Kein Recht auf blinden Glauben und Selbsttäuschung über die „Gewissheit eines Nichtangriffs“. Der Test für Artikel 5 der NATO. Interview mit dem schwedischen öffentlich-rechtlichen Sender SVT vom 22.08.2026. Robert „Magyar“ Brovdi

Interview des Kommandeurs der Unbemannten Systeme Robert „Magyar“ Brovdi mit dem schwedischen öffentlich-rechtlichen Sender SVT vom 22.08.2026. Die Chronologie des Interviews wurde geändert. Die aktuellen Themen befinden sich im zweiten Teil, deshalb beginnen wir mit diesem.

Magyar:All das habe ich bisher unter einem positiven Vorzeichen dargestellt. Jetzt komme ich zur negativen Seite. Der Gegner schläft ebenfalls nicht, und der Gegner ist ernst zu nehmen. Was die Unterbindung seiner Finanzierungsquellen betrifft, sind wir noch sehr weit davon entfernt, sie auch nur hypothetisch vollständig unterbinden zu können. Putin hat den Ausbau seiner Militärmaschine keine Minute lang gestoppt.

Die Finanzierung der Entwicklung von Drohnen und neuen Militärtechnologien, die kontinuierliche Produktion von Luftverteidigungssystemen, die Ausweitung der Produktion verschiedener Raketentypen, die bevorstehende Mobilisierung – all das zeugt davon, dass er die militärischen Fähigkeiten des Staates kontinuierlich ausbaut. Und dabei geht es nicht um Atomwaffen, nicht einmal um taktische.

Es geht um die Beschaffung billiger Waffen, mit denen sich Wirkung erzielen lässt. Nehmen wir die der ganzen Welt bekannten Shaheds, die wir täglich mit einer gewissen Regelmäßigkeit abfangen. Stand August sind das im Durchschnitt 300 Stück pro Tag. Und es gibt weltweit keine einzige Armee, die darauf vorbereitet ist, im laufenden Betrieb eine solche Menge an Loitering Munition abzuwehren. Am Montag 300, am Dienstag 300, am Mittwoch 300, am Freitag 300. Dazwischen zwei Raketenangriffe mit jeweils 30 oder 50 Raketen aus verschiedenen Richtungen. Und dafür traditionelle Mittel zur Abwehr ballistischer Raketen und Shaheds einzusetzen, kann keine Volkswirtschaft der Welt stemmen. Es geht ausschließlich um neue, moderne und kostengünstige Technologien.

Und Putin versteht die Wirksamkeit dieser Waffen. Ebenso versteht Putin, dass den NATO-Mitgliedstaaten eine klare und beständige Position fehlt. Deshalb erlaubt er sich die Rhetorik, dass die NATO-Staaten bereits in diesen Krieg hineingezogen seien und unmittelbar daran teilnähmen.

Was glauben Sie: Wird Putin seine Ambitionen jemals aufgeben, doch noch in das Territorium von NATO-Mitgliedstaaten einzudringen, um wieder jemanden zu „befreien“, zu „retten“ und irgendetwas mit irgendetwas zu „vereinigen“? Nehmen wir als Beispiel die baltischen Staaten, die Putin als Bruchstücke der ehemaligen Sowjetunion im Rahmen seiner imperialen Ambitionen und Vorstellungen gerne wieder zusammenfügen würde, indem er alle in der guten alten Sowjetunion vereint. Deshalb gebe ich Ihnen drei zentrale Quintessenzen, aber hören Sie mir bitte zu.

  • Erstens. Ein „Kyiv in drei Tagen“ wird es nie wieder geben, aber ob es die baltischen Staaten nicht innerhalb eines Tages treffen könnte, da bin ich mir nicht sicher.
  • Zweitens. Die Drohne ist ohne jede Dramatisierung eine reale Plage des dritten Jahrtausends. Die Mathematik belegt das.
  • Drittens. Die NATO-Partnerstaaten irren sich sehr – mir ist das Wort entfallen – sie überschätzen ihre eigene Bereitschaft erheblich, dem Druck einer feindlichen Armee standzuhalten, die moderne Technologien einsetzt und die derzeit von der Ukraine bei Russlands Offensive aufgehalten wird.

Die NATO-Staaten sind auf einen Drohnenkrieg nicht vorbereitet. Punkt. Wie auch immer die geopolitischen Karten am Ende liegen mögen, was auch immer die großen Staaten über eine mögliche Beendigung des Krieges in der Ukraine und Ähnliches vereinbaren mögen: Putin wird seine Militärmaschine nicht einmal für eine zehnminütige Abkühlung des Motors abstellen. Er wird diese Maschine weiter antreiben und Personal, Bewaffnung und Technologien maximal ausbauen, um den nächsten Schritt zu machen.

Und das ist keine leere Erklärung. Im Rahmen unserer Kommunikation und Zusammenarbeit mit den militärischen Führungen ausnahmslos aller NATO-Mitgliedstaaten geben wir unsere vorrangigen Empfehlungen für die Umsetzung der ersten Schritte, die bereits jetzt notwendig sind, um einen Angriff Putins auf Sie zu verhindern – einen erfolgreichen Angriff. Die ersten fünf Schritte zur sofortigen Umsetzung innerhalb von drei, sechs und zwölf Monaten wurden der politischen und militärischen Führung der NATO nicht nur übermittelt, sie wurden von mir bereits weltweit öffentlich gemacht. Sie wurden einfach veröffentlicht, ausgesprochen, von Journalisten wiedergegeben und in der ganzen Welt verbreitet. Man muss handeln, es gibt keine Zeit.

Was die Ukraine betrifft, liegt bereits alles offen zutage. Die Legalisierung der Mobilisierung, die Bekanntgabe und Umsetzung der Mobilisierung durch Putin, die Ausweitung der Angriffe mit Shaheds – sowohl mit strahlgetriebenen als auch mit gewöhnlichen –,und die Ausweitung gleichzeitiger Raketenangriffe. Ich spreche hier nicht von ballistischen Raketen, sondern von einer gleichzeitigen Salve aller Raketentypen, die Putin im Krieg gegen die Ukraine standardmäßig einsetzt, mit dem Ziel, unsere Infrastruktur zu zerstören, der Zivilbevölkerung das Leben in friedlichen Städten unmöglich zu machen und direkten genozidalen Terror gegen die Zivilbevölkerung auszuüben. Er kann auf dem Schlachtfeld keine Erfolge erzielen, er kann seinem Volk keine wirklichen Erfolge vorweisen. Also verlagert er den Schwerpunkt seiner Angriffe darauf, für die Einwohner, für die Zivilbevölkerung der Ukraine einen Albtraum zu schaffen.

Wir wissen, was dagegen zu tun ist. Aber auch hier liegt allem die Mathematik zugrunde, die nicht ausschließlich von uns abhängt. Zu dieser Art von Mathematik gehört auch die Beteiligung der Partner in Form rechtzeitiger – nicht nur angekündigter, sondern rechtzeitiger – finanzieller Unterstützung.

Es gibt auch kostenlose Schritte, die jedoch stark politisiert sind. Der wichtigste kostenlose, aber politische Schritt ist die Freigabe des Betriebs der Starlink-Satelliten über einem Teil des russischen Territoriums. Wir bekämpfen Drohnen, die über unser Territorium fliegen, aber wir haben nicht genügend Möglichkeiten, die Abschussvorrichtungen für Raketen und dieselben Shaheds zu bekämpfen, deren Standorte wir kennen, für die wir jedoch eine Kommunikationsverbindung brauchen.

Wir haben das in den vorübergehend besetzten Gebieten bewiesen. Aus den vorübergehend besetzten Gebieten setzt der Gegner heute bei massiven Raketenangriffen keine Raketen mehr ein, weil wir dafür gesorgt haben, dass dort keine Abschussvorrichtungen stationiert werden können. Irgendwo dort gibt es vielleicht noch welche, aber sie verstecken sich und werden nicht massenhaft eingesetzt.

Alle Starts erfolgen ausschließlich von russischem Territorium, vom Süden bis ganz in den Norden, von Rostow und Taganrog bis zu den Gebieten Brjansk, Kursk, Belgorod und so weiter. Wir kennen jede Zone, in der sich diese Abschussvorrichtungen befinden. Aber um sie zu zerstören, brauchen wir offene Augen. Keine Versprechen – offene Augen. Und dann werden wir das in kurzer Zeit bewältigen, innerhalb weniger Wochen.

