an der Korruptheit der vorherigen Eliten, mit der Erzählung, dass alle Politiker korrupt, unfähig und zu nichts in der Lage seien. Orbáns Machtergreifung selbst, oder besser seine Rückkehr an die Macht, nach der er die Macht nie wieder aus der Hand gab, war ein völlig konkreter Moment. Aber wenn Sie damals in Ungarn gewesen wären und gesehen hätten, was während der Wahlen in diesem Land geschah, als Orbán seine Macht festigte, sagen wir so – das ist schon ziemlich lange her, man kann sagen im Jahr 2010 –, dann wurde diese Rückkehr an die Macht nach seiner nicht besonders langen ersten Amtszeit 1998 bis 2002 gerade von der Enttäuschung der Gesellschaft über die traditionelle politische Elite begleitet. Und es war völlig klar, warum man ihn unterstützte. Und noch ein sehr wichtiger Punkt war die Ausweitung des Kreises der Wahlberechtigten. Im Grunde erhielt jeder ethnische Ungar eine Stimme, selbst wenn er nie in Ungarn gelebt hatte. Und all diese Menschen stimmten aus Dankbarkeit für Orbán als ihren Beschützer und stimmten weiterhin für ihn. Fragen Sie unsere Landsleute aus Transkarpatien, für wen sie all diese Jahrzehnte gestimmt haben? Natürlich für Orbáns Partei. Diejenigen, die ungarische Pässe haben, natürlich – aber das ist eine kleine Wählergruppe, und es gibt sehr viel größere. Auch das ist also Teil der Geschichte. Dann die Kontrolle über die Medien, die Marginalisierung liberaler Medien. Das Problem hat also ziemlich einfache Bestandteile. Die Orientierung auf das lumpenisierte Publikum, Populismus, Telemarathon – nichts, was die Ukrainer nicht kennen würden. Darin liegt Viktor Orbáns Stärke. Sie erschöpft sich nur. Umso mehr, als Ungarn unter Orbán zu einem der ärmsten Länder der Europäischen Union geworden ist und keineswegs zu einem der reichsten. Nun, und ja, das russische Öl, seine Preise – sie haben genau so eine, würde ich sagen, Situation festgeschrieben, in der der Staat scheinbar sozial ist, es in ihm aber keinerlei Entwicklung gibt. Auch das ist bis zu einem gewissen Grad ein Gesetz dieses Erfolgs. Und auch wir haben nach solchen Rezepten gelebt. Nur dass Russland den Ukrainern im Unterschied zu den Ungarn die Ethnizität, die Identität, das Recht auf einen eigenständigen Staat abspricht. Sonst hätten auch wir dort in ganz derselben Form noch sehr lange vor uns hin faulen können. Hoffen wir, dass wir in dieser Situation keiner weiteren erheblichen Eskalation begegnen. Zumindest würde ich das gern glauben.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Навіщо Орбан затримав українців | Віталій Портников. 06.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 06.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Krieg gegen Iran: Die Eskalation breitet sich aus | Vitaly Portnikov. 05.03.2026.

Wir sprechen weiter über die Entwicklung des Krieges im Nahen Osten, der, wie wir verstehen, für die Lage in der Welt und für die Lage des russisch-ukrainischen Krieges sehr wichtig ist, der, so könnte man sagen, Teil des globalen Konflikts zwischen der demokratischen Welt und der Welt des Autoritarismus ist. Und all das geschieht jetzt, dieser Konflikt, vor dem Hintergrund der Fortsetzung des Krieges zwischen Russland und der Ukraine.

Was war heute das Wichtigste? Heute, so scheint mir, wäre die Nachricht, bei der man stehen bleiben sollte, die Fortsetzung der Ausbreitung des Konflikts. Wie ich schon gesagt habe, neigen die heutigen Kriege zur Ausbreitung und Fragmentierung. Ich habe darüber gesprochen, dass der russisch-ukrainische Krieg ganz sicher mit anderen Kriegen, mit anderen Konflikten verbunden sein wird, dass er sich auf die Sicherheit unserer Nachbarn auswirken muss. Und wir erinnern uns gut daran, wie man hier in der Ukraine aufmerksam das Auftauchen russischer Drohnen im Luftraum Polens verfolgte. Ich war damals in Lwiw, und es gab gerade einen großen Luftalarm. Und ich erinnere mich, wie ich mit unglaublichem Erstaunen, obwohl ich vielleicht auf etwas Ähnliches vorbereitet war, verfolgte, wie die Shaheds, die auf das Gebiet der Region Lwiw zuflogen, die Grenze der Ukraine überquerten und weiter in Richtung des polnischen Luftraums flogen.

Heute ist etwas Ähnliches im amerikanisch-iranischen Krieg geschehen. Vier Shaheds flogen in die aserbaidschanische Enklave Nachitschewan. Drei von ihnen erreichten Nachitschewan selbst, wurden nicht unschädlich gemacht. Eine explodierte auf dem Flughafen von Nachitschewan, was zur vorübergehenden Schließung des Luftraums führte. Und das ist natürlich etwas Neues im Vergleich zu den Schlägen gegen die Länder des Persischen Golfs, mit denen Iran sich seit dem ersten Tag dieses Krieges beschäftigt.

Ja, hier bestreitet Iran scheinbar schon die Tatsache selbst, den Schlag ausgeführt zu haben. Es gab sogar ein Gespräch zwischen den Außenministern Aserbaidschans und Irans. Und der iranische Außenminister Abbas Araghtschi äußerte tiefe Besorgnis über das Auftauchen dieser Drohnen. Er sagte, man müsse eine Untersuchung durchführen, und der Generalstab der iranischen Streitkräfte erklärte, diese Drohnen in Nachitschewan seien eine Provokation Israels.

Doch wir müssen begreifen, dass all dies viel ernster ist als nur ein paar Drohnen. Erstens ist es ein, wie ich sagen würde, demonstrativer Schlag: „Wir können das tun, und zwar nicht einfach auf dem Territorium Aserbaidschans, sondern gerade auf dem Territorium Nachitschewans.“ Nachitschewan ist eine Enklave, die von allen Seiten von den Gebieten anderer Staaten umgeben ist. Sie hat keine Grenze zu Aserbaidschan. Sie grenzt an Armenien, die Türkei und Iran.

Das ist das Stammland der Familie Aliyev. Der Vater des amtierenden Präsidenten Aserbaidschans, Heydar Aliyev, der in Aserbaidschan im Wesentlichen als Begründer der heutigen Macht, der heutigen aserbaidschanischen Staatlichkeit in ihrer jetzigen Form wahrgenommen wird, obwohl er natürlich nicht der erste Präsident Aserbaidschans war, sondern der dritte. Aber dennoch ist das eben der Fall, in dem der dritte Präsident zur wichtigsten Figur der neueren Geschichte wird. Aliyev wurde erneut Staatschef Aserbaidschans, nachdem er zuvor Erster Sekretär des Zentralkomitees der Partei gewesen war, gerade aus dem Amt des Vorsitzenden des Nachitschewaner Medschlis heraus. Deshalb hat Nachitschewan für die Familie Aliyev, für den Präsidenten selbst, sakrale Bedeutung. Das ist ein sehr wichtiger Punkt: Es ist ein Schlag gegen die Sicherheit in dieser Region.

Und der zweite Punkt: dieser berühmte Trump-Korridor, den Ilham Aliyev mit Nikola Paschinjan im Büro des amerikanischen Präsidenten abgestimmt hat. Er betrifft ja ebenfalls gerade Nachitschewan. Und Iran ist, wie bekannt, ein entschiedener Gegner dieses Projekts und betrachtete schon immer gerade seine Schaffung als einen unfreundlichen Schritt Bakus gegenüber dem iranischen Staat und versprach auf verschiedenen Ebenen offizieller Vertreter Rache für dieses Projekt.

Und jetzt, da sich eine Möglichkeit ergeben hat, wird zumindest ein solcher Effekt von Gefahr im Hinblick auf diese Route geschaffen: „Ihr investiert Geld, wollt etwas bauen, aber Drohnen können all eure Absichten zunichtemachen.“ Präsident Aliyev hat das übrigens sehr gut verstanden. Er trat mit einer sehr harten Erklärung auf einer eilig einberufenen Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates Aserbaidschans auf. Er drohte Iran mit der eisernen Faust. Er sprach mit verschiedenen Staatschefs anderer Länder. Interessant ist, dass Putin nicht darunter war.

Und zum ersten Mal seit langer Zeit sagte er, dass Aserbaidschan ein Leuchtfeuer der Hoffnung für die Aserbaidschaner im Iran sei. Man muss auch verstehen, dass im Iran, in drei Provinzen, von denen zwei gerade West- und Ostaserbaidschan heißen, mehr Aserbaidschaner leben als auf dem Territorium Aserbaidschans selbst. Nun, ein bisschen mehr. Wobei ihre Zahl unterschiedlich eingeschätzt wird. Manche meinen, es sei ungefähr dieselbe Bevölkerungszahl wie in Aserbaidschan, also etwa 10 bis 12 Millionen. Manche sagen, es gebe im Iran 22 Millionen Aserbaidschaner. Aber das ist in jedem Fall eine große Zahl, von großer Bedeutung. Und jetzt, in einer solchen Lage im Iran, wo sich die Frage nach der Überlebensfähigkeit des iranischen Regimes stellt, tritt natürlich die Frage der Loyalität der nationalen Gemeinschaften in den Vordergrund. Und Aliyev zeigte: „Wisst ihr, wenn ihr unsere Sicherheit untergrabt, werden wir die Frage aufwerfen, was mit den Aserbaidschanern im Iran geschieht.“ Und das ist ebenfalls ein ziemlich gewichtiges Moment in seinen Beziehungen zu Teheran.

Apropos nationale Minderheiten: Es lohnt sich zu sagen, dass die Gespräche über eine mögliche Beteiligung der Kurden an der mit Iran verbundenen Situation weitergehen. Wie wir sehen, sind Amerikaner und Israelis entschieden gegen jede Bodenoperation. Das ist ebenfalls eine Tatsache. Gleichzeitig denken sie aber über verschiedene Formen eines Bodeneinflusses auf das iranische Regime ohne Beteiligung amerikanischer Truppen nach. Und eine dieser Formen könnte eine kurdische Beteiligung sein, das Auftreten kurdische Verbände, die vom Irak aus in den Iran vordringen. Und die dann in jenen Regionen, in denen die kurdische Bevölkerung die Mehrheit bildet, versuchen würden, so etwas wie Quasi-Staatlichkeit, Autonomie zu errichten, so wie es in Syrien war.

Doch hier entstehen wiederum viele Fragen. In kurdischen Kreisen selbst gibt es kein besonderes Vertrauen zu den Amerikanern. Und es gibt die Befürchtung, dass eine Einmischung in die Angelegenheiten Irans ein Todesurteil für Irakisch-Kurdistan werden könnte, das eine der wenigen Stabilitätsinseln in dieser Region ist, sogar im Irak selbst. Und nicht zufällig bombardierten die iranischen Streitkräfte amerikanische Objekte in Erbil, der Hauptstadt Irakisch-Kurdistans, sowie andere dort befindliche Objekte. Die First Lady des Irak, sie ist die Ehefrau des Präsidenten, der Kurde ist, trat heute mit einem Aufruf auf, dass die Kurden keine Söldner seien und man sie nicht als Kanonenfutter benutzen solle. Das ist ein großer Appell, der im Grunde von der allgemeinen Stimmung zumindest eines Teils der kurdischen Elite spricht.

Der zweite ebenfalls sehr ernste Punkt ist, dass ein kurdischer Aufstand im Iran sofort in zwei Ländern Besorgnis auslösen könnte. Eines dieser Länder ist die Türkei, denn der Präsident der Türkei, Recep Tayyip Erdoğan, der bislang eine ziemlich neutrale Position einnimmt, aber eher eine gegenüber Trumps Handlungen sympathisierende, würde natürlich keinen kurdischen Aufstand wollen, weil das seine eigenen innenpolitischen Positionen erheblich verschlechtern würde. Eine Ausweitung Kurdistans würde für die Türkei große Probleme bedeuten.

Ein weiteres Land, das davor Angst haben könnte, ist Syrien, wo das ohnehin nicht sehr starke Regime von Ahmed al-Sharaa, das ständig in Konflikte mit kurdischen Gruppen im eigenen Land gerät, verstehen wird, dass ein Aufstand der Kurden im Iran den kurdischen Bestrebungen nach größerer Selbstständigkeit in Syrien zusätzlichen Impuls geben wird. Und natürlich könnte, wenn dieser Aufstand mit der Schaffung eines Quasi-Staates im Iran endet, das die kurdischen Militärs aus paramilitärischen Gruppierungen dazu bringen, die kurdischen paramilitärischen Kräfte in Syrien zu unterstützen, wo es dann viel schwieriger würde, irgendeine real handlungsfähige Zentralregierung zu schaffen.

Natürlich denkt Trump darüber nicht nach, und für Netanjahu gilt vielmehr: Je unausgeglichener die arabische Welt ist, desto ruhiger ist es für Israel, wenn die Araber sich mit ihren Problemen beschäftigen, sich mit den Kurden auseinandersetzen, und das bedeutet schon, dass sie Israel nicht anfassen werden. Und eine Destabilisierung der Türkei liegt im Prinzip ebenfalls im Interesse Israels, das Präsident Erdoğan jetzt als einen der Hauptgegner seiner eigenen Politik wahrnimmt. Aber das liegt ganz sicher nicht im Interesse der Vereinigten Staaten. Und das kann zu einem gewissen Problem für eine solche Operation werden, falls sie überhaupt stattfinden sollte. Gerade wenige Minuten vor unserer Sendung äußerte der iranische Präsident Peseschkian dem Gouverneur der entsprechenden Provinz eigens Dank dafür, dass die Kurden separatistischen Stimmungen entgegenwirken.

Ein weiteres wichtiges Ereignis des heutigen Tages, das buchstäblich wenige Minuten vor unserer Sendung stattfand, war der Wechsel des Ministers für Innere Sicherheit in den Vereinigten Staaten. Das hat natürlich auf den ersten Blick bis zu einem gewissen Grad keinen direkten Bezug zum russisch-ukrainischen Krieg und zum amerikanisch-iranischen Krieg. Aber ich sage Ihnen: Schon die Tatsache des Wechsels des Leiters einer so wichtigen Behörde in einem solchen Moment zeugt im Prinzip von einer gewissen Unsicherheit hinsichtlich der Effektivität des Systems. Der Name des neuen Ministers für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten ist bereits bekannt: Senator Markwayne Mullin. Das ist ein republikanischer Senator aus Oklahoma, und Kristi Noem, die dieses Ministerium bis zu diesem Zeitpunkt geleitet hat, wurde auf den Posten der Sondergesandten für den „Schild Amerikas“, eine amerikanische Sicherheitsinitiative in der westlichen Hemisphäre, berufen, die an diesem Samstag in Florida angekündigt werden soll. Noch weiß niemand, was genau der endgültige Inhalt dieser trump’schen Initiative sein wird. Aber es ist offensichtlich, dass dies kein Amt ist, das man in Einfluss und Gewicht mit dem des Leiters des Ministeriums für Innere Sicherheit vergleichen könnte. Auch das ist ein sehr wichtiger Moment.

Im Prinzip wird, wiederum, immer klarer, dass sowohl in Washington als auch in Jerusalem – und das sagte der israelische Verteidigungsminister Katz heute in seinem Interview klar – gerade auf einen Machtwechsel im Iran durch einen Volksaufstand gesetzt wird. Das heißt, es gibt die Hoffnung, dass dieser Volksaufstand zum vollständigen Zusammenbruch des Regimes führen wird, zum völligen Verlust irgendwelcher Instrumente der Staatslenkung durch das Regime. Und dass der Platz des Regimes von Aufständischen eingenommen wird, die die Kontrolle über die staatlichen Institutionen übernehmen. Und das ist selbstverständlich ganz und gar nicht das, was die gegenwärtige iranische Macht will, und vor allem das, was das Korps der Wächter der Islamischen Revolution will, in dessen Händen sich, man könnte sagen, seit langem die ganze Machtfülle im Staat befindet. Nur dass das Korps diese Einflüsse und diese Macht bis zum Tod von Ayatollah Khamenei mit ihm teilte. Aber man kann Ayatollah Khamenei klar als einen Mann des Korps bezeichnen. Und gerade dank des Einflusses des Korps und seiner Unterstützung verfügte Ayatollah Khamenei über jene unbegrenzte Macht in den Eliten, die er praktisch während seiner ganzen Zeit in diesem Amt hatte, obwohl ich gleich sagen will, dass er sie nicht hätte haben sollen. Als man ihn wählte, war das sicher nicht das, womit die iranischen Eliten rechneten.

Die Frage, was geschehen wird, wenn es keinen Volksaufstand gibt, scheint mir zumindest in der Vorstellung amerikanischer Politiker gar nicht zu existieren. Es gibt keinen anderen Plan, weil gleichsam mehrere Realitäten existieren. Da ist Trumps Realität, in der bereits alles entschieden ist, in der alles schon zerstört ist, in der die Iraner nichts mehr haben außer Mut, wie er heute sagte. Das ist eine verständliche Realität, von der er spricht. Und da ist die Realität, in der die amerikanische Botschaft in Kuwait buchstäblich wenige Minuten später ihre Arbeit einstellt, weil sie sich in diesem Land nicht sicher fühlt. Das ist eine völlig verständliche Geschichte.

Es gibt also sehr viele Fragen im Zusammenhang damit, was real geschieht. Und wenn man ernsthaft spricht, dann ist das, was real geschieht, was ich heute sehe, ein Wettlauf der Waffen. Das ist wirklich das, was heute geschieht. Was bedeutet dieser Wettlauf der Waffen? Wenn man darüber nachdenkt, bedeutet das, dass die Vereinigten Staaten das Raketenpotenzial Irans schneller zerstören müssen, als den Ländern des Persischen Golfs und Israel die Abfangraketen ausgehen. Wobei, soweit ich verstehe, Iran jetzt nicht so sehr an Israel interessiert ist wie an den Ländern des Persischen Golfs – dort alles zu zerstören, sowohl amerikanische Objekte als auch zivile Objekte dieser Länder, weil dort einfach viel mehr Raketen verbraucht werden. Sie haben in vier Tagen so viele Patriot-Raketen verbraucht, wie die Ukraine in vier Jahren. Und sie sind nicht so vorbereitet wie Israel. Und die Iraner haben dort keine Grenzen für diese Angriffe, denn zwischen Iran und Israel liegen andere Staaten, zwischen Iran und den Ländern des Persischen Golfs aber liegt nichts.

Und genau das ist jetzt das Hauptziel der Vereinigten Staaten: das Raketenpotenzial zu zerstören, solange noch etwas da ist, womit man sich verteidigen kann. Aber hier stellt sich die nächste Frage. Das Raketenpotenzial kann man vernichten – aber wenn das Regime bleibt, selbst wenn nicht auf dem ganzen Territorium, sagen wir, man trennt ihm irgendeinen Teil des Territoriums am Rand ab, kurdisches Gebiet. Okay. Aber es bleibt ihm eine enorme Menge an Drohnen. Und das Territorium Irans kontrollierst du nicht. Und diese Drohnen treffen weiterhin Objekte in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Saudi-Arabien, in Bahrain, in Katar, in Oman, sogar in Aserbaidschan. Und du weißt nicht, was du damit tun sollst. Du gibst dafür unglaublich teure Raketen aus, weil du einfach nicht verstehst, wie man diese Drohnen bekämpft, und sie fliegen weiter. Dann wird der Preis dieses Krieges letztlich so hoch, dass du nicht weißt, was du mit diesem Preis anfangen sollst.

Dann gibt es noch einen zusätzlichen Moment, den die Iraner offensichtlich nutzen wollen. Nur ist nicht klar, wie lange sie ihn nutzen können. Das ist das Öl. Trump sagt, die Straße von Hormus werde nicht geschlossen. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi sagt, die Straße von Hormus werde nicht geschlossen. Sie ist sozusagen nicht geschlossen, aber sie funktioniert nicht. Denn Iran hat die Idee, dort nur Tanker befreundeter Staaten durchzulassen. Das ist ungefähr dasselbe, was die Huthi im Roten Meer gemacht haben. Und in einer solchen Situation, wie Sie verstehen, kann man im Prinzip davon sprechen, dass in einer scheinbar nicht geschlossenen Meerenge keine Ölschiffe fahren. Das hat bereits ziemlich ernste Folgen. Das erhöht den Ölpreis, erhöht die Gaspreise. Das lenkt die Ölströme um. Bereits jetzt heißt es, dass Indien, das angeblich schon bereit war, auf russisches Öl zu verzichten, jetzt wieder beginnt, es in größerer Menge zu kaufen, weil es einfach keine Ölalternativen hat, weil das Öl, das Indien in Reserve hat, buchstäblich nur für 20 bis 25 Tage reicht. Und das ruft bereits Besorgnis in der indischen Regierung hervor. Das heißt, die Lage ist schwer.

Gerade diese Situation beabsichtigen die iranischen Ajatollahs im Kampf gegen die Vereinigten Staaten zu nutzen – obwohl das inzwischen nicht einmal mehr Ajatollahs sind, sondern die iranischen Generäle des Korps der Wächter der Islamischen Revolution, der IRGC. Gleichzeitig ist offensichtlich, dass Trump will, dass dieser Krieg so schnell wie möglich mit einem amerikanischen Sieg endet, weil er sieht, dass dieser Krieg von der Mehrheit der amerikanischen Gesellschaft nicht positiv aufgenommen wird. Aber es stellt sich die Frage, was er in diesem Krieg als Sieg betrachten wird, in einer Situation, in der die iranischen Führer ihm diesen Sieg nicht schenken wollen, wenn sie einstimmig sagen, dass sie den Krieg nicht beenden wollen und keinerlei Verhandlungen mit Washington wünschen.

Das ist genau der Fall, in dem beide Seiten glauben, dass die Zeit für sie arbeitet. Trump und Netanjahu sind überzeugt, dass sie das gesamte iranische Raketen- und Drohnenpotenzial zerstören und das Atomprogramm Irans begraben werden, und die iranischen Führer sind der Ansicht, dass sie Trump politisch unter der Last all jener politischen und wirtschaftlichen Probleme begraben werden, die sich mit jedem Tag dieses Krieges anhäufen.

Und wenn Trump aus diesem Krieg hervorgeht, während das iranische Regime erhalten bleibt und ohne irgendwelche realen Ergebnisse, die er vorweisen könnte, wird ihn das die Niederlage bei den Zwischenwahlen zum Kongress kosten. Und das ist ein Knoten, der sich, würde ich sagen, mit jedem neuen Tag dieses schwierigen Konflikts immer komplizierter zuzieht.

Ja, natürlich, wenn es gelungen wäre, das Regime in wenigen Tagen zu wechseln, wenn es nach dem Tod von Ayatollah Khamenei tatsächlich in sich zusammengefallen wäre, wenn es deswegen irgendeinen Volksaufstand gegeben hätte, angesichts der Zahl der Menschen, die dieses Regime hassen, denn das ist objektiv so, dann wäre das für Trump ein echter außenpolitischer Triumph gewesen. Aber mit jedem Kriegstag und erst recht mit seiner weiteren Ausbreitung werden Fragen entstehen, inwieweit die Vereinigten Staaten politisch auf diesen Krieg vorbereitet waren, inwieweit sie ein Gefühl für die Mehrvariantenhaftigkeit dieses Krieges hatten. Und auch das ist eine sehr wichtige Frage, wie Sie verstehen, denn heute sagte Präsident Volodymyr Zelensky, dass die Vereinigten Staaten sich an die Ukraine mit einem Hilfegesuch beim Abschuss von Drohnen gewandt hätten. Und die Ukraine sei bereit zu helfen – mit ihren Experten, ihren Beratungen, ihrer Hilfe.

Trump antwortete, er sei bereit, Hilfe von jedem Land anzunehmen, aber es war offensichtlich, dass ihn das alles irgendwie reizte. Er begann wieder davon zu sprechen, dass Zelensky ein Problem für die Unterzeichnung eines Friedensabkommens sei, dass er keine Karten habe. Und jetzt habe er noch weniger Karten. Ich glaube nicht, dass man all diesem Gerede eines Menschen große Aufmerksamkeit schenken sollte, der sich in einer der schwierigsten politischen Situationen seiner Karriere befindet und sehr gut versteht, dass, wenn er diesen Krieg verliert, er alles verliert. Und er kann jetzt alles sagen, was er will, denn das ist Stress.

Im Iran läuft alles nicht so, wie man dachte. Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat die Zölle aufgehoben und die Unternehmen beantragen bereits die Rückerstattung ihres Geldes. Und auch das wird die wirtschaftliche Lage sehr ernsthaft verschlechtern und die Perspektive des Trumpismus als solchen infrage stellen. Und hinzu kommt, dass der russisch-ukrainische Krieg nicht endet. Aber objektiv betrachtet ist offensichtlich, dass die amerikanischen Streitkräfte sich auf den realen Kampf gegen Drohnen nicht vorbereitet haben.

Und das überrascht mich, offen gesagt, weil sie diesen Krieg nun seit vier Jahren beobachten. Sie hätten begreifen müssen, welche Gefahr das ist. Sie hätten verstehen müssen, dass der Kampf gegen Drohnen – und dabei kämpfen sie noch mit iranischen Drohnen, die im Unterschied zu den russischen nicht modifiziert sind – eine Kunst ist, die nicht theoretisch ist, die nicht in Büros und nicht in Akademien gelehrt wird, sondern auf dem Schlachtfeld geübt wird. Und in einer solchen Situation tun sie, zumindest Trump, so, als erlaube er großmütig, dass die Ukraine ihm hilft, aus dieser schwierigen Lage herauszukommen, die ihn bald Dutzende Milliarden Dollar kosten wird. Denn wenn sie Drohnen mit Patriots zerstören, also mit Millionenraketen Drohnen im Wert von 30 bis 50 Dollar, die Iran in Hunderten produzieren kann, dann bedeutet das, dass der militärisch-industrielle Komplex der Vereinigten Staaten bald einfach ein Fiasko erleiden wird.

Und das ist kein Witz, denn es gibt jetzt zwei Armeen, die gelernt haben, im modernen Krieg zu kämpfen, einfach deshalb, weil sie kämpfen. Das sind die Streitkräfte der Russischen Föderation – und auch die nicht vollständig, weil sie nicht solche Herausforderungen hatten wie wir. Aber sie kämpfen für die andere Mannschaft, für China, für Iran, für Nordkorea. Ihre Aufgabe ist es, das amerikanische Potenzial zu zerstören und Amerika in die Knie zu zwingen, und sie werden in den kommenden Jahren alles Mögliche dafür tun, damit das geschieht. Zumal sie sich jetzt im Vorteil fühlen. Und die Streitkräfte der Ukraine. Und die zivilisierte Welt hat nur eine Armee, die die Logik des modernen Krieges versteht. Das sind die Streitkräfte der Ukraine. Das sind nicht die Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika, wie wir sehen, denn die Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika rennen jetzt mit einem Amboss hinter einer Fliege her.

Und das Ganze sieht nun so aus: Du hast eine riesige Menge grober Gewalt, aber wenn du gegen ein Insekt kämpfst, dann wird diese deine grobe Gewalt natürlich in wenigen Wochen eines solchen Kampfes zunichtegemacht. Und das ist sehr gefährlich, denn genau das wünschen die Iraner, die sagen: „Wir wollen den Krieg nicht beenden.“ Als man heute den iranischen Außenminister Abbas Araghtschi fragte, was er über die Möglichkeit der Präsenz amerikanischer Truppen im Iran denke, also von „boots on the ground“, sagte er: „Sollen sie doch kommen, wir warten hier auf sie, um sie hier zu vernichten.“

Das ist also eine einfache Rechnung: Den Vereinigten Staaten zu zeigen, dass sie mit Iran nichts anfangen können, während Iran die ganze Region destabilisieren kann. Und wenn man auf diese dreisten Pläne der iranischen Ajatollahs keine richtige militärische Antwort hat, dann können sie Donald Trump tatsächlich unter seiner eigenen Selbstüberschätzung begraben. Und deshalb ist Donald Trump natürlich außer sich, dass er nichts vorweisen kann und selbst im russisch-ukrainischen Konflikt nichts vorweisen kann. Deshalb sind all diese Erklärungen, die der amerikanische Präsident abgibt, einfach ein weiteres Zeugnis seiner politischen Unzulänglichkeit, dass er sich seine Realität ausdenkt, in dieser Realität lebt und außer sich gerät, wenn diese Realität nichts mit der Welt zu tun hat, in der wir mit Ihnen leben.

Und selbst wenn wir ihm die Hand reichen, um ihn aus dem Sumpf zu ziehen, in den er sich selbst manövriert hat – durch eine inkompetente Personalpolitik, durch Unverständnis der Lage und mangelnde Durcharbeitung der Lage –, ist er noch beleidigt. Dabei wollen wir, wie Sie verstehen, als Freunde der Vereinigten Staaten ganz sicher nicht, dass die Vereinigten Staaten bei ihrem Versuch, eines der grausamsten und abscheulichsten Regime der modernen Welt zu zerstören, scheitern. Ein Regime, an dessen Händen nicht nur das Blut der eigenen Landsleute klebt, die bei den letzten Protesten umkamen – und das sind, wie Sie wissen, Tausende Menschen –, nicht nur das Blut der Israelis, die bei den Bombardierungen getötet wurden, nicht nur das Blut der Libanesen, die von der Hisbollah vernichtet wurden, als sie sich gegen diese vom Iran unterstützte terroristische Organisation stellten, nicht nur das Blut der Palästinenser, die von der Hamas vernichtet wurden, sondern auch das Blut einer großen Zahl von Ukrainern, angefangen bei den Passagieren des Zivilflugzeugs, das auf dem Flughafen von Teheran zerstört wurde. Jetzt, denke ich, verstehen viele, dass das kein Zufall war. Und ganz zu schweigen von den Opfern der iranischen Drohnen, denn wir verstehen, welche wichtige Rolle die iranischen Soldaten bei Drohnen in der ersten Phase des russisch-ukrainischen Krieges gespielt haben. Und niemand weiß, ob diese Drohnen heute tatsächlich nicht mehr produziert werden. Wir haben ja bereits gesehen, wie diese iranischen Drohnen aussehen, die man in den Vereinigten Arabischen Emiraten findet. Sagen wir, dort steht auf Russisch „Geran“. Das kann bedeuten, dass die Iraner in Wirklichkeit eine gewisse Zahl von Drohnen für Russland produzieren, ihnen aber russische Namen und russische Markierungen geben, um ihre Beteiligung am russisch-ukrainischen Krieg zu verschleiern.

Das sind also die Hauptfragen, die man heute erörtern konnte. Ich werde auf einige Fragen antworten, die bereits gestellt wurden.

