Putin hat Trump belogen | Vitaly Portnikov. 05.12.2025.

Donald Trump hat persönlich bestätigt, dass er an keinen ukrainischen Angriff auf die Residenz des russischen Präsidenten Putin glaubt. Wie bekannt ist, tauchte die Information über einen solchen Angriff erstmals während eines Telefongesprächs zwischen Trump und Putin auf – kurz nach dem Treffen des Präsidenten der Vereinigten Staaten mit dem Präsidenten der Ukraine.

Man sollte daran erinnern, dass dieses Gespräch zwischen Trump und Putin für die Zeit unmittelbar nach diesem Treffen geplant war, damit Trump dem russischen Präsidenten die Ergebnisse seiner Gespräche mit Volodymyr Zelensky sowie jene gemeinsamen Vorschläge mitteilen konnte, die während ihres Treffens erarbeitet worden waren. Doch Putin lehnte zunächst ein neues Telefongespräch mit Trump ab, und einige Stunden später blufften die Russen mit einem angeblichen Beschuss der Residenz Putins, drohten, den Verhandlungsprozess zu verlassen, und ihre Position in den Verhandlungen zu ändern.

Trump, als er von Putin von dem Beschuss seiner Residenz hörte, wirkte wütend und warf der Ukraine vor, dass solche Handlungen unangebracht seien. Doch es stellte sich heraus, dass die Ukraine – wie man in Kyiv sofort mitteilte – nichts mit dieser russischen Erfindung zu tun hatte. Und Trump musste schließlich seinen eigenen Irrtum eingestehen.

In seinen Antworten auf Fragen von Journalisten betonte er, dass er über den Beschuss der Residenz zu einem Zeitpunkt gesprochen habe, als die Amerikaner überhaupt nichts darüber wussten, und er erwähnte natürlich nicht seine erste emotionale Reaktion, die von seiner Bereitschaft zeugt, selbst der absurdesten Lüge des russischen Präsidenten zu glauben. Dieses Mal jedoch war es eine Lüge, die leicht überprüft werden konnte, weil die Russen fieberhaft nach Möglichkeiten suchten, nicht mit dem amerikanischen Präsidenten über jene Vereinbarungen zu sprechen, die während der Verhandlungen in Washington erzielt worden waren. Und diese Geschichte mit dem Beschuss zeigt erneut, dass Putin bereit ist, zu jeglichen Maßnahmen zu greifen, nur um den konkreten Vorschlägen, die im Rahmen der amerikanisch-ukrainischen Konsultationen erarbeitet werden könnten, nicht antworten zu müssen.

Meiner Ansicht nach war die wichtigste Nachricht in der Meldung über den Beschuss von Putins Residenz – ich erinnere daran, dass zuerst der Berater des russischen Präsidenten, Juri Uschakow, über das Telefongespräch zwischen Trump und Putin berichtete – die Aussage dieses russischen Beamten, dass die Vereinbarungen zwischen Trump und Zelensky nicht dazu beitragen würden, einen Kompromiss zu finden, der es erlauben würde, im Friedensprozess voranzukommen.

Genau das ist der Kern der Situation: Sobald die Russen sehen, dass Washington und Kyiv – oder Washington, die Ukraine und die europäischen Hauptstädte – ein gemeinsames Verständnis über die wichtigsten Fragen ihrer gemeinsamen Position im Friedensprozess erreichen und dass Moskau auf diese gemeinsame Position reagieren müsste, geschehen sofort Handlungen, die darauf abzielen, selbst jene Dekoration eines Friedensprozesses zu torpedieren, die vom russischen Präsidenten offenbar ausschließlich geschaffen wurde, um gegen neue Sanktionen gegen sein Land zu kämpfen und außerdem die Freigabe eingefrorener russischer Vermögenswerte für die Ukraine zu verhindern.

Und jetzt, da diese Vermögenswerte zwar auf europäischen Konten verblieben sind, die Länder der Europäischen Union jedoch zugleich zugestimmt haben, der Ukraine die notwendigen Gelder zur Verfügung zu stellen, damit unser Land in den kommenden Jahren des zermürbenden russisch-ukrainischen Krieges bestehen kann, könnte Putin überhaupt jedes Interesse selbst an einer dekorativen Beteiligung seiner Diplomaten an Konsultationen mit den Amerikanern verloren haben.

Gleichzeitig versteht er sehr gut, dass ein solch abrupter Ausstieg aus dem imitierten Verhandlungsprozess Trump beleidigen und damit die Möglichkeit für neue, noch ernstere Sanktionen gegen die Russische Föderation schaffen würde, die von den Vereinigten Staaten und den europäischen Verbündeten Washingtons vereinbart werden könnten. Und auch das möchte Putin verhindern. Neue Sanktionen, umso mehr nachdem Rosneft und Lukoil von einem rekordverdächtigen Gewinneinbruch berichten, braucht er nicht.

So sucht der Präsident der Russischen Föderation nach Möglichkeiten, den Friedensprozess zu bremsen, aber so, dass die Schuld dafür nicht im Kreml, sondern in der Bankowa-Straße liegt. Und aus dieser Situation entstand Putins primitive Lüge. So primitiv, dass Trump gezwungen war, diese Lüge wenige Tage später einzugestehen, nachdem er die Ukraine emotional wegen des von Putin erfundenen Beschusses seiner Residenz in Waldai getadelt hatte.

Und das ist im Grunde ein uns gut bekannter Stil russischer Provokateure aus dem FSB. Ich erinnere daran, dass Putin mit einer sehr ähnlichen Provokation an die Macht kam – im Zusammenhang mit den Sprengungen von Wohnhäusern in Moskau und anderen russischen Städten. Diese Explosionen, bei denen Zivilisten starben, könnten offensichtlich von dem Föderalen Sicherheitsdienst Russlands unter der Führung von Putins loyalem Mitstreiter Nikolai Patruschew inszeniert worden sein. Ziel dieser Provokation war es erstens, Putins Popularität als Mann der starken Hand zu demonstrieren, der in der Lage ist, den Krieg im Kaukasus zu beenden, und zweitens die Handlungen der russischen Führung an der tschetschenischen Front zu rechtfertigen.

Denn genau zu dieser Zeit fanden die Teppichbombardierungen von Grosny und anderen Städten auf dem Gebiet der Tschetschenischen Republik statt. Man kann sagen, dass die Hauptstadt Tschetscheniens durch barbarische russische Bombardierungen buchstäblich zerstört wurde – unter der Gleichgültigkeit der russischen öffentlichen Meinung. Doch diese Gleichgültigkeit wurde gerade zu einem gewissen Grad durch jene Provokationen gewährleistet, die von russischen Tschekisten organisiert worden waren.

Und nun, genau wie während jener tragischen Ereignisse, die Putin halfen, nicht nur Präsident, sondern ein ewiger Herrscher der Russischen Föderation zu werden, hat Moskau beschlossen, ein ähnliches Spiel mit Donald Trump und den Vereinigten Staaten zu spielen. Was umso erstaunlicher ist in unserer Zeit, in der jegliche Geheimdienste leicht jede derart sensible Information überprüfen und feststellen können, wo es tatsächlich echte Beschüsse gab und wo man von solchen realen Angriffen nicht einmal zu sprechen braucht.

Es gibt genügend Quellen, die zeigen könnten, in welchem Maße die Informationen, die Putin Trump übermittelt hat, der Realität entsprechen. Interessant ist, dass Putin sich nicht einmal die Mühe gemacht hat, diesen Informationen irgendeine Glaubwürdigkeit zu verleihen, denn für ihn war im entscheidenden Moment nur eines wichtig: nicht mit Trump über das zu sprechen, was in den Gesprächen mit Volodymyr Zelensky erreicht worden war.

Und hier ist das Wichtigste, was der amerikanische Präsident als Nächstes tun wird. Wird er bereit sein, stärkeren Druck auf seinen russischen Kollegen auszuüben? Und natürlich wird entscheidend sein, inwieweit Putin bereit ist, die Imitation eines Friedensprozesses weiter aufrechtzuerhalten, nachdem er scharfe Vorwürfe von Donald Trump gehört hat und nachdem der amerikanische Präsident faktisch eingeräumt hat, dass sein russischer Kollege ihn während des Telefonats – wie es auf der Lubjanka üblich ist – dreist angelogen hat.


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Titel des Originals: Путін збрехав Трампу | Віталій Портников. 05.12.2025.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 05.12.2025.
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Eine neue Herausforderung für Trump | Vitaly Portnikov. 04.01.2026.

Schwer bewaffnete amerikanische Soldaten fahren den Präsidenten Venezuelas, Nicolás Maduro, durch die Straßen von New York. Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, droht der venezolanischen Vizepräsidentin Delcy Rodríguez, die nun die Funktionen des Staatsoberhaupts ausübt, und betont, dass sie, falls sie nicht mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten sollte, ein Schicksal erwarte, das schlimmer sei als das von Maduro. Mit denselben Drohungen tritt auch der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, auf, der als einer der wichtigsten Initiatoren der Operation gilt, die die Amerikaner in diesen Tagen in Venezuela durchgeführt haben.

Unterdessen zeigt die neue Präsidentin Venezuelas überhaupt keine Bereitschaft, mit den Vereinigten Staaten zusammenzuarbeiten. Der venezolanische Verteidigungsminister Vladimir Padrino López erklärt im Namen der Armee Protest gegen das, was er die Entführung des venezolanischen Präsidenten nennt. Auf den Straßen Venezuelas sieht man keine Demonstranten, die die Entführung Nicolás Maduros unterstützen oder ihre Solidarität mit der Opposition bekunden würden, die – wie bekannt – erst kürzlich, im Jahr 2024, die Präsidentschaftswahlen des Landes tatsächlich gewonnen hatte.

Damit lässt sich feststellen, dass das von Maduros Vorgänger Hugo Chávez geschaffene Regime weiterhin die Lage in Venezuela kontrolliert und damit auch die Erdölindustrie dieses lateinamerikanischen Landes.

So wird es mit jeder Stunde nach der amerikanischen Spezialoperation immer unklarer, was Donald Trump tatsächlich erreichen wollte. Wenn es ausschließlich um eine gezielte Spezialoperation zur Festnahme des venezolanischen Präsidenten ging, der nicht bereit war, mit Donald Trump zu verhandeln, dann kann man von einem Erfolg dieser Operation sprechen – davon, dass ihr propagandistischer Effekt erreicht wurde und sich weiterhin so entfaltet, wie es Donald Trump gefällt.

Wenn man jedoch von realen geopolitischen Ergebnissen spricht, sehen wir bislang nichts, was darauf hindeutet, dass sich in Venezuela die Machtverhältnisse ändern oder dass das Regime, das das Land zu Chávez’ Zeiten regierte und unter Maduro weiterregierte und auch jetzt noch an der Macht ist, seine Politik ändern oder mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten will.

Kann man reale Möglichkeiten für eine solche Zusammenarbeit schaffen? Natürlich kann man das. Aber dafür wäre eine ernsthafte Bodenoperation erforderlich – nicht durch Spezialkräfte, sondern durch reguläre amerikanische Truppen.

Wie bekannt, widerspricht ein solcher Ansatz der politischen Philosophie Donald Trumps. Er ist bereit zu drohen und bereit, konkrete, kurze Spezialoperationen durchzuführen – etwa Schläge gegen iranische Nuklearanlagen oder den Angriff auf die Residenz Nicolás Maduros. Aber bislang wirkt der amerikanische Präsident nicht wie jemand, der bereit ist, einen großen Krieg mit einer großen Zahl amerikanischer Gefallener zu beginnen. Und sollte es dazu kommen, könnte man sagen, dass dies bereits ein ganz anderer Trump wäre, der – meiner Ansicht nach – sehr weit von seinem traditionellen Wählerklientel entfernt wäre.

Denn man muss daran erinnern, dass die Anhänger jener konservativen, isolationistischen Amerika-Vorstellung, die Donald Trump gewählt haben, vor allem darauf hofften, dass die Beteiligung der Vereinigten Staaten an weltweiten Konflikten minimiert würde. Und Donald Trump, der der Ukraine faktisch finanzielle und militärische Unterstützung verweigert, brüstet sich vor seinen Wählern damit, dass Amerika nun keinen einzigen Dollar mehr für die Unterstützung des Opfers der russischen Aggression ausgebe.

Im Fall eines Krieges mit Venezuela zur Ablösung des dortigen Regimes ginge es jedoch nicht nur um Dollar – von denen ebenfalls sehr viele ausgegeben werden müssten –, sondern auch um den Tod amerikanischer Soldaten. Das würde natürlich einen schweren Konflikt zwischen Donald Trump und seiner politischen Basis hervorrufen.

Vielleicht hatte der amerikanische Präsident gehofft, dass die venezolanischen Führer einfach Angst bekommen würden angesichts der meisterhaften Art und Weise, mit der amerikanische Spezialkräfte das Staatsoberhaupt eines Landes entführen können. Doch man sollte nicht vergessen, dass wir es hier mit einem ideologischen Regime zu tun haben – mit Menschen, die mit links-populistischen Parolen an die Macht kamen und ihr Land gerade deshalb in einen der größten Verlierer Lateinamerikas verwandelt haben.

Für solche Menschen bedeutet eine Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten vor allem den Zusammenbruch ihrer ideologischen Grundlage und den Verlust der Unterstützung durch jene, die noch Anhänger des Chavismus sind. Für diese Leute würde ein Überlaufen auf die Seite der Interessen der Vereinigten Staaten und ein Verrat an ihren Gönnern in Moskau und Peking bedeuten, ihre Macht viel früher zu verlieren, als wenn die venezolanische Führung weiterhin ihre sogenannte antiimperialistische Rhetorik pflegt.

So steht Donald Trump nun vor einer schwierigen Wahl. Entweder er erkennt an, dass die Vereinigten Staaten keine reale Kontrolle über Venezuela herstellen können und dass dafür ein echter Krieg mit ungewissem Ausgang nötig wäre – denn das wäre dann keine kurze Spezialoperation, sondern ein langer Kampf gegen die venezolanische Armee mit anschließendem Chaos im Land. Schließlich war es niemand anderes als Donald Trump selbst, der einen solchen Verlauf der Ereignisse im Irak kritisiert hat.

Oder wird die Festnahme von Nicolás Maduro bei gleichzeitiger Beibehaltung der Macht seiner Gefolgsleute mit der Zeit als eine weitere propagandistische Kampagne Donald Trumps ohne reale Ergebnisse gelten. Das würde die Vereinigten Staaten in Lateinamerika keineswegs stärken, sondern zeigen, dass Donald Trump dort keine neuen geopolitischen Erfolge erzielen kann – schlicht, weil er den echten Krieg gegen autoritäre Regime fürchtet, das wirkliche Kräftemessen mit Putins Russland, dessen Führer Trump mit seinem nuklearen Potenzial erfolgreich erpresst und zugleich mit finanziellen Möglichkeiten lockt, den Konflikt mit der Volksrepublik China fürchtet und deshalb gezwungen ist, die hohen Zölle auf chinesische Waren wieder aufzuheben. Und vielleicht fürchtet er sogar einen echten Krieg mit Venezuela – damit seine Anhänger ihn nicht an die große Zahl amerikanischer Soldaten erinnern, die in einem solchen Krieg aus diesem lateinamerikanischen Land niemals zurückkehren würden.

Und die Ungewissheit, die nun nach der amerikanischen Spezialoperation die Welt beherrscht, spiegelt genau dieses Dilemma wider, vor dem Donald Trump jedes Mal stehen wird, wenn er zwischen Krieg und dem propagandistischen Effekt einer amerikanischen Spezialoperation wählen muss.


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Titel des Originals: Новий виклик Трампу | Віталій Портников. 04.01.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 04.01.2026.
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Chaos. Vitaly Portnikov. 04.01.2025.

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Alle Prognosen für 2026 stoßen unweigerlich an eine einfache Tatsache: Keine Prognosen funktionieren mehr – genauso wenig wie die Stromabschaltpläne nach den jüngsten russischen Bombardierungen. In diesem Sinn erinnert mich heute die ganze Welt an die Ukraine nach einem solchen Angriff: Kaum hat man es geschafft, etwas notdürftig zu reparieren und zu verstehen, wie man mit einem zerstörten System überleben kann, folgt schon der nächste Angriff – und erneut verschwindet jede Klarheit.

Russische Politiker waren während nahezu der gesamten Jahre des großen Krieges gegen die Ukraine darüber empört, dass man sie in einer ‚regelbasierten Welt‘ zu leben zwingen wollte. Und tatsächlich war die Menschheit nach dem Zweiten Weltkrieg – so seltsam es klingen mag – eine regelbasierte Welt und gerade deshalb eine berechenbare Welt. Die Einflussgrenzen der beiden verfeindeten Lager waren festgelegt, und es war klar, dass direkte Interventionen und Konfrontationen nur in den „grauen Zonen“ stattfinden konnten – genau deshalb tat der Westen nichts, um Ungarn oder die Tschechoslowakei zu retten, und die Sowjetunion konnte das Regime von Salvador Allende in Chile nicht vor einem Militärputsch bewahren. Es war klar, dass Ost und West Handelsmodelle finden konnten, aber in Wirtschaftssystemen lebten, die einander nicht direkt konkurrierten.

Nach der Niederlage des Kommunismus im „Kalten Krieg“ schien es, als habe ein Modell gesiegt – das demokratische und marktwirtschaftliche. Man glaubte, Russland werde Teil des Westens, und China werde sich dem Westen durch eine Veränderung seiner Wirtschaftsordnung annähern. Genau damals schrieb Francis Fukuyama seinen berühmten Text über das „Ende der Geschichte“ – obwohl in Wirklichkeit alles gerade erst begann.

Denn es entstand die Möglichkeit, die Regeln zu brechen.

Der Erste, der sie brach, war Putin – und er tat es ganz bewusst. Denn in der neuen ‚regelbasierten Welt‘ hätte das von den Geheimdiensten geprägte Russland seine zivilisatorische Niederlage eingestehen müssen, und ein Russland ohne diese Machtstrukturen – wäre es entstanden – hätte sich zwangsläufig in eine energiepolitische Peripherie des wohlhabenderen Westens verwandelt. Das gefiel weder Putin noch dem russischen Volk, das es gewohnt ist, in einer Dominanzlogik zu leben. Bis 2014 galt es als undenkbar, dass ein europäischer Staat einfach das Territorium eines anderen annektiert – egal, wie er es begründet. Heute ist das beinahe eine politische Norm, und die Möglichkeit, dass der russische Status der besetzten Gebiete nicht von irgendwem, sondern von den Vereinigten Staaten selbst anerkannt wird, wird bereits bei offiziellen Verhandlungen diskutiert.

Mit all dem hätte man irgendwie leben können, solange wir die Gewissheit hatten, dass die Demokratien dieses Unwesen eindämmen und Russland am Ende in einen zivilisierten Dialog und eine „regelbasierte Welt“ zurückzwingen würden. Diese Gewissheit bestand – bis Trump die Regeln brach. Und das ist eine Geschichte, die schlimmer ist als Putin.

Trump respektiert Regeln, würde ich sagen, noch weniger als Putin. Denn es ist eine Sache, wenn ein autoritärer Herrscher das Recht missachtet, der sogar seine eigene Verfassung umschreibt, um an der Macht zu bleiben – und eine ganz andere, wenn das der Präsident der führenden demokratischen Macht der Welt tut. Ein Trump, der Anspruch auf Grönland oder Kanada erhebt oder mit dem Rest des Planeten in der Sprache tarifärer Erpressung spricht, ist ein Mensch, der bewusst die Welt zerstören will, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist. Dazu kommt, dass er Chinas kommunistisches Regime – nicht Russland – als Hauptgegner Amerikas betrachtet. Doch an der Spitze dieses Chinas steht ebenfalls jemand, der bereits Regeln gebrochen hat – zumindest innenpolitische. Vor Xi Jinping war es unvorstellbar, dass ein Parteifunktionär das Prinzip der Führungsrotation zerstört, das als Grundlage der Stabilität der Volksrepublik galt. Xi Jinping hat es zerstört – und niemand kann garantieren, dass er nicht auch die außenpolitischen Regeln brechen wird, etwa den „kalten Frieden“ mit den USA um Taiwan.

Das Problem ist jedoch, dass dies in einer Welt ohne Regeln nicht vorhersehbar ist, weil jeder handelt, wie es ihm die jeweilige Lage erlaubt. Deshalb erstaunen mich die Gespräche über ein mögliches Friedensabkommen für die Ukraine. In einer Welt ohne Regeln ist kein Friedensvertrag das Papier wert, auf dem er geschrieben steht. Ja, der russische Krieg gegen die Ukraine kann eines Tages enden – aber nicht wegen Kompromissen, sondern weil dem Aggressor schlicht die Kraft ausgeht. Und das ist besser, als wenn der Krieg endet, weil das Opfer nicht mehr die Kraft zur Verteidigung hat.

So ist es überall. Trump hebt Zölle nicht auf, weil er sich mit jemandem einigt, sondern weil seine eigenen Entscheidungen der amerikanischen Wirtschaft und den Zustimmungswerten schaden. Xi greift Taiwan nicht an, nicht weil er den Inselstaat nicht mit Gewalt einverleiben will, sondern weil Peking Trumps Reaktion nicht berechnen kann. Und Trump selbst kann seine eigene Reaktion nicht berechnen – und genau das ist seine Stärke.

Wir leben in einer Welt, deren Führer nur noch Stärke verstehen und nur aus ihren eigenen Fehlern lernen – wenn sie überhaupt lernen. Das ist kein neuer Zustand der Menschheitsgeschichte. So war es schon oft: Die Unfähigkeit, nach Regeln zu leben, führte zu großen Kriegen, und erst auf den Trümmern einigten sich die Menschen wieder für eine gewisse Zeit darauf, wie man überleben kann, ohne erneut alles zu zerstören. Genau in dieser Vorkriegszeit leben wir jetzt.

Allerdings macht der Besitz von Atomwaffen durch die Hauptakteure einen großen Krieg fast unmöglich und zwingt sie dazu, ihre Konflikte in Stellvertreter- und Randkriegen auszutragen – einer davon ist durch Putins Ignoranz und Dogmatismus der russisch-ukrainische Krieg geworden. In solchen Auseinandersetzungen lässt sich jedoch kaum schnell entscheiden, wessen Werte dominieren und nach welchen Regeln man leben soll. Unsere nationale Aufgabe ist es, aus dieser Konfliktzone herauszukommen und ein untrennbarer Teil der demokratischen Welt zu werden. Das bedeutet aber nicht, dass es keine neuen Konflikte zwischen Marktdemokratien und Marktdiktaturen geben wird – oder dass wir nicht wieder im Zentrum eines solchen Konflikts landen können. Ganz zu schweigen davon, dass in der Welt von Trump, Putin und Xi auch „innere“ Konflikte möglich sind – zwischen Demokratien untereinander und zwischen Diktaturen. Trump hat das mit seinen Zöllen und imperialistischen Ansprüchen glänzend bewiesen.

Deshalb können Chaos in der großen Politik und der Verfall unserer Zivilisation mit ungleichmäßigen Ausbrüchen lokaler Kriege und wirtschaftlicher Konflikte noch sehr lange anhalten. Sehr lange.

