Neue Schläge gegen Russland | Vitaly Portnikov. 10.06.2026.

Der Ukraine ist es erneut gelungen, empfindliche Objekte der russischen Ölraffinerie- und militärisch-industriellen Infrastruktur zu treffen.

Unter Beschuss gerieten ein Rüstungsunternehmen in Tscheboksary, das Werk „Progress“, das für die Herstellung hochpräziser russischer Technik wichtig ist – all jener Raketen, die anschließend in ukrainischen Städten und Siedlungen einschlagen –, sowie die Ölraffinerie Kuibyschew. Und dies ist bei Weitem keine vollständige Liste der Objekte, die in dieser Nacht getroffen wurden.

Natürlich mag auf den ersten Blick die Tatsache überraschen, dass wir erneut über Unternehmen sprechen, die bereits zuvor in Meldungen über ukrainische Angriffe erwähnt wurden. Tatsächlich ist an einer solchen Situation jedoch nichts Unlogisches. Denn wir verstehen sehr gut, dass Schläge gegen den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation und gegen die russische Ölverarbeitung nicht einfach spektakuläre Aufnahmen und Videoreportagen von den Schauplätzen sind. Vor allem geht es darum, die Unternehmen der russischen Ölraffinerieindustrie und des militärisch-industriellen Komplexes außer zu viel Geld Betrieb zu setzen. Es ist der Versuch, ihre weitere Tätigkeit infrage zu stellen.

Weder Videoaufnahmen noch Fotos der Brände nach ukrainischen Angriffen geben Antwort auf die wichtigste Frage: Nach wie vielen Wochen oder vielleicht sogar Tagen stellt die Russische Föderation die Kapazitäten ihrer Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes und ihrer Ölraffinerien wieder her?

Das ist die entscheidende Frage. Denn solche Angriffe werden nicht für Videoreportagen und nicht zur fotografischen Dokumentation durchgeführt, sondern damit die Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes der Russischen Föderation und die Ölraffinerien ihre Arbeit einstellen. Nur unter diesen Bedingungen kann man darauf hoffen, dass man in Russland beginnt, über die Möglichkeit nachzudenken, wenn schon nicht einer Beendigung, dann zumindest einer zeitweiligen Aussetzung des russisch-ukrainischen Krieges.

Um also irgendein reales Ergebnis zu erzielen, müssen Angriffe auf bestimmte Unternehmen systematisch erfolgen. Man darf ihnen keine Möglichkeit geben, ihre Werkhallen wiederherzustellen, keine Möglichkeit, die notwendigen Reparaturarbeiten fortzusetzen, damit die Betriebe erneut arbeiten können. Ziel ist es, dass die Militärindustrie der Russischen Föderation und ihre Ölverarbeitungsindustrie ihre Tätigkeit einstellen und damit die Voraussetzungen für die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges in den kommenden schwierigen Jahren verlieren.

Man kann nicht sagen, dass es in dieser Situation keine Erfolge gibt. Im Gegenteil: Wir sprechen heute davon, dass Russland mehr Öl verkauft als jemals in den vergangenen Jahren. Und dank der Bemühungen der Regierung des Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump wird es zudem die höchsten Öleinnahmen der letzten Jahre erzielen, weil es die Möglichkeit hat, sein Öl an Staaten des Globalen Südens zu verkaufen – entsprechend den faktisch aufgehobenen Sanktionen der Vereinigten Staaten. Doch dieses große Verkaufsvolumen zeigt zugleich, dass die Ölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation nicht funktionieren kann. Einerseits erhält Russland enorme Einnahmen aus dem Ölverkauf, die es benötigt, um den russisch-ukrainischen Krieg in den kommenden Jahren fortzuführen. Andererseits ist es gezwungen, mit derselben Währung – mit Yuan oder Rupien –, die es aus dem Ölverkauf erhält, Erdölprodukte einzukaufen, die eigentlich auf den Raffinerien der Russischen Föderation hätten hergestellt werden könnten, wenn diese nicht durch ukrainische Angriffe zerstört würden.

Damit haben wir die Möglichkeit, zumindest in gewissem Maße jene enormen Einnahmen zu verringern, die der russische Staatshaushalt heute dank der Krise in der Straße von Hormus und dank des Verhaltens der amerikanischen Regierung erhält. Deshalb sehen wir, dass sich in der Russischen Föderation vor dem Hintergrund gewaltiger Öleinnahmen eine echte Treibstoffkrise entwickelt.

Und das ist nicht nur eine Treibstoffkrise für die Bevölkerung der Russischen Föderation. Es sind auch ernsthafte Probleme für die russische Armee. Die einzige reale Antwort der Ukraine auf die Vergrößerung des russischen Staatshaushalts zur Fortsetzung des Krieges – und wir müssen verstehen, dass diese Einnahmesteigerung Präsident Putin ermutigt und ihm die Hoffnung gibt, dass der Abnutzungskrieg noch sehr lange andauern und letztlich zur Kapitulation der Ukraine führen wird – kann die Zerstörung des Ölverarbeitungskomplexes der Russischen Föderation sein, also die Erhöhung der russischen Ausgaben für Erdölprodukte sowie die Zerstörung der russischen Logistik. Das bedeutet die schrittweise Isolierung russischer Regionen ebenso wie der besetzten Gebiete, was die Fortsetzung der Kampfhandlungen erschweren und reale Probleme nicht nur für die Ölverarbeitungsindustrie Russlands und den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation schaffen wird, sondern für die gesamte russische Wirtschaft.

Denn wenn es keine Erdölprodukte gibt, können Unternehmen nicht arbeiten, der Gütertransport kommt zum Erliegen, und letztlich wird die wirtschaftliche Entwicklung der jeweiligen russischen Regionen praktisch gestoppt.

Ja, das ist ein langfristiges Programm. Aber wir leben in einem langen Krieg, und die einzige Möglichkeit, zumindest darauf zu hoffen, dass in den kommenden Jahren ein verständlicher Ausweg aus diesem Krieg gefunden wird, besteht darin, die Voraussetzungen für einen solchen Ausweg zu schaffen. Eine dieser Voraussetzungen ist die Systematik ukrainischer Angriffe auf die Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes und der Ölverarbeitung der Russischen Föderation.

Umso mehr, wenn sich die Qualität der ukrainischen Angriffe verbessert, wenn ukrainische ballistische Raketen erscheinen und wenn die Partner uns Raketen liefern, die es ermöglichen, das Territorium der Russischen Föderation wirksamer zu treffen und russische Ressourcen zu zerstören.

Das Verhalten des russischen Präsidenten in den letzten Tagen, seine offensichtliche Weigerung, reale Verhandlungen mit Kyiv zu führen, sowie der Versuch der russischen Führung, vor dem Hintergrund der Vorbereitung neuer zerstörerischer Angriffe auf die Ukraine Friedfertigkeit vorzutäuschen, zeigen, dass Putin seine Überzeugung nicht geändert hat, dass ein Abnutzungskrieg zwangsläufig zum Erfolg führen werde.

Das bedeutet, dass er weiterhin darauf hofft, seine Wirtschaft werde seiner Armee ermöglichen, die Zerstörung der Ukraine fortzusetzen.

Gerade die ukrainischen Angriffe auf russische Unternehmen sollen Putin davon überzeugen, dass seine Hoffnungen zumindest in der absehbaren Zukunft vergeblich bleiben.


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Titel des Originals: Нові удари по Росії | Віталій Портников. 10.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 10.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Trump tauscht Witkoff gegen Theophilos aus | Vitaly Portnikov. 08.06.2026.

Israelische Medien berichten, dass der amerikanische Präsident Donald Trump den orthodoxen Patriarchen von Jerusalem, Theophilos II., gern in der Rolle eines neuen Vermittlers bei der Regelung der Frage der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges sehen würde. Über eine solche Möglichkeit habe Trump angeblich bei ihrem jüngsten Treffen im Weißen Haus mit dem Patriarchen gesprochen. Und im Patriarchat von Jerusalem bestätigt man tatsächlich, dass der Patriarch sich gern mit Aufgaben humanitärer Natur befassen würde.

Diese Nachricht illustriert erstens, dass sich der Präsident der Vereinigten Staaten hinsichtlich der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges in einer Sackgasse befindet. Seine wichtigsten Vermittler, Steve Witkoff und Jared Kushner, sind mit der Suche nach Auswegen aus einer anderen Krise beschäftigt – der Krise des Krieges mit dem Iran. Und ungeachtet der ständigen optimistischen Erklärungen Donald Trumps ist heute keinerlei reale Perspektive erkennbar, nicht einmal für die Beendigung des Konflikts als solchen, sondern vor allem für die Öffnung der Straße von Hormus. Bleiben wir jedoch gemeinsam mit Donald Trump optimistisch, denn die Folgen eines Scheiterns des amerikanischen Präsidenten bei dieser Aufgabe wären schlicht überwältigend.

Witkoff kann derzeit weder Moskau noch Kyiv besuchen, doch in der russischen Hauptstadt wartet man auch nicht besonders auf den Vertreter Trumps, denn man würde den Verhandlungsprozess gern in die gewöhnliche Routine von Treffen von Kommissionen und Berufsdiplomaten überführen – also in Verhandlungen um der Verhandlungen willen, die es dem russischen Präsidenten Putin erlauben würden, die Zerstörung der Ukraine fortzusetzen. Witkoff hingegen erwartet vom russischen Präsidenten ständig irgendwelche schnellen Ergebnisse, die Putin nicht interessieren.

Und nun hat Trump entschieden, dass möglicherweise der Patriarch von Jerusalem Putin überzeugen könne, seinen Standpunkt zu ändern. Zumal ein Treffen Theophilos’ II. mit dem russischen Präsidenten bereits für diesen Monat geplant ist.

Schon die Idee einer Vermittlung durch den Patriarchen von Jerusalem demonstriert eine weitere wichtige Eigenschaft der gegenwärtigen amerikanischen Administration: mangelndes Verständnis der Situation, man könnte sagen Dilettantismus. Muss es dort denn nicht irgendwelche Spezialisten für die orthodoxe Welt geben? 

Denn Theophilos II., der zu Beginn seines Patriarchats ein Mann war, der sich scharfe Kritik an der Russisch-Orthodoxen Kirche erlaubte, wurde mit der Zeit zu einem der prorussischsten Patriarchen der orthodoxen Welt überhaupt – bis hin zu dem Versuch, ein schismatisches Treffen der Patriarchen im jordanischen Amman abzuhalten, was vom Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios verurteilt wurde.

Allerdings muss man der Wahrheit ins Auge sehen: Viele Oberhäupter orthodoxer Kirchen konnte der Patriarch von Jerusalem damals nicht versammeln. Doch der Kriegspatriarch Kirill kam. Ebenfalls kamen die der Russisch-Orthodoxen Kirche nahestehenden Oberhäupter der georgischen und der serbischen Kirche.

Patriarch Theophilos ist ein überzeugter Gegner der autokephalen Orthodoxen Kirche der Ukraine und ein Anhänger der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats. Er gehört nicht einfach zu jenen, die die Rückkehr der Orthodoxen Kirche der Ukraine auf die religiöse Landkarte der modernen Welt nicht anerkennen. Er gehört zu jenen, die aktiv gegen diese Entscheidung des Ökumenischen Patriarchen kämpfen, und seine Position stimmt mit der Position Präsident Putins und des russischen Patriarchen Kirill überein.

Im vergangenen Jahr erhielt der Patriarch von Jerusalem Theophilos II. vom Präsidenten der Russischen Föderation den Orden der Freundschaft. Ganz so wie der inzwischen ehemalige ungarische Außenminister Péter Szijjártó. Und er erhielt ihn nicht ohne Grund, denn die faktische Bedienung der Interessen der Russischen Föderation und der Kirche Patriarch Kirills durch den orthodoxen Patriarchen von Jerusalem ist für jeden, der sich in den Ereignissen der orthodoxen Welt auskennt, keineswegs eine große Neuigkeit.

Übrigens besitzt Patriarch Theophilos II. auch einen ukrainischen Orden. Er könnte ihn Donald Trump als weitere Zeile in seinem Lebenslauf präsentieren, die den amerikanischen Präsidenten von der Fähigkeit des Patriarchen von Jerusalem überzeugen sollte, zwischen Moskau und Kyiv zu vermitteln. Nur wurde dieser Orden, der Orden Jaroslaws des Weisen, dem Patriarchen von Jerusalem von niemand anderem als Viktor Janukowytsch verliehen. Und mir scheint, dass dies eine recht passende Ergänzung zu der hohen Auszeichnung ist, die der Patriarch von Jerusalem von Präsident Putin erhalten hat.

Zu behaupten, dass der orthodoxe Patriarch von Jerusalem ein wirklicher Vermittler zwischen Moskau und Kyiv sein könne, kann daher nur jemand, der nicht versteht, wen er vor sich hat.

Mit anderen Worten: Theophilos II. ist ein entschiedener Anhänger der Russischen Föderation. Er könnte weniger vermitteln als vielmehr Präsident Zelensky oder anderen ukrainischen Führungspersönlichkeiten Ultimaten des Präsidenten der Russischen Föderation überbringen. Eine Art Abramowitsch in einer Soutane. Und politisch betrachtet enthält der Lebenslauf des orthodoxen Patriarchen von Jerusalem nichts anderes.

Doch offensichtlich muss Donald Trump die Aktivität imitieren, um zu demonstrieren, dass er den russisch-ukrainischen Krieg nicht vergessen hat, und zugleich nichts Realistisches tun, damit dieser Krieg tatsächlich endet. Denn wenn der amerikanische Präsident dies wirklich wollte, würde er nicht mit dem orthodoxen Patriarchen von Jerusalem über irgendetwas sprechen, sondern das Gesetz unterzeichnen, das kürzlich vom amerikanischen Kongress verabschiedet wurde.

Denn um den Krieg zu beenden, muss man das militärische und ölverarbeitende Potenzial der Russischen Föderation zerstören, die russische Wirtschaft in die Knie zwingen und Bedingungen für den Zusammenbruch des Putin-Regimes schaffen. Und das kann nur mit amerikanischer Hilfe und nur mit amerikanischem Geld geschehen, wenn man es schnell machen will.

Und das ist weit wirksamer als irgendwelche Gebete des orthodoxen Patriarchen von Jerusalem, Theophilos II. Zumal offensichtlich ist, dass dieser Kirchenfunktionär ausschließlich für die Gesundheit und das Wohlergehen des Präsidenten der Russischen Föderation Putin und seines kriegerischen Pseudopatriarchen Kirill beten wird.


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Titel des Originals: Трамп міняє Віткоффа на Феофіла | Віталій Портников. 08.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 08.06.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Der Skandal zwischen Polen und der Ukraine wegen der UPA. Die Erklärungen von Wałęsa und Nawrocki, Zelenskys Orden. Vitaly Portnikov. 30.05.2026.

Andrij Smolij: Unverhofft und unerwartet sind wir wieder in irgendeinen diplomatischen Skandal mit Polen geraten, wieder rund um die ungelösten Fragen aus unserer gemeinsamen jüngeren Vergangenheit. Ich meine natürlich das 20. Jahrhundert. Und diesmal begann alles damit, dass Präsident Zelensky beschloss, einem Zentrum der Spezialoperationskräfte den Namen der Helden der UPA zu verleihen.

Für die Ukraine schien das eine eher unauffällige Angelegenheit zu sein. Wahrscheinlich hätte niemand darauf geachtet. Aber in Polen hat man darauf geachtet. Zunächst erklärte der ehemalige Präsident und Held der Samtenen Revolution der späten 1980er Jahre in Polen, Lech Wałęsa, er sei zutiefst empört und werde aus Protest irgendein Abzeichen mit der ukrainischen Flagge nicht mehr tragen. Danach griff der amtierende Präsident Polens, Karol Nawrocki, die Geschichte auf und sagte, er werde alles tun, um Zelensky den Orden des Weißen Adlers abzuerkennen. Das ist die höchste staatliche Auszeichnung der Republik Polen.

Dazu kamen noch irgendwelche Protestnoten von israelischer Seite, die sich gegen die Umbettung von Andrij Melnyk richten.

Kurz gesagt, das ist nun diese Geschichte. Und man sollte wohl vorsichtig auf all das reagieren. So scheint es mir jedenfalls. Aber was sehen wir in dieser Geschichte? Hat Präsident Zelensky vielleicht etwas überstürzt getan, ohne es ausreichend zu durchdenken? Obwohl das schwer zu glauben ist. Oder wird es nie einen besseren Zeitpunkt geben, um diese unsere, ich weiß nicht, bereits eiternden Wunden der ungelösten Geschichte freizulegen, und man muss das einfach Schritt für Schritt tun? Ich weiß nicht, wie ich das bis zum Ende beurteilen soll.

Portnikov: Glauben Sie wirklich, dass Präsident Zelensky, als er dieses Dekret unterschrieb, auch nur eine Minute lang daran dachte, dass dies zu irgendeinem Konflikt mit Polen führen könnte? Für ihn war das irgendeine Standardhandlung, irgendeine Umbenennung, die Verleihung eines Namens an eine militärische Einheit zu Ehren der Ukrainischen Aufstandsarmee, die Teil dessen ist, was ich die militärische Ikonostase der Ukraine nennen würde. Wenn es in Lwiw oder anderen Städten Straßen der Helden der UPA gibt …

Andrij Smolij: Hundert Dokumente zur Unterschrift. Er hat einfach unterschrieben, unterschrieben und gar nicht darauf geachtet?

Portnikov: Vielleicht hat wirklich niemand darauf geachtet, denn die Idee der Ukrainischen Aufstandsarmee als Beispiel für Heldentum und als Objekt ukrainischer Glorifizierung existiert ja nicht erst seit gestern. Deshalb war die polnische Reaktion nicht vorhersehbar. Denn wenn man in Polen einfach nicht auf diese Geschichte aufmerksam geworden wäre? Wenn man sie einfach nicht bemerkt hätte? Hätte das passieren können? Ja, das hätte passieren können. Dann hätte es keinen Skandal gegeben.

Es gibt offensichtliche Dinge in den ukrainisch-polnischen Beziehungen, die man verstehen muss. Beide Länder haben völlig unterschiedliche Vorstellungen von historischer Erinnerung. Das ist eine offensichtliche Tatsache. Genau deshalb arbeiten in solchen Ländern Historikerkommissionen. Sie klären schwierige Fragen, versuchen gemeinsame Nenner zu finden, gemeinsame Initiativen vorzuschlagen, nicht das zu suchen, was trennt, sondern das, was verbindet.

Es gibt einen einfachen Unterschied: Wir sagen Polen niemals, wie es etwas zu nennen hat. Polen versucht uns dagegen sehr oft zu sagen, wie wir etwas nennen sollen. Das ist der Unterschied im Ansatz. Ich halte das für falsch. Das ist der Kernpunkt.

Nein, es geht nicht um die Ukrainische Aufstandsarmee, ihre historische Rolle oder ihre Bewertung in Polen. Polen hat jedes Recht, jeden beliebig zu bewerten. Es ist ein souveräner Staat. Polen ist gerade deshalb ein souveräner Staat, weil es diese Möglichkeiten hat. Es ist ein großes Glück, dass Polen Anfang des 20. Jahrhunderts auf die politische Landkarte der Welt zurückkehrte.

Das polnische Volk erhielt endlich diese Möglichkeit. Ich habe mich immer darüber gefreut – sowohl über das Wunder an der Weichsel als auch über die Wiederherstellung der polnischen Staatlichkeit und schließlich über den Übergang dieses Staates aus der Kategorie sowjetischer Satelliten zu einem unabhängigen europäischen Staat. Dafür muss man Lech Wałęsa und seiner historischen Rolle danken. Und das ist eine viel wichtigere historische Rolle als das, was er jetzt über die historischen ukrainisch-polnischen Beziehungen sagt.

Aber man muss verstehen, dass auch die Ukraine seit den 1990er Jahren in einen solchen Status überging. Zwischen dem ukrainischen und dem polnischen Volk sowie den Staaten gab es immer unterschiedliche Bewertungen bestimmter historischer Persönlichkeiten. Und zwar nicht nur der Helden der UPA.

Bohdan Chmelnyzkyj ist für die Ukrainer ein Mensch, der den Grundstein für ihre nationale Unabhängigkeit gelegt hat. Für die Polen ist er jemand, der faktisch begann, die Adelsrepublik zugunsten des Moskauer Zarenreiches zu zerstören. Das sind, wie Sie verstehen, völlig unterschiedliche Bewertungen derselben Persönlichkeit.

In der Ukraine gibt es den Orden Bohdan Chmelnyzkyj. Es ist schwer vorstellbar, dass ein solcher Orden in Polen existieren könnte, oder? Kaum ein Pole würde sich wünschen, mit dem Orden Bohdan Chmelnyzkyj ausgezeichnet zu werden. Ich sage Ihnen noch mehr: Auch ich selbst würde nicht besonders gerne mit dem Orden Bohdan Chmelnyzkyj ausgezeichnet werden, wie Sie wahrscheinlich verstehen.

Aber ich verstehe sehr gut ethnische Ukrainer, die gerne einen solchen Orden auf ihrer Brust tragen würden. Die Geschichte ist einfach komplizierter, als sie uns erscheint.

Andrij Smolij: Ich denke, sogar Taras Hryhorowytsch Schewtschenko hätte einen solchen Orden nicht besonders gewollt.

Portnikov: Taras Hryhorowytsch Schewtschenko hätte den Orden Bohdan Chmelnyzkyj ganz sicher nicht gewollt. Er hätte ihn niemals angenommen. Niemals.