Frage: Der israelische Geheimdienst hat gezeigt, dass er mehr weiß, als man sich vorstellen kann. Wie kann man sich dann so bei den Drohnen verschätzen? Das ist doch von einem anderen Kontinent aus verständlich, wie können dem Militär solche Fehler unterlaufen?

Portnikov: Nun, erstens denke ich, dass das unterschiedliche Behörden sind. Zweitens verstehen Sie: Der israelische Geheimdienst arbeitet mit dem Material, das er erhält, und zwar über Jahrzehnte, seit der Gründung des Staates Israel. Sie werben Agenten an, sie brechen in die Datenbanken anderer feindlicher Länder ein. Sie tun alles Mögliche, um neue technische Errungenschaften zu nutzen. So wie diese Geschichte, dass sie einfach alle Verkehrskameras im Iran gehackt haben, die übrigens nicht nur geschaffen wurden, um den Straßenverkehr zu überwachen, sondern auch, um zu überwachen, wie Frauen Hidschabs tragen. Deshalb waren sie, würde ich sagen, im Hinblick auf die Lage auf den Straßen detaillierter als gewöhnliche Verkehrskameras. Und auch das half dabei, nachzuverfolgen, wie Ayatollah Khamenei und andere Vertreter der Islamischen Republik sich durch Teheran bewegten. Aber all das ist eine verständliche, ich würde sagen, Arbeit des Mossad, die in vielen Büchern beschrieben und in vielen Serien gezeigt wurde.

Was aber Drohnen und all das betrifft, ist das eine neue Situation, die buchstäblich in den letzten Jahren entstanden ist. Israel ist ihr nicht begegnet, weil seine Kriege mit der Hamas und mit der Hisbollah nicht mit dem Einsatz dieser Technologie verbunden waren. Als iranische Drohnen nach Israel flogen, erreichten sie es einfach nicht. Deshalb war völlig unklar, warum das eine so große Gefahr sein sollte. Es gab keine konkrete Arbeit des Militärs, und unseren Krieg haben sie folglich nicht professionell verfolgt. Und das ist wirklich ein großes Problem. Das ist dasselbe Problem wie das Versagen der israelischen Geheimdienste am 7. Oktober 2023.

Aber warum ist das so? Das sind die Ergebnisse der langjährigen Herrschaft Benjamin Netanjahus in Israel, der sich bei der Auswahl von Führungspersonal in den Sicherheitsstrukturen nicht gerade durch Professionalität auszeichnet, der Loyalität höher schätzt als Professionalität, ideologische Nähe höher als Professionalität. Und unter diesem Blickwinkel geschieht das, was in Israel passiert und diesem Staat erlaubt durchzuhalten, faktisch gegen die Vorstellungen des gegenwärtigen israelischen Premierministers über die Funktionsweise dieses Staates. Und ich denke nicht, dass man den Ukrainern erklären muss, wie das geschieht. So geschieht das eben. Israel ist nicht das einzige solche Land. Und das ist nicht einmal eine Frage der Inkompetenz Netanjahus. Es ist eine Frage dessen, dass er das Amt des Premierministers in eine Festung seines eigenen politischen Selbsterhalts verwandelt hat, und das diktiert eben andere Regeln.

Und Sie wissen, dass heute Präsident Trump vom Präsidenten Israels, Chaim Herzog, zu verlangen begann, dieser solle Benjamin Netanjahu unverzüglich begnadigen. Obwohl der Präsident Israels dafür keinerlei rechtliche Möglichkeit hat, denn damit er den Premierminister Israels begnadigen kann, müsste dieser zunächst seine Schuld eingestehen, was Netanjahu nicht tun will. Aber das ist eben eine Situation, in der man gleichzeitig das Land verteidigen und gleichzeitig Gegenstand von Gerichtsverfahren sein muss. Und natürlich, wenn du Gegenstand von Gerichtsverfahren bist und die Regierung führst, dann hast du deine eigenen Vorstellungen davon, wer den Geheimdienst, die Armee und so weiter führen soll. Was ist daran erstaunlich? Das ist zugleich die Antwort auf die Frage: Bei Trump ist alles klar, aber versteht Netanjahu die Risiken denn nicht? Nun, erstens nicht alle, und zweitens kann er von anderen Motiven geleitet werden.

Frage: Ukrainer und auch Sie haben 2023 in Ihren Sendungen über die Gefahr iranischer Drohnen für Israel gesprochen. Wie konnte Israel das verpassen?

Portnikov: Nun, es gibt keine idealen Sicherheitssysteme. Israel konnte denken, dass sein Luftverteidigungssystem ideal sei, weil es jahrelang ausschließlich mit improvisierten Raketen aus dem Gazastreifen und aus dem Libanon zu tun hatte. Selbst Raketenangriffe auf Israel, wie Sie sehen, die mit moderneren Raketen erfolgen, schaffen bereits ein Problem für den Iron Dome. Und daher, als wir sagten: „Wissen Sie, in Israel ist es so, warum ist es bei uns nicht so? Gebt uns den Iron Dome“, musste man verstehen, dass gegen jene Raketen, die Russland in unseren Himmel schickt, das israelische System nicht wirksam sein kann. Man darf seine Möglichkeiten nicht überschätzen.

Wir haben andere Vorteile, die Israel nicht hat, schon allein die Größe des Territoriums. Sie verstehen doch, dass Israel vom Territorium her einfach etwa die Größe der Oblast Kyiv hat. Insofern gibt es hier ein ziemlich ernstes Moment, das damit verbunden ist, dass man wirklich schwer verstehen kann, warum das israelische Militär dem, was während des russisch-ukrainischen Krieges geschah, keine Aufmerksamkeit schenkte, obwohl völlig klar war, dass Iran mit seinen Drohnenlieferungen an Russland die Ukraine im Grunde als Testgelände für seine eigenen Shaheds nutzt. Und ich habe darüber im Jahr 2022 gesprochen, nicht erst 2023. Ich habe darüber in der israelischen Presse geschrieben. Leider hat man dem keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt. Ich habe auf Hebräisch geschrieben, nicht in der russischsprachigen Presse.

Zuschauer: Ich bin der Meinung, dass die Ignorierung der Möglichkeit, den Himmel über der Westukraine wenigstens gegen Shaheds zu schließen, der Hauptfehler und das Hauptversäumnis der gesamten militärischen Führung sowohl der USA als auch Europas ist.

Portnikov: Nun, sowohl in den USA als auch in Europa war man der Ansicht, dass das Schließen des Himmels über der Westukraine mithilfe westlicher Luftverteidigungsmittel, sagen wir, ein direkter Eintritt in den Konflikt sei. Ich habe nie verstanden, warum, und bis heute verstehe ich es nicht, denn als 2022 russische Flugzeuge mit Piloten über der Ukraine flogen, konnte man eine solche Logik vielleicht noch nachvollziehen. Aber worin besteht das Vergehen, eine russische Rakete oder eine Drohne abzuschießen? Es ist doch eine Drohne. Eine Drohne. Warum soll ein westlicher Schlag gegen russische Waffen ein Verbrechen sein und notwendigerweise zu einem entsprechenden Schlag Russlands gegen irgendein westliches Land führen? Das verstehe ich bis heute nicht, aber ich halte das für eine irrationale, würde ich sagen, Angst vor Russland, Angst vor dem Krieg, denn es gab keinerlei Gefahr eines direkten Kontakts mit den Streitkräften der Russischen Föderation im Falle der Schließung des Himmels über der Westukraine oder überhaupt über der halben Ukraine.

Ich rede gar nicht erst davon, dass wir vorgeschlagen haben, diesen Himmel als Sicherheitsmaßnahme nicht für uns, sondern für Polen und Rumänien zu schließen, ein gemeinsames Luftverteidigungssystem zu schaffen. Ich sage Ihnen, ich habe das vorgeschlagen, nachdem Drohnen im Luftraum Polens und Rumäniens aufgetaucht waren, übrigens. Und wie Sie sich erinnern, wurde kurz darüber gesprochen, und darüber sprach der polnische Außenminister Radosław Sikorski. Damit war die ganze Geschichte beendet. Sehr bedauerlich, dass das so ist.

Frage: Glauben Sie nicht, dass sich die Welt eher auf einen Kalten Krieg wie zu seinem ersten Höhepunkt in den 1950er-Jahren zubewegt und nicht auf einen Dritten Weltkrieg?

Portnikov: Nein, das glaube ich nicht, denn der Kalte Krieg ist in erster Linie ein Wirtschaftskrieg und nicht jener heiße Krieg, in dem wir jetzt mit Ihnen leben und in dem immer mehr und mehr Länder leben werden. Vor dem Kalten Krieg stand der Koreakrieg. Gerade das Ende des Koreakrieges nach dem Tod Stalins gab die Möglichkeit, zum kalten Gegensatz überzugehen und die These vom friedlichen Zusammenleben von Ländern mit unterschiedlicher Gesellschaftsordnung zu schaffen, wie sie auf den Parteitagen der Kommunistischen Partei der Sowjetunion gebilligt wurde. Das wurde zur ideologischen Voraussetzung des Kalten Krieges: „Wir kämpfen an irgendwelchen lokalen Abschnitten, ohne zu einem wirklichen Zusammenstoß miteinander zu kommen, und verhindern einen wirklichen Zusammenstoß miteinander.“ Das hier ist aber kein Kalter Krieg, denn es kommt zu einem direkten Zusammenstoß westlicher Waffen mit, sagen wir, chinesisch-russisch-iranischen Waffen. Das ist also eine sehr gute Frage.

Frage: Was werden die Vereinigten Staaten tun, wenn ihnen die Luftabwehrraketen ausgehen?

Portnikov: Nun, an Ihrer Stelle würde ich zuerst darüber nachdenken, was wir tun werden, wenn die Luftabwehrraketen ausgehen. Denn wenn sie den Amerikanern ausgehen, dann gehen sie auch uns aus. Aber ich sage ja noch einmal: Die Amerikaner rechnen damit, dass sie ihnen später ausgehen als dem Iran die Raketen, und sie beantworten sich nicht die Frage, was sie mit den Drohnen tun werden, selbst wenn es ihnen gelingt, das Raketenprogramm Irans außer Gefecht zu setzen. Aber im Moment ist noch die große Frage, wie die Lage in einigen Tagen und Wochen aussehen wird.

Frage: Sind Länder wie Japan, Südkorea und Taiwan auf ein irakisches, also ein iranisches Szenario eines Angriffs auf alle vorbereitet?

Portnikov: Das ist eine sehr gute Frage, angesichts des offensichtlichen chinesischen Wunsches, Taiwan unter Kontrolle zu bringen, angesichts der Drohungen Chinas gegenüber Japan. Auf der letzten Münchner Konferenz trat der Außenminister der Volksrepublik China und Mitglied des Politbüros des ZK der KP Chinas, Wang Yi, mit diesen Drohungen öffentlich auf. Die Frage ist, inwieweit sie die Erfahrung unseres Krieges studiert haben. Nun, auf Taiwan müsste man sich, wie Sie verstehen, dafür interessieren. Es wäre seltsam, wenn man sich auf Taiwan nicht für diese Erfahrung interessieren würde. Inwieweit man das in Südkorea versteht? In Südkorea könnte man durchaus der Ansicht sein, dass die Präsenz der amerikanischen Armee auf ihrem Territorium gerade die Garantie der Sicherheit sei. Aber wir sehen ja, dass das in Wirklichkeit nicht so ist. In Wahrheit ist die Präsenz amerikanischer Militäranlagen auf deinem Territorium eher ein Anlass für einen Angriff auf dich. Wie Sie sehen, hat Iran keine Angst, amerikanische Militärbasen anzugreifen. Und das ist ebenfalls bis zu einem gewissen Grad, wenn Sie so wollen, ein Tabubruch. Früher meinte man, dass Länder wie Russland oder die Vereinigten Staaten alles tun könnten, was sie wollen, und niemand werde ihnen antworten, jedenfalls nicht auf dem Territorium, das sie selbst nicht angreifen. Jetzt aber zerstören die Ukrainer während der Operation „Spinnennetz“ eine russische Basis. Sie greifen mit Drohnen Ölraffinerien und den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation an, Flugplätze. Und das ist bereits die Norm des russischen Lebens, wie sich herausstellt. Und Iran schlägt jetzt gegen amerikanische Basen auf dem Territorium der Länder des Persischen Golfs, und demonstriert damit, dass das Vorhandensein eines amerikanischen Objekts bei dir gerade eine Frage der Destabilisierung ist. Damit sagt es diesen Ländern: „Wenn ihr in Frieden leben wollt, jagt die Amerikaner aus eurem Land.“

Nun, dasselbe könnte zwischen Nord- und Südkorea geschehen. Denken Sie jetzt einmal darüber nach: Warum sollte Nordkorea in einer solchen Situation nicht Südkorea angreifen, sondern amerikanische Basen in Südkorea? Und was wird Trump tun, da er weiß, dass er es mit einem Nuklearstaat zu tun hat? Und warum sollte die Volksrepublik China Kim Jong-un nicht als Proxy-Kraft benutzen, um noch einmal Trumps Hilflosigkeit zu zeigen, wenn der Wunsch besteht, sie von allen Seiten zu zeigen, dass er wie ein Kind ist, ein großes Kind, das wahllos zuschlägt, zerstört und sich nicht vor irgendeinem kleinen Insekt retten kann?

Frage: Kann Trump im Zusammenhang mit dem Krieg gegen Iran ein Amtsenthebungsverfahren bekommen?

Portnikov: Nein, das kann er nicht. Der Senat der Vereinigten Staaten hat zugestimmt, dass der Präsident der Vereinigten Staaten militärische Maßnahmen gerade ohne Anrufung des Kongresses durchführen kann. Die von den Demokraten eingebrachte Resolution, Trump unter die Kontrolle des Kongresses zu stellen, ist gescheitert. Im jetzigen Kongress, der von den Republikanern kontrolliert wird, kann Trump sich ausreichend komfortabel fühlen. Die Hauptfrage ist, was nach den Zwischenwahlen zum Kongress geschehen wird. Und tatsächlich bin ich sicher, dass die Demokraten, falls sie den Kongress gewinnen, alles Mögliche tun werden, um Trump von der politischen Bühne Amerikas zu entfernen. Die Frage ist, welchen Anlass sie dafür wählen werden. Ich bin nicht sicher, dass es der Krieg mit Iran sein wird, denn dieser Staat bedrohte objektiv sowohl Israel als auch die Vereinigten Staaten selbst. Aber wir wissen doch nicht, was in diesen Monaten geschehen wird. Sie sehen doch, dass hier jede Woche etwas geschieht, das es noch nie gab und das zur juristischen Grundlage für fünf Amtsenthebungen werden könnte. Die Logik ist also ziemlich einfach. Wenn der Wille da ist, werden sich juristische Grundlagen für ein Impeachment finden. Und diesen Willen gibt es bei den Demokraten zweifellos. Das ist völlig klar. Und auch das wird nach den Ergebnissen der Zwischenwahlen klar sein. Auch das ist sehr offensichtlich.

Frage: Wenn Sie sagen, dass Iran das ukrainische Flugzeug nicht zufällig abgeschossen hat – warum hat Iran das getan?

Portnikov: Das könnte ein Test der Reaktion gewesen sein. Solche Länder testen sehr oft die Reaktion auf ihre Verbrechen. Wie weit alle bereit sein werden, das als Zufall dessen hinzunehmen, was sich im Luftraum ereignet. Danach kann man einfach auf Grundlage des Präzedenzfalls weiterdenken.

Frage: Wie verstehen Sie, verändert sich die Rolle der Ukraine als militärischer Verbündeter des Westens nach den Ereignissen im Iran?

Portnikov: Ich bin der Meinung, dass sie sich verändert. Ich sage es noch einmal: Ich glaube, dass die Ukraine jetzt die Hauptkraft des modernen Krieges ist. Die ukrainischen Streitkräfte. Ich würde Ihnen sagen: Besser, wir hätten diese Erfahrung nicht. Offensichtlich ist an einer solchen Erfahrung nichts Gutes, aber wir haben sie bekommen. Nun, bekommen haben sie in erster Linie unsere Militärs. Und das ist ein gewaltiges Kapital, denn in modernen Kriegen hat eine echte Revolution stattgefunden, wie Sie verstehen. Und diese Revolution ist gerade von den Streitkräften der Ukraine wirklich begriffen worden, und auch von den Streitkräften der Russischen Föderation, aber nicht bis zum Ende, weil es auf ihrem Territorium praktisch keinen Krieg gibt. Sie kämpfen auf unserem. Das ist ein unterschiedliches Maß an Wahrnehmung der Realität und an Fähigkeit, auf sie mit neuen Erfindungen zu reagieren. Ganz abgesehen davon, dass wir nicht auf Wohnviertel schießen, wenn wir auf den russischen militärisch-industriellen Komplex schlagen, die Russen aber schon – auch das ist ein anderer Grad der Erfindung. Und die Iraner schlagen, wie Sie sehen, auf zivile Viertel. Also denke ich, dass sich die Rolle der Ukraine verändern wird, was immer Trump darüber denken mag, besonders wenn reale Voraussetzungen für ein europäisches Verteidigungsbündnis geschaffen werden.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Війна проти Ірану:ескалація розповзається | Віталій Портников. 05.03.2026.
Autor : Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 05.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Alijew droht mit der „Eisernen Faust“ | Vitaly Portnikov. 05.03.2026.

Der Präsident Aserbaidschans, Ilham Alijew, droht nach dem iranischen Angriff mit der eisernen Faust jedem, der die Souveränität seines Landes verletzt – eines Landes, das nach den Worten Alijews keine Angriffe von seinem Territorium auf das Gebiet benachbarter Staaten zulässt.

Alijew betonte, dass die Handlungen Irans eine schwarze Undankbarkeit seien – vor dem Hintergrund seines Mitgefühls über den Tod von Ajatollah Khomeini sowie der Hilfe, die Aserbaidschan bei der Evakuierung iranischer diplomatischer Vertreter aus dem Libanon geleistet habe.

Alijew unterstrich außerdem, dass diese Handlungen der Iraner damit zusammenhängen könnten, dass sein Land, wie er sich ausdrückte, eine Quelle der Hoffnung für viele ethnische Aserbaidschaner sei, die im Iran leben. Und diese Erklärung kann zweifellos ebenfalls zu einer weiteren Verschärfung der Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten führen.

Allerdings hat nicht Alijew diese Verschärfung der Beziehungen begonnen. Der Schlag iranischer Drohnen gegen Aserbaidschan zeigte die Bereitschaft Teherans, seine Positionen im Krieg mit den Vereinigten Staaten weiterhin durch die Destabilisierung benachbarter Staaten zu stabilisieren. Und ein Angriff gerade auf Aserbaidschan neben den Ländern des Persischen Golfs ist aus der Sicht der iranischen Führung völlig logisch. Auch wenn dies außerhalb der Region möglicherweise nicht besonders wahrgenommen wird.

Bekanntlich haben sich Ilham Alijew und der armenische Premierminister Nikol Paschinjan mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump auf die Schaffung eines Transportkorridors geeinigt, der sowohl den Interessen ihrer Länder als auch den Interessen der Vereinigten Staaten und des Welthandels entspricht – jedoch nicht den Interessen Irans. In Teheran bestand man stets darauf, dass der Transportkorridor über iranisches Territorium verlaufen solle und nicht über das Territorium Armeniens, um so der Schlüssel zu stabilen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Aserbaidschan und der Türkei zu bleiben.

Auch die Tatsache selbst, dass der Transportkorridor unter Kontrolle der Vereinigten Staaten stehen sollte, wurde von der iranischen Führung als offener Akt der Feindseligkeit seitens der Führung der Türkei, Aserbaidschans und vermutlich auch Armeniens wahrgenommen – gegenüber Armenien hatte man in Teheran offenbar nur deshalb weniger Vorwürfe, um die Beziehungen nicht gleichzeitig mit allen Nachbarn zu verderben.

Allerdings kann es gut sein, dass diese Verschlechterung der Beziehungen noch bevorsteht. Denn noch vor Kurzem demonstrierten Baku und Teheran ihre Bereitschaft zu guter Nachbarschaft und zur Schaffung gemeinsamer Infrastruktur. Und es ist daran zu erinnern, dass der vorherige Präsident Irans bei einer Flugzeugkatastrophe gerade während der Zeremonie zur Eröffnung eines solchen neuen Infrastrukturprojekts ums Leben kam – in Anwesenheit des Präsidenten Aserbaidschans, Ilham Alijew.

Nun stellt sich die Frage: Warum gerade ein Angriff auf den Flughafen von Nachitschewan? Nun, auch das ist aus der Sicht der Destabilisierung der Situation ein vollkommen logischer Schlag. Nachitschewan hat eine effektive Verbindung zu Aserbaidschan gerade auf dem Luftweg. Und so wirkt sich die Blockade des Flughafens, die Unmöglichkeit Flüge durchzuführen, unmittelbar auf das normale Leben der Bevölkerung dieser gesamten autonomen Republik aus – und auch auf die Interessen Aserbaidschans, das damit die normale Verbindung zu einem Teil seines Territoriums verliert.

Und das ist überhaupt keine neue Situation, sondern eine, die bereits durch die Erfahrungen früherer Kriege im Südkaukasus erprobt ist. Die Iraner haben also nichts Neues erfunden.

Im Verteidigungsministerium Aserbaidschans stimmte man daher auch nicht mit der Erklärung des Generalstabs der iranischen Streitkräfte überein, der betonte, dass keine Angriffe auf Aserbaidschan durchgeführt worden seien und es sich um eine sogenannte Provokation der Zionisten handele.

Auch in dieser Erklärung steckt ein Motiv, das die Absichten Irans zeigt. Bekanntlich war man in Teheran stets unzufrieden mit den militärischen Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Israel und wartete auf einen Moment, um sich für diese Beziehungen an dem Nachbarland zu rächen – und nun zugleich zu versuchen, Israel des Angriffs auf Aserbaidschan zu beschuldigen. Dabei hatte Jerusalem überhaupt keinen Anlass, das Gebiet Nachitschewans anzugreifen, wenn man die guten Beziehungen berücksichtigt, die im letzten Jahrzehnt zwischen Israel und Aserbaidschan aufgebaut wurden.

Umso offensichtlicher wird nun, dass vier Drohnen auf Nachitschewan gerichtet waren. Zwei konnten deaktiviert werden, eine explodierte auf dem Flughafen von Nachitschewan, und nun muss Baku Flüge zu seiner Enklave über das Territorium der Türkei organisieren.

Eine weitere explodierte neben einer der Dorfschulen. Und wir verstehen, dass ein paar Meter näher – und wir würden jetzt über den Tod von Kindern in dieser Schule sprechen, über erhebliche Zerstörungen an diesem Gebäude. Man kann sagen, dass es schlicht Glück für die Kinder war, die sich während des Unterrichts in der Schule befanden und den Einschlag der Shahed-Drohne sahen.

Das ist sowohl ein Element der Einschüchterung eines Nachbarstaates als auch, wenn man so will, eine iranische Investition in die Zukunft – so wie man diese Zukunft im Korps der Wächter der Islamischen Revolution versteht. Das heißt: die Schaffung von Bedingungen, unter denen die nach Donald Trump benannte Transportroute als riskant gilt und die Administration der Vereinigten Staaten gezwungen sein wird, zu Verhandlungen über einen Transportkorridor mit Iran zurückzukehren – ebenso wie die Führung Aserbaidschans, Armeniens und natürlich auch der Türkei.

Man kann sich über eine solche Taktik natürlich wundern – aber ist es nicht genau eine solche Taktik, die der Verbündete der Islamischen Republik, Russland, im russisch-ukrainischen Krieg erprobt? Russland versucht, die Ukraine in ein Gebiet zu verwandeln, das zum Leben und zum Transit ungeeignet ist, um die europäischen Länder von der Notwendigkeit zu überzeugen, Lieferwege für russisches Gas über Pipelines zu nutzen, die speziell als Alternative zu ukrainischen Transitrouten gebaut wurden.

Und jetzt, da in Europa ein Mangel an Energieträgern entstehen könnte und damit eine der größten Krisen des 21. Jahrhunderts beginnen könnte, erinnert Russland erneut an seine alternativen Routen und droht damit, den europäischen Ländern das Gas abzudrehen, ohne auf neue Sanktionen der Europäischen Union zu warten.

Die Alternative besteht darin, auf die Ukraine zu verzichten und der Öffnung all jener Ströme zuzustimmen, die Russland gerade deshalb gebaut hat, um an die Unzulässigkeit von Handelsrouten über die Ukraine zu erinnern.

Genauso wie Russland heute handelt, handelt auch Iran: Es versucht, Handelsrouten über das Territorium Armeniens, Nachitschewans und weiter in Richtung Türkei zu blockieren, um selbst der einzige unverzichtbare Korridor für die gesamte Region zu bleiben – und in dieser Rolle dann mit der amerikanischen Administration zu verhandeln, wenn, wie man in der iranischen Führung hofft, die Administration Trump die Aussichtslosigkeit ihrer Versuche erkennen wird, das Regime der Ajatollahs zu stürzen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Алієв погрожує «Залізним кулаком» | Віталій Портников. 05.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 05.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Iran griff Aserbaidschan an | Vitaly Portnikov. 05.03.2026.

Iranische Shahed-Drohnen griffen das aserbaidschanische Nachitschewan an. Eine der Drohnen explodierte im Gebäude des örtlichen Flughafens, eine andere in der Nähe einer Schule in einem der aserbaidschanischen Dörfer. Damit ist Aserbaidschan zu einem weiteren Land geworden, das im Verlauf des andauernden Krieges dieses Landes mit den Vereinigten Staaten und Israel von Iran angegriffen wurde.

Natürlich ist es nicht das erste Land. In den vergangenen Tagen hat Iran aktiv die Länder des Persischen Golfs angegriffen, vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain. Doch diesmal kann man davon sprechen, dass der Krieg über die Grenzen des Persischen Golfs hinausgegangen ist. 

Zuvor gab es Informationen über mögliche Angriffe der Islamischen Republik auf das Territorium der Türkei, doch sowohl in Teheran als auch in Ankara wurde das Auftauchen einer iranischen Rakete im Luftraum der Republik Türkei bestritten. Das Auftauchen iranischer Drohnen im Luftraum Aserbaidschans wird in Baku jedoch nicht bestritten, und dort wurde bereits erklärt, dass der iranische Botschafter in Aserbaidschan einbestellt werde, um ihm eine Protestnote zu überreichen.

Selbst wenn in Teheran davon gesprochen werden sollte, dass das Auftauchen der Drohnen im Luftraum Aserbaidschans ein Fehler gewesen sei, und man sich entschuldigen sollte, ist offensichtlich, dass dieser Angriff ein weiteres Signal darstellt. Länder, die mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten, können im Falle einer Fortsetzung des Krieges zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran nicht mit irgendeiner Sicherheit rechnen.

Außerdem sollte man daran erinnern, dass Aserbaidschan in den vergangenen Monaten Verhandlungen über die Öffnung neuer Handelswege in der Region geführt hat. Und Iran gefielen diese Gespräche sowie die Tatsache, dass neue Handelsrouten zu einer Alternative zu den Routen werden könnten, die durch Iran führen, niemals besonders.

Und nun, vor dem Hintergrund des Krieges, ist es durchaus möglich, dass sich in Teheran Menschen gefunden haben, die der Ansicht sind, man könne der Führung Aserbaidschans mit Gewalt erklären, dass Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten in eine sicherheitspolitische Sackgasse führen. Und dass dieses Land keine normale wirtschaftliche Entwicklung gewährleisten kann, wenn Aserbaidschan weiterhin mit Präsident Trump über eine nach ihm benannte Route verhandelt.

Und wie wir sehen, helfen keinerlei Versuche, Neutralität oder sogar Loyalität in den Beziehungen zu den iranischen Behörden zu bewahren. Der Präsident Aserbaidschans, Ilham Alijew, war einer der Staatschefs der Nachbarländer, der sein Beileid im Zusammenhang mit der Liquidierung des Oberhauptes der Islamischen Republik, Ajatollah Chamenei, und anderer hoher iranischer Funktionäre zum Ausdruck brachte und sogar einen entsprechenden Eintrag im Kondolenzbuch hinterließ. 

Das war eine offensichtliche Geste, die demonstrieren sollte, dass Aserbaidschan trotz guter Beziehungen zu den Vereinigten Staaten versucht, auch mit Iran gute Beziehungen zu bewahren – selbst während des Krieges, selbst auf die Gefahr hin, dass dieser Schritt des aserbaidschanischen Präsidenten in Washington kaum besondere Zufriedenheit hervorrufen konnte. Doch auch dieser Schritt bewahrte Aserbaidschan nicht vor dem Angriff iranischer Drohnen, denn die iranische Führung hat diplomatische Gesten niemals besonders geschätzt und die Situation stets sehr einfach, in Schwarz-Weiß-Kategorien wahrgenommen: „Entweder ihr helft uns im Kampf gegen unsere Feinde, oder ihr seid Verbündete unserer Feinde. Und dann ist euer Territorium ein natürliches Ziel für Angriffe Irans.“

Darüber hinaus gibt es noch zusätzliche Faktoren, die erklären können, warum man sich in Teheran nicht vor Angriffen auf Aserbaidschan fürchtet. Einer dieser Faktoren ist die militärische Zusammenarbeit zwischen Aserbaidschan und Israel. In dieser Situation kann man in Teheran der Ansicht sein, dass das Auftauchen von Drohnen im Luftraum Aserbaidschans ein Signal an all jene ist, die glauben, Israel sei der Hauptschuldige am Angriff auf Iran – und dass Länder, die gute Beziehungen zu Israel unterhalten, damit Teil dieses Programms zur Zerstörung der mutigen Islamischen Republik sind, die von der Liquidierung des jüdischen Staates träumt.

Ein weiterer wichtiger Punkt hängt mit der sogenannten aserbaidschanischen Frage im Iran zusammen. Denn wir verstehen sehr gut, dass vor dem Hintergrund einer Schwächung der islamischen Staatlichkeit – die stets auf der Verneinung der Existenz nationaler Minderheiten als eigenständiger politischer Faktor beruhte – Fragen nach der Rückgabe jener Rechte aufkommen werden, die diese Minderheiten, wenn man die Aserbaidschaner im Iran überhaupt als Minderheit bezeichnen kann, in einem demokratischen und zivilisierten Staat haben müssten.

Und vor diesem Hintergrund werden sowohl die Aserbaidschaner als auch die Kurden, die Belutschen und andere Völker Irans versuchen, laut über ihre Rechte zu sprechen. Damit kann sich für die Führung in Teheran die Frage stellen: Welche Länder könnten diesen Forderungen und Erinnerungen mit Sympathie begegnen? Und natürlich ist das erste solche Land gerade Aserbaidschan, denn die Kurden haben keinen eigenen Staat, der an ihre Rechte erinnern könnte.

Übrigens bombardiert Iran nicht zufällig Erbil und andere Ziele im irakischen Kurdistan, das zwar kein unabhängiger Staat ist, aber dennoch ein Zentrum der kurdischen nationalen Präsenz darstellt. Die Belutschen haben ebenfalls keinen eigenen Staat, die Aserbaidschaner jedoch schon. Und dieser Staat kann aufmerksam verfolgen, was auf dem Territorium Irans mit ethnischen Aserbaidschanern und ihren Rechten geschieht.

Daher kann man den Beginn einer solchen Konfrontation als Signal der iranischen Führung an Baku betrachten: „Mischt euch nicht ein. Ihr solltet nicht nur Kondolenzschreiben im Zusammenhang mit dem Tod unserer Führer unterzeichnen, sondern auch schweigen, wenn wir repressive Maßnahmen gegenüber euren Landsleuten ergreifen. Und natürlich müsst ihr eure Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und zu Israel reduzieren, wenn ihr ruhig leben wollt. Denn der nächste Schritt, den wir unternehmen können, falls unser Regime überlebt, wären energische Maßnahmen zur Ablösung eures eigenen Regimes.“

Und das ist übrigens kein Scherz. Wir sehen, dass Iran vor dem Hintergrund dieses Krieges Anstrengungen unternimmt, einen schiitischen Aufstand in Bahrain zu organisieren, um die Macht der sunnitischen Dynastie zu zerstören, die in diesem Königreich herrscht. Und möglicherweise rechnet man damit, dass Saudi-Arabien in der aktuellen Situation nicht genügend Ressourcen haben wird, um die bahrainische Königsfamilie vor der eigenen Bevölkerung zu schützen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Иран ударил по Азербайджану | Виталий Портников. 05.03.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 05.03.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Krieg im Iran: neue Eskalation | Vitaly Portnikov. 04.03.2026.

Wir setzen unsere Beobachtung des großen Krieges im Nahen Osten fort, des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen das Regime im Iran – eines Krieges, der bereits seit einigen Tagen andauert und mit jedem Tag neue wichtige Züge annimmt, die auch für uns sowie für die weiteren Folgen des russisch-ukrainischen Krieges von Bedeutung sind.

Welche Hauptpunkte möchte ich also in unserem heutigen Gespräch hervorheben? Der erste und wichtigste Punkt ist: Was werden die amerikanischen Streitkräfte an diesem nun bereits neuen Kriegstag tun, welche Taktik verfolgen sie? Darüber sprach der Kriegsminister der Vereinigten Staaten, Pete Hegseth.

Übrigens: Haben Sie jetzt verstanden, warum Donald Trump das Verteidigungsministerium in ein Kriegsministerium umbenannt hat, obwohl er mit dem Slogan an die Macht kam, er werde der friedliebendste Präsident der Vereinigten Staaten sein, er müsse den Friedensnobelpreis bekommen? Doch schon die Umbenennung des Verteidigungsministeriums in das Kriegsministerium hat gezeigt, dass in Trumps wirklichem politischen Programm – nicht als Kandidat, sondern als Präsident – gerade Kriege die nächsten Jahre seiner Amtszeit bestimmen sollen. Nicht Verteidigung, sondern Angriff.

Und das ist im Grunde absolut logisch, wenn man berücksichtigt, dass die Vereinigten Staaten versuchen, die politischen und energetischen Möglichkeiten der Volksrepublik China als ihres wichtigsten Konkurrenten in der Welt zu begrenzen. Und ohne einen großen Krieg gegen Chinas Proxy-Kräfte ist das natürlich nicht zu erreichen. Und wir sehen bereits, wie dieser große Krieg buchstäblich vor unseren Augen seine Züge und Besonderheiten annimmt.

Wenn wir also darüber sprechen, was die Amerikaner tun wollen, verstehen wir bereits: Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Kontrolle über den Luftraum der Islamischen Republik zu erlangen, die Raketenfähigkeiten der Islamischen Republik zu zerstören. Das sagen sie ganz klar: die iranische Flotte zu zerstören, das Atomprogramm zu stoppen und die Bewaffnung einer ganzen Reihe terroristischer Organisationen durch Iran in der Region zu beenden – Organisationen, die eben die destabilisierende Kraft der Islamischen Republik darstellen. Die wichtigsten dieser Organisationen sind natürlich die Hamas im Gazastreifen, die am 7. Oktober 2023 Israel einen überraschenden Schlag versetzte – und das wurde, wie ich sagen würde, zur Ouvertüre einer endgültigen Destabilisierung der Region. Das ist die Hisbollah im Libanon, die lange Zeit den Libanon destabilisiert und unter iranischer Unterstützung faktisch kontrolliert hat und nun die Kampfhandlungen gegen Israel fortsetzt. Und das sind die jemenitischen Huthi, die im Wesentlichen den Schiffsverkehr im Roten Meer gestoppt haben. Und jetzt, wie wir sehen, setzt das iranische Korps der Wächter der Islamischen Revolution diese „Arbeit“ fort und blockiert faktisch die Straße von Hormus – und schafft damit Chaos und eine Katastrophe auf dem Energiemarkt der ganzen Welt, wo die Ölpreise ziemlich schnell steigen und, wenn der Krieg noch einige Tage und Wochen weitergeht, weiter steigen, steigen und steigen werden.

Das ist die Hauptaufgabe der Vereinigten Staaten. Sie glauben: Wenn sie die Kontrolle über den iranischen Luftraum herstellen, die Startanlagen zerstören, von denen Raketen abgefeuert werden, die Zentren der iranischen Macht zerstören und die iranische Flotte zerstören, dann öffnen sie den Weg für einen iranischen Aufstand gegen das Regime, das sich jetzt in einer sehr schwierigen Lage befindet, und sie werden helfen, Iran in einen normalen, nicht-extremistischen Staat zu verwandeln.

Aber das ist ein Plan. Wie weit er sich umsetzen lässt, ist eine sehr große Frage – aus dem einfachen Grund, dass, wie Sie verstehen, selbst die Entziehung des iranischen Raketenpotentials noch nicht bedeutet, dass das Korps der Wächter der Islamischen Revolution und seine zivilen Verbündeten, die Basidschi, nicht mit militärischer Gewalt die Kontrolle über das Territorium Irans behalten werden. Denn Protestierende brauchen keine Raketen, sondern Maschinengewehre.

Das bedeutet nicht, dass das iranische Regime ohne eine Bodenoperation der amerikanischen Armee das Territorium seines Landes nicht effektiv kontrollieren wird, und dass es tatsächlich gelingen wird, Bedingungen für einen Machtübergang an irgendeine andere Bewegung zu schaffen. Man kann verstehen, dass die Amerikaner – weil sie sich nicht in eine Bodenoperation hineinziehen lassen wollen – auf die nationalen Minderheiten Irans hoffen könnten, insbesondere auf die Kurden, mit denen sie Gespräche führen. Aber das bringt die Vereinigten Staaten in ziemlich schwierige Beziehungen zu ihrem wichtigen Verbündeten Türkei, die natürlich vor dem Entstehen eines neuen kurdischen Quasi-Staates an ihren Grenzen zurückschrecken wird und in diesem Fall alles Mögliche tun wird, um das iranische Regime zu stabilisieren – selbst das Regime der Ajatollahs.

Es gibt noch ein weiteres ziemlich ernstes Problem, das man erwähnen muss, wenn wir über den weiteren Verlauf der Ereignisse sprechen. Und das ist das, was – wie ich verstehe – amerikanische Senatoren erschreckt hat, die aus einem Briefing herauskamen, das Sicherheitsbehörden im US-Kongress für sie durchgeführt hatten: Sie wirkten offen erschrocken und sagten: „Die Lage ist viel schlimmer, als ihr denkt“, ohne ins Detail zu gehen.

Doch erste Details meldete der Sender CNN. Und diese Details sind das, was wir sehr gut kennen. Ich würde sagen: Wir erleben es jeden Tag. Das sind Shaheds. Vertreter der Trump-Administration sagten den Gesetzgebern, dass Shaheds eine sehr ernsthafte Herausforderung seien und dass dass das amerikanische Luftverteidigungssystem nicht garantieren könne, alle Drohnen abzufangen. Und dass dies ein unterschätztes Problem sei: Sie fliegen niedrig, starten langsam, können Luftabwehrmittel besser umgehen als ballistische Ziele.

Wir wissen bereits, dass die Amerikaner und ihre Verbündeten in diesen wenigen Tagen der Operation im Iran faktisch ihren Jahresvorrat an Patriot-Abfangraketen verbraucht haben. Können Sie sich überhaupt vorstellen, was mit uns gewesen wäre, wenn wir Shaheds mit Patriots abgeschossen hätten? Und das ist wirklich eine sehr ernste Geschichte, die zeigt: Moderner Krieg ist keine Theorie, sondern Praxis.

Es scheint doch: Die Amerikaner haben ein Luftverteidigungssystem, von dem wir nur träumen können – modernste Radare, Satelliten, eine Luftverteidigung, die nicht nur am Boden, sondern auch auf See und im Luftraum steht. Und dennoch ist es den Iranern gelungen, das modernste amerikanische Radar mit ihrem primitiven – warum sage ich „primitiv“? Weil die Russen die iranische Shahed längst deutlich verbessert haben – mit einer Shahed zu beschädigen.

Und das ist ein ziemlich ernstes Problem. Dass Shaheds mit Patriots abgeschossen werden, dass Shaheds mit NASAMS-Systemen abgeschossen werden, dass andere Systeme der amerikanischen Luftverteidigung faktisch Verluste erlitten haben – das ist es, was sich in diesen Tagen gezeigt hat. Und ich würde sagen: Das ist eine ziemlich ernste Geschichte – eine Geschichte von Selbstüberschätzung. Von gefährlicher Selbstüberschätzung, die, wenn schon nicht zur Niederlage, dann doch zu erheblichen Verlusten führt. Wie Sie verstehen, darüber rede ich seit Februar 2022.

Iran hat sich sorgfältig auf einen Krieg vorbereitet, dessen Ziel die Zerstörung Israels, das Ausradieren Israels von der politischen Landkarte der Welt ist. Und diese Ziele verfolgt das iranische Regime weiterhin – so wie in Russland das Ziel weiter verfolgt, den ukrainischen Staat zu zerstören und ihn von der politischen Landkarte der Welt zu löschen. Die Iraner lieferten den Russen ihre Shaheds nicht umsonst. Übrigens: Jetzt setzen sie im Kampf gegen die Länder des Persischen Golfs „Geran“-Drohnen ein, die ihnen die Russen liefern. Also einen modifizierten Drohnentyp, der bald am Himmel über den Hochhäusern Dubais oder Abu Dhabis auftauchen könnte.

Durch die Lieferung dieser Shaheds und die Beobachtung ihres Einsatzes beginnen sie zu verstehen, wie man vorgehen muss. Deshalb wird der russisch-ukrainische Krieg für sie zu einem Testgelände für den zukünftigen Krieg. Und die Amerikaner beobachten, wie Sie verstehen, den Krieg Russlands gegen die Ukraine nicht annähernd so sorgfältig – zumindest auf militärischer Ebene. Sie geben uns Ratschläge vor allem am Telefon. Dabei hätten sie von ukrainischen Militärs lernen sollen, wie man ohne Patriots und ohne NASAMS mit Shaheds zurechtkommt, die viel moderner und stärker modifiziert sind als die iranischen. Mit all diesen Shaheds werden sie in den nächsten Phasen dieses Konflikts – oder eines anderen – noch konfrontiert werden.

Darin liegt die Bedeutung der ukrainischen Armee. Darin, dass es heute real zwei moderne Armeen gibt, die fähig sind, in einem neuen Krieg zu kämpfen: die Streitkräfte der Russischen Föderation – aber sie stehen auf der anderen Seite, sozusagen auf Pekings Seite. Und wir wissen, dass chinesische und nordkoreanische Offiziere und Generäle an die Frontlinie kamen, um zu verstehen, wie man kämpft – um von den Russen zu lernen. Und die Streitkräfte der Ukraine – das Einzige, was der Westen heute gegen diese moderne russische Macht hat: nuklear, drohnenbasiert, raketenbasiert.

Russland bereitet sich aktiv auf den modernen Krieg vor. Wenn Iran in vier Tagen so ernsthafte, ich würde sagen, Schläge gegen das Luftverteidigungssystem der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten am Persischen Golf führen kann, dass das sogar amerikanische Senatoren erschreckt – dann stellen Sie sich vor, was mit diesen Ländern passieren wird, wenn sie beginnen, gegen Russland oder China zu kämpfen: mit einer größeren Zahl von Drohnen, moderneren Drohnen – und mit dieser kindlichen Überheblichkeit, dass sie jetzt mit Patriots, sozusagen, alle Raketen und Drohnen wegschießen, die gegen sie gerichtet sind.

Und denken Sie an noch etwas anderes. Man kann Iran seines Raketenarsenals berauben – das stimmt. Aber wenn du dem iranischen Regime die Kontrolle über das Territorium lässt, und es dich mit Drohnen terrorisiert – was dann? Wir haben ein hervorragendes Beispiel: die Ukraine, die Raffinerien der Russischen Föderation zerstört, die militärische Objekte dieser Föderation zerstört – mit Drohnen allein. Wir hatten bis vor Kurzem fast keine Raketen. Die Raketen, die wir hatten, durften wir faktisch nur gegen die besetzten Gebiete der Ukraine einsetzen. Und wir haben das gesamte große Territorium Russlands – zumindest den europäischen Teil – beschossen, Brände in Betrieben ausgelöst, Flugzeuge und Rüstungsfabriken außer Gefecht gesetzt – mit Drohnen allein.

Und stellen Sie sich nun vor, Iran macht das gegen die Länder des Persischen Golfs: gegen die Vereinigten Arabischen Emirate, gegen Bahrain, Katar, Kuwait. Nicht zufällig sprechen die Monarchen all dieser Länder jetzt mit dem ukrainischen Präsidenten. Das ist absolut richtig. Denn selbst wenn man sich vorstellt, dass die Amerikaner alle ihre militärischen Ziele im Iran erreichen, aber nicht die politischen – und das ist absolut real –, dann bedeutet das, dass sich über den Persischen Golf für viele Jahre ein Nebel permanenter Angriffe legen wird. Niemand wird mehr in Dubai oder Abu Dhabi Urlaub machen. Flugzeuge werden ihre Flughäfen bei jeder neuen Drohnenattacke ständig umfliegen. Für die Ölmonarchien würde das eine dauerhafte Katastrophe bedeuten. Und es ist noch unbekannt, ob sie in einer Situation, in der Drohnen ständig Tanker treffen, die durch die Straße von Hormus fahren, überhaupt noch Öl liefern können – Öl, das dann natürlich goldene Preise kosten wird, was zu einer harten und unaufhörlichen Krise der gesamten westlichen Wirtschaft führen wird. Ein wunderbares Bild.

Oder hätte man nicht versuchen sollen, Drohnen irgendwo bei Ternopil oder bei Iwano-Frankiwsk abzuschießen, wenn es einem zu beängstigend war, nach Charkiw zu fahren? Hier haben Sie eine perfekte Illustration dafür, wie die stärksten Staaten im Kampf gegen Barbaren manchmal durch ihre Überheblichkeit alles verlieren und vor unseren erstaunten Augen zugrunde gehen. So ging Rom zugrunde. Natürlich glaube ich nicht, dass es mit den Vereinigten Staaten so sein wird, aber das Beispiel ist sehr vielsagend – für die Unfähigkeit, die Realität zu bewerten.

Deshalb denke ich: Das Erste, was Donald Trump jetzt tun sollte, ist Zelensky anzurufen und zu sagen: „Herr Präsident, helfen Sie uns, aus dieser Situation herauszukommen.“ Und zu sagen: „Wir haben euch doch so geholfen, ihr müsst dankbar sein.“ Nun – es ist unklar, was Trump Zelensky jetzt im Gegenzug anbieten könnte, denn echte Waffen wird er bald nicht mehr haben. Sie werden am iranischen Frontabschnitt zusammen mit den Luftverteidigungssystemen aufgebraucht sein – und diese Systeme werden dann sogar für den Schutz der Vereinigten Staaten selbst fehlen, wenn das in diesem Tempo weitergeht.

Wo und wann Verhandlungen überhaupt stattfinden werden, ist völlig unklar. Offensichtlich nicht in Abu Dhabi, offensichtlich nicht in den nächsten Tagen. Und überhaupt hat Russland das Interesse an diesen Verhandlungen verloren, denn es schaut, was auf dem russisch-ukrainischen „Brett“ infolge des Krieges mit Iran passieren wird. Putin fühlt sich bereits fast als Sieger.

Sie werden fragen: Warum? Iran brennt doch. Nun, Putin denkt nicht an Iran, sondern an Öl und Gas. Er sieht, welche unglaubliche Energiekrise jetzt auf Europa zurollt. Und er wartet, ich würde sagen, auf Loyalitätsbekundungen. Nicht umsonst ist der ungarische Außenminister Péter Szijjártó, ein alter Freund der russischen Führung, von Putin mit dem Orden der Freundschaft ausgezeichnet, sogar nach Moskau geflogen. Und Putin sagt bereits, Russland werde selbst Gasvolumina auf andere Märkte umleiten. Wir verstehen sogar, auf welche: auf die chinesischen.

Die Idee ist sehr einfach: Energieträger vom europäischen Markt abziehen, um eine Energiekrise in der Europäischen Union zu fördern, und zu versuchen, die Chinesen zu überzeugen, dass nur russisches Gas und russisches Öl ihnen Stabilität sichern werden – in einer Situation, in der die Amerikaner bereit sind, Chinas Wirtschaft abzuwürgen, um ihnen die Möglichkeit zu nehmen, venezolanisches und iranisches Öl zu reduzierten Preisen zu kaufen. Und dann kann Putin auch mit Xi Jinping nicht im Ton eines Vasallen sprechen, sondern im Ton eines Retters.

Und natürlich wird ihm in einer solchen Situation der Erfolg zu Kopf steige. Welche Verhandlungen? Welche Verhandlungen, wenn Trumps Krieg ihm den Erfolg buchstäblich auf dem Silbertablett serviert. Und er genießt diesen Erfolg bereits – unter dem „Begleitsound“ der Gespräche, er sei ein unzuverlässiger Verbündeter und könne Iran nicht retten. Warum sollte er Iran retten, wenn das, was rund um Iran passiert, ihm gerade zusätzliche Einflussmöglichkeiten verschafft – so wie übrigens das, was rund um Venezuela passiert ist. Je weniger Möglichkeiten China hat, venezolanisches und iranisches Öl zu kaufen, desto besser für Putin. Denn China, das billiges und nicht besonders hochwertiges Öl für einen großen Teil seiner Wirtschaft und seiner Raffinerien sucht, wird dann keine Alternative außer dem russischen haben.

Und deshalb ist es heute für uns eine sehr gute Nachricht, russische „Öltanker“ zu treffen – weil China dann auch keine russische Alternative haben soll. Dann wird Putin nicht so selbstsicher wirken, wie er und seine Beamten in den letzten Tagen dieses russisch-iranischen Krieges wirken. Und natürlich wird das sehr stark davon abhängen, wie die Islamische Republik selbst am Ende dieses Verlaufs aussehen wird. Dass sich ihre Apparatschiks sehr sicher fühlen, kann ich auch nicht sagen. Das ist klar – unter solchen Bombardierungen, unter solchen Schlägen. Zumindest sind auch alle Gespräche darüber, dass es gelingen werde, schnell einen Nachfolger für Chamenei zu wählen, ins Leere gelaufen – denn die Israelis sagen bereits, dass jeder neue Rahbar ein Ziel der israelischen Armee sein wird.

Und auch eine Sitzung des Expertenrates selbst ist jetzt nicht so einfach durchzuführen. Die Beerdigung Ayatollah Chameneis wird verschoben, und es ist unklar, ob sie stattfinden kann – ob die Iraner bereit sein werden, massenhaft Menschen irgendwo in Maschhad zu versammeln, um eine solche feierliche Beerdigung abzuhalten. Obwohl: Wenn sie Massenopfer unter den Trauergästen anstreben, um dann Amerikanern und Israelis die Schuld zu geben, können sie so etwas ziemlich leicht tun.

Gestern gab es die Meldung, dass der Sohn Ayatollah Chameneis, Mojtaba Chamenei, Oberster Führer geworden sei. Für mich wäre seine Wahl völlig logisch. Warum? Ich habe das in diesen Sendungen im Prinzip schon erklärt – ich kann es wiederholen: Ali Chamenei hat in der Islamischen Republik ein völlig besonderes Machtsystem geschaffen, das nicht dem System ähnelt, das sein Vorgänger Ayatollah Chomeini geschaffen hatte.

Ayatollah Chomeini schuf seine eigene Diktatur des islamischen Klerus. Ayatollah Chamenei aber erhielt reale Macht in seinem Amt – weil er nicht der stärkste Führer der Islamischen Republik war – ausschließlich dank der Unterstützung des Korps der Wächter der Islamischen Revolution. Und so wurde faktisch das Korps der Wächter zur realen Macht im Iran und drängte den islamischen Klerus zurück. Und nun entscheidet genau dieses Korps, wer das neue Staatsoberhaupt sein wird. Mojtaba Chamenei – ebenso wie ein anderer Ayatollah, der jetzt als Übergangsführer dieses Landes gilt, als „vorläufiger Oberster Führer“, was in der Logik der Islamischen Republik eine sehr seltsame Position ist – Ayatollah Alireza Arafi und Mojtaba Chamenei sind beide Menschen, die dem Korps der Wächter der Islamischen Revolution nahestehen.

Es gibt noch einen realen Anwärter: den Enkel Chomeinis – Seyed Hassan Chomeini, der als jemand gilt, der Iran zum Regierungsstil seines Großvaters zurückführen könnte, also zu einem Stil, in dem der islamische Klerus die Zukunft Irans bestimmt und nicht die Führer des Korps der Wächter, die als Radikale gelten, die zur Konfrontation um der Konfrontation willen bereit sind. Und wenn man darüber nachdenkt, ist das für einen solchen Sicherheitsapparat eigentlich völlig logisch. 

Das heißt: Im Iran ist dasselbe passiert, was in Russland in den 1990er- und 2000er-Jahren geschah, als endgültig Leute aus dem ehemaligen Komitee für Staatssicherheit der Sowjetunion an die Macht kamen, das zum Föderalen Sicherheitsdienst der Russischen Föderation wurde. Nun – sie kamen direkt an die Macht. Sie begannen nicht, sich, sozusagen, hinter irgendeinem zivilen Führer zu verstecken, sondern brachten einen FSB-Oberstleutnant auf den höchsten Posten im Land, der in einem Jahr eine steile Karriere vom kleinen Beamten in Jelzins Administration zum Präsidenten Russlands machte. Das bedeutete, dass sie jeden Versuch aufgaben, den Anschein zu erwecken, es gebe in Russland eine wirklich demokratisch gewählte Macht. Nein – dort herrscht der FSB.

Nun, und im Iran herrscht die IRGC, und das muss man einfach verstehen. Aber sie verkünden es nicht. Selbst wenn sie abgestimmt haben, können sie – aus Angst, dass der neue Oberste Führer getötet wird – zuerst nach Möglichkeiten suchen, seine Sicherheit zu gewährleisten. Das ist sehr schwierig in Bedingungen, in denen die Israelis sich an Verkehrskameras angeschlossen haben, in denen Aufklärungsarbeit ziemlich gut organisiert ist, in denen bereits Paranoia herrscht. Einerseits musst du Sicherheit gewährleisten, andererseits musst du bekanntgeben, wer den Staat führt, damit die Gesellschaft versteht, dass der Widerstand gegen die Vereinigten Staaten und Israel bereits in den Händen eines realen neuen Führers liegt, der bereit ist zu kämpfen.

Sie verstehen: Diese Menschen haben eine eigene Unterstützungsbasis, die Wiederherstellung von Legitimität erwartet – und nicht, dass an der Spitze Irans irgendein „provisorischer Rat“ oder „provisorischer Führer“ steht. Dabei wirkt der provisorische Rat so, als treffe er überhaupt keine Entscheidungen. Der Präsident der Islamischen Republik, Masud Peseschkian, ist überhaupt irgendwo verschwunden. Er ist fast nicht präsent. Er macht keine ernsthaften Erklärungen, obwohl er der Präsident der Republik ist. In den Vordergrund trat der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, Ali Laridschani, einer der engsten Vertrauten Ayatollah Chameneis. Aber auch seine Position ist nicht einfach. Er versuchte zweimal, für das Präsidentenamt zu kandidieren. Und zweimal verweigerte ihm dieser Expertenrat, der entscheidet, wer darf und wer nicht, das Recht zur Kandidatur. Das sagt auch viel aus – über die Beziehungen in diesen Strukturen.

So sehen wir: Auf der einen Seite gibt es eine Erosion des Regimes, auf der anderen Seite sehen wir die Fähigkeit dieses Regimes zum Widerstand – denn es kämpft weiter ziemlich ernsthaft, zumindest indem es die Lage in den Ländern des Persischen Golfs destabilisiert. Das ist ebenfalls sehr wichtig. Und es stellt sich die Frage, ob die Iraner genug Kraft haben werden, diese Angriffe fortzusetzen. Das hängt auch damit zusammen, was in den nächsten Tagen geschieht. Haben die Iraner genug Raketen, um weiterhin die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und andere Länder des Persischen Golfs zu terrorisieren?

Übrigens: Laut Statistik wurden 50% aller iranischen Raketen und Shaheds gerade gegen die Vereinigten Arabischen Emirate gerichtet – nicht gegen Israel –, obwohl die Vereinigten Arabischen Emirate keine direkte Beteiligung an den Schlägen der USA und Israels gegen Iran haben, ebenso wenig wie andere Länder des Persischen Golfs. Aber klar ist: Diese Destabilisierung ist eine ziemlich ernste Geschichte, die darauf abzielt, die Iraner zu Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten zu bewegen.

Die Vereinigten Staaten waren auf andere Bedingungen und eigene Bedingungen in den Verhandlungen eingestellt. Und sie können hoffen, dass die Destabilisierung der Lage, die Shahed-Gefahr – all das – zu einem realen Problem für die weitere Entwicklung des amerikanisch-iranischen Krieges für Amerika wird.

In den nächsten Tagen wird also klar sein, ob Iran sein ganzes Potenzial genutzt hat oder nicht – und ob er es auffüllen kann. Denn, wie Sie wissen, spricht die Präsenz von „Geran“-Trümmerteilen auf den Straßen der Städte der Vereinigten Arabischen Emirate dafür, dass Russland dem Iran jetzt seine Drohnen liefern kann – so wie einst Iran Russland Shaheds lieferte. Wenn irgendwelche Versorgungskanäle noch existieren, kann das natürlich für die Amerikaner und die Israelis eine ziemlich ernste Geschichte werden. Für die Amerikaner in erster Linie – weil, wie Sie verstehen, Shaheds Israel über das Territorium mehrerer Länder erreichen, aber wenn es diese Barriere nicht gibt, ist das auch ein ziemlich ernster Punkt.

Und man kann noch einen wichtigen Punkt nennen: Es hat bereits ein vollumfänglicher Seekrieg begonnen. Ein amerikanisches U-Boot hat heute ein iranisches Schiff versenkt. Menschen wurden von Sicherheitskräften aus Sri Lanka gerettet, weil das in den Territorialgewässern oder nahe den Territorialgewässern Sri Lankas geschah. Und auch das zeigt, dass der Krieg neue Drehungen und eine neue Eskalation bekommt – auch auf See. Nun, wir werden sehen, wie sich das in den nächsten Tagen entwickelt.

Das sind, würde ich sagen, die ersten Punkte einer Analyse dessen, was sich im Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen das iranische Regime verändert. Ich werde auf die Fragen antworten, die während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Können die Vereinigten Staaten eine Bodenoperation im Iran mithilfe der Kurden aus dem irakischen Kurdistan beginnen?

Portnikov: Das ist eine gute Frage, denn wie wir verstehen, ist genau diese Idee jetzt eine der wichtigsten in der amerikanischen politischen Denkweise: Man müsse eine Bodenoperation nicht selbst, sondern mit den Händen kurdischer Milizen beginnen. Vertreter der Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten führten Gespräche mit kurdischen Vertretern – sowohl iranischen als auch irakischen. Und genau deshalb hat Iran den Flughafen in der Hauptstadt des irakischen Kurdistan und andere militärische Objekte in diesem Gebiet bombardiert.

Aber hier gibt es gleichzeitig mehrere Fragen.

Erste Frage: Inwieweit berücksichtigen die Vereinigten Staaten den türkischen Faktor in dieser Situation? Und wie könnte das die Position der Türkei zu dem verändern, was im Iran geschehen wird? Das ist ein ziemlich ernstes Problem.

Zweite Frage: Wie sehr sind die Kurden selbst bereit, den Amerikanern zu vertrauen, nachdem die Trump-Administration die syrischen Kurden faktisch fallen gelassen und sie zu Vereinbarungen mit der neuen syrischen Regierung gezwungen hat, die den Kurden, die ihren Quasi-Staat auf syrischem Gebiet unter amerikanischer Schirmherrschaft geschaffen haben, offensichtlich nicht gefallen. Und werden diese Kurden nicht denken, dass die Amerikaner, wenn es ihnen später mit kurdischen Händen gelingen sollte, im Iran eine andere Macht, eine andere Regierung an die Macht zu bringen, ihnen ebenso wenig Aufmerksamkeit schenken werden, wie sie ihnen in Syrien Aufmerksamkeit geschenkt haben? Das heißt: Um real etwas mit den Kurden zu vereinbaren, hätte man sie damals nicht verraten dürfen. Das sind also einige wichtige Begrenzungen für reale Handlungen.

Frage: Wie wahrscheinlich ist Ihrer Meinung nach der Zerfall Irans in nationale Teile – Aserbaidschaner, Kurden, Belutschen? Denn Perser machen nur die Hälfte der Bevölkerung aus.

Portnikov: Das ist eine sehr gute Frage, denn dann wird klar, inwieweit die Iraner in diesen Jahren zu einer politischen Nation geworden sind. Im Prinzip könnte das Auftreten einer Oppositionsfigur wie des Sohnes des letzten Schahs Irans, Reza Pahlavi, tatsächlich eine vereinende Rolle für Menschen verschiedener Nationalitäten im Iran spielen. Denn eine Monarchie, sozusagen, vereint Menschen nicht nach Herkunft, sie ist nicht „persisch“, sondern eine Monarchie aller Bürger Irans. Aber wie wir sehen, ist Trump dieser Idee nicht sehr zugeneigt – so wie er in Venezuela der Idee eines Machtübergangs an die Opposition auch nicht besonders zugeneigt war. Vielleicht, weil er versteht, dass das praktisch unmöglich ist.

Nationale Bewegungen können sich natürlich aus Sicherheitsgründen zeigen: „Wenn wir erklären, dass wir hier nicht Iran sind, dann werden sie uns vielleicht nicht bombardieren.“ Aber dafür muss man irgendeine effektive Verwaltung schaffen. Und wie Sie verstehen, ist das ein großes Problem: Inwieweit können nationale Minderheiten von Worten zu Taten übergehen? Ich denke, das ist realistisch eine Frage, auf die wir keine Antwort kennen, weil Iran die ganze Zeit unter einer brutalen islamischen Theokratie existierte. Und diese Theokratie war übernational.

Inwieweit können die neuen Ereignisse zu einer Stärkung nationaler Bewegungen führen? Das interessiert auch mich, aber ich habe darauf keine Antwort, weil wir mit dem arbeiten müssen, was heute über dieser, sozusagen nationalen, Karte liegt, die wir aus der Geschichte des schahischen Iran kennen.

Frage: Warum verbreitet die russische Propaganda Unsinn darüber, dass Russland nach dem Iran „als Nächstes dran“ sei?

Portnikov: Ganz einfach. Warum? Weil eine solche Propaganda die Notwendigkeit rechtfertigt, die Kampfhandlungen gegen die Ukraine fortzusetzen, und erklärt, warum Putin diesen Krieg überhaupt begonnen hat. Nicht einfach so, sondern weil es ein Präventivkrieg gewesen sei. Weil der Westen einen Plan habe, alle, die nicht mit den Amerikanern einverstanden sind, „über’s Knie zu brechen“. Russland werde das nicht zulassen. Russland kämpfe schon effektiv auf einem Gebiet, das der Westen besetzen wollte. Russland verweigere schon dem Westen Energieträger. Russland gebe schon riesige Summen für den Militärhaushalt aus. „Schaut doch, was mit uns wäre, wenn wir so entspannt wären. Ihr wolltet gut leben – aber gut leben heißt, unter amerikanischer Besatzung zu leben.“ Wozu dient das? Das ist das Aufheizen militaristischer Stimmungen in der Gesellschaft. Übrigens ist das eine ziemlich wichtige Geschichte: In einer ähnlichen Situation kann man Bedingungen für eine Mobilisierung der Bevölkerung schaffen – und nicht nur für diese Söldnerarmee, mit deren Hilfe Putin gegen die Ukraine kämpft. Das kann die Idee hinter dieser Propaganda sein.

Frage: Israel und die Türkei in denselben Schützengräben gegen einen gemeinsamen Feind?

Portnikov: Nein. Wenn es einen Versuch der Kurden im Iran geben wird, auf iranischem Gebiet einen eigenen Quasi-Staat zu schaffen, wird Israel sie unterstützen, und die Türkei wird sie daran hindern. Von irgendeiner Solidarität zwischen Ankara und Jerusalem kann in dieser Frage keine Rede sein. Man sollte das nicht übertreiben. Und übrigens sehen Sie: Die Türkei versucht sich aus der Situation herauszuhalten – selbst wenn iranische Raketen auf ihr Territorium fliegen, verschweigt sie das. Erinnert Sie das an nichts? Journalisten, die das gefilmt und über diese Einschläge berichtet haben, wurden festgenommen.

Frage: Russland macht sich offen über die Vereinigten Staaten lustig, indem es Shaheds liefert und nicht einmal die russischen Aufschriften übermalt.

Portnikov: Das muss keine offene Verspottung sein – vielleicht einfach russische Nachlässigkeit. Warum sollte man es übermalen? Shaheds sind eben Shaheds. Das zeigt natürlich erneut, wie sie seit sowjetischen Zeiten die Form verloren haben. Wissen Sie: Zu Sowjetzeiten vereinbarte die Sowjetunion einmal mit Israel die Lieferung israelischer Orangen in die Sowjetunion. Orangen waren eine Mangelware. Man vereinbarte es. Sie gingen vom Hafen Haifa zum Hafen Odessa. Aber Sie verstehen: Sowjetmenschen durften nicht wissen, dass sie Orangen der verfluchten Zionisten essen. Erstens Zionisten. Zweitens: Was, Juden bauen Orangen an? Das durfte niemals jemand erfahren. Aber die Israelis klebten, wie damals üblich, auf jede Orange oder Mandarine ein Etikett mit ihrer israelischen Markierung – ein kleines Quadrat. Und alle diese russischen Lastkähne, beladen mit diesen Orangen, hielten im Schwarzen Meer an und klebten wochenlang die israelischen Etiketten ab und ersetzten sie durch marokkanische. Und in der Sowjetunion dachten alle, sie essen marokkanische Orangen. Nicht dass es in Marokko keine Orangen gäbe – es gibt sie, und sehr leckere. Aber die Sowjetunion kaufte sie nicht. Sie kaufte israelische – in Marokko kaufte man nur Etiketten. Aber sie kamen darauf, das zu maskieren, obwohl es nur läppische Orangen waren. Und jetzt maskieren sie nicht einmal Drohnen. Sie haben das absolut richtig gesehen. Das ist ein sehr wichtiger Punkt. 

Zuschauer: Guten Abend aus Bnei Brak.

Portnikov: Passen Sie bitte gut auf sich auf in Bnei Brak.

Frage: Glauben Sie, dass arabische Länder sich dem Krieg gegen Iran anschließen werden?

Portnikov: Das ist eine sehr gute Frage, aber das hängt auch von ihrem realen Potenzial ab. Im Prinzip haben sie jetzt wenig Wahl. Sie müssen irgendwie Irans Fähigkeit dämpfen, sie zu beschießen. Aber einige arabische Länder – etwa Bahrain und vielleicht Saudi-Arabien – könnten ihre eigene Straße fürchten. Da gibt es auch den Faktor der arabischen Straße, die offensichtlich den Iranern sympathisiert und den Vereinigten Staaten – und erst recht Israel – nicht sympathisiert. Ich denke, Ihnen als jemandem, der in Bnei Brak lebt, muss man die Haltung der arabischen Straße dazu nicht erklären. Und das kann diese Könige zurückhalten. Zumal wir sehen, dass Iran aktiv Instabilität auf dieser arabischen Straße schürt. In Bahrain ist es ihm bereits gelungen, die ersten Massenproteste zu provozieren. Das kann sie in gewissem Maß zurückhalten.

Frage: Was kann das real für die Ukraine bedeuten? Welche Folgen hätte es für die Ukraine?

Portnikov: Ich habe das schon mehrfach gesagt. Ein kurzfristiger Krieg mit dem Zusammenbruch des iranischen Regimes hätte ausschließlich positive Folgen, ein langfristiger Krieg hätte eine Menge negativer Folgen. Aber andererseits kann die Bedeutung der Ukraine im Sinne des gemeinsamen Kampfes wachsen. Das muss man verstehen: Wir können jetzt nicht über Folgen sprechen, weil wir nicht wissen, wie lange es dauert. Ich hoffe sehr, dass es nicht lange dauert.

Frage: Ist es möglich, dass Iran tatsächlich Shaheds für Russland produziert und jetzt einfach eine Exportcharge selbst verwendet hat?

Portnikov: Das ist übrigens ein gutes, sehr interessantes Argument, an das ich nicht gedacht habe. Vielleicht sind das gar nicht „russische“ Shaheds? Vielleicht produziert Russland zwar etwas in Nabereschnyje Tschelny oder irgendwo sonst, oder in Jelabuga, aber die Hauptmasse der Shaheds wird tatsächlich im Iran hergestellt? Und sie schreiben einfach „Geran“ mit russischen Buchstaben drauf, damit es keine Fragen gibt, dass Iran Shaheds an Russland liefert. Und jetzt, wenn Shaheds ihnen selbst gebraucht werden, beschlossen sie, sie nicht nach Russland zu schicken, sondern selbst zu verwenden. Das ist ein interessanter Gedanke. Und ich bin sehr dankbar für diese Bemerkung, weil ich in diese Richtung nicht gedacht habe – Und es war ein Fehler, dass ich daran nicht gedacht habe.

Frage: Welcher neue militärische Konflikt könnte Russlands Fähigkeit, gegen die Ukraine zu kämpfen, wesentlich schwächen?

Portnikov: Ich denke: ein Konflikt, der Russland zwingen würde, sich auf andere Kriegsschauplätze zu konzentrieren. Aber die Frage ist: Welcher Konflikt kann das jetzt sein? Wo soll er stattfinden? Wo ist dieser Kriegsschauplatz, auf dem Russland einen großen Teil seiner Streitkräfte einsetzen müsste? Deshalb sprechen alle über innere Probleme in Russland, weil es scheint, dass nur innere Probleme Russlands seine Präsenz an der ukrainischen Front irgendwie verringern können. Denn Sie sehen: Russland opfert praktisch alle anderen Ressourcen und Konflikte, um den russisch-ukrainischen Krieg fortzusetzen. Das ist der Punkt.

Frage: Wird dieser Konflikt die Golfstaaten dazu bringen, Schlupflöcher zur Umgehung von Sanktionen zu schließen?

Portnikov: Nein, wird er nicht. Alle diese Führer dieser Länder sprechen ständig mit Putin. Sie hoffen sehr auf Putins Vermittlung in der Iran-Frage. Und mir scheint: Putins Position zu diesem Krieg – wenn er selbst im Gespräch mit arabischen Führern ausschließlich die Amerikaner und Israelis verurteilt und das iranische Bombardement dieser Länder nicht erwähnt – ändert dennoch nichts an ihrer Position. Hoffen Sie also nicht – sie werden ihre Position nicht ändern.

Frage: Bitte erklären Sie die Beziehungen zwischen der Türkei und Iran. Sie sind doch Rivalen. Warum will die Türkei keinen Sturz des iranischen Regimes?

Portnikov: Vielleicht fürchtet sie die allgemeine Destabilisierung der Region, die Unvorhersehbarkeit der Ereignisse, eine große Migrationskrise, über die jetzt viele sprechen – dass man die Türkei wieder überzeugen wird, nicht nur syrische, sondern auch iranische Flüchtlinge aufzunehmen, die zudem Schiiten sind, was für einen sunnitischen Staat sehr gefährlich ist. Und das Wichtigste, wovor die Türkei Angst hat, sind die Kurden. Erdogan hat gerade erst ein gewisses Verständnis mit den türkischen Kurden erreicht, ein gewisses Niveau des Zusammenlebens. Dieses Zusammenleben ist ihm politisch äußerst notwendig, um an der Macht zu bleiben. Und er könnte befürchten, dass das Auftauchen eines kurdischen Staates auf iranischem Gebiet die türkischen Kurden völlig anders positioniert. Hier haben, so seltsam es klingt, die Türkei und Iran einen gemeinsamen Blick auf das Problem: Beide sind multiethnische Staaten, und beide haben das Kurdenproblem als eines der schwierigsten. Das wäre also auch ein ziemlich ernstes Problem. Wir werden beobachten.

Zuschauer: Chinesische Raffinerien sind auf die Verarbeitung von leichtem Öl aus Venezuela, Iran und dem Kaspischen Raum ausgelegt; anderes ist meist schweres Öl mit Paraffin, Schwefel und anderen Zusätzen.

Portnikov: Die Raffinerien der Volksrepublik China verarbeiten gerade nicht leichtes, sondern schweres Öl aus Venezuela. Und in Iran ist das Öl auch nicht wirklich „so leicht“. Aber Sie haben recht: Etwa 25% der chinesischen Raffinerien sind tatsächlich auf venezolanisches und iranisches Öl ausgerichtet. Das ist ein bedeutender Teil der Wirtschaft – 25%, wie Sie verstehen. Wenn diese Raffinerien ohne Rohstoff bleiben, wird das der chinesischen Wirtschaft – die ohnehin durch absolute Fehler während Corona und durch den Handelskrieg mit den Vereinigten Staaten erschöpft ist – nichts Gutes hinzufügen. In dieser Situation, denke ich, verstehen wir das alle sehr gut: Die Chinesen sind sehr unzufrieden mit dem, was rund um Venezuela und rund um Iran geschieht – und mit ihren möglichen Positionen. Deshalb prahlt Putin damit, wie er die Lage „aus der Kontrolle“ nehmen kann.

Ich denke, ich habe heute die wichtigsten Fragen beantwortet. Ich glaube, wir werden noch auf das Thema des Krieges im Iran zurückkommen, weil er noch lange das Hauptthema der Welt bleiben wird – ein Thema, das den russisch-ukrainischen Krieg beeinflussen wird, die Ereignisse an unserer Front und auch den Verhandlungsprozess, falls er plötzlich beginnen sollte.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Війна в Ірані: нова ескалація | Віталій Портников. 04.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 04.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Die Risiken eines „zweiten Krieges“. Vitaly Portnikov. 03.03.2026.

https://vilni-media.com/2026/03/03/ryzyky-druhoi-vijny/?fbclid=IwZnRzaAQUr1lleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEeH90eetEbm4jS2YiFJSLeNyFzYAWAkGP52-Msm8yUyOPe-mzviScZLy4cX3s_aem_91WgPhCq4wFmR5ToLsgbLg

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine ist noch nicht beendet, und im Nahen Osten toben bereits Ereignisse, die zum größten regionalen Konflikt dieses Jahrhunderts geworden sind. Einer der Nutzer sozialer Netzwerke aus der Ukraine veröffentlichte zwei Bilder: Shahed-Drohnen, die am selben Tag Häuser in Dubai und Charkiw treffen. Und er schrieb, dass sich noch vor wenigen Tagen niemand hätte vorstellen können, dass Shaheds gleichzeitig diese beiden Städte angreifen würden!

Tatsächlich müssen wir, wenn wir über Schläge gegen den Iran nachdenken, daran erinnern, dass es sich um ein Land handelt, das all diese Zeit der treueste Verbündete Russlands geblieben ist, ihm in der ersten Phase des Krieges Shahed-Drohnen geliefert und geholfen hat, ihre Produktion auf russischem Territorium zu organisieren. An den Händen des getöteten Ajatollah Chamenei klebt nicht nur das Blut der eigenen Landsleute, die gegen sein brutales Regime kämpften. Und nicht nur das Blut der Israelis, die bei iranischen Angriffen getötet wurden. Sondern auch das Blut von Ukrainern.

Deshalb liegt eine schnelle Niederlage des iranischen Regimes und die Demonstration der Unfähigkeit Russlands, einem weiteren seiner Verbündeten zu helfen – nach dem Sturz der Regimen von Baschar al-Assad und Nicolás Maduro – durchaus im Interesse der Ukraine. Eine andere Sache wäre es, wenn sich der Krieg in die Länge zieht.

Dann wird es zahlreiche negative Folgen geben. Die erste zeichnet sich bereits in der wirtschaftlichen Dimension ab: ein Anstieg der Ölpreise. Für die Amerikaner bedeutet das neue Treibstoffpreise – und folglich höhere Preise für alles – sowie eine Verringerung der Kaufkraft der Bevölkerung. Für Putin hingegen ist es eine weitere Möglichkeit, zumindest ein wenig das „Loch“ im russischen Staatshaushalt zu stopfen. Deshalb liegt es im unmittelbaren Interesse des russischen Präsidenten, dass dieser neue Krieg möglichst lange dauert.

Das zweite Risiko hängt mit Waffen zusammen, insbesondere mit Luftverteidigungssystemen. Eine derart massive Attacke Irans auf die Länder des Persischen Golfs scheint niemand erwartet zu haben. Ja, diese Angriffe können mit dem Wunsch zusammenhängen, amerikanische Militäranlagen in diesen Staaten außer Gefecht zu setzen, doch in Wirklichkeit greift Teheran auch Hotels und zivile Flughäfen an. Auch das erinnert stark an den russischen Ansatz: Wenn ich den zivilisatorischen Wettbewerb verliere, muss ich das Erfolgs- und Entwicklungsmodell meiner Nachbarn zerstören. Und es ist offensichtlich, dass es, sollte das iranische Regime – wenn auch geschwächt – bestehen bleiben, viele Bewerber um Luftverteidigungssysteme und Raketenabwehr geben wird – genau in dem Moment, in dem Russland seine Angriffe auf die Ukraine fortsetzt.

Das dritte Risiko ist eine weitere Ausweitung der Konflikte. Vielen mag es scheinen, dass der Schlag der USA und Israels gegen den Iran in keiner Weise mit dem russisch-ukrainischen Krieg zusammenhängt und auch dann stattgefunden hätte, wenn es diesen Krieg nicht gäbe. Doch hinter dieser Überzeugung steht ein mangelndes Verständnis dafür, wie sehr der Krieg Russlands gegen die Ukraine die Atmosphäre in der Welt und die Bereitschaft sowie Fähigkeit beeinflusst hat, Konflikte auf diplomatischem Wege zu lösen. Wenn wir von einer totalen Konfrontation „zweier Welten“ sprechen, müssen wir verstehen, dass, wenn an einem Abschnitt der Front einer solchen Konfrontation die Situation in eine Sackgasse gerät, die Notwendigkeit entsteht, das Gleichgewicht an einem anderen Ort zu zerstören. Und so weiter – bis hin zu einem globalen Krieg. Oder zu einem Krieg, in dem die Zahl lokaler Konflikte in ihrer Intensität und ihren Folgen dem Dritten Weltkrieg nahekommt.

Auf den zeitlichen Rahmen eines Krieges mit dem Iran können wir keinen Einfluss nehmen. Aber wir können und müssen alles tun, damit unter den Bedingungen eines solchen groß angelegten Konflikts der Krieg Russlands gegen die Ukraine nicht an den Rand des politischen Interesses, der Aufmerksamkeit von Politikern und Medien gerät. Wir müssen an diesen Krieg und seine Verbindung mit dem Konflikt im Nahen Osten erinnern – so, wie es zum Beispiel der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz getan hat, der betonte, dass „der russische Krieg gegen die Ukraine nicht weniger ungerecht ist als die Verbrechen des iranischen Regimes, und dass die Invasion Moskaus in ein friedliches Nachbarland ebenso ungerechtfertigt ist wie der terroristische Krieg, den Teheran seit vielen Jahren gegen Israel führt“.

Daran sollten wir uns alle erinnern – und darüber sprechen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Ризики «другої війни». Віталій Портников. 03.03.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Die Optik eines globalen Krieges. Vitaly Portnikov. 03.03.2026.

https://blogs.timesofisrael.com/the-optics-of-a-global-war/?fbclid=IwZnRzaAQUCd9leHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEeLEOjKDpaxI1gjejQE2DTIMXUf7LR1OBefAdnubNg_6yGx_0mPVwqVEKQkoQ_aem_0lBho5ZX4xHGhjF6PXQe6g

Viele meiner ukrainischen Leser und Zuschauer fragen mich heute, wovon ich mich leiten ließ, als ich davor warnte, dass wir – und mit uns die Welt – Zeugen und Teilnehmer einer neuen großen Konfrontation werden würden, falls es nicht gelänge, den russisch-ukrainischen Krieg innerhalb von vier Jahren zu beenden. Und einige bestehen schlicht darauf, dass es sich um einen Zufall der Umstände handelt, dass die Vereinigten Staaten und Israel den Iran ohnehin angegriffen hätten – und dass der russisch-ukrainische Krieg damit nichts zu tun habe.

Diese Wahrnehmung der Realität erinnert uns erneut daran, wie schwer es ist, die Logik realer Prozesse zu erfassen – selbst für diejenigen, die sich in ihrem Epizentrum befinden, ganz zu schweigen von Beobachtern. In Israel wurde Russlands Krieg gegen die Ukraine sofort als „nicht unser Krieg“ bezeichnet. Das sagten mir meine Kollegen, informierte israelische Diplomaten und Journalisten, schon in den ersten Wochen nach Putins großem Angriff ins Gesicht. Und meine Hinweise darauf, dass der Iran nicht zufällig „Shahed“-Drohnen an Russland liefert, dass die Ukraine sich in ein Testgelände für das iranische Militär verwandelt, überzeugten niemanden. Nicht einmal der 7. Oktober 2023 überzeugte irgendwen – obwohl hinter dem Angriff auf Israel und den darauffolgenden Ereignissen offensichtlich der Iran stand, der zugleich Verbündeter Russlands blieb.

Nun ist die Ukraine an der Reihe, wo man überzeugt sein kann, dass der Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran „ein anderer Krieg“ sei, der die Aufmerksamkeit der Welt sogar von der Ukraine ablenkt. Und hier gibt es nichts zu bestreiten: Natürlich lenkt er ab. Er kann zudem einen gefährlichen Mangel an Luftverteidigungssystemen verursachen. Und er kann Russland helfen, seinen Haushalt durch steigende Öleinnahmen aufzufüllen.

Und dennoch ist es ein und derselbe Krieg – ein Krieg der wichtigsten Weltmächte um Einfluss und Macht. Russland, das den „Kalten Krieg“ verloren hat und gezwungen war, sich mit der Unabhängigkeit seiner ehemaligen Besitzungen abzufinden, versucht mit brutaler Gewalt Revanche zu nehmen, seine dominierende Rolle in Europa zurückzugewinnen und seinen Einfluss in anderen Weltregionen, insbesondere im Nahen Osten, zu bewahren. China, das gerade dank der Ergebnisse des „Kalten Krieges“ zu einer wirtschaftlichen Supermacht geworden ist, strebt nach politischem Einfluss, der seinem Gewicht entspricht – so, wie es die Führung der Kommunistischen Partei Chinas sieht. Die Vereinigten Staaten, die all diese Jahrzehnte die Avantgarde des kollektiven Westens waren, versuchen diese Rolle zu nutzen, um China einzudämmen und ihren eigenen Einfluss zu stärken. China und Russland hingegen wollen Amerika verdrängen.

Unter diesen Bedingungen ist ein Zusammenstoß unvermeidlich, ebenso wie Angriffe auf jene Staaten, die entweder Verbündete des Westens sind oder es werden wollen. Bereits in den 1990er-Jahren warnte ich, dass, wenn die Ukraine nicht nur ihre Unabhängigkeit ausruft, sondern versucht, ein „wirklich“ unabhängiger Staat mit eigener Außenpolitik zu werden, ihr Konflikt mit Russland nicht lange auf sich warten lassen werde. Und ich war nicht der Einzige, der warnte: Im Kreml gab es eine entsprechende Erklärung bereits am Tag der Unabhängigkeitserklärung der Ukraine!

Auch mit Israel ist alles transparent: Praktisch seit dem Tag seiner Gründung war es für die gesamte arabische Welt und fast den gesamten „globalen Süden“ ein illegitimer Staat. So einflussreiche Länder wie Saudi-Arabien, Pakistan oder Indonesien erkennen ihn bis heute offiziell nicht an.

Es geht also um Angriffe auf Länder, deren Verschwinden von der politischen Landkarte der Welt keine besonderen Emotionen hervorrufen soll. Israel ist für seine Feinde lediglich ein illegitimes Gebilde auf dem Land Palästinas. Die Ukraine ist für jene, die die russischen Ambitionen ignorieren möchten, einfach ein Stück Russland, das aus unerklärlichen Gründen seine Unabhängigkeit erklärt hat. Sie selbst können auf die Weltkarte schauen und neue „verwundbare“ Länder finden. Nehmen wir etwa einen Angriff auf Taiwan: Praktisch niemand stellt die Legitimität der chinesischen Ansprüche grundsätzlich in Frage – sollte Xi Jinping ein Blitzkrieg gelingen, bliebe vielen nur, mit den Schultern zu zucken.

Doch wie Sie sehen, finden keine Blitzkriege statt – und sie werden auch nicht stattfinden, denn in einem Krieg globaler Mächte ist das nahezu ausgeschlossen. Das Paradoxe besteht darin, dass derselbe amerikanische Präsident, der die Ziele des Iran gegenüber Israel versteht, nicht bereit ist, die Ziele Russlands gegenüber der Ukraine und die tatsächlichen Ambitionen Chinas zu begreifen, das sowohl dem Iran als auch Russland hilft. Und genau dieses totale Nichtverstehen schafft Möglichkeiten für eine Niederlage der Vereinigten Staaten in der globalen Konfrontation – unabhängig von ihrem Potenzial.

Denn um zu gewinnen – und sogar um zu überleben – muss man die Optik des Krieges verändern.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: The Optics of a Global War. Vitaly Portnikov. 03.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.03.2026.
Originalsprache: en
Plattform / Quelle: Zeitung
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Eskalation des Krieges: Details | Vitaly Portnikov. 02.03.2026.

Dies ist unsere nächste Sendung, die der Entwicklung der Ereignisse im Nahen Osten gewidmet ist – dem Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Israel einerseits und Iran andererseits; einem Krieg, der seinen Weg zur Eskalation fortsetzt, mit bislang noch unvorhersehbaren Folgen. Was ist das Wichtigste an diesem schwierigen und beunruhigenden Tag? Das Wichtigste ist natürlich die Erklärung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, dass er keine Angst vor einer Bodenoperation gegen Iran habe; dass andere Präsidenten sich davor gefürchtet hätten, dort Truppen einzusetzen, er aber – falls es nötig sein sollte – keine Angst haben werde. Seine Beine würden nicht zittern.

Das ist natürlich in erster Linie ein Signal an die iranische Führung, ein Hinweis darauf, dass die Kalkulationen auf eine schnelle Kapitulation des iranischen Regimes sich nicht bewahrheitet haben. Und jetzt versucht Trump, die Einsätze zu erhöhen. Das ist ebenfalls offensichtlich. Und ich habe in diesen Sendungen gesagt, dass eine Bodenoperation eines der möglichen Instrumente für einen Regimewechsel in einem Land ist, das unter Druck gerät – neben Revolution, Militärputsch und einem Elitenaufstand.

Aber zum heutigen Zeitpunkt würde ich die Möglichkeit einer Bodenoperation der Vereinigten Staaten gegen Iran nicht ernsthaft in Betracht ziehen.

  • Erstens wissen wir nicht, ob die Vereinigten Staaten sich überhaupt auf eine Bodenoperation vorbereitet haben.
  • Zweitens muss man verstehen, dass die Geografie Irans – selbst die Geografie – ernsthafte Probleme für eine angreifende Armee schafft.
  • Drittens muss man begreifen, dass die Zahl der Opfer unter amerikanischen Soldaten im Falle einer solchen Bodenoperation theoretisch dreistellige Zahlen erreichen könnte. 

Und das alles vor den Wahlen zum US-Kongress, die für Donald Trump – im Falle eines Sieges der Demokraten bei den Wahlen zu beiden Kammern des Kongresses – das Ende seiner politischen Karriere und den Beginn neuer strafrechtlicher Verfolgungen bedeuten könnten. Und das ist ihm vollkommen bewusst.

Dazu kommt, dass Umfragen bereits heute zeigen, dass die Mehrheit der Amerikaner eine Militäraktion gegen Iran ablehnt. Und das ist nicht überraschend, denn Trump wurde zum Präsidenten der Vereinigten Staaten als Isolationist gewählt, der nicht zulassen werde, dass die Vereinigten Staaten in neue Kriege außerhalb des Landes hineingezogen werden. Und obwohl er seinen Landsleuten völlig logisch erklärt, dass Iran die Sicherheit der Vereinigten Staaten selbst bedroht habe, werden solche Erklärungen, wie Sie verstehen, nicht zwingend von Menschen angenommen, die ihn gewählt haben, damit es solche Kriege nicht mehr gibt.

Allerdings – um ehrlich zu sein – unterstützen die Republikaner seine Handlungen gegen Iran bislang überwiegend, offenbar etwa 75% der Wähler der Republikanischen Partei. Aber diese Unterstützung kann schnell schrumpfen, wenn der Krieg langfristig wird. Und genau hier stellt sich die große Frage, ob er tatsächlich so sein wird.

Trump sprach heute erneut von drei bis vier Wochen, in denen dieser Krieg andauern könne. Und es stellt sich die logische Frage: Was wird in drei bis vier Wochen sein? Was wird es den Vereinigten Staaten erlauben, die Bombardierung Irans zu beenden?

Ich denke, auf diese Frage ist die Antwort recht leicht zu finden. In Washington könnte man glauben, dass die Desorganisation des iranischen Staates infolge von Raketenangriffen und der Ausschaltung der obersten Führung der Islamischen Republik zu einem Regimewechsel und zum Sieg eines Volksaufstandes gegen dieses Regime führen werde. Aber ich glaube nicht, dass ein Volksaufstand während Raketenbombardements stattfinden kann – dass das gleichzeitig passieren kann. Es ist ungefähr so, als würde man sich vorstellen, dass ukrainische Wahlen während Raketenbombardements stattfinden können.

Und ich habe eine ziemlich wichtige Frage: Was werden die Vereinigten Staaten tun, wenn sich in vier oder fünf Wochen herausstellt, dass das iranische Regime weiter existiert, zu keinerlei Vereinbarungen zu Trumps Bedingungen bereit ist und seine Vorräte an angereichertem Uran behält, die sich sofort nach dem Ende der Bombardierungen in eine Atombombe verwandeln könnten? Und dass an der Spitze dieses Regimes noch radikalere Leute stehen, die bereit sind, den Tod ihrer Kollegen zu rächen – für die Aggression – und die als Rache natürlich einen nuklearen Schlag gegen Israel wählen könnten. Das heißt: genau das, was Trump verhindern will, wird dann möglich. Das heißt, auf die Frage, ob das Weiße Haus irgendeinen Plan für den Fall hat, dass es keinen iranischen Aufstand gibt – oder wenn er einfach von den Anhängern des Regimes niedergeschlagen wird – gibt es bislang kein solches Verständnis.

Aber lassen Sie uns versuchen zu sehen, was Iran in dieser Situation tut. Iran erweitert den Konflikt völlig bewusst und klar. Er tut das, was Donald Trump heute selbst als Überraschung bezeichnet hat: Schläge gegen die Staaten des Persischen Golfs. Das bedeutet – das ist Trumps Eingeständnis –, dass man in Washington auf eine solche Wendung der Ereignisse nicht vorbereitet war; wie ich bereits sagte, hat Iran sowohl die Vereinigten Staaten als auch Israel mit dieser Taktik höchstwahrscheinlich überrascht, weil man sowohl in Washington als auch in Jerusalem gerade mit Schlägen gegen Israel rechnete: Man kalkulierte die Zahl der Raketen, die Zahl der eigenen Abfangraketen, konnte berechnen, wann das alles enden würde, wann Iran keine Möglichkeit mehr haben würde, Israel mit Raketen zu treffen, wie lange man durchhalten müsse. Und das sind absolut richtige Berechnungen, besonders wenn es um das Überleben des jüdischen Staates geht, den Iran grundsätzlich zu vernichten beabsichtigt, sobald er nukleare Fähigkeiten besitzt.

Aber wenn es darum geht, dass ein Teil der Raketen nach Israel geschickt wird und ein Teil in die Staaten des Persischen Golfs, die nicht so geschützt sind wie Israel, dann ist das eine völlig neue – sowohl wirtschaftliche als auch politische – Konfiguration. Wirtschaftlich, weil wir bereits jetzt vor unseren Augen steigende Gas- und Ölpreise sehen, die die Voraussetzungen für eine globale Krise der Weltwirtschaft in den nächsten Wochen und Monaten schaffen. Das alles wird passieren.

Sie sehen, dass der Gaspreis ziemlich deutlich steigt. Katar hat die Gasförderung eingestellt. Die Vereinigten Staaten haben schlicht keine Möglichkeit, sie ernsthaft zu erhöhen und nach Europa zu liefern. Das Gas der Russischen Föderation steht unter Sanktionen. Die Europäische Union wollte bereits buchstäblich im April ein vollständiges Embargo auf russisches Öl verkünden. Jetzt ist die große Frage, ob das überhaupt stattfinden wird – angesichts der steigenden Ölpreise und angesichts dessen, dass es keine Lieferrouten für Öl gibt.

Das ist ein Teil einer realen großen Wirtschaftskrise, die heranzieht. Denn Sie verstehen: Die Erhöhung des Ölpreises und die Verringerung seiner Menge bedeutet höhere Treibstoffpreise, höhere Preise für alles auf der Welt, eine Veränderung der Stimmung der Wähler – keineswegs nur in den Vereinigten Staaten. Und alle sehen das klar vor Augen und fürchten diese Entwicklung.

Politisch ist das ebenfalls eine Katastrophe, weil es der Zusammenbruch der Investitionsattraktivität der Länder des Persischen Golfs ist, in denen das Geld Donald Trumps, seiner Familienmitglieder und einer großen Zahl von Amerikanern und Europäern steckt. Was jetzt in Dubai oder Abu Dhabi geschieht, ist eine echte Katastrophe für die Emirate, für Katar, für Bahrain.

Für Bahrain ist das sogar eine doppelte politische Katastrophe, weil dort eine schiitische Mehrheit unter der Herrschaft einer sunnitischen Dynastie steht, und sieht, wie – sozusagen – ihre Glaubensbrüder in Iran bombardiert werden, und dass ihre sunnitische Dynastie und die Amerikaner sie nicht schützen können. Deshalb kann derjenige, der in Iran einen Aufstand erwartet, vor allem zuvor einen Aufstand in Bahrain erleben. Dort gab es schon Antiregierungsdemonstrationen. Während des Arabischen Frühlings hat diese schiitische Mehrheit die sunnitische Dynastie, die von Saudi-Arabien unterstützt wurde, beinahe hinweggefegt. Und diese Dynastie hält sich auf saudischen Bajonetten, die jetzt womöglich gar nicht eingesetzt werden können, weil die Saudis andere Sorgen haben werden.

Das sind ebenfalls ziemlich ernsthafte Risikoelemente, die – wie ich verstehe – weder in der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten noch im Mossad durchgerechnet wurden; was erneut die Inkompetenz im Verständnis der Lage in der Region aus Sicht des Gegners und seiner Vorbereitung demonstriert.

Dabei gibt es noch einen Moment, den man sehen muss. Zusätzlich zu all diesen Schlägen gegen die Monarchien des Persischen Golfs ist Iran zu Schlägen gegen europäische Stützpunkte übergegangen – sagen wir,, britische auf Zypern, oder französische, oder deutsche. Und Sie können auch sagen, dass das völliger Idiotismus ist. Nein, das ist eine bewusste Taktik. Iran braucht es, dass er diese Basen trifft und dass die Europäer an Angriffen auf ihn teilnehmen, woraufhin eine gewisse Zahl seiner Raketen nach Europa fliegen wird. Iran verfügt über ein bestimmtes Arsenal weitreichender Raketen, die europäische Länder erreichen können. Das wird wieder ein amerikanisches Objekt sein, sozusagen, in Mitteleuropa oder in der Nähe. Und dann werden europäische Länder sehr ähnliche Probleme spüren wie die Monarchien des Persischen Golfs.

Es wird keine massiven Schläge geben, das sage ich sofort, damit nicht der Eindruck entsteht, ich hielte es für möglich, dass Iran eine massive Bombardierung Polens oder Deutschlands organisieren kann. Ich denke, es gibt nicht genügend Raketen, aber eine bestimmte Anzahl kann es geben – auch aus chinesischen oder russischen Lieferungen. Das heißt, auf eine solche Entwicklung, darauf, dass der Krieg nach Europa verlagert wird, muss man sich einfach vorbereiten. In den nächsten Tagen oder Wochen kann das als Folge weiterer Eskalation passieren. Man sollte nicht denken, dass es nur im Nahen Osten bleiben wird.

Natürlich: Wenn man die Entfernung analysiert, die Iran erreichen kann, verstehen wir, dass Nuklearmächten wie Frankreich oder wahrscheinlich Großbritannien in Wirklichkeit nichts droht, und Iran wird sich wahrscheinlich auch nicht mit Nuklearmächten anlegen. Aber Ländern wie Polen und Deutschland könnte es – von der Entfernung her – drohen. Das muss man berechnen. Ich werde nicht so tun, als hätte ich schon gesessen und gerechnet. Das sind nur ungefähre Möglichkeiten. Die Globalisierung dieses Konflikts ist, wie ich schon sagte, unvermeidlich.

Und wiederum: Selbst wenn Iran eine unbegrenzte Anzahl an Raketen hätte – das wissen wir nicht bis zum Ende. Wir werden nur hoffen, dass das zumindest im Mossad bekannt ist, wenn nicht in der CIA – obwohl ich nicht sehr daran glaube –, denn die Zahl der Raketen kann durch chinesische Lieferungen erhöht werden. Und es gibt Drohnen: Wie Sie wissen, wurden die Angriffe auf den britischen Militärstützpunkt auf Zypern in Akrotiri gerade mit unbemannten Apparaten durchgeführt.

Jetzt lassen Sie uns einfach die Ziele der Teilnehmer dieses großen Spiels verstehen.

Die Vereinigten Staaten wollen Iran seiner nuklearen Möglichkeiten und seines Raketenprogramms berauben, ohne eigene Truppen einzusetzen, und hoffen, dass Raketenbombardements automatisch zu einem Regimewechsel durch einen Volksaufstand führen, was kaum realisierbar ist.

Israel will Iran seines Raketen- und Nuklearprogramms berauben, auf jede Weise weitere Handlungen Irans gegenüber Israel unmöglich machen. Natürlich wäre es für Israel wünschenswert, dass das Regime zerstört wird, aber Israel kann nur das tun, was es tun kann.

Aber man muss noch eine Sache verstehen. Trotz all der Komplimente, die der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu Donald Trump sagt, ist ihm das Schicksal Donald Trumps egal. Wenn Donald Trumps Autorität zusammen mit seiner politischen Karriere und der Zukunft der Republikanischen Partei verbrennt, wird Netanjahu das nicht merken, weil er natürlich an seine eigenen politischen Perspektiven denkt, aber vor allem an den Erhalt des jüdischen Staates. Er ist Premierminister Israels, nicht Senator der Vereinigten Staaten. Er nutzt die derzeitige Stimmung von Präsident Donald Trump, um ihn als Instrument zu verwenden, um ein sichereres Leben für Israel zu schaffen.

Das ist einfach ein Instrument. Und natürlich kann man diesem Instrument alles sagen, was es hören möchte. Aber zu glauben, dass in Israel irgendjemand auf Trumps Schicksal Rücksicht nimmt, so wie Trump jetzt darauf Rücksicht nimmt, sollte man nicht. Denn wenn es um das Überleben eines ganzen Volkes geht, spielt Trumps Schicksal keine Rolle.

Jetzt schauen wir uns die Situation an, wie Israel zu den Schlägen gegen die Monarchien des Persischen Golfs steht. Es ist ihm vollkommen gleichgültig. Ja, es stellt mit ihnen irgendwelche normalen Beziehungen her, aber das sind Staaten, die jahrzehntelang Israel zerstören wollten, die nichts mit ihm gemeinsam hatten. Wenn Iran ihre Bedeutung mindert – dann so sei es.

Saudi-Arabien war zusammen mit Israel eines der Länder, die Donald Trump von der Notwendigkeit überzeugt haben, diesen Krieg so schnell wie möglich zu beginnen, solange Iran keine Atomwaffe hat. Warum? Iran ist der Hegemon in der schiitischen Welt, aber ein revolutionärer Hegemon, der auf der Sinnlosigkeit monarchischer Diktaturen besteht. Saudi-Arabien möchte ein konservativer Hegemon in der sunnitischen Welt sein. Und für Saudi-Arabien ist Iran – mit dem es erst kürzlich, vermittelt durch China, die Beziehungen normalisiert hat, wie Sie sich erinnern – ein realer Konkurrent. Wenn dieses Regime nicht mehr da wäre, wäre das wunderbar. Wenn Iran in Ruinen liegt, ist das auch nicht so schlecht. Das mindert zumindest die Gefahr, die für Saudi-Arabien von seiner eigenen schiitischen Minderheit ausgeht, die aus Teheran revolutionär aufgeladen werden kann.

Nun die Frage: Wie reagiert Saudi-Arabien auf den Beschuss der Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrains, Katars und anderer Länder? Nun, Bahrain kann es beunruhigen. Diese Dynastie ist ein realer Verbündeter der saudischen Dynastie. Alles andere kümmert sie überhaupt nicht. Wenn Abu Dhabi und Dubai aufhören, wichtige zivilisatorische Zentren zu sein, wird die saudische Dynastie sich nur freuen. Das sind ihre Konkurrenten. Das ist ein Land, mit dem Saudi-Arabien noch bis zum Tag des Angriffs der Vereinigten Staaten und Israels auf Iran nahezu feindliche Beziehungen wegen Jemen hatte. Für Saudi-Arabien ist es nicht schlimm, wenn es selbst nicht ernsthaft getroffen wird, während sie so getroffen werden, wie es jetzt geschieht. Die Frage ist, ob Saudi-Arabien selbst getroffen wird und wie Iran seine Öllieferungen einschränken kann. Das ist eine andere Frage.

Jetzt die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar. Es tauchen Informationen auf, dass diese Länder eine politische Koalition geschaffen haben, um Donald Trump diskret unter Druck zu setzen, damit er diesen Konflikt beendet, der grundsätzlich mit vollständiger Destabilisierung der Lage im Persischen Golf droht, mit dem Zusammenbruch dieser Länder als wirtschaftlicher Giganten, mit einem deutlichen Anstieg der Ölpreise, dem Verlust von Möglichkeiten zur Öl- und Gasförderung usw. einhergeht. Und ihre Interessen sind nicht so wie die Israels und sogar nicht wie die Saudi-Arabiens. Das sind andere Interessen. Denn man muss auch bedenken, dass es in allen Fällen um autoritäre Regime geht, um Diktaturen – wenn auch eines anderen Typs als Iran –, aber es sind monarchische Diktaturen, die kaum bestehen werden, wenn eine wirtschaftliche Katastrophe eintritt. Es könnte ein paar kleine Irans geben – nur sunnitische – als Ergebnis all dessen. Und sie verstehen das sehr gut. Und sie können das Trump ebenfalls erklären: Sein ganzes Geld wird von Revolutionären nationalisiert, oder er wird selbst mit eigenen Raketen auf den Burj Khalifa schießen müssen.

Die Türkei hält sich von einer realen Teilnahme am Konflikt zurück und verheimlicht darüber hinaus Beschüsse ihrer eigenen militärischen Objekte, weil sie an einer Verringerung der Möglichkeiten der sunnitischen Monarchien interessiert ist, weil sie selbst eine führende Macht der sunnitischen Welt sein will und nichts gegen eine Schwächung sowohl der USA als auch Irans hätte. Daher ist für die Türkei in dieser Situation eine Fortsetzung des Krieges kein Problem, solange er sie nicht direkt betrifft. Zumal die Schwächung Irans und seiner Rolle im Nahen Osten die türkischen Möglichkeiten in Ländern wie Syrien und Libanon stärken kann und die Türkei endgültig in einen Hegemon in diesem Teil der arabischen Welt verwandelt.

Der Libanon befindet sich in einer Lage eines möglichen Kollapses, weil die Hisbollah, die seinerzeit einen Waffenstillstand mit Israel geschlossen hatte, ihn faktisch auf Forderung des Korps der Wächter der Islamischen Revolution gebrochen hat. Soweit ich weiß, wurde klar gesagt, dass es kein Geld geben wird, wenn es keine Destabilisierung Israels gibt. Israel hat wieder begonnen, die südlichen Vororte Beiruts zu bombardieren und die Führer der Hisbollah zu eliminieren. Die libanesische Regierung hat Angst, dass der Libanon wieder in einen fremden Krieg hineingezogen wird, und hat alle bewaffneten Gruppen der Hisbollah für illegal erklärt. Aber es gibt die ernste Frage, ob die libanesische Führung genug Kraft hat, die Hisbollah tatsächlich zu entwaffnen, oder ob im Libanon eine neue Runde des Bürgerkriegs beginnt, der uns aus früheren Ereignissen gut bekannt ist. Die libanesische Regierung selbst ist am Sturz des iranischen Regimes interessiert und glaubt, dass damit auch die Hisbollah zerfällt. Aber es ist unbekannt, ob der Libanon derzeit Möglichkeiten hat, so zu handeln, dass zumindest die Sicherheit des eigenen Staates gewährleistet wird – ganz zu schweigen von Israel.

Russland ist an einem langen Krieg im Nahen Osten interessiert. All diese Gespräche darüber, dass „alle die Hilflosigkeit Russlands sehen werden, das wieder seine Verbündeten nicht geschützt hat“. Nun, sie spucken auf diese Hilflosigkeit, wenn sie dafür Geld haben. Für Russland ist das Wichtigste, dass jetzt die Ölpreise stark steigen, was dem Präsidenten der Russischen Föderation ermöglicht, sein Budget aufzufüllen, um den Krieg gegen die Ukraine in den nächsten Jahren fortzusetzen und jegliche Vorschläge des Westens zu ignorieren, wenn es im Budget das Geld gibt. So ist jeder Tag des Krieges, wenn er einen deutlichen Anstieg der Öl- und Gaspreise bringt, für Russland schlichtweg eine wirtschaftliche Rettung. Wozu Iran retten? Man muss sich selbst retten.

Außerdem kann man in Russland glauben, dass ein langfristiger Krieg der Vereinigten Staaten gegen Iran – ja, wenn Trump sich in einen Konflikt verstrickt, wie Putin sich in der Ukraine verstrickt hat – die Vereinigten Staaten schwächen und eine Analogie zwischen Washington und Moskau in Bezug auf ihre realen Möglichkeiten ermöglichen wird. Und vor diesem Hintergrund wird Russland nicht mehr so hilflos aussehen, wie es heute aussieht. Trump wird Putin nicht mehr sagen können: „Du kämpfst seit vier Jahren und erreichst nichts, wozu kämpfst du?“ – „Und du?“

Deshalb wird Russland natürlich alles Mögliche tun, damit dieser Krieg sich hinzieht. Was es real tun kann, ist eine andere Frage. Aber das ist eine Frage, die die Russen mit den Chinesen besprechen können. Denn egal, was die Chinesen darüber sagen, dass ihnen alles egal sei und dass sie sich an nichts beteiligen – wie Sie wissen, sagen sie das, wenn es um den russisch-ukrainischen Krieg geht. Für beide Länder ist jetzt die richtige Zeit gekommen, um an der Schwächung der Vereinigten Staaten und ihres internationalen Ansehens zu arbeiten. Das ist auch eine völlig verständliche Sache, die man sagen kann, wenn wir diese Situation besprechen, die sich auch in der russisch-ukrainischen Konfrontation entwickelt hat.

Jetzt sprechen wir über die Ukraine aus dieser Perspektive. In Bezug auf die Ukraine muss man klar verstehen: Es gibt zwei Arten von Folgen. Der erste Typ von Folgen ist ein kurzfristiger Krieg. Der zweite Typ von Folgen ist ein langfristiger Krieg. Ich glaube, Sie verstehen das sehr gut, und ich habe darüber bereits gesprochen.

Die Folgen eines kurzfristigen Krieges verstehen Sie alle ohnehin bestens: Das ist ein Erfolg der Vereinigten Staaten, Trumps, Israels, der zivilisierten Welt – von allen. Das iranische Regime bricht zusammen. Russland und China haben keine Verbündeten mehr. Das iranische Öl hört auf, illegal zu sein. Es wird reale Möglichkeiten geben, die Ölströme zu kontrollieren. Das zwingt China und Putin, Trump ernster zuzuhören. Und im Prinzip schafft das möglicherweise sogar die Wahrscheinlichkeit, in absehbarer Zukunft – in den nächsten zwei bis drei Jahren, vielleicht sogar schneller, wenn es gelingt, die russischen Ressourcen zu reduzieren – einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zu erreichen. Das ist ein optimistisches Szenario.

Das pessimistische Szenario: Sie sehen schon jetzt, Nachrichtenagenturen sagen, dass Katar Raketen zur Abwehr iranischer Angriffe für drei bis vier Tage reichen könnten. Und was weiter? Das bedeutet, dass sich in der Welt ein ernsthafter Mangel an Abfangraketen abzeichnet – sowohl an Abfangraketen als auch an Mitteln gegen Drohnen. Zumal das Verständnis, wie man mit Drohnen kämpft, wie Sie sehen, in den Ländern des Persischen Golfs viel geringer ist als bei uns hier. Und wiederum: Wenn Iran Drohnen gegen die Länder des Persischen Golfs mit derselben Intensität einsetzen würde, mit der Russland Drohnen gegen die Ukraine einsetzt, dann müssen wir an die Größe der Territorien und die Größe der bewohnten Gebiete selbst in großen Ländern denken. Sie werden ja nicht die Wüste bombardieren. Und das wird sich auf die Lieferungen an uns auswirken. Im Moment gibt es noch keinen Mangel an all dem. Obwohl es schon vor Beginn dieses Krieges Probleme mit Raketen für die Luftverteidigung gab.

Aber ich erinnere Sie daran: Es gab Fragen – warum haben die Vereinigten Staaten Saudi-Arabien eine solche Menge Raketen geliefert, eben diese Patriots? Wozu brauchte Saudi-Arabien sie? Vielleicht weil Saudi-Arabien – im Gegensatz zum Weißen Haus – verstand, dass ein Krieg der Vereinigten Staaten gegen Iran zu unvorhersehbaren Folgen führen kann. Und jetzt sehen wir, dass Saudi-Arabien, als es diese Patriots eingegraben hat, sich real auf den Krieg vorbereitet hat, und diese Patriots nicht bloß aus Prestigegründen angeschafft hat.

Nun, das ist, wie Sie verstehen, ein Moment, über den man im Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung dieser Ereignisse sprechen kann. Das heißt: Das ist alles unglaublich gefährlich, weil der Konflikt wächst, sich ausweitet, skaliert. Vom Zusammenbruch des iranischen Regimes zu sprechen ist noch sehr früh. In den Vereinigten Staaten sagt man, dass die Angriffe auf Iran sich in der Anfangsphase befinden. Im Iran sagt man, dass alles noch bevorsteht. Im Grunde können wir schon heute, wenige Tage nach Beginn dieses Krieges, der offensichtlich als Blitzkrieg geplant war, davon sprechen, dass wir allmählich in eine langfristige Kampagne auf einem sehr weiten Gebiet eintreten, wo Ereignisse stattfinden, die niemand vorhergesehen hat.

Niemand von denen, die das geplant haben, dachte, dass heute griechische F-16-Jets nach Zypern fliegen würden, um die Luftverteidigung der Insel gegen Iran zu verstärken. Es schien, dass nichts dergleichen passieren könnte. Niemand stellte sich vor, dass es jetzt eine solche Schlacht im Gebiet des Persischen Golfs geben würde und dass dort Luftverteidigung fehlen würde. Niemand rechnete damit, dass der Tod Chameneis nichts ändern würde – weder bei den Planern noch an Irans Bereitschaft, die Angriffe auszuweiten.

Und das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Moment. Und natürlich bedeutet das schlichtweg, dass der Krieg, in dem wir leben, endgültig Teil eines zivilisatorischen Konflikts am Vorabend eines möglichen Dritten Weltkriegs wird. Wir werden hoffen, dass es ihn zumindest nicht geben wird – aber wer weiß. Wie soll man das jetzt genau vorhersagen, wenn wir uns in einem regelrechten Strudel der Ereignisse befinden?

Ich werde versuchen, auf einige Fragen zu antworten, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Portnikov. Hier wird daran erinnert, dass Volodymyr Zelensky vorschlägt, die besten ukrainischen Spezialisten für das Abschießen iranischer Schaheds in den Nahen Osten zu schicken, wenn die Führer der Region Putin davon überzeugen, einem vorübergehenden Waffenstillstand zuzustimmen. Erklären Sie mir, Freunde, wie die Staatschefs der Golfstaaten Putin zu irgendetwas bewegen sollen, wenn ihr Einfluss vor seinen Augen  schwindet – noch dazu, damit die Ukrainer Spezialisten schicken können, um sich gegen iranische Schaheds zu verteidigen. Wozu braucht Putin das? Putin beobachtet mit Vergnügen ihre wirtschaftlichen Probleme. Denn wenn Iran Bedingungen für ihre wirtschaftliche Agonie schafft, ist das nur von Vorteil für Putin. Sie würden am liebsten auch noch Saudi-Arabien beschießen, damit es kein Öl mehr fördern kann.

Sie verstehen ja: Die Gespräche etwa über Ungarn und die Slowakei und die Druschba-Pipeline und darüber, dass sie Öl über die kroatische Pipeline bekommen sollten, werden in der Europäischen Union enden, weil dort schlicht nicht genug Öl verfügbar sein wird. Im Gegenteil: Jetzt werden nicht die Führer der Länder des Persischen Golfs Putin überzeugen, einen Waffenstillstand auszurufen – entschuldigen Sie. Sondern die Führer der EU-Kommission werden Zelensky überzeugen, die Reparatur der Druschba zu beschleunigen. Es werden absolut entgegengesetzte Prozesse geben. Ich verstehe nicht, warum wir das im Ernst für realistisch halten.

Frage: Welche Möglichkeiten bleiben den wohlhabenden Staaten der Arabischen Halbinsel nun noch, ihre Investitionsattraktivität wiederherzustellen, außer dabei zu helfen, das Regime der Ajatollahs zu stürzen? Wird jemand dort investieren, wenn das Regime bleibt?

Portnikov. Das ist eine absolut richtige Frage. Ich denke auch, dass wenn der Krieg mit dem Erhalt des iranischen Regimes endet – selbst wenn es keine Kampfhandlungen mehr gibt –, alle sich daran erinnern werden, dass das iranische Regime direkt vor ihrer Haustür steht, dass die Amerikaner jederzeit erneut eingreifen könnten und die Iraner wieder Abu Dhabi und Dubai ins Visier nehmen würden. Und wie Sie verstehen, haben sie eine völlig ausweglose Situation: Einerseits sagt man aus Iran: „Wenn ihr nicht beschossen werden wollt, entfernt die amerikanischen Basen.“ Wenn sie die amerikanischen Basen entfernen, mindert das ebenfalls ihre Investitionsattraktivität. Andererseits: Was, wenn die amerikanischen Basen sie, wie sich herausstellt, nicht schützen? Also hier gibt es Millionen von Fragen.

Aber wie können sie helfen, das Regime der Ajatollahs zu stürzen? Noch mehr Raketen geben, eigene Truppen nach Iran schicken? Wenn die Vereinigten Staaten das Regime nicht stürzen können, werden sie es auch sicher nicht stürzen können. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait mit Bahrain – kleine Länder mit nicht besonders großer eigener Bevölkerung. Glauben Sie, dass man dann Gastarbeiter auch in der Armee der Vereinigten Arabischen Emirate dienen lassen wird?

Also ja, Sie haben absolut recht. Wenn in Iran kein normales Regime entsteht – wie Sie verstehen, selbst wenn nicht demokratisch, dann vorhersehbar und nicht aggressiv –, dann werden die Länder des Persischen Golfs ernste Probleme haben. Genau deshalb glauben sie – im Gegensatz zu Ihnen –, dass man das so schnell wie möglich beenden müsse, damit das wahre Ausmaß dieser Probleme zumindest vorerst niemand erkennt. Sie hoffen, dass wenn es drei Tage sind, man es vergessen wird. Aber drei Wochen wird man nicht vergessen. Und es ist ungewiss, wie viel in einer solchen Situation noch zerstört werden kann. Das ist nun einmal die Wahrheit.

Frage: Kann China sich die Einbindung Amerikas in den Krieg mit Iran zunutze machen und Taiwan angreifen oder Taiwan aktiv provozieren?

Portnikov. Ich denke nicht, dass die Volksrepublik China in der jetzigen Situation eines, ich würde sagen, wütenden Trump Taiwan angreifen wird, ehrlich gesagt. Aber andererseits wird China aufmerksam beobachten, wie viele Ressourcen die Vereinigten Staaten für den Krieg mit Iran ausgeben werden, um zu verstehen: welche Ressourcen sie überhaupt haben werden, wenn es irgendwelche Zusammenstöße um Taiwan gibt? Das ist eine gute Frage für die Zukunft. Wie viele Ressourcen können sich die Vereinigten Staaten für einen Krieg gegen Iran leisten, ohne ihre Fähigkeit zu verlieren, auf Herausforderungen in anderen Regionen zu reagieren?

Für mich stellt sich vielmehr die Frage, inwieweit das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas bereit ist, die Taiwan-Frage mit Gewalt zu lösen, wenn man den wirtschaftlichen Symbiose zwischen Peking und Taipeh berücksichtigt. Schauen Sie sich einfach an, wie viele Flugverbindungen es täglich zwischen dem Festland und der Insel gibt – und fragen Sie sich: Muss man das wirklich militärisch lösen? Oder nutzt China die militärische Intervention als Instrument der Konfrontation? Das wird immer eine große Frage bleiben.

Aber mir scheint, dass Peking mit Drohungen einer militärischen Intervention nur eine Aufgabe löst: die Nichtausrufung der Unabhängigkeit Taiwans, die Bewahrung des Status quo, in dem in Taipeh und in Peking zwei parallele Regierungen des chinesischen Staates sitzen. Das passt Peking, weil Taiwan, wie Sie wissen, kein souveräner Staat ist, sondern ein Gebiet, das Anspruch auf die Führung über ganz China erhebt. Und Peking ist es sehr wichtig, den Status quo zu bewahren, denn natürlich gibt es auf Taiwan über diese Jahrzehnte immer mehr Menschen, die es nicht als Teil des chinesischen Staates wahrnehmen – Sie haben nie in einem geeinten chinesischen Staat gelebt. Überhaupt nie. Denn bis zu dem Moment, als in China diese Regierung der Republik China unter Chiang Kai-shek erschien, war es ein Gebiet, das unter japanischer Herrschaft stand. Also gab es real keine Einheit. Und China versteht das sehr gut und hält diese Situation so, dass Taiwan diese Einheit formal in Form einer alternativen Regierung bewahrt.

Aber ob man das militärisch lösen muss? Das ist absolut unklar. Die Aufrechterhaltung Taiwans als Feindbild ermöglicht es China, seine militärische Mobilisierung zu legitimieren und faktisch einen permanenten Ausnahmezustand im Land zu rechtfertigen. Das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Moment, den wir im Kopf behalten müssen, wenn wir über einen Krieg Chinas gegen Taiwan sprechen. Das lässt sich eindeutig so sagen.

Frage: Ist das Aufwühlen dieses iranischen Wespennestes tatsächlich zum Nutzen der Ukraine, oder sind die Nebenwirkungen zu groß?

Portnikov. Nun, wiederum: Das wird davon abhängen, wie es endet – mit einem schnellen Sieg oder mit einem langen Krieg. Und außerdem: Hören Sie, in der Welt kann nicht alles ausschließlich aus der Perspektive „zum Nutzen der Ukraine oder nicht zum Nutzen der Ukraine“ entschieden werden. Die Ukraine ist nicht das Zentrum dieser Welt, so sehr wir das auch wollen. Verschiedene Länder haben verschiedene Interessen. Nehmen wir Israel: Es hat das Interesse zu überleben, und für die israelische Führung und das jüdische Volk ist es absolut unzulässig, dass neben Israel im Nahen Osten ein Land existiert, dessen offizielle Ideologie die Vernichtung Israels ist und das eine Atombombe anstrebt. Für Saudi-Arabien ist Iran in seiner jetzigen Form eine Katastrophe, weil dieses Land die ganze Region destabilisiert. Aber ich würde nicht sagen, dass dieses Land ein großes Geschenk für uns ist, oder? Ich erinnere immer: An den Händen von Ajatollah Chamenei ist das Blut der Passagiere des ukrainischen Fluges, der über Teheran durch Raketen abgeschossen wurde. Und das war kein Zufall, verstehen Sie? Die Schaheds, die ukrainische Städte beschossen haben – iranischer Bau – Sie erinnern sich, welchen Beitrag Iran zu diesem Krieg geleistet hat? Also ob man es aufwühlt oder nicht: Solche Regime stärken grundsätzlich diese autoritäre diktatorische Achse, die gegen uns kämpft. Natürlich ist eine Verlängerung des Krieges sehr gefährlich. Aber zu glauben, man könne sich mit Iran einigen, ist – wissen Sie – wie der Versuch, sich mit Putin zu verständigen. Das ist ebenfalls ein wichtiger Moment.

Frage: Können alle Länder, die Iran bombardiert, zusammen dieses blutige Regime zerstören?

Portnikov. Wiederum: Länder können es gemeinsam bombardieren. Sind diese Länder zu einer Bodenoperation bereit – zu einem Krieg mit der iranischen Armee? Das ist Moment Nummer eins. Stellen Sie sich vor: Alle diese Länder fügen einfach Raketen hinzu. Glauben Sie, die Vereinigten Staaten hätten zu wenig Raketen? Nun, ehrlich: Dort reicht es auch für ein paar Wochen, wenn wir ernsthaft sprechen. Und erinnern Sie sich, dass es denselben Effekt im russisch-ukrainischen Krieg gab. Die Russen bombardierten uns erst mit dem, was sie in den Lagern hatten, und dann waren sie gezwungen, zur Produktion überzugehen. Dieser Intervall ist faktisch unvermeidlich. Nun, es kommen vielleicht noch britische oder französische Raketen hinzu. Übrigens: Erinnern Sie sich, dass all diese ракеты, die Großbritannien etwa den Vereinigten Staaten geben wird – irgendwelche Storm Shadow – dann nie auf unseren Tisch gelangen.

Aber niemand wird sagen, dass dadurch das Regime fällt. Noch nie ist ein Regime allein durch Raketenangriffe gestürzt worden, verstehen Sie? Denn Sie werden jetzt anfangen, wie Putin zu denken, der glaubt, er bombt uns und dann ist alles vorbei. Also ist es nicht die Frage der Anzahl der Länder, sondern was diese Länder in der Situation tun werden, die mit der weiteren Entwicklung der Ereignisse verbunden ist. Das ist das Hauptproblem, das aktuell auf der Tagesordnung steht.

Frage: Woher hat Iran so viel Waffen?

Portnikov. Iran hatte immer eine der stärksten Armeen in der Region. Iran hat diese Waffen jahrzehntelang angesammelt. Iran hat mit dem Irak Krieg geführt. Übrigens wollte ich Sie daran erinnern, dass die iranische Armee, die wir sehen, durch die Anstrengungen der Vereinigten Staaten geschaffen wurde – zu Zeiten des Schahs Mohammad Reza Pahlavi. Diese stärkste Armee, sogar mit Flugzeugen amerikanischer Produktion, ging zu Ajatollah Chomeini über und wurde zur Armee der Islamischen Republik. Im Grunde wurde die stärkste Armee eines Verbündeten von den Amerikanern geschaffen. Ja, vielleicht entwickelte sie sich später nicht so intensiv ohne amerikanische Unterstützung, aber sie hatte dennoch Möglichkeiten, sich mit Unterstützung Chinas und Russlands und eigener Technologien zu entwickeln. Und wenn ein Land jahrzehntelang Waffen ansammelt, den militärisch-industriellen Komplex zur Priorität macht und den Menschen eine Verbesserung ihres Lebens verweigert, dann scheint es mir völlig logisch, dass es über ein großes Waffenarsenal verfügt.

Die Hauptfrage ist: wie viele? „Viele“ ist eine abstrakte Phrase. Interessant ist, ob man in Washington, in Jerusalem weiß, wie viele dieser Raketen es real gibt, wie viele Drohnen. Welche Möglichkeiten hat Iran? Wie viele Wochen oder Tage können sie so handeln? Denn Krieg entscheidet sich am Material. Wenn die Vereinigten Staaten und Israel keine Ressourcen zum Beschuss haben, werden sie dennoch gezwungen sein aufzuhören. Wenn Iran keine Ressourcen zum Beschuss hat, wird er auch gezwungen sein aufzuhören. Und die Frage ist: wer erschöpft sich zuerst.

Das ist wie bei uns, nur dass uns der Westen hilft. Und Iran wird natürlich China helfen – aber so, aber so, dass es nicht auffällt, daher ist es keine so effektive Hilfe. Und wiederum: Weil Iran kleine Länder des Persischen Golfs trifft, kann er, bevor er erschöpft ist, dort alles zerstören. Er trifft schon nicht nur Ölraffinerien, sondern Hotels, Flugplätze. Und wiederum: Er kann zuerst erschöpft sein, aber die ganze Region wird schon in Ruinen liegen. Und das müssen die Amerikaner jetzt berücksichtigen, weil sie darauf wiederum nicht vorbereitet waren.

Frage: Bedroht ein potenzielles Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) gegen Trump die Stabilität der militärischen Hilfe für Israel unter Bedingungen eines langwierigen Krieges? Welche Folgen könnte eine Änderung des politischen Kurses des Weißen Hauses für die Sicherheit in der Region haben?

Portnikov. Erstens ist das noch lange hin: Die Kongresswahlen sind erst im November 2026. Der neue Kongress beginnt erst 2027 zu arbeiten. Ein reales Impeachment Trumps kann nur stattfinden, wenn die Demokraten die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses übernehmen. Beide, nicht nur eine. Verstehen Sie? Selbst wenn das passiert, wird es 2027 passieren. Dabei bleibt die Administration republikanisch; an die Spitze der Vereinigten Staaten würde dann der Vizepräsident J. D. Vance treten. Selbst wenn wir uns vorstellen, dass die Demokraten ihm auch ein Impeachment erklären wollen, würde das trotzdem nicht früher als ein Jahr später passieren. Sie können ja nicht sofort. Man braucht irgendwelche juristischen Gründe für ein Impeachment, und nicht einfach : „Wir wollen ein Impeachment – also gibt es eines.“

Also wird sich der außenpolitische Kurs des Weißen Hauses nicht schnell ändern. Ich denke überhaupt nicht. Oder glauben Sie, die Demokraten seien irgendwelche Verbündeten Irans? Aber das Wichtigste: Die militärische Hilfe für Israel ist in amerikanischen Gesetzen festgeschrieben. Sie kann gewährt werden, aber grundsätzlich ist sie gesetzlich begründet, und es gab immer eine parteiübergreifende Unterstützung dieser Hilfe. Nur die Biden-Administration konnte glauben, dass die israelische Regierung in Gaza zu radikal handelt. Trump spricht darüber nicht, aber erinnern Sie sich, dass eine große Zahl demokratischer Wähler gerade nicht für Kamala Harris gestimmt hat, weil sie meinte, die Unterstützung Israels durch die Biden-Administration sei zu stark gewesen. Also wird es hier keine Änderung des außenpolitischen Kurses geben. Und die Republikaner werden zumindest in den nächsten zwei Jahren – selbst wenn es ein fantastisches Impeachment Trumps mit demokratischer Kontrolle beider Kammern gäbe – nirgendwo verschwinden. Das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Moment, den man beachten muss.

Frage: Wenn es ein Kampf von Diktaturen gegen Demokratie ist – auf welcher Seite sollten die Diktaturen des Persischen Golfs stehen, wie Saudi-Arabien, die VAE, Katar, Kuwait, Bahrain?

Portnikov. Auf der Seite der Demokratie. Das ist kein linearer Prozess. Immer, wenn es einen Kampf zwischen Diktaturen und Demokratie gibt, stehen einige Demokratien auf der Seite von Diktaturen, und einige Diktaturen auf der Seite der Demokratie. Denn oft versuchen stärkere Diktaturen, kleinere auszubeuten und sich deren Eigentum anzueignen. Das ist ein Naturgesetz. Andererseits haben die westlichen Demokratien dank dem den Zweiten Weltkrieg gewonnen, dass eine Diktatur die andere angegriffen hat. Es gab ja keinen vollständigen Bund der Diktaturen – Sowjetunion, Italien und Deutschland. Und hier ist es ähnlich. Betrachten Sie das faktisch als Analogie dieser ganzen Geschichte. Andererseits unterstützt das demokratische Indien, wie Sie verstehen, die amerikanischen Handlungen in Iran nicht. Also sollte man die Situation nie zu sehr vereinfachen. Demokratische Länder können im Lager autoritärer Staaten sein und deren Interessen berücksichtigen, und umgekehrt.

Wir werden beobachten, wie sich dieser Prozess entwickeln wird. Er wird sich dramatisch entwickeln. Das sage ich Ihnen sofort: Es wird noch so manche wichtige Nachricht und ernsthafte Wendung geben. Und für uns ist das von großer Bedeutung, denn – ich wiederhole – der Ausgang dieses Prozesses wird unseren Krieg maßgeblich beeinflussen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Ескалація війни: подробиці | Віталій Портников. 02.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 02.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Krieg gegen Iran: erste Folgen | Vitaly Portnikov. 01.03.2026.

Wie wir es mit Ihnen vereinbart hatten: Heute die neuen, ersten Zwischenbilanzen des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran, neue Perspektiven der Entwicklung der Lage im Nahen Osten, neue Erwartungen in dieser sehr schwierigen Situation, in der sich die Welt befindet, nachdem die Vereinigten Staaten und Israel einen neuen Krieg begonnen haben, der offenbar nicht nur darauf zielt, der Islamischen Republik Iran die Atomwaffenarsenale zu nehmen, zumindest die Möglichkeit, solche Arsenale vorzubereiten, sondern auch darauf, das Regime im Iran zu ersetzen, das seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Gegnern sowohl der Vereinigten Staaten als auch anderer Länder der zivilisierten Welt gehört und es für notwendig hält, die Notwendigkeit der Zerstörung des jüdischen Staates zu proklamieren.

Das wichtigste Ereignis dieses Tages, über das ich morgens bereits gesprochen habe, das ich aber noch einmal wiederholen möchte, ist die Tötung des Obersten Führers Irans, Ayatollah Khamenei. Das geschah gestern, doch erst heute wurde deutlich, dass es tatsächlich so ist. Offiziell hat Iran den Tod Khameneis sowie weiterer hochrangiger Vertreter des Regimes anerkannt.

All die Gespräche darüber, dass die Vereinigten Staaten in dieser Situation das internationale Recht nicht einhalten, einen amtierenden Staatschef getötet hätten, sind ungefähr dieselbe Demagogie, die man etwa auch auf die Herbeiführung des Suizids eines voll amtierenden, legitimen Reichskanzlers Deutschlands, Adolf Hitler, anwenden könnte. Umso seltsamer ist es, wenn so etwas Ukrainer sagen.

An den Händen Ayatollah Khameneis klebt Blut nicht nur seiner eigenen Landsleute, die er zu Tausenden unter Kugeln und an Galgen schickte, um sein blutiges und brutales Regime zu bewahren, nicht nur Blut von Israelis, sondern auch das Blut sehr vieler Ukrainer und der Passagiere unseres Linienflugzeugs, das am Flughafen von Teheran abgeschossen wurde. Und man soll nicht glauben, das sei einfach so passiert. Und ebenso das Blut jener, die zu Opfern iranischer Shahed-Drohnen wurden, die Iran der Russischen Föderation bereits in den ersten Wochen des Krieges Russlands gegen die Ukraine großzügig lieferte, während er gleichzeitig behauptete, mit diesem Krieg nichts zu tun zu haben. Das ist ein widerlicher, lügnerischer, niederträchtiger, grausamer, abscheulicher Mensch. Und sein Tod ist geradezu der Sieg des Guten über das Böse.

Wir diskutieren jetzt nicht, inwieweit dieser Tod zum Abbau des iranischen Regimes führen wird. Gerade daran habe ich erhebliche Zweifel. Ebenso habe ich erhebliche Zweifel daran, wie positiv er den Verlauf des Krieges beeinflussen wird. Aber wenn wir über die Person dieses Abschaums sprechen, dann hat er einen solchen Tod natürlich verdient. Ja, natürlich: Angesichts dessen, dass er 87 Jahre alt war und keinen besonders guten Gesundheitszustand hatte, hätte er möglicherweise auch die nächsten paar Jahre nicht überlebt. Aber darum geht es nicht, sondern um die Gerechtigkeit der Bestrafung eines Mörders, Tyrannen und Diktators.

Doch das ist sozusagen der Hintergrund dieses Krieges. Versuchen wir nun, die politischen Kernpunkte dessen zu verstehen, was heute geschieht. Am Abend, nach unserer Zeit, sprach Donald Trump über die Möglichkeit von Verhandlungen und sagte, eine neue iranische Führung habe sich mit dem Vorschlag an ihn gewandt, zu sprechen, und er sei bereit, mit ihnen zu reden. Der iranische Außenminister Abu Araqchi habe in einem Gespräch mit seinem omanischen Kollegen angeblich ebenfalls die Bereitschaft Irans zu irgendwelchen Verhandlungen eingeräumt, die zu einer Deeskalation des Konflikts führen könnten. Gleichzeitig betont die Washington Post, Trump wäre bereit, den Krieg am liebsten schon heute zu beenden, aber Iran wolle das nicht.

Versuchen wir nun zu verstehen, wer wirklich mehr an einem schnellen Ende des Krieges interessiert ist. Natürlich wirkt es auf den ersten Blick so, als sei es der Iran: Seine obersten Führer sterben, seine Armee wird zerstört, seine Wirtschaft bricht zusammen. Und er müsste sich mit Trump auf ein Ende dieses Krieges einigen. Aber offensichtlich nicht zu Trumps Bedingungen, nicht zu Bedingungen, die eine Kontrolle der Vereinigten Staaten über Irans nukleare Arsenale vorsehen würden, Irans Verzicht auf Urananreicherung, eine Kontrolle der Vereinigten Staaten über iranisches Öl im Austausch für die Aufhebung von Sanktionen gegen dieses Land. Wenn Sie sich erinnern: Dieses Land steht seit Jahrzehnten unter Sanktionen, was es übrigens nicht daran hinderte, die Entwicklung seines nuklearen Arsenals fortzusetzen.

All das ist Ihnen, denke ich, sehr bewusst. Und hier gibt es eine ziemlich einfache Sache: Iran beobachtet, wie die von ihm gewählte Taktik auf Trump und seine politischen Perspektiven wirkt. Dabei gibt es sofort mehrere Punkte.

Der erste Punkt, wenn wir über das Hinauszögern des Krieges sprechen, betrifft, wie sich gerade dieses Hinauszögern in Trumps politischen Perspektiven bemerkbar macht. Wir sehen bereits Umfragen, die zeigen: Die überwiegende Mehrheit der Amerikaner ist dagegen, dass die Vereinigten Staaten sich in einen neuen Krieg hineinziehen lassen.

Gleichzeitig unterstützt die Mehrheit der Republikaner die Handlungen des Präsidenten. Aber das gilt, solange es wie eine blitzschnelle Spezialoperation aussieht, solange Ayatollah Khamenei getötet wurde, solange dieses Gefühl des Sieges da ist, solange es keine Meldungen über Opfer unter amerikanischen Soldaten gibt. Doch genau heute beginnen diese Meldungen einzutreffen. Und wie Sie verstehen: Je mehr Kriegstage es gibt, desto mehr Opfer wird es geben.

Wir haben es, nebenbei, mit unterschiedlichen Zivilisationen zu tun. Die iranische Führung nimmt alle Meldungen über Opfer unter der eigenen Bevölkerung völlig gelassen hin. Sie nutzt Berichte über diese Opfer, um die Macht zu halten. Diese Opfer interessieren sie überhaupt nicht. Sie interessiert, dass sie ein Korps der Wächter der Islamischen Revolution haben, das iranische Proteste niederschlagen kann, falls es in einer solchen Situation dazu kommt.

Das ist der erste Punkt. Den Krieg fortzusetzen, um in der amerikanischen Gesellschaft eine starke Unzufriedenheit mit diesem Krieg zu erzeugen, ist fast eine sichere Strategie. Die amerikanische Gesellschaft ist nicht die israelische. Ab einem gewissen Moment beginnt sie zu verlangen, dass die Beteiligung am Krieg beendet wird. Ein Präsident, der das nicht kann, verliert politische Perspektiven. In der eigenen Partei beginnt man, Druck auf ihn auszuüben. Selbst wenn Trump diese Partei derzeit privatisiert hat, dann nur, weil er ihr Siege schenkt. Wenn er ihr aber Niederlagen beschert, wird das Gespräch mit ihm ein ganz anderes sein.

Der zweite Punkt, ebenfalls gewählt, nicht wirklich unerwartet, aber sehr unangenehm für die Vereinigten Staaten, sind die iranischen Schläge gegen die Länder am Persischen Golf. Natürlich: Als Trump und der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu diese Operation zur Eliminierung Ayatollah Khameneis und des möglichen iranischen Nukleararsenals planten, verstanden sie sehr gut, dass Iran vor allem Israel antworten würde, und dass Israels Bürger gegenüber der eigenen Regierung solche Schläge ruhig hinnehmen würden, weil sie verstehen: Es geht um einen existenziellen Konflikt, es geht um einen Krieg gegen einen Staat, der offiziell als Ziel seiner Außenpolitik die vollständige Vernichtung des jüdischen Staates ausruft.

Wenn es also darum geht, diesen Staat zu schwächen, ja sogar dieses Regime abzubauen, dann muss man es eben aushalten. Und genau so geschieht es. Sogar der Führer der israelischen Opposition, Yair Lapid, der die Handlungen der Regierung Netanjahu in Gaza recht kritisch sah und damals den Eintritt in eine Regierung der nationalen Einheit verweigerte, hat nun die Regierung unterstützt, den Premierminister unterstützt und gesagt, es sei eine existenzielle Frage. Und es scheint mir, dass Netanjahu und Lapid sich bereits morgen treffen, um über die Sicherheitslage zu sprechen. Das heißt: Diese Rechnung hat sich als absolut richtig erwiesen.

Aber die Schläge gegen die Länder am Persischen Golf sind eindeutig nicht das, was es Trump erlaubt, die Situation gelassen zu betrachten. Iran hört nicht auf, er steigert diese Schläge. Auf die Länder am Persischen Golf wurde praktisch genauso viele Raketen abgefeuert wie auf Israel. All diese Schläge, zusammen mit Problemen rund um die Straße von Hormuz, durch die der überwiegende Teil des Weltöls geht, schaffen ernste Probleme auf dem Ölmarkt.

Viele Experten betonen, dass bereits morgen, wenn die Märkte öffnen, der Preis für Brent-Öl wahrscheinlich 100 Dollar pro Barrel erreichen wird und weiter steigen kann, falls der Krieg gegen Iran andauert. Und das bedeutet, wie Sie verstehen, steigende Benzinkosten. Kraftstoff wird unvermeidlich teurer. Schon jetzt spricht man von 0,25 Dollar in den Vereinigten Staaten. Das ist für Amerikaner erheblich spürbar. Das sind Warenpreise. Das ist eine Verschlechterung der Kaufkraft des normalen Amerikaners.

Und all das vor den Zwischenwahlen. Vor Zwischenwahlen, vor denen ohnehin eine riesige Zahl von Amerikanern unzufrieden ist mit dem, was mit ihrem Wohlstand geschieht. Und Trump läuft real Gefahr, die Wahlen krachend zu verlieren. Und die Iraner verstehen das sehr gut. Das ist ein Aspekt, der mit dem Persischen Golf verbunden ist.

Ein anderer Aspekt ist die Investitionsattraktivität der Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabiens, Katars, Bahrains, Kuwaits, all dieser Länder. Es wird deutlich: Diese berühmten Wolkenkratzer Dubais oder Abu Dhabis wurden ganz bestimmt nicht dafür gebaut, dass Raketen und Drohnen darin einschlagen. Touristen, die in ein Luxus-Resort gekommen sind, sitzen in unterirdischen Parkhäusern. Sie werden buchstäblich aus den Hotels auf die Straße gesetzt. Flughäfen sind geschlossen. Niemand weiß, wann der Flugverkehr wieder beginnt.

Wiederum: Menschen, die etwa in Israel waren, verstanden die Risiken sehr gut. Menschen, die in die Emirate gereist sind, sind, denke ich, absolut schockiert, zumal es, gelinde gesagt, nicht arme Leute sind. Ganz zu schweigen von Menschen, die in diesen Ländern Immobilien gekauft haben und nun mit Angst abwarten, was mit diesen Immobilien geschieht. Und es gibt Leute, die dort ganze Türme als Immobilien kaufen, wie Trump und seine Freunde und Verwandten. Und vor ihren Augen verwandelt sich das alles jetzt in etwas Unverständliches. Unklar, wie es weitergeht.

Sie werden sagen: “Na und? In der Ukraine ist seit vier Jahren Krieg. Heißt das etwa, dass es dort keinen Immobilienmarkt gibt?” Doch, es gibt ihn. Wobei man sofort sagen muss, dass dieser Markt preislich in den westlichen Regionen anders aussieht als in den östlichen. Aber vergessen Sie das Wichtigste nicht: Der wichtigste Investor in diesen Immobilienmarkt ist der Ukrainer, der entweder einfach Wohnraum sucht oder diese Wohnung als Investition betrachtet, um darin andere Ukrainer unterzubringen, bei Beschränkungen im Geldverkehr in der Ukraine. Ich meine die Unmöglichkeit, in ausländische Projekte zu investieren. Aber Ausländer, Investoren in ukrainische Immobilien, werden Sie jetzt nicht finden.

Und wie Sie verstehen: Die überwiegende Zahl derjenigen, die Immobilien in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder in anderen Golfstaaten kaufen, sind gerade Ausländer, nicht Einheimische. Das ist gefährlich. Stellen wir uns vor, der Krieg endet mit irgendeiner verwaschenen, deklarativen Einigung. Die iranische Macht bleibt bestehen, mit einem neuen Obersten Führer, und daneben stehen Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Bahrain, Katar mit amerikanischen Basen. Und alle werden erwarten, dass sich das alles wiederholen kann.

Trump sagte: “Wenn sie es erneut versuchen, werde ich wiederkommen.” “Selbst wenn das endet, komme ich wieder zu ihnen.” Und sie kommen nach Dubai und verwandeln es wieder in einen Brandherd. Das ist eine ernsthafte Frage für die künftige Entwicklung dieser Region. Und die Iraner verstehen sehr gut, dass sie an einer Schwachstelle treffen, wenn sie die Länder am Persischen Golf angreifen.

Das ist ein weiterer Punkt, der ihnen erlaubt, eher an eine Fortsetzung des Krieges zu denken als an seine Beendigung. Zumindest wollten sie den Krieg so lange fortsetzen, bis Trump es politisch “heiß” wird. Sie wollen ihn in diesem Krieg anbräunen. Das sind offensichtliche Absichten.

Aber die Frage ist nicht, was sie wollen. Putin will auch vieles. Die Sache wird erst klar, wenn wir die Frage stellen: Haben sie Ressourcen, um lange amerikanische und israelische Bombardierungen auszuhalten und zugleich genug Ressourcen, um weiter sowohl Israel als auch die Länder am Persischen Golf zu treffen, amerikanische Objekte zu zerstören, die Zahl der getöteten amerikanischen Soldaten zu erhöhen?

Das ist für sie zwingend: die Zahl toter amerikanischer Soldaten zu erhöhen. Und wünschenswert ist es, die Zahl zerstörter Objekte zu steigern, möglichst teure Immobilien in arabischen Ländern, unter der Sauce: “Bei euch leben CIA-Agenten und amerikanische Diplomaten. Deshalb zerstören wir all eure Hotels und Häfen, wo amerikanische Schiffe liegen, und Flugplätze, wo amerikanische Flugzeuge stehen.” Man kann dort alles zerstören, unter dieser Sauce, und sagen, es seien militärische Objekte. Wir wissen bereits, wie Russland das macht. Die Frage ist ausschließlich die Ressource. Wie sie bei diesen Schlägen agieren, wie sie am Persischen Golf agieren, ist ebenfalls klar.

Und natürlich werden sie versuchen, eine größere Eskalation in der Region zu erzeugen, um möglicherweise sogar einen Bodenkrieg zu erwirken. Sie können die radikale schiitische Organisation Hisbollah im Libanon, die einen Waffenstillstand mit Israel hat, nicht dazu zwingen, in diesen Bodenkrieg zu gehen. Aber natürlich wünschen sie sehr, dass Hisbollah vor dem Hintergrund des Todes Ayatollah Khameneis diesen Waffenstillstand aufkündigt. Und natürlich sind die Huthis im Jemen eine weitere Front, die sie öffnen können. Viel ist ihnen nach dem faktischen Zusammenbruch der Hamas nicht geblieben, aber etwas ist geblieben, das sie zu aktivieren versuchen werden.

Eine weitere Kraft, die an der Fortsetzung dieses Krieges interessiert ist, ist natürlich Russland. Russland hat Iran einerseits in keiner Weise geholfen. Das ist ein sehr interessanter Punkt, der sich künftig weniger auf Irans Position auswirken wird als auf Russlands Position, weil Russland erneut zeigte, dass es diesen Pseudo-Verbündeten nicht helfen kann oder vielleicht nicht helfen will. Sie erinnern sich, wie es in Syrien mit Baschar al-Assad war, der am Ende in Moskau landete. Die Russen konnten nichts tun, um Nicolas Maduro vor Trump zu schützen, und sie wollten es auch nicht wirklich.

Nun gibt es Informationen, dass sich die Iraner an die Russen zumindest um Informationshilfe wandten, etwa bezüglich israelischer Flugzeuge, die durch den syrischen Luftraum fliegen würden. Dort haben die Russen ja Basen. Oder um diese Flugzeuge mit russischer Militärtechnik zu blenden. Die Russen taten nichts. Und wie Beobachter berichten, schalteten sie sogar Transponder ab, damit die Israelis und Amerikaner ihnen später nicht vorwerfen, sie hätten irgendwie auf Irans Seite an diesem Krieg teilgenommen. Für die Iraner ist das, gelinde gesagt, eine unangenehme Enttäuschung.

Wobei: Sie hätten sich auch vorher Putins Handlungen anschauen können. Aber Putin konnte so handeln, auch aus dem Gedanken heraus, den Konflikt zu verlängern. Was braucht er jetzt von Iran? Shahed-Drohnen aus Iran braucht er nicht mehr. Er baut sie in eigenen Fabriken. Das Rezept ist ihm bekannt. Militärhilfe von Iran braucht er nicht. Er braucht, dass Iran kämpft. Denn solange Iran sich den Vereinigten Staaten widersetzt, steigt der Ölpreis. Und je länger dieser Krieg dauert, desto mehr Chancen hat Putin, seine Taschen mit Dollars zu füllen, die er braucht, um den russisch-ukrainischen Krieg in den kommenden Jahren fortzusetzen.

Umso mehr, falls der Durchgang durch die Straße von Hormuz real beeinträchtigt wird, selbst wenn sie nicht blockiert wird, denn die Amerikaner können sie in wenigen Stunden mit militärischer Gewalt wieder öffnen. Die Iraner können dort Minen legen, sie können dort etwas beschießen, sie können durch ihr Handeln den Frachttarif durch die Meerenge für Versicherungen erhöhen.

Und am Ende bleibt China ungefähr ohne 35 bis 37 Prozent des iranischen Öls, das es kauft. Zusätzlich zu Problemen mit saudischem Öl oder Öl anderer Golfstaaten. Und was bedeutet das? Dass China den Kauf russischen Öls steigern muss, möglicherweise aus jenen Reserven, die nach einer gewissen Reduzierung der Käufe aus Indien übrig geblieben sind. Und die Russische Föderation wird viele Möglichkeiten haben, den Preis dieses Öls für China zu erhöhen, weil China buchstäblich keine Wahl haben wird.

Deshalb ist der Hauptbegünstigte des heutigen Tages gerade der russische Präsident. Ja, er verliert vielleicht einen Verbündeten, obwohl unklar ist, ob er ihn wirklich verliert. Ja, er demonstriert erneut, dass er keine realen Möglichkeiten hat, diese Verbündeten zu retten. Das wussten wir auch ohne diesen Krieg. Aber ihn interessiert, wie Sie wissen, in diesem Leben ausschließlich der Ölpreis, weil von ihm seine Ressourcen abhängen, und vom Ölpreis hängt im Grunde das Überleben seines Regimes ab.

Und das ist ein Punkt, über den man lange sprechen kann, wenn man die künftige Entwicklung der Ereignisse im Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran diskutiert: diese russischen Interessen. Auch deshalb muss man daran denken, dass wir daran interessiert sein sollten, dass dieser Krieg so schnell wie möglich endet. Eine Verlängerung dieses Krieges ist für uns überhaupt nicht vorteilhaft. Ganz zu schweigen davon, dass die Welt bereits den zweiten Tag nur über diesen Krieg spricht.

Nicht alle vergessen allerdings die Ukraine. So sagte heute der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz in einer großen Rede, man könne genauso, wenn man über das terroristische Regime Irans spricht, über seine Handlungen gegen Nachbarn, über seinen Wunsch, Nachbarn zu vernichten, nicht vergessen, dass Russland gegenüber der Ukraine genau dasselbe tut. Damit erinnert Merz im Grunde an gewisse doppelte Standards der amerikanischen Administration: Gegen Iran ist sie bereit zu kämpfen und sogar den Führern dieses Staates ohne Zögern zu töten. Gegenüber Russland aber solle man wirtschaftliche Kontakte aufbauen, mit Russland handeln, Russland und Ukraine “handeln lassen”. Warum sagte der Vizepräsident der Vereinigten Staaten J. D. Vance nicht, dass Israel und Iran handeln müssen? Offensichtlich wird es ohne einen Wechsel des iranischen Regimes niemals eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Israel und Iran geben. Warum gelten für Russland, das ein Verbündeter Irans ist, das die Eliminierung Ayatollah Khameneis nun öffentlich verurteilte, das seit vier Jahren einen schrecklichen Krieg in der Ukraine führt und nicht aufhören will, in der Administration Donald Trumps andere Standards als für Iran?

Ganz zu schweigen davon, dass Iran Atomwaffen erst erlangen will, während die Russische Föderation ein Nukleararsenal besitzt, das die Vereinigten Staaten auslöschen kann, als hätte es sie nie gegeben. Natürlich können die Vereinigten Staaten Russland mit demselben antworten, aber wem wird es dadurch leichter? Ist Russland mit dieser Ideologie, diesem Regime, diesen Verbündeten wie Iran nicht eine mindestens ebenso große Gefahr? Das ist natürlich ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt, den man sagen muss, wenn wir über diesen Krieg sprechen.

Nächste Woche wird alles klarer sein. Dass Trump das so schnell wie möglich mit irgendeiner Vereinbarung beenden will, weil er meint, das Wichtigste sei erledigt und nun müsse man sich einigen, ist für mich klar. Dass Netanjahu das nicht beenden will, bevor er dem iranischen Regime eine kritische Niederlage zufügt, und dass er Bürger im Rücken hat, die zu Ausdauer bereit sind, weil sie verstehen, dass die Alternative die Zerstörung Israels durch mehrere iranische Atombomben sein könnte, ist ebenfalls klar. Aber ebenso klar ist, dass auch Iran auf einen längeren Krieg eingestellt ist, um Trump in eine Situation politischen Scheiterns zu bringen, wie sie hoffen.

Letztlich denkt auch Netanjahu nicht an Trump, sondern an sein eigenes Land. Er kann Trumps Sympathie für Israel und seinen Hass auf Iran nutzen, um eigene politische Probleme zu lösen, Probleme der nationalen Sicherheit Israels. Wenn Trump in diesem Brandherd “verbrennt”, dann sei es so für Netanjahu: Er wird es überstehen, das ist nicht der letzte amerikanische Präsident, mit dem er zu tun haben wird, aber dann wird es die iranische Bedrohung nicht mehr geben. In diesem Sinne spielen sowohl Israel als auch Iran ihr eigenes Spiel: der eine in der Rolle des Verbündeten der Vereinigten Staaten, der andere in der Rolle ihres unversöhnlichen Feindes. In beiden Fällen geht es ums Überleben.

Und in Trumps Fall geht es um die Förderung des Überlebens Israels, und um eine gewisse Bedrohung nationaler Interessen der Vereinigten Staaten. Doch die Vereinigten Staaten, als große Nuklearmacht, riskieren, wie Sie verstehen, im Konflikt mit Iran nicht ihre eigene Existenz. Das ist ein ernster Punkt, den wir in den nächsten Tagen beobachten werden. Ich denke, wir werden auf dieses Thema in den nächsten Tagen zurückkommen. Das waren also die ersten Zwischenbilanzen dieses Tages, dieser zwei Tage eines großen Krieges im Nahen Osten.

Ich werde nun auf die Fragen antworten, die für diese Sendung wichtig sind, die bereits in dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Hätte man diesen Krieg im Iran und überhaupt die Revolution von 1979 vermeiden können, wenn die CIA nicht 1953 einen Putsch gegen den demokratisch gewählten Premierminister Mohammed Mossadegh durchgeführt und die Diktatur des Schahs Mohammed Reza Pahlavi unterstützt hätte?

Portnikov: Wissen Sie, aus heutiger Sicht ist es ziemlich leicht, über die Ereignisse der 1950er Jahre zu sprechen. Als Mohammed Mossadegh die iranischen Ölgesellschaften verstaatlichen wollte, glaubten viele in Washington, er handle im Interesse der Sowjetunion. In der Logik des Kalten Krieges war das ein wichtiger Punkt für die weitere Entwicklung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran. Zumal die sowjetische Besatzung Irans erst acht Jahre zuvor geendet hatte. Vergessen Sie nicht: Dort waren sowjetische Truppen, Iran war im Grunde ein Land unter sowjetischem Protektorat, und die Sowjetunion versuchte sogar, dort auf seinem Gebiet Pufferstaaten der iranischen Aserbaidschaner zu schaffen. Deshalb schien es, dass die Rückkehr Mohammed Reza Pahlavis als vollwertiger Herrscher, den Mossadegh ignorierte, es erlauben würde, Iran wenigstens in der Umlaufbahn amerikanischen Einflusses zu halten. Niemand weiß, was gewesen wäre, wenn die Regierung Mossadegh geblieben wäre. Möglicherweise wäre Iran viel früher Teil der sowjetischen Einflusssphäre geworden, lange bevor sich die Verbündetheit zwischen islamistischem Iran und Putins Russland herausbildete.

Frage: Kann eine Verlängerung des Konflikts in Iran ein Trigger und ein Fenster der Möglichkeit für einen chinesischen Angriff auf Taiwan sein?

Portnikov: Dessen bin ich übrigens überhaupt nicht sicher, weil Xi Jinping in dieser Situation sich erneut von Trumps Unberechenbarkeit und seiner Bereitschaft überzeugen kann, in kritischen Situationen radikal zu handeln. Wenn du solche Handlungen Trumps siehst, nicht nur Worte, nicht nur Erklärungen, sondern Taten, kannst du durchaus befürchten, dass solche Taten auch gegen dich gerichtet sein könnten. Deshalb glaube ich eher, dass die Situation rund um einen chinesischen Angriff auf Taiwan vor dem Hintergrund dieses Krieges eher vertagt wird. Außerdem riskiert China in der jetzigen Situation ziemlich stark. Iran ist einer der Verbündeten der Volksrepublik China. Im Grunde kauft China das gesamte iranische Öl. Alles. Unklar ist, wie die Energiesituation Chinas nach diesem Krieg aussehen wird: Ob es sich auf russisches Öl umstellen muss oder ob es sich mit den Vereinigten Staaten über Öllieferungen einigen muss.

Zweitens: Wenn das iranische Regime schwächer wird, schwächt das automatisch die Position der Volksrepublik China in der Region. Zumal China dort, wie übrigens auch Indien, diesen Angriff verurteilt hat. Und sie haben die Golfstaaten in keiner Weise unterstützt, ebenso wie Russland. Der Außenminister der Russischen Föderation, Sergej Lavrov, sprach mit seinem Kollegen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und beschuldigte die Vereinigten Staaten des Angriffs auf Iran. Er verlor in der offiziellen Mitteilung nicht ein Wort über irgendeine Solidarität mit den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das ist ein ziemlich ernster Punkt, der damit zusammenhängt, was sich in der Entwicklung der Ereignisse um Iran herum abspielen wird.

Frage: Die Vereinigten Staaten haben 20 Jahre in Afghanistan gekämpft, und es gab dort Tausende Opfer, und irgendwie verlangte niemand besonders, aufzuhören. Übertreiben Sie hier nicht mit Iran.

Portnikov: Natürlich verlangte man, aufzuhören. Natürlich waren Debatten über den Abzug der Truppen aus Afghanistan immer ein wichtiger Teil der amerikanischen Innenpolitik. Natürlich setzte die Republikanische Partei Präsident Barack Obama unter Druck, wegen der Notwendigkeit eines Abzugs. Und Donald Trump war der Hauptkritiker der Tatsache, dass diese Truppen in Afghanistan seien, ebenso wie sein eigener Vizepräsident Joseph Biden. Hier gab es eine Einheit der Positionen von Trump und Biden. Aber entscheidend ist nicht das. Entscheidend ist, wer welche Basis hat.

Ja, jeder US-Präsident beginnt im Grunde als Isolationist, wird aber später gezwungen, eine Person mit globalem Einfluss zu werden. Aber weder Trump in seiner ersten Amtszeit, noch Obama, noch Biden hatten eine offensichtliche Basis in Gestalt der MAGA-Bewegung, die überhaupt für Trump als Isolationisten stimmte, der sich stets damit brüstete, keinen neuen Krieg begonnen zu haben, und die Vereinigten Staaten aus allen Kriegen herausführen zu wollen. Trump traf die Entscheidung zum Abzug aus Afghanistan, falls Sie sich nicht erinnern, nachdem er Obama dafür kritisiert hatte, dass diese Truppen dort seien. Und wenn Trump diese Basis verliert, verliert er die Republikanische Partei. Bis jetzt bleibt diese Basis in der Soziologie über die Unterstützung Trumps weitgehend recht stabil. Zwar gibt es auch unter Anhängern dieser Bewegung Stimmen, Trump habe sie schlicht betrogen. Aber das sind keine Massenstimmen.

Aber ich wiederhole: Wir sprechen von einer Operation, in der bis fast zum heutigen Tag keine Opfer zu beklagen waren. Und sie dauerte zwei Tage. Glauben Sie mir: Wenn die Operation lang wird, wird Trump seine Basis in Gestalt dieser Bewegung verlieren. Die Leute werden sehen, dass er kein Isolationist ist, sondern jemand, der Kriege beginnt. Viele Menschen in MAGA sind antisemitisch eingestellt. Und sie werden überhaupt nicht verstehen, warum man Israel beim Überleben helfen soll. Ein leuchtendes Beispiel ist Marjorie Taylor Greene. Und obendrein wird sich der Lebensstandard verschlechtern. Ich erfinde nichts. Ich erkläre Ihnen die objektive Situation.

Frage: Können die chaotischen Angriffe Irans auf alle Verbündeten zu einem Hebel auf die USA werden und ein Beispiel für andere autoritäre Länder sein?

Portnikov: Ja, natürlich, das ist genau der Hebel auf die Vereinigten Staaten. Erstens zeigt man, dass Länder mit amerikanischen Basen nicht vor fremden Angriffen geschützt sind. Und was können die Vereinigten Staaten tun, um sie zu schützen? Iran bombardieren? Das tun sie ohnehin. Aber die Sicherheit der Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabiens und anderer Golfstaaten können sie nicht garantieren. Diese Länder stehen in Flammen. Und stellen wir uns nun eine Situation vor, in der Russland etwa Deutschland oder Polen mit derselben Intensität trifft, amerikanische Objekte oder nicht amerikanische, aber Objekte dieser Länder. Werden die Vereinigten Staaten Schläge auf das Territorium einer Nuklearmacht führen? Eine gute Frage. Das sind doch ebenso Verbündete, auf deren Territorium es amerikanische Militärobjekte gibt. Iran führt all diese Verbündeten auf allen Kontinenten zu der Frage: Wenn ihr im künftigen Konflikt autoritärer Länder mit der Demokratie überleben wollt, braucht ihr dann amerikanische Basen? Oder solltet ihr einfach gut von eurem Öl leben? Denkt darüber nach. Das ist einer der Punkte, die man im Iran vertreten kann.

Frage: Sieht das, angesichts der Fortsetzung dieser Angriffe, nicht wie ein Fehlschlag all der Bemühungen der USA und Israels aus, wenn Trump bereits Verhandlungen zugestimmt hat und ihm die Frage des Regimewechsels eigentlich egal ist? So eine Art Maduro-Syndrom.

Portnikov: Das ist eine gute Frage. Mich interessiert das auch. Aber andererseits: Sagen Sie mir bitte, wie kann Trump dort real die Macht wechseln? Für einen Machtwechsel in einem autoritären Staat braucht es verschiedene Bedingungen. Erinnern wir sie einfach.

Erste reale Bedingung für den Sturz eines autoritären Regimes ist eine Bodenintervention. Die gibt es nicht. Niemand bereitet sie vor.

Zweite Bedingung ist eine Revolution, ein Volksaufstand. Doch dafür muss das Regime vollständig desorientiert, hinweggefegt sein, und es muss einen schwachen Sicherheitsapparat haben. Bis jetzt sieht man keine Voraussetzungen dafür. Sie können entstehen, falls der Krieg fortgesetzt wird. Das ist ein Risiko für das iranische Regime, den Krieg lange fortzusetzen, aber bis jetzt ist alles “normal”.

Dritter Punkt: Voraussetzung für einen Regimewechsel ist ein Militärputsch. Der Erbe des iranischen Thrones, Schahprinz Reza Pahlavi, sagt, die Armee werde auf die Seite der Protestierenden überlaufen, aber bis jetzt gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass die iranische Armee, die seit Ende der 1970er Jahre dem islamischen Regime dient, bereit wäre, irgendwen zu unterstützen. Das gibt es nicht. Also ist die Frage eines Militärputsches ebenfalls geschlossen.

Vierte mögliche Bedingung: ein Aufstand innerhalb des Regimes. Die Bereitschaft eines Teils des Regimes zu einer realen Schwächung, sozusagen eine “Perestroika”. Im Iran gab es immer sogenannte moderate Reformer. Einer ihrer Vertreter ist formal der amtierende Präsident Pezeshkian. Doch diese Leute zeigten nie den Wunsch nach einem realen Regimewechsel.

Und dann stellt sich die Frage: Trump mag einen Wechsel dieses Regimes wollen, aber wenn er nicht zu einer Bodenoperation bereit ist und nicht zu einer großen Zahl von Opfern unter amerikanischen Soldaten, und vor allem wenn die amerikanische Gesellschaft dazu nicht bereit ist, dann ist das Maximum in so einer Situation, die Möglichkeit Irans zur Herstellung einer Atombombe und ballistischer Raketen, die schon jetzt Israel und die Länder am Persischen Golf erreichen, zu reduzieren. Und was tun Washington und Jerusalem jetzt? Sie treffen diese Arsenale, in der Hoffnung, dass die iranische Führung die richtigen Schlüsse zieht und nicht weiter versucht, eine Nuklearmacht zu werden.

Aber ich bin absolut nicht sicher, dass es so kommt. Ich halte auch das Gegenteil für möglich: Wenn dieser Krieg schnell mit irgendwelchen Verhandlungen endet, dann wird die neue Führung der Islamischen Republik es eilig haben, ihre Fähigkeiten zum Besitz von Atomwaffen wiederherzustellen. Zumal Ayatollah Khomeini mit seiner Pseudofatwa, die der Islamischen Republik die Produktion von Atomwaffen verbietet, nicht mehr unter den Lebenden ist. Das ist ein ziemlich wichtiger Punkt in dieser Situation.

Frage: Kann im Fall einer Verlängerung des Krieges in Iran ein “Orban” profitieren, wenn etwa die Benzinpreise in Ländern steigen, die an Ungarn grenzen?

Portnikov: Warum glauben Sie, dass sie in Ungarn nicht steigen werden? Wenn der Ölpreis steigt, steigt auch der Preis für russisches Öl. Ganz zu schweigen davon, dass die Druschba-Pipeline, durch die Ungarn russisches Öl erhielt, sowohl auf ukrainischem als auch auf russischem Gebiet beschädigt ist. Ich verstehe nicht gut, wie Ungarn diese Lieferungen in nächster Zeit wiederherstellen kann. Aber selbst wenn es gelingt: In jedem Fall werden die Preise steigen. Und Ungarn ist ein kleines Land. Wenn die Kraftstoffpreise in Nachbarländern steigen, steigen ohnehin die Transportkosten, die Warenpreise in der Europäischen Union. Das wird sich auf den Lebensstandard der Ungarn auswirken, die nicht zu den reichsten in der EU gehören. All das wird passieren. Deshalb glaube ich nicht, dass Orban davon profitieren kann.

Frage: Was hat sich für uns im Krieg mit Russland verändert?

Portnikov: Viel hat sich verändert. Erstens ist der russische Krieg gegen die Ukraine an den Rand der Weltpolitik gerückt. Das ist für uns eine sehr gefährliche Variante. Punkt eins. Zweitens: die Waffenfrage. Wenn sich dieser Krieg hinzieht, entsteht, wie Sie verstehen, ein Waffenproblem. Vor allem entsteht ein Problem der Luftverteidigung.

Vor Kurzem wunderten sich Ukrainer, warum die Vereinigten Staaten so viele Patriot-Systeme nach Saudi-Arabien geliefert haben. Wozu brauchen sie die überhaupt? Warum liefert man uns keine Patriots, wenn Russland uns so beschießt, während Saudi-Arabien ruhig lebt und keine Sorgen hat? Jetzt verstehen Sie, warum: Weil es in Riad und in Washington Experten, Spezialisten, Politiker gab, die verstanden, dass Saudi-Arabien im Fall eines Krieges mit Iran unter erheblichen Schlag geraten kann. Einschließlich der Ölfelder: Wenn Iran sie angreift, und das ist bereits über Proxy-Kräfte geschehen, kann das Chaos und eine Krise am Ölmarkt sowie eine Katastrophe in der Weltwirtschaft auslösen.

Und schauen Sie jetzt: Wie viele Länder werden Luftverteidigungssysteme verlangen. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Kuwait, Katar, Jordanien, Israel. Wenn Sie also fragen, was sich im russisch-ukrainischen Krieg verändert hat, nach dem Motto “das ist weit weg, wir müssen hier an unsere Probleme denken”, dann denken Sie daran: Die Welt ist winzig. Und wenn Sie sich nicht für einen fremden Krieg interessieren wollen, denken Sie daran, dass sich in der Welt genauso wenige für unseren interessieren. Extrapolieren Sie einfach das Interesse an Ihrem Schicksal, ob Sie morgen sterben oder nicht, auf Ihr Interesse am Schicksal eines Menschen in Dubai oder in Tel Aviv. Dann wird Ihnen alles klar, und wie Sie den Menschen danken sollten, die sich in anderen Ländern für unser Schicksal interessieren, denen es nicht egal ist, dass wir getötet werden.

Aber das ist Emotion. Jenseits der Emotionen muss man klar sagen: Dieser Krieg, wenn er sich hinzieht, wird sich vor allem auf die Luftverteidigung der Ukraine sehr stark auswirken. Das ist, denke ich, ein offensichtlicher Punkt, den man im Kopf behalten muss. Genau deshalb wäre es so wünschenswert, dass dieser Krieg schnell ist und mit einem Erfolg der Vereinigten Staaten und Israels endet und mit der Vernichtung des iranischen Regimes.

Frage: Vielleicht werden die Amerikaner die Raketenproduktion so steigern, dass es auch für die Ukraine reicht.

Portnikov: Möglich. Aber es muss so sein, dass diese Raketen zu uns gelangen und nicht nach Saudi-Arabien oder in die Vereinigten Arabischen Emirate, die mit Sicherheit bereit sind, mehr dafür zu zahlen. In diesem Sinne hoffen wir natürlich, dass sich die Ereignisse in einer besseren Richtung entwickeln. Aber wie Sie wissen: Ich bin nie für einen langen Krieg. Ich halte einen langen Krieg immer für eine Falle. Und ein langer Krieg ist, wie Sie wissen, ein Weg zur Ausweitung des Krieges. Ich habe bereits gesagt, dass vier Jahre russisch-ukrainischer Krieg ein Weg zu einem großen Krieg sind. So ist es gekommen.

Wenn dieser Krieg nun groß wird, skaliert er weiter. Das ist wie Metastasen, das ist Onkologie. Jetzt ist noch nicht die Zeit zu zählen, aber nach einer gewissen Zeit, denke ich, wenn sich das hinzieht, kann man sich hinsetzen, rechnen und genau sagen, wann ein größerer Konflikt anderer Art beginnt. Das lässt sich leicht ausrechnen, denn Sie verstehen: Politik, Geschichte sind eine präzise Fertigkeit. Künstliche Intelligenz ist schwer zu berechnen, aber Menschen sind in ihren Handlungen so leicht zu berechnen, dass es keine besonderen Anstrengungen braucht. Man muss nur Dynamik und Tendenz verstehen.

Und das ist auch sehr wichtig, denn aus dieser Dynamik und Tendenz der Entwicklung gefährlicher Ereignisse in der Welt, dieser Ouvertüre zum Dritten Weltkrieg, in der wir leben, wird man verstehen können, wann die Symphonie beginnt und wie wir handeln müssen, um das Land zu bewahren, wenn diese Symphonie bereits gespielt wird.

Das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt. Aber im Moment beobachten wir einen der, wie ich sagen würde, größten und gefährlichsten Kriege der letzten Zeit. Und wir werden natürlich auf das Thema zurückkommen, wie sich die Ereignisse in den nächsten Tagen entwickeln werden.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Війна проти Ірану: перші наслідки | Віталій Портников. 01.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 01.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von KI ubd Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Trump hat einen neuen Krieg mit Iran begonnen | Vitaly Portnikov. 28.02.2026.

Vor nur wenigen Stunden haben die Vereinigten Staaten gemeinsam mit Israel die lange erwartete „Spezialoperation“ gegen das iranische Regime begonnen. Israel und die Vereinigten Staaten haben damit begonnen, Angriffe auf Iran zu fliegen. Zunächst schien es, als handele es sich um eine israelische, punktuelle Operation gegen militärische Objekte des iranischen Regimes. Doch nach kurzer Zeit wurde offensichtlich, dass es sich um einen gleichzeitigen amerikanisch-israelischen Schlag handelt – und dass die Vereinigten Staaten dabei die führende Rolle spielen.

Und nachdem sich der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, in einer vorab aufgezeichneten Ansprache an die Amerikaner und an die Welt gewandt hatte, wurde klar, welche Ziele die Vereinigten Staaten in dieser gemeinsamen Operation mit Israel verfolgen. Sie zielen vor allem auf die Zerstörung des militärischen Potentials der Islamischen Republik, auf die Unmöglichmachung ihres Zugangs zu nuklearen Technologien und auf eine mögliche Veränderung des Regimes in Iran. 

Trump, der – wie wir uns gut erinnern – vor einigen Wochen die Proteste in Iran gegen das Regime der Ajatollahs unterstützt hatte, wandte sich dieses Mal mit einem Aufruf an die Iraner, die Macht in die eigenen Hände zu nehmen, und betonte, dass es eine solche Gelegenheit vielleicht über mehrere Generationen hinweg nicht noch einmal geben werde. An die Iraner wandte sich auch ein anderer symbolträchtiger Politiker dieses Konflikts, der Kronprinz und erbliche Schah Irans, Prinz Reza Pahlavi, der ebenfalls betonte, dass diese Operation nicht gegen das iranische Volk, nicht gegen Iran gerichtet sei, sondern gegen das Regime der Ajatollahs.

Die Ereignisse entwickeln sich mit blitzartiger Geschwindigkeit. Im Moment können wir die tatsächlichen Ergebnisse noch nicht einmal einschätzen, zumal offensichtlich ist, dass die Operation nicht nur einen Tag dauern könnte. Und wie realistisch die Informationen sind, die derzeit von amerikanischen, israelischen oder iranischen Medien verbreitet werden – wie es im Krieg immer der Fall ist –, darüber sollte man noch nicht urteilen, denn jede Meldung, die aktuell in den Tickerleisten der Nachrichtenagenturen erscheint, muss sorgfältig überprüft werden.

Sie wissen, dass in den ersten Stunden nach Beginn der Operation beispielsweise vom Tod des Chefs des Generalstabs der iranischen Armee berichtet wurde. Und Israel spricht vom Tod vieler hochrangiger Vertreter des iranischen Regimes. Aber inwieweit entspricht das der Wirklichkeit? Und inwieweit kann Israel diese Behauptungen aktuell mit konkreten Fakten belegen? Das ist natürlich sehr schwer zu sagen.

Wir verstehen, dass es auch Versuche gab, den Obersten Führer der Islamischen Republik, Ajatollah Khamenei, und den Präsidenten der Islamischen Republik, Masoud Pezeshkian, zu liquidieren. Beide Führer der Islamischen Republik sind jedoch unversehrt geblieben. Ajatollah Khamenei wurde im Voraus aus seiner Residenz in Teheran an einen geschützten Ort gebracht. Und daran ist nichts ungewöhnlich, aus dem einfachen Grund, dass man sich im Iran auf einen solchen Angriff der Vereinigten Staaten vorbereitet haben könnte.

Es war offensichtlich, dass die Iraner selbst während jener Verhandlungsrunden, die sie mit den Sondergesandten des amerikanischen Präsidenten – den uns gut bekannten Steve Witkoff und Jared Kushner – führten, nicht vorhatten, sich, wie übrigens auch die Russen während Verhandlungen, auf irgendeinen realistischen Rahmen einzulassen, der einen amerikanischen Angriff hätte verhindern können. Sie wollten vor allem Zeit gewinnen, um sich sorgfältiger auf diesen Angriff vorzubereiten und dann einen seriösen Schlag gegen die Positionen der Vereinigten Staaten und Israels zu führen. Man kann sagen, dass beide Seiten diesen Verhandlungsprozess nicht für Verständigung, nicht für Frieden genutzt haben, sondern dafür, Möglichkeiten zu schaffen, den Feind zu treffen. Und das war das Hauptziel der Islamischen Republik während dieser Konsultationen, während Trump womöglich lediglich einen solchen Schlag vorbereitete, und vielleicht schwankte, weil er die Folgen nicht verstand und nicht absehen konnte, vielleicht viele unterschiedliche Einschätzungen zu den Konsequenzen dieses Schlags anhörte.

Jedenfalls sehen wir jetzt real auf den Bildschirmen unserer Fernseher und Smartphones Explosionen in Iran. Sie sind real, wir sehen sie. Aber wir sehen auch Explosionen in Israel – in Tel Aviv, in Haifa. Wir sehen Explosionen in Bahrain. Und erst wenige Minuten, bevor wir miteinander zu sprechen begonnen haben, gab es Explosionen in Abu Dhabi und Dubai. Menschen werden gerade aus dem Burj Khalifa evakuiert, diesem berühmten Bauwerk in den Vereinigten Arabischen Emiraten, das ein Symbol für Reichtum, Ruhe und Sicherheit war – und nun vielleicht zu einem Symbol für Bombardierung und Tod geworden ist.

Das heißt: Man kann jetzt sagen, dass Iran amerikanische Objekte im gesamten Nahen Osten angreift und dabei im Prinzip nicht schlechte Ergebnisse erzielt – denn sowohl in Bahrain als auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Katar herrscht echte Panik aufgrund der Effektivität dieser Angriffe. Dabei kann man nicht sagen, dass Donald Trump auf eine solche, für die Vereinigten Staaten gefährliche Wendung nicht vorbereitet gewesen wäre – auf einen Verlauf, in dem nicht nur iranische, sondern auch amerikanische Infrastruktur angegriffen wird –, denn er sprach davon, dass es Opfer geben könne, aber sie seien im Krieg unvermeidlich.

Und das unterscheidet sich – wie wir verstehen – deutlich von jenem Trump, der sich bis vor Kurzem noch so positionierte und sagte, er sei der Führer, der die Kriege beendet habe, die seine Vorgänger begonnen hätten, und keinen neuen Krieg begonnen habe. Jetzt ist Trump Krieg. Ein Krieg mit möglicherweise zahlreichen Opfern unter Amerikanern und Israelis, ganz zu schweigen von den Iranern, die Opfer dieser Angriffe sein werden. Und natürlich stellt sich die große Frage, wie dieser „Trump-Krieg“ bei seiner Basis ankommen wird – bei all diesen Konservativen von „Make America Great Again“, die Trump und die Republikaner in der Hoffnung gewählt hatten, die Vereinigten Staaten würden zu einem isolierten Staat werden, dessen Soldaten nicht in anderen Ländern der Welt sterben.

Und nun stellt sich heraus, dass sich alles wiederholt, wie es sich wiederholen musste: Denn kein amerikanischer Präsident kann die weltpolitische Rolle Amerikas verhindern – egal, wie seine Anhänger abstimmen, die an die isolationistische Haltung Amerikas glauben. Der Krieg kommt immer durch die Hintertür in die Vereinigten Staaten, selbst wenn die Vereinigten Staaten das nicht wollen.

In der Situation mit Iran muss man außerdem verstehen, dass es objektive Risiken gab. Und das ist nicht nur ein Risiko für die Sicherheit Israels. Denn wir verstehen, dass, wenn Iran Zugang zu Atomwaffen bekommen hätte, diese Atomwaffe früher oder später auf die Städte des jüdischen Staates geworfen worden wäre. Denn die Idee der Zerstörung Israels ist eine zentrale ideologische Idee, die das iranische Regime seit 1979 trägt – seit dem Moment, als in Teheran der fanatische und selbstverliebte Ajatollah Khomeini, der Vorgänger des heutigen Obersten Führers, an die Macht kam.

Aber niemand hat gesagt, dass ein nuklear bewaffneter Iran nicht auch ein ernsthafter Konkurrent der Vereinigten Staaten selbst im Nahen Osten geworden wäre – indem er Verbündete der Vereinigten Staaten einschüchtert und versucht, ein theokratisches Regime nicht nur schiitischer, sondern auch sunnitischer Prägung in den Königreichen zu etablieren, die für die Ölversorgung der Vereinigten Staaten und für das globale Ölgleichgewicht wichtig sind. Und das kann Trump real beunruhigen.

Deshalb werden wir jetzt nicht darüber diskutieren, inwieweit iranische ballistische Raketen in naher Zukunft die Vereinigten Staaten, ihr eigenes Territorium, erreichen könnten. Bisher gibt es keine objektiven Daten, die die Wahrhaftigkeit dieser Behauptung des amerikanischen Präsidenten belegen würden. Aber auch ohne ballistische Raketen ist ein nuklearer Iran – ein Verbündeter übrigens der Volksrepublik China und Russlands – eine reale Bedrohung für den amerikanischen Einfluss und für die zivilisierte Welt. Denn dann könnten drei Nuklearmächte gemeinsam der zivilisierten Welt entgegentreten, um deren Möglichkeiten und Einfluss zu разрушить: China, Russland und Iran.

Und deshalb müssen wir uns daran erinnern, dass das iranische Regime – das, wie Sie sehr gut wissen, stets einer der treuesten Verbündeten Russlands im Krieg gegen die Ukraine war, das Russland Shahed-Drohnen geliefert hat, das Russland in der ersten Phase geholfen hat, eine effektive Drohnenproduktion aufzubauen, deren Produkte dann über unseren Köpfen auftauchten – natürlich ein Regime ist, das fallen sollte, und an seiner Stelle sollte auf der politischen Landkarte der Welt ein neues Iran erscheinen, das nicht mit Peking und Moskau verbunden ist. Nur ist die gute Frage: wie realistisch ist das?

Genau das müssen wir im Blick behalten, wenn wir über die Situation sprechen, die mit diesem Krieg verbunden ist, den Donald Trump heute begonnen hat. Denn ich möchte Sie daran erinnern, dass nach dem zwölftägigen Krieg, der im Nahen Osten unter amerikanischer Beteiligung stattfand, und auch nach amerikanischen Schlägen gegen iranische Nuklearobjekte – als jene berühmten Bomben eingesetzt wurden – gesagt wurde, die Gefahr aus Iran sei vollständig beseitigt, man müsse darüber nicht mehr nachdenken, Iran werde sein nukleares Potenzial jahrelang nicht wiederherstellen können. Schon damals sagten Experten, dass dies prahlerische Aussagen des amerikanischen Präsidenten seien und dass in Wahrheit nichts Besonderes geschehen sei – dass Iran die Möglichkeiten zur Wiederherstellung eines nuklearen Waffenpotenzials bewahren konnte.

Offensichtlich hat Donald Trump – wie es bei ihm oft passiert – nach diesen, ich würde sagen, lauten Aussagen vor Fernsehzuschauern einfach reale Geheimdienstberichte zur Kenntnis genommen und gesehen, dass Iran tatsächlich alle Möglichkeiten für die Produktion von Atomwaffen behalten hat, ebenso für ein Programm ballistischer Raketen, die Israel zerstören können. Wie Sie sehen, erreichen diese Raketen Israel schon jetzt und durchschlagen den „Iron Dome“. Das sind nicht die Raketen der Hamas. Und deshalb ist es offensichtlich, dass die Gespräche von Witkoff und Kushner vielleicht Gespräche der letzten Chance waren, die iranische Führung davon zu überzeugen, nicht so weit zu gehen. Ich denke, die amerikanischen Unterhändler haben in diesem Fall – anders als in ihren Gesprächen mit den Russen – festgestellt, dass niemand vorhat, sie ernst zu nehmen.

In diesem Sinne stellt sich natürlich die Frage, wie sich all das in den nächsten Tagen und Wochen entwickeln wird. Es gibt mehrere realistische Entwicklungspfade. Eine Möglichkeit besteht in einem schnellen Abschluss dieser Operation: einige Tage Angriffe, die Möglichkeit, eine große Zahl von Führungspersonen der Islamischen Republik und militärische Fähigkeiten zu zerstören – und danach endet der Angriff der Vereinigten Staaten und Israels.

Aber es stellt sich eine andere Frage: Inwieweit würde das die Situation grundsätzlich verändern? Denn wenn es sich um ein ideologisches Regime handelt, dessen Sicherheitsstrukturen die Kontrolle über die Bevölkerung behalten und das Regime bestehen bleibt, dann wird es sein nukleares Potenzial wiederherstellen, davon bin ich überzeugt, ebenso seine Raketenprogramme – denn es ist nicht allein. So wie die Ukraine in ihrer Konfrontation mit der Russischen Föderation nicht allein ist und wir dank westlicher Unterstützung diese vier Jahre überleben konnten – und hoffentlich auch die nächsten Jahre dieses Krieges überleben werden –, so ist auch Iran nicht allein. Hinter Iran steht China, hinter Iran steht Russland.

Chinesen und Russen haben – wie bekannt – schon vor diesem wahrscheinlichen Angriff ausreichend militärische Ausrüstung nach Iran geliefert, die nötig ist, um sich zu verteidigen und Schläge auszuführen. Und wir sehen das: Es wurde über eine große Zahl militärischer Transportflugzeuge aus China gesprochen, die zumindest in Teheran landeten, während man das Ende des Prozesses der erwartbar ergebnislosen amerikanisch-iranischen Gespräche abwartete.

Und auch Russland ist – wie Sie verstehen – am Erfolg Irans interessiert: Alles, was für den Westen schlechter ist, ist für Putin besser, ist für Russland besser. Wenn wir uns daran erinnern, dass das große Ziel von Xi Jinping und Putin, um dessentwillen sie das alles tun, darin besteht, die Vereinigten Staaten aus Europa und Asien und dem Pazifik zu verdrängen, dann spielt Iran hier – wie wir verstehen – eine Schlüsselrolle. Deshalb wird eine kurze Operation, die lediglich darauf abzielt, die Fähigkeiten des iranischen Regimes zu schwächen, zu keinem entscheidenden Ergebnis führen.

Das würde bedeuten, dass sich das nach einiger Zeit wiederholt – und die Iraner müssten einfach die Zeit überbrücken, bis zum Ende der politischen Karriere Donald Trumps, die entweder 2027 oder 2029 eintreten könnte, um dann die echte Wiederherstellung ihrer Kräfte zu beginnen. Denn nicht jeder amerikanische Präsident wird sich zu solchen umfangreichen Aktionen entschließen, ohne deren Folgen zu verstehen.

Es gibt noch einen sehr wichtigen Punkt: die Verzögerung des Konflikts, wenn sich herausstellt, dass beide Seiten über mehr Durchhaltevermögen verfügen, als wir dachten. Wenn Amerikaner und Israelis Iran bombardieren, und Iran Israel und amerikanische Objekte im Nahen Osten bombardiert. Wenn amerikanische Soldaten getötet werden und damit Autorität Trumps und die Möglichkeiten der Vereinigten Staaten in Frage gestellt werden. Und das Wichtigste: Das liegt aktuell im Interesse Russlands, und darauf kann Putin bestehen, wenn er mit den iranischen Führern spricht, mit denen er – wie bekannt – in ständigem Kontakt steht: die Erhöhung des Ölpreises. Daran können sowohl Russen als auch Iraner interessiert sein. Nicht besonders interessiert daran sind die Chinesen. Aber wohin könnten sie ausweichen, wenn es um die Unterstützung ihrer wichtigsten, sozusagen quasi-Verbündeten geht – jener, die Destabilisierung in Europa und im Nahen Osten betreiben, was für China sehr wichtig ist, weil China gern „die Kastanien aus dem Feuer mit fremden Händen holt“.

Und in dieser Situation – wie Sie verstehen – würde ein steigender Ölpreis es Putin erheblich erleichtern, seinen Haushalt zu stärken, um den russisch-ukrainischen Krieg fortzusetzen, zumindest in einer, ich würde sagen, nicht ganz offensichtlichen Perspektive für die 2020er Jahre des 21. Jahrhunderts. Und es würde, wie Sie verstehen, zu einem Ausstieg Russlands aus Friedensverhandlungen über den russisch-ukrainischen Konflikt kommen. Denn in einer Situation, in der klar wird, dass alles den Bach hinuntergeht, dass Trump seine Unfähigkeit gezeigt hat, ein solches Problem zu lösen, dass amerikanische Soldaten sterben, wird Putin mit Sicherheit auf Trump und all seine Wünsche pfeifen. Und das muss man begreifen. Das kann ebenfalls eines der realen Ergebnisse dieser Operation sein.

Wir haben oft genug gesehen, wie sich Ereignisse entwickeln: Man sagt, etwas könne sehr schnell enden – und es endet nicht schnell. Das auffälligste Beispiel für ein „schnelles Nicht-Enden“ ist der russisch-ukrainische Krieg. Kyiv hätte in drei Wochen fallen sollen. In drei Wochen hätten Marionettenorgane der Macht gebildet werden sollen. Ein großer Teil des ukrainischen Territoriums hätte längst zum Territorium der Russischen Föderation werden sollen. Und Sie sehen: Vier Jahre gehen zu Ende, ohne irgendeinen realen Moment, der uns erlauben würde zu sagen, dieser Krieg habe überhaupt eine Perspektive, unter irgendwelchen Bedingungen zu enden – denn die Menschen im Kreml, die diesen Krieg begonnen haben, sind überzeugt, dass er so enden muss, wie der Blitzkrieg hätte enden sollen, und nicht anders.

Ein weiteres wunderbares Beispiel eines solchen ungeplanten Verlaufs ist der 7. Oktober 2023. Damals schien es, als würde Israels Operation gegen die Hamas nach dem Angriff der Hamas auf Israel kurz und effektiv sein, zum Zusammenbruch der Hamas-Führung führen und zur Befreiung der Geiseln. Nichts davon ist geschehen. Israel führte mehrere Jahre lang Krieg. Die Befreiung der Geiseln wurde erst möglich, nachdem Donald Trump im Oval Office erschienen war und bei der Hamas reale Zweifel entstanden, dass Trump Israel nicht daran hindern werde, im Gazastreifen so zu handeln, wie es Premierminister Benjamin Netanyahu für nötig hielt – der die Hamas vollständig zerstören und ihr keine Chance zur Erholung geben wollte. Auch das – wie Sie wissen – ist nicht geschehen. Israel hat diese Ziele nicht erreicht. Die Hamas kontrolliert weiterhin den Großteil des Gazastreifens und genießt Sympathie in Teilen der lokalen Bevölkerung – trotz mehrjährigem blutigem Krieg.

Übrigens gibt es jetzt Informationen, dass Explosionen in der Hauptstadt Saudi-Arabiens, Riad, zu hören seien. Damit können wir sagen, dass die Destabilisierung direkt an die Ölpreise heranrückt und der Krieg im Nahen Osten umfassend wird – und im Prinzip einen Schlag gegen die Weltwirtschaft versetzen könnte, der mit den Folgen des Coronavirus vergleichbar wäre, und von dem sich die Weltwirtschaft möglicherweise während der gesamten Amtszeit Donald Trumps als Präsident der Vereinigten Staaten nicht erholen könnte. Genau daran sind die Feinde Amerikas interessiert: Destabilisierung,Trumps politischer Niedergang, der Kampf zwischen Demokraten und Trump nach den Zwischenwahlen zum Kongress, die Verwandlung der Vereinigten Staaten in ein schwaches Land, das selbst mit eigenen militärischen Kräften – die so niemand sonst hat – kein Ergebnis erreichen kann. Wir hoffen, dass das nicht geschieht. 

Es wird bereits von einem Todesopfer in Saudi-Arabien und einem Todesopfer in den Vereinigten Arabischen Emiraten berichtet, als eine iranische Rakete im Gebiet Dubai Marina abgefangen wurde. Eine neue Serie von Explosionen in Katar, Explosionen in Kuwait. Also: Schauen wir. Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Saudi-Arabien, Bahrain, Katar – all diese Länder. Israel ist – angesichts des Hasses der iranischen Ajatollahs auf den jüdischen Staat – ein absolut logisches Ziel Teherans, wenn seine militärischen Objekte angegriffen werden. Und Israel verbirgt sein eigenes Ziel nicht, die iranische Führung und das militärische Potenzial eines Landes zu zerstören, das die Zerstörung des jüdischen Staates in seiner Ideologie trägt. Aber ich verstehe noch noch nicht – wir werden es mit der Zeit verstehen –, inwieweit die Vereinigten Staaten auf derart großangelegte Angriffe auf ihre Verbündeten im Nahen Osten vorbereitet waren. Das scheint mir der entscheidende Punkt zu sein, den man begreifen muss.

Ein weiterer wichtiger Punkt: In ganz Iran wurde das Internet abgeschaltet. Faktisch entzieht Iran damit seinen Bürgern den Zugang zu alternativen Information. Einerseits gab es israelische Hackerangriffe auf offizielle Ressourcen der Islamischen Republik. Andererseits hat Iran seinen Nutzern den Zugang zu inoffiziellen Ressourcen eingeschränkt. Damit können all diese Videos von Reza Pahlavi, die Erklärungen Trumps – der in seiner, ich würde sagen, epischen Ansprache Soldaten der Revolutionsgarden aufforderte, die Waffen niederzulegen, und die Iraner aufrief, das Regime zu stürmen – für den Großteil der Bevölkerung schlicht unerreichbar sein. Ebenso wie Mitteilungen der israelischen Armee an Iraner, sich aus der Nähe militärischer Objekte zu evakuieren. Wie sollen Iraner davon erfahren, wenn sie keinen Internetzugang haben? Das ist völlig unklar.

Man kann schon davon sprechen, dass es Einschläge in der Nähe einer amerikanischen Basis im Nahen Osten gegeben hat. Auch das sind Dinge, die überprüft werden müssen – und auch die Frage, inwieweit die Vereinigten Staaten auf solche Schläge vorbereitet waren. Jetzt zeigen Weltagenturen Gebiete in Katar, auf die Iraner zielen. Es wird berichtet, dass es Angriffe im Irak gibt, Luftangriffe südlich von Bagdad. Das könnten Luftangriffe gegen Kräfte sein, die mit Iran verbunden sind und seine Interessen im Irak schützen. Und zugleich findet derzeit eine massive Evakuierung aus der riesigen Millionenmetropole Teheran statt – was ebenfalls zu großem Chaos im Land führen kann.

Iraner bestehen darauf, dass ihre Führung real unbeschädigt geblieben sei. Nun gibt es eine Meldung über den normalen Zustand des iranischen Außenministers Abbas Araghchi, der in den letzten Tagen mit Witkoff und Kushner verhandelt hatte und von Ajatollah Khamenei autorisiert worden sei, Zeit zu schinden, so lange Iran es brauche, um einen großangelegten Angriff gegen amerikanische Objekte und gegen Israel zu führen.

Nun ist auch eine Meldung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach den Schlägen auf Abu Dhabi und Dubai erschienen: Die Emirate erklären, sie behielten sich das Recht vor, auf den iranischen Raketenangriff zu antworten. Auch hier gibt es einen wichtigen Punkt: Iran greift gleichzeitig die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien an, und diese beiden Länder befinden sich, kann man sagen, in einem Konflikt miteinander und stehen im Prinzip an der Schwelle eines eigenen militärischen Konflikts. Denn in Saudi-Arabien beschuldigt man die Emirate, israelische Politik in der Region zu betreiben – und das sagen Experten, die dem saudischen Hof nahe stehen, laut. Auch hier stellt sich also die Frage, inwieweit diese Akteure überhaupt gemeinsam handeln können.

Ich möchte Sie daran erinnern, wenn wir dieses Gespräch über das, was gerade im Nahen Osten geschieht, schon führen, dass gleichzeitig der Krieg zwischen Pakistan und Afghanistan weiterhin andauert.. Das ist ebenfalls ein sehr ernstes Moment: Die Taliban in Afghanistan greifen weiterhin pakistanische Stellungen an, und Pakistan führt weiterhin Angriffe auf afghanische Positionen durch. Das ging den ganzen gestrigen Tag so. Es wurde sogar gesagt, die Taliban versuchten, ein nukleares Objekt in Pakistan anzugreifen. Auch hier stellt sich die Frage, inwieweit diese zwei Kriege, die nebeneinander stattfinden, nicht zu einem einzigen gefährlichen militärischen Korridor zusammenwachsen. Denn wir verstehen, dass jetzt eine Situation entstehen kann, in der die einen Afghanistan gegen Pakistan nutzen, mit Blick auf ihr eigenes Gegeneinander, und die anderen umgekehrt versuchen werden, die pakistanischen Möglichkeiten zu stärken.

Ein sehr ernstes Moment ist die Tatsache, dass zwei große Kriege gleichzeitig stattfinden. Und als man Donald Trump gestern fragte, was er über den pakistanisch-afghanischen Krieg denke, wich er faktisch einer Antwort aus – weil unklar ist, inwieweit Trump sich jetzt überhaupt mit einer realen Regelung zwischen Pakistan und Afghanistan beschäftigen kann, wenn er einen so großen Krieg gegen Iran führt. Die Situation ist also sehr ernst, und alle versuchen, schöne Namen zu verkünden, eine Art Wettbewerb der Namen ihrer Operationen. Amerikanischer Name, israelischer Name, iranischer, afghanischer, pakistanischer. Der Informationsraum ist voll davon. Aber viel wichtiger ist zu verstehen, ob diese Namen zu irgendeinem realen Ergebnis führen. Wie wird der Nahe Osten buchstäblich in wenigen Tagen aussehen – nach iranischem, amerikanischem, israelischem und pakistanisch-afghanischem Konflikt? Und wird es nicht so sein, dass sich diese Situation über Monate hinzieht?

Für uns ist es natürlich sehr wichtig, dass es kurz bleibt. Denn jeder lange Krieg dieser Art wird erstens Waffen abziehen, zweitens Aufmerksamkeit abziehen, drittens den Ölpreis erhöhen und Russlands Fähigkeit stärken, noch mehrere Jahre Krieg zu führen. Viertens: Russland nutzt immer die Präzedenzfälle. „Ihr könnt Iran bombardieren und seine Führung töten. Warum können wir nicht dasselbe mit der Ukraine machen? Sie bedroht unsere nationale Sicherheit.“ Natürlich wird niemand das ernst nehmen. Aber Russland braucht nicht, dass jemand seine Beweise ernst nimmt. Russland braucht eine Erklärung dessen, was geschieht, um später so zu handeln, wie Putin es für möglich hält. Das ist ein sehr ernstes Moment, über das wir ebenfalls sprechen werden.

Ich denke, das ist nicht unser letztes Treffen in einem so großen Format in den nächsten Tagen. Denn wie ich in meinen früheren Sendungen sagte: Es kommt zu einer Ausweitung des russisch-ukrainischen Krieges, weil solche Kriege stets zu tektonischen Verschiebungen führen. Ich sagte, dass im Februar 2026 ein großer Krieg beginnen werde, wenn der russisch-ukrainische Krieg bis dahin nicht beendet werde. Der letzte Tag des Februar hat deutlich gezeigt, dass man solche Dinge bei gesundem Menschenverstand im Grunde leicht berechnen kann: Das ist keine politische Trigonometrie, sondern politische Arithmetik. Man kann sich natürlich im Kontinent irren, aber in der Tendenz präzise sein, sozusagen.

Wir versuchen, Fragen zu beantworten, die während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Also sagen Sie: Welches Ereignis kann man als Beginn des Dritten Weltkriegs betrachten? Oder wird das Anfangsdatum erst festgelegt, wenn er schon vorbei ist?

Portnikov: Natürlich ist es unmöglich, das exakte Datum des Beginns des Dritten Weltkriegs festzulegen. Ich habe immer gedacht, es gab Vorereignisse: der Krieg in Jugoslawien, der Krieg Russlands gegen Georgien, dann der Startschuss – der große Angriff Russlands auf die Ukraine. Es gab Ereignisse im Nahen Osten am 7. Oktober 2023. Aber das Datum des Dritten Weltkriegs wird tatsächlich erst bestimmt werden, nachdem dieser Krieg endet – und es werden die Sieger des Dritten Weltkriegs sein, die es bestimmen. Und es ist absolut realistisch, dass in einem solchen Verlauf das Datum des Endes und des Beginns des Dritten Weltkriegs Ratten bestimmen werden und nicht Menschen. Das ist absolut realistisch. Und wie sie zählen werden, welchen Kalender sie haben werden, inwieweit sie künstliche Intelligenz nutzen können, um zu bestimmen, wann die Menschheit verschwunden ist – das weiß ich nicht. Ich arbeite für Menschen, nicht für Ratten.

Frage: Wie wird der Krieg uns beeinflussen? Kann Putin aktiver gegen Trump werden, solange Trump an der nahöstlichen Front beschäftigt ist?

Portnikov: Erstens nimmt Putin Trump nicht besonders wichtig. Er schaut auf eigene Ressourcen und Möglichkeiten. Ich habe bereits gesagt, wie dieser Krieg uns beeinflussen kann. Die wichtigste Folge, wenn er lange dauert, ist ein Anstieg der Ölpreise und neue Ressourcenmöglichkeiten für die Russische Föderation, den russisch-ukrainischen Krieg fortzusetzen – zumindest in den 2020er Jahren des 21. Jahrhunderts. Wenn ich von den 2020ern spreche, erinnere ich immer daran: Das sind optimistische Prognosen, keine pessimistische. Es kann allerdings anders kommen: Das iranische Regime könnte gestürzt werden, Kontrolle über iranisches Öl könnte hergestellt werden. Es würde nicht nach China fließen, Russland hätte keinen Verbündeten. Das würde die Positionen Pekings und Moskaus ernsthaft verschlechtern. Ich schließe nicht aus, dass Donald Trump diesen Krieg nicht zufällig gerade im Februar 2026 begonnen hat – um eine starke Position für Gespräche mit Xi Jinping im April zu haben. Aber niemand hat gesagt, dass es so laufen wird, wie er es geplant hat, und nicht andersrum. Auch das ist ein absolut realistisches Ergebnis.

Frage: Wie werden die Emirate, Katar, Saudi-Arabien reagieren?

Portnikov: Wir haben gesehen, dass die Vereinigten Arabischen Emirate bereits gesagt haben, sie würden auf den Angriff Irans reagieren und wären bereit, Iran zu treffen. Inwieweit die Vereinigten Staaten daran interessiert sind, dass weitere Länder in diesen Krieg hineingezogen werden, ist eine sehr gute Frage – ich würde die Antwort darauf auch gern wissen. Und ob die Emirate bei einer Erklärung bleiben oder tatsächlich, sagen wir, Schläge gegen iranische Objekte führen. Dass sich der Krieg ausbreitet, sehen Sie ja. Es hängt nun davon ab, wie sie das wahrnehmen.

Frage: Ist Ihnen aufgefallen, dass Kriege heute oft als militärische Operationen bezeichnet werden? Als ob die Teilnehmer versuchen, dieses Wort zu vermeiden.

Portnikov: Das ist ganz einfach, weil es gerade als Operation geplant wird. Worin unterscheidet sich ein Krieg von einer Spezialoperation? Eine Spezialoperation ist ein kurzer, punktueller Angriff auf konkrete Objekte, um sie zu zerstören. Danach kann man entweder Verhandlungen beginnen oder die Situation so lassen, wie sie ist, weil die Ziele erreicht sind. Das Problem ist nicht das, sondern dass viele Spezialoperationen gegen den Willen ihrer Autoren zu Kriegen werden – so wie Putins Spezialoperation gegen die Ukraine im Februar 2022 zu einem großen Krieg geworden ist. Sie zweifeln doch nicht daran, dass der russische Führer das genau als Spezialoperation plante: Es sollte in wenigen Tagen enden, der Westen sollte vor vollendete Tatsachen gestellt werden, die Macht in der Ukraine sollte wechseln. Niemand wollte vier Jahre Krieg führen – geschweige denn acht, über die der russische Präsident jetzt vielleicht schon nachdenkt. Es ging zweifellos um wenige Wochen. Man kann eine Spezialoperation planen, aber das bedeutet nicht, dass man sie auch durchführen kann. Das ist das Problem des heutigen Moments.

Frage: Sehen Sie die Möglichkeit, dass China irgendwann aktiver auf Seiten Russlands oder Irans auftritt, weil es ihm nützt, wenn Kriege so lange wie möglich dauern?

Portnikov: China wird auf Seiten Russlands und Irans auftreten, weil China an der Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges interessiert ist, damit er lange dauert. Und glauben Sie nicht jenen Experten, die sagen, China wolle an den Verhandlungstisch, China sei am Ende des Krieges interessiert. Denken Sie daran: Das sind Gespräche für Yuan. Denken Sie daran: China ist längst nicht auf den ukrainischen Markt gekommen und kauft hier schlicht Menschen und Thinktanks „paketweise“. Und ganz zu schweigen von der Existenz vieler nützlicher Idioten. Wenn jemand nicht an Russlands Haken geraten ist, heißt das nicht, dass er nicht an Chinas Haken geraten kann. Aber China muss das so tun, dass es nicht unter sekundäre amerikanische Sanktionen fällt, nicht in einen Handelskrieg mit den Vereinigten Staaten und Europa gerät – besonders in einer Zeit, in der es versucht, Europa von den Vereinigten Staaten zu lösen, indem es die Unbeholfenheit von Trumps Politik ausnutzt. Ich denke nicht, dass China das offen tun wird. Aber dass China die iranischen Möglichkeiten vor diesem amerikanisch-israelischen Angriff zu stärken versuchte, ist offensichtlich.

Frage: Warum gibt es in der Ukraine so viele, scheinbar rationale Politiker und Meinungsführer, die um Trump herum tanzen und zu erklären versuchen, dass alles nicht so schlimm sei?

Portnikov: Weil die ukrainische Elite in der Tradition erzogen wurde, vor einem großen Herrn zu tanzen. Das wissen Sie sehr gut. Früher tanzten diese Leute vor Moskau, jetzt tanzen sie vor Washington. Zumal mit Trumps Machtantritt die Spielregeln im Grunde wieder so sind wie unter Jelzin und Putin: Trump verlangt keine großen Reformen, keine Veränderungen. Er verlangt Loyalität. Das verstehen diese Leute. Sie wollen keine Reformen, keine Veränderungen. Sie sind bereit, dem loyal zu sein, der ihnen finanzielle Interessen und Macht sichert. Ich spreche jetzt nicht von denen, die Trump gegenüber Loyalität zeigen, etwa während des Verhandlungsprozesses, damit die Vereinigten Staaten die Unterstützung für die Ukraine nicht einstellen, uns keine Aufklärung verweigern, oder wenigstens jenen Teil von Waffen verkaufen, den Europäer kaufen. Das verstehe ich. Aber es gibt viele Menschen, die einfach von den Moskauer Schlitten auf die amerikanischen, trumpistischen umgestiegen sind. Und sehr oft sind das dieselben Leute. Schauen Sie hin.

Frage: Wie beeinflusst dieser Krieg mögliche künftige, globalere Kriege zwischen den Vereinigten Staaten und ernsthafteren Diktaturen?

Portnikov: Ich denke, Trump wird nicht gegen Xi Jinping und Putin Krieg führen, weil er glaubt, diese beiden Führer seien ihm gleichrangig. Und er denkt, alle anderen Länder müssten die Abmachungen akzeptieren, die zwischen den drei „Herren“ der heutigen Welt erzielt werden. Aber sie sehen das anders. Sie halten ihn nicht für gleichrangig. Der eigentliche Grund liegt nicht darin, dass ihm das Potenzial fehlte – dieses ist bei ihnen sogar geringer –, sondern darin, dass sie ihn als Emporkömmling betrachten, dessen Amtszeit bald endet, der in einem demokratischen Staat regiert, während sie lebenslange Herrscher sind, die den Willen ihrer Völker gebrochen haben – und im Fall Xi Jinpings sogar den ihrer Parteiapparate. Mit ihnen kann Trump nicht Krieg führen, weil Krieg mit Nuklearmächten zum Zusammenbruch aller Nuklearmächte führt. Das weiß jeder. Aber das heißt nicht, dass er ihre Möglichkeiten nicht schwächen wird. Ein Krieg mit Iran ist eine Schwächung Chinas und Russlands. Kontrolle über venezolanisches Öl ist eine Schwächung Russlands. Russland vom Energiemarkt zu verdrängen ist eine Schwächung Russlands. Er will nicht mit ihnen offen in Konflikt geraten, aber er will konkurrieren, um vorteilhaft zu verhandeln. Anders wird es unter Trump nicht sein.

Frage: Wird China Iran öffentlich unterstützen oder sich auf Friedensappelle beschränken?

Portnikov: Ich denke, das werden wir bald sehen. Eine direkte, offene Unterstützung Irans erwarte ich nicht. Aber es kann viele Nuancen geben, die wir in den Erklärungen chinesischer Führer schon in den nächsten Stunden sehen werden.

Frage: Wird dieser Krieg die Wahlen in den Vereinigten Staaten im November beeinflussen?

Portnikov: Natürlich wird dieser Krieg die Wahlen im November direkt beeinflussen. Davon hängen die Reputation der Vereinigten Staaten, die wirtschaftliche Lage, die Frage der Kontrolle über Öl ab. Trump möchte sich sehr als starker Führer zeigen, nicht nur als Friedensstifter. Aber wir verstehen: Wer eine solche Operation durchführt, wirkt nicht mehr wie ein Friedensstifter und kann nicht mehr auf den Friedensnobelpreis Anspruch erheben – selbst wenn am Ende das iranische Regime gestürzt und eine demokratische Regierung eingesetzt würde. Sie verstehen: Es geht um die Zahl der Opfer. Und außerdem kann die amerikanische Wirtschaft so oder so mit diesem Krieg verbunden sein. Ob das Ergebnis ernsthaft in die eine oder andere Richtung beeinflusst wird, ist durchaus möglich.

Frage: Worauf setzt Iran, wenn es Nachbarländer angreift?

Portnikov: Es will diesen Nachbarn zeigen: Man sollte keine amerikanische Marionette sein – denn amerikanische Marionetten können ebenfalls von Iran getroffen werden. Das ist ihre ideologische Plattform. Darauf setzen sie. Iran will Nachbarn einschüchtern und sie zwingen, die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten aufzugeben, oder der Bevölkerung zeigen: Für Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten gibt es Vergeltung. Vergessen Sie nicht: Ein großer Teil der Menschen in diesen Ländern ist antiamerikanisch eingestellt. Daran zweifeln Sie nicht. Iran sendet ein Signal an die Straße: „Euer Hass auf Amerika kann von den Ajatollahs geschützt werden.“ Schauen Sie Bahrain an: Dort herrscht eine sunnitische Dynastie, die mit Hilfe Saudi-Arabiens die schiitische Bevölkerung kontrolliert – eine Bevölkerung, die während des Arabischen Frühlings gegen diese Dynastie aufstand und sehr froh wäre, wenn jemand diese Dynastie militärisch zerstören würde. So wie Trump hofft, die Führung der Islamischen Republik zu zerstören und dabei auf Unterstützung der Bevölkerung zu setzen, so würde ein großer Teil der Bevölkerung Bahrains gern den Tod der eigenen königlichen Dynastie sehen. Es ist nicht so eindeutig, wie Sie verstehen.

Gerade hat das Korps der Wächter der Islamischen Revolution erklärt, es habe Raketen- und Drohnenangriffe auf das Hauptquartier der Fünften Flotte der US-Marine in Bahrain sowie auf amerikanische Basen in Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten durchgeführt. Es gab mehrere Explosionen in der Nähe des Hauptflughafens von Abu Dhabi. Die Streitkräfte Katars haben bereits auf einen zweiten Raketenangriff auf das Land reagiert. Und jetzt heißt es, die Luftabwehrsysteme Jordaniens hätten zwei Raketen abgefangen, die vom Gebiet Irans gestartet wurden. Die Zahl der Länder im Nahen Osten, in denen Iran US-Militärbasen angegriffen hat, ist auf sechs gestiegen. Auch das ist ein sehr ernstes Thema, wenn wir diese, ich würde sagen, beispiellosen Angriffe besprechen: nicht nur beispiellose US-Angriffe auf Iran, sondern auch beispiellose iranische Angriffe auf Verbündete und auf Israel.

Frage: Welche Folgen hätte es für Trump innenpolitisch, wenn sich dieser Krieg in die Länge zieht?

Portnikov: Unerfreuliche. Trump könnte die Unterstützung seiner isolationistisch eingestellten Basis verlieren, und seine Gegner werden sagen, er könne keine ernsten Sicherheitsfragen lösen. Deshalb wäre es für Trump nicht schlecht, das Problem des iranischen Regimes zu lösen. Und übrigens: Lassen Sie uns in dieser Situation Verbündete Trumps sein. Sie verstehen: Eine schnelle Schwächung des islamischen Regimes liegt in unserem Interesse – denn das ist ein Regime, auf dessen Händen Blut ukrainischer Bürger hafte: vom abgeschossenen Passagierflugzeug in Teheran, erinnern Sie sich, bis zu den Opfern iranischer Drohnen und der iranischen Drohnentechnologie, die von russischen Konstrukteuren weiterentwickelt wurde. Das alles geht auf das Gewissen dieser Bande. Wenn Trump Ajatollah Khamenei während dieser Spezialoperation liquidiert, werde ich diesem Erfolg des amerikanischen Präsidenten nur applaudieren. Ich wünsche ihm und den amerikanischen Soldaten aufrichtig Glück.

Frage: Welche Position werden die Führer arabischer Länder im Nahen Osten einnehmen, die unter iranischen Angriffen stehen?

Portnikov: Ich denke, sie müssen die Bereitschaft einnehmen, gegen das iranische Regime zu kämpfen, denn es bedroht direkt ihre nationale Sicherheit: Es beschießt ihre Häfen, ihre Flughäfen – und tut all das ganz offen. In dieser Situation wird den Ländern am Persischen Golf offensichtlich, wer ihr Freund ist und wer ihr Feind. Und sie handeln unterschiedlich. Übrigens: Jetzt hat sich die Lage so verändert, dass israelische und amerikanische Luftwaffe im syrischen Luftraum operieren können. Wie Sie verstehen: Unter dem Regime von Hafiz Baschar al-Assad, das von Russland und Iran unterstützt wurde – dieser Diktator, der schließlich nach Moskau floh, war vor allem eine Marionette Irans und ein Verbündeter Russlands – gab es keine Möglichkeiten, im syrischen Luftraum iranische Raketen abzufangen, geschweige denn von dort aus Schläge gegen Iran auszuführen. Je mehr anti-autoritäre Regime es gibt, zumindest solche, die nicht mit Moskau und Teheran verbunden sind, desto mehr Möglichkeiten wird es geben, sich gegen all diesen Horror zu schützen. Das ist ein offensichtlicher Punkt, über den wir sprechen müssen, wenn wir die Entwicklung im Nahen Osten analysieren.

Und nun eine letzte Erklärung des Korps der Wächter der Islamischen Revolution: „Die Vergeltung Teherans wird unaufhörlich weitergehen, bis der Feind endgültig besiegt ist.“ Ich möchte verstehen, was in der Vorstellung dieser fanatischen Meute „endgültiger Sieg“ bedeutet: die Zerstörung des jüdischen Staates? die Zerstörung aller amerikanischen Objekte am Persischen Golf? die Ermordung Donald Trumps? Was wollen sie erreichen, damit sie sagen können, der Feind sei endgültig besiegt? Solche Erklärungen wirken jedoch – wie Sie sehen – als klarer Indikator: Niemand in Iran hat vor, die Waffen niederzulegen. Umso mehr, als jetzt propagandistische Aussagen über die Tötung von Zivilisten durch Amerikaner und Israelis folgen werden.

Jetzt berichtet der offizielle Iran von einem Angriff auf eine Grundschule für Mädchen. Fünf Kinder sollen getötet worden sein. Und so weiter. Das ist ebenfalls ein Mobilisierungsinstrument: „Ihr müsst das Regime unterstützen, denn diese Bestien töten Kinder.“ Also alles nach den Kanons der Propaganda: Putin und Ajatollah Khamenei handeln in ihrer propagandistischen Tätigkeit praktisch gleich. Zumal wir aktuell die Verlässlichkeit solcher Angaben nicht überprüfen können.

Interessant ist auch die weltweite Reaktion. Sie haben gesehen: Dmitri Medwedew hat bereits angedeutet, der iranische Staat werde die Vereinigten Staaten überleben, und hat sich über Trump lustig gemacht. In europäischen Ländern wurde die Situation als gefährlich bezeichnet. Es gibt eine Erklärung des Europäischen Rates, eine Erklärung von Ursula von der Leyen. Das heißt: Es gibt keine direkte Unterstützung dieser Handlungen Donald Trumps durch seine europäischen Verbündeten. So ist es.

Wir werden die weitere Entwicklung abwarten. Natürlich werden wir zu diesem Krieg zurückkehren. Ich denke, es wird noch viele Anlässe geben, über seine gefährlichen Wendungen zu sprechen. Wir leben – wie wir verstehen – in der Welt einer Präludie zum Dritten Weltkrieg. Das ist eine fesselnde Lage, die analysiert werden muss, um die Ukraine zu bewahren, unser Land zu bewahren in den Bedingungen dieser sich verschärfenden, ich würde sagen, krisenhaften Entwicklung in der Welt.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп почав нову війну з Іраном | Віталій
Портников. 28.02.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 28.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.