Vielleicht das ganze 21. Jahrhundert.


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Titel des Originals: Хаос. Віталій Портников. 04.01.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 04.01.2025.
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Schlag gegen Venezuela: die Folgen 2| Vitaly Portnikov. 03.01.2026.

Wir werden versuchen, gemeinsam mit Ihnen die ersten Schlussfolgerungen aus dem Schlag der Vereinigten Staaten gegen Venezuela zu ziehen. Wir haben heute Morgen bereits darüber gesprochen, was infolge dieser Schläge geschehen ist, wir sprachen über die Situation, die mit der weiteren Entwicklung der Ereignisse zusammenhängt, aber damals gab es weder eine Rede des Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump noch eine Reaktion der Welt noch eine Reaktion der Führung Venezuelas selbst.

Wie seltsam es auch ist: In Venezuela ist eine Führung geblieben, die im Grunde von den Mitstreitern Nicolás Maduros gebildet wird. Und das ist natürlich eine ziemlich seltsame Situation, die zumindest einer ersten Analyse dessen bedarf, was geschehen ist.

Erstens haben wir es bislang mit einer ziemlich kurzen, kurzfristigen Operation zu tun. Das, was nachts als Krieg begann, dauerte im Prinzip nur 30 Minuten. Und in diesen 30 Minuten wurde das Wichtigste vollbracht, ich würde sagen: das Allerwichtigste für Trump – die Festnahme des Präsidenten Venezuelas Nicolás Maduro und seine Überführung in die Vereinigten Staaten von Amerika. Mehr ist bisher zum jetzigen Zeitpunkt nicht passiert. Das heißt, es war eine Spezialoperation zur Ergreifung von Nicolás Maduro.

Was wird weiter passieren? Das ist eine 100 Milliarden Dollar Frage, weil von ihr in der Zukunft, vielleicht in Jahren, vielleicht in Jahrzehnten, das Schicksal des weltweiten Ölmarktes abhängen könnte – angesichts der venezolanischen Ölreserven. Also sagte Trump, der mit einer großen Rede vor Journalisten auftrat, dass die Amerikaner in der Übergangszeit die Verwaltung Venezuelas übernehmen würden, dass es eine lange Verwaltung dieses Landes sein werde.

Und in dieser Situation, wie wir verstehen, hat Trump beschlossen, mit den amtierenden Führern Venezuelas zusammenzuarbeiten. Wie seltsam es auch ist: Er hat praktisch den Dialog mit der venezolanischen Opposition aufgegeben, mit der Anführerin dieser Opposition, der Nobelpreisträgerin María Machado, die gerade Kontakte mit den Vereinigten Staaten wollte.

Und wir müssen eine ziemlich einfache Sache verstehen. Die venezolanische Opposition hat in Wirklichkeit die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2024 gewonnen. Wie mir scheint, gewann sie auch bei den vorherigen Wahlen, die von Maduro und den Chavisten gefälscht wurden. Gerade die venezolanische Opposition wird von der Mehrheit des venezolanischen Volkes unterstützt. Und genau mit dieser Position will Trump keinerlei Kontakte haben.

Aber er teilte mit, dass der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, Kontakt mit Delcy Rodríguez gehabt habe, der Vizepräsidentin Venezuelas. Und sie habe versprochen, mit den Vereinigten Staaten zusammenzuarbeiten.

Delcy Rodríguez selbst sagt absolut entgegengesetzte Dinge. Sie ist soeben als Präsidentin Venezuelas vereidigt worden. Sie verlangt die sofortige Freilassung von Präsident Nicolás Maduro und seiner Ehefrau Cilia Flores. Sie nennt Nicolás Maduro den einzigen legitimen Präsidenten Venezuelas. Sie betont, dass Venezuela niemals irgendeine Kolonie sein werde. Und somit sehen vorerst die Aussagen der Präsidentin Venezuelas völlig anders aus als jene Aussagen, mit denen Donald Trump auftritt.

Nun stellt sich die Frage, was die Amerikaner als Nächstes tun werden. Das heißt: Faktisch ist das Regime, das in Venezuela von Hugo Chávez geschaffen wurde, an der Macht geblieben, es hat all seine Positionen bewahrt. Und das Einzige, was dem amerikanischen Spezialkommando gelungen ist, ist, dieses Regime seines Anführers zu berauben – eines Anführers, der absolut kein alleiniger Herrscher dieses Landes war. Und der Verteidigungsminister und der Innenminister, Menschen, die tatsächlich die Sicherheitsstrukturen im Land kontrollieren, haben nicht nur ihr Leben behalten, sie haben auch die volle Kontrolle über diese Sicherheitsstrukturen behalten – und die Amerikaner wollen mit ihnen zusammenarbeiten.

Es stellt sich natürlich die Frage über den Sinn dessen, was da geschieht. Und es stellt sich die Frage, wie Trump Venezuela regieren will bis zu dem Zeitpunkt, an dem ein sicherer Übergangszeitraum gewährleistet sein wird.

Um Venezuela tatsächlich zu regieren, muss man eine Bodenoperation amerikanischer Truppen beginnen. Nicht einfach Bombardierungen des Territoriums – das ist übrigens aus dem Nahen Osten bekannt –, sondern eine reale Präsenz amerikanischer Truppen, reale Kämpfe in Caracas, reale Todesfälle amerikanischer Soldaten, und zwar in großer Zahl, oder das Verständnis, dass Venezuela so bleiben wird, wie es unter Nicolás Maduro und vor Nicolás Maduro war.

Denn man muss begreifen, dass Nicolás Maduro ausschließlich der Erbe von Chávez ist. Das ist ein Mensch, der von Chávez im Grunde nahezu allein auf das Amt des Präsidenten Venezuelas ausgewählt wurde, überhaupt nicht weil er die schillerndste Figur in Chávez’ engstem Umfeld war, sondern weil dieser ehemalige Busfahrer wie ein Volksführer aussah, mehr einem Vertreter einfacher Venezolaner ähnelte als all diese Militärs und Generäle, die tatsächlich Vertreter jener Elite sind, die Venezuela auch schon vor Chávez regierte – denn dort waren die Positionen der Militärs immer sehr stark –, und die offensichtlich beabsichtigt, Venezuela auch nach seiner Herrschaft zu regieren.

„Neben mir steht die höchste Führung des venezolanischen Staates, das höchste militärische Kommando, die höchsten Organe der Staatsmacht, die Führung des Rates der Vizepräsidentin, alle politischen Zentren der nationalen Macht Venezuelas sind vereint. Auf den Straßen des Landes steht das Volk“, sagte die Vizepräsidentin Venezuelas Delcy Rodríguez, die nach der Ausfuhr Nicolás Maduros aus dem Land zur neuen Präsidentin Venezuelas wurde.

Und ich erinnere daran, dass einer der ersten Gesprächspartner von Delcy Rodríguez, nachdem bekannt wurde, dass Nicolás Maduro außer Landes gebracht worden war, der Außenminister der Russischen Föderation Sergej Lawrow war, der der neuen Präsidentin die Unterstützung des Präsidenten Russlands Putin zusicherte.

Ja, natürlich konnte Putin Maduro vor Trumps Zorn nicht schützen – und er beabsichtigte es auch nicht –, aber er wird jetzt versuchen die neue venezolanische Führung zu unterstützen, die offensichtlich immer bereit war, mit Moskau und mit Peking zusammenzuarbeiten.

Und das ist der interessanteste Moment in dieser ganzen Geschichte. Das, was wie eine groß angelegte Operation zur Stürzung eines totalitären Regimes in Venezuela aussah, scheint einfach nur eine weitere persönliche Rache Trumps an einem Menschen zu sein, den er aus diesen oder jenen Gründen hasste und verachtete – bei gleichzeitiger Bewahrung jener autoritären Diktatur, die in Venezuela zur Zeit von Hugo Chávez errichtet wurde, und natürlich auch noch eine Aufführung, die die Selbstbeweihräucherung des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika demonstrieren soll.

Denn in dieser Situation sieht jetzt alles absolut anders aus als am Morgen. Am Morgen konnte man denken, dass das Regime Venezuelas vor unseren Augen unter dem Druck amerikanischer Militärs zusammenbricht. Wir verstehen gut, dass der Effekt der Entführung Maduros das Ergebnis von Absprachen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und jenen selben räuberischen venezolanischen Clans sein kann, die Trump irgendwann später Einnahmen aus venezolanischem Öl versprechen können. Denn ich sage es noch einmal: Es gibt eine große reale Gefahr, dass Trump im Austausch gegen Öl in Venezuela diese populistische Militärdiktatur bewahren wird.

Wobei unbekannt ist, wann dieses Öl tatsächlich auf den Markt kommen wird. Wenn man von den unglaublichen Ölreserven Venezuelas spricht, möchte ich daran erinnern, dass Venezuela heute nur 1% des weltweiten Ölmarktes produziert. Ja, es hat enorme Reserven, sehr große, aber für die Erschließung dieser Reserven werden Jahre nötig sein. Manche sprechen von Jahrzehnten, weil das Regime von Hugo Chávez faktisch die ölproduzierende Industrie Venezuelas zerstört hat. Selbst wenn amerikanische Unternehmen auf den venezolanischen Markt zurückkehren, werden sie Jahrzehnte brauchen, um ihre Positionen wiederherzustellen.

Vielleicht sehe ich das pessimistisch, aber das sind definitiv nicht ein, nicht zwei und nicht drei Jahre. Und definitiv nicht die Zeit, in der Donald Trump noch im Oval Office sitzen wird. Trump selbst wird keine Einnahmen aus venezolanischem Öl sehen.

Also: Was müsste in dieser Situation jetzt in Venezuela geschehen? Delcy Rodríguez kann nicht die ganze Amtszeit von Nicolás Maduro Präsidentin Venezuelas sein. Eine Amtszeit, die gerade erst begonnen hat. Ich erinnere daran, dass diese Wahlen, von Maduro gefälscht, erst im Jahr 2024 durchgeführt wurden. Sie muss innerhalb von 90 Tagen Präsidentschaftswahlen ansetzen, und falls diese Frist nicht ausreichen sollte, dann nach weiteren 90 Tagen.

Und es stellt sich die Frage, ob an diesen Wahlen venezolanische Oppositionelle teilnehmen werden, denen man den Sieg gestohlen hat. Ich erinnere daran, dass María Corina Machado praktisch nicht an den Wahlen teilnehmen konnte. Ihr Verbündeter Edmundo González nahm teil, und müsste ebenfalls das Land verlassen hat, der diese Wahlen gewann.

Trump sagt nichts dergleichen über Kontakte mit der venezolanischen Opposition. Er sagt, sie habe keine Autorität. Somit kann er völlig gelassen den Umstand ignorieren, dass die Oppositionellen erneut faktisch von der Macht weggedrängt werden – von denen, die heute tatsächlich Venezuela regieren: der Verteidigungsminister Vladimir Padrino López, der praktisch nichts unternommen hat, um Maduro zu schützen, und eine andere starke Figur in Venezuela, der Innenminister Diosdado Cabello.

Übrigens: Wenn die Amerikaner für Maduro Kopfgeld von 50 Millionen Dollar versprachen, versprechen sie für den Kopf von Diosdado Cabello 25 Millionen. Dennoch hat ihn niemand entführt; er geht ruhig weiter durch die Straßen von Caracas und ruft die Venezolaner zum Widerstand gegen die amerikanische Aggression auf.

In dieser Situation ändert sich nichts. López und Cabello bleiben jene starken Figuren in Venezuela, die jederzeit ihren Sicherheitsstrukturen befehlen können, auf das Volk zu schießen. Und Trump ist bereit, mit ihnen zu sprechen, weil er sagt, in Venezuela gebe es niemanden, der die Verantwortung dafür übernehmen könnte, was in Venezuela geschieht.

Auch das ist ein ziemlich wichtiger Punkt. Und das zu verstehen ist absolut unlogisch, weil die Amerikaner sagen, dass Maduro kein legitimer Präsident Venezuelas war. Sie erkennen ihn nicht an. Gleichzeitig wollen sie mit den Vertretern der Opposition, die die Wahlen gewonnen haben, nicht sprechen, und sagen, die Macht müsse eben diesen räuberischen venezolanischen Clans gehören. Während der Präsident Frankreichs Emmanuel Macron dazu aufruft, den Übergangszeitraum gerade mit Präsident Edmundo González zu sichern, der 2024 gewählt wurde.

Aber wer wird Edmundo González nach Venezuela hineinlassen, wenn Trump mit venezolanischen Generälen sprechen will? Auch das ist ein ziemlich wichtiger Punkt, der aktuell der wichtigste Punkt ist, der in Zukunft geklärt werden müsste. Also: zum Zeit sieht die ganze Situation absolut unbestimmt aus.

Es kann sein, dass Trump einfach bestimmte Informationen von seinen Beratern erhalten hat über das, was weiter passieren wird. Es kann sein, dass Trumps Hauptidee gerade die Kontrolle über venezolanisches Öl ist und dass er den Preis dieser Frage nicht begreift.

Und das erinnert mich sehr an die Geschichte mit dem Abkommen über ukrainische Mineralien, das erst ein Abkommen über ukrainische seltene Erden war und dann zu einem Abkommen über Mineralien wurde. Und niemand weiß real, welche ukrainischen Mineralien dort wirklich gibt und was die Vereinigten Staaten als Ergebnis der Zusammenarbeit mit der Ukraine bekommen können. Aber wir wissen aus der letzten Recherche der New York Times, dass, als Senator Lindsey Graham Trump die Geschichte über ukrainische Mineralvorkommen erzählte, dieser ihm sagte: „Ich will 50%.“

Vielleicht ist es mit dem venezolanischen Öl genau dasselbe. Und im Prinzip hat niemand Trump erklärt, dass dies ein ziemlich langer Prozess sein kann, der ihn kaum zu einem realen Eigentümer venezolanischen Öls machen wird.

Andererseits können dies strategische Pläne sein, die tatsächlich nicht ausschließlich mit Trumps Amtszeit zusammenhängen. Einfach die Kontrolle amerikanischer Ölunternehmen über die aussichtsreichsten Ölfelder der Welt zu etablieren – über die venezolanischen Felder. Ja, soll es irgendwo in 15 Jahren funktionieren, aber nicht zugunsten Chinas oder Russlands. Übrigens kann später auch die Frage iranischer Felder auftauchen, ebenfalls eine völlig verständliche Geschichte. Und deshalb ist Trump vielleicht jetzt absolut egal, wer in Venezuela an der Macht ist, solange diese Leute den Amerikanern Zugang zu den Lagerstätten des venezolanischen Öls geben.

Aber das alles ist vielleicht nicht so einfach, weil es für die Vereinigten Staaten sehr schwer sein wird, mit einem Regime zusammenzuarbeiten, das zur Machterhaltung seine eigenen Mitbürger töten wird. Und wenn legitime Wahlen stattfinden, wenn ein Präsident Venezuelas außerhalb der Chavisten, außerhalb der venezolanischen Generäle gewählt wird, dann ist auch die Frage, wie er zur Idee stehen wird, den amerikanischen Ölunternehmen die vollständige Kontrolle über die venezolanischen Ölfelder zu überlassen.

Hier entsteht eine Aufgabe, ich würde sagen, ziemlich schwierig. Und im Prinzip kann man sagen, dass Trump in dieser Situation einfach nicht die ganze Herausforderung begreifen könnte, die jetzt mit der weiteren Entwicklung der Ereignisse in Venezuela verbunden sein kann.

Aber damit erlaubt dieser Triumph, den wir gesehen haben, dass Trump ziemlich hart auch über Putin spricht – und dass er nicht begeistert ist von Putin, der zu viele Menschen tötet. Trump sagte auf dieser Pressekonferenz, die Venezuela gewidmet war, dass der russisch-ukrainische Krieg einfach ein Meer aus Blut verursacht hat und dass er alles Wichtige tun werde, um diese Situation zu regeln.

Und übrigens: Das Auftauchen des ukrainischen Themas auf Trumps Pressekonferenz, die seinem venezolanischen Triumph gewidmet war, sollte erneut dem amerikanischen Präsidenten zeigen, dass er alles tun kann, was er will, aber gleichzeitig wird das ukrainische Thema trotzdem auf jeder seiner Pressekonferenzen auftauchen. Und jedes Mal werden Journalisten sagen: „Nun ja, natürlich, du konntest dich mit irgendeinem Maduro fertig werden, der erzählte, ihm erscheine der Geist Chávez’ in Gestalt eines Vogels. Aber versuch mal, das Problem mit Putin zu lösen. Was bedeutet dir Maduro, wenn Putin dich ignoriert und deinen Friedensinitiativen keinerlei Beachtung schenkt? Du hast vor einem Jahr versprochen, dass du den russisch-ukrainischen Krieg beenden wirst, und er geht und geht weiter.“

Das ist, denke ich, das Problem, das für Trump in der zukünftigen Entwicklung der Ereignisse ziemlich ernst sein kann, verbunden mit dem Verlauf der Ereignisse an der russisch-ukrainischen Front. Ganz zu schweigen davon, dass wir sehen, dass Trump auch die Opposition gegen seine Entscheidung verfolgen kann, und zwar sowohl in Lateinamerika als auch in den Vereinigten Staaten selbst.

Was interessant ist: Im Jahr 2024 beschuldigten die Führer Brasiliens, Mexikos und Kolumbiens Nicolás Maduro der Usurpation der Macht und meinten, die Opposition habe gewonnen. Und jetzt meinen all diese Führer, Amerika habe die Souveränität Venezuelas verletzt. Dasselbe auch der Bürgermeister von New York, Zohran Mamdani, der betonte, dass „ein einseitiger Angriff auf einen souveränen Staat ein Kriegsakt und ein Verstoß gegen Bundes- und internationales Recht ist. Dieses offene Streben nach einem Regimewechsel beeinflusst nicht nur Ereignisse im Ausland. Es betrifft direkt die Bewohner New Yorks, darunter Zehntausende Venezolaner, die diese Stadt ihr Zuhause nennen.“ Und der Bürgermeister von New York rief Trump persönlich an, um seine Ablehnung seiner Entscheidung auszudrücken.

Aber wiederum habe ich den Eindruck, dass von keinem Regimewechsel in Venezuela die Rede ist, dass Trump einfach Beziehungen zu eben diesem Regime herstellen will, das dort existiert, um Zugang zu den Ölfeldern Venezuelas zu bekommen. Und dieses Regime setzt die Rhetorik fort, entsprechend jener Rhetorik, mit der Präsident Nicolás Maduro auftrat. Zumindest spricht die Vizepräsidentin Venezuelas im Prinzip dieselben Dinge, die Maduro vor seiner Festnahme durch amerikanische Spezialkräfte gesagt hat. Und das ist wiederum ein Widerspruch zu dem, was Trump auf seiner Pressekonferenz erzählte.

Also, was soll man jetzt tun? Möglichkeiten suchen, die Vizepräsidentin von der Macht zu entfernen? Versuchen die auch in die Vereinigten Staaten zu bringen? Aber jeder neue Vertreter der Chavisten, der in Caracas an die Macht kommen wird, wird dieselben Dinge sagen, weil das ideologische Menschen sind. Und ich wiederhole es noch einmal: Entweder wird Trump sich zu einer realen militärischen Operation in Venezuela entschließen – zu „Boots on the ground“, zu Todesfällen amerikanischer Soldaten in den Kämpfen um Venezuela –, denn bislang ist es eine glänzende Operation, bei der niemand ums Leben gekommen ist. Aber wenn jene Hinterzimmerabsprachen, die möglicherweise zwischen den Amerikanern und den venezolanischen Clans getroffen wurden, gebrochen werden, werden diese Clans sich ganz anders verteidigen – nämlich durch das Töten von Amerikanern.

Wir haben es mit einem Menschen zu tun, der in dieser Situation nie kämpfen wollte und den man immer dafür beschuldigte, dass er sich nicht in irgendwelche Angelegenheiten einmischen wolle. Und er sagte: „Ja, ich bin ein Präsident des Friedens, ich bin kein Präsident des Krieges.“ In dieser Situation ist absolut unklar, wie weit Trump zu realer Teilnahme bereit ist. Nicht zu einem Spezialkräfte-Raid, nicht zu Bombardierungen. Auf diesem Weg werden Regime nicht geändert. Regime werden nur geändert, когда eine reguläre Armee das Gebiet dieses oder jenes Staates betritt und bereit ist, Tausende Leben für einen Regimewechsel in einem fremden Land zu opfern. Anders geht es nicht.

Und Donald Trump wird entweder zustimmen müssen, dass er amerikanische Soldaten in den Krieg schicken wird – in einen realen Krieg, in einen echten Krieg –, oder er wird mit den Regimen leben müssen, die ihn, gelinde gesagt, ohne großen Respekt behandeln werden. Ja, jemanden von diesen Regimen kann er aus dem eigenen Bett stehlen, aber nicht mehr als das.

Das sind die ersten solchen Ergebnisse dieser Aussagen Trumps – ziemlich, ich würde sagen, merkwürdigen, wie für mich – angesichts des morgendlichen Aufruhrs und der Antworten auf diese Aussagen der neuen Präsidentin Venezuelas.

Ein paar Fragen, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Wird Amerika in die Situation im Iran und in Mexiko eingreifen?

Portnikov. Das ist eine ganz andere Situation, weil im Iran, wie Sie verstehen, сейчас ein Volksaufstand есть und er wächst von Tag zu Tag. Aber das Regime der iranischen Ajatollahs hat довольно starke Sicherheitskräfte, die in der Lage sind, diesen Aufstand zu bewältigen. Trumps jüngste Aussagen, dass wenn die iranischen Ajatollahs friedliche Demonstranten töten, dies eine rote Linie sei und Trump den Iranern helfen werde. Aber es stellt sich die Frage: Wie soll man allein durch die Bombardierung einiger iranischer Militäreinrichtungen das Regime ändern? Und Sie verstehen, dass für ein so großes Land wie Iran selbst die amerikanische Armee angesichts der dortigen Geografie und so weiter nicht ausreichen wird. Vielleicht könnten Angriffe auf offizielle Residenzen oder auf Stützpunkte der Revolutionsgarden durchgeführt werden, wenn die Repressionen des Regimes bereits irgendeinen bestialischen Charakter annehmen. Aber wir werden sehen, wie das real aussehen wird und zu welchen Ergebnissen – und das Wichtigste – es führen wird.

Frage. Sie sagten vor kurzem, dass wenn ein demokratisches Land ein totalitäres angreift, der Aggressor zerstört werden müsse. Was hat sich jetzt für Sie geändert?

Portnikov. Nichts hat sich geändert. Ich halte das nicht für einen Angriff auf ein totalitäres Land. Ich halte das für eine reale Spezialoperation mit dem Ziel, eine Person zur Verantwortung zu ziehen, die die Macht in ihrem Land usurpiert hat. Die Vereinigten Staaten erheben keinen Anspruch auf das Gebiet Venezuelas – im Gegensatz zu Russland, das der Ukraine faktisch den Krieg erklärt hat mit dem Ziel, unseren Staat zu zerstören. Dass es Menschen gibt, die diesen Unterschied nicht verstehen, zeigt erneut, wie viele Menschen in der sowjetischen Vergangenheit geblieben sind. Das ist nicht die erste solche Operation der Amerikaner gegen Menschen, die in ihrem Land die Macht usurpieren. Es gab eine Operation gegen Manuel Noriega, den panamaischen Diktator, der auch in die Vereinigten Staaten ausgeflogen wurde. Ich muss Ihnen übrigens sagen, dass die Amerikaner dort tatsächlich für eine Übergangszeit und den Übergang Panamas zur Demokratie gesorgt haben. Ich sehe daran nichts Schlechtes.

