Möglicherweise der größte massive Angriff ukrainischer Drohnen auf die russische Hauptstadt und das Moskauer Gebiet seit Beginn von Putins großem Krieg gegen die Ukraine. Die uns bereits gut bekannte Ölraffinerie in Kapotnja, der für Moskau und das Moskauer Gebiet wichtigste Raffineriebetrieb, steht in Flammen
Der russischen Luftverteidigung ist es nicht gelungen, dieses strategisch wichtige Unternehmen zu schützen, dafür ist es ihr gelungen, ukrainische Drohnen in die Wohnviertel Moskaus und der Städte im Moskauer Umland umzuleiten.
Auch andere Städte der Russischen Föderation mit wichtiger militärischer Infrastruktur wurden angegriffen. Angegriffen wurde der Logistikknoten Sofjino im Moskauer Gebiet. Dort befinden sich die inzwischen brennenden Lager der uns ebenfalls sehr gut bekannten Unternehmen Wildberries, Ozon und Yandex. Nun, vielleicht befinden sie sich dort auch nicht mehr, denn nach den Angriffen ukrainischer Drohnen stehen sie in Flammen. Die Probleme für die russische Wirtschaft sind also tatsächlich ziemlich spürbar.
Man kann auch davon sprechen, dass die russische Luftverteidigung derzeit in Woronesch ernsthafte Probleme hat. Man kann sagen, dass diese Luftverteidigung durch ukrainische Anstrengungen schlicht zerstört wird, und danach könnten ernsthafte und wichtige Angriffe auf die militärische Infrastruktur von Woronesch erfolgen, die für die russische Aggression gegen unser Land genutzt wird.
Damit wurde Präsident Putin erneut vor Augen geführt, dass man das Spiel der Zerstörung von Infrastruktur zu zweit spielen kann. Wahrscheinlich ist das genau jenes Tango zu zweit, von dessen Notwendigkeit Donald Trump gegenüber Volodymyr Zelensky noch vor seiner Rückkehr ins Oval Office gesprochen hatte. Nur hat es sich in Wirklichkeit nicht als Tango der Friedensverhandlungen erwiesen, denen der russische Machthaber aus dem Weg geht, weil er weiterhin darauf hofft, den russisch-ukrainischen Krieg zu gewinnen und unseren Staat zu zerstören. Es ist ein Tango, bei dem man Gegenschläge führen, die Infrastruktur des Gegners zerstören, seine Möglichkeiten im Energiebereich verringern und daran erinnern kann, dass kein terroristischer Akt der Russischen Föderation gegen unser Land unbeantwortet bleiben wird.
Und ein solches Tango gefällt mir wesentlich besser als die Imitation eines Verhandlungsprozesses, an dem die Sondergesandten Donald Trumps teilnehmen. Wie wir sehen, bringt uns diese Imitation keinerlei reale Ergebnisse, außer der Erzählung, dass es die Ukraine sei, die den russischen Bedingungen im Zusammenhang mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges nicht zustimme. Obwohl wir alle sehr gut verstehen, dass in Wirklichkeit noch nie jemand irgendwelche realen Bedingungen von Putin gehört hat, sondern ausschließlich den Wunsch, die Ukraine gegen neue wirtschaftliche Beziehungen mit der amerikanischen Regierung einzutauschen.
Die Angriffe auf die Ölraffinerie in der russischen Hauptstadt widerlegen auch die Information, dass zwischen Russland und der Ukraine irgendeine Waffenruhe im Energiebereich erreicht worden sei. Davon hatte bekanntlich der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump gesprochen, der allerdings keinerlei konkrete Angaben zur Untermauerung seiner Behauptung machte. Und weder in Kyiv noch in Moskau hat man, wie wir sehen, Informationen bestätigt, die sich auf nicht existierende Vereinbarungen beziehen.
Was für eine Waffenruhe im Energiebereich kann es mit Russland geben, wenn Putin vor unseren Augen weiterhin Energieanlagen in Kyiv und anderen ukrainischen Städten angreift, wenn er seine gezielten Bemühungen fortsetzt, die Wohnviertel der ukrainischen Hauptstadt und anderer Städte unseres Landes zu terrorisieren? Aber dass es keine Energie-Waffenruhe gibt, bedeutet eben auch Angriffe auf den Ölraffineriesektor der Russischen Föderation.
Putin erzählt davon, wie schnell die Anlagen repariert werden sollen, die durch die jüngsten ukrainischen Angriffe außer Betrieb gesetzt wurden. Aber bis die Russen einen Teil ihrer Anlagen repariert haben, werden die Ukrainer neue Raffinerien sowie bereits reparierte Anlagen außer Betrieb setzen können. Und das wird sich nicht nur auf den Dieselpreis auswirken, über den Donald Trump so gerne spricht und an dessen Veränderung wir weit weniger Anteil haben als die Iraner, die weiterhin die Straße von Hormus blockieren. Das wird sich vor allem auf die Energieinteressen der Unterstützer der Russischen Föderation in diesem ungerechten und grausamen Krieg auswirken: der Volksrepublik China und Indiens.
Denn wir verstehen, dass die jüngsten Erklärungen des Staatschefs der Volksrepublik China Xi Jinping und des indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi, die Putin dazu aufgerufen haben, nach Möglichkeiten für eine politische Beendigung des Krieges gegen die Ukraine zu suchen, keineswegs mit irgendwelchen besonderen Gefühlen zusammenhängen, die die Staatschefs Chinas und Indiens unserem Land gegenüber hegen. Nein, das hängt gerade damit zusammen, dass sie die Probleme verstehen, die für ihre eigene Ölraffinerieindustrie entstehen könnten, wenn Russland sich als unfähig erweist, der wichtigste Öllieferant für einen großen Teil der Unternehmen in diesen Ländern des sogenannten Globalen Südens zu bleiben.
Die brennende Ölraffinerie in Kapotnja und die brennenden Lager von Ozon, Yandex und Wildberries erinnern also daran, dass Russland mit seinem Krieg gegen die Ukraine nicht nur Probleme für seine eigenen wirtschaftlichen Interessen schafft, sondern auch für die Interessen derjenigen, die trotz Putins aggressiver Absichten bereit sind, weiterhin mit Russland zusammenzuarbeiten. Und wie ich bereits mehrfach gesagt habe, können gerade Angriffe auf Moskau die Stimmung in der russischen Gesellschaft verändern, was das Verständnis der Folgen dieses Krieges betrifft.
Wir wollen uns jetzt nicht mit dem russischen Cargo-Kult aufhalten, der diesen großen Angriff mit dem Tag der Wahlen zur Staatsduma der Russischen Föderation erklären könnte. Allen ist vollkommen klar, dass es in Russland keine wirklichen Wahlen gibt, sondern bestimmte Veranstaltungen, die die Legitimität von Putins Regime bestätigen und die Russen dazu bringen sollen, für politische Kräfte zu stimmen, die sich weiterhin für den Krieg gegen die Ukraine und die Konfrontation mit dem Westen einsetzen.
Nur sieht der russische Wähler jetzt, zu welchen realen und nicht erfundenen Ergebnissen die Aufrufe der Aktivisten von „Einiges Russland“, „Gerechtes Russland“ und jedem anderen blutigen Russland führen. Und die Frage ist nicht, wie viele Stimmen diese Handlanger Putins bei diesen Pseudowahlen erhalten. Die Frage ist vielmehr, dass nun jeder, der vom Brand in der Ölraffinerie in Kapotnja und von dem weiß, was in den Wohnvierteln Moskaus und des Moskauer Umlands geschieht, gezwungen sein wird, die Lügen derjenigen zu erkennen, die zu den Wahlen zugelassen wurden.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Найбільша атака на Москву | Віталій
Портников. 21.09.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:20.09.2026 Originalsprache:uk Plattform / Quelle: YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Olena Trybushna: Ich habe heute Vitaly Portnikov eingeladen, um über die politische Krise zu sprechen, in die sowohl das Amerika von Präsident Trump als auch die Ukraine immer tiefer geraten, wo einer nach dem anderen aus dem Umfeld von Präsident Zelensky unter Korruptionsverdacht gerät und der Generalstaatsanwalt überhaupt einfach geflohen ist. Wohin steuert das alles, und wie soll man damit umgehen? Vitaly Portnikov spricht heute darüber und auch darüber, wie die amerikanische Regierung versucht, uns zum Sündenbock zu machen – sowohl dafür, dass sich die Dieselpreise an den Tankstellen in den USA vor den Wahlen verdoppelt haben, als auch dafür, dass es ihr nicht gelingt, mit den Russen irgendetwas zu vereinbaren.
Ich möchte mit Ihnen über die jüngsten Ereignisse in unserem Land und im Ausland sprechen. Unsere politische Krise verschärft sich weiter. Führende Personen in der Staatsführung geraten weiterhin unter Korruptionsverdacht und verlieren ihre Ämter. Die Flucht des Generalstaatsanwalts, dem vermutlich ebenfalls ein Verdacht mitgeteilt werden sollte, weil er an der Spitze dieser Pyramide stand, die Callcenter deckte, ist zum Fremdschämen, aber so wie ich es verstehe, ist das nicht das Ende. Der Nächste könnte, wie es aussieht, Dawyd Arachamija sein, der derzeit beinahe der einzige Mensch ist, der unser Parlament dazu bringen kann, überhaupt noch für irgendetwas zu stimmen.
Darüber möchte ich mit Ihnen sprechen. Erstens: Hat Sie die Flucht des Generalstaatsanwalts nach allem, was wir bereits gesehen haben, überrascht?
Portnikov: Nun, ehrlich gesagt hat mich die Flucht des Generalstaatsanwalts doch ein wenig überrascht, denn das ist eine Situation auf dem Niveau irgendeiner Bananenrepublik. Solche Nachrichten habe ich in der Regel aus solchen Staaten gesehen, wenn ein Beamter dieses Ranges, statt seine, ich würde sagen, Amtsehre zu verteidigen, einfach flieht. Einfach flieht, das mit irgendwelchen erstaunlichen, sagen wir, Dienstreisen erklärt und damit irgendwelche Verdachtsmomente erzeugt.
Aber andererseits, warum sollten wir so naiv sein? Wenn es innerhalb der Staatsführung kein Interesse daran gegeben hätte, dass der Generalstaatsanwalt der Ukraine ins Ausland ausreist, wäre er nicht ausgereist. Der vorherige Generalstaatsanwalt, der ins Ausland floh – wirklich floh –, Pschonka, stieß am Flughafen auf ernsthaften Widerstand der Sicherheitsdienste. Obwohl das im Gebiet Donezk war. Und das waren Sicherheitsdienste mit Leuten, die an sich ganz sicher der Regierung Janukowytsch gegenüber loyal waren, aber sie hatten keinerlei Anweisung, die Flucht des Generalstaatsanwalts und seines Umfelds aus der Ukraine zu erleichtern.
Hier dagegen verlief alles vollkommen ruhig. Der Mann stieg ins Auto und reiste völlig problemlos und legal aus – er ist ja nicht durch die Theiß geschwommen, nicht wahr? – und wird sich nun einen Zufluchtsort suchen, an dem man nicht an ihn herankommt. Das ist doch eine erstaunliche Sache. Und für mich ist das ein Zeichen für den tatsächlichen Zerfall des Systems der Staatsführung.
Selbst wenn der Generalstaatsanwalt, ich würde sagen, von höheren Stellen grünes Licht für seine Ausreise bekommen hat, bedeutet das, dass auch diese höheren Stellen den Bezug zur Realität verloren haben und nicht über die Folgen nachdenken. Dass es zwangsläufig zu einer solchen Degradierung des Systems der Staatsführung kommen würde, sage ich seit 2019. Nach 2020 wurde die Schaffung wirksamer Kontrollmechanismen zu einer dringenden Notwendigkeit für das Überleben des ukrainischen Staates und die Existenz des ukrainischen Volkes.
Leider haben nur wenige auf die Ratschläge vernünftig denkender Menschen gehört, die vor dem Ausmaß der nächsten Katastrophe gewarnt haben. Und übrigens hören bis heute nur wenige darauf. Deshalb überrascht mich nicht, was jetzt mit dem Zerfall des Systems der Staatsführung geschieht. Es wird sich weiter ausweiten. Und es stellt sich heraus, dass die unabhängigen Antikorruptionsorgane die einzige Struktur bleiben, die in der Lage ist, ein gewisses Gleichgewicht aufrechtzuerhalten und Beamte von unkontrollierten Handlungen jeglicher Art abzuhalten.
Für mich persönlich ist das, ehrlich gesagt, eine Katastrophe. Ich war immer der Ansicht, dass die einzige Garantie für eine normale Entwicklung des Staates ein eigenes System der Strafverfolgung ist, das den Staat vor Degradierung schützt. Und das habe ich auch den Leitern des Nationalen Antikorruptionsbüros mehrfach gesagt, als sie von der Notwendigkeit sprachen, sie in ihrer Auseinandersetzung mit der Machtvertikale zu unterstützen. Ich will doch, dass die Vertikale gesund ist. Denn wenn es keine gesunde Vertikale gibt, wird auch das Antikorruptionssystem nichts ausrichten können.
Jetzt sehe ich, dass ich mich geirrt habe, dass unter diesen Bedingungen, wenn es das Antikorruptionsbüro und die Proteste mit den Pappschildern im Jahr 2025 nicht gegeben hätte, die Mafia die Macht im Land vollständig an sich gerissen und zum Verschwinden dieses Landes von der politischen Weltkarte sowie zur Vertreibung von Millionen Ukrainern aus den Gebieten geführt hätte, in denen sie, ich würde sagen, seit Urzeiten leben.
Das ist geschehen. Vor dieser Gefahr von fatalem Ausmaß stehen wir. Ich weiß nicht, ob der Präsident der Ukraine das begreift oder ob auch er in seiner eigenen Realität lebt. Wir befinden uns eigentlich in einer kritischen Situation, in der sich die drei Hauptakteure in der Geschichte des russisch-ukrainischen Krieges in ihre eigenen Welten zurückgezogen haben. Trump lebt in der einen, Putin in einer anderen, Zelensky in einer dritten. Ich habe keine Hoffnung darauf, dass sie sich irgendwann begegnen werden. Ich glaube, dass Zelensky in einer realistischeren Welt lebt als Trump und Putin, weil er die Haltung seiner Bevölkerung zum Krieg berücksichtigt, sie berücksichtigen muss, aber auch das bewahrt uns nicht vor der Erkenntnis, wie gefährlich die Situation ist.
Olena Trybushna: Genau das wollte ich Sie im Zusammenhang mit der Flucht des Generalstaatsanwalts fragen. Haben Sie darüber nachgedacht, wie dieser Prozess des allmählichen Zerfalls der Staatsführung enden könnte, wenn weiterhin Verdachtsmitteilungen ausgesprochen werden und Beamte ihre Ämter verlieren? Das sind die letzten Leute aus Zelenskys Umfeld. Und keine Idee wie jene, von der Sie ständig sprechen – eine Regierung der nationalen Einheit – wird umgesetzt. Wie kann das enden? Wozu kann das führen?
Portnikov: Zum Zusammenbruch der Staatsführung. Deshalb hoffe ich, dass die Abgeordneten der Werchowna Rada früher oder später erkennen werden, dass sie eigenständig handeln müssen und dazu auch fähig sind. Wenn man mir sagt, sie seien alle dazu nicht in der Lage, weil sie niemand seien und niemand ihren Namen kenne, erinnere ich immer daran, dass 1991 Menschen für die Unabhängigkeit der Ukraine gestimmt haben. Die meisten von ihnen waren niemand und niemand kannte ihren Namen. Das waren Kommunisten. Die Gruppe 239, Menschen, die überhaupt nur nach Vorgaben des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Ukraine in die Werchowna Rada der Ukraine gelangt waren. Die überwältigende Mehrheit von ihnen hatte keinerlei politische Eigenständigkeit.
Aber wie Sie sich erinnern, haben diese Menschen die Situation der Rettung des Staates in einem kritischen Moment tatsächlich bewältigt. Und als sie schließlich am 24. August 1991 für den Unabhängigkeitsakt stimmten, rettete die überwältigende Mehrheit dieser Menschen, eben diese 239, ja nicht den Staat, sondern sich selbst vor dem damals demokratischen Russland, das ihre Genossen aus dem Zentralkomitee der KPdSU, das GKChP, besiegt hatte.
Warum sollten diese Menschen also nicht nur über irgendeine staatliche Eigenständigkeit nachdenken, sondern darüber, sich selbst zu retten? Auch für sie wird schließlich alles schlecht ausgehen, wenn es für die Ukraine schlecht ausgeht. Deshalb hoffe ich sehr, dass wir eine Situation erleben werden, in der sie Eigenständigkeit erlangen, und dann wird man sagen können, dass die Eigenständigkeit des Parlaments, über die jetzt wieder viele sprechen – ich habe schon vor langer Zeit begonnen, darüber zu sprechen, und freue mich, dass andere sich dem angeschlossen haben –, zur Rettung des Staatsorganismus wird.
Olena Trybushna: Und wie soll das geschehen? Was müssen wir in der Rada sehen?
Portnikov: Wir müssen in der Rada die Bereitschaft sehen, die Regierung zu kontrollieren. Ich weiß nicht, ob es diese Regierung sein wird, ob es Veränderungen in dieser Regierung geben wird oder ob es eine neue Regierung sein wird. Aber es muss einen starken Parlamentspräsidenten geben, der seine eigene Position, die Position des Parlaments, vertritt. Ich weiß wiederum nicht, ob es dieser Parlamentspräsident sein soll oder ob eine andere Person auftauchen wird. Und es muss einen starken Ministerpräsidenten geben, während der Präsident sich auf seine unmittelbaren verfassungsmäßigen Pflichten konzentrieren und das Präsidialamt ihm bei der Erfüllung dieser Pflichten helfen sollte, statt den Staat zu führen. Und der Fraktionschef der Mehrheit im Parlament, der jetzige oder vielleicht eine andere Person, sollte nicht die Wünsche des Präsidialamts entgegennehmen, sondern mitteilen, wie die Stimmung unter den Abgeordneten ist, damit der Wille des Parlaments und die Absichten des Präsidenten aufeinander abgestimmt werden können. So sollte das alles in der Praxis aussehen.
Olena Trybushna: Und das bedeutet, dass sich bei „Diener des Volkes“ irgendwelche Leute finden müssen, die diese Führungsrolle übernehmen und diesen Prozess der Neuordnung in Gang setzen, sich querstellen und Arachamija sagen: „Wir werden dies und jenes nicht tun.“ Glauben Sie, dass so etwas möglich ist?
Portnikov: Ich weiß nicht, was künftig möglich sein wird, aber ich sage Ihnen, dass der Ukraine noch Prüfungen von einem solchen Ausmaß bevorstehen, dass sie zu einer solchen Entwicklung führen können. Wer hat Ihnen gesagt, dass es so bleiben wird wie jetzt, so, wie es ist? Wir kennen weder die weitere Entwicklung der wirtschaftlichen Situation noch der politischen Situation noch der Beziehungen zu unseren Partnern. Sie verstehen doch, dass es derzeit nur eine Kraft gibt, die ihre Aufgaben in der Ukraine tatsächlich vollständig erfüllt. Wissen Sie, welche? Wissen Sie, welche? Die Streitkräfte der Ukraine.
