Die Insel Krim. Vitaly Portnikov. 23.06.2026.

Острів Крим. Віталій Портников. 23.06.2026.

Das Bild der „Insel Krim“ ist natürlich mit der berühmten antisowjetischen Dystopie des russischen Schriftstellers Wassili Aksjonow verbunden. Es wurde während der Besetzung und Annexion der Krim aktiv verwendet, als die ukrainische Halbinsel tatsächlich beinahe zu einer „russischen Insel“ wurde, weil sie die reale Verbindung zum Festland verlor.

Auch ich stellte damals fest, dass die Besetzung der Krim absurd wirkte, denn ohne Verbindung zum Festland hat die Halbinsel in ihrer langen Geschichte niemals existiert. Und wenn sie begann, als Insel zu existieren, bedeutete das stets den Beginn tiefgreifender historischer Veränderungen. So begann der Niedergang des Krim-Khanats, der zu seiner Annexion und Auflösung durch Katharina II. führte, genau in dem Moment, als es den russischen Truppen gelang, die Kontrolle über die Festlandsgebiete des Krimstaates zu erlangen. Eben der fehlende Kontakt zum Festland, das von der bolschewistischen Armee kontrolliert wurde, führte zur endgültigen Niederlage der Weißen Bewegung im russischen Staat. Und nun, im Jahr 2014, befand sich die Halbinsel erneut nicht nur ohne Verbindung zum Festland, sondern auch ohne Wasser, denn die Kontrolle über den Kanal, der die Krim in den letzten Jahrzehnten vor der Besetzung verändert hatte, blieb in den Händen der Ukraine.

Putin zog, wie zu erwarten war, aus dieser Situation der „neuen Insel“ seine eigenen Schlussfolgerungen – nicht den Verzicht auf die Kontrolle über die gestohlene Krim, sondern die Schaffung eines Korridors zur Krim über besetztes ukrainisches Gebiet. Dies wurde zu einem der Hauptziele der Invasion von 2022. Es konnte so erscheinen, als sei das Krim-Problem für Russland gelöst, als sei die Krim nun definitiv keine Insel mehr, da sie durch die besetzten Gebiete der Ukraine und durch die während der Besatzungsjahre gebaute Brücke mit dem Festland verbunden sei.

Der russische Präsident berücksichtigte jedoch nicht, dass der Krieg gegen die Ukraine nicht nur ein Jahr dauern könnte und sich zudem technologisch verändern würde. Und nun erleben wir eine erstaunliche Situation: Die Anstrengungen der ukrainischen Verteidigungskräfte haben die Krim schließlich tatsächlich in eine Insel verwandelt. Der Korridor existiert zwar, steht aber unter Bombenbeschuss und hat faktisch aufgehört, seine Rolle als Verkehrsader zu erfüllen. Die Brücke existiert zwar ebenfalls, aber man fürchtet sich, Tanklastwagen darüber fahren zu lassen, um keine Bedingungen für die Zerstörung der Konstruktion zu schaffen. Die Fähren in der Straße von Kertsch wurden zerstört. Treibstoff gibt es auf der Halbinsel – genauer gesagt auf der Insel – bereits nicht mehr. Die Krim nähert sich einer echten logistischen Katastrophe, und die Russen, die beschlossen hatten, auf dem gestohlenen Land Urlaub zu machen, wollen weg – und können nicht abreisen!

Noch vor einigen Jahren erklärte man im Kreml, dass die Frage der Krim mit der Ukraine nicht zur Diskussion stehe. Noch vor einem Jahr schlug der Präsident der Vereinigten Staaten seinem russischen Amtskollegen vor, den russischen Status der Krim anzuerkennen. Doch nun könnte man im Kreml darüber nachdenken, welchen Sinn besetzte Gebiete überhaupt haben, wenn die Kontrolle über sie nur noch nominell erscheint.

Russland versuchte seit Beginn der 1990er Jahre, seine Präsenz auf der Krim zu bewahren, indem es dafür die Schwarzmeerflotte und prorussische Aktivisten nutzte. Der erste und letzte Präsident der Autonomie, Jurij Meschkow, stellte Regierung und Präsidialverwaltung der Autonomen Republik Krim aus russischen Staatsbürgern zusammen, die die Halbinsel bereits auf die Annexion vorbereiteten. Als die russische Operation scheiterte, begann man einen Sonderstatus für die Schwarzmeerflotte zu fordern und überzeugte schließlich Leonid Kutschma von der Notwendigkeit entsprechender Vereinbarungen. Als das Ende der Stationierung dieses tatsächlichen Besatzungskontingents im ukrainischen Sewastopol näher rückte, nutzte man Viktor Janukowytsch und eine Bande von Kollaborateuren, die sich als ukrainische Regierung ausgaben, um die Frist zu verlängern. Und 2014 annektierte man schließlich die gesamte Krim. Wozu? Um ihr Territorium als Brückenkopf für die Besetzung des ukrainischen Südens und zur Destabilisierung der Lage im Schwarzen Meer zu nutzen.

Im Ergebnis ist die Schwarzmeerflotte – dieses ewige Symbol russischer Schande und Niederlagen – nach Noworossijsk geflohen, auf der Krim gibt es weder Treibstoff noch Strom, und die Russen fliehen bereits jetzt von fremdem Boden, obwohl ihre Truppen sich noch dort befinden. Welchen Sinn hat es heute überhaupt, fremde Gebiete zu besetzen, die man nicht schützen kann? Welchen Sinn hat für Russland die „Insel Krim“?


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Острів Крим. Віталій Портников. 23.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 23.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach, veröffentlicht auf uebersetzungenzuukraine.data.blog.


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Angriff auf die Krim: Die Halbinsel ohne Treibstoff. Vitaly Portnikov. 21.06.2026.

Der Leiter der Besatzungsverwaltung der Krim, Sergej Aksjonow, hat die vollständige Einstellung des Treibstoffverkaufs auf dem von Russland annektierten Gebiet der Halbinsel bekannt gegeben.

Treibstoff wird nun weder in Warteschlangen noch über die von den örtlichen Verwaltungen zuvor eingeführten Sondergutscheine erhältlich sein. Er wird ausschließlich staatlichen Diensten zugeteilt.

Zu dieser Entscheidung sah sich die Marionettenregierung der Krim nach ukrainischen Angriffen gezwungen – sowohl auf Ziele auf dem besetzten Gebiet der Halbinsel selbst als auch auf Objekte in unmittelbarer Nähe der Kertsch-Brücke, insbesondere auf ein Treibstofflager nahe dieser von den Russen errichteten Anlage. Diese war geschaffen worden, um die Logistik ihrer Besatzungstruppen auf der Halbinsel zu verbessern, die vor allem dazu dienen, die russische Armee zu unterstützen, die ihre aggressiven Handlungen auf dem Festland der Ukraine fortsetzt.

Somit können wir von einer tatsächlichen logistischen Katastrophe auf dem Gebiet der Krim sprechen. Es gibt keinen Treibstoff, es gibt keinen Strom. Die Stromversorgung wird auf der Krim derzeit nur unter großen Schwierigkeiten wiederhergestellt. Und trotz aller optimistischen Berichte der Vertreter der örtlichen Besatzungsverwaltung und der russischen Propagandisten wird offensichtlich, dass die Krim immer stärker in eine vollständige Isolation vom Besatzerstaat gerät. Die Kertsch-Brücke, praktisch die einzige relativ sichere Route für die Versorgung mit Treibstoff und anderen Gütern, bleibt zugleich ein riskanter Verkehrsweg, weil die Explosion eines einzigen Tanklasters auf der Brücke zu ihrer  endgültigen Beschädigung und Außerdienststellung führen könnte.

Dann würde sowohl die Eisenbahnverbindung zwischen Russland und der besetzten Krim als auch die Möglichkeit der Anreise auf die Halbinsel selbst mit Privatfahrzeugen enden. Die Krim befindet sich in einer echten Falle. Und in diesem Zusammenhang lohnt es sich, an eine ganze Reihe russischer Niederlagen im Zusammenhang mit der besetzten Halbinsel zu erinnern.

Man sollte daran erinnern, dass Russland stets versucht hat, seine Präsenz auf dem ukrainischen Boden auch nach der Ausrufung der ukrainischen Unabhängigkeit zu sichern. Bereits unter Boris Jelzin, dem ersten Präsidenten der neu gegründeten Russischen Föderation, setzte die russische Führung Kyiv unter Druck, um die Stationierung der Schwarzmeerflotte im ukrainischen Sewastopol festzuschreiben. Mehr noch: Ohne eine Zustimmung der Ukraine verschob Jelzin seinen Besuch in Kyiv sowie die Unterzeichnung des sogenannten Großen Vertrages zwischen Russland und der Ukraine, der den Respekt vor der territorialen Integrität beider Staaten festschreiben sollte.

