Maidan-Revolution: Mythos und Realität. Lubomir Haidamaka. 28.05.2026.

Lubomir Haidamaka. 28.05.2026.

In letzter Zeit stoße ich immer wieder auf die merkwürdige, aber erstaunlich hartnäckige Überzeugung, dass der Maidan im Jahr 2014 von irgendjemandem sorgfältig organisiert, von irgendjemandem finanziert, in irgendwelchen Büros geplant und anschließend einfach wie eine gut einstudierte Aufführung für naive Bürger auf die Straße gebracht worden sei.

Und jedes Mal, wenn ich das höre, möchte ich eine einfache Frage stellen: Habt ihr diesen Maidan wirklich gesehen, oder wurde er euch später von Menschen erzählt, denen sehr daran gelegen war, dass die ukrainische Würde wie ein fremdfinanzierter Kostenplan aussieht?

Denn der Maidan begann nicht als Revolution. Er begann nicht einmal als Plan zum Sturz Janukowytschs. Er begann mit Verunsicherung, Wut und dem zutiefst menschlichen Gefühl, wieder einmal betrogen worden zu sein. Jahrelang hatte man dem Land vom europäischen Kurs erzählt, das Parlament unterstützte den Weg zum Assoziierungsabkommen mit der EU, Beamte reisten umher, verhandelten und sprachen von einer historischen Entscheidung – und dann zog die Regierung wenige Tage vor dem Gipfel in Vilnius plötzlich die Notbremse und sagte: Schluss, wir fahren nicht.

Die ersten Menschen gingen nicht auf die Straße, weil ihnen jemand einen Umschlag zugesteckt hatte. Sie gingen auf die Straße, weil viele in diesem Moment zum ersten Mal sehr deutlich spürten: Mit uns wird nicht wie mit Bürgern umgegangen, sondern wie mit einer Bevölkerung, der man ins Gesicht lügen und anschließend befehlen kann, nach Hause zu gehen.

Wenn das eine so genial organisierte Spezialoperation gewesen sein soll, warum war der Maidan in den ersten Tagen dann klein, unsicher und fast studentisch geprägt? Warum gab es dort keine fertige Führungsstruktur, keinen einheitlichen Stab, keine klare Kommandokette, keine disziplinierte Statistenmasse und kein im Voraus geschriebenes Drehbuch? Warum liefen die Politiker den Ereignissen eher hinterher, als sie zu lenken? Warum begann die ganze Geschichte mit Beiträgen in sozialen Netzwerken, Anrufen bei Freunden, Thermoskannen mit Tee, selbstgemalten Plakaten und dem Gefühl, man müsse einfach hinausgehen, weil Schweigen bereits beschämend geworden war?

Dann kam die Nacht des 30. November.

Und genau dort tat das System das, was autoritäre Systeme fast immer tun, wenn sie ihre eigene Gesellschaft nicht verstehen. Es entschied, dass die Erwachsenen Angst bekommen würden, wenn man die Kinder zusammenschlägt. Doch es geschah genau das Gegenteil. Die Menschen gingen nun nicht mehr nur für Europa auf die Straße. Sie gingen für die geschlagenen Studenten auf die Straße, für das Recht, nicht wie Vieh behandelt zu werden, für das Recht, eine Demütigung nicht einfach hinunterzuschlucken und nicht so zu tun, als wäre nichts geschehen.

Genau deshalb sind die Geschichten vom „bezahlten Maidan“ so bequem für alle, die Angst vor der Verantwortung des Volkes haben. Denn wenn der Maidan bezahlt war, dann muss man nicht über Janukowytsch nachdenken, nicht über Korruption, Polizeigewalt, die Gerichte, die „Familie“, Meschyhirja oder über einen Staat, der seine Bürger wie Leibeigene behandelte. Dann ist alles ganz einfach: Jemand gab Geld, jemand ging auf die Straße, jemand rief Parolen, jemand gewann. Ein billiges Märchen für jene, denen es schwerfällt anzuerkennen, dass ein Volk manchmal tatsächlich aufsteht.