Olena Trybushna: Und das Antikorruptionsbüro.
Portnikov: Die Streitkräfte der Ukraine und das Nationale Antikorruptionsbüro. Nun, in erster Linie die Streitkräfte, denn wenn sie den Feind nicht aufhalten würden, könnte kein Antikorruptionsbüro irgendetwas tun. Der Feind hätte die Ukraine längst besetzt, und hier gäbe es nicht das Antikorruptionsbüro, sondern, entschuldigen Sie, das Ermittlungskomitee der Russischen Föderation.
Olena Trybushna: Den FSB.
Portnikov: Nein, die Funktionen des NABU erfüllt in Russland das Ermittlungskomitee, nicht der FSB. Die Streitkräfte halten die Lage an der Front tatsächlich, sie gehen sogar tatsächlich in die Offensive über. Und das Land, das diesen Streitkräften helfen könnte, über wirksame Mechanismen ihrer Unterstützung nachzudenken, sowohl bei der Mobilisierung als auch wirtschaftlich, gerät außer Kontrolle. Ist das etwa nicht wahr? Habe ich mir das ausgedacht? Und deshalb ist es gegenüber den Menschen, die das Land in einer so schwierigen Zeit verteidigen, sehr beschämend, dass wir keine Effizienz erreichen können, dass wir die Situation nicht korrigieren können, die nach der berühmten Abstimmung entstanden ist.
Olena Trybushna: Was diesen Gesetzentwurf von Lindsey Graham betrifft: So wie ich es verstehe, wird das Repräsentantenhaus, wenn dieses Video erscheint, wahrscheinlich bereits darüber abgestimmt haben. Es geht um Sanktionen gegen Russland und Iran. Und ich habe den Kongressabgeordneten Michael McCaul gehört, wie er bei der Vorstellung dieses Gesetzentwurfs seinen Kollegen versicherte, dieses Gesetz werde Putin zwingen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Ich sehe eine allgemeine Skepsis, dass dieses Graham-Gesetz Einfluss auf unsere Angelegenheiten haben wird. Aber halten Sie es wenigstens zu einem Prozent für möglich, dass die Graham-Sanktionen angewandt werden und Putin irgendwie beeinflussen?
Portnikov: Nun, die Sanktionen, die dieses Gesetz in erster Linie vorsieht, muss der Präsident der Vereinigten Staaten verhängen. Und die Frage besteht gerade darin, dass der Kongress ihm diese Befugnisse gibt. Wird Donald Trump diese Möglichkeiten nutzen? Oder wird er doch der Ansicht sein, dass die Verhängung solcher Sanktionen die Chancen auf Frieden verschlechtert? Das wissen wir nicht. Zumal Sie sehen, dass Trump selbst bei diesem Gesetz gerade wegen des Iran besorgt war. Und er wollte diese Gesetzgebung im Grunde nutzen, um Druck auf Länder auszuüben, die mit dem Iran handeln, und nicht mit Russland. Das ist der erste Punkt.
Der zweite Punkt: Dort werden tatsächlich ziemlich hohe Zölle auf russische Produkte vorgesehen. Auch hier muss das der Präsident der Vereinigten Staaten entscheiden. Aber das Handelsvolumen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten lässt nicht darauf hoffen, dass selbst die Verhängung solch hoher Zölle auf Waren, die heute aus der Russischen Föderation in die Vereinigten Staaten gelangen, die russische Wirtschaft in irgendeiner Weise so beeinflussen könnte, dass Putin gezwungen wäre, sich an den Verhandlungstisch zu setzen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt dieses Gesetzes ist die Möglichkeit, Sanktionen beziehungsweise ziemlich hohe Zölle gegen Länder zu verhängen, die weiterhin russisches Öl kaufen. Aber ich möchte Sie daran erinnern, dass das wichtigste dieser Länder die Volksrepublik China ist, gegen die die Vereinigten Staaten den Zollkrieg bereits verloren haben. Trump versuchte, Zölle gegen China zu verhängen, aber in Washington erkannte man ziemlich schnell, dass solche Zölle die amerikanische Wirtschaft tatsächlich treffen könnten. Und Trump musste diese Entscheidung aufgeben, weil er sah, dass auf Trumps Zölle Xi Jinpings Zölle folgen könnten oder Beschränkungen für Lieferungen von für die Amerikaner strategisch wichtigen Waren und Produkten in die Vereinigten Staaten, darunter die berühmten Seltenen Erden, nach denen man bei uns gesucht, die man bislang aber nicht gefunden hat. Die Volksrepublik China bleibt jedoch weiterhin einer der wichtigsten Lieferanten dieser Metalle.
Und schließlich stellt sich die Frage, wie dieses Gesetz – mit Skepsis oder ohne Skepsis – die Situation bei den Verhandlungen und im russisch-ukrainischen Krieg tatsächlich beeinflussen kann. Welche realen Instrumente hat der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, selbst wenn er dieses Gesetz anwendet, um Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine zu fördern, um nicht einfach nur das zu tun, was er die ganze Zeit versucht, sondern Putin zu zwingen, sich mit einem konkreten Vorschlag an den Verhandlungstisch zu setzen?
Ich möchte einfach, dass mir jemand, der über dieses Gesetz spricht, das erklärt. Und bislang höre ich keinerlei Erklärung. Für mich ist ebenfalls offensichtlich, dass Donald Trump dieses Gesetz nicht dazu nutzen könnte, Sanktionen gegen Länder zu verhängen, die mit Russland handeln, sondern dazu, es gegen Länder einzusetzen, deren Politik ihm aus irgendeinem Grund nicht passt. Und er wird dieses Gesetz nutzen, um gegen diese Länder vorzugehen und zu sagen: „Sehen Sie, sie handeln mit Russland oder dem Iran. Verhängen wir doch irgendwelche neuen Strafzölle gegen sie.“ Nehmen wir beispielsweise Indien.
Aber wie sehr das wiederum Moskau selbst und Teheran selbst beeinflussen wird, weiß ich nicht. Ich sehe hier nicht einmal nur Anlass zu Skepsis. Ich halte dieses Gesetz für eine Imageaktion, weil, ich sage es noch einmal, viele Menschen es unterstützen und niemand mir konkret erklären kann, welchen tatsächlichen Einfluss dieses Gesetz auf den russisch-ukrainischen Krieg haben wird. Ich würde diesen konkreten Vorschlag gerne sehen, aber ich sehe ihn nicht.
Ich glaube, dass ein anderes Gesetz den russisch-ukrainischen Krieg tatsächlich beeinflussen könnte, das bereits vom Repräsentantenhaus verabschiedet wurde. Das ist das Gesetz zur Unterstützung der Ukraine, das, wie Sie wissen, unserem Land reale finanzielle Hilfe und eine Ausweitung der Waffenlieferungen vorsieht. In diesem Gesetz ist all das festgeschrieben, aber es wird faktisch im Senat nicht zur Abstimmung gestellt, und Donald Trump hat nicht vor, es zu unterzeichnen. Und ich glaube, dass gerade die Blockade dieses Gesetzes, das Mike Johnson zunächst nicht zur Abstimmung stellen wollte und für das es dann, nachdem es doch zur Abstimmung gestellt worden war, ziemlich schwierig war, genügend Stimmen in der republikanischen Fraktion zu finden, entscheidend ist. Und nachdem sich die Stimmen schließlich gefunden hatten, blieb es einfach im Senat stecken.
Die Abstimmung über dieses Gesetz zeigt die wirkliche Haltung der Regierung zur Möglichkeit, Druck auf Putin auszuüben. Denn wenn wir erhebliche finanzielle Unterstützung von den Vereinigten Staaten und Waffen von den Vereinigten Staaten erhalten würden, ohne dieses nach Trumps Wahl erfundene Programm, wonach die Europäer für amerikanische Waffen bezahlen müssen, würde das Putin meiner Meinung nach davon überzeugen, dass wir seiner Aggression länger Widerstand leisten können, als er erwartet. Auch Putin hat schließlich gewisse Berechnungen, wie Sie verstehen.
So aber wird es die nächste lautstarke Aktion. Trump wird, falls er beschließt, dieses Gesetz zu unterzeichnen, vor den Wahlen umgeben von verschiedenen Kongressabgeordneten, Senatoren und seinen Anhängern auftreten. Ich schließe nicht aus, dass irgendwelche Vertreter aus der Ukraine eingeladen werden. Ich schließe nicht einmal aus, dass man Präsident Volodymyr Zelensky einladen und dieses Gesetz in seiner Anwesenheit feierlich unterzeichnen könnte – und einige Tage später werden wir es vergessen, als hätte es dieses Gesetz nie gegeben. Das ist alles, was passieren wird.
Olena Trybushna: Dann machen wir es so. Ich wollte etwas später darüber sprechen, aber wenn wir schon über Trump und den Kongress reden: Bereits am 3. November finden die Zwischenwahlen zu beiden Kammern des Kongresses statt. Für einen amerikanischen Präsidenten ist das immer ein gewisser Test. Und Trump nähert sich diesem Zeitpunkt grundsätzlich in einer unsicheren Lage, er könnte seine Mehrheit im Kongress verlieren. Was erwarten Sie? Wird er sie tatsächlich verlieren, und falls das geschieht, würde das für uns irgendwelche grundlegenden Veränderungen bedeuten?
Portnikov: Ich erwarte eine tiefe politische Krise in den Vereinigten Staaten von Amerika, denn erstens wissen wir nicht, wie der Präsident auf die Wahlergebnisse reagieren wird. Und wir wissen zumindest, dass er eine tiefe Krise in seinen Beziehungen zum Kongress haben wird, selbst wenn er diese Ergebnisse akzeptiert. Denn ich halte Auseinandersetzungen um das Ergebnis für möglich, ziemlich ernsthafte juristische Auseinandersetzungen.
Aber stellen wir uns vor, dass all das nicht in dem Ausmaß geschieht, das in den Vereinigten Staaten möglich wäre, und der neue Kongress seine Arbeit aufnimmt. Hier gibt es zwei mögliche Entwicklungen. Tatsächlich wird das Repräsentantenhaus nach heutigem Stand höchstwahrscheinlich unter die Kontrolle der Demokratischen Partei kommen. Und übrigens geschieht das praktisch immer bei Zwischenwahlen, zwei Jahre nach der Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Wissen Sie, Olena, welcher Präsident der Vereinigten Staaten zuletzt seine Amtszeit mit einer Mehrheit seiner eigenen Partei im Repräsentantenhaus beendete? Das war Jimmy Carter. Wir sprechen also von den 1970er-Jahren. Keinem der folgenden Präsidenten der Vereinigten Staaten – weder Ronald Reagan noch George Bush senior noch Bill Clinton noch George Bush junior noch Donald Trump während seiner ersten Amtszeit noch Joseph Biden – gelang es, seine Amtsführung mit einer Mehrheit der eigenen Partei zu beenden. Das ist eine solche Tendenz. Joseph Biden hatte – und auch das ist eine bemerkenswerte Geschichte – einen Senat, in dem seine Partei die Mehrheit hatte, aber auch das kommt sehr selten vor.
Stellen wir uns also vor, dass höchstwahrscheinlich der klassische Fall eintritt und Donald Trump gerade die Kontrolle über das Repräsentantenhaus verliert. Das wäre ein ziemlich ernstes Problem. Die Demokraten werden, davon bin ich absolut überzeugt – und hier stimme ich sowohl Trump als auch Mike Johnson und allen zu, die das sagen –, das Repräsentantenhaus in eine Art Untersuchungszentrum verwandeln, das sich mit, wie sie sagen werden, korrupten Machenschaften des Präsidenten der Vereinigten Staaten, seiner Familienmitglieder und seines engsten Umfelds beschäftigt. Sie verstehen, dass es vor dem Hintergrund dieser Geschichte etwa mit Umar Kremlev und dem Hochzeitsgeschenk für Donald Trump Jr. für sie ziemlich lange einiges zu untersuchen geben wird. Wir können uns das Ausmaß all dessen, was wir erfahren könnten und was die Regierung als Verleumdung zurückweisen wird, noch gar nicht vorstellen.
Es wird eine ernsthafte Auseinandersetzung geben. Diese Auseinandersetzung dürfte kaum ernsthafte Konsequenzen für Donald Trump haben, solange Donald Trump den Senat kontrolliert. Denn wenn die Republikaner im Senat die Mehrheit haben, werden die republikanischen Senatoren alles, was die Demokraten auch veröffentlichen mögen, für Verleumdungen gegen Donald Trump halten. Selbst wenn es sich um absolut unbestreitbare Informationen handelt, wird jeder republikanische Senator verstehen, dass er seine politische Karriere verliert, wenn er sich gegen Trump und seine Familie stellt. Und somit wird es im Grunde gerade ein Kampf um den Sieg bei der nächsten Präsidentschaftswahl 2028 sein.
Andererseits muss Trump natürlich bestimmte Gesetze verabschieden, die für den Präsidenten wichtig sind. Und die Demokraten werden, wie ihre Vertreter tatsächlich völlig zu Recht sagen, eine gewisse Möglichkeit haben, ihre Stimmen für bestimmte Vorhaben gegen Zustimmung zu Gesetzen einzutauschen, die sie selbst verabschieden wollen, beispielsweise im Zusammenhang mit der Unterstützung der Ukraine. Aber auch das ist kein einfacher Prozess, denn wie wir jetzt sehen, wollen viele Demokraten nicht für das Graham-Gesetz stimmen, um dem Präsidenten keine zusätzlichen Befugnisse zu geben. Jedes Mal, selbst wenn es um proukrainische Gesetze geht, werden wir vor dieser Wahl, vor diesem schwierigen Moment stehen. Auch das muss man sich bewusst machen, wenn wir über den weiteren Verlauf der Ereignisse im Zusammenhang mit diesen Wahlen sprechen.
Wenn Trump sowohl den Senat als auch das Repräsentantenhaus verliert, wird es für ihn noch schwieriger, denn seine Präsidentschaft wird blockiert sein. Sämtliche Ernennungen werden blockiert, sämtliche Entscheidungen des Präsidenten werden blockiert. Donald Trump wird für die nächsten zwei Jahre zu einer vollwertigen lahmen Ente, was ihm in seinen Beziehungen zum Präsidenten der Russischen Föderation und zum Staatschef der Volksrepublik China natürlich keine zusätzliche Autorität verleihen wird. Auch das muss man verstehen. Und natürlich wird es seine Möglichkeiten, Einfluss auf die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu nehmen, erheblich verringern – falls es diese Möglichkeiten überhaupt jemals gab.
Aber auch das wird nicht zu seinem Rücktritt vom Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten führen, es sei denn, es werden Informationen gefunden, die für die Republikanische Partei und ihr eigenes Schicksal katastrophal wären, wie es beispielsweise bei Watergate der Fall war. Und selbst wenn Donald Trump die Kontrolle über den Senat verliert, werden seine Gegner dort nicht genügend Stimmen für ein Impeachment haben, denn dafür sind zwei Drittel der Stimmen im Senat erforderlich.
Somit geraten die Vereinigten Staaten nach dem 3. November in eine Situation einer harten politischen Krise mit für die Welt unvorhersehbaren Folgen. Das ist es, was ich von diesen Zwischenwahlen erwarte.
Olena Trybushna: Das klingt beängstigend.
Portnikov: Nein, es klingt einfach nach einem realistischen politischen Prozess. Warum beängstigend? Das ist Politik. Politik kann nicht beängstigend sein. Sie kann nur sehr, sehr interessant sein.
Olena Trybushna: Einer der Gründe, warum Trump derzeit bei den Wählern so stark an Zustimmung verloren hat und den Kongress verlieren könnte, sind die Kraftstoffpreise. Wir wissen, dass die Kraftstoffpreise, soweit ich verstehe, ungefähr auf das Doppelte gestiegen sind, seit Trump den Krieg gegen den Iran begonnen hat. Und genau das ist der Grund, warum die Kraftstoffpreise gestiegen sind. Aber nach dem, was jetzt in Amerika zu hören ist, verstehe ich es so, dass man uns die Verantwortung für den Preisanstieg zuschieben und uns zu den Schuldigen machen will. Wenn sie sagen, die Ukraine bombardiere russische Ölraffinerien und deshalb sei Diesel in Amerika teuer. So sieht es aus. Kann man den Amerikanern eine solche Geschichte tatsächlich verkaufen? Denn für uns sieht das ein wenig wie Unsinn aus. Aber wie sieht es in Amerika aus?
Portnikov: Für Donald Trumps Kernwählerschaft klingt das ziemlich überzeugend. Zumal das nicht nur Trump sagt, sondern auch sein Finanzminister Bessent und sein Energieminister Wright. Diese Leute werden von der, ich würde sagen, Kernwählerschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten als ziemlich kompetente Leute wahrgenommen. Das sind nicht einfach nur Worte Donald Trumps.
Dann gibt es Zahlen, die man ebenfalls berechnen kann. Tatsächlich ist die Menge an Dieselkraftstoff, die aus Russland auf den Weltmarkt gelangte, nur halb so groß wie die Menge an Dieselkraftstoff, die infolge der Blockade der Straße von Hormus nicht mehr aus den Staaten am Persischen Golf geliefert wird. Aber es ist trotzdem eine beträchtliche Menge. So oder so beeinflussen die Diesellieferungen der Russischen Föderation natürlich die Weltmarktpreise, nur in einem viel geringeren Ausmaß als die Diesellieferungen der Staaten am Persischen Golf.
Nun, stimmen Sie mir zu, dass auch das reale Veränderungen sind: Vor unseren Angriffen auf die Ölraffinerien des Landes war Russland ein Staat, der Dieselkraftstoff verkaufte und ihn mit einem riesigen Überschuss produzierte, während Russland heute Dieselkraftstoff kauft. Wenn wir vollkommen objektiv sind: Beeinflusst es die Preise oder nicht, wenn ein Land, das Lieferant war, zum Käufer wird? Aber nicht wesentlich. Nicht so wesentlich, dass es die Zahlen an den Tankstellen in diesem Maße beeinflussen würde.
Dabei muss ich sofort sagen, dass die Zahlen an den Tankstellen, die wir derzeit in den Vereinigten Staaten von Amerika sehen, möglicherweise erst der Anfang sind. Das Problem ist, dass man an einigen Tankstellen derzeit die Anzeigetafeln überprüft und herausfinden will, was man tun soll. Denn es gibt technische Grenzen. Nicht überall gibt es solche elektronischen Anzeigen, auf denen sich zweistellige Zahlen darstellen lassen, falls eine Gallone Diesel oder Kraftstoff mehr als zehn Dollar kostet. Und wie viel kostet sie jetzt schon, sagen wir – ungefähr sieben, ja? Sieben bis acht derzeit. Das ist ein ernstes Problem für Donald Trump, denn die Amerikaner stimmen zweifellos nicht über die Ergebnisse des russisch-ukrainischen Krieges ab, nicht über seine Friedfertigkeit, nicht über seine Fähigkeit, 20, 30 oder 50 Kriege zu beenden. Die Amerikaner stimmen über Preise ab. Und nicht nur über Kraftstoffpreise. Das sind die Preise, die man jetzt in jedem Geschäft sehen kann.
