Neuer Pappschilder-Protest | Vitaly Portnikov. 16.07.2026.

Schon seit dem frühen Morgen gibt es in Kyiv und anderen ukrainischen Städten einen neuen Protest mit Pappschildern. Die Teilnehmer der Massenaktionen fordern, Mykhailo Fedorov als Verteidigungsminister der Ukraine im Amt zu belassen, nachdem Informationen aufgetaucht waren, dass Präsident Volodymyr Zelensky ihn nicht für die neue ukrainische Regierung nominieren will. 

Mykhailo Fedorov selbst veröffentlichte einen Abschiedspost in den sozialen Netzwerken, in dem er seine Erfolge als Leiter des Verteidigungsministeriums aufzählte und zugleich betonte, dass es ihm nicht gelungen sei, eine beträchtliche Zahl von Problemen zu lösen, die er, wie man verstehen kann, zu lösen hoffte, wenn er Verteidigungsminister geblieben wäre.

Wie dem auch sei – der Protest hängt gerade mit der Hoffnung der Teilnehmer der Massenaktionen zusammen, dass Mykhailo Fedorov derjenige gewesen sei, der die Lage im Verteidigungsbereich verändern könne. Und natürlich erinnert dieser Protest an die vorherigen Massenaktionen, die mit dem Versuch der Regierung verbunden waren, die unabhängigen Antikorruptionsorgane von einer Vertikale abhängig zu machen, die bei der Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine und damit letztlich im Präsidialamt zusammenlaufen sollte.

Doch die Situation mit dem neuen Pappschilder-Protest ist weitaus komplizierter. Bei den unabhängigen Antikorruptionsorganen ging es um Strukturen, die nicht Teil der präsidialen oder staatlichen Machtvertikale waren. Ihre Leiter wurden in unabhängigen Wettbewerbsverfahren ausgewählt und standen damit außerhalb jener Beziehungen und Kompetenzen, die dem Präsidenten des Landes zustehen. 

Mykhailo Fedorov hingegen war bekanntlich einer der wichtigsten Vertreter des Teams von Volodymyr Zelensky. Man kann sagen, dass er auch einer der Architekten von Zelenskys Wahlsieg im Jahr 2019 war. Die Frage ist nun, inwieweit Fedorov selbst bereit wäre, als Verteidigungsminister in einer Situation zu arbeiten, in der er sich im Konflikt mit einem Menschen befindet, mit dem ihn jahrelange enge berufliche Beziehungen verbunden haben.

Der Konflikt zwischen Mykhailo Fedorov und dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, General Syrsky, sowie anderen Vertretern der ukrainischen Militärführung ist durch den Protest natürlich nicht verschwunden. Und selbst wenn man sich vorstellt, dass der Minister im Amt hätte bleiben können, stünde sowohl der Präsident als Oberster Befehlshaber als auch die Beteiligten dieses Konflikts vor der offensichtlichen Frage, wie sich dieser Konflikt in eine Ebene realer und ernsthafter Zusammenarbeit überführen ließe – und das in einer Situation, in der von einem Ende des russisch-ukrainischen Krieges derzeit überhaupt keine Rede sein kann, sondern nur davon, dass Russland bereit ist, seine Bemühungen zur Zerstörung des ukrainischen Staates weiter zu verstärken. Übrigens ist auch das ein Thema, über das die Staatsführung mit der Gesellschaft nicht spricht.

Dadurch entsteht bei einem großen Teil der Bürger, insbesondere bei der Jugend, die Illusion, der Krieg befinde sich bereits in seiner Endphase, Russland habe kein Potenzial mehr, ihn fortzusetzen, und die Beendigung der Kampfhandlungen an der Front sei lediglich eine Frage der Zeit. Tatsächlich aber kann man ebenso gut von der Perspektive eines langjährigen Krieges sprechen, aus dem es in den kommenden Jahren keinen wirklichen Ausweg geben könnte.

Natürlich besteht auch immer die Möglichkeit, dass der Krieg früher endet. Das würde gerade von erfolgreichen Aktionen der ukrainischen Streitkräfte abhängen, insbesondere von Schlägen gegen das Territorium Russlands selbst. Doch ebenso real erscheint für die kommenden schwierigen Jahre das Szenario einer weiteren Eskalation und der Besetzung neuer ukrainischer Gebiete.

Auch darüber muss mit der Gesellschaft offen und ehrlich gesprochen werden, damit zumindest für die nächsten Kriegsjahre diese Illusionen aus der Tagesordnung der ukrainischen Gesellschaft verschwinden. Auch das geschieht nicht. In dieser Situation konnte der Verteidigungsminister als jener Mensch wahrgenommen werden, der das lang ersehnte Ende des Krieges beschleunigen würde.

Hinzu kommt das Verhalten der Abgeordneten angesichts dieser massiven Proteste. Mykhailo Fedorov ist bereits nicht mehr Verteidigungsminister der Ukraine, weil die Regierung von Julija Swyrydenko zurückgetreten ist – übrigens ebenfalls ohne jede Erklärung, warum dies geschah. Denn wenn der wahre Grund tatsächlich der Konflikt zwischen dem Verteidigungsminister und dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte gewesen sein sollte, hätte man entweder die eine oder die andere Person entlassen müssen, ohne dafür die gesamte Regierung abzusetzen.

Man kann sich vorstellen, dass der Präsident tatsächlich eine solche Entscheidung getroffen hat, um die Entlassung Fedorovs zu verschleiern. Dennoch wirkt dies seltsam. Denn wie wir sehen, sprechen die Demonstranten gerade von der Entlassung des Verteidigungsministers als dem eigentlichen Problem des Staates. Aus ihrer Sicht hat der Rücktritt der gesamten Regierung nichts gelöst und auch nichts verschleiert.

Die Abgeordneten könnten in dieser Situation die Stimmen für die Ernennung eines neuen Verteidigungsministers verweigern. In diesem Fall würde der neue Leiter des Verteidigungsministeriums lediglich geschäftsführend tätig sein. Das könnte die Führungskrise und die Spannungen zwischen dem Verteidigungsministerium und den Streitkräften der Ukraine in einem entscheidenden Moment einer möglichen Eskalation an der russisch-ukrainischen Front sowie angesichts der verstärkten russischen Angriffe auf die Ukraine noch verschärfen. Wir wissen schließlich, dass Präsident Putin derzeit das Zeitfenster nutzt, das sich ihm aufgrund des Mangels an Abfangraketen sowohl in der Ukraine selbst als auch bei unseren Partnern eröffnet hat.

Viel wird von der Haltung Mykhailo Fedorovs selbst abhängen. Er kann sowohl Mitglied des Teams von Volodymyr Zelensky bleiben als auch in den Hintergrund treten – vielleicht in der Hoffnung auf eigene Perspektiven in einer Situation, in der man den politischen Prozess in den kommenden Jahren womöglich ohnehin vergessen muss. Und alle Erwartungen jener, die an einem solchen politischen Prozess teilnehmen wollten, könnten sich als vergeblich erweisen. Denn in den kommenden Jahren eines schweren Krieges, voller Prüfungen und Leiden, werden neue Helden entstehen, neue Menschen, die als Symbolfiguren des Wandels angesehen werden.

Wir können uns heute nicht vorstellen, wie die politische Landschaft der Ukraine aussehen wird, wenn Wahlen beispielsweise erst 2029 oder 2033 stattfinden. Und die Möglichkeit, dass sich der Kriegsverlauf genau in diese Richtung entwickelt, besteht nach wie vor.

Der Pappschilder-Protest ist somit eine ernsthafte Herausforderung für die Staatsführung und eine weitere Demonstration dafür, dass mit den Bürgern kommuniziert werden muss, dass ihre Erwartungen verstanden werden müssen und dass man begreifen muss: Wenn jemand zum Symbol für Wandel und Hoffnung wird, muss mit solchen Erwartungen der Gesellschaft vorsichtig und aufmerksam umgegangen werden.

Denn Volodymyr Zelensky selbst wurde seinerzeit mit Hilfe von Mykhailo Fedorov und anderen zu eben einem solchen Symbol des Wandels. Er müsste daher die gesamte Mechanik des Denkens der Ukrainer verstehen – zumindest jenes Teils der Gesellschaft, der weiterhin auf ein Wunder in Gestalt dieses oder jenes Politikers oder Beamten hofft. Und er sollte durch Personalentscheidungen keine Krisen provozieren, die unter den heutigen Bedingungen schwerster Prüfungen niemand braucht. Das ist in Wirklichkeit ein weit größerer Fehler als die Entlassung des einen oder anderen Ministers in den Regierungen, die Volodymyr Zelensky seit 2019 gebildet hat.


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Titel des Originals: Новий картонковий протест | Віталій Портников. 16.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 16.07.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Zelensky entscheidet über Fedorow | Vitaly Portnikov. 15.07.2026.

Präsident Volodymyr Zelensky teilte mit, dass er sich erst heute Abend nach einem Treffen mit Mychajlo Fedorow und der Führung der Streitkräfte der Ukraine über die Kandidatur des neuen Verteidigungsministers entscheiden werde.

Inzwischen wird deutlich, dass jene Beobachter recht hatten, die davon ausgingen, dass der Rücktritt der Regierung von Julija Swyrydenko vor allem mit dem Wunsch des Präsidenten zusammenhing, den Verteidigungsminister auszutauschen – allerdings so, dass dies nicht wie eine offene Maßnahme gegen Mychajlo Fedorow aussieht. Denn über die Möglichkeit von Veränderungen an der Spitze des Verteidigungsministeriums spricht inzwischen auch Zelensky selbst.

Andernfalls hätte er nicht betont, dass er sich erst nach einem Gespräch mit Fedorow und der Führung der Streitkräfte über die Besetzung des Ministerpostens entscheiden werde. Und das, obwohl in den vergangenen Monaten nur der Faulste nicht über den beinahe offenen Konflikt zwischen dem Minister und dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General Syrsky, gesprochen hat.

Heute sieht es so aus, als habe Mychajlo Fedorow den größten Fehler seiner langjährigen Beamtenlaufbahn gemacht, als er sich bereit erklärte, Verteidigungsminister der Ukraine zu werden. Ja, er war faktisch der dienstälteste Minister in allen Regierungen, die unter Volodymyr Zelensky in unserem Land gebildet wurden. Die ganze Zeit leitete er jedoch das moderne Digitalministerium und war an dessen Spitze der Liebling eines relativ kleinen Kreises von Menschen, die sich vor allem für technologische Veränderungen interessierten. An der Spitze des Verteidigungsministeriums hingegen wurde Fedorow – möglicherweise unerwartet für das Präsidialamt – einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Dabei geht es nicht einmal darum, ob diejenigen recht haben, die meinen, Fedorow sei der effektivste Verteidigungsminister der letzten Zeit gewesen, oder jene, die überzeugt sind, dass seine Tätigkeit zu keinen konkreten Ergebnissen geführt habe. Das Wichtigste ist, dass für jene Menschen, die gestern noch Volodymyr Zelensky als Symbol des Wandels wahrnahmen, nun gerade Mychajlo Fedorow zu diesem Symbol geworden ist. Es genügt, sich die Beiträge in den sozialen Netzwerken anzusehen.

Man könnte also sagen, dass das Publikum Volodymyr Zelenskys sich einen neuen Zelensky gesucht hat. Doch Zelensky selbst dürfte über eine solche Entwicklung kaum erfreut sein – umso mehr vor dem Hintergrund von Berichten über politische Ambitionen des Verteidigungsministers und seine Bereitschaft, künftig ein eigenes politisches Projekt aufzubauen. Selbst wenn Fedorow selbst mit diesen Informationen nichts zu tun hat und sie von jenen verbreitet werden, die den unbequemen Minister möglichst schnell loswerden wollen.

Wie auch immer: Die weitere Entwicklung kann nun mehrere Richtungen nehmen.

Die erste Möglichkeit besteht darin, dass Zelensky nach dem Treffen mit Mychajlo Fedorow und der Führung der Streitkräfte entscheidet, Fedorow nicht für das Amt des Verteidigungsministers vorzuschlagen, ihm stattdessen einen anderen Posten anbietet – den der frühere Digitalisierungsminister allerdings auch ablehnen könnte.

Denn Premierministerin Julija Swyrydenko, die sich offenbar dadurch verletzt fühlt, dass sie in der Geschichte um die Absetzung des Verteidigungsministers lediglich benutzt wurde, hat sich geweigert, Botschafterin der Ukraine in den Vereinigten Staaten zu werden, und damit ebenfalls die Pläne des Präsidentenumfelds durchkreuzt.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass Zelensky nach dem Treffen mit Fedorow und der Führung der Streitkräfte beschließt, den populären Minister erneut für das Amt des Verteidigungsministers vorzuschlagen, im Parlament jedoch nicht genügend Stimmen für seine Bestätigung zusammenkommen. Denn gegen Fedorows Kandidatur könnten Abgeordnete der Regierungsmehrheit stimmen, während die Stimmen der demokratischen Fraktionen, die Fedorow heute offenbar unterstützen und ihn für einen effektiven Manager halten, nicht ausreichen würden, um ihn zum Minister zu bestätigen.

Ein drittes, ebenfalls völlig realistisches Szenario wäre, dass Fedorow nach seiner Nominierung durch Zelenskys als Verteidigungsminister bestätigt wird, sich seine Beziehungen sowohl zur Führung der Streitkräfte als auch zum Präsidialamt jedoch weiter verschlechtern.

In einer solchen Situation müsste Volodymyr Zelensky nach einiger Zeit erneut Personalentscheidungen treffen. Dabei könnte es auch um den Oberbefehlshaber der Streitkräfte gehen. Denn ein Verteidigungsminister, der seine Arbeit an der Spitze des Ministeriums fortsetzen möchte, könnte versuchen, einen Oberbefehlshaber zu finden, mit dem er keine ernsthafte Konflikte hätte. Eine solche Entwicklung könnte Zelensky allerdings missfallen.

Sollte Fedorows Popularität weiter zunehmen, würde dies die Konflikte zwischen dem Präsidenten und seinem Verteidigungsminister weiter verschärfen. Beim nächsten Mal müsste dann nicht einmal mehr die Regierung entlassen werden. Zumal ein neuer Premierminister – anders als seine Vorgänger – möglicherweise doch ein Regierungsprogramm verabschieden lässt, das ihn sowohl vor den Wünschen des Präsidenten der Ukraine als auch vor der Bereitschaft der Abgeordneten schützt, die Regierung jederzeit abzusetzen.

Dann würden wir nach einiger Zeit mit einer neuen Krise konfrontiert sein: einer Krise, in der Zelensky die Entlassung des Verteidigungsministers vor dem Hintergrund eines scharfen Konflikts zwischen dem Ministerium und der Führung der Streitkräfte beschließt.

Oder aber gegen Fedorow wird eine Kampagne zu seiner Diskreditierung gestartet. Denn wir wissen sehr gut, dass zu jenen Beamten, zu denen das Nationale Antikorruptionsbüro (NABU) nicht kommt, das Staatliche Ermittlungsbüro (DBR) kommen kann.

Man kann also davon ausgehen, dass sich die Ereignisse genau in diese Richtung weiterentwickeln werden. Je entschlossener Mychajlo Fedorow versuchen wird, seine Kompetenz als Verteidigungsminister durchzusetzen, desto größer wird das Konfliktpotenzial innerhalb des Verteidigungsministeriums im Verhältnis zum Präsidialamt und zur Führung der Streitkräfte werden.

Das Machtgefüge in der Ukraine selbst begünstigt solche Konflikte, weil es keinen wirklichen einheitlichen Entscheidungs- und Führungszentrum für Verteidigungsministerium und Streitkräfte außerhalb der Entscheidungen des Präsidenten schafft. Wenn ein Staatsoberhaupt, das es gewohnt ist, seit seinem ersten Tag im Amt sämtliche Entscheidungen allein zu treffen, mit einem Konflikt zwischen den Akteuren konfrontiert wird, die ihre Zuständigkeiten im Verteidigungsbereich definieren wollen, und zugleich sieht, dass einer dieser Funktionsträger populärer ist als der amtierende Präsident selbst, führt dies zu einem nachvollziehbaren Ergebnis.

Mit einem ähnlichen Ergebnis waren wir bereits konfrontiert, als der vorherige Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine entlassen wurde, dessen größter „Fehler“ darin bestand, dass er zum Symbol der Verteidigung der Ukraine in dem Krieg geworden war, den Putin am 24. Februar 2022 begonnen hatte.

Auch das ist eine Frage der Symbolik. Doch Symbolik in der ukrainischen Politik, die in den letzten Jahren vor allem mit Image und der Wahrnehmung durch das Publikum und nicht mit den tatsächlichen politischen Herausforderungen verbunden ist, bestimmt die Personalentscheidungen – und wird sie im personalistischen Modell des ukrainischen Staates noch viele Jahre lang bestimmen.


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Titel des Originals: Зеленський визначається з Федоровим |
Віталій Портников. 15.07.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 15.07.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Die Ukraine blieb ohne Regierung | Vitaly Portnikov. 14.07.2026.

Die Werchowna Rada der Ukraine hat heute die Regierung von Julija Swyrydenko entlassen, nachdem die Ministerpräsidentin infolge einer für viele recht überraschenden Entscheidung von Präsident Volodymyr Zelensky ihren Rücktritt erklärt hatte.

Der Rücktritt einer weiteren Ministerpräsidentin während der Amtszeit von Volodymyr Zelensky als Präsident der Ukraine erinnert erneut an jene Krise der Staatsverwaltung, mit der wir ständig konfrontiert sind. Formal leben wir in einer parlamentarisch-präsidentiellen Republik, in der die Suche nach einem Ministerpräsidenten und den führenden Ministern – mit Ausnahme des Verteidigungs- und des Außenministers – eine Prärogative gerade der Werchowna Rada ist, in der eine entsprechende Koalition gebildet werden muss. Tatsächlich entscheidet jedoch das Staatsoberhaupt allein darüber, wer Ministerpräsident wird, und die Abgeordneten müssen lediglich für eine Entscheidung stimmen, die nicht in den Parlamentsbüros, sondern im Büro des Präsidenten getroffen wird. Und man kann sagen, dass das Abgeordnetenkorps in dieser Situation praktisch keine Verantwortung für die Effektivität der Regierung trägt, die es formal selbst ernennt.

Ebenso wenig ist sowohl die Logik der Ernennung eines bestimmten Beamten zum Ministerpräsidenten des Landes als auch die Logik seiner Absetzung von diesem Amt nachvollziehbar. Uns wurde nämlich nicht erklärt, warum gerade jetzt die Entscheidung über den Rücktritt der Ministerpräsidentin getroffen wurde – ebenso wenig, wie jemals erklärt wurde, womit die Entscheidung zusammenhing, den vorherigen Ministerpräsidenten der Ukraine, Denys Schmyhal, zu entlassen, der bekanntlich viele Jahre lang die Regierung leitete und in dieser Regierung weiterhin führende Ämter bekleidet. Dabei wird nicht einmal die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass Schmyhal die Regierungsbüros verlassen könnte.