In Wirklichkeit aber war der Maidan ein schwarzer Schwan. Ein unvorhersehbares Ereignis, das nicht aus einem Plan entstand, sondern aus aufgestauter Kränkung, zerstörtem Vertrauen und staatlicher Dummheit. Man konnte ihn nicht vernünftig modellieren, weil er nicht aus einer einzigen Organisation, nicht aus einem einzigen Zentrum und nicht aus einer einzigen sozialen Gruppe bestand. Dort waren Studenten, Unternehmer, IT-Spezialisten, Afghanistan-Veteranen, Lehrer, Geistliche, Nationalisten, Liberale, russischsprachige Kyiver, ukrainischsprachige Galizier, Menschen aus dem Zentrum, dem Osten und dem Süden des Landes, aus Dörfern und Städten. Und gerade diese Vielfalt war der Beweis dafür, dass es keine Inszenierung war.

Inszenierungen sehen ordentlicher aus. Dort sprechen alle dieselben Sätze, folgen denselben Handreichungen und warten auf Befehle von oben. Der Maidan war anders. Er stritt mit sich selbst, diskutierte, machte Fehler, improvisierte, organisierte sich selbst, übernachtete in der Kälte, schleppte Brennholz heran, errichtete Barrikaden, kochte Essen, versorgte Verwundete, suchte Helme, brachte Reifen, betete, fluchte und hielt durch – nicht weil jemand dafür bezahlte, sondern weil es bereits beschämend gewesen wäre, zurückzugehen.

Ja, auf dem Maidan waren Parteien vertreten. Ja, es gab zivilgesellschaftliche Organisationen. Ja, es gab Menschen mit Ressourcen, Bühnen, Technik, Logistik, politischen Ambitionen und eigenen Interessen. Es wäre seltsam gewesen, wenn all das beim größten Protest des Landes nicht vorhanden gewesen wäre. Aber die Beteiligung organisierter Strukturen an einer großen Volksbewegung mit der Behauptung zu verwechseln, sie hätten diese Bewegung geschaffen und gekauft, ist entweder Naivität oder bewusste Lüge.

Denn Geld kann Busse zu einer Kundgebung bezahlen. Geld kann Fahnen kaufen. Geld kann eine Bühne, Lautsprecheranlagen, Werbung und sogar einige tausend Menschen für ein paar Stunden bezahlen. Aber Geld kann keine Monate auf dem kalten Platz kaufen. Geld kann nicht die Bereitschaft kaufen, sich Schlagstöcken entgegenzustellen. Geld kann nicht Mütter kaufen, die nach ihren Kindern suchen. Geld kann nicht Menschen kaufen, die nach den ersten Todesopfern nicht auseinanderlaufen, sondern noch entschlossener werden.

Und das Wichtigste: Wäre der Maidan tatsächlich nur eine bezahlte politische Technologie gewesen, dann hätte er geendet, als es gefährlich wurde. Denn bezahlte Projekte enden dort, wo Lebensgefahr beginnt. Der Maidan hingegen wurde gerade in dem Moment wirklich zum Maidan, als die Gefahr real wurde.

Ich glaube, der Mythos vom „bezahlten Maidan“ lebt nicht deshalb weiter, weil er überzeugend wäre. Er lebt weiter, weil es für viele Menschen psychologisch leichter ist, an eine Verschwörung zu glauben als an Freiheit. Es ist leichter zu sagen, die Ukrainer seien gekauft worden, als anzuerkennen, dass Ukrainer selbst gegen die Macht aufstehen können. Es ist leichter, die Würde anderer abzuwerten, als sich selbst zu fragen, wo man damals war, als andere beschlossen, nicht länger zu schweigen.

Der Maidan war nicht heilig. Dort gab es Fehler, Naivität, Romantik, Manipulationen, fremde Interessen, politische Parasiten und Menschen, die sich später auf dem Blut anderer sehr gut eingerichtet haben. Aber all das ändert nichts am Wesentlichen: In seinem Kern war der Maidan eine spontane Explosion bürgerlichen Engagements und kein buchhalterisches Projekt.

Und vielleicht wird er gerade deshalb bis heute so gehasst.

Denn einen bezahlten Protest kann man im Archiv politischer Technologien ablegen.

