Zeugnis aus der Gefangenschaft. Tetyana Rudenko. 24.02.2026.

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Ich sitze mit Saschko … er wurde aus der Gefangenschaft freigelassen. Ein ganz gewöhnlicher Mann aus dem Gebiet Tschernihiw, der vor Wut auf den Feind kocht!

– Ruda, weißt du, was das für Unmenschen sind … wie raffiniert sie an Folter herangehen. Es reicht ihnen nicht, einfach nur zu schlagen. Sie wollen sehen, wie wir leiden und sterben. Sie genießen das sehr. Bei einem der Verhöre, als ein betrunkener „Offizier“ sich ausdachte, wie er mich noch „brechen“ könnte … bat ich darum, mich zu erschießen. Er sagte, dass „für einen Chochlol das ein sehr leichter und glücklicher Tod wäre“! Er wollte sehen, wie ich mich vor Schmerz krümme, und wartete darauf, dass ich flehe!

Als man mich nach einem weiteren Elektroschock mit einem Feldtelefon vor ihn setzte … fragte ich, wozu sie unser Land brauchen – haben sie denn nicht genug eigenes?! Er brach in lautes Gelächter aus … – euer Land brauchen wir einen Scheißdreck. Wir müssen uns eurer entledigen! Und so viel ihr von eurem Land abtretet – so viele von euch werden wir töten. Und wo ihr nichts abtretet – holen wir euch mit Raketen!

Dieses Gespräch war im Jahr 2015! Ich werde keine Einzelheiten der Folter niederschreiben … und auch nicht die Beschreibung des „Offiziers“ veröffentlichen, was sie mit unseren Kindern und Frauen machen werden … das alles wissen wir ja bereits (((

Danach hatte ich keine Zweifel mehr, dass es einen großen Krieg geben würde!

Wer noch illusionäre Hoffnungen hegt, dass man mit Terroristen verhandeln kann – kommt zur Besinnung!

Alles Ukrainische wird seit Hunderten von Jahren vernichtet … ALLES! Menschen, Sprache, Kultur, Traditionen …

Heute ist der 4. Jahrestag der großangelegten Phase des Krieges, der 2014 begann – in einem jahrhundertealten Kampf um das Überleben unserer Nation!!!

Danke an jeden Einzelnen!


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Art der Quelle: Social Media
Autor: Tetyana Rudenko.
Veröffentlichung / Entstehung: 24.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Budanov bestreitet Forderungen der USA | Vitaly Portnikov. 28.02.2026.

Der Leiter des Büros des Präsidenten der Ukraine, General Kyrylo Budanov, wies die Information zurück, dass die Vereinigten Staaten der Ukraine konkrete Fristen setzen, bis wann der russisch-ukrainische Krieg beendet sein müsse.

In letzter Zeit wird über solche Fristen viel gesprochen, und selbst ohne die Zurückweisung durch den Leiter des Präsidialamtes wirkt dies recht unlogisch. Die Vereinigten Staaten können der Ukraine zwar beliebige Bedingungen stellen. Offensichtlich ist jedoch, dass Präsident Donald Trump nicht über ausreichende Möglichkeiten verfügt, den russischen Präsidenten Putin dazu zu zwingen, den Krieg zu einem von Trump gewünschten Zeitpunkt zu beenden – zumal Putin den Verhandlungsprozess nutzt, um den russisch-ukrainischen Krieg fortzusetzen. Schon die Tatsache, dass Trump zugestimmt hat, dass Verhandlungen parallel zu den Kampfhandlungen stattfinden, verschafft Putin zusätzliche Möglichkeiten, die Wünsche des amerikanischen Präsidenten und seiner Unterhändler zu ignorieren.

Zugleich betont Budanov, dass seiner Meinung nach den russischen Unterhändlern klar sei, dass sie letztlich gezwungen sein werden, allen Sicherheitsgarantien zuzustimmen, die die Vereinigten Staaten der Ukraine zu gewähren bereit sind. Wir wissen nicht, auf welche Informationen sich der General dabei stützt. Offensichtlich ist jedoch auch, dass sämtliche Sicherheitsgarantien, die die Vereinigten Staaten und europäische Länder der Ukraine geben könnten, erst nach Beendigung der Kampfhandlungen wirksam würden. Gerade deshalb ist für den russischen Präsidenten bereits die bloße Diskussion zwischen dem amerikanischen und dem ukrainischen Präsidenten über Sicherheitsgarantien für unseren Staat – selbst auf theoretischer Ebene – ein zusätzlicher Anreiz, den Krieg nicht durch einen stabilen Friedensvertrag zu beenden und damit die Möglichkeit solcher Garantien in absehbarer Zeit auszuschließen.

Es scheint, dass auch Budanov sich dieser Tatsache bewusst ist, wenn er von der Komplexität des Verhandlungsprozesses spricht und betont, dass der wichtigste Garant dafür, dass Russland seine Ziele nicht erreicht, die ukrainische Armee sei, die seit zwölf Jahren die imperialen Ambitionen des Nachbarstaates zurückhält. Übrigens spricht Budanov auch ausführlich über diese imperialen Ambitionen und unterstreicht, dass die wichtigste Voraussetzung für das Überleben des ukrainischen Staates der Zusammenbruch Russlands als Imperium sei.

Er präzisiert nicht, was genau er unter einem solchen Zusammenbruch versteht oder welches Schicksal die heutige Russische Föderation innerhalb ihrer international anerkannten Grenzen erwarten könnte. Gemeint sind jedoch die imperialen Ambitionen der Russischen Föderation, die sich bekanntlich nicht auf das Territorium des heutigen Russland beschränken, sondern auf die Gebiete der ehemaligen Sowjetrepubliken.

Aus dieser Perspektive sind sowohl der Krieg Russlands gegen Georgien im Jahr 2008, die Annexion der Krim im Jahr 2014, der große Krieg Russlands gegen die Ukraine seit 2022 als auch die fortgesetzte russische Kontrolle über Transnistrien in Moldau Teil eines umfassenden Plans zur sogenannten Korrektur des „Fehlers“ von 1991, als die Sowjetunion von der politischen Landkarte verschwand.

Bekanntlich haben die russischen Sicherheitseliten das Verschwinden der Sowjetunion niemals akzeptiert. Mit dem Aufstieg Putins an die Spitze des russischen Staates wurden die Bemühungen intensiviert, die russische Staatlichkeit wieder an die Grenzen der Sowjetunion von 1991 heranzuführen. Der große Krieg gegen die Ukraine ist aus dieser Sicht nur eine Etappe dieser sogenannten Spezialoperation. Das Scheitern des Blitzkriegs hat diese Pläne jedoch erheblich gebremst.

Insofern kann man sagen, dass die imperialen Ambitionen Russlands heute deutlich geschwächt wirken. Selbst wenn man annimmt, dass der russische Staat in seinen international anerkannten Grenzen bestehen bleibt – auch nach dem Übergang von der heißen Phase des Krieges zu einem weniger intensiven, aber nicht minder beunruhigenden Konflikt in den kommenden Jahren und Jahrzehnten.

Tatsächlich könnte der Zusammenbruch dieser imperialen Ambitionen die einzige Garantie für das Überleben sowohl der Ukraine als auch anderer ehemaliger Sowjetrepubliken sein, die 1991 ihre Unabhängigkeit erklärten. Damit verteidigt die ukrainische Armee nicht nur die Ukraine, sondern auch diese Staaten vor den fortdauernden Versuchen, ihre Souveränität zu untergraben – Versuche, die stets Teil russischer Staatspolitik waren.

Libanesische Journalisten, die mit Budanov sprachen, fragten ihn auch nach möglichen eigenen Präsidentschaftsambitionen. Seine Antwort war weniger eine Aussage über persönliche Pläne als vielmehr eine Feststellung der objektiven Realität: Derzeit gebe es keine Voraussetzungen für Wahlen. Dieser Kommentar des Leiters des Präsidialamtes, der in aktuellen Umfragen als eine politisch populäre Persönlichkeit gilt, spiegelt die objektive Lage in Bezug auf Verhandlungen und Frieden stärker wider als seine Ausführungen zum Verhandlungsprozess selbst. Budanov macht deutlich, dass es nicht um persönliche Ambitionen geht, sondern darum, dass es in absehbarer Zeit keine objektiven Voraussetzungen für Präsidentschafts- oder Parlamentswahlen gibt. Denn es gibt keine realen Anzeichen dafür, dass die Friedensgespräche – ob in Abu Dhabi oder in Genf – zu konkreten Ergebnissen führen könnten, auf die man in Washington hofft.

Selbst die Wünsche Donald Trumps, die er mit den Präsidenten der Ukraine oder Russlands bespricht, ändern nichts an der Realität, in der Putin weiterhin auf militärischen Druck setzt. Solange das Kriegsrecht gilt, die Kampfhandlungen andauern und das Hinterland unter russischem Beschuss leidet, kann nur jemand von realen Wahlen träumen, der die Lage der Ukraine im fünften Jahr dieses erschöpfenden großen Krieges nicht begreift.

In diesem Sinne erscheint Budanovs Haltung zu Wahlen und Verhandlungen deutlich realistischer als die vieler ukrainischer Politiker und Kommentatoren, die den Prozess – offenbar vor allem im Interesse eines einzigen Zuschauers, Donald Trump – als reale und nicht als illusorische Politik betrachten, obwohl wir uns seit Januar 2025 in einer weitgehend von Illusionen geprägten außenpolitischen Situation befinden.


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Titel des Originals: Буданов заперечує вимоги США | Віталій
Портников. 28.02.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 28.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Trump – Zelensky: Das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 26.02.2026.

Am Tag nach dem Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine telefonierte der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky. Es war ihr erstes Gespräch nach dem Treffen der Präsidenten in Mar-a-Lago. Es war relativ kurz, dauerte etwa 30 Minuten und war im Wesentlichen eher eine Vorbereitung auf eine neue Verhandlungsrunde, die in Kürze zwischen der russischen, ukrainischen und amerikanischen Delegation stattfinden soll.

Vor dieser Verhandlungsrunde werden die amerikanischen Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner, die das persönliche Vertrauen Trumps genießen und während seines Telefonats mit Zelensky anwesend waren, auch separat mit der ukrainischen Delegation zusammentreffen sowie ein Treffen mit dem Sondervertreter des russischen Präsidenten Putin, Kirill Dmitriev, abhalten.

Über die Atmosphäre des Gesprächs berichten Quellen als freundlich. Das heißt, es kam glücklicherweise zu keinen ernsthaften Konflikten zwischen Trump und Zelensky im Zusammenhang mit dem Friedensprozess. Interessant ist jedoch, dass der ukrainische Präsident nach dem Gespräch die Hoffnung äußerte, den Krieg noch in diesem Kalenderjahr beenden zu können, während der Präsident der Vereinigten Staaten möchte, dass er innerhalb eines Monats endet.

Es gibt derzeit keinerlei objektive Gründe anzunehmen, dass sich die Prognosen Trumps oder die Prognosen Zelenskys verwirklichen lassen. Und hier geht es natürlich nicht um ein Jahr oder einen Monat, sondern um die Grundlage für die Annahme, dass der russische Präsident Putin überhaupt beabsichtigt, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden – und nicht vielmehr den Verhandlungsprozess während der Kampfhandlungen gerade dazu zu nutzen, diese Kampfhandlungen fortzusetzen. Wie bekannt, hält sich Putin genau an ein solches Schema seit seinem denkwürdigen Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten in Anchorage.

Man kann also sagen, dass die Hauptaufgabe der ukrainischen Seite derzeit darin besteht, sich nicht mit der amerikanischen Seite zu zerstreiten. Zelensky hat diese Aufgabe während des Gesprächs bewältigt. Zumindest gab es nach dem Telefonat zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine keinerlei negative Kommentare von amerikanischer Seite.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Fortsetzung der amerikanischen Unterstützung für die Ukraine. Allerdings – wenn wir tatsächlich hoffen könnten, dass der Krieg im Jahr 2026 endet, müssten gewichtige Gründe für solche Prognosen in Veränderungen der amerikanischen Außenpolitik liegen. Vor allem in der Bereitstellung realer finanzieller Hilfe für die Ukraine, vergleichbar mit der Unterstützung, die unser Land unter der vorherigen Administration erhalten hat. Und wie wir sehen, hat selbst diese Unterstützung das Ende des russisch-ukrainischen Krieges nicht nähergebracht.

Und natürlich – der wichtigste, zentrale Punkt in dieser ganzen Geschichte – ist die Lieferung weitreichender Waffen an die Ukraine. Man muss endlich verstehen, dass es durch wirtschaftlichen Druck auf die Russische Föderation, unter der Bedingung der fortgesetzten Unterstützung durch die Volksrepublik China und andere Länder des globalen Südens, unmöglich ist, Putin nicht nur zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu zwingen, sondern ihn auch nur für zehn Minuten dazu zu bringen, ernsthaft über ein Ende ohne das Auslöschen der Ukraine von der politischen Weltkarte nachzudenken.

Wie wir am Gespräch zwischen Zelensky und Trump sehen, besteht weder beim amerikanischen noch beim ukrainischen Präsidenten irgendein Wunsch, einem solchen Vorhaben des russischen Präsidenten zuzustimmen. Das bedeutet, der Krieg wird weitergehen.

Trump ist an einem realen Ergebnis der Beendigung des Krieges interessiert – auch deshalb, weil er vor den Zwischenwahlen zum Kongress, die bereits im November dieses Jahres stattfinden und derzeit weder dem amerikanischen Präsidenten noch der Republikanischen Partei etwas Positives versprechen, das Image eines Friedensstifters haben möchte. In der Republikanischen Partei befürchtet man tatsächlich, dass diese Zwischenwahlen mit einem Sieg der Demokraten enden könnten.

Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, der als einer der Trump am nächsten stehenden Politiker in den Vereinigten Staaten gilt und auf Wunsch Trumps lange Zeit die Bewilligung amerikanischer Hilfe für die Ukraine unter Biden blockierte – was zu Veränderungen an der Front führte –, sagt nun, dass ein Sieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen zum Ende von Trumps politischer Karriere führen könnte.

Und er hat recht. Sollten die Demokraten tatsächlich die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat erringen, hätten sie genügend Gründe, ein Amtsenthebungsverfahren gegen den amtierenden Präsidenten einzuleiten und es – bei entsprechender Mehrheit im Senat – auch zum Abschluss zu bringen.

Davor haben die Republikaner große Angst. Davor fürchtet sich Donald Trump, der sich aller Konsequenzen einer solchen deprimierenden Niederlage bewusst ist. Deshalb braucht er Argumente, um die Wähler zu überzeugen.

Darüber hinaus ist dem amerikanischen Präsidenten offensichtlich klar, dass er künftig viel mehr Zeit der amerikanischen Innenpolitik widmen und Motor des republikanischen Wahlkampfs sein muss. Dadurch wird er weniger Möglichkeiten haben, sich mit außenpolitischen Fragen zu beschäftigen – selbst mit solchen, die für die amerikanische Öffentlichkeit von großer Bedeutung sind. Deshalb gibt es die Idee, alle für die Vereinigten Staaten wichtigen Krisen – vor allem die im Nahen Osten und den russisch-ukrainischen Krieg – noch vor Beginn der intensiven Wahlkampfphase, zumindest vor dem amerikanischen Unabhängigkeitstag im Sommer, zu beenden.

Doch es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass Donald Trump und seine Mitstreiter reale Möglichkeiten haben, dies zu erreichen – solange sie weiterhin mit Putin und Xi Jinping kokettieren, nach Verständigung mit der Führung Irans suchen, sich vor der Lieferung weitreichender Waffen an die Ukraine fürchten, die realen Folgen amerikanischer Angriffe auf den Iran nicht verstehen und nicht begreifen, dass man – wenn man außenpolitisch wirklich etwas erreichen will – notfalls auch Truppen einsetzen muss und nicht nur Raketenangriffe durchführen.

Solange diese Tendenz Trumps und seiner Mitstreiter, vor der Realität in Richtung illusionärer Gewinnschemata zu fliehen, anhält, kann man die amerikanische Außenpolitik der Trump-Ära als äußerst illusionär und ineffektiv bezeichnen. Und das wirkt sich natürlich vor allem auf das aus, was wir nun im fünften Jahr dieses endlosen großen russisch-ukrainischen Krieges erleben – eines Krieges, an dessen Fortsetzung Putin zusammen mit seinem Generalstab und seiner Gesellschaft so interessiert ist.

Ein Krieg, der tatsächlich – wenn nicht vollständig gestoppt, so doch zumindest eingefroren – nur dann zum Stillstand kommen könnte, wenn Putin eine reale Bedrohung seiner strategischen Objekte spüren würde, wenn ihm klar würde, dass er den militärisch-industriellen Komplex der terroristischen Föderation und ihre Ölraffinerien nicht schützen kann. In allen anderen Situationen – trotz aller Prognosen über wirtschaftliche Probleme in Russland – kann Putin voller Hoffnung sein, dass ein lang andauernder Krieg gegen die Ukraine nicht einfach mit der Niederlage unseres Staates oder einer Kapitulation endet; eine solche Kapitulation braucht Putin nicht, sondern vor allem mit ihrem Verschwinden – was seit 2014, seit dem Sieg des Maidan, das zentrale politische Ziel des russischen Präsidenten und seines Umfelds ist.

Und Trump sollte die wirklichen Ziele des russischen Präsidenten berücksichtigen und verstehen, wie sehr diese Ziele im Innersten der russischen Gesellschaft verankert sind – anstatt einfach darauf zu hoffen, dass der Krieg in wenigen Monaten endet.


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Titel des Originals: Трамп – Зеленський: головне | Віталій
Портников. 26.02.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 26.02.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Fünftes Kriegsjahr | Vitaly Portnikov. 24.02.2026.

Das fünfte Jahr des großen russisch-ukrainischen Krieges hat begonnen. Vor vier Jahren, am 24. Februar 2022, traf der Präsident der Russischen Föderation, Putin, die Entscheidung, unser Land anzugreifen.

Das sollte ein kurzer Krieg sein. Ein Krieg, der buchstäblich in wenigen Wochen mit der Umsetzung eines grandiosen Plans des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation enden sollte, der vor allem den Anschluss der östlichen und südlichen Regionen der Ukraine an Russland vorsah, mit der Umwandlung dieses Landesteils – der unter der formalen Kontrolle einer Marionettenregierung verbleiben sollte – in einen Vasallenstaat, der zunächst Teil des Unionsstaates Russland–Belarus–Ukraine geworden wäre und anschließend zusammen mit Belarus liquidiert worden wäre, damit Russland in dem neuen pseudo-föderativen Unionsstaat, den Russland mit erneut in einen Pseudo-Integrationsprozess hineingezogenen ehemaligen Sowjetrepubliken des Südkaukasus und Zentralasiens zu schaffen beabsichtigte, ein größeres Gewicht hätte.

Aber wie wir wissen, erwies sich dieser Plan als nutzlos und illusorisch. Kyiv haben die Russen nicht eingenommen. Mehr noch: In vier Jahren dieses großen Krieges, in zwölf Jahren des russisch-ukrainischen Konflikts, der 2014 mit der Besetzung und Annexion der Krim und dem Versuch begann, den gesamten Donbas zu besetzen, ist es der russischen Armee nicht gelungen, auch nur die gesamte Region Donezk unter Kontrolle zu bringen. Und auch das spricht nicht über die Übereinstimmung der realen Absichten und der realen Möglichkeiten seitens des Kremls.

Obwohl – nichts beschönigend – hat sich die russische Macht in diesen vier Jahren auf einen Zermürbungskrieg umorientiert. Und dieser Zermürbungskrieg wurde zugleich zum Fundament dafür, in Russland anstelle eines autoritären Regimes einen echten totalitären Staat zu schaffen, in dem Putin zusammen mit seinem Tschekisten-Team sich um die Fortsetzung der Macht nicht einmal sorgen muss. Der russisch-ukrainische Krieg wurde zum Rezept für die Fortsetzung der Tschekisten-Herrschaft und zur Säuberung des russischen politischen und medialen Raums von allem, was in Zukunft Alternativen zur Putin-Herrschaft hätte schaffen können.

Und aus dieser Sicht spielte der Krieg für Putin seine positive Rolle. Der Krieg spielte auch für seinen wichtigsten Verbündeten eine positive Rolle – für den Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping. Man kann sagen, dass sich in diesen vier Jahren das geopolitische Gewicht Chinas um ein Vielfaches erhöht hat, weil dies nicht so sehr mit dem russischen Krieg selbst zusammenhängt, sondern mit der Reaktion des Westens.

Es stellte sich heraus, dass der Westen, der vor allem mit Wirtschaftssanktionen und der Verstärkung der militärischen Hilfe für die Ukraine reagieren wollte – und selbst das nicht in den ersten Wochen dieses Krieges –, die Unfähigkeit demonstrierte, eine Aggression mit wirtschaftlichen Methoden zu stoppen, wenn China und andere Länder des globalen Südens sich schützend vor das Land stellen, gegen das Wirtschaftssanktionen verhängt werden.

Deshalb kann Putin trotz ernsthafter Probleme in der russischen Wirtschaft auch auf die nächsten Jahre als Jahre des russisch-ukrainischen Krieges blicken, ohne irgendeinen Wunsch, diesen Krieg zu beenden, vielmehr mit dem Wunsch, einen Verhandlungsprozess zu imitieren, um den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, von weiteren ernsthaften Schritten abzuhalten, die die russischen Möglichkeiten hätten schwächen können.

Mit solchen Schritten meine ich nicht einmal Wirtschaftssanktionen, die – wie wir verstehen – den Wunsch der russischen Führung zu kämpfen nicht ändern werden, sondern die Lieferung weitreichender Waffen an die Ukraine und die Zerstörung russischer wirtschaftlicher und strategischer Objekte, die nicht so sehr Putins Wunsch zu kämpfen verringern würden, sondern diesen Wunsch zumindest in den nächsten Jahren dieses zermürbenden Krieges unmöglich machen würden.

Was haben wir als Ergebnis dieser vier Jahre? Erstens können wir feststellen, dass Putins Pläne einer schnellen Eroberung des ukrainischen Staates gerade wegen ihrer völligen Illusorität nicht verwirklicht wurden, gerade wegen des völligen Unverständnisses des russischen Führers und seiner Landsleute darüber, dass die politische Psychologie des ukrainischen Volkes sich von der politischen Psychologie des russischen unterscheidet, dass die Ukraine wirklich nicht Russland ist, dass die überwältigende Mehrheit der Bürger der Ukraine nicht in einem einzigen Staat mit ihren ehemaligen Nachbarn aus dem Russischen Imperium und der Sowjetunion leben will. Dass die Ukrainer tatsächlich bereit sind, ihre Souveränität zu verteidigen.

Das ist die erste Schlussfolgerung aus dem Fiasko des putinschen Blitzkriegs. Aber für Putin bedeutete diese Schlussfolgerung nur die Umformatierung des Krieges zu einem endlosen Zermürbungskrieg gegen einen feindlichen Staat und zur Vernichtung einer feindlichen Nation. Genau deshalb nahm dieser Krieg ziemlich schnell nach der Niederlage des putinschen Blitzkriegs einen existenziellen Charakter an.

Wenn man 2022 noch glauben konnte, dass die überwältigende Mehrheit der Ukrainer unter einer fremden russischen Flagge leben könnte und die Russen sich damit abfinden würden, sie als de-facto loyale Bürger ihres eigenen Landes zu betrachten – unter der Bedingung, dass sie ihre ukrainische Identität aufgeben und den ukrainischen Mythos als misslungenes Experiment auf einem Teil des Territoriums des russischen Staates vergessen –, so haben sich Putin und seine Landsleute, seine Militärs, in vier Jahren Krieg von der Illoyalität der Ukrainer überzeugt, davon, dass sie ihre imperiale Überheblichkeit nicht wiederherstellen können, solange Ukrainer auf ihrem Land leben, selbst unter russischer Herrschaft.

Das sind auch Schlussfolgerungen aus den Experimenten zur Vereinigung russischer und ukrainischer Länder in den Jahren 1654 und 1918. Das sind auch Schlussfolgerungen aus dem ständigen Wunsch der Ukrainer, einen eigenen Staat auszurufen, der zur Schwächung und Marginalisierung der russischen Staatlichkeit führte. Es wird absolut offensichtlich, dass diese beiden Völker während des ganzen stürmischen 21. Jahrhunderts, das ein Jahrhundert der Kriege, Konflikte, Kataklysmen und Katastrophen zu werden verspricht, keine gemeinsame Sprache finden werden. Und ein anderes 21. Jahrhundert wird es – wie wir sehr gut verstehen – nicht geben.

Mehr noch: Der wissenschaftlich-technische Fortschritt, der sich in den nächsten Jahrzehnten rasant entwickeln wird, wird die suizidalen Stimmungen der Menschheit nur verstärken. Darauf muss man ebenfalls vorbereitet sein – als auf eine der ernsthaftesten und wichtigsten zivilisatorischen Prüfungen unserer ganzen Geschichte. Und ich meine nicht die Geschichte eines Landes, sondern die Geschichte der Menschheit als solcher.

Aus dieser Wahrnehmung der Ukraine und der Ukrainer durch die Russen als unerwünschtes Territorium, als unerwünschtes Volk, ergeben sich die Hauptaufgaben für die nächsten Jahre der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation: den Staat zu bewahren und das Volk zu bewahren. Und das ist eine viel ambitioniertere Aufgabe als nur die Bewahrung der Staatlichkeit.

Man muss sich bewusst machen, dass die Russen in verschiedenen Situationen fremde Territorien besetzten, aber keinen Anspruch darauf erhoben, ganze Völker zu ersetzen. Und es gab Situationen, in denen sie Anspruch darauf erhoben, ganze Völker zu ersetzen. Das alles geschah unterschiedlich. Und auch die Instrumente der Ersetzung von Völkern waren unterschiedlich. Sagen wir, im Fall der Völker des Nordkaukasus und der Krimtataren wurden Entscheidungen getroffen, diese Völker in andere Gebiete umzusiedeln, ihre nationale Heimat von ihnen selbst zu „reinigen“. Im Fall der Völker des Nordkaukasus führte dies – wie Sie wissen – zu ihrer Rückkehr nach dem Tod von Josef Stalin. Die Krimtataren begannen erst nach dem Zusammenbruch des sowjetischen Regimes als solchen in ihre Heimat zurückzukehren.

Im Fall der baltischen Länder wurde ein anderes Instrument der Denationalisierung angewandt: die Verwässerung dieser zahlenmäßig nicht sehr großen Völker durch die wesentlich zahlreicheren Russen. Infolgedessen bildeten zum Zeitpunkt der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Lettlands, Litauens und Estlands die Letten faktisch bereits keine Mehrheit mehr im eigenen Land, und die Esten liefen Gefahr, ihre Mehrheit zugunsten russischer Siedler zu verlieren.

Im Fall der Belarusen und Ukrainer wurde ein anderes Instrument angewandt – das Instrument ihrer Verwandlung in Russen. Nicht umsonst bestand in der Konzeption des russischen Volkes, die in der Historiographie und im Bildungswesen des Russischen Imperiums bis 1917 angewandt wurde, das russische Volk angeblich aus drei gleichberechtigten Zweigen: Kleinrussen, Großrussen und Belarusen. Doch schon das Wort „groß“ erklärte klar, welcher der Zweige dieses „russischen“ Volkes für die großrussisch-chauvinistische Dynastie der Romanows der Hauptzweig war.

Nach 1917 stimmten die Bolschewiki, eingeschüchtert von der nationalen Bewegung – vor allem in der Ukraine, aber auch in Belarus –, ebenfalls der eigenständigen Existenz des ukrainischen und des belorussischen Volkes zu. Man kann jedoch sagen, dass die heutige russische Führung unter Vladimir Putin diese Zustimmung widerrufen hat. Und aktuell geht es darum, dass auf dem Gebiet der Ukraine nur ethnische Russen leben können, und dass es die Ukrainer selbst einfach nicht gibt.

Und das sind nicht meine Erfindungen. Praktisch erklärt Russland auf den besetzten Gebieten diejenigen, die dort leben, zu ethnischen Russen. Sie wissen sehr gut, dass sowohl nach den Volkszählungen in der Sowjetunion als auch nach den Volkszählungen in der Ukraine nach der Ausrufung der ukrainischen Unabhängigkeit die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung der Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja, deren Teile jetzt vom Feind besetzt sind, aus ethnischen Ukrainern bestand. Und wie Ihnen sehr wohl bekannt ist, leben dort jetzt „keine ethnischen Ukrainer“ mehr.

Der Unterricht der ukrainischen Sprache ist dort verboten, und es findet ein Prozess statt, nicht einmal der Russifizierung, sondern der Anerkennung derjenigen, die auf den besetzten Gebieten geblieben sind, als ethnische Russen. Das heißt, es findet eine Fälschung der Ethnizität selbst, des Volkes selbst statt. Und das ist ein absolut anderes Instrument als das, welches gegenüber anderen Völkern des Russischen Imperiums, der Sowjetunion und selbst gegenüber Ukrainern und Belarusen vor der putinschen Invasion angewandt wurde. Das muss man sich bewusst machen.

Die Idee, dass der Krieg mit einem Sieg Russlands enden könne, während die Ukrainer dort bleiben, wo sie sind, ist eine absolut illusorische Idee, die nicht einmal einer Diskussion wert ist. In dieser Situation – wie wir verstehen – haben die Ukrainer eigentlich keine besondere Wahl. Entweder gelingt es ihnen, den Staat zu bewahren und so die ukrainische Nation auf ukrainischem Boden zu bewahren, oder der Staat wird nicht bewahrt, und das, was vom ukrainischen Volk übrig bleibt, wird sich in der Emigration, in der Diaspora, auf den Ländern fremder Völker befinden.

Und als Mensch jüdischer Herkunft kann ich Ihnen klar sagen: Das ist eine sehr schmerzhafte, sehr unangenehme und sehr ungerechte Prüfung, wenn du deine Identität bewahrst, aber dein ganzes Leben gewissermaßen als Gast bei fremden Regierungen und fremden Völkern lebst. Und dich soll eine Regierung schützen, die formal deine ist, faktisch aber nicht. Und das zeigt sich in kritischen Situationen.

Ich denke, viele Ukrainer verstehen das sehr gut – jene, die jetzt im Ausland leben. Aber wiederum: Sie leben im Ausland bei gleichzeitiger Existenz ihres Staates, ihres nationalen Staates auf der politischen Weltkarte. Ukrainer aus der Diaspora, die in der Zeit lebten, als die Ukraine ein Simulator der Ukrainischen SSR war, irgendwo in Kanada, den Vereinigten Staaten, können Ihnen erzählen, wie dieses Leben ist – wenn du natürlich in dir Ukrainischsein bewahren willst und willst, dass man dich als Ukrainer wahrnimmt. Deshalb ist die Bewahrung der ukrainischen Staatlichkeit für alle nötig: für die Ukrainer, die weiter in der Ukraine leben wollen, und für die Ukrainer, die für sich beschlossen haben, in den Ländern zu bleiben, in denen sie heute in der Diaspora oder in der Emigration leben, oder die die Ukraine nach Beginn der großen Invasion verlassen haben. Und die Bewahrung der ukrainischen Staatlichkeit – einfach als, wenn Sie wollen, Zuflucht für Ukrainer in der Ukraine und Schutzbrief für Ukrainer außerhalb der Ukraine – kann unsere gemeinsame Aufgabe für die 20er–30er Jahre des 21. Jahrhunderts sein, die eben die Jahre der russisch-ukrainischen Konfrontation sein werden.

Ukrainer werden sich entweder gegen Russland behaupten und ihre Staatlichkeit und Identität bewahren – oder sie werden von der politischen und ethnografischen Karte der modernen Welt verschwinden oder sich in ein Volk ohne Land für eine lange Zeit verwandeln, vielleicht sogar für immer, wenn man das Tempo der Russifizierung der Völker Russlands berücksichtigt, die wir gerade unter der Herrschaft des putinschen Regimes beobachten und die selbst in bolschewistischer Zeit niemals so waren.

Man kann sich vorstellen, welches zivilisatorischen Schicksal diejenigen Ukrainer erwartet, die auf von den Russen besetzten Gebieten bleiben, ein Filtrationsverfahren durchlaufen, nicht getötet und nicht vertrieben werden. Solche wird es nicht viele geben, aber auch sie werden keine Ukrainer sein. Das heißt – wie Sie verstehen – der russische Chauvinist braucht keine dekorativen Ukrainer mehr. Auch das muss man sich bewusst machen, wenn wir über die Zukunft dieses Krieges sprechen.

Nun weiter. Die nächste Frage, die auch die wichtigste Frage des heutigen Tages ist: Kann dieser Krieg mit irgendeinem Kompromiss, irgendwelchen Verhandlungen, irgendwelchen Abmachungen enden? Die Antwort ist einfach: nein. Dieser Krieg kann mit keinem Friedensvertrag, keinem Kompromiss, keinen Abmachungen enden. Wenn ich von Menschen höre, in Kommentaren lese, dass man Kompromisse suchen müsse, erinnere ich ständig daran: Niemand hat vor mit Ihnen Kompromisse zu suchen. Niemand interessiert sich dafür, Bürger der Ukraine als Objekt von Kompromissen zu betrachten.

In Russland gibt es keine Menschen, die bereit sind, mit den Ukrainern Kompromisse einzugehen – zumindest nicht in der russischen Führung. Und die letzte Person, die irgendeinen Kompromiss mit den Ukrainern wollen würde, ist der Präsident der Russischen Föderation, Putin. Nicht dafür hat er diesen Krieg begonnen, um Kompromisse einzugehen.

Also lasst uns klar verstehen, welche Ziele der russische Präsident, die russische Armee, die russische Nation haben: die Liquidierung der ukrainischen Staatlichkeit, die Erklärung derjenigen Ukrainer, die auf ukrainischem Boden bleiben, zu Russen. Gemäß der beliebten Logik der russischen Eroberung jeder beliebigen Region – mit deren Ausplünderung. Diejenigen, die bleiben, verstehen Sie?

Also denken Sie nicht, dass Sie sich dort zum Russen erklären, unter der russischen Flagge bleiben können und bei Ihnen dann alles gut wird. Wird es nicht. Einfach: Wenn Sie eine gute Wohnung, ein Auto, ein Geschäft haben – warum sollte man das nicht einem echten Russen geben? Denn niemand wird Sie ernsthaft als Russen wahrnehmen. Das muss man ebenfalls verstehen – selbst wenn Sie sich dazu erklären.

Wiederum aus eigener nationaler Erfahrung: Wie Sie wissen, vertrieben die katholischen Könige Spaniens, Ferdinand und Isabella, einst alle spanischen Juden aus ihren Königreichen – Kastilien, Aragon. Aber sie vertrieben sie unter dem Vorwand, dass diese nicht Christen sein wollten. Und was war mit denen, es waren auch Tausende, wenn nicht Millionen, die Christen wurden? Nichts. Sie blieben über Jahrhunderte – nicht nur über Jahrzehnte – unter dem Verdacht der Könige und ihrer Inquisition. Und natürlich wurde in den passenden Momenten, wenn die Könige und ihre echten christlichen Untertanen Eigentum brauchten, dieses Eigentum den „neuen Christen“ unter dem Slogan konfisziert, dass sie sich in Wahrheit nicht als Christen betrachteten und heimlich jüdische Riten ausführten. Selbst wenn es diese Riten nicht gab, aber Geld gab – das war schon genug, um diese Menschen alles verlieren zu lassen. So wird das Schicksal der Pseudo-Russen auf dem Gebiet des Russischen Imperiums sein. Auch das muss man verstehen.

Ich sage all das nur, damit ein Bewusstsein für die Herausforderungen entsteht. Auch bei denen, die erzählen, man könne einen Kompromiss erreichen. Und sogar bei denen, die Russland an der Schwelle ihres Hauses erwarten. Sie werden es erstens nicht erleben; und wenn Sie es erleben, bekommen Sie eine Maschinengewehrsalve direkt in den Kopf. Oder im besten Fall: Wenn man Sie nicht tötet, jagt man Sie aus dem Haus, und Sie werden wie unglückliche Bewohner von Mariupol mit einer russischen Flagge herumrennen und Putin bitten, dass er Ihnen eine Wohnung gibt. Er wird nichts geben. Wozu braucht er Sie?

Deshalb gibt es im Grunde keine Kompromisse. Nicht weil wir sie nicht wollen, sondern weil Russland sie nicht will und sie nie wollte. Die Idee, dass man Russland irgendein Gebiet geben kann – sagen wir die Region Donezk, oder vielleicht Donezk, Saporischschja und Cherson zusammen mit Luhansk – ist absolut unrealistisch. Ich spreche jetzt nicht über die Moral dieser Idee, weil Sie gewissermaßen bereit sind, über das Schicksal des Hauses Ihres Landsmannes zu verfügen, damit Sie selbst ruhig leben. Da lebt ein Bürger der Ukraine wie Sie in Kramatorsk oder Slovjansk. Und Sie sagen: „Nun, geben wir ihn Putin, dafür kommt er nicht zu mir nach Kyiv oder nach Ternopil.“ Er wird kommen. Er wird kommen. Je mehr Sie geben, desto schneller kommt er.

Aber nicht einmal darum geht es. Es geht darum, dass er in Wirklichkeit von Ihnen nicht Kramatorsk braucht, sondern Truppen in Uschhorod. Deshalb sind all diese Gespräche über den Abzug ukrainischer Truppen aus nicht besetzten Gebieten der Donezk-Region ausschließlich ein Vorwand: erstens, damit Sie hoffen auf etwas, was niemals sein wird; und zweitens, um jeden Verhandlungsprozess zu bremsen, denn natürlich muss man der Ukraine Bedingungen stellen, denen sie nicht zustimmen wird.

Aber sobald die Ukraine gefährlich nahe daran ist, bereit zu sein, irgendwelche russischen Launen unter amerikanischem Druck zu erfüllen, werden sofort neue Bedingungen und Umstände auftauchen. Ungefähr so, wie es heute am vierten Jahrestag von Putins Angriff auf die Ukraine geschah, als praktisch alle russischen Beamten – Uschakow, Medwedew, Peskow – und russische Propagandisten zu erzählen begannen, Großbritannien und Frankreich würden der Ukraine Atomwaffen übergeben. Das ist kompletter Unsinn. Schon die Tatsache, dass Großbritannien in dieser Liste steht, ist ebenfalls kompletter Unsinn, denn Großbritannien und die Vereinigten Staaten konsultieren gemeinsam über das nukleare Arsenal Londons. Frankreich hat tatsächlich seit Charles de Gaulle einen eigenständigen Zugang zu seinem eigenen nuklearen Arsenal. Aber Großbritannien konsultiert faktisch die Vereinigten Staaten, hat seine Atomwaffen unter NATO-Aufsicht. Das heißt: Es kann niemandem nukleare Technologien übergeben, ohne dass die Amerikaner davon wissen – oder überhaupt, ohne dass sie darauf Einfluss nehmen können. Obwohl – nichts beschönigend – können die Amerikaner, wie Sie verstehen, in so einer Situation auch auf die Franzosen Einfluss nehmen. Und überhaupt sich vorzustellen, dass Großbritannien und Frankreich, die Anhänger der Nichtverbreitung von Atomwaffen sind, der Ukraine Atomwaffen übergeben würden, heißt einfach nicht zu verstehen, wie Politik und Leben funktionieren.

Aber die Russen sagen es. Sie haben vor das bei der nächsten Verhandlungsrunde in Genf zu diskutieren. Und warum? Weil die Russen immer, wenn auch nur die geringste Möglichkeit einer Einigung entsteht – denn die Möglichkeit einer Einigung zwischen Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten fehlt von vornherein vollständig –, aber wenn eine Perspektive eines Treffens der Präsidenten auf höchster Ebene auftaucht, um irgendetwas zu besprechen, wenn klar wird, dass die Verhandler alles schon besprochen haben und es nichts mehr zu sagen gibt und nun die Präsidenten das besprechen müssen, was übrig blieb, dann erfinden die Russen immer irgendein Thema, das Präsidentengipfel auf diesem Niveau auf unbestimmte Zeit verschiebt.

So war es übrigens nach dem Besuch von Zelensky in Mar-a-Lago, der angeblich wunderbar verlief und er alles mit Trump abgestimmt habe und alles wunderbar gewesen sei. Aber all das brach im Verlauf des Verhandlungsprozesses wieder zusammen, nachdem Putin Trump von einem erfundenen Beschuss seiner Residenz in Waldai berichtete und Trump zuerst wütend wurde und dann sagte, es habe keinen Beschuss gegeben. Aber jene gemeinsamen Initiativen, die von ihm mit Zelensky während des Treffens in Mar-a-Lago abgestimmt wurden, erwähnte Trump nie wieder. So als hätte es diese Reise und all diese Abmachungen überhaupt nie gegeben.

Dann, als es wieder irgendwelche Verhandlungen in Abu Dhabi gab, diskutierte man irgendwelche technischen Details, und die Verhandlungen stoppten wieder für einige Wochen angeblich weil die Ukrainer an einem Attentat auf einen der Leiter der Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation beteiligt gewesen seien. Obwohl wir verstehen, dass daran nicht die Ukrainer beteiligt gewesen sein müssen, sondern dass dahinter die Logik der Situation in Generalskreisen, der innere Machtkampf zwischen russischen Geheimdiensten stehen könnte – und dass man den General überhaupt einfach benutzt haben könnte, um den Verhandlungsprozess zu sabotieren.

Jetzt, als wieder eine Situation entstand, verbunden damit, dass Trump, Putin und Zelensky sich treffen könnten, tauchte wieder die Idee einer Bombe auf. Entweder geben die Franzosen oder die Briten sie. Wenn nicht die Franzosen und Briten – weil selbst den Russen inzwischen endlich klar wurde, dass das kompletter Unsinn ist –, dann sagen sie, die Ukrainer könnten eine „schmutzige Bombe“ auf ihren bestehenden Kernkraftwerken herstellen. Deshalb müsse man zunächst die Kernkraftwerke unter Kontrolle nehmen – sagen wir, das Tschornobyl-Kraftwerk, über das sie heute in ihrem Fernsehen sprechen – und dann erst über die Beendigung des Krieges verhandeln, damit es keine nukleare Bedrohung für die Russische Föderation gebe.

Und das ist den Russen alles absolut verständlich. Verstehen Sie: Wie rechtfertigt man diesen Krieg? Warum dauert er an? Wenn die überwältigende Mehrheit der Russen ihn beenden möchte. Weil die Ukrainer den armen Russen mit атомarer Gefahr drohen. Übrigens war genau so auch die Logik der Tschetschenienkriege. Wenn klar war, dass die russische Gesellschaft dieser Kriege müde wurde – ungefähr so, wie sie des ukrainischen Krieges müde wurde, weil sie den Sinn dessen, was geschieht, und seine Perspektiven nicht versteht –, begann eine Serie Terroranschläge. „Seht ihr, ihr könnt nicht einmal ruhig in euren Häusern einschlafen. Euer Haus wird gesprengt. Putin muss euch davor retten. Er muss Tschetschenien von tschetschenischen Nationalisten säubern, die einfach Terroristen sind und euch töten wollen.“

Jetzt dasselbe: „Ihr wollt ruhig schlafen? Ihr wollt nicht, dass eine Atombombe in Moskau oder in Sankt Petersburg explodiert? Dann gebt Putin die Möglichkeit, so lange weiterzukämpfen, wie es nötig ist.“ Elementare Logik. Nicht unbedingt auf Trump ausgerichtet, sondern vielleicht eher auf die Russen selbst berechnet. Wenn Putin sich darauf festgelegt hat, dass die nächsten 3–4 Jahre Krieg sein wird, dass er diesen Krieg mindestens bis Januar 2029 fortsetzen muss, wenn der amerikanische Präsident gewechselt wird, weil er die Möglichkeit hat, ihn unter Trump fortzusetzen, dann wird er ihn fortsetzen und den Russen erklären, wozu.

Sie werden fragen: Was ist der Ausweg aus der Situation? Der Ausweg ist: die Positionen halten. Wir werden mit Ihnen nicht die Frage der wirtschaftlichen Erschöpfung Russlands diskutieren, denn hier können unterschiedliche Prognosen existieren. Jemand wird glauben, dass die russische Wirtschaft schon in diesem Jahr zum Zusammenbruch kommt, und jemand kann denken, dass dies in 3–4 Jahren geschieht, und jeder kann recht haben. Aber das Wesentliche ist nicht, wann die russische Wirtschaft erschöpft sein wird. Und nicht einmal, wann die russischen Söldner erschöpft sein werden, denn wir müssen auch daran erinnern – das ist ein sehr wichtiger Moment dieses Krieges –, dass Russland mit einer Söldnerarmee kämpft und Putin es sich nicht leisten kann, einen Krieg mit mobilisierten Bürgern zu beginnen. Das sind unterschiedliche Armeen. Unsere Armee ist eine Armee mobilisierter Bürger, die das Vaterland verteidigen. Die russische Armee ist eine Armee von Söldnern, die sich einfach anwerben ließen, um uns für Geld zu töten. Das schafft natürlich bestimmte Schwierigkeiten für uns im Mobilisierungsprozess, aber zugleich schafft es viel größere Schwierigkeiten für Russland, weil Menschen, die einfach bereit sind, sich fürs Töten gegen Geld zu verpflichten, dennoch nicht so viele sind – eine begrenzte Zahl – und der Krieg dauert an. Und diese Menschen erneuern sich nicht automatisch. Auch das ist ein wichtiger Punkt, den man verstehen muss. Nun, das ist, mir scheint, offensichtlich.

Die Formel ist sehr einfach. Es muss ein Moment kommen – übrigens der Moment, von dem Trump ständig spricht –, in dem die Anstrengungen, die Putin in diesen Krieg steckt, in keinem angemessenen Verhältnis mehr zu dessen Ergebnis stehen. Und das wird nicht nur um ihn herum klar werden, sondern auch Putin selbst: Egal wie viele Jahre er investiert – fünf, acht –, er wird trotzdem nicht bekommen, was er will, und die Jahre gehen, und er wird sich auch seinem 80. Lebensjahr nähern, zumindest dem 75. Geburtstag, und es gibt kein Ergebnis. Und das ist der Weg nicht zu einem Friedensvertrag. Ich wiederhole: Ich denke, dass wir zu unseren Lebzeiten keinen Friedensvertrag zwischen Russland und der Ukraine sehen werden, aber zu einem Abklingen des Krieges, zu seinem Übergang in neue Intensitätsstadien, zu Teilabkommen – sagen wir über irgendwelche Energie- oder See-Waffenruhen –, die zumindest ermöglichen werden, wenn nicht das Kriegsrecht aufzuheben – möglicherweise wird die Ukraine noch lange in diesem Zustand leben –, dann zumindest durchzuatmen.

Und wenn man sich vorstellt, dass irgendein Friedensvertrag unterzeichnet würde und es gelänge, das Kriegsrecht aufzuheben, bleibt der Festungszustand für die Ukraine dennoch unvermeidlich. Das ist in jedem Fall die Essenz unserer zukünftigen Existenz. Ob wir das wollen oder nicht, ob es Ihnen gefällt oder nicht – es ist die einzige Überlebenschance des ukrainischen Staates in den 20er–50er Jahren des 21. Jahrhunderts. Vielleicht hat bis dahin in Russland ein Generationenwechsel stattgefunden. Vielleicht wird es bis dahin Russen geben, die Ukrainer nicht als Russen wahrnehmen. Daran glaubt man nicht besonders, aber auch das kann sein. Vielleicht erscheinen Generationen von Russen, die meinen, dass obwohl Ukrainer Russen sind, das nicht bedeutet, dass man mit ihnen Krieg führen und sie vernichten muss. Aber dafür braucht es mindestens zwei Generationenwechsel nach dem Krieg. Das heißt: Wenn wir das hochrechnen, könnten solche Veränderungen möglicherweise erst in den 50er- oder 60er-Jahren des 21. Jahrhunderts eintreten. Nicht früher. Nicht früher. Hoffen wir, dass zu meinem hundertsten Geburtstag im Jahr 2067 die Ukrainer aufatmen können – nicht früher.

Und man muss den Staat so konstruieren. Und natürlich verstehen, dass ein solcher Staat Teil großer Bündnisse sein muss, sonst wird er nicht überleben – und letztlich in Russland aufgehen. Der Europäischen Union in der einen oder anderen Form, wie sie auf der politischen Weltkarte nach all diesen Konflikten und Problemen, die uns noch im Zusammenhang mit der Stärkung rechts- und linkspopulistischer Kräfte erwarten, bleiben wird. Der NATO – in der einen oder anderen Form mit der Präsenz der Vereinigten Staaten von Amerika, oder, falls die amerikanische Gesellschaft sich nach dem Angriff der Rechtsradikalen nicht wird „gesund“ werden können, ohne die Vereinigten Staaten von Amerika, basierend auf dem nuklearen Potenzial Frankreichs und Großbritanniens. Grüße an Medwedew und Uschakow. Vielleicht eines Europäischen Verteidigungsbundes, der auf den Ruinen der NATO entstehen wird. Vielleicht nach einem Dritten Weltkrieg begrenzten Charakters, der jederzeit in den 30er Jahren des 21. Jahrhunderts zwischen den Vereinigten Staaten und China beginnen kann, vielleicht auch früher.

Was auch immer geschieht, in welchem Maßstab der Krieg auch stattfindet und wie viele Millionen Menschen in den nächsten Jahrzehnten infolge unvermeidlicher Konflikte – ob lokaler oder groß angelegter Art – sterben mögen – ich weiß es noch nicht, aber ich werde es ausrechnen –, damit die Ukraine Zuflucht für Ukrainer bleibt, muss sie eine Festung sein, Teil von Verteidigungsbündnissen. Das ist unser Programm für die nächsten schwierigen Jahre. Allen, die Ihnen irgendeinen Unsinn erzählen – über friedliches Leben, darüber, dass der Krieg beendet sei und nie wieder beginne, darüber, dass alles vorbei sei –, spucken Sie ihnen ins Gesicht. Diese Menschen wollen Ihnen einfach den Kopf verdrehen, damit Sie sie wählen, damit sie Ihnen noch etwas stehlen, was sie noch nicht gestohlen haben. Es können neue Leute im Vergleich zu den vorherigen kommen und sich dann ruhig eindecken für die Zeit eines neuen Krieges. Nun, das ist das Szenario – wir leben schon darin.

Also: Das Wichtigste, womit Ukrainer sich in den kommenden schwierigen Jahren retten können, ist Realismus in der Wahrnehmung der Situation. Ein Realismus, der darin besteht, dass Russland keine reale Möglichkeit hat, uns zu vernichten – wenn wir das nicht selbst wollen. Wiederum: Die russische Armee befindet sich bis heute im Osten der Ukraine. Die Zahl russischer Söldner kann man nicht in geometrischer Progression erhöhen. Die russische Wirtschaft erlaubt Putin zu kämpfen, aber überhaupt nicht, diese Erlaubnis auf irgendeine phantasmagorische Steigerung der militärischen Möglichkeiten zu extrapolieren. Der Einfluss Russlands in der Welt nimmt ohnehin ab. Von Einfluss im postsowjetischen Raum ganz zu schweigen.

Putin hat im Grunde den Einfluss seines Landes im postsowjetischen Raum zerstört. Und das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt im Zusammenhang mit dem zukünftigen Verlauf des russisch-ukrainischen Krieges. Man träumte davon, das Imperium wiederherzustellen. Faktisch bleiben vom Imperium kaum noch etwas übrig. Und das ist auch kein schlechtes Ergebnis des ukrainischen Widerstands in diesen vier Jahren: dass die Ukrainer faktisch mit ihren Körpern, mit ihrem Wunsch, die eigene Staatlichkeit zu bewahren, all jene geschützt haben, die keine realen, ich würde sagen, militärische Versuche unternahmen, sich vor Moskau zu schützen, und sogar jene, die bis heute im russischen Schatten leben. Ganz zu schweigen davon, dass wir in Wahrheit all diese vier Jahre Europa vor russischen Ambitionen schützen. Und auch das muss man klar verstehen. Ganz zu schweigen davon, dass wir in Wirklichkeit auch die Vereinigten Staaten vor chinesischen Ambitionen schützen. Und auch das muss man klar verstehen.

Deshalb, wenn man sagt, die Ukrainer müssten allen für die Hilfe danken, nervt mich das ehrlich gesagt ebenfalls. Die Ukraine ist im Grunde ein Puffer zwischen der demokratischen Welt und der autoritären. Verliert die Ukraine, verlieren alle. Gewinnt die Ukraine, gewinnen alle. Es gibt hier nichts zu danken – für diese im Grunde genommenen ‚Pfennige‘, die gemessen an ihren eigenen Ausgaben nur einen verschwindend geringen Anteil ihrer Haushalte darstellen. Sie müssten uns danken, und ich sage das absolut klar – sowohl westlichen Politikern als auch westlichen Journalisten und in westlichen Auditorien. Und mir scheint, dass viele westliche Politiker und Journalisten das auch längst sehr gut verstehen.

Ich werde einige Fragen beantworten, die bereits während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage. Ist es möglich, dass im Falle einer Niederlage der Republikaner bei den Wahlen die Politik gegenüber der Ukraine im Kongress überprüft wird? Oder wird es infolge des Meinungswettbewerbs nur zusätzliche Verzögerungen geben?

Portnikov. Das Problem ist, dass die Außenpolitik der Vereinigten Staaten die Prärogative der Administration ist und nicht des Kongresses. Der Kongress hat ziemlich begrenzte Funktionen in Bezug auf die Außenpolitik. Natürlich können die Demokraten irgendwelche Abstimmungen gegen das Einfügen irgendwelcher Punkte zur Unterstützung der Ukraine „tauschen“, irgendwelche Vorschläge an den Präsidenten initiieren – ungefähr so, wie das seinerzeit mit den Javelins während Trumps erster Amtszeit war. Aber die wesentliche Außenpolitik der Vereinigten Staaten wird sich bis zu neuen Präsidentschaftswahlen nicht ändern. Trump wird dann einfach nicht mehr in der Lage sein, so zu agieren wie vor den Wahlen. Wir wissen nicht, wie sie enden, aber offensichtlich kann das für Trump in gewissem Maße ein politischer Rubikon werden. Aber wie sehr das den russisch-ukrainischen Krieg beeinflussen wird – das ist eine gute Frage.

Frage. Wie wahrscheinlich ist es, dass Russland einen Atomschlag gegen die Ukraine vorbereitet, um die Ukraine zur schnellen Kapitulation zu zwingen, unter anderem durch Druck des Westens auf die Ukraine?

Portnikov. Ich glaube, dass ein Atomschlag gegen die Ukraine derzeit das Letzte ist, woran Putin interessiert wäre, weil das die gesamte Architektur seiner Beziehungen zu westlichen Ländern – und sogar zu China – absolut verändern würde, aber möglicherweise zu keiner Kapitulation der Ukraine führen würde. Deshalb sehe ich noch keine Voraussetzungen für einen russischen Atomschlag gegen die Ukraine, allerdings – sagen wir es so – wird das Instrument nuklearer Drohungen weiterhin eingesetzt werden.

Frage. Kann die Ukraine in der Nachkriegszeit zum „Waffenschmiede“ werden, indem sie ihre Wirtschaft auf den militärisch-industriellen Komplex ausrichtet?

Portnikov. Nun, erstens muss man bis zur Nachkriegszeit überhaupt überleben. Jetzt gibt es keine objektiven Umstände, um zu betrachten, was in der Nachkriegszeit sein wird. Genauso gibt es keine Möglichkeiten, darüber nachzudenken, welchen Teil des Territoriums der Ukraine der ukrainische Staat nach dem Ende des Krieges kontrollieren wird. Wie viele Menschen auf dem Territorium der Ukraine bleiben werden. Niemand weiß das, weil es um einen Prozess geht, der schon Jahre dauert und noch Jahre dauern kann. Deshalb rufe ich ständig alle auf, nicht über die Nachkriegszeit nachzudenken, weil niemand weiß, wer bis zur Nachkriegszeit lebt und wie viele Jahre man auf ihren Beginn warten muss. Ich möchte Sie daran erinnern, dass es für viele offensichtlich war, wenn 2022 jemand sagte, der Krieg werde mehrere Jahre dauern – und ich habe selbst darüber gesprochen –, doch die Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung glaubte nicht, dass das überhaupt möglich sei. Und sogar zum Neujahr 2023 sagte der Präsident der Ukraine: „Nun, es kann doch 23 nicht so sein wie 22.“ Es kann – und 2025 kann so sein, und 2026 kann so sein, und 2027 kann so sein, es kann so sein wie 2022, es kann viel schlimmer sein. Es gibt keinerlei Grundlagen, über die Nachkriegszeit zu sprechen. Wiederum: Kann die Ukraine zur Waffenschmiede werden? Das wird davon abhängen, welche Waffen überhaupt gebraucht werden. Sie verstehen ja, wie schnell sich der wissenschaftlich-technische Fortschritt ändert – Waffen können in den Bereich hoher Technologien verlagert werden. Man wird sie im Silicon Valley, in den Vereinigten Staaten herstellen, und nicht in der Ukraine. Das hängt von der Qualität der Waffen ab, davon, wie das aussehen wird. Gerade im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg werden – wie Sie verstehen – der wissenschaftlich-technische Prozess im Bereich Krieg, im Bereich Verteidigung, jeden Tag stärker werden und immer neue, immer tödlichere Waffentypen hervorbringen, ausgelegt auf die sofortige Vernichtung einer großen Zahl von Gegnern sowie – wenn wir von Russland sprechen – auf die Bekämpfung der Zivilbevölkerung des Gegners. Deshalb muss natürlich der militärisch-industrielle Komplex gestärkt werden, damit wir nicht von Almosen abhängig sind, wie das in unserer Geschichte oft war. Aber wie real das sein wird, ist die Frage, wie und unter welchen Bedingungen der russisch-ukrainische Krieg enden wird – oder ob er überhaupt endet.

Frage. Sind Russen wirklich so blutrünstig oder einfach dumm? Sie verstehen doch, dass sie mit diesem Krieg nicht nur uns, sondern auch sich selbst schaden. Warum gibt es keine massenhaften Proteste? 1917 wirkte der Krieg als Katalysator.

Portnikov. Nun, erstens gibt es keine Grundlage für irgendwelche massenhaften Proteste. Denn 1917, wenn Sie an den Ersten Weltkrieg erinnern, war es ein Krieg einer mobilisierten Armee. Jetzt ist es Putin gelungen, eine Formel zu schaffen, die für sein Regime im Prinzip absolut perfekt ist. Es ist ein Krieg von Söldnern. Warum sollte man massenhaft protestieren? Aus welchen Gründen? Wenn die Menschen, die in den Krieg gehen, ihn selbst unterschreiben. Das heißt: Das sind Menschen einer gefährlichen Profession, für die es ein Risiko gibt zu sterben, aber sie treffen selbst die Entscheidung, das für Geld zu tun. Wogegen protestieren? Das ist ungefähr so, wie zu protestieren, dass Menschen Feuerwehrleute oder Ärzte werden, wenn man berücksichtigt, dass für die überwältigende Mehrheit der Russen absolut offensichtlich ist, dass ihr Staat immer aus der Sowjetunion bestand und ganz und gar nicht aus der Russischen Föderation, und dass der Verlust der Ukraine ein westlicher Kampf gegen Russland ist, dass man seine Territorien zurückholen muss. Niemand greift Fremdes an. Die Russen holen ihr Eigenes zurück. Ihr Eigenes ist für sie die Sowjetunion, das Russische Imperium. Da gibt es nichts über die Verschlechterung des Lebens zu sagen. Nun, klar, die Russen werden dafür bestraft werden, dass sie ihr Eigenes zurückholen wollen, aber das muss man aushalten – wie jedes stolze Volk.

Und 1917 war alles völlig anders. Die Menschen wollten nicht kämpfen. Sie verstanden nicht, warum sie in Deutschland kämpfen, was sie erreichen wollen. Es gab Propaganda klassischer Natur. Übrigens will ich Sie daran erinnern, dass der Krieg nur deshalb endete, weil die Bolschewiki an die Macht kamen. Alle anderen politischen Kräfte hielten es für notwendig, den Krieg gegen Deutschland fortzusetzen. Auch das muss man bedenken.

Frage. Kann ein Sieg linksradikaler und rechtsradikaler Kräfte Europas bei zukünftigen Wahlen das Ende des Krieges beeinflussen – die Bedingungen seines Endes?

Portnikov. Nun, erstens gewinnen sie in Europa nicht flächendeckend. Es gibt Möglichkeiten von Siegen in einzelnen Ländern und so weiter, aber noch sieht das in den führenden Ländern Europas nicht so aus. Und wir wissen nicht, welche Position gerade die europäischen Rechtsradikalen im Fall ihres Sieges einnehmen würden, weil es unterschiedliche Positionen in unterschiedlichen Ländern sind. Klar, wenn eine „Alternative für Deutschland“ an die Macht in Deutschland kommt, die stärkste Partei wird, dann wird das Erste, was sie tut, sich mit Putin zu verständigen. Aber noch gibt es keine Perspektiven dafür, dass sie an die Macht kommt und die außenpolitische Agenda diktieren kann. Und in Frankreich, wenn Bardella gewinnt, hat niemand gesagt, dass er unter den heutigen Bedingungen eine prorussische Position einnehmen wird. Das entspricht kaum den Interessen seiner politischen Kraft und den Interessen des französischen politischen Konsenses insgesamt. Dann – wiederum – kann es keine Bedingungen des Kriegsendes geben. Ich wiederhole: Sie gehen immer in diese Falle. Die Bedingung des Kriegsendes für Russland ist eine: Sie wurde seinerzeit vom russischen Ex-Präsidenten Medwedew dargelegt. Die Werchowna Rada der Ukraine muss zusammentreten und die Auflösung der Ukraine beschließen. Die Ukraine muss sich Russland in Form einzelner Regionen anschließen. Das ist alles. Das ist die Realität. Wenn der Ukraine nicht geholfen wird, wenn wir keine Kraft haben, uns zu wehren, dann wird die Ukraine besetzt und vernichtet. Das sind keine „Bedingungen des Kriegsendes“. Wenn der Ukraine geholfen wird und sie sich wehren kann, dann wird der Krieg weitergehen bis zu dem Moment, in dem Russland – ich würde sagen – die Nutzlosigkeit seiner Versuche versteht. Das ist der ganze Inhalt der Situation. Es gibt keinen anderen Inhalt. Alles andere ist einfach Unsinn, Illusion. Man soll nicht darin leben. Verstehen Sie: Jetzt leben dieselben Menschen, die am 23. Februar 2022 glaubten, dass es keinen großen Angriff geben werde, in einer neuen Illusion, dass man sich mit Putin verständigen könne. Der Angriff war da, und mit Putin kann man sich nicht verständigen. Vergessen Sie für immer all diesen Unsinn – selbst wenn er in Trumps Kopf existiert.

Frage. Wenn Russland nicht in der Lage sein wird, seine menschlichen Ressourcen für den Krieg durch Vertragssoldaten aufzufüllen – wird es dann zur Mobilisierung greifen? Wird eine solche Mobilisierung in Russland erfolgreich sein?

Portnikov. Ich denke, nein. Ich denke, es wird nicht gelingen und es wird nicht sein. Das wird genau der Moment des Abklingens des Krieges sein. Deshalb glaube ich in dieser Hinsicht absolut nicht an die Möglichkeit irgendeines Mobilisierungsprozesses in der Russischen Föderation, weil die Russen diesen Krieg nicht als einen wahrnehmen, an dem sie selbst freiwillig teilnehmen müssen. Sie verstehen ja unterschwellig, dass die Regierung sie belügt, dass es ein Besatzungskrieg ist. Sie sind bereit, einen Besatzungskrieg wahrzunehmen, wenn sie selbst nicht daran teilnehmen. Aber Sie haben gesehen, dass Putins Mobilisierungsversuche 2022 in fünf Tagen mit der Flucht Hunderttausender Menschen endeten. Glauben Sie wirklich, dass sie noch einmal so experimentieren? Werden sie nicht. Zumindest sehe ich keine Bedingungen, dass das ein erfolgreicher Versuch wäre.

Frage. Nach Ihrem Gefühl – ist schon die Hälfte dieses Krieges vorbei?

Portnikov. Ich weiß nicht. Niemand weiß, wie viel vorbei ist. Im Prinzip, wenn wir diesen Krieg auf den syrischen Konflikt extrapolieren können, dann ist es vielleicht jetzt gerade die Hälfte dieses Krieges, und in weiteren vier Jahren endet er. Aber wiederum – wie? Aber das sind alles absolut nutzlose Analogien, ehrlich gesagt. Ich weiß nicht, wie viel vorbei ist und wie viel noch bleibt, wie das aussehen wird. Niemand weiß es. Im Krieg sind Prognosen unmöglich. Ich habe kein Gefühl. Ich rate, im heutigen Tag zu leben und keine Prognosen zu erfinden, die man ohnehin nicht machen kann, selbst wenn man sehr will.

Frage. Ich habe Ihr Video vom 24. Februar 2022 „Russland hat die Ukraine angegriffen“ zweimal angesehen. Sie sahen aus wie ein Mensch in einem ziemlich schweren moralischen Zustand. Welche Gefühle hatten Sie damals hinsichtlich der Ergebnisse des Angriffs?

Portnikov. Ich hatte damals keine Gefühle hinsichtlich der Ergebnisse des Angriffs, weil ich nicht wirklich verstand, wie Russland mit der Zahl von Truppen, die es an den Zugängen zu Kyiv stationiert hatte, die ukrainische Hauptstadt und überhaupt den Norden unseres Landes besetzen wollte. Aber es wäre sehr seltsam gewesen, wenn ich einen wunderbaren moralischen Zustand gehabt hätte an dem Tag, an dem ein Feind mein Land angriff. In welchem Zustand sollte ich überhaupt sein? Natürlich arbeitete ich, wie jeder Mensch dieses Berufs, weiter. Ich verbrachte den 24. Februar 2022 live auf Sendung beim Fernsehsender Espreso. Ich machte Kommentare für Sie hier auf diesem Kanal. Aber natürlich war ich in einem schweren Zustand. Auch deshalb, weil Sie sich erinnern: Ich war unter denen, die mehrere Jahre lang vor der Unvermeidlichkeit eines großen Krieges warnten und in einer Gesellschaft lebten, die einfach mit geschlossenen Augen lebte nach der Formel, dass man sich mit Putin verständigen könne, nach der Formel, dass man die Armee vergrößern könne, aber dann könne man keine Straßen bauen. Nach der Formel: Wir werden die Warnungen unserer Verbündeten nicht ernst nehmen, sonst bricht unsere Wirtschaft zusammen. Und was ist jetzt mit dieser Wirtschaft? Was ist jetzt mit diesen Straßen? Wenn du in einer Gesellschaft von Blinden lebst, wo die überwältigende Mehrheit Blinde sind und nicht verstehen, dass sie klar auf den Abgrund, auf die Gräber zugehen – wie kannst du die Situation an dem Tag wahrnehmen, als alles begann, was du wusstest, dass es beginnen würde? Du wusstest es genau. Es gab keine andere Variante – zumindest nach bestimmten wahlpolitischen Ereignissen in der Ukraine. Obwohl – lassen wir diese wahlpolitischen Ereignisse. In Wahrheit ist die Formel sehr einfach: Sobald die Ukraine sich von Russland entfernt, versucht Russland sie zurückzuholen – zuerst wirtschaftlich, dann politisch, dann mit Gewalt. Dass das nicht sofort so geschah wie mit der Ukrainischen Volksrepublik, erklärt sich einfach damit, dass die Ukraine sich nicht so sehr entfernte. Das ist das Problem. Also – was soll man sagen? Ich kann Ihnen klar sagen, dass ich, mir scheint, in den ersten Tagen nach Beginn des Krieges einen meiner nahen Freunde, einen bekannten europäischen Politiker, bat, dass er sich mit Vertretern der Nachrichtendienstgemeinschaft trifft und ein persönliches Briefing für mich durchführt: Welche Schlussfolgerungen haben sie hinsichtlich dessen, was geschehen wird? Mir wurde, glaube ich, am 24. oder 25. Februar 2022 klar gesagt: „Dieser Krieg wird sehr lange dauern, denn es ist die endgültige Lösung der ukrainischen Frage, und Putin wird nicht zurückweichen, bis sie gelöst ist. Aber der Westen wird die Ukraine nicht aufgeben und wird mit der Ukraine bis zum Ende sein.“ So verstand ich von Anfang an, dass es um 5–8 Jahre ununterbrochenen, zermürbenden Krieges geht, wenn es gelingt, die Blitzkriegpläne zu vereiteln. Dass es gelingen würde, den Blitzkriegplan zu vereiteln, war ich sicher. Und nun – wir stehen am Anfang des Weges.

Frage. Ist denn nicht klar, dass das Ende des Krieges nicht mehr von Putin abhängt?

Portnikov. Das ist nicht klar. Putin kann den Krieg an einem Tag beenden. Genau das sagt Präsident Zelensky absolut richtig, und auch andere Politiker. Ende des Krieges hängt von Putin ab. Und mir ist unklar, von wem es sonst abhängen soll.

Frage. Welche letzte „Tropfen“ könnte es für Trump geben, damit er endlich neue Sanktionen gegen Russland einführt?

Portnikov. Er kann neue Sanktionen gegen Russland ohne irgendeinen Tropfen einführen. Aber das hat keine große Bedeutung, weil keine Sanktionen Putin zwingen werden, diesen Krieg in absehbarer Zeit zu beenden. Sanktionen haben – wie einst Trumps Vorgänger als Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama, sagte – einen kumulativen Effekt. Aber sie haben auch einen kumulativen Defekt. Man kann diesen Effekt viele Jahre, ja sogar Jahrzehnte lang anstreben, was die Erfahrung nicht nur der Russischen Föderation, sondern auch Nordkoreas und Irans zeigt. Unter den Bedingungen der Präsenz Chinas auf der wirtschaftlichen Bühne der heutigen Welt haben Sanktionen des Westens einen kumulativen Defekt. Also geht es nicht um Sanktionen. Keine Sanktionen werden Putin schnell dazu bringen, den Krieg zu beenden. Es geht um wirksame Hilfe für die Ukraine, um weitreichende Waffen, um die Stationierung westlicher Truppen auf dem Territorium der Ukraine. Wenn das geschieht, dann können wir darüber sprechen, ob der russisch-ukrainische Krieg in den nächsten Jahren enden wird – vielleicht in Monaten. Noch gibt es keine objektiven Umstände, darüber zu sprechen.

Frage. Welche Reaktion der Vereinigten Staaten ist im Falle eines Angriffs Chinas zu erwarten?

Portnikov. Hier steht „danach“, aber lassen wir „im Fall“. Im Falle eines Angriffs auf Taiwan oder sogar auf Japan – wird Trump dann abwinken und sich weiterhin nur mit denen anlegen, vor denen er keine Angst hat, zum Beispiel mit dem Iran? Ich fürchte, dass die Verstärkung der Ambitionen autoritärer Führer – vor allem Putins und Xi Jinpings – gerade damit zusammenhängt, dass sie verstehen, dass Trump nicht mit ihnen in Konflikt geraten will. Trumps Weltbild sieht so aus, dass es drei große Führer gibt: er selbst, Xi Jinping und Putin, und alle anderen müssen sich ihren Entscheidungen fügen. Und die Vereinigten Staaten können nicht in eine offene Konfrontation mit Peking und Moskau gehen. Deshalb weiß ich nicht, wie Trumps Reaktion sein wird, wenn China Gewalt gegen Japan oder Taiwan anwendet. Ich habe darauf keine Antwort. Genauso wie ich nicht weiß, ob Artikel 5 der NATO im Falle eines russischen Angriffs auf die baltischen Länder angewandt werden kann, wenn Trump selbst die territoriale Integrität Dänemarks bedroht. Jetzt leben wir in einer Welt, in der es auf all diese Fragen keine Antworten gibt, aber ich wiederhole: Das ist eine Vorkriegswelt. Ein großer Krieg kann auf alle Fragen viel tadelloser, genauer und „reiner“ antworten als all diese Gespräche. Und er kann in dieser Präsidentschaft passieren.

Frage. Welche Voraussetzungen müssten sich für Russland ergeben, damit es Europa angreift?

Portnikov. Mir scheint, die erste Voraussetzung ist zumindest das Ende des Krieges mit der Ukraine, weil Russland derzeit einfach keine Ressourcen hat, gegen europäische Länder zu kämpfen. Zumal europäische Armeen doch moderne Waffen haben. Und das ist ein Konflikt mit einem nuklearen Block. Aber wenn der Krieg gegen die Ukraine mit der Liquidierung der Ukraine endet, dann sind das natürlich blendende Voraussetzungen dafür – übrigens muss man vielleicht Europa gar nicht angreifen: Die Wähler Europas werden geschlossen für jene stimmen, die bereit sind, sich mit Putin zu verständigen. Auch das kann sein.

Frage. Warum tritt China nicht als so bedingungsloser Verbündeter Russlands auf, wie Europa es für die Ukraine tut?

Portnikov. Weil China keine überschüssigen wirtschaftlichen Mittel hat, um ein bedingungsloser Verbündeter Russlands zu sein und es einfach zu finanzieren. Aber China tut schon viel für Russland dadurch, dass es riesige Mengen russischen Öls kauft und so den russischen Haushalt auffüllt und Russland ermöglicht, all diese vier Jahre die Sanktionen des Westens zu ignorieren. China tut viel für Russland dadurch, dass es Russland Komponenten für Waffen liefert. Und China tut viel für Russland schon dadurch, dass es für den Westen die Hauptgefahr bleibt und so für Menschen wie Trump die Illusion schafft, dass Russland nicht so wichtig sei und man sich irgendwie mit ihm verständigen könne. Mit China kann man sich nicht verständigen. Die Hauptaufgabe ist, dass Russland kein so großer Verbündeter Chinas wird, und dafür muss man es nicht zu sehr verärgern. Auch das ist übrigens eine enorme Rolle Chinas: Es zieht die reale Aufmerksamkeit des Westens auf sich.

Das sind solche ersten Gedanken an diesem schwierigen Tag – schwierig für jeden, denke ich, nicht nur für jeden Ukrainer, sondern für jeden Menschen, der sich dafür verantwortlich fühlt, dass das Gute siegt und nicht das Böse. Aber wir werden hoffen, dass das Gute обязательно siegt und die Ukraine siegt – und alles dafür tun, was möglich ist.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Пʼятий рік війни | Віталій Портников. 24.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 24.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Oberste in ein Schmiergeldsystem verstrickt | Vitaly Portnikov. 25.02.2026.

Unter dem Verdacht der Korruption beim Bau von Schutzbauten für ukrainische Flugzeuge wurden der Logistikkommandeur der Luftstreitkräfte der Streitkräfte der Ukraine, Oberst Andrij Ukrajinez, sowie der Leiter der SBU-Verwaltung in Schytomyr, Oberst Wolodymyr Kompanijtschenko, festgenommen.

Es ging dabei nicht um einzelne Fälle korrupter Missbräuche, sondern um die Schaffung – man könnte sagen – eines ganzen Korruptionssystems, das mit der Bestechung von Mitarbeitern der militärischen Gegenspionage sowie mit der Suche nach loyalen Prüfern verbunden war, um umfangreiche Korruptionsvergehen zu verschleiern.

In solchen Korruptionsfällen erstaunt mich vor allem die Psychologie der Menschen, die sich daran beteiligen. Denn wir verstehen, dass bereits die Idee, beim Bau von Schutzbauten für Flugzeuge zu betrügen, unmittelbar mit der faktischen Zerstörung des militärischen Potenzials der Streitkräfte der Ukraine verbunden ist.

Wenn dies ein feindlicher Agent tut, der Befehle seines Kommandos ausführt und daran interessiert ist, dass möglichst viele ukrainische Flugzeuge durch feindliche Luftangriffe, Drohnen oder Raketen zerstört werden, dass die Schutzbauten minderwertig sind – dann kann man das zumindest nachvollziehen. Das ist die Logik des Krieges, die Logik des Kampfes.

Wenn es jedoch ein eigener Militär tut, zerstört er faktisch die Voraussetzungen für sein eigenes Überleben – nicht nur für das Überleben des Landes, das er verteidigt. Wenn es der Leiter einer gesamten regionalen Verwaltung des Sicherheitsdienstes der Ukraine tut, untergräbt er ebenfalls die Grundlagen seines eigenen Überlebens und seiner Karriere. Denn es ist offensichtlich: Wenn Russland die Ukraine zerstört und die Gebiete besetzt, in denen beide Obersten arbeiten oder dienen, werden sie weder Logistikchefs noch Leiter einer regionalen SBU-Verwaltung sein. Und kein gestohlenes Geld wird sie schützen.

Hier fehlt es an Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen – nicht einmal auf dem Niveau eines Durchschnittsbürgers, sondern auf dem eines Kindes. Die Hoffnung, dass niemand Schaden nehmen wird, wenn jemand auf einem militärischen Objekt riesige Summen stiehlt, dass mit den Flugzeugen nichts Schreckliches geschieht. Und wenn doch – dann geschieht es eben, was macht es schon für einen Unterschied, wie sorgfältig die Schutzbauten errichtet wurden?

Übrigens folgten Menschen, die in der ukrainischen Energiewirtschaft stahlen – angefangen beim ehemaligen Minister Haluschtschenko bis hin zum berüchtigten Mindych – einer sehr ähnlichen Logik. Sie glaubten, bei ihnen werde das Licht schon brennen, und wenn infolge ihres Diebstahls Millionen Menschen ohne Strom bleiben, nun gut – das ist Krieg. Der Krieg, sozusagen, schreibt alles ab.

Und dass im Falle des Verschwindens der ukrainischen Staatlichkeit der Energieminister kein Minister mehr sein wird und kaum hohe Positionen in einer Besatzungsverwaltung bekleiden dürfte, wird offenbar ebenfalls nicht bedacht. Die Menschen leben nicht einmal im Heute, sondern in einem einzigen Moment – dem Moment, in dem man Geld stehlen kann.

Das wirft auch grundsätzlich die Frage nach der Personalpolitik auf. Inwieweit können Menschen, die heute in verantwortlichen Behörden arbeiten und bedeutende Positionen innehaben, nicht nur integer sein – was selbstverständlich eine wichtige Voraussetzung für die Ausübung von Macht in einer Zeit ist, in der es um das Überleben der Staatlichkeit selbst geht, und überhaupt in jeder Zeit –, sondern zumindest auch weitsichtig?

Weitsicht kann Integrität ersetzen, wenn ein Mensch sich der Folgen seiner kriminellen Tätigkeit bewusst ist. Das Bewusstsein, dass kriminelles Handeln sich nicht nur auf die Interessen des Staates und der Gesellschaft auswirken kann, sondern auch auf die eigenen Interessen – auf die Interessen eines ehemaligen Ministers oder Obersten, der seine Position, seinen Rang, seinen Platz in der Macht erhalten will. Selbst wenn man annimmt, dass Menschen solche Ämter des korrupten Geldes wegen anstreben – sollte man doch darüber nachdenken, welche Rolle dieses Geld im Falle des Verschwindens des Staates spielen kann, dem sie dienen. Warum geschieht das nicht?

Andererseits ist es wichtig, dass solche Korruptionsverbrechen inzwischen untersucht werden können, dass nicht nur die nationalen Antikorruptionsorgane arbeiten, sondern auch die Dienste der inneren Sicherheit – sowohl in der SBU als auch in den Streitkräften. Denn es ist offensichtlich, dass ohne gründliche Arbeit der inneren Sicherheitsdienste solche eklatanten Missbräuche in einem Bereich, der tatsächlich eine Frage des Überlebens der ukrainischen Armee ist, kaum ans Licht gekommen wären. Es geht um den Schutz vor russischen Luftangriffen, um die Bewahrung der Technik, die wir unseren Verbündeten buchstäblich abringen – jedes Flugzeug, jedes Luftverteidigungssystem, jede Rakete. Man sieht, wie schwer das derzeit ist, insbesondere nachdem Donald Trump in den Vereinigten Staaten an die Macht gekommen ist. Und deshalb ist es so wichtig, diese Arsenale für die kommende Phase des russisch-ukrainischen Krieges zu bewahren.

Doch wir sehen, dass die Probleme keineswegs nur in russischen Beschüssen liegen, sondern auch in eigenen Korrupten. Das erfordert selbstverständlich, dass in der nächsten Phase des russisch-ukrainischen Krieges die Antikorruptionsstrukturen sorgfältig arbeiten und die inneren Sicherheitsdienste in den zuständigen Behörden ernsthaft tätig sind, damit es dort keine Korruption gibt. Wir sollten darüber nachdenken, wie die entsprechenden Sicherheitsstrukturen in der Vergangenheit gebildet wurden, als es für viele Menschen, die dorthin kamen, in erster Linie einfach nur ein Job oder eine Möglichkeit zur Bereicherung war – als diese Menschen sich des gesamten Ausmaßes der Herausforderungen, vor denen der ukrainische Staat stehen würde, nicht bewusst waren, wenn er wirklich eigenständig würde; wenn die Ukraine aufhören würde, eine umbenannte sowjetische Republik zu sein, wie sie es im Wesentlichen bis zum Sieg des Maidan 2013–2014 war, und ihre Armee, ihr Sicherheitsdienst und andere Sicherheitsorgane real und nicht nur simuliert wären, deren einzige Aufgabe es war, Geld für ihre Familien zu verdienen und Tätigkeit zu imitieren.

Nein. Nachdem die Ukraine ein echter Staat geworden ist und sich im Kampf mit einem echten Imperium befindet, das sein Territorium auf unsere Kosten wiederherstellen will, ist das kein Kinderspiel mehr, keine bloßen Korruptionsvergehen, kein Gelderwerb für eigene Bedürfnisse auf Kosten des Staates und seiner Bürger. Es ist eine viel ernstere Frage – eine Frage des Überlebens des Staates und der Nation selbst. Und genau so muss man jedes Verbrechen eines hochrangigen Beamten, eines Militärs, eines Leiters, eines Vertreters des Sicherheitsdienstes oder des Innenministeriums betrachten.

Jeder Korruptionsfall trägt faktisch zum möglichen Verschwinden des ukrainischen Staates in naher Zukunft bei, zur Zerstreuung des ukrainischen Volkes außerhalb seines Lebensraums – also zur Verwirklichung jener Ziele, die der Präsident Russlands seiner Armee und seiner Gesellschaft nicht erst 2022, sondern bereits 2014 gesetzt hat, als die grundsätzliche Entscheidung zur Liquidierung der ukrainischen Staatlichkeit getroffen wurde. Und jeder Korruptionstäter in der ukrainischen Regierung, im ukrainischen Militär oder im Sicherheitsdienst unterstützt diese ehrgeizige, grausame Aufgabe Putins und seiner Landsleute. Daran sollte man sich immer erinnern, wenn wir über jeden solchen Fall sprechen.


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Titel des Originals: Полковники на відкатах | Віталій Портников. 25.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 25.02.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von
Viktoriya Limbach,
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Die Russen haben eine ukrainische Bombe erfunden | Vitaly Portnikov. 24.02.2026.

Am vierten Jahrestag des großen russischen Angriffs auf die Ukraine erinnerte man sich in Moskau erneut an den Mythos einer nuklearen Bedrohung durch unser Land. Diesmal jedoch in einer recht erstaunlichen Variante, die wie eine regelrechte Fiktion wirkt. In der russischen Hauptstadt behauptet man, Frankreich und Großbritannien bereiteten sich darauf vor, der Ukraine Atomwaffen zu übergeben und diese als eigene ukrainische Entwicklungen auszugeben.

Es bedarf wohl keiner Erklärung, dass London und Paris real keine solchen Möglichkeiten haben. Und damit diese Mythologie endgültig wie eine wilde Erfindung aussieht, erwähnten die Russen offenbar bewusst die angebliche Bereitschaft Großbritanniens, Atomwaffen zu übergeben.

Warum unterscheidet sich das beispielsweise von einem angeblichen französischen Wunsch? Zumindest deshalb, weil Frankreich seine nuklearen Arsenale selbst kontrolliert, während Großbritannien durch Verpflichtungen gegenüber der NATO sowie durch gemeinsame Entscheidungen in nuklearen Fragen mit den Vereinigten Staaten gebunden ist. Es ist daher völlig unvorstellbar, dass die britische Regierung ohne Konsultationen mit den Amerikanern heimlich Nukleartechnologien weitergeben würde.

Doch Russland überzeugt das natürlich nicht, denn die Erklärung über eine Übergabe einer Atombombe von London und Paris an Kyiv ist in erster Linie ein propagandistischer Trick, der auf mehrere Ziele zugleich abzielt.

Erstens soll demonstriert werden, dass Russland gegen eine reale Gefahr kämpft. Der ehemalige Präsident Dmitri Medwedew, derzeit stellvertretender Vorsitzender des Sicherheitsrates der Russischen Föderation, warnte bereits, dass Moskau im Falle einer Übergabe von Atomwaffen an die Ukraine einen taktischen Nuklearschlag gegen unser Land führen würde. 

Das ist allerdings ebenfalls unlogisch, denn wenn die Ukraine tatsächlich über Atomwaffen verfügte, würde es natürlich keinen solchen Schlag aus Moskau geben, da eine reale Möglichkeit eines Gegenschlags bestünde. Dennoch können die Russen diese Propaganda für neue Drohungen nutzen.

Zweitens soll den Vereinigten Staaten die angebliche Unkonstruktivität der Europäer demonstriert werden. Während Präsident Donald Trump angeblich versucht, mit Putin über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu verhandeln, seien die Europäer bereit, mithilfe der Ukraine eine nukleare Bedrohung für Russland zu schaffen und damit jegliche Friedensgespräche zu sabotieren.

Drittens wird dies selbstverständlich ein weiteres Diskussionsthema bei den Verhandlungen sein, die in diesen Tagen in Genf stattfinden sollen. Man könnte diese Gespräche sogar unter dem Vorwand einer Klärung der Situation um die angebliche Weitergabe von Atomwaffen verschieben. Oder man könnte während der Gespräche ernsthaft, Blickkontakt mit Witkoff und Kushner haltend, erklären, Russland fürchte eine nukleare Gefahr für sich selbst. Kushner und Witkoff sind ja bereit, den Dialog mit dem Kreml fortzusetzen, und Witkoff erklärte sogar, er sei überzeugt, dass Putin ihn nicht belüge.

Nun, dann möge er auch diese nächste Lüge des russischen Präsidenten und seiner Propaganda für bare Münze nehmen. Übrigens betonte Putins Pressesprecher Dmitri Peskow bereits, dass eine angebliche Übergabe von Atomwaffen an die Ukraine bei künftigen Friedensverhandlungen berücksichtigt werde. Das ist also keine Erfindung meinerseits, sondern die offizielle Position des Kremls.

Ein weiterer Punkt ist ebenfalls wichtig: Diese Propaganda richtet sich auch an die ukrainische öffentliche Meinung. Bekanntlich gibt es unter Ukrainern viele Menschen, die immer wieder sagen, hätte man die Kontrolle über die Atomwaffen nicht an Russland abgegeben, gäbe es heute keinen Krieg. Andere meinen sogar, man müsse das eigene nukleare Potenzial wiederherstellen.

Obwohl ich derzeit nicht überzeugt bin, dass die Zahl der Atommächte in der Welt nicht zunehmen wird – wir nähern uns einem solchen Moment durchaus rasch –, ist allen klar, dass eine deklarative Entwicklung eines ukrainischen Nukleararsenals zu schwierigen Umständen in den Beziehungen zu den eigenen Verbündeten führen könnte. Diese sind Befürworter der Nichtverbreitung von Atomwaffen und haben bereits Sanktionen gegen Staaten verhängt, die entgegen amerikanischer und europäischer Positionen Atomwaffen erlangten.

Doch das Wichtigste, was Moskau erreichen möchte, ist eine positive Reaktion auf seine Erfindungen – dass irgendein ukrainischer Politiker oder Aktivist sagt: „Ja, wir brauchen Atomwaffen.“ Es wäre für die russische Propaganda ideal, wenn jemand erklärte: „Großbritannien und Frankreich sollten uns Atomwaffen übergeben – oder wir können selbst eine Atombombe entwickeln und sie auf Moskau werfen.“ 

Natürlich würde auch das propagandistisch ausgeschlachtet – sowohl gegenüber Präsident Donald Trump und seiner Administration als auch gegenüber der russischen Gesellschaft: „Seht ihr, sie bereiten sich bereits auf den Einsatz von Atomwaffen vor. Sobald sie diese haben, werden sie Moskau bombardieren. Was bleibt uns dann anderes übrig, als ein solches gefährliches Regime zu liquidieren?“

Selbstverständlich richtet sich diese Erzählung auch an die russische Gesellschaft, deren Mehrheit laut Umfragen ein möglichst schnelles Ende des Krieges wünscht. Doch man wird ihnen sagen: „Wir können den Krieg nicht beenden, weil uns ein Land mit Atomwaffen bedrohen wird, das diese mit Sicherheit zu eurer Vernichtung einsetzen würde. Ihr versteht doch, dort herrscht ein nazistisches Regime mit Atomwaffen. Was wäre gewesen, wenn ein nazistisches Regime im Zweiten Weltkrieg Atomwaffen erhalten hätte? Deshalb müssen wir den Krieg so lange fortsetzen, wie es für euren Schutz nötig ist.“

Das ist im Grunde dasselbe Muster, mit dem Putin einst die Sprengungen von Wohnhäusern in Moskau und anderen russischen Städten nutzte, um die Fortsetzung des Tschetschenienkrieges zu rechtfertigen. Vor dieser Serie terroristischer Akte – die offensichtlich von der russischen Föderalen Sicherheitsbehörde organisiert wurden – wollte die Mehrheit der russischen Bürger ein Ende des Krieges. Nach den Anschlägen jedoch verlangte man vor allem Sicherheit – selbst um den Preis der Fortsetzung des Krieges.

Man sollte sich also nicht wundern, dass Russland im vierten Jahr des russisch-ukrainischen Krieges, zu Beginn des fünften Jahres, erneut auf nukleare Erfindungen zurückgreift. Das ist vor allem ein Zeichen dafür, dass man in Moskau beabsichtigt, diesen Krieg nicht vier oder fünf Jahre zu führen, sondern so lange, wie es aus Sicht Putins und seines Umfelds nötig ist, damit die Russische Föderation die Grenzen der Sowjetunion von 1991 erreicht – selbst wenn die russische Bevölkerung dafür einen enormen demografischen und wirtschaftlichen Preis zahlen muss.

Wir verstehen, dass diejenigen, die heute Russland führen, dieser Preis nicht kümmert. Um ihre aggressiven Absichten zu rechtfertigen, sind sie bereit, jegliche Mythen zu erfinden – selbst vollkommen fantastische. Genau wie den, den wir jetzt von russischen Propagandisten und Politikern zum vierten Jahrestag des Beginns des großen Krieges gegen die Ukraine hören.

Während die Welt sich ein Ende dieses niederträchtigen Blutvergießens wünscht, demonstriert Moskau, dass es zur Fortsetzung bereit ist und in all diesen vier Jahren keine einzige Minute ernsthaft darüber nachgedacht hat, dass dieser Krieg beendet werden könnte.


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Titel des Originals: Росіяни вигадали українську бомбу | Віталій Портников. 24.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 24.02.2026.
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Trump fühlte sich wegen Noworossijsk beleidigt | Vitaly Portnikov. 25.02.2026.

Die Leiterin der ukrainischen diplomatischen Vertretung in den Vereinigten Staaten, Olha Stefanischyna, informierte Journalisten über eine Demarche des US-Außenministeriums im Zusammenhang mit dem ukrainischen Beschuss von Noworossijsk im November 2025. Es geht um Angriffe, die Terminals des Kaspischen Pipeline-Konsortiums beschädigt haben könnten, über die kasachisches Öl transportiert wird.

Ein Teil dieses Konsortiums, ein recht unbedeutender Anteil von bis zu fünf Prozent, gehört amerikanischen Unternehmen. Im Außenministerium teilte man der ukrainischen Botschaft mit, dass die Vereinigten Staaten derzeit keine solchen wirtschaftlichen Interessen in der Ukraine hätten wie in Kasachstan.

Auf den ersten Blick erscheint eine solche Demarche völlig logisch, da es im Wesentlichen um den Schutz amerikanischer Wirtschaftsinteressen geht. Stefanischyna betonte ausdrücklich, dass das Außenministerium die Ukraine keineswegs gebeten habe, auf Angriffe gegen russische Infrastruktur zu verzichten. Es gehe ausschließlich um jene Infrastruktur, die mit amerikanischen Interessen verbunden sei.

Doch das ist nur auf den ersten Blick so. Betrachtet man die Situation realistisch, sieht man, dass außer Zynismus darin nichts steckt. Erstens hat niemand gesagt, dass Kasachstan sein Öl zwingend über einen russischen Hafen transportieren muss. Dieses Land verfügt auch über andere Möglichkeiten.

Wenn die Vereinigten Staaten tatsächlich so große Interessen in Kasachstan hätten – was übrigens nicht der Fall ist –, hätte Washington der Führung in Astana mitteilen müssen, sie solle ihre Energielieferungen so umorientieren, dass sie nicht mit den Kommunikationswegen eines Landes verbunden sind, das weiterhin einen Eroberungskrieg gegen die Ukraine führt und gegen das die Vereinigten Staaten zahlreiche Sanktionen verhängt haben, auch im Energiesektor. Auf diese Weise hätte man Kasachstan an die Risiken seiner Bündnisbeziehungen mit der Russischen Föderation erinnern können. Kasachstan liefert bekanntlich nicht nur sein Öl über Russland, sondern hilft diesem Land auch, westliche Sanktionen zu umgehen, und bleibt Mitglied der OVKS. Würde die US-Regierung ihre wirtschaftlichen Interessen so betrachten, wäre das deutlich sinnvoller.

Zweitens sei daran erinnert, dass Präsident Trump stets vom Abschluss eines Mineralienabkommens mit der Ukraine als einem wichtigen Bestandteil amerikanischer Interessen gesprochen hat und seinen Landsleuten erklärte, welche Milliarden Dollar Amerika durch dieses Abkommen verdienen werde. Da stellt sich die Frage, warum die ständigen Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur und die Zerstörung der Möglichkeiten, diese Mineralien zu fördern, die Vereinigten Staaten offenbar wenig kümmern, während fünf Prozent amerikanischer Unternehmen in einem Energiekonsortium sie kümmern.

Drittens hat die Russische Föderation mehrfach Objekte zerstört, die Teil amerikanischer Geschäftsinteressen in der Ukraine waren. Kein einziges Mal – obwohl dies begann, nachdem Donald Trump erneut ins Oval Office eingezogen war – hat die Trump-Administration öffentlich gegen Russland protestiert. Niemand erinnerte daran, dass es sich um Geld amerikanischer Investoren handelt, dessen Sicherheit gewährleistet werden müsse. Nichts dergleichen haben wir gehört – und meiner Ansicht nach werden wir es auch nicht hören.

Die Demarche des Außenministeriums hält also keiner Kritik stand. Interessant ist jedoch nicht das, sondern die Frage, warum sie überhaupt erfolgte. Ich habe keinen Zweifel daran, warum. Jemand – entweder der Sonderbeauftragte des Präsidenten der Russischen Föderation, Kirill Dmitrijew, oder der Präsident Kasachstans, Kassym-Schomart Tokajew – könnte sich entweder bei Trump selbst während eines jüngsten Treffens im Rahmen desselben „Friedensrates“ oder bei dessen Sondergesandtem Steve Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner beschwert haben, mit denen Dmitrijew regelmäßig zusammentrifft und von Billionen Dollar spricht, die die Vereinigten Staaten durch Kontakte mit Russland verdienen würden, wenn sie die Ukraine aufgeben.

Natürlich könnten Witkoff und Kushner diese Information an Trump weitergegeben haben, dass die Ukrainer offenbar den Interessen amerikanischer Unternehmen schaden könnten. Oder Tokajew selbst hat Trump diese Information übermittelt, unmittelbar nachdem er vorgeschlagen hatte, der Friedensrat solle einen Trump-Preis schaffen, der jenen verliehen wird, die nach Meinung des amerikanischen Präsidenten am meisten zu seinen Friedensbemühungen beigetragen haben.

Und bei Trump entstand eine ganz gewöhnliche emotionale Reaktion, denn anders lässt sich eine Demarche im Zusammenhang mit einem Beschuss im November 2025 – wir nähern uns inzwischen März 2026 – nicht erklären. Die Amerikaner warteten mehrere Monate, um sich überhaupt daran zu erinnern.

Im November 2025, als alle über den ukrainischen Schlag gegen Noworossijsk diskutierten, als in Astana entsprechende Proteste geäußert wurden und die Führung der Ukraine und Kasachstans die Folgen der Angriffe auf das Kaspische Pipeline-Konsortium klären musste und die Ukraine betonte, sie wolle keinesfalls Objekte angreifen, die mit kasachischen Interessen verbunden sind, gab es keinerlei amerikanische Reaktion. Weder im Weißen Haus noch im Außenministerium schenkte jemand den Prozentanteilen amerikanischer Unternehmen im Pipeline-Konsortium Aufmerksamkeit.

Jetzt jedoch bemerkte man es – weil es entweder Trump selbst oder jemand aus seinem engsten Kreis bemerkte. Und damit wurde erneut demonstriert, dass Geld für diese Administration weit wichtigere Leitlinien sind als Werte und sogar gesunder Menschenverstand.

Denn wir verstehen sehr gut, dass ein solcher Protest, der Monate nach dem Ereignis auftaucht, ein Zeichen fehlenden gesunden Menschenverstands ist – oder dafür, dass gesunder Menschenverstand emotionalen Reaktionen der ersten Person oder ihrer Berater untergeordnet wird.

Wenn die Amerikaner also nicht gegen Angriffe auf ihr eigenes Geschäft in der Ukraine protestieren, sondern gegen Angriffe auf die Interessen Kasachstans und Russlands, weil dadurch indirekt die Gewinne amerikanischer Unternehmen leiden könnten, die ihre Kooperation über russisches Territorium fortsetzen, dann befinden sich die Vereinigten Staaten erneut außerhalb der zivilisierten Welt. So wie es etwa bei der Abstimmung in der Organisation der Vereinten Nationen über die ukrainische Resolution anlässlich des vierten Jahrestags des russischen Angriffs auf die Ukraine geschah, als die Amerikaner sich der Stimme enthielten – gemeinsam nur mit einem westlichen Land, Viktor Orbáns Ungarn –, während alle anderen Staaten, die dagegen stimmten oder sich enthielten, keine Verbündeten der Vereinigten Staaten, keine westlichen Länder und keine Demokratien des Nahen Ostens wie etwa Israel sind.

Die Vereinigten Staaten befanden sich – wie es seit Trumps erneuter Rückkehr ins Oval Office mehrfach geschah – nicht als Teil des globalen Westens, sondern des globalen Südens. Sie stimmten so ab wie die Volksrepublik China, die angeblich wirtschaftlicher und politischer Gegner der Vereinigten Staaten ist. In Wahrheit erweisen sich die diplomatischen Ansätze Donald Trumps und Xi Jinpings in Bezug auf die gegenwärtigen Entwicklungen in der Welt als nahezu identisch – obwohl Donald Trump bekanntlich kein Kommunist ist.

Und vor dem Hintergrund dieser beschämenden Abstimmung – besser als im vergangenen Jahr, als sich die Amerikaner der Position der Russischen Föderation anschlossen; besser schon bei China als bei Russland – erscheint nun auch noch die Meldung über diese Demarche des US-Außenministeriums.

Jeder kann moralisch und politisch bewerten, was mit der Haltung der US-Administration geschieht und insbesondere mit ihrer Fähigkeit, Frieden im russisch-ukrainischen Krieg zu erreichen. Die Fähigkeit der Trump-Administration, in einer solchen Situation Einfluss auf die Position des russischen Präsidenten Wladimir Putin zu nehmen, ist gleich null. Und man möchte nicht, dass sich vor unseren Augen auch der amerikanische Präsident selbst in eine Null verwandelt und mit Null multipliziert wird.


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Titel des Originals: Трамп образився за Новоросійськ | Віталій Портников. 25.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 25.02.2026.
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Der russische Terror demoralisiert die Ukraine nicht. Kolumne von Vitaly Portnikov. 25.02.2026.


Ein ukrainischer Polizist am Ort der Explosion in einem Einkaufszentrum in Lwiw. 22. Februar 2026. Foto: Juri Djatschyschyn / AFP / East News

https://vot-tak.tv/91767427/portnikov-rossiyskiy-terror?fbclid=IwZnRzaAQMF_hleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEePOdQ6VkLZzdYRuUUChKJl2BzTQ7j3f4y_jTNlN3U28gNn6MgGv0kwp8oZ6w_aem_1Mg-jvHprK4Lw9gtNl1t9A

Meldungen über Terroranschläge gegen ukrainische Polizisten führen zurück nach Moskau der frühen 2000er Jahre — zu den Sprengungen von Wohnhäusern, zu Explosionen in der Metro, zum „Nord-Ost“ und zu Beslan. Damals half die Atmosphäre der Angst der russischen Macht, sich zu festigen und ein gesellschaftliches Mandat für die Fortsetzung des Krieges zu erhalten. Heute setzt der Kreml erneut auf Terror — nun jedoch in der Ukraine. Doch die russische Erfahrung zeigt, dass Angst nicht immer zur Kapitulation führt. Manchmal stärkt sie nur den Widerstand.

Zurück in die Vergangenheit

Die erschütternden Nachrichten über Terrorakte gegen ukrainische Polizisten versetzten mich unerwartet in das Moskau der Zeit des zweiten Tschetschenienkriegs zurück. Die Stadt — und ganz Russland — lebten damals in einer Atmosphäre unaufhörlichen Terrors. Explosionen in der Metro, gesprengte Wohnhäuser in den Schlafvierteln der russischen Hauptstadt, Dubrovka, später Beslan …

All das erzeugte ein lähmendes Gefühl der Angst, erklärte die Notwendigkeit der Fortsetzung des Krieges im Kaukasus und die Bedeutung einer „starken Hand“. All das half dem Regime der Tschekisten, aus dem Schatten der Jelzin-Jahre zu treten und sich endgültig als vollwertige Herren Russlands zu etablieren.

Der neue Terror trägt ebenfalls das unverkennbare Siegel des FSB — nur mit einem anderen Ziel: der Destabilisierung der Gesellschaft in einem feindlichen Land. Bereits 2014 behauptete man im Kreml, man strebe keinen umfassenden Krieg mit der Ukraine an, sei jedoch bereit, im Osten und Süden des Landes „Benzin ins Feuer zu gießen“ — in der Erwartung, dass Destabilisierung und Demoralisierung der Gesellschaft die Kontrolle über den größten Teil des ukrainischen Territoriums ohne Kampf ermöglichen würden.

Der Kreml setzt auf Destabilisierung

Ja, der Februar 2022 verschob die Prioritäten zugunsten offener Eroberungspläne. Doch jetzt, da es der russischen Armee nach vier Jahren erbitterten Krieges nicht gelungen ist, auch nur das gesamte Gebiet der Region Donezk unter Kontrolle zu bringen, richtet sich das Interesse des Kremls erneut auf Destabilisierung. Und Destabilisierung erweist sich — wie schon so oft — als wichtiger als der Krieg selbst.

Die Anschläge auf Polizisten verfolgen mehrere Ziele zugleich. Erstens soll demonstriert werden, dass die Ukraine als Staat nicht funktioniert: Wenn nicht einmal die Sicherheit der Ordnungskräfte gewährleistet werden kann, worauf kann dann ein gewöhnlicher Mensch hoffen?

Zweitens eröffnet sich die Möglichkeit, in sozialen Netzwerken eine Kampagne gegen die Polizei zu organisieren — sowohl mithilfe eigener Bots als auch mithilfe „nützlicher Idioten“ — die finden sich immer. Die Hauptaufgabe besteht darin, zu destabilisieren. Und das Ziel der Destabilisierung ist es, die ukrainische Gesellschaft von der Unvermeidlichkeit und Notwendigkeit einer Kapitulation zu überzeugen.

Und genau in dieser Wette auf Destabilisierung liegt einer der größten Fehler des Kremls in diesem Krieg. Es ist geradezu erstaunlich — einen Krieg gegen eine ehemalige Sowjetrepublik zu führen und zugleich zu glauben, man kämpfe gegen eine völlig anders strukturierte Gesellschaft!

Die Ukrainer werden weiter Widerstand leisten

Die Explosionen von Wohnhäusern in Moskau hätten Putin eigentlich vom Gegenteil überzeugen müssen. Die Mehrheit der Russen begann nicht, ein Ende des Krieges zu fordern, der ihnen so viel Leid gebracht und ihnen faktisch das Gefühl der Sicherheit genommen hatte. Im Gegenteil: Der Kreml erhielt von der Bevölkerung ein Mandat zur Fortsetzung der Kampfhandlungen.

So überzeugt auch der Terror Moskaus in der Ukraine die Ukrainer von der Notwendigkeit weiteren Widerstands, weil er anschaulich zeigt, wozu Russland fähig ist und was es tun könnte, sollte es den Krieg gewinnen. Destabilisierung ist kein Schlüssel zur Demoralisierung, sondern ein Beweis für die Notwendigkeit, den Widerstand gegen den Feind fortzusetzen und Bedingungen nicht zu akzeptieren, die der Ukraine ihre Souveränität nehmen würden.

Das Unverständnis dieser einfachen Tatsache ist eines der zahlreichen Paradoxe dieses Krieges. So wie die Ukrainer nicht bereit sind zu begreifen, dass keinerlei soziale Probleme die chauvinistisch gesinnte Mehrheit der Russen dazu bringen werden, die Unterstützung für den Krieg und für Putins Regime aufzugeben, so kann man in Russland nicht verstehen, dass weder Entbehrungen noch Terroranschläge die Ukrainer dazu bewegen werden, auf ihr eigenes Land und ihre Identität zu verzichten.

Dieses erstaunliche Unverständnis dessen, was geschieht, wird letztlich zur Formel eines nun schon im fünften Jahr andauernden Krieges — und zur Antwort auf die Frage, warum es so schwierig, wenn nicht unmöglich ist, ihn in absehbarer Zukunft zu beenden.


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Titel des Originals: Российский террор не деморализует Украину. Колонка Виталия Портникова. 25.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 25.02.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: Zeitung
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Neue Terroranschläge in der Ukraine | Vitaly Portnikov. 23.02.2026.

Explosion in Mykolajiw an einer stillgelegten Tankstelle, als Polizeibeamte zur Schichtablösung dort eintrafen. Sieben Personen wurden verletzt, zwei von ihnen schwer. Und eine Explosion in einer Polizeidienststelle in der Region Dnipropetrowsk. Zum Glück gab es dort keine Todesopfer. Und all das vor dem Hintergrund des jüngsten Terroranschlags in Lwiw, als Polizisten zu einem fingierten Notruf wegen eines angeblichen Eindringens in ein Geschäft gerufen wurden. Wie Sie wissen, kam dabei eine Polizistin ums Leben, viele Menschen wurden verletzt.

Natürlich ist das kein Zufall. Das ist der Beginn einer neuen Putin’schen Spezialoperation gegen die Ukraine – nun verbunden mit Terror, und zwar gezielt mit Terror gegen die Nationale Polizei der Ukraine, gegen die Strafverfolgungsbehörden. Putin denkt überhaupt nicht in Kategorien eines klassischen Krieges als Frontverlauf, sondern in einer Reihe von Spezialoperationen, die er zur Erschöpfung und Zerstörung des Gegners durchführt. Das ist die elementare Logik eines Offiziers des ehemaligen Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion, das später zum Föderalen Sicherheitsdienst der Russischen Föderation wurde. Und jetzt sehen wir eine neue Phase dieser Tätigkeit Putins, eine neue Spezialoperation – Terror gegen Polizisten, gegen Sicherheitsorgane.

Warum gerade gegen die Polizei? Das ist selbstverständlich der Versuch, Unzufriedenheit mit der Staatsmacht als solcher zu provozieren. „Sie ist ineffektiv, unsere Polizei ist ineffektiv. Normale Menschen werden nicht in die Luft gesprengt – Polizisten schon. Mit ihnen hat man natürlich kein Mitleid, weil sie ihre Arbeit schlecht machen. Sie sind ohnehin korrupt, sie verdienen unser Vertrauen nicht. Warum sollten wir mit ihnen Mitleid haben?“ Selbst wenn solche Stimmungen nicht unter vielen Menschen vorhanden sind, werden sie von russischen Bots in den sozialen Netzwerken angeheizt werden. Und natürlich ist auch das Teil der Arbeit zur Schwächung der Ukraine.

Schon als wir vom Terroranschlag in Lwiw erfuhren, sagte ich, dass dies erst der Anfang sei. Wie wir sehen, ließen die Ereignisse leider nicht lange auf sich warten. Man möchte den in Mykolajiw verletzten Polizisten und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aussprechen. Selbstverständlich kann es weitere Terrorakte geben, die gezielt darauf ausgerichtet sind, eine Welle des Misstrauens in der ukrainischen Gesellschaft gegenüber den Strafverfolgungsbehörden zu erzeugen.

Das ist systematische Arbeit. Es gibt einen Plan, es gibt Verantwortliche, sie erfüllen ihre Aufgaben. So war es beispielsweise auch in Russland selbst während des zweiten Tschetschenienkrieges, als plötzlich Wohnhäuser in die Luft flogen. Zunächst in Wolgodonsk – und wie es in der Russischen Föderation üblich ist, beunruhigte die Explosion eines Hauses in einer fernen Provinz niemanden besonders. Russland lebt generell nicht mit Blick auf seine Provinz. Dann begannen Häuser in Moskau selbst zu explodieren – was natürlich sofort zu Hauptnachrichten im damaligen russischen Staat wurde.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Häuser explodierten in Wohnbezirken, nicht im Zentrum Moskaus, um zu zeigen, dass die Terroristen Menschen angreifen, die völlig außerhalb der Politik stehen, außerhalb der Elite, die nichts mit den Ereignissen im Kaukasus zu tun haben. Aber diese niederträchtigen Leute töten einfache, unbeteiligte Menschen. Und die Explosionen hörten erst auf, als in einem Haus in Rjasan, das offenbar das nächste Opfer der FSB-Leute werden sollte, zufällig Sprengstoffvorräte entdeckt wurden.

Dem damaligen Leiter des Föderalen Sicherheitsdienstes Russlands, einem der engsten Vertrauten Putins – Patruschew –, blieb nichts anderes übrig, als die öffentliche Meinung auf ihre Gutgläubigkeit zu testen und sich damit zu rechtfertigen, dass es sich gar nicht um Sprengstoff, sondern um Zucker gehandelt habe – und überhaupt seien es nur gewöhnliche FSB-Übungen gewesen.

Dabei verstand jeder sehr gut, dass es nur eine Organisation gibt, die an jenen Sprengstoff gelangen konnte, der bei den Explosionen der Häuser in der russischen Hauptstadt verwendet wurde. Und als dieser Sprengstoff in Rjasan gefunden wurde – er wurde nur in einem einzigen Betrieb hergestellt und um ihn zu erhalten, brauchte man eine entsprechende Genehmigung aus Moskau, vom FSB –, irritierte das niemanden. Nicht einmal, als der Sänger des russischen Regimes, der Schriftsteller Prochanow, den Roman „Herr Hexogen“ über diese Ereignisse schrieb.

Und jetzt sehen wir eine sehr ähnliche Situation – ebenfalls ohne besondere, ich würde sagen, intellektuelle Anstrengung, einfach nach einem Dienstplan, der offensichtlich von jemandem aus der Führung des Föderalen Sicherheitsdienstes Russlands oder des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation oder eben jener Hauptverwaltung des Generalstabs gebilligt wurde, deren Leiter noch vor kurzem von Putin als Chef der russischen Delegation bei Verhandlungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten eingesetzt wurde.

Fast jeden Tag nun Anschläge gegen Polizisten, die einerseits Hass auf die Polizei schüren und andererseits die Gesellschaft einschüchtern sollen: „Wenn sogar die Polizei in die Luft gesprengt wird, welche Sicherheitsgarantien können wir dann noch haben?“ – damit die Menschen das häufiger sagen, damit es mehr Destabilisierung gibt, damit mehr Verständnis entsteht, dass der einzige Ausweg für einfache Menschen, wenn sie überleben wollen, die Kapitulation vor Russland zu Putins Bedingungen sei.

Und dass das so nicht funktioniert, dass die Zunahme des Terrors neben den fortgesetzten massiven Angriffen gegen die Ukraine die Ukrainer nicht zur Kapitulation und zur Zustimmung zur Zerstörung ihres Staates bewegt – das beunruhigt weder Putin noch seine Kollegen an der Lubjanka. Sie sind es gewohnt, nach genehmigten Plänen von Spezialoperationen zu arbeiten und fest daran zu glauben, dass diese Pläne früher oder später zu dem Ergebnis führen werden, das der Präsident der Russischen Föderation benötigt – zur Erfüllung jener Aufgabe, die Putin seinen FSB-Leuten und Militärs bereits im Februar 2022 gestellt hat, als er die Entscheidung traf, die Ukraine anzugreifen, um die ukrainische Führung und später auch die ukrainische Staatlichkeit zu liquidieren.

Praktisch genau am 23. Februar 2022 hatte Putin sich endgültig über das Tempo seiner Spezialoperation und darüber entschieden, wie sie sich entwickeln sollte. Und jetzt, da von seinem Blitzkrieg nicht einmal mehr eine Erinnerung geblieben ist, bleibt ihm nichts anderes übrig, als den Terror fortzusetzen.


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Titel des Originals: Нові теракти в Україні | Віталій Портников. 23.02.2026.
Autor / Verfasser / Kanal: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 23.02.2026.
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Zelensky antwortet Zaluzhny | Vitaly Portnikov. 23.02.2026.

Volodymyr Zelensky hat auf das jüngste Interview des ehemaligen Oberbefehlshabers der Streitkräfte der Ukraine und heutigen Botschafters der Ukraine im Vereinigten Königreich, Valery Zaluzhny, reagiert.

Nun ja – reagiert. Es war offensichtlich, dass der erste westliche Journalist, der Zelensky treffen würde, ihn unweigerlich fragen würde, was er über die Worte seines ehemaligen Oberkommandierenden denke – zumal wenn es sich um einen Journalisten von Associated Press handelt.

Und selbstverständlich war klar, dass Zaluzhnys Worte Zelensky getroffen haben. Er betonte, dass die Themen, die Zaluzhny in seinem Interview angesprochen habe – als er den Journalisten von den ersten Monaten des großen russisch-ukrainischen Krieges erzählte – jetzt nicht angebracht seien zu diskutieren. Man müsse sich auf ganz andere Dinge konzentrieren, womit Zelensky selbstverständlich die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges und den Widerstand der Ukraine gegen die russische Aggression meint.

Was die Präsidentschaftswahlen betrifft, so unterstrich Zelensky, dass, falls Zaluzhny seine Gedanken gerade im Zusammenhang mit Wahlen geäußert habe, dies für ihn ebenfalls seltsam wirke. Denn solange der Krieg andauert, weiß niemand, wer bei den Präsidentschaftswahlen in der Ukraine kandidieren wird – und ob Volodymyr Zelensky selbst kandidieren wird.

Interessant ist, dass diese Worte des ukrainischen Präsidenten – dass er nicht wisse, wann Präsidentschaftswahlen stattfinden werden und ob er selbst kandidieren werde – mit den Worten von Valery Zaluzhny bei dessen Auftritt im Chatham House in London übereinstimmen. Auch Valery Zaluzhny sagte, dass er derzeit nicht die Möglichkeit sehe, über eine Teilnahme an Präsidentschaftswahlen in der Ukraine nachzudenken, da unter Kriegsrecht keine Wahlen stattfinden können. Stattdessen riet er seinen europäischen Zuhörern, sich das Konzept des Kriegsrechts genauer anzusehen. Und das ist ebenfalls ein völlig offensichtlicher Hinweis auf die Situation, in der sich Europa infolge der weiteren Entwicklung des russisch-ukrainischen Krieges befinden könnte.

Wie wir sehen, ziehen weder Volodymyr Zelensky noch Valery Zaluzhny – obwohl beide möglicherweise Präsidentschaftsambitionen haben und sich theoretisch in einer zweiten Runde der Wahl des ukrainischen Staatsoberhauptes in der Zukunft begegnen könnten – derzeit ernsthaft in Betracht, über eine Teilnahme an solchen Wahlen zu sprechen. Denn sie sehen keine reale Möglichkeit für ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges und für die Aufhebung des Kriegsrechts, das erst Wahlen in der Ukraine – sowohl Präsidentschafts- als auch Parlamentswahlen – ermöglichen würde.

Zelensky selbst äußert sich, trotz seines offensichtlichen Wunsches, keinen Streit mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump zu riskieren, der weiterhin auf Ergebnisse russisch-ukrainisch-amerikanischer Verhandlungen hofft, über den realen Verlauf der Ereignisse durchaus skeptisch. Offensichtlich ist auch Valery Zaluzhny ein solcher Skeptiker. Möglicherweise deshalb, weil sowohl Zelensky als auch Zaluzhny verstehen, dass das Hauptziel Russlands in diesem Krieg gegen die Ukraine keineswegs territoriale Gewinne wie die Gebiete Donezk und Luhansk sind, sondern die Eroberung des gesamten ukrainischen Territoriums und die Liquidierung der ukrainischen Staatlichkeit in den kommenden Jahren dieses zermürbenden Krieges – Jahre, auf die Präsident Putin und die russischen Generäle setzen.

Und selbstverständlich wird es, wenn sich eine solche Situation tatsächlich entwickelt, keine Wahlen in der Ukraine geben – weil es keinen ukrainischen Staat mehr geben wird. Damit Wahlen in der Ukraine stattfinden können, muss der ukrainische Staat erhalten bleiben und es müssen auf seinem Territorium Wähler bleiben, die bereit sind, für einen neuen ukrainischen Präsidenten und neue Abgeordnete zu stimmen. Genau um eine solche Situation zu verhindern – dass es diesen Staat und diese Wähler nicht mehr gibt – führt Putin während der Kampfhandlungen den Verhandlungsprozess mit der Ukraine und den Vereinigten Staaten fort. Denn gerade dieser Verhandlungsprozess verschafft ihm freie Hand zur Fortsetzung des Krieges und hält die Vereinigten Staaten von neuen Sanktionen gegen die Russische Föderation und von der Lieferung weitreichender Waffen an die Ukraine ab, die Putins Ambitionen und Möglichkeiten für die kommenden Jahre dieses zermürbenden Krieges gegen die Ukraine zumindest teilweise verringern würden. Ein Krieg, der, wie wir sehen, bereits vier Jahre andauert, während der russisch-ukrainische Konflikt insgesamt seit zwölf Jahren besteht. Und all das ohne reale Perspektive auf eine Unterbrechung oder Beendigung in absehbarer Zukunft.

Von welchen Präsidentschaftswahlen, von welchem Moment des Kampfes zwischen Zaluzhny und Zelensky sprechen wir also überhaupt? Natürlich können Politiker darüber sprechen, die sich immer auf Wahlen vorbereiten – selbst dann, wenn es keinerlei Möglichkeit für Wahlen gibt. Politische Journalisten können darüber sprechen, denen es interessanter erscheint, Rivalitäten zwischen bestimmten Persönlichkeiten zu diskutieren, als zu begreifen, welcher gewaltigen Tragödie sich die Ukraine und die Welt infolge dieses vierjährigen großen Krieges in Europa nähern. Doch ein nüchtern denkender Mensch spricht in erster Linie über die Tragödie, über den Krieg, über den Widerstand – und nicht über einen Wahlprozess.

Hier kann eine andere Frage entstehen: Ist es in einer solchen Situation wirklich notwendig, die Themen anzusprechen, über die General Zaluzhny sprach und die nach Ansicht Zelenskys jetzt nicht angebracht sind zu diskutieren? Meiner Meinung nach ja – gerade jetzt. Denn die Herausforderungen, denen sich die Ukraine 2022 gegenübersah, können sich in den kommenden Jahren wiederholen – sowohl während der Kampfhandlungen als auch im Falle eines – mit welchen Anstrengungen auch immer erreichten – Waffenstillstands im russisch-ukrainischen Krieg. Ein solcher Waffenstillstand würde nämlich sofort bedeuten, sich auf einen neuen zermürbenden Krieg mit Russland vorzubereiten, denn Russland selbst wird sich darauf vorbereiten – unter Führung Putins oder eines Nachfolgers Putins.

Wenn du in einer Festung lebst – und genau eine solche Festung wird die Ukraine in den kommenden schwierigen Jahrzehnten ihrer Existenz sein –, dann musst du bereit sein, diese Festung zu verteidigen. Oder dir bewusst sein, dass du sie früher oder später einem hinterhältigen und grausamen Feind überlassen wirst, der auf deine Zerstörung aus ist.

Und damit sich eine solche Situation nicht wiederholt und damit es gelingt, die Festung nicht zu verlieren – so wie es 2022 gelungen ist –, muss die gesamte Erfahrung politischer Entscheidungen neu überdacht werden. Es braucht eine qualitativ bessere Regierung, die die Konsequenzen ihrer Entscheidungen begreifen kann, und selbstverständlich einen verantwortungsbewussteren Wähler, der nicht in eine Situation geraten will, die einen neuen russisch-ukrainischen Krieg ermöglicht, sondern nicht im Grab enden will, in das er bei einer Wiederholung des Konflikts gelangen könnte – selbst wenn man sich theoretisch ein Ende des Krieges vorstellen würde, in dem die Ukraine heute lebt.

Gerade damit sich ähnliche Situationen mit Fehlern und einem mangelnden Verständnis der Bedrohungslage nicht wiederholen, müssen die bereits eingetretenen Ereignisse ernsthaft aufgearbeitet werden. Und das wird sowohl während des Krieges als auch – vor allem – in der Nachkriegszeit notwendig sein, wenn spezielle Untersuchungskommissionen, die vom Parlament eingerichtet werden müssen, die Rolle bei der Vorbereitung auf den Krieg sowohl von Präsident Zelensky als auch vom Oberbefehlshaber Zaluzhny und all jener Personen untersuchen werden, die Bedingungen hätten schaffen müssen, unter denen eine russische Invasion auf das Territorium der Ukraine unmöglich gewesen wäre – selbst wenn der Wunsch nach einer solchen Invasion beim russischen Präsidenten Putin bestand. Ein Wunsch, der mit einer Unterschätzung der russischen Gefahr durch die ukrainische Führung ebenso zusammenhängen konnte wie mit einer Unterschätzung der Bereitschaft der Ukrainer zum Widerstand selbst in einem jahrelangen Krieg mit der Russischen Föderation – und mit der Bereitschaft Russlands, diesen Krieg trotz enormer menschlicher und wirtschaftlicher Opfer im Aggressorstaat fortzusetzen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Зеленський відповів Залужному | Віталій Портников. 23.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 23.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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