Warum sollte ein Mensch, der viele Jahre Ministerpräsident war und anschließend die Ämter des Verteidigungs- oder Energieministers sowie des Vizepremiers innehatte, die Regierung nicht weiterhin führen können? Darauf gibt niemand irgendeine Erklärung. Und so entsteht der Eindruck, dass man den Ministerwechsel im Büro des Präsidenten selbst als Nachahmung von Veränderungen unter Bedingungen fehlender Wahlen betrachtet.

Obwohl wir verstehen, dass die Gesellschaft dies – im Unterschied zu den Beamten – keineswegs so wahrnimmt. Viele glauben, dass der Rücktritt der Regierung mit dem Wunsch zusammenhängt, einen einzigen Minister auszuwechseln – Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow, der in letzter Zeit an Popularität gewonnen hat. Möglicherweise einfach deshalb, weil die Gesellschaft nach Menschen sucht, die gerade einen neuen Ansatz für schwierige Fragen und Veränderungen als solche symbolisieren würden.

Wie jede mythologisierte Figur genießt Fedorow derzeit enorme Aufmerksamkeit und Sympathie in den sozialen Netzwerken. Deren Nutzer sprechen sich dafür aus, ihn im Amt des Verteidigungsministers zu belassen, und sind überzeugt, dass es nicht möglich sei, den Verteidigungsminister einfach so zu entlassen. Deshalb habe man beschlossen, den Rücktritt der gesamten Regierung zu beschließen, um den Wunsch des Büros des Präsidenten, den populären Minister loszuwerden, zu verschleiern.

Gleichzeitig bleiben aber auch die Fragen zum Rücktritt anderer Beamter völlig unverständlich, an deren Arbeitseffektivität noch vor wenigen Wochen keinerlei Zweifel bestanden. So sprach man etwa über den Vizepremier für europäische Integration, Taras Katschka, noch vor wenigen Wochen gerade als über den Menschen, der den Prozess der europäischen Integration der Ukraine sowie die Öffnung der Cluster für unser Land effektiv vorangebracht habe – Cluster, die zumindest die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die europäische Integration der Ukraine beginnen konnte. Und nun geht man davon aus, dass die Regierung einen neuen Vizepremier für europäische Integration haben wird.

Warum? Das erklärt niemand. Genau darin liegt das Problem. Es gibt praktisch keinerlei Kommunikation zwischen der Staatsmacht und der Gesellschaft in Bezug auf Personalentscheidungen über Ämter, die die Entwicklung des Staates bestimmen.

Das Verfahren der ordnungsgemäßen Regierungsbildung in einer parlamentarisch-präsidentiellen Republik, in der jeder Minister die Parlamentsausschüsse durchlaufen, erklären müsste, womit er sich tatsächlich beschäftigt hat und womit er sich in seinem Amt beschäftigen wird, existiert nicht – oder es existiert lediglich als leere Formalität. Denn selbst wenn die Position eines Ausschusses nicht mit der Position des Büros des Präsidenten übereinstimmt, liegt die endgültige Entscheidung in der Regel nicht bei den Abgeordneten, die eigentlich über Ministerkandidaten entscheiden müssten, sondern bei jenen Menschen, die formal keinerlei tatsächlichen Bezug zur Regierungsbildung haben.

Somit ist die Ukraine für einen recht kurzen Zeitraum ohne Regierung geblieben – für den Zeitraum, der notwendig ist, um einen neuen Ministerpräsidenten vorzuschlagen, über den man übrigens noch weniger spricht als über die Minister, und ein neues Ministerkabinett zu bilden.

Doch es stellt sich die Frage: Braucht die Ukraine unter solchen Umständen überhaupt eine Regierung? Gibt es in der Ukraine überhaupt eine Regierung? Hat es in der Ukraine seit 2019, als Volodymyr Zelensky die Präsidentschaftswahlen gewann und im Parlament eine Mehrheit auf Grundlage des gerade erst erfundenen Projekts „Diener des Volkes“ mit seiner unklaren, bis heute nicht offengelegten, geheimnisvollen Ideologie und mit unverständlichen, niemandem bekannten Avataren auf den Abgeordnetensitzen geschaffen wurde, überhaupt eine Regierung gegeben, die für ihre eigene Position Verantwortung trägt?

Und von diesem Standpunkt aus kann man nur eines sagen: Wir beobachten seit vielen Jahren einen offensichtlichen Krisenprozess des Systems der Staatsverwaltung selbst. Dass die Staatsverwaltung überhaupt funktioniert und die Ukraine ihr Bestehen als souveräner Staat unter den Bedingungen bewältigt, unter denen ihre Existenz in einem schweren, endlosen Krieg gegen die Russische Föderation auf dem Spiel steht, ist ein wahres politisches Wunder. Dieses Wunder haben wir jedoch nicht den Menschen zu verdanken, die in den Büros des Büros des Präsidenten der Ukraine sitzen, nicht den Regierungsmitgliedern und nicht den Abgeordneten. Dieses Wunder verdanken wir den Streitkräften der Ukraine und der ukrainischen Gesellschaft, dem ukrainischen Volk. Jenen, denen daran gelegen ist, dass der ukrainische Staat selbst unter Bedingungen fortbesteht, unter denen die verfassungsmäßigen Normen der Staatsführung nicht eingehalten werden. Und unter denen Menschen, die Ministerämter oder Mandate der Mehrheitsfraktion innehaben, keine wirkliche Verantwortung für die Folgen ihrer richtigen oder falschen Entscheidungen tragen. Denn sie hängen vollständig von den endgültigen Entscheidungen eines einzigen Menschen im Präsidentenbüro ab.

Also: Möge es eine neue Regierung geben. Letztlich wird es nicht allzu viel davon abhängen, wer in dieser Regierung die Ämter des Ministerpräsidenten oder der Minister innehaben wird.


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Titel des Originals: Україна залишилась без уряду | Віталій
Портников. 14.07.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Verbrüderung. Vitaly Portnikov. 11.07.2026.

Братання. Віталій Портников. 11.07.2026.

Der bekannte Schriftsteller Roman Gul, der während des Ersten Weltkriegs Offizier der russischen Armee war, später in den Truppen des Hetmans Pawlo Skoropadskyj diente und schließlich von der Direktion der Ukrainischen Volksrepublik nach Deutschland deportiert wurde, beschrieb in seinen Erinnerungen und Romanen ausführlich die sogenannte „Verbrüderung“ russischer Soldaten mit Angehörigen der deutschen Armee nach der Februarrevolution von 1917.

Sie begann mit dem Auftauchen von Stapeln von Zeitungen an den russischen Schützengräben, die in schlechtem Russisch gedruckt waren – aber verständlich genug, um zu vermitteln, dass am Krieg die „Gutsbesitzer und Kapitalisten“ interessiert seien, während die „einfachen Menschen“ ihm ein Ende setzen müssten. Nachdem die „einfachen Menschen“ diese einfachen Worte gelesen hatten, liefen sie zu den feindlichen Schützengräben, tranken mit den Deutschen, umarmten sich und tauschten allerlei Dinge aus. Als die Offiziere die Soldaten fragten, ob ihnen bewusst sei, dass ihre deutschen „Brüder“ nur auf Befehl ihres Kommandos aus den Schützengräben kämen, weil es in Deutschland keine Revolution gegeben habe und in der Armee eiserne Disziplin herrsche, stießen sie auf Aggression und die Weigerung, überhaupt über den Sinn dieser Worte nachzudenken. Die Menschen in den Schützengräben – wie das gesamte Russische Reich – waren des Krieges müde und wollten glauben, dass auch der Feind aufrichtig an seinem Ende interessiert sei.

Eine besondere Rolle bei dieser Zersetzung der Front und der Gesellschaft spielten die bolschewistischen Agitatoren, die nach dem Februar 1917 in großer Zahl an der Front auftauchten. Anders als die Vertreter der „traditionellen“ politischen Parteien, die die Soldaten aufforderten, Russlands Verpflichtungen gegenüber den Verbündeten einzuhalten, wiederholten sie Wort für Wort alles, was auch in den deutschen Propagandazeitungen zu lesen war: Dass die „bürgerliche“ Regierung am Krieg interessiert sei, dass die „einfachen Menschen“ ihn nicht bräuchten und die Gutsbesitzer und Kapitalisten eben selbst kämpfen sollten. Genau das war Lenins politisches Programm, das wir aus dem ukrainischen Präsidentschaftswahlkampf von 2019 nur allzu gut kennen. Und deshalb schlug Lenin unmittelbar nach dem Oktoberputsch dem Kongress der Sowjets vor, das Dekret über den Frieden zu verabschieden – den ersten Gesetzgebungsakt der Bolschewiki, der zum Beginn von Verhandlungen über einen gerechten demokratischen Frieden aufrief.

Lenins Problem (genauso wie das Problem von Volodymyr Zelensky hundert Jahre später) bestand darin, dass der Feind überhaupt nicht daran dachte, den Krieg zu beenden. Im Gegenteil: Er wollte das Machtantritt von Politikern, die Frieden anstrebten und die Idee propagierten, ihre Vorgänger seien am Fortbestand des Krieges interessiert gewesen, dazu nutzen, den Gegner endgültig zu vernichten. Die Bedingungen der deutschen Friedensvorschläge von 1918 ebenso wie die Bedingungen der russischen Friedensvorschläge nach dem Machtwechsel in der Ukraine und später, nach dem Scheitern von Putins „Blitzkrieg“, waren ausschließlich ein Programm eben dieser Vernichtung.

Das bolschewistische Regime wurde durch die Fortsetzung des Kampfes der Entente-Staaten gerettet – wenn auch ohne Beteiligung Russlands – sowie durch die Destabilisierung Deutschlands selbst, die paradoxerweise gerade durch Berlins Bemühungen ausgelöst wurde, Russland zu destabilisieren. Denn die Ideen, die für diese Destabilisierung genutzt worden waren, erwiesen sich auch für die deutsche Monarchie als gefährlich. Das war jener sprichwörtliche „schwarze Schwan“.

Auch wir nähern uns dem Flug eines solchen schwarzen Schwans. Denn der Zusammenbruch des wirtschaftlichen Potenzials Russlands könnte dessen Fähigkeit infrage stellen, den Krieg über lange Zeit fortzusetzen. Unsere Streitkräfte arbeiten so effektiv daran, dass selbst Donald Trump die Ergebnisse ihrer Arbeit bemerkt hat.

Was uns jedoch am Überleben und am Sieg hindern könnte, könnte genau dasselbe sein, was zur faktischen Niederlage Russlands – das eigentlich zu den Siegermächten gehören sollte – im Ersten Weltkrieg führte: die innere Zersetzung der Gesellschaft. Immer mehr Menschen kehren, wie wir sehen, zu den Ideen von 1917 oder 2019 zurück: Dass die eigene Regierung am Krieg interessiert sei und ihn einfach nicht beenden wolle, weil sie keine „gemeinsame Sprache“ oder Kompromisse mit Putin finden wolle.

Das ist klassischer Unsinn. Weder Lenin im Jahr 1917 noch Zelensky in unserer Zeit wirken daran interessiert, den Krieg fortzusetzen – auch wenn beide daran interessiert erscheinen mögen, ihre eigene Macht auszubauen. Doch das ist keineswegs dasselbe. Kaiser Wilhelm hingegen oder Putin wirken sehr wohl am Fortbestand des Krieges interessiert, weil sie darin die besten Voraussetzungen sehen, dem Gegner ihre Bedingungen aufzuzwingen. Und die Propaganda vom „Krieg der Bourgeoisie“ ist eines der wichtigsten Instrumente, das ihren Sieg sichern soll.

Russland war nach dem Februar 1917 kein „Land der Gutsbesitzer und Kapitalisten“. Es war ein Land, dessen Bewohner die historische Chance erhalten hatten, das Imperium abzubauen sowie politische und wirtschaftliche Veränderungen einzuleiten. Dafür aber musste man sich zusammenschließen und den Krieg zu Ende bringen – bis zum Zusammenbruch des kaiserlichen Deutschlands blieben nur noch wenige Monate. Wilhelm verlor zwar den Krieg, zerstörte jedoch die Chancen der Völker Russlands, die stattdessen die bolschewistische Variante des Imperiums erhielten – rechtlos, repressiv und verbrecherisch. Zehnmillionen Opfer, enteignetes Land, verstaatlichte Unternehmen, ein neuer Krieg und ein Leben in der Dunkelheit.

Die Ukraine des Jahres 2026 erinnert immer stärker an Russland im Jahr 1917 – im Hinblick auf die Versuche, uns zu spalten. Ja, wir mögen eine ineffektive Regierung haben – doch die einzige Alternative zu unserem Einfluss auf diese Regierung ist die russische Besatzung. Ja, wir haben keine wirksamen Mechanismen der Mobilisierung geschaffen – doch die Alternative zu einer starken ukrainischen Armee ist die Armee Russlands. Ja, vielen mag der Niedergang von Demokratie und Freiheit missfallen – doch zur Wiederherstellung demokratischer Standards können wir erst dann vollständig zurückkehren, wenn wir Staat und Nation bewahrt haben. Und das können wir nur gemeinsam erreichen.

Natürlich nur dann, wenn wir darin übereinstimmen, dass die Ukraine uns allen gehört und den Kampf um sie wert ist. Wenn wir verstehen, dass die Bewahrung eines Landes, das der Feind von der Landkarte tilgen will, unsere gemeinsame Aufgabe ist. Wenn wir bereit sind, auf den bolschewistischen Unsinn von den „einfachen“ und den „nicht einfachen“ Menschen zugunsten unserer gemeinsamen Verantwortung zu verzichten. Wenn wir uns daran erinnern, dass es in demokratischen Staaten keine „einfachen“ oder komplizierten Menschen gibt, sondern nur Bürger.

Verantwortungsbewusste Bürger.

Und wenn es keine Bürger gibt, wird es auch keine Ukraine geben.

Dann wird es Russland geben.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Братання. Віталій Портников. 11.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 11.07.2026.
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Plattform / Quelle: Zeitung
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NATO gegen Putin: Warum der Westen die Ukraine nicht aufgegeben hat. Kolumne von Vitaly Portnikov. 09.07.2026.


Volodymyr Zelensky trifft Donald Trump auf dem NATO-Gipfel in Ankara, 8. Juli 2026. Foto: SAUL LOEB/AFP/East News

НАТО против Путина: почему Запад не отказался от Украины. Колонка Виталия Портникова. 09.07.2026.

Eine Militärhilfe für die Ukraine in Höhe von 140 Milliarden Euro für die kommenden zwei Jahre – das ist wohl das wichtigste Signal, das die Staats- und Regierungschefs der NATO Putin während des Gipfels in Ankara gesendet haben, meint der ukrainische Journalist und Publizist Vitaly Portnikov. Eine derart beeindruckende Summe bedeutet, dass die Ukraine nicht ohne Unterstützung bleiben wird und es dem russischen Präsidenten nicht gelingen wird, seine Ziele im russisch-ukrainischen Krieg zu erreichen – wie auch immer diese aussehen mögen. Zudem wurde Russland in der Abschlusserklärung des Gipfels in Ankara als langfristige Bedrohung für die Sicherheit des Bündnisses eingestuft. Das bedeutet, dass sich die NATO nicht grundlos aufrüstet, sondern um Putin abzuschrecken.

Auch Donald Trump hat den Ton seiner Äußerungen zum russisch-ukrainischen Krieg verändert. Bei seinem Treffen mit Volodymyr Zelensky versprach er der Ukraine eine Lizenz zur Produktion von Raketen für Patriot-Luftabwehrsysteme, unterstützte ukrainische Angriffe auf Russland und machte sich über Wladimir Putins Idee lustig, russisch-ukrainische Verhandlungen in Moskau abzuhalten. Gelacht hat er übrigens gemeinsam mit Zelensky, dem es – nicht ohne Trumps Hilfe – gelang, das Gespräch über Verhandlungen in Moskau in eine humorvolle Szene zu verwandeln, die daran erinnerte, dass Moskau derzeit wegen der ukrainischen Drohnen am Himmel über der russischen Hauptstadt kein sicherer Ort ist.

Diese Stimmung Trumps überträgt sich natürlich auch auf seine Bündnispartner, die ihre Positionen mit dem amerikanischen Präsidenten abstimmen. Zelensky sprach in Ankara auch mit denjenigen, mit denen der Dialog in den vergangenen Wochen offensichtlich schwierig gewesen war – mit dem polnischen Präsidenten Karol Nawrocki und dem ungarischen Ministerpräsidenten Péter Magyar. Auch diese Treffen sind ein wichtiges Zeichen der Normalisierung.

Natürlich ist es noch zu früh, von einem tatsächlichen Ende des Krieges zu sprechen – im Kreml will man davon offensichtlich nichts hören. Man kann jedoch von etwas anderem sprechen: vom Scheitern der Moskauer Berechnung, der Krieg werde durch amerikanischen Druck auf die Ukraine beendet. Offenbar ist Donald Trump inzwischen der Ansicht, dass der Druck vielmehr auf Russland ausgeübt werden müsse – und zwar nicht nur durch Sanktionen, sondern auch durch militärische Angriffe auf strategische Objekte der russischen Wirtschaft.

Die Hoffnung, der Westen werde die Finanzierung verweigern, ist erneut gescheitert. Noch vor Kurzem dachte man im Kreml ähnlich über die von der Europäischen Union bereitgestellten Mittel und versuchte, das Hilfspaket für Kyiv mithilfe des inzwischen politisch in den Hintergrund getretenen Viktor Orbán zu blockieren. Bemerkenswert ist, dass es sich bei der NATO nicht einfach um irgendeinen abstrakten Konsens handelt: Für die Einigung über die Bereitstellung der Mittel waren auch die Zustimmung des slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico sowie das Ausbleiben von Einwänden der neuen Regierungschefs Bulgariens und Tschechiens, Rumen Radew und Andrej Babiš, erforderlich. Es zeigt sich, dass sie zwar Erklärungen über die Notwendigkeit einer diplomatischen Lösung des Problems abgeben können, sich jedoch offensichtlich nicht bereit sind, gegen den Mainstream zu stellen.

Und das spricht vom Scheitern einer weiteren Moskauer Kalkulation – nämlich der Annahme, die Stärkung ultrarechter und ultralinker Politiker, die zu einem Einvernehmen mit Russland bereit sind, werde die Positionen des Kremls stärken und die Hilfe für die Ukraine blockieren. Populisten gelangen tatsächlich an die Macht – und dieser Trend könnte sich fortsetzen.

Doch sobald die früheren Befürworter einer „diplomatischen Lösung“ im Präsidenten- oder Ministerpräsidentensessel sitzen, beginnen sie, die Meinung Washingtons und Brüssels deutlich ernster zu nehmen. Denn es ist das eine, in Moskau Geld für sich selbst und die eigene Partei zu finden. Etwas ganz anderes ist es jedoch, über Verbesserungen im eigenen Land nachzudenken: Davon hängen letztlich sowohl die Fortsetzung der politischen Karriere als auch der Machterhalt ab.

Und genau hier hat Putin mit seiner Benzinkrise überhaupt nichts mehr anzubieten. Der russische Präsident hat offenbar nicht nur den Schlüssel zu den Herzen jener verloren, die bereit waren, mit ihm Geschäfte zu machen und die Augen vor dem Krieg und den Verbrechen des Putin-Regimes zu verschließen.

Er hat auch den Schlüssel zur Tankstelle verloren.