Ich glaube überhaupt nicht, dass die Ukrainer begreifen, wie teuer die Welt infolge des Krieges mit dem Iran geworden ist – nicht nur in den Vereinigten Staaten. Wenn sich die Situation so weiterentwickelt, sage ich Ihnen ehrlich, wird ein Mensch mit, sagen wir, bescheidenem, aber anständigem Einkommen, ein Angehöriger der Mittelschicht – von armen Menschen spreche ich gar nicht erst – in dieser Welt einfach nichts mehr zu suchen haben. Es ist unklar, wie man genug Geld verdienen soll, um in der Welt zu leben, die Donald Trump uns infolge seines nicht durchdachten Konzepts für den Krieg gegen den Iran beschert hat.
Und es gibt noch ein großes Problem. Ich habe den Eindruck, dass wir uns einer Schließung der Meerenge Bab al-Mandab durch die Huthis nähern. Und das soll eines der wichtigsten Geschenke der Revolutionsgarden an den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu den Zwischenwahlen werden. Sie wollen das offenbar so machen – ich weiß nicht, ob es ihnen gelingen wird –, dass es unmittelbar vor den Wahlen in den Vereinigten Staaten einen solchen wirtschaftlichen Schock gibt, der die politischen Chancen nicht nur Donald Trumps, sondern auch der Republikaner für viele Jahre begräbt. Das ist ihr Plan. Sie nähern sich ihm schrittweise. Ich sage noch einmal: Ich hoffe, dass es ihnen nicht in diesem Ausmaß gelingt, aber es ist klar, was sie anstreben. Das ist also der eine Punkt.
Der andere Punkt ist, dass Trump tatsächlich nach Schuldigen sucht. Er möchte nur sehr ungern eingestehen, dass er selbst an dieser ganzen Geschichte schuld ist. Und natürlich sagt er, es sei die Ukraine. Aber dann stellt sich eine ziemlich einfache Frage. Wir kennen den Weg, der die ukrainischen Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation und ihren Energiesektor beenden könnte. Das wäre, wenn schon nicht das Ende des russisch-ukrainischen Krieges, so zumindest eine Waffenruhe im Energiebereich.
Und hier stellt sich eine gute Frage: Warum kümmert sich Donald Trump so sehr um das Schicksal des Ölraffineriesektors der Russischen Föderation, Putin aber nicht? Warum will Putin keine Waffenruhe, wenn diese Angriffe seine Aussichten und seine Möglichkeiten derart beeinflussen? Dann beeinflussen sie sie vermutlich nicht so sehr, wie es scheint. Dann erscheinen diese Verluste im Ölraffineriesektor der Russischen Föderation Präsident Putin und der Führung der Russischen Föderation vermutlich nicht so gravierend. Andernfalls hätten sie Trumps Worte sofort aufgegriffen und gesagt: „Ja, stoppen wir das. Die Ukraine muss ihre Angriffe einstellen. Wir stimmen einer Waffenruhe im Energiebereich zu.“
Aber so oft Trump auch sagt, Russland und die Ukraine hätten vereinbart, einander nicht anzugreifen, im Kreml wurden keinerlei derartige Entscheidungen getroffen. Und wir sehen, dass Putin sich freudig auf Angriffe im Winter vorbereitet. Wo liegt dann das Problem für Russland, und warum glauben wir, dass die Probleme mit Dieselkraftstoff für Putin bei seinen Entscheidungen tatsächlich ausschlaggebend sind? Das ist doch eine gute Frage.
Olena Trybushna: Sprechen wir darüber. Diese Erklärung Trumps, die Ukraine und Russland hätten sich auf eine Waffenruhe im Energiebereich geeinigt, obwohl es eine solche Vereinbarung gar nicht gibt – ist auch das ein Element zur Eindämmung der Preise? Trump zeigt seinen Wählern also, dass er sich bemüht und Russland jetzt in die Schranken weisen wird und die Preise wieder zurückgehen werden. Muss man es so verstehen, oder ist das überhaupt irgendein Fehlstart?
Portnikov: Nein, es ist tatsächlich einfach der Versuch, Bemühungen zu demonstrieren. Trump versucht die ganze Zeit, seine Wähler in einer nicht existierenden Realität zu halten, die überhaupt nichts mit den Fakten zu tun hat. Das betrifft ja nicht nur Russlands Krieg gegen die Ukraine. Er sagt, dass die Vereinigten Staaten die Straße von Hormus jetzt tatsächlich kontrollieren. Sie kontrollieren sie nicht. Dort finden bestimmte Manöver statt, die es einer gewissen Zahl von Schiffen ermöglichen, diese Engstelle zu passieren. Aber in jedem Fall sind das bei Weitem nicht die Mengen, die die Situation auf dem Ölmarkt stabilisieren könnten.
Und ich erinnere immer wieder daran, dass die Tatsache, dass die Preise noch nicht so stark gestiegen sind, wie in den ersten Monaten des Krieges mit dem Iran vorhergesagt wurde, damit zusammenhängt, dass viele Länder ihre strategischen Ölreserven nutzen. Wir wissen nicht, was mit der Welt geschehen wird – Spoiler: nichts Gutes –, wenn diese strategischen Reserven erschöpft sind, in einer Situation, in der selbst ein Ölland wie die Russische Föderation infolge seines eigenen Handelns, seines eigenen Krieges, ebenfalls nicht genügend Öl auf den Markt bringen kann und darüber hinaus seine Bohrlöcher stilllegt. Das ist ein ernstes Problem für alle. Und Trump verbirgt dieses Problem vor seinen Wählern, denn er sagt die ganze Zeit: „Hören Sie, die Ölpreise werden nach den Wahlen fallen.“ Also: „Sie stimmen für uns, und die Preise fallen.“ Dabei könnten die Preise nach den Zwischenwahlen nur weiter steigen. Warum sollten sie fallen? Denn jede Woche bringt uns der Erschöpfung der strategischen Ölreserven der Welt näher. Und Sie wissen, dass Trump versucht hat, die Ölkonzerne dazu zu zwingen, die Preise zu senken, wie zu sozialistischen Zeiten. Er hat versucht, die Preise zu kontrollieren. Bislang ist ihm das nicht gelungen.
All diese Worte darüber, dass Russland und die Ukraine sich auf eine Waffenruhe im Energiebereich geeinigt hätten, sind Teil der Erschaffung einer nicht existierenden Realität in den Köpfen derjenigen, die wählen sollen. Glauben Sie mir, ihn interessiert derzeit nicht der Frieden in der Ukraine. Ihn interessiert derzeit nicht, was mit dem Iran geschieht. Ihn interessieren ausschließlich Dinge, die mit seiner eigenen politischen Karriere und der Zukunft seiner Familie zusammenhängen. Und deshalb verstehen sie selbst nicht so recht, warum sie nichts erreichen können.
Dabei ist nicht einmal Donald Trump am interessantesten, sondern Jared Kushner, der erklärte, dass es ihm nicht gelinge, im Gazastreifen bei der Entwaffnung der Hamas ein wirkliches Ergebnis zu erzielen, weil es in Israel, wie er sagte, sehr merkwürdige Wahlen gebe. Was heißt denn merkwürdige Wahlen? In Israel gibt es ganz normale Wahlen, ich würde sogar sagen, nicht einmal vorgezogene. Und es wäre merkwürdig, wenn die israelische Regierung vor oder nach den Wahlen irgendwelchen Entscheidungen zustimmen würde, die nicht der israelischen Vorstellung von Sicherheit entsprechen.
Und in Russland gibt es, wie sich herausstellt, ebenfalls Wahlen, die Putin angeblich daran hindern, vollwertige Verhandlungen zu führen. Wenn die Amerikaner den Europäern sagen: „Bereitet euch darauf vor, die Russen werden nach den Wahlen zu Verhandlungen in der Lage sein.“ Nach welchen Wahlen denn? Was soll bei diesen Wahlen geschehen? Wird „Einiges Russland“ seine Mehrheit in der Staatsduma verlieren? Ich möchte es einfach wissen.
Aber sie erfinden wiederum irgendwelche Dinge – über die israelischen Wahlen, über die russischen Wahlen und über unsere Position. Auch wir bereiten uns angeblich auf Wahlen vor und können deshalb irgendwelche Positionen nicht aufgeben. All das erklärt ihnen, warum sie sich in diese nicht existierende Realität begeben müssen.
Olena Trybushna: Diese Erklärung Kushners, die er bei der Yalta European Strategy abgegeben hat, wo er wieder von Territorien sprach und sagte, die Vereinigten Staaten hätten angeblich bereits den größten Teil des Entwurfs dieses künftigen Friedensvertrags ausgearbeitet und abgestimmt, die Verhandlungen seien jedoch wegen der Weigerung der Ukraine, Territorien abzutreten, zum Stillstand gekommen. Ich betone: Das wurde unter anderem vor einem ukrainischen Publikum gesagt. Erklären die Amerikaner so, warum es ihnen nicht gelingt, den Krieg zu beenden? Und diese Erklärung lautet im Grunde, dass wir selbst schuld sind. Muss man das so verstehen?
Portnikov: Natürlich. Steve Witkoff und Jared Kushner haben bei ihren Reisen nach Moskau und Kyiv ein vollkommen offensichtliches Fiasko erlitten. Warum kann man die Dinge nicht beim Namen nennen? Sie haben überhaupt nichts vereinbart, vor allem nicht in Russland, denn ich möchte noch einmal daran erinnern, dass wir die ganze Zeit sagen, dass wir zu einer Waffenruhe entlang der Kontaktlinie der Truppen bereit sind. Diese unsere Position entspricht der Position, die der Präsident der Vereinigten Staaten nach seiner Wahl und zu Beginn seiner ersten Gespräche mit dem Präsidenten der Russischen Föderation vertreten hat. Was ist an dieser Position unlogisch, wenn beide Armeen nicht wesentlich in die Stellungen der jeweils anderen vordringen können? Wenn heute selbst ein Vorrücken um einige Dutzend Quadratkilometer, selbst um zehn, als riesiger Erfolg gilt, dann versteht jeder Mensch, der irgendwie über die Entwicklung der Kampfhandlungen nachdenkt, dass weder die eine Armee die von der anderen besetzten Gebiete vollständig befreien kann noch die andere Armee neue Gebiete einnehmen kann, auf denen sich die gegnerische Armee befindet. Das heißt, die Russen haben physisch nicht die Möglichkeit, das Gebiet Donezk einzunehmen. Wir haben physisch nicht die Möglichkeit, es zurückzuerobern. Das ist eine solche objektive Realität. Ich meine, dies in großem Maßstab zu tun. Es ist klar, dass in dieser Situation einer neuen, ich würde sagen, Technologie der Kriegsführung – sofern es keinen technologischen Durchbruch gibt, den ich nicht ausschließe – eine Waffenruhe entlang der Kontaktlinie der Truppen zum heutigen Zeitpunkt vollkommen logisch ist.
Putin will diese Waffenruhe entlang der Kontaktlinie der Truppen nicht. Mehr noch: Die Russen haben niemals gesagt – auch daran möchte ich erinnern –, dass der Abzug ukrainischer Truppen aus dem Gebiet Donezk zu Frieden oder auch nur zu einer Waffenruhe führen würde. Sie sagen, dass dies eine Voraussetzung für Verhandlungen wäre, dass es, wie der Berater des Präsidenten der Russischen Föderation Juri Uschakow sagte, ermöglichen würde, bei den anderen Artikeln des Friedensabkommens besser voranzukommen.
Aber was heißt „besser“, und wie lange? Stellen Sie sich vor, wir ziehen uns aus dem Gebiet Donezk zurück, bleiben dann bei den nächsten russischen Forderungen stecken, die nur noch größer werden können, während die Kampfhandlungen weitergehen – nur bereits entlang neuer territorialer Linien. Und dann ist ein weiterer Teil des ukrainischen Territoriums bereits von den Russen besetzt. Oder noch nicht besetzt, aber sie verlangen, dass wir uns aus diesem Gebiet zurückziehen, weil sie jetzt eine Pufferzone für das Gebiet Donezk wollen. Erinnern Sie sich, dass sie ständig von Pufferzonen sprechen? Und das, worüber wir jetzt im Zusammenhang mit dem Gebiet Sumy oder Charkiw sprechen, wo der russische Vormarsch bei Lyman ins Stocken geraten ist, dient alles der Schaffung von Pufferzonen. Vergessen Sie nicht, dass es noch diesen Teil des russischen Krieges gegen die Ukraine gibt, der unabhängig vom Gebiet Donezk fortgesetzt werden kann. Und dann?
Das heißt, wenn es keine Waffenruhe gibt, sind all diese Verhandlungen ausschließlich eine Farce, an der wir teilnehmen müssen, um uns nicht mit den Vereinigten Staaten zu überwerfen. Es gibt keinerlei realistische Hoffnung darauf, dass Verhandlungen mit Russland uns in absehbarer Zukunft Frieden bringen werden. Um den ehemaligen israelischen Präsidenten Shimon Peres zu zitieren: „Die gute Nachricht ist, dass am Ende des Tunnels Licht ist. Die schlechte Nachricht ist, dass es den Tunnel selbst nicht gibt.“
Das ist alles, was man über den russisch-ukrainischen Verhandlungsprozess in den 20er-Jahren wissen muss. Ich könnte noch die 30er-Jahre hinzufügen, die bereits näher rücken, aber in der Regel mögen es die Menschen nicht besonders, wenn ich die 30er-Jahre erwähne. Deshalb bleibe ich bei den 20er-Jahren, denn sie gehen bereits vor unseren Augen zu Ende. In welchem Jahr sind wir? 2026, wir gehen schon auf 2027 zu. Als ich früher sagte, Putin spiele auf Zeit bis zum Ende von Donald Trumps Amtszeit als Präsident, galt das als politische Fantasterei. Zwei Jahre sind bereits vergangen. Da haben Sie die Antwort.
Olena Trybushna: Trotzdem sind inzwischen sowohl die Ukraine als auch Russland in diese Verhandlungen über eine Waffenruhe im Energiebereich, nennen wir es so, hineingezogen worden. Heute kommentiert das Außenministerium: „Sollen die Russen Listen mit Objekten vorlegen.“ Zelensky sagt in einem Interview, das er in Kanada gegeben hat, wenn Putin keine vollständige Waffenruhe wolle, dann sollten wir zumindest eine Waffenruhe bei Getreide und Energie vereinbaren. Und die Russen nennen bereits irgendwelche Bedingungen, die sie wollen. Zumindest hat Peskow gesagt, allein der Verzicht auf Angriffe auf Ölraffinerien werde das Problem mit dem Kraftstoff nicht lösen. Sie wollen, dass die Sanktionen gegen Öl aufgehoben werden und dass wir aufhören, Tanker anzugreifen. Wenn man das ernst nimmt: Finden da irgendwelche Vereinbarungen statt, die für uns nicht offensichtlich sind und die wir nicht sehen?
Portnikov: Und wer soll die Sanktionen aufheben, wir oder die Vereinigten Staaten?
Olena Trybushna: Die Vereinigten Staaten, so wie ich es verstehe.
Portnikov: Das heißt, sie versuchen, eine Waffenruhe im Energiebereich – also dass sie bestimmte Objekte in der Ukraine nicht angreifen – gegen die Aufhebung der Sanktionen gegen die Russische Föderation einzutauschen, wenn man ganz genau sein will? Richtig?
Olena Trybushna: Ja, so wie ich es verstehe, ja.
Portnikov: Das heißt, wie Sie sehen, suchen sie nach Möglichkeiten, sich nicht zu einigen, weil sie plötzlich erkannt haben, dass die Ukraine einer Liste von Objekten zustimmen könnte, die sie nicht angreifen darf. Und wenn die Ukraine dieser Liste von Objekten zustimmt, die sie dort vorlegen, und sagt: „Wir werden eure Ölraffinerien, eure Ölhäfen, eure Bohrlöcher nicht mehr anrühren, denn unsere Drohnen fliegen übrigens bereits bis nach Urengoi. Wir verlangen lediglich, dass ihr unsere Kraftwerke, unsere Energieinfrastruktur nicht angreift.“ Richtig? Dann müsste man sich einigen. Also suchen sie jetzt nach Bedingungen, denen die Vereinigten Staaten selbst nicht zustimmen werden. Wenn die Vereinigten Staaten plötzlich zustimmen, werden sie Bedingungen suchen, denen die Europäische Union nicht zustimmen wird, weil sie keine Waffenruhe brauchen, sondern demonstrieren wollen, dass sie konstruktiv sind und die anderen unkonstruktiv. Hier ist also alles vollkommen klar.
Sie verstehen, es gibt hier noch eine andere Geschichte. Wir wissen nicht, welche wirklichen innenpolitischen Prozesse in der Russischen Föderation im Zusammenhang mit unseren Angriffen ablaufen. Denn wir leben in einer Welt, in der wir zuschlagen und es ihnen schlecht geht. Aber wem genau geht es schlecht? Sagen Sie es mir bitte.
Olena Trybushna: Den gewöhnlichen Russen, die in Videos herumschreien, ganz sicher.
Portnikov: Die gewöhnlichen Russen interessieren in der russischen Staatsführung überhaupt niemanden, solange die soziale Stabilität nicht tatsächlich zusammenbricht. Nehmen wir Igor Setschin, Putins rechte Hand, den Mann, der Rosneft auf den Trümmern des von Putin faktisch zerstörten Yukos aufgebaut hat. Was ist Rosneft? Das ist ein Staatskonzern, der sich das Eigentum eines Privatunternehmens angeeignet hat. Das ist einfach Yukos, das vom Staat übernommen wurde.
Olena Trybushna: Chodorkowski wurde ins Gefängnis gesteckt.
Portnikov: Chodorkowski wurde ins Gefängnis gesteckt. Ganz genau. Und nicht nur Chodorkowski. Jetzt gibt es die Möglichkeit, sich Lukoil unter den Nagel zu reißen, ohne Alekperow ins Gefängnis stecken zu müssen. Sie wissen, dass Putin bereits einen Erlass unterzeichnet hat, der es erlaubt, das Eigentum von Unternehmen unter staatliche Verwaltung zu stellen, die sich nicht vor Angriffen schützen können. Im Prinzip kann man Rosneft also erweitern. Als wir gerade erst begannen, die Ölraffinerien der Russischen Föderation anzugreifen, äußerten einige russische Experten die Vermutung, dass Igor Setschin und andere Vertreter von Putins engstem Umfeld aus der Ölbranche die Reparatur der Ölraffinerien der Russischen Föderation bremsen würden, um mehr Öl verkaufen zu können. Denn grundsätzlich ist es für sie vorteilhaft, mehr Öl an andere Länder wie China und Indien zu verkaufen und anschließend den Kraftstoff zu verkaufen, den sie als Gegenleistung für den Ölverkauf erhalten können, um diesen Kraftstoff zu höheren Preisen auf dem russischen Markt zu verkaufen.
Objektiv betrachtet gibt es also derzeit in der politischen Führung Russlands eine mächtige Gruppe von Lobbyisten, die sowohl an ukrainischen Angriffen auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation als auch daran interessiert ist, die Reparatur dieser Raffinerien nach unseren Angriffen zu verzögern. Und diese Gruppe könnte erheblich einflussreicher sein als die Eigentümer der Raffinerien. Das ist ein Paradox. Aber wenn ein Land von einer Mafia regiert wird, kommt so etwas häufig vor.