Drittens – ich bin noch nicht fertig. Drittens geht es darum, dass die entscheidenden NATO-Partnerstaaten die Notwendigkeit einer Neuausrichtung und Überarbeitung ihrer eigenen Sicherheitsdoktrinen selbst erkennen und unverzüglich akzeptieren. Nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern wirklich akzeptieren. Und zwar sofort. Sofort. Wissen Sie, die Ukraine wird Ihre Länder ganz sicher mit Drohnen versorgen können, falls auf Ihrem Territorium plötzlich ein Krieg beginnt. Das kann ich heute mit Sicherheit sagen. Aber die Ukraine wird Ihnen ganz sicher nicht die Beteiligung ihrer Soldaten zur Verfügung stellen können, die Sie verteidigen werden. Wir werden schlicht nicht für Sie alle ausreichen. Und wenn Sie eine derart enge Zusammenarbeit mit uns haben, Zugang zu Analysen, zur Geschichte der Ereignisse, zu deren Auswertung und zur Übernahme unserer Erfahrungen, dann ist es, gelinde gesagt, gefährlich, jetzt keine neuen Entscheidungen für die eigene Sicherheit umzusetzen. Und das ist Ihre künftige Herausforderung.

Sie erinnern sich: Die Drohne ist die Plage des dritten Jahrtausends. Und ich scherze nicht. Außerhalb eines Krieges, in den Händen eines Terroristen oder einfach eines Rowdys, der ein Fußballspiel in einem Stadion mit 100.000 Zuschauern sprengen will. Der 11. September – ich weiß nicht mehr, in welchem Jahr – musste in den Vereinigten Staaten geschehen, damit sämtliche Fragen der Sicherheit im Luftverkehr neu überdacht wurden. Ein moderner 11. September ist in Europa noch nicht geschehen, obwohl Drohnen in Leipzig bereits den Flughafen erreicht haben und, Gott sei Dank, nicht explodiert sind.

Wenn es um die Sicherheit jedes einzelnen Penthouses in einem Hochhaus irgendeiner Stadt und um den sicheren Aufenthalt irgendeiner VIP-Person darin geht, eines Bankdirektors, einer finanziell bedeutenden Person, eines Industrieunternehmers oder sonst jemandes, dann werden sie weder in die Keller gehen können, um dort zu arbeiten, noch sich in einem Hochhaus sicher fühlen können. Seien Sie sich dessen sicher. Ich drohe nicht, ich stelle fest. Selbst für den Beruf des Scharfschützen wird nicht einmal mehr in der Kriminalität Platz bleiben. Im Krieg ist der Scharfschütze bereits nicht mehr gefragt.

Frage: Eine persönliche Frage zu Ihrem Hintergrund. Was hat Sie auf Ihre jetzige Position vorbereitet? Ihre Vergangenheit? Vielleicht Ihre Rolle als Geschäftsmann, vielleicht irgendeine andere Erfahrung. Wie sind Sie hierhergekommen? Und nicht einfach nur hierhergekommen, sondern so erfolgreich. Was hat Sie am meisten darauf vorbereitet?

Magyar: Ich bin Ukrainer. Das ist das Erste. Zweitens bin ich Eigentümer von etwas Eigenem – eines Baumes, eines Hauses, eines Unternehmens, egal. Drittens bin ich Vater. Viertens ist das mein Land. Was zum Teufel soll das? 

Und dann ist da einfach dieses einzigartige Phänomen, für das es in der Geschichte vermutlich kein Gegenstück gibt: dass im Jahr 2022 die absolute Mehrheit der Widerstandskräfte aus Zivilisten verschiedenster Berufe bestand, die einfach innerhalb von fünf Tagen zu den Waffen griffen, jeder in seinem Gebiet.

Neben Mut und Patriotismus ermöglichte das, den kollektiven Verstand verschiedener Berufsgruppen an einem Ort zu konzentrieren, ausgerichtet auf die Lösung eines einzigen konkreten Problems. Keine spezialisierte militärische Erfahrung, sondern der gemeinsame kollektive Verstand von Ärzten, Ingenieuren, Sportlern, Gaunern, Geschäftsleuten – von wem auch immer. 

Die Ideen jedes Einzelnen waren anfangs auf das Überleben gerichtet, konzentrierten sich später auf die Vernichtung des Gegners mit allen verfügbaren Mitteln und im nächsten Schritt auf die Skalierung dieser Lösungen und ihre Implementierung in jene Armee, in deren heutiger Form sie jetzt am Krieg teilnimmt. Und in den meisten dieser Gruppen von Menschen verschiedener Berufe fanden sich Projektmanager, die sich schnell orientierten und faktisch die Koordinierung all dieser Handlungen übernahmen.

Das ist der grundlegende Unterschied zu einer klassischen Armee irgendeines Landes der Welt. Kein eng spezialisiertes Berufsbild, sondern kollektiver Verstand. Kollektiver Verstand, gesteuert von einem Projektmanager, der sich von Mathematik leiten lässt. Das ist das Wort, mit dem wir unser Gespräch begonnen haben. Kollektiver Verstand ist das Äquivalent eines Teams. Natürlich baut hier niemand ein Monopol auf oder betreibt ein „Ruhm mir, dem Geliebten“, all das sind Teams. Mit einem solchen Ansatz hat Putin in der Ukraine keine Aussicht auf Erfolg und wird sie auch nicht haben.

Bedauerlicherweise um den Preis des Lebens sowohl unserer Kameraden als auch von der Zivilbevölkerung. Schade ist, dass die Aktivität der Partner erst an der Schwelle zu humanitären Katastrophen einsetzt. Erst dann unternehmen sie jene richtigen Schritte, die rechtzeitig notwendig wären, aber letztlich unternehmen sie sie dennoch. Andernfalls werden auch die Partner in einer Situation des Zugzwangs sein, gelinde gesagt, oder in einer von vornherein verlorenen Konstellation der Zukunft.

Und wir waren und bleiben allen Partnerstaaten dankbar, denen das Geschehen in der Ukraine nicht gleichgültig ist und die uns im Rahmen ihrer Möglichkeiten helfen, sich beteiligen, uns unterstützen und so weiter. Wenn die NATO lange zum Anspannen braucht, dann haben Sie, die einzelnen Staaten, eine ganze Reihe anderer Formen von Bündnissen, zum Beispiel JEF.

Klopfen Sie deshalb an die Herzen Ihrer Einwohner, aber klopfen Sie noch stärker an die Köpfe Ihrer Führung. Ihre Sicherheit liegt in Ihren Händen, und die Drohnen werden in den Händen der Piloten Ihres Landes liegen. Vielleicht mit einem Ausbilder aus einem anderen Land, aber der Großteil der Piloten wird aus Ihrem Land kommen, ebenso wie die Infanterie. Obwohl ich natürlich wünsche, dass alle Kriege, an denen Schweden beteiligt war, ausschließlich Geschichte bleiben und nicht Zukunft werden.

Erster Teil

Frage: Nach dem, was wir sehen, ist es Ihnen gelungen, eine sehr erfolgreiche Kampagne durchzuführen. Welche Schlüsse ziehen Sie jetzt aus den Ergebnissen dieser Kampagne, nach dem, was Sie sehen?

Magyar: Von welcher Kampagne sprechen wir?

Frage: Von der Drohnenkampagne, „Mid-Strike“ und „Deep-Strike“.

Magyar: Sehen Sie, ich würde das nicht in Kampagnen messen. Ich würde es anhand etwas anderer Kriterien messen. Der groß angelegte Krieg, den Russland gegen die Ukraine entfesselt hat, hat innerhalb kurzer Zeit durch das Aufkommen eines neuen Waffentyps grundsätzlich sämtliche bisherigen Doktrinen, Ansätze und Vorstellungen über die Führung dieses Krieges verändert.

Das heißt, die Drohne, die 2022 bereits als Mittel der Kriegsführung in Erscheinung trat, ist 2025 und 2026 zum Hauptelement dieses Krieges geworden. Das heißt, es ist ein Mittel, das durch die Erfüllung seiner Aufklärungs- und Angriffsfunktionen faktisch ganze Truppengattungen ersetzt hat: Es hat die Funktion der Artillerie übernommen, die Funktion der Luftwaffe übernommen, die Funktion gepanzerter Fahrzeuge, von Panzern und so weiter übernommen.