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Titel des Originals: НАТО против Путина: почему
Запад не отказался от Украины.
Колонка Виталия Портникова. 09.07.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 09.07.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Trump–Zelensky: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 08.06.2026.

Diese unsere Sendung wird dem für die Ukraine wichtigsten Ereignis gewidmet sein – man kann sagen, nicht einmal nur des heutigen Tages, sondern der letzten Wochen, vielleicht sogar Monate: dem Treffen des Präsidenten der Ukraine Volodymyr Zelensky mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump während des Gipfels des Nordatlantischen Bündnisses in Ankara. Und das vor dem Hintergrund, wie Sie wissen, schwerer ballistischer Angriffe der Russischen Föderation auf Kyiv und andere ukrainische Regionen, vor dem Hintergrund der weitreichenden Schläge der Ukraine gegen wichtige Ölraffinerie- und Militärobjekte der Russischen Föderation.

Und man kann sagen, dass wir eine gewisse Eskalation des russisch-ukrainischen Krieges beobachten, eine Eskalation vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts. Und dieser Konflikt wirkt sich ziemlich ernsthaft auf unsere Verteidigungsfähigkeit aus, denn wir haben die letzten Überflüge russischer ballistischer Raketen über der ukrainischen Hauptstadt gesehen, als es praktisch schon nichts mehr gab, womit man sie hätte abschießen können. Deshalb galt diesem Treffen eine solche Aufmerksamkeit.

Ich möchte Sie erneut daran erinnern, dass dies seit langer Zeit das erste koordinierte, geplante Treffen zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine ist. Das Treffen, das buchstäblich vor einigen Wochen stattfand, das Treffen in Évian beim G7-Gipfel, war ein Treffen am Rande, das, kann man sagen, in aller Eile vom Präsidenten der Französischen Republik Emmanuel Macron organisiert wurde, nachdem der Präsident der Ukraine Volodymyr Zelensky erfahren hatte, dass kein Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten geplant war. Damals fand ein Dreiertreffen zwischen den Präsidenten der Ukraine, der Vereinigten Staaten und Frankreichs statt, später auch ein bilaterales Treffen zwischen der amerikanischen und der ukrainischen Delegation. Aber das war eben ein sogenanntes Treffen am Rande, das sich von jenen Treffen unterschied, die Donald Trump damals mit anderen Staatsoberhäuptern hatte.

Worin unterscheidet sich ein solches Treffen vom anderen? Darin, dass ein geplantes Treffen sorgfältig vorbereitet wird, dass die Teams der Präsidenten im Voraus an der Vorbereitung dieses Treffens beteiligt sind, dass genau jene Fragen besprochen werden, die nicht einfach während der Diskussion zwischen den Präsidenten auftauchen, sondern zuvor von ihren Beratern durchgearbeitet werden, damit die Präsidenten grundsätzlich verstehen, womit sie rechnen können und was sie versprechen können und was sie nicht versprechen können. Aus dieser Sicht kann man das heutige Treffen natürlich, zumindest den Worten nach, als sehr wichtig und als ergebnisreich betrachten.

Nun zu den wichtigsten Punkten, über die man gleich zu Beginn unseres Gesprächs sprechen muss.

Der erste Punkt ist, dass Donald Trump betonte, die Vereinigten Staaten könnten der Ukraine eine Lizenz zur Produktion von Raketen für Patriot-Batterien erteilen. Für uns ist das, wie Sie verstehen, eine dringende Frage, denn bei Raketen für Patriot-Batterien ist nach dem amerikanisch-iranischen Krieg ein offensichtlicher Mangel entstanden, nachdem das amerikanische Militär sie in unglaublicher Menge eingesetzt hatte und mit diesen Raketen nicht nur iranische ballistische Raketen zerstörte, sondern möglicherweise auch andere militärische Technik, mit der die Iraner Militärobjekte der Vereinigten Staaten und der Staaten des Persischen Golfs angriffen, vielleicht sogar Drohnen.

Und ein solcher Umgang mit den extrem teuren Patriot-Raketen hat eine ernste Lücke in ihren Beständen in den Vereinigten Staaten selbst geschaffen. Hinzu kommt, wie Sie verstehen, dass es jetzt eine riesige Warteschlange für diese Raketen unter den Verbündeten der Vereinigten Staaten gibt. Dazu gehören Israel, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere Länder des Persischen Golfs, und nicht nur sie. Denn selbst Länder wie Japan, die Patriot-Raketen in Lizenz herstellen, aber in sehr kleiner Stückzahl, können angesichts der Bedrohung durch die Volksrepublik China ebenfalls an einer größeren Menge interessiert sein. Und Taiwan ebenso.

Sie sehen ja, dass derzeit, kann man sagen, Destabilisierung und Eskalation in der ganzen Welt stattfinden. Das ist die Zeit vor dem Dritten Weltkrieg, der vielleicht nicht beginnt, aber das Gefühl ist überall so. Und wenn dieses Gefühl vorhanden ist, dann braucht man Raketenabwehr gegen ballistische Raketen. Umso mehr, als ballistische Raketen heute sowohl von der Russischen Föderation als auch vom Iran und von anderen Ländern, die zu einer militärischen Konfrontation mit der zivilisierten Welt bereit sind, in Mengen produziert werden, die die Möglichkeiten zur Herstellung antiballistischer Raketen deutlich übersteigen.

Deshalb ist es in dieser Situation natürlich notwendig, dass die Ukraine die Möglichkeit hat, ihre eigene Raketenabwehr gegen ballistische Raketen zu produzieren, insbesondere Raketen für Patriot-Systeme. Und natürlich ist es wichtig, dass auch Europa solche Raketen produzieren kann, aber beginnen wir zunächst mit der Ukraine.

Die Frage, ob die Vereinigten Staaten bereit sein würden, der Ukraine solche Möglichkeiten zu geben, lag in der Luft. Darüber sprach der Präsident der Ukraine Volodymyr Zelensky vor dem NATO-Gipfel, insbesondere in seiner gestrigen Rede auf dem Forum für Verteidigungstechnologien. Diejenigen, die meinen Kanal sehen, konnten die Besprechung dieser Rede verfolgen und wissen, dass dies ebenfalls der wichtigste Aspekt der Rede Volodymyr Zelenskys auf diesem Forum war.

Dieses Ergebnis gibt es also. Hoffen wir, dass es konkretisiert wird, aber grundsätzlich reicht eine solche Erklärung des Präsidenten der Vereinigten Staaten aus, damit die amerikanische Bürokratie zu arbeiten beginnt.

Der zweite Punkt ist, dass Putin nicht auf großes Mitgefühl Trumps wegen weitreichender Schläge gegen die Russische Föderation hoffen kann. Trump hat unsere Schläge, deren Ziel es ist, die russische Wirtschaft in die Knie zu zwingen und der Russischen Föderation ihr Ölraffineriepotenzial, ihre Militärfabriken sowie ihre Ölhäfen, über die Öl transportiert wird, zu nehmen, positiv aufgenommen. Das heißt, alle möglichen Bedingungen für den Zusammenbruch der russischen Wirtschaft zu schaffen und die Russische Föderation in ein Land zu verwandeln, in dem es nicht einmal mehr möglich sein wird, Krieg zu führen, sondern auch unter den Bedingungen einer schweren Wirtschaftskrise normal zu existieren.

Ich meine, gerade diesen Zusammenbruch der russischen Wirtschaft, des sozialen Bereichs und des militärisch-industriellen Komplexes muss man im Rahmen der Regelung des russisch-ukrainischen Krieges anstreben. Denn ein armes Russland, ein Russland, in dem die Menschen nach Möglichkeiten suchen, zu überleben, ist ein friedliches Russland. Ein reiches Russland ist ein aggressives Russland. Das muss eine klare Formel sein.

Wir sehen: Sobald Russland reich wird, gibt es Geld dafür aus, zu töten, zu zerstören, zu stehlen, zu vergewaltigen. Also muss unser Kurs auf ein armes, hilfloses Russland beibehalten werden. Und der Präsident der Vereinigten Staaten sagt, dass eine solche Eskalation eine wichtige Voraussetzung für das Ende des russisch-ukrainischen Krieges ist. Auch das hat er bereits verstanden.

Diesen Worten des amerikanischen Präsidenten schloss sich übrigens auch der Außenminister der Vereinigten Staaten Marco Rubio an, der ebenfalls sagte, dass weitreichende Schläge der Ukraine gegen Russland zur Beendigung des Krieges beitragen.

Hier muss man ebenfalls verstehen, dass Menschen in solchen Situationen eine echte Möglichkeit bekommen, das zu sagen, was sie wirklich denken. Marco Rubio war, als er Senator war, einer der wirklichen Falken in der amerikanischen Außenpolitik gegenüber der Russischen Föderation und anderen aggressiven terroristischen Organisationen der heutigen Welt. Er war ein Verbündeter des verstorbenen Senators John McCain, der ein aufrichtiger Freund der Ukraine war und ebenfalls Anstrengungen unternahm, um zur Degeneration der russischen Wirtschaft beizutragen.

Nachdem Marco Rubio jedoch begann, in der engsten Umgebung Donald Trumps Karriere zu machen – was in der heutigen Republikanischen Partei Karriere machen bedeutet –, wurde er natürlich in seinen Aussagen gegenüber Moskau viel vorsichtiger, da er die Prioritäten des amerikanischen Präsidenten kannte.

Jetzt, da Trump seine Position vor unseren Augen ändert, kann Rubio sich erlauben, das zu sagen, was er in der Situation des russisch-ukrainischen Krieges für notwendig hält. Und wir sehen, dass er ein aufrichtiger Unterstützer weiterer Schläge gegen Russland ist.

Der dritte Punkt, der ebenfalls ziemlich wichtig ist: Trump besteht weiterhin darauf, dass der russisch-ukrainische Krieg beendet werden muss und dass dafür Anstrengungen unternommen werden müssen. Aber er verlangt von der Ukraine keine demütigenden Zugeständnisse, über die man im Kreml weiter spricht.

Zwar fiel heute der Satz über eine Reise nach Moskau, aber dieser Satz wurde unerwartet zu einem echten Meme. Man muss Volodymyr Zelenskys Schlagfertigkeit anerkennen. Denn auf Donald Trumps Frage, ob er bereit sei, nach Moskau zu reisen, antwortete der ukrainische Präsident sofort, dort sei es gefährlich, weil viele ukrainische Drohnen am Himmel seien, und es sei doch besser irgendwo in Europa.

Man kann sich vorstellen, in welche Raserei diese Worte den Präsidenten der Russischen Föderation Putin und sein engstes Umfeld versetzen werden. Denn der ukrainische Präsident hat den russischen Machthaber buchstäblich verspottet, ungeachtet der Fortsetzung all jener terroristischen Handlungen, zu denen Putin greift, um die Ukrainer einzuschüchtern und sie zur Kapitulation vor Moskau zu zwingen. Jetzt wird das natürlich vor dem Hintergrund dieses Treffens schwieriger werden. Das ist also der dritte wichtige Punkt bei diesem Treffen.

Ebenfalls wichtig ist, dass wir von Donald Trump Komplimente an Volodymyr Zelensky hörten. Worte darüber, dass er seit ihrem Treffen im Oval Office bis heute gute Beziehungen zu Zelensky aufgebaut habe.

Nun, wir alle erinnern uns sehr gut daran, was im Oval Office geschah, als Donald Trump und Volodymyr Zelensky dort zum ersten Mal gemeinsam auftraten. Ich meine, was dort für ein ungeheurer Skandal ausbrach und wie wir uns damals wegen des russisch-ukrainischen Krieges und der amerikanisch-ukrainischen Beziehungen sorgten.

Jetzt verhält sich Trump, wie Sie sehen, völlig ruhig dazu. Mehr noch, er erwähnt die Interessen der Vereinigten Staaten aus der Sicht der Entwicklung der Beziehungen zur Ukraine, erwähnt die seltenen Erden. Wie wir sehen, hat er dieses Abkommen noch nicht vergessen. Er sagt, Zelensky werde ein großartiges Land aufbauen. Und ich verstehe das so, dass es in Trumps Vorstellung praktisch unmöglich ist, ein großartiges Land ohne amerikanische Investitionen aufzubauen.

Das ist also im Prinzip eine Reaktion, die, würde ich sagen, davon zeugt, dass Trump dem ukrainischen Präsidenten und dem ukrainischen Staat mit deutlich mehr Respekt begegnet als noch vor einem Jahr. Hier haben Sie eine deutliche Bestätigung der Tatsache, dass man, um mit dem amerikanischen Präsidenten normale Beziehungen aufzubauen, keineswegs auf jeden seiner Köder eingehen muss. Auch das muss man klar verstehen.

Und noch ein Punkt, über den man in dieser Situation sprechen muss: Trump schloss sogar seine Reise nach Kyiv nicht aus. Ja, er sagte, er wisse nicht, wie sein Secret Service darauf reagieren werde, und dass er sehr gerne hätte, dass alles schnell zu Ende gehe. Und wir verstehen, dass man kaum mit seiner Ankunft in der ukrainischen Hauptstadt während einer ballistischen Bedrohung rechnen sollte.

Gleichzeitig müssen wir aber klar begreifen, dass allein die Tatsache, dass Trump bereits über eine Reise nach Kyiv, in die Ukraine, nicht mehr als über etwas Unerreichbares spricht, ebenfalls von einer Änderung seiner Haltung zum russisch-ukrainischen Krieg und zur Ukraine als solcher zeugt.

Vielleicht erinnern Sie sich, dass er früher nach Moskau reisen wollte. Und diese Reise hat, wie Sie sehen, nicht stattgefunden, und kaum werden wir den amerikanischen Präsidenten in nächster Zeit – noch dazu nach solchen Worten, noch dazu nachdem Trump die Schläge gegen russische Fabriken gutgeheißen hat – im Kreml sehen.

Und noch ein Punkt, über den ich vor dem Hintergrund dieses Treffens der amerikanischen und ukrainischen Präsidenten sprechen möchte. Trump will den Präsidenten der Russischen Föderation anrufen, um ihm von diesem Treffen zu erzählen. Nun werden wir sehen, wie Putin reagieren wird und wie er das Gespräch zwischen Zelensky und Trump sowie die Worte des amerikanischen Präsidenten aufnehmen wird, dass weitreichende Schläge gegen Russland dazu beitragen, den Krieg zu beenden; dass die Amerikaner nun das Ende des Krieges nicht mehr durch Zugeständnisse an die blutige russische Führung und ihre ganze Bande erreichen wollen, sondern durch weitreichende Schläge – und dass sie sogar bereit sind, die Ukraine dabei zu unterstützen, wie Marco Rubio heute erneut erklärte.

Natürlich sollte man nicht meinen, ein einziges Treffen habe stattgefunden und nun sei alles entschieden und erledigt. Aus dem einfachen Grund, dass, wie Sie verstehen, auch der Hintergrund dessen, was in der Welt geschieht, für den russisch-ukrainischen Krieg und für unsere Suche nach Wegen zum Frieden schwierig ist.

Heute sprach der Präsident der Vereinigten Staaten erneut über die Verschlechterung der Beziehungen zum Iran, darüber, dass er schwere Schläge gegen den Iran führen könne, und darüber, dass sie realen Friedensvereinbarungen ausweichen. Und das noch bevor die 60 Tage abgelaufen sind, die für die Suche nach Wegen zu einem Friedensabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran vorgesehen waren.

Und wir verstehen, warum das alles geschieht. Weil Trump einfach beschlossen hat, ernsthaft auf die Bombardierung von Tankern in der Straße von Hormus durch den Iran zu reagieren. Der Iran sagt, sie folgten angeblich einer nicht abgestimmten Route, während Trump daraus den Schluss zieht, dass der Iran einfach versucht, die Menge des Öls, das durch die Meerenge fließt, zu begrenzen und diese Menge zu kontrollieren.

Aber Sie verstehen ja, dass diese ganze Situation erneut zu einer großen Konfrontation führen kann. Und worüber sprechen wir im Grunde? Darüber, dass das Gespräch zwischen Trump und Zelensky vor dem Hintergrund eines erheblichen Rückgangs des Ölpreises stattfindet, auch des russischen Öls, und dieser liegt unter dem Preis, der im russischen Haushalt eingeplant ist. Es kann aber sein, dass am Tag nach einem weiteren Schlag der Vereinigten Staaten gegen den Iran und einem weiteren Schlag Irans gegen die Länder des Persischen Golfs und der Schließung der Straße von Hormus der Ölpreis wieder steigt. Und das würde Russland die Möglichkeit geben, sein Öl teurer zu verkaufen.

Nun noch ein weiterer Punkt. Die Vereinigten Staaten haben die Lizenz widerrufen, die Indien und anderen Ländern des globalen Südens erlaubte, russisches Öl zu kaufen. Und Russland bringt jetzt eine riesige Menge seines Öls, eine beispiellos große Menge, mit Tankern aufs Meer, kann dieses Öl aber nicht verkaufen. Wenn sich die Ölsituation in der Welt jedoch erneut verschlechtert, schließe ich keineswegs aus, dass das Finanzministerium der Vereinigten Staaten selbst nach diesem Gespräch mit Zelensky Indien und anderen Ländern des globalen Südens wieder erlauben wird, russisches Öl zu kaufen, um irgendwie das Ölgleichgewicht zu stützen. Und Russland wird beginnen, jenes Öl zu verkaufen, das es aufs Meer gebracht hat – offensichtlich in Erwartung einer neuen Eskalation im Nahen Osten und möglicherweise auch in der Erwartung, dass diese Eskalation dem Iran helfen soll.

Wir erinnern uns doch noch an die Konsultationen Moskau–Teheran auf der Linie: Wie schlagen wir am besten gegen Trumps Interessen zu? Das geschieht im Nonstop-Modus. Und dann erhält Russland, würde ich sagen, weitere neue, ungeplante Dutzende Milliarden Dollar – oder vielleicht auch geplante, vielleicht beteiligt sich Russland aktiv an der Eskalation. Und das wäre wiederum eine andere Situation, denn Putin ohne Geld und Putin mit zusätzlichem Geld sind zwei verschiedene Putins. Sie sprechen unterschiedlich mit Trump. Es braucht nicht einmal Doppelgänger, es braucht den Preis.

Denn, noch einmal, wir kennen die wunderbare Logik der Existenz des russischen Regimes. Wenn die Ölpreise hoch sind, gibt es ein bestimmtes Verhalten; wenn die Ölpreise niedrig sind, ein anderes Verhalten. Je höher der Ölpreis steigt, desto größer sind die Aggressivität und die Bereitschaft, so viele Jahre Krieg zu führen, wie es Putin und seiner Gang gefällt.

Obwohl das jetzt trotzdem nicht alles entscheidet, denn selbst wenn Sie einen hohen Ölpreis haben, aber unter den Bedingungen von Schlägen gegen die Ölraffinerien keine Funktionen staatlicher Verwaltung mehr ausüben können und Sie trotzdem eine Krise haben, dann trägt das offensichtlich nicht dazu bei, die Situation in eine für Sie positive Richtung weiterzuentwickeln. Aber so oder so denke ich, dass man diese Geschichte mit Öl, Ölraffinerien, Iran und den Vereinigten Staaten berücksichtigen muss.