Ein echter Maidan dagegen stellt eine Frage an jeden Einzelnen von uns.


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Art der Quelle: Social Media

Autor: Lubomir Haidamaka
Veröffentlichung / Entstehung: 28.05.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Die Ebenen des Krieges | Vitaly Portnikov. 23.02.2026.

https://hromada.us/uk/articles/2026/02/23/floors-of-war?fbclid=IwZnRzaAQL2w5leHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEeKCZmrQeaD_07EVsb4zGlODHizStiyNCsO7MctyheoIOIz9T-t9MU_12XkA4_aem_kQ9lJRlF1ieT4Jy_tU9r8g

Wenige Tage vor dem vierten Jahrestag des Beginns des großen russischen Angriffs auf die Ukraine erschütterte eine Explosion im Zentrum von Lwiw die Stadt, die von den Strafverfolgungsbehörden als Terroranschlag eingestuft wurde.

Das Geschehene erinnerte erneut an die Vielschichtigkeit des russisch-ukrainischen Krieges, daran, dass er nicht ausschließlich auf ein Aufeinandertreffen von Armeen reduziert werden kann. Schließlich wird der Krieg gegen die Ukraine von einem Staat geführt, in dem die Macht von den Geheimdiensten monopolisiert ist – den Nachfolgern des ehemaligen Komitees für Staatssicherheit der UdSSR, das unter den neuen historischen Bedingungen unter den Bezeichnungen Föderaler Sicherheitsdienst und Auslandsgeheimdienst Russlands existiert. Doch die wichtigste Institution, die der KGB erlangt hat, ist das Amt des Präsidenten Russlands. Das wichtigste Büro des Landes, von dem die Tschekisten immer geträumt haben: Welcher Wachmann möchte nicht einmal auf dem Stuhl seines eigenen „Objekts“ sitzen!

Man muss verstehen, dass sich der Krieg der Tschekisten vom Krieg der Generäle unterscheidet. Ja, im Kreml würde man sich natürlich wünschen, dass die Armee einfach das gesamte Territorium der Ukraine einnimmt und dem FSB ermöglicht, zu den Verfahren der „Filtration“ und „Feinderkennung“ überzugehen. Doch wenn es dem Militär, das für Putin nur eines der Instrumente zur Erreichung seines Ziels ist, nicht gelingt, heißt das nicht, dass sich der FSB beruhigt und auf das Ergebnis der militärischen Handlungen wartet.

Die Destabilisierung eines feindlichen Landes durch Terror ist ein wichtiger Faktor zur Unterstützung der Armee, denn sie erlaubt es, die Bevölkerung eines solchen Landes in ständiger Anspannung zu halten, unerwünschte Politiker und Aktivisten auszuschalten und neue Spaltungslinien zu schaffen. Übrigens: Wenn ich von einem feindlichen Land spreche, möchte ich daran erinnern, dass für die Spitze des FSB zeitweise auch Russland selbst ein solches Land war – damals, als es in der russischen Gesellschaft noch Stimmungen gab, die mit dem Wunsch nach einem normalen menschlichen Leben verbunden waren. Die Armee führte Krieg in Tschetschenien, während die Tschekisten Terror organisierten, Wohnhäuser in Moskau und anderen russischen Städten sprengten, oppositionelle Politiker und Journalisten ermordeten – also „arbeiteten“.

Ein weiterer wichtiger Faktor bei dem Versuch, die Ukraine zu erobern, ist politische Propaganda. Bis 2014 wurde sie – gemeinsam mit den der ukrainischen Macht und den Oligarchen nahestehenden Fernsehsendern wie „Inter“ oder „1+1“ – vom russischen Fernsehen betrieben, das für viele Ukrainer die wichtigste Informationsquelle blieb. Gerade dieses Fernsehen trug zum Sieg von Leonid Kutschma bei den Präsidentschaftswahlen 1994 und von Viktor Janukowytsch 2010 bei und half damit real bei der Degeneration der ukrainischen Gesellschaft und dabei, die Ukraine in der „Grauzone“ des russischen Einflusses zu halten. Nach 2014 wurde das russische Fernsehen durch die Sender Medwedtschuks ersetzt, und nach 2022 begannen anonyme Telegram-Kanäle eine ebenso wichtige Rolle bei der „Verdummung“ der Ukrainer zu spielen. Und jetzt sehe ich eine neue Tendenz: Die Russen werden mit Hilfe Rechtsradikaler aus dem Westen auf den ukrainischen Markt zurückkehren. Formal werden wir die Eröffnung irgendwelcher amerikanischer oder europäischer Medien sehen, faktisch wird es derselbe FSB sein.

Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor ist wirtschaftlicher Druck – verbunden mit der Bestechung nicht nur von Machthabern und Oligarchen, sondern auch der Bevölkerung selbst, die das alte Sprichwort von der Mausefalle und dem kostenlosen Käse allzu gern vergisst – oder besser gesagt: vom billigen Gas. Mit Hilfe von Gas versuchte man bereits zu Zeiten Boris Jelzins, die Ukraine festzuhalten und ihre Hinwendung zum Westen zu verhindern. Putin war bereits zu offenem Erpressen bereit, das sich nach dem Maidan 2004 und dem Sieg von Viktor Juschtschenko bei den Präsidentschaftswahlen noch verstärkte. Und niemand hat gesagt, dass Russland künftig keine wirtschaftlichen Instrumente einsetzen wird – mehr noch: Selbst wenn man sich die derzeit unrealistische Situation eines baldigen Endes der Kampfhandlungen vorstellen würde, wird der Kreml versuchen, Instrumente wirtschaftlicher Erpressung in jedes Friedensabkommen einzubauen. Natürlich mit Unterstützung der amerikanischen Administration, in der selbst auf der Ebene von Vizepräsident J. D. Vance von der Bedeutung des Handels zwischen Russland und der Ukraine gesprochen wurde. Wie könnte man eine solche Sichtweise nicht ausnutzen?

Die Aufzählung all dieser Instrumente überzeugt davon, dass es auf die Frage „Wann wird der russisch-ukrainische Krieg enden?“ nur eine richtige Antwort gibt – niemals. Solange die Russen glauben, dass die ukrainische Staatlichkeit liquidiert und das ukrainische Volk ausgelöscht werden muss, wird der Konflikt gleichzeitig auf mehreren Ebenen der Eskalation weitergehen, selbst wenn Moskau nicht genug Kräfte für intensive militärische Aktionen hat. Auf genau eine solche Entwicklung sollten sich sowohl die Bürger der Ukraine vorbereiten, die zu Hause leben, als auch jene, die sich im Ausland befinden.

Denn die Bewahrung des Staates und des ukrainischen Volkes unter den Bedingungen eines langen Krieges, von Terror, Propaganda und wirtschaftlichem Druck wird unsere wichtigste Aufgabe bleiben. Und die Jahre des russisch-ukrainischen Konflikts – selbst wenn man seinen Beginn auf den Maidan 2013–2014 und den russischen Einmarsch auf der Krim und im Donbas datiert – haben gezeigt, dass man einer solchen Aufgabe selbst in den schwersten Momenten gewachsen sein kann, vorausgesetzt, man bewahrt Einheit, gesunden Menschenverstand und ein realistisches Verständnis der Lage.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Поверхи війни. Віталій Портников. 23.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 23.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Krieger des Lichts/ Воїни світла

Rubinrotes Leuchten der Sonne, der Sterne Glanz,

Kämpft mit den Schatten hoch oben im Bergkranz.  

Erhebt euch gen Himmel, Bruder und Schwester,  

Das Feuer erlischt, der Abend naht fester.  

Freue dich am Hammer in der starken Hand,  

Ein Wasserfall der Jugend durch leuchtendes Land.

Schlag auf die Trommel — bamm, bamm!  

Barrikaden, Brüder — hier und dann!  

Refrain:

Krieger des Lichts, Krieger des Rechts,  

Dunkelheit lauert, alt und verächt’.  

Krieger des Rechts, Krieger des Lichts,  

Jah Rastafari — der Morgen bricht.  

Ein Kämpfer weint, Abzeichen auf Tarnstoff,  

Wie viele Herzen trafen Kugeln so oft?  