Später, als deutlich wurde, dass die Laufzeit des früheren Schwarzmeerflotten-Abkommens auslief, begann Russland, die neue ukrainische Führung zu erpressen. Dies endete 2010 damit, dass der damalige Präsident der Ukraine, Viktor Janukowytsch, mit seinem russischen Amtskollegen Dmitri Medwedew einen Knebelvertrag über die Verlängerung der Stationierung der Schwarzmeerflotte unterzeichnete. Dieser machte das russische Militärkontingent auf der Krim faktisch zu einer Besatzungsmacht und zu einem Destabilisierungsfaktor für das gesamte Schwarze Meer.

Im Jahr 2014 folgte dann die Besetzung und Annexion der Krim, um die Halbinsel als Brückenkopf für einen Vormarsch in der Ukraine zu nutzen und zugleich den russischen Druck auf die europäischen NATO-Staaten im Schwarzmeerraum zu verstärken. 

Doch all dies erwies sich als ein großer Mythos. Nach Beginn des russisch-ukrainischen Krieges demonstrierten die ukrainischen Streitkräfte ihre Fähigkeit, die Schwarzmeerflotte mitsamt ihren Basen und Schiffen direkt in Sewastopol zu treffen. Sie erinnerten daran, dass die Krim für Russland niemals ein Ort des Sieges, sondern stets ein Ort der Niederlage und der Schande gewesen ist. Dass schon die geografische Lage der Krim keinerlei natürliche Verbindung zur Russischen Föderation vorsieht.

Mehr noch: Die Krim hat zu diesem aggressiven Staat keinerlei zivilisatorische oder historische Beziehung. Für die Russen besitzt sie lediglich als Schauplatz ihrer ständigen beschämenden Niederlagen Bedeutung. Und genau das erleben die Russen auch jetzt wieder vor ihren erstaunten Augen, weil sie ihre wahre Geschichte weder kennen noch kennen wollen.

Es geschieht also das, was immer geschehen ist. Die Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation hat sich von einem Besatzungskontingent auf ukrainischem Boden und in einer ukrainischen Stadt in eine Schar von Flüchtenden verwandelt, die sich nun in Noworossijsk vor ukrainischen Angriffen versteckt. Die Krim selbst wird mit jedem neuen ukrainischen Schlag gegen Ziele auf der Halbinsel und in den angrenzenden Gebieten – sowohl im besetzten Teil der Ukraine als auch auf dem Territorium der Russischen Föderation – immer stärker von dem Staat isoliert, der sie besetzt und annektiert hat.

Es wird offensichtlich, dass das weitere Schicksal der Krim davon abhängt, ob die russische politische Führung die Notwendigkeit erkennt, ihre eigenen Fehler und ihre eigene Verfassung zu korrigieren, die vom russischen Präsidenten Wladimir Putin durch die Aufnahme ukrainischer Gebiete in ihren Text zu einem bloßen Lappen  gemacht wurde.

Und es ist offensichtlich, dass Russland diese Gebiete zwar vorerst noch mit seinen Streitkräften kontrollieren kann, aber nicht mehr in der Lage ist, ihre Logistik sicherzustellen. Mit dem Verlust der Logistik für Gebiete wie die Krim geht zugleich auch die Logistik der Streitkräfte der Russischen Föderation verloren, die ihren Vormarsch auf ukrainischem Boden fortsetzen sollen.

Es bleibt nur, den Streitkräften der Ukraine weitere erfolgreiche Angriffe zu wünschen – sowohl auf die Krim als auch auf andere Gebiete der Russischen Föderation sowie auf die von ihr besetzten Regionen der Ukraine. Die Zerstörung des Potenzials des Feindes, die Schaffung völlig unmöglicher logistischer Bedingungen für die Bewegungen der russischen Armee sowie die Entstehung realer Energieprobleme, die weder den russischen Militärs noch den Besatzungsverwaltungen erlauben werden, irgendwelche Schritte in den Gebieten zu unternehmen, die sich vorübergehend unter der Kontrolle eines der verbrecherischsten und abscheulichsten Länder der heutigen Welt befinden – man könnte auch sagen: einer Mafia, die lediglich versucht, sich als echter Staat auszugeben.

Und der Blackout, der sowohl auf der Krim als auch im besetzten Sewastopol stattgefunden hat, sowie der Treibstoffmangel, der die Krim nun für lange Zeit zu einem Gebiet machen wird, das für aggressive Handlungen der russischen Armee gegen die Ukraine ungeeignet ist, erinnern daran, dass das, was man zu stehlen versucht hat, zu einem echten Problem für denjenigen wird, der diesen unverhohlenen Diebstahl begangen hat.

Es wäre gut gewesen, diese einfache Wahrheit zu begreifen, bevor sie sich für die russische Führung und die Bürger der Russischen Föderation in ein Problem verwandelt, das sich über lange, schwarze Jahrzehnte russischer Degeneration hinweg nicht mehr durch irgendein angebliches „Aufstehen von den Knien“ lösen lassen wird.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Атака на Крим: півострів без пального |Віталій Портников. 21.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov.
Veröffentlichung / Entstehung: 21.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Massive Angriffe auf die Krim | Vitaly Portnikov. 11.06.2026.

Der nächtliche Angriff auf die besetzte Krim hat erneut die Verwundbarkeit der Halbinsel und die Unfähigkeit der russischen Behörden demonstriert, sie vor Raketenangriffen und Drohnentreffern zu schützen. Die Beschädigung der Brücken bei Armjansk wird die Verbindung zwischen dem Gebiet der Autonomen Republik Krim und dem besetzten Teil des ukrainischen Festlands weiter erschweren und damit die ohnehin schwierige Treibstoffkrise auf der Halbinsel sowie die Möglichkeiten der russischen Streitkräfte für eine weitere Aggression gegen die Ukraine zusätzlich verschärfen.

Bereits 2014 habe ich betont, dass die Besetzung der Krim selbst ein strategischer Fehler des russischen Präsidenten Putin war, der mit einer archaischen Vorstellung von der Rolle der Krimhalbinsel und Sewastopols im Hinblick auf die militärisch-technischen Möglichkeiten Russlands zusammenhing.

Um die Wahrheit zu sagen: Nicht nur Putin irrte sich, auch die russischen Kaiser irrten sich. Die Krim hat Russland nie dabei geholfen, seine Präsenz im Schwarzen Meer oder seine Möglichkeiten in Konflikten mit anderen Staaten zu stärken. Sewastopol war immer eine Stadt der russischen Schande und keineswegs des Ruhms. Schon diese Terminologie erinnert erneut an den Wunsch der Russen, die Realität zu verfälschen, mit der ihr Land konfrontiert war. Sewastopol ist eine Stadt, die zum Symbol der schmachvollen Niederlage im Krimkrieg wurde.

Sewastopol und die Krim wurden zum Symbol der Vernichtung der letzten Inseln der antibolschewistischen Bewegung durch die sowjetische Rote Armee. Sewastopol konnte im Zweiten Weltkrieg nicht gehalten werden. Und wie wir sehen, entwickelt sich die Situation auch heute nicht besonders günstig für die von Russland besetzte Stadt.

Die Verbindung mit dem Festland ist die Antwort auf die Frage, warum man keine Hoffnungen auf die Krim setzen sollte. Als Putin ausschließlich das Gebiet der Krimhalbinsel besetzte, erinnerte er sich nicht einmal daran, dass der Krimstaat einst einen großen Teil des Festlands kontrollierte und genau dann zu verfallen begann, als die Truppen des Moskauer Staates das Krim-Khanat von diesem Festland verdrängten. Putin erinnerte sich auch nicht daran, dass die Übergabe der Krim von Sowjetrussland an die Sowjetukraine damit zusammenhing, dass die Halbinsel damals keine administrative Verbindung zum ukrainischen Festland hatte, was ihre Entwicklung behinderte.

Es wiederholte sich dieselbe Situation wie immer in der Geschichte. Die Halbinsel begann zu verfallen. Putin traf die Entscheidung, benachbarte ukrainische Gebiete zu besetzen, um die Situation auf dem besetzten Gebiet der Krim zu retten. Der große russisch-ukrainische Krieg begann.

Und dann stellte sich heraus, dass Putins Hoffnungen auf die Schwarzmeerflotte als wichtigen Faktor in diesem Krieg vergeblich waren. Die Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation konnte ausschließlich als Besatzungskontingent auftreten. Nicht als Flotte, sondern als Bande, die 2014 die Annexion der Krim durch russische Halunken auf der Schwarzmeerhalbinsel unterstützte. Doch als es zum wirklichen Krieg kam, noch bevor er sich in einen Krieg der Raketen und Drohnen verwandelte, musste die Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation, wie schon mehrfach in ihrer schmachvollen Geschichte, Sewastopol verlassen, sich in die Buchten von Noworossijsk zurückziehen und sich dort vor ukrainischen Raketen und Drohnen verstecken – vielleicht in der letzten Phase ihrer unheilvollen Geschichte.