Nun zur Abschlusserklärung in Ankara, die alle gebilligt haben. In dieser Erklärung heißt es ebenfalls, dass Russland eine langfristige Bedrohung für das Euro-Atlantische Bündnis ist. Es wird betont, dass die Verbündeten zur Abwehr der langfristigen Bedrohung durch Russland und des Terrorismus – das wird hier verbunden – ihre Verteidigungsausgaben erhöhen, ihre industrielle Basis stärken und neue militärische Beschaffungen im Wert von mehr als 50 Milliarden Dollar ankündigen.

Die NATO wird modernisiert werden, die europäischen Verbündeten und Kanada werden mehr Verantwortung übernehmen, und das Bündnis wird seine nuklearen, Raketen-, Weltraum-, Cyber- und KI-Fähigkeiten entwickeln.

Die NATO bestätigt ihre Unterstützung für die Ukraine – das ist für uns neben der Erklärung Russlands und des Terrorismus zur Bedrohung der wichtigste Punkt – und verspricht, im Jahr 2026 70 Milliarden Euro für militärische Ausrüstung, Hilfe und Ausbildung bereitzustellen und auch 2027 ungefähr dasselbe Unterstützungsniveau beizubehalten. Ebenfalls, würde ich sagen, eine unangenehme Nachricht für den Kreml: Ihr könnt euren Krieg gegen die Ukraine für 2027 planen.

Wir verstehen, dass die russische politische Führung solche Pläne hat, da sollte man sich ebenfalls keine Illusionen machen. Aber auch die NATO ist bereit, die Ukraine 2027 auf einem, würde ich sagen, ziemlich ernsten Niveau finanzieller Unterstützung zu unterstützen. Das ist also ein wichtiger Punkt, über den man sprechen muss. Und gerade deshalb betonte NATO-Generalsekretär Mark Rutte in seiner Abschlussrede auf dem Gipfel, dass er fest daran glaube, dass man im 21. Jahrhundert kein anderes Land angreifen sollte, wie es die Russen mit der Ukraine getan haben.

Es ist ein Wahnsinn, so etwas zu tun. Das ist ein Szenario des 19. oder 20. Jahrhunderts. Und wir tun so etwas in erwachsenen Demokratien im 21. Jahrhundert nicht mehr. Das ist also ein völlig offensichtlicher Punkt.

Und Rutte betonte: Im 16. und 17. Jahrhundert musste man, wenn man Politiker war, sicherstellen, ob es genug Brot gab. Im 21. Jahrhundert sollte man sicherstellen, ob es genug Benzin gibt. Ein absolut konkreter, würde ich sagen, Hinweis auf den Benzinmangel in Russland und ein Appell an jeden jungen Russen, der die Pressekonferenz des Chefs des wichtigsten Verteidigungsbündnisses der zivilisierten Welt hört: „Wenn Sie erwägen, sich an den Kampfhandlungen zu beteiligen, denken Sie noch einmal nach. Sie könnten einer jener 30.000 bis 35.000 Menschen in diesem Monat, im nächsten Monat sein“ – gemeint sind getötete Menschen –, „weil Ihrem Präsidenten Ihr Leben gleichgültig ist.“

Das sind also die Worte des NATO-Chefs, die grundsätzlich von der allgemeinen Linie des Bündnisses sprechen, verbunden mit dem, was in den Beziehungen des Bündnisses zur Ukraine und in seiner Haltung zum russisch-ukrainischen Krieg geschieht. Und ich halte das, wie Sie verstehen, für ein gutes Ergebnis.

Wenn man noch die Situation berücksichtigt, die sich jetzt in der Ukraine entwickelt: Wir sprechen mit Ihnen vor dem Hintergrund eines Krieges, der nicht einfach irgendwo hinter dem Horizont stattfindet. Er geht weiter. Er geht vor unseren Augen weiter. Gerade jetzt ist eine Schahed-Drohne, die über Kyiv am linken Ufer abstürzte, abgeschossen worden, und sie stürzte auf ein Hochhaus. Es gibt Schäden. Es wird von drei Toten in der ukrainischen Hauptstadt während des heutigen Tagesangriffs berichtet.

Mein aufrichtiges Beileid den Angehörigen der neuen Opfer dieses absolut brutalen, grundlosen russischen Angriffs auf ukrainische Städte, auf Kyiv.

Ich werde auf einen Teil der Fragen antworten, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Sind Trumps Aussagen über die Erteilung einer Lizenz an die Ukraine zur Produktion von Patriot-Systemen beachtenswert? Oder ist das nur eine Botschaft an proukrainische Wähler der Republikanischen Partei vor den Herbstwahlen?

Portnikov. Natürlich sind diese Aussagen des Präsidenten der Vereinigten Staaten beachtenswert. Das ist etwas, was wir von den Vereinigten Staaten seit langen Monaten, wenn nicht Jahren, erreichen wollten: dass man uns die Möglichkeit gibt, eine Lizenz zur Produktion von Patriots zu erhalten. Sie sind wie der biblische Thomas, verstehen Sie, der nicht glaubt, was er vor seinen eigenen Augen sieht. Wenn wir diese Lizenz wollten, unsere Diplomatie daran gearbeitet hat, unsere Führung daran gearbeitet hat, der Präsident der Ukraine ständig darüber gesprochen hat und der Präsident der Vereinigten Staaten schließlich Ja sagt – ist das beachtenswert oder nicht?

Außerdem, entschuldigen Sie, bis zu den Wahlen in den Vereinigten Staaten sind noch einige Monate. Und wenn diese Entscheidung umgesetzt wird – Trump sagt ja überhaupt, er meine, das könne schnell gemacht werden –, dann ist das eine Geschichte. Wenn nach den Worten des Präsidenten der Vereinigten Staaten nichts geschieht, ist das, wie Sie verstehen, ein Grund zu fragen, warum das Versprechen nicht erfüllt wird. Es ist noch schlimmer, ein solches Versprechen zu geben und es nicht zu erfüllen.

Ich erinnere daran, dass wir viele Dinge, um die wir baten und von denen wir glaubten, sie seien schon in unserer Tasche, nicht erhalten haben, aber niemand sagte, dass es so sein werde. Trump sagte: „Ich werde die Frage prüfen. Ich werde die Frage der Lieferung von Tomahawks prüfen. Ich werde die Frage der Lieferung von Patriots prüfen. Ich werde prüfen, ob eine Lizenz gegeben werden soll.“ Und dann stellte sich heraus, dass nach der Prüfung eine negative Antwort beschlossen wurde. Jetzt ist die Antwort positiv. Warum dem Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht für diese positive Antwort danken und erwarten, dass sie umgesetzt wird?

Frage. Glauben Sie, dass die jüngsten Entscheidungen über die Zulassung russischer Fußballmannschaften und Russlands zu den Olympischen Spielen mit Donald Trump und seinem Druck auf FIFA und IOC zusammenhängen?

Portnikov. Nein, ich glaube nicht, dass Donald Trump damit etwas zu tun hat. Das sind völlig offensichtliche, planmäßige Bemühungen Russlands und seiner Lobbyisten in verschiedenen Sportorganisationen und den Machtstrukturen des Sports, die russische Teilnahme am Sport zu normalisieren und den Sport sozusagen von der Politik zu trennen – was für mich absoluter Zynismus ist.

Aber die Russen machen so etwas ja nicht zum ersten Mal. Ich erinnere Sie daran, dass es vor 2022 eine sehr ähnliche Situation mit der Teilnahme Russlands an der Parlamentarischen Versammlung des Europarates gab. Gegen sie wurden Sanktionen verhängt, was ihren Ausschluss aus der Versammlung oder aus dem Europarat als solchem nicht bedeutete, sondern bestimmte Stimmrechte, die Teilnahme an der Bildung regionaler Gremien der Organisation sowie die Ernennung auf führende Positionen einschränkte – also Einschränkungen ihrer Tätigkeit.

Die russischen Abgeordneten konnten jedoch völlig problemlos zu den Sitzungen der Parlamentarischen Versammlung des Europarates reisen und dort ihre ganze unsinnige Propaganda verbreiten.

Die Russen erklärten sofort, dass sie überhaupt nicht teilnehmen würden, solange die Sanktionen gegen sie nicht vollständig aufgehoben würden. Besuche der Vorsitzenden der Parlamentarischen Versammlung des Europarates in Moskau endeten damit, dass die Vorsitzenden der Föderationsversammlung der Russischen Föderation – Matwijenko, Naryschkin und später Wolodin – ihnen unmissverständlich erklärten, dass sie von ihren Prinzipien nicht abrücken würden. Gleichzeitig betrieben sie die Korruption der Beteiligten dieses Prozesses.

Sie erinnern sich sicher daran, dass einer der Vorsitzenden der Parlamentarischen Versammlung des Europarates – ein spanischer Senator – sogar mit einem russischen Militärflugzeug zusammen mit dem Vorsitzenden der Fraktion der Partei „Einiges Russland“ in der Staatsduma, General Wassiljew, nach Syrien flog. Danach wurde die Entscheidung getroffen, die der damalige Generalsekretär des Europarates, Thorbjørn Jagland – der übrigens in den Epstein-Akten auftauchte, wer hätte das gedacht –, aktiv unterstützte: nämlich die Satzung der Parlamentarischen Versammlung so zu ändern, dass gegen nationale Delegationen keine echten Sanktionen mehr verhängt werden konnten.

Die Russen kehrten nur dafür zurück, um später schließlich ganz aus der Parlamentarischen Versammlung ausgeschlossen zu werden.

Glauben Sie mir: Mit der jetzigen Rückkehr russischer Sportler wird genau dieselbe Geschichte passieren. Sie werden zu den Wettkämpfen zurückkehren, nach einiger Zeit wird es Informationen über Doping, über unfaires Spiel geben, und dann werden sie erneut ausgeschlossen werden – weil sie nicht fair spielen können. Das ist ihr System. Aber sie werden immer versuchen, ihre Ziele durchzusetzen. Ich denke, das ist genau dieselbe Geschichte.

Frage. Sind Trumps neue alte Aussagen über Putin nur Informationsrauschen und zählen nur seine Taten? Oder sollte man auch auf Trumps Worte achten?

Portnikov. Natürlich sollte man das. Wenn wir über Politiker sprechen – und das sage ich Ihnen in praktisch jeder dieser Sendungen –, dann muss man in erster Linie auf ihre Taten achten. Handlungen sind das wichtigste Instrument in der Politik. Aber es gibt Worte, die zu Handlungen anregen.

Nehmen wir Donald Trumps Worte, dass er die weitreichenden Schläge der Ukraine gegen russische Ziele gutheißt und dass eine solche Eskalation dem Frieden helfen soll. Das ermutigt uns, noch entschlossener zu handeln: russische Fabriken, Schiffe, Tanker – alles, was zum Öl-, Raffinerie- und militärisch-industriellen Komplex Russlands gehört – wirksamer zu zerstören. Die russische Wirtschaft muss zerstört werden, Freunde. Sie muss zerstört werden.

Und wir können ja nicht nur an Drohnenangriffe denken, sondern auch daran, amerikanische und überhaupt westliche Waffen für Raketenangriffe auf die Russische Föderation zu beschaffen, um dort alles bis auf das 17. Jahrhundert zurückzusetzen, in dem sie sich zivilisatorisch befinden – wie Mark Rutte das völlig zutreffend formuliert hat. Insofern können solche Worte uns tatsächlich helfen zu handeln.

Und auch für Putin ist das ein Signal. Es soll ihm verdeutlichen, dass die Amerikaner sich nicht seinem Erpressungsversuch beugen werden und dass seine Angriffe auf die Ukraine nicht dazu führen werden, dass Washington die Ukraine auffordert, auf Angriffe gegen Russland zu verzichten.

Frage. Glauben Sie, dass Trump großes Interesse daran hat, die Kampfhandlungen in der Ukraine zu beenden, weil er das für einen Wahlsieg bei den Kongresswahlen braucht? Und welchen Einfluss könnte das Wahlergebnis haben?

Portnikov. Ich glaube grundsätzlich, dass Sie die Bedeutung des russisch-ukrainischen Krieges für die amerikanischen Kongresswahlen überschätzen. Ich denke nicht, dass das Trumps Hauptmotiv ist.

Die Ukraine-Frage ist – anders als der Nahe Osten – keine Frage, die das Wahlverhalten amerikanischer Wähler bestimmt. Sie ist ein Randthema.

Ja, die überwältigende Mehrheit der amerikanischen Wähler – sowohl unter den Demokraten als auch unter den Republikanern – spricht sich, wenn man sie danach fragt, eindeutig für die Unterstützung der Ukraine aus. Dasselbe gilt für viele sogenannte unabhängige Wähler, die mal der einen, mal der anderen Partei zuneigen und letztlich darüber entscheiden, wie der Kongress der Vereinigten Staaten aussehen wird.

Aber der entscheidende Punkt ist: Diese Frage bestimmt ihre Stimmabgabe überhaupt nicht.

Ich wiederhole: Der russisch-ukrainische Krieg ist ein Randthema der amerikanischen Politik. Amerikaner wählen in erster Linie mit ihrem Geldbeutel und nicht nach außenpolitischen Prioritäten. Zu glauben, der russisch-ukrainische Krieg beeinflusse auch nur im Geringsten die amerikanischen Wahlen, ist Ausdruck ukrainischer Selbstüberschätzung – unseres Glaubens, dass sich die Welt um unser Land und unseren Krieg dreht. Das entspricht überhaupt nicht der Realität.

Der Krieg mit dem Iran hingegen beeinflusst die Wahlen tatsächlich – nicht, weil Trump Krieg gegen den Iran führt, sondern weil dadurch die Benzinpreise in den Vereinigten Staaten steigen. Würde der russisch-ukrainische Krieg wirtschaftlich Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten haben, dann würden sich die Menschen dafür als Priorität bei ihrer Wahlentscheidung interessieren. Da dieser Krieg wirtschaftlich praktisch keinerlei Auswirkungen auf die USA hat, beeinflusst er auch das Wahlverhalten nicht.

Wenn es Trump gelänge, den Nahostkonflikt auf ein Niveau zu bringen, bei dem sich die Amerikaner im Hinblick auf die Wahlen nicht mehr dafür interessieren, könnte auch er sich dort sehr viel freier bewegen. Die Iraner haben jedoch ein Druckmittel gegen Trump gefunden – die Straße von Hormus, deren Blockade Probleme an den amerikanischen Tankstellen verursacht.

Russland oder die Ukraine verfügen über ein solches Druckmittel gegenüber den Vereinigten Staaten nicht und werden es auch nicht haben. Im Gegenteil: Russland verfügt über ein Instrument, das Ölangebot auszugleichen, wenn die Straße von Hormus geschlossen wird.

Deshalb denke ich, dass für Trump die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges vor allem eine Frage seines eigenen Verständnisses seines Einflusses auf das Weltgeschehen ist. Es ist keine Wahlfrage, sondern eine Frage seines globalen Einflusses.

Hat diese Frage des globalen Einflusses indirekt etwas mit Wahlen zu tun? Natürlich. Trump muss beweisen, dass er ein ernstzunehmender Weltführer ist, auf den man in Moskau und Peking hört. Bisher ist ihm das nicht gelungen, und er wird daran arbeiten. Aber ich glaube kaum, dass dies entscheidenden Einfluss darauf haben wird, wie der Kongress aussehen wird.

Frage. Halten Sie jeden Optimismus, der mit Trumps Worten verbunden ist, für vergeblich? Trump ist doch ein Mensch, der aufgrund seiner psychischen Eigenheiten keine festen Positionen, sondern nur wechselnde Dispositionen hat.

Portnikov. Aber auch Dispositionen sind wichtig, selbst wenn Sie das so sehen. Denn ich wiederhole: Auch innerhalb der Trump-Regierung gibt es eine Diskussion darüber, wie die Regierung auf den russisch-ukrainischen Krieg reagieren soll.

Wenn Trump heute so auftritt, wie er auftritt, dann haben Politiker wie Marco Rubio freie Hand in der Russlandpolitik. Wenn Trump hingegen für gute, herzliche Beziehungen zu Putin eintritt, treten andere Leute in den Vordergrund – etwa Steve Witkoff.

Übrigens sehen Sie selbst, dass man von Witkoff im Moment kaum etwas hört. Witkoff, der der Meinung ist, man könne mit Putin auf der Grundlage gegenseitigen Verständnisses und wirtschaftlicher Vorteile verhandeln, gehört derzeit nicht zu den Favoriten. Das bedeutet nicht, dass das lange so bleiben wird. Aber im Moment ist es so. Und genau diese Dispositionen Trumps muss man nutzen.

Genauso ist es, wenn Trump erklärt, er habe den Waffenstillstand im Iran-Krieg beendet und werde neue Schläge gegen den Iran führen. Dann verlieren Leute wie Vizepräsident J. D. Vance auf der Nahost-Ebene an Einfluss, während beispielsweise die Position des israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu gestärkt wird.

So funktioniert das nun einmal. Man muss diese Situationen nutzen und sich nicht ständig fragen, ob Trump gut oder schlecht ist. Es geht nicht darum, wer gut oder schlecht ist. Eine schwarz-weiße Welt existiert überhaupt nicht. Sie existiert nur in der Vorstellung einiger unserer Landsleute. Die Welt ist grau. Man muss ihre Schattierungen erkennen. Eine Welt im Krieg ist immer grau. Es gibt weder Schwarz noch Weiß. Man muss den richtigen Grauton finden.

Frage. Muss die derzeitige Eskalation nicht zwangsläufig zu einer schrittweisen Abkühlung führen? Nach der Logik des Krieges müsste das doch so sein.

Portnikov. Ich stimme Ihnen vollkommen zu, dass es nach der Logik des Krieges so sein könnte. Nur handelt der Präsident der Russischen Föderation, Putin, gegen jede Logik. Deshalb kann die jetzige Eskalation aus Sicht von Putins Verhalten durchaus zu einer noch stärkeren Eskalation führen.

Dem kann man nur begegnen, indem man nicht darauf wartet, dass sich alles nach den Regeln des Krieges entwickelt – Regeln, die Putin längst zerstört hat –, sondern indem man ihm die notwendigen Ressourcen nimmt, um die Eskalation auf eine neue Stufe zu heben.

Ich würde den russisch-ukrainischen Krieg als eine endlose Eskalationsspirale betrachten und nicht als eine Temperatur, die irgendwann wieder sinkt. Wir befinden uns in einer Spirale der Eskalation. Aus dieser Spirale gibt es nur einen Ausweg: die Verringerung der Ressourcen.

Man kann auf einer bestimmten Stufe dieser Eskalationsspirale stehen bleiben, aber nicht einfach „abkühlen“. Denn Russland wird dann schlicht nicht mehr über die Mittel verfügen, um die Spirale weiter nach oben zu treiben. Das ist alles.

Frage. Besteht der Plan Irans darin, Trump langsam in diesem Nahost-Kessel zu garen, bis das zu seinem politischen Scheitern führt? Es sieht so aus, als könne er diesem Kessel nicht entkommen.

Portnikov. Ich glaube ebenfalls, dass der Plan Irans darin besteht, bis zu den Zwischenwahlen zum US-Kongress eine schwierige Lage für die Weltwirtschaft und insbesondere für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten zu schaffen, damit die Republikaner aufgrund steigender Benzinpreise an den amerikanischen Tankstellen eine vernichtende Niederlage erleiden.

