Bei der Sitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, die auf ukrainische Initiative nach dem Einsatz der Rakete „Oreschnik“ gegen das Gebiet der Region Lwiw in der Ukraine einberufen wurde, verurteilte die stellvertretende ständige Vertreterin der Vereinigten Staaten im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, Tammy Bruce, Russland für diesen Angriff.
„Dank der Führung von Präsident Trump befinden wir uns heute näher an einer Vereinbarung als jemals zuvor seit Beginn des Krieges. Dennoch setzt Russland seine neuen Angriffe auf die Ukraine fort, startet die nuklearfähige Rakete Oreschnik und richtet diese auf Gebiete der Ukraine, die nahe an den Grenzen zu Polen und zur NATO liegen“, sagte die Diplomatin und betonte, dass „dies eine weitere gefährliche Eskalation des Krieges zu einem Zeitpunkt ist, an dem die Vereinigten Staaten mit Kyiv, anderen Partnern und Moskau daran arbeiten, den Krieg durch Verhandlungen und Vereinbarungen zu beenden“.
Die Erklärung von Tammy Bruce ist die erste offizielle Reaktion der Vereinigten Staaten auf den Abschuss der Oreschnik-Rakete durch die Russische Föderation auf das Gebiet der Region Lwiw. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten weder der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump, noch Außenminister Marco Rubio, noch irgendeiner der hochrangigen amerikanischen Beamten die russischen Fähigkeiten oder ihre Eskalationsschritte im Krieg erwähnt. Hätte es die Sitzung des Sicherheitsrates, auf die die Ukraine gedrängt hatte, nicht gegeben, hätten wir womöglich auch diese Reaktion der US-Vertreterin im Sicherheitsrat nicht gehört.
Daraus lässt sich eine einfache Schlussfolgerung ziehen: In Washington hofft man weiterhin – entgegen jeder Logik – auf Vereinbarungen mit dem russischen Präsidenten Putin. Denn während Putin die Oreschnik gegen ukrainisches Gebiet nahe der polnischen Grenze einsetzt, also nahe der NATO, während Putin durch Raketenangriffe versucht, die ukrainische Energieinfrastruktur in der kältesten Phase des Winters zu zerstören, während russische Spitzenpolitiker neue Drohungen gegen die Ukraine und gegen europäische Staaten ausstoßen, erklären amerikanische Diplomaten, der Weg zu einer Einigung habe sich verkürzt und es gebe nun reale Chancen auf Vereinbarungen zur Beendigung des Krieges.
All diese Aussagen widersprechen, wie wir verstehen, dem gesunden Menschenverstand. Wäre der Weg zur Beendigung des Krieges wirklich kurz, würde Putin nicht versuchen, die Ukraine und Europa einzuschüchtern. Wäre der Weg zur Beendigung des Krieges kurz, würde Russland nicht versuchen, die ukrainische Energieversorgung zu zerstören. Wäre der Weg zur Beendigung des Krieges kurz, würde man in Moskau nicht davon sprechen, dass die Ziele der sogenannten „Spezialoperation“, die nun schon fast vier Jahre andauert, erreicht werden müssten, sondern man würde nach Kompromissen durch Verhandlungen suchen.
Sogar auf derselben Sitzung des Sicherheitsrates, bei der die amerikanische Diplomatin Russlands Positionen verurteilte, rechtfertigte der ständige Vertreter der Russischen Föderation beim UN-Sicherheitsrat, der berüchtigte Wassilij Nebensja, die Handlungen Russlands und drohte mit der Fortsetzung der Angriffe auf die Ukraine – das heißt, er bestätigte faktisch die Notwendigkeit einer weiteren Eskalation durch die russische politische Führung.
Man kann also feststellen, dass Putin seine Taktik fortsetzt, die er seit dem ersten Tag von Donald Trumps Rückkehr ins Oval Office verfolgt. Er streitet sich nicht persönlich mit Trump, ist bereit zu Gesprächen mit dem amerikanischen Präsidenten und sogar bereit, ihn selbst anzurufen, wenn er an einer Lockerung der US-Sanktionen gegen Russland oder an der Blockierung der Bemühungen des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky interessiert ist. Aber abgesehen von persönlichen Komplimenten gegenüber Trump ist Putin nicht bereit, irgendwelche konkreten Schritte zu unternehmen, die zum Ende des russisch-ukrainischen Krieges führen könnten. Im Gegenteil: Er nutzt Trumps Präsenz im Weißen Haus, um den Krieg fortzusetzen – trotz der Tatsache, dass es ihm nicht gelingt, die seit 2014 laufende Sanktionsmaschine Washingtons gegen Russland zu stoppen.
Damals sprach der Präsident der Vereinigten Staaten Barack Obama vom kumulativen Effekt der Sanktionen. Jetzt, im Jahr 2026, beginnen Beobachter zu glauben, dass die amerikanischen Sanktionen endlich Wirkung zeigen und ernste Probleme für die russische Wirtschaft sowie den Öl- und militärisch-industriellen Komplex verursachen könnten. Doch wann genau diese Sanktionen Putin tatsächlich zwingen werden, den Krieg zu beenden, weiß heute niemand – denn niemand kennt den wirklichen Zustand der russischen Wirtschaft und niemand weiß, wie lange Putin bereit ist, diesen Zustand zu ignorieren, solange ihm noch Ressourcen für den Krieg gegen unser Land zur Verfügung stehen.
Und aus dieser Sicht ist nicht entscheidend, dass die Vereinigten Staaten russische Handlungen gelegentlich selbst auf höchster Ebene verurteilen. Und nicht einmal, dass Präsident Donald Trump, der aus für niemanden nachvollziehbaren Gründen weiterhin von seinen guten Beziehungen zu Putin spricht – obwohl dieser sich offen über seinen amerikanischen Kollegen lustig macht –, von Zeit zu Zeit Enttäuschung über Putins Verhalten äußert. Der eigentliche Punkt ist: Der Verhandlungsprozess mit dem russischen Präsidenten treibt Putin zu härteren und entschlosseneren Maßnahmen gegen die Ukraine. Das muss jeder verstehen, der die heutige Politik verfolgt.
Das ist Ausdruck der russischen politischen Kultur. Wenn Russen sehen, dass man mit ihnen verhandeln will, sind sie überzeugt, dass sie noch brutalere Schritte gegen den Feind unternehmen müssen, um ihn zur Kapitulation zu zwingen.
Für den Westen sind Verhandlungen Teil einer Kultur, die Kriege und das Töten von Menschen beenden kann – und das hat auch Donald Trump selbst oft gesagt. Für Putin sind Verhandlungen ein Zeichen von Schwäche und ein Anlass, die Eskalation fortzusetzen und weiter zu töten, um das angegriffene Land zur Kapitulation und seine Verbündeten zur Einstellung der Hilfe zu zwingen.
Und man sollte nicht glauben, dass Putin aus diesem Verhandlungsprozess nicht schon Ziele erreicht hätte. Er hat sie erreicht. Dazu gehört, dass die Vereinigten Staaten – worauf Trump und seine Administration stolz verweisen – die Hilfe für die Ukraine eingestellt haben und uns nun Waffen nur noch verkaufen. Das ist einer der größten Fehler des „neuen alten“ amerikanischen Präsidenten. Dazu gehört auch, dass durch amerikanische Bemühungen die eingefrorenen Vermögenswerte der Russischen Föderation nicht beschlagnahmt wurden. Wie bekannt, überzeugten amerikanische Diplomaten die Europäer davon, dass ein solcher Schritt den erfundenen Friedensplan Trumps gefährden würde – einen Plan, den Russland ohnehin nicht umzusetzen gedenkt. Dazu gehören schließlich auch die Spaltungen unter den Verbündeten in der Frage der Beendigung des Krieges sowie die Notwendigkeit, Donald Trump ständig zu schmeicheln, damit er nicht auf die Seite seines russischen Amtskollegen wechselt.
Man kann daher klar sagen: Eine der Ursachen für Putins Brutalität und Beharrlichkeit ist gerade der von Donald Trump initiierte Verhandlungsprozess. Trumps Wunsch, mit dem russischen Präsidenten zu sprechen und Putin aus der internationalen Isolation herauszuführen, ist entscheidend. Trump glaubte offenbar, dass die Weigerung von Präsident Joe Biden, nach Beginn des groß angelegten Krieges gegen die Ukraine mit Putin zu sprechen, der Grund dafür sei, dass Putin den Krieg fortsetze – während ein Dialog ihn zum Aufhören bewegen würde.
Nun, wie in so vielen anderen Fällen hat Trump einen grundlegenden und schweren Fehler begangen – dessen Folgen wir heute alle zu spüren bekommen.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: США звинувачують Росію | Віталій Портников. 13.01.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 13.01.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.

