Das Gesetz vom zerbrochenen Paddel. Vitaly Portnikov. 15.02.2026.

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Über der Insel Hawaiʻi ging die Morgensonne auf, ihre ersten Strahlen spiegelten sich in den Wellen, und der Ozean, der noch gestern gestürmt hatte, hatte sich heute endgültig beruhigt und schien sich ebenfalls über die Sonne zu freuen – wie Menschen, Tiere und Vögel. Ein Sonnenaufgang begann – einer jener idyllischen Sonnenaufgänge, die Hawaiʻi zu einem Symbol der Ruhe und zu einem touristischen Magneten für Amerikaner gemacht haben.

Doch das Ereignis, an das ich erinnere, spielte sich Ende des 18. Jahrhunderts ab – es gab keine Touristen, und der Sonnenaufgang war alles andere als idyllisch, gelinde gesagt. Der hawaiische Häuptling Kamehameha, der künftige erste Monarch der vereinigten Inseln, landete im Dorf Puna, um einen Aufstand seiner eigenen Verwandten niederzuschlagen. Die Bewohner des Fischerdorfes flohen erschrocken vor den Kriegern des Häuptlings. Einer von ihnen, der die Flucht seines Nachbarn mit einem Kind auf dem Arm deckte, sah den Häuptling mit einem Paddel in der Hand, bekleidet mit einem Federumhang und einem Helm – und dieser kräftige Mann bewegte sich direkt auf sie zu. Doch plötzlich blieb sein Fuß in einer Felsspalte stecken, Kamehameha verlor das Paddel und stürzte direkt neben dem vor Angst erstarrten Fischer zu Boden. Der packte das Paddel und schlug mit aller Kraft auf den Kopf des Häuptlings. Das Paddel zerbrach am Kopf des bewusstlosen Kamehameha. Die Fischer flohen.

Zwölf Jahre später fanden die Männer von König Kamehameha I. von Hawaiʻi den Fischer. Er bereitete sich auf den Tod wegen des Versuchs vor, eine königliche Person zu töten – doch unerwartet bat der König ihn um Verzeihung und sagte, er habe nur sein Leben und sein Eigentum verteidigt.

So entstand das berühmte „Gesetz vom zerbrochenen Paddel“, das bis heute Teil der Gesetzgebung des amerikanischen Bundesstaates Hawaiʻi ist. Dieses Gesetz stellt eindeutig fest, dass Zivilisten während bewaffneter Konflikte nicht verfolgt werden dürfen. „Lasst alte Menschen, Frauen und Kinder sicher auf der Straße gehen und liegen, ohne Angst, verstümmelt zu werden“, befahl der König.

Ein zivilisierter Mensch unterscheidet sich vom Barbaren durch seinen Respekt vor dem menschlichen Leben und das Verständnis seines Wertes. Im Jahr 1797 erhob sich der König von Hawaiʻi über die damals herrschenden Bräuche – und zwar nicht nur auf seinen Inseln – und erkannte, dass es die Pflicht der Macht ist, denjenigen zu schützen, der sich selbst nicht vor einem bewaffneten Menschen retten kann.

In unserer Zeit hat der Kreml-Barbar die Normen des Rechts und der Menschlichkeit gebrochen – und auch das Gesetz vom zerbrochenen Paddel –, denn er versucht, sich an Frauen, Kindern und alten Menschen für die Unfähigkeit seiner Armee zu rächen, die Ukraine zu besetzen. Die Krieger Kamehamehas hatten nur Speere und Paddel – doch der König wollte nicht, dass sie einem Kind Schaden zufügen. Die russischen Militärs verfügen über Raketen, Flugzeuge und Drohnen – und mit solchen Waffen kann man sehr viel mehr Menschen schaden. Das Gesetz vom zerbrochenen Paddel gilt im russisch-ukrainischen Krieg nicht. Man könnte sagen, dieses Gesetz sei auch früher in Kriegen missachtet worden, die angeblich zivilisierte Länder untereinander führten – doch jedes Mal bedeutete das einen weiteren Sturz in den Abgrund und den Zusammenbruch der Zivilisation. Es mochte scheinen, dass nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinen zerstörten Städten und Millionen von Toten Lehren gezogen worden seien – doch es stellte sich heraus, dass die russische Gesellschaft zu keinerlei Schlussfolgerungen fähig ist, wohl aber dazu, solche Monster wie Putin und andere russische Führer hervorzubringen.

Wenn wir vom russisch-ukrainischen Krieg sprechen, betonen wir vor allem die Verletzung des Völkerrechts, jener Weltordnung, die nach den Weltkriegen entstand, die Absage an die Möglichkeit, politische Konflikte durch Diplomatie zu lösen. Doch in Wahrheit handelt es sich um eine viel tiefere Veränderung: Russland, Putin greifen, wie wir sehen, die Grundlagen unserer Zivilisation selbst an; sie führen die Welt zurück in die Barbarei, die immer dann endet, wenn der Mensch erkennt, was Leid bedeutet und wie wichtig es ist, nicht dessen Verursacher zu sein. Paradoxerweise nennen sich diese Menschen dabei völlig aufrichtig Christen und verbeugen sich vor verrußten Ikonen.

Das Gesetz vom zerbrochenen Paddel zeigte, dass ein Anführer seiner Zeit voraus sein kann – doch dafür gab es auch Gründe: Kamehameha wusste, dass die Hawaiianer Massaker an der Zivilbevölkerung verabscheuten und dass Missachtung gewöhnlicher Menschen die Macht seiner Dynastie kosten konnte. Putins Krieg erinnerte daran, dass man jederzeit in eine ferne und tragische Vergangenheit zurückkehren kann – doch der russische Präsident weiß, dass seine Gesellschaft das Grauen, das er mit seiner Armee in der Ukraine anrichtet, größtenteils nicht einmal bemerkt. Sie ist an Repressionen gewöhnt. Und deshalb braucht er auch kein Gesetz vom zerbrochenen Paddel.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Закон про зламане весло. Віталій Портников. 15.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 15.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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China wird der Ukraine helfen | Vitaly Portnikov. 13.02.2026.

Der Außenminister der Ukraine, Andrij Sybiha, teilte nach einem Treffen mit dem Außenminister der Volksrepublik China, Wang Yi, mit, dass China beabsichtige, der Ukraine ein zusätzliches Paket wirtschaftlicher Hilfe bereitzustellen.

In der Erklärung des Außenministeriums der Volksrepublik China zu diesem Treffen wird eine Energiehilfe nicht erwähnt, jedoch wird betont, dass der chinesische Außenminister bei der Begegnung mit dem Leiter des ukrainischen Außenministeriums die Notwendigkeit unterstrichen habe, die chinesisch-ukrainischen Beziehungen in die richtige Richtung zu entwickeln.

Natürlich ist die humanitäre Energiehilfe, die die Volksrepublik China der Ukraine gewährt, nichts im Vergleich zu jener Unterstützung, die Peking an Moskau seit dem ersten Tag des großen russisch-ukrainischen Krieges leistet. Denn ohne den Ankauf russischen Öls, ohne chinesische Industriekomponenten – ganz zu schweigen von jenen Bauteilen, die im militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation verwendet werden – hätte Moskau kaum die Möglichkeit gehabt, diesen großen Krieg gegen die Ukraine vier Jahre in Folge fortzusetzen.

Aber allein die Tatsache des Treffens zwischen den Außenministern der Ukraine und der Volksrepublik China ist bereits ein wichtiges Signal dafür, dass China nicht möchte, dass man es eindeutig mit Russland und dessen aggressiven Absichten identifiziert. Und dass von einem Paket an Energiehilfe die Rede war, zeigt, dass man sich in Peking der Probleme bewusst ist, die in der Ukraine infolge der russischen Versuche entstanden sind, die ukrainische Energieinfrastruktur zu zerstören.

Das ist auch ein wichtiges Signal nicht nur für Kyiv, sondern ebenso für Moskau: „Ihr zerstört die ukrainische Energieversorgung, und wir helfen – zunächst auf diplomatischer Ebene und dann wirtschaftlich – den Ukrainern, nach euren brutalen Angriffen zu überleben.“

Natürlich ist dieses Signal nicht nur eines an die Ukraine und nicht einmal in erster Linie eines an Russland, sondern ein Signal an den Westen, dass China sich bewusst ist, dass auf dem Territorium der Ukraine weiterhin Krieg herrscht, dass China nicht die Augen vor dem Leid der ukrainischen Zivilbevölkerung verschließt und dass China seinen Wunsch demonstriert, dieser Bevölkerung zu helfen. Das heißt, dass China kein eindeutiger Verbündeter der Russischen Föderation ist. Und über das Bestreben der Führung der Volksrepublik China, nicht so wahrgenommen zu werden, spreche ich jedes Mal, wenn wir erörtern, wie Chinas Politik gegenüber Russland in Zukunft aussehen könnte.

China wird selbstverständlich weiterhin russisches Öl kaufen, um die Stabilität des russischen Regimes zu unterstützen – so wie es dies mit allen Regimen tut, die zu seinen Proxys geworden sind, etwa mit dem Regime im Iran oder zuvor mit dem Regime in Venezuela –, denn in Peking versteht man sehr gut, dass gerade von den chinesischen Käufen die Fähigkeit dieser Regime abhängt, sich ohne Reformen und Wahlen an der Macht zu halten.

Doch zugleich möchte China keineswegs, dass man es nicht nur als Sponsor dieser Regime, sondern auch als ihren Verbündeten wahrnimmt, der ihnen entgegen allen Normen der zivilisierten Welt hilft. Der Ankauf von Produkten ist das eine, schlicht Geld zu geben, damit Diktaturen überleben, ist etwas ganz anderes.

Zudem verfügt China gar nicht über solche überschüssigen Mittel, die es für eine derartige Unterstützung ausgeben wollte. Kredite – ja, sie schaffen eine Art Schlinge um den Hals jener, die chinesisches Geld annehmen und anschließend in Abhängigkeit von der Volksrepublik China geraten. Aber einfach Geld zu geben – selbst einem wichtigen Verbündeten – gehört nicht zur Tradition chinesischer Politik.

Außerdem versteht man in China sehr gut, dass schlicht Geld an Russland zu geben, eine Unterstützung des russisch-ukrainischen Krieges und der russischen Aggression gegen die Ukraine demonstrieren würde.

Auf westliche Vorwürfe kann man in Peking sagen, man kaufe russisches Öl, das die chinesische Wirtschaft brauche, und zudem zu günstigeren Preisen. Wenn es ein anderes Angebot gebe, werde China es immer nutzen.

Doch bei aller Zynik solcher Aussagen war es bis vor Kurzem nicht so einfach, Sanktionen gegen China wegen des Kaufs russischen Öls zu verhängen. Wie wir jedoch sehen, prüft man in Washington inzwischen die Möglichkeit sekundärer Sanktionen und droht Peking ständig mit einem Gesetz, das Donald Trump erlauben würde, Zölle gegen jene Länder zu verhängen, die weiterhin russisches Öl kaufen.

Aber ohne Öl – das ist eine ganz andere Situation. Das bedeutet eine garantierte Verhängung sekundärer Sanktionen. Es wäre ein klares Signal, dass Peking Moskau in diesem Krieg siegen sehen möchte und konkret eigenes Geld in diesen Sieg investiert. Und das könnte einen Bruch mit dem westlichen Markt bedeuten, zumindest eine Verringerung der Präsenz auf diesem Markt. Und das gerade zu einem Zeitpunkt, an dem China offensichtlich die Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union nutzen möchte, um auf europäischer Ebene eine größere Rolle zu spielen.

Auch politisch versucht China, seinen Einfluss in Europa auszubauen – etwa durch die Schaffung eines sogenannten „chinesischen Europas“ aus Ländern, die der chinesischen Präsenz gegenüber recht positiv eingestellt sind. Wir erinnern uns an den jüngsten Besuch Xi Jinpings in Europa, bei dem er neben Frankreich auch Ungarn und Serbien besuchte. Und an besondere Kontakte zu jenen Ländern, die Differenzen mit den Vereinigten Staaten haben und ihre strategische sowie wirtschaftliche Autonomie betonen wollen – in erster Linie Frankreich, aber auch Deutschland, Großbritannien und Italien.

Wir sehen, dass die Staats- und Regierungschefs all dieser Länder regelmäßig mit dem Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping, zusammentreffen. Und Peking muss die Möglichkeit haben, solche Treffen fortzusetzen, denn wenn offensichtlich würde, dass China Russland eindeutig und zudem mit eigenem Geld unterstützt, hätten die Europäer keine Chance mehr, den von ihnen eingeschlagenen Kurs fortzuführen – nämlich ein Gleichgewicht zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China in der Wirtschaft zu schaffen. Ein Gleichgewicht, das Donald Trump sehr missfällt, das den amerikanischen Präsidenten jedoch zwingt zu berücksichtigen, dass er Europa nicht einfach diktieren kann, wie es sich zu verhalten hat.

Und in dieser Situation verstehen wir sehr gut, dass sowohl das Treffen mit dem ukrainischen Außenminister als auch die Möglichkeit, über Energiehilfe für die Ukraine zu berichten, ein Beitrag Chinas nicht nur zu den Beziehungen mit unserem Land ist, sondern auch zu den Beziehungen mit Europa und damit auch zu den Beziehungen mit den Vereinigten Staaten.

Was die Russen betrifft, so verstehen wir sehr gut, dass man in Peking Russland trotz aller Erklärungen über eine strategische Partnerschaft bereits als ein Land wahrnimmt, das buchstäblich keine Alternative zur Volksrepublik China hat und daher gezwungen sein wird, jeden diplomatischen und wirtschaftlichen Schritt Chinas zu schlucken, sofern der Vorsitzende der Volksrepublik China entscheidet, dass solche Schritte zweckmäßig sind.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Китай допоможе Україні | Віталій Портников. 13.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 13.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Der Untergang von Roy Medwedew | Vitaly Portnikov. 13.02.2026.

Der heute im Alter von 100 Jahren verstorbene Historiker und Publizist Roy Medwedew war wohl der bekannteste parteiinterne Dissident in den Breschnew- und Andropow-Jahrzehnten. Er schrieb Biografien von Parteiführern und äußerte sich kritisch zum Stalinismus. Bekanntlich wurden die Eltern von Roy Medwedew und seinem Zwillingsbruder Schares in der Stalinzeit repressiert. Er schien eine Stimme der Vernunft in jener historischen Kakophonie zu sein, die aus allen sowjetischen Lautsprechern dröhnte.

Und ich muss sagen, selbst in den Jahren der Perestroika war es ziemlich gefährlich und unberechenbar, mit Roy Medwedew zu sprechen. Das einzige ernsthafte Problem, das beinahe mit dem Ende meiner eigenen journalistischen Arbeit geendet hätte, war gerade mit einem Interview verbunden, das ich mit Roy Medwedew für die Zeitung „Molod Ukrainy“ führte.

Und dabei sprach ich damals mit einer ganzen Reihe von Menschen, die Ansichten äußerten, die der sogenannten offiziellen Parteilinie widersprachen. Und es gab nie ernsthafte Probleme. Doch hier erlaubte sich Roy Medwedew in diesem Interview nicht nur eine kritische Äußerung über Parteiführer, sondern erinnerte auch an die Biografie des damaligen Ersten Sekretärs des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Ukraine, Wladimir Schtscherbizki, der sein Amt noch immer innehatte.

Und genau hier begann ein echter großer Skandal. Mein Chefredakteur wurde ins Zentralkomitee des Komsomol einbestellt. Der Leiter des Zentralkomitees des Komsomol wiederum ins Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Ukraine. Schtscherbizki konnte sich nicht einmal vorstellen, dass in einer in Kyiv erscheinenden Zeitung jemand es wagen würde, seine Handlungen und Ansichten zu diskutieren.

Mit der Zeit jedoch wirkt es heute schlicht unanständig, von irgendeinem Dissidententum Roy Medwedews zu sprechen. Mit gewissem Erstaunen erinnere ich mich daran, wie Roy Alexandrowitsch mir von den KGB-Beobachtern vor seiner Wohnung erzählte, davon, wie er ständig überwacht wurde, wie schwierig es für ihn war, telefonisch mit seinem Bruder Schares in Kontakt zu treten, der sich im Ausland befand. Ein klassisches Leben eines Dissidenten unter Beobachtung.

Dennoch erlebte Medwedew das Ende der Perestroika in der Rolle eines Mitglieds des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Und kurz vor seinem Tod gab er der Zeitung „Moskowski Komsomolez“ ein Interview, in dem er praktisch alles verurteilte, wofür er in den Breschnew-Jahren gekämpft hatte, und den putinschen Krieg gegen die Ukraine unterstützte, indem er erklärte, Russland habe diesen Krieg nicht begonnen.

Ganz zu schweigen davon, dass er zu den Büchern, die er in sowjetischer Zeit geschrieben hatte, in der Putin-Ära Biografien sowohl Putins als auch Medwedews hinzufügte. Und erstaunlicherweise waren es komplementäre Biografien, in denen es nicht einmal den Hauch eines Analyseversuchs gab, den Medwedew auf sowjetische kommunistische Führer angewandt hatte. Von einem Hauch von Verurteilung ganz zu schweigen.

Und natürlich könnte man das als moralischen Untergang bezeichnen. Doch wenn man all das, was Medwedew in seinem früheren Leben schrieb und sagte, aufmerksam analysiert, muss man verstehen, dass er auf eine solche Wendung des Schicksals vorbereitet war.

Viele störte in der Sowjetunion das Fehlen von Freiheit, das Fehlen der Möglichkeit zur Selbstverwirklichung. Medwedew nahm den Staat, in dem er lebte, als parteiinternen Dissidenten wahr, der von einer Verbesserung der Partei träumte, wenn man so will, davon, dass diese Partei ein effektiveres Instrument zur Führung des Landes werde.

Eine echte Demokratie brauchte er nie. Deshalb war er auch Gegner des Akademikers Andrej Sacharow und konnte selbstverständlich den Zerfall des Sowjetimperiums nicht angemessen akzeptieren, denn als jemand, der die Schaffung des sowjetischen Staates in seiner sozusagen vorstalinistischen Form unterstützte, konnte er jeden Gebietsverlust als echte Katastrophe betrachten. In diesem Sinne stand er natürlich Putin nahe, der davon träumte, all dieses Territorium zurückzuholen.

Und es ist vollkommen offensichtlich, dass Medwedew die Putin-Zeit als eine Art Rückkehr zu jenen Formen der Staatlichkeit wahrnahm, die infolge der unfähigen Parteiführung und der Versuche echter Reformen verloren gegangen waren, die in Russland allerdings recht schnell versandeten.

Und dass ein Mensch, der einst das Idol der sowjetischen Intelligenz war, wenige Jahre vor seinem Tod im Grunde zum Apologeten der putinschen Politik wurde und zuvor nicht als Publizist auftrat, der wirklich auf den Untergang jeglicher russischer demokratischer Bestrebungen reagieren würde, ist für uns alle ebenfalls eine sehr gute Lehre.

In der Dissidentenbewegung gab es sehr unterschiedliche Menschen, die mit dem System keinen gemeinsamen Nenner fanden. Doch viele von ihnen wurden nicht nur von diesem System geformt, sie strebten danach, Teil davon zu werden.

Medwedew gelang dies in der letzten Phase der Existenz der Sowjetunion. Schon die Tatsache, dass ein Mensch, der noch vor kurzem Dissident gewesen war, zum Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei gewählt wurde, und dass er diese Wahl als selbstverständlich annahm, hätte das erste Warnsignal sein müssen.

Und dann begann das gewöhnliche Leben eines Menschen, der seinen Platz im System gefunden hatte – als Autor komplementärer Biografien und als jemand, der die staatliche Politik unterstützte. Und das darf man nicht auf das Alter schieben.

Vielleicht braucht ein Mensch, der hundert Jahre alt wird, einfach nichts mehr zu verbergen und sich nicht mehr um jene Reputation zu kümmern, die ihn jahrzehntelang für einen großen Teil des frei denkenden Publikums zu einem gefragten Autor gemacht hatte. Offensichtlich brauchte der gealterte Roy Medwedew dieses Publikum nicht mehr. Was er brauchte, war staatliche Anerkennung, die er nun offenbar als offizieller Biograf der letzten beiden russischen Präsidenten erhalten wird.

Doch das ist ein sehr zweifelhafter Ruhm. Ein Ruhm, der an den Zusammenbruch der Reputation eines Menschen erinnert, der noch vor kurzem als denkender und ernsthafter Autor wahrgenommen wurde, als eine der prägenden Figuren der sowjetischen Dissidentenbewegung.

Aber ich denke nicht, dass dies der Zusammenbruch des Mythos der sowjetischen Dissidenten selbst ist. Es ist vielmehr eine Erinnerung daran, wie widersprüchlich das Gefüge des Widerstands gegen das sowjetische Regime war und wie viele Menschen mit autoritärem Denken bis zu einem bestimmten Moment bereit waren, gegen dieses Regime zu kämpfen – und sich dann, wie es oft geschieht, von denen entfernten, die wirklich nach echter Freiheit strebten.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Крах Роя Медведева | Виталий Портников. 13.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 13.02.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach, veröffentlicht auf uebersetzungenzuukraine.data.blog.


Vier Monate des Präsidenten Trump. Vitaly Portnikov. 12.02.2026.

https://hromada.us/uk/articles/2026/02/12/four-months-of-president-trump?fbclid=IwZnRzaAP8S8dleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEep0xd0uxBj8bz_NTXsL-dEeEVL2UD6CpeQ0oCMnWNZ_klg-dtln6-dLmoFGs_aem_enbZSxq1rTegIg1Y3YVtkA

Der Präsident der Vereinigten Staaten betonte, dass er dem russischen und dem ukrainischen Staatschef vier Monate Zeit gebe, um den Krieg zu beenden – und falls dies nicht geschehe, werde er den Druck sowohl auf Russland als auch auf die Ukraine erhöhen.

Die Unruhe von Präsident Trump ist nachvollziehbar. Bis zum Beginn der intensiven Phase des Wahlkampfs bleiben nur noch wenige Monate – und viele Anzeichen deuten auf eine mögliche „blaue Welle“ demokratischer Erfolge hin. Und Trump will ganz sicher nicht, dass den Republikanern während dieses Wahlkampfs die Zusage des Präsidenten vorgehalten wird, den russisch-ukrainischen Krieg schnell zu beenden. Im Gegenteil: Bei Wahlkampfveranstaltungen müsste er die Erfolge seiner Friedensbemühungen demonstrieren.

Doch wie logisch ist es, weiterhin beide Seiten – Opfer und Aggressor – für die Verzögerung des Prozesses verantwortlich zu machen? Schließlich sind es russische Truppen, die auf ukrainischem Territorium vorrücken und von Kyiv fordern, seine Streitkräfte aus Regionen abzuziehen, die die ganze Welt als untrennbaren Bestandteil der Ukraine anerkennt. Schließlich ist es der russische Präsident, der es für möglich hält, Bedingungen für eine echte humanitäre Katastrophe in ukrainischen Städten zu schaffen. Schließlich ist es Russland, das von der Ukraine verlangt, ihre eigenen Vorstellungen von der Zukunft aufzugeben.

Wenn man Druck auf die Ukraine ausübt – was kann man damit erreichen? Welche Entscheidungen soll die ukrainische Führung treffen, um zur Beendigung des Krieges beizutragen? Den Widerstand gegen die russische Aggression einstellen? Zustimmen, dass Russland so viel Territorium erhält, wie Putin wünscht? Auf die eigene Souveränität verzichten?

Die Worte, dass Putin diesen Krieg ebenso leicht beenden kann, wie er ihn begonnen hat, sind keine Metapher, sondern Realität. Wenn der russische Präsident aus welchen Gründen auch immer entscheidet, dass man „einfach aufhören muss zu schießen“, wird der Krieg ohne jeglichen Druck auf die Ukraine enden. Und ich verrate ein Geheimnis, das dem amerikanischen Präsidenten offenbar nicht gefallen dürfte: In einem solchen Fall käme Putin ohne Vermittler aus. Er bräuchte Trump schlichtweg nicht.

Deshalb sollte man nicht auf beide Seiten Druck ausüben. Druck muss auf den Aggressor ausgeübt werden. Druck muss auf Russland ausgeübt werden. Man muss der Ukraine helfen, neue Sanktionen verhängen, um die russische Wirtschaft weiter zu erschöpfen und in den Zusammenbruch zu treiben, Kyiv weitreichende Waffen liefern, um russische strategische Objekte zu zerstören und Putins Ölraffinerieindustrie „zu beerdigen“. Und dann werden Voraussetzungen für Frieden entstehen – vielleicht nicht in den vier Monaten, die für den US-Präsidenten im Kontext des Wahlkampfs wichtig sind. Aber sie werden entstehen!

Die Idee, auf beide Konfliktparteien Druck auszuüben, ist ein offensichtlicher Fehler. So wie es ein Fehler war zu hoffen, dass die Wiederaufnahme hochrangiger russisch-amerikanischer Kontakte und die Reisen von Sondergesandten Donald Trumps nach Moskau Putins Bereitschaft fördern würden, den Krieg zu beenden. Denn der russische Präsident nimmt jedes Bestreben zu reden und zu verhandeln gewöhnlich als Zeichen von Schwäche wahr – und als Gelegenheit, den Gegner zu täuschen und „weiter unter Druck zu setzen“. Genau diese Entwicklung beobachten wir im letzten Jahr.

Doch Fehler werden gemacht, um sie später zu korrigieren. Wenn Donald Trump wirklich möchte, dass seine Friedensbemühungen Ergebnisse bringen und er im Wahlkampf der Republikaner auf dieses Ergebnis – also das Ende des russisch-ukrainischen Krieges – verweisen kann, dann muss er genau verstehen, was zu tun ist.

Nicht der Ukraine und Russland mit Druck in vier Monaten drohen, sondern Putin schon jetzt unter Druck setzen. So unter Druck setzen, dass dem russischen Präsidenten keine Alternative bleibt, als die Entscheidung zu treffen, aufzuhören zu kämpfen, zu töten und zu bombardieren.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Vier Monate des Präsidenten Trump. Vitaly Portnikov. 12.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 12.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Krokodilstränen des IOC. Vitaly Portnikov. 13.02.2026.

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Die Präsidentin des IOC, Kirsty Coventry, brach nach der Disqualifikation des ukrainischen Athleten in Tränen aus. Aber diese Krokodilstränen interessieren mich ehrlich gesagt kaum. Denn etwas Ähnliches habe ich bereits seit dem Moment ihrer Wahl zur IOC-Präsidentin erwartet.

Coventry ist bekanntlich Vertreterin Simbabwes. Ihr Vorgänger Thomas Bach war bei all seinen umstrittenen Entscheidungen ein deutscher Sportmanager und sogar liberaler Politiker. In Ländern wie Deutschland muss man sich schlicht um seinen Ruf kümmern.

Coventry hingegen, einst eine bekannte Schwimmerin, war in die Machtstruktur eines totalitären Staates integriert. In eine Macht, die Menschen tötete, Proteste niederschlug und Gegner vernichtete. Und sie war dort nicht einfach irgendeine gesellschaftliche Aktivistin – sie war Ministerin. Ja, bereits nach Mugabe, der sie einst sein „goldenes Mädchen“ nannte. Aber es ist dasselbe Regime. An die Verbindungen dieses Regimes zu Moskau erinnere ich nicht einmal ausdrücklich.

Schon damals hatte ich die Frage, wie man eine Person aus einem totalitären Land an die Spitze der olympischen Bewegung wählen kann. Denn auch das ist eine weitere Spezialoperation. Und die Folgen beginnen wir gerade erst zu sehen.


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Art der Quelle: Social Media
Autor / Verfasser / Kanal: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 13.02.2026.
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Putin kauft Trump | Vitaly Portnikov. 12.02.2026.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet über ein Dokument, das Vorschläge der Administration des Präsidenten der Russischen Föderation an die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten enthält und sich auf eine wirtschaftliche Zusammenarbeit bezieht, die nicht nur die russisch-amerikanischen Beziehungen, sondern auch den Wettbewerb zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China verändern könnte.

Das Dokument enthält sieben Punkte gemeinsamer Ziele, die Moskau und Washington helfen könnten, eine solche wirtschaftliche Zusammenarbeit wiederaufzunehmen und aufzubauen:

  • Es handelt sich um langfristige Luftfahrtverträge, die eine Beteiligung der Vereinigten Staaten an der Erneuerung der russischen Flugzeugflotte vorsehen, die in den Jahren des russisch-ukrainischen Krieges unter den westlichen Sanktionen erheblich gelitten hat.
  • Es sind gemeinsame Ölprojekte sowie Projekte zur Erschließung von Gasfeldern, einschließlich maritimer und schwer zugänglicher Lagerstätten, die sowohl frühere Investitionen der Vereinigten Staaten als auch neue Investitionen dieses Landes und amerikanischer Unternehmen in das Energiegeschäft der Russischen Föderation berücksichtigen würden.
  • Es sind Vorzugsbedingungen für die Rückkehr amerikanischer Unternehmen auf den Markt der Russischen Föderation. Dabei geht es natürlich um den Konsumgütermarkt.
  • Es ist eine Zusammenarbeit im Bereich der Kernenergie und der künstlichen Intelligenz in diesem Bereich.
  • Es ist die Rückkehr der Russischen Föderation zum Abrechnungssystem in Dollar. Und das, nachdem Putin jahrelang von der Dedollarisierung Russlands und möglichen, sogar russischen Energie-Transaktionen ohne Dollar gesprochen hatte.
  • Es ist eine Zusammenarbeit im Bereich der für die Vereinigten Staaten so wichtigen Rohstoffe wie Lithium, Kupfer, Nickel und Platin.
  • Es ist eine gemeinsame Arbeit zur Förderung fossiler Brennstoffe als Alternative zu einer Energiepolitik, die mit kohlenstoffarmen Lösungen verbunden ist. Wie Sie wissen, ist dies ein durchaus wichtiger Punkt für die Trump-Administration, die ständig davon spricht, gerade fossile Brennstoffe unterstützen zu müssen, und sich gegen die neue alternative grüne Energie ausspricht.

Das sind natürlich, wie wir gut verstehen, ziemlich ernsthafte Vorschläge. Und sie spiegeln im Grunde die Vision Donald Trumps selbst vom weiteren Ausbau der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation wider. Man kann sagen, dass er ständig genau von einer solchen Entwicklung spricht. Diese sieben Punkte sollen ihn davon überzeugen, dass er seinem Ziel nahe ist.

Aber hier stellt sich eine durchaus ernsthafte Frage: Worauf müsste die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten verzichten, damit diese Punkte in Kraft treten? Denn wir verstehen, dass genau darüber der Sonderbeauftragte des Präsidenten der Russischen Föderation, Kirill Dmitrijew, ständig mit Trumps Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner spricht.

Man kann eine klare Antwort auf diese Frage geben: Damit die Russische Föderation solche ehrgeizigen Projekte mit den Vereinigten Staaten beginnt und amerikanische Unternehmen sowohl auf ihren Energie- als auch auf ihren Konsummarkt zulässt, damit die Russische Föderation zum Dollar zurückkehrt, damit sie Donald Trumps energiepolitische Vorstellungen unterstützt und gemeinsam mit ihm gegen die grüne Energie kämpft, muss der Präsident der Vereinigten Staaten die Ukraine preisgeben und sich aus dem postsowjetischen Raum insgesamt heraushalten.

Es ist kaum vorstellbar, dass Donald Trump diesen Vorstellungen Putins über die Zukunft zustimmen kann. Die Ukraine vor den Augen der gesamten amerikanischen Gesellschaft an Putin zu übergeben – noch dazu im Austausch gegen Projekte, die amerikanischen Unternehmen Vorteile verschaffen sollen – würde faktisch nicht nur seine eigene politische Karriere, sondern auch die Perspektiven der Republikanischen Partei durchstreichen, deren Mehrheit der Wähler gegen den aggressiven Kurs Russlands auftritt. Und wir verstehen sehr gut, dass sich dies bei allen kommenden Wahlen und auch bei den Zwischenwahlen 2026 bemerkbar machen würde.

Natürlich wäre dies nicht das wichtigste Thema der Wahlen, aber wenn der Wähler erkennt, dass Trump die Ukraine vor den Augen der ganzen Welt einfach für Geld verkauft, könnte dies die Haltung vieler verändern – vor allem jener Wähler, die noch unentschlossen sind, ob sie für einen Demokraten oder einen Republikaner stimmen sollen. Gerade die Stimmen solcher Wähler entscheiden in der Regel über den Ausgang von Wahlen in den Vereinigten Staaten.

Zweitens sehen wir, dass Trump absolut nicht bereit ist, Putin dieses Nichteingreifen im postsowjetischen Raum zuzugestehen. Der jüngste Besuch des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, J. D. Vance, in Armenien und Aserbaidschan hat das deutlich gezeigt. Im Gegenteil: Im Weißen Haus versucht man, die Schwäche Russlands auszunutzen, um es endgültig von dort zu verdrängen, von wo es aus Sicht des Kremls eigentlich unmöglich schien, Russland zu vertreiben.

Auch hier geht es um ehrgeizige wirtschaftliche Projekte, auf die die Vereinigten Staaten in einem solchen Fall verzichten müssten und dabei nicht nur Geld – es geht um Milliarden im Zusammenhang mit der Eröffnung neuer Handelsrouten –, sondern auch ihre Reputation als verlässlicher Partner verlieren würden, die sie ohnehin täglich durch unbedachte Äußerungen des amerikanischen Präsidenten einbüßen. Erinnern wir uns nur an die Geschichte mit der Unterstützung iranischer Protestierender.

Drittens ist klar, dass eine solche Wiederherstellung der Beziehungen zur Russischen Föderation ohne Berücksichtigung der Position der Europäer unmöglich ist, die kaum bereit sein werden, sich an diesem Geschäft zu beteiligen, wenn Trump im russisch-ukrainischen Krieg offen an Putins Seite tritt – auch wenn ich wiederhole, dass dies dennoch nicht geschehen wird.

Und es gibt noch eine weitere Frage, die man eher Putin als Trump stellen sollte. Und was ist mit China? Wie wird man in Peking auf jene Vorschläge der russischen Führung reagieren, die faktisch die Grundlagen der chinesisch-russischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit untergraben? Warum sollte der Vorsitzende der Volksrepublik China, Xi Jinping, Putin durch den Kauf von Öl helfen, den Krieg gegen die Ukraine fortzusetzen und das Putin-Regime zu unterstützen, wenn dieses Regime jederzeit seinen chinesischen Verbündeten zugunsten der Amerikaner verraten kann, die aus Sicht Pekings die Hauptgegner der Volksrepublik China im gesamten 21. Jahrhundert bleiben? Und sollte Xi Jinping in einer solchen Situation nicht vielleicht in Moskau nach einem neuen Putin suchen, der die Unmöglichkeit so enger Beziehungen zu den Vereinigten Staaten erkennt?

All diese Fragen wird Putin natürlich zu hören bekommen. Aber wir müssen uns ebenfalls bewusst sein, dass Putin kein naiver Mensch ist, der glaubt, Xi Jinping werde auf solche Initiativen nicht reagieren. Daher handelt es sich höchstwahrscheinlich nicht um ein reales Paket von Vorschlägen an die Vereinigten Staaten, sondern um einen weiteren Kreml-Bluff, der darauf abzielt, die Unterstützung der Ukraine durch die Trump-Administration in Erwartung großer Geldsummen zu schwächen.

Das heißt, Putin spielt weiterhin mit Trump und seinen Vertrauten – ebenso wie mit Geschäftsleuten, die die wahren politischen Ziele nicht erkennen. Und die Veröffentlichung solcher Dokumente bestätigt einmal mehr das Wesen der Kreml-Taktik.


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Titel des Originals: Путін купує Трампа | Віталій Портников. 12.02.2026.

Autor: Vitaly Portnikov

Veröffentlichung / Entstehung: 12.02.2026.
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Financial Times: Zelensky bereitet Wahlen vor | Vitaly Portnikov. 11.02.2026.

Die Zeitung Financial Times behauptet, dass der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, bereits am 24. Februar, dem Jahrestag des Angriffs russischer Truppen auf die Ukraine, die Möglichkeit der Durchführung von Wahlen und eines Referendums ankündigen werde, das mit einem Friedensabkommen verbunden sein soll, das angeblich bei Verhandlungen zwischen der russischen und der ukrainischen Delegation unter Vermittlung des Weißen Hauses abgestimmt wird. Gerade das Weiße Haus drängt auf die Durchführung solcher Wahlen und eines Referendums und spricht von einer Frist bis zum 15. Februar.

Natürlich kann man jetzt sagen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, weiterhin auf ein rasches Ende des russisch-ukrainischen Krieges hofft, um seine friedensstiftenden Erfolge im Wahlkampf für den US-Kongress zu demonstrieren, der bekanntlich mit den Zwischenwahlen im November 2026 seinen Abschluss finden soll. Wie wahrscheinlich jedoch die Informationen der britischen Journalisten sind, lässt sich derzeit nur schwer sagen.

Im Büro des Präsidenten der Ukraine wurde die Möglichkeit einer solchen Erklärung Zelenskys nicht bestätigt. Eine Quelle aus dem Umfeld des Präsidenten betonte, solange es keine Sicherheit gebe, könne es auch keine Ankündigung von Wahlen geben. Dabei gehe es gerade um Sicherheit als solche und nicht um Sicherheitsgarantien, von denen im Artikel der Financial Times ebenfalls die Rede ist.

Die Zeitung besteht darauf, dass das Weiße Haus die Durchführung von Wahlen und eines territorialen Referendums in der Ukraine mit amerikanischen Sicherheitsgarantien verknüpft. Aber was würden diese Garantien tatsächlich bedeuten? Und vor allem: Würde die russische Seite solchen Garantien zustimmen, die im Falle einer Wiederaufnahme des Konflikts ein direktes Eingreifen der US-Armee in den russisch-ukrainischen Konflikt vorsehen würden?

In Wirklichkeit ist nichts bekannt. Eher handelt es sich um Wünsche aus Washington und Kyiv, die zweifellos auf harten Widerstand Moskaus stoßen würden. Vertreter der russischen Führung verbergen bereits jetzt ihre Enttäuschung über das gegenwärtige Vorgehen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump nicht. Und natürlich bleiben grundlegende Fragen ungelöst, die Putin als Voraussetzungen nicht einmal für ein Friedensabkommen, sondern schon für Verhandlungen über dessen Unterzeichnung bezeichnet.

Es geht selbstverständlich um den Abzug der ukrainischen Truppen aus jenem Teil der Gebiete Donezk und Luhansk, der weiterhin von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert wird, sowie um das Schicksal des Kernkraftwerks Saporischschja, dessen Kontrolle Putin natürlich vor dem Hintergrund der fortgesetzten Zerstörungen in der ukrainischen Energiewirtschaft behalten will. Und irgendwelche realen Anzeichen dafür, dass der Präsident der Russischen Föderation bereit wäre, von irgendeiner seiner maximalistischen Vorstellungen darüber abzurücken, wie der russisch-ukrainische Krieg beendet werden soll, beobachten wir bislang nicht.

Ebenso erscheint die Idee selbst, dass der Präsident der Ukraine Wahlen und ein Referendum ankündigt, die bereits im kommenden Monat stattfinden sollen, reichlich unrealistisch. Erstens müsste zur Durchführung von Wahlen und eines Referendums, das mit ukrainischem Territorium verbunden ist – wobei ich sofort sagen will, dass die Verfassung der Ukraine weder den Bürgern noch dem ukrainischen Parlament grundsätzlich das Recht gibt, über Fragen unserer territorialen Integrität zu entscheiden –, jedenfalls das Kriegsrecht aufgehoben werden. Eine Aufhebung des Kriegsrechts unter den Bedingungen eines andauernden russisch-ukrainischen Krieges, ständiger russischer Angriffe auf ukrainische Städte und Kämpfe an der Frontlinie ist jedoch kaum vorstellbar.

Ebenso wenig erscheint es realistisch, dass der Präsident der Russischen Föderation einer Beendigung der Kampfhandlungen auch nur für kurze Zeit zustimmen würde, damit die Ukraine das Kriegsrecht aufheben und Wahlen sowie ein Referendum durchführen kann. Selbst wenn man sich in einer Art science Fiktion Fernsehserie vorstellt, dass Putin von seiner Idee abrückt, zuerst einen Friedensvertrag und erst danach einen Waffenstillstand zu schließen, um vollwertige Präsidentschaftswahlen in der Ukraine und ein mit dem Friedensabkommen verbundenes Referendum abzuhalten, würde dafür Zeit benötigt, die sich kaum in einige Wochen von März bis Mai pressen ließe – ganz zu schweigen vom elementaren Fehlen von Haushaltsmitteln im ukrainischen Budget für die Durchführung solcher Wahlen.

Und wir dürfen nicht vergessen, dass in einer solchen Situation völlig unklar ist, wie ein Wahlkampf ablaufen soll. In einem demokratischen Land – und die Ukraine ist ein demokratisches Land – müssen Wahlen konkurrenzfähig sein. Die Financial Times bringt die Präsidentschaftswahlen generell mit Zelenskys Wunsch in Verbindung, für eine weitere Amtszeit wiedergewählt zu werden. Und ich betone, dass gerade das Jahr 2026, falls die Wahlen in absehbarer Zeit stattfinden, dem ukrainischen Präsidenten eine solche Möglichkeit eröffnen würde.

Wenn jedoch die ukrainischen Behörden den überwiegenden Teil des Informationsraums des Landes kontrollieren und potenzielle Konkurrenten des Präsidenten entweder nicht zu den Wahlen zugelassen werden – weil Krieg herrscht und sie sich ihren Amtspflichten widmen müssen – oder keine reale Möglichkeit erhalten, ihre Programme und Vorstellungen darüber darzulegen, wie sich die Situation der Ukraine im russisch-ukrainischen Krieg entwickeln soll, schlicht weil der Fernsehraum vom Büro des Präsidenten monopolisiert wird, dann würden solche Wahlen des Staatsoberhauptes zu einem gewöhnlichen Plebiszit werden, das lediglich den Fortbestand der Vollmachten Volodymyr Zelenskys für eine weitere Amtszeit bestätigen soll.

Doch auch das ließe sich als Wille des ukrainischen Volkes betrachten. Schließlich haben die Ukrainer Zelensky 2019 zum Präsidenten gewählt. Und wer hat gesagt, dass ein großer Teil der ukrainischen Wähler nicht erneut für ihn stimmen würde?

Nur werden Präsidentschaftswahlen sowohl von Putin als auch von Donald Trump benötigt, um Zelensky aus der politischen Bühne der Ukraine zu entfernen – aus einem einfachen Grund. Sowohl der russische als auch der amerikanische Präsident haben sich selbst davon überzeugt, dass es mit einem nächsten Führer des ukrainischen Staates wesentlich leichter sein werde, sich auf irgendwelche kompromisshaften Bedingungen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu einigen, die sowohl den Kreml als auch das Weiße Haus zufriedenstellen würden – oder genauer gesagt: die den Kreml zur Freude des Weißen Hauses zufriedenstellen würden.

Ähnliches gab es 2019, als Putin sich davon überzeugte, dass die Entfernung des vorherigen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko von der politischen Bühne es ihm ermöglichen würde, Volodymyr Zelensky zu einer Kapitulation zu zwingen, die man in westlichen Hauptstädten damals eher als Bereitschaft zu konstruktiven Verhandlungen mit Moskau wahrnahm. Und es ist daran zu erinnern, dass damals sowohl der russische Präsident als auch westliche Führer, die im Zusammenhang mit der Wahl eines neuen Präsidenten der Ukraine neue Perspektiven für russisch-ukrainische Vereinbarungen sahen, sich schlicht getäuscht haben.

Denn jenseits von Wahlergebnissen steht die feste Vorstellung der ukrainischen Gesellschaft, dass die Ukraine weder verkauft noch zu einem russischen Satelliten gemacht werden darf. Und zweifellos würden selbst im Falle von Präsidentschaftswahlen, die mit einem Wechsel des ukrainischen Präsidenten enden, Putin und Trump sich – wie 2019 – erneut täuschen.

Daher gibt es keinen praktischen politischen Sinn in der kurzfristigen Durchführung von Präsidentschaftswahlen in der Ukraine und in der Hoffnung, dass die Ukrainer in einem Referendum die Übergabe ihres eigenen Territoriums an Russland billigen würden. Es gibt jedoch offensichtlichen Druck aus dem Weißen Haus, wo viele glauben, dass gerade ein solcher Verlauf der Ereignisse den russisch-ukrainischen Krieg beenden könnte. Obwohl offensichtlich ist, dass das einzige reale Rezept für ein Ende dieses Krieges in absehbarer Zukunft nicht der Versuch ist, ukrainische Wahlen abzuhalten, sondern die Möglichkeit eines harten, unablässigen und dauerhaften Drucks auf Russland und seine Wirtschaft.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Financial Times: Зеленський готує вибори | Віталій Портников. 11.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 11.02.2026.
Originalsprache: uk]
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Wir werden den Krieg noch lange ausatmen. Iryna Hovorucha.

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Wir werden den Krieg noch lange ausatmen. Vielleicht ein Dutzend oder einhundert Jahre lang. Wir werden am Rand zwischen Rechten und Unrechten balancieren. Zwischen Helden und Verrätern. Gewissenhaften und Gewissenlosen. Mutigen und Feiglingen. Patrioten und Angepassten. Am Ende wird jeder bei seiner eigenen Wahrheit und seinem eigenen Zorn bleiben. Mit seinem eigenen Satz an Ansichten, Überzeugungen und Standpunkten.

Noch viele Jahre werden Streit, Vorwürfe und Auseinandersetzungen aus jedem Anlass andauern. Denn der Krieg trägt schwere Schwingungen und Prüfungen in sich. Am Ende werden jene, die im Hinterland gearbeitet haben, diejenigen, die einen Mörser geladen haben, niemals vollständig verstehen. Die mit beiden Beinen werden die Beinlosen nicht verstehen. Die im Ausland Lebenden – jene, die geblieben sind. Manche werden ohne einen Kratzer aus dem Krieg hervorgehen, andere werden die Nächsten begraben. Einige werden in dieser Zeit reich werden, andere alles bis zum letzten Faden verlieren. Damit werden wir leben müssen. Ziemlich lange. Bis zum Lebensende.

Sie wurde im Oktober aus der Gefangenschaft entlassen. Die Frau verbrachte lange 187 Tage in Gefangenschaft und kehrte weiß wie Schnee zurück. Ohne Zähne, ohne Kraft, ohne Antrieb. Noch immer schläft sie nachts nicht, denn jede Nacht stürmten die Raschisten in die Zelle, rissen sie auf die Beine und zwangen sie, die Hymne Russlands zu singen. Bis zu dreißig Mal pro Nacht führten sie sie hinaus. Die Gefangenen hatten keine Möglichkeit, sich zu waschen, medizinische Hilfe oder menschliche Nahrung zu erhalten. Einige gingen zur Arbeit (sie arbeiteten als Näherinnen) und bekamen dafür eine Rolle Toilettenpapier. Sie schmuggelten festen Faden heraus und korrigierten sich damit gegenseitig die Augenbrauen. In Oleniwka zogen sie sie bis auf die Unterwäsche aus und gaben ihnen dann dreißig Sekunden zum Anziehen. Sie amüsierten sich, indem sie zusahen, wie die Unglücklichen versuchten, in ihre Hosen zu springen, und warnten: „Schaffst du es nicht, gehst du so.“ In einer Zelle, die für sechs Personen ausgelegt war, befanden sich vierzig. Danach – Walujki, Taganrog, Gebiet Brjansk. Unerträglich war die Sehnsucht nach Bonbons. Nach einem Apfel. Nach einer Gurke. Unerträglich war die Sehnsucht nach Hause.

Dmytro (ein junger Mann aus Wolhynien) ist erst 22 Jahre alt. Derzeit liegt er mit einer schweren Verwundung im Krankenhaus. An jenem Tag schlug bei der Ausführung eines Auftrags ein Schuss aus einer „Akazija“ ein und explodierte wenige Meter entfernt. Einer hatte Glück und konnte weglaufen, Dmytro deckte seinen Kameraden mit seinem Körper, doch leider überlebte dieser nicht. Er starb im Evakuierungsfahrzeug. Sein eigenes Bein wurde ihm abgerissen und versetzte ihm einen spürbaren Schlag. Das andere erinnerte an ein Suppenpaket.

Heute fühlt er sich nicht gut. Das linke Bein ist weg, das rechte konnte man zusammensetzen. An der linken Hand ist nur noch ein Finger übrig, aber das macht nichts. Einmal kam ein Freiwilliger mit einer Gitarre. Der Verwundete setzte sich mühsam auf (der junge Mann trug eine Windel, Sepsis, hohes Fieber) und bat, Skryabin zu spielen. Mit einem Finger scrollte er den Text auf dem Handy und sang: „Mama, verzeih mir, dass ich erwachsen geworden bin.“ Beinlos, mit Metall vollgestopft, mit einem Kreuz auf der Brust…

Eine Familie aus einem kleinen Dorf im Gebiet Saporischschja geriet faktisch vom ersten Tag an unter Besatzung. Sie hatten alles: ein Haus, einen Gemüsegarten, einen Weinberg. Sie bauten die Sorten „Arkadia“ und „Kodrjanka“ an. Sie zogen ihre Enkel groß. Und dann – auf einmal Krieg. Wohin man auch blickte – überall feindliche Fratzen. Wegzufahren gelang erst beim fünften Versuch: Sie stellten sich um sechs Uhr morgens in die Schlange und standen darin bis tief in den Abend. Als sie zum Kontrollposten kamen, hörten sie gleichgültiges: „Nicht erlaubt“, – und kehrten zurück. Sie wunderten sich über die Verräter: Diese dienten dem Feind freiwillig, obwohl sie hier geboren und getauft worden waren. Gestern noch waren sie Zootechniker und Traktoristen, heute – Raschisten-Polizisten.

Man nahm sie im Gebiet Tscherkassy auf. Man empfing sie wie Verwandte, stellte ihnen ein Haus zum Wohnen zur Verfügung. Eines Tages humpelte eine Großmutter zu den Vertriebenen und brachte in einem Bündel Rote Bete, Kartoffeln, Knoblauch. Ihr Rücken ist gebeugt, Ihre Hände haben sich vom Säen, Jäten und Graben gekrümmt, und nun teilte sie das Angebaute mit denen, denen es noch schlechter geht. Sie nahmen es und weinten…

Wir werden den Krieg noch lange ausatmen. Bis zum Lebensende…


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Autor: Iryna Hovorucha
Veröffentlichung / Entstehung: 06.02.2026
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Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Macron fordert Trump heraus | Vitaly Portnikov. 10.02.2026.

Der französische Präsident Emmanuel Macron rief die Europäer dazu auf, sich auf mehr feindselige Momente seitens der Vereinigten Staaten vorzubereiten, und betonte, dass die Grönland-Situation keineswegs nur eine Episode gewesen sei und sich solche Schwierigkeiten in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa wiederholen könnten.

Macron unterstrich, dass Europa ein nüchternes Verständnis der aktuellen Lage in den Beziehungen zu den Vereinigten Staaten benötige sowie Reformen, die helfen würden, der doppelten Herausforderung sowohl durch die Vereinigten Staaten als auch durch die Volksrepublik China zu begegnen.

Man kann sagen, dass dies die offenste Erklärung eines führenden europäischen Staatschefs ist, nachdem die Europäer versucht hatten, jene offen scharfen Aussagen gegenüber den Mitgliedstaaten der Europäischen Union zu ignorieren, die der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, gemacht hatte. Und damit erkennt man in Paris an, dass die Politik des Übersehens, des Nachgebens und sogar des Schmeichelns gegenüber dem amerikanischen Präsidenten, man könnte sagen, gescheitert ist. Im Übrigen war dies genau jene Politik, zu der die Europäer den ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky nach dem Skandal im Oval Office geraten hatten.

Man ging davon aus, dass Trump, wenn man versöhnlich mit ihm spreche und ihn als herausragenden Staatsmann der Gegenwart und möglichen Kandidaten für den Friedensnobelpreis bezeichne, jeder Initiative zustimmen würde, die von jemandem komme, der ihm weiterhin schmeichelt. Doch wie wir sehen, ist das eine Unterschätzung des amerikanischen Präsidenten, der auch in dieser Situation bereit ist, Komplimente anzuhören, aber nur auf jene zu reagieren, die ihm aus politischer Sicht im jeweiligen Moment nützlich sind. Und so haben etwa die Komplimente des russischen Präsidenten Putin für Trump deutlich mehr Gewicht als jene, die ihm der Präsident der Ukraine oder irgendein europäischer Staatschef machen könnte.

Natürlich ist unklar, ob die Europäer auf Emmanuel Macron hören werden, doch falls sie es tun, falls die Position der Europäischen Union gegenüber der Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Europa und gegenüber dem russisch-ukrainischen Krieg härter wird, kann das für die Ukraine sowohl positive als auch negative Folgen haben.

Negative deshalb, weil es zu einer Spaltung unter den Verbündeten und zu dem Versuch jedes Einzelnen kommen könnte, so zu handeln, wie es seinen eigenen Interessen entspricht. Und in diesem Zusammenhang kann man auch an eine weitere Erklärung Emmanuel Macrons erinnern, in der er die europäischen Staats- und Regierungschefs dazu aufrief, sich auf Kontakte mit dem russischen Präsidenten Putin vorzubereiten. Wiederum, damit diese Kontakte betreffend Europa mit dem russischen Staatschef nicht hinter dem Rücken der Europäer von Vertretern des Weißen Hauses geführt werden.

Dies ist eine offensichtliche Folge der Legitimierung des russischen Präsidenten durch den amerikanischen. Denn wir verstehen, dass es nach den Telefonaten Trumps mit Putin, nach ihrem Treffen in Anchorage, für jeden westlichen Staatschef deutlich leichter geworden ist, mit dem russischen Präsidenten zu sprechen, während der russisch-ukrainische Krieg weitergeht, als zu der Zeit, als der Präsident der Vereinigten Staaten, Joseph Biden, den Kontakt mit dem russischen Präsidenten verweigerte.

Hier ist die Logik recht einfach. Ein Viktor Orbán könnte sagen: „Wenn Trump mit Putin spricht, warum sollte ich das nicht dürfen?“ Und bei Macron oder einem anderen Staatschef, der von Putins Politik nicht begeistert ist, lautet die Überlegung: „Es wird hinter unserem Rücken verhandelt, also müssen wir selbst mit dem russischen Präsidenten sprechen.“

Dabei muss man der Wahrheit ins Auge sehen: Der russische Präsident zeigt bislang kein echtes Interesse an ernsthaften Gesprächen mit den Europäern. Und der jüngste Besuch von Emmanuel Macrons Berater Emmanuel Bonne in der russischen Hauptstadt endete nach Einschätzung französischer Medien mit einem völligen Fiasko. Bonne sei, so ein Journalist, nur nach Moskau eingeladen worden, um ihn hinauszuwerfen. Doch die Lage kann sich verändern, denn auch die Situation in der russischen Wirtschaft verändert sich.

Und hier kehren wir zu der Frage zurück, warum eine härtere und ernsthaftere Haltung der europäischen Staatschefs gegenüber der Trump-Administration auch für die Ukraine von Vorteil sein kann. Denn in diesem Fall gelangt Europa zu der logischen Schlussfolgerung, dass die Unterstützung unseres Landes im Widerstand gegen die russische Aggression – ganz gleich, welches Interesse Trump, Witkoff, Kushner und andere Geschäftsleute im Weißen Haus an wirtschaftlichen Deals mit Moskau haben mögen – ein natürlicher Bestandteil einer entschiedeneren Reaktion auf Donald Trumps Wunsch ist, Europa seine eigenwilligen Vorstellungen von Weltpolitik aufzuzwingen.

Und hier kann man klar sagen, dass wir uns in einer Übergangssituation befinden. Selbst wenn ein Teil der europäischen Staats- und Regierungschefs jetzt nicht auf Emmanuel Macron hört und glaubt, mit dem amerikanischen Präsidenten und seinem engsten Umfeld verhandeln zu können, wird Europa so oder so über das nachdenken müssen, was Macron strategische Autonomie nennt.

Dabei geht es sowohl um wirtschaftliche Beziehungen als auch um größere Unabhängigkeit vom US-Dollar, falls dieser von den Vereinigten Staaten als Instrument wirtschaftlichen Drucks gegen Länder eingesetzt wird, die mit Donald Trumps politischer Vision nicht einverstanden sind. Und natürlich geht es um den Aufbau eines eigenen militärisch-industriellen Komplexes, der für die Ukraine heute im erbitterten Widerstand gegen Russland notwendig ist – und morgen, falls es angesichts der Probleme in der russischen Wirtschaft gelingt, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden oder zumindest auszusetzen.

Wir verstehen, dass am Tag nach einem möglichen Ende dieses Krieges beide Seiten beginnen werden, sich auf einen neuen vorzubereiten. Und dieser neue Krieg wird nur dann nicht stattfinden, wenn die Ukraine ein gut bewaffneter Staat ist, der bereit ist, einer neuen Phase russischer Aggression zu widerstehen – wann immer sie beginnt, ein oder zwei Jahre nach einer Aussetzung der Kampfhandlungen oder in zehn bis fünfzehn Jahren, wenn eine neue russische Führung sich wieder an die angebliche Notwendigkeit erinnert, den sogenannten Fehler von 1991 zu korrigieren, und erneut einen Krieg gegen unser Land beginnt.

Wenn Europa im Falle einer Wiederbelebung russischer Ambitionen über einen starken militärisch-industriellen Komplex verfügt, über eine gemeinsame nukleare Sicherheit, die sich auf die Nukleararsenale Frankreichs und Großbritanniens stützt, sowie über eine gemeinsame Vision der Rolle des europäischen Kontinents in der Weltpolitik, dann wird es keinen Krieg geben. Wenn all dies nicht vorhanden ist und wir erneut von der Stimmung eines jeweiligen Präsidenten der Vereinigten Staaten abhängig sind, dann ist ein Krieg zwischen Russland und der Ukraine – selbst wenn in den 2020er-Jahren dieses Jahrhunderts die Möglichkeit besteht, die derzeitige Phase auszusetzen – faktisch unvermeidlich.

Deshalb brauchen wir nicht nur eine Amerika, das während oder nach der Präsidentschaft Donald Trumps zur Vernunft zurückkehrt oder auch nicht zurückkehrt. Wir brauchen auch ein starkes Europa, das in der Lage ist, seine eigenen Interessen zu verteidigen – und damit auch die ukrainischen. Und in diesem Sinne kann man der Aussage Emmanuel Macrons nur zustimmen.


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Titel des Originals: Макрон кидає виклик Трампу | Віталій
Портников. 10.02.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 10.02.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Der Kreml droht Trump | Vitaly Portnikov. 10.02.2026.

Der Außenminister der Russischen Föderation, Sergej Lawrow, rief die Russen dazu auf, sich nicht vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump begeistern zu lassen und nicht darauf zu hoffen, dass dieser die Ukraine und die Europäer „in die Schranken weisen“ und Kyiv zwingen werde, den russischen Forderungen zuzustimmen.

Lawrow betonte, dass bereits zwei Verhandlungsrunden in Abu Dhabi stattgefunden hätten. Man würde sich zwar wünschen, dass der Krieg beendet werde, doch davon seien die Russen noch weit entfernt. Dies ist nicht die erste Erklärung eines russischen Funktionärs, in der die Enttäuschung des Kremls über die Schritte hervorgehoben wird, die die amerikanische Seite nach Anchorage unternimmt. 

Auch die führende russische Wirtschaftszeitung Wedomosti betont unter Berufung auf einen anonymen Teilnehmer der Gespräche in Abu Dhabi, dass Russland der Ansicht sei, die Vereinigten Staaten erfüllten jene Versprechen und Verpflichtungen nicht, die sie beim Treffen der Präsidenten der USA und Russlands eingegangen seien.

Die Quelle – bei der es sich auch um einen Vertreter des russischen außenpolitischen Apparats handeln könnte – ist der Meinung, dass Putin in Anchorage bereit gewesen sei, sogar bei territorialen Fragen Zugeständnisse zu machen. Selbstverständlich stellte er dabei jedoch die Notwendigkeit einer Kontrolle der gesamten Oblast Donezk durch die Russische Föderation nicht infrage. Es hätte sogar einen Kompromiss über die Stärke der ukrainischen Streitkräfte geben können. Voraussetzung Russlands sei jedoch gewesen, die Oblast Donezk von ukrainischen Truppen zu „säubern“ sowie eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten zu etablieren.

In Moskau heißt es, dies sei überhaupt eine zwingende Bedingung für die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges gewesen – was sehr deutlich die Sorge Putins über die wirtschaftliche Lage des eigenen Landes illustriert. Denn es stellt sich die Frage: Was haben die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Moskau und Washington mit dem Ende des Krieges an der russisch-ukrainischen Front zu tun?

Seitdem jedoch habe Russland von den Vereinigten Staaten keinerlei Belege dafür gesehen, dass Washington bereit sei, Moskau entgegenzukommen. Die Ukraine stimmt dem Abzug ihrer Truppen aus den Gebieten der Oblaste Donezk und Luhansk nicht zu, und die Vereinigten Staaten drängen Russland konsequent von den Energiemärkten und verhängen wirtschaftliche Sanktionen gegen das Land.

So kann man davon ausgehen, dass Russland – trotz Putins offensichtlichem Wunsch, sich nicht mit Donald Trump zu überwerfen – im Dialog mit der amtierenden US-Regierung keinerlei realen Fortschritt sieht. Genau davon spricht Lawrow.

Dies spiegelt zugleich mehrere Tendenzen wider.

Erstens beginnt Putin zu begreifen, dass es ihm mithilfe Trumps weder gelingen wird, die Kapitulation der Ukraine zu erreichen, noch die Europäer dazu zu bringen, ihre Unterstützung für unser Land im Widerstand gegen die Russische Föderation einzustellen.

Zweitens führt die ukrainische Verteidigung im Laufe der Zeit dazu, dass sich die russische Wirtschaft tatsächlich an der Grenze des Überlebens wiederfindet.

Gerade deshalb benötigt der russische Präsident so dringend eine sogenannte umfassende wirtschaftliche Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten. Diese Partnerschaft soll die Aufhebung der Sanktionen gegen die Russische Föderation, ihre Rückkehr auf die Energiemärkte – vor allem auf den europäischen Energiemarkt – sowie die Möglichkeit umfassen, die derzeit in der Europäischen Union eingefrorenen russischen Vermögenswerte zu bewahren und an Russland zurückzuführen.

Drittens nutzt Putin die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine ausschließlich als Instrument der Erpressung sowohl gegenüber der ukrainischen Seite als auch gegenüber den Vereinigten Staaten, ohne darauf zu hoffen, dass diese Gespräche zu konkreten Ergebnissen führen könnten.

Wenn der Außenminister der Russischen Föderation erklärt, dass dieser Prozess kaum schnell zu einem realen Ergebnis führen werde, meint er in erster Linie, dass die Verhandlungen sich kaum auf die vorwahlpolitische Position Donald Trumps im Vorfeld der Kongresswahlen auswirken werden. Wir wissen, wie ernst es der US-Präsident mit diesen Zwischenwahlen meint, von denen sowohl seine Fähigkeit abhängen kann, seine ehrgeizigen Pläne umzusetzen, als auch sogar seine Möglichkeit, bis 2029 an der Macht zu bleiben, falls die Demokraten die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses erlangen.

Gerade deshalb besteht das wichtigste Erpressungsinstrument der Russischen Föderation darin, Trump zu demonstrieren, dass Moskau seine Friedensbemühungen, die kurz vor den Zwischenwahlen mit Erfolg gekrönt sein sollen und zeigen sollen, dass er in der Lage ist, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, nicht zulassen wird. Wenn Trump also tatsächlich daran interessiert ist, dass der Krieg endet, müsse er nicht Russland unter Druck setzen, sondern die Ukraine und die Europäische Union.

Das heißt, Kyiv müsse gezwungen werden, den russischen Bedingungen zuzustimmen, die nach Berechnung des Kremls zu einer Destabilisierung der innenpolitischen Lage in der Ukraine führen und das Vorgehen der russischen Truppen erleichtern könnten. Auf diese Truppen setzt Putin weiterhin.

Auch jetzt sprechen Militärexperten von der die Verlegung neuer russischer Truppen in die östlichen und südlichen Richtungen, was auf den Wunsch Moskaus hindeuten könnte, sich auf eine neue Frühjahrsoffensive gegen ukrainische Stellungen vorzubereiten. Oder aber die Stationierung dieser Truppen und Ressourcen ist ein weiteres Element von Putins Bluff – mit dem Ziel, sowohl auf die Ukraine als auch auf die westlichen Länder Druck auszuüben und zu betonen, dass, sollten sie seinen Bedingungen nicht rasch zustimmen – darunter territoriale Zugeständnisse der Ukraine, ihre ideologische Umformung zu einem Satelliten der Russischen Föderation und die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland –, eine neue Offensive beginnen werde, mit Versuchen, weitere ukrainische Gebiete zu erobern.

Vor dem Hintergrund jedoch, dass auch die aktuelle russische Offensive faktisch zu keinen strategisch wichtigen Ergebnissen geführt hat, richten sich diese Elemente des Moskauer Bluffs in erster Linie an einen einzigen Zuschauer: den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Die Signale, die Putin nun mithilfe Lawrows an Trump sendet, hängen vor allem mit dem Wunsch zusammen, den amerikanischen Präsidenten davon zu überzeugen, die Ukraine und unsere europäischen Verbündeten wirksamer dazu zu zwingen, der Erpressung des russischen Präsidenten und seines Umfelds zuzustimmen – eines Umfelds, das die Idee eines endlosen Krieges sowie die Destabilisierung der Ukraine und des Westens unterstützt.


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Titel des Originals: Кремль погрожує Трампу | Віталій Портников. 10.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: [Datum10.02.2026.
Originalsprache: uk
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