Trump mag das verstehen, folgt aber emotional dennoch genau jener Entwicklung, die die Iraner für ihn vorgesehen haben. Er wundert sich über ihr Verhalten – er, der sich immer als großer Meister der Verhandlungen betrachtet hat –, und stellt nun fest, dass man mit den Iranern offenbar gar nichts vereinbaren kann, weil sie sich von allen Vereinbarungen zurückziehen, die angeblich bereits erzielt worden waren.

Den Iranern ging es offensichtlich nur um eine echte Feuerpause für eine gewisse Zeit, damit sie die feierliche Beisetzung des getöteten früheren Obersten Führers Ali Khamenei durch seine Familie durchführen, die Stärke des Regimes demonstrieren und anschließend wieder zur nächsten Eskalationsstufe übergehen konnten.

Allerdings könnten die Iraner das Ausmaß der Eskalation falsch einschätzen. Das ist das Problem einer solchen Politik. Dennoch haben Sie ihre Linie völlig richtig erkannt. Ich habe bereits in den ersten Wochen dieses Krieges gesagt, dass sie ihre Aktionen fortsetzen werden, sobald sie sehen, dass diese wirtschaftliche Probleme in den Vereinigten Staaten verursachen.

Denn ihnen geht es nicht nur um Trumps politisches Scheitern. Ihnen geht es um eine Lehre für die Zukunft: Jeder amerikanische Präsident soll wissen, dass eine Konfrontation und Eskalation mit dem Iran zum Zusammenbruch seiner politischen Möglichkeiten führen kann. Wenn selbst ein so mächtiger und – aus Sicht der republikanischen Wählerschaft – charismatischer Politiker wie Donald Trump letztlich scheitert, welches Schicksal erwartet dann alle anderen Präsidenten der Vereinigten Staaten, die eine ähnliche Politik verfolgen?

Das ist die Antwort auf Ihre Frage. So könnten die Amerikaner über Wahlen denken, wenn die Benzinpreise nicht mehr normal sind. Und genauso könnten die Iraner über die Stimmung der amerikanischen Bevölkerung nachdenken. Das könnte durchaus ein reales Motiv sein.

Aber ich wiederhole: All diese Motive können die künftige Politik der Vereinigten Staaten erheblich beeinflussen. Und Trump könnte sich am Ende als wesentlich aggressiver und härter erweisen, als die iranischen Führer glauben, die ihm derzeit Probleme bereiten.

Trump sagte heute: „Jedes Mal, wenn wir den Iran angreifen, steigt der Ölpreis ein wenig. Das ist nichts Schlimmes.“ Das ist bis zu einem gewissen Grad bereits eine Antwort auf die Frage, wie sehr Trump mögliche neue Schläge gegen den Iran und die Folgen weiterer Eskalationsschritte fürchtet.

Diese Worte fielen beim Treffen des Präsidenten der Vereinigten Staaten mit dem Präsidenten Syriens, Ahmed al-Sharaa, das derzeit in Ankara stattfindet. Ich möchte Sie daran erinnern, dass unmittelbar nach diesem Treffen noch Trumps abschließende Pressekonferenz stattfinden wird. Dort werden wir wahrscheinlich noch weitere Erklärungen hören.

Ich denke, dass Trump heute auch über die Ukraine sprechen könnte, wenn Journalisten entsprechende Fragen stellen.

Und insgesamt können wir – trotz der Tatsache, dass Trump während dieses Gipfels in Ankara keine besondere Begeisterung für die euro-atlantische Solidarität zeigte – sagen, dass dieser NATO-Gipfel für die Ukraine erfolgreich verlaufen ist.

Denn es gelang nicht nur, ein protokollarisches Treffen zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine durchzuführen. Es gelang auch, vom Präsidenten der Vereinigten Staaten eine konkrete Reaktion auf die ukrainischen Bitten im Zusammenhang mit der Bedrohung durch ballistische Raketen zu erhalten.

Ich hoffe sehr, dass wir tatsächlich die Produktion von Patriot-Raketen erleben werden. Das wäre, würde ich sagen, ein sehr gutes Ergebnis dieses Gipfels in Ankara.

Ich hoffe außerdem, dass die Bereitschaft der NATO, uns Mittel für militärische Zwecke in dieser Größenordnung – 70 Milliarden Dollar – bereitzustellen, ebenfalls ein Signal an den Präsidenten Russlands und die russische Militärführung sein wird.

Und die Worte darüber, dass die Vereinigten Staaten Angriffe auf Russland gutheißen, sind überhaupt ein äußerst wichtiger Punkt.

Sie erinnern sich doch: Noch vor einem Jahr, bei jenem Treffen mit Zelensky im Oval Office, von dem Trump heute sprach, sagte er sinngemäß: „Ihr habt überhaupt keine Karten. Ihr dürft Russland nicht verärgern. Ein Land wie eures kann in einer Konfrontation mit einem Land wie Russland nur verlieren. Deshalb müsst ihr Putin und seiner ganzen Clique Zugeständnisse machen.“

Sie erinnern sich sehr gut an diese Rhetorik Trumps. Damals war jedoch bereits offensichtlich, dass sie nichts mit der Realität des russisch-ukrainischen Krieges zu tun hatte – trotz der ganzen Tragik der heutigen Situation. Denn wir verstehen, dass es eine Tragödie ist, wenn Putin schlicht Jagd auf Zivilisten in Kyiv und anderen ukrainischen Städten macht.

Man muss sagen, dass sich der Krieg inzwischen grundlegend verändert hat. Sie sehen selbst, wie über vielen Städten und Fabriken der Russischen Föderation Rauch aufsteigt. Ich denke, das wird sich nur noch verstärken. Russland steuert auf eine schwere Treibstoffkrise zu, die sich – so hoffe ich – in eine umfassende Wirtschaftskrise verwandeln wird, aus der es für diese terroristische Organisation in den kommenden schweren Jahren keinen Ausweg mehr geben wird.

Niemand sagt der Ukraine heute mehr, dass wir keine Karten hätten oder diesen Krieg zwangsläufig verlieren würden. Im Gegenteil: Man fordert uns auf, die Fabriken und Schiffe Russlands weiter anzugreifen, um Russland noch größere Probleme zu bereiten. Und Trump spricht von seinen guten Beziehungen zum ukrainischen Präsidenten und vom Interesse der Vereinigten Staaten an einer Zusammenarbeit mit der Ukraine.


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Titel des Originals: Трамп-Зеленський: головне | Віталій Портников. 08.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 08.06.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Zelenskys Rede auf dem NATO-Forum: Das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 07.07.2026.

Mit seiner Rede auf dem Forum für Verteidigungstechnologien begann für den ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky der NATO-Gipfel, auf dem bekanntlich auch das Treffen zwischen dem amerikanischen und dem ukrainischen Präsidenten stattfinden wird – das erste abgestimmte Treffen dieser Art seit längerer Zeit.

Während seiner Rede auf dem Forum für Verteidigungstechnologien stellte Volodymyr Zelensky die Frage nach dem Schutz Europas vor ballistischen Raketen in den Mittelpunkt und betonte, dass die Europäer sowohl eigene Abwehrsysteme gegen ballistische Raketen als auch die entsprechenden Raketen selbst produzieren müssten.

Diese Schlussfolgerung liegt angesichts der Entwicklungen nach dem Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran auf der Hand. Es wurde deutlich, dass die Vereinigten Staaten ihre Patriot-Systeme entsprechend ihrer eigenen Vorstellungen von nationaler Sicherheit einsetzen können. Gleichzeitig fehlt es den Ländern, die auf amerikanische Unterstützung bei der Abwehr ballistischer Raketen angewiesen sind, schlicht an Raketen – zumindest solange, bis die Vereinigten Staaten ihre eigenen Bestände wieder aufgefüllt haben. Und das, obwohl die Wahrscheinlichkeit neuer Kriege unter Beteiligung der Vereinigten Staaten, auch im Nahen Osten, durchaus real ist.

Die Gegner der Vereinigten Staaten verfügen zudem über eigene ballistische Raketen und Drohnen, zu deren Bekämpfung, wie wir gesehen haben, ebenfalls hochmoderne Systeme eingesetzt werden mussten. All dies veranlasst das amerikanische Militär derzeit dazu, Waffenlieferungen an andere Staaten, darunter auch an NATO-Verbündete, zurückzuhalten. Über Programme wie das PURR-Programm, das den Kauf amerikanischer Waffen mit Geldern europäischer Steuerzahler vorsah, kann inzwischen überhaupt nur noch in dem Umfang gesprochen werden, der den Europäern nach dem allmählichen Schwinden der amerikanischen Arsenale noch zur Verfügung steht.

Deshalb gibt es tatsächlich zwei dringende Richtungen, die die Länder nicht nur vor russischen, sondern beispielsweise auch vor iranischen ballistischen Raketen und Raketen oanderen Staaten schützen sollen, die in den kommenden Jahren der offensichtlichen militärischen Konfrontation bereit sein werden, mit der zivilisierten Welt zusammenzustoßen.

Erstens geht es um die Produktion eigener Systeme zur Abwehr ballistischer Raketen. Dafür sind jedoch erhebliche Investitionen der wirtschaftlich stärksten europäischen Länder erforderlich.

Zweitens geht es um Lizenzen für die Produktion von Patriot-Raketen – sowohl in europäischen Ländern als möglicherweise auch in der Ukraine. Darüber könnte der ukrainische Präsident ebenfalls mit dem amerikanischen Präsidenten sprechen, obwohl unklar ist, inwieweit Donald Trump derzeit bereit ist, das amerikanische Monopol aufzugeben.

Natürlich haben auch die Treffen Zelenskys mit den Staats- und Regierungschefs der NATO-Mitgliedstaaten bereits heute während des Forums für Verteidigungstechnologien begonnen. So wurde bekannt, dass Kanada ein neues Verteidigungshilfepaket für die Ukraine im Umfang von 900 Millionen Dollar vorbereitet. Dieses Paket wird auch Luftverteidigungssysteme enthalten, die die Ukraine für die militärische Auseinandersetzung mit Russland in den kommenden Monaten und Kriegsjahren dringend benötigt.

Derzeit hängt praktisch alles sowohl von diesen Systemen als auch von der Fähigkeit der Ukraine ab, russische Militärobjekte, russische Fabriken, Produktionsstätten für Drohnen und ballistische Raketen sowie die Abschussorte ballistischer Raketen der Russischen Föderation anzugreifen.

Hier könnte sich auch der Erfolg der Ukraine im Drohnenkrieg bemerkbar machen, der ebenfalls zu einem wichtigen Bestandteil moderner Kriegsführung im kommenden Jahrzehnt weltweiter Instabilität wird. Tatsächlich kann die Ukraine dabei nicht nur auf Foren wie dem Forum für Verteidigungstechnologien eine wichtige Rolle spielen, sondern auch im Rahmen ihrer Zusammenarbeit mit der NATO, die bislang aufgrund der offensichtlichen Weigerung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, einer euro-atlantischen Integration der Ukraine zuzustimmen, weiterhin ein schwieriges Thema bleibt.

Als Trump und andere Vertreter seiner Regierung erklärten, sie hielten es für notwendig, die euro-atlantische Integration der Ukraine vorerst zurückzustellen, hofften sie auf gewisse Zugeständnisse der russischen Führung. Wie diese Hoffnungen heute aussehen, können wir nicht sagen. Meiner Ansicht nach sind Trumps Aussagen, sowohl Putin als auch Zelensky wollten den Krieg beenden und viele verstünden nicht, dass dieses Ende viel näher sei, als es scheine, eher der Versuch, Wunschdenken als Realität auszugeben – in einer Situation, in der sich jeder daran erinnert, dass der amerikanische Präsident bereits im Februar 2025 versprochen hatte, den russisch-ukrainischen Krieg schnell zu beenden.

Jetzt ist Juli 2026, und die Eskalation nimmt nur weiter zu. Viele glauben, diese Eskalation sei ein Vorzeichen einer späteren Deeskalation des Krieges. Es kann jedoch ebenso gut sein – und das ist mehr als wahrscheinlich –, dass diese neue Phase der Eskalation lediglich den Übergang zu einer noch schwereren Eskalation und zu einer Ausweitung des Krieges auf europäische Länder darstellt, die die Ukraine in ihrem Widerstand gegen die russische Aggression weiterhin unterstützen.

Offensichtlich wird auf dem NATO-Gipfel in Anwesenheit Donald Trumps auch darüber gesprochen werden, wie Europa vor möglichen russischen Provokationen und sogar vor hybrider Aggression durch die Russische Föderation geschützt werden kann. Deshalb betonte der finnische Präsident Alexander Stubb bei seinem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten, dass heute nicht nur die Ukraine die NATO brauche, sondern auch die NATO die Ukraine brauche.

Diese Auffassung teilen viele Mitgliedstaaten der Nordatlantischen Allianz, insbesondere jene, die Nachbarn der Russischen Föderation sind und das gesamte Ausmaß der Bedrohungen erkennen, die heute von Russland für seine Nachbarn ausgehen, ebenso wie den offensichtlichen Wunsch der russischen politischen Führung, ihren Krieg gegen die Ukraine bald auf jene Länder auszuweiten, die uns weiterhin unterstützen.

Dies sind jedoch erst die ersten Treffen. Der eigentliche Höhepunkt wird natürlich morgen sein, wenn Zelensky mit Donald Trump zusammentrifft – als abschließender Höhepunkt des Aufenthalts des amerikanischen Präsidenten in der türkischen Hauptstadt. Denn unmittelbar nach seinen Gesprächen mit den Präsidenten der Ukraine und Syriens wird Donald Trump seine abschließende Pressekonferenz in Ankara geben und anschließend den NATO-Gipfel verlassen.

Wir verstehen sehr gut, dass das einstündige Treffen zwischen dem amerikanischen und dem ukrainischen Präsidenten auch davon abhängen wird, was Trump von seinen europäischen Verbündeten sowie vom kanadischen Premierminister hören wird, wie er die Rolle der Vereinigten Staaten innerhalb der NATO beurteilt und wie schließlich sein Gespräch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan verlaufen wird, der Gastgeber dieses Gipfels ist und ebenfalls weiterhin auf eine Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges hofft. Gerade die Atmosphäre des morgigen NATO-Gipfels mit Beteiligung des amerikanischen Präsidenten könnte auch die Atmosphäre seines Treffens mit dem Präsidenten der Ukraine am 8. Juli bestimmen.

Über all dies werden wir selbstverständlich morgen vor dem Hintergrund dieses für die Ukraine und für den weiteren Verlauf des endlosen russisch-ukrainischen Krieges so wichtigen NATO-Gipfels sprechen.


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Titel des Originals: Виступ Зеленського на форумі НАТО: головне | Віталій Портников. 07.07.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 07.07.2026.
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Zelensky und Putin sprachen mit Trump | Vitaly Portnikov. 05.07.2026.

Die Präsidenten der Ukraine und der Russischen Föderation führten Gespräche mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten im Rahmen der Feierlichkeiten, die derzeit in Amerika anlässlich des 250. Jahrestages der Gründung des amerikanischen Staates stattfinden.

Deshalb handelte es sich in erster Linie um protokollarische Gespräche. Donald Trump spricht in diesen Tagen mit zahlreichen Staats- und Regierungschefs. Zu erwarten, dass unter solchen Umständen der Dialog entweder mit dem ukrainischen oder mit dem russischen Präsidenten zu konkreten politischen Entscheidungen führen könnte, wäre daher nicht angebracht.

Dennoch wird allein die Tatsache eines Gesprächs mit dem amerikanischen Präsidenten in der Regel genutzt, um die eigenen politischen Möglichkeiten zu demonstrieren. So war es auch dieses Mal.

Das Wichtigste am Gespräch zwischen Donald Trump und Volodymyr Zelensky ist nicht die Überzeugung des ukrainischen Präsidenten, dass sich nun reale Möglichkeiten für ein Ende des Krieges eröffnet hätten. Mit solchen Thesen tritt Zelensky regelmäßig auf – man kann sagen, seit den ersten Jahren der groß angelegten Phase des russisch-ukrainischen Krieges. Und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich die heutige Situation durch neue Umstände von der vorherigen unterscheidet, die tatsächlich Anlass zur Hoffnung gäben, dass sich der russisch-ukrainische Krieg seinem Ende nähert.

Was aus konkreter Sicht jedoch wirklich wichtig ist, ist die Vereinbarung zwischen den Präsidenten der Ukraine und der Vereinigten Staaten, bereits am 7. und 8. Juli während des NATO-Gipfels in Ankara miteinander zu sprechen – sofern Trump und Zelensky einander richtig verstanden haben. Denn während des jüngsten G7-Gipfels in Evviami, zu dem auch der ukrainische Präsident eingeladen worden war, war ein offizielles Treffen zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine gar nicht vorgesehen. Zelensky gelang es lediglich, Trump am Rande des Gipfels zu sprechen.

Und obwohl dieses Gespräch durchaus positiv verlief und Trump anschließend gegenüber Journalisten erklärte, Zelensky halte sich gut, muss man verstehen, dass bei solchen Begegnungen am Rande einer Veranstaltung in der Regel keine konkreten Entscheidungen getroffen werden. Die Staats- und Regierungschefs tauschen lediglich ihre Eindrücke zu politischen Fragen aus.

Deshalb ist nicht ein weiteres Treffen am Rande einer Veranstaltung wichtig, sondern ein tatsächlich von den Beratern vorbereiteter Termin zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine, bei dem konkrete Entscheidungen getroffen werden können – etwa über die Lieferung eben jener Raketenabwehrsysteme an die Ukraine.

Denn selbst wenn man Trump am Rande einer Veranstaltung auf Raketenabwehrsysteme anspricht und er verspricht, die Angelegenheit zu prüfen, bedeutet das keineswegs, dass jemals eine Entscheidung getroffen wird. Geht es jedoch um ein vorbereitetes Treffen mit einer festgelegten Tagesordnung, dann muss bereits der Apparat des Weißen Hauses und die Berater des amerikanischen Präsidenten daran arbeiten.

Genau darin unterscheidet sich konkrete Politik mit geplanten Treffen von improvisierten Begegnungen, die gerade deshalb organisiert werden müssen, weil Trump solche protokollarischen Treffen mit dem Präsidenten der Ukraine meidet, um ihm nichts Konkretes versprechen zu müssen.

Gehen wir also davon aus, dass das Gespräch zwischen Trump und Zelensky tatsächlich zu einem vorbereiteten Treffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine führen wird und dass die Ukraine von den Vereinigten Staaten nicht nur Worte, sondern reale Unterstützung erhält, die uns helfen wird, die kommenden Monate und Jahre des russisch-ukrainischen Krieges durchzustehen.

Das Gespräch Trumps mit Putin wiederum hat ebenfalls gezeigt, dass es derzeit keinerlei konkrete Perspektiven für ein Ende dieses Krieges gibt. Aus der Haltung des russischen Diktators, der von der Notwendigkeit überzeugt ist, die Kampfhandlungen an der russisch-ukrainischen Front fortzusetzen, lässt sich schließen, dass Putin sich auf dieses protokollarische Telefonat vorbereitet hatte – schon deshalb, weil einer der wichtigsten Schwerpunkte des Gesprächs zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten die Mitteilung war, russische Truppen hätten Kostjantyniwka eingenommen.