Und nun hat sich herausgestellt, dass die Streitkräfte der Ukraine in der Lage sind, die Verbindung zwischen dem besetzten Teil des ukrainischen Festlands und der besetzten Krim zu unterbrechen. Das führt natürlich zu einer neuen schweren Krise auf der Halbinsel, zu neuen logistischen Problemen und zu dem Verständnis, dass die Krim unter russischer Besatzung nicht überleben kann. 

Auf diese Weise werden objektive Voraussetzungen geschaffen, damit die russische Gesellschaft zu begreifen beginnt, dass der einzige reale Ausweg für Russland und das russische Volk in der Zukunft darin besteht, auf die geraubten, von Russland besetzten Gebiete zu verzichten und sich einzuprägen, dass die Autonome Republik Krim und Sewastopol eine ukrainische Region und eine ukrainische Stadt sind, die nichts mit russischem Raub zu tun haben.

Ja, Russland ist es mehrmals gelungen, die Kontrolle über die Krim zu erlangen. Aber die Gerechtigkeit muss früher oder später wiederhergestellt werden. Krim und Russland müssen zu gegensätzlichen Begriffen werden. Die russische Periode in der Geschichte der Krim muss sowohl in ukrainischen als auch in russischen und natürlich in krimtatarischen Lehrbüchern als eine Periode der Schande charakterisiert werden, die gestrichen und vergessen werden muss wie eine schreckliche Seite in der Geschichte der Halbinsel.

So sollte es in der Zukunft sein, wenn der russisch-ukrainische Krieg beendet ist und Bedingungen geschaffen werden, um das Völkerrecht wiederherzustellen, die russischen Handlungen nach 2014 zu verurteilen, Voraussetzungen für die Bestrafung russischer Kriegsverbrecher zu schaffen und bei den Bürgern der Russischen Föderation ein Verständnis sowohl für die strafrechtliche Verantwortung derjenigen zu entwickeln, die Verbrechen begangen haben, als auch für die moralische Verantwortung derjenigen, die diesen Verbrechen zugestimmt haben. Denn es ist kein großes Geheimnis, dass die Zustimmungswerte des russischen Präsidenten Putin unter seinen Landsleuten nach der Annexion der Krim rasch zu steigen begannen.

Somit haben wir es nicht nur mit einem unmoralischen Präsidenten, einer unmoralischen Armee und einer unmoralischen Schwarzmeerflotte zu tun, sondern auch mit einer unmoralischen Gesellschaft von Räubern, die das Völkerrecht nicht achtet und nun die offensichtlichen Folgen ihrer Unmoral zu spüren bekommt: die Verwicklung des eigenen Landes in einen Krieg und die Zerstörung der eigenen menschlichen und nationalen Perspektiven für lange, trostlose Jahrzehnte.

Und natürlich wäre es nicht wünschenswert, dass die von Russland besetzten Gebiete wie die Krim oder der Donbass dieses unglückliche Schicksal mit den Russen teilen. Denn selbst wenn es der Ukraine gelingt, sich aus den Ruinen der Kriegsgefahr zu befreien, die durch Putins Abenteuer geschaffen wurden, gibt es keinerlei Garantie dafür, dass Russland ebenfalls zu einem friedlichen Land werden kann und nicht neue Eroberungskriege beginnt, nachdem es die Ukraine nicht hat verschlingen können.

Und erneut werden Drohnen und Raketen auf die Häuser der Russen fliegen und ihre Lebensperspektiven sowie ihre Vorstellungen von der Zukunft zerstören.


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Titel des Originals: Масовані удари по Криму | Віталій Портников. 11.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 11.06.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Die Ebenen des Krieges | Vitaly Portnikov. 23.02.2026.

https://hromada.us/uk/articles/2026/02/23/floors-of-war?fbclid=IwZnRzaAQL2w5leHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEeKCZmrQeaD_07EVsb4zGlODHizStiyNCsO7MctyheoIOIz9T-t9MU_12XkA4_aem_kQ9lJRlF1ieT4Jy_tU9r8g

Wenige Tage vor dem vierten Jahrestag des Beginns des großen russischen Angriffs auf die Ukraine erschütterte eine Explosion im Zentrum von Lwiw die Stadt, die von den Strafverfolgungsbehörden als Terroranschlag eingestuft wurde.

Das Geschehene erinnerte erneut an die Vielschichtigkeit des russisch-ukrainischen Krieges, daran, dass er nicht ausschließlich auf ein Aufeinandertreffen von Armeen reduziert werden kann. Schließlich wird der Krieg gegen die Ukraine von einem Staat geführt, in dem die Macht von den Geheimdiensten monopolisiert ist – den Nachfolgern des ehemaligen Komitees für Staatssicherheit der UdSSR, das unter den neuen historischen Bedingungen unter den Bezeichnungen Föderaler Sicherheitsdienst und Auslandsgeheimdienst Russlands existiert. Doch die wichtigste Institution, die der KGB erlangt hat, ist das Amt des Präsidenten Russlands. Das wichtigste Büro des Landes, von dem die Tschekisten immer geträumt haben: Welcher Wachmann möchte nicht einmal auf dem Stuhl seines eigenen „Objekts“ sitzen!

Man muss verstehen, dass sich der Krieg der Tschekisten vom Krieg der Generäle unterscheidet. Ja, im Kreml würde man sich natürlich wünschen, dass die Armee einfach das gesamte Territorium der Ukraine einnimmt und dem FSB ermöglicht, zu den Verfahren der „Filtration“ und „Feinderkennung“ überzugehen. Doch wenn es dem Militär, das für Putin nur eines der Instrumente zur Erreichung seines Ziels ist, nicht gelingt, heißt das nicht, dass sich der FSB beruhigt und auf das Ergebnis der militärischen Handlungen wartet.

Die Destabilisierung eines feindlichen Landes durch Terror ist ein wichtiger Faktor zur Unterstützung der Armee, denn sie erlaubt es, die Bevölkerung eines solchen Landes in ständiger Anspannung zu halten, unerwünschte Politiker und Aktivisten auszuschalten und neue Spaltungslinien zu schaffen. Übrigens: Wenn ich von einem feindlichen Land spreche, möchte ich daran erinnern, dass für die Spitze des FSB zeitweise auch Russland selbst ein solches Land war – damals, als es in der russischen Gesellschaft noch Stimmungen gab, die mit dem Wunsch nach einem normalen menschlichen Leben verbunden waren. Die Armee führte Krieg in Tschetschenien, während die Tschekisten Terror organisierten, Wohnhäuser in Moskau und anderen russischen Städten sprengten, oppositionelle Politiker und Journalisten ermordeten – also „arbeiteten“.

Ein weiterer wichtiger Faktor bei dem Versuch, die Ukraine zu erobern, ist politische Propaganda. Bis 2014 wurde sie – gemeinsam mit den der ukrainischen Macht und den Oligarchen nahestehenden Fernsehsendern wie „Inter“ oder „1+1“ – vom russischen Fernsehen betrieben, das für viele Ukrainer die wichtigste Informationsquelle blieb. Gerade dieses Fernsehen trug zum Sieg von Leonid Kutschma bei den Präsidentschaftswahlen 1994 und von Viktor Janukowytsch 2010 bei und half damit real bei der Degeneration der ukrainischen Gesellschaft und dabei, die Ukraine in der „Grauzone“ des russischen Einflusses zu halten. Nach 2014 wurde das russische Fernsehen durch die Sender Medwedtschuks ersetzt, und nach 2022 begannen anonyme Telegram-Kanäle eine ebenso wichtige Rolle bei der „Verdummung“ der Ukrainer zu spielen. Und jetzt sehe ich eine neue Tendenz: Die Russen werden mit Hilfe Rechtsradikaler aus dem Westen auf den ukrainischen Markt zurückkehren. Formal werden wir die Eröffnung irgendwelcher amerikanischer oder europäischer Medien sehen, faktisch wird es derselbe FSB sein.

Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor ist wirtschaftlicher Druck – verbunden mit der Bestechung nicht nur von Machthabern und Oligarchen, sondern auch der Bevölkerung selbst, die das alte Sprichwort von der Mausefalle und dem kostenlosen Käse allzu gern vergisst – oder besser gesagt: vom billigen Gas. Mit Hilfe von Gas versuchte man bereits zu Zeiten Boris Jelzins, die Ukraine festzuhalten und ihre Hinwendung zum Westen zu verhindern. Putin war bereits zu offenem Erpressen bereit, das sich nach dem Maidan 2004 und dem Sieg von Viktor Juschtschenko bei den Präsidentschaftswahlen noch verstärkte. Und niemand hat gesagt, dass Russland künftig keine wirtschaftlichen Instrumente einsetzen wird – mehr noch: Selbst wenn man sich die derzeit unrealistische Situation eines baldigen Endes der Kampfhandlungen vorstellen würde, wird der Kreml versuchen, Instrumente wirtschaftlicher Erpressung in jedes Friedensabkommen einzubauen. Natürlich mit Unterstützung der amerikanischen Administration, in der selbst auf der Ebene von Vizepräsident J. D. Vance von der Bedeutung des Handels zwischen Russland und der Ukraine gesprochen wurde. Wie könnte man eine solche Sichtweise nicht ausnutzen?