Die Frage sind immer die Ziele. Wenn ein Angriff mit dem Ziel der Aggression und des Kampfes gegen die Souveränität dieses oder jenes Staates erfolgt, ist das eine Sache. Wenn ein Angriff mit dem Ziel erfolgt, den Staat von der Diktatur zu befreien und die Souveränität wiederherzustellen, ist das eine absolut andere Geschichte. Mir scheint, das ist absolut verständlich, und für mich hat sich nichts geändert. Mein Ansatz ist sehr einfach: Wenn ein demokratisches Land seine militärische Kraft gegen eine Diktatur richtet und die Vertreter dieser Diktatur zerstören kann, dann kann man das nur begrüßen. Ich wäre sehr froh, wenn demokratische Länder die Sowjetunion angegriffen und ihre Führung zerstört hätten. Was wäre daran schlecht gewesen, wenn man zum Beispiel in den 20er Jahren Lenin aus Moskau in ein Gefängnis irgendwo in den Vereinigten Staaten gebracht hätte, und Stalin und seine Leute auf dem Roten Platz erschossen hätte? Das sind doch Menschen, die in Russland die Macht usurpiert haben. Was wollen Sie? Ich verstehe das überhaupt nicht.

Frage. Wie sollen die Ereignisse in Caracas Putin beeinflussen, seine Politik gegenüber der Ukraine und den USA?

Portnikov. Ich denke, kaum.  Das Einzige ist, dass Putin glauben könnte, dass er damit seine Handlungen gegen die Ukraine legitimiert. Hier ist in der Ukraine derselbe Regime wie in Caracas, und wenn man Maduro stürzen kann, warum kann man dann Zelensky nicht stürzen? Das klingt bei russischen Propagandisten so: „Die Amerikaner können Maduro ausfliegen. Dann lasst uns Zelensky ausfliegen.“ Aber mir scheint, dass es hier nichts Neues gibt.

Wie Sie verstehen, wird Putin nicht mit Trump streiten, weil er versteht, dass Trump irgendwelche unterschiedlichen Sanktionen gegen ihn einführen kann. Diese Sanktionen braucht er nicht. Er muss Zeit gewinnen, um unser Land weiter zu zerstören – ohne neue amerikanische Sanktionen. Also beeinflussen die Ereignisse in Venezuela keineswegs Putins Wunsch, die Kontrolle über den postsowjetischen Raum herzustellen.

Frage. Können solche gewaltsamen Methoden zu einem Instrument im Kampf der Demokratie gegen autoritäre Regime werden?

Portnikov. Ich wiederhole noch einmal: Daran ist nichts Neues. So war es immer. Das einzige Problem dessen, was aktuell passiert, ist, dass es kein Kampf der Demokratie gegen autoritäre Regime ist, sondern ein Kampf Donald Trumps um Öl, weil er das venezolanische Regime nicht zerstört. Das venezolanische chavistische Regime, die links-populistische Diktatur, existiert weiter, wie sie existierte. Und wir werden sehen, was morgen oder übermorgen passiert, ob es Trump ohne Anwendung realer Gewalt – nicht einer 30-minütigen Spezialoperation mit Beteiligung von Spezialkräften – gelingt, die venezolanischen Führer zu einem realen Übergangszeitraum zu bewegen. Bisher sieht es nicht so aus. Und bisher sieht es nicht nach einer realen Möglichkeit zur Änderung der Situation in Venezuela aus.

Aber alles kann sich, wie Sie verstehen, schnell und stürmisch entwickeln. Vielleicht wird auch Trump sein Verständnis dessen, was passiert, nach einiger Zeit ändern, wenn sich jemand mit ihm trifft, ihm vom realen Unterstützungsgrad der venezolanischen Opposition erzählt, wenn er die Aussagen der venezolanischen Präsidentin sieht, die im Prinzip absolut dem widerspricht, was er heute auf seiner Pressekonferenz gesagt hat. Und im Prinzip müssen sie in dieser Situation entweder der Aussage der venezolanischen Präsidentin zustimmen, dass es hier eine absolut konkrete Regierung gibt, dass bereits der Verteidigungsrat Venezuelas zu arbeiten begonnen hat, dass Venezuela einen einzigen Führer hat – Nicolás Maduro.

Oder Trump wird zustimmen müssen, dass man in eine langfristige militärische Operation eintreten muss – tatsächlich mit dem Ziel eines realen Übergangszeitraums –, oder aber in ein paar Tagen wird man diese ganze Operation zur Festnahme Nicolás Maduros vergessen, und man wird alle Möglichkeiten einer amerikanischen Kontrolle über Venezuela vergessen und sich damit abfinden, dass dies eine „Monroe-Doktrin light“ ist, die eher auf Mythen beruht als auf realen Möglichkeiten, irgendeine Ordnung auf dem lateinamerikanischen Kontinent herzustellen – eine Ordnung, in der die Vereinigten Staaten ihre globale Rolle aus der Vergangenheit spielen würden.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Удар по Венесуелі: наслідки | Віталій Портников. 03.01.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Schlag gegen Venezuela: die Folgen | Vitaly Portnikov. 03.01.2026.

Nur wenige Stunden nach der amerikanischen Spezialoperation in Venezuela, die zur Festnahme des Präsidenten dieses Landes, Nicolás Maduro, führte, gibt es keinerlei Klarheit darüber, wie es weitergehen wird – weder in Venezuela selbst noch in der Region.

Der US-Außenminister Marco Rubio sagt, dass die Vereinigten Staaten keine weiteren Schritte unternehmen werden, und lässt damit erkennen, dass das Hauptziel der USA gerade die Festnahme des venezolanischen Staatschefs gewesen sei.

Dabei ist jedem, der sich mit lateinamerikanischer Politik beschäftigt, seit Langem bekannt – und übrigens weiß Rubio das besser als jeder andere –, dass Nicolás Maduro eher ein Aushängeschild des chavistischen Regimes ist. Dieses Regime wurde von Maduros Vorgänger Hugo Chávez geschaffen, der mithilfe der venezolanischen Sicherheitskräfte eine linkspopulistische Diktatur errichtete, die tatsächlich die Drogenkartelle begünstigte. Doch es ist offensichtlich, dass keineswegs Nicolás Maduro während seiner gesamten Herrschaft die Hauptfigur im Drogenhandel war. Die Hauptakteure im Drogenhandel waren die engsten Gefolgsleute Hugo Chávez’, die weiterhin ihre Ämter und ihre Machtpositionen innehaben.

Der venezolanische Verteidigungsminister Vladimir Padrino López, der, wie bekannt, in den ersten Minuten nach Beginn der Spezialoperation als getötet galt, lebt, ist gesund und wendet sich an die Venezolaner mit einem Aufruf zur Ruhe. Und übrigens hat die venezolanische Armee den amerikanischen Soldaten, die den Präsidenten des Landes festnahmen, keinerlei Widerstand geleistet – so, als habe sie im Voraus gewusst, dass sich alles auf die Festnahme Maduros beschränken würde. Ein anderer prominenter venezolanischer Politiker aus dem engen Umfeld Hugo Chávez’, der Innenminister Diosdado Cabello, der die venezolanischen Geheimdienste vollständig kontrolliert, wurde ebenfalls auf den Straßen von Caracas gesehen und tritt ebenfalls mit kämpferischen Erklärungen auf.

Das bedeutet, dass der Chavismus, das chavistische Regime, sich schlicht auf einen Austausch des Aushängeschilds vorbereitet. Wenn die Vereinigten Staaten tatsächlich keine realen Schritte zur Veränderung dieses Regimes unternehmen, wird es angesichts seiner Machtmittel weiterhin Venezuela kontrollieren. Und selbstverständlich wird sich dann auch nichts an dem Strom von Drogen ändern, der aus diesem Land in die Vereinigten Staaten fließt.

Wozu also brauchte Donald Trump diese Spezialoperation? Um die Stärke und Entschlossenheit der Vereinigten Staaten zu demonstrieren, damit der amerikanische Präsident von seinem Land als dem einzigen Staat sprechen kann, der eine derart spektakuläre Spezialoperation durchführen kann – und um sich generell in seiner Wichtigkeit zu sonnen. Wir haben bereits bemerkt, dass für Donald Trump vor allem der Medieneffekt zählt, nicht irgendein realer politischer Erfolg.

Und genau dieser Medieneffekt wurde durch die Festnahme einer Person erreicht, die während ihrer gesamten Amtszeit kaum als führende Figur im chavistischen Regime gelten konnte. Wenn die Vereinigten Staaten keine weiteren Schritte unternehmen, können die venezolanischen Oppositionellen nur davon träumen, an die Macht zurückzukehren.

Mehr noch: Wir sehen bereits, wie Venezuela Unterstützung in ganz Lateinamerika erhält. Es sei daran erinnert, dass 2024 weder in Brasilien noch in Mexiko noch in Kolumbien – den führenden Ländern der Region – die Legitimität Nicolás Maduros anerkannt wurde. Die Führungen dieser Länder sprachen offen über Wahlfälschungen durch den amtierenden Präsidenten Venezuelas und seine Gefolgsleute.

Jetzt jedoch verurteilen sowohl Brasilien als auch Mexiko und Kolumbien die amerikanische Intervention und sprechen von einer Verletzung der Souveränität Venezuelas. Dieselbe Meinung wird von einer Reihe weiterer Staaten geteilt, die als Verbündete der Vereinigten Staaten gelten können. Ähnliche Erklärungen kamen beispielsweise aus Paris.

So hat das chavistische Regime, das längst die Macht usurpiert und die Ergebnisse von Präsidentschafts- und Parlamentswahlen fälscht, dank der Handlungen Donald Trumps und seiner Gefolgsleute zusätzliche Legitimität erhalten. Und natürlich kann man dasselbe über die Reaktionen der Russischen Föderation und der Volksrepublik China sagen.

Man könnte zwar sagen, dass Moskau und Peking ihren Verbündeten nicht verteidigt und erneut gezeigt haben, dass sie den Vereinigten Staaten praktisch nichts entgegensetzen können. Aber wenn an der Spitze Venezuelas weiterhin ein Russland und China freundlich gesinntes Regime stehen wird, wozu sollten Wladimir Putin und Xi Jinping dann zusätzliche Anstrengungen unternehmen, um Nicolás Maduro zu retten?

Sie werden sich problemlos mit dem nächsten venezolanischen Präsidenten verständigen, der von eben diesen Padrino López und Cabello ernannt wird. Für sie wird das Wichtigste sein, den Zufluss venezolanischen Öls auf den Weltmarkt zu bremsen, denn das könnte tatsächlich ein Todesurteil für die russische Wirtschaft bedeuten.

Eine andere Frage ist, dass die Chavisten durch die Festnahme Maduros erschreckt sein könnten und glauben, die beste Option für sie sei ein Tausch von Freiheit gegen Öl. Und hier stellt sich eine durchaus berechtigte Frage: Wird Donald Trump zu einem Deal mit dem chavistischen Regime bereit sein, sodass amerikanische Ölgesellschaften wieder Zugang zu ihren Vermögenswerten erhalten, während die Menschen, die in den letzten Jahrzehnten in Venezuela die Macht usurpiert haben, an der Macht bleiben, weiterhin die Finanzströme kontrollieren und weiterhin den Drogenhandel in die Vereinigten Staaten steuern? Und inwieweit wird Donald Trump in diesem Fall dieser Drogenhandel interessieren?

Die jüngste Begnadigung des ehemaligen Präsidenten von Honduras, der bekanntlich eine Haftstrafe verbüßte, weil er wegen Beteiligung am Drogenhandel verurteilt worden war, zeigt grundsätzlich, dass Donald Trump durchaus zu Flexibilität fähig ist, wenn es um amerikanische Interessen geht.

Schließlich sind die Anklagen, die gegen den ehemaligen Präsidenten von Honduras, Juan Orlando Hernández, erhoben wurden, den Vorwürfen sehr ähnlich, die gegen den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro erhoben werden könnten. Dennoch entschied sich Trump, der den Sieg eines ultrarechten Kandidaten bei den Präsidentschaftswahlen in Honduras sichern wollte, für eine Begnadigung, um der Person zu helfen, die er an der Spitze dieses lateinamerikanischen Landes sehen wollte.

In Venezuela könnte es dieselbe Situation geben. Und ein Deal mit dem chavistischen Regime könnte zur Kulmination der heutigen Spezialoperation der amerikanischen Armee werden: eine spektakuläre Festnahme Maduros bei gleichzeitiger Bewahrung der Diktatur – unter der Voraussetzung, dass diese neue Diktatur den Interessen Donald Trumps weitaus loyaler gegenübersteht als der bisherige venezolanische Präsident.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Удар по Венесуэле: последствия | Виталий Портников. 03.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.01.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Die USA haben Maduro gefasst. Vitaly Portnikov. 03.01.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat nach einer Serie nächtlicher US-Schläge gegen Venezuela soeben die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro bekanntgegeben – und dass die Vereinigten Staaten ihn aus dem Land gebracht haben. Damit kann man von einer Kulmination des monatelangen Drucks der Vereinigten Staaten auf den venezolanischen Präsidenten sprechen, der noch vor wenigen Tagen den Vereinigten Staaten Abkommen über Öl und andere Energieressourcen Venezuelas angeboten hatte – Abkommen, denen Donald Trump nicht zugestimmt hat.

Es lohnt sich übrigens daran zu erinnern, dass bereits zu Zeiten von Hugo Chávez, Maduros Vorgänger im Amt des venezolanischen Präsidenten und Schöpfer des heutigen autoritären Regimes, in diesem Land die venezolanische Ölindustrie im Grunde verstaatlicht wurde – was zu ihrer schrittweisen Degeneration führte. Und wenn jetzt die Wiederherstellung des venezolanischen Ölsektors beginnt und tatsächlich Millionen Barrel Öl aus diesem Land auf dem Weltmarkt erscheinen, wird das für Länder wie die Russische Föderation eine unangenehme Überraschung sein, weil es einen neuen erheblichen Schlag gegen die Preise auf dem Energiemarkt auslösen wird.

Im Moment ist überhaupt nicht ganz klar, wie sich die Ereignisse weiter entwickeln werden. Wird es weitere amerikanische Schläge gegen Venezuela geben? Wie wird die Macht in diesem Land ausgeübt werden, nachdem Nicolás Maduro tatsächlich aus venezolanischem Gebiet herausgebracht wurde?

Gemäß der Verfassung Venezuelas müsste die Macht an die Vizepräsidentin übergehen. Das ist Delcy Rodríguez. Aber aus dieser Perspektive ist die Lage völlig unklar, weil die Vereinigten Staaten – wie auch viele andere Länder der Welt – die Legitimität Nicolás Maduros nicht anerkannt haben, da sie davon ausgehen, dass er die letzten Präsidentschaftswahlen in diesem Land gefälscht hat.

Die venezolanische Opposition sagt, der rechtmäßige Präsident sei Edmundo González, den sie als Sieger der letzten Wahlen zum Staatsoberhaupt betrachtet. González befindet sich derzeit nicht in Venezuela. Er musste das Staatsgebiet verlassen nach den von Maduro gefälschten Präsidentschaftswahlen.

Ich verstehe sehr gut, dass es jetzt bei vielen – zumindest in der Ukraine – die Versuchung geben wird, die Ereignisse in Venezuela mit Februar 2022 in unserem Land zu vergleichen. Und interessant ist, dass gerade wir das tun werden, weil natürlich in den Vereinigten Staaten die Trump-Administration diese Ereignisse nicht mit den ukrainischen vergleichen wird.

Und in Russland wird die Putin-Administration diese Ereignisse ebenfalls nicht mit den ukrainischen vergleichen – denn wie wir verstehen, ist die Russische Föderation ein wichtiger Verbündeter Venezuelas, ebenso wie die Volksrepublik China, deren Sondervertreter sich buchstäblich einen Tag vor Beginn der amerikanischen Operation mit Maduro getroffen hat. Die venezolanische Operation mit der ukrainischen zu vergleichen, hieße nämlich, den Handlungen Russlands auf dem Gebiet der Ukraine jene Pseudolegitimität zu entziehen, die Präsident Putin so nötig hat.

Deshalb wäre ich sehr vorsichtig mit Parallelen. Erstens muss man sich klar bewusst machen, dass die Russische Föderation ihre Intervention gegen eine legitime, von allen anerkannte Führung der Ukraine durchgeführt hat. Präsident Volodymyr Zelensky, gegen den eine Operation zur Ersetzung seiner Macht durch eine Marionette durchgeführt wurde, wurde von allen Staaten der Welt – ebenso wie von Russland selbst – als legitim gewählter Präsident der Ukraine anerkannt.

All diese Reden über einen Putsch in unserem Land beginnt Putin genau in dem Moment, wenn er neuen Druck auf die Ukraine ausüben und sie zur Kapitulation vor Russland zwingen will. Wie ihr euch erinnert, hat er mehrmals über diesen Putsch gesprochen, aber er hat sich nach 2014, als die Werchowna Rada der Ukraine den flüchtigen Präsidenten Viktor Janukowytsch des Amtes enthob, mehrfach mit den gewählten Präsidenten der Ukraine getroffen und ihre Legitimität anerkannt.

Zweitens muss man klar verstehen, dass das Ziel der Russischen Föderation die Annexion ukrainischen Territoriums ist. Als Russland in das Gebiet der Ukraine einmarschierte, kam es fast sofort zur Annexion der Krim. In den besetzten Gebieten des Donbas wurden Pseudovolksrepubliken ausgerufen, die später von der Russischen Föderation annektiert wurden – zusammen mit den ukrainischen Regionen Saporischschja und Cherson, deren Teile ebenfalls erst nach dem Angriff von 2022 besetzt wurden. Die Vereinigten Staaten haben – wie ihr versteht – keinerlei Wunsch und keinerlei Erklärungen zur Annexion venezolanischen Territoriums.

Wir können natürlich gesondert die Ansprüche des US-Präsidenten Donald Trump auf Kanada oder Grönland betrachten. Und in diesem Teil seiner Politik kann Donald Trump Putin tatsächlich ähneln, obwohl wir bislang zumindest noch keinen Einmarsch in Kanada und keinen Einmarsch in Grönland sehen. Aber was Venezuela betrifft, ist das eine ziemlich unpassende Parallele.

Der Präsident Venezuelas, Nicolás Maduro, ich möchte euch daran erinnern, handelte jedoch genau wie Putin. Er erklärte die ölreiche Provinz des benachbarten Guyana zu venezolanischem Territorium – und das sind übrigens zwei Drittel des Territoriums Guyanas. Er nahm dieses Gebiet in den Bestand Venezuelas auf. Er setzte eine Verwaltung in dieser Provinz ein. Das Einzige, was nicht passiert ist – und ich denke, es hätte sich mit der Zeit ergeben können – war ein Einmarsch der venezolanischen Armee in das Gebiet Guyanas und eine reale physische Annexion des Territoriums.

Und wir verstehen sehr gut, warum es grundsätzlich nicht zu einer venezolanischen Invasion kam. Nicht deshalb, weil Maduro glaubte, er könne dieses Territorium mit friedlichen Mitteln annektieren, sondern weil der venezolanische Diktator den Vereinigten Staaten keinen Vorwand geben wollte, sein eigenes Regime zu stürzen.

Wenn wir also von Analogien sprechen, wäre ich sehr, ich würde sagen: äußerst vorsichtig in unserem ewigen Versuch, uns mit jedem Gebiet gleichzusetzen, in dem Explosionen durch Raketenbeschuss oder Schläge mit Bodentruppen stattfinden.

Denn solche Explosionen und solche Schläge haben wir im Gazastreifen gesehen, wo die israelische Armee die Terrororganisation Hamas zerstörte. Aber das kann man nicht mit der Ukraine vergleichen, obwohl viele immer diese Versuchung hatten. Und ich habe Fotos von Rathäusern in europäischen Städten gesehen, wo die palästinensische Flagge neben der ukrainischen hing.

Aber es ist etwas völlig anderes, wenn ein Staat, der von einer Terrororganisation angegriffen wurde und dessen Bürger als Geiseln genommen wurden, versucht, diese Terrororganisation zu zerstören. Ja, dabei gibt es die Tragödie der Opfer unter der Zivilbevölkerung, hinter der sich Terroristen als lebendem Schutzschild verstecken. Aber das bedeutet nicht, dass man die Terrororganisation nicht zerstören darf – denn wenn sie weiter existiert, bleibt sie eine Bedrohung für jeden zivilisierten Staat.

Wir sahen Explosionen im Iran während des zwölftägigen Krieges. Und das ist ebenfalls eine Tragödie. Aber man sollte daran erinnern, dass gerade das Regime des Iran versucht, die Lage in der Region zu destabilisieren. Gerade die Iraner haben als Erste Israel beschossen. Gerade die Iraner haben ein ukrainisches Flugzeug abgeschossen. Gerade die Iraner betreiben ein Atomprogramm, das ihnen natürlich erlauben wird, jene Region, die Ziel ihrer Ansprüche ist – den Nahen Osten – mit viel größerer Effektivität zu erpressen.

Und man sollte im Kopf behalten, dass die Ukraine für den Iran ein Testgelände war, bevor er seine destabilisierenden Handlungen im Nahen Osten begann. Iranische Schaheds erschienen nicht einfach so in unserem Himmel, weil Iran sie an Russland lieferte, sondern auch, um zu prüfen, wie effektiv diese Waffe in einem künftigen Krieg wirken würde, den der Iran zu entfesseln plante.

Und wir können ganz sicher davon sprechen, dass es jetzt eine ziemlich wichtige Sache gibt, verbunden mit einem echten Netzwerk des Widerstands gegen die Vereinigten Staaten und die demokratische Welt. Und wie wir sehen, versteckt sich dieses Netzwerk nicht. Dass ein Vertreter Xi Jinpings nach Venezuela kam und sich in Caracas mit Nicolás Maduro traf – buchstäblich 24 oder 48 Stunden bevor Maduro angeblich, zumindest behauptet das Trump, und ich denke, man muss ihm darin vertrauen, aus Venezuela herausgebracht wurde – das sagt ebenfalls viel.

Aber es gibt auch eine wichtige Sache, verbunden damit, dass diese Achse noch auf gegenseitiger Hilfe beruht, verbunden mit dem Zusammenwirken Russlands, Venezuelas und des Iran. Und wenn auch nur eines dieser Glieder schwächer wird – und wenn es tatsächlich gelingt, das diktatorische Regime Maduros zu zerstören, die Demokratie in Venezuela wiederherzustellen und eine normale Energiekooperation Venezuelas mit den Ländern der Welt – dann wird das ein ernsthafter Schlag sowohl gegen Russland als auch gegen den Iran sein.