Aber auch hier gilt: Es gibt unterschiedliche Ukrainer. Das ist eine Besonderheit jeder Nation. Sie haben Schewtschenko völlig zu Recht erwähnt, denn Schewtschenko, im Unterschied zu mir ein ethnischer Ukrainer, hasste Chmelnyzkyj als historische Figur, ich würde sagen, vielleicht sogar mehr als ich. Und er hatte das Recht dazu.

Gleichzeitig haben Menschen das volle Recht, Bohdan Chmelnyzkyj anders zu betrachten und seine historische Rolle im Kontext aller späteren Ereignisse zu bewerten.

Andrij Smolij: Wissen Sie, Herr Vitaly, vor etwa zwanzig Jahren hörte ich oft von Historikerkollegen, die irgendwie an diesem Dialog beteiligt waren: „Lasst uns in Ruhe. Wir werden das mit den polnischen Kollegen schon irgendwie klären und euch dann sagen, wie es steht.“

Aber heute funktioniert das einfach nicht mehr. Ganz gleich, wie hervorragend ein Historiker ist und wie erfolgreich eine akademische Konferenz verläuft. Jetzt wurden diese Treffen wieder aufgenommen, und das ist großartig. Aber wir verstehen auch, dass irgendein Influencer auf TikTok zehn Millionen Aufrufe sammeln kann, völligen Unsinn und Unwissenheit vermischt mit Xenophobie verbreitet – und zehn Millionen Menschen sehen das. Damit wird alles zunichtegemacht, woran Historiker zwei Jahre lang gearbeitet haben. Das ist eine neue Situation. Wir können nicht einfach sagen: „Die Historiker werden sich schon einigen.“

Portnikov: Nein, sehen Sie, zweifellos kann ein TikTok-Influencer alles Mögliche tun. Er kann Ihnen sogar zeigen, wie man in der eigenen Wohnung ein Raumschiff baut und zum Mars fliegt.

Aber wir sprechen hier über Staatspolitik. Das ist nicht einfach ein gesellschaftlicher Konflikt. Gesellschaften können sich auf TikTok, Facebook oder sonst irgendwo beliebig über historisches Erbe austauschen.

Jetzt handelt es sich um einen Konflikt auf staatlicher Ebene, weil Präsident Karol Nawrocki sich eingeschaltet hat. Er sagt, sein ukrainischer Kollege habe eine falsche Entscheidung getroffen. Am 6. Juni will er dem Kapitel des Ordens des Weißen Adlers die Frage vorlegen, Zelensky diesen Orden abzuerkennen.

Dabei müssen wir verstehen: Zelensky erhielt diesen Orden nicht als Privatperson und nicht aufgrund persönlicher Verdienste gegenüber Polen, sondern als Präsident eines Landes, das weiterhin faktisch Europas Schild gegen die russische Invasion ist – vor allem Polens Schild. Denn wenn die Ukraine zusammenbricht, wird Polen an seinen Grenzen genau das bekommen, was es nie bekommen wollte.

Dann wird es weder um den Weißen Adler noch um Zelensky gehen. Dann beginnt für das polnische Volk ein ganz anderes Leben – ein Leben, das ich dem polnischen Volk keinesfalls wünsche. Als Journalist würde ich natürlich gerne sehen, wie die Menschen darauf reagieren würden. Ich möchte nur nicht, dass all das auf Kosten der Ukraine geschieht.

Deshalb sage ich: Wenn wir anfangen zu erklären: „Lasst uns dem Präsidenten der Ukraine, den wir für den mutigen Widerstand des ukrainischen Volkes gegen die russische Aggression ausgezeichnet haben, diesen Orden wieder wegnehmen – praktisch für die Fortsetzung dessen, was einst die polnischen Aufstände unter dem Motto ‚Für unsere und eure Freiheit‘ begonnen haben –, lasst uns ihm den Orden wegnehmen, weil er eine falsche Entscheidung über die Benennung einer ukrainischen Militäreinheit getroffen hat.“

Wunderbar. Ich freue mich sehr. Das ist politische Schizophrenie auf staatlicher Ebene. Schizophrenie auf staatlicher Ebene.

Dabei bin ich der Meinung, dass der Präsident Polens und auch der Ministerpräsident Polens – der sich übrigens ebenfalls nicht gerade begeistert dazu geäußert hat – ruhig mit einer Erklärung auftreten können, in der sie eine solche Entscheidung verurteilen. Und damit sollte alles enden. Er hat eine Entscheidung getroffen, sie hätten eine völlig andere Entscheidung sehen wollen. Sie haben diese Entscheidung verurteilt, und dann arbeitet man weiter. So sollte das funktionieren, wenn man sich überhaupt einmischen will.

Obwohl ich noch einmal sage: Ich halte es keineswegs für notwendig, dass man in irgendeinem anderen Land erklärt, wen und wie man auszeichnen soll. Das ist ein imperialer Ansatz, der Russland eigen ist. Erinnern Sie sich übrigens: Es ist nicht das erste Mal, dass es eine solche Geschichte gibt. Seinerzeit verurteilte man in Warschau Viktor Juschtschenko, der Stepan Bandera den Titel Held der Ukraine verliehen hatte. Erinnern Sie sich?

Andrij Smolij: Ja.

Portnikov: Ja. Auch damals gab es einen riesigen Skandal. Aber wiederum: Juschtschenko war Präsident der Ukraine. Er entscheidet selbst, wen er auszeichnet. Übrigens erinnere ich mich nicht, dass damals die Frage gestellt wurde, Juschtschenko irgendwelche polnischen Orden abzuerkennen. Ich weiß nicht, ob er sie hatte oder nicht, aber so war diese Geschichte.

Wir sprechen ja nicht über Persönlichkeiten, sondern über das staatliche Verhältnis zur Geschichte. Dieses staatliche Verhältnis zur Geschichte findet nicht auf TikTok statt. Und gerade der Staat müsste sich um einen Dialog auf staatlicher Ebene kümmern. Das sollte keine gesellschaftliche Historikerkommission sein. Dann können Präsidenten bei sich irgendein historisches Forum schaffen oder die Außenminister.

Wie Sie wissen, leitete ich einst den ukrainischen Teil des ukrainisch-polnischen Forums für Zusammenarbeit, schon, wenn ich mich nicht irre, während der Präsidentschaft von Andrzej Duda. Auf polnischer Seite wurde dieses Forum von dem bekannten polnischen Historiker und Fachmann für polnisch-ukrainische Beziehungen, Jan Malicki, geleitet. Und wenn wir uns trafen – Vertreter der Ukraine, Polens, gesellschaftliche Akteure, Historiker, Diplomaten, Leiter von Hochschulen –, diskutierten wir viele solcher schmerzhaften Probleme, darunter auch historische Fragen. Wir traten mit Initiativen auf, suchten Wege, die verbinden.

Übrigens lud uns Doktor Malicki auf einen Friedhof in Warschau ein, auf dem Veteranen der Ukrainischen Volksrepublik begraben sind, die nach 1920 gezwungen waren, die Ukraine zu verlassen. Sie hatten zusammen mit polnischen Truppen in der Armee von Symon Petljura und Józef Piłsudski gekämpft. Wir fuhren übrigens gemeinsam nach Wolhynien, nach Luzk, und sprachen ebenfalls darüber, wie wichtig es ist, diese gesellschaftlichen Verbindungen wiederherzustellen, wie wichtig es ist, Verständigung wiederherzustellen.

Das ist also alles mühsame Arbeit, verstehen Sie, für Menschen, die sehr genau verstehen, wie groß das Niveau dieser historischen Probleme ist, die zwischen Ukrainern und Polen keineswegs mit dem Zweiten Weltkrieg erschöpft sind. Und sie verstanden, dass das keine Arbeit für ein Jahr und nicht für ein Jahrzehnt ist. Wichtig ist nur, daraus keinen politischen Konflikt zwischen Staaten zu machen. Das ist wichtig. Das ist der Fehler.

Genauso halte ich es für einen Fehler der ungarischen Seite, bereits der neuen ungarischen Regierung, die Frage der europäischen Integration der Ukraine lösen zu wollen, indem man irgendwelche ultimative Forderungen stellt, die die ukrainische Regierung erfüllen müsse. Aber diese Fragen hängen nicht mit der europäischen Integration der Ukraine zusammen, sondern ausschließlich mit den ungarisch-ukrainischen Beziehungen aus Sicht der ungarischen Regierung darauf, wie die Rechte nationaler Gemeinschaften gewährleistet werden sollen, insbesondere der Ungarn in Transkarpatien. Das ist ebenfalls kein konstruktiver Ansatz, wie wir verstehen. Ein konstruktiver Ansatz wäre, für die europäische Integration der Ukraine zu kämpfen und dann gemeinsam in der Europäischen Union faktisch alles Mögliche zu tun, damit Menschen gleiche Rechte haben. Nicht wahr?

Ich sage das die ganze Zeit. Ich verstehe auch das nicht. Ich erinnere immer daran: Wenn es der Ukraine irgendwann gelingt, der Europäischen Union beizutreten, bedeutet das, dass alle ethnischen Ungarn in einer geopolitischen Vereinigung leben. In der Slowakei, in Rumänien, in Ungarn, in der Ukraine – alle ethnischen Ungarn leben ohne Grenzen in einer Vereinigung, haben freie Möglichkeiten, sich zu bewegen, Arbeit zu finden, Ungarisch zu sprechen, an ungarischen Einrichtungen in Ungarn zu lernen, wenn sie das möchten, oder an ukrainischen in der Ukraine. Es gibt kein Trianon mehr. Trianon ist vorbei. Aber Sie sehen ja, dass die Regierung in Budapest die ganze Zeit einen anderen Weg geht.

Andrij Smolij: Mir scheint, dass selbst die ungarische Minderheit, die heute in der Ukraine, in Transkarpatien, in diesen kompakten Siedlungsgebieten lebt, wo sie die Mehrheit bildet, keine großen Probleme hat, nach Ungarn hin und zurück zu fahren. Sie hat keine Probleme damit, in Ungarn zu studieren.

Portnikov: Natürlich, aber es gibt eine Grenze. Zwischen der Europäischen Union und der Ukraine gibt es eine Staatsgrenze. Wenn die Ukraine Mitglied der Europäischen Union wird, wird es keine Grenze geben.

Andrij Smolij: Das stimmt.

Portnikov: Das hat große Bedeutung, verstehen Sie? Wenn Sie von Ungarn in die Ukraine so fahren werden, wie Sie von Ungarn in die Slowakei fahren, ohne überhaupt zu bemerken, dass dort einmal eine Grenze war. Das hat psychologisch und emotional enorme Bedeutung, glauben Sie mir. Ich schaue einfach auf Tirol, sagen wir, das nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen Italien und Österreich geteilt wurde.

Dort lebt im italienischen Tirol ein großer Teil der deutschsprachigen Bevölkerung, Menschen, die sich als Tiroler verstehen. Wie Sie verstehen, hielten sich diese Menschen vor dem europäischen Projekt für von den Tirolern in Österreich abgeschnitten. Dieses Gefühl gibt es heute nicht mehr. Mehr noch, sogar die Integration mit Italien selbst hat sich in diesem Teil verstärkt, weil die Menschen sich nicht bedroht fühlen: Sie steigen ins Auto und fahren in den anderen Teil Tirols. Sie sind italienische Staatsbürger. Das passt ihnen völlig. Sie haben dort ihr eigenes Leben in Italien, aber sie können jederzeit Tiroler sein. EU Region Tirol. Fertig.

Genau so wird das in Europa gelöst. Warum sollten wir also nicht in Europa sein? Warum braucht Budapest künstliche Hindernisse zu errichten, um das zu bremsen? Ich verstehe das nicht, wenn sie wirklich an die Ungarn in Transkarpatien denken.

Andrij Smolij: Nun, die Ungarn in Transkarpatien, wiederum, wer in diesen Regionen war, weiß, dass es dort manchmal schwierig ist, irgendwelche Aufschriften etwa auf Ukrainisch zu finden, was für einen ukrainischen Bürger einfach unbequem ist, wenn er sich im Staat Ukraine befindet.

Portnikov: Ich verstehe das. Aber in Tirol, in Italien, können Sie ebenfalls möglicherweise keine Aufschrift auf Italienisch finden, Menschen, die Italienisch sprechen, kann man dort ebenfalls möglicherweise nicht finden. Zumindest in ländlichen Gegenden. Davon sprechen wir doch nicht. So ist es an Orten mit einer großen Konzentration nationaler Gemeinschaften. Wobei wiederum Tirol als Teil Italiens, dieses Südtirol, schon mehr als 100 Jahre existiert. Und das hat, sozusagen, die Sprachdisziplin nicht beeinflusst. Nein, wahrscheinlich kennen die Menschen Italienisch, aber sie benutzen es irgendwie nicht besonders.

Andrij Smolij: Aber sehen Sie, im Großen und Ganzen haben wir keine historischen Probleme mit Ungarn. Obwohl es in Wirklichkeit im 20. Jahrhundert sehr, sehr vieles gab, wofür man den Ungarn, der ungarischen Regierung, Rechnungen stellen könnte. Sie stand Versuchen der Ukrainer, auf diesen Gebieten Unabhängigkeit auszurufen und sich in Richtung Unabhängigkeit zu bewegen, sehr, sehr, sehr feindlich gegenüber, im Vergleich etwa zu denselben Slowaken oder Tschechen.

Aber andererseits, wenn man diese Situation überträgt und wieder zu den Polen zurückkehrt: Vielleicht hindert uns tatsächlich, dass wir im Dialog mit den Polen ständig in die Rolle eines gewissermaßen jüngeren Bruders geraten, historisch gesehen.

Portnikov: Ich denke, das Problem liegt nicht nur darin, sondern darin, dass die Symbiose zwischen Ukrainern und Polen dennoch viel länger und dichter ist als die zwischen Ukrainern und Ungarn. Der ukrainisch-ungarische ethnische Kontakt fand auf einem vergleichsweise kleinen Territorium statt. Wenn man sich dagegen die Präsenz der Ukrainer im Königreich Ungarn, sogar in Österreich-Ungarn, und die Präsenz der Ukrainer in der Adelsrepublik ansieht, ist das eine völlig besondere Geschichte. Eine Geschichte, die sich über Jahrhunderte erstreckt.

Die Geschichte der Beziehungen zwischen dem Großfürstentum Litauen und der Krone. Die Geschichte der Übergabe ukrainischer Länder an die Krone. Die Geschichte des Chmelnyzkyj-Aufstandes. Das alles ist gemeinsame Geschichte der Ukraine und Polens. Staatliche Geschichte. Geschichte der Nachbarschaft von Völkern, ihrer zivilisatorischen Konkurrenz. Das ist immer so. Das ist einfach eine viel größere Nähe in allen Fragen.

Und man kann auch nicht sagen, dass dies auf dem gesamten Gebiet der heutigen Ukraine so war. Und man kann auch nicht sagen, dass es sich nur auf Galizien beschränkte. Galizien und Wolhynien – das ist im Grunde die Geschichte der letzten Jahrhunderte. Aber eine solche Symbiose gab es auch in der Großen Ukraine, wo sowohl Ukrainer als auch Polen lebten. Und lange Zeit war dieses Gebiet ebenfalls Teil der Adelsrepublik und davor des Großfürstentums.

Diese Symbiose reicht einfach tief. Und das ist, würde ich sagen, sowohl Freundschaft als auch Feindschaft und die Suche nach irgendeiner Zusammenarbeit. Das ist einfach eine so lange und komplizierte Geschichte, dass es in einer solchen langen und komplizierten Geschichte nicht nur eine Farbe geben kann, weiß oder schwarz.

Andrij Smolij: Wenn man, wissen Sie, dennoch über diese Diskussion nicht zwischen Historikern und Intellektuellen spricht, sondern über das, was als normale Reaktion gewöhnlicher Menschen auf das geschieht, was gerade rundherum passiert, insbesondere diese Verleihung des Namens der Helden der UPA und die Reaktion der Polen, dann sagen sehr viele meiner Bekannten, vernünftige Menschen, dass – und wieder höre ich diesen Satz – die Polen Imperialisten seien, sie seien um nichts besser als die Russen. Ich denke, in Moskau ist man sehr zufrieden.

Portnikov: Ich denke, Menschen können gekränkt sein, aber man muss sich immer erinnern: Die Ukraine hat nur eine Wahl. Entweder Teil Europas werden oder Teil Russlands werden. Das heißt, wir werden entweder irgendwie den Dialog mit unseren europäischen Nachbarn – mit Polen, der Slowakei und Ungarn – aufrechterhalten müssen, oder uns damit abfinden müssen, dass es das ukrainische Volk nicht geben wird, dass es Teil Russlands sein wird.

Übrigens werden die Polen dann ganz sicher nichts diktieren. Dann werden hier Atomwaffen stehen. Dann werden wir auf jede Frage sagen: „Hören Sie, Drohnen und Atomwaffen werden Sie gehorsam machen. Wir werfen einfach eine Atombombe auf Warschau, und Sie werden verstehen, was normales Leben bedeutet.“ Das, was es in der Sowjetunion gab, nicht wahr?

Das heißt, wenn Sie wollen, dass Ihnen niemand aus Polen oder Budapest etwas diktiert: Koffer, Bahnhof, Russland. Nicht einmal Koffer und Bahnhof sind nötig. Ihr Territorium kann Teil Russlands werden, und mit diesem großen Staat werden Sie allen anderen alles diktieren. Wenn es natürlich gelingt.

Wenn wir aber wollen, dass hier die Ukraine bleibt, dann haben Sie wiederum eine einfache Wahl. Entweder suchen Sie den Dialog mit Warschau oder Budapest, einen unangenehmen, schwierigen Dialog. Es kann tatsächlich sehr unangenehm sein, solche imperialen Ambitionen zu sehen. Sie können auch in Ungarn als imperial gelten. Ungarn war ebenfalls Teil eines Imperiums, wie wir wissen. Oder wir kämpfen allein gegen Russland. Oder wir einigen uns ebenfalls mit ihm darauf, dass wir Russland sind. Denn wie Sie sehen, will Russland uns im Unterschied zu Polen nicht als Ukraine anerkennen. Das ist ein großer Unterschied.

Wenn Ihre Bekannten sagen, die Polen seien genauso wie die Russen, erinnern Sie sie an eine einfache Sache. Die Polen glauben, zumindest in der jetzigen Phase dieser Geschichte, dass die Ukrainer ein Recht auf Existenz haben. Die Russen glauben in der jetzigen Phase dieser Geschichte, dass die Ukrainer kein Recht auf Existenz haben. Wenn sich dieser Nenner ändert, kann man darüber sprechen.

Aber ich garantiere Ihnen, dass sich dieser Nenner nie wieder ändern wird. Die Russen haben alle Schlüsse gezogen, die sie ziehen mussten, ob das ukrainische Volk auf den Ländereien existieren darf, die sie für die Ländereien des historischen Russlands halten. Damit ist im Dialog des ukrainischen und des russischen Volkes, kann man sagen, für unser Jahrhundert endgültig ein Punkt gesetzt. Alles, finita la commedia. Das heißt, entweder wehren wir uns, und dann einigen wir uns mit Polen und Ungarn, oder wir wehren uns nicht, und dann spucken wir schon als Russen auf Polen und Ungarn vom Glockenturm unserer lieben Basilius-Kathedrale. Aber ich denke, die überwältigende Mehrheit der Ukrainer will ein solches Schicksal nicht, oder?

Andrij Smolij: Umso mehr löst das im Prinzip den Streit überhaupt auf eine andere Weise. Der Streit zwischen Ukrainern und Polen ist beendet, weil es keine Ukrainer mehr gibt. Sie sind zu Russen geworden.

Portnikov: Sie sind zu Russen geworden und haben ebenfalls zugestimmt, dass die UPA Feinde sind. Aber diese Polen, diese Feinde Russlands, sind noch größere Feinde als die Kämpfer der UPA.

Andrij Smolij: Eine solche Alternative.

Portnikov: Es gibt ein wunderbares Ende des Films. Das Ende des Films „Sintflut“ von Jerzy Hoffman. Erinnern Sie sich? Er endet damit, dass Polen, Ukrainer und Krimtataren sich nicht miteinander einigen konnten und infolgedessen überall das Russische Imperium herrschte. Erinnern Sie sich an dieses Ende? Genau ein solches Ende kann es auch jetzt geben.

Andrij Smolij: Diesen Film von Hoffman habe ich irgendwie nicht gesehen, deshalb kann ich dazu nichts sagen. Aber mir scheint, dass dieser Gedanke bei den Polen, bei polnischen Intellektuellen, schon mindestens seit Jahrzehnten existiert: dass die Ukraine außerordentlich wichtig ist, beginnend mit Giedroyc.

Portnikov: Natürlich. Nicht einfach, dass die Ukraine wichtig ist, sondern dass es wichtig ist, sich mit der Ukraine zu einigen. Und wir müssen immer daran erinnern, dass die Frage nicht darin besteht, was uns trennt, sondern was uns verbindet.

Andrij Smolij: Sehen Sie, Herr Vitaly, bedeutet das nicht auch, dass es für die Ukrainer wünschenswert wäre, sozusagen, ihren eigenen ukrainischen Giedroyc zu haben, der von Zeit zu Zeit daran erinnert – vielleicht gibt es solche Menschen in Wirklichkeit auch –, der auch uns daran erinnert, dass Polen für die Ukraine ebenfalls kein unwichtiges Land ist?