Die Aufzählung all dieser Instrumente überzeugt davon, dass es auf die Frage „Wann wird der russisch-ukrainische Krieg enden?“ nur eine richtige Antwort gibt – niemals. Solange die Russen glauben, dass die ukrainische Staatlichkeit liquidiert und das ukrainische Volk ausgelöscht werden muss, wird der Konflikt gleichzeitig auf mehreren Ebenen der Eskalation weitergehen, selbst wenn Moskau nicht genug Kräfte für intensive militärische Aktionen hat. Auf genau eine solche Entwicklung sollten sich sowohl die Bürger der Ukraine vorbereiten, die zu Hause leben, als auch jene, die sich im Ausland befinden.

Denn die Bewahrung des Staates und des ukrainischen Volkes unter den Bedingungen eines langen Krieges, von Terror, Propaganda und wirtschaftlichem Druck wird unsere wichtigste Aufgabe bleiben. Und die Jahre des russisch-ukrainischen Konflikts – selbst wenn man seinen Beginn auf den Maidan 2013–2014 und den russischen Einmarsch auf der Krim und im Donbas datiert – haben gezeigt, dass man einer solchen Aufgabe selbst in den schwersten Momenten gewachsen sein kann, vorausgesetzt, man bewahrt Einheit, gesunden Menschenverstand und ein realistisches Verständnis der Lage.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Поверхи війни. Віталій Портников. 23.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 23.02.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Trump verlangt Grönland | Vitaly Portnikov. 23.12.2025.

Donald Trump hat Grönland wieder ins Spiel gebracht – dessen Anschluss er, wie bekannt, schon in den ersten Wochen seiner Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten thematisiert hatte. Danach schien er das Thema Grönland vergessen zu haben. Wie wir uns jedoch gut erinnern, besuchten damals sowohl der Sohn des amerikanischen Präsidenten, Donald Trump Jr., als auch Vizepräsident J. D. Vance die Insel.

Nun spricht Trump erneut von der Notwendigkeit, Grönland den Vereinigten Staaten anzugliedern, und ernennt den Gouverneur von Louisiana, Jeff Landry, zu seinem ständigen Vertreter in dieser Frage. Landry erklärt, es sei ihm eine Ehre, Grönland den Vereinigten Staaten von Amerika anzuschließen.

Dabei gibt es in Trumps Aussagen und Handlungen in Wirklichkeit keinerlei logische Grundlage. Er begründet die Notwendigkeit der Angliederung Grönlands mit Fragen der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten. Doch Amerika unterhält Militärbasen auf dem Territorium zahlreicher Länder, von deren Angliederung keine Rede ist.

Grönland ist eine autonome Einheit des dänischen Königreichs, das ein NATO-Verbündeter der USA ist. Und eigentlich wäre der logischste Schritt Verhandlungen über eine Ausweitung der amerikanischen Militärpräsenz in der Region. Das würde tatsächlich sowohl den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten als auch den nationalen Interessen der europäischen Länder, Dänemarks und der Grönländer selbst entsprechen, da es sie zuverlässig vor möglichen Ansprüchen der Volksrepublik China oder der Russischen Föderation schützen würde.

Deshalb liegt der Verdacht nahe, dass es hier weniger um die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten geht als vielmehr um die Ausnutzung dieser Interessen durch Trumps engstes Umfeld und den amerikanischen Präsidenten selbst, um Zugang zu den natürlichen Reichtümern Grönlands zu erhalten.

Bemerkenswert ist, dass Trump in diesem Zusammenhang nicht einmal versucht, sich auf das Völkerrecht zu berufen. Die Vereinigten Staaten haben keinerlei rechtliche Möglichkeiten, Grönland zu annektieren. Grönland ist ein integraler und autonomer Teil Dänemarks. Sein Volk hat das Recht auf Unabhängigkeit. Und erst wenn die Mehrheit der Einwohner Grönlands sich tatsächlich für diese Unabhängigkeit ausspricht, könnten die Vereinigten Staaten Verhandlungen mit dem Volk und der Regierung Grönlands über einen Anschluss dieses Landes an die Vereinigten Staaten führen.

Derzeit sehen wir jedoch eine Politik nach putinschem Muster. Zudem wird diese Politik von Donald Trump ungefähr so begründet, wie Putin die Besetzung und Annexion der Krim mit historischen Ansprüchen rechtfertigte – mit Verweisen auf eine ferne Vergangenheit und mit der Behauptung, dass, wenn vor 300 Jahren dänische Schiffe in Grönland gewesen seien, dort auch amerikanische hätten sein können.

Dabei werden die Rechte der indigenen Bevölkerung Grönlands, also der Mehrheit der Inselbewohner, mit derselben demonstrativen Gleichgültigkeit ignoriert, mit der Wladimir Putin die Rechte der indigenen Völker der Krim oder der Bewohner jener ukrainischen Regionen missachtet, die heute von der Russischen Föderation besetzt und annektiert sind.

Gerade deshalb ist Trumps Position aus mehreren Gründen gefährlich. Der erste Grund besteht darin, dass die Handlungen des amerikanischen Präsidenten die Politik des russischen Präsidenten legitimieren. Wenn Donald Trump Anspruch auf Territorien anderer Staaten erheben kann, die keinerlei Bezug zu den Vereinigten Staaten haben, und dies mit Fragen der nationalen Sicherheit Amerikas begründet, warum sollten dann die Russische Föderation oder die Volksrepublik China nicht mit ähnlichen politischen Programmen auftreten? Und warum sollte man Russland dann noch für die Besetzung und Annexion der Krim oder anderer ukrainischer Regionen verurteilen?

Erinnern wir uns zudem daran, dass Donald Trump Russland ohnehin kaum verurteilt und sogar von der Möglichkeit gesprochen hat, den russischen Status der Krim durch die Vereinigten Staaten anzuerkennen – was natürlich ein weiterer Schlag des amerikanischen Präsidenten gegen das Völkerrecht wäre. Möglicherweise will Donald Trump diesen Schlag bewusst führen, um den Weg für seine eigenen imperialistischen Ambitionen freizumachen und die Vereinigten Staaten in ein schlechtes Remake der Russischen Föderation zu verwandeln.

Eine weitere, nicht minder ernste Gefahr ist die Zerstörung der Bündnisbeziehungen mit Europa. Als Putin die Krim besetzte und annektierte, handelte er zumindest nicht gegen einen formellen Verbündeten Russlands. Die Ukraine war ein blockfreier Staat. Sie gehörte weder zur Eurasischen Wirtschaftsunion noch zur OVKS. Und wenn Russland ihr gegenüber irgendwelche Verpflichtungen hatte, dann etwa in dem Maße wie die Vereinigten Staaten gegenüber der Ukraine im Budapester Memorandum.

Dänemark hingegen ist ein realer Verbündeter der Vereinigten Staaten in der NATO, und sein Schutz ist Teil des Konzepts der euro-atlantischen Sicherheit. Nach gesundem Menschenverstand – der offenbar die Flure des Weißen Hauses verlassen hat – müssten die Vereinigten Staaten Dänemark vor Versuchen schützen, Teile seines Territoriums zu besetzen oder Ansprüche darauf zu erheben, egal durch welchen durchgeknallten imperialistischen Wahnsinnigen.

Doch wir erleben das genaue Gegenteil. Donald Trump selbst erhebt weiterhin Anspruch auf das Territorium eines anderen Staates und wirft Dänemark vor, nicht ausreichend für die Sicherheit Grönlands zu sorgen.

Ich wiederhole: Nach meiner Ansicht ist Sicherheit hier nur ein Vorwand zur Befriedigung neuer wirtschaftlicher Bedürfnisse der Menschen in Trumps Umfeld und möglicherweise auch des amerikanischen Präsidenten selbst.

Das ist derselbe politische Vektor, den wir auch bei den Bemühungen um eine Regelung des Krieges zwischen Russland und der Ukraine beobachten. Auch dort scheint Trumps engstes Umfeld nicht darüber nachzudenken, wie der Krieg wirklich beendet und der Aggressor gezwungen werden kann, von Versuchen abzusehen, einen Nachbarstaat zu erdrosseln, sondern darüber, welche beeindruckenden wirtschaftlichen Perspektiven sich für einzelne Vertreter der US-Regierung und für Mitglieder der Präsidentenfamilie eröffnen könnten, wenn es gelingt, sich mit Russland zu einigen – und wenn Putin all jene großzügigen Versprechen erfüllt, die er ohne Zweifel selbst oder über seinen Sondergesandten Kirill Dmitrijew als verlässliche Köder anbietet.