Übrigens sagen Quellen in der venezolanischen Opposition jetzt, die Operation zur Festnahme Maduros und seiner Ehefrau sei Teil einer Vereinbarung zwischen Maduro und den Vereinigten Staaten gewesen – um zu garantieren, dass er nicht von kubanischen Spezialkräften getötet wird, und damit er Beweise gegen jenen Personenkreis liefern kann, der in Venezuela an der Macht ist, und die Quellen ihrer Finanzierung offenlegt. Aber das ist gewöhnliche Information, die absolut nicht überprüft werden kann.

Die venezolanische Vizepräsidentin Delcy Rodríguez verlangt Beweise dafür, dass Maduro am Leben ist und dass die First Lady Cilia Flores am Leben ist. Und das Außenministerium der Russischen Föderation gab eine entsprechende Erklärung ab und spricht von einem Akt bewaffneter Aggression gegen Venezuela, der Verurteilung und Besorgnis seitens der Russischen Föderation auslöse.

Das ist, denke ich, für euch keine Überraschung – denn die Russische Föderation ist immer der Meinung, dass sie die Lage so beeinflussen darf, wie sie will. Und wenn irgendein anderes Land die Lage so beeinflusst, wie es will, dann ist das Aggression, die man zurückweisen muss.

Übrigens achten jetzt viele darauf, dass der 3. Januar ein gewisser Schlüsseldatum für Donald Trump ist. Am 3. Januar 2020 befahl Trump die Tötung des Kommandeurs der Quds-Einheit der Revolutionsgarden, General Qasem Soleimani – was man als Beginn einer langen, ernsten Konfrontation zwischen seiner Administration und der Führung der Islamischen Republik bezeichnen kann, die ihrerseits jetzt ebenfalls unter schweren Problemen leidet im Zusammenhang mit einem Aufstand im Iran selbst. Und am 3. Januar 2026, wie wir sehen, ereignete sich etwas im Zusammenhang mit der möglichen Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro.

Im US-Außenministerium heißt es, Maduro werde endlich für seine begangenen Verbrechen vor Gericht gestellt werden – was im Grunde eine Wiederholung jener Situation ist, die die Vereinigten Staaten einst unter dem Slogan des Kampfes gegen Drogenkartelle durchgeführt haben, als in einer ähnlichen Lage der Diktator Panamas, Manuel Noriega, festgenommen wurde, der die Macht genauso usurpiert hatte wie Nicolás Maduro. Auch Noriega erschien vor einem amerikanischen Gericht.

Dort war die Situation im Grunde komplizierter, weil er entmachtet wurde. Im Dezember 1989 versteckte er sich in der Residenz der Vatikanbotschaft in Panama. Und erst danach wurde die Entscheidung über seinen Prozess getroffen und darüber, dass er für den jahrelangen Drogenhandel, den er anführte, verantwortlich sein müsse.

Also werden wir sehen, wie sich die Situation in Venezuela nach dieser Festnahme Maduros entwickeln wird, denn wie ihr versteht: Nachdem Manuel Noriega in Panama festgenommen worden war, öffnete sich dort der Weg zur Demokratisierung des Landes. Viel hängt davon ab, was in Venezuela in Bezug auf die Kontrolle der Macht geschieht. Denn wenn in der venezolanischen Armee der Wunsch bleibt, gegen die Amerikaner zu kämpfen, ist nicht klar, wie sich die Lage in den nächsten Stunden und Tagen entwickeln wird.

Der Verteidigungsminister Venezuelas, dessen Tod in den ersten Stunden nach Beginn der Operation gegen Venezuela gemeldet wurde, betonte, dass die venezolanische Armee bereit sei, gegen die Amerikaner zu kämpfen und in Venezuela zu siegen. Außerdem tauchen Meldungen auf, dass die US-Marineinfanterie auf zahlreichen venezolanischen Inseln in der Karibik landet.

Das ist ebenfalls ein offensichtlicher Beleg dafür, würde ich sagen, dass die Operation weitergeht, dass sie nicht beendet ist und dass keine Erklärungen des Außenministeriums der Russischen Föderation jene Handlungen stoppen werden, die Donald Trump geplant hat.

Und jetzt ist natürlich die wichtigste Frage: wie wird sich das weiter entwickeln? Das heißt faktisch: Wird Nicolás Maduro der Öffentlichkeit wirklich gezeigt werden als jemand, der aus Venezuela herausgebracht wurde? Wird er auf die Macht verzichten, und wer wird die Macht in Venezuela kontrollieren? Wird die venezolanische Armee tatsächlich gegen die amerikanische kämpfen – oder beginnt in Wahrheit ein Prozess des Machttransfers in Venezuela durch Übergabe der Macht an den demokratisch gewählten Präsidenten Edmundo González, oder werden wenigstens Bedingungen geschaffen für die ersten Präsidentschaftswahlen in Venezuela seit dem Sieg Hugo Chávez’?

Und wir verstehen, dass Russland und China jetzt alles tun werden, damit die Vereinigten Staaten in Venezuela bis über beide Ohren stecken bleiben. Das brauchen sie aus vielen Gründen. Der erste Grund hängt vor allem mit Öl zusammen. Geopolitisches Spiel bleibt geopolitisches Spiel, wie ihr versteht. Der Wunsch, den Einfluss der Vereinigten Staaten zu schwächen und ihre Hilflosigkeit zu zeigen, ist auch für den Präsidenten der Russischen Föderation und für den Vorsitzenden der Volksrepublik China sehr wichtig. Aber nicht weniger wichtig ist, dass Öl aus Venezuela nicht in kritischen Mengen auf dem Weltmarkt erscheint, weil das die russischen Energiemöglichkeiten buchstäblich in wenigen Monaten – zumindest binnen eines Jahres – zerstören und Putins Russland vor den Vereinigten Staaten auf die Knie zwingen könnte. Das ist eine reale Möglichkeit der weiteren Entwicklung in nächster Zeit. In diesem Sinne brauchen sie das sehr.

Und natürlich: Wenn die US-Operation in Venezuela schnell verläuft – und es gibt dafür alle Voraussetzungen –, wenn wirklich bestätigt wird, dass Nicolás Maduro die Macht verloren hat und sein Regime zerfällt, wird das eine weitere Erinnerung daran sein, dass die Russische Föderation ein Papiertiger ist. Darüber hat Donald Trump Wladimir Putin schon einmal in einem Moment öffentlicher Offenheit gesprochen – denn die Versuche der Russen, die Ukraine zu besetzen, mündeten in einen Krieg, der nun schon vier Jahre dauert und von dem niemand weiß, wann er endet. Und die ganze Zeit stehen russische Truppen bei Pokrowsk. Im Grunde endete der Angriff auf Kyjiw mit einer beschämenden Niederlage der sogenannten zweitstärksten Armee der Welt.

Die Amerikaner gingen nach Caracas hinein, nahmen Maduro fest. Und auch das ist eine absolut offensichtliche Demonstration, würde ich sagen, davon, welcher Staat tatsächlich stark ist – und welcher nicht einmal mit den imperialistischen Zielen fertig wird, die er sich selbst setzt.

Und ich spreche noch gar nicht von anderem. In den ersten Tagen nach dem großen russischen Angriff auf die Ukraine leisteten die Vereinigten Staaten der Ukraine Hilfe, ebenso wie die europäischen Länder, und später wurde ein effektiver Strom militärischer Unterstützung für unser Land aufgebaut.

Und was machen die Russen? Die Russen sprechen von Solidarität mit dem venezolanischen Volk und sagen, in der Situation rund um Venezuela sei es wichtig, eine Eskalation zu verhindern und einen Ausweg durch Dialog zu finden. Und Moskau sei bereit, den Dialog zwischen den Konfliktparteien rund um Venezuela zu unterstützen.

Wie ihr aus dieser Erklärung versteht, wird die Russische Föderation Venezuela keinerlei reale Hilfe leisten. Und das ist ebenfalls ein absolut offensichtlicher Punkt, den man aussprechen muss. Ich denke, auch die Chinesen werden Venezuela keinerlei reale Hilfe leisten, sie werden sich wie immer auf Erklärungen beschränken – und damit wird es im Grunde auch enden.

So, ich schaue mir gerade die Erklärung der venezolanischen Vizepräsidentin Delcy Rodríguez an. Ich habe sie nur mit einem Ziel angesehen: um sie zu sehen. Ich habe sie nicht gesehen. Es ist eine Audioaufnahme, wie ihr versteht, denn seit Beginn der amerikanischen Operation gegen Venezuela tritt keiner aus Nicolás Maduros Umfeld öffentlich auf – weder die Vizepräsidentin noch der Verteidigungsminister noch andere. Und hier ist eine „wunderbare“ Erklärung der Vizepräsidentin: „Derzeit befindet sich Venezuela in Ruhe und denkt darüber nach, was militärische Aggression dieser Art bedeutet, die unsere Souveränität und den Frieden aller Venezolaner verletzt hat. Das Volk Venezuelas muss in vollkommener nationaler Einheit aktiv werden, um seine natürlichen Ressourcen zu schützen. Und das Heiligste, das ein Vaterland haben kann – ist sein Recht auf Unabhängigkeit und auf Zukunft.“

Wie ihr versteht, unterscheidet sich das etwas von den Erklärungen des venezolanischen Verteidigungsministers, dass die venezolanische Armee den amerikanischen Streitkräften real entgegentreten werde. Übrigens ist interessant, dass der Verteidigungsminister tatsächlich öffentlich aufgetreten ist – im Gegensatz zur Vizepräsidentin. Die venezolanische Armee wurde von Chávez und Maduro zu einer Art, würde ich sagen, „Hauspolizei“ umformatiert. Sie war im Grunde immer eine Armee des Regimes und nicht eine Armee Venezuelas.

Bisher gibt es keine Meldungen über venezolanische Opfer. Das ist ebenfalls ein wichtiger Punkt. Zwar melden venezolanische – selbstverständlich propagandistische – Kanäle, es habe zivile Bevölkerung getroffen, aber es gibt keine klaren Bestätigungen dafür, dass Zivilisten infolge dieses Schlages verletzt wurden.

Also entwickeln sich die Ereignisse bislang erst. Und sehr wichtig wird sein, wie sie sich tatsächlich weiter entwickeln. Zumal ihr versteht, dass all diese Ereignisse auch vor dem Hintergrund des Aufstands im Iran stattfinden, der für das iranische Regime ziemlich gefährlich ist. Und nach dem US-Schlag gegen Venezuela könnten Ajatollah Chamenei und sein Umfeld ebenfalls befürchten, dass Trump seine Drohung umsetzt und im Falle ernsthafter Repressionen gegen die iranische Zivilbevölkerung einen Schlag gegen Teheran, gegen die Residenz Ajatollah Chameneis sowie gegen Präsident Masud Peseschkian und andere Führer führen könnte, die damit in Verbindung stehen.

Auch das ist ein wichtiger Punkt in dieser Situation: Wir verstehen, dass wenn man die iranische Bevölkerung nicht auseinanderjagt, wenn man keine Schläge gegen sie aus Hubschraubern oder mithilfe des banditischen Korps der Wächter der Islamischen Revolution führt, die Macht im Iran ebenfalls unter den Schlägen der eigenen Bevölkerung fallen kann – ohne irgendeine reale Veränderung der Lage.

Maduro wurde im Wesentlichen nur von Putin unterstützt, vom Präsidenten Kolumbiens Gustavo Petro, der ebenfalls ein linker Politiker ist und, wie bekannt, in einem ernsthaften Konflikt mit Donald Trump steht, sowie vom kubanischen Präsidenten Díaz-Canel, der eines der repressivsten kommunistischen Regime der Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts anführt.

Und natürlich versteht auch Díaz-Canel, dass eine amerikanische Administration, die in der Lage ist, Maduro herauszubringen, auch der Geschichte des kubanischen Kommunismus ein Ende setzen könnte – weil sie einfach entschlossener handeln kann als ihre Vorgänger gegenüber Kuba.

Gleichzeitig ist klar, dass die Lage jetzt nicht bis zum Ende verständlich ist. Denn Maduro hatte noch vor seinem Abtransport den Ausnahmezustand im gesamten Land ausgerufen und dies mit der militärischen Aggression begründet, die von der Regierung der Vereinigten Staaten ausgeführt worden sei. Und es ist unbekannt, inwieweit diese Anordnungen gelten und ob sie von denen unterstützt werden, die jetzt die Macht in Venezuela ausüben.

Also ist das natürlich erst der Anfang all dieser Ereignisse. Sie können sich entlang einer komplizierten Exponentialkurve entwickeln, denn zumindest muss Maduro selbst vor der Öffentlichkeit erscheinen, damit die Wahrheit von Trumps Worten bestätigt wird.

Unklar ist, wer tatsächlich die Macht in Venezuela ausüben wird und inwieweit Delcy Rodríguez es mit ihren Erklärungen schaffen wird, das Regime zu konsolidieren. Wie ihr seht, versucht die venezolanische Vizepräsidentin in ihren Aussagen deutlich vorsichtiger zu sein als Maduro selbst vor dem amerikanischen Angriff – und als sein Verteidigungsminister –, was ebenfalls bis zu einem gewissen Grad ein Zeichen eines Risses angesichts einer so ernsthaften Gefahr sein kann.

Obwohl natürlich allein die Tatsache, dass Maduro von amerikanischen Spezialkräften festgenommen wurde – man sagt, es seien Kämpfer einer amerikanischen Eliteeinheit – schon die Effektivität amerikanischer Militärpolitik demonstrieren wird. Und eben, wie ihr versteht, die Effektivität amerikanischer Geheimdienste vor all den Grimassen Putins.

Kommentiert, wie ihr glaubt, wie sich die Lage in Venezuela in den nächsten Stunden und Tagen entwickeln wird, und wie möglicherweise die Öffnung des venezolanischen Energiemarktes das Schicksal des Verbündeten Maduros, des widerlichen Putin und seines terroristischen Regimes beeinflusst. Bitter ist natürlich, dass das Vorhandensein von Atomwaffen in Russland eine solche Operation in Moskau nicht zulässt. Putin muss genauso vor Gericht stehen wie sein venezolanischer Kumpel. Aber wir verstehen, dass Atomwaffen das sind, was Putin vor jeder Verantwortung für alle verbrecherischen Handlungen schützt, die der russische Präsident bereits begangen hat und die er in den nächsten Jahren seiner ruhmlosen und verbrecherischen Herrschaft noch begehen wird.

Aber jedenfalls ist Maduros Schicksal ein wunderbarer, würde ich sagen, Indikator dafür, was mit Menschen geschehen kann, die die Macht usurpieren. Jetzt erscheint eine Meldung, dass Senator Mike Lee gesagt habe, Maduro werde in die Vereinigten Staaten gebracht, um ihm strafrechtliche Anklagen vorzulegen, und weitere Handlungen der Vereinigten Staaten in Caracas würden nicht erwartet.

Das ist ebenfalls eine gute Meldung, weil sie uns die Möglichkeit gibt, uns vorzustellen, was als Nächstes kommt. Wenn es keine weiteren Handlungen geben wird, entsteht die Chance, dass das Regime, das derzeit in Venezuela existiert, unter einer anderen Führung erhalten bleibt. Aber wir verstehen auch, dass jede Person, die versuchen wird, dieses Regime anzuführen, in den Augen seiner Anhänger nicht jene Legitimität besitzen wird, die Nicolás Maduro hatte – denn Maduro erhielt die Macht aus den Händen des Diktators Hugo Chávez selbst, der diesen Modus in Venezuela geschaffen hat, wie ich schon sagte: ein widerlicher Populist und Verbündeter und Freund Putins und Fidel Castros, der übrigens nach seinem Tod – nach dem Muster all solcher Widerlinge – in ein Mausoleum gelangte. Es gab Meldungen, dass die Vereinigten Staaten einen Schlag gegen dieses Mausoleum geführt hätten. Wir wissen nicht, wie real das ist.

So ist die Lage in Bezug auf die Entwicklung der Ereignisse, die wir – wie ihr versteht – weiter beobachten müssen, denn das sind außergewöhnliche Ereignisse, und möglicherweise wird es noch bis heute Abend weitere Entwicklungen geben. Ihr müsst euch jetzt daran erinnern, dass es in den Vereinigten Staaten noch tiefe Nacht ist – in Miami 4 Uhr morgens –, und für 11 Uhr morgens Miami-Zeit ist eine Pressekonferenz Donald Trumps angesetzt. Und wir werden nach dieser Pressekonferenz mehr erfahren, die ihrerseits ein wichtiges Signal dafür sein wird, was die Vereinigten Staaten als Nächstes in Venezuela zu tun beabsichtigen.

Also beantworte ich ein paar Fragen, die während dieser Sendung bereits aufgetaucht sind.

Frage. Kann eine so aktive harte Politik der Vereinigten Staaten – Bombardierung des Iran, Operation gegen Maduro – eine Warnung an die Volksrepublik China sein, dass die USA ihre Interessen, insbesondere Taiwan, mit Gewalt schützen werden?

Portnikov. Das ist eine sehr treffende Frage, denn die Chinesen beobachten natürlich ziemlich aufmerksam, wie Donald Trump handelt. Und für Donald Trump ist es wichtig, Peking von seiner Unberechenbarkeit zu überzeugen. Das ist, würde ich sagen, Frage Nummer eins. Die Unberechenbarkeit des amerikanischen Präsidenten in der heutigen Welt ist bis zu einem gewissen Grad sein Schutz in den Beziehungen zu Moskau und Peking. Denn Xi Jinping kann dreimal überlegen, was Donald Trump tun wird, wenn die chinesische Armee Taiwan angreift oder aktive Kriegshandlungen in der Taiwanstraße beginnt. Das ist eine gute Frage, natürlich sehr wichtig. Und ich hoffe, dass solche Handlungen der Vereinigten Staaten uns dazu bringen werden, ernsthaft darüber nachzudenken, inwieweit Russland und China zu einer realen Konfrontation mit den Vereinigten Staaten bereit sind.

Frage. Wie soll die Ukraine reagieren? Die Operation verurteilen und sich potenziell mit Amerika zerstreiten, oder nicht verurteilen und die Aggression einer großen Macht gegen eine kleine als Norm anerkennen?

Portnikov. Wiederum macht ihr einen Fehler, wenn ihr versucht, das, was in der Ukraine passiert ist, mit dem gleichzusetzen, was in Venezuela geschieht. Natürlich dürfen die Vereinigten Staaten von der Ukraine nicht verurteilt werden, weil es ein Schlag gegen ein verbrecherisches usurpatorisches Regime ist. Hat die Ukraine die Schläge gegen den Iran verurteilt? Das hätte man auch als Aggression gegen ein kleines Land bezeichnen können, als die Vereinigten Staaten iranische Atomanlagen trafen. Wenn die Vereinigten Staaten jetzt die Residenz Ajatollah Chameneis treffen und die Führer des iranischen Regimes zerstören, wird das ebenfalls keine Aggression gegen ein kleines Land sein. Man muss klar verstehen, wo Gut ist und wo Böse. Nicolás Maduro ist kein legitimer Präsident Venezuelas. Die Vereinigten Staaten besetzen das Territorium Venezuelas nicht. Das ist alles. Das ist eine absolut reale Sache.

Frage. Wie kann Putin zugleich Anführer des globalen Südens sein und Trump loben?

Portnikov. Bis jetzt gelingt ihm das, aber ihr versteht, dass sie alle so sind. Nicht nur Putin ist so. Viele Menschen glauben, sie hätten gute Beziehungen zum globalen Süden und seien Anführer des globalen Südens. Sowohl Putin als auch Modi, übrigens auch Xi Jinping, äußern sich respektvoll über Trump, damit Trump ihnen selbst nicht schadet. Das ist bis zu einem gewissen Grad ein politisches Spiel. Und sie verstehen sich in diesem politischen Spiel gegenseitig sehr gut. Zumal Putin kein Anführer des globalen Südens ist – entschuldigt. Der globale Süden hat andere Anführer – Xi Jinping.

Frage. Wie legal ist es, einen Venezolaner in den Vereinigten Staaten zu verurteilen, der Verbrechen in Venezuela begangen hat und nicht in den Vereinigten Staaten?

Portnikov. Wenn ein Bürger Venezuelas Verbrechen begangen hat, die die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten bedrohten und Probleme für die Vereinigten Staaten schufen – sagen wir, Drogenlieferungen in die Vereinigten Staaten –, dann ist es aus Sicht der Justiz absolut legal, ihn in den Vereinigten Staaten zu verurteilen, weil das Verbrechen gegen die Vereinigten Staaten sind. Man wird ihn ja nicht wegen der Usurpation der Macht in Venezuela verurteilen. Man wird ihn dafür verurteilen, dass er ein Drogenkartell angeführt hat – wie es bei Manuel Noriega war oder wie es beim früheren Präsidenten Honduras war, den Trump begnadigte. Dort war eine sehr ähnliche Situation. Dieser Präsident Honduras, Juan Orlando Hernández, wurde wegen Drogenhandels verurteilt und ins Gefängnis gebracht. Übrigens: So wie auch Pawlo Lasarenko bei den Vereinigten Staaten vor Gericht stand – unser ehemaliger Ministerpräsident. Ich möchte euch daran erinnern, dass die Ukraine genau in dieser selben Ländergruppe war. Ich hoffe, sie wird es nie wieder sein. In diesem Sinne würde ich nicht sagen, dass die Vereinigten Staaten irgendwie keine Möglichkeit hätten, Nicolás Maduro in ihrer Jurisdiktion zu verurteilen.

Frage. Ihre Prognose zum Öl.

Portnikov. Ich wiederhole: Ich glaube, dass, wenn es den Amerikanern wirklich gelingt, die legitime Lieferung venezolanischen Öls auf die Weltmärkte zu entblockieren – aber das wird wiederum davon abhängen, wer Venezuela in dieser Situation führen wird –, das die Lage ziemlich ernst verändern wird. Russisches Öl wird einfach noch einmal um das Doppelte fallen. Aber es ist unklar, wie schnell das alles geschehen wird.

Frage. Gibt es eine Chance, dass die Zahal oder das US-Militär das Ajatollah-Regime im Iran stürzen? Ich hoffe sehr, dass sie es so schnell wie möglich tun. Ihre Prognose?

Portnikov. Ihr könnt auf meinem Kanal „Portnikov Argumente“ die Live-Sendung ansehen, die ich gestern Abend mit dem Autor des Telegram-Kanals „Revolution im Iran“ Mazir Mian geführt habe, wo wir diese Situation im Detail analysieren und im Grunde zu dem Schluss kommen, der mir absolut logisch erscheint, dass nur das iranische Volk das iranische Regime stürzen kann. Iran ist ein großes Land mit völlig anderer Geografie und Landschaft als der Irak oder erst recht Venezuela. Das wird dort nicht so einfach gehen. Aber wenn die Vereinigten Staaten das iranische Regime wirklich dazu zwingen können, Demonstranten nicht zu töten, dann kann dieses Regime unter dem Druck des Volkszorns und unter dem Druck innerer Widersprüche, die es immer hatte, selbst zusammenbrechen – denn es hält sich gerade deshalb, weil es Iraner aus Hubschraubern und mit Maschinengewehren erschießen kann. Und das könnte Donald Trumps Beitrag zur iranischen Problematik sein. Natürlich wird weder die Zahal noch irgendeine US-Armee das Ajatollah-Regime Khomeinis stürzen. Aber die Menschen im Iran selbst, wie wir sehen, stehen diesem Regime bereits ziemlich hart gegenüber. Auch das ist ein wichtiger Punkt, den wir in dieser Situation betonen können.

Im Chat wird daran erinnert, dass Maduro den russischen Angriff auf die Ukraine unterstützt hat. Ich erinnere noch einmal daran. Im Sinne von: „Oh, das ist ein Angriff auf einen kleinen Staat.“ Ich erinnere euch noch einmal: Maduro ist einer der treuesten Verbündeten des putinschen Regimes, der, wenn er könnte, Russland auch Waffen liefern würde, damit sie mit venezolanischen Waffen Ukrainer töten. Maduro ist im Grunde Putins Modell gefolgt, indem er einen Teil des Territoriums des benachbarten Guyana annektierte. Das ist genau dasselbe, was Maduro tat, was Putin auf der Krim tat. Nur fehlte Maduro die Kraft für eine echte Annexion. Auch das muss man begreifen. Und die Vereinigten Staaten werden – wie ihr versteht – keinerlei venezolanische Provinzen annektieren.

Frage. Wer wird jetzt Präsident Venezuelas sein? Wie loyal wird er gegenüber den Vereinigten Staaten und den amerikanischen Ölgesellschaften sein?

Portnikov. Das wissen wir alles nicht. Aus Sicht der derzeitigen venezolanischen Verfassung muss die Vizepräsidentin Rodríguez, über die ich schon gesprochen habe, Venezuela führen – aber inwieweit ihr das gelingt, ist unklar. Erstens ist unklar, ob die Vereinigten Staaten überhaupt am realen Fortbestand des maduristischen Regimes ohne Maduro interessiert sind. Aber auch ist unklar, inwieweit sie in der Lage sind, dieses Regime zu stürzen. Unklar ist, ob es innere Widersprüche in diesem Regime gibt und ob die venezolanischen Militärs unter Führung von Vladimir Padrino López, dem venezolanischen Verteidigungsminister, der kämpferische Erklärungen gegen die Vereinigten Staaten abgibt, Delcy Rodríguez die Möglichkeit geben werden, tatsächlich Präsidentin Venezuelas zu werden, und wie hoch der Grad ihrer Legitimität sein wird. Venezuela hat einen von anderen Ländern anerkannten demokratisch gewählten Präsidenten, der das Land verlassen musste.

Gerade ist das erste Foto des von den Amerikanern festgenommenen venezolanischen Präsidenten Maduro aufgetaucht, den zwei amerikanische Spezialkräfte abführen. Unklar ist wiederum, inwieweit dieses Foto echt ist. Aber wenn keine weiteren amerikanischen Handlungen geplant sind, bedeutet das, dass dieses Regime in der einen oder anderen Form bestehen bleibt. Auch das ist ein wichtiger Punkt. Die Frage ist wirklich nicht schlecht, inwieweit dieses Regime in der neuen Situation bereit sein wird, mit den Amerikanern zusammenzuarbeiten.

Frage. Der US-Außenminister Mark Rubio, so Senator Mike Lee, sagte, die Militäroperation gegen Venezuela sei nur Tarnung für die Festnahme Maduros gewesen, damit er vor einem amerikanischen Gericht erscheinen kann. Können die Venezolaner faire und echte Wahlen durchführen?

Portnikov. Ich bin nicht sicher, dass dieses Regime, das jetzt in Venezuela ist, in der Lage ist, den Venezolanern faire und echte Wahlen zu garantieren. Ich habe diese Sicherheit ehrlich gesagt nicht. Aber vielleicht wird unter dem Druck der Amerikaner und aus Angst, dass diese militärischen Handlungen fortgesetzt werden, derjenige, der Venezuela nach Maduro führen wird, in der Lage sein, solche Wahlen durchzuführen. Ich habe diese Sicherheit jetzt nicht, weil wir nicht wissen, wie sich die Lage in den nächsten Stunden entwickeln wird.

Also lasst uns die Entwicklung der Lage verfolgen, wie sie sich verändern wird, wie man weiter in den Vereinigten Staaten und in Venezuela reagieren wird, wer am Ende die Macht übernimmt, nachdem wir sehen, dass Nicolás Maduro bereits in den Vereinigten Staaten verhaftet ist und sich offensichtlich bereits dort befindet. Und wir werden dieses Ereignis weiter verfolgen. Ich danke denen sehr, die mit mir in dieser Sendung waren. Bitte kommentiert, was ihr über die weitere Entwicklung denkt. Unterstützt unbedingt die Streitkräfte der Ukraine, denn ich denke, ihr habt heute gesehen, wie sehr sich die Effektivität der Streitkräfte der Ukraine, sagen wir, von der Effektivität der Streitkräfte autoritärer Regime unterscheidet. Denn eine Volksarmee ist eine Volksarmee – und eine Armee, die einen verbrecherischen Herrscher und ein idiotisches Regime schützt, ist immer jene Armee, die wir gesehen haben, sagen wir, als an der Spitze unseres eigenen Staates Widerlinge vom Typ Janukowytsch standen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: США захопили Мадуро Віталій Портников. 03.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Aufstand im Iran: Folgen | Vitaly Portnikov. 02.01.2026.

Der Aufstand im Iran, der in den letzten Tagen in diesem Land stattfindet, ist offensichtlich nicht der erste und vielleicht auch nicht der letzte Auftritt des Volkes gegen jene Diktatur, die sich im Iran nach dem Sieg der sogenannten Islamischen Revolution von 1979 herausgebildet hat. Aber dieses Mal ist der Aufstand, wie ich sagen würde, viel umfangreicher. Und das Wichtigste: Es gibt bestimmte Hoffnungen, dass dieser Aufstand sich in viel größerem Maße auf internationale Unterstützung stützen kann, als das in allen vorherigen Jahrzehnten der Fall war. Aber ist das so, und wie groß ist das Potenzial des iranischen Aufstands und sein Einfluss auf weltweite Prozesse — darüber sprechen wir mit dem Autor des Kanals „Revolution im Iran“, Mazir Mian.

Portnikov. Ich möchte, dass wir zuerst darüber sprechen, worin die grundlegende Ursache liegt, ich würde sagen, der Unterschied des jetzigen Aufstands, seines Ausmaßes, gegenüber allem, was wir in den letzten Jahren gesehen haben. Denn viele sagten, dass dieser Aufstand vor allem wirtschaftlicher Natur sei, verbunden damit, dass der Einbruch des Wechselkurses des iranischen Rial dazu geführt habe, dass eine riesige Zahl Ihrer Landsleute einfach keinen Zugang zu Dingen des täglichen Bedarfs, zu Lebensmitteln, zu notwendigen Sachen mehr hat. Und das sei der Hauptgrund geworden. Aber wir sehen, dass bereits sehr ernste politische Parolen ertönen. Irgendwie hat sich das alles sehr schnell verändert.

Mazir Mian. Ja, Sie haben das absolut richtig bemerkt. Damit es Ihren Zuschauern verständlich ist, möchte ich frühere Proteste erwähnen, um zu verstehen, worin der Unterschied zwischen ihnen liegt. Solche mehr oder weniger ernsthaften Protestwellen begannen 2009. Die Grüne Bewegung, als die Iraner nach der Fälschung der Wahlen auf die Straßen gingen, zur Unterstützung der sogenannten Reformer. In jenen Jahren setzten die Iraner Hoffnungen auf Veränderungen und Reformen innerhalb des Regimes der Islamischen Republik und vertrauten den sogenannten Reformern, dass sie diese Veränderungen im Rahmen der Islamischen Republik umsetzen würden. 

Viele Jahre später, als die Menschen bereits von ihnen enttäuscht waren und verstanden, dass alles, was sie tun, die Fortsetzung der Ideologie der Islamischen Republik ist, und nachdem die Menschen keine wesentlichen Veränderungen in der Gesellschaft gesehen hatten — in den sozialen Freiheiten der Menschen, in den politischen Freiheiten der Menschen und in der wirtschaftlichen Situation im Land — verloren diese sogenannten Reformern das Vertrauen beim Volk.

Und ungefähr 2017 kam erstmals eine kleine Gruppe von Menschen, etwa einige tausend Menschen, zum Grab des großen iranischen Schahs, des großen Kyros. Und dort ertönten zum ersten Mal in der Geschichte nach der Revolution von 1979 Parolen zur Unterstützung der Monarchie. Das war 2017. Damals war es so eine sehr begrenzte Bewegung. Nach und nach wuchs sie, nahm Jahr für Jahr zu.

Und 2022, als das Mädchen Mahsa Amini wegen eines falsch getragenen Hijabs getötet wurde, gab es ebenfalls eine Protestwelle im Iran, die ein halbes Jahr dauerte. Dort klangen die wichtigsten Parolen der Menschen immer noch wie Forderungen an das Regime. Also: „Frau, Leben, Freiheit.“ Das waren Forderungen der Menschen an das Regime. Also: Wir wollen leben, wir wollen frei leben, und wir wollen, dass die Rechte der Frauen im Land anerkannt werden. Aber gleichzeitig damit ertönten auch andere Parolen. Das war „Tod dem Diktator“, „Tod der Islamischen Republik“, „Tod Khamenei“. Seitdem sind schon einige Jahre vergangen. Und heute liegt der Hauptunterschied dieser Proteste darin, dass die Menschen dem Regime nicht mehr ihre Forderungen verkünden, nicht mehr die Unterstützung der Reformern innerhalb des Regimes verkünden. Die Menschen sagen ganz konkret, was sie wollen. Genau dadurch unterscheiden sich diese Proteste heute, die stattfinden.

Sie begannen tatsächlich tatsächlich auf dem Boden des Anstiegs der Wechselkurse. Als der Wechselkurs an einem einzigen Tag um 7.000 Toman bzw. 70.000 Rial stieg, gingen auf den Teheraner Märkten – zunächst auf zwei Märkten, es waren nur zwei kleine Märkte – die Inhaber kleiner Geschäfte auf die Straße, schlossen ihre Läden und begannen am ersten Tag zu protestieren.

Portnikov. Angefangen haben Verkäufer von Mobiltelefonen. Es ist erstaunlich, ja, dass sich aus so einem Funken alles entzündet hat.

Mazir Mian. Genau so. Dort gibt es einen Markt für Mobiltelefone und noch einen Teheraner Markt. Sie schlossen ihre Geschäfte am ersten Tag. Es wurden dort keine politischen Parolen gerufen. Sie schlossen einfach ihre Geschäfte und gingen auf Protest, aber politische Parolen gab es nicht. Ab dem zweiten Tag schlossen sich andere Teheraner Märkte an. Das sind die größten Teheraner Märkte. Und dort begannen die Menschen eben zu sagen, was sie wollen. Das ist das, was ich erwähnt habe.

Diese Proteste unterscheiden sich von den vorherigen dadurch, dass die Menschen damals nur sagten: „Tod der Islamischen Republik“ oder sagten „Tod Khamenei“. Aber in diesen Protesten sagen sie klar: „Es lebe der Schah.“ Und: „Die letzte Schlacht — Pahlavi wird zurückkehren.“ Diese zwei Parolen wurden zu den Hauptparolen, die heute in mehr als fünfzig Städten wiederholt werden. Die Menschen wiederholen sie. Dort gibt es unterschiedliche Proteste, kleine, große. Diese zwei Parolen wurden die Hauptparolen in dieser Protestwelle.

Portnikov. Ich verstehe, dass der Präsident Irans, Masud Peseschkian, bereits versucht hat, sich irgendwie in diese Proteste einzuschreiten. Er sagte, dass die Menschen, sozusagen, ein wichtiger Indikator für das Handeln der Macht sein sollten. Er erklärte, dass man sich mit den letzten wirtschaftlichen Maßnahmen auseinandersetzen müsse. Man hat den Chef der Nationalbank entlassen, soweit ich verstehe. Und dennoch hatte dieser Versuch Peseschkians — der vermutlich dem Flügel der Reformern in der Islamischen Republik zugerechnet werden kann — keinerlei Wirkung. Und wie üblich ging alles zu Repressionen über.

Mazir Mian. Völlig richtig, denn den Wechselkurs haben die Menschen schon vergessen, weil jener Sprung, der da war, auf 70.000 Rial, ist schon rückgängig gemacht wurde. Jetzt pumpt die Zentralbank viel Fremdwährung aus den Gold- und Devisenreserven Irans in den Markt, um den Kurs zu halten. Und der Kurs ist tatsächlich gefallen. Und die Macht will sehr, dass diese Proteste sich nur auf wirtschaftliche Slogans, auf wirtschaftliche Probleme der Menschen beschränken. Aber wir sehen, dass das alles den Rahmen wirtschaftlicher Proteste gesprengt hat.

Die Menschen skandieren politische Parolen gegen dieses Regime und offen zugunsten des Führers der iranischen Opposition, Prinz Pahlavi. Die Menschen sprechen darüber, und wir sehen in allen Videos, dass er eine sehr große Unterstützung im Iran hat, und die Menschen begannen zu sagen, was sie wollen.

Portnikov. Und sagen Sie: Wie glauben Sie — kann man davon sprechen, dass dies so eine Art aufgeschobenes Ergebnis des zwölftägigen Krieges Irans mit Israel und den Vereinigten Staaten ist? Damals, als ein großer Teil der iranischen Militärführung liquidiert wurde, als iranische Objekte zerstört wurden, die für die Produktion von Atomwaffen oder für Vorbereitungen zu einer solchen Produktion genutzt werden könnten, sagten viele, dass das Geschehen, sozusagen, einen unauslöschlichen Eindruck in der iranischen Gesellschaft hinterlassen habe und ihr zeigen könnte, dass die Macht des Regimes nicht allmächtig ist, wie man denken konnte. Und dass diese Maschine in vieler Hinsicht längst verrottet ist, und im Grunde genommen gibt es kein effektives Luftverteidigungssystem, kein reales Verständnis der Realität seitens Ajatollah Khamenei und seines engsten Umfelds. Sie leben in einer völlig anderen Welt und glauben, dass diese, sozusagen, die Instrumentalisierung des Hasses auf Israel ihnen erlauben könnte, im Iran ungestraft alles zu tun, was sie wollen. Aber damals ist nichts passiert. Und viele sagten: „Es ist nichts passiert, aber es könnte passieren, die Gesellschaft reagiert nicht so schnell.“ Ist das mit dem zwölftägigen Krieg als Hintergrund verbunden?

Mazir Mian. Eindeutig haben diese Proteste einen Zusammenhang mit dem zwölftägigen Krieg. Aber jene Bewegung, jene Parolen, jene Stimmung der Menschen, die heute auf den Straßen Irans sichtbar wird, wurden bereits 2017 geboren, also lange vor dem zwölftägigen Krieg. Sie entwickelten sich. Mit der Zeit wurden mehr Menschen vom Regime enttäuscht und gingen zur Opposition über. Aber meiner Ansicht nach hat der zwölftägige Krieg nicht so sehr die Stimmung der Menschen beeinflusst, wie er vielmehr die Stimmung der Anhänger des Regimes beeinflusst hat — jener, die sich vom Regime abgewandt und sich der Opposition angeschlossen haben. Und davon gibt es sehr viele. 

Der ehemalige Chefredakteur der Zeitung Kayhan, der Hauptzeitung Irans, ist heute in der Opposition, er unterstützt den Prinzen. Sehr viele — gerade nach dem zwölftägigen Krieg — sehr viele Menschen, die sich im Lager der Republikaner sahen, das heißt, sie lehnten die Rückkehr der Monarchie im Iran ab, sehr viele dieser Menschen gingen zur Opposition gegen das Regime über, auf die Seite des Prinzen. Sie sagen bis heute: „Wir sind Republikaner, aber wir sehen keinen anderen Ausweg aus dieser Situation. Wir müssen einen Führer haben, und wir müssen unsere Handlungen koordinieren.“ Dieser zwölftägige Krieg hat der iranischen Opposition sehr geholfen, um diejenigen an sich zu ziehen, die sich im Körper der Islamischen Republik befanden, damit sie sich davon entfernen und sich der Opposition anschließen.

Portnikov. In Wahrheit ist es immer sehr wichtig zu verstehen, wie groß das Potenzial einer solchen Bewegung ist. Und das Potenzial einer solchen Bewegung hängt in Ländern wie Iran, in Ländern übrigens wie Russland, wie Belarus, sehr stark von der Geschlossenheit der Sicherheitsorgane ab. Denn wir verstehen ja gut: Die Iraner gehen nicht zum ersten Mal auf die Straße. Wenn das das Gewaltpotenzial des Regimes schwächer wäre, das haben wir in der Ukraine gut gesehen, dann hätte es sich schon vor einigen Jahren nicht mehr gehalten, sozusagen. Aber hier gibt es geschlossene Sicherheitsstrukture, die manchmal radikaler sind als die Macht selbst, die sie schützen sollen. Und hier ist es sehr wichtig zu verstehen, wie die Stimmungen im Korps der Wächter der Islamischen Revolution sind. Wie einig sind sie überhaupt, wie bereit sind sie, die Idee der Islamischen Republik selbst zu verteidigen, können sie unter dem Einfluss der Proteste wanken? Denn mir scheint, das ist entscheidend: Es gibt keinen Mangel an Protestierenden, aber gleichzeitig gibt es auch keinen Mangel an denen, die bereit sind, das Feuer auf Menschen zu eröffnen.

Mazir Mian. Sie haben absolut recht. Ich kann Ihnen das anhand der iranischen Erfahrung erklären. Wir werden diese Spaltung am letzten Tag der Existenz der Islamischen Republik sehen. Wir werden diese Spaltung am letzten Tag der Existenz der Islamischen Republik sehen, so wie es 1979 war. Am Morgen gab die Armee eine Erklärung der Neutralität ab. Und am Tag wurde das Schah-Regime gestürzt. Das heißt: In dem Moment, wenn es innerhalb der Sicherheitsapparate zu einer Spaltung kommt, hält sich das Regime nach diesem Moment nicht länger als einen Tag. Ich denke, dass ein solches Potenzial theoretisch vorhanden sein kann, aber wir werden das nicht heute sehen. Wir werden das am Ende fieser Geschichte sehen — wenn wir es sehen.

Portnikov. Ja, wenn es ein Ende dieser Geschichte gibt — das ist sehr wichtig zu verstehen, weil jeder solche Aufstand, hier ist wichtig zu verstehen: stärkt er das Regime oder schwächt er es vielmehr? Kann man sagen, dass all das das Regime dennoch untergräbt?

Mazir Mian. Diese Unzufriedenheiten, unsere Erfahrung zeigt, dass Jahr für Jahr die Unzufriedenheit der Menschen wächst, und die Menschen beginnen zu verstehen, dass, wiederum, wenn wir zu jener Geschichte zurückkehren, als 2009 die Menschen dachten, dass sie durch irgendwelche Reformen innerhalb der Islamischen Republik das Regime ändern könnten, mit der Zeit verstanden sie, dass das nicht funktioniert. Und jetzt wollen sie das Regime stürzen. Mit der Zeit gelang es dem Regime ja, diese Bewegungen auseinanderzutreiben, zu unterdrücken, aber jede Protestbewegung im Iran hinterließ Spuren in der Gesellschaft und brachte irgendein Bewusstsein für die Menschen mit sich. Das heißt: Jedes Mal, wenn es Proteste im Iran gab, begann ein Teil der Gesellschaft zu verstehen, dass das Problem nicht in der Wirtschaft liegt, das Problem nicht in der politischen Freiheit liegt und so weiter — das Problem ist das Regime selbst. Das heißt: All diese Bewegungen zeigten den Menschen mit der Zeit, dass das Problem gerade im Regime selbst liegt. Wenn es dem Regime auch dieses Mal gelingt, diese Proteste zu unterdrücken, wird die Spur in der Gesellschaft bleiben, und noch ein Teil der Menschen wird sich bei den nächsten Protesten denen anschließen, die heute auf den Straßen Irans gegen das Regime kämpfen.

Portnikov. Donald Trump hat heute erklärt, dass er bereit ist, die protestierenden Iraner zu unterstützen, und dass das Erschießen von Menschen durch das Regime eine rote Linie sein wird, und die Vereinigten Staaten werden bereit sein, dem iranischen Volk zu helfen. Das ist tatsächlich eine beispiellose Erklärung. Kein amerikanischer Präsident vor Trump, und Trump selbst übrigens in seiner ersten Amtszeit, hat jemals etwas Ähnliches gesagt. Und da stellt sich die Frage: Glauben Sie überhaupt daran – angesichts von Trumps Charakter und der Tatsache, dass er sehr oft ernsthafte Versprechen macht, die er später nicht einhält –, dass es dieses Mal anders sein wird? Dass, wenn es tatsächlich ernsthafte Schläge gegen Menschen seitens des Korps der Wächter der Islamischen Revolution oder der Polizei erfolgen, wenn es zahlreiche Opfer gibt — denn es gibt ja bereits erste Opfer — die Amerikaner tatsächlich einen Schlag führen werden, zum Beispiel gegen das Hauptquartier von Ajatollah Khamenei oder gegen das Hauptquartier des Korps der Wächter der Islamischen Revolution? Ist überhaupt ein solcher Verlauf möglich? Denn er könnte alles auf der Welt verändern.

Mazir Mian. Tatsächlich haben Sie richtig bemerkt: Das ist eine beispiellose Unterstützung seitens der USA. Sie versuchten immer, dieses Thema — die Innenpolitik der Islamischen Republik — nicht anzufassen. Und dass Trump darüber geschrieben hat, über seine Unterstützung dieser Proteste, das zeigt schon davon, dass auch die Welt beginnt zu verstehen, dass die Zeit der Islamischen Republik zu Ende geht. Glaube ich, dass Trump einen Schlag führen wird? Sehr schwer zu sagen, eher glaube ich es wohl nicht, aber man kann das von einer anderen Seite betrachten.

Ich schlage vor, das erstens als grünes Licht für Israel zu betrachten, um solche Operationen im Iran durchzuführen — sie haben diese Möglichkeit. Sie haben das im zwölftägigen Krieg gezeigt, als innerhalb von 20 Minuten die gesamte Spitze des IRGC liquidiert wurde. Das heißt, sie haben diese Möglichkeit. Die Israelis können das auf ihre Art verstehen und selbstständig handeln, ohne Unterstützung der USA. Das ist erstens.

Zweitens: Trumps Erklärung vergrößert wiederum die Spaltung unter den Eliten der Islamischen Republik. Jemand wird Angst bekommen, jemand bekommt den Wunsch, sich der Opposition anzuschließen. Das heißt: Solche Erklärungen, die Unterstützung solcher Länder wie der USA, wie europäische Länder und so weiter, vergrößern tatsächlich die Spaltung unter Sicherheitskräften, unter den Generälen, unter den Beamten der Islamischen Republik. Und das kann den Protestierenden auf den Straßen Irans ebenfalls helfen.