Somit ist die überwältigende Mehrheit der Menschen, die Einfluss auf den Präsidenten der Russischen Föderation haben, nicht an einer Waffenruhe im Energiebereich interessiert, weil sie glauben, dass die Ukraine mit ihren Angriffen zu ihrer persönlichen Bereicherung beiträgt. Und was mit Russland geschieht, interessiert diese Menschen überhaupt nicht, denn sie haben immer nach dem Prinzip gelebt: Nach uns die Sintflut. Und wir helfen mit unseren Angriffen hervorragend bei dieser Sintflut. Deshalb sitzt Igor Setschin jedes Mal, wenn die nächste Ölraffinerie in der Russischen Föderation brennt, einfach in seinem Büro und rechnet aus, wie viele neue Millionen Dollar – nun gut, Yuan und Rupien – er damit verdienen wird und wie sein Einfluss dadurch wächst.
Denn vergessen Sie noch eine wichtige Sache nicht. All dieses Geld, das sie verdienen, ist auch ihr Beitrag zum Machtübergang. Jeder von ihnen versteht, dass Putin nicht ewig lebt. Früher oder später werden entweder sie selbst oder ihre Kinder am Machtübergang teilnehmen müssen, und sei es erst nach dem physischen Tod des Präsidenten der Russischen Föderation. Und das Vermögen und der Besitz, über die sie dann verfügen, werden es ihnen ermöglichen, die Hauptaktionäre eines solchen Machtübergangs zu sein.
Das bedeutet nicht, dass es keine Waffenruhe im Energiebereich geben wird. Es bedeutet, dass wir bestimmte Dinge kennen müssen, die wir schlicht aus den Augen verlieren. Denn wenn wir sehen, wie die nächste Ölraffinerie in der Russischen Föderation brennt, glauben wir, dass sich in diesem Moment alle in der russischen Führung in Panik befinden. Nein, so ist es nicht. Eine Umverteilung von Eigentum – das ist es, was die ukrainischen Angriffe für diese russische Pseudoelite tatsächlich ermöglichen.
Olena Trybushna: Mir scheint, ein weiteres Argument dafür, dass es bis zum Winter wahrscheinlich keine Waffenruhe im Energiebereich geben wird, ist, dass die Russen meiner Meinung nach große Hoffnungen in diesen Winter setzen, als einen weiteren Faktor, der ihnen helfen soll, uns doch noch in die Knie zu zwingen. Und dafür müssen sie uns ohne Strom und ohne Wärme lassen.
Portnikov: Wiederum ist unklar, was „in die Knie zwingen“ bedeutet. Sie verstehen doch, das alles sieht ebenfalls nach einer Art Sisyphusarbeit aus. Wenn wir von der Einverleibung der Ukraine sprechen: Sie haben doch die jüngsten Umfragen gesehen. Es stellt sich heraus, dass die Angriffe den Willen der Menschen zum Widerstand nur verstärken. Wir verbringen einfach zu viel Zeit in sozialen Netzwerken, wo es erstens eine Flut russischer Bots gibt, die gelernt haben, auf Ukrainisch zu schreiben. Endlich vollbringt die künstliche Intelligenz dort überhaupt Wunder, wie Sie verstehen. Und deshalb nimmt überall die riesige Zahl leerer, halb leerer und nicht leerer Seiten zu, von denen aus auf Ukrainisch zur Kapitulation aufgerufen wird. Ich habe bereits aufgehört, diesen Feed zu lesen. Andererseits gibt es auch nützliche Idioten, die ebenfalls sehr aktiv sind und ebenfalls zum Frieden aufrufen. Und warum sollten wir uns grundsätzlich darüber wundern, dass es solche Menschen in der Realität gibt? Als diese Menschen 2019 für Zelensky stimmten, glaubten sie ebenfalls, man könne sich mit Russland einigen. Ein Teil dieser Menschen hat also, ich würde sagen, die Realität auch nach Beginn des großen Krieges nicht verstanden. Aber das ist nicht die Mehrheit der Bevölkerung. Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung will keine ernsthaften Kompromisse mit Moskau. Nach den jüngsten Zahlen sind das etwa 70 Prozent der Menschen, verstehen Sie?
Wird der Krieg im Winter, wenn er tatsächlich zu irgendwelchen schwerwiegenden Folgen führt, diese Zahl verändern? Vielleicht, aber nicht wesentlich. Die Menschen werden eher ausreisen, als zu erklären, dass sie zur Kapitulation bereit sind. Und selbst wenn sie ausreisen, werden sie weiterhin gegen einen solchen Umgang mit der Sache sein.
Olena Trybushna: Nun, vielleicht rechnen sie damit, hier irgendeine humanitäre Katastrophe zu schaffen, und auch das wäre für sie ein Ergebnis.
Portnikov: Natürlich können sie eine humanitäre Katastrophe, eine demografische Krise, eine Migrationskrise in Europa schaffen wollen. Aber das wird ihre Möglichkeiten nicht vergrößern, jenem Ziel näherzukommen, das sie verfolgen: der Einverleibung der Ukraine. Auch das wird nicht zu diesem Ergebnis führen. Um irgendein Land einzuverleiben, reichen weder eine humanitäre Krise noch Propaganda noch Raketen- und Drohnenangriffe aus. Deine Armee muss sich tatsächlich auf dem Territorium befinden, das du besetzen willst, und dieses Territorium kontrollieren. Oder, wenn man die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs nimmt, die Bevölkerung müsste zur Kapitulation bereit sein, und du müsstest dieser Bevölkerung Sicherheitsgarantien und Garantien ihrer Souveränität geben können, verstehen Sie?
Wir sprechen häufig darüber, dass Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg kapitulierte, als sich kein einziger ausländischer Soldat auf seinem Territorium befand. Aber entschuldigen Sie, niemand stellte die Souveränität Deutschlands infrage. Deutschland musste Reparationen zahlen. Das stimmt. Das war ein absolut ernstes Problem für seine Wirtschaft. Deutschland musste sich von bestimmten Gebieten verabschieden, aber die deutsche Staatlichkeit selbst bestand fort. Niemand stellte sie infrage. Und wie Sie sehen, brachte diese Staatlichkeit 15 Jahre später die Nationalsozialisten hervor, die sagten, dass dies ein ungerechtes Abkommen sei.
Uns dagegen wird nicht angeboten, unsere Staatlichkeit zu bewahren. Uns wird bereits faktisch angeboten zu verschwinden. Uns wird bereits faktisch angeboten, ohne jegliche Möglichkeiten zur Verteidigung zu bleiben. Uns wird bereits angeboten, auf jegliche Verteidigungsbündnisse zu verzichten. Deshalb würde ich sagen, dass die russischen Bedingungen für die Beendigung des Krieges nicht einfach Kapitulationsbedingungen sind, sondern Bedingungen für die Demontage des Nachbarstaates. Und so etwas funktioniert nicht, wenn sich deine Armee nicht auf dem gesamten Territorium dieses Staates befindet und den Widerstand seiner Einwohner nicht kontrolliert.
Olena Trybushna: Die letzte Frage, die ich Ihnen stellen wollte, betrifft ebenfalls die Vereinigten Staaten. Nächste Woche soll der chinesische Staatschef Xi Jinping dorthin kommen. Er wird sich mit Trump treffen, und theoretisch heißt es, dass Trump und Xi unter anderem über die Ukraine sprechen könnten. Manche sagen, der Kreml habe davor sogar Angst. Kann es jetzt darum gehen, dass Akteure wie China und Indien sich in diese diplomatische Linie einschalten und die Situation irgendwie beeinflussen, oder gibt es dafür keine Voraussetzungen?
Portnikov: Ich glaube, dass unsere Angriffe auf den Ölraffineriesektor der Russischen Föderation weder China noch Indien gefallen, weil man in China zu verstehen begonnen hat, dass der russisch-ukrainische Krieg mit einer Waffenruhe auf Trümmern enden könnte. Aber eine Waffenruhe auf den Trümmern der Ukraine kümmert sie nicht besonders. Eine Waffenruhe auf den Trümmern der russischen Wirtschaft dagegen kümmert sie sehr wohl.
China braucht Russland als ein Land, das billiges Öl liefert, als ein Land, das Erdölprodukte herstellt. Und dass Russland einerseits seine Probleme in der Ukraine nicht lösen kann und sich andererseits faktisch selbst zugrunde richtet, weil es unsere Angriffe durchlässt, kann den Chinesen natürlich nicht gefallen.
Unter diesem Gesichtspunkt könnten sie heute erheblich stärker an einer Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges interessiert sein als vor unseren Angriffen. Beachten Sie übrigens: Wenn wir diese Angriffe einstellen, verschwindet das chinesische Interesse sofort wieder. Aber hier stellt sich die Frage, was China tatsächlich tun kann, außer dass Xi Jinping Putin rät, einen Verhandlungsprozess zu beginnen.
Putin kann das nicht ignorieren. Ich versichere Ihnen, dass Putins Eintreten für Verhandlungen in Bischkek und seine Einladung an Witkoff und Kushner nach Moskau eine direkte Folge seines Gesprächs mit dem Staatschef der Volksrepublik China war. Eine direkte Folge. Zugleich glaube ich aber, dass Xi Jinping sich ein Ende des Krieges nicht so vorstellt, dass es für Putin zu einem politischen Zusammenbruch wird oder zeigt, dass Russland diesen Krieg verloren hat. Wenn sie also mit Trump sprechen, können sie darüber sprechen. Sie haben derzeit tatsächlich ein gemeinsames Interesse. Aber für Xi Jinping ist wichtig, dass Russland aus diesem Krieg als ein Land hervorgeht, das sich dem Westen nicht unterworfen hat. Auch das muss man verstehen.
Narendra Modi könnte andere Motive haben, aber er hat auf all das nicht so viel Einfluss wie der chinesische Staatschef. Erstens kauft er nicht so viel Öl und kann diese Käufe auch einstellen. Zweitens berücksichtigt Putin seine Position nicht in demselben Maße. Und drittens berücksichtigt Trump seine Position zum russisch-ukrainischen Krieg nicht in demselben Maße.
Deshalb muss man gerade über dieses Treffen nachdenken. Sie haben hier vollkommen recht. Über das Treffen des Präsidenten der Vereinigten Staaten und des Staatschefs der Volksrepublik China.
Olena Trybushna: Das bedeutet, dass man uns etwas aufzwingen könnte, das uns nicht gefallen wird.
Portnikov: Oder sie selbst einigen sich nicht auf die Bedingungen für die Beendigung des Krieges. Auch das ist möglich.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Interview Titel des Originals:Трамп звинувачує Україну | Віталій
Портников @єПитання. 19.09.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:19.09.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle: YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Im Terminkalender für den Aufenthalt des amerikanischen Präsidenten Donald Trump bei der Sitzung der UN-Generalversammlung ist kein mögliches Treffen mit dem Präsidenten der Ukraine Volodymyr Zelensky vorgesehen, der ebenfalls an dieser wichtigen Veranstaltung teilnehmen wird.
Bislang war davon die Rede gewesen, dass Trump und Zelensky sich am Rande der Sitzung der Generalversammlung treffen könnten. Doch nun ist ein solches Treffen nicht vorgesehen. Dabei enthält Donald Trumps Arbeitskalender zahlreiche Treffen mit anderen Staatschefs, die Gäste der Generalversammlung sein werden.
Natürlich könnten jetzt erneut Anstrengungen unternommen werden, um ein solches Treffen zu organisieren, wie es beispielsweise in Frankreich der Fall war, wo Donald Trump und Volodymyr Zelensky sich zur selben Zeit aufhielten, sich am Rande eines weiteren internationalen Gipfels jedoch nur dank der Bemühungen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron trafen. Doch allein die Tatsache, dass man es im Weißen Haus mit einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten nicht eilig hat, zeigt, dass es im amerikanisch-ukrainischen Dialog und bei den Fragen im Zusammenhang mit der Beendigung des Krieges schlicht keine konkreten Fortschritte gibt – zumindest nicht aus Sicht Donald Trumps.
Ich möchte daran erinnern, dass der amerikanische Präsident, nachdem seine Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner die russische und die ukrainische Hauptstadt besucht und sich mit Putin und Zelensky getroffen hatten, nur seinen russischen Amtskollegen anrief, obwohl ursprünglich davon ausgegangen worden war, dass er sowohl mit dem russischen als auch mit dem ukrainischen Präsidenten Gespräche führen würde. Doch auch das Gespräch mit dem Präsidenten der Ukraine fand nicht statt, während Trump sein Gespräch mit dem Präsidenten Russlands als gut bezeichnete, ohne allerdings irgendwelche konkreten Einzelheiten zu nennen, die dieses Gespräch betrafen.
Was hindert den amerikanischen Präsidenten also wenige Wochen vor den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten daran, sich mit dem Präsidenten der Ukraine zu treffen und seine Unterstützung für die Bemühungen um eine Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu unterstreichen? Gerade das Fehlen konkreter Fortschritte hindert ihn daran. Denn wenn Trump sich mit Zelensky trifft, muss er mit dem Präsidenten der Ukraine zumindest irgendwelche realen Schritte zur Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses zwischen Moskau und Kyiv erörtern. Und wenn ihm bewusst ist, dass es solche realen Schritte nicht gibt? Wenn sich herausgestellt hat, dass der Besuch von Witkoff und Kushner in Moskau mit dem vorhersehbaren Fiasko endete, warum sollte Trump darüber mit dem ukrainischen Präsidenten sprechen?
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Wahlkampfs der Republikaner vor diesen Zwischenwahlen sind die Vorwürfe gegen Kyiv, wonach gerade die ukrainischen Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation zu einem Anstieg der Dieselpreise an amerikanischen Tankstellen geführt hätten. Wenn Trump sich mit Zelensky trifft, müsste er diese Vorwürfe konkretisieren, und der ukrainische Präsident dürfte ihnen kaum zustimmen. Denn allen ist vollkommen klar, dass der Dieselpreis vor allem durch die iranische Blockade der Straße von Hormus und die Unfähigkeit des amerikanischen Präsidenten beeinflusst wurde, dieses Problem so zu lösen, dass sich die Lage grundlegend verändert.
Trump sucht, wie es nach der Logik des Wahlkampfs und seiner Mitstreiter auch zu erwarten wäre, die Schuldigen außerhalb des Bereichs seines eigenen Handelns. Und in einer solchen Situation könnte er sogar der Ansicht sein, dass das Ausbleiben von Kontakten mit dem ukrainischen Präsidenten eine Art Bestrafung dafür ist, dass die Ukraine weiterhin Angriffe auf den Raffineriesektor der Russischen Föderation durchführt und seine Warnungen nicht beachtet.
Dabei liegt auf der Hand, dass der amerikanische Präsident, wenn er tatsächlich wollte, dass diese Angriffe eingestellt werden, sich um eine Waffenruhe im Energiebereich zwischen Russland und der Ukraine bemühen müsste. Damit nicht nur die Ukraine die Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation nicht mehr zerstört, sondern auch Russland die ukrainische Energieinfrastruktur nicht mehr zerstört.
Hier sollte man sich jedoch zwei Fragen stellen. Erstens: Über welche realen Druckmittel gegenüber dem russischen Präsidenten verfügt der amerikanische Präsident heute überhaupt? Und das auch noch unter den Bedingungen eines Öldefizits auf dem Weltmarkt. Zweitens: Was wäre, wenn es den Vereinigten Staaten tatsächlich gelingen würde, eine Waffenruhe im Energiebereich zwischen Russland und der Ukraine zu erreichen, die Ukraine ihre Angriffe auf die Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation einstellen würde, mehr russischer Diesel verfügbar wäre und wieder auf den Markt käme, der Preis an den amerikanischen Tankstellen aber nicht sinken würde? Dann würde sich die Frage stellen: Wer ist eigentlich schuld daran, dass dieser Preis nicht sinkt?
Das ist die Frage, die den Präsidenten der Vereinigten Staaten in dieser Situation beunruhigen könnte. Nicht etwa eine Waffenruhe im Energiebereich zwischen Russland und der Ukraine, sondern die Tatsache, dass es in einer solchen Situation nicht gelingen könnte, einen Schuldigen für diesen Preisanstieg zu finden. Und genau deshalb wird für Trump grundsätzlich nicht eine Waffenruhe im Energiebereich zur Priorität, sondern die Suche nach Wegen, das Ausmaß der Niederlage der Republikaner bei den bevorstehenden Wahlen zum amerikanischen Kongress zu verringern.
Natürlich wäre es für Zelensky wichtig, sich am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung mit Präsident Trump zu treffen. Doch wenn man genauer hinsieht: Welche Ergebnisse könnte ein solches Treffen in der Wahlkampfphase überhaupt haben? Würden solche Kontakte zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine nicht einfach zu einem Austausch von Erklärungen auf jener Ebene führen, die den Präsidenten der Vereinigten Staaten gerade vor der vielleicht wichtigsten politischen Bewährungsprobe seiner gesamten politischen Karriere der vergangenen Jahre interessiert? Und inwieweit würde ein solches Treffen in diesem Fall tatsächlich sowohl zu einer Ausweitung der amerikanischen Unterstützung für die Ukraine als auch zur Suche nach Wegen zur Wiederaufnahme eines wirklichen Verhandlungsprozesses beitragen?
Was Trump vor den Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten tun konnte, hat er bereits getan, als er das Graham-Gesetz unterzeichnete, das ihm die Möglichkeit gibt, neue Sanktionen sowohl gegen die Russische Föderation als auch gegen die Unterstützer dieses Terrorstaates im Energiebereich zu verhängen. Und jetzt sollte man meiner Ansicht nach nicht auf diplomatische Kontakte mit dem amerikanischen Präsidenten drängen, sondern nach Wegen suchen, wie dieses Gesetz von einer bloßen Kulisse amerikanischer Absichten zu einer wirklichen wirtschaftlichen Waffe gegen die Russische Föderation und ihre Verbündeten werden kann. Und genau das wäre das Ergebnis, das man bei Kontakten mit Trump und anderen Vertretern seiner Regierung anstreben sollte – möglicherweise allerdings erst bei Kontakten nach dem 3. November.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Трамп не зустрічається із Зеленським |
Віталій Портников. 19.09.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:19.09.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Interview des Kommandeurs der Unbemannten Systeme Robert „Magyar“ Brovdi mit dem schwedischen öffentlich-rechtlichen Sender SVT vom 22.08.2026. Die Chronologie des Interviews wurde geändert. Die aktuellen Themen befinden sich im zweiten Teil, deshalb beginnen wir mit diesem.
Magyar:All das habe ich bisher unter einem positiven Vorzeichen dargestellt. Jetzt komme ich zur negativenSeite. Der Gegner schläft ebenfalls nicht, und der Gegner ist ernst zu nehmen. Was die Unterbindung seiner Finanzierungsquellen betrifft, sind wir noch sehr weit davon entfernt, sie auch nur hypothetisch vollständig unterbinden zu können. Putin hat den Ausbau seiner Militärmaschine keine Minute lang gestoppt.
Die Finanzierung der Entwicklung von Drohnen und neuen Militärtechnologien, die kontinuierliche Produktion von Luftverteidigungssystemen, die Ausweitung der Produktion verschiedener Raketentypen, die bevorstehende Mobilisierung – all das zeugt davon, dass er die militärischen Fähigkeiten des Staates kontinuierlich ausbaut. Und dabei geht es nicht um Atomwaffen, nicht einmal um taktische.