Damit machte Putin Trump deutlich, dass Gespräche über eine Einstellung der Kampfhandlungen oder auch nur über Verhandlungen zu einer solchen Einstellung und den Abschluss eines Friedensabkommens ohne die Kontrolle der russischen Armee zumindest über das gesamte Gebiet der Oblast Donezk aus seiner Sicht keinen Sinn hätten.

Der außenpolitische Berater des russischen Präsidenten, Juri Uschakow, betonte ausdrücklich, dass die russischen Truppen – wie er sich selbstverständlich ausdrückte – versuchten, das gesamte Gebiet des Donezker Gebiets zu „befreien“. Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass genau darüber Putin mit Trump sprach, als er ihm die tatsächliche Lage in der sogenannten Zone der militärischen Spezialoperation schilderte.

Mit anderen Worten: Das protokollarische Gespräch wurde vom Präsidenten der Russischen Föderation genutzt, um den Präsidenten der Vereinigten Staaten erneut daran zu erinnern, dass Russland nicht beabsichtigt, seine Haltung hinsichtlich der Möglichkeiten zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu ändern.

Dabei kann Putin derzeit davon ausgehen, dass er sich in einer starken Position befindet, weil Trump in den kommenden Monaten zumindest irgendeinen Erfolg bei der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges vorweisen muss.

Wie wir wissen, richtet sich der amerikanische Präsident unmittelbar nach dem Jubiläum der Vereinigten Staaten bereits auf die Kongresswahlen aus, die zu einer Niederlage der Republikaner führen könnten – zumindest im Repräsentantenhaus. Unter solchen Umständen könnte es für ihn Teil der Suche nach einem realistischen Weg sein, zumindest eine Einstellung der Kampfhandlungen an der Frontlinie oder einen Stopp der gegenseitigen Angriffe Russlands und der Ukraine auf die Infrastruktur beider Länder zu erreichen, wenn er den Wünschen Putins größere Aufmerksamkeit schenkt – selbst wenn dies nicht das Ende des russisch-ukrainischen Krieges selbst bedeutet.

Und genau diese Überzeugung Putins, dass Trump die Zeit davonläuft, während er selbst warten kann, bis Washington und Kyiv seinen Ultimaten zustimmen, erlaubt es ihm, mit dem amerikanischen Präsidenten selbstbewusst aufzutreten und seine Position hinsichtlich der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges nicht zu ändern.

Und hier rückt selbstverständlich erneut das Treffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine in den Mittelpunkt. Denn nur eine gemeinsame Position des Westens und der Ukraine kann zumindest die Voraussetzungen für stärkeren Druck auf den Präsidenten der Russischen Föderation in der nächsten Phase der zermürbenden russisch-ukrainischen Konfrontation schaffen. Und sie kann Wege aufzeigen, Putin zumindest dazu zu zwingen, seine Pläne zur Zerstörung ukrainischer Städte und Siedlungen in der kommenden Kriegsphase einzustellen – Pläne, die, wie wir sehen, bereits in der jüngsten Vergangenheit einen wesentlichen Bestandteil der Angriffe der russischen Armee auf die Ukraine bildeten.

Und offensichtlich plant Putin gerade solche Maßnahmen für die Zukunft – als Folge der Unfähigkeit der russischen Armee, an der Front irgendwelche wirklichen Ergebnisse zu erzielen.

Die Gespräche selbst sprechen daher eher für die Beständigkeit und Unverändertheit der Positionen. Wie man jedoch Putins Haltung beeinflussen kann, das ist bereits eine Frage der weiteren Verhandlungen.


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Titel des Originals: Зеленський і Путін поговорили з Трампом | Віталій Портников. 05.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 05.07.2026.
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Lukaschenko fuhr nach China, um sich über Russland und die Ukraine zu beklagen | Vitaly Portnikov. 30.06.2026.

Alexander Lukaschenko reiste unmittelbar nach dem zuvor nicht angekündigten Treffen mit dem russischen Präsidenten, über dessen Ergebnisse bis heute im Grunde nichts bekannt ist, nach Peking zu Gesprächen mit dem Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping. Er hält sich bereits seit mehreren Tagen in China auf und betont, dass er sich unter den chinesischen Kommunisten wie zu Hause fühle. Tatsächlich erhielt sogar Lukaschenkos jüngster Sohn in Anwesenheit seines Vaters ein chinesisches Diplom.

Doch offensichtlich hat der Besuch in China für Lukaschenko derzeit grundsätzliche Bedeutung. Wir wissen übrigens nicht einmal, ob diese Reise im Voraus geplant war, denn vor Lukaschenkos Abreise in die Volksrepublik China wurde über seine Absicht, Xi Jinping – bereits zum 17. Mal übrigens – zu besuchen, nichts bekannt gegeben.

Wir verstehen jedoch, warum Lukaschenko heute mit dem chinesischen Staatschef sprechen wollte. Üblicherweise verbinden wir seine Reisen mit dem Versuch, zumindest ein gewisses Gleichgewicht in seinen Beziehungen zum russischen Präsidenten herzustellen, von dem Lukaschenko sowohl finanziell als auch hinsichtlich möglicher Unterstützung abhängig ist, falls die Belarussen erneut versuchen sollten, dieses anachronistische Regime loszuwerden.

Doch in einer Situation, in der Putin versucht, Lukaschenko in den Krieg gegen die Ukraine hineinzuziehen, könnte der belarussische Machthaber doppelten Schutz benötigen – sowohl vor Putin als auch vor Zelensky. Denn die Drohungen des ukrainischen Präsidenten gegenüber dem offiziellen Minsk, seine Unterstützung der russischen Armee einzustellen, stellen für den belarussischen Staatschef inzwischen eine ebenso große Gefahr dar wie Moskaus offensichtlicher Wunsch, das Territorium Belarus erneut für einen Angriff auf unser Land zu nutzen.

Lukaschenko könnte daher hoffen, dass Xi Jinpings Unterstützung für die Unabhängigkeit und Souveränität von Belarus, die während des Aufenthalts des belarussischen Diktators in der chinesischen Hauptstadt erneut bekräftigt wurde, sowohl ein Signal an Putin sein könnte, Belarus nicht in den Krieg gegen die Ukraine hineinzuziehen, als auch ein Signal an Zelensky hinsichtlich möglicher Schritte zur Verringerung der belarussischen Beteiligung an der russischen Aggression gegen unser Land. Offensichtlich ist Lukaschenko genau aus diesem Grund nach China gereist. Und selbstverständlich hörte er dort genau das, was er hören wollte.

Doch hier stellt sich eine andere Frage: Was kann die Volksrepublik China tatsächlich tun, wenn Putin und Zelensky Lukaschenko weiterhin wie einen Fußball über die ukrainisch-belarussische Grenze hin- und herspielen?

Tatsächlich sind Chinas Möglichkeiten, Belarus sowohl vor russischen Absichten als auch vor einer ukrainischen Reaktion zu schützen, eher begrenzt.

Ja, Xi Jinping kann Erklärungen abgeben. Doch offensichtlich wird er seine Unterstützung für Russland nicht tatsächlich verringern, falls Putin entscheidet, dass er belarussisches Territorium für den Krieg benötigt. Von Moskau ist Lukaschenko weit stärker abhängig als von Peking, denn er versteht sehr gut, dass er im Falle eines Scheiterns seiner Sicherheitskräfte gegenüber dem belarussischen Volk Hilfe von Putin erwarten müsste – und keineswegs von Xi Jinping.

Und selbst diese Hilfe ist ihm keineswegs garantiert, nachdem Putin bereits mehrfach entweder seinen Unwillen oder seine Unfähigkeit gezeigt hat, seine treuen Verbündeten zu schützen, die sich schließlich vor dem Zorn ihres eigenen Volkes nach Russland flüchten mussten – von Viktor Janukowytsch bis Bashar al-Assad.

Und wenn die Ukraine tatsächlich beschließen sollte, beispielsweise russische Relaisstationen auf belarussischem Gebiet anzugreifen oder den Betrieb der Raffinerien von Nawapolazk oder Masyr infrage zu stellen – was könnte China für die Ukraine tun, wenn in der Ukraine jeder genau versteht, dass die Volksrepublik China ein unmittelbarer Verbündeter der Russischen Föderation bei der Zerstörung der ukrainischen Souveränität ist?

Keine der chinesischen Erklärungen über die Notwendigkeit von Verhandlungen hebt diese einfache Wahrheit auf. Denn selbst in diesen Erklärungen hören wir von chinesischen Diplomaten immer wieder das russische Narrativ von der Notwendigkeit, die „Ursachen des Konflikts“ zu beseitigen. Tatsächlich unterstützt Peking damit die russischen Handlungen gegen die Ukraine, indem es behauptet, es gebe bestimmte Ursachen. Welche Ursachen dies aus russischer Sicht sind, wissen wir ebenfalls sehr genau.

Deshalb kann man eindeutig sagen, dass Lukaschenkos Reise in die Volksrepublik China eher der Selbstberuhigung dient. Es ist die Hoffnung, dass Xi Jinping den russischen Präsidenten davon abhalten kann, belarussische Ressourcen für den Krieg gegen die Ukraine zu nutzen. Es ist die Hoffnung, dass Xi Jinping – wenn er Zelensky schon keine direkten Signale hinsichtlich möglicher Angriffe auf belarussisches Territorium senden wird – den ukrainischen Präsidenten zumindest durch seine Erklärungen zur Unterstützung der belarussischen Souveränität davon abhalten könnte, den Befehl zur Zerstörung eben jener Relaisstationen oder jener belarussischen Unternehmen zu erteilen, die von der russischen Armee für ihre Aggression gegen unseren Staat genutzt werden.

Doch wie bekannt, ist Selbstberuhigung ebenfalls eine große Sache. Sie kann Lukaschenko neue Trümpfe verschaffen – wenn schon nicht im Dialog mit dem ukrainischen Präsidenten, dann zumindest im Gespräch mit dem russischen.

Putin versteht sehr gut, dass Belarus für China heute eine der wenigen Routen für den Transport chinesischer Waren in den Westen darstellt. Jede Destabilisierung des belarussischen Territoriums würde China dieser für Xi Jinping wirtschaftlich wichtigen Möglichkeiten berauben.

Und vor dem Hintergrund der weiterhin unklaren Lage rund um die Straße von Hormus könnte China inzwischen der Sicherheit seiner Exporte und damit auch der Sicherheit in Belarus wesentlich größere Aufmerksamkeit widmen als zu einem Zeitpunkt, als der amerikanisch-iranische Krieg noch nicht begonnen hatte.

In einer solchen Situation wird Lukaschenko zumindest bessere Möglichkeiten haben, Putin davon zu überzeugen, dass das Territorium von Belarus nicht für den Krieg genutzt werden sollte. Nicht nur deshalb, weil dieses Gebiet für Putin selbst als eine Art Fenster für die Fortsetzung eines möglichen Dialogs mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, wichtig ist, sondern auch deshalb, weil die Verwandlung dieses Territoriums in einen Kriegsschauplatz bei der Führung der Volksrepublik China ganz sicher keinen positiven Eindruck hinterlassen würde.

So könnte Lukaschenko aus den Klagen, die er nach Peking mitgebracht hat, durchaus gewisse politische Dividenden ziehen – selbst wenn er von Xi Jinping keine konkreten Sicherheitsgarantien erhalten hat.

Und dass es solche konkreten Garantien nicht gegeben hat – weil dies nicht den Traditionen der chinesischen Politik entspricht –, das kann ich Ihnen mit absoluter Sicherheit sagen, selbst ohne Zeuge dieses Gesprächs zwischen dem belarussischen und dem chinesischen Staatschef gewesen zu sein.


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Titel des Originals: Лукашенко поїхав жалітися на Росію і
Україну | Віталій Портников. 30.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 30.06.2026.
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Krieg und Trump: Das Ende des „Geistes von Anchorage“ | Vitaly Portnikov. 29.06.2026.

Zunächst möchte ich Sie zu Beginn dieser Sendung, die wie die meisten unserer Gespräche dem russisch-ukrainischen Krieg gewidmet sein wird, den Wegen aus diesem Krieg, den Wegen zum Verständnis der Situation und dessen, wie sie sich verändert, zum 30. Jahrestag der Annahme der Verfassung der Ukraine beglückwünschen.

Denn in Wirklichkeit war dieser Tag vor 30 Jahren auch ein wichtiger Teil des Verständnisses dafür, wie sich ukrainische Verfassungen verändern, ein weiterer Schritt des Abschieds von unserer sowjetischen Vergangenheit. Vergessen Sie schließlich nicht, dass wir noch vor 30 Jahren nach der sowjetischen Verfassung lebten, die ein wenig an die Bedingungen der neuen Zeit angepasst worden war.

Zugleich ist auch dies ein ziemlich wichtiger Moment, an den wir uns erinnern müssen: Die Annahme der Verfassung im Jahr 1996 zeigte so oder so die ganze Komplexität des ukrainischen politischen Systems, die Suche nach Kompromissen und Gleichgewicht, die einerseits die Fähigkeit des ukrainischen Volkes demonstrierten, eine reale Auseinandersetzung politischer Kräfte und Interessen zuzulassen, andererseits aber die Institutionen in gewisser Weise zu riskanten Strukturen machten, die nicht auf der Suche nach Wegen für eine bessere Entwicklung unseres Staates beruhten, sondern eben auf all diesen ewigen Kompromissen zwischen verschiedenen politischen Gruppen, Vorstellungen über die Zukunft des Staates, regionalen und, ich würde sagen, sogar persönlichen Interessen.

Schließlich lohnt es sich daran zu erinnern, dass die Verfassung 1996 nachts angenommen wurde. Und das hing mit der Konfrontation zwischen dem Präsidenten der Ukraine Leonid Kutschma und dem ukrainischen Parlament zusammen. Heute, als wir alle in der Werchowna Rada miterlebt haben, wie der zweite Präsident der Ukraine mit einer Auszeichnung geehrt wurde, die den Namen eines der herausragenden ukrainischen Staatsgründer, Wjatscheslaw Tschornowil, trägt – was für eine Ironie des Schicksals. Wir müssen uns daran erinnern, dass Leonid Kutschma eben jener Mensch war, der alles Mögliche tat, damit die Verfassung in ihrer heutigen Form überhaupt nicht entstehen würde, und der versuchte, die ukrainische Verfassung von 1996 in eine russische von 1993 zu verwandeln, also eine superpräsidiale Republik zu erreichen, in der praktisch die gesamte Macht einer Person gehören würde.

Dazu kam es nicht. Zugleich aber wagten die Abgeordneten damals auch nicht, den Weg zur Schaffung einer vollwertigen parlamentarisch-präsidentiellen Republik zu gehen, um keinen noch schärferen Konflikt zwischen Präsident und Parlament zu schaffen. So war schon diese Verfassung, man könnte sagen, ein gewisses Zieht-und-Schiebt, das in verschiedene Richtungen des Staatsaufbaus blickte.

Und möglicherweise begann sich die Situation erst in den Jahren 2003–2004 zu korrigieren, als die Idee der parlamentarischen Republik faktisch mit dem Versuch Leonid Kutschmas verbunden war, der das Präsidentenamt bereits verließ, weil er nicht zum dritten Mal kandidieren konnte, seinen Einfluss auf die ukrainische Staatlichkeit zu bewahren. Eben deshalb erhielten sowohl das Parlament als auch das Amt des Ministerpräsidenten jene Bedeutung, die sie während der Amtszeit der ersten beiden Präsidenten der Ukraine praktisch nie gehabt hatten.

Aber auch hier sahen wir, dass diese Kompromisse den ukrainischen Politikern ziemlich schwerfallen. Viktor Janukowytsch, der im Grunde aus Sicht seiner Nominierung durch die Partei der Macht bei den Präsidentschaftswahlen zum Nachfolger Kutschmas wurde, ließ die Abstimmung über die parlamentarisch-präsidentielle Republik in der ukrainischen Werchowna Rada scheitern. Ich bin der Meinung, dass er dies auf Anweisung aus Moskau durch seine damaligen Kuratoren Putin und Medwedew tat.

Und die parlamentarisch-präsidentielle Republik entstand faktisch als Ergebnis der Orangenen Revolution von 2004 und führte fast sofort zu einem scharfen Konflikt zwischen Präsident Viktor Juschtschenko und Ministerpräsidentin Julija Tymoschenko, schon zu einer Zeit, als die Befugnisse des Präsidenten real eingeschränkt waren.

Ich würde sagen, dass für die Ukrainer die Tatsache, dass ein realer Kampf zwischen dem Präsidenten und dem Regierungschef stattfindet, was eigentlich die Norm jedes politischen Prozesses in einem entwickelten Staat ist, immer bis zu einem gewissen Grad eine Herausforderung für ihre postsowjetischen Vorstellungen davon war, was Politik und was Macht ist. Die Ukrainer stimmten einerseits für verschiedene politische Formationen, die bereit waren, gegeneinander zu kämpfen, suchten andererseits aber die ganze Zeit eine starke Hand, die in ihrer Macht nicht durch irgendwelche Handlungen des Parlaments oder der Regierungsmitglieder beschränkt sein würde, die selbst über die Zukunft des Staates verfügen würde.

So setzten die Jahre 2010 und 2019, die Wahl zunächst Viktor Janukowytschs und später Volodymyr Zelenskys zu Präsidenten der Ukraine, einen Punkt unter all unsere Versuche, eine effektive parlamentarisch-präsidentielle Republik zu schaffen. Jedes Mal, wenn es zwischen Präsident und Ministerpräsidenten, wie in den Zeiten Viktor Juschtschenkos und Petro Poroschenkos, zu realen Konflikten kam, rief dies völliges Unverständnis bei der überwiegenden Mehrheit der postsowjetischen ukrainischen Gesellschaft hervor.

Und niemand wollte bemerken, dass eine präsidiale Alleinherrschaft das Land in eine programmierte Katastrophe führt, aus der es kaum einen mehr oder weniger schmerzlosen Ausweg geben wird. In der Zeit Janukowytschs führte dies zu einer offenen postsowjetischen Diktatur nach dem Muster Lukaschenkos und Putins.

In der Zeit Zelenskys erlaubte eine solche Alleinmacht dem Land nicht, sich würdig auf den großen Krieg vorzubereiten, zu dem es verurteilt war, nachdem Russland die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen von 2019 auf seine Weise interpretiert hatte. Nicht als Neigung der ukrainischen Gesellschaft zu Alleinherrschaft, sondern als Neigung der ukrainischen Gesellschaft zur Kapitulation vor Russland.

So oder so befinden wir uns heute in einer Situation, in der die gesamte Macht im Land in den Händen einer Person konzentriert ist. Die Verfassung befindet sich keineswegs deshalb auf Pause, weil Krieg ist, sondern weil praktisch durch die Hände der Ukrainer ein Mechanismus der Alleinherrschaft und der Entscheidungsfindung durch eine Person in einem Büro aufgebaut wurde.

Zugleich zerbröckelt die parlamentarische Mehrheit, die von den Ukrainern gerade dafür geschaffen wurde, dass nichts der Alleinherrschaft Volodymyr Zelenskys im Wege steht, vor unseren Augen und schafft zusätzliche Herausforderungen für die Ineffizienz des ohnehin ineffektiven ukrainischen Staates und seiner Institutionen.

Hoffen wir, dass die weitere Erosion der buchstäblich innerhalb weniger Wochen geschaffenen Partei Diener des Volkes zur Bildung einer realen, funktionierenden Koalition führen wird, in der Abgeordnete der Werchowna Rada vereint sein werden, die tatsächlich staatsmännische Ansichten über die Zukunft der Ukraine vertreten und bereit sind, Wege sowohl für den Ausweg der Ukraine aus dem russisch-ukrainischen Krieg in den nächsten Jahren als auch für den Nachkriegsaufbau der Ukraine auf den Grundlagen eines effektiven europäischen demokratischen Staates zu suchen, in dem die Macht auf verschiedene Institutionen verteilt ist und der Präsident seine Aufgaben wahrnimmt, der Ministerpräsident die seinen und das Parlament die seinen. Dann wird es tatsächlich eine Symphonie sein und kein Solo auf einem einzigen Instrument, das wir nun schon das siebte Jahr erleben.

Das ist unsere Aufgabe für die Zukunft. Und dann werden wir einander dazu gratulieren können, dass unsere Verfassung wirklich existiert und funktioniert. Bis dahin aber muss man ausschließlich darüber sprechen, was im russisch-ukrainischen Krieg aus Sicht der Entwicklung der Ereignisse geschehen wird, die für uns alle ziemlich ernst und ziemlich wichtig ist.

Und diese Woche – weshalb ich überhaupt eigens bei ihr verweilen wollte – kann gerade wie das reale Ende dieser ganzen Geschichte mit dem sogenannten Geist von Anchorage aussehen, über den man in Moskau praktisch seit den ersten Tagen nach dem Treffen des Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und des Präsidenten Russlands Putin in Alaska zu sprechen begann.

All diese Gespräche über den Geist von Anchorage schufen in Wirklichkeit eine reale Grundlage dafür, dass Moskau im russisch-ukrainisch-amerikanischen Dialog Zeit schinden konnte, damit Putin, der darauf eingestellt ist, schon mit dem nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten nach einem Ausweg aus der Situation im russisch-ukrainischen Krieg zu suchen, sein Ziel erreicht; damit unter dem Deckmantel des Verhandlungsprozesses, dessen bestimmte Orientierungspunkte und Indikatoren angeblich von den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation festgelegt worden waren, die Kampfhandlungen an der russisch-ukrainischen Front und der Krieg zur Erschöpfung der Ukraine weitergingen, der, wie wir wissen, nach dem Zusammenbruch des Blitzkriegs im Jahr 2022 zum Hauptziel des russischen Präsidenten für die 20er- und 30er-Jahre des 21. Jahrhunderts wurde.

Erstens müssen wir das Wichtigste verstehen: Was ist in Anchorage wirklich geschehen, warum erhielten die Russen überhaupt die Möglichkeit, von irgendeinem Geist von Anchorage zu sprechen? In Anchorage wurden, wie wir sehr gut wissen, keinerlei reale Vereinbarungen zwischen Moskau und Washington erzielt. Wir wissen das nicht von irgendwelchen Kommentatoren, nicht aus Schlussfolgerungen aus periodischen Publikationen. Wir wissen das vom Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und vom Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin während ihrer kurzen Pressekonferenz in Anchorage, bei der keiner der Journalisten, die sich an diesem Ort versammelt hatten, die Möglichkeit hatte, den Präsidenten Fragen zu stellen. Und das trotz Donald Trumps Leidenschaft für die Showisierung der großen Politik. Der Präsident der Vereinigten Staaten sagte klar, dass zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation keinerlei Vereinbarungen erzielt werden konnten. Der wütende und, man kann sagen, überraschte Trump flog eilig von Anchorage nach Washington zurück, ohne auch nur eine Abschiedszeremonie für seinen russischen Gast zu veranstalten, den er wenige Stunden vor diesem enttäuschenden Finale noch mit Applaus an der Gangway von Putins Flugzeug auf dem Flugplatz der Hauptstadt Alaskas empfangen hatte.

Was konnte also während dieser Verhandlungen tatsächlich geschehen sein? Das können wir bereits mit voller Sicherheit rekonstruieren. Am Vorabend des Treffens von Trump und Putin in Alaska stattete der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, Putin einen Besuch ab und übergab ihm Bedingungen, unter denen aus Sicht Washingtons der russisch-ukrainische Krieg beendet werden könnte.

War unter diesen Vorschlägen auch die Idee eines Abzugs ukrainischer Truppen aus dem Gebiet Donezk und eines Einfrierens des Konflikts entlang der Kontaktlinie der Truppen in Cherson und Saporischschja? Ich meine: ja. Ich denke, dass dieser Vorschlag dort enthalten war.

Zugleich gab es dort Vorschläge, die Putin aus Sicht seiner realen Ziele im russisch-ukrainischen Krieg absolut nicht zufriedenstellen konnten, nämlich die Wahrung der Souveränität der Ukraine, Sicherheitsgarantien für die Ukraine, die sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Russische Föderation geben würden, und die Zustimmung zur europäischen Integration der Ukraine. Das heißt, es wurde vorgeschlagen, Entscheidungen zu treffen, die eine Einverleibung des Territoriums der Ukraine durch die Russische Föderation sowohl jetzt als auch in Zukunft ausschließen würden, was den politischen Zielen des Präsidenten der Russischen Föderation und den Wünschen des russischen Volkes völlig widerspricht.

Während des Treffens in Anchorage las der Präsident der Russischen Föderation die Bedingungen vor, die Steve Witkoff ihm am Vortag nach Moskau gebracht hatte, und fragte den Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, ob er tatsächlich solche Bedingungen vorgeschlagen habe, worauf Witkoff jeden einzelnen Punkt, den Putin während der gemeinsamen Verhandlungen mit Trump vorlas, bestätigte.

Zugleich gab Putin selbst keinerlei Zustimmung zu diesen Bedingungen, die ihm am Vortag während des Treffens mit dem Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten vorgetragen und in Anwesenheit des Präsidenten der Vereinigten Staaten verlesen worden waren. Deshalb sagt der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, völlig klar, dass während des Treffens zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem der Russischen Föderation keinerlei Vereinbarungen erzielt werden konnten, dass dies ausschließlich ein amerikanischer Vorschlag war, den Putin erhielt, las und nicht akzeptierte, weil es ein Paketvorschlag war. Und Trump war der Ansicht, dass er gilt, wenn es um alle Punkte dieses Vorschlags geht.

Die Präsidenten reisten auseinander, aber bereits an Bord seines Flugzeugs, das von Anchorage nach Washington flog, wurde Donald Trump klar, dass die überwiegende Mehrheit der Journalisten, die sich sogar an Bord dieses Flugzeugs befanden, ganz zu schweigen von allen Weltmedien, über das Geschehene als über ein Fiasko seiner Außenpolitik sprechen würden. Und es war ein Fiasko.

Trump, der solche Bewertungen seiner Gespräche mit Putin bereits während seiner ersten Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten erhalten hatte, wollte solche Bewertungen absolut nicht und, man kann sagen, und vollzog noch während des Flugs eine Kehrtwende. Er begann zu erklären, die Reise sei ein voller Erfolg gewesen, keineswegs ein Fiasko, man habe mit Putin sehr produktiv gearbeitet, ohne auf irgendeine Konkretheit einzugehen, die mit dem zusammenhing, was im Konflikt zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten während des Treffens in Alaska geschah, und ohne zu erklären, worin der reale Kern der erzielten Vereinbarungen bestand, weil es keine Vereinbarung gab.

Der Kreml nutzte diese Situation, Donald Trumps Unwillen, das Scheitern seines Treffens mit Putin einzugestehen, und erfand vor diesem Hintergrund die Geschichte vom Geist von Anchorage – also keine Vereinbarung, sondern irgendeinen an sich unverständlichen Geist, an den man sich halten müsse.

Was ist ein Geist? Ich kann Ihnen klar antworten. Es sind jene Vorschläge, die von Trump vorgeschlagen, aber von Putin nicht angenommen wurden. Und gemeint ist, dass man im weiteren Verlauf des Verhandlungsprozesses der Logik dieser Vorschläge folgen müsse, indem man jene daraus ausschließt, die den russischen Präsidenten nicht zufriedenstellen.

Nehmen wir zum Beispiel: Die Souveränität und Existenz der Ukraine auf der politischen Landkarte der Welt und ihre europäische Integration stellen Putin nicht zufrieden, der Abzug ukrainischer Truppen aus dem Gebiet Donezk stellt Putin hingegen zufrieden. Alles ist sehr einfach.

Also hinderten die Amerikaner nach dem Treffen in Anchorage russische Beamte – Putin selbst, seinen außenpolitischen Berater Uschakow, Außenminister Lawrow und andere – nicht daran, von diesem Geist von Anchorage zu sprechen, ohne die Tatsache zu dementieren, dass es einen solchen Geist überhaupt nicht gegeben hatte und dass eine teilweise Annahme der Bedingungen, die Donald Trump Putin vorgeschlagen hatte, nicht möglich sein konnte. Die Ergebnisse kennen Sie ebenfalls gut.

Jetzt, da Trump sieht, wie die Ukraine Raffinerien, den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation und andere für den Präsidenten Russlands und die Russen selbst wichtige Objekte beschießt, meint er, Putin durch weiteren Druck und die Zerstörung russischer Infrastruktur zu Verhandlungen und zur Annahme der amerikanischen Bedingungen zwingen zu können, möglicherweise bereits in veränderter Form. Und Marco Rubio, der Außenminister der Vereinigten Staaten, erklärt, dass in Anchorage keinerlei Vereinbarungen zustande gekommen seien. Es habe lediglich amerikanische Vorschläge gegeben, die nie gebilligt wurden.

Das ist das reale Ergebnis dessen, was wir in den letzten Tagen und Wochen sehen. Und es ist das reale Ergebnis der Handlungen der ukrainischen Streitkräfte zur Zerstörung der Erdölraffinerien der Russischen Föderation – Sie wissen, dass eines der Unternehmen gerade heute Nacht angegriffen wurde – und des militärisch-industriellen Komplexes der Russischen Föderation, ebenso wie jener Probleme, die die Russische Föderation beim Angriff auf ukrainische Stellungen entlang der gesamten Kontaktlinie der Truppen hat.

Natürlich können wir über eine ernste Situation um Kostjantyniwka sprechen. Und das wird vom Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, Oleksandr Syrsky, selbst anerkannt und auch von anderen Militärs und Militärexperten anerkannt.Aber das sind dennoch nicht die Ergebnisse, auf die Moskau gehofft hatte. Denn in Wirklichkeit ist das Ziel dieses Krieges keineswegs die Besetzung des Gebiets Donezk, sondern die Besetzung der gesamten Ukraine.

Und selbst wenn wir der Logik zustimmen, dass Putin von seinen Militärs erwartet, dass sie in einigen Jahren das Gebiet Donezk besetzen können, stellt sich die Frage, ob das wirklich das ist, was er für seinen politischen Erfolg braucht, und ob das wirklich das ist, was er den Russen als Sieg verkaufen kann – in einer Situation, in der die einen Russen einfach das Ende des Krieges wollen, während andere glauben, dass die Wahl, und das hören wir ständig, zwischen der Vernichtung der Ukraine und dem Zerfall Russlands steht. Und deshalb hätten die Russen keinen anderen Ausweg, als diesen Krieg bis zum Zusammenbruch unseres Staates fortzusetzen, um ihren eigenen zu bewahren.

Jegliche territorialen Erfolge Russlands innerhalb der Grenzen dieser oder jener ukrainischen Region kompensieren nicht die Angst russischer Chauvinisten vor dem Verlust der Staatlichkeit, falls die Ukraine auf der politischen Landkarte der Welt erhalten bleibt. Deshalb wird dieser Konflikt als existenziell bezeichnet, weil es zumindest im kommenden Jahrzehnt keinerlei reale Voraussetzungen für eine Versöhnung zwischen dem russischen und dem ukrainischen Staat sowie zwischen dem russischen und dem ukrainischen Volk gibt. Es gibt nur die Möglichkeit, dass die Ukraine Russland abwehrt und Bedingungen schafft, unter denen die Russische Föderation zumindest davor zurückschreckt, die Ukraine in den kommenden Jahren und Jahrzehnten anzugreifen. Bis dahin werden sich die politischen Konstellationen verändern, wir werden Mitglied der NATO werden und unter einen nuklearen Schutzschirm gelangen. Oder der ukrainische Staat wird von Russland während des nächsten mehrjährigen Vernichtungskrieges durch eine militärische, demografische und soziale Katastrophe und die Zerstörung der gesamten Infrastruktur vernichtet werden, was weniger wahrscheinlich ist, weil wir, wie wir alle in den letzten Jahren sehen, in diesem Krieg dennoch als Teil des Westens kämpfen und nicht als eigenständiges Subjekt des Kampfes gegen die Russische Föderation. Und Russland versteht das ebenfalls sehr gut. Deshalb spricht es die ganze Zeit vom sogenannten kollektiven Westen, der gegen es kämpft.

Dass die Amerikaner heute aufhören, vom Geist von Anchorage zu sprechen, und dass inzwischen in amerikanischen Medien Berichte erscheinen, wonach Trump diesen Geist auch während seines Treffens mit den Staats- und Regierungschefs der G7 nicht mehr erwähnt hat und sich grundsätzlich ziemlich negativ über Präsident Putin und die Entwicklungen im russisch-ukrainischen Krieg äußerte, indem er gerade Putin vorwarf, Zeit zu schinden, während er über Volodymyr Zelensky deutlich positiver sprach als zuvor – das ist natürlich wichtig.

Und wichtig ist das nicht deshalb, weil Trump irgendwelche realen Schritte unternehmen könnte, um die weitere Entwicklung des Krieges zu verhindern oder neuen Druck auf Putin auszuüben. Große Möglichkeiten, Putin mit amerikanischen Sanktionen unter Druck zu setzen, hat Trump ohnehin nicht. Und dass jetzt die Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil, die im Zuge des amerikanisch-iranischen Krieges im Wesentlichen ausgesetzt worden waren, wieder in Kraft sind, ist bereits ein Erfolg. Aber zumindest wird Trump Putin nicht länger die Illusion vermitteln, dass Putin ihn für seinen weiteren Kampf um die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges benutzen kann. Schon das ist wichtig.

Es ist wichtig, dass die Amerikaner davon ausgehen, dass gerade Trump derjenige sein wird, der die Ukraine unterstützt – wenn auch eher mit Worten als mit Geld und Waffen – und damit den Europäern den Rücken freimacht, die, wie Sie sehen, weiterhin auf die Haltung der Vereinigten Staaten schauen, bevor sie grundsätzliche Entscheidungen über die Unterstützung der Ukraine im russisch-ukrainischen Krieg treffen. Zum Glück jedoch immer weniger.

Und schließlich darf man nicht vergessen, dass es bereits gewisse Entwürfe für praktische Schritte gibt, falls Trump sie gehen möchte – sogar im amerikanischen Kongress. Man sollte nicht übersehen, dass das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten bereits ein Gesetz zur Unterstützung der Ukraine verabschiedet hat und dabei sogar gegen den Willen des Sprechers des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, vorgehen konnte, der dieses Gesetz gar nicht zur Abstimmung stellen wollte. Es gelang, den Sprecher zu umgehen und das Gesetz zu verabschieden. Und all das mit Unterstützung einer Gruppe republikanischer Abgeordneter, die bereit waren, gemeinsam mit den Demokraten dafür zu stimmen.

Das heißt: Je näher der Stimmenkampf in Amerika und die Kongresswahlen rücken, desto mehr Kongressabgeordnete und Senatoren werden der Auffassung sein, dass eine Unterstützung der Ukraine ihren eigenen Wahlchancen zugutekommt.

Und so wird dieses Gesetz möglicherweise nicht nur im Repräsentantenhaus, sondern auch im Senat behandelt werden können. Wenn Donald Trump das möchte, werden die Senatoren dafür stimmen, und er wird es unterzeichnen können. Auch das wäre ein zusätzlicher Druckfaktor auf Putin und auf seine gesamte Kamarilla.

Und schließlich kann man sagen, dass mit diesen klaren amerikanischen Feststellungen, dass es keinen Geist von Anchorage gibt, und mit Lawrows Worten, er wolle nicht einmal daran denken, dass das Treffen in Anchorage nur dazu gedient habe, der Ukraine Zeit zur Wiederaufrüstung zu verschaffen, diese Geschichte mit dem für niemanden außer Putin notwendigen Treffen des amerikanischen und des russischen Präsidenten in Alaska ihrem Ende entgegengeht. Es wird völlig offensichtlich, dass es damals keine Vereinbarungen gab und dass es auch in nächster Zeit keine geben wird – solange kein intensiver Druck auf Putin ausgeübt wird.

Das sind, würde ich sagen, die wichtigsten Punkte dazu, wie sich die diplomatische Geschichte des russisch-ukrainischen Krieges vor unseren Augen verändert.

Ich werde nun auf die Fragen eingehen, die während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Erklären Sie bitte, warum Putin und alle in Russland den Krieg „Spezialoperation in der Ukraine“, „Krise in der Ukraine“ nennen, obwohl der Krieg aus Sicht ihrer eigenen Verfassung auf 90 Prozent jenes Territoriums stattfindet, das sie in ihre Gesetzgebung aufgenommen haben.

Portnikov: Ja, das stimmt. Aber dieser Krieg richtet sich gegen die Ukraine als Staat, der die Tatsache nicht anerkennt, dass diese Gebiete Teil der Russischen Föderation seien. Wie Sie sich erinnern, wurde die sogenannte militärische Spezialoperation offiziell begonnen, nachdem Putin die sogenannte Unabhängigkeit der Volksrepubliken im Donbas anerkannt hatte. Und die Streitkräfte der Russischen Föderation sollten diesen Pseudo-Volksrepubliken helfen, ihre sogenannte territoriale Integrität innerhalb der Gebiete Donezk und Luhansk wiederherzustellen. Da die ukrainische Führung dem nicht zustimmte, wurde die Aufgabe gestellt, die ukrainische Regierung durch eine loyale Regierung zu ersetzen, die alle Wünsche des Kremls erfüllen würde.

Im Grunde hat der Präsident der Russischen Föderation das auch nie verborgen. Er sagte dies in seiner Ansprache an die Russen in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar 2022. Deshalb findet die sogenannte Spezialoperation „in der Ukraine“ statt – nicht auf dem Territorium der Russischen Föderation als solcher, sondern auf dem Territorium der Ukraine und auf dem Territorium jener Subjekte der Russischen Föderation, die bis dahin Teil der Ukraine gewesen waren und deren Bewohner in Referenden beschlossen hätten, sich Russland anzuschließen.

Das ist eine ganz gewöhnliche Mystifikation. Aber Sie sehen doch selbst, dass Putin ständig selbst Fehler macht, wenn er das tatsächliche Territorium Russlands mit dem verfassungsmäßigen Territorium Russlands verwechselt. Ich erinnere Sie nur daran, wie Putin über die Erprobung der Oreschnik-Rakete sprach. Er sagte, Oreschnik müsse in der Ukraine erprobt werden, weil sie zuvor keine Feldtests durchlaufen habe. Deshalb hätten die Russen Oreschnik auf Garagen in Bila Zerkwa getestet und außerdem auf jenem Gebiet, das Russland in der sogenannten Donezker Volksrepublik kontrolliert, um zu sehen, wie diese Waffe funktioniert. Und unmittelbar danach sagte Putin, auf dem Territorium Russlands sei Oreschnik niemals getestet worden.

Da stellt sich die Frage: Wie nimmt Putin dann das Gebiet der sogenannten Donezker Volksrepublik wahr? Dass dieses Gebiet in der russischen Verfassung verankert ist, ist ihm, wie Sie verstehen, ebenso wie jedem anderen Russen, in Wirklichkeit gar nicht ernst. Das ist lediglich ein Instrument des Drucks auf die Ukraine und auf die zivilisierte Welt. Die Russen selbst und Putin selbst betrachten die Gebiete Donezk, die Krim, Saporischschja, Cherson und Luhansk nicht als Russland. Das ist die ewige russische Kultur der Lüge. Und von Zeit zu Zeit bricht sie durch. Sie haben das bemerkt, als Sie nach der sogenannten Spezialoperation gefragt haben.

Frage: Halten Sie es für möglich, dass Putin Trump in Anchorage davor gewarnt hat, der Ukraine zu helfen, ihm seinen Platz jenseits des Ozeans gezeigt hat, weil sonst der Inhalt von Trumps Epstein-Akte öffentlich werden würde? Das sei der Geist.

Portnikov: Nein. Das ist eine ganz gewöhnliche Verschwörungstheorie, die darauf abzielt, reale Politik durch einfache Antworten auf komplizierte Fragen zu ersetzen. Ich denke, Trump versteht sehr gut, dass Putin nicht derjenige ist, der über die Epstein-Akte verfügt, und dass Putin Trump während eines Treffens ganz sicher nicht seinen Platz zuweisen kann. Auch das ist eine Illusion.

Ich habe Ihnen klar erklärt, was in Anchorage geschehen ist. Alles andere ist bloße Spekulation. Sie verkennt, dass Politiker über Politik sprechen und sich dabei von Interessen leiten lassen – nicht von Erpressung.

Erpressen kann man Marionetten. So, wie Putin den ukrainischen Präsidenten Janukowytsch und den armenischen Präsidenten Sargsjan erpresste, damit sie die Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union nicht unterzeichnen.

Zu jedem von ihnen hatte Putin einen Hebel. Wobei er Sargsjan offensichtlich damit erpresste, dass Russland Armenien beim Verlust der Kontrolle über Bergkarabach und die umliegenden aserbaidschanischen Bezirke nicht unterstützen würde. Das war politische Erpressung: „Wir sind eure Verbündeten. Wenn ihr Abkommen mit der Europäischen Union unterzeichnen wollt, dann werden wir keine Verbündeten mehr im Bereich der Sicherheit sein.“

Und bei Janukowytsch könnte es persönliche Erpressung gewesen sein – schlicht Drohungen gegen sein Leben oder das seiner Familienangehörigen. Und im Fall des Kriminellen Janukowytsch, der offensichtlich viele Jahre für die russischen Geheimdienste gearbeitet hatte, funktionierte das weitaus effektiver.

Frage: Zu welchen Schritten könnte Putin greifen, wenn eine vollständige Blockade der Krim aus logistischer Sicht gelingt – also bei Versorgung, Lebensmitteln und Ähnlichem?

Portnikov: Ich glaube nicht, dass eine Blockade der Krim aus logistischer Sicht zu solchen spürbaren Ergebnissen führen wird, die Putin zwingen würden, seine Vorstellungen vom russisch-ukrainischen Krieg zu ändern. Die Russen sind Meister darin, eine Blockade in ein politisches Instrument zu verwandeln. Wenn Sie in der Sowjetunion gelebt haben, erinnern Sie sich daran, dass die Sowjetunion jahrzehntelang mit der Blockade Leningrads prahlte, obwohl es Möglichkeiten gegeben hätte, diese Blockade zu verhindern und eine große Zahl von Menschen aus Leningrad in Gebiete zu evakuieren, wo sie nicht verhungert wären. Die Russen waren jedoch der Ansicht, dass eine solche Situation in Leningrad nur den Kampfgeist stärkte, die Notwendigkeit der Fortsetzung des Krieges erklärte und eine intensivere Mobilisierung in der Sowjetunion rechtfertigte und so weiter. Deshalb entspricht jede Blockade eines Gebiets, die zu ernsten Problemen für die Bevölkerung führt, im Grunde den politischen Zielen der russischen Führung.

In dieser Situation können wir eine andere Frage stellen, die mir wichtiger erscheint: Welchen Sinn haben Kriege überhaupt noch unter den neuen Bedingungen, in denen wir uns heute mit neuen technologischen Möglichkeiten befinden? Welchen Sinn hat es, irgendwelche Gebiete zu besetzen und unter Kontrolle zu bringen, wenn eine Armee aus Drohnen und Raketen diese Gebiete grundsätzlich in unbewohnbare Zonen verwandeln kann? Wenn du nicht in der Lage bist, den gesamten Organismus zu zerstören, der dich daran hindert, diese Gebiete zu kontrollieren – im Fall Russlands also den ukrainischen Staat –, dann musst du früher oder später über Frieden mit einem solchen Staat und über eine friedliche Lösung nachdenken.

Das hat übrigens überhaupt nichts mit Souveränität, territorialer Integrität oder Völkerrecht zu tun. Es geht schlicht um Pragmatismus. Wenn du nicht in der Lage bist, das, was dich angreift, vollständig zu vernichten, musst du entweder verhandeln oder akzeptieren, dass große Teile deines Territoriums deiner tatsächlichen Kontrolle entzogen sein werden – selbst wenn dort deine Panzer stehen und du formell die Macht ausübst.

Ich führe hier das Gegenargument zur russischen Position an. Nehmen wir die Situation im Norden Israels. Dieses Gebiet wird ständig von der Terrororganisation Hisbollah angegriffen und verwandelt sich faktisch in ein Gebiet, in dem ein normales Leben der Bürger nicht mehr möglich ist.

Was soll Israel tun? Wenn es nicht möglich ist, die Hisbollah vollständig zu vernichten, muss man Wege finden, damit die libanesische Regierung und die libanesische Armee das gesamte Territorium des Libanon unter ihre Kontrolle bringen und der Hisbollah die Möglichkeit nehmen, das Leben im Norden Israels weiter zu zerstören.

Noch vor wenigen Jahren sah die Situation jedoch anders aus, weil selbst Raketenangriffe auf israelisches Gebiet – angesichts der damaligen Technologien – nicht dazu zwangen, die Lage auf diese Weise zu betrachten.

Gerade dieser neue militärtechnische Faktor, den wir heute beobachten – Drohnen, große Mengen an Raketen und die Möglichkeit, billig riesige Mengen an Drohnen herzustellen, die das Leben lahmlegen können –, stellt grundsätzlich alle bisherigen Methoden der Kriegsführung und sogar den Krieg selbst als Fortsetzung der Politik, wenn wir zynisch sprechen wollen, infrage.

Wenn sich diese Entwicklung in dieser Richtung fortsetzt, wird der Krieg schon in wenigen Jahren aufhören, eine Fortsetzung der Politik zu sein. Der Sinn vieler Dinge, die bislang selbstverständlich erschienen, wird verschwinden. Es ergibt keinen Sinn mehr, ein Gebiet zu besetzen und zu kontrollieren, wenn derjenige, dem du es weggenommen hast, dieses Gebiet deiner Kontrolle entziehen kann – selbst wenn dort deine Behörden und deine Truppen stationiert sind. Die Krim ist dafür ein hervorragendes Beispiel.

Frage: Wird der Sicherheitsapparat mögliche Proteste unterdrücken können, falls eine Mobilmachung ausgerufen wird? Werden das nur kurzfristige Proteste sein oder könnte sich daraus eine Revolution entwickeln?

Portnikov: Das weiß niemand. In der Geschichte Russlands hat es bereits viele Ereignisse gegeben, die zunächst wie kurzfristige Proteste aussahen, von denen man glaubte, sie könnten vom Sicherheitsapparat problemlos niedergeschlagen werden, die sich später aber zu gewaltigen revolutionären Ereignissen entwickelten. Heute lässt sich weder das tatsächliche Protestpotenzial der russischen Gesellschaft noch die reale Leistungsfähigkeit der Sicherheitsorgane beurteilen. Das wird sich erst in der Praxis zeigen.

Ich glaube jedoch nicht, dass es zu einer echten allgemeinen Mobilmachung kommen wird. Vielmehr wird weiter auf Grundlage jenes Erlasses mobilisiert werden, den Putin bereits 2022 unterzeichnet hat und der bis heute gilt. Es wird also eine selektive Mobilisierung sein. Oder man wird nach Menschen suchen, die man aufgreifen und zum Abschluss eines Militärvertrags zwingen kann.

Ich denke, das, was in einer der russischen Städte – ich glaube in Pensa – in der vergangenen Woche geschehen ist, war eine Art Generalprobe. Ich bin überzeugt, dass kein russisches Wehrersatzamt eigenmächtig Menschen entführen und sie zum Abschluss eines Militärvertrags zwingen würde, ohne dass dies auf höchster Ebene des russischen Verteidigungsministeriums gebilligt worden wäre. Und der russische Verteidigungsminister wird eine solche Entscheidung selbstverständlich mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, abstimmen.

Das ist also bereits die Suche nach verschiedenen Wegen, die russische Armee zu verstärken, ohne eine allgemeine Mobilmachung auszurufen.

Frage: Haben Sie Ihre Meinung inzwischen geändert, dass die Bevölkerung europäischer Länder im Falle eines russischen Angriffs eher weiter nach Westen fliehen und ihr Territorium aufgeben würde – und dass die Ukrainer in dieser Hinsicht ein einzigartiges Volk seien?

Portnikov: Nein. Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass es überhaupt keine einzigartigen Völker gibt. Die Ukrainer unterscheiden sich in keiner Weise von Polen, Ungarn oder irgendeinem anderen europäischen Volk – weder von Deutschen noch von Franzosen.

Entscheidend ist, dass sich die Fähigkeit eines Landes, sich tatsächlich zu verteidigen, und die Bereitschaft der Menschen, ihr Land zu verteidigen und dafür Leben und Gesundheit zu opfern, erst dann zeigen, wenn eine wirkliche Krise und eine reale Bedrohung eintreten. Bis zu diesem Moment wollen die meisten Menschen mit so etwas nichts zu tun haben. Wenn Sie vor einem Krieg in irgendeinem Land eine Umfrage durchführen und fragen: „Sind Sie bereit zu kämpfen?“, werden Sie überall sehr ähnliche Ergebnisse erhalten.

Vielleicht besteht eine gewisse Besonderheit der Ukrainer nicht darin, dass sie Ukrainer sind, sondern darin, dass sie – gemessen an der politischen Entwicklung unseres Landes – sowjetische Menschen waren. Und der Wert des menschlichen Lebens war in der Sowjetunion wesentlich geringer als in den Nachbarstaaten Europas. Allerdings ist dieser Wert des Lebens in der Ukraine in den 35 Jahren unserer Unabhängigkeit bereits deutlich gestiegen – jedenfalls im Vergleich zur Russischen Föderation.

Dennoch sehen Sie selbst: Wir kämpfen inzwischen das fünfte Jahr im großen Krieg, und insgesamt dauert dieser Konflikt bereits zwölf Jahre an. Vergessen Sie nicht, dass die Ukrainer bis 2022 auf diesen Konflikt im Grunde nur mit dem Wunsch reagierten, ihn um jeden Preis zu beenden. Genau damit hingen letztlich auch die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl 2019 zusammen.

Deshalb gibt es keinerlei ukrainische Einzigartigkeit. Jede Behauptung, irgendein Volk sei einzigartig, ist, würde ich sagen, ein anachronistisches Denken des Mittelalters, das mit gesundem Menschenverstand nichts zu tun hat. Menschen sind grundsätzlich überall gleich.

Wenn Russland irgendein europäisches Land angreifen sollte, wird es dort sowohl Menschen geben, die bereit sind, ihr Land zu verteidigen, als auch Menschen – wie es sie auch in der Ukraine gibt –, die der Meinung sein werden, man müsse sich selbst und seine Familie retten und der Staat werde schon irgendwie auch ohne sie überleben.

Es wird genügend Menschen geben, die bereit sind zu kämpfen, und genügend Menschen, die einfach überleben wollen. Darauf beruht die gesamte Weltgeschichte. Diejenigen, die überleben, bauen später Staaten wieder auf. Diejenigen, die den Staat mit ihrem Leben und ihrer Gesundheit verteidigen, ermöglichen gerade denjenigen, die nicht kämpfen wollten, diesen Wiederaufbau. Glauben Sie, die Geschichte hat sich in den vergangenen 7.000 Jahren anders entwickelt? Genau so verlief sie. Was soll daran einzigartig sein? Wie könnte es überhaupt anders sein?

Frage: Wie kommt es, dass die sowjetischen und russischen Geheimdienste die Amerikaner so gut verstehen und sie oft erfolgreich manipulieren, während die Amerikaner die Russen überhaupt nicht verstehen?

Portnikov: Zunächst einmal verstehen die sowjetischen und russischen Geheimdienste die Amerikaner keineswegs so hervorragend. In der Regel nutzen sie Menschen aus, die sich vor allem für Geld interessieren. Das ist eine sehr einfache Methode der Zusammenarbeit – so alt wie die Welt.

Aus analytischer Sicht verstehen die Amerikaner die Russen tatsächlich nicht – so wie sie vieles in Europa oder Asien generell nicht verstehen. Sie begreifen die Motive nicht, von denen Menschen sich bei ihren Entscheidungen leiten lassen. Dass es neben dem Wunsch nach finanziellem Gewinn auch Vorstellungen von nationaler Größe geben kann, den Kampf gegen den eigenen nationalen oder persönlichen Minderwertigkeitskomplex oder schlicht Angst vor dem eigenen Staat – eine Angst, die bei Russen viel größer sein kann als bei Amerikanern.

Das ist eine ganz andere Geschichte, über die man lange sprechen könnte. Man muss sie, würde ich sagen, in ihrer Gesamtheit verstehen.

Ich habe immer gesagt, dass es bei der amerikanischen Analyse Europas – und das betrifft nicht nur die Geheimdienste – grundsätzlich ein Problem gibt: Die Werte, auf denen die Vereinigten Staaten gegründet wurden, unterscheiden sich von den Wertvorstellungen der Alten Welt. Deshalb heißt sie ja Alte Welt und Neue Welt. Wenn man in der Alten Welt lebt, versteht man die Neue leichter, als die Neue die Alte versteht. Das erscheint mir eigentlich selbstverständlich.

Frage: Falls die Ukraine Belarus weiterhin dazu drängt, Russland nicht zu unterstützen – wie wird die Ukraine handeln, wenn Belarus irgendwann diese Zugeständnisse verweigert?

Portnikov: Ich denke, wir verstehen sehr genau, bis zu welchem Punkt wir Druck auf Belarus ausüben können. Die Frage ist allein, inwieweit der selbsternannte Präsident von Belarus, Alexander Lukaschenko, sich der Gefahr einer ukrainischen Reaktion bewusst ist, falls unsere Forderungen hinsichtlich des Verhaltens Minsks im russisch-ukrainischen Krieg nicht erfüllt werden.

In dem Moment, in dem die Ukraine begonnen hat, Ziele auf russischem Territorium anzugreifen, befindet sich Belarus – sowohl geografisch als auch wegen seiner kompakten Wirtschaft und ihrer Verwundbarkeit – in einer strategisch weitaus schwierigeren Lage als Russland gegenüber der Ukraine.

Deshalb besteht Lukaschenkos wichtigstes Ziel darin, ukrainische Angriffe auf Belarus zu verhindern – insbesondere auf die Erdölraffinerien des Landes. Das muss man sich klar machen. Deshalb würde ich nicht sagen, dass Belarus der Ukraine ernsthaft irgendwelche Zugeständnisse verweigern kann.

Ich denke, die eigentliche Frage ist vielmehr, wie diese Zugeständnisse nicht von Lukaschenko, sondern von Putin aufgenommen werden. Denn Putin ist ebenso wie Lukaschenko daran interessiert, die belarussische Ölverarbeitung, die belarussische Wirtschaft und das belarussische Regime zu erhalten. Belarus wird heute von Putin gebraucht. Es dient als eine Art inoffizielles Fenster für die russische Wirtschaft und letztlich auch für informelle Kontakte zwischen den Präsidentenadministrationen der Vereinigten Staaten und Russlands, falls dafür irgendwann Voraussetzungen entstehen.

Sie verstehen doch, dass die amerikanische Regierung in Wirklichkeit kaum geglaubt hat, sie könne Lukaschenko Putin entreißen. Vielmehr wollte sie Lukaschenko als eine Art Vermittler zwischen Putin und Trump nutzen. Das liegt derzeit auf Eis, weil die Trump-Regierung gegenüber Lukaschenko keinerlei konkrete Schritte unternommen hat und Lukaschenko sieht, dass gegen ihn tatsächlich nichts Konkretes geschieht. Dennoch bleibt diese Möglichkeit grundsätzlich bestehen, und Putin könnte durchaus daran interessiert sein, sie zu bewahren.

Für die Ukraine wird es kaum eine andere Wahl geben, falls von belarussischem Territorium aus feindliche Handlungen gegen die Ukraine ausgehen. Wenn Belarus zur Destabilisierung unseres Staates beiträgt oder der russischen Armee Hilfe leistet – wie soll die Ukraine diese Möglichkeiten Belarusses dann einschränken? Umso mehr, wenn darüber bereits auf staatlicher Ebene gesprochen wird und dies inzwischen tatsächlich Teil der Strategie der Streitkräfte der Ukraine geworden ist. Einfach deshalb, weil wir uns das inzwischen leisten können – denn wir greifen bereits Ziele auf russischem Territorium an.

Warum ist das Thema Belarus überhaupt aufgekommen? Erinnern Sie sich: Noch 2022 erschienen selbst Angriffe auf Russland völlig unmöglich. Ebenso undenkbar schienen Angriffe auf die von Russland besetzten Gebiete der Ukraine, auf die Krim. Später stimmten unsere Verbündeten zu, dass Angriffe auf die besetzten Gebiete möglich seien, auch wenn wir unsere Beteiligung daran nicht eingestanden. Danach wurden Operationen auf dem eigentlichen russischen Staatsgebiet möglich – etwa in der Region Belgorod. Anschließend folgte die Geschichte mit der Region Kursk.

Wir sind also Schritt für Schritt, aber sehr realistisch zu einer Situation gelangt, in der sich der Krieg in den kommenden Jahren auf dem Territorium beider Staaten abspielen und zu einem gegenseitigen Abnutzungskrieg werden wird. Warum sollte dann Belarus ausgenommen werden, wenn Belarus Verbündeter der Russischen Föderation in diesem Krieg ist? Das ist eine rein rhetorische Frage.

Und Lukaschenko versteht sehr genau, dass es tatsächlich eine rhetorische Frage ist.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Війна і Трамп: кінець «духу Анкориджа» | Віталій Портников. 29.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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