Und ich empfehle ukrainischen Politikern sehr, genauso zu handeln und diese Proteste zu unterstützen, weil man diese Proteste im Wesentlichen als zukünftige Verbündete betrachten sollte. Im Grunde kämpfen die zukünftigen Verbündeten der Ukraine gerade auf der Straße gegen ein Regime, das Russland unterstützt. Umso mehr skandieren sie den Namen des Prinzen Reza Pahlavi, der am vierten oder fünften Tag des Krieges Russlands gegen die Ukraine einen offenen Brief an Präsident Zelensky zur Unterstützung des ukrainischen Volkes schrieb. Auf dieser Grundlage kann man zukünftige gute freundschaftliche Beziehungen zwischen zwei Ländern aufbauen.

Portnikov. Hier gibt es noch eine politische Besonderheit. Mir scheint, wir sehen eine Achse, die aktuell real funktioniert. Das ist die Achse Russland, Iran, Venezuela, weil das iranische Regime Nicolás Maduro unterstützt, ohne das zu verbergen. Russland unterstützt sowohl Teheran als auch Caracas. Und das ist Austausch von Militärtechnologien, Austausch von Spezialisten. Im Großen und Ganzen wird das alles gemacht, um gezielt den amerikanischen Einfluss zu untergraben. Daher ist die große Frage: Verstehen sie überhaupt in der Welt, dass ein solches Netzwerk schon entstanden ist und dass es eine gemeinsame Bedrohung für die Interessen der demokratischen Welt darstellt? Denn im Grunde sehen wir eine Situation, in der die Amerikaner mit einer globalen Bedrohung umgehen müssen. Vielleicht begreifen sie es selbst nicht, aber das ist schon eine echte globale Bedrohung. Wenn wir noch China hinter all diesen Ländern bemerken, das ihnen freundlich gesinnt ist. Und in Asien, und in Lateinamerika, und in Europa gibt es Länder, die bereit sind, die Vereinigten Staaten herauszufordern und sich untereinander zu solidarisieren, trotz aller amerikanischen Sanktionen.

Mazir Mian. Ja, völlig richtig. Ich stimme Ihnen voll zu. Und ich denke, dass im Fall Irans diese Bedrohung sehr lange existiert. Und solche Leute in Trumps Administration wie Marco Rubio verstehen gut, was für eine Bedrohung das ist. Und Marco Rubio ist noch aus der Zeit, als er im Senat war, sehr gut über die Iran-Frage informiert. Er traf sich viele Male mit Prinz Reza Pahlavi und hat in seiner ganzen Karriere das Volk des Iran unterstützt. Ich bin nicht bereit zu sagen in Bezug auf Russland und China, inwieweit die Amerikaner jetzt bereit sind, zu einer ernsthafteren Konfrontation mit diesen Regimen überzugehen. Aber was Iran betrifft, beobachten wir heute schon, dass diese Bereitschaft von Tag zu Tag zunimmt. Im Grunde sagt Trumps heutige Erklärung, dass sie einen weiteren Schritt nach vorn gemacht haben — in der Unterstützung des iranischen Volkes und gegen das Regime der Islamischen Republik, mindestens auf der Ebene einer Erklärung, aber das ist schon nicht wenig. Das ist ein Schritt nach vorn.

Portnikov. Sagen Sie: Die Führer der Islamischen Republik und der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates Ali Larijani und der Außenminister Abbas Araghchi — sie machten ziemlich kriegerische, harte Erklärungen in Richtung der Vereinigten Staaten. Sie sagten sogar, dass amerikanische Objekte auf der ganzen Welt nun legitime Ziele für iranische Angriffe sein werden, und solche Warnungen hatte es früher überhaupt nicht gegeben. Warum wurde ein so harter Ton gewählt? Sie könnten doch vorsichtiger reagieren. Wiederum: In Kenntnis Trumps Emotionalität und Unberechenbarkeit könnte man in dieser Situation vorsichtiger sein.

Mazir Mian. Sie können nicht vorsichtiger sein, weil das ist das, wovor sie sich am meisten fürchten. Sie fürchten, die Macht zu verlieren. Israelische und amerikanische Schläge können für sich genommen die Frage der Islamischen Republik nicht lösen. Denn wenn die Islamische Republik Unterstützung vom Volk hätte, könnten sie lange Krieg führen. Also: Mit Luftschlägen kann man ihnen nicht viel anhaben. Aber das Gefährlichste für das islamische Regime ist, wenn es der Opposition gelingt, das Regime zu stürzen. Das ist die größte Bedrohung für sie. Sie können versuchen, irgendwie Krieg zu führen. Wenn ihnen die Macht in den Händen bleibt, haben sie später die Möglichkeit, sich wiederherzustellen und wieder anzugreifen. Aber wenn sie die Macht verlieren, verlieren sie alles. Und das ist das Heiligste. Deshalb reagieren sie so scharf. Sie sagen: „Wir bombardieren eure Basen in der Region“, und die amerikanischen Soldaten sollen vorsichtig sein. So schrieben die meisten von ihnen. Aber genau deshalb: Sie haben Angst, die Macht zu verlieren. Sie haben Angst, dass das Volk ihr Regime stürzen wird.

Portnikov. Hier ist das Andere interessant. Noch vor kurzem ging Trump sehr vorsichtig mit der Frage eines Machtwechsels im Iran um. Während des zwölftägigen Krieges, als im Grunde der Premierminister Israels Benjamin Netanyahu die Idee deklarierte, dass man das islamische Regime wechseln müsse, und dass dies kein Krieg gegen das iranische Volk sei, sondern gerade gegen das antiisraelische Regime der Islamischen Republik, war Trump viel vorsichtiger. Er sagte, man solle das Regime nicht anfassen, man müsse es nur seiner nuklearen Möglichkeiten berauben, und das ist alles. Und jetzt solche viel ernsthafteren Erklärungen. Ist das vielleicht auch das Ergebnis davon, dass Trump gerade Netanyahu getroffen hat? Vielleicht hat Netanyahu ihn überzeugt, dass die ganze Sache im Bestehen des Regimes liegt, dass solange dieses Regime an der Macht ist, nichts Gutes für Amerika passieren wird?

Mazir Mian. Donald Trump ist nicht der konsequenteste Präsident in der Geschichte. Deshalb ändern sich tatsächlich seine Positionen. Aber was Iran betrifft, muss man die Entwicklung der Ereignisse betrachten. Als Trump die Wahlen in den USA gewann, war das Erste, was er dem islamischen Regime angeboten hat, Verhandlungen: „Lasst uns uns einigen.“ Das heißt: Zuerst hat er ihnen angeboten, sich über die Themen der Proxy-Organisationen der Islamischen Republik in der Region, das Raketenprogramm, das Atomprogramm zu einigen. Er bot an, darüber zu sprechen und sich zu einigen. Mir war bekannt, dass daraus kein Ergebnis entstehen wird. Die Islamische Republik lehnte Trump in diesen Verhandlungen ab. Im Grunde trafen sie sich fünf- bis sechsmal, aber auf diesen Gesprächen geschah nichts, deshalb verstand Trump, dass daraus nichts wird. Danach kam der Schlag gegen das Atomprogramm. Nach diesem Schlag bot Trump den Iranern noch einmal an, zu Verhandlungen zurückzukehren und sich über dieselben Punkte zu einigen. Die Islamische Republik lehnte wieder ab, und dieses Mal noch in härterer Form: „man hat uns angegriffen und wir werden keine Verhandlungen führen“. Und Trump kann man verstehen, denn er wollte diese Frage durch Verhandlungen lösen, damit die Islamische Republik alle ihre Trümpfe an Trump abgibt. Ich wiederhole: das Atomprogramm, das Raketenprogramm und die Proxys in der Region. Die Islamische Republik lehnte ab. Trump bleibt nichts anderes übrig als eine ernstere Konfrontation. Auf Trumps Erklärung zu hoffen ist eine sehr schwierige Frage, aber wiederum: Das kann nicht die USA allein machen, das kann Israel sein, und die USA kann zum Schutz Israels auftreten. Das heißt: Sie können nicht an den Angriffen selbst teilnehmen, sondern danach Israel schützen, wenn die Islamische Republik beginnt, auf diese Angriffe zu antworten. Das heißt: Wenn Raketenangriffe kommen, werden die USA Israel schützen.

Portnikov. Einer meiner russischen Kollegen machte heute darauf aufmerksam, dass in Ihrem Land — und für Russland ist das angesichts der Verbote, die dort jeden Tag planmäßig eingeführt werden, besonders aktuell — in Ihrem Land praktisch alle Messenger, sozialen Netzwerke verboten sind, es gibt Einschränkungen für das Internet. Und dennoch wurde das kein einziges Mal zu irgendeiner „Pille“ gegen Proteste. Wie organisieren sich Menschen in Bedingungen, wenn nichts da ist, und es unmöglich ist, sich real zu verbinden?

Mazir Mian. Einschränkungen im Iran existieren, man kann sagen, seit 1979 — für alles. Zuerst waren es Videokassetten. Damals gab es die erste Welle der Emigration aus dem Iran, die nach der Islamischen Revolution ausreiste. Sie lebten in den USA und nahmen Videos auf und schickten das alles in den Iran, und die Menschen sahen es. Und dann wurden im Iran Videokassetten verboten. Man brach in Häuser ein mit Durchsuchungen, nahm Videokassetten weg und so weiter. Und nachdem Satellitenfernsehen kam, gab es denselben Verbot für Satellitenfernsehen, und Sicherheitskräfte drangen in Häuser ein, nahmen all diese Geräte weg und so weiter. Danach kam das Internet. Mit dem Internet kämpften sie genauso, und sie blockierten alle sozialen Netzwerke. Aber die Menschen fanden, genau wie damals mit Videokassetten, und später mit Satellitenfernsehen, einen Ausweg.

Heute gibt es im Iran sehr viele verschiedene VPNs, und die Menschen kaufen sie, und dann öffnet sich ihnen der Zugang zum Internet. Der IRGC, das Korps der Wächter der Islamischen Revolution, beschloss, auch daran zu verdienen. Deshalb sind sehr viele dieser VPNs die Produktion eben des IRGC, sie verkaufen dem Volk diese VPNs, weil laut Statistik 70% der Iraner VPN nutzen. Das ist eine sehr große Zahl, das sind mehrere Dutzenden Millionen Menschen. Deshalb gibt es Nachfrage. Und der IRGC verkauft diese VPNs mit Vergnügen an эти Dutzenden Millionen Menschen.

Portnikov. Das heißt, faktisch umgehen sie die eigenen Verbote.

Mazir Mian. Ja. Aber sie verdienen daran.

Portnikov. Die Entwicklung der Situation — wie sehen Sie sie? Werden die Proteste zunehmen, oder wird es irgendwann abflauen? Sind wir auf dem Höhepunkt oder erst am Anfang?

Mazir Mian. Das ist sehr schwer zu prognostizieren. Wenn wir auf die Erfahrung der vorherigen Proteste schauen: 2017 dauerten sie einige Tage, 2019 dauerten sie einige Wochen, 2022 dauerten sie fast ein halbes Jahr, und heute sehen wir, dass sie sich immer weiter ausweiten. Wenn diese Tendenz bleibt, werden wir sehr umfassende Proteste sehen, die das Potenzial haben, mehrere Monate zu dauern. Selbst wenn es dem Regime gelingt, sie in einer Stadt zu unterdrücken, werden sie in einer anderen Stadt beginnen — vielleicht in einer Woche, vielleicht in zwei Wochen. So sehe ich das.

Alles ist möglich, selbstverständlich: Wenn das Regime anfangen wird, Menschenmengen mit großen Opferzahlen zu erschießen, können diese Proteste früher enden. Mir ist es jetzt schwer zu prognostizieren, was passiert, aber was der Fakt ist: Das sind die ernsthaftesten Proteste in der Geschichte der Islamischen Republik gegen das Regime. Warum so? Aus mehreren Gründen. Erstens: Sie finden im ganzen Land statt. Zweitens: Weil die Parolen gegen die Islamische Republik und für den Führer der Opposition sind, der eine Alternative zur Islamischen Republik werden kann. Und drittens: Diese Proteste dauern heute den sechsten Tag, und von Tag zu Tag erweitert sich die Geografie, und die Zahl der Menschen, die daran teilnehmen, wächst ebenfalls.

Plus: Es gibt internationale Unterstützung, erst nur noch in Worten, aber sie ist da. Und dieser Schritt Donald Trumps ist ein ernster Schritt, eine ernste Erklärung. Plus: Es gibt Israel, das eindeutig daran interessiert ist, dass das Regime der Mullahs aufhört zu existieren. Ich denke, wenn sie vernünftige Menschen sind — und ich halte sie dafür — müssen sie heute in ihre zukünftige Sicherheit investieren, damit sie morgen nicht dasitzen und auf Raketen warten, möglicherweise mit nuklearen Gefechtsköpfen, in Israel.

Portnikov. Aber der Vorwurf der Verbindung zu Israel — beeinflusst er nicht die Chancen der Protestbewegung selbst, dass das alles zionistische Agenten seien?

Mazir Mian. Soll das Regime sagen, was es will. Schauen Sie: Das sind keine emotionalen Proteste, das sind Proteste, die sich über Jahre in jedem einzelnen Menschen angestaut haben, der auf die Straße gegangen ist. Man könnte sagen: Wenn es irgendeine emotionale Bewegung wäre — dem Menschen ging es heute schlecht und er ging raus, um zu schreien — dann ja, solche Vorwürfe könnte er annehmen und darüber nachdenken. Aber wenn diese Unzufriedenheit jahrelang staute und die Islamische Republik die Menschen jahrelang mit solchen Worten zu täuschen versuchte, wirkt das heute nicht mehr auf sie.

Portnikov. Ich habe übrigens bemerkt: Sie sprachen über das Ausmaß der Proteste — Ich sah, dass Menschen die Sicherheitskräfte angegriffen haben – man könnte sagen, dass sie den Sicherheitskräften in Qom Widerstand geleistet haben. Und Qom ist eine heilige Stadt der Iraner. Das ist einer der konservativsten Stützen der Islamischen Republik. Es stellt sich heraus, dass auch in dieser Stadt ein großes Protestpotenzial möglich ist. Für mich war das ehrlich gesagt eine Entdeckung.

Mazir Mian. Für mich war das auch überraschend. Man muss verstehen, was Qom ist. Die Stadt Qom ist eine Stadt, in der sich schiitische religiöse Heiligtümer befinden. Und außerdem gibt es dort eine historische Schule, in der alle Mullahs lernen. Das heißt: Alle diese Ajatollahs, die wir sehen, darunter Khamenei und andere Mullahs, die die höchsten Posten in der Islamischen Republik einnehmen, lernen in der Stadt Qom. Dort gibt es sehr viele Studenten, Mullahs, die dort leben, die aus anderen Städten kommen, sogar aus anderen Ländern — sehr viele Studenten kommen aus dem Irak dorthin. Das heißt: Das war immer eine religiöse Stadt, die immer dieses Regime unterstützte.

Außerdem muss man verstehen, dass 1979 die ernsthaften Proteste gegen den Schah genau in dieser Stadt begannen, als es Proteste in Qom gab. Und wenn ich gestern und heute diese Videos sehe, auf denen Menschen nach 47 Jahren skandieren: „Es lebe der Schah“ in der Stadt Qom — das ist natürlich etwas Interessantes, das man untersuchen muss. Wie konnte es so kommen, dass in der Stadt Qom Menschen auf diese Proteste gingen und auch noch „Es lebe der Schah“ skandieren?

Portnikov. Wie ich verstehe, haben die iranischen Machthaber noch Potenzial, zur Idee der Urananreicherung und überhaupt zur Atomprogramms zurückzukehren?Was ist infolge dieses Krieges überhaupt mit dem nuklearen Potenzial Irans erreicht worden? Falls überhaupt etwas erreicht wurde – das ist eine gute Frage.

Mazir Mian. Hier habe ich keine Insiderinformationen. Ich schaue auf das, was in offenen Quellen steht. Und ich denke, dass es zumindest aktuell gelungen ist, das Atomprogramm zu stoppen. Ich bezweifle, dass diese 400 kg auf 60% angereicherten Urans zerstört wurden. Sie sind irgendwo unter der Erde. Das Atomprogramm der Islamischen Republik wurde beschädigt, aber nicht vollständig zerstört. Und wenn die Islamische Republik eine Möglichkeit findet, vielleicht nachdem Trump den Posten des US-Präsidenten verlassen hat, könnten sie dieses Programm wieder aufnehmen und wiederherstellen. Es gibt diese Gefahr, denn derzeit deuten alle Anzeichen darauf hin, dass dieses Programm auf Pause ist: Es ist nicht vollständig zerstört, aber es ist auf Pause, und die Israelis und die Amerikaner beobachten das.

Portnikov. Soweit ich verstehe, ging es darum im Gespräch Trumps mit Netanyahu. Und vielleicht gerade nach diesem Gespräch entschied Trump, dass man die iranische Gesellschaft energischer unterstützen müsse, weil man mit Bombardierungen allein nichts erreicht.

Mazir Mian. Ja, völlig richtig. Das heißt: mit Krieg im Iran… Der Iran ist ein sehr großes Land, dort ist eine sehr komplexe Geografie. Und das ist nicht der Irak, das ist in jeder Hinsicht ein viel schwierigeres Land. Was die Geografie, und die Menschen, die dort leben, betrifft. Deshalb wird Krieg das Problem der Islamischen Republik nicht lösen. Das Problem der Islamischen Republik kann nur der Sturz des Regimes der Islamischen Republik lösen.

Portnikov. Ich danke Ihnen. Ich erinnere daran, dass wir heute mit dem Gründer und Autor des Kanals „Revolution im Iran“, Mazir Mian, über die letzten Ereignisse gesprochen haben, die in seinem Land stattfinden und einen solchen revolutionären Charakter haben. Wir wünschen Ihren Landsleuten Erfolg im Kampf gegen die Tyrannei, denn der Kampf gegen Tyrannei ist immer eine gemeinsame Sache, wie bekannt. Das heißt: Stürzt eine Tyrannei, wird es für die Menschen leichter, gegen andere autoritäre Regime zu kämpfen, leichter, gegen andere Diktaturen zu kämpfen, die, wie wir sehen, sich erfolgreich vereinen, während die demokratische Welt nicht wirklich versteht, wie sie überhaupt zu echter – und nicht nur deklarativer – Einheit gelangen kann.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Восстание в Иране: последствия | Виталий Портников. 02.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 02.01.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Die CIA entlarvte Putins Lüge | Vitaly Portnikov. 01.01.2026.

Die Nationale Sicherheitsagentur und die Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten haben laut der Zeitung Wall Street Journal keinerlei Bestätigung für die russischen Behauptungen gefunden, wonach ukrainische Drohnen die Residenz des russischen Präsidenten Putin in Waldai angegriffen hätten. Amerikanische Beamte, die mit den Journalisten dieser Zeitung gesprochen haben, betonten, dass die Ukraine ein anderes Ziel angegriffen habe, das sich Dutzende Kilometer von Putins Residenz entfernt befand, und dass dem russischen Staatschef somit keinerlei Gefahr gedroht habe.

Zuvor hatte der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, in seinem sozialen Netzwerk einen Leitartikel der Zeitung New York Post weiterverbreitet, in dem behauptet wird, dass gerade Putin heute den Weg zur Beendigung des Krieges in der Ukraine versperrt. In einem scharf formulierten Leitartikel betont das Blatt, dass gerade der russische Diktator den amerikanischen Präsidenten Donald Trump daran hindere, Frieden in der Ukraine zu erreichen. Zugleich erinnert es daran, dass die Ukraine ihren Teil der Arbeit getan habe. Die New York Post widerlegt außerdem Putins Behauptungen über einen angeblichen Angriff ukrainischer Drohnen auf seine Residenz und ruft dazu auf, den Krokodilstränen des russischen Staatschefs keinen Glauben zu schenken.

So ist nach der emotionalen Reaktion des amerikanischen Präsidenten Donald Trump auf die Meldung über einen angeblichen Angriff auf Putins Residenz – über den Putin selbst Trump in ihrem letzten Telefongespräch informiert hatte – nun der Moment der Wahrheit gekommen. Als Fachleute begannen, die Informationen des russischen Präsidenten zu überprüfen, wurde völlig offensichtlich, dass Putin blufft.

Mehr noch: Der russische Präsident war so wenig daran interessiert, seiner Geschichte Glaubwürdigkeit zu verleihen, dass er nicht einmal den Versuch unternahm, wenigstens einen Angriff eigener Drohnen auf seine Residenz zu inszenieren, um zu zeigen, dass der Vorfall tatsächlich stattgefunden habe. 

Als Adolf Hitler in einer ähnlichen Situation Polen beschuldigte, den deutschen Radiosender Gleiwitz angegriffen zu haben – was den formalen Vorwand für den Beginn des Zweiten Weltkriegs lieferte –, verkleidete er seine eigenen SS-Leute in polnische Uniformen, damit die vom Reich organisierte Provokation glaubwürdig wirkte. Putin, wie man aus vielen seiner Äußerungen schließen kann, hält sich für einen treuen Schüler Hitlers – doch er ist ein Hitler in der Billigversion, der sich nicht einmal die Mühe macht, Provokationen so zu inszenieren, dass sich die von ihm in seinem Telefongespräch mit seinem amerikanischen Kollegen vorgebrachten „Fakten“ irgendwie belegen ließen.

Warum tat Putin das? Meiner Ansicht nach, um Zeit in den Friedensverhandlungen zu gewinnen. Der russische Präsident war extrem verärgert darüber, dass Donald Trump mit Volodymyr Zelensky und den Staats- und Regierungschefs Europas über einen Friedensplan verhandelt und beabsichtigt, diese Vereinbarungen mit dem ukrainischen Präsidenten und den europäischen Spitzenpolitikern als gemeinsame Vorschläge der Vereinigten Staaten, der europäischen Länder und der Ukraine zu präsentieren.

In Putins Vorstellung muss das alles ganz anders laufen, und sein Berater Juri Uschakow macht daraus keinen Hehl. Die Russen wollen ausschließlich mit den Amerikanern verhandeln und mit ihnen darüber entscheiden, wie die Landkarte Europas und das Schicksal der Ukraine aussehen sollen. Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, soll diese Entscheidungen, die von Trump und Putin getroffen werden, lediglich zur Kenntnis nehmen und ihnen per Definition zustimmen. Die Ukraine soll überhaupt kein Teilnehmer der Diskussion über ihr eigenes Schicksal sein.

Da der amerikanische Präsident einer so dreisten Position der russischen Führung, die Putin hilft, in den Verhandlungen mit Trump zu bluffen, nicht zustimmen kann, fand man im Kreml einen Weg, den Verhandlungsprozess zu verzögern, indem man die Ukraine beschuldigte, Putins Residenz angegriffen zu haben.

Erstens erlaubte es Putin, die Mitteilungen Trumps über seine Vereinbarungen mit Zelensky zu ignorieren und dem amerikanischen Präsidenten klarzumachen, dass nach einem solchen Angriff all diese Absprachen angeblich hinfällig seien und Russland nun eine andere Verhandlungsposition einnehmen könne – deren Inhalt der Kreml nicht offenlegt, weil die Russische Föderation ohnehin nie zu echten Verhandlungen über ein Ende des Krieges geneigt war.

Zweitens erhielt Putin die Möglichkeit, erneut kategorisch zu betonen, dass er nicht mit dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, in Kontakt treten werde. Möglicherweise fürchtete er, dass bei den Gesprächen zwischen Trump und Zelensky auch eine dreiseitige Begegnung mit dem russischen Präsidenten zur Sprache gekommen sein könnte. Für Putin aber würde ein Treffen mit dem Präsidenten der Ukraine als gleichberechtigtem Verhandlungspartner die Anerkennung der Legitimität des ukrainischen Staates bedeuten – etwas, das nicht zu seinen Plänen der Zerschlagung der ukrainischen Staatlichkeit gehört.

Mit seiner Geschichte über angebliche Angriffe auf seine Residenz versuchte Putin also, Trump von einem anderen Verhandlungsformat zu überzeugen: eines, in dem die Amerikaner ausschließlich mit den Russen sprechen und in dem die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Russland unabhängig davon bestehen, wie viele Jahre der Krieg gegen die Ukraine noch dauern wird. Doch außer der ersten emotionalen Reaktion des amerikanischen Präsidenten erreichte Putin keinerlei wirkliche Erfolge.

Als sich Fachleute der Sache annahmen, stellte sich schnell heraus, dass der russische Präsident erneut gelogen hatte – wie schon so oft in seiner beschämenden und talentlosen politischen Karriere. Die Lüge ist das Fundament der politischen Kultur der russischen Geheimdienste und all jener, die sie in der Russischen Föderation unterstützen – ein wahres Reich der Täuschung.

Nun kann die amerikanische Regierung härter auf die weiteren Schritte Moskaus in Bezug auf den Friedensplan reagieren. Wichtiger ist es jedoch, darüber nachzudenken, wie sich der Druck auf die Russische Föderation in den kommenden Monaten entwickeln wird, wenn endgültig klar wird, wie sehr Putin nicht will, dass auf ukrainischem Boden die Kanonen und Raketen schweigen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: ЦРУ викрило брехню Путіна | Віталій Портников. 01.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 01.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Wie Putin Trump reingelegt hat | Vitaly Portnikov. 31.12.2025.

Die letzten Stunden dieses so schwierigen Jahres 2025. Wir sprechen miteinander nur wenige Stunden vor dem Jahr 2026. Und deshalb möchte ich Ihnen natürlich zu Beginn dieses Gesprächs von Herzen wünschen, dass dieses nächste, ebenfalls schwierige Jahr Sie mit Hoffnungen auf Besseres bewahrt, mit dem Glauben, dass das Gute – wie viele Jahre und Anstrengungen es auch kosten mag – in der Geschichte der Menschheit immer über das Böse siegt. Und das ist keine Glaubensfrage, sondern, wie ich sagen würde, eine Frage der rationalen Analyse der Geschichte im Verlauf all dieser Jahrtausende, die nicht weniger schwierig waren als die letzten Jahre.

Doch am letzten Tag dieses alten Jahres, nur wenige Stunden vor dem neuen, diskutieren viele Menschen über jene sensationelle Recherche, die auf den Seiten der amerikanischen Zeitung New York Times erschienen ist und die das Jahr von Donald Trump bei der Suche nach Wegen zur Regelung des russisch-ukrainischen Krieges bilanziert. Denn wir erinnern uns gut daran, wie viele Hoffnungen auf die Versprechen des amerikanischen Präsidenten gesetzt wurden – sowohl unter seinen Anhängern als auch sogar unter vielen, die nicht besonders an Trump geglaubt hatten, und natürlich unter den ukrainischen Bürgern – Ende 2024 und besonders zu Beginn des Jahres 2025, als Donald Trump triumphal ins Oval Office zurückkehrte.

Und nun versuchen die Journalisten der New York Times herauszufinden, was beim amerikanischen Präsidenten schiefgelaufen ist, warum selbst fast ein Jahr nach seiner Amtseinführung und nach Beginn regelmäßiger Kontakte mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, der russisch-ukrainische Verhandlungsprozess, man kann sagen, in einer Art totem Punkt erstarrt ist. Und trotz der Erklärungen sowohl amerikanischer als auch ukrainischer Politiker, dass man sich irgendeiner möglichen Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges angenähert habe, begreift jeder nüchterne, denkende Mensch, dass der Frieden noch sehr, sehr weit entfernt ist.

Und vor allem: Selbst wenn man sich vorstellt, dass die optimistischsten Prognosen Trumps selbst und derjenigen, die mit ihm verkehren, sich bewahrheiten könnten, bleibt eine wichtige Frage. Was ist denn eigentlich in diesem Jahr geschehen? Warum ist es dem amerikanischen Präsidenten nicht gelungen, das Ergebnis zu erreichen, auf das er gerechnet hatte? Natürlich kann es sehr viele verschiedene Erklärungen dafür geben, warum das nicht eingetreten ist. Die New York Times schildert sehr genau – Monat für Monat und Woche für Woche –, was im Umfeld von Donald Trump, Putin und Zelensky passiert ist: nämlich schon ab dem ersten Tag nach Trumps Wahlsieg. Damals drängte Trump darauf, dass seine Leute inoffiziell Kontakt zu Putin aufnehmen, und er wollte dafür sogar die Zustimmung des amtierenden US-Präsidenten Joseph Biden – also noch bevor der Machtwechsel in den USA überhaupt vollzogen war.

Hier eine verständlichere Fassung:

Heute wissen wir, dass Donald Trump diese Erlaubnis von Joseph Biden nicht bekommen hat. Biden vermutete schon damals, dass Trump den Konflikt auf Kosten der Ukraine lösen wollte, und er war nicht bereit, solche Schritte seines zukünftigen Nachfolgers zu unterstützen oder mitzutragen. Denn Biden und Trump haben unterschiedliche staatspolitische Werte, unterschiedliche Vorstellungen von Politik, unterschiedliche Vorstellungen von Ehre.

Man kann diesen Text lange analysieren und über seine Details sprechen, denn es ist eine ernsthafte, große Arbeit – man könnte sagen, eine Art Anlauf zu einem ganzen Buch. Ich denke, nachdem Donald Trump das Oval Office verlassen wird, werden viele solche Bücher geschrieben werden, und die meisten von ihnen werden enthüllend sein.

Wir müssen das Wesentliche verstehen. Das Wesen dessen, was geschieht und in den kommenden Jahren des russisch-ukrainischen Krieges und der Präsidentschaft Donald Trumps im Weißen Haus geschehen wird. Und das Wichtigste, was man hier sagen kann, ist, dass der Präsident der Vereinigten Staaten aufrichtig glaubte, er könne sich mit Putin einigen. Und das war keine Pose, sondern schlicht ein völliges Unverständnis der Situation durch Trump, ein völliges Nicht-Begreifen dessen, was Putin tatsächlich will und wie man auf Putin Einfluss nehmen kann.

Hier eine klarere und flüssigere Version:

Trump war überzeugt, dass alles besser laufen würde, sobald er die von Biden abgebrochenen Kontakte zu Putin wieder aufnimmt – obwohl man daran erinnern muss, dass Biden vor der großen Invasion selbst versucht hatte, genau solche Gespräche zu führen, sogar mit Kirill Dmitrijew, der laut diesem Artikel schon damals als Putins wichtigster „Fixer“ im Kreml fungierte.

Trump also meinte, dass gerade die Unterbrechung dieser Kontakte durch Biden, die Unterbrechung dieser Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten, der Grund dafür gewesen sei, dass der russisch-ukrainische Konflikt so lange nicht geregelt werden konnte. Und er, Trump, werde diese Kontakte wiederherstellen, Putin das versprechen, was Putin will – und damit werde die Geschichte des russisch-ukrainischen Krieges enden.

Und hier stellt sich eine weitere gute Frage, auf die man Antworten finden muss, und die ebenfalls aus diesem Artikel hervorgeht: Was will Putin aus Trumps Sicht? Territorien. Wir sehen in diesem Text eine Episode, die erzählt, dass in einer bestimmten Phase der amerikanisch-ukrainischen Verhandlungen die Teilnehmer von amerikanischer Seite – darunter der US-Außenminister Marco Rubio und der Verteidigungsminister Pete Hegseth, die man für etwas realitätsnäher hält als zum Beispiel Trumps Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner, die ausschließlich in Kategorien des Immobilienverkaufs denken, wie auch Trump selbst – unglaublich begeistert waren, als Vertreter der ukrainischen Delegation auf die Frage: „Was ihr überhaupt braucht, um die ukrainische Eigenstaatlichkeit und die Fähigkeit zu existieren als Staat zu bewahren?“, ihnen eine Linie der Front zeigten, die für die Ukraine akzeptabel sein könnte. Natürlich entlang jener Linie, die heute die Armeen der beiden kriegführenden Länder trennt. Und, erstaunlicherweise, war das für Trumps Umfeld eine unglaubliche Entdeckung. Sie glaubten, die Ukrainer seien bereits in eine Falle getappt. Und nun bleibe ihnen nur noch, den Russen mitzuteilen, zu welch gewaltigen Zugeständnissen die Ukrainer bereit seien, die nicht mehr vorhätten, ihre von der russischen Armee besetzten Gebiete vom Aggressor zu befreien.

Und das ist nicht einfach Inkompetenz, das ist eine unglaubliche Primitivität. Erstens, weil die Frage, dass die ukrainische Armee schnell alle seit 2014 von Russland eroberten Gebiete befreien könnte, mir immer als rein theoretisch erschienen ist. Ja, das konnte in Wünschen oder in Politikerreden verwendet werden. Aber seit dem Beginn des russisch-ukrainischen Konflikts, seit dem Moment, als die Russische Föderation begann, reguläre Truppen gegen unseren Staat einzusetzen – und das begann zur Zeit von Ilowajsk – hatte die Ukraine keinerlei Chancen, ihr gesamtes Territorium mit militärischen Mitteln zu befreien. 

Ja, es gab Momente der Überdehnung der russisch-ukrainischen Front, die uns halfen, die Russen aus dem Norden unseres Landes zu vertreiben und die Besetzung von Kyiv und Tschernihiw zu verhindern. Es gab Überraschungsmomente wie die Befreiung eines Teils der Region Charkiw, die in der ersten Phase der großen Invasion von den Russen besetzt war. Es gab Situationen mit schlechten russischen Positionen, wie bei der Befreiung von Cherson. Aber jede solche Möglichkeit konnte nur einmal genutzt werden, denn solche günstigen Situationen kann man nur einmal nutzen – ein zweites Mal ergeben sie sich in dieser Form nicht mehr.

Dasselbe gilt etwa für den Vorstoß der ukrainischen Truppen in das Gebiet Kursk. Viele meinten ebenfalls, so etwas könne man wiederholen. Aber dieser Vorstoß war nur möglich, weil man in Russland die Möglichkeit eines Durchbruchs ukrainischer Truppen auf das sogenannte souveräne Territorium der Russischen Föderation nicht in Betracht gezogen hatte. Genauso wie man in der Ukraine einst die Beteiligung regulärer russischer Truppen am Krieg gegen die Ukraine im Jahr 2014 nicht für möglich hielt.

Das hat also nichts mit Militärstrategie zu tun, sondern mit Politik und mit politischen Mythen, in denen die Führung in Moskau wie auch in Kyiv lebt. Und die Völker in Moskau wie in Kyiv sind ebenfalls Geiseln der Mythen ihrer Politiker. Jetzt gibt es diese Mythen nicht mehr. Wir wissen, dass die reguläre russische Armee bereit ist, auf dem Territorium der Ukraine so lange zu kämpfen, wie es ihr oberster Befehlshaber, der unheilvolle Putin, will. Und wir wissen, dass die ukrainische Armee über die offiziell anerkannten Staatsgrenzen ihres Landes hinausgehen kann. Das bedeutet, wir kämpfen auf unserem eigenen Territorium. Das bedeutet, dass Russland sein souveränes Territorium heute ganz anders verteidigt als vor Kursk. Und das bedeutet erneut, dass man eine solche Situation kaum noch einmal ausnutzen kann.

Doch erstaunlich war nicht das, nicht dass die Amerikaner von den Ukrainern hörten, diese könnten einer solchen Frontlinie zustimmen. Sondern dass auch Rubio – selbst Rubio, den man bis vor kurzem, bevor er in Trumps Team kam, für kompetent in der Außenpolitik halten konnte – ebenfalls meinte, wenn man den Russen territoriale Zugeständnisse anbiete, würden sie sich beruhigen. Das heißt, niemand in Trumps Umfeld versteht, dass der Präsident der Russischen Föderation, Putin, auf die Liquidierung der ukrainischen Staatlichkeit mit anschließender Angliederung der ehemaligen ukrainischen Gebiete an die Russische Föderation ausgerichtet ist und dass es für den Präsidenten Russlands, für die russische Armee, für das russische Volk keine anderen Wünsche gibt und in absehbarer Zukunft auch keine geben wird, solange dieses Land und diese Nation die Kraft haben werden, auf Gebiete vorzurücken, die jeder Russe als seine eigenen betrachtet.

Wie man sieht, unterscheidet sich die Haltung zur angeblichen „Russischkeit“ der Ukraine kaum zwischen fanatischen russischen Chauvinisten und Mördern einerseits und vielen ihrer Gegner andererseits. Nur glauben viele der Gegner – und das haben wir in diesem Jahr gesehen –, dass man die Ukraine nicht militärisch, sondern mit politisch-ökonomischen Methoden unterwerfen müsse, so wie Russland es in den 1990er-Jahren getan hat. Und die Ukrainer selbst begreifen nicht, dass ihr ganzes zukünftiges Leben, wenn es der Ukraine gelingt, als unabhängiger Staat zu bestehen, in einer erbitterten Konfrontation mit der Russischen Föderation verlaufen wird: wenn nicht militärisch, dann politisch; wenn nicht politisch, dann wirtschaftlich. Ruhe wird es hier niemals geben, bis entweder die Russische Föderation als einheitlicher Staat von der politischen Landkarte der Welt verschwindet – oder die Ukraine als einheitlicher Staat endgültig von der politischen Landkarte verschwindet.

Dieser Bolivar wird zwei slawische Völker, die in der Epoche des Verschwindens der Sowjetunion von der politischen Weltkarte zu erbitterten Feinden geworden sind, nicht tragen können. Und diese Feindschaft wird das Hauptmotiv ihres gesamten Daseins im 21. Jahrhundert sein. Wichtig ist nur, dass diese Feindschaft nicht in den Wunsch nach gegenseitiger Vernichtung umschlägt, so wie es heute dem Wunsch des russischen Präsidenten Putin und jener Russen entspricht, die noch immer mit der Sowjetunion leben und ihren Präsidenten aufrichtig in seinem Bestreben unterstützen, die Ukrainer zu bestrafen und von dem Land zu vertreiben, das sie für russisch halten.

Trump will all das überhaupt nicht verstehen. Und wir sehen das sehr deutlich. Und ein weiteres riesiges Problem Trumps, wie wir ebenfalls aus diesem Artikel erkennen, besteht darin, dass der amerikanische Präsident sich mit Menschen umgeben hat, die entweder ebenso inkompetent und unfähig sind, die Situation zu begreifen, wie er selbst, oder einfach Opportunisten sind, die Trump nichts sagen wollen, was das Bild des Präsidenten der Vereinigten Staaten von der Realität verändern könnte.

Und Trump selbst lebt in einer Irrealität. Er ist ein betagter primitiver Mensch, der überhaupt nicht begreift, wo er sich befindet. Und das sieht man in diesem Text. Und hier taucht in diesem Text unerwartet eine geradezu hamletische Gestalt auf – Trumps Sondergesandter Kellogg, der, wie wir sehen, der Ukraine aufrichtig mitfühlte, begeistert war vom Mut der Ukrainer und von ihrer Bereitschaft, gegen die russische Invasion zu kämpfen, und der Trump das alles ins Gesicht sagte, während alle anderen Mitarbeiter der Administration ihrem inkompetenten, gierigen Präsidenten nur nach dem Mund redeten – und Trump selbst Kellogg einen Idioten nannte, wenn dieser die Ukraine unterstützte.

Hier kann die Frage entstehen: Was ist da eigentlich passiert? Warum erlaubte sich Kellogg ein solches Verhalten? Weil Kellogg ein Überbleibsel der vorherigen Trump-Administration ist, eines der wenigen Überbleibsel. Denn Kellogg diente in Trumps erster Regierung. Und wir müssen verstehen, worin sich diese frühere Trump-Administration von der heutigen unterscheidet. Bei seinem ersten Amtsantritt war Trump eine völlig zufällige Figur in der Politik, ein Mensch, dessen Charisma und Popularität unter dem primitivsten Teil der US-Bevölkerung von der republikanischen Elite genutzt wurden, um die Macht nach der – aus der Sicht vieler Menschen – triumphalen Präsidentschaft Barack Obamas zurückzuerobern. Auch Obama nutzte im Grunde dieselben Mittel des Charismas wie Donald Trump, nur von der anderen Seite. Und im Duell mit Hillary Clinton, die für viele Amerikaner geradezu die Verkörperung der Elitepolitik war, gewann Trump, weil er sozusagen Obama von rechts war. Und die Republikaner verstanden das, als sie gerade auf ihn setzten.

Gleichzeitig konnte Trump die Stimmungen des republikanischen Establishments nicht ignorieren – eines Establishments, das zwar konservativer war als vor dem Trumpismus, aber dennoch institutionell, vorsichtig und, wenn Sie wollen, antirussisch. Deshalb trafen die Vorwürfe, dass der russische Präsident Putin an Trumps Wahlsieg interessiert gewesen sei, das republikanische Establishment hart und zwangen alle um Trump herum, diese Situation auch durch eine reale Abgrenzung von Moskau auszugleichen – selbst dann, wenn Trump selbst, wie wir sehen, aus ehrlicher Neigung zu Diktatoren und Autoritären zu einem Einvernehmen mit Putin tendierte.

In dieser Situation war Trump also gezwungen, vorsichtig zu sein. Und unter denen, die ihm in dieser Zeit dienten, war Kellogg. Praktisch niemand aus dieser früheren Administration gelangte in Trumps Umfeld, nachdem er zum zweiten Mal Präsident der Vereinigten Staaten wurde, weil Trump endgültig beschlossen hatte, erstens auf Menschen mit denselben ultrarechten, radikal rechten Ansichten zu setzen und zweitens auf Menschen, die ihm in nichts widersprechen würden, selbst wenn sie eine andere Meinung haben.

Und Kellogg, der an ein anderes Verhalten in der ersten Trump-Administration gewöhnt war, wurde sofort zum Außenseiter mit völlig unklaren Befugnissen, eher zu einer Figur zur Beruhigung von Kyiv und Europa. Er sagte Trump weiterhin unbequeme Dinge, was schließlich zu seiner Entlassung führte, die in den ersten Tagen des Jahres 2026 stattfinden wird. Aber Kellogg kann sich ein solches Verhalten erlauben, weil er – wie Trump – 80 Jahre alt ist, und weil er auf eine andere Position in der Administration gehofft hatte. Er war ehrgeizig und glaubte, Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten oder Berater für nationale Sicherheit werden zu können. Wie wir wissen, wurden all diese Posten von Menschen ganz anderen Zuschnitts besetzt. Und wir sehen, dass im Grunde niemand in der amerikanischen Administration bereit ist, Trumps Vorstellungen darüber, wie der Konflikt enden soll, wirklich zu widersprechen.

Wir sehen noch eine weitere erstaunliche Sache: wie sehr Trump die Situation nicht mit politischen, sondern, sagen wir, mit persönlichen Kategorien analysiert. Es gibt eine großartige Geschichte. In einem der Verhandlungsmomente spricht Trump mit Zelensky und erwähnt – wie das bei älteren Ausländern so oft der Fall ist –, wie schön die ukrainischen Frauen sind. Und Trump sagt das als jemand, der bekanntlich viel Erfahrung mit der Organisation von Schönheitswettbewerben hat. Übrigens könnten ihn gerade diese Wettbewerbe einst in die Arme der russischen Mafia geführt haben, die an ihrer Organisation beteiligt war. Und damit könnte auch Trumps berühmter Besuch in Moskau zusammenhängen, über den so viele Verschwörungstheorien existieren. Und während des Gesprächs mit Zelensky erwähnt Trump, dass einer seiner Geschäftspartner eine ukrainische Frau geheiratet hat, die Teilnehmerin dieses Schönheitswettbewerbs war. Sie stammt aus Odessa. In Zelenskys Beisein ruft er diesen Geschäftspartner an. Über Lautsprecher spricht er mit dieser Frau, der Schönheitskönigin. Und diese Ukrainerin, die mit Zelensky auf Ukrainisch spricht, erzählt, dass ihre Familie weiterhin in Odessa unter russischem Beschuss lebt und dass ihr Vater die Stadt nicht Putin überlassen will. Und dieses Gespräch verändert Trumps Einstellung zur Situation völlig. Man muss dieser Frau, Oleksandra Nikolajenko, dankbar sein für die Haltung, die sie in diesem Telefon-Briefing mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Präsidenten der Ukraine einnahm. So konnte sie die Atmosphäre im Verhandlungsraum verändern. Aber das ist eine Atmosphäre des Zufalls. Hätte Oleksandra Nikolajenko sich anders verhalten oder hätte man sie nicht erreicht, hätte Trump auf seiner hartnäckigen Position bleiben können, die er vor diesem Anruf hatte.

Und solche Beispiele gibt es im Material der New York Times in großer Zahl. Wir sehen, wie sich ein Mensch vor Trump anbiedert, der eigentlich an die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten und an die Sicherheit seines Landes denken müsste – der Verteidigungsminister Pete Hegseth: wie er Berufsoffiziere aus dem Pentagon hinauswirft und damit die amerikanische Armee schwächt, reale Tendenzen für ihre Niederlage im Falle eines möglichen Zusammenstoßes mit den Chinesen oder den Russen schafft. Er wirft genau jene Leute hinaus, die über die russische Gefahr sprechen, weil er fürchtet, dass Trump sich beleidigt fühlen könnte, wenn er diese Aussagen amerikanischer Generäle hört, die sie im Kongress machen, und Hegseth dann seinen ersehnten Posten verlieren könnte. Und es werden mehrere Episoden beschrieben, in denen Hegseth den Rücktritt von Berufsoffizieren fordert, die völlig logische, realistische Schlussfolgerungen über die russische Gefahr für die Vereinigten Staaten ziehen.

Im Grunde sehen wir also kein sensationelles Dokument. Wir sehen eine Recherche, die einfach das Fiasko dieser Administration auf der russisch-amerikanischen und der amerikanisch-ukrainischen Spur zugleich zusammenfasst. Putin ist es gelungen, Trump hereinzulegen – nicht, weil Putin irgendwelche raffinierten Manöver vollzog, sondern weil Putin sah, dass Trump selbst zu dieser Täuschung bereit war, mehr noch, sie suchte, in der Situation, die sich zwischen Moskau und Washington entwickelt hatte.

Welche Schlussfolgerungen kann man daraus ziehen? Erstens muss man verstehen, dass im Jahr 2026 vieles von Europa und von der Ukraine abhängen wird, von unserer Bereitschaft, Russland zu widerstehen in einer Lage, in der die Vereinigten Staaten weiterhin eine ziemlich seltsame Haltung gegenüber Putin einnehmen werden – für ein Land, das eigentlich Führer der demokratischen Welt sein sollte oder aber in das Lager der autoritären Länder abrutscht, gerade weil sein Führer im Kern ultrarechte Ansichten vertritt. Und deshalb können nicht nur Putins Geld, sondern auch Putins Ansichten und Putins Imperialismus Anziehungskraft haben.

Zweitens muss man begreifen, dass selbst wenn die Demokraten im November 2026 einen gewissen politischen Revanche-Erfolg erzielen – und bis November 2026 muss man in dieser Atmosphäre des endlosen Krieges erst einmal überleben –, das keine ernsthafte Veränderung der außenpolitischen Situation der Vereinigten Staaten bedeuten wird. Wahrscheinlich werden die Demokraten die Kontrolle über das Repräsentantenhaus gewinnen, aber bislang ist unklar, ob sie durch Nachwahlen auch die Kontrolle über den Senat erlangen können. Das würde Trumps politische Lage sehr schwierig machen und Bedingungen für ein echtes Amtsenthebungsverfahren gegen den amerikanischen Präsidenten im Jahr 2027 schaffen, später vielleicht auch gegen den Vizepräsidenten J. D. Vance.

Doch solche realen politischen Möglichkeiten gibt es nicht, weil eine einzige Kammer zwar ein Impeachment erklären kann, aber nur symbolisch. Trump hatte bereits zwei solcher symbolischen Amtsenthebungen. Wenn die Republikaner den Senat kontrollieren, werden sie ihren Präsidenten verteidigen, denn ohne ihn sind sie niemand und nichts. Und überhaupt ist unklar, ob sie Amerika ohne Donald Trump an der Spitze regieren könnten. Also wird die Außenpolitik der Vereinigten Staaten ein Hin- und Herschwanken bleiben – mit dem offensichtlichen Wunsch, Putin zu schmeicheln, und der Unmöglichkeit, dies offen zu tun, weil die Mehrheit von Trumps Basis nicht Putin, sondern die Ukraine unterstützt. Das wird sich durch das ganze Jahr 2026 und möglicherweise auch 2027 fortsetzen. Im Grunde plant der russische Präsident, diese Situation bis Januar 2029 auszuhalten, um Donald Trump zu überdauern.

Dann müssen wir noch eine recht einfache Sache verstehen, die schwer eindeutig auszusprechen ist, aber verstanden werden muss. Wir sind keine Ärzte und stellen Donald Trump keine Diagnosen. Das ist die Aufgabe derjenigen, die reale medizinische Untersuchungen dieses nicht mehr jungen Menschen durchführen. Die Frage ist nicht die Diagnose. Die Frage ist unser Verständnis dafür, dass der Präsident der Vereinigten Staaten einer enormen Menge an Stress ausgesetzt ist. Das ist eine Arbeit, die real erschöpft. Selbst wenn man die Hälfte der Zeit Golf spielt, muss man Entscheidungen durchdenken, die wegweisend sind – für einen selbst, für das Land, für die Welt. Bei Donald Trump wird das dadurch verschärft, dass er glauben kann, falsche Entscheidungen könnten ihn seiner eigenen Freiheit berauben: Wenn er die Demokraten wieder an die Macht lässt, werden sie alles tun, um ihn erneut vom Präsidenten der Vereinigten Staaten zum Angeklagten zu machen. Es geht also darum, ob er sein Leben im eigenen Bett oder im Gefängnis beenden wird. Die Einsätze sind für ihn – und für viele in seinem Umfeld – enorm hoch.

Das bedeutet, man muss sich ständig in die Lösung sehr schwieriger Fragen vertiefen. Und in einer solchen Situation, wie wir alle verstehen, kommt es zu einem schnellen Zerfall der Persönlichkeit, zu einem physischen Zerfall. Wenn man 40, 55 oder 60 ist, kann man das viel besser ertragen als mit 80 – selbst wenn man dieses Alter in recht guter körperlicher Verfassung erreicht hat. Wir haben gesehen, was mit älteren Präsidenten der Vereinigten Staaten geschah: was mit Ronald Reagan am Ende seiner zweiten Amtszeit passierte, was mit Joseph Biden am Ende seiner Amtszeit geschah, was ihn zwang, aus dem Wahlkampf auszusteigen. Jetzt haben wir es mit einem Menschen zu tun, der älter ist als Reagan und Biden. Und wir sehen, wie schnell dieser Mensch buchstäblich vor unseren Augen seine Arbeitsfähigkeit verliert, wie er in Kabinettssitzungen einschläft. Darüber sollte man nicht lachen, denn es sind Alter und Stress, die Donald Trump mit unglaublicher Geschwindigkeit zerstören.

Denn wenn er die Präsidentschaftswahlen 2024 verloren hätte, selbst wenn er sich in Gerichtsverfahren hätte verteidigen müssen, hätte er ein viel längeres, viel ruhigeres Leben geführt als das, das er nach seinem Sieg führen wird. Denn jedes Jahr im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten zählt wie fünf – und mit 80 muss man begreifen, was für ein Hammer das ist, der jeden einzelnen Tag auf den Organismus einschlägt.

Deshalb müssen wir uns auf die unerquicklichsten Entscheidungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten vorbereiten, auf die unglaublichsten Fehler des Präsidenten der Vereinigten Staaten – und darauf, dass es neben ihm niemanden geben wird, der fähig ist, ihn auf diese Fehler hinzuweisen, weil er von inkompetenten Menschen oder Opportunisten umgeben ist, die nur auf seinen Zusammenbruch warten, um selbst seinen Platz einzunehmen. Nicht auf einen politischen, sondern auf einen physischen Zusammenbruch.

Und deshalb wird das Jahr 2026 in Bezug auf das Verhalten Donald Trumps schwieriger sein als 2025 – Sie werden es sehen. Und 2027 schwieriger als 2026. Wir gehen in dunkle Dickichte, in denen man sich selbst mit einer Taschenlampe in der Hand verirren kann. Und das ist auch aus dem Text ersichtlich, der heute in der New York Times veröffentlicht wurde. Das bedeutet, wir dürfen uns keine Illusionen über die Möglichkeit eines schnellen Endes des russisch-ukrainischen Krieges in nächster Zeit machen. Auch wenn man darauf hoffen sollte – vielleicht fehlt Russland einfach die Kraft, ihn weiterzuführen. Das werden wir bald sehen.

Wir müssen verstehen, welche Ressourcen es für den ukrainischen und den europäischen Widerstand gegen die russische Expansion gibt, die sich in den 2020er-Jahren des 21. Jahrhunderts nur noch ausweiten wird. Wir müssen verstehen, welches Team heute im Weißen Haus sitzt. Und jede Verallgemeinerung der Handlungen dieses Teams und das Verständnis, dass es einfache Dinge aufrichtig nicht versteht – es stellt sich nicht nur dumm –, ist besonders wichtig. Denn mit Zynikern lässt sich viel leichter verhandeln als mit Menschen, die ehrlich nicht begreifen, worin das Problem besteht. Das ist die Realität, in der wir leben. Und deshalb habe ich mich in dieser letzten Sendung des Jahres 2025 entschieden, Ihre Aufmerksamkeit auf diesen bedeutsamen Text zu lenken, der noch lange zitiert und zu verstehen versucht werden wird.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Як Путін обманув Трампа | Віталій Портников. 31.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 31.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Der Kreml nutzt die „Attacke auf Walday“ aus | Vitaly Portnikov. 30.12.2025.

Der Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation, Dmitri Peskow, bezeichnete die Aussagen derjenigen als Wahnsinn, die vom Kreml Beweise dafür verlangen, dass ukrainische Drohnen tatsächlich auf die Residenz des Präsidenten Russlands, Putin, in Walday gerichtet gewesen seien.

Peskow weigerte sich außerdem zu sagen, wo sich der Präsident der Russischen Föderation aufhält, und betonte, dass es unter den gegebenen Umständen überhaupt unangebracht sei, solche Fragen zu stellen.

Und in dieser Antwort des Putin-Pressesprechers steckt eine eigene Logik. Denn sollte sich herausstellen, dass Putin sich zum Zeitpunkt des angeblichen Beschusses, den der Kreml verbreitete, weit entfernt von Walday befand, würde sich sofort die Frage stellen, warum die russische Führung dann mit solcher Hysterie über einen möglichen Angriff auf Putins Residenz berichtet hat.

Auch darüber, wie sich der Ansatz Russlands zum sogenannten Verhandlungsprozess über das Ende des russisch-ukrainischen Krieges ändern werde, sagte Peskow nichts. Und das ist aus der Sicht der Russischen Föderation völlig logisch, denn für Russland gab es nie einen wirklichen Friedensprozess – es gab nur den Wunsch, Zeit zu gewinnen und sich nicht mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu zerstreiten, um neue Sanktionen gegen die Russische Föderation zu verhindern und die Möglichkeit zur Fortsetzung der Kampfhandlungen zu behalten.

Besonders актуell wurde das nach dem Gipfel zwischen Putin und Trump in Anchorage, als der amerikanische Präsident faktisch auf die Positionen seines russischen Kollegen überging und zustimmte, dass ein Waffenstillstand nicht der Beginn, sondern der Höhepunkt eines Friedensprozesses sein müsse. Seitdem, so kann man sagen, handelt Trump nach dem Drehbuch Putins und erlaubt dem russischen Präsidenten, seinen grausamen und ungerechten Krieg gegen die Ukraine fortzusetzen.

Übrigens vergaß Peskow auch nicht, den Journalisten mitzuteilen, dass der Dialog mit Trump in einem freundlichen Ton weitergeführt werde, und zeigte damit einmal mehr, dass genau dies das Hauptziel der russischen politischen Führung gewesen ist.

Und aus dieser Perspektive ist offensichtlich, dass die Geschichte von Walday von Vertretern der russischen politischen Führung genau zu dem Zweck erfunden wurde, damit Putin die Möglichkeit hat, Trump keine Antworten auf die Ergebnisse des letzten Treffens des amerikanischen Präsidenten mit seinem ukrainischen Amtskollegen Volodymyr Zelensky in Mar-a-Lago geben zu müssen.

Einen besseren Vorwand, sich jeder Antwort auf die Fragen zu entziehen, mit welchen in Mar-a-Lago abgestimmten Vorschlägen Putin einverstanden ist, kann man sich kaum vorstellen.

Man sollte sich daran erinnern, dass Putins Berater Juri Uschakow, als er das letzte Telefongespräch zwischen Trump und Putin kommentierte, betonte, die zwischen Trump und Zelensky erzielten Vereinbarungen würden die Lösung der Frage des Endes des russisch-ukrainischen Krieges nicht näherbringen. Und das ist im Grunde alles, was man über die Motive wissen muss, von denen Putin und sein engstes Umfeld geleitet waren, als sie die Provokation von Walday erfanden.

Natürlich ist das nicht mit den Explosionen von Wohnhäusern in Moskau und anderen russischen Städten zu vergleichen, die Putin erlaubten, seine Popularität stark zu steigern und zu Beginn des neuen Jahrtausends in Russland an die Macht zu kommen, aber es ist dennoch eine Provokation, die einen Vergleich mit jenen Aktionen des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation verdient, dessen Vertreter im Kreml Putin war, ist und bleiben wird.

Ein weiterer wichtiger Aspekt dieser Provokation ist, dass man in Moskau natürlich überprüfen wollte, wer Putins Worten glaubt und wer zumindest irgendwelche formalen Beweise für die Realität des angeblichen Beschusses der Residenz des Präsidenten der Russischen Föderation durch ukrainische Drohnen abwarten würde.

Und ich denke, am angenehmsten für den Kreml war, dass sich Donald Trump empörte, der zwar keinerlei Beweise von Putin erhielt und während seines Treffens mit Journalisten sogar sagte, dass es einen solchen Beschuss vielleicht gar nicht gegeben habe, dennoch aber keine Worte sparte, als er darüber sprach, wie seine Friedensbemühungen torpediert worden seien und wie gut es sei, dass die Vereinigten Staaten der Ukraine keine Tomahawk-Raketen geliefert hätten.

Und natürlich sehen wir eine solche Bewertung der Situation nicht nur von Donald Trump allein. Wir sehen, dass auch die Führer der sogenannten Länder des globalen Südens, die faktische Sponsoren des russischen Krieges gegen die Ukraine sind, versuchen, die Situation zu nutzen, um ihre Loyalität gegenüber Putin zu demonstrieren. Mit einem entsprechenden Beitrag in den sozialen Netzwerken meldete sich zum Beispiel der indische Premierminister Narendra Modi zu Wort, der seine tiefe Besorgnis über den Beschuss äußerte, über dessen Realität er, da bin ich sicher, keinerlei Informationen besitzt.

Aber warum sollte uns das überraschen, wenn gerade die Käufe russischen Öls durch Indien es Putin ermöglicht haben, nach den westlichen Sanktionen das wirtschaftliche Gleichgewicht zu bewahren und in den kommenden Jahren die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges zu planen?

Sowohl die Haltung Modis als auch die Position anderer Politiker des globalen Südens sollte nicht überraschen, sondern daran erinnern, dass sich in der Welt faktisch zwei Lager von Staaten gebildet haben. Das eine respektiert das internationale Recht und betrachtet menschliches Leben als Wert, das andere spuckt auf dieses internationale Recht und schert sich überhaupt nicht um den Wert menschlichen Lebens.

Der russisch-ukrainische Krieg hat diese Trennlinie deutlich gezeigt, die mit einer großen, zerstörerischen Kriegskonfrontation im 21. Jahrhundert schwanger geht. Und die wichtigste Frage ist heute nicht einmal, dass sich diese beiden Lager herausgebildet haben und sich auf einen möglichen Zusammenstoß vorbereiten. Die wichtigste Frage ist, auf wessen Seite die Vereinigten Staaten stehen werden und wie lange ihr Präsident noch davor zurückschrecken wird, diese Realität zu erkennen, die inzwischen zur zentralen Tendenz der modernen Welt geworden ist und die die demokratischen Länder dazu drängt, nach einem Ausweg aus dieser schwierigen Situation zu suchen.

Wenn Donald Trump ohne jede kritische Distanz die Meldungen aus Moskau akzeptiert, wenn er auf Pressekonferenzen davon spricht, wie sehr Russland der Ukraine Erfolg wünscht, während es sie buchstäblich vor den Augen des amerikanischen Präsidenten und seiner von Trumps Verhalten überraschten Landsleute zerstört, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten Sympathien für autoritäre Herrscher zeigt und seine Verbündeten in Europa und Nordamerika mit Verachtung behandelt, dann kann der Zusammenstoß der Zivilisationen, dessen Zeugen und Teilnehmer wir bald werden, zu einer weitaus ernsteren und unangenehmeren Prüfung werden, als in einer Situation, in der die größte demokratische Nation der Welt autoritäre Diktaturen von Beginn an von einem großen, zerstörerischen Krieg auf mehreren Kontinenten zugleich abgehalten hätte.

Und solche Geschichten wie die Desinformation über einen angeblichen Angriff auf Putins Residenz sind ein durchaus brauchbares Lackmuspapier, mit dem man die Positionen aller Beteiligten in dieser Geschichte bewerten kann.sidenten der Russischen Föderation, Dmitri Peskow, bezeichnete die Aussagen derjenigen als Wahnsinn, die vom Kreml Beweise dafür verlangen, dass ukrainische Drohnen tatsächlich auf die Residenz des Präsidenten Russlands, Putin, in Walday gerichtet gewesen seien.

Peskow weigerte sich außerdem zu sagen, wo sich der Präsident der Russischen Föderation aufhält, und betonte, dass es unter den gegebenen Umständen überhaupt unangebracht sei, solche Fragen zu stellen.

Und in dieser Antwort des Putin-Pressesprechers steckt eine eigene Logik. Denn sollte sich herausstellen, dass Putin sich zum Zeitpunkt des angeblichen Beschusses, den der Kreml verbreitete, weit entfernt von Walday befand, würde sich sofort die Frage stellen, warum die russische Führung dann mit solcher Hysterie über einen möglichen Angriff auf Putins Residenz berichtet hat.

Auch darüber, wie sich der Ansatz Russlands zum sogenannten Verhandlungsprozess über das Ende des russisch-ukrainischen Krieges ändern werde, sagte Peskow nichts. Und das ist aus der Sicht der Russischen Föderation völlig logisch, denn für Russland gab es nie einen wirklichen Friedensprozess – es gab nur den Wunsch, Zeit zu gewinnen und sich nicht mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu zerstreiten, um neue Sanktionen gegen die Russische Föderation zu verhindern und die Möglichkeit zur Fortsetzung der Kampfhandlungen zu behalten.

Besonders aktuell wurde das nach dem Gipfel zwischen Putin und Trump in Anchorage, als der amerikanische Präsident faktisch auf die Positionen seines russischen Kollegen überging und zustimmte, dass ein Waffenstillstand nicht der Beginn, sondern der Höhepunkt eines Friedensprozesses sein müsse. Seitdem, so kann man sagen, handelt Trump nach dem Drehbuch Putins und erlaubt dem russischen Präsidenten, seinen grausamen und ungerechten Krieg gegen die Ukraine fortzusetzen.

Übrigens vergaß Peskow auch nicht, den Journalisten mitzuteilen, dass der Dialog mit Trump in einem freundlichen Ton weitergeführt werde, und zeigte damit einmal mehr, dass genau dies das Hauptziel der russischen politischen Führung gewesen ist.

Und aus dieser Perspektive ist offensichtlich, dass die Geschichte von Walday von Vertretern der russischen politischen Führung genau zu dem Zweck erfunden wurde, damit Putin die Möglichkeit hat, Trump keine Antworten auf die Ergebnisse des letzten Treffens des amerikanischen Präsidenten mit seinem ukrainischen Amtskollegen Volodymyr Zelensky in Mar-a-Lago geben zu müssen. Einen besseren Vorwand, sich jeder Antwort auf die Fragen zu entziehen, mit welchen in Mar-a-Lago abgestimmten Vorschlägen Putin einverstanden ist, kann man sich kaum vorstellen.

Man sollte sich daran erinnern, dass Putins Berater Juri Uschakow, als er das letzte Telefongespräch zwischen Trump und Putin kommentierte, betonte, die zwischen Trump und Zelensky erzielten Vereinbarungen würden die Lösung der Frage des Endes des russisch-ukrainischen Krieges nicht näherbringen. Und das ist im Grunde alles, was man über die Motive wissen muss, von denen Putin und sein engstes Umfeld geleitet waren, als sie die Provokation von Walday erfanden.

Natürlich ist das nicht mit den Explosionen von Wohnhäusern in Moskau und anderen russischen Städten zu vergleichen, die Putin erlaubten, seine Popularität stark zu steigern und zu Beginn des neuen Jahrtausends in Russland an die Macht zu kommen, aber es ist dennoch eine Provokation, die einen Vergleich mit jenen Aktionen des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation verdient, dessen Vertreter im Kreml Putin war, ist und bleiben wird.

Ein weiterer wichtiger Aspekt dieser Provokation ist, dass man in Moskau natürlich überprüfen wollte, wer Putins Worten glaubt und wer zumindest irgendwelche formalen Beweise für die Realität des angeblichen Beschusses der Residenz des Präsidenten der Russischen Föderation durch ukrainische Drohnen abwarten würde.

Und ich denke, am angenehmsten für den Kreml war, dass sich Donald Trump empörte, der zwar keinerlei Beweise von Putin erhielt und während seines Treffens mit Journalisten sogar sagte, dass es einen solchen Beschuss vielleicht gar nicht gegeben habe, dennoch aber keine Worte sparte, als er darüber sprach, wie seine Friedensbemühungen torpediert worden seien und wie gut es sei, dass die Vereinigten Staaten der Ukraine keine Tomahawk-Raketen geliefert hätten.

Und natürlich sehen wir eine solche Bewertung der Situation nicht nur von Donald Trump allein. Wir sehen, dass auch die Führer der sogenannten Länder des globalen Südens, die faktische Sponsoren des russischen Krieges gegen die Ukraine sind, versuchen, die Situation zu nutzen, um ihre Loyalität gegenüber Putin zu demonstrieren. Mit einem entsprechenden Beitrag in den sozialen Netzwerken meldete sich zum Beispiel der indische Premierminister Narendra Modi zu Wort, der seine tiefe Besorgnis über den Beschuss äußerte, über dessen Realität er, da bin ich sicher, keinerlei Informationen besitzt.

Aber warum sollte uns das überraschen, wenn gerade die Käufe russischen Öls durch Indien es Putin ermöglicht haben, nach den westlichen Sanktionen das wirtschaftliche Gleichgewicht zu bewahren und in den kommenden Jahren die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges zu planen?

Sowohl die Haltung Modis als auch die Position anderer Politiker des globalen Südens sollte nicht überraschen, sondern daran erinnern, dass sich in der Welt faktisch zwei Lager von Staaten gebildet haben. Das eine respektiert das internationale Recht und betrachtet menschliches Leben als Wert, das andere spuckt auf dieses internationale Recht und schert sich überhaupt nicht um den Wert menschlichen Lebens.

Der russisch-ukrainische Krieg hat diese Trennlinie deutlich gezeigt, die mit einer großen, zerstörerischen Kriegskonfrontation im 21. Jahrhundert schwanger ist. Und die wichtigste Frage ist heute nicht einmal, dass sich diese beiden Lager herausgebildet haben und sich auf einen möglichen Zusammenstoß vorbereiten. Die wichtigste Frage ist, auf wessen Seite die Vereinigten Staaten stehen werden und wie lange ihr Präsident noch davor zurückschrecken wird, diese Realität zu erkennen, die inzwischen zur zentralen Tendenz der modernen Welt geworden ist und die die demokratischen Länder dazu drängt, nach einem Ausweg aus dieser schwierigen Situation zu suchen.

Wenn Donald Trump ohne jede kritische Distanz die Meldungen aus Moskau akzeptiert, wenn er auf Pressekonferenzen davon spricht, wie sehr Russland der Ukraine Erfolg wünscht, während es sie buchstäblich vor den Augen des amerikanischen Präsidenten und seiner von Trumps Verhalten überraschten Landsleute zerstört, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten Sympathien für autoritäre Herrscher zeigt und seine Verbündeten in Europa und Nordamerika mit Verachtung behandelt, dann kann der Zusammenstoß der Zivilisationen, dessen Zeugen und Teilnehmer wir bald werden, zu einer weitaus ernsteren und unangenehmeren Prüfung werden, als in einer Situation, in der die größte demokratische Nation der Welt autoritäre Diktaturen von Beginn an von einem großen, zerstörerischen Krieg auf mehreren Kontinenten zugleich abgehalten hätte.

Und solche Geschichten wie die Desinformation über einen angeblichen Angriff auf Putins Residenz sind ein durchaus brauchbares Lackmuspapier, mit dem man die Positionen aller Beteiligten in dieser Geschichte bewerten kann.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Кремль експлуатує «атаку на Валдай» | Віталій Портников. 30.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 30.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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