Denn all die oben genannten Mittel sind, sobald sie in der Killzone auftauchen, nicht einmal mehr in der Lage, ihre Feuerstellungen zu erreichen. Sie werden zu Zielen, die leicht zerstört werden können. Und zwar werden sie auf asymmetrische Weise zerstört. Denn die Asymmetrie zwischen den Kosten dieser Mittel und ihrer Anzahl ist so groß, eine solche Drohne ist im Verhältnis zu einem Panzer, der mehrere zehn Millionen Dollar kostet, so billig, während dieser Panzer im Grunde nicht einmal zu einem Kampfeinsatz ausrücken kann, weil er sich in einer potenziellen Killzone befindet. Einer Killzone, deren Ausdehnung heute ausschließlich von den technischen Eigenschaften der Drohnen selbst und ihrer Anzahl in der Luft bestimmt wird.

Erstens ersetzt die Drohne heute Personal. Das heißt, die Konzentration von Drohnen auf einem Frontabschnitt ermöglicht es, weniger Personal einzusetzen, bei dessen Mobilisierung es in der Ukraine gewisse Probleme gibt. Denn im Laufe von viereinhalb Jahren hat sich unsere Mobilisierungsreserve erheblich verringert, und alle, die kämpfen wollten, kämpfen bereits.

Zweitens hat die Drohne den Krieg transparent gemacht. Früher erhielt die Infanterie Informationen aus irgendwelchen Aufklärungsberichten, Meldungen und anderen Quellen. Heute liegt all das offen zutage. Es ist in Echtzeit sichtbar, weil die Drohnen im ständigen Wechsel fliegen, einander ablösen und es ermöglichen, das Bild des Gefechts, die Art der Handlungen, die logistischen Absichten des Gegners und seine Angriffsabsichten zu kennen. Man weiß buchstäblich alles im Voraus und hat die Möglichkeit, sich vorzubereiten und entsprechende Schläge zu führen.

Drittens ermöglicht die Drohne, gleichzeitig einen Krieg in vier verschiedenen Tiefen zu führen. Das ist die Luftverteidigung im Hinterland unmittelbar nahe der Frontlinie und weiter im Landesinneren. Das ist die Arbeit auf taktischer Ebene, die Arbeit auf operativer Ebene und die Bekämpfung von Zielen in der Tiefe auf strategischer Ebene, was uns wiederum schrittweise ermöglicht, den Krieg auf das Territorium des Besatzers, auf das Territorium Russlands zurückzutragen.

Viertens, fünftens, zehntens. Ich könnte noch viele weitere Punkte nennen, aber vor allem ist die Drohne Mathematik, und Mathematik bedeutet die Möglichkeit einer angemessenen Analyse, Steuerung und Planung des Krieges. Mathematik. Alles steckt darin.

Frage: Man kann also nicht sagen, dass Deep Strikes wichtiger sind als Mid Strikes? Sie alle bilden ein Ganzes. Gibt es einen Unterschied bei der Priorität solcher Angriffe?

Magyar: Heute entfallen 95 Prozent aller Treffer gerade auf die taktische Ebene. Denn gerade auf der taktischen Ebene nutzt der Gegner sein im Vergleich zur Ukraine völlig anderes Mobilisierungspotenzial und wirft immer neue Soldaten nach vorn, um in weitere Gebiete einzusickern. Und gerade am Boden, auf taktischer Ebene, findet ein gewisses Vorrücken des Gegners zur Eroberung von Land statt. Es geschieht nicht aus der Luft, es geschieht nicht von Moskau aus, es geschieht konkret auf dem Schlachtfeld, Kilometer für Kilometer. Natürlich hat Putin, besonders im letzten halben Jahr, auf dem Schlachtfeld nicht viel vorzuweisen, deshalb hat er sich jetzt umorientiert und sich dem Terror gegen die Zivilbevölkerung zugewandt. Aber das ist ein anderes Thema.

Im Dezember 2025 haben wir den nächsten Punkt einer neuen Dimension des Krieges erreicht, als wir die Bilanz zwischen dem Zulauf und dem Ausfall gegnerischen Personals im Krieg ausgeglichen haben. Das heißt, die Zahl des vom Gegner unter Vertrag genommenen Personals entsprach der Zahl des vernichteten gegnerischen Personals. Gerade durch Drohnen haben wir diese Bilanz ausgeglichen. Das ist ein neuer Ausgangspunkt. Aber das löst das Problem nicht. Ich erkläre jetzt, warum.

Bis heute bezeichnet Putin diesen Krieg als militärische Spezialoperation und nutzt zur Auffüllung seines Personals ausschließlich das Potenzial von Vertragssoldaten. Das heißt, sie zahlen Geld und schließen Verträge ab – freiwillig oder nicht freiwillig, das spielt keine Rolle. Sie schließen Verträge mit Personen, die anschließend losziehen, um auf ukrainischem Boden zu sterben. Am 20. September finden bei Putin Wahlen statt. Und das ist die letzte Schwelle, die ihn derzeit noch davon abhält, jene verborgene Mobilisierung zu legalisieren, die in Wirklichkeit bereits stattfindet. Und dann wird er in seinem Land Menschen mit Gewalt zusammentreiben und sie zur Durchführung der sogenannten militärischen Spezialoperation schicken. 

Obwohl diese Mobilisierung jetzt noch als verdeckt und sozusagen „nicht bewiesen“ gilt, sehe ich das nicht so. Und ich analysiere sehr viele OSINT-Daten, Informationen und abgefangene Mitteilungen. Wir führen tiefgehende Analysen durch. Ich behaupte, dass diese Mobilisierung im Herbst beginnen wird, und dann werden wir auf einer ganzen Reihe von Frontabschnitten einen erheblichen Zustrom gegnerischen Personals spüren. Und diese Parität bei der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts von Zugängen und Ausfällen wird ihren Wettbewerbsvorteil verlieren, weil der Gegner erheblich mehr Personal zur Verfügung haben wird, auch wenn es unerfahren ist. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Das sind vollkommen offensichtliche Dinge.

Und um auf den ersten Teil Ihrer Frage zu antworten: Drohnen auf taktischer Ebene waren, sind und bleiben aus Sicht der Eindämmung des Gegners prioritär. Prioritär und am massenhaftesten eingesetzt. Das heißt, von den zehn Millionen Drohnen, die die ukrainische Militärindustrie heute produziert, wird die absolute Mehrheit der Systeme heute hier auf dem Schlachtfeld benötigt, innerhalb von 15 bis 30 Kilometern.

Operationen, die die operative und die strategische Tiefe betreffen, dienen der Erfüllung anderer Aufgaben. Eine gesonderte Operation rund um die Krim, ihre Blockade – Sie haben davon gehört – dient vor allem dazu, Putin die Nutzung der Halbinsel als militärischen Brückenkopf unmöglich zu machen, von dem aus er seine Operationen gegen die Ukraine führt.

Ihre nächste Aufgabe besteht darin, die Aktivitäten der Schattenflotte zu stoppen, die die besetzten Gebiete und entsprechend das Asowsche Meer mit der Straße von Kertsch nutzte, um Öl, Commodities und alles Mögliche andere abzutransportieren, das mithilfe der Hunderte Schiffe der Schattenflotte in unbegrenzten Mengen auf das offene Meer gelangte und dort zum Zweck des Verkaufs weiter umgeladen wurde.

Und diese Operation hatte eine blitzartige Wirkung. Sie wurde aus der Luft durchgeführt und brachte den Verkehr der Schattenflotte buchstäblich innerhalb von zwei Wochen zum Erliegen. Seit zwei Monaten läuft sie nun, und der Verkehr auf dem Asowschen Meer ist vollständig zum Stillstand gekommen. Die Straße von Kertsch ist blockiert. Der Verkehr auf dem Schwarzen Meer, zumindest in seinem nordöstlichen Teil, ist, gelinde gesagt, erheblich erschwert.

Auf der Krim gibt es eine ganze Reihe solcher Aufgaben. Ich werde sie nicht alle aufzählen. Ich nenne noch eine wichtige, die dritte. Die dritte ist die Logistik auf die Halbinsel und zu den südlichen Frontabschnitten, die intensiv als Landkorridor für Lieferungen auf die Halbinsel und an den südlichen Frontstreifen genutzt wurde – für die Zuführung von Personal, militärischer Ausrüstung, Munition und allem, was Putin die Kriegsführung auf taktischer Ebene, auf dem Schlachtfeld, ermöglicht.

Das heißt, wir schaffen Bedingungen, unter denen ein Militärkontingent nicht auf dem Territorium der Krim stationiert werden kann, um von dort gegen die Ukraine eingesetzt zu werden. Dazu kommen sämtliche begleitenden Bereiche zur Aufrechterhaltung des Lebens dort. Ein besonderer Fokus liegt auf einer Zahl in Millionenhöhe, einer Zahl, die sich auf eine Million und mehr beläuft. Das ist dieser russische kolonialistische Migrationstourismus von Menschen, die vor zehn oder 13 Jahren einfach auf unser Land kamen, die Häuser von Ukrainern bezogen und es sich unter den schönen Bedingungen auf der Krim bequem machten, nachdem sie aus den tiefsten Sümpfen gekommen waren, in denen sie gelebt hatten – im Zuge von Putins müheloser Einnahme der Krim. Denn die Krim fiel ihm leichter in die Hände, als es einem gewöhnlichen Dieb fallen würde, beispielsweise vor Ihrem Parlament ein Auto zu klauen. Dort wäre es schwieriger, denn dort gibt es Kameras und Polizei. Hier dagegen kam er einfach, nahm sich eine leichte Trophäe und machte sie obendrein noch zu etwas Sakralem.

Nun zur strategischen Ebene. Sie hat völlig andere Aufgaben. Und wir haben intensiv daran gearbeitet, die Fähigkeit zur Erfüllung dieser Aufgaben zu erlangen. Faktisch haben ukrainische Ingenieure während des Krieges, während sie das Schlachtfeld mit Drohnen versorgten, unermüdlich Drohnen entwickelt, die in der Lage sind, wesentlich tiefer zu fliegen und wesentlich wichtigere Spezialoperationen durchzuführen. Und in der strategischen Tiefe konzentriert sich die Hauptaufgabe auf drei oder vier völlig andere Zieltypen.

  • Erstens sind das sämtliche Unternehmen, die Finanzierungsquellen des Krieges darstellen.

Putin verfügt über grenzenlose Bodenschätze, durch deren Export er Devisen erhält, mit denen er den Krieg finanziert. Das heißt, sämtliche Quellen der Kriegsfinanzierung sind legitime militärische Ziele und müssen unverzüglich zerstört werden, um das System der Kriegsfinanzierung auszubluten.

Zweitens: Wenn man berücksichtigt, dass Putin nie aufgehört hat, sich auf diesen Krieg vorzubereiten. Dieses Land hat sein ganzes Leben lang seinem eigenen militärisch-industriellen Komplex große Aufmerksamkeit und erhebliche finanzielle Mittel gewidmet und tut dies weiterhin.

  • Deshalb sind die zweite Priorität strategischer Angriffe in der Tiefe sämtliche Produktionsstätten für Waffen in all ihren Formen.

Die Finanzierungsquellen des Krieges ausbluten lassen. Die Unternehmen ausschalten und zerstören, die Mittel und Waffen herstellen, die in den Krieg geschickt werden: unbemannte Systeme, gepanzerte Systeme, alles, was fliegt, schießt und so weiter. Das sind zwei wichtige Prioritäten.

  • Die dritte Priorität sind sämtliche logistischen Versorger der militärischen Spezialoperation.

Das sind Monopole innerhalb Russlands, die für die massenhafte Logistik und die Versorgung mit Gütern für militärische Zwecke sorgen. Wenn wir über bestimmte Logistikzentren sprechen, mit deren Zerstörung wir uns regelmäßig und erfolgreich beschäftigen, dann betrifft ein gesonderter Bereich die taktischen und sonstigen Luftverteidigungssysteme, die Russland noch aus den Errungenschaften der Sowjetunion geerbt hat und bis heute sehr intensiv produziert. Damit verschafft es sich den sogenannten Schild, der das Eindringen von Luftzielen tief nach Russland hinein begrenzt. Das heißt, es handelt sich um sämtliche Elemente der Luftverteidigung, von denen wir Hunderte ausschalten und dadurch das Fenster in die Tiefe des russischen Territoriums rund um die Uhr offen halten.

Obwohl der Anteil der Angriffe in der Tiefe Russlands – Sie haben die Zahl heute gehört: 95 Prozent entfallen auf die taktische Ebene – also nicht mehr als fünf Prozent beträgt, kann man heute, Stand August 2026, mit Sicherheit sagen, dass es im europäischen Teil Russlands keinen einzigen Ort mehr gibt, den der Gegner als ruhiges Hinterland betrachten kann. In jedem Winkel, auf jedem Kilometer gibt es Raum, der für Angriffe durch einen freiheitsliebenden ukrainischen Vogel erreichbar ist.

Und schließlich ist das ein gesondertes Mittel, um auf den moralisch-psychologischen Zustand der gewöhnlichen Einwohner dieses Landes, Russlands, einzuwirken, damit sie ihre eigene Verbindung zu diesem Krieg spüren. Denn all die früheren Kriege, die Russland führte, um, wie sie sagen, jemanden von irgendetwas zu befreien, berührten keinen einzigen gewöhnlichen Einwohner Russlands, weil sie nicht auf russischem Territorium stattfanden. Es brauchte vier Jahre, in denen wir den Vormarsch der Russen in den von ihnen besetzten ukrainischen Gebieten aufhielten, um 2025 und 2026 damit beginnen zu können, den Krieg in vollem Umfang auf die Seite des Gegners zu verlagern. Und das ist inzwischen nicht mehr nur eine Tatsache, sondern Alltag – ein Alltag, an den sich die Bürger des Aggressorstaates nicht gewöhnen und der für sie dennoch alltäglich geworden ist.


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Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Без права на сліпу віру та самонавіювання про „впевненість у ненападі“. Тест Статті 5 NATO. Інтервʼю суспільному мовнику Швеції SVT від 22.08.2026. Роберт Мадяр Бровді.
Kanal: schwedischer öffentlich-rechtlichen Sender SVT
Veröffentlichung: 22.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Polen bereitet sich auf Angriffe vor | Vitaly Portnikov. 17.09.2026.

In Polen wird angekündigt, dass man angesichts der immer wieder nahe der ukrainisch-polnischen Grenze auftauchenden russischen Drohnen Präventivmaßnahmen ergreifen werde.

Wie bekannt, wurden in diesen Tagen erstmals seit Beginn des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine Gebiete an der polnisch-ukrainischen Grenze angegriffen – zwar auf ukrainischem Territorium, aber in unmittelbarer Nähe zur Republik Polen. Das konnte bei unseren Nachbarn nur ernsthafte Besorgnis auslösen.

Dabei können wir bereits von einer tatsächlichen Bereitschaft der Russischen Föderation sprechen, nach Wegen zu suchen, die Ukraine von ihren europäischen Nachbarn zu isolieren. Es begann mit der Bombardierung von Grenzübergängen an der Grenze zwischen der Ukraine und der Republik Moldau. Meiner Ansicht nach war dies eine Generalprobe für jenen großen Plan, der im Kreml bereits vorbereitet worden ist. 

Die Republik Moldau ist nicht Teil der Europäischen Union, sondern lediglich Beitrittskandidat und gehört nicht der NATO an. Die Russen konnten daher davon ausgehen, dass man gerade mit einem Land beginnen sollte, das nicht mit schnellem Schutz oder zumindest mit einer Reaktion seiner Verbündeten rechnen kann.

Und nachdem die Angriffe auf Grenzübergänge nahe dem Territorium der Republik Moldau stattgefunden hatten, gingen sie zur nächsten Phase ihrer Pläne über: zu Angriffen auf das Grenzgebiet zu Polen, auf Personenzüge und auf die Grenzübergänge selbst.

Die Idee ist vollkommen klar. Erstens soll die Ukraine von ihren europäischen Verbündeten isoliert werden. In Moskau ist man zu dem Schluss gekommen, dass die europäische Hilfe Russland keine Möglichkeit geben wird, den russisch-ukrainischen Krieg zu gewinnen oder die Ukraine zur Kapitulation zu zwingen. Und damit ist die Isolierung der Ukraine einer der wichtigen Schritte auf dem Weg zur Vorbereitung jener Kapitulation Kyivs vor Moskau, von der Putin weiterhin träumt.

Der zweite Punkt ist die Möglichkeit, die Gesellschaften in den europäischen Ländern einzuschüchtern. Denn in Moskau hofft man, dass die Bürger der Mitgliedstaaten der Europäischen Union und der NATO erkennen werden, dass die einzige wirkliche Alternative zu einem Krieg in Europa Vereinbarungen mit Russland über ein Zusammenleben sind. Und dieses Zusammenleben schließt natürlich die Unterstützung der Ukraine und weitere Maßnahmen zur wirtschaftlichen und politischen Isolierung des Putin-Regimes aus.

Es gibt viele Politiker, die bereit sind, den Weg zu Vereinbarungen mit der Russischen Föderation einzuschlagen. Es gibt sie in Polen, es gibt sie in Deutschland. Und Sie können übrigens feststellen, dass vor den Wahlen im Bundesland Sachsen-Anhalt, bei denen die rechtspopulistische Alternative für Deutschland triumphierte, die sich gerade mit Putin verständigen will, ein ganzes Feuerwerk an Sabotageakten veranstaltet wurde. Diese sollten den Bewohnern der ostdeutschen Bundesländer demonstrieren, dass sie sowohl Licht als auch Wärme verlieren würden, wenn sie keine Politiker wählen, die bereit sind, sich mit dem Kreml zu verständigen.

Nun ist Polen an der Reihe. Wir sehen eine ernsthafte Besorgnis wegen russischer Angriffe in den östlichen Woiwodschaften des Landes, wo mehrmals Alarm ausgelöst, die Luftwaffe in Bereitschaft versetzt und der Schulunterricht abgesagt wurde.

Die Nähe des Krieges wirkt sich auf die Bevölkerung immer ziemlich negativ aus. Und hier stellt sich die wichtige Frage, wie diese Bevölkerung politisch auf solche permanenten Bedrohungen reagieren wird, wenn sie zu einem Teil des Lebens der Bewohner der Grenzwoiwodschaften werden. Werden sie tatsächlich bereit sein, für prorussisch eingestellte Politiker zu stimmen, oder werden sie im Gegenteil von ihrer Regierung Widerstand verlangen? Und das wird davon abhängen, wie Warschau und andere europäische Hauptstädte tatsächlich auf die zunehmende Eskalation reagieren werden.

Wir sehen, dass jetzt erneut die Frage einer gemeinsamen Kontrolle des Luftraums der Ukraine und Polens an Bedeutung gewinnt. Der polnische Außenminister Radosław Sikorski hatte bereits über eine solche Möglichkeit gesprochen, als eine ganze Armada russischer Aufklärungsdrohnen im Luftraum seines Landes aufgetaucht war. Doch damals wurde dem polnischen Minister leider kein Gehör geschenkt.

Er hat diese Initiative nun erneut vorgebracht, die zweifellos sowohl für Ruhe in den östlichen Woiwodschaften der Republik Polen sorgen als auch die ukrainische Luftverteidigung in den westlichen Gebieten unseres Landes entlasten könnte, wodurch es möglich würde, das Zentrum und den Osten schneller vor russischen Angriffen zu schützen.

Und noch ein ziemlich wichtiger Punkt, der ein Signal an den Kreml sein könnte, sind die Worte des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, wonach die Vereinigten Staaten die Vorbereitungen für die Eröffnung ihrer Militärbasis auf dem Gebiet der Republik Polen intensivieren. Dies ist möglicherweise das ernsthafteste Signal des amerikanischen Präsidenten an seinen russischen Amtskollegen in den vergangenen Jahren.

Damit gibt man dem Präsidenten der Russischen Föderation in Washington zu verstehen, dass er Polen nicht ungestraft angreifen kann und dass Angriffe auf Polen irgendwann zu Angriffen auf das amerikanische Kontingent werden könnten, das nicht nur auf polnischem Territorium stationiert sein, sondern dort auch vergrößert werden wird. Der russische Präsident wird daher das gesamte Risiko abwägen müssen, das mit seinen Absichten verbunden ist, den Krieg auf das Gebiet von Mitgliedstaaten der Europäischen Union auszuweiten.

Ja, wir verstehen sehr gut, dass es sich bislang gerade um einen hybriden Krieg handelt. Doch in einem hybriden Krieg ist es gar nicht so schwer, einen Fehler zu machen, der ihn in einen echten Krieg verwandelt. Die gesamte Geschichte der Weltkriege zeigt gerade, dass solche Fehler zu realen militärischen Auseinandersetzungen führten und eine solche Eskalationsspirale in Gang setzten, aus der es keinen Ausweg mehr gab.

Möglicherweise versuchen die Vereinigten Staaten mit ihrer Ankündigung, eine Militärbasis auf dem Gebiet der Republik Polen eröffnen zu wollen und die Maßnahmen zu deren weiterem Ausbau zu verstärken, den russischen Präsidenten von unüberlegten Schritten abzuhalten. Doch es stellt sich immer die Frage, inwieweit Präsident Putin heute, nach viereinhalb Jahren des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine, viereinhalb Jahre nachdem seine Blitzkriegspläne gescheitert sind und er sich in einen jahrelangen Krieg mit einem Nachbarstaat verstrickt hat, politisch noch in der Lage ist, dieses Signal aus dem Weißen Haus realistisch einzuschätzen und zu erkennen, auf welchen Weg mit ungewissem Ausgang er sich begeben könnte, wenn er den Krieg gegen die Ukraine auf unsere europäischen Nachbarn ausweiten will.

Bislang haben wir keine Situation erlebt, in der Putin wie jemand gewirkt hätte, der die Risiken in dem Krieg, den er am 24. Februar 2022 begonnen hat, stets nüchtern einschätzt.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Польща готується до ударів | Віталій Портников. 17.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 17.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Putin bereitet einen Angriff auf das Baltikum vor | Vitaly Portnikov. 27.08.2026.

Russland bereitet sich auf einen Angriff auf die baltischen Staaten vor, um zu demonstrieren, dass es zu schnellen Siegen fähig ist und zugleich die Solidarität der NATO-Verbündeten auf die Probe zu stellen. Zu diesem Schluss kann man aufgrund von Informationen des Magazins Politico kommen, das berichtet, dass das Hauptziel des Aufenthalts des Direktors der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten, John Ratcliffe, in der russischen Hauptstadt darin bestand, Moskau vor den Folgen eines solchen Angriffs zu warnen.

Damit entspricht Ratcliffes Mission nahezu spiegelbildlich der Reise seines Vorgängers im Amt des CIA-Direktors, William Burns, der 2021 Moskau besuchte, um Präsident Putin vor den Folgen einer möglichen russischen Invasion in die Ukraine zu warnen.

Bekanntlich schenkte der russische Diktator, der sich damals nicht einmal mit dem CIA-Direktor traf und lediglich telefonisch mit ihm sprach, diesen Warnungen der Vereinigten Staaten keinerlei Beachtung. Meiner Ansicht nach wird es mit den neuen Warnungen der Central Intelligence Agency genauso sein.

Putin könnte nicht daran glauben, dass der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, bereit ist, sein Land in einen europäischen Krieg eingreifen zu lassen und dabei einen nuklearen Konflikt mit der Russischen Föderation zu riskieren. Zumindest wissen wir nicht, welche Argumente Ratcliffe vorbrachte, aber sie dürften sich kaum wesentlich von den Argumenten Burns’ unterschieden haben.

Die baltischen Staaten unterscheiden sich von der Ukraine vor allem dadurch, dass sie Mitglieder der NATO sind. Wenn sie sich also mit der Frage nach der Anwendung von Artikel 5 an ihre Verbündeten wenden, müssen die Vereinigten Staaten und die anderen Mitgliedstaaten des Nordatlantischen Bündnisses ihnen zu Hilfe kommen. Doch inwieweit dies Donald Trumps Vorstellungen von Außenpolitik und vor allem den Möglichkeiten der Vereinigten Staaten nach dem Krieg im Nahen Osten entspricht, ist eine große Frage. Und Putin könnte versucht sein zu überprüfen, inwieweit er nicht nur auf ukrainischem Territorium, sondern auch auf dem Territorium Europas handeln kann.

Es könnte sich die Frage stellen: Warum ausgerechnet die baltischen Staaten und nicht beispielsweise Polen?

  • Erstens hat Russland mit Polen keine so lange Grenze wie mit Lettland und Estland. Hinzu kommt Litauen, das sowohl eine lange gemeinsame Grenze mit der russischen Oblast Kaliningrad als auch mit der Republik Belarus hat.
  • Zweitens geht es um die Größenordnung. Putin könnte eine Konfrontation mit der polnischen Armee fürchten, zumal sich auf polnischem Territorium amerikanische Soldaten befinden.
  • Drittens – und das könnte für Putin sogar noch wichtiger sein als die Frage der Grenzen und einer militärischen Konfrontation – handelt es sich um das Territorium der ehemaligen Sowjetunion.

Ja, bis zu einem gewissen Zeitpunkt konnte man davon ausgehen, dass Putin bei seinem Wunsch, die Grenzen der UdSSR von 1991 wiederherzustellen, die baltischen Staaten von diesen Grenzen ausnimmt, deren Unabhängigkeit noch zu Zeiten der bestehenden Sowjetunion vom Staatsrat der UdSSR anerkannt worden war. Doch wir sehen, dass sich Putins Vorstellung von den russischen Grenzen mit jedem Tag verändert und dass seine territorialen Ansprüche paradoxerweise proportional zu den Problemen wachsen könnten, die Russland im Krieg gegen die Ukraine hat.

Und schließlich haben wir wiederholt darüber gesprochen, dass der Krieg gegen die Ukraine selbst eine Ausweitung des Konflikts erforderlich macht. In Moskau versteht man sehr gut: Wenn die Ukraine weiterhin westliche Hilfe erhält – und das ist heute vor allem europäische Hilfe –, kann der Kreml nicht darauf hoffen, den Krieg zu russischen Bedingungen zu beenden. 

Eine notwendige Voraussetzung für einen Sieg über die Ukraine mit der anschließenden Auslöschung unseres Landes von der politischen Weltkarte und der Vertreibung von Millionen Ukrainern aus ihren Wohnorten, ist also die Einstellung der europäischen Hilfe für unser Land. Damit diese Hilfe eingestellt wird, müssen die europäischen Gesellschaften verängstigt werden, sie müssen zu der Überzeugung gelangen, dass eine weitere Unterstützung der Ukraine zu einem Krieg mit Russland führen wird.

Doch solange dies nur Theorie ist, wird natürlich niemand den russischen Drohungen Beachtung schenken. Für die europäischen Länder werden sie erst dann Realität, wenn es zu einer tatsächlichen Invasion auf dem Territorium von NATO-Mitgliedstaaten kommt und sich die Vereinigten Staaten als unfähig erweisen oder nicht bereit sind, diese Länder gegen die russische Invasion zu verteidigen. Und dann werden wir die bereits bekannte russische Arie über die Notwendigkeit hören, die Rechte der Russischsprachigen zu schützen, ebenso wie amerikanische Empfehlungen, sich mit Russland über die für Russland sensiblen Fragen zu verständigen.

Sie verstehen, wie stark in den europäischen Ländern der Zuspruch für rechtspopulistische und linkspopulistische Politiker steigen wird, die vom Kreml finanziert werden und ihre Landsleute davon überzeugen werden, dass man sich mit dem Kreml verständigen und nach Politikern suchen müsse, die zu einem fruchtbaren Dialog mit Präsident Putin fähig sind, damit es in Europa nicht so wird wie in der Ukraine oder sogar im Baltikum – nach Politikern, die den europäischen Krieg in ihren Köpfen bereits beendet haben.

Und um all dessen willen kann Putin gar nicht anders, als über eine Invasion in die baltischen Staaten nachzudenken. Die Vereinigten Staaten werden natürlich versuchen, diese Invasion zu verhindern, denn für Donald Trump wäre dies eine weitere, aber nicht die letzte politische Katastrophe seiner Präsidentschaft.

Trump muss sich nicht in diese Situation einmischen, wenn Putin das Baltikum angreift. Zugleich kann er sehr wohl verstehen, dass eine Verweigerung der Unterstützung für die baltischen Staaten nicht nur den Zusammenbruch der NATO bedeuten würde, sondern auch den Zusammenbruch des Ansehens der Vereinigten Staaten in Europa – und nicht nur in Europa.

Der amerikanische Präsident würde all dies gerne verhindern. Doch sein Verhältnis zu Putin lässt uns nicht darauf hoffen, dass er den russischen Diktator tatsächlich mit jenen harten Warnungen einschüchtern kann, die man im Kreml vom Direktor der Central Intelligence Agency gehört haben könnte.

Und zum Schluss möchte ich sagen, dass der russisch-ukrainische Krieg in dieser Situation, wie man bereits verstehen konnte, keineswegs das Hauptthema des Besuchs des Direktors der Central Intelligence Agency in der russischen Hauptstadt war. Denn allein wegen eines Dialogs über den russisch-ukrainischen Krieg wäre der CIA-Direktor in der entstandenen Situation wohl kaum nach Moskau gereist und hätte Kontakte zum russischen Präsidenten und zu den Leitern der Geheimdienste der Russischen Föderation gesucht.

Es ging um eine strategische Veränderung der Situation, die bereits in den kommenden Wochen oder Monaten eintreten könnte. Um eine strategische Veränderung, die für die Vereinigten Staaten so ungünstig wäre, dass man, um zu versuchen, diese Entwicklung zu verhindern, sogar den Direktor der Central Intelligence Agency in die russische Hauptstadt schicken musste.


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Titel des Originals: Путін готує удар по Балтії | Віталій Портников. 27.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 27.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Trump lässt Europa im Stich | Vitaly Portnikov. 27.08.2026.

Bereits bis zum 6. November wollen die Vereinigten Staaten Maßnahmen ausarbeiten, die darauf abzielen, ihre militärische Präsenz auf dem europäischen Kontinent einzuschränken. Genau darüber spricht der stellvertretende US-Verteidigungsminister Elbridge Colby heute mit den Botschaftern der NATO-Mitgliedstaaten im Hauptquartier der Nordatlantischen Allianz in Brüssel. Und obwohl das Pentagon behauptet, dass dem Chef des amerikanischen Verteidigungsministeriums Pete Hegseth mehrere Optionen für die weitere Entwicklung zur Verfügung stehen, ist man in den europäischen Hauptstädten überzeugt, dass die endgültige Entscheidung über eine Reduzierung der Präsenz der US-Truppen auf dem europäischen Kontinent im Weißen Haus bereits getroffen wurde.

Wie bekannt ist, hatte US-Präsident Donald Trump stets den beharrlichen Wunsch, die Möglichkeiten der NATO und die amerikanische Beteiligung an diesen Möglichkeiten einzuschränken. Mit ähnlichen Erklärungen trat Trump bereits während seiner ersten Amtszeit im Weißen Haus auf. Damals wurden derartige außenpolitische Initiativen des amerikanischen Präsidenten jedoch von der Führung der Republikanischen Partei und von Trumps eigenen Ministern begrenzt. Seitdem ist es Trump bekanntlich gelungen, die Republikaner unter seine Kontrolle zu bringen und den außenpolitischen Kurs sowohl der ältesten konservativen Partei der Vereinigten Staaten als auch Amerikas selbst praktisch zu verändern – hin zum Isolationismus und zur faktischen Abkehr von der gemeinsamen Strategie der euroatlantischen Sicherheit, die in allen Nachkriegsjahrzehnten nicht nur die Sicherheit der europäischen Länder, sondern auch die der Vereinigten Staaten selbst gewährleistet hatte.

Dennoch fehlten Trump bis zum Beginn des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran die Argumente, um eine entschiedene antieuropäische Wende zu vollziehen. Eines Krieges, der für Donald Trump nicht zu jenen Veränderungen führte, auf die er gehofft hatte, als er sich zu dieser beispiellosen Militäroperation mit der Ausschaltung des obersten Führers des Iran, Ayatollah Khamenei, und seiner Mitstreiter entschloss. Jetzt befindet sich der Präsident der Vereinigten Staaten in einer regelrechten geopolitischen Falle: mit der geschlossenen Straße von Hormus, der Ungewissheit darüber, ob der Iran bereits in nächster Zeit Zugang zur Entwicklung von Atomwaffen erhalten kann, und zusätzlichen Sicherheitsbedrohungen nicht nur für Israel, sondern auch für andere Länder des Nahen Ostens. Und aus dieser Falle wird Trump vor den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress, die bereits in diesem Herbst vor dem Hintergrund eines sinkenden Lebensstandards der Amerikaner und einer stetig zurückgehenden Unterstützung für den Präsidenten stattfinden werden, nicht mehr herauskommen können.

Deshalb versucht der Präsident der Vereinigten Staaten, wie es seine Art ist, Schuldige für diese seine geopolitische Niederlage und den möglichen Niedergang seiner politischen Karriere zu finden. Und die Suche nach Schuldigen führt selbstverständlich nach Europa, zumal sie dabei hilft, genau jene außenpolitischen Ziele Donald Trumps in die Tat umzusetzen, die für ihn sowohl während seiner ersten Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten als auch in den ersten Monaten nach seiner Rückkehr ins Oval Office so schwer zu erreichen waren. Und nun wird mit den Staats- und Regierungschefs der europäischen Länder direkt so gesprochen, als seien sie diejenigen, die den Vereinigten Staaten im Krieg gegen den Iran nicht die gebührende Unterstützung geleistet hätten.

Dass der Krieg selbst schlecht vorbereitet war, dass Trump sich auf inkompetente Informationen der Nachrichtendienste der Vereinigten Staaten und Israels stützte oder auf kompetente Informationen nicht hörte, dass sich das amerikanische Militär, einfach gesagt, als unfähig zu moderner Kriegsführung erwies, dass die Luftherrschaft nicht mehr darüber entscheidet, ob man feindlichen Staaten seine Bedingungen diktieren kann – all das will man im Weißen Haus und im Pentagon selbstverständlich nicht wahrhaben, um den Präsidenten und seinen Verteidigungsminister nicht der Lächerlichkeit preiszugeben.

Deshalb sind selbstverständlich diejenigen schuld, die den Vereinigten Staaten nicht die gebührende Unterstützung geleistet und von Anfang an vor den Folgen von Angriffen auf den Iran gewarnt hatten, wenn diese nicht durch ein klares Verständnis davon untermauert sind, wie sich die Situation nach diesen Angriffen entwickeln würde.

So werden wir jetzt Zeugen einer völlig paradoxen Entwicklung der Ereignisse. Der Direktor der Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten reist in die russische Hauptstadt, um den russischen Präsidenten Vladimir Putin vor den Folgen einer möglichen russischen Invasion in europäische Länder zu warnen, die Verbündete der Vereinigten Staaten sind. Und der stellvertretende Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten erörtert mit eben diesen europäischen Verbündeten Möglichkeiten zur Reduzierung der amerikanischen Militärpräsenz auf dem Kontinent.

Und hier scheint mir die Aufgabe selbst für Schulkinder ziemlich einfach zu sein. Wird der Präsident der Russischen Föderation auf solche Warnungen seines amerikanischen Amtskollegen hören, wenn er den offensichtlichen Wunsch eben dieses Amtskollegen beobachtet, aus Europa zu fliehen, ohne auch nur über die Folgen seiner Schritte nachzudenken?

Und diese chaotische Außenpolitik des Weißen Hauses stellt beinahe eine noch größere Bedrohung für Europa dar als die russischen Absichten, einen großen Krieg auf dem Kontinent zu entfesseln. Denn wenn man im Kreml Konsequenz in den amerikanischen Handlungen und Entscheidungen erkennen würde, dann würde Vladimir Putin selbstverständlich zehnmal darüber nachdenken, ob es sich für ihn lohnt, den Krieg in Europa vor dem Hintergrund der anhaltenden Kampfhandlungen gegen die Ukraine auszuweiten. 

In einer Situation, in der der Wunsch der Vereinigten Staaten, den europäischen Kontinent zu verlassen, offensichtlich ist und Pete Hegseth weiterhin von irgendeiner absurden „NATO 3.0“ spricht, als würde er nicht einmal verstehen, welche Lehren denkende Menschen aus den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs gezogen haben, eröffnet sich für die Russische Föderation wie auch für andere autoritäre Regime ein regelrechter Freiraum. Wenn die Vereinigten Staaten sich selbst von der Liste der Weltmächte streichen, wenn der amerikanische Präsident nicht in der Lage ist, die Folgen seiner Außenpolitik weiter als einen einzigen Zug vorauszuberechnen und der zweite Zug bei ihm ganz offensichtliches, nun ja, beinahe kindliches Erstaunen hervorruft, warum sollten Putin und andere Diktatoren dann nicht die Chancen nutzen, die Donald Trump ihnen bietet?

Und vor dem Hintergrund dieses Wunsches der Amerikaner, die Europäer über ihren baldigen Abzug zu informieren, wirkt die Absicht der europäischen Botschafter geradezu erstaunlich, bei ihrem Treffen mit dem stellvertretenden Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten die Frage nach einer möglichen Ausweitung der Lieferungen von Raketenabwehrsystemen für die Ukraine anzusprechen, die unter den russischen ballistischen Angriffen zermürbt wird. Denn offensichtlich werden diese Lieferungen nicht nur deshalb reduziert, weil die Handlungen des amerikanischen Militärs im Krieg gegen den Iran die Vereinigten Staaten im Hinblick auf ihre Fähigkeit, auf Angriffe mit ballistischen Raketen zu reagieren, faktisch an den Rand völliger Schutzlosigkeit gebracht haben, sondern auch zusätzliche Probleme dafür geschaffen haben, der Ukraine bei ihrem Widerstand gegen die Russische Föderation tatsächlich zu helfen. Die wichtigste Frage ist, wie wichtig die Unterstützung dieses Widerstands in einer Situation überhaupt noch ist, in der die Amerikaner Europa verlassen wollen. Schließlich ist auch die Ukraine ein untrennbarer Bestandteil eben jenes Kontinents, den Donald Trump verlassen will.


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Titel des Originals: Трамп кидает Европу | Виталий Портников. 27.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 27.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Russland sprengt Europa | Vitaly Portnikov. 13.08.2026.

Eine gewaltige Explosion hat sich in einem der wichtigen Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes Italiens in der Stadt Colleferro bei Rom ereignet. Obwohl der Bürgermeister von Colleferro, Giulio Calamato, betont, dass die Lage unter Kontrolle sei, äußern italienische Medien ernsthafte Besorgnis darüber, dass sich solche Explosionen auch in Zukunft wiederholen könnten. Denn das Unternehmen KNDS, dessen Betrieb so erheblich beschädigt wurde, ist ein wichtiger Waffenlieferant für die Verteidigungskräfte der Ukraine und hat sogar einen eigenen Betrieb auf dem Territorium unseres Landes eröffnet.

Dies ist bereits die zweite Explosion in einer Waffenfabrik in Europa innerhalb der vergangenen Tage. Am 10. August ereignete sich eine ebenso heftige Explosion in einem Betrieb des Unternehmens EMCO in Bulgarien. Und dies ist nicht der erste Angriff auf dieses Unternehmen, das für seine Verbindungen zum ukrainischen militärisch-industriellen Komplex und für Waffenlieferungen an die Streitkräfte der Ukraine bekannt ist. Ähnliche Explosionen ereigneten sich auch 2022 und 2023.

Der Eigentümer des Unternehmens, Emilian Gebrew, berichtete, dass Agenten der Hauptverwaltung für Aufklärung des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation im April 2015 versucht hätten, ihn in seiner eigenen Wohnung im bulgarischen Burgas zu vergiften. Und im Übrigen führte die Analyse der Umstände zu der Erkenntnis, dass bei dem Versuch, den bulgarischen Geschäftsmann zu vergiften, das inzwischen sehr bekannte „Nowitschok“ eingesetzt wurde.

Diese Erinnerung an den Vergiftungsversuch an Emilian Gebrew ist auch heute aktuell. Denn gerade heute teilte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk mit, dass die Geheimdienste seines Landes einen Versuch der Russen vereitelt hätten, einen Bürger der Vereinigten Staaten zu töten, der nach Berichten polnischer Medien ebenfalls mit dem militärisch-industriellen Komplex zu tun hat und mit Waffenlieferungen an die Ukraine verbunden ist.

Somit versuchen die Russen, die Unterstützung der ukrainischen Armee bereits auf dem Territorium der Länder der Europäischen Union zu sabotieren, und tun dies systematisch mithilfe von Explosionen in Waffenfabriken sowie durch Versuche, die Eigentümer von Unternehmen zu töten, die Waffen für die Ukraine produzieren.

Man kann nicht sagen, dass dies angesichts der Aktivitäten russischer Geheimdienste auf europäischem Boden eine Sensation wäre. Ich möchte daran erinnern, dass die Russen, als sie sich auf den Krieg gegen die Ukraine vorbereiteten, eine ganze Serie von Explosionen in Munitionslagern sowohl in unserem Land als auch in europäischen Ländern durchführten. Auch der Anschlagsversuch auf Gebrew ereignete sich 2015, als man in Russland die Möglichkeit einer Ausweitung der militärischen Operationen auf ukrainischem Territorium erwog, um einen größeren Teil der Regionen Donezk und Luhansk zu erobern.

Doch die Systematik der Aktionen, die Russland heute in europäischen Ländern durchzuführen versucht, zwingt mich erneut, auf einen Gedanken zurückzukommen, den ich in den vergangenen Monaten geäußert habe. Die Ausweitung des russisch-ukrainischen Krieges ist unvermeidlich, und Europa kann zu einem ebenso großen Aufmarschgebiet für diesen Krieg werden, wie es einst die Krim und der von Russland besetzte Donbas waren.

In Moskau kann man nicht umhin zu verstehen, dass die europäische Hilfe Russland daran hindert, den benachbarten Staat zu beseitigen und anschließend dessen Territorium der Russischen Föderation einzuverleiben. Und ohne die Einverleibung der Ukraine, ohne einen entscheidenden Sieg im russisch-ukrainischen Krieg, der in den russischen Wahnvorstellungen mit der Beseitigung der ukrainischen Staatlichkeit und der Vertreibung des größten Teils der ethnischen Ukrainer aus ihren Siedlungsgebieten verbunden ist, wird Russland seinen imperialen Status nicht wiedererlangen und auf der internationalen Bühne kein gleichberechtigter Partner der Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China werden können.

Genau ein solches Russland – ein imperiales Russland, das ungeachtet der Degeneration seiner eigenen Wirtschaft in der Lage ist, um größeren Einfluss zu kämpfen – will der selbstverliebte Wahnsinnige Putin seinen Nachfolgern aus dem Föderalen Sicherheitsdienst der Russischen Föderation hinterlassen. Für genau ein solches Russland sind er und seine Landsleute bereit, in den kommenden Jahren des russisch-ukrainischen Krieges zu kämpfen.

Doch damit dieser Krieg für Russland siegreich sein kann, muss er zu einem russisch-europäischen Krieg werden. Und diese Schlussfolgerung wurde in den Büros des Kremls offenbar bereits gezogen. Somit sind Explosionen in europäischen Betrieben und Versuche, diejenigen zu töten, die in europäischen Ländern mit der Waffenproduktion beschäftigt sind, nur der Anfang der russischen Expansion.

Putin muss die europäischen Gesellschaften einschüchtern und die Staats- und Regierungschefs Europas dazu zwingen, der Ukraine nicht zu helfen. Putin braucht einen europäischen Wähler, der konsequent für politische Kräfte stimmt, die Putin nicht daran hindern werden, die Ukraine zu besetzen, sondern Putin dabei helfen werden, die Ukraine zu besetzen.

Und somit werden die Versuche, die Europäer einzuschüchtern, nun zu einem untrennbaren Bestandteil der gesamten Politik Moskaus auf dem europäischen Kontinent. Zumal die offenkundige Gleichgültigkeit des amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, gegenüber europäischen Angelegenheiten Putin nur zu immer aggressiveren und gefährlicheren Handlungen anstachelt.

Nun, damit sich niemand Illusionen über das Ausmaß dieses künftigen großen und schrecklichen Krieges macht, möchte ich einfach darauf hinweisen, dass Explosionen inzwischen keineswegs nur in Bulgarien, Tschechien oder Polen stattfinden. Explosionen finden jetzt in Italien statt.

Keines der europäischen Länder kann sich sicher fühlen, solange Russland in seinem Krieg gegen die Ukraine nicht besiegt ist. Keines der europäischen Länder kann auf Ruhe und Frieden hoffen, solange die imperialen Ambitionen Russlands nicht überwunden sind.

Die Alternative ist eine immer größere Zahl von Explosionen, Auftragsmorden und massenhaften Opfern unter der Zivilbevölkerung, die Sabotageakten oder der hybriden Aggression der russischen Geheimdienste und der Armee dieses terroristischen Gebildes zum Opfer fallen könnte. Das ist es, was Europa bereits in den kommenden, wenn nicht Monaten, so doch Jahren erwartet, wenn es dem Westen gemeinsam mit uns nicht gelingt, Putins Wahnvorstellungen und Bestrebungen ein Ende zu setzen und seinem offensichtlichen Interesse am Krieg, an dessen Fortsetzung und Verschärfung er weiterhin wie an einem wahr gewordenen Jugendtraum festhält.


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Titel des Originals: Росія підриває Європу | Віталій Портников. 13.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 13.08.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Der Kreml bereitet einen „ukrainischen“ Schlag gegen die NATO vor | Vitaly Portnikov. 06.08.2026.

Der Verteidigungsminister der Republik Litauen, Roberto Skals, hat die Einschätzung des Nachrichtendienstverbunds seines Landes bestätigt, wonach Russland neue Provokationen gegen die baltischen Staaten, insbesondere gegen Litauen, vorbereitet.

Dabei geht es um den Einsatz einer unbemannten Flugdrohne ukrainischer Produktion für Angriffe auf die Infrastruktur eines der baltischen Staaten. Wie berichtet wird, werden bereits jetzt die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz strategischer Objekte in Litauen verstärkt.

Das Ziel Russlands ist klar. Für Moskau ist es von entscheidender Bedeutung, die europäische Unterstützung für die Ukraine zu verringern. In Moskau ist man überzeugt, dass Russland den von ihm gegen die Ukraine entfesselten Krieg längst gewonnen hätte, wenn es diese Unterstützung nicht gäbe: Die ukrainische Staatlichkeit wäre beseitigt worden, und die Gebiete des Nachbarlandes wären als Subjekte der Russischen Föderation eingegliedert worden – so, wie es mit den Regionen geschehen ist, die derzeit von der russischen Armee besetzt sind.

In Moskau ist man überzeugt, dass sich durch eine Veränderung der europäischen öffentlichen Meinung ein durchaus beachtliches Ergebnis erzielen lässt. Dabei stützt man sich auf die Erfahrungen mit der amerikanischen Unterstützung für die Ukraine – einer Unterstützung, die deutlich zurückging, nachdem der Republikaner Donald Trump die Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten im Jahr 2024 gewonnen hatte.

Trump begründet die Verringerung der Unterstützung für die Ukraine mit seinem Wunsch, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden und Frieden zu schaffen, wobei er den offensichtlichen Umstand offenbar nicht wahrhaben will, dass nur die Fortsetzung der Unterstützung für die Ukraine die russische Führung überhaupt dazu bringen könnte, über die Notwendigkeit von Friedensverhandlungen nachzudenken.

In Europa sucht Russland nach Politikern, die ebenfalls Wahlen in ihren Ländern gewinnen und unter dem Motto der Suche nach einem Weg zum Frieden die Unterstützung für die Ukraine reduzieren würden. Damit solche Politiker und politischen Kräfte, die Moskau längst nicht nur sucht, sondern auch finanziert, mit antieuropäischen und antiukrainischen Parolen tatsächlich Wahlen gewinnen können, müssen die Europäer eingeschüchtert werden.

Deshalb beobachten wir eine Art Eskalationsleiter gegenüber praktisch allen Staaten der Europäischen Union und der NATO, die Moskau erreichen kann. Zunächst tauchen Drohnen im Luftraum Polens auf. Als man in Warschau so tat, als bemerke man nicht, dass es sich um eine gezielte russische Aktion handelte, erschien im Luftraum desselben Landes eine russische Rakete. Und ich denke, das ist erst der Anfang des hybriden Krieges Russlands gegen Polen und andere Staaten, die in Moskau als Drehscheiben der militärischen Unterstützung für die Ukraine angesehen werden.

Das Auftauchen einer ukrainischen Drohne, die von russischem Gebiet aus gestartet wurde, wäre Teil einer solchen Kampagne. Es zeigt übrigens, dass Russland aus der Reaktion der europäischen Öffentlichkeit selbst auf das zufällige Erscheinen ukrainischer Drohnen im Luftraum von NATO- und EU-Staaten lernt.

Erinnern wir uns daran, wie groß die Empörung war, als ukrainische Drohnen bei Angriffen auf die russische Hafeninfrastruktur in den Luftraum Estlands oder Finnlands gerieten. Damals konnte man sowohl auf offizieller Ebene als auch in sozialen Netzwerken sowie in Beiträgen von Journalisten und Bloggern aufrichtige Verwunderung und Verärgerung beobachten.

„Ja, wir sind bereit, die Ukraine zu unterstützen und mit ihr in ihrer Konfrontation mit der Russischen Föderation mitzufühlen, wir wünschen ihr den Sieg in diesem Krieg. Aber ukrainische Drohnen dürfen auf keinen Fall unser Territorium oder unseren Luftraum erreichen.“

Und erinnern Sie sich: Nachdem insbesondere die finnische Regierung sehr empört reagiert hatte, wurden die ukrainischen Angriffe auf die Hafeninfrastruktur der Russischen Föderation im Leningrader Gebiet praktisch eingestellt.

Dadurch erhielt Moskau dank dieser