Es geht um die Beschaffung billiger Waffen, mit denen sich Wirkung erzielen lässt. Nehmen wir die der ganzen Welt bekannten Shaheds, die wir täglich mit einer gewissen Regelmäßigkeit abfangen. Stand August sind das im Durchschnitt 300 Stück pro Tag. Und es gibt weltweit keine einzige Armee, die darauf vorbereitet ist, im laufenden Betrieb eine solche Menge an Loitering Munition abzuwehren. Am Montag 300, am Dienstag 300, am Mittwoch 300, am Freitag 300. Dazwischen zwei Raketenangriffe mit jeweils 30 oder 50 Raketen aus verschiedenen Richtungen. Und dafür traditionelle Mittel zur Abwehr ballistischer Raketen und Shaheds einzusetzen, kann keine Volkswirtschaft der Welt stemmen. Es geht ausschließlich um neue, moderne und kostengünstige Technologien.
Und Putin versteht die WirksamkeitdieserWaffen. Ebenso versteht Putin, dass den NATO-Mitgliedstaaten eine klare und beständige Position fehlt. Deshalb erlaubt er sich die Rhetorik, dass die NATO-Staaten bereits in diesen Krieg hineingezogen seien und unmittelbar daran teilnähmen.
Was glauben Sie: Wird Putin seine Ambitionen jemals aufgeben, doch noch in das Territorium von NATO-Mitgliedstaaten einzudringen, um wieder jemanden zu „befreien“, zu „retten“ und irgendetwas mit irgendetwas zu „vereinigen“? Nehmen wir als Beispiel die baltischen Staaten, die Putin als Bruchstücke der ehemaligen Sowjetunion im Rahmen seiner imperialen Ambitionen und Vorstellungen gerne wieder zusammenfügen würde, indem er alle in der guten alten Sowjetunion vereint. Deshalb gebe ich Ihnen drei zentrale Quintessenzen, aber hören Sie mir bitte zu.
Erstens. Ein „Kyiv in drei Tagen“ wird es nie wieder geben, aber ob es die baltischen Staaten nicht innerhalb eines Tages treffen könnte, da bin ich mir nicht sicher.
Zweitens. Die Drohne ist ohne jede Dramatisierung eine reale Plage des dritten Jahrtausends. Die Mathematik belegt das.
Drittens. Die NATO-Partnerstaaten irren sich sehr – mir ist das Wort entfallen – sie überschätzen ihre eigene Bereitschaft erheblich, dem Druck einer feindlichen Armee standzuhalten, die moderne Technologien einsetzt und die derzeit von der Ukraine bei Russlands Offensive aufgehalten wird.
Die NATO-Staaten sind auf einen Drohnenkrieg nicht vorbereitet. Punkt. Wie auch immer die geopolitischen Karten am Ende liegen mögen, was auch immer die großen Staaten über eine mögliche Beendigung des Krieges in der Ukraine und Ähnliches vereinbaren mögen: Putin wird seine Militärmaschine nicht einmal für eine zehnminütige Abkühlung des Motors abstellen. Er wird diese Maschine weiter antreiben und Personal, Bewaffnung und Technologien maximal ausbauen, um den nächsten Schritt zu machen.
Und das ist keine leere Erklärung. Im Rahmen unserer Kommunikation und Zusammenarbeit mit den militärischen Führungen ausnahmslos aller NATO-Mitgliedstaaten geben wir unsere vorrangigen Empfehlungen für die Umsetzung der ersten Schritte, die bereits jetzt notwendig sind, um einen Angriff Putins auf Sie zu verhindern – einen erfolgreichen Angriff. Die ersten fünfSchritte zur sofortigen Umsetzung innerhalb von drei, sechs und zwölfMonaten wurden der politischen und militärischen Führung der NATO nicht nur übermittelt, sie wurden von mir bereits weltweit öffentlich gemacht. Sie wurden einfach veröffentlicht, ausgesprochen, von Journalisten wiedergegeben und in der ganzen Welt verbreitet. Man muss handeln, es gibt keine Zeit.
Was die Ukraine betrifft, liegt bereits alles offen zutage. Die Legalisierung der Mobilisierung, die Bekanntgabe und Umsetzung der Mobilisierung durch Putin, die Ausweitung der Angriffe mit Shaheds – sowohl mit strahlgetriebenen als auch mit gewöhnlichen –,und die Ausweitung gleichzeitiger Raketenangriffe. Ich spreche hier nicht von ballistischen Raketen, sondern von einer gleichzeitigen Salve aller Raketentypen, die Putin im Krieg gegen die Ukraine standardmäßig einsetzt, mit dem Ziel, unsere Infrastruktur zu zerstören, der Zivilbevölkerung das Leben in friedlichen Städten unmöglich zu machen und direkten genozidalen Terror gegen die Zivilbevölkerung auszuüben. Er kann auf dem Schlachtfeld keine Erfolge erzielen, er kann seinem Volk keine wirklichen Erfolge vorweisen. Also verlagert er den Schwerpunkt seiner Angriffe darauf, für die Einwohner, für die Zivilbevölkerung der Ukraine einen Albtraum zu schaffen.
Wir wissen, was dagegen zu tun ist. Aber auch hier liegt allem die Mathematik zugrunde, die nicht ausschließlich von uns abhängt. Zu dieser Art von Mathematik gehört auch die Beteiligung der Partner in Form rechtzeitiger – nicht nur angekündigter, sondern rechtzeitiger – finanzieller Unterstützung.
Es gibt auch kostenlose Schritte, die jedoch stark politisiert sind. Der wichtigste kostenlose, aber politische Schritt ist die Freigabe des Betriebs der Starlink-Satelliten über einem Teil des russischen Territoriums. Wir bekämpfen Drohnen, die über unser Territorium fliegen, aber wir haben nicht genügend Möglichkeiten, die Abschussvorrichtungen für Raketen und dieselben Shaheds zu bekämpfen, deren Standorte wir kennen, für die wir jedoch eine Kommunikationsverbindung brauchen.
Wir haben das in den vorübergehend besetzten Gebieten bewiesen. Aus den vorübergehend besetzten Gebieten setzt der Gegner heute bei massiven Raketenangriffen keine Raketen mehr ein, weil wir dafür gesorgt haben, dass dort keine Abschussvorrichtungen stationiert werden können. Irgendwo dort gibt es vielleicht noch welche, aber sie verstecken sich und werden nicht massenhaft eingesetzt.
Alle Starts erfolgen ausschließlich von russischem Territorium, vom Süden bis ganz in den Norden, von Rostow und Taganrog bis zu den Gebieten Brjansk, Kursk, Belgorod und so weiter. Wir kennen jede Zone, in der sich diese Abschussvorrichtungen befinden. Aber um sie zu zerstören, brauchen wir offene Augen. Keine Versprechen – offene Augen. Und dann werden wir das in kurzer Zeit bewältigen, innerhalb weniger Wochen.
Drittens – ich bin noch nicht fertig. Drittens geht es darum, dass die entscheidenden NATO-Partnerstaaten die Notwendigkeit einer Neuausrichtung und Überarbeitung ihrer eigenen Sicherheitsdoktrinen selbst erkennen und unverzüglich akzeptieren. Nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern wirklich akzeptieren. Und zwar sofort. Sofort. Wissen Sie, die Ukraine wird Ihre Länder ganz sicher mit Drohnen versorgen können, falls auf Ihrem Territorium plötzlich ein Krieg beginnt. Das kann ich heute mit Sicherheit sagen. Aber die Ukraine wird Ihnen ganz sicher nicht die Beteiligung ihrer Soldaten zur Verfügung stellen können, die Sie verteidigen werden. Wir werden schlicht nicht für Sie alle ausreichen. Und wenn Sie eine derart enge Zusammenarbeit mit uns haben, Zugang zu Analysen, zur Geschichte der Ereignisse, zu deren Auswertung und zur Übernahme unserer Erfahrungen, dann ist es, gelinde gesagt, gefährlich, jetzt keine neuen Entscheidungen für die eigene Sicherheit umzusetzen. Und das ist Ihre künftige Herausforderung.
Sie erinnern sich: Die Drohne ist die Plage des dritten Jahrtausends. Und ich scherze nicht. Außerhalb eines Krieges, in den Händen eines Terroristen oder einfach eines Rowdys, der ein Fußballspiel in einem Stadion mit 100.000 Zuschauern sprengen will. Der 11. September – ich weiß nicht mehr, in welchem Jahr – musste in den Vereinigten Staaten geschehen, damit sämtliche Fragen der Sicherheit im Luftverkehr neu überdacht wurden. Ein moderner 11. September ist in Europa noch nicht geschehen, obwohl Drohnen in Leipzig bereits den Flughafen erreicht haben und, Gott sei Dank, nicht explodiert sind.
Wenn es um die Sicherheit jedes einzelnen Penthouses in einem Hochhaus irgendeiner Stadt und um den sicheren Aufenthalt irgendeiner VIP-Person darin geht, eines Bankdirektors, einer finanziell bedeutenden Person, eines Industrieunternehmers oder sonst jemandes, dann werden sie weder in die Keller gehen können, um dort zu arbeiten, noch sich in einem Hochhaus sicher fühlen können. Seien Sie sich dessen sicher. Ich drohe nicht, ich stelle fest. Selbst für den Beruf des Scharfschützen wird nicht einmal mehr in der Kriminalität Platz bleiben. Im Krieg ist der Scharfschütze bereits nicht mehr gefragt.
Frage: Eine persönliche Frage zu Ihrem Hintergrund. Was hat Sie auf Ihre jetzige Position vorbereitet? Ihre Vergangenheit? Vielleicht Ihre Rolle als Geschäftsmann, vielleicht irgendeine andere Erfahrung. Wie sind Sie hierhergekommen? Und nicht einfach nur hierhergekommen, sondern so erfolgreich. Was hat Sie am meisten darauf vorbereitet?
Magyar: Ich bin Ukrainer. Das ist das Erste. Zweitens bin ich Eigentümer von etwas Eigenem – eines Baumes, eines Hauses, eines Unternehmens, egal. Drittens bin ich Vater. Viertens ist das mein Land. Was zum Teufel soll das?
Und dann ist da einfach dieses einzigartige Phänomen, für das es in der Geschichte vermutlich kein Gegenstück gibt: dass im Jahr 2022 die absolute Mehrheit der Widerstandskräfte aus Zivilisten verschiedenster Berufe bestand, die einfach innerhalb von fünf Tagen zu den Waffen griffen, jeder in seinem Gebiet.
Neben Mut und Patriotismus ermöglichte das, den kollektivenVerstand verschiedener Berufsgruppen an einem Ort zu konzentrieren, ausgerichtet auf die Lösung eines einzigen konkreten Problems. Keine spezialisierte militärische Erfahrung, sondern der gemeinsame kollektive Verstand von Ärzten, Ingenieuren, Sportlern, Gaunern, Geschäftsleuten – von wem auch immer.
Die Ideen jedes Einzelnen waren anfangs auf das Überleben gerichtet, konzentrierten sich später auf die Vernichtung des Gegners mit allen verfügbaren Mitteln und im nächsten Schritt auf die Skalierung dieser Lösungen und ihre Implementierung in jene Armee, in deren heutiger Form sie jetzt am Krieg teilnimmt. Und in den meisten dieser Gruppen von Menschen verschiedener Berufe fanden sich Projektmanager, die sich schnell orientierten und faktisch die Koordinierung all dieser Handlungen übernahmen.
Das ist der grundlegende Unterschied zu einer klassischen Armee irgendeines Landes der Welt. Kein eng spezialisiertes Berufsbild, sondern kollektiver Verstand. Kollektiver Verstand, gesteuert von einem Projektmanager, der sich von Mathematik leiten lässt. Das ist das Wort, mit dem wir unser Gespräch begonnen haben. Kollektiver Verstand ist das Äquivalent eines Teams. Natürlich baut hier niemand ein Monopol auf oder betreibt ein „Ruhm mir, dem Geliebten“, all das sind Teams. Mit einem solchen Ansatz hat Putin in der Ukraine keine Aussicht auf Erfolg und wird sie auch nicht haben.
Bedauerlicherweise um den Preis des Lebens sowohl unserer Kameraden als auch von der Zivilbevölkerung. Schade ist, dass die Aktivität der Partner erst an der Schwelle zu humanitären Katastrophen einsetzt. Erst dann unternehmen sie jene richtigen Schritte, die rechtzeitig notwendig wären, aber letztlich unternehmen sie sie dennoch. Andernfalls werden auch die Partner in einer Situation des Zugzwangs sein, gelinde gesagt, oder in einer von vornherein verlorenen Konstellation der Zukunft.
Und wir waren und bleiben allen Partnerstaaten dankbar, denen das Geschehen in der Ukraine nicht gleichgültig ist und die uns im Rahmen ihrer Möglichkeiten helfen, sich beteiligen, uns unterstützen und so weiter. Wenn die NATO lange zum Anspannen braucht, dann haben Sie, die einzelnen Staaten, eine ganze Reihe anderer Formen von Bündnissen, zum Beispiel JEF.
Klopfen Sie deshalb an die Herzen Ihrer Einwohner, aber klopfen Sie noch stärker an die Köpfe Ihrer Führung. Ihre Sicherheit liegt in Ihren Händen, und die Drohnen werden in den Händen der Piloten Ihres Landes liegen. Vielleicht mit einem Ausbilder aus einem anderen Land, aber der Großteil der Piloten wird aus Ihrem Land kommen, ebenso wie die Infanterie. Obwohl ich natürlich wünsche, dass alle Kriege, an denen Schweden beteiligt war, ausschließlich Geschichte bleiben und nicht Zukunft werden.
Erster Teil
Frage: Nach dem, was wir sehen, ist es Ihnen gelungen, eine sehr erfolgreiche Kampagne durchzuführen. Welche Schlüsse ziehen Sie jetzt aus den Ergebnissen dieser Kampagne, nach dem, was Sie sehen?
Magyar: Von welcher Kampagne sprechen wir?
Frage: Von der Drohnenkampagne, „Mid-Strike“ und „Deep-Strike“.
Magyar: Sehen Sie, ich würde das nicht in Kampagnen messen. Ich würde es anhand etwas anderer Kriterien messen. Der groß angelegte Krieg, den Russland gegen die Ukraine entfesselt hat, hat innerhalb kurzer Zeit durch das Aufkommen eines neuen Waffentyps grundsätzlich sämtliche bisherigen Doktrinen, Ansätze und Vorstellungen über die Führung dieses Krieges verändert.
Das heißt, die Drohne, die 2022 bereits als Mittel der Kriegsführung in Erscheinung trat, ist 2025 und 2026 zum Hauptelement dieses Krieges geworden. Das heißt, es ist ein Mittel, das durch die Erfüllung seiner Aufklärungs- und Angriffsfunktionen faktisch ganze Truppengattungen ersetzt hat: Es hat die Funktion der Artillerie übernommen, die Funktion der Luftwaffe übernommen, die Funktion gepanzerter Fahrzeuge, von Panzern und so weiter übernommen.
Denn all die oben genannten Mittel sind, sobald sie in der Killzone auftauchen, nicht einmal mehr in der Lage, ihre Feuerstellungen zu erreichen. Sie werden zu Zielen, die leicht zerstört werden können. Und zwar werden sie auf asymmetrische Weise zerstört. Denn die Asymmetrie zwischen den Kosten dieser Mittel und ihrer Anzahl ist so groß, eine solche Drohne ist im Verhältnis zu einem Panzer, der mehrere zehn Millionen Dollar kostet, so billig, während dieser Panzer im Grunde nicht einmal zu einem Kampfeinsatz ausrücken kann, weil er sich in einer potenziellen Killzone befindet. Einer Killzone, deren Ausdehnung heute ausschließlich von den technischen Eigenschaften der Drohnen selbst und ihrer Anzahl in der Luft bestimmt wird.
Erstens ersetzt die Drohne heute Personal. Das heißt, die Konzentration von Drohnen auf einem Frontabschnitt ermöglicht es, weniger Personal einzusetzen, bei dessen Mobilisierung es in der Ukraine gewisse Probleme gibt. Denn im Laufe von viereinhalb Jahren hat sich unsere Mobilisierungsreserve erheblich verringert, und alle, die kämpfen wollten, kämpfen bereits.
Zweitens hat die Drohne den Krieg transparent gemacht. Früher erhielt die Infanterie Informationen aus irgendwelchen Aufklärungsberichten, Meldungen und anderen Quellen. Heute liegt all das offen zutage. Es ist in Echtzeit sichtbar, weil die Drohnen im ständigen Wechsel fliegen, einander ablösen und es ermöglichen, das Bild des Gefechts, die Art der Handlungen, die logistischen Absichten des Gegners und seine Angriffsabsichten zu kennen. Man weiß buchstäblich alles im Voraus und hat die Möglichkeit, sich vorzubereiten und entsprechende Schläge zu führen.
Drittens ermöglicht die Drohne, gleichzeitig einen Krieg in vier verschiedenen Tiefen zu führen. Das ist die Luftverteidigung im Hinterland unmittelbar nahe der Frontlinie und weiter im Landesinneren. Das ist die Arbeit auf taktischer Ebene, die Arbeit auf operativer Ebene und die Bekämpfung von Zielen in der Tiefe auf strategischer Ebene, was uns wiederum schrittweise ermöglicht, den Krieg auf das Territorium des Besatzers, auf das Territorium Russlands zurückzutragen.
Viertens, fünftens, zehntens. Ich könnte noch viele weitere Punkte nennen, aber vor allem ist die Drohne Mathematik, und Mathematik bedeutet die Möglichkeit einer angemessenen Analyse, Steuerung und Planung des Krieges. Mathematik. Alles steckt darin.
Frage: Man kann also nicht sagen, dass Deep Strikes wichtiger sind als Mid Strikes? Sie alle bilden ein Ganzes. Gibt es einen Unterschied bei der Priorität solcher Angriffe?
Magyar: Heute entfallen 95 Prozent aller Treffer gerade auf die taktische Ebene. Denn gerade auf der taktischen Ebene nutzt der Gegner sein im Vergleich zur Ukraine völlig anderes Mobilisierungspotenzial und wirft immer neue Soldaten nach vorn, um in weitere Gebiete einzusickern. Und gerade am Boden, auf taktischer Ebene, findet ein gewisses Vorrücken des Gegners zur Eroberung von Land statt. Es geschieht nicht aus der Luft, es geschieht nicht von Moskau aus, es geschieht konkret auf dem Schlachtfeld, Kilometer für Kilometer. Natürlich hat Putin, besonders im letzten halben Jahr, auf dem Schlachtfeld nicht viel vorzuweisen, deshalb hat er sich jetzt umorientiert und sich dem Terror gegen die Zivilbevölkerung zugewandt. Aber das ist ein anderes Thema.
Im Dezember 2025 haben wir den nächsten Punkt einer neuen Dimension des Krieges erreicht, als wir die Bilanz zwischen dem Zulauf und dem Ausfall gegnerischen Personals im Krieg ausgeglichen haben. Das heißt, die Zahl des vom Gegner unter Vertrag genommenen Personals entsprach der Zahl des vernichteten gegnerischen Personals. Gerade durch Drohnen haben wir diese Bilanz ausgeglichen. Das ist ein neuer Ausgangspunkt. Aber das löst das Problem nicht. Ich erkläre jetzt, warum.