Portnikov: Hören Sie, wir brauchen keinen ukrainischen Giedroyc, und zwar aus einem einfachen Grund. Giedroyc sagte den Polen im Grunde, dass Ukrainer, Belarussen und Litauer existieren und dass man mit ihnen als souveränen Nationen neben Russland zu tun haben werde. Bei uns in der Ukraine gibt es niemanden, der glauben würde, dass Polen nicht existieren. Nicht wahr?

Andrij Smolij: Das stimmt.

Portnikov: Das ist der Hauptunterschied. Giedroyc hat tatsächlich die Sicht der Polen auf die europäische Zukunft verändert. Obwohl man sagen muss, dass seine politische Linie heute bis zu einem gewissen Grad ein Fiasko erlitten hat. Ich glaube nicht, dass die Außenpolitik Polens die Politik Giedroycs ist. Dennoch veränderte dies wirklich den Blick eines großen Teils der polnischen Emigration, als Giedroyc Ukrainer, Belarussen und Litauer als souveräne Völker behandelte, die in souveränen Staaten leben werden, weil sie bis dahin faktisch als eine Art Anhängsel Russlands wahrgenommen wurden. Und einige meinten, es werde ein demokratisches Russland geben, das diesen Völkern irgendwelche Rechte geben werde. So sah das in der öffentlichen Meinung aus. Und Sie wissen, dass nicht wenige polnische Intellektuelle noch lange in dieser Illusion lebten. Sie waren, würde ich sagen, kulturelle Russophile. Und Giedroyc ging, kann man sagen, gegen diese Tendenz vor und siegte. Und die Geschichte bewies, dass er recht hatte.

Bei uns aber gab es niemals irgendeinen Gedanken, dass Polen kein Recht auf Unabhängigkeit, Souveränität, auf echte Unabhängigkeit habe. Ich möchte Sie daran erinnern, dass selbst in den 1980er Jahren, als es Solidarność gab, hier in Kyiv unter Intellektuellen diese Sympathie und Solidarität mit den Polen viel stärker zu spüren war als irgendwo in Russland. Ich habe das einfach mit eigenen Augen gesehen. Diese Unterstützung für Polen, dieses Interesse an Polen, sie existierten immer in unserer Gesellschaft.

Was soll uns ein Giedroyc bringen? Vielleicht brauchen wir Menschen, die über die Notwendigkeit gegenseitigen Respekts zwischen dem polnischen und dem ukrainischen Volk sprechen. Nun, das sagen viele. Auch ich gehöre zu den Menschen, die ständig daran erinnern.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Скандал між Польщею та Україною через УПА. Заява Валенси та Навроцького, орден Зеленського. Віталій Портников. 30.05.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 30.05.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Putins Auftritt in Petersburg: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 05.06.2026.

Heute trat der Präsident der Russischen Föderation, Putin, auf der Plenarsitzung des Internationalen Wirtschaftsforums in Petersburg auf. Dieser Auftritt Putins wird immer als einer der programmatischen in seiner politischen Tätigkeit betrachtet. Gerade diesem Auftritt gibt er, würde ich sagen, großen Vorrang vor seinen anderen öffentlichen Auftritten, weil es ein Auftritt vor einem sorgfältig ausgewählten internationalen Publikum ist und vor allem vor Investoren in die russische Wirtschaft – jenen, die sozusagen geblieben sind und die der russische Präsident davon zu überzeugen versucht, weiterhin Geld in Russland zu investieren, in einer Situation, in der es mit jedem Jahr des Eroberungskrieges der Russischen Föderation gegen die Ukraine immer weniger Menschen gibt, die sich an solchen Investitionen beteiligen wollen.

Doch diesmal wurde die Tagesordnung von Putins Auftritt durch den Brief des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky bestimmt. Viele fragten: „Wozu überhaupt einen solchen Brief mit Beleidigungen an die Adresse des russischen Präsidenten schreiben, mit der Erinnerung an sein Alter und zugleich mit Appellen, den Krieg zu beenden?“ Ihnen kann man antworten, wozu. Weil Zelensky Putin in diesem Informationskrieg zuvorkam und den Informationseffekt des gestrigen Treffens des russischen Machthabers mit den Leitern von Nachrichtenagenturen verschiedener Länder der Welt aufhob.

Und heute musste Putin während seines Auftritts auf der Plenarsitzung ziemlich lange auf Zelenskys Brief antworten. Putin nannte diesen Brief erwartungsgemäß ein Papierchen, auf das man nicht achten müsse. Obwohl sein Pressesprecher Peskow nach Putins Auftritt übrigens sagte, man nehme dieses Dokument im Kreml ernst, und Zelensky erneut Putins Vorschlag übermittelte, in die russische Hauptstadt zu kommen – während Putin selbst erklärt hatte, er sehe keinen Sinn in einem Treffen mit Zelensky.

Und das ist eine sehr wichtige Sache, denn in diesem Informationskrieg ist aus Sicht der Außenwelt, vielleicht vor allem Trump, sehr wichtig, wer als Erster ein Treffen ablehnt. Putin sagte gestern, er sei bereit, sich sogar mit Zelensky zu treffen, ungeachtet der Illegitimität des ukrainischen Präsidenten aus seiner Sicht. Zelensky rief Putin zu einem direkten Treffen und zum Stopp des Krieges auf. Putin sagte, er sehe keinen Sinn darin, sich mit dem ukrainischen Präsidenten zu treffen, und hat sich damit selbst verraten, was seine eigenen Absichten und Wünsche betrifft.

In dieser Situation verstehen wir sehr gut, dass der Präsident der Russischen Föderation sich gewissermaßen selbst bloßgestellt hat. Obwohl dies wiederum davon abhängt, wie Trump ihre möglichen Verhandlungen tatsächlich bewerten wird. Gerade eben, während unseres Gesprächs, sagte er, die Präsidenten Russlands und der Ukraine sollten das untereinander klären, und er sei derjenige, der ihnen geholfen habe, eine Position zu einem möglichen Treffen einzunehmen. Das heißt, bislang hat Trump Putins Weigerung, sich mit Zelensky zu treffen, nicht bemerkt.

Nun zu diesem Treffen selbst. Ich denke, dass es viele Kommentatoren geben wird, die meinen werden, Zelensky habe mit seinem, ich würde sagen, ironischen Brief an Putin, der den russischen Präsidenten und seine Mitstreiter sehr verärgert hat – der Berater des Präsidenten der Russischen Föderation Medinski nannte ihn erwartungsgemäß einen Brief des KWN-Teams (Klub der Witzigen und Einfallsreichen) aus Krywyj Rih –, irgendein mögliches Treffen mit dem Präsidenten der Russischen Föderation zunichtegemacht.

Alles, was Putin gestern und heute sagt – und dazu muss man nüchtern stehen –, zeigt, dass der russische Präsident sich mit niemandem treffen will, den Krieg nicht beenden will, dass er auf einen mehrjährigen Abnutzungskrieg gesetzt hat und dass wir jetzt nur in den ersten Jahren dieses Krieges leben. Und das alles muss man mit kühlem Kopf betrachten und verstehen, welch lange Strecke noch bis zu jenem Tunnel vor uns liegt, an dessen Ende vielleicht irgendwann Licht aufleuchten wird. Aber das bedeutet nicht, dass die Ukraine diesen Tunnel nicht näher bringen und dieses Licht nicht einschalten kann.

Denn ich erinnere die ganze Zeit daran, dass der einzige reale Weg zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges in absehbarer Perspektive, sagen wir in den 2020er Jahren des 21. Jahrhunderts, die Zerstörung des russischen Ölraffineriekomplexes, der russischen Ölhäfen und des russischen militärisch-industriellen Komplexes ist. Bis dahin ist es bislang noch sehr, sehr weit, denn trotz der ukrainischen Schläge gegen die russische Ölbranche geben die internationale Lage in der Welt, die Blockade der Straße von Hormus, die Fortsetzung der Lieferungen russischen Öls auf den Weltmarkt und der Verzicht der Vereinigten Staaten auf Beschränkungen dieser Lieferungen Russland reale Einnahmen, die es für den weiteren Krieg gegen die Ukraine über Jahre hinweg nutzen kann. Und das sind ganz konkrete Summen für Jahre, nicht für Monate.

Wenn dieses Geld jedoch weniger wird, wenn die Ölraffinerien tatsächlich aufhören zu arbeiten und nicht innerhalb einer Woche repariert werden können, wenn aus den Ölhäfen kein Öl geliefert wird, wenn die Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes aufhören, Waffen zu produzieren, wenn die logistischen Wege der Russischen Föderation blockiert werden und auf diese Weise ein realer Treibstoffmangel in der Russischen Föderation beginnt, der dort das normale Leben stoppt und die russische Wirtschaft in die Knie zwingt – in dieser Situation wird der Krieg, wie Sie verstehen, nicht in Jahren, sondern in Monaten enden. Eine sehr einfache Formel: Wenn es gelingt – in Monaten; wenn es nicht gelingt – Jahre des Abnutzungskrieges. Das ist die ganze Realität der 2020er und vielleicht auch der 2030er Jahre des kriegerischen 21. Jahrhunderts. Mir scheint, dass das absolut verständlich ist.

Was Putins Reaktion auf Zelenskys Brief betrifft: Er war tatsächlich beleidigt. Er versuchte tatsächlich zu erklären, dass sein Alter kein Problem für die weitere Erfüllung seiner Pflichten als Präsident der Russischen Föderation sei. Das bedeutet, dass Zelensky bei Putin diesen Komplex gesehen hat, der versteht, dass er seinen eigenen Landsleuten wie ein alter Opa erscheint, nicht einmal wegen des Alters – Trump ist, milde gesagt, auch nicht jung –, sondern wegen der Zeit, die er das Amt des Präsidenten der Russischen Föderation innehat. Denn im Grunde regiert Putin in der Vorstellung der Menschen Russland seit den letzten 26 Jahren.

Und in dieser Situation sind bereits Generationen von Russen herangewachsen, die keinen anderen Herrscher als Putin kannten. Und es fällt ihnen sehr schwer zu glauben, dass er so effektiv ist, wenn sie sehen, wie er vor ihren Augen altert und das Gefühl für die Realität verliert. Und heute konnten sie sich übrigens auch davon überzeugen, als Putin erzählte, wie wunderbar die russische Wirtschaft wachse, wie sich das Leben der Menschen verbessere, was, wie Sie verstehen, nicht mit derRealität übereinstimmt.

Ein weiterer wichtiger Moment, der mit Putins Verhalten während dieses Auftritts verbunden ist, ist sein Versuch, Trump zu gefallen. Putin appellierte die ganze Zeit an Trump. Putin versuchte zu zeigen, dass gerade er wolle, dass die Vereinigten Staaten Garanten im Friedensprozess seien. Aber der böse Zelensky, der in seinem Brief geschrieben hatte, dass die Versprechen von Anchorage keineswegs unbedingt erfüllt werden müssten, ignoriere Trump und wolle irgendwelche Garantien von den Europäern. „Was soll das denn? „– sagte Putin. „Waffen von den Vereinigten Staaten wollen sie, aber als Sicherheitsgaranten wollen sie sie nicht sehen“.

Nun, das wirkte, milde gesagt, schmeichlerisch. Es wirkte wie die Affen aus Kiplings Märchen, die zur Schlange rannten und sich bei ihr darüber beklagten, dass irgendein anderer Affenstamm sie einen schrecklichen Wurm genannt habe. Erinnern Sie sich an diese Kindergeschichte? So sah Putin aus, der sehr hoffte, Trump werde bemerken, dass Zelensky ihm nicht mit dem gebührenden Respekt begegne – im Unterschied zu ihm, Putin. Denn Putin spielte auf diesem Podium auch das Überbringen von Grüßen an Trump und alles Mögliche aus.

Die Idee ist also sehr klar. Verhandlungen will er keine, sich mit Zelensky wollte und will er nicht treffen, aber zugleich will er sich auch nicht mit den Amerikanern streiten. In dieser Situation gibt es, wie Sie verstehen, ein riesiges Problem damit, dass der Präsident der Russischen Föderation tatsächlich weiterhin auf einen Abnutzungskrieg setzt und glaubt, dass die Zeit für ihn arbeitet und nicht für die Ukraine. Und übrigens betrachtet er die Bedrohungen völlig unrealistisch, denn heute sagte Putin etwa auf derselben Pressekonferenz, dass der Drohnentreffer in Petersburg ausschließlich medialen Effekt gehabt habe und keine Bedeutung gehabt habe, obwohl wir wissen, dass das nicht stimmt. Er sagte, diese Drohnen müssten abgeschossen werden, und zugleich betonte dieses geniale Kremlwesen, dass Russland im Unterschied zur Ukraine über einen vollständigen Produktionszyklus verfüge, die Ukraine aber nicht.

Aber hier gibt es eine gute Frage: Ist das sicher ein Vorteil? Denn wenn die Ukraine keinen eigenen Produktionszyklus hat, gibt es an ihrem Territorium nichts zu zerstören. Um diese Drohnen und jene Raketen zu zerstören, die die Ukraine erhält, müsste man einen Krieg mit Europa und den Vereinigten Staaten beginnen. Und die Ukraine muss, um das zu zerstören, was Russland produziert, Schläge gegen russische Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes führen. Das bedeutet, dass die Russische Föderation nicht genug Potenzial hat, ihre Waffen dort zu produzieren, wo ukrainische Drohnen und vielleicht auch Raketen sie nicht erreichen können.

Und natürlich machte Putin all das wütend, dass er im Grunde die Hälfte seines Panels damit verbringen musste, Zelensky auf seinen Brief zu antworten. Und er sagte, an seine Militärs gewandt: „Arbeitet, Brüder.“ Das war ein Pathos, würde ich sagen, das dem Präsidenten der Russischen Föderation in der Regel nicht eigen ist.

Und Sie wissen, dass der Präsident der Ukraine bereits auf diesen Auftritt Putins geantwortet hat. Er betonte, Russland wähle erneut den Krieg, Putin wolle ihn nicht beenden, Putin wolle nicht anerkennen, dass sein Krieg nur ihm und jenen gefalle, die Geld aus ihm herausziehen. Und Zelensky versprach, dass ganz Russland unter ständigem Feuer stehen werde, weil er mit dem Sicherheitsdienst der Ukraine neue Spezialoperationen gegen die Russische Föderation abgestimmt habe.

Und hier, wie Sie verstehen, wird vieles nicht so sehr davon abhängen, was Zelensky sagen wird, sondern von der Wirksamkeit jener neuen Operationen des Sicherheitsdienstes der Ukraine gegen die Russische Föderation, die wir in den nächsten Tagen oder Wochen beobachten oder nicht beobachten können. Denn die einzige reale Antwort auf all diese Erklärungen Putins können ausschließlich Schläge gegen den Ölraffineriekomplex der Russischen Föderation und gegen den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation sein. Die schrittweise Zerstörung der Wirtschaft Russlands, sodass es ihr nicht gelingt, sich in den nächsten Jahrzehnten zu erholen.

Russland ohne Wirtschaft ist der Schlüssel zu einer freien, gerechten Welt. Nicht zum Frieden, sondern zur Welt. Ich denke, alle Nachbarn Russlands verstehen das sehr gut und bereiten sich genau auf eine solche Entwicklung der Ereignisse vor. Und das sind nicht nur die europäischen Nachbarn Russlands, das sind auch Russlands Nachbarn in Zentralasien, die von seinem Zusammenbruch träumen. Das ist auch die Volksrepublik China, die auf diese Weise die Russische Föderation in ein Protektorat der Volksrepublik China verwandeln wird.

Übrigens beantwortete Putin heute eine Frage zu China und lachte darüber, dass Russland als Protektorat Chinas bezeichnet werde. Er erzählte, wie wichtig der technologische Export Russlands in die Volksrepublik China sei. Er erzählte, dass Russland sich bereits die Öl- und Gasabhängigkeit überwunden habe und dass, wenn früher etwa 50 Prozent des föderalen Haushalts durch Öl und Gas gebildet wurden, es jetzt nur noch 20 seien. Und Sie wissen, dass auch das eine spekulative Zahl ist, aus dem einfachen Grund, dass sie nicht die indirekten Einnahmen der Russischen Föderation aus der Öl- und Gasindustrie widerspiegelt, die Arbeitsplätze, die durch diese Industrie entstehen, den Dienstleistungssektor, der gerade diese Industrie bedient. Auch daran muss man sich erinnern: Das ist, kann man sagen, eine Übertreibung des realen Verlaufs der Ereignisse.

Aber man sollte noch an eine Sache erinnern. Trotz all seiner Gespräche über Frieden spricht Putin erneut von der Unveränderlichkeit der Ziele der sogenannten speziellen Militäroperation. Dass diese Ziele bereits zu Beginn der speziellen Militäroperation und dann im Juni 2024 festgelegt worden seien.

Was ist Juni 2024? Ich erinnere Sie daran. Das ist Putins Auftritt vor dem Kollegium des Außenministeriums der Russischen Föderation, auf den sich Vertreter der russischen Nomenklaturgruppe seit dieser Zeit, fast schon seit zwei Jahren, berufen. Das sind vor allem die Forderungen an die Ukraine, ihre Truppen aus dem Gebiet der Donezker Oblast abzuziehen.

Ich verstehe es so, dass sich zu diesem Gebiet jetzt noch das Gebiet der Saporischschja- und der Cherson-Oblast der Ukraine hinzugesellt hat, die von der Russischen Föderation annektiert und entgegen allen Normen des Völkerrechts in die Verfassung der Russischen Föderation eingetragen wurden.

Das ist der neutrale Status der Ukraine und Garantien dieses neutralen Status. Im Grunde ist das die Verwandlung der Ukraine in ein russisches Protektorat. Und wir sehen, dass es den Russen selbst zwei Jahre nach dieser Rede Putins vor dem Kollegium des Außenministeriums der Russischen Föderation nicht gelungen ist, bei der Erfüllung dieses Kriegsziels auch nur einen Schritt voranzukommen, aber Putin hält hartnäckig daran fest. Wiederum deshalb, weil er in einer imaginären Welt leben will.

Gestern sahen wir eine völlig unglaubliche Erklärung des Präsidenten der Russischen Föderation, warum seine Oreschnik-Komplexe auf dem Gebiet des besetzten Donbas und in Garagen von Bila Zerkwa niedergegangen sind. Es stellte sich heraus, dass die Russen all das absichtlich getan hätten, sogar absichtlich jenes Gebiet bombardiert hätten, das sie kontrollieren. Und Putin will wirklich, dass man das glaubt.

In dieser Situation, wie wir sehr gut verstehen, konnte niemand der Idee zustimmen, dass die Russische Föderation absichtlich mit der Oreschnik auf Scheunen und auf ihr eigenes kontrolliertes Gebiet geschossen habe. Nicht auf ihr eigenes Gebiet aus Sicht des Völkerrechts, sondern auf eigenes Gebiet, das von russischen Truppen kontrolliert wird. Aber Putin erklärte, dass auf diese Weise sowohl Bila Zerkwa als auch der besetzte Donbas von den Russen als eine Art Übungsplatz genutzt worden seien.

Heute gibt es, wie ich finde, einen noch besseren Satz. Man kann solche Zitate des lügnerischen Putin sammeln und dann mit ihnen operieren: „Die Russische Föderation geht bewusst auf eine Abkühlung der Wirtschaft ein, um ihrer Gesundheit willen.“ Das heißt, die Russische Föderation arbeitet selbst daran, dass ihre Wirtschaft in die Knie geht, denn nur auf Knien, in einer solchen Haltung, ist die russische Wirtschaft gesund. Zuerst stand ganz Russland von den Knien auf, jetzt geht ganz Russland auf die Knie. Das ist so eine körperliche Übung hin und her. Es ist klar, wozu sie nötig ist. Und ich denke, das zeigt im Prinzip auch, dass Putin die Probleme der Wirtschaft erkennt.

Er erkennt übrigens auch an, dass ukrainische Angriffe auf die Infrastruktur tatsächlich ein Problem für Russland sind und tatsächlich Probleme für die russische Wirtschaft schaffen. Aber für Putin bedeutet das nur eines: das Luftverteidigungssystem der Russischen Föderation zu stärken. Und trotz dieser Abkühlung der russischen Wirtschaft sieht Putin zugleich keine Probleme für sie.

Das ist die Logik oder Unlogik seiner heutigen Rede zu Zelenskys Brief und zu den russisch-ukrainischen Verhandlungen. Übrigens ist ein wichtiger Teil dieser Antwort die unerwartete Erzählung über irgendeinen russischen Geschäftsmann, der, wie sich herausstellt, in Kyiv war, nachdem ihn die ukrainische Seite zu Verhandlungen eingeladen hatte.

Das ist eine weitere ziemlich phantasmagorische Geschichte. Natürlich wäre es wünschenswert, auch dazu einen Kommentar aus Kyiv zu erhalten. Trotzdem taucht irgendein von Putin nicht namentlich genannter russischer Geschäftsmann auf. Auch Juri Uschakow, der außenpolitische Berater des Präsidenten der Russischen Föderation, wollte seinen Namen später nicht nennen. Und dieser Geschäftsmann sagt Putin, er habe von der ukrainischen Seite eine Einladung erhalten, nach Kyiv zu irgendwelchen Verhandlungen über ein mögliches Ende des Krieges zu kommen.

Und Putin sagt ihm irgendwelche seltsamen Dinge: „Na, fahr hin, ich kann es dir ja nicht verbieten.“ Wie, du kannst nicht? Du kannst es wohl. Was ist das denn für ein Mensch, dem du eine Reise in die Hauptstadt eines dir feindlichen Staates nicht verbieten kannst? Und wenn du bereit bist, dieser Reise zuzustimmen, dann bedeutet das, dass sie für dich selbst notwendig ist.