Es ist offensichtlich: Wenn die Vereinigten Staaten und die Russische Föderation gemeinsam das Völkerrecht zerstören, wird es keinen Ort geben, an dem man sich vor der heraufziehenden globalen Krise verstecken kann.

Man sollte nicht glauben, dass Amerikaner, Russen und Chinesen bei ihren Versuchen, das Völkerrecht zu zerstören, gemeinsam handeln werden. Wenn es keine Regeln mehr gibt, werden die Imperialisten unweigerlich aneinandergeraten. Und da diese Imperialisten über riesige Bestände an Atomwaffen verfügen, kann man sich vorstellen, wie viele Dutzende Millionen Menschen wegen des Unverständnisses – vor allem der Führer der demokratischen Welt – für die Bedeutung des Lebens nach Regeln sterben werden. Und dabei geht es scheinbar nur um eine eisige Insel im Atlantik.


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Titel des Originals: Трамп требует Гренландию | Виталий Портников. 23.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 23.12.2025.
Originalsprache: ru
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Angriff auf die Krim | Vitaly Portnikov. 26.08.2025.

Die Streitkräfte der Ukraine haben Schläge gegen die besetzte und annektierte Krim bestätigt – in erster Linie gegen die Eisenbahn- und Logistikinfrastruktur der annektierten Halbinsel, die den Streitkräften der Russischen Föderation weitere Angriffe auf ukrainisches Territorium ermöglicht und von ihnen für den Krieg im Osten und Süden unseres Landes genutzt wird.

Auch Krimer Telegram-Kanäle bestätigen die Angriffe auf diese Infrastruktur. Es wird über Probleme berichtet, die nach diesem ukrainischen Angriff auf der Halbinsel entstanden sind.

Das bestätigt erneut die Tatsache, dass die Russen zu Überlegungen über eine Beendigung oder zumindest ein Aussetzen des russisch-ukrainischen Krieges nur durch Schläge gegen ihre eigene Infrastruktur oder gegen Infrastruktur gezwungen werden können, die sie auf den besetzten ukrainischen Gebieten nutzen – mit dem Ziel, weitere ukrainische Ländereien zu erobern und die ukrainische Staatlichkeit zu vernichten.

Die Krim wurde 2014 von den Russen keineswegs wegen ihrer sogenannten „Sakralität“ besetzt. Und schon gar nicht, weil sie – wie russische Politiker und Propagandisten behaupten – zu Sowjetzeiten angeblich „ungerecht“ von Sowjetrussland an die Sowjetukraine übergeben worden sei. Sondern weil die russische Führung die Krim als Brückenkopf für den Angriff auf die Ukraine nutzen wollte.

Krim und Brückenkopf – das sind im russischen Denken überhaupt Synonyme. Als in den 1990er Jahren der erste Präsident des unabhängigen Russlands, Boris Jelzin, darauf bestand, dass die Schwarzmeerflotte auf der Krim verbleibt, betrachtete man in Moskau die Krim in erster Linie als Brückenkopf für mögliche russische Operationen im Schwarzmeerraum, als Demonstration, dass Russland seine Einflussmöglichkeiten auf die ehemaligen Sowjetrepubliken und ehemaligen sozialistischen Staaten an den Ufern des Schwarzen Meeres bewahrt.

Man muss sofort sagen: Putin ist es trotz Besetzung und Annexion der Krim nicht gelungen, diesen Status Russlands zu bestätigen, sondern im Gegenteil zu beweisen, dass die Krim für Russland keine Quelle des Einflusses ist, sondern eine Quelle geopolitischer Niederlagen. Heute ist die Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation, die sich in den Jahrzehnten auf Basen im unabhängigen Staat Ukraine in ein echtes Besatzungskontingent verwandelt hatte, gezwungen, sich in den Buchten von Noworossijsk zu verstecken – und sie wird sogar auf dem sogenannten souveränen Territorium der Russischen Föderation getroffen.

Aber wir sprechen hier nicht vom Ergebnis, sondern vom Ziel, von der russischen Vorstellung von der Krim als Brückenkopf, der es ihnen ermöglicht, Georgien, Rumänien, Bulgarien und natürlich auch die Türkei zu bedrohen – und zugleich ein Instrument für die weitere Eroberung der Ukraine zu sein, die nach Ansicht des Kremls überhaupt nicht als unabhängiger Staat existieren sollte.

Insofern ist die Zerstörung der Infrastruktur der russischen Streitkräfte auf der Krim – und auch jener Infrastruktur, die von dieser kriminellen Organisation in Uniform genutzt werden könnte – ein wirklicher Schritt zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges.

Denn der russisch-ukrainische Krieg kann genau dann enden, wenn Russlands Infrastruktur nicht mehr in der Lage ist, seine Verbrecherarmee zu versorgen. Und dann wird die politische Führung der Russischen Föderation gezwungen sein, zwischen totaler Destabilisierung und Krieg zu wählen. Bis dahin aber, wie wir alle logisch verstehen, wird der Krieg weitergehen.

Ebenso darf man die russischen Angriffe auf die Infrastruktur der Ukraine selbst nicht unbeantwortet lassen – Angriffe, von denen wir ebenfalls wissen, dass sie andauern werden, gerade weil die Russen von ihrer Straflosigkeit überzeugt sind. Wenn sie die Ukrainer ohne Licht und Wärme lassen wollen, glauben sie, dass ihren Bürgern, ihrer Armee, ihrer politischen Führung überhaupt nichts droht.

Wenn aber selbst Drohnenangriffe die Infrastruktur auf der Krim, in anderen besetzten Gebieten der Ukraine oder auf dem souveränen Territorium Russlands treffen, überzeugt das die Russen davon, dass ihre Verbrechen nirgendwo ungestraft bleiben werden. Nicht einmal in der russischen Hauptstadt Moskau, nicht einmal in der Heimatstadt Putins, Sankt Petersburg – dieser ehemaligen imperialen Festung Moskaus.

In dieser Situation verstehen wir also sehr gut, welche große Bedeutung der nächste Angriff auf die Krim mit der Zerstörung wichtiger logistischer Objekte für die russischen Streitkräfte hat – sowohl im Hinblick auf die Verringerung der Funktionsfähigkeit der Verbrecherarmee als auch im Hinblick auf den psychologischen Effekt. Wir sehen ja, wie sich die Lage nach der gelungenen Operation „Spinnennetz“ gegen die russischen strategischen Bomber verändert hat. 

Und auch psychologisch: wenn der Verbrecher erkennt, dass er für seine systematischen Verbrechen gegen die ukrainische Zivilbevölkerung, gegen Frauen und Kinder, gegen die ukrainische Infrastruktur und gegen die ukrainische Erde bestraft wird. All das, was die Russen zu einem endlosen Krieg gegen unseren Staat inspiriert – und zu Plänen, diesen Krieg auf neue Regionen und Kontinente auszuweiten, falls sie aus dem russisch-ukrainischen Krieg siegreich und unbestraft hervorgingen.

Natürlich erinnert eine solche Situation auch an die Verringerung der russischen Möglichkeiten, neue ukrainische Gebiete zu besetzen. Gerade deshalb würden die Russen diese Gebiete gerne kampflos einnehmen. Deshalb ist in den Medien und in manchen politischen Erklärungen zu lesen, dass die einzige „realistische“ Bedingung für einen Waffenstillstand – nicht für ein Ende des Krieges, sondern für einen Waffenstillstand an der Front – der kampflose Rückzug der ukrainischen Streitkräfte aus jenen Teilen der Oblaste Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja sein müsse, die heute von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert werden.

Und natürlich: je weniger Möglichkeiten die russische Armee hat, neue Ortschaften auf ukrainischem Boden zu besetzen, je mehr die Russen erkennen, dass die Situation für sie nicht statisch ist, desto realistischer wird die Variante eines Waffenstillstandes entlang der Frontlinie. Und desto unmöglicher wird die völkerrechtliche Anerkennung einer Enteignung durch Russland im besten bolschewistischen Geist – nachdem in diesem Staat wieder einmal Verbrecher an die Macht gekommen sind. Verbrecher, deren Philosophie und Ansätze sowohl Putin als auch die überwältigende Mehrheit seiner Landsleute teilen, die am Syndrom von Chauvinismus und Bolschewismus erkrankt sind.

Angriffe auf die Krim-Brücke | Vitaly Portnikov. 03.05.2025.

Der ukrainische Sicherheitsdienst führte heute eine Reihe einzigartiger Spezialoperationen durch und griff zum dritten Mal seit Beginn des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine die Krim-Brücke an. Eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte der Russischen Föderation, das vom Kreml genutzt wird, um die Aggression gegen die Ukraine, insbesondere gegen die südlichen Regionen des Nachbarstaates, fortzusetzen.

Russische Propaganda-Medien berichten derzeit über eine schwierige Situation im Bereich der Krim-Brücke, wo der Verkehr eingestellt werden musste. Sie verstehen selbst nicht genau, was passiert ist. Geht es darum, dass die Pfeiler der Krim-Brücke durch Sprengstoff, der zuvor dort platziert wurde, gesprengt wurden? Geht es um einen Angriff von unbemannten Marine-Booten der ukrainischen Marine? Gibt es unbekannte Taucher, von denen wir auch annehmen können, dass sie an der Befestigung des Sprengstoffs beteiligt waren oder sogar dessen Sprengung aus der Ferne steuern?

Der Tag ist noch nicht vorbei und die Krim-Brücke erwartet möglicherweise neue unangenehme Prüfungen, die im Idealfall der Existenz dieses Infrastrukturprojekts ein Ende setzen sollen. Übrigens sei daran erinnert, dass heute auch der Verkehr in der Sewastopoler Bucht eingestellt wurde.

Sewastopol ist schon lange eine Stadt russischer Schande geworden. Die russische Schwarzmeerflotte erlitt in der Krim praktisch die ganze Zeit ihrer Geschichte Niederlagen und ging mit einem riesigen Mal der Schande im russisch-ukrainischen Krieg in die Weltgeschichte ein.

Die Flotte hielt ihren Ruf aufrecht, als sie gezwungen war, von den Buchten des ukrainischen Sewastopols in die Buchten des russischen Noworossijsk umzuziehen, wo sie ein wichtiger Faktor für die Destabilisierung der Lage im Schwarzen Meer bleibt.  Aber solche Möglichkeiten, die die Buchten der ukrainischen Krim bieten, haben die russischen Kriminellen in Marineuniformen natürlich nicht.

Die Krim-Brücke bleibt ein legitimes Ziel für die Zerstörung durch die ukrainischen Streitkräfte. Erstens, weil dieses Infrastrukturprojekt ohne Zustimmung der Ukraine in ukrainischen Hoheitsgewässern errichtet wurde, nachdem die Russische Föderation unter der Führung des kriminellen Putin Akte der Besatzung und Annexion dieser ukrainischen Region durchgeführt hatte. Entgegen allen Normen des Völkerrechts und der Verfassung der Russischen Föderation selbst, die Putin mit Unterstützung seiner chauvinistisch-kranken Bevölkerung freudig verletzt hat.

Zweitens, weil die Brücke für den Transport von Gütern verwendet wird, die für eine andere kriminelle terroristische Organisation bestimmt sind, den sogenannten Streitkräften der Russischen Föderation, die von Putin und seinem Umfeld nicht zur Verteidigung der Russischen Föderation, sondern dazu verwendet werden, fremde Länder zu erobern und die Bevölkerung der Krim zu terrorisieren, deren Bewohner seit Beginn der russischen Aggression Geiseln sind, nicht erst seit 2014, sondern seit der Zeit, als die russische Marinestützpunkt auf der Krim belassen wurde, der all diese Jahrzehnte bestand.

Eine echtes Zentrum des Terrorismus und der Destabilisierung, nicht nur für die Krim, sondern für das gesamte Schwarze Meerbecken. Deshalb ist es so wichtig, die Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation in Zukunft zu liquidieren, zumindest in den Hoheitsgewässern der Ukraine.

Und natürlich kann die Krim-Brücke nicht von Russland zur Unterstützung seiner eigenen Streitkräfte genutzt werden, denn es ist offensichtlich, dass Moskau weiterhin auf eine Expansion in der südlichen Ukraine hofft. Sie beabsichtigt nicht, sich auf die Besetzung dieses Teils der Region Cherson zu beschränken, der weiterhin unter der Kontrolle der aggressiven Kräfte der Russischen Föderation steht.

Offensichtlich sind die Ambitionen Moskaus viel größer, ganz zu schweigen davon, dass die Aufrechterhaltung der Lebensfähigkeit der Besatzungstruppen und des kollaborativen Regierungsapparats auf der Krim, die durch die Infrastruktur der Krim-Brücke erfolgt, ebenfalls effektiv und zuverlässig gestoppt werden muss. Um zu demonstrieren, dass die Russische Föderation sowohl aktuell als auch in Zukunft keine reale Kontrolle über das Geschehen in den besetzten ukrainischen Gebieten haben kann. 

Und wie wir verstehen, ist es einfacher, die Krim infrastrukturell von Russland zu trennen, als dasselbe mit anderen von Russland besetzten Regionen der Ukraine: Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja zu machen, um die Russland weiter kämpft, auch mit Hilfe der Wege, die über diese abscheuliche Brücke führen.

Natürlich erinnert diese neue Operation Russen erneut an eine weitere ihrer Schande, die sie in ihrem eigenen Informationsraum zu beschönigen versuchen. Die Zerstörung von Flugzeugen der Russischen Föderation auf Flugplätzen, die für die ständige Bombardierung von Städten und Dörfern in der Ukraine, für die Ermordung von Frauen und Kindern, für andere Verbrechen verwendet werden, die das Wesen und den Sinn der Existenz der Streitkräfte der Russischen Föderation und, so scheint es, des russischen Staates darstellen, der, wie wir uns in den letzten drei Jahren alle überzeugt haben, einfach eine terroristische Organisation ist. Die nur eine staatliche Formation zu sein vorgibt, um nicht die Verantwortung für all diese Verbrechen zu tragen, die russische Staatsbürger in Uniform und ohne Uniform mit so viel Vergnügen und Freude begehen.

So können wir im Prinzip, wenn wir die russische politische Sprache verwenden, von einer Stärkung der ukrainischen Verhandlungsposition sprechen, falls überhaupt in ferner Zukunft echte Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine Waffenruhe an der russisch-ukrainischen Front stattfinden, und sogar über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges, an dem Putin weiterhin Vergnügen findet.  Dieses Vergnügen wird jedoch für den russischen Präsidenten bitter, der überzeugt ist, dass das Töten von Menschen ihm das Leben verlängert und ihm die Gewissheit gibt, dass sein Regime, das von den Russen immer in den aggressivsten Zeiten unterstützt wird, den weiteren Verlauf der Geschichte nicht allzu sehr fürchten muss.

Wenn der russische Präsident ein Zeuge der Zerstörung seiner Flugzeuge oder Infrastrukturprojekte wird, die ein Symbol seiner aggressiven Möglichkeiten für diejenigen sind, die in der Nähe solcher Herrscher befinden, oder sogar für die Bürgern selbst, die voller Hass und Aggression sind, stellt sich die Frage, ob ein solcher Zar wirklich der Richtige ist, und ob man nicht einen grausameren und wilderen Führer des russischen Staates finden sollte, der es nicht zulässt, dass strategische Objekte, Brücken und Flugzeuge angegriffen werden.

Denn wie wir wissen, sind es genau diese Dinge, für die die durchschnittlichen Russen bereit sind, in Armut und Perspektivlosigkeit zu leben. Und Putin versteht sehr wohl, dass es, um nicht noch weitere wichtige Objekte zu verlieren, die Symbole der russischen Aggressivität sind, vielleicht besser ist, die Angriffe auf die Ukraine nicht fortzusetzen, sondern über dieselbe Waffenruhe nachzudenken, zu der der amerikanische Präsident Donald Trump ihn bereits seit einigen Monaten ohne wirkliche Ergebnisse auffordert.

Qirim. Vitaly Portnikov. 18.05.2025.

https://zbruc.eu/node/121440?fbclid=IwQ0xDSwKWxSpleHRuA2FlbQIxMQABHmkloFbVxabF-rnN1TO2sH-pkE5x5WIh0RsejppMxsdUnbQlbWms2lmlE1jT_aem_10WG_WEWRZfCAqxmTPUIKg

Einige Tage vor dem Konzert von Jamala in Kyiv, bei dem die Sängerin ihr berühmtes Album Qirim vorstellte, das zu einem echten Phänomen in der ukrainischen und krimtatarischen Musik wurde und mit dem Schewtschenko-Preis ausgezeichnet wurde, spazierte ich durch das Anwesen von Mykhailo Kotsiubynskyi in Winnyzja. Und ich dachte, dass dieser zutiefst ukrainische Schriftsteller, der in der Lage ist, Folklore in ein Epos zu verwandeln, wie er das in „Schatten der vergessenen Vorfahren“ getan hat, in seinen Krimgeschichten die Seele des krimtatarischen Volkes so lebendig und bedeutungsvoll gespürt hat.

Und das, obwohl Kotsiubynskyi die Krim nicht für sich beanspruchte – die Halbinsel war für ihn eine eigene unglaubliche Welt, die er auf seinen Reisen genoss. Aber gleichzeitig versuchte er, die Menschen zu verstehen, denen er auf diesem Land begegnete. Denn er verstand, wie nahe das Schicksal, die Erfahrungen und die Wanderungen dieses Volkes dem Volk waren, für das er schrieb und Wörter in Musik verwandelte.

Aber die russischen Schriftsteller, die die Krim als „unser“ Land, als „die Vollendung Russlands“ betrachteten, schienen die Krimtataren nicht wahrzunehmen. Für sie war die Krim nicht nur ein von Russland erobertes, sondern auch ein gerettetes Gebiet, das nur im Kontext der russischen Kultur, ihres Landes, diskutiert werden konnte. Denn sie sahen die Geschichte und Kultur der Krim – zumindest die krimtatarische Kultur – als eine zivilisatorische Katastrophe an.

Überlegen wir einmal: Das große Sklavenhalterreich, das die Leibeigenschaft erst Mitte des 19. Jahrhunderts abschaffte und danach kein Land mit den befreiten Bauern teilen wollte, stellte die Krim als großes „Sklavenreservat“ dar. Und das, obwohl zu der Zeit, als die Krim Teil der osmanischen Welt war, die meisten Staaten dieser Zeit solche „Sklavenreserven“ waren. Und Russland selbst blieb eine „Sklavenreserve“, selbst als die Leibeigenschaft in Europa fast vergessen war.

Aber es geht nicht einmal um historische Darstellungen – die Eroberungsmacht beschreibt das Land, das sie erobern will, immer als die Personifizierung des Bösen. Und genau das ist es, was Putins Russland heute mit uns machen will. Es geht vor allem um Gleichgültigkeit. Russische Schriftsteller interessierten sich für die Krim als Sommerresidenz und Militärstützpunkt, und die Krimtataren verhinderten allein schon durch ihre Existenz, dass die Halbinsel als Urlaubsort wahrgenommen wurde.

Das Maximum, was die russische Kultur in ihrer Wahrnehmung der krimtatarischen Welt zu tun wagte, war, über ihre Exotik zu sprechen, die nur herablassend behandelt werden konnte. Der Versuch, die Krim als eine andere Zivilisation zu betrachten, widersprach der russischen Staats- und Kulturphilosophie. Und deshalb wollen die Russen auch heute noch keine andere Zivilisation in den eigentlichen Völkern Russlands sehen, und mehr noch, sie versuchen, diese Zivilisation auszulöschen.

Für ein russisches Publikum, das sich sicher ist, alles über die Krim zu wissen, weil es in Jalta Kaffee getrunken oder den Ai-Petri bestiegen hat, wäre Jamalas Konzert daher etwas absolut Exotisches und Unglaubliches – etwas, das es ihrer Meinung nach nicht geben sollte. Ist es möglich, dass solche Musik auf der Krim lebt? Ein solcher Flug der Seele und Tradition? Nein, das ist etwas, das erfunden wurde, um den Russen ihr „natürliches“ Recht auf ein fremdes Land zu nehmen.

Und für mich konnte das Qurim-Album nicht exotisch sein, denn es war Teil meiner eigenen Welt. Und ich fühlte mich bei Jamalas Konzert nicht nur deshalb zu Hause, weil ich mich auf meinen Reisen auf die noch freie Krim für Zivilisation und nicht für Ferienhäuser interessierte.

Sondern auch, weil ich Kotsiubynskyi gelesen habe.

Trump ist wütend auf Zelensky | Vitaly Portnikov. 23.04.2025.

Donald Trump hat erneut den ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky mit Anschuldigungen wegen dessen Haltung zum Anerkennen der okkupierten und annektierten Krim als russisches Gebiet angegriffen.

Trump, der verärgert war, dass Zelenskys Worte auf den Titelseiten amerikanischer Medien, insbesondere der Wall Street Journal, erschienen waren, sagte, niemand verlange von Zelensky die Anerkennung der Krim als russisch, doch die Ukraine selbst habe angeblich vor 11 Jahren nicht um die Krim gekämpft. Und das, ganz nebenbei, von der Person, die Zelensky ständig beschuldigt, angeblich den Krieg mit Russland begonnen zu haben, und sagt, dass ein kleines Land nicht so gegenüber einem Land handeln sollte, das viel größer ist als es selbst.

Es geht hier natürlich nicht um die unlogischen Passagen, die man immer in jedem Beitrag des amerikanischen Präsidenten in sozialen Netzwerken finden kann. Die Frage ist hier vielmehr, dass Trump die Erwähnung der Krim verärgert hat. Bekanntlich berichtete die Publikation Semafor am 17. März, dass die Verwaltung die Administration des der Vereinigten Staaten mit der russischen Führung die Möglichkeit der Anerkennung des Status der Krim diskutiert.

Und dann wurde im Weißen Haus betont, dass sie die Details der Verhandlungen, die der Sonderbeauftragte Trumps, Steve Witkoff, mit dem russischen Präsidenten Putin führt, nicht kommentieren würden. Jetzt, insbesondere nach dem jüngsten Treffen in Paris der Leiter der diplomatischen Dienste und Berater für nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten, Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands und der Ukraine, tauchte die Frage der Anerkennung der Krim als russisches Gebiet auch von Seiten der Vereinigten Staaten erneut auf den Titelseiten der Weltmedien auf, die viel bekannter sind als die Publikation Semafor, mit der Feststellung, dass die Idee der Anerkennung des Status der Krim Teil dieses Friedensabkommens werden könnte, das zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine unterzeichnet werden und den russisch-ukrainischen Krieg beenden soll. Und es ging vor allem darum, dass die Amerikaner über den russischen Status der besetzten Krim sprechen würden, dass die Vereinigten Staaten diesen Status anerkennen würden.

Ziemlich unverständlich ist die Frage, warum die Anerkennung des russischen Status der Krim durch die Vereinigten Staaten die Situation im russisch-ukrainischen Krieg verändern könnte, außer natürlich der Demütigung Trumps selbst. Offensichtlich erkennen weder die Länder der Europäischen Union, wie von den Führern dieser Länder und den Führern der Europäischen Kommission bereits betont, noch die Ukraine die Tatsache an, dass die annektierte Krim als Subjekt dieses Landes in die Verfassung der Russischen Föderation aufgenommen wurde. Natürlich erkennt auch die Türkei die Annexion der Krim und ihren russischen Status nicht an. 

Daher könnte die Entscheidung der Vereinigten Staaten, den russischen Status der Krim anzuerkennen, eher ein Moment der episodischen Befriedigung für Putin sein, der zudem keine rechtlichen Folgen hat, denn die Entscheidung über die Anerkennung von Gebieten als Teile bestimmter Staaten trifft nicht der amerikanische Präsident, sondern der Kongress der Vereinigten Staaten. 

Und die Geschichte mit der Anerkennung des Status der Westsahara als Teil Marokkos, eine politische Erklärung von Donald Trump, die nie im Kongress verabschiedet wurde, ist ein gutes Beispiel dafür, dass selbst auf Präsidentsebene der USA solche Entscheidungen nichts an der Sichtweise des Völkerrechts und der Haltung der Vereinigten Staaten selbst zur Annexion dieses oder jenes Gebiets ändern. Ohne den Kongress kann hier nichts entschieden werden. 

Aber ich habe den Eindruck, dass die Geschichte mit der Krim gerade von der russischen Führung vorgeschlagen wird, um vor allem die Vereinigten Staaten und die Ukraine zu demütigen, um von Donald Trump ein erwünschtes Memorandum zu erhalten, das dann vor allem den Bürgern der Russischen Föderation als Tatsache vorgelegt werden kann, dass die Vereinigten Staaten gezwungen waren, anzuerkennen, was jeder Russe sowieso versteht, „die Krim ist unsere“, und dass die Ukraine bald entsprechende Änderungen an ihrer Verfassung vornehmen und die Ansprüche auf die russische Krim aufgeben muss, und danach werden dies alle anderen Staaten tun. 

Und so kann der Status des russischen Präsidenten Putin als Landbesammler zumindest auf der Ebene der Propaganda nicht nur durch die Präsenz russischer Truppen auf den besetzten ukrainischen und übrigens nicht nur ukrainischen Gebieten bestätigt werden, sondern auch dadurch, dass diese Ansprüche Putins und der Russen auf fremde Gebiete vom Präsidenten der Vereinigten Staaten anerkannt werden können.

Kann dies dazu beitragen, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden? Meiner Meinung nach schürt dies nur die russischen Begehrlichkeiten. Bereits der Pressesprecher des russischen Präsidenten Peskow betont, dass die Kampfhandlungen erst enden können, wenn die ukrainischen Truppen die Gebiete der Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja verlassen haben, die bekanntlich auch von der Russischen Föderation annektiert und in die Verfassung Russlands aufgenommen wurden. Dabei wurden sie nicht in den Gebieten annektiert, über denen der Besatzer im Laufe der Kampfhandlungen in der Zeit von 2014 bis 2022 die Kontrolle erlangt hat, sondern in den administrativen Grenzen der Regionen als Teil des ukrainischen Staates. 

Und es ist offensichtlich, dass jedes Mal, wenn Trump oder jemand anderes aus den Beamten dieser erstaunlichen Administration der Idee des russischen Status der Krim zustimmt, in Moskau die absolut logische Frage aufkommen wird. „Wenn wir die Amerikaner in der Krim-Frage unter Druck gesetzt haben, warum können wir sie dann nicht in der Frage der Gebiete anderer Regionen unter Druck setzen, die von Moskau annektiert wurden. Und warum können wir nicht noch einen Teil des ukrainischen Territoriums in anderen ukrainischen Regionen besetzen, um später von den Ukrainern zu verlangen, dass sie ihre Truppen von diesen Gebieten zurückziehen, um so auch Anspruch auf

die kampflose Eroberung großer Teile der Ukraine zu erheben“. Die berühmte Salami-Taktik, die von Aggressoren oft angewendet wurde, wenn sie nicht genug Kräfte für einen Blitzkrieg hatten, derselbe Blitzkrieg, der für Putin und seine Militärs seit Februar 2022 unerreichbar bleibt.

Daher können wir nicht nur feststellen, dass Donald Trump das Erscheinen von Volodymyr Zelensky auf den Titelseiten amerikanischer Publikationen ärgert, dass diese amerikanischen Publikationen gerade der Position des ukrainischen und nicht des amerikanischen Präsidenten zustimmen, denn diese Position des ukrainischen Präsidenten entspricht der Logik des gesunden Menschenverstandes, und die Position des amerikanischen Präsidenten widerspricht ihr völlig. Und dass es sich nur um einen Fehler handelt, der uns dem Ende des Krieges nicht näher bringt, sondern die aggressiven Begehrlichkeiten derer verstärkt, die diesen Krieg fortsetzen wollen.

Trump will Krim anerkennen | Vitaly Portnikov. 21.04.2025.

Die Wall Street Journal behauptet, dass die Regierung von Donald Trump während der Verhandlungen in Paris der ukrainischen Delegation und Vertretern europäischer Länder Vorschläge zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges unterbreitet und auf der nächsten Treffen zwischen amerikanischen, ukrainischen und europäischen Vertretern, die diese Woche in London stattfinden wird, eine Antwort auf diese Vorschläge erwartet.  Nach diesem Treffen soll der Sonderbeauftragte von Donald Trump, Steve Witkoff , angeblich erneut die russische Hauptstadt besuchen, um mit Putin zu verhandeln.

Die Vorschläge selbst sehen so aus, dass weder die ukrainische noch die russische Seite ihnen zustimmen würde, und Donald Trump hätte die Möglichkeit, den Verhandlungsprozess zu verlassen und sowohl Kyiv als auch Moskau der Unkonstruktiativität zu beschuldigen. 

So wird der Ukraine vorgeschlagen, sich damit abzufinden, dass die Vereinigten Staaten Krim potenziell als russisches Territorium anerkennen könnten. Tatsächlich wird auch vorgeschlagen, sich mit der russischen Kontrolle über die besetzten ukrainischen Gebiete einverstanden zu erklären, aber ihren Status nicht anzuerkennen. Gleichzeitig sprechen sich die Vereinigten Staaten nicht gegen eine weitere Bewaffnung der Ukraine und militärische Hilfe für unser Land aus. Es wird auch vorgeschlagen, dass das Gebiet des Kernkraftwerks Saporischschja unter Kontrolle der Vereinigten Staaten als neutral erklärt wird.

Wir verstehen sehr wohl, dass Vorschläge zur Anerkennung des russischen Status der Krim von keiner ukrainischen Führung gebilligt werden und im Grunde genommen das Wesen des Völkerrechts verletzen, da sie eine echte Büchse der Pandora öffnen, wenn jedes Land in Europa oder auf einem anderen Kontinent einen Teil eines Nachbarstaates erobern, diesen Teil zu seinem eigenen Territorium erklären und dann die Anerkennung dieses Schrittes durch andere Länder erwarten kann. Ganz zu schweigen davon, dass, nachdem die Vereinigten Staaten die Krim als russisch anerkannt haben, Washington nichts daran hindert, auch den russischen Status anderer besetzter ukrainischer Gebiete anzuerkennen. 

Darüber hinaus bin ich mir nicht sicher, ob eine solche Option für die Russische Föderation wichtig ist. Es sei daran erinnert, dass die Anerkennung eines Gebietes als russisch durch die Vereinigten Staaten nicht dessen allgemeine Anerkennung bedeuten wird. Ungefähr dasselbe haben die Vereinigten Staaten einst mit der Westsahara gemacht, die Marokko beansprucht und tatsächlich kontrolliert. Die Vereinigten Staaten haben im Rahmen der Abraham-Abkommen die Westsahara im Austausch für die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Marokko und Israel als marokkanisches Territorium anerkannt. Kein anderes Land, das die Sahara als unabhängigen Staat betrachtet, ist diesem Weg jedoch gefolgt und besteht weiterhin darauf, dass auf dem von Marokko kontrollierten Gebiet die Saharaui Arabische Demokratische Republik existieren sollte. Die Entscheidung Washingtons ist also noch keine grundlegende Änderung des Völkerrechts für alle.

Andererseits passt die Idee eines neutralen Status des Kernkraftwerks Saporischschja den Russen offensichtlich nicht, denn aus Putins Sicht ist das Gebiet der Oblast Saporischschja jetzt ein Subjekt Russlands, und es wäre erstaunlich, die Kontrolle über das Kernkraftwerk auf dem Gebiet dieses Subjekts an die Vereinigten Staaten von Amerika zu übergeben.

Auch die weitere Bewaffnung der ukrainischen Armee gehört sicherlich nicht zu Putins Plänen, da der russische Präsident weiterhin auf die Einstellung der Hilfe für die Ukraine und die Einstellung der Mobilisierung in die Reihen der ukrainischen Streitkräfte besteht, selbst als Bedingung für einen Waffenstillstand. Man sollte nicht annehmen, dass Putin der Idee einer weiteren militärischen Hilfe für die Ukraine im Austausch für einen dauerhaften Frieden zustimmen wird, denn für ihn ist ein dauerhafter Frieden eine hilflose Ukraine bedeutet, die der Russischen Föderation keinen Widerstand leisten kann und für Moskau eine leichte Beute in zukünftigen Kriegen und Konflikten sein wird. 

Daher können all diese Vorschläge von Donald Trump entweder als eine weitere Illusion charakterisiert werden, die von Menschen gemacht wird, die sich der politischen Realität, in der sie sich befinden, nicht sehr bewusst sind. Und die derzeitige amerikanische Regierung hat bereits mehrfach einen vollständigen Realitätsverlust und den Wunsch gezeigt, die Welt nicht so zu sehen, wie sie tatsächlich ist, sondern so, wie sie im Kopf von Donald Trump und seinen Anhängern existiert. Oder es geht um eine viel realistischere und kühlblütigere Berechnung.

Die Berechnung hängt damit zusammen, dass Donald Trump das begriffen hat, was er schon vor seiner Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten hätte begreifen müssen, nämlich dass es für den russisch-ukrainischen Krieg keine einfachen Lösungen gibt, dass zur Lösung des Konflikts erhebliche, langfristige Anstrengungen erforderlich sind, die seine gesamte Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten umfassen können, und dass dazu eine langfristige und ernsthafte Hilfe für die Ukraine erforderlich ist.

Und wenn Donald Trump selbst nicht mit dieser Entwicklung einverstanden ist, muss er Moskau und Kyiv Vorschläge unterbreiten, die für sie inakzeptabel sind. Und sich dann dieser Last entledigen, aus dem Verhandlungsprozess aussteigen und die Verantwortung für die weiteren Verhandlungen über die Beendigung des Krieges auf die europäischen Länder übertragen. „Wenn Moskau und Kyiv sich nicht einigen können, sollen die Europäer sie überzeugen. Dies ist kein amerikanischer Konflikt, er findet auf dem europäischen Kontinent statt.“ Wir kennen alle diese Erklärungen von Trump sehr gut und müssen sie jetzt nicht einmal wiederholen.

Also zeigt Trump nach außen hin Optimismus. Wir wissen, dass er in den sozialen Medien geschrieben hat, dass Moskau und Kyiv diese Woche zu einer Einigung kommen und fruchtbar mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten könnten. Das heißt, es stellt sich heraus, dass die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Amerika sowohl für die Russische Föderation als auch für die Ukraine das Wichtigste ist, weshalb sie bereit sind, allen amerikanischen Bedingungen zuzustimmen, und dann kann nach diesen optimistischen Erwartungen des positiv eingestellten amerikanischen Präsidenten eine Enttäuschung eintreten, aber nicht aus seiner Schuld, sondern aus der Schuld derer, die den Wert dieser wichtigen wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und den in den russisch-ukrainischen Krieg verwickelten Ländern nicht verstehen.

Und dann kann Donald Trump nächste Woche mit leichtem, wie er glaubt, Herzen sagen, dass er sich nicht mehr an der Beilegung des russisch-ukrainischen Krieges beteiligen wird und dass er getan hat, was er konnte, um die Parteien aus dem Konflikt herauszubringen. Und das könnte übrigens der Kern all der Vorschläge sein, die derzeit über amerikanische Medien veröffentlicht werden.