Bis heute bezeichnet Putin diesen Krieg als militärische Spezialoperation und nutzt zur Auffüllung seines Personals ausschließlich das Potenzial von Vertragssoldaten. Das heißt, sie zahlen Geld und schließen Verträge ab – freiwillig oder nicht freiwillig, das spielt keine Rolle. Sie schließen Verträge mit Personen, die anschließend losziehen, um auf ukrainischem Boden zu sterben. Am 20. September finden bei Putin Wahlen statt. Und das ist die letzte Schwelle, die ihn derzeit noch davon abhält, jene verborgene Mobilisierung zu legalisieren, die in Wirklichkeit bereits stattfindet. Und dann wird er in seinem Land Menschen mit Gewalt zusammentreiben und sie zur Durchführung der sogenannten militärischen Spezialoperation schicken.
Obwohl diese Mobilisierung jetzt noch als verdeckt und sozusagen „nicht bewiesen“ gilt, sehe ich das nicht so. Und ich analysiere sehr viele OSINT-Daten, Informationen und abgefangene Mitteilungen. Wir führen tiefgehende Analysen durch. Ich behaupte, dass diese Mobilisierung im Herbst beginnen wird, und dann werden wir auf einer ganzen Reihe von Frontabschnitten einen erheblichen Zustrom gegnerischen Personals spüren. Und diese Parität bei der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts von Zugängen und Ausfällen wird ihren Wettbewerbsvorteil verlieren, weil der Gegner erheblich mehr Personal zur Verfügung haben wird, auch wenn es unerfahren ist. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Das sind vollkommen offensichtliche Dinge.
Und um auf den ersten Teil Ihrer Frage zu antworten: Drohnen auf taktischer Ebene waren, sind und bleiben aus Sicht der EindämmungdesGegners prioritär. Prioritär und am massenhaftesten eingesetzt. Das heißt, von den zehn Millionen Drohnen, die die ukrainische Militärindustrie heute produziert, wird die absolute Mehrheit der Systeme heute hier auf dem Schlachtfeld benötigt, innerhalb von 15 bis 30 Kilometern.
Operationen, die die operative und die strategische Tiefe betreffen, dienen der Erfüllung anderer Aufgaben. Eine gesonderte Operation rund um die Krim, ihre Blockade – Sie haben davon gehört – dient vor allem dazu, Putin die Nutzung der Halbinsel als militärischen Brückenkopf unmöglich zu machen, von dem aus er seine Operationen gegen die Ukraine führt.
Ihre nächste Aufgabe besteht darin, die Aktivitäten der Schattenflotte zu stoppen, die die besetzten Gebiete und entsprechend das Asowsche Meer mit der Straße von Kertsch nutzte, um Öl, Commodities und alles Mögliche andere abzutransportieren, das mithilfe der Hunderte Schiffe der Schattenflotte in unbegrenzten Mengen auf das offene Meer gelangte und dort zum Zweck des Verkaufs weiter umgeladen wurde.
Und diese Operation hatte eine blitzartige Wirkung. Sie wurde aus der Luft durchgeführt und brachte den Verkehr der Schattenflotte buchstäblich innerhalb von zwei Wochen zum Erliegen. Seit zwei Monaten läuft sie nun, und der Verkehr auf dem Asowschen Meer ist vollständig zum Stillstand gekommen. Die Straße von Kertsch ist blockiert. Der Verkehr auf dem Schwarzen Meer, zumindest in seinem nordöstlichen Teil, ist, gelinde gesagt, erheblich erschwert.
Auf der Krim gibt es eine ganze Reihe solcher Aufgaben. Ich werde sie nicht alle aufzählen. Ich nenne noch eine wichtige, die dritte. Die dritte ist die Logistik auf die Halbinsel und zu den südlichen Frontabschnitten, die intensiv als Landkorridor für Lieferungen auf die Halbinsel und an den südlichen Frontstreifen genutzt wurde – für die Zuführung von Personal, militärischer Ausrüstung, Munition und allem, was Putin die Kriegsführung auf taktischer Ebene, auf dem Schlachtfeld, ermöglicht.
Das heißt, wir schaffen Bedingungen, unter denen ein Militärkontingent nicht auf dem Territorium der Krim stationiert werden kann, um von dort gegen die Ukraine eingesetzt zu werden. Dazu kommen sämtliche begleitenden Bereiche zur Aufrechterhaltung des Lebens dort. Ein besonderer Fokus liegt auf einer Zahl in Millionenhöhe, einer Zahl, die sich auf eine Million und mehr beläuft. Das ist dieser russische kolonialistische Migrationstourismus von Menschen, die vor zehn oder 13 Jahren einfach auf unser Land kamen, die Häuser von Ukrainern bezogen und es sich unter den schönen Bedingungen auf der Krim bequem machten, nachdem sie aus den tiefsten Sümpfen gekommen waren, in denen sie gelebt hatten – im Zuge von Putins müheloser Einnahme der Krim. Denn die Krim fiel ihm leichter in die Hände, als es einem gewöhnlichen Dieb fallen würde, beispielsweise vor Ihrem Parlament ein Auto zu klauen. Dort wäre es schwieriger, denn dort gibt es Kameras und Polizei. Hier dagegen kam er einfach, nahm sich eine leichte Trophäe und machte sie obendrein noch zu etwas Sakralem.
Nun zur strategischen Ebene. Sie hat völlig andere Aufgaben. Und wir haben intensiv daran gearbeitet, die Fähigkeit zur Erfüllung dieser Aufgaben zu erlangen. Faktisch haben ukrainische Ingenieure während des Krieges, während sie das Schlachtfeld mit Drohnen versorgten, unermüdlich Drohnen entwickelt, die in der Lage sind, wesentlich tiefer zu fliegen und wesentlich wichtigere Spezialoperationen durchzuführen. Und in der strategischen Tiefe konzentriert sich die Hauptaufgabe auf drei oder vier völlig andere Zieltypen.
Erstens sind das sämtliche Unternehmen, die Finanzierungsquellen des Krieges darstellen.
Putin verfügt über grenzenlose Bodenschätze, durch deren Export er Devisen erhält, mit denen er den Krieg finanziert. Das heißt, sämtliche Quellen der Kriegsfinanzierung sind legitime militärische Ziele und müssen unverzüglich zerstört werden, um das System der Kriegsfinanzierung auszubluten.
Zweitens: Wenn man berücksichtigt, dass Putin nie aufgehört hat, sich auf diesen Krieg vorzubereiten. Dieses Land hat sein ganzes Leben lang seinem eigenen militärisch-industriellen Komplex große Aufmerksamkeit und erhebliche finanzielle Mittel gewidmet und tut dies weiterhin.
Deshalb sind die zweite Priorität strategischer Angriffe in der Tiefe sämtliche Produktionsstätten für Waffen in all ihren Formen.
Die Finanzierungsquellen des Krieges ausbluten lassen. Die Unternehmen ausschalten und zerstören, die Mittel und Waffen herstellen, die in den Krieg geschickt werden: unbemannte Systeme, gepanzerte Systeme, alles, was fliegt, schießt und so weiter. Das sind zwei wichtige Prioritäten.
Die dritte Priorität sind sämtliche logistischen Versorger der militärischen Spezialoperation.
Das sind Monopole innerhalb Russlands, die für die massenhafte Logistik und die Versorgung mit Gütern für militärische Zwecke sorgen. Wenn wir über bestimmte Logistikzentren sprechen, mit deren Zerstörung wir uns regelmäßig und erfolgreich beschäftigen, dann betrifft ein gesonderter Bereich die taktischen und sonstigen Luftverteidigungssysteme, die Russland noch aus den Errungenschaften der Sowjetunion geerbt hat und bis heute sehr intensiv produziert. Damit verschafft es sich den sogenannten Schild, der das Eindringen von Luftzielen tief nach Russland hinein begrenzt. Das heißt, es handelt sich um sämtliche Elemente der Luftverteidigung, von denen wir Hunderte ausschalten und dadurch das Fenster in die Tiefe des russischen Territoriums rund um die Uhr offen halten.
Obwohl der Anteil der Angriffe in der Tiefe Russlands – Sie haben die Zahl heute gehört: 95 Prozent entfallen auf die taktische Ebene – also nicht mehr als fünf Prozent beträgt, kann man heute, Stand August 2026, mit Sicherheit sagen, dass es im europäischen Teil Russlands keinen einzigen Ort mehr gibt, den der Gegner als ruhiges Hinterland betrachten kann. In jedem Winkel, auf jedem Kilometer gibt es Raum, der für Angriffe durch einen freiheitsliebenden ukrainischen Vogel erreichbar ist.
Und schließlich ist das ein gesondertes Mittel, um auf den moralisch-psychologischen Zustand der gewöhnlichen Einwohner dieses Landes, Russlands, einzuwirken, damit sie ihre eigene Verbindung zu diesem Krieg spüren. Denn all die früheren Kriege, die Russland führte, um, wie sie sagen, jemanden von irgendetwas zu befreien, berührten keinen einzigen gewöhnlichen Einwohner Russlands, weil sie nicht auf russischem Territorium stattfanden. Es brauchte vier Jahre, in denen wir den Vormarsch der Russen in den von ihnen besetzten ukrainischen Gebieten aufhielten, um 2025 und 2026 damit beginnen zu können, den Krieg in vollem Umfang auf die Seite des Gegners zu verlagern. Und das ist inzwischen nicht mehr nur eine Tatsache, sondern Alltag – ein Alltag, an den sich die Bürger des Aggressorstaates nicht gewöhnen und der für sie dennoch alltäglich geworden ist.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Interview Titel des Originals:Без права на сліпу віру та самонавіювання про „впевненість у ненападі“. Тест Статті 5 NATO. Інтервʼю суспільному мовнику Швеції SVT від 22.08.2026. Роберт Мадяр Бровді. Kanal:schwedischer öffentlich-rechtlichen Sender SVT Veröffentlichung:22.08.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle: YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump hat feierlich das sogenannte Lindsey-Graham-Gesetz über Sanktionen gegen die Russische Föderation und ihre Unterstützer im Energiebereich unterzeichnet.
Dieses Gesetz soll, wie man annimmt, zu einem weiteren Instrument werden, das die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges ermöglichen soll. Zugleich sollte man jedoch die Bedeutung des eigentlichen Inhalts dieses Dokuments nicht überbewerten und sich daran erinnern, wie sehr es sich seit dem Zeitpunkt verändert hat, als der inzwischen verstorbene amerikanische Senator es vorgeschlagen hatte.
Wie bekannt, wollten Lindsey Graham und seine Mitautoren, dass Donald Trump dem Präsidenten der Russischen Föderation Putin eine Frist von 15 Tagen setzt, um einer Waffenruhe und einem Frieden in der Ukraine zuzustimmen. Sollte der russische Präsident diesen Vorschlag ablehnen, sollten nach denselben 15 Tagen Zölle in Höhe von 500 Prozent auf Waren aus Ländern verhängt werden, die weiterhin Energieträger von der Russischen Föderation kaufen.
In den anderthalb Jahren, die seit der Vorstellung dieses Gesetzentwurfs vergangen sind, ist nicht nur Lindsey Graham selbst gestorben. Auch der Kern seiner Vorschläge hat sich als tot erwiesen.
Nach den endlosen Abstimmungen mit dem Weißen Haus, die notwendig waren, damit Trump dieses Gesetz heute unterzeichnen konnte, sind davon Zölle von 100 Prozent für die wichtigsten Käufer russischer Energieträger übrig geblieben sowie nicht die Pflicht, sondern das Recht des Präsidenten der Vereinigten Staaten, solche Zölle zu verhängen. Trump hat vom Kongress also die Möglichkeit und nicht den Auftrag erhalten, diejenigen zu bestrafen, die weiterhin die Russische Föderation durch den Kauf ihrer Energieträger unterstützen.
Doch selbst wenn das Gesetz in Form eines verbindlichen Auftrags geblieben wäre, wäre die Antwort auf die Frage ziemlich wichtig: Wie könnte dieser Auftrag überhaupt umgesetzt werden? Denn in diesen Jahren haben wir erlebt, wie die Vereinigten Staaten den Zollkrieg gegen die Volksrepublik China faktisch verloren haben, als Trump bereits aus anderen, nicht mit dem Krieg zusammenhängenden Gründen versuchte, Peking mit enormen Zöllen zu belegen, und seine Absichten aufgab, als ihm bewusst wurde, wie sehr die amerikanische Wirtschaft selbst von Lieferungen kritischer Güter aus China abhängig ist. Zu glauben, dass das verabschiedete Gesetz uns tatsächlich auch nur einige Schritte näher an die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges bringt, wäre daher eine ziemlich gefährliche Illusion.
Positiv an diesem Gesetz ist zumindest, dass es uns nicht weiter vom Ende dieses Krieges entfernt, denn es schreibt den Fortbestand jener Sanktionen fest, die bereits unter den Regierungen von Barack Obama, Joseph Biden und Donald Trump selbst von den Vereinigten Staaten verhängt wurden – sowohl gegen konkrete Vertreter der Führung der Russischen Föderation als auch gegen ganze Branchen und ganze Sektoren der russischen Wirtschaft. Ohne Zustimmung des Kongresses wird nun kein amerikanischer Präsident mehr in der Lage sein, diese Sanktionen aufzuheben. Und damit führt der Weg zu einer solchen Aufhebung nun tatsächlich über die Möglichkeit einer Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges.
Aber wir sollten uns daran erinnern, dass diese Beendigung vor allem von intensivem Druck auf Russland und davon abhängt, dass die Russische Föderation aufgrund des Fehlens des notwendigen wirtschaftlichen, demografischen und militärischen Potenzials nicht mehr in der Lage ist, die Kampfhandlungen an der russisch-ukrainischen Front fortzusetzen.
Und hier könnte ein anderes Gesetz helfen: das Gesetz zur Unterstützung der Ukraine, das bereits vom Repräsentantenhaus des amerikanischen Kongresses verabschiedet worden ist und bislang im Senat nicht behandelt wurde, wo die republikanische Mehrheit mit seinem Inhalt derart wenig einverstanden ist, dass sie faktisch nicht einmal eine Debatte über eine für die Ukraine so wichtige gesetzgeberische Entscheidung zulässt.
Ich bin übrigens überzeugt, dass dieses Gesetz, wenn es im Senat zur Abstimmung gestellt würde, in dieser Kammer des amerikanischen Kongresses die Mehrheit der Stimmen erhalten würde, weil sich den Demokraten, die für die Verabschiedung dieses Gesetzentwurfs eintreten, mit Sicherheit die erforderliche Zahl republikanischer Senatoren anschließen würde.
Das Gesetz stellt die finanzielle Unterstützung für die Ukraine wieder her und ermöglicht erneut Aufträge an amerikanische Rüstungsunternehmen für die Bedürfnisse der ukrainischen Armee. Es schafft also faktisch jene Bedingungen, die der Ukraine geholfen haben, sich nicht nur gegen die russische Aggression zu wehren, sondern auch in die Offensive überzugehen, Voraussetzungen für die Befreiung der eigenen Gebiete zu schaffen, die Zahl der russischen Besatzer zu erhöhen, die niemals wieder eine Waffe gegen den ukrainischen Staat und das ukrainische Volk erheben könnten, und größere Mengen russischer Militärtechnik zu zerstören.
Möglicherweise wird die Logik des Zusammenspiels des Präsidenten mit dem Repräsentantenhaus und dem Senat nach den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress dazu führen, dass auch dieser Gesetzentwurf verabschiedet wird. Und wir werden sehen, wie Donald Trump ihn im Weißen Haus unterzeichnet.
Bis dahin können wir zumindest feststellen, dass die Unterstützung der Ukraine ein wichtiges Argument im Wahlkampf bleibt. Das bedeutet, dass selbst diejenigen Politiker, die sich mit Putin verständigen und mit der Zusammenarbeit mit dem Kreml Geld verdienen möchten, gezwungen sind, diese Haltung der überwältigenden Mehrheit der amerikanischen Gesellschaft und der überwältigenden Mehrheit der Wähler zu berücksichtigen – unabhängig davon, für welche Partei sie bei diesen oder bei den darauffolgenden Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten stimmen werden.
Und diese Unterstützung des ukrainischen Volkes und der Ukraine durch die amerikanische Gesellschaft ist unser wichtiges Kapital, das es uns ermöglichen wird, in diesem grausamen und langen Krieg gegen die Russische Föderation standzuhalten, unsere Staatlichkeit zu bewahren und auf dem Weg der Entwicklung eines souveränen und starken Staates voranzukommen, der für den künftigen Kampf bereit ist.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Трамп підписав «закон Грема» | Віталій
Портников. 18.09.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:18.09.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle: YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
In Polen wird angekündigt, dass man angesichts der immer wieder nahe der ukrainisch-polnischen Grenze auftauchenden russischen Drohnen Präventivmaßnahmen ergreifen werde.
Wie bekannt, wurden in diesen Tagen erstmals seit Beginn des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine Gebiete an der polnisch-ukrainischen Grenze angegriffen – zwar auf ukrainischem Territorium, aber in unmittelbarer Nähe zur Republik Polen. Das konnte bei unseren Nachbarn nur ernsthafte Besorgnis auslösen.
Dabei können wir bereits von einer tatsächlichen Bereitschaft der Russischen Föderation sprechen, nach Wegen zu suchen, die Ukraine von ihren europäischen Nachbarn zu isolieren. Es begann mit der Bombardierung von Grenzübergängen an der Grenze zwischen der Ukraine und der Republik Moldau. Meiner Ansicht nach war dies eine Generalprobe für jenen großen Plan, der im Kreml bereits vorbereitet worden ist.
Die Republik Moldau ist nicht Teil der Europäischen Union, sondern lediglich Beitrittskandidat und gehört nicht der NATO an. Die Russen konnten daher davon ausgehen, dass man gerade mit einem Land beginnen sollte, das nicht mit schnellem Schutz oder zumindest mit einer Reaktion seiner Verbündeten rechnen kann.
Und nachdem die Angriffe auf Grenzübergänge nahe dem Territorium der Republik Moldau stattgefunden hatten, gingen sie zur nächsten Phase ihrer Pläne über: zu Angriffen auf das Grenzgebiet zu Polen, auf Personenzüge und auf die Grenzübergänge selbst.
Die Idee ist vollkommen klar. Erstens soll die Ukraine von ihren europäischen Verbündeten isoliert werden. In Moskau ist man zu dem Schluss gekommen, dass die europäische Hilfe Russland keine Möglichkeit geben wird, den russisch-ukrainischen Krieg zu gewinnen oder die Ukraine zur Kapitulation zu zwingen. Und damit ist die Isolierung der Ukraine einer der wichtigen Schritte auf dem Weg zur Vorbereitung jener Kapitulation Kyivs vor Moskau, von der Putin weiterhin träumt.
Der zweite Punkt ist die Möglichkeit, die Gesellschaften in den europäischen Ländern einzuschüchtern. Denn in Moskau hofft man, dass die Bürger der Mitgliedstaaten der Europäischen Union und der NATO erkennen werden, dass die einzige wirkliche Alternative zu einem Krieg in Europa Vereinbarungen mit Russland über ein Zusammenleben sind. Und dieses Zusammenleben schließt natürlich die Unterstützung der Ukraine und weitere Maßnahmen zur wirtschaftlichen und politischen Isolierung des Putin-Regimes aus.