Und dieser Mensch fährt also nach Kyiv, führt dort angeblich irgendwelche Konsultationen, und dann, als er zurückfliegt, passiert die Geschichte mit Starobilsk. Putin beginnt, diesen Menschen zu fragen: „Wie kann das sein? Sie wollen doch Frieden und töten Kinder.“ Und damit endet alles.

Absolute Phantasmagorie. Es stellt sich also heraus, dass es außer Kushner und Witkoff, die entweder nach Russland fahren oder nicht nach Russland fahren – wir haben heute dazu zwei widersprüchliche Kommentare erhalten: Der Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation Peskow sagte, sie fahren nicht, und der Berater des Präsidenten der Russischen Föderation Uschakow sagte, sie fahren –, also fahren sie oder fahren sie nicht? Es gibt irgendeinen anonymen russischen Geschäftsmann, der versucht, mit Putin die Frage seiner eigenen Reise nach Kyiv und der Verhandlungen mit der ukrainischen Führung über für Putin grundsätzliche Probleme zu lösen. Und Putin stimmt dem zu.

Auch das ist eine völlig seltsame Geschichte. Seltsam ist, dass Putin beginnt zu sagen: „Wir haben solche nichtöffentlichen Kontakte mit der ukrainischen Führung, aber wenn Zelensky Briefe schreibt, dann mache ich diese Kontakte öffentlich.“ Nun, auch das ist eine sehr seltsame Sache. Denn du selbst hast gestern öffentlich erzählt, wie du den Verhandlungsprozess mit der Ukraine aufbauen willst, welche Verhandlungsbedingungen es gibt, welche Forderungen du an die Ukraine stellst, welche Rolle die Vereinigten Staaten haben sollen. Du hast das alles beim Treffen mit Journalisten aus verschiedenen Ländern der Welt erzählt. Zelensky hat dir einen offenen Brief geschrieben, der sich inhaltlich in Bezug auf Vorschläge durch nichts von dem unterscheidet, was du auf der Pressekonferenz vor Journalisten gesagt hast.

Also machst auch du diesen Dialog öffentlich, und er macht diesen Dialog öffentlich. Ihr beide tut das. Warum hast du beschlossen, über die Reise deines sogenannten Geschäftsmannes in die ukrainische Hauptstadt zu erzählen? Man kann sich natürlich vorstellen, dass dieser Geschäftsmann der bekannte Oligarch Roman Abramowitsch ist, der 2022 am Verhandlungsprozess beteiligt war und, so scheint es, sowohl während der Verhandlungen in Minsk als auch während der Verhandlungen in der Türkei. Und die ukrainische Seite war an seiner Teilnahme an diesen Verhandlungen interessiert, unter anderem, weil man hoffte, Abramowitsch könne Putin auch in Fragen der Freilassung von Gefangenen aus russischer Gefangenschaft beeinflussen.

Mir scheint, dass all das übertrieben war. Zugleich nutzte Abramowitsch diese Kontakte in Kyiv, um vor allem den Sanktionen der Vereinigten Staaten zu entgehen und so nicht nur seine Vermögenswerte zu bewahren, sondern auch mögliche Gelder Putins und anderer russischer Beamter, die auf seinen eigenen Konten untergebracht sind. Aber das sind alles Annahmen dessen, was wir wirklich nicht wissen: welche Person tatsächlich mit dieser Vermittlungsmission nach Kyiv gefahren sein könnte und ob es diese Person überhaupt gab. In Wirklichkeit ist auch das eine Frage, die in dieser Situation nicht einfach zu beantworten ist.

Was bleibt nun, wenn wir verstehen, dass es einen Abnutzungskrieg gibt? Russland erschöpfen, erstens, und dann die öffentliche Meinung verändern. Nun, schauen Sie: Auch wenn Präsident Trump heute sagt, Zelensky und Putin müssten den Krieg selbst untereinander klären, entwickeln sich die politischen Realitäten in den USA inzwischen in eine ganz andere Richtung.

Das Repräsentantenhaus des amerikanischen Kongresses hat mit Stimmenmehrheit ein Gesetz zur Unterstützung der Ukraine angenommen. Ein ziemlich großes Gesetz, das im Grunde ein Gesetz der Solidarität mit unserem Land ist, in dem sowohl von der Wiederherstellung von Lend-Lease als auch von der Wiederherstellung der Militärhilfe die Rede ist, von Geld für die Ukraine und für unsere NATO-Verbündeten zur Herstellung von Waffen für die Ukraine und von Hilfe für die baltischen Staaten, die die nächsten Opfer russischer Aggression werden könnten, sowie von der großen Rolle der Vereinigten Staaten in der NATO.

Ich erinnere Sie daran, dass all dies dasselbe Repräsentantenhaus des amerikanischen Kongresses verabschiedet hat, in dem die Republikaner die Mehrheit der Stimmen haben. 18 Republikaner – das ist eine große Zahl – schlossen sich den Demokraten in dem Wunsch an, die historische Rolle der Vereinigten Staaten wiederherzustellen, die im letzten Jahr im Grunde zertreten wurde. Und das ist die Stimmung der amerikanischen Gesellschaft, das ist die Stimmung des amerikanischen Volkes. Man braucht daran nicht zu zweifeln, dass die Amerikaner so denken.

Und der Sprecher des Repräsentantenhauses Mike Johnson. Wir wissen von seinen engen Verbindungen zu Trump. Wir erinnern uns, wie er das vorherige Gesetz zur Hilfe für die Ukraine nicht zur Abstimmung im Repräsentantenhaus stellte, bis er von Trump grünes Licht erhielt. Damals fand sich kein einziger Republikaner, der Demokraten in dem Versuch unterstützt hätte, das Gesetz zur Hilfe für die Ukraine ohne Zustimmung des Sprechers zur Abstimmung im Repräsentantenhaus zu bringen. Jetzt aber haben die Republikaner die Mehrheit, und ein solches Gesetz ist durchgegangen.

Natürlich kann die Frage entstehen, wie die Situation mit der weiteren Entwicklung der Ereignisse grundsätzlich aussehen soll. Ja, ich bin weit davon entfernt zu glauben, dass ein solches für die Ukraine sehr wichtiges Gesetz in den Vereinigten Staaten tatsächlich vollständig verabschiedet werden kann, denn dafür müsste es im Senat zur Abstimmung gestellt werden. Und im Senat muss es natürlich vom Vorsitzenden der republikanischen Mehrheit zur Abstimmung gestellt werden. Dort kann man seinen Willen nicht umgehen. Und diese Person wird dieses Gesetz kaum ohne Zustimmung von Präsident Trump zur Abstimmung stellen.

Selbst wenn man sich eine solche phantasmagorische Situation vorstellt, in der der Vorsitzende der republikanischen Mehrheit im Senat seine Absichten nicht mit dem Weißen Haus abstimmt und das Gesetz in den Senat geht, und ich bin sicher, dass es im Senat Republikaner geben wird, die ebenfalls die Demokraten unterstützen, und das Gesetz wird angenommen werden. Präsident Trump kann dagegen sein Veto einlegen, weil er meinen wird, dass dies seine herzlichen Beziehungen zu Präsident Putin verschlechtert.

Zugleich aber verstehen wir, dass die Situation aus Sicht der öffentlichen Meinung vor den Wahlen zum amerikanischen Kongress, diesen berühmten Zwischenwahlen, überzeugend aussehen wird.

Dass sich die Stimmung vieler Republikaner so verändert, zeigt, dass sie gezwungen sind, mit der Sichtweise ihrer Wähler zu rechnen. Und wenn sie für die Begrenzung der präsidialen Befugnisse im Krieg gegen den Iran stimmen und wenn sie für Hilfe für die Ukraine stimmen, bedeutet das, dass sie den Atem dieser Wahlen im Rücken spüren und verstehen, dass sie reale Möglichkeiten haben, alles zu tun, um den Wählern zu gefallen, und dass sie glauben können, dass nicht mehr die Unterstützung Trumps, sondern gerade die Stimmung der Wähler ihnen die Wiederwahl garantieren kann.

Und das bedeutet, dass Trump bereits im Herbst in einer völlig anderen Situation sein könnte – selbst mit dem derzeitigen Kongress, der seine Amtszeit noch zu Ende führen wird. Und das ist eine wichtige Sache, an die wir uns ebenfalls erinnern müssen, wenn wir diese ganze Situation diskutieren.

Ich beantworte einige Fragen, die während dieser Übertragung gestellt wurden.

Frage: Kann man in Putins Erklärungen überhaupt irgendwelche Hinweise darauf sehen, was er tatsächlich zu tun beabsichtigt, oder ist das einfach weißes Rauschen?

Portnikov: Ja, in Putins Erklärungen kann man reale Hinweise darauf sehen, was er zu tun beabsichtigt. Er beabsichtigt weiterzukämpfen. Er beabsichtigt, Raketenschläge gegen Kyiv und andere Städte und Dörfer der Ukraine zu führen. Er beabsichtigt, Armadas von Drohnen in die Ukraine zu schicken. Er ist zu einem mehrjährigen Abnutzungskrieg bereit. Das sind seine realen Absichten.

Aber Absichten und Möglichkeiten sind nicht dasselbe. Bisher sehen wir in seinen Erklärungen keine Hinweise auf die Notwendigkeit einer allgemeinen Mobilmachung, die aus Sicht russischer Generäle die Besetzung neuer ukrainischer Gebiete beschleunigen sollte. Und es ist eine große Frage, inwieweit das die Situation wirklich verändern kann, wenn wir doch verstehen, dass der Krieg jetzt immer technologischer wird.

Frage: Welche Veränderungen erwarten Sie im Krieg nach dem Erscheinen unserer ballistischen Raketen im Sommer oder Herbst?

Portnikov: Noch einmal: Wichtig ist, inwieweit wir entweder mit Ballistik oder mit Drohnen oder mit irgendwelchen anderen nichtballistischen Raketen einen realen Schlag gegen den Ölraffineriekomplex der Russischen Föderation, gegen den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation und gegen die russische Logistik führen können. Wenn wir einen realen Schlag führen können, wird sich die Zeit, in der der Krieg weitergeht, verkürzen. Wenn wir es nicht können, wird sie sich nicht verkürzen. All das ist sehr einfach. Natürlich können ballistische Raketen dabei helfen, wenn sie tatsächlich erscheinen. Aber wenn Sie von Sommer oder Herbst sprechen, wissen Sie selbst nicht, ob sie im Sommer oder im Herbst verfügbar sein werden. Es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass wir heute wissen, wann genau das geschehen wird.

Frage: Müssen die Ukrainer die Europäer wirklich vor einem Krieg auf ihrem eigenen Territorium warnen, wenn ein solcher Krieg derzeit wenig wahrscheinlich erscheint? Oder sollte man sie nicht umgekehrt dazu ermutigen, uns Waffen zu übergeben, statt sie bei sich zu horten?

Portnikov: Wir müssen die Europäer nicht vor einem Krieg auf ihrem eigenen Territorium warnen. Tatsache ist jedoch, dass russische Raketen- und Drohnenangriffe auf europäische Länder, die an die Ukraine grenzen, durchaus möglich sind. Und das kann in verschiedenen Situationen geschehen. Die Arbeit russischer Sabotage, die übrigens heute zu einer Explosion im rumänischen Hafen Constanța geführt hat, ist ebenfalls Teil der Aggression. Darüber haben übrigens auch der Präsident Rumäniens, Nicușor Dan, und die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen gesprochen. Auch das kann Teil eines solchen Spiels sein.

Ich halte Raketen- oder Drohnenschläge gegen das Territorium von NATO-Mitgliedstaaten keineswegs für so unmöglich. Denn aus logischer Sicht: Wenn wir verstehen, dass die Russische Föderation in dieser Situation tatsächlich die Notwendigkeit einer Skalierung des Krieges erkennen kann, dass die Russische Föderation versteht, dass die Waffen, mit denen die Ukraine tatsächlich gegen sie kämpft, aus Europa kommen und dass man mit der Ukraine nichts erreichen kann, ohne die Europäer einzuschüchtern – warum glauben Sie dann nicht, dass gegen irgendwelche militärischen Objekte in Europa ein Schlag geführt werden kann? Denn aus Sicht der Russen können solche Schläge die Europäer dazu zwingen, auf weitere Hilfe für die Ukraine zu verzichten.

Was die Tatsache betrifft, dass die Europäer Waffen bei sich horten: Sie horten diese Waffen ohnehin und übergeben uns nicht so viel, wie sie für ihre Sicherheit brauchen. Von unseren Erklärungen ändert sich die Menge der Waffen, über die die Europäer verfügen, nicht. Das hätten Sie bemerken können. Die Europäer haben uns sehr lange, sagen wir,     Waffen der älteren Generation nur dann übergeben, wenn man ihnen neue Waffen gibt. So machten es alle unsere Nachbarn. Und wir haben sie keineswegs mit irgendeinem russischen Angriff eingeschüchtert. Ihnen kam nicht einmal der Gedanke, irgendwelche Waffen zu übergeben, damit sie weniger Waffen im Arsenal haben. Man gab ihnen Waffen neuer Generation, neue Flugzeuge, irgendwelche anderen neuen Rüstungen – dann gaben sie uns etwas ab. Gab man ihnen nichts, gaben sie nichts ab. So wird es auch weiter sein. Erfinden Sie also nichts. Niemand wird euch etwas geben, das sich derzeit in den Beständen der Armeen Europas, der NATO oder der Vereinigten Staaten befindet. Wenn sie ihre Bestände aufgefüllt haben, geben sie euch etwas. Haben sie sie nicht aufgefüllt, geben sie euch nichts. Ob Sie darüber sprechen oder nicht sprechen, ist egal, denn so funktioniert die Armee.

Frage: Glauben Sie, dass eine Treibstoffblockade der besetzten Krim den Kreml zu einer Waffenruhe drängen kann?

Portnikov: Nein. Eine Treibstoffblockade der besetzten Krim wird den Kreml nicht zu einer Waffenruhe drängen, weil ihm die Krim egal ist. Und weil alternative Wege für die Lieferung von Treibstoff auf die Krim organisiert werden können, über die Krimbrücke, sagen wir, oder irgendwie noch per Fähre. Aber Russland wird keine Waffenruhe ausrufen. Glauben Sie mir, die Perspektive einer Waffenruhe im russisch-ukrainischen Krieg liegt heute bei null.

Eine Waffenruhe kann nicht infolge einer Treibstoffblockade der Krim eintreten, sondern nur infolge dessen, dass der Treibstoff in Russland selbst verschwindet, in Moskau, in anderen Regionen, wenn die Wirtschaft stehen bleibt. Wenn uns das gelingt, können erste Skizzen von Verhandlungen über eine Waffenruhe beginnen. Aber nur in dieser Situation. Die Probleme irgendeiner konkreten russischen Region oder besetzten Region werden nicht zu einer Änderung von Putins Linie führen. Verstehen Sie das.

Putin ist auf einen langen Krieg eingestellt und wird daran festhalten, solange er genug Menschen und Geld hat. Und so viele Jahre, wie Menschen und Geld reichen werden, so lange wird der Krieg weitergehen, selbst wenn sich der vierjährige Krieg in einen achtjährigen verwandelt. Ob Russland infolge unserer Schläge Ressourcen dafür hat, ist eine gute Frage.

Frage: Wie wahrscheinlich ist eine Mobilmachung in Russland im Herbst nach den Wahlen?

Portnikov: Mobilmachung und Wahlen haben überhaupt nichts miteinander zu tun. In Russland gibt es keine Wahlen. Es gibt eine Deklaration. Die Entscheidung darüber, welche Prozentsätze diese oder jene politische Kraft aus Putins Taschenparteien erhält, wird im Büro des stellvertretenden Leiters der Präsidialverwaltung der Russischen Föderation Sergej Kirijenko einige Monate vor den Wahlen getroffen. Und diese Prozentsätze werden anschließend der Zentralen Wahlkommission übermittelt, die dann die entsprechenden Resultate präsentiert. Wahlen gibt es in Russland nicht. In dieser Situation denke ich also, dass wir uns bewusst sind, inwieweit Putin grundsätzlich von irgendwelchen Wahlergebnissen unabhängig ist.

Zugleich kann er über Mobilmachung nachdenken, allein schon deshalb, weil seine eigenen Generäle Druck auf ihn ausüben können. Aber Mobilmachung in Russland außerhalb von Verträgen ist für die russische Wirtschaft ziemlich gefährlich und riskant.

  • Erstens wird ihre Abkühlung weitergehen. Und so viel Putin auch sagen mag, dass Abkühlung Gesundheit bedeutet – das ist, wie Sie verstehen, reine Demagogie.
  • Zweitens müssen wir uns ebenfalls bewusst sein: Eine enorme Zahl von Menschen wird Russland einfach verlassen, um einer möglichen Mobilisierung zu entgehen. Denn die meisten Menschen im wehrfähigen Alter in Russland wollen, wie Sie verstehen, überhaupt nicht an der ukrainischen Front sterben. Das würde einen weiteren Abfluss Hunderttausender Menschen aus der russischen Wirtschaft bedeuten, die auf die eine oder andere Weise dazu beitragen, dass sie sich noch über Wasser hält.

Ich kann mir also nicht sehr gut vorstellen, dass wir diese Massenmobilmachung so leicht und ohne Probleme für die Russische Föderation selbst sehen werden.

Und sagen Sie bitte: Sind Sie sicher, dass Putin in dem heutigen technologischen Krieg diese große Mobilmachung braucht? Ich habe keine solche Sicherheit, ehrlich gesagt. Wenn er zwischen einer Vertragsarmee, die für Geld kämpft, und einer Armee von Mobilisierten wählen muss, die noch ausgebildet werden müssen und überhaupt keinen Wunsch haben werden zu kämpfen, wird Putin natürlich die Armee der für Geld mobilisierten Vertragssoldaten wählen.

Aber darin liegt ein anderes, ziemlich ernstes Problem: Putin weiß absolut nicht, was er tun soll, wenn diese Mobilisierten nach Hause zurückkehren. Auch das ist also eine sehr wichtige Frage, an die man denken muss. Wenn diese riesige Armee von Lumpenproletariern, die großes Geld erhielten und es außerhalb der Mobilisierung auf Vertragsbasis nicht erhalten werden, ins friedliche Leben zurückkehrt, und unter ihnen ist ein großer Teil Krimineller, dann kann in der Russischen Föderation eine ernste Sicherheitslage entstehen.

Übrigens gibt es einen neuen Kommentar Trumps im Zusammenhang mit den Verhandlungen. Trump hält es für möglich, dass der Konflikt in der Ukraine bald seinem Ende entgegengehen könnte. Er sagte, dass er selbst, Vizepräsident Vance und andere Vertreter des Weißen Hauses aktiv an der Regelung beteiligt seien. Und als er über Zelenskys Brief sprach, sagte er, er solle sich mit Putin einigen, und „er habe die Situation bis zu diesem Stadium gebracht. Ich hoffe, dass alles geregelt wird.“

Dieser Kommentar Trumps, den wir zu Beginn unseres Gesprächs vorläufig zitiert haben, bedeutet also nicht, dass der Präsident der Vereinigten Staaten sich einfach vom Verhandlungsprozess und vom Prozess der Regelung der Situation im russisch-ukrainischen Krieg abgrenzt. Nein, er will sagen, dass er bereits die Bedingungen geschaffen habe, unter denen Putin und Zelensky sich untereinander einigen können. In Wirklichkeit gibt es keine solchen realen Vereinbarungen, aber Trump will hoffen, dass es sie gibt.

Eine weitere interessante Nachricht des heutigen Tages ist übrigens das Treffen Putins mit dem ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder am Rande des Internationalen Wirtschaftsforums in Petersburg. Wie Sie wissen, wird Schröder von Putin als Vermittler bei den Verhandlungen mit der Europäischen Union vorgeschlagen. Putin trollt die Europäer damit offen. Und wenn man ihn daran erinnert, dass Schröder, nachdem er das Amt des Bundeskanzlers verlassen hatte, hochbezahlte Positionen in einer ganzen Reihe russischer Unternehmen innehatte, antwortet er darauf, dass Schröder in Wirklichkeit ein herausragender Staatsmann sei und keineswegs sein Einflussagent. Obwohl Sie sehen, dass Schröder wie ein Hündchen auf diese Putin-Foren kommt, sich mit ihm trifft und, milde gesagt, nicht wie ein Mensch aussieht, dem irgendein realer westlicher Politiker ernsthaft vertrauen könnte. Auch das ist eine völlig offensichtliche Sache. In dieser Situation, wie wir verstehen, ist das einfach Spott über Europa.

Aber die Europäer bestehen weiterhin darauf, dass sie zu Verhandlungen mit der Russischen Föderation über die Ukraine bereit sind. Heute trat der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz mit einer solchen Erklärung auf. Er nannte keine realen Details der Bereitschaft der Europäer. Aber so oder so verstehen wir, dass auch die Europäer, wie die Ukrainer, beweisen wollen, dass sie zu Verhandlungen bereit sind.

Frage: Wenn Zelensky Sie gebeten hätte, bei der Abfassung dieses Briefes an Putin zu helfen, was hätten Sie vielleicht hinzugefügt oder gestrichen?