Im Osten der Drache bereitet Vergeltung,  

Das alte Gesetz — schlag zu ohne Hemmung!  

Freue dich am Hammer in der starken Hand,  

Ein Wasserfall der Jugend durch leuchtendes Land.

Schlag auf die Trommel — bamm, bamm!  

Barrikaden, Brüder — hier und dann!  

Refrain:

Krieger des Lichts, Krieger des Rechts,  

Dunkelheit lauert, alt und verächt’.  

Krieger des Rechts, Krieger des Lichts,  

Jah Rastafari — der Morgen bricht.  

Dschadai, Dschadai,  

Dschadai, Dschadai,  

Dschadai, Dschadai,  

Dschadai, Dschadai!  

Refrain:

Krieger des Lichts, Krieger des Rechts,  

Dunkelheit lauert, alt und verächt’.  

Krieger des Rechts, Krieger des Lichts,  

Jah Rastafari — der Morgen bricht.  

Krieger des Lichts, Krieger des Rechts,  

Dunkelheit lauert, alt und verächt’.  

Krieger des Rechts, Krieger des Lichts,  

Jah Rastafari — der Morgen bricht.


Рубінове проміння сонця зорі
Борется із тінню високо в горі
Зводься вище неба, брат і сестра
Догорить багаття, вечірня пора

Радуйся молоту в сильній руці
Водоспад молодість в світлій ріці
Бий барабан — бам, бам
Барикади, брати — тут, там

Приспів:
Воїни світла, воїни добра
Тьма ворожа, підла, дорога стара
Воїни добра, воїни світла
Джарастфарай — вже зоря розквітла

Плаче боєць, шеврон на камуфляжі
Скільки сердець спинили кулі вражі
На східі дракон готується помститись
Давній закон — рубай аби зігритись

Радуйся молоту в сильній руці
Водоспад молодість в світлій ріці
Бий барабан — бам, бам
Барикади, брати — тут, там

Приспів:
Воїни світла, воїни добра
Тьма ворожа, підла, дорога стара
Воїни добра, воїни світла
Джарастфарай — вже зоря розквітла

Джадай, джадай
Джадай, джадай
Джадай, джадай
Джадай, джадай

Приспів:
Воїни світла, воїни добра
Тьма ворожа, підла, дорога стара
Воїни добра, воїни світла
Джарастфарай — вже зоря розквітла

Воїни світла, воїни добра
Тьма ворожа, підла, дорога стара
Воїни добра, воїни світла
Джарастфарай — вже зоря розквітла

Das Gesetz des Maidans. Vitaly Portnikov. 17.08.24.

https://zbruc.eu/node/119208?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR3k9uqdW-lBTmrIKj9WnWu0_7QLG456KKf_6Dz8lWwpPgjZtG825cz_8vc_aem_dJR4_42d_gEsrPjBURYQGw

Auf den ersten Blick scheint die Studentenrevolution in Bangladesch unendlich weit von der Ukraine und unseren politischen Prozessen entfernt zu sein. Vor dem Hintergrund eines endlosen Krieges ist es wahrscheinlich schwierig, die Analogien zu erkennen und zu verstehen, warum der Machtwechsel in Bangladesch zu einer der wichtigsten Nachrichten in den Weltmedien geworden ist. Vielleicht haben viele Menschen in Bangladesch nicht verstanden, warum der ukrainische Maidan vor zehn Jahren auf den Titelseiten der Weltmedien stand. Doch wenn man genau hinsieht, ist die Revolution in Bangladesch genau wie der Maidan. In ihrer reinsten Form. Es ist nicht nötig, irgendetwas zu erfinden.

Die Bengalen, die die Mehrheit der Bevölkerung Bangladeschs ausmachen, sind eines der ältesten und berühmtesten Völker Hindustans und haben der Welt den großen Dichter und Nobelpreisträger Rabindranath Tagore geschenkt. Die Bürger von Bangladesch selbst sind jedoch eine junge politische Nation, die nach der Scheidung von Indien und Pakistan und der Abspaltung der Republik Bangladesch von Pakistan entstanden ist – natürlich mit Unterstützung Indiens, das daran interessiert ist, die Fähigkeiten seines ewigen Rivalen in der Region zu verringern. Die langjährige Premierministerin Sheikh Hasina, die Tochter des ermordeten Staatsgründers Mujibur Rahman, hatte eine ganz besondere Beziehung zu Indien aufgebaut, und Neu-Delhi war an der Stabilität ihrer Regierung interessiert. Und die Premierministerin versuchte, die Veteranen des Unabhängigkeitskrieges, die ehemaligen Verbündeten ihres Vaters, und deren Verwandte zu ihrer Unterstützer zu machen. Und zwar nicht nur, um sie zu ihrem Rückgrat zu machen, sondern auch, um ihnen Privilegien bei der Arbeitssuche zu verschaffen, was in einem armen Land mit einer großen Zahl von Studenten sehr wichtig ist. Es war diese Ungerechtigkeit, die die Studenten in Dhaka auf die Straße brachte und nach mehrwöchigen Protesten den nunmehrigen ehemaligen Premierminister zur Flucht nach Indien zwang.

Jetzt beschuldigt Sheikh Hasina von Indien aus – wie einst Janukowitsch von Russland aus – die Vereinigten Staaten des Putsches gegen sie, und indische Politiker und Medien sind überzeugt, dass sie Recht hat. In Indien kann und will man einfach nicht glauben, dass die Regierung von Bangladesch ihrer eigenen Kurzsichtigkeit und ihrem mangelnden Verständnis für soziale Probleme zum Opfer gefallen ist. Und diese Sichtweise erinnert auch sehr stark an die Art und Weise, wie unser Maidan in Russland kommentiert wurde. In Indien betrachtet man Bangladesch als Juniorpartner und als ein Gebiet, das dem eigenen Einfluss unterliegt, und begreift nicht, dass die Bürger dieses Landes ihre eigene Vision von seiner Zukunft haben können. Und die neue Führung Bangladeschs wirft ihren Nachbarn diese demonstrative Arroganz vor. In der Tat hat sich das Land in nur wenigen Tagen verändert. Der Interims-Premierminister von Bangladesch, ein weiterer Bengale, der Nobelpreisträger Mohammad Yunus, bekannt für seine Idee der Mikrokredite für die ärmsten Bevölkerungsschichten, ähnelt dem früheren Premierminister in etwa so, wie Arsenij Jazenjuk 2014 dem mit Mottenkugeln besprühten Mykola Asarow ähnelte (obwohl Sheikh Hasina wirklich das wirtschaftliche Gesicht von Bangladesch veränderte und Asarow nur das Gesicht der unbesiegbaren ukrainischen Korruption war). Der neuen Regierung gehören auch Studentenvertreter an, so wie sich die erste Regierung nach dem Maidan auch revolutionären Aktivisten beinhaltete. Aber mit Vertretern der traditionellen politischen Kräfte, genau wie in Bangladesch. Und das ist eine bekannte Gefahr, aber auch eine Chance, ein demokratisches Land aufzubauen. Denn in Bangladesch, wie auch in der Ukraine vor mehr als einem Jahrzehnt, waren es junge Menschen, die den Protest begannen, die sich gegen Ungerechtigkeit wehrten und die Lebensphilosophie ihrer Eltern nicht akzeptierten, die versuchten, einfach auf Veränderungen zu warten – und beim Warten starben. Junge Menschen wollen einfach nicht jahrzehntelang warten und wollen ihre Zukunft schützen. Und kein noch so großer Widerstand von älteren Diktatoren wird dieses Gesetz ändern.

Obwohl sie es natürlich versuchen werden. Haben Sie Janukowitsch auf der Pressekonferenz in Rostow vergessen? Sheikh Hasina hat ebenfalls versprochen, nach Hause zurückzukehren, obwohl sie nach den blutigen Tagen des Kampfes gegen die Demonstranten kaum eine Chance hat, an die Macht zu kommen. Das liegt auch daran, dass Indien nicht Russland ist und keine Gewalt anwenden wird, um den Bürgern von Bangladesch eine Regierung aufzuzwingen, die ihm genehm ist. Hier muss man sagen, dass die Bangladescher Glück haben Nachbarn zu haben, die über antikoloniale Erfahrung verfügen, und nicht ein verrücktes von Komplexen geplagtes Imperium. Und obwohl wir nicht wissen können, wie sich Bangladesch nach der Revolution verändern wird, ist die Tatsache, dass in einem Land, in dem die Macht jahrzehntelang von Autokraten auf Generäle übergegangen ist, nun das einfache Volk über die Zukunft entscheidet, ein klarer Beweis dafür, dass das Maidan-Gesetz funktioniert.

Krim-Flaggen auf dem Maidan. Vitaliy Portnikov. 21. Februar 2024.

https://ru.krymr.com/a/krymskiye-flagi-na-maydane-portnikov/32828757.html

Ich erinnere mich gut an die ukrainischen Flaggen, auf denen die Namen der Krimstädte standen. Sie waren von der Maidan-Bühne aus deutlich zu sehen, es waren Krim-Fahnen, sie wurden von Bewohnern der Halbinsel Krim mitgebracht, die auf den Hauptplatz des Landes kamen, um gegen Ungerechtigkeit und die Weigerung der damaligen ukrainischen Führung zu protestieren, den Kurs der europäischen Integration aufzugeben. Hätte man diesen Menschen damals gesagt, dass dies die Tage waren, an denen Moskau über die Besetzung und Annexion der Krim entschied, hätten sie es nicht geglaubt.

Eine derart eklatante Verletzung des Völkerrechts hat es in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr gegeben. Nicht jeder konnte glauben, dass der russische Präsident Wladimir Putin es wagen würde, einen solchen Schritt zu unternehmen und selbst ein Jahrzehnt nach der Annexion auf dessen „Legalität“ und Normalität zu bestehen. Aber dieser Prozess der Vorbereitung auf die dreiste Besetzung fand tatsächlich parallel zum Maidan statt – nicht einmal auf der Krim, sondern in den Büros der russischen Behörden. Und natürlich ignorierten deren Bewohner die Fahnen mit den Namen der Krim-Städte. Wozu brauchen sie Fahnen, wenn sie Maschinengewehre, gepanzerte Mannschaftstransporter und Schiffe der Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation haben.

Und doch werden diese Flaggen immer daran erinnern, dass die Besetzung und Annexion der Krim und anderer Regionen der Ukraine gegen den Willen der Menschen stattfand, die einen Wandel wollten.

Dank erfolgreicher russischer Propaganda hat sich der Begriff „Separatismus“ nicht nur im Bewusstsein der Bewohner westlicher Länder, sondern auch im Bewusstsein der Ukrainer festgesetzt; er wird sogar heute noch verwendet. Aber Separatismus ist ein Aufstand, ein Protest des Volkes oder eine Aktion von Kommunalregierungen mit dem Ziel, eine Region von einem oder einem anderen Staat abzutrennen.

So etwas gab es in der Ukraine nicht. Selbst der Oberste Rat der ARK traf seine „Entscheidungen“ über die Abspaltung buchstäblich unter der Waffen in der Hand des russischen Militärs, und die Regionalräte im Donbass wurden einfach aufgelöst und durch Scheinstrukturen ersetzt. Ich denke dabei nicht einmal an die Volksaufstände für die Abspaltung, denn die gab es nicht, und auch nicht an die fiktiven theatralischen Referenden.

Die Besatzer brachten einfach fremde Flaggen mit und hissten sie über den Städten der Krim. Fremde Fahnen, da bin ich mir sicher, werden in einem fremden Land immer fremde Fahnen sein, egal wie viele Jahre vergehen. Und Besatzer verlassen immer ein fremdes Land, auch wenn es Jahrzehnte des harten Kampfes braucht, um dies zu erreichen.

Und die ukrainischen Flaggen mit den Namen der Krim-Städte bleiben im Gedächtnis und – unsichtbar – auf dem Maidan, neben den kleinen Fahnen, die uns an die Helden erinnern. Denn es sind ukrainische Helden und ukrainische Fahnen. Und ukrainische Städte.