Es gibt viele Politiker, die bereit sind, den Weg zu Vereinbarungen mit der Russischen Föderation einzuschlagen. Es gibt sie in Polen, es gibt sie in Deutschland. Und Sie können übrigens feststellen, dass vor den Wahlen im Bundesland Sachsen-Anhalt, bei denen die rechtspopulistische Alternative für Deutschland triumphierte, die sich gerade mit Putin verständigen will, ein ganzes Feuerwerk an Sabotageakten veranstaltet wurde. Diese sollten den Bewohnern der ostdeutschen Bundesländer demonstrieren, dass sie sowohl Licht als auch Wärme verlieren würden, wenn sie keine Politiker wählen, die bereit sind, sich mit dem Kreml zu verständigen.
Nun ist Polen an der Reihe. Wir sehen eine ernsthafte Besorgnis wegen russischer Angriffe in den östlichen Woiwodschaften des Landes, wo mehrmals Alarm ausgelöst, die Luftwaffe in Bereitschaft versetzt und der Schulunterricht abgesagt wurde.
Die Nähe des Krieges wirkt sich auf die Bevölkerung immer ziemlich negativ aus. Und hier stellt sich die wichtige Frage, wie diese Bevölkerung politisch auf solche permanenten Bedrohungen reagieren wird, wenn sie zu einem Teil des Lebens der Bewohner der Grenzwoiwodschaften werden. Werden sie tatsächlich bereit sein, für prorussisch eingestellte Politiker zu stimmen, oder werden sie im Gegenteil von ihrer Regierung Widerstand verlangen? Und das wird davon abhängen, wie Warschau und andere europäische Hauptstädte tatsächlich auf die zunehmende Eskalation reagieren werden.
Wir sehen, dass jetzt erneut die Frage einer gemeinsamen Kontrolle des Luftraums der Ukraine und Polens an Bedeutung gewinnt. Der polnische Außenminister Radosław Sikorski hatte bereits über eine solche Möglichkeit gesprochen, als eine ganze Armada russischer Aufklärungsdrohnen im Luftraum seines Landes aufgetaucht war. Doch damals wurde dem polnischen Minister leider kein Gehör geschenkt.
Er hat diese Initiative nun erneut vorgebracht, die zweifellos sowohl für Ruhe in den östlichen Woiwodschaften der Republik Polen sorgen als auch die ukrainische Luftverteidigung in den westlichen Gebieten unseres Landes entlasten könnte, wodurch es möglich würde, das Zentrum und den Osten schneller vor russischen Angriffen zu schützen.
Und noch ein ziemlich wichtiger Punkt, der ein Signal an den Kreml sein könnte, sind die Worte des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, wonach die Vereinigten Staaten die Vorbereitungen für die Eröffnung ihrer Militärbasis auf dem Gebiet der Republik Polen intensivieren. Dies ist möglicherweise das ernsthafteste Signal des amerikanischen Präsidenten an seinen russischen Amtskollegen in den vergangenen Jahren.
Damit gibt man dem Präsidenten der Russischen Föderation in Washington zu verstehen, dass er Polen nicht ungestraft angreifen kann und dass Angriffe auf Polen irgendwann zu Angriffen auf das amerikanische Kontingent werden könnten, das nicht nur auf polnischem Territorium stationiert sein, sondern dort auch vergrößert werden wird. Der russische Präsident wird daher das gesamte Risiko abwägen müssen, das mit seinen Absichten verbunden ist, den Krieg auf das Gebiet von Mitgliedstaaten der Europäischen Union auszuweiten.
Ja, wir verstehen sehr gut, dass es sich bislang gerade um einen hybriden Krieg handelt. Doch in einem hybriden Krieg ist es gar nicht so schwer, einen Fehler zu machen, der ihn in einen echten Krieg verwandelt. Die gesamte Geschichte der Weltkriege zeigt gerade, dass solche Fehler zu realen militärischen Auseinandersetzungen führten und eine solche Eskalationsspirale in Gang setzten, aus der es keinen Ausweg mehr gab.
Möglicherweise versuchen die Vereinigten Staaten mit ihrer Ankündigung, eine Militärbasis auf dem Gebiet der Republik Polen eröffnen zu wollen und die Maßnahmen zu deren weiterem Ausbau zu verstärken, den russischen Präsidenten von unüberlegten Schritten abzuhalten. Doch es stellt sich immer die Frage, inwieweit Präsident Putin heute, nach viereinhalb Jahren des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine, viereinhalb Jahre nachdem seine Blitzkriegspläne gescheitert sind und er sich in einen jahrelangen Krieg mit einem Nachbarstaat verstrickt hat, politisch noch in der Lage ist, dieses Signal aus dem Weißen Haus realistisch einzuschätzen und zu erkennen, auf welchen Weg mit ungewissem Ausgang er sich begeben könnte, wenn er den Krieg gegen die Ukraine auf unsere europäischen Nachbarn ausweiten will.
Bislang haben wir keine Situation erlebt, in der Putin wie jemand gewirkt hätte, der die Risiken in dem Krieg, den er am 24. Februar 2022 begonnen hat, stets nüchtern einschätzt.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Польща готується до ударів | Віталій Портников. 17.09.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:17.09.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle: YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Das Repräsentantenhaus des amerikanischen Kongresses hat für das sogenannte Gesetz von Lindsey Graham gestimmt – anderthalb Jahre nachdem der inzwischen verstorbene Senator seinen Vorschlag vorgestellt und betont hatte, dass er dazu beitragen werde, Russland zu schwächen und den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden.
Vor der Abstimmung im Repräsentantenhaus hatten, wie bekannt, die Senatoren das Gesetz unterstützt, und nun muss es der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump unterzeichnen. Aus unverständlichen Gründen fragen sich in diesem Zusammenhang viele, ob Trump dieses Gesetz unterzeichnen wird.
Natürlich wird er das. Wenn der amerikanische Präsident nicht vorhätte, dieses Gesetz zu unterzeichnen, wäre es vom republikanischen Sprecher des Repräsentantenhauses Mike Johnson gar nicht erst zur Abstimmung gestellt worden. So war es übrigens auch beim bereits zuvor verabschiedeten Gesetz zur Unterstützung der Ukraine, das keinerlei Chance hat, von Präsident Trump unterzeichnet oder auch nur im Senat behandelt zu werden.
Dann stellt sich die Frage: Warum haben Donald Trump und die Republikaner, genauer gesagt die republikanische Mehrheit, für die Verabschiedung des neuen Gesetzes gesorgt, während die Mehrheit der Demokraten dagegen stimmte? Warum stimmten sie der Verabschiedung eines Gesetzes zu, das die Einführung sogenannter höllischer Sanktionen gegen Russland vorsieht?
Nun, zunächst einmal deshalb, weil diese höllischen Sanktionen rein theoretisch beschlossen werden. Die Entscheidung darüber, ob neue Sanktionen gegen die Russische Föderation und gegen Länder mit verhängt werden, die russisches Öl und Gas kaufen, soll der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump selbst treffen. Das Gesetz gibt ihm diese Möglichkeit. Die Entscheidungen über Sanktionen werden also keineswegs im Repräsentantenhaus oder im Senat getroffen, sondern im Weißen Haus.
Donald Trump erhält damit neue Instrumente für sogenannte Zollmaßnahmen in die Hand – und genau das hat bei einer großen Zahl demokratischer Kongressabgeordneter Widerstand gegen das Gesetz hervorgerufen. Er selbst wird die Länder auswählen, die ihrerseits von den Vereinigten Staaten mit neuen hohen Zöllen von bis zu 100 Prozent belegt werden können, weil sie russisches Öl und Gas kaufen.
Wenn wir über solche Käufe sprechen, meinen wir in erster Linie die Volksrepublik China und Indien. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass es unter den Käufern russischen Öls – natürlich in deutlich geringeren Mengen – auch viele andere Länder gibt. Ich möchte Sie nur daran erinnern, dass in Ungarn bis heute russisches Öl gekauft wird.
Und so könnte Trump das formelle Recht erhalten, neue Zölle gegen die gesamte Europäische Union zu verhängen, weil die Europäische Union Ungarn eine Ausnahme für den Kauf russischer Energieträger gewährt hat. Das ist die ganze Logik einer solchen Gesetzgebung, falls die Notwendigkeit entstehen sollte, sie in einer Konfrontation mit der Europäischen Union oder mit irgendeinem anderen Land anzuwenden, das in der einen oder anderen Menge russisches Öl kauft.
Nun die nächste Frage: Werden Zölle gegen die Volksrepublik China, den größten Käufer russischer Energieträger, verhängt werden? Trump hat bereits versucht, solche Zölle gegen China einzuführen, ist damit jedoch regelrecht gescheitert. Dieses Fiasko führte zur Aufhebung hoher Zölle gegen die chinesische Wirtschaft, weil deutlich wurde, dass die Vereinigten Staaten in bestimmten wichtigen Bereichen ihrer eigenen Wirtschaft in kritischem Maße von Peking abhängig sind. Sich vorzustellen, dass die Vereinigten Staaten heute durch einen neuen Zollkrieg die Zusammenarbeit mit China einstellen würden, dürfte daher kaum realistisch sein.
Indien ist eine andere Frage. Dort hat Donald Trump bereits versucht, Druck auf Narendra Modi auszuüben, und Indien hat seine Käufe russischen Öls tatsächlich erheblich reduziert. Doch das war vor dem Krieg der Vereinigten Staaten gegen den Iran. Jetzt herrscht ein erheblicher Mangel sowohl an Erdölprodukten als auch an eben jenem Dieselkraftstoff, den Russland derzeit nicht exportiert, sondern selbst kauft. Und für Länder, die infolge der anhaltenden Krise in der Straße von Hormus den Zugang zu traditionellen Handelsrouten verloren haben, bleibt russisches Öl ein wichtiges Gut – inzwischen nicht einmal mehr ein besonders attraktives, sondern schlicht eines, das sie für die Entwicklung ihrer eigenen Wirtschaft benötigen.
Deshalb kann man sagen: Selbst wenn Donald Trump Sanktionen gegen China und Indien verhängt, bedeutet das noch lange nicht, dass die Ölraffinerien dieser Länder aufhören werden, russisches Öl zu kaufen – falls es überhaupt dazu kommt.
Wenn das Gesetz nach der Unterzeichnung durch Donald Trump tatsächlich in Kraft tritt, könnten Sie fragen: „Wozu braucht man dieses Gesetz überhaupt, und warum wurde es anderthalb Jahre nach dem Zeitpunkt verabschiedet, als Lindsey Graham es vorgeschlagen hatte?“ Weil die Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten näher rücken. Und Donald Trump muss ebenso wie alle Republikaner den Wählern – von denen die überwältigende Mehrheit in den Vereinigten Staaten die Ukraine unterstützt und Russland nicht unterstützt – demonstrieren, dass sie Gesetze verabschieden, die auf die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges und die Bestrafung des Aggressors abzielen.
Dass diese Gesetzgebung möglicherweise niemals tatsächlich zur Anwendung kommt und selbst im Falle ihrer Anwendung zu keinerlei realen Ergebnissen führen könnte, wird dem Wähler erst bewusst werden, nachdem die Zwischenwahlen stattgefunden haben.
Jetzt aber wird das Thema dieses Gesetzentwurfs auf Wahlkampfveranstaltungen mit republikanischen Kandidaten lautstark zu hören sein – als Antwort auf die Vorwürfe der Demokraten, die Republikanische Partei helfe der Ukraine nicht. „Nein, ihr selbst helft nicht. Ihr habt nicht einmal für ein Gesetz gestimmt, das die Voraussetzungen für höllische Sanktionen gegen die Russische Föderation schaffen sollte“, werden die republikanischen Konkurrenten den Demokraten entgegnen.
Es geht also ausschließlich um eine Entscheidung, die erstens innenpolitischen Charakter hat und die zweitens, selbst wenn sie zur Anwendung kommt, die weitere Entwicklung der Ereignisse rund um den russisch-ukrainischen Krieg wohl kaum ernsthaft beeinflussen wird.
Eine weitaus wichtigere Entscheidung könnte die Abstimmung über das bereits vom Repräsentantenhaus verabschiedete Gesetz zur Unterstützung der Ukraine sein. Darin geht es um echtes Geld für die Ukraine, um Waffenlieferungen und um Möglichkeiten, der ukrainischen Armee neue Positionen auf dem Schlachtfeld zu verschaffen. Doch gerade dieses Gesetz wird Donald Trump so lange blockieren, wie er dazu in der Lage ist, weil es konkret ist und weil es dem Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht erlaubt, sich seiner Umsetzung zu entziehen.
Und wenn wir uns vorstellen, dass die Demokraten nicht nur das Repräsentantenhaus, sondern auch den Senat gewinnen und entsprechende Gesetze verabschieden, dann würde der Präsident der Vereinigten Staaten vor dem Dilemma stehen, ob er dieses Gesetz unterzeichnet und damit seine bisherigen Ansätze bei der Unterstützung der Ukraine über den Haufen wirft, oder ob er seine Unterzeichnung blockiert und damit demonstriert, was seine Regierung tatsächlich über den russisch-ukrainischen Krieg denkt.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artike Titel des Originals:Конгрес США ухвалив закон Грема про
„пекельні санкції“ | Віталій Портников. 17.09.2026. Autor: Veröffentlichung:17.09.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle: YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Das Justizministerium der Vereinigten Staaten hat gleich fünf Mitglieder eines russischen Sabotage- und Terrornetzwerks angeklagt, die Auftragsmorde und Sabotageakte in den Vereinigten Staaten und europäischen Ländern vorbereitet haben sollen.
Ein Klassiker des Genres: Ein Offizier des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation rekrutiert Bürger der Vereinigten Staaten, Kubas und Venezuelas für solche Sabotageakte und beauftragt sie mit der Überwachung russischer Oppositioneller, die in den Vereinigten Staaten und europäischen Ländern leben, um sie später zu ermorden. Als einer der Rekrutierten sich weigert, an einem Mord mitzuwirken, bietet er ihm für weniger Geld an, Sabotageakte auf dem Gebiet Litauens zu verüben.
Es geht also um ganz gewöhnliche russische Geheimdienstarbeit nach Art der Tschekisten, bei der ein für die Anwerbung von Agenten zuständiger Offizier versucht, sie dazu zu bringen, wenigstens irgendeinen Auftrag des FSB auszuführen, damit er seinen Vorgesetzten Bericht erstatten kann. Doch trotz aller Plumpheit der Arbeit des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation müssen wir bedenken, dass diese Arbeit durchaus greifbare Ergebnisse hat. Die Ermordung von Menschen, Sabotageakte, die von Tag zu Tag häufiger werden, Versuche, die Lage in den Vereinigten Staaten und europäischen Ländern zu destabilisieren und sich in politische Prozesse einzumischen.
Ja, diesmal haben wir es mit einem Teil dieser Arbeit zu tun, der nicht ausgeführt werden konnte, und wir kennen zahlreiche Beispiele dafür, wie Offiziere des Föderalen Sicherheitsdienstes und der Hauptverwaltung für Aufklärung des Generalstabs der russischen Streitkräfte die Anweisungen ihrer Vorgesetzten nicht erfüllen konnten. Aber wir kennen auch andere Beispiele. Wir kennen Beispiele tatsächlich verübter Morde, der Beseitigung von Menschen, die es wagten, Putins Politik zu kritisieren und sich gegen Russlands Krieg in Tschetschenien oder in der Ukraine aussprachen. Wir wissen, wie oppositionelle Politiker und Journalisten in der Russischen Föderation selbst ermordet wurden. Schließlich wissen wir von einer ganzen Reihe von Morden in der Ukraine, bei denen Personen, die offensichtlich mit russischen Nachrichtendiensten in Verbindung standen, die oppositionellen Politiker und Aktivisten Iryna Farion und Andriy Parubiy ermordeten. Und das ist nur eine Ebene jener Tätigkeit, der die russischen Geheimdienste im Westen und in den Ländern nachgehen, gegen die Russland Krieg führt.
Dabei muss berücksichtigt werden, dass alle Verdächtigen, denen die Vorbereitung der mutmaßlichen Straftaten vorgeworfen wird, zur Fahndung ausgeschrieben wurden. Den amerikanischen Sicherheitsdiensten ist es also praktisch nicht gelungen, jemanden festzunehmen. Es gelang lediglich, die Pläne der Tschekisten zur Organisation von Morden aufzudecken, die direkt in der amerikanischen Hauptstadt, vor der Nase der Führung der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten und des Federal Bureau of Investigation, stattfinden sollten. Doch die Effektivität der Arbeit von Sicherheitsdiensten besteht nicht nur darin, die Pläne des Gegners aufzudecken, sondern auch in der Möglichkeit, diejenigen festzunehmen, die diese Pläne vorbereiten.
Bislang kann jedoch nicht davon gesprochen werden, dass es den amerikanischen Sicherheitsdiensten gelungen wäre, über die Gewinnung dieser Informationen hinaus weitere Fortschritte zu erzielen. Natürlich werden die Mitarbeiter des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation nun sowohl bei der Auswahl der Rekrutierten als auch bei der Auswahl ihrer Ziele vorsichtiger sein. Aber das bedeutet nicht, dass sie ihre Arbeit einstellen werden. Schon deshalb nicht, weil wir sehen, dass diese Arbeit wie eine ganz gewöhnliche traditionelle Bürokratie funktioniert. Wenn es nicht gelingt, einen Agenten zur Beteiligung an Überwachung und Mord zu bewegen, überträgt man ihm andere, weniger riskante Aufgaben. Doch all dies soll auf die eine oder andere Weise dazu beitragen, in den Ländern, mit denen die Russische Föderation ihre Konfrontation fortsetzt, eine Atmosphäre der Angst und Unsicherheit zu schaffen.
Und dabei spreche ich noch gar nicht von der einfachen Tatsache, dass wir jetzt erleben werden, wie der FSB seine Bemühungen zur Destabilisierung der Lage im Westen verstärkt. Jedes Mal, wenn in demokratischen Ländern Wahlen stattfinden, sind die russischen Tschekisten sofort zur Stelle.
Das deutlichste Beispiel dafür sind die jüngsten Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, für die der Föderale Sicherheitsdienst der Russischen Föderation offensichtlich ein ganzes Feuerwerk an Sabotageakten vorbereitet hatte, die potenzielle Wähler der Alternative für Deutschland davon überzeugen sollten, dass es besser sei, sich im Guten mit Russland zu einigen, damit es nicht im Bösen ende. Wie kürzlich in einem Wahlkampfvideo der Partei Einiges Russland der Spitzenkandidat ihrer Liste und nebenbei angebliche Außenminister der Russischen Föderation Sergej Lawrow erklärte, der sich in Wirklichkeit zu einem regelrechten Minister entwickelt, der Sabotageakte und Bestrafungen verspricht.
Diejenigen, die überzeugt waren, Terroranschläge in Washington verüben zu können, haben die Fähigkeiten der amerikanischen Sicherheitsdienste, ihre Pläne aufzudecken, offensichtlich unterschätzt. Aber es ist klar, dass es neben den Bürokraten, die versuchen, ihren Vorgesetzten über die Anwerbung möglicher Agenten Bericht zu erstatten, auch Menschen gibt, die weitaus professioneller und weitaus kaltblütiger arbeiten.