Portnikov: Aber das hat doch überhaupt keine Bedeutung. Sie nehmen diesen Brief die ganze Zeit als irgendeine Plattform für Verhandlungen mit Russland wahr. Dabei ist dieser Brief Spott. Das ist ein satirischer Brief, der darauf abzielte, Putins eigene Tagesordnung zu überlagern. Ich verstehe nicht, warum eine riesige Zahl von Menschen die ganze Zeit denkt, Zelensky habe Putin wirklich ein Treffen vorgeschlagen als Antwort darauf, dass Putin sich mit Zelensky treffen wolle. Ich wiederhole: Ein Treffen Putins mit Zelensky zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges war von Putin nicht geplant, ist nicht geplant und wird in absehbarer Perspektive nicht geplant werden.

Die reale Zukunft ist ein Abnutzungskrieg, der noch lange Jahre dauern kann. Die reale Möglichkeit, diesen Krieg zu verkürzen, sind ausschließlich Schläge gegen das russische Potenzial. Wenn uns das nicht gelingt, wird der Krieg sowohl in den 2020er als auch in den 2030er Jahren dieses Jahrhunderts ohne jede Perspektive auf ein Ende weitergehen, selbst wenn Russland einen neuen Präsidenten haben wird. Verstehen Sie das und nehmen Sie es als Realität der Zukunft an.

Und ich sage die ganze Zeit: „Der Weg liegt nicht in Briefen, der Weg liegt in der Zerstörung des russischen Potenzials.“ Es hat überhaupt keine Bedeutung, was Zelensky in diesem Brief geschrieben hat. Ich denke, Putin hat ihn auch nicht vollständig gelesen, sondern sich die Thesen angesehen. Das Wichtigste ist, dass es Zelensky gelungen ist, Putins Tagesordnung zu überlagern – das ist Informationskrieg. Zelenskys Briefe um etwas zu ergänzen oder etwas aus Zelenskys Briefen zu streichen, ist ganz sicher nicht mein Wunsch, weil ich überhaupt der Meinung bin, dass Informationskriege wenig ändern.

Im Krieg ändert sich nur eines: Eisen und Blut. Alles andere ist Beilage. Man kann die Informationsagenda überlagern. Man kann sie nicht überlagern. Wenn Russland Raketen, Drohnen und Soldaten haben wird, werden Raketen und Drohnen in den nächsten Jahren auf unsere Köpfe fliegen, und Soldaten werden versuchen, durch Kill Zones durchzubrechen, um neue ukrainische Gebiete zu besetzen.

Alles andere ist das, was wir als Zusatz zu dieser tödlichen kritischen Situation besprechen, in der wir bereits seit zwölf Jahren leben. Aus Sicht des großen Krieges vier Jahre, in denen wir vielleicht noch lange Jahre leben können.

Nicht PR, nicht Briefe, nicht Pressekonferenzen – Eisen und Blut bestimmen, wer am Ende dieses riesigen Dramas des 21. Jahrhunderts am Leben bleiben wird und wer das Ende des Krieges, wann immer es stattfinden mag, nicht mehr erleben wird. 

Dabei ist nichts Schlechtes daran, dass man die Informationsagenda des Anführers eines aggressiven Landes überlagert. Wie man es kann, so überlagert man sie. Was macht das für einen Unterschied? Das ist so, als hätten Sie mich gefragt, was ich den Humoresken von Schwanetski, wenn man so will, hinzufügen oder daraus streichen würde. Man muss zuhören. Zuhören und vergessen. Und darüber nachdenken, wozu all das geschrieben wurde.

Das ist doch Beilage zur Politik, verstehen Sie? Während des Krieges ist Politik nicht Wort, sondern Tat. Wenn Zelensky seine Idee von Schlägen gegen Russland in die Tat umsetzt, wird das eine reale Antwort sein. Wenn er sie nicht umsetzt, wird auch das eine Demonstration unserer realen Möglichkeiten sein.

Dasselbe gilt für Putin. Wenn er eine ukrainische Stadt nach der anderen in Ruinen verwandelt und ihre Bevölkerungszahl verringert, wird das Realität sein. Wenn er das nicht kann, wird es eine andere Realität geben.

Eisen, Menschen und Geld – das wird unsere Realität in den 2020er und vielleicht auch in den 2030er Jahren im Krieg mit der Russischen Föderation bestimmen, die bereits 2022 vollständig auf einen Abnutzungskrieg gesetzt hat. Und dieser Abnutzungskrieg geht weiter. Nur haben wir in diesem Krieg bereits bewiesen, dass wir ihn zu zweit spielen können. Das ist es, was sich 2026 geändert hat.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Виступ Путіна у Петербурзі: головне | Віталій Портников. 05.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 05.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle:
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Schlag gegen Petersburg vor Putins Ankunft | Vitaly Portnikov. 03.06.2026.

Wenige Stunden vor Beginn des für den russischen Präsidenten Putin wichtigen Petersburger Wirtschaftsforums und vor der Ankunft des russischen Staatschefs bei dieser Veranstaltung steht das Petersburger Ölterminal in Flammen – eines der größten Ölumschlagunternehmen Russlands.

Bewohner von Sankt Petersburg und Gäste des Petersburger Wirtschaftsforums filmen Aufnahmen, auf denen über dem Petersburger Ölterminal und den Gebäuden von Sankt Petersburg Rauchsäulen nach den Einschlägen ukrainischer Drohnen aufsteigen. Dies ist nicht nur ein Schlag gegen eines der wichtigen Ölunternehmen der Russischen Föderation. Es ist auch ein symbolischer Schritt, der daran erinnert, dass ohne die Waffenruhe, die Putin für einige Tage ausschließlich durch die Vermittlung seines amerikanischen Gönners Donald Trump erreicht hatte, keine Parade zum 9. Mai in der russischen Hauptstadt stattgefunden hätte. Und selbst wenn sie stattgefunden hätte, hätten sich Putin und die Gäste dieser Veranstaltung bei einem möglichen Angriff ukrainischer Drohnen auf Moskau oder das Moskauer Gebiet in Luftschutzbunkern verstecken müssen.

Die russischen Luftverteidigungssysteme werden mit den Angriffen ukrainischer Drohnen nicht fertig. Und man kann sich nur vorstellen, was mit dem Luftraum der Russischen Föderation geschehen wäre, wenn die westlichen Verbündeten Russlands nicht nach Wegen zu Vereinbarungen mit Putin gesucht hätten und der Ukraine erlaubt hätten, mit weitreichenden Raketen das Ölraffinerie- und militärisch-industrielle Potenzial der Russischen Föderation sowie die russischen Ölhäfen zu zerstören, um damit dem Funktionieren der russischen Wirtschaft ein Ende zu setzen und Russland zusammen mit seiner Wirtschaft ins Mittelalter zurückzuwerfen.

Und das wäre logisch, denn ein Staat, der selbst versucht, alle um sich herum in die Vergangenheit zurückzuversetzen – sowohl politisch als auch wirtschaftlich –, sollte selbst nicht in der Gegenwart existieren und seine Zukunft auf dem Unglück anderer aufbauen. Und es scheint, dass genau ein solcher Ansatz gegenüber der russischen Wirtschaft die Führung der Russischen Föderation dazu bringen würde, über die Perspektiven einer Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine nachzudenken.

Natürlich sind nun nicht nur die russischen Führer, sondern auch die Gäste des Petersburger Wirtschaftsforums, all diese Schmeichler und Unternehmer aus verschiedenen Ländern, die immer noch über Investitionen in Russland nachdenken, gezwungen, über die Sicherheit ihres Geldes und übrigens auch über ihre persönliche Sicherheit nachzudenken. Der Schlag gegen Petersburg gerade am 3. Juni 2026 ist eine weitere Erinnerung daran, was tatsächlich mit der Sicherheit in Russland geschieht, wie die Luftverteidigung der Russischen Föderation tatsächlich aufgebaut ist, wenn sie nicht einmal am Tag der Ankunft des russischen Präsidenten und anderer hochrangiger Gäste des Forums in Sankt Petersburg das Potenzial besitzt, den Angriff ukrainischer Drohnen abzuwehren und das Ölterminal zu schützen. 

Mehr noch: Sie besitzt nicht einmal die Möglichkeit, den Luftraum über Sankt Petersburg zu schützen. So musste auch der internationale Flughafen Pulkowo seinen Betrieb einstellen und Flüge auf Ausweichflughäfen in Russland umleiten, darunter vor allem auf die Flughäfen eben jenes Moskaus, aus dem die Gäste des Petersburger Wirtschaftsforums nach Sankt Petersburg anreisen wollten. Welch ein bitteres Paradox.

Und natürlich sollte daran erinnert werden, dass sich die heutige Drohnenattacke keineswegs nur gegen Sankt Petersburg und seine Ölanlagen richtete. Einer der Angriffe ukrainischer Drohnen erfolgte auch in der Oblast Tambow, wo eines der wichtigsten Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes der Russischen Föderation tätig ist, das Waffen für die Tötung friedlicher Bewohner der Ukraine herstellt. Über diesen Schlag berichtet lediglich der Gouverneur der Region Tambow, während sich das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation mit Mitteilungen darüber zurückhält, jedoch von Angriffen auf eine ganze Reihe von Föderationssubjekten Russlands spricht und betont, dass es den Russen gelungen sei, diesen Angriff abzuwehren.

Doch wir wissen sehr gut, dass das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation in den meisten Fällen schlicht lügt. Und übrigens lügt es nicht nur uns gegenüber, sondern auch Präsident Putin. Doch diesmal wird es Putin nicht gelingen, weder die Lügen seiner eigenen Militärs noch die Realität zu ignorieren, in der er sich dank seines aggressiven Krieges gegen die Ukraine befindet.

Wenn der Präsident der Russischen Föderation in seine Heimatstadt kommt, um auf dem Petersburger Wirtschaftsforum bedeutungslose aggressive Reden zu halten, wird er die Brände über Sankt Petersburg nicht übersehen können. Sie werden zu einem der Symbole seiner ruhmlosen und grausamen Herrschaft in der Russischen Föderation werden, die vor allem auf Krieg, Mord und die Plünderung fremder Gebiete ausgerichtet ist.

Einst zwang ein russischer Monarch die Ukrainer, die nach der Entscheidung Peters I., die ukrainischen Gebiete endgültig dem Imperium zu unterwerfen, für die Freiheit ihres Landes kämpften, seine neue Hauptstadt zu bauen. Eine Hauptstadt, errichtet auf den Gebeinen ihrer Erbauer. Heute zerstören die Nachfahren jener Menschen, die den Russen diese Stadt errichteten, ihre wirtschaftlichen Kapazitäten, um die Zeit näherzubringen, in der die Nachfahren eines der abscheulichsten Imperien der Geschichte darüber nachdenken müssen, die Vernichtung der Ukraine zu beenden.

Darüber sollte der Präsident der Russischen Föderation nachdenken, wenn er in seinem Konvoi zum Petersburger Wirtschaftsforum fährt und unterwegs auf das Denkmal Peters des Großen blickt, das bis heute eines der Symbole des alten Russlands und seiner Verbrechen bleibt – Verbrechen, die im Laufe der gesamten Weltgeschichte buchstäblich niemals aufgehört haben.


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Titel des Originals: Удар по Петербургу перед приїздом
Путіна | Віталій Портников. 03.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.06.2026.
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Zelensky schreibt an Trump | Vitaly Portnikov. 01.06.2026

Зеленський пише Трампу. Віталій Портников. 01.06.2026.

Volodymyr Zelensky hat Donald Trump einen Brief geschrieben. Nach dem erneuten russischen Angriff auf Kyiv – wieder auf Märkte, Einkaufszentren und Wohnviertel – wandte sich der Präsident der Ukraine an seinen amerikanischen Kollegen mit der Bitte, bei der Verstärkung der Luftverteidigung zu helfen.

Bislang kam die Antwort nur indirekt – vom US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. Ihr Inhalt lässt sich einfach zusammenfassen: Wir werden helfen, soweit wir können. Doch offenbar sind die Möglichkeiten derzeit begrenzt. Nach der Nahostkrise sind die amerikanischen Raketenbestände erschöpft, und es wird Zeit benötigen, sie wieder aufzufüllen.

Diese Logik kann man verstehen. Theoretisch.

Aber die Menschen in Kyiv können nicht darauf warten, bis das Pentagon seine Lagerbestände wieder aufgefüllt hat. Sie leben – oder überleben nicht – schon jetzt unter russischen Angriffen. Und wir verstehen sehr gut, dass Putin nicht beabsichtigt, diese Angriffe einzustellen. Der Luftterror ist zu einem seiner wichtigsten Instrumente in diesem Krieg geworden. Mehr noch: Der russische Präsident versucht, den territorialen Krieg in einen demografischen Krieg zu verwandeln. Er hofft weiterhin, dass mit jedem Angriff die Bevölkerung der Ukraine schrumpfen wird und große ukrainische Städte selbst für diejenigen nicht mehr sicher erscheinen werden, die ihre Häuser bislang nicht verlassen haben.

Und hier stellt sich eine Frage, deren Antwort nicht besonders angenehm klingt.

Wie konnte es dazu kommen, dass die mächtigste Armee der Welt nach nur wenigen Monaten eines begrenzten Konflikts im Nahen Osten bereits nicht mehr in der Lage ist, einen Verbündeten mit einer ausreichenden Anzahl von Luftverteidigungssystemen zu versorgen? Wenn ein einziger Kriegsschauplatz die Ressourcen so stark erschöpft, was wird dann im Falle mehrerer gleichzeitiger Krisen geschehen? Und was bleibt dann von den Vorstellungen über die militärische Macht der Vereinigten Staaten?

Aber gut. Nehmen wir an, dass es so ist.

Was soll die Ukraine dann tun?

Die Antwort existiert, und sie ist nicht neu. Ich muss sie nur immer wieder wiederholen.

Erstens: Europa. IRIS-T, SAMP/T, Patriot-Systeme europäischer Produktion – all das existiert. Das Problem besteht nicht darin, dass es diese Systeme nicht gibt. Das Problem besteht darin, ob die europäischen Länder bereit sind, sie der Ukraine schnell und in ausreichender Menge zu übergeben. Manchmal ist diese Bereitschaft vorhanden. Häufiger muss sie jedoch nach jedem neuen Angriff auf ukrainische Städte erneut erkämpft werden.

Zweitens: die eigene Produktion. Die Ukraine produziert bereits unter Kriegsbedingungen Drohnen und Raketen. Das wird Patriot-Systeme nicht ersetzen, aber es ist eine Realität, die ausgeweitet werden muss. Dafür braucht es Technologien, Komponenten, Investitionen und industrielle Zusammenarbeit mit den Verbündeten. Nicht nur Worte der Unterstützung.

Und schließlich – das Wichtigste.

Der beste Schutz ukrainischer Städte ist die Zerstörung der russischen Möglichkeiten, Angriffe durchzuführen. Fabriken, Lagerhäuser, Logistikzentren, Abschussanlagen. Genau um solche Möglichkeiten bittet die Ukraine ihre Partner seit Jahren. Und genau davor haben viele im Westen noch immer Angst – aus Gründen, die nach jedem neuen Angriff auf Kyjiw, Charkiw, Odessa oder Dnipro immer weniger überzeugend erscheinen.

Das Paradox dieses Krieges ist einfach und grausam. Der Westen gibt der Ukraine einen Schild – und selbst diesen nicht immer in ausreichender Menge –, schränkt gleichzeitig aber oft die Möglichkeiten ein, denjenigen anzugreifen, der die Angriffe ausführt. Und anschließend wundert man sich, warum diese Angriffe nicht aufhören.

Zelenskys Brief war völlig logisch. Hegseths Antwort war vorhersehbar. Aber Briefe und Antworten sind ein Gespräch, keine Strategie.

Eine Strategie beginnt dort, wo man die Möglichkeit hat, den nächsten Angriff auf Kyiv bereits im Ansatz zu vereiteln.

Und zwar möglichst, bevor die Raketen erneut in Richtung ukrainischer Städte fliegen.


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Titel des Originals: Зеленський пише Трампу. Віталій Портников. 01.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 01.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Zelensky fordert von Trump Luftverteidigung | Vitaly Portnikov. 27.05.2026.

Der Präsident der Ukraine Volodymyr Zelensky wandte sich mit einem Brief an seinen amerikanischen Kollegen Donald Trump sowie an amerikanische Kongressabgeordnete, in dem er das Interesse der Ukraine am Erhalt neuer Raketen für Patriot-Komplexe sowie der Luftverteidigungssysteme selbst unterstrich.

Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass die Russische Föderation plant, ihre Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur fortzusetzen und auszuweiten und es der Ukraine in dieser Situation kritisch an Raketen und Luftverteidigungssystemen fehlt. Zelensky wies in seinem Brief auch auf die Angriffe auf die Ukraine mit der Oreschnik hin und betonte, dass die russischen Angriffe nicht nur eine Frage der Sicherheit der Ukraine, sondern auch eine Frage der globalen Sicherheit seien.

Allerdings wird der amerikanische Präsident seinem ukrainischen Kollegen kaum Gehör schenken. Beim heutigen Treffen mit Journalisten erwähnten weder der Präsident der Vereinigten Staaten selbst noch Außenminister Marco Rubio noch Kriegsminister Pete Hegseth die Ukraine überhaupt, als sie Fragen der Journalisten beantworteten. So, als existiere die Frage des russisch-ukrainischen Krieges überhaupt nicht im politischen Wortschatz Donald Trumps.

Die Pressekonferenz zeigte jedoch etwas anderes: dass sich der amerikanische Präsident im Nahen Osten weiterhin in einer Sackgasse befindet. Er kann keine Möglichkeiten finden, sich mit dem Iran zu verständigen, der seinerseits weiterhin die wichtigste Route für die Lieferung von Öl und Düngemitteln, die Straße von Hormus, blockiert, und zugleich fürchtet er, einen neuen Krieg gegen die Islamische Republik zu beginnen, obwohl er Teheran mit Angriffen droht, falls der Iran den amerikanischen Bedingungen nicht zustimmt.

Unterdessen verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation in der Welt und in den Vereinigten Staaten selbst jeden Tag ziemlich ernsthaft. Die Zustimmungswerte Donald Trumps fallen rapide, was seiner Partei bei den Nachwahlen zum amerikanischen Kongress im Herbst eine vernichtende Niederlage drohen könnte.

Und obwohl Trump bei diesem Treffen mit Journalisten betonte, dass ihn die Nachwahlen nicht interessierten, kreisen seine Gedanken in Wirklichkeit nur um sie. Und in dieser Situation hört der russisch-ukrainische Krieg für den amerikanischen Präsidenten natürlich auf, selbst nur eine zweitrangige Frage zu sein, sondern wird überhaupt zu keiner Frage des Interesses mehr, denn jetzt geht es um sein eigenes politisches Überleben und nicht nur um das Überleben der Ukraine.

Andererseits ist Zelenskys Brief gerade deshalb wichtig, weil er es ermöglichen wird, das Interesse der Trump-Administration an unseren Bedürfnissen festzuhalten und seinerseits die Probleme der Ukraine sowie die weiteren Angriffe der Russischen Föderation auf unser Land zu einem Teil des Wahlkampfes in den Vereinigten Staaten zu machen, zu einem Teil der Kritik an jenem politischen Kurs, den Donald Trump nach seiner Rückkehr ins Oval Office gewählt hat.

Und damit kann diese Situation, wenn schon nicht den amerikanischen Präsidenten dazu zwingen, über die Notwendigkeit neuer Luftverteidigungssysteme für die Ukraine nachzudenken, so ihn zumindest dazu bringen, die Lizenz für Russland nicht weiter zu verlängern, die es Moskau faktisch erlaubt, sich der Folgen amerikanischer Energiesanktionen zu entledigen, eigenes Öl an Länder des globalen Südens zu verkaufen und seinen Haushalt zur Fortsetzung des Krieges zu vergrößern.

Was die Luftverteidigungssysteme selbst betrifft, muss man ebenfalls verstehen, wie kritisch sie von der Situation rund um den Iran abhängen. Nachdem die Islamische Republik nicht nur Israel, sondern auch die Länder des Persischen Golfs bombardiert hat, gibt es jetzt, könnte man sagen, eine echte Warteschlange nahöstlicher Verbündeter der Vereinigten Staaten für amerikanische Luftverteidigungssysteme. Und man muss bedenken, dass die amerikanische Administration und die Familie Donald Trumps von diesen Ländern wesentlich stärker abhängen als von der Ukraine und unseren europäischen Verbündeten.

Wenn es gelänge, die Situation mit dem Iran zu regeln, gäbe es zumindest in Ländern wie Saudi-Arabien, Bahrain, Kuwait und Katar keine ernsthaften Befürchtungen, dass Luftverteidigungssysteme ihnen, nun ja, man könnte sagen, bereits gestern und nicht erst morgen benötigt würden. Aber in einer Situation, in der ein Krieg jederzeit beginnen kann, in der die Nachrichtendienste sagen, dass die Information, den Amerikanern sei es gelungen, den Großteil der iranischen Raketen und Drohnen zu zerstören, vorsichtig gesagt übertrieben war, und dass dem Iran tatsächlich noch bis zu 70 % seines Raketenpotenzials zur Verfügung stehen und er bereits die Abschussanlagen wiederherstellt – natürlich wächst dann in Riad oder anderen Hauptstädten der Golfstaaten mit jeder solchen Nachricht das Interesse am Erhalt amerikanischer Luftverteidigungssysteme und Raketen dafür.

Zu unseren Gunsten könnte sich die Situation erst dann ändern und die Voraussetzungen für neue Abwehrraketen schaffen, wenn der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran zumindest irgendwie geregelt wird. Aber die Voraussetzungen dafür sind leider ungefähr genauso groß wie für ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges.

Was soll man in einer solchen kritischen Situation tun? Nun, erstens mit den Europäern zusammenarbeiten, denn die Europäer verstehen, dass der Schutz der Ukraine auch ihr eigener Schutz ist, der Schutz unseres gemeinsamen Kontinents. Und das ist sogar wichtiger, als Donald Trump aus jenem politischen Abgrund herauszuziehen, in den der amerikanische Präsident dank eines der größten politischen Fehler in seiner Geschäfts- und Präsidentenbiografie geraten ist.

Ein weiterer wichtiger Weg ist die Zerstörung russischer Produktionskapazitäten für Raketen und unbemannte Fluggeräte. Denn wenn Russland solcher Möglichkeiten beraubt wird, unter den Bedingungen des Nahostkrieges Raketen aus anderen Ländern zu erhalten, bleiben ihm nur wenige Chancen. Dadurch wird sich zumindest die Intensität des russischen Beschusses in den kommenden Monaten und Jahren des erbitterten russisch-ukrainischen Krieges verringern, und das wird früher oder später den Präsidenten der Russischen Föderation sowie die russische politische und militärische Führung dazu zwingen, nicht einmal über eine Beendigung, sondern zumindest über eine Aussetzung des russisch-ukrainischen Krieges zum Auffüllen ihrer eigenen Arsenale nachzudenken.

Und in einer Situation, in der die Nahostkrise andauert, Russland über Produktionsmöglichkeiten verfügt und die Vereinigten Staaten selbst für den Eigenbedarf einen erheblichen Mangel an Luftverteidigungsmitteln verspüren, davon zu sprechen, dass Trump auf Zelenskys Brief mit irgendeiner realen, ernsthaften Handlung reagieren könnte, wäre eher ein Traum als jenes Ergebnis, mit dem wir rechnen sollten.

Aber an diesen Traum müssen wir nicht nur den amerikanischen Präsidenten erinnern, sondern auch die amerikanische Öffentlichkeit, die begreifen muss, zu welchen Ergebnissen sowohl politische Fehler als auch strategische Fehler hinsichtlich der Gestaltung der Möglichkeiten und Anforderungen des militärisch-industriellen Komplexes der Vereinigten Staaten aus Sicht der Sicherheit geführt haben.


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Titel des Originals: Зеленський вимагає у Трампа ППО | Віталій Портников. 27.05.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 27.05.2026.
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Rubio: Die USA steigen aus den Verhandlungen aus | Vitaly Portnikov. 22.05.2026.

Der Außenminister der Vereinigten Staaten Marco Rubio hat heute faktisch den Ausstieg der Vereinigten Staaten aus dem sogenannten dreiseitigen Verhandlungsprozess zwischen den Vereinigten Staaten, der Ukraine und Russland festgestellt und betont, dass die Vereinigten Staaten keinen Sinn darin sehen, an einem Prozess teilzunehmen, der zu keinerlei konkreten Ergebnissen führt, aber bereit seien, zu den Verhandlungen zurückzukehren, wenn sie irgendeinen praktischen Sinn hätten.

Im Grunde hat der Außenminister der Vereinigten Staaten gerade heute den endgültigen Tod jenes Verhandlungsprozesses festgestellt, der von niemand anderem als dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump initiiert worden war, nachdem dieser zum zweiten Mal ins Weiße Haus eingezogen war. Und wie bekannt ist, setzte man in Washington große Hoffnungen auf diesen Verhandlungsprozess.

Und noch vor einigen Wochen, wenn nicht Tagen, sprach Donald Trump selbst davon, dass die Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und der Ukraine auf irgendeiner unverständlichen Ebene erfolgreich weitergingen und der Krieg zwischen Russland und der Ukraine seinem Ende entgegengehe. Jetzt hat der Außenminister der Vereinigten Staaten im Grunde das Gegenteil festgestellt. Und gerade deshalb lohnt es sich, bei dieser Erklärung des amerikanischen Diplomaten stehenzubleiben, um zu verstehen, was geschieht.

Nun, zunächst einmal muss man, wenn man über die Erklärung von Marco Rubio spricht, verstehen, dass er selbst nie ein großer Anhänger jenes Verhandlungsprozesses war, den Donald Trump begonnen hatte. Und ich erinnere daran, dass Marco Rubio selbst an diesem Verhandlungsprozess praktisch nie real teilgenommen hat. Er traf sich tatsächlich, nachdem Donald Trump ins Weiße Haus zurückgekehrt war, in der ersten Phase der Trump-Regierung mit der russischen Delegation.

Erinnern Sie sich, dass es ein Treffen gab, bei dem Rubio als Außenminister der Vereinigten Staaten anwesend war? Er war noch nicht Nationaler Sicherheitsberater. Ein weiterer Teilnehmer dieser Verhandlungen war Steve Witkoff. Und auf russischer Seite konnte man den Außenminister Russlands Sergej Lawrow und den außenpolitischen Berater des Präsidenten der Russischen Föderation Juri Uschakow sehen. Aber auch dieses Treffen der Beamten führte zu keinerlei konkreten Ergebnissen, und es war kein Teil des russisch-ukrainisch-amerikanischen Verhandlungsprozesses.

Es ist sehr schwer zu verstehen, wer in dem Chaos, das Trump anstelle eines Systems staatlicher Verwaltung der Vereinigten Staaten geschaffen hat, tatsächlich Außenminister ist. Formal bekleidet Marco Rubio dieses Amt, aber ich erinnere daran, dass er schon seit langer Zeit Nationaler Sicherheitsberater des Präsidenten der Vereinigten Staaten ist.

Diese Ämter werden in der amerikanischen Diplomatie nur sehr selten kombiniert. Die einzige Person, scheint es, die ein solches Amt für kurze Zeit in der Ära des Präsidenten der Vereinigten Staaten Richard Nixon kombinierte, war der berühmte Henry Kissinger, auf dessen Gewissen strategische Fehler der amerikanischen Außenpolitik liegen, die die Vereinigten Staaten schließlich in jenen außenpolitischen Abgrund geführt haben, aus dem sie ohne sichtbare Erfolge herauszukommen versuchen.

Rubio bekleidet das Amt des Nationalen Sicherheitsberaters des Präsidenten der Vereinigten Staaten, aber im Unterschied zu Kissinger erinnert sich praktisch niemand an dieses Amt von ihm, nicht einmal in der offiziellen Chronik.

Aktuell ist der Außenminister ein Mensch, der sich gerade mit der Erfüllung der Pflichten eines Beraters des Präsidenten beschäftigt. Er verbringt praktisch die ganze Zeit im Weißen Haus und nicht im Außenministerium. Im Außenministerium erscheint Marco Rubio äußerst selten. Dieses Ressort leitet im Grunde, aus Sicht der praktischen Arbeit, einer seiner Stellvertreter.

Dabei muss man sagen, dass Rubio auch auf diesen beiden Posten – sowohl als Außenminister als auch als Vertreter des Präsidenten für Fragen der nationalen Sicherheit – nicht jene Aufgaben erfüllt, die in der Regel seine Vorgänger erfüllten, sich nicht mit grundlegenden Verhandlungen beschäftigt. Denn der kollektive Außenminister der Vereinigten Staaten sind in Wirklichkeit andere: Trumps Freund Steve Witkoff, Sonderbeauftragter des US-Präsidenten, und sein Schwiegersohn Jared Kushner. Sie führen jene außenpolitischen Verhandlungen, die für Trump wirklich wichtig sind. Wie wir wissen, waren sie bei den russisch-ukrainischen Verhandlungen anwesend und beschäftigen sich jetzt mit dem Wichtigsten: mit den Iran-Verhandlungen, von denen Trumps politisches Schicksal, die Wirtschaft und die Zukunft Amerikas abhängen.

Rubio nimmt an all dem faktisch nicht teil. Er beschäftigt sich mit für Trump eher nebensächlichen Fragen – etwa mit Reisen nach Europa und Gesprächen mit europäischen Außenministern, obwohl die Beziehungen zu Europa für Trump keinerlei Priorität haben. Oder mit der Kuba-Frage, die für Trump ebenfalls keine Priorität darstellt, für Rubio jedoch als ethnischen Kubaner und als jemanden, der natürlich den Zusammenbruch des kommunistischen Regimes auf der Insel erleben möchte, von besonderer Bedeutung ist.

Aber selbst wenn ein solcher Zusammenbruch eintreten sollte, wäre dies für die amerikanische Außenpolitik eher eine nebensächliche Frage – erst recht im Vergleich zu den Herausforderungen, vor denen die Vereinigten Staaten wegen der blockierten Straße von Hormus und der Unmöglichkeit stehen, das Problem des iranischen nuklearen Raketenprogramms zu lösen.

Und es schiene, dass gerade Rubio sich als Nationaler Sicherheitsberater des Präsidenten der Vereinigten Staaten und als Außenminister der Vereinigten Staaten mit diesen Fragen beschäftigen müsste, aber er befindet sich, wie wir sehen, an einem völlig anderen Ort. Daher wäre es aus Sicht der Interessen des Außenministers selbst für ihn gar nicht schlecht, wenn die russisch-ukrainischen Verhandlungen scheiterten, um noch einmal die Hilflosigkeit des kollektiven Außenministers Witkoff und Kushner zu demonstrieren.

Aber man sollte nicht denken, dass Rubio irgendwelche Anstrengungen unternimmt, um diesen Verhandlungsprozess scheitern zu lassen. Er stellt einfach den Tod dessen fest, was gar nicht geboren wurde.

Erinnern wir uns überhaupt daran, wie das alles die ganze Zeit aussah. Trump initiierte seine ersten Gespräche mit Putin bereits im Frühjahr 2025, und jetzt ist Frühjahr 2026, vergessen Sie nicht, es ist nur ein Jahr vergangen, aber es war so voller Informationsereignisse, dass es uns scheinen kann, als sitze Donald Trump schon seit fünf bis sieben Jahren im Oval Office.

Trump initiierte Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine, die Wiederaufnahme dieser Verhandlungen, als Putin mit der Idee der Wiederaufnahme der Istanbuler Verhandlungen auftrat. Zugleich bestand Trump jedoch die ganze Zeit auf der Notwendigkeit einer Waffenruhe als Hauptbedingung für die Fortsetzung des Verhandlungsprozesses.

Als man in Washington sich überzeugt hat, dass die bilateralen russisch-ukrainischen Verhandlungen zu nichts führen, entschied die Administration, dass ihr Eingreifen den Lauf der Ereignisse verändern könne. Damals begannen die Treffen Steve Witkoffs mit Putin. Damals begannen bedingt trilaterale Konsultationen, bei denen es fast nie direkte Gespräche zwischen Moskau und Kyiv gab. Sie fanden erst in letzter Zeit statt.

Und dann musste Trump schließlich auf seine zentrale Verhandlungsidee verzichten. Übrigens auf jene Idee, die er während des iranisch-amerikanischen Krieges umgesetzt hat. Ich erinnere Sie jetzt daran: Wenn Sie sehen wollen, wie echte Verhandlungen über die Beendigung eines Krieges stattfinden sollen, schauen Sie auf die Vereinigten Staaten und die Islamische Republik.

Das Erste, was man in Washington und Teheran erreichte, war eine Waffenruhe. Ja, natürlich kann der Krieg jeden Moment wieder aufgenommen werden, er kann noch ernstere und blutigere Formen annehmen. Wir wissen nicht, welche Entscheidungen Donald Trump treffen wird, natürlich. Aber zugleich muss man auch begreifen: Jetzt wird an der amerikanisch-iranischen Front nicht geschossen, sondern versucht, sich zu einigen.

Dieser Verhandlungsprozess findet statt, jetzt ist der Oberbefehlshaber der pakistanischen Armee, Feldmarschall Munir, in Pakistan, der Premierminister Pakistans Sharif ist jetzt in Peking. Das heißt, es gibt eben solche diplomatischen Bemühungen, reale Bemühungen. Trump wollte Putin dieses Rezept vorschlagen.

Putin lehnte die Idee einer Waffenruhe mehrfach ab. Und dann, praktisch nach dem Gipfel des russischen und amerikanischen Präsidenten in Anchorage, Alaska, verzichtete Trump im Grunde auf diese Idee. Zunächst verzichtete er auf die Idee einer bedingungslosen Waffenruhe und begann zu überzeugen, dass Putin Bedingungen für eine Waffenruhe stellen könne.

Und nach Anchorage ging er überhaupt zu einer noch größeren Kapitulation vor seinem russischen Kollegen über, als er anerkannte, dass Friedensverhandlungen während der laufenden Kampfhandlungen stattfinden können. Was Putin im Übrigen auch wollte.

Offensichtlich konnte Trump hoffen, dass, falls er Putin Verhandlungen während der Kampfhandlungen anbietet, dieser im Gegenzug der Idee einer schnellen Unterzeichnung eines Friedensabkommens zustimmen würde.

In Wirklichkeit brauchte Putin all das vom ersten Tag an nicht. Er hatte nicht vor, an irgendeinem realen Verhandlungsprozess teilzunehmen. Und wie der Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika richtig sagt, zog er die Zeit hinaus.

Wozu? Um normale Kontakte mit dem amerikanischen Präsidenten aufrechtzuerhalten und sich vor irgendwelchen ernsthaften Sanktionen seitens der Vereinigten Staaten zu schützen, was vor dem Iran-Krieg ebenfalls nicht besonders gut gelang, denn wie Sie wissen, wurden Sanktionen gegen Lukoil und Rosneft verhängt, die größten russischen Ölunternehmen, Putins Geldbörsen.

Nachdem der Iran-Krieg begonnen hatte und Trump als Erstes seinen russischen Kollegen anrief, verstand Putin, dass die Kontakte mit Trump nun nicht von den russisch-ukrainisch-amerikanischen Verhandlungen abhängen, und verlor überhaupt jedes Interesse an ihnen.

Man kann sagen, dass auch die amerikanische Seite jetzt absolut nicht an diesen Verhandlungen interessiert ist, weil Trump niemand anderen außer Witkoff und Kushner hat, dem er zumindest ansatzweise vertrauen könnte, besonders in Kontakten mit Putin. Und offensichtlich prägt die Idee wirtschaftlicher Beziehungen mit dem russischen Machthaber weiterhin das Bewusstsein des amerikanischen Präsidenten, während Witkoff und Kushner hoffnungslos im nahöstlichen Anti-Friedensprozess feststecken. Und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass sie da schnell herauskommen.

Wenn Sie von ukrainischen oder russischen Beamten hören, dass Witkoff und Kushner bald nach Kyiv kommen werden, wie uns wiederholt versprochen wurde, oder dass sie in einigen Wochen nach Moskau kommen werden, wie kürzlich der außenpolitische Berater des Präsidenten der Russischen Föderation Uschakow sagte, müssen Sie wissen, dass „in einigen Wochen“ in der Übersetzung aus der bürokratischen Sprache „niemals“ bedeutet.

In der Diplomatie gibt es keine „einigen Wochen“. Die Ankunftstermine bestimmter Menschen werden entweder abgestimmt oder nicht abgestimmt. Das heißt, derzeit gibt es keinen abgestimmten Termin für die Ankunft von Witkoff und Kushner entweder in der russischen oder in der ukrainischen Hauptstadt angesichts der offensichtlichen Sinnlosigkeit dieser Reisen.

Denn die Frage ist nicht einmal, dass Putin sich überzeugt hat, dass seine Kontakte mit dem amerikanischen Präsidenten nicht mehr vom Krieg in der Ukraine abhängen. Er hat sich auch von etwas anderem überzeugt: dass Trump keine Möglichkeiten mehr hat, weiter Druck auf ihn auszuüben. Anstatt die Energiesanktionen gegen die Russische Föderation zu verschärfen, heben die Vereinigten Staaten bereits zum dritten Mal Sanktionen gegen russisches Öl auf und erlauben Ländern des Globalen Südens, und nicht nur ihnen, russisches Öl zu kaufen, das sich derzeit auf See befindet und das Russland trotz aller Angriffe auf russische Ölhäfen und Ölraffinerien weiterhin dorthin ausführen kann, wenn auch nicht in dem Umfang, wie es vor Beginn der Angriffe der ukrainischen Armee auf Ölraffinerien und Ölhäfen der Russischen Föderation der Fall war.

Was bedeutet das für uns praktisch? Dass die Vereinigten Staaten nun schon zweimal hintereinander nach ihrer ersten Entscheidung, Russland eine Lizenz zum Verkauf von Öl zu gewähren, bis zum letzten Tag sagen, dass sie die Erlaubnis nicht verlängern werden, und buchstäblich 24 Stunden vor dem Moment, kurz bevor diese Genehmigung ausläuft, sie wieder verlängern. Das heißt, die Vereinigten Staaten gestehen damit faktisch ihre eigene Ohnmacht ein. Denn es ist offensichtlich, dass der amerikanische Finanzminister Scott Bessent, einer der entschiedensten Befürworter der Verdrängung Russlands vom Energiemarkt als Konkurrenten der USA, alles dafür tun würde, russisches Öl vom Markt zu verdrängen. Doch dazu fehlt ihm die Möglichkeit, weil Donald Trump am bestehenden Ölgleichgewicht festhält. Trump ist sich der verheerenden Folgen bewusst, die eine Blockade der Straße von Hormus durch Iran für seine politische Karriere und möglicherweise sogar für seine persönliche Zukunft und Freiheit haben könnte.

Daher fehlen jene Druckinstrumente, die die Vereinigten Staaten gegenüber Russland vor Beginn des Nahostkrieges hatten, derzeit. Das bedeutet nicht, dass sie immer fehlen werden. Das bedeutet, dass diese Instrumente derzeit fehlen. Natürlich kann man Druck auf die Ukraine ausüben, aber unter den Bedingungen, in denen sich die Vereinigten Staaten derzeit befinden, gelingt ihnen auch das nicht besonders.

Und es ist ebenfalls verständlich, warum. Praktisch hat sich jenes Interesse am Kauf amerikanischer Waffen, das in Kyiv noch mehrere Monate lang bestand, aus dem einfachen Grund verringert, dass der amerikanische Waffenmarkt unter dem Druck jener unüberwindbaren Umstände, die mit den halsbrecherischen Fehlern amerikanischer Politiker und amerikanischer Militärs im Iran-Krieg verbunden sind, wie Chagrinleder schrumpft.

Amerikanische Politiker planten einen Blitzkrieg mit schnellem Machtwechsel. Und hier machte Trump sich genauso zum Narren, wie Putin sich in der Ukraine zum Narren machte – bei viel größerer Stärke Amerikas im Vergleich zu Russland.

Trump, der sich noch vor kurzem über Putin lustig machte, weil dieser seit vielen Jahren in der Ukraine herumwurstelt und seine Aufgaben nicht erfüllen kann, ist im Iran faktisch vollständig den Weg des russischen Präsidenten gegangen, indem er sich eine völlig merkwürdige Sache ausdachte: dass er durch die Vernichtung des Obersten Führers des islamischen Regimes, Ayatollah Khamenei, und seines nächsten Umfelds das Problem des Systems der Macht im iranischen Staat lösen könne.

Eine erstaunliche Unwissenheit und ein Unverständnis dessen, was in der Welt geschieht, sowohl seitens des amerikanischen Präsidenten als auch seitens des israelischen Premierministers, der im Prinzip den jüdischen Staat jetzt an den Rand einer realen, wenn nicht strategischen, dann ganz sicher taktischen Niederlage in der Konfrontation mit einem der gefährlichsten Regime der heutigen Welt für Israel geführt hat.

Aber auch die Militärs haben enorme Fehler gemacht. Es entsteht geradezu der Eindruck, dass sie den russisch-ukrainischen Krieg nicht verfolgt haben, nicht begriffen haben, wie sehr sich der Krieg verändert hat, die Gefahr der Drohnen unterschätzt und im Kampf gegen billige iranische Fluggeräte die teuersten amerikanischen Raketen verschossen haben. Dabei wird sich der amerikanische militärisch-industrielle Komplex noch jahrzehntelang von diesen massiven Verlusten erholen müssen.

Und wenn man sich vorstellt, dass der Krieg wieder aufgenommen wird und genau so weitergeht, wie er war, könnten die Amerikaner gegenüber den Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte schutzlos werden. Das ist es, was jetzt mit den Vereinigten Staaten von Amerika geschieht. Erstaunlich.

Dann stellt sich aber die Frage, was sie uns verkaufen können, wenn sie selbst nicht genug haben und wenn sich für die Luftverteidigungssysteme, die in den Vereinigten Staaten nur sehr langsam produziert werden, weil der amerikanische militärisch-industrielle Komplex auf die neuen Herausforderungen nicht vorbereitet war, inzwischen eine Warteschlange von Ländern gebildet hat, die für Trump deutlich wichtigere Verbündete sind als die Ukraine. Daher ist es schwer, hier Druck auszuüben, wenn man nichts anzubieten hat und wenn praktisch das gesamte Interesse am Thema Ukraine in den Vereinigten Staaten heute nicht so sehr mit Waffen verbunden ist, die es fast nicht gibt, und nicht so sehr mit Geld, das es überhaupt nicht gibt, sondern mit dem Austausch von Aufklärungsinformationen.

Aber derzeit gibt es ein Interesse der Vereinigten Staaten, weil die Ukrainer sie in Drohnenfragen beraten. Und die amerikanischen Militärs sind die Letzten, die jetzt mit der Ukraine Porzellan zerschlagen möchten, weil dies für sie zu viel ernsthafteren Folgen führen kann als für uns, wenn sie, gerade die Amerikaner, keine Aufklärungsinformationen liefern, die durch Informationen aus europäischen Quellen ersetzt werden können.

Deshalb fürchtet nicht nur Putin keinen harten Druck von Trump, sondern auch Zelensky fürchtet ihn nicht. In dieser Situation sind für uns aus Sicht des Drucks sogar die Europäer viel ernsthafter als die Amerikaner. Es ist erstaunlich, dass das so schnell passiert ist, dass Trump Amerika innerhalb eines Jahres wieder groß gemacht hat – allerdings, würde ich sagen, mit einer Konsequenz, die selbst im ersten Monat seines Aufenthalts im Weißen Haus schwer vorherzusehen war.

Das heißt, ich war mir bewusst, dass ein solcher Mensch an der Spitze Amerikas eine Kaskade von Fehlern und Prüfungen bedeutet. Aber ich würde nicht sagen, dass ich damit gerechnet hätte, dass alles derart schlecht ist und dass ein so vollständiges Unverständnis der Welt und der Situation besteht, dass das alles so weit gehen würde. Nun, Zollkriege, okay, das ist wirtschaftliche Unwissenheit, die für einen Immobilienmakler völlig normal ist. Nun, Kakophonie in sozialen Netzwerken. Okay, das ist normal für einen Menschen, der immer im Vordergrund stehen wollte. Nun, die Bereitschaft, gegen feindliche Regime zu kämpfen. Okay, das war aus Sicht des heutigen Selbstbildes Trumps absolut verständlich. Aber dass dies völlig unvorbereitet sein würde, dass sich das System als so, ich würde sagen, unvollkommen und hilflos erweisen würde, das habe ich nicht erwartet, ehrlich gesagt.

Das heißt, das Ausmaß unserer weiteren Prüfungen können wir nie bis zum Ende begreifen, weder 2019 noch 2025. So ist das Leben.

Also stellt sich in dieser Situation die Frage: „Worüber soll man Verhandlungen führen, wenn die Vereinigten Staaten in diesen Verhandlungen nicht als starke Seite auftreten können?“ Praktisch über nichts.

Deshalb kehren wir mit Ihnen einfach zu der Situation zurück, in der wir bis Januar 2025 im Grunde waren, als die Amerikaner mit den Russen keinerlei Verhandlungen über die Beendigung des Krieges führten und die Russen natürlich nicht vorhatten, mit uns irgendetwas zu besprechen, denn unter Verwendung eines Zitats des Präsidenten der Russischen Föderation Putin, das er dem inzwischen ehemaligen Premierminister und vielleicht künftigen Premierminister Israels Naftali Bennett sagte, der 2022 mit einer vermittelnden Friedensmission zu ihm kam und fragte, was er den Ukrainern übermitteln solle, sagte Putin klar: „Sag ihnen, dass ich sie alle vernichten werde.“ Diese Idee bleibt bis zum heutigen Tag die Leitidee des russischen Machthabers, seiner Armee und seines Volkes.

Hier hat sich seit 2022 nichts geändert, nicht einmal um einen Zentimeter. Und nun stellt sich die Frage: Was weiter?

Nun, alles ist einfach. Ich sage immer, dass es weiter nur unsere reale Arbeit an der Schwächung des wirtschaftlichen Potenzials der Russischen Föderation geben kann. Russland wird ohne Geld und Soldaten nicht kämpfen können. Wenn Russland Ressourcen hat, wird der russisch-ukrainische Krieg sowohl in den 2020er als auch in den 2030er Jahren des 21. Jahrhunderts ohne jede Hoffnung auf ein Ende weitergehen.

Aber es stellt sich immer die Frage, ob Russland solche Ressourcen haben wird. Ich werde nicht sagen, dass es irgendeinen realen Bruch im Krieg gegeben hat, aber Sie sehen selbst, dass ukrainische Drohnen und Raketen bereits die entferntesten Punkte in der Russischen Föderation erreichen und Unternehmen des militärisch-industriellen und des Erdölraffineriekomplexes der Russischen Föderation zerstören. Das heißt, man kann sagen, den Körper und das Blut der russischen Wirtschaft.

Ohne Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes wird die russische Armee nicht funktionieren, ebenso wie es ohne Unternehmen des Erdölraffineriekomplexes einfach kein reales Geld geben wird. Wenn Russland keine Möglichkeiten haben wird, sein Öl aus Ölhäfen auszuführen, die wir ebenfalls angreifen, wird das bedeuten, dass keine Präferenzen, die Putin heute von Trump gewährt werden, in dem Maße funktionieren werden, wie es hätte sein können, wenn es solche Angriffe nicht gäbe. Und wenn man berücksichtigt, dass die westlichen Sanktionen gegen die russische Wirtschaft ebenfalls wirken, schafft dies im Prinzip Bedingungen für eine Verschlechterung der wirtschaftlichen und sozialen Situation in Russland.

Dass die russischen Truppen absolut beispiellose Verluste haben, wird faktisch auch in Russland selbst anerkannt. Und derzeit diskutieren viele die Frage, ob Putin eine teilweise Mobilmachung durchführen wird oder nicht.

Aber eine teilweise Mobilmachung ohne Verträge ist leichter gesagt als getan. Erstens verstehen Sie, dass es eine Sache sind Menschen, die für ein Haufen Geld Ukrainer töten gehen und diesen Krieg faktisch als sozialen Aufzug benutzen, weil sie keine anderen Chancen haben, in diesem sozialen Aufzug aufzusteigen. Zweitens – und das muss man ebenfalls klar begreifen – werden Menschen, die nicht für Geld kämpfen, völlig anders kämpfen als jene, die für Geld in den Krieg ziehen.

Die Gefahr besteht auch darin, dass eine große Zahl dieser Menschen, wie wir es bereits 2022 gesehen haben, einfach aus Russland irgendwohin fliehen werden, um nicht in die russische Armee mobilisiert zu werden. Der russisch-ukrainische Krieg ist in Russland aus Sicht der Besonderheiten der Teilnahme jener, die keine Vertragssoldaten werden wollen, äußerst unpopulär.

Und eine solche Mobilmachung verletzt in jedem Fall jenen Gesellschaftsvertrag, den die russische Macht mit der russischen Gesellschaft hat. Und zwar muss man jetzt viel mehr als 2022 mit diesem Gesellschaftsvertrag rechnen, weil der Krieg bereits in die Häuser der Russen gekommen ist, er sich bereits dort niedergelassen hat, bereits klar geworden ist, dass die kommenden Jahre des Krieges tragisch nicht nur für die Ukrainer, sondern auch für die Russen verlaufen werden, dass beide Länder auf einen Waffenstillstand der Ruinen zusteuern, wenn es ihnen in den kommenden Jahren nicht gelingt, zumindest eine minimale Vereinbarung über eine Waffenruhe zwischen Moskau und Kyiv zu erreichen, und dass es nicht so sein wird, dass man uns hier beschießt, tötet, zerstört und so weiter, während die Russen einfach weiterleben und den Krieg nicht bemerken. Nein.

Die Tatsache, dass Drohnen bereits am Stadtrand der russischen Hauptstadt explodieren, ist für die Russen ein viel eindringlicheres Zeugnis dessen, was sie erwartet, als alle Reden Putins. Und unter solchen Umständen auch noch eine Mobilmachung durchzuführen, dürfte äußerst schwierig werden.

Daher sehe ich für den russischen Präsidenten derzeit nicht, natürlich werde ich nicht sagen zu 100 Prozent, Gründe und Bereitschaft, so etwas zu tun. Und ich habe immer gesagt, dass ein realer Verhandlungsprozess dann möglich ist, wenn Putin tatsächlich eine reale Waffenruhe brauchen wird – nicht für Gespräche um der Gespräche willen mit Trump, sondern für eine Atempause seines eigenen Systems und der russischen Armee, um Kräfte zu sammeln für einen neuen, vielleicht umfassenderen und ernsthafteren Schlag gegen die Ukraine in der Zukunft.

Aber bis zur Zukunft muss man, sozusagen, erst einmal durchhalten. Und in dieser Situation werden keinerlei Witkoffs und Kushners gebraucht werden, denn man muss begreifen, dass Witkoff und Kushner Putin nicht als Vermittler bei Verhandlungen mit der Ukraine braucht. Er braucht sie als Leute, die sich manipulieren lassen, damit sie anschließend Trump manipulieren.

Dabei geht es nicht um russisch-ukrainische Verhandlungen, sondern um amerikanisch-russische Beziehungen. Reale russisch-ukrainische Verhandlungen werden höchstwahrscheinlich keine amerikanische Vermittlung brauchen, denn die Amerikaner waren bei diesen Verhandlungen kein realer Vermittler, sondern eine Seite der Nutzung durch uns wie auch durch die Russen.

Wir nutzten Witkoff und Kushner, um uns nicht mit Trump zu zerstreiten, damit der Austausch von Aufklärungsinformationen nicht aufhörte, damit man uns weiter Waffen verkaufte. Putin nutzte Witkoff und Kushner, um Kontakte mit dem amerikanischen Präsidenten aufrechtzuerhalten und nach Möglichkeit Sanktionsdruck seitens Trump zu vermeiden.

Das bedeutet eine einfache Sache: Wenn Vermittler für die Verhandlungsparteien praktisch nur noch ein Instrument zur eigenen Nutzung sind, dann sind sie keine Vermittler mehr. Wenn es also in den kommenden Jahren, vielleicht Monaten, tatsächlich eine Chance geben wird, reale russisch-ukrainische Verhandlungen zu führen, können sie überhaupt ohne Vermittler stattfinden, oder sie können mit anderen Vermittlern stattfinden, die nicht für die Nutzung durch die Seiten wichtig sein werden, sondern weil die Seiten bereit sein werden, ihnen gerade als Vermittlern zu vertrauen. Das ist ebenfalls eine reale Möglichkeit für die Zukunft.

Nun, ich würde sagen, dass das, was wir von Rubio gehört haben, die Feststellung dessen ist, was all diese Monate in Wirklichkeit geschah. Und das Einzige, was mich wunderte, war, dass es Menschen gab, die von diesem Verhandlungsprozess tatsächlich irgendetwas erwarteten. Selbst dann, als die Vereinigten Staaten faktisch feststellten, dass sie an diesem Prozess nicht mehr teilnehmen, waren wir die ganze Zeit bereit, den Erklärungen von Politikern, demselben Trump, mehr zu glauben als der Realität.

Und die Realität ist, dass die Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten, der Ukraine und Russland die ganze Zeit ausschließlich als Theateraufführung stattfanden. Und nach Beginn des Nahostkrieges entfiel für alle Seiten die Notwendigkeit einer Theateraufführung.

Putin und Zelensky müssen in dieser Theateraufführung nicht mehr spielen. Trump muss sich diese Theateraufführung nicht mehr ansehen. Er hat jetzt völlig andere Premieren auf dem Spielplan. Und hinsichtlich der Folgen dieser Premieren hat Trump, wie Sie verstehen, dass Trump wegen des Nahen Ostens tatsächlich massive Kopfschmerzen hat und nicht wegen des russisch-ukrainischen Krieges.

Obwohl ich nicht ausschließe, dass Trump wirklich möchte, dass der russisch-ukrainische Krieg zumindest in nächster Zeit endet, weil er bei den Zwischenwahlen wenigstens irgendwelche Ergebnisse vorlegen muss. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass der russisch-ukrainische Krieg die 45. Frage auf der Tagesordnung des amerikanischen Wählers ist. Aber zugleich gibt es trotz der Zweitrangigkeit dieses Problems für den gewöhnlichen Amerikaner einen Konsens in der amerikanischen Gesellschaft über die Unterstützung der Ukraine und die Nichtunterstützung Russlands.

Und für Trump wäre es tatsächlich wichtig, vieles zu tun, um zu zeigen, dass er ein realer Friedensstifter ist, dass er den russisch-ukrainischen Krieg beendet.

Ich werde einige Fragen beantworten, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Sie sagen, die Russische Föderation habe keine Ressourcen für einen Angriff auf die baltischen Staaten. Wie ist dann zu erklären, dass sie neue Startpunkte für Shaheds bauen?

Portnikov. Ich glaube, Sie hören meinen Kommentaren, die mit einem Angriff Russlands auf die baltischen Länder oder auf irgendwelche anderen NATO-Mitgliedsländer verbunden sind, nicht sehr aufmerksam zu. Ich sage, dass die Russische Föderation kein reales menschliches Potenzial dafür hat, jemanden anzugreifen. Das betrifft übrigens nicht nur einen Angriff auf die baltischen Länder oder Polen.

Das betrifft auch die Möglichkeit eines Angriffs auf die Ukraine vom Territorium Belarus’ aus. Ich sage nicht, dass dieses Potenzial nicht noch entstehen könnte – durch eine Teilmobilmachung oder andere Maßnahmen –, aber derzeit ist die gesamte russische Armee auf die ukrainische Front konzentriert, genauer gesagt auf den Osten der Ukraine. Und sie erleidet solche Verluste, dass es keinerlei zusätzliche Ressourcen der Streitkräfte der Russischen Föderation gibt. Und das schon seit Jahren.

Gerade deshalb erwies sich die Russische Föderation im Südkaukasus praktisch als hilflos und zog ihre sogenannten Friedenstruppen von dort ab. Gerade deshalb erwies sich die Russische Föderation in Syrien als absolut hilflos, und dort fiel das diktatorische Regime Bashar al-Assads. Die Russische Föderation hat im Grunde den realen Vorteil ihrer Stützpunkte im Nahen Osten verloren. Gerade deshalb bereitet sich die Russische Föderation jetzt darauf vor, möglicherweise Teile ihres Afrikakorps aus Mali abzuziehen. Es gibt einfach keine überzähligen Menschen, selbst für eine begrenzte Erfüllung von Aufgaben.

Deshalb wird es keinen Angriff auf die baltischen Länder geben. Denn damit es einen Angriff gibt, muss man Streitkräfte bilden, die bereit sind, sich mit diesem Angriff zu befassen. Und Reserven für sie müssen gebildet werden. Ganz zu schweigen davon, dass niemand garantieren kann, dass diese Streitkräfte nicht einfach vernichtet würden, falls sie irgendwohin verlegt werden — aber rein zahlenmäßig existieren sie schlicht nicht.

Aber das bedeutet nicht, dass keine Shaheds oder Raketen in Richtung NATO-Länder gestartet werden können, wenn in Russland eine grundsätzliche Entscheidung getroffen wird, die NATO-Länder auf ihre Reaktion auf solche Handlungen zu testen. Das ist überhaupt keine Sensation. Ich erinnere Sie daran, dass wir im Luftraum Polens bereits eine ganze Armee von Shaheds gesehen haben, die durch den Luftraum der Ukraine in den Luftraum dieses Landes geflogen sind. Wenn Russland Aufklärungs-Shaheds oder Nicht-Aufklärungs-Shaheds, irgendwelche echten Shaheds, in Richtung eines bedingten Lettland oder Estland startet, kann das absolut sein, aber das ist kein Angriff, das ist eine Provokation.

In hybriden Formen können Provokationen stattfinden, wie Sie verstehen. Stellen Sie sich vor, dass die russische Armee praktisch die Kampfhandlungen auf ukrainischem Territorium eingestellt hat, während Drohnen- und Raketenangriffe weiterhin immer wieder stattfinden. Das sieht doch wie ein anderer Krieg aus, oder? Nun, hier ist die Antwort auf die Frage.

Frage. Ergibt es überhaupt Sinn, über die Haltung der amerikanischen Führung zu diesen Pseudo-Verhandlungen zu sprechen, wenn sie faktisch keinen Einfluss auf den Verlauf der Ereignisse hat und nur versucht, ihre eigene Hilflosigkeit zu verbergen?

Portnikov. Nun, ich denke, es hat Sinn, gerade deshalb zu diskutieren, damit es keine überflüssigen Illusionen über die Möglichkeiten der amerikanischen Führung in dieser Situation, in dieser historischen Periode gibt. Zumal es sich dennoch, ich bitte um Entschuldigung, um die Führung des einflussreichsten Landes der demokratischen Welt handelt. Und jetzt werden Sie sehen, wie man bei dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der G7 in Paris bereits im Juni versuchen wird, Donald Trump davon zu überzeugen, an der Gruppe und an der NATO festzuhalten.

Das militärische Potenzial der Vereinigten Staaten, das wirtschaftliche Potenzial der Vereinigten Staaten verschwindet nicht wegen der Hilflosigkeit der heutigen Administration. Es ist wichtig, dieses Potenzial zu aktivieren und, ich würde sagen, die richtigen Wege für den Dialog mit dieser Administration, für ihre eigene Tätigkeit zu finden.

Frage. Ist der Grund für Trumps Verzicht auf Verhandlungen nicht, dass Russland die Initiative an der Front verliert und zu verlieren beginnt und Trump die Ukraine nicht zur Kapitulation zwingen kann?

Portnikov. Ich denke, für eine wirkliche Niederlage Russlands an der Front müssen noch sehr viele Ereignisse geschehen. Russland verliert derzeit tatsächlich die Initiative an der Front, aber das ist Krieg. Russland kann diese Initiative sowohl verlieren als auch sie wiedererlangen. Ich möchte nicht, dass wir, ich würde sagen, übermäßige Erwartungen schaffen, um dann nicht enttäuscht zu werden. Derzeit haben die Streitkräfte der Ukraine tatsächlich große Erfolge, aber das ist ein starker Feind, der alles Mögliche tun wird, um den Lauf der Ereignisse zu ändern.

Und Trump verzichtet auf Verhandlungen, weil es keine Verhandlungen gibt. Und weil er in dem Zustand, in dem er sich derzeit befindet, nicht nur die Ukraine zu keinerlei realen Zugeständnissen zwingen kann, sondern auch Russland nicht. Und deshalb erweist sich, dass die Verhandlungen selbst für ihn kein Weg zum Erfolg sind.

Übrigens hält man im Weißen Haus vielleicht die Verweigerung von Verhandlungen für einen Anstoß, dass beide Seiten die amerikanische Gunst suchen. Und dann wird allein die Idee einer Wiederbelebung der Verhandlungen bereits die Möglichkeit geben, mit den Russen und Ukrainern irgendwelche Wege zur Beendigung des Krieges zu suchen. Das kann ein solcher Schachzug sein.

Frage. Sie sagen, Starke und Professionelle werden nicht angegriffen. Wie erklären Sie dann den Angriff der Sowjetunion auf Finnland 1939? Japans auf die USA 1941? Deutschlands auf die UdSSR 1941? Den Angriff auf Israel 1973, des Irak auf Kuwait 1990?

Portnikov. Nun, warum glauben Sie, dass der Satz „Starke und Professionelle werden nicht angegriffen“ mit der richtigen Einschätzung der Stärke und Professionalität durch das angreifende Land verbunden sein kann? Wenn du ein starkes, professionelles und vorbereitetes Land angreifst, bekommst du ein reales Ergebnis. Die Sowjetunion gewann 1939 den Krieg gegen Finnland nicht. Japan gewann 1941 den Krieg gegen die Vereinigten Staaten nicht. Deutschland gewann 1941 den Krieg gegen die Sowjetunion nicht. Die Angreifer auf Israel gewannen 1973 den Krieg gegen Israel nicht. Kuwait konnte 1990 Möglichkeiten zur Bildung einer solchen internationalen Koalition finden, die es von der irakischen Besatzung befreite. Die Regime, die all diese Länder angriffen, haben einfach das Niveau der Professionalität und Stärke jener, die sie angriffen, falsch eingeschätzt. Wobei Stärke unterschiedlich sein kann.

Natürlich können wir die Stärke Iraks nicht mit der Kuwaits vergleichen, aber Kuwait hatte starke internationale Unterstützung und sogar die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, ihre eigene Armee für seine Befreiung einzusetzen. Daher geht es nicht einmal darum, ob angegriffen wird oder nicht, sondern darum, welches Ergebnis der Angriff hat. Und natürlich: Wenn Sie ein starkes Land sind, das sich nicht innerhalb weniger Tage besiegen lässt, dann überlegt ein angreifender Staat sehr genau, ob er sich auf einen jahrelangen Krieg einlassen will — wenn ursprünglich ein Blitzkrieg geplant war und kein langer Abnutzungskrieg. Ich denke, Stärke und Professionalität sind gerade die realen Heilmittel gegen all jenen Schrecken, in dem wir in den 2020er Jahren leben und vielleicht auch in den 2030er Jahren leben werden. Mir scheint, dass das einfach ist.

Frage. Bitte kommentieren Sie das Ende des Krieges zwischen den Vereinigten Staaten und Iran.

Portnikov. Ehrlich gesagt sehe ich bislang keinerlei Gründe, das Ende des Krieges zwischen den Vereinigten Staaten zu kommentieren, weil ich keinerlei Wege zu diesem Ende sehe. Bislang haben wir jenen fragilen Status quo, der sich infolge der Waffenruhe, der Blockade der Straße von Hormus durch Iran und der Blockade iranischer Schiffe, die Öl transportieren, durch die Vereinigten Staaten eingestellt hat.

Wie sich das alles weiterentwickeln wird, wissen wir nicht, denn das hängt ausschließlich davon ab, wie geduldig die iranische Gesellschaft noch sein wird. Iran hat ernsthafte wirtschaftliche Probleme. Außerdem hängt es davon ab, in welchem Maß Trump bereit ist, die Wahlaussichten der Republikanischen Partei bei den Zwischenwahlen zu opfern.

Hier gibt es sehr viele Bestandteile für die kommenden Monate, aber vorerst kann der Status quo halten. Trump kann alle paar Tage sagen, dass er Iran noch einige Tage gibt. Ich weiß nicht, inwieweit der amerikanische Präsident einen neuen Angriff auf Iran wagen wird, wenn dieser Angriff ihm nicht die Öffnung der Straße von Hormus garantiert.

Frage. Sollte die Ukraine jetzt einer Waffenruhe zustimmen, wenn Russland sie ernsthaft anbieten würde?

Portnikov. Wenn Russland eine Waffenruhe entlang der Kontaktlinie der Truppen mit anschließenden Friedensverhandlungen anbieten würde, könnte die Ukraine einem solchen Verlauf der Ereignisse natürlich zustimmen, denn das ist das, was wir aus der heutigen Situation bekommen könnten. Ganz zu schweigen davon bis zum Winter, der wiederum sehr schwierig für die Ukraine sein kann. Auch daran muss man denken, dass wir jetzt am Anfang des Sommers stehen, aber es wird noch Herbst und Winter geben. Wenn wir Russland in eine Situation bringen könnten, in der Putin dem ersten Vorschlag Trumps bezüglich der Einstellung der Kampfhandlungen entlang der Trennlinie der Truppen zustimmen würde, wäre das für uns zum heutigen Zeitpunkt ein sehr gutes Ergebnis.

Und wiederum könnte es Russland in jahrelange Friedensverhandlungen hineinziehen, die wegen der Tatsache, dass es zwischen unseren Ländern keinerlei reale Grundlagen für die Unterzeichnung eines realen Friedensabkommens gibt, mit nichts enden könnten. Auch das muss man verstehen und sich darauf vorbereiten. Russland und die Ukraine werden kein Friedensabkommen unterzeichnen, weil die verfassungsrechtlichen Probleme zwischen den beiden Ländern derart sind, dass sie im gegenwärtigen Moment unmöglich zu lösen sind und vielleicht über Jahrzehnte unmöglich zu lösen sein werden.

Man muss verstehen, dass sich beide Völker in einer Atmosphäre gegenseitigen Misstrauens und gegenseitigen Hasses existieren werden. Und die russisch-ukrainische Grenze wird immer eine Grenze des Todes sein, zumindest in unserem Leben. Vielleicht wird sich diese Situation ändern, wenn sich Generationen von Menschen ändern, wenn es keinen neuen Krieg gibt, in 25–30 Jahren. Aber vorerst ist dies ein ziemlich ernstes Problem, das so oder so unsere Sicherheit und unsere Ruhe im kommenden Jahrzehnt real überschatten wird.

Aber das ist kein großes Problem. Das große Problem für uns ist nicht, wie wir mit Russland koexistieren werden, sondern ob wir den Krieg mit Russland beenden, ob es uns gelingt, eine Waffenruhe zu erreichen. Vielleicht wird eine Waffenruhe an der russisch-ukrainischen Front genau jenes reale Ziel sein — unser eigentliches und maximal mögliches Ergebnis in diesem Krieg, das uns den Weg in die Europäische Union und perspektivisch auch in die NATO öffnen könnte. Denn offensichtlich könnten eine solche Waffenruhe und ein Ende des Krieges das russische Regime destabilisieren und Russland selbst vor schwere Probleme stellen.

Kommentar. Man bittet mich, den Rücktritt der Leiterin der Nationalen Nachrichtendienste der Vereinigten Staaten, Tulsi Gabbard, zu kommentieren.

Portnikov. Sie sagt, dass ihr Rücktritt mit der Diagnose ihres Mannes verbunden sei, um den sie sich kümmern muss. Bei ihm wurde eine seltene Form von Knochenkrebs diagnostiziert, und sie möchte an seiner Seite sein. Ich kann mir übrigens vorstellen, dass diese Information, wenn man berücksichtigt, wie die amerikanische Gesellschaft aussieht und wie wichtig solche Wertefragen in Trumps Kreisen sind, absolut realistisch ist, ein absolut menschlicher Schritt.

Allerdings können wir ungeachtet dieser Tatsache klar sagen, dass Tulsi Gabbard für jene Beziehungen, die sich bei ihr mit der Administration und mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten selbst ergeben hatten, rechtzeitig zurückgetreten ist. Sie wissen, dass es bereits Momente gab, in denen sie mit vielen Handlungen führender Mitglieder der Administration nicht einverstanden war, sie wurde zu bestimmten Beratungen nicht eingeladen. Und im Prinzip konnte dies ebenfalls ein Grund dafür sein, dass sie die familiäre Situation nutzte, um dieses Schiff zu verlassen.

Für die Ukraine ist das gar nicht schlecht, denn diese Person kann man schwerlich als jemanden bezeichnen, der gegenüber der Ukraine positiv eingestellt war, während wir wissen, dass sie gegenüber Moskau wiederholt, nun, wenn nicht Sympathien, dann sagen wir so, Verständnis demonstrierte.

Nun, und das ist nicht das erste Mitglied der Administration, das jetzt seinen Posten in der Trump-Administration verlässt. Obwohl ich, wenn man das mit jenen personellen Veränderungen vergleicht, die es in der ersten Phase der Präsidentschaft Donald Trumps gab, sagen würde, dass dies noch eine ziemlich gute Situation ist.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Рубіо: США виходять з перемовин | Віталій Портников. 22.05.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.05.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump bringt Truppen nach Polen zurück | Vitaly Portnikov. 22.05.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump kündigte die Entsendung zusätzlicher 5.000 amerikanischer Soldaten nach Polen an, kurz nachdem Vertreter des Pentagons mitgeteilt hatten, dass 4.000 amerikanische Soldaten aus diesem Land abgezogen würden, obwohl ihre geplante Rotation letztlich nicht erfolgt war.

Die Entscheidung des amerikanischen Militärkommandos, die bereits geplante Rotation eines Teils der Soldaten und der Militärausrüstung, die bereits in Europa eingetroffen war, abzusagen, wurde für die polnische politische und militärische Führung zu einer echten Überraschung, ich würde sogar sagen: zu einer kalten Dusche. Dabei gab es keinerlei Erklärungen dafür, warum die Rotation abgesagt wurde.

Als der amerikanische Vizepräsident J. D. Vance nach den Gründen für die neue Entscheidung der amerikanischen Führung gefragt wurde, bemerkte er, dass die endgültige Entscheidung darüber, wo sich amerikanische Soldaten befinden würden, noch nicht getroffen sei, äußerte zugleich jedoch die bereits gewohnten Vorwürfe gegenüber den europäischen Ländern, die nach Ansicht des amerikanischen Vizepräsidenten entschlossener über eigenständige Verteidigung und Sicherheit nachdenken müssten.

Und danach, als man sich scheinbar bereits mit der Entscheidung abgefunden hatte, dass neue amerikanische Soldaten in Polen nicht erscheinen würden, griff der Präsident der Vereinigten Staaten selbst ein, der die Veränderungen der amerikanischen Politik mit der Wahl von Karol Nawrocki zum Präsidenten Polens erklärte.

Nawrocki, den Trump während des Wahlkampfs unterstützt hatte, wurde nicht heute und nicht gestern zum Staatsoberhaupt Polens gewählt. Er befindet sich bereits seit geraumer Zeit im Präsidentenamt.

Und so kann man annehmen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten einfach nach irgendeiner akzeptablen Erklärung für die erneute abrupte Änderung der Position der Vereinigten Staaten hinsichtlich der Präsenz ihrer Soldaten in Europa suchte und nichts Besseres fand, als diese Entscheidung mit dem Sieg Karol Nawrockis bei den Präsidentschaftswahlen zu erklären.

Hinter diesem scheinbaren Chaos könnte jedoch auch eine eigene Berechnung stehen. Wie bekannt ist, befindet sich Trump in den letzten Wochen in recht schwierigen Beziehungen zum deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz, den er wiederholt kritisierte, insbesondere wegen der Haltung, die die Bundesrepublik gegenüber den Handlungen der Vereinigten Staaten im Nahen Osten eingenommen hat.

Und es ist durchaus möglich, dass jene Truppen, die nun in Polen stationiert werden, wiederum Soldaten sind, die man in Deutschland nicht mehr sehen wird. Das könnte bedeuten, dass die Rotation jener Soldaten, die sich auf polnischem Territorium befanden, wirklich nicht stattgefunden hat. Und Polen wird auf seinen eigenen Militärstützpunkten jene Soldaten erhalten, die zuvor auf deutschem Territorium dienten.

Und die Erwähnung Nawrockis soll hier wie ein gewisser Loyalitätsindikator wirken. Wenn ihr einen Politiker wählt, den Donald Trump sympathisch findet, dann können neue amerikanische Soldaten bei euch erscheinen oder zumindest bleibt jenes Kontingent amerikanischer Soldaten erhalten, das sich bereits auf eurem Territorium befand. Wenn Politiker in euren Ländern es jedoch wagen, mit dem amerikanischen Präsidenten zu polemisieren, wird er als Antwort, nun ja, ich würde sagen: aus Vergeltung, die Zahl amerikanischer Soldaten auf den Stützpunkten in eurem Land reduzieren.

Und wenn wir diesen Ansatz tatsächlich richtig entschlüsselt haben, dann wird das Chaos in der amerikanischen Sicherheitspolitik und in der europäischen Sicherheitspolitik dadurch nicht geringer. Selbst wenn man in Warschau nun erleichtert aufatmen wird – bei jeder neuen politischen Wendung, als Reaktion auf jede neue außenpolitische Äußerung irgendeines polnischen oder deutschen Politikers oder Staatsführers, kann der Präsident der Vereinigten Staaten sofort reagieren, ohne darüber nachzudenken, zu welchen realen Konsequenzen seine Entscheidungen aus Sicht der nationalen Interessen derselben Vereinigten Staaten, Deutschlands und Polens führen werden.

Und eine solche chaotische Entscheidungsfindung, die ausschließlich auf dem Prinzip persönlicher Loyalität basiert – Entscheidungen, die vielleicht gut für das Monopol innerhalb der Republikanischen Partei der Vereinigten Staaten sind, aber nicht besonders angenehm, wenn es um den Kampf um Sicherheit und die Konfrontation mit autoritären Regimen geht –, wird sowohl in Moskau als auch in Peking mit besonderem Interesse wahrgenommen werden, wenn Sie so wollen, als Möglichkeit zusätzlichen Drucks auf europäische Länder, deren Führungen verstehen müssen, dass sie nun nicht mehr auf irgendeine langfristige und strategische Unterstützung der Vereinigten Staaten zählen können, dass sie nun von den Launen des Präsidenten und der guten Beziehung Donald Trumps zu den jeweiligen Führern europäischer Länder abhängen.

Gefällt dem Trump Karol Nawrocki? Dann nehmt 5.000 amerikanische Soldaten. Gefällt dem Trump Friedrich Merz nicht? Dann ziehen wir aus diesem Land 5.000 amerikanische Soldaten ab. Eine einfache Arithmetik von Loyalität und Liebe.

Aber in Wirklichkeit ist das nicht besonders lustig, weil es in jedem Fall die euro-atlantische Solidarität untergräbt und, was am wichtigsten ist, das professionelle Krisenmanagement, das immer die Grundlage amerikanischen Einflusses und jener Politik war, an der der kollektive Westen viele Jahrzehnte festhielt und dank derer er den Kalten Krieg gegen autoritäre Regime gewann.

Heute kann man davon sprechen, dass sich der Westen mit der Geschwindigkeit eines Schnellzugs einer Niederlage in einer solchen Konfrontation nähert. Und möglicherweise haben Wladimir Putin und Xi Jinping während ihres Treffens in Peking gerade darüber gesprochen, wie sie diese Niederlage beschleunigen können.

Aber die Niederlage muss nicht eintreten, wenn man in Europa tatsächlich aufhört, auf die Launen Donald Trumps zu setzen, und statt bei jeder neuen Entscheidung des amerikanischen Präsidenten erleichtert aufzuatmen, darüber nachdenkt, wie Europa seine Sicherheit ohne Rücksicht auf amerikanische Launen gewährleisten kann.

Es ist bereits klar, dass es weniger amerikanische Soldaten in Europa geben wird und dass Donald Trumps Wunsch, eine gemeinsame Sprache mit dem Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin zu finden, immer größer werden wird. Genau das ist die Herausforderung, mit der Europa im fünften Jahr des endlosen russisch-ukrainischen Krieges und angesichts der Bereitschaft Moskaus, die Bedrohungen bereits auf die Nachbarstaaten der Ukraine und Russlands auszuweiten, konfrontiert ist.

Und wenn es immer weniger amerikanische Soldaten geben wird und der europäische Wille, eine eigene Stimme im europäischen Sicherheitssystem zu finden, nicht immer stärker und stärker wird, dann werden Drohnen und Raketen Wladimir Putins bald zu ungebetenen Gästen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel /
Titel des Originals: Трамп возвращает войска в Польшу |Виталий Портников. 22.05.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.05.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Putin will den Krieg bis Ende des Jahres beenden | Vitaly Portnikov. 22.05.2026.

Die Agentur Bloomberg behauptet, dass der russische Präsident Putin den Krieg mit der Ukraine bereits in diesem Jahr beenden möchte, allerdings zu Bedingungen, die es ihm erlauben würden, von einem Sieg Russlands in diesem Krieg zu sprechen.

Zu diesen Bedingungen zählt die Agentur die Herstellung der Kontrolle über das gesamte Gebiet der ukrainischen Regionen Donezk und Luhansk sowie ein umfassendes Sicherheitsabkommen mit Europa, das die Anerkennung der russischen territorialen Gewinne auf ukrainischem Boden als legitim vorsehen würde.

Diese Behauptungen der Agentur lassen sich natürlich nicht aus irgendwelchen unabhängigen Quellen überprüfen. Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Peskow, betonte, dass Putin keinerlei reale Fristen für das Ende des russisch-ukrainischen Krieges festgelegt habe.

Und deshalb stützen sich die Journalisten höchstwahrscheinlich auf Vermutungen, die mit ihrem Dialog mit ehemaligen Vertretern der russischen politischen Elite oder westlichen Diplomaten in Moskau zusammenhängen, die in der Regel die realen Stimmungen in den Korridoren des Kremls nicht besonders gut verstehen und eher ihre eigene Führung damit beruhigen, dass der langjährige russisch-ukrainische Krieg seinem Ende entgegengeht.

Gleichzeitig kann man jedoch auch in den Informationen der Agentur Bloomberg nicht übersehen, dass sich der Krieg zwischen Russland und der Ukraine in einer echten Sackgasse befindet. Die Agentur betont, dass nicht nur Russland jene Ziele nicht erreichen kann, die Putin den russischen Streitkräften gestellt hat, sondern auch die Ukraine ihre strategischen Ziele nicht erreichen kann, die mit der Befreiung der besetzten Gebiete, einem Waffenstillstand oder zumindest bedeutenden Fortschritten bei den Verhandlungen verbunden sind, die vom Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump nach seiner Rückkehr ins Oval Office initiiert wurden.

Die Journalisten können nicht erklären, was Putin tun wird, falls es ihm bis Ende 2026 nicht gelingt, jene Ziele zu erreichen, die er als Zwischenziele für eine Aussetzung seines Krieges gegen die Ukraine betrachten könnte. Ob die Kampfhandlungen weitergehen werden oder ob Putin im Gegenteil einem Ende jener Kampfhandlungen zustimmen wird, die zum Zeitpunkt des Erreichens irgendwelcher Vereinbarungen entlang der Kontaktlinie zwischen den Armeen der kriegführenden Länder stattfinden werden.

Bis zum heutigen Tag gab es kein einziges Anzeichen dafür, dass der russische Präsident bereit wäre, sich mit einer solchen Entwicklung der Ereignisse abzufinden. Zumal viele Beobachter überhaupt der Ansicht sind, dass die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges und die Rückkehr Hunderttausender Söldner von der Front eine größere Bedrohung für das russische Regime darstellen als die Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine in den 2020er und vielleicht sogar in den 2030er Jahren dieses Jahrhunderts, weil Putin keine Antwort auf die Frage der sozialen Rehabilitation jener Menschen geben kann, die riesige Geldsummen für die Tötung von Ukrainern und die Zerstörung ukrainischen Territoriums erhielten.

Es genügt, sich zumindest an den sogenannten Prigoschin-Aufstand zu erinnern, um zu begreifen, dass es in Russland, beim Regime Putins, nicht genügend Kräfte gibt, um bewaffneten Menschen entgegenzutreten, die zu Aufständen und Provokationen bereit sind; dass die Sicherheitsstrukturen der Russischen Föderation – der Föderale Sicherheitsdienst, der Föderale Schutzdienst oder das Innenministerium der Russischen Föderation – ausschließlich effektive Möglichkeiten zur Bekämpfung der Zivilbevölkerung haben, jedoch nicht gegenüber jenen Bürgern Russlands, die aktive Kampferfahrung besitzen.

Gleichzeitig ist offensichtlich, dass jene Ressourcen, über die Putin heute verfügt, für die Fortsetzung des Krieges nicht ausreichen, wenn der russische Präsident die Zeit als seinen wichtigsten Verbündeten im Kampf für das Verschwinden der Ukraine von der politischen Weltkarte oder zumindest für die Besetzung eines größeren Teils des ukrainischen Territoriums betrachtet. Und Beobachter, die mit Journalisten von Bloomberg sprechen, sagen bereits, dass Putin in naher Zukunft zu einer teilweisen Mobilmachung gezwungen sein wird, wenn er seine Armee mit neuen Soldaten auffüllen will, die bereit sind, den Krieg gegen die Ukraine fortzusetzen.

Aber auch hier stellen sich viele Fragen. Wie bekannt ist, ist eine massenhafte Mobilmachung in Russland unpopulär, weil sie im Wesentlichen den Gesellschaftsvertrag zwischen einer Bevölkerung untergräbt, die nicht unmittelbar an der Zerstörung der Ukraine teilnehmen will, und einer Macht, die an dieser Zerstörung interessiert ist. Wie bekannt ist, führte der Versuch einer solchen Mobilmachung zu Beginn des großen russisch-ukrainischen Krieges zu einer massenhaften Emigration Hunderttausender Männer im wehrfähigen Alter aus Russland, die keine Soldaten werden wollten.

Heute könnte eine solche massenhafte Emigration ebenso wie der Entzug Hunderttausender junger arbeitsfähiger Bürger aus der russischen Wirtschaft zu noch ernsthafteren Krisenherausforderungen führen als jene, mit denen die russische Wirtschaft bereits heute konfrontiert ist – noch vor dem Hintergrund ukrainischer Langstreckenschläge gegen die für das Funktionieren dieser Wirtschaft wichtigsten Unternehmen, gegen Unternehmen des militärisch-industriellen und des Erdölraffineriekomplexes.

Und all diese Umstände erlauben es uns tatsächlich, zur Hauptformulierung des russisch-ukrainischen Krieges zurückzukehren. Das ist ein klassischer Krieg in einer Sackgasse, aus der es praktisch keinen realistischen Ausweg gibt, aber dank Putins Unzurechnungsfähigkeit auch keine Möglichkeit für ein Ende der Kampfhandlungen in absehbarer Zukunft.

Natürlich kann Putin hier auf den amerikanischen Präsidenten Donald Trump hoffen und darauf, dass der Führer der Vereinigten Staaten Druck auf die ukrainische Führung ausüben wird mit der Forderung, dass die ukrainische Armee jenes Gebiet der Region Donezk verlässt, das sich heute unter unserer Kontrolle befindet, um für den russischen Machthaber die Illusion eines Sieges über die Ukraine in einem langjährigen Krieg zu schaffen sowie Möglichkeiten zur Vorbereitung eines neuen Krieges gegen die Ukraine – zumindest nach Donald Trumps Ausscheiden aus dem Oval Office, wenn Russland seine Ressourcen für neue Angriffe auf den Nachbarstaat wieder aufgebaut haben wird.

Aber wie wir sehen, hat Trump bislang keinen derart harten Druck ausgeübt, und die ukrainische Führung, die die Folgen solcher Entscheidungen versteht, hat sich Versuchen, territoriale Zugeständnisse zu erzwingen, nicht gebeugt.  Und Vertreter der amerikanischen Administration haben wiederholt betont, dass sie von der Ukraine keine Entscheidungen über einen Rückzug der Truppen verlangen werden und dass dies das souveräne Recht der ukrainischen Führung sei.

Was also wird Putin tun? Mir scheint, dass wir während unseres heutigen Gesprächs eine klare Antwort auf diese Frage erhalten haben.

Putin hat keinen klaren Plan für einen Ausstieg aus dem Krieg, den er im Februar 2022 gegen die Ukraine bereits in größerem Maßstab begonnen hat als den Krieg, der im fernen Jahr 2014 begann. Der russische Machthaber hoffte auf den Triumph eines Blitzkriegs und einen schnellen Austausch der ukrainischen Führung durch Marionetten, die den Weg zur Einverleibung der Ukraine durch Russland eröffnet hätten. Als dies nicht geschah, stellte sich Putin auf einen langjährigen Krieg, auf Zermürbung um, aber auch in diesem Krieg kann er die gewünschten Ziele nicht erreichen.

Und somit hat Putin heute keinen anderen Plan, als die Erfüllung dieser Ziele durch die Fortsetzung eines solchen Krieges zu suchen. Aber auch der Krieg selbst führt nicht zu jenem Ergebnis, auf das er gehofft hatte. Eine wirkliche ausweglose Sackgasse.


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Titel des Originals: Путін хоче завершити війну до кінця року I Віталій Портников. 22.05.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.05.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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