Die Tatsache, dass Russland bereit ist, oppositionelle Politiker und Aktivisten im Westen zu ermorden, und die Tatsache, dass selbst die freie Welt, in der die Menschen sich, so scheint es, sicherer fühlen sollten, in Wirklichkeit zu einem Schauplatz für die Tätigkeit von Agenten des Föderalen Sicherheitsdienstes Russlands wird, müsste dem Westen im Grunde vor Augen führen, dass ein weitaus ernsthafterer Kampf gegen die Lubjanka notwendig ist. Andernfalls werden Auftragsmorde und Erschießungen in westlichen Hauptstädten zur Normalität. Und zu einer weiteren Erinnerung daran, dass die Tschekisten jeden holen können und dass es für sie weder Tabuzonen noch rote Linien gibt.
Die russische Führung macht in den vergangenen Jahren keinen Hehl daraus, dass sie sich in einem regelrechten Krieg mit dem Westen befindet. Und die Unterstützung der Ukraine, die gegen die Aggression der Russischen Föderation kämpft, durch die Vereinigten Staaten und die europäischen Länder ist für Moskau lediglich ein zusätzlicher Beweis dafür, dass seinen Agenten im Westen nun alles erlaubt sei.
Deshalb ist die Enttarnung des Spionagenetzwerks, das ein Offizier des Föderalen Sicherheitsdienstes Russlands auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten und der Länder der Europäischen Union aufgebaut hat, eine weitere Erinnerung an die Notwendigkeit, die Wachsamkeit zu erhöhen und russische Drohungen ernst zu nehmen. Wenn Putin und andere russische Machthaber den Westen vor Destabilisierung warnen, sind das nicht einfach nur Worte. Dahinter steht ein ganzer Aktionsplan, der vom Kollegium des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation oder des Auslandsnachrichtendienstes der Russischen Föderation gebilligt wurde.
Und wie wir an der Entscheidung des Justizministeriums der Vereinigten Staaten von Amerika sehen, wird dieser Plan durchaus erfolgreich in die Tat umgesetzt, auch wenn es bislang keine offensichtlichen Ergebnisse gibt – und zwar ohne jeden Willen, die Existenz staatlicher Grenzen zu berücksichtigen.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:ФСБ готовила убийства в США | Виталий
Портников. 17.09.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:17.09.2026. Originalsprache:ru Plattform / Quelle: YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Wenn das Opfer die Gewalt schließlich als Gewalt bezeichnet, beginnt der Missbrauchstäter nur selten darüber zu sprechen, was er getan hat.
Stattdessen wird ein Mechanismus in Gang gesetzt, der als DARVO bezeichnet wird:
Deny (Leugnen)
Attack (Angreifen)
Reverse Victim and Offender (Opfer und Täter vertauschen)
Der Begriff DARVO entstand ursprünglich zur Beschreibung des Verhaltens eines Täters in zwischenmenschlichen Beziehungen. Doch dieselbe Logik lässt sich auch darin erkennen, wie ein Aggressorstaat auf Vorwürfe wegen seiner eigenen Verbrechen reagiert.
Im ersten Teil habe ich darüber geschrieben, wie Russland im Voraus Rechtfertigungen für Gewalt vorbereitet. Im zweiten über fünf Instrumente, die dem Opfer den Halt in seiner eigenen Realität nehmen.
DARVO ist der nächste Schritt in diesem System. Dieser Mechanismus setzt ein, wenn das Opfer schließlich doch benennt, was ihm angetan wird.
Zunächst leugnet der Missbrauchstäter die Gewalt selbst: Da war nichts, du hast dir alles ausgedacht, du hast das falsch verstanden, ich war das nicht!
Dann greift er denjenigen an, der über die Gewalt spricht: Du lügst, du bist einfach hysterisch, deine Freundinnen manipulieren dich, du willst mir Böses, du bist doch selbst gefährlich!
Und dann erklärt er sich selbst zum Opfer: Du bist es, die meine Freiheit einschränkt, ich habe dich nicht angegriffen, du hast mich provoziert, ich bin gezwungen, mich gegen dich zu verteidigen!
Genau so erklärte Russland die Verbrechen in Butscha. Das sei ein Fake, es habe keine Leichen gegeben oder sie seien dort abgelegt worden; dann hieß es, das sei eine Hollywood-Inszenierung, die Journalisten würden lügen, der Westen manipuliere. Und schließlich: Die Ukraine habe acht Jahre lang den „Donbas bombardiert“ – wo wart ihr alle vorher?
Das Opfer wurde zum Aggressor. Der Aggressor zum Opfer.
Dafür muss man nicht einmal eine einzige überzeugende Version der Ereignisse schaffen. Die verschiedenen Versionen können einander widersprechen. Man kann gleichzeitig behaupten, dass es in Butscha keine Leichen gegeben habe, dass die Ukraine sie dort platziert habe und dass die Getöteten selbst schuld gewesen seien.
Entscheidend ist hier nicht, zu erklären, was geschehen ist, sondern die Möglichkeit zu zerstören, Gewalt als Gewalt zu bezeichnen und eindeutig festzustellen, wer sie verübt hat.
Denn sobald der Satz „Russland hat die Ukraine angegriffen“ fällt, muss er sofort von einem Dutzend Relativierungen umgeben werden.
Aber was war davor?
Warum hat Russland das getan?
Die NATO hat Russland bedroht!
Ihr werdet von den Amerikanern, den Briten oder Europa manipuliert!
So eindeutig ist das alles nicht!
Dort wurden Menschen wegen der russischen Sprache getötet!
Das ist kein Angriff, das ist Verteidigung!
Und statt über die Verantwortung des Aggressors zu sprechen, beginnt eine endlose Untersuchung des Verhaltens des Opfers.
Genau deshalb wird von der Ukraine ständig Zurückhaltung verlangt.
Wir müssen auf die richtige Weise über die Getöteten sprechen. Ruhig genug sein, wenn wir von zerstörten Städten erzählen. Dankbar genug für die Hilfe sein. Verhältnismäßig in unseren Reaktionen. Nicht zu kategorisch. Nicht zu wütend.
Man erinnert uns daran, dass der Kampf gegen ein Monster uns selbst in ein Monster verwandeln könne. Dass man Hass nicht mit Hass beantworten dürfe. Dass man seine Menschlichkeit bewahren müsse.
Für sich genommen können diese Sätze durchaus richtig klingen. Das Problem beginnt dann, wenn sie nicht an denjenigen gerichtet werden, der systematisch Gewalt ausübt, sondern an denjenigen, der versucht, diese Gewalt zu überleben und zu stoppen.
Faktisch sagt man der Ukraine:
Ihr habt kein Recht auf Wut, Verzweiflung, Zorn, Schmerz und Trauer. Auf menschliche Emotionen also, die in dieser Situation vollkommen angemessen sind.
Ihr dürft über die Gewalt nur in einer Form sprechen, die einem außenstehenden Beobachter kein Unbehagen bereitet. Ohne Schreien, Hass, scharfe Worte, übermäßige Forderungen und Emotionen.
Andernfalls wird eure Reaktion als Beweis dafür benutzt, dass ihr um nichts besser seid als der Aggressor.
Doch die Emotionen des Opfers und die systematische Gewalt des Missbrauchstäters sind keine symmetrischen Dinge.
Wut beweist nicht, dass es keine Gewalt gegeben hat. Zorn verwandelt Verteidigung nicht in einen Angriff.
Russische Sprache, Kultur und Symbole nicht mehr in der eigenen Umgebung sehen zu wollen, macht die Ukraine nicht zur Ursache der russischen Aggression. Das ist eine Reaktion, die danach kam.
Die Gewalt und die Rechtfertigungen dafür hatte Russland dagegen im Voraus vorbereitet.
Allerdings gibt es hier noch einen weiteren schwierigen Punkt.
Russische kulturelle Marker wurden nicht nur in unsere Städte und Lehrpläne eingebaut. Sie wurden auch in private Erinnerungen, in die Kindheit, in Lieblingsbücher und in die Namen vertrauter Straßen und Orte eingebaut.
Deshalb wird der Versuch, sie zu entfernen, häufig nicht als Angriff auf Russland wahrgenommen, sondern als Angriff auf die eigene Vergangenheit.
Art der Quelle:Social Media Titel des Originals:Росія як абʼюзер. Частина третя. Autor:Kateryna Khoptynska Veröffentlichung:14.09.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle: Facebook Link zum Originaltext:
Original ansehen
Die Ukraine kann dem russischen Präsidenten Putin nicht vertrauen, während man in den Vereinigten Staaten Gespräche mit ihm als Ausdruck des Wunsches des russischen Präsidenten wahrnimmt, den Krieg zu beenden. Diese Aussage des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky in einem Interview mit amerikanischen Journalisten kann als Versuch betrachtet werden, dem Schwiegersohn von Präsident Trump und Sondervermittler Jared Kushner zu antworten, der nach seinen Treffen mit dem russischen und dem ukrainischen Präsidenten betonte, dass man in Moskau den Krieg gerne beenden würde und das Einzige, was einem Friedensabkommen derzeit im Wege stehe, die mangelnde Bereitschaft der Ukraine sei, sich hinter die sogenannte von Putin gezogene Linie zurückzuziehen, also die von der ukrainischen Regierung kontrollierten Gebiete der Regionen Donezk und Luhansk aufzugeben.
Zelensky betont, dass Putin derzeit alles Mögliche tut, um die Ukrainer im eigenen Land zu spalten, die Ukrainer und ihre europäischen Partner auseinanderzubringen und Zelensky selbst vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu entzweien. Putins Forderung, das Gebiet des Donbas aufzugeben, bezeichnet der ukrainische Präsident als den Wunsch, Zwietracht in die Beziehungen innerhalb der ukrainischen Gesellschaft und Missverständnisse zwischen der ukrainischen Armee und der Staatsführung zu bringen.
Übrigens habe ich, wie Sie sich erinnern, bereits mehrfach gesagt, dass Putins Vorschlag, die ukrainischen Truppen sollten jenen Teil des ukrainischen Territoriums verlassen, der heute in den Regionen Donezk und Luhansk von der legitimen Regierung kontrolliert wird, nicht einmal so sehr auf die Eroberung dieser Gebiete abzielt, sondern gerade auf das Bestreben, Bedingungen für eine innere Destabilisierung in der Ukraine selbst zu schaffen. Und wie wir sehen, ist dies nun auch die Sichtweise des ukrainischen Präsidenten.
In Bezug auf die Waffenruhe im Energiebereich – ein weiteres wichtiges Thema, das, wie bekannt ist, derzeit sogar auf der Ebene von Präsident Donald Trump erörtert wird, der bereits voreilig erklärt hat, Moskau und Kyiv hätten sich darauf verständigt, keine Energieanlagen in Russland und der Ukraine anzugreifen – betonte Zelensky, dass die Angriffe bislang trotz der Zustimmung der Ukraine und der Begrüßung dieser Idee durch den Kreml weitergehen und die Ukraine gezwungen sei, mit Gegenschlägen zu antworten.
Der ukrainische Präsident erinnert die Amerikaner daran, dass Russland und die Ukraine unter Angriffen auf die Energieinfrastruktur Unterschiedliches verstehen. Denn für Putin bedeutet Energie vor allem Ölraffinerien und die Erdölvorkommen selbst. Für die Ukraine hingegen bedeutet Energie das, was das Leben der Menschen und das Funktionieren der Städte gewährleistet. Und somit können die Seiten bereits mit dem Begriff der Waffenruhe im Energiebereich unterschiedliche Vorstellungen davon verbinden, wie sich die Situation entwickeln soll.
Aus diesen Äußerungen des ukrainischen Präsidenten lässt sich jedoch eine Schlussfolgerung ziehen, die, wie mir scheint, ohnehin schon nach den Worten des amerikanischen Präsidenten verständlich war. Bislang gelingt es nicht, eine wirkliche Waffenruhe im Energiebereich zu erreichen. Und Donald Trumps Worte hängen ebenfalls in erster Linie mit innenpolitischen Bedürfnissen in den Vereinigten Staaten zusammen.
Im Vorfeld der Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress, die den Republikanern ernsthafte Probleme versprechen, versucht Trump zumindest zu demonstrieren, dass er wenigstens etwas unternimmt, um die Preise an den Tankstellen, darunter auch die Dieselpreise, zu senken. Er erklärt jedoch nicht, dass der Hauptgrund für den Anstieg dieser Preise mit der iranischen Blockade der Straße von Hormus und damit zusammenhängt, dass die Länder des Persischen Golfs keine ausreichenden Mengen Dieselkraftstoff auf die Märkte liefern können.
Doch Trump, der bereits verkündet hat, dass die Vereinigten Staaten die Straße von Hormus kontrollieren, kann diese offensichtliche Tatsache schlicht nicht eingestehen und ist gezwungen, zu neuen Vorwürfen gegen die Ukraine zu greifen, die russische Ölraffinerien angreift und Russland selbst dazu zwingt, Dieselkraftstoff zu kaufen, anstatt ihn zu verkaufen.
Ein weiterer wichtiger Punkt in Zelenskys Interview ist, dass er seine Aussage wiederholt, die Russen hätten auf dem Gebiet der Republik Moldau gezielt versucht, sein Flugzeug ins Visier zu nehmen. Sowohl als der ukrainische Präsident zur Beerdigung des norwegischen Monarchen flog als auch bei seiner Rückkehr aus Norwegen. Wie bekannt ist, gab es über diese Behauptung, die erstmals vom norwegischen Ministerpräsidenten geäußert worden war, zahlreiche Diskussionen darüber, in welcher Entfernung sich die Drohnen, die sich im Luftraum der Republik Moldau befanden, vom Flugzeug der ukrainischen Delegation entfernt befanden.
Nun hilft Zelenskys Argumentation jedoch die Tatsache, dass sich russische Drohnen buchstäblich in unmittelbarer Nähe des Zuges befanden, mit dem eine Delegation westlicher Sicherheitsberater sowie der ehemalige britische Premierminister Boris Johnson, der die Ukraine besucht hatte, das Land verließen. Und die Tatsache, dass die Russen völlig ungehindert gerade dort die Eisenbahn angreifen können, wo ein Zug mit hochrangigen europäischen Amtsträgern unterwegs ist, kann grundsätzlich zu einem weiteren Beleg dafür werden, dass die russischen Geheimdienste auch die ukrainische Führung mithilfe unbemannter Fluggeräte jagen können.
Vielleicht geht es bei diesen Angriffen auf dem Gebiet der Republik Moldau, bei der bloßen Präsenz von Drohnen im Luftraum dieses Landes, auch weniger um den Wunsch, den ukrainischen Präsidenten zu töten, als vielmehr um das Signal, dass Russland die Situation inzwischen so weit kontrolliert, dass es die Sicherheit Zelenskys selbst infrage stellen kann. Und dies ist ein weiteres Element des Drucks, das Putin als einen Schritt in Richtung Kapitulation des feindlichen Landes betrachten kann, das er von der politischen Weltkarte zu tilgen träumt.
Und davon spricht übrigens auch Zelensky, der in seinem Interview mit amerikanischen Journalisten betont, dass Putin die Ukraine besetzen will, dies für ihn angesichts der heutigen realen Situation jedoch unglaublich schwierig erscheint. Und ihm bleibt nichts anderes übrig, als nach Wegen für eine weitere Eskalation an der russisch-ukrainischen Front zu suchen.
Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft Wahlen während des Krieges. Dieses Thema ist in der westlichen Presse stets präsent und wird nun durch die Worte des ehemaligen Verteidigungsministers Mykhailo Fedorov zusätzlich befeuert. Zelensky erklärt die Probleme bei der Durchführung von Wahlen nicht nur mit rechtlichen Hindernissen, sondern auch mit Sicherheitsfragen und fragt, wie man Wahlen durchführen soll, an denen beispielsweise neun Millionen Bürger teilnehmen müssten – genau diese Zahl nennt der ukrainische Präsident –, die sich außerhalb der Ukraine befinden. Und wie soll ihre Stimmabgabe organisiert werden, wenn zuvor im Ausland nicht mehr als 500.000 potenzielle Wähler abgestimmt haben?
Natürlich bleibt dabei auch die Frage außen vor, wie die Bürger in den vorübergehend besetzten Gebieten abstimmen sollen. Aber wir verstehen sehr gut, dass selbst dann, wenn der Krieg endet oder ausgesetzt wird, von einer Stimmabgabe der Menschen, die sich in den vorübergehend von Russland besetzten Gebieten der Ukraine befinden werden, keine Rede sein wird. Russland wird alles Mögliche tun, um diese Menschen, von denen die überwiegende Mehrheit bereits die russische Staatsbürgerschaft besitzt, von jeglicher ukrainischen Abstimmung fernzuhalten, und dabei auf seiner Souveränität über diese Gebiete der Ukraine bestehen. Aber auch diese Frage muss aus rechtlicher Sicht gestellt werden, selbst wenn man sich der Unmöglichkeit ihrer praktischen Umsetzung bewusst ist.
Auf die Frage, warum Politiker, die noch vor Kurzem Teil der ukrainischen Staatsführung waren, jetzt über Wahlen sprechen, antwortete Zelensky eindeutig: weil sie Politik machen wollen. Das ist alles. Und dies erinnert erneut daran, dass seine Konflikte mit dem ehemaligen Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov andauern und der Präsident und sein langjähriger Minister in der schwierigen politischen Situation, die sich in den vergangenen Monaten in der Ukraine entwickelt hat, wohl kaum zu einer Verständigung miteinander finden werden. Gerade wenn es um Menschen geht, die früher zum engen Umfeld von Volodymyr Zelensky gehörten.
Man kann also sagen, dass dieses Interview des ukrainischen Präsidenten im Grunde eine Antwort auf viele Fragen darstellt, die im Kontext jener Verhandlungsbemühungen verständlich sind, welche die Vereinigten Staaten unternehmen. Und wir können erkennen, dass wir es eher mit einem Ritual, mit einer Simulation eines Verhandlungsprozesses zu tun haben. Aus unterschiedlichen Gründen sind jedoch alle gezwungen, an dieser Simulation teilzunehmen: die Vereinigten Staaten, deren Präsident vor den für ihn wichtigen Zwischenwahlen zum Kongress irgendwelche Ergebnisse vorweisen muss; der Präsident der Russischen Föderation, der keinen Streit mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten will und zugleich nicht einmal über die Möglichkeit nachdenkt, den russisch-ukrainischen Krieg in absehbarer Zukunft zu beenden; und der Präsident der Ukraine, der die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten nicht beschädigen will und offenbar auf Treffen mit Donald Trump während des G20-Gipfels in Miami hofft.
Doch das ritualisierte Verhalten der Staatsoberhäupter ist kein Weg zum Frieden, sondern lediglich eine Erinnerung daran, dass es keine Voraussetzungen für einen wirklichen Verhandlungsprozess geben kann, solange kein ausreichender Druck auf Russland und seine wirtschaftlichen Ressourcen ausgeübt wird.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Інтервʼю Зеленського: головне | Віталій
Портников. 16.09.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung:16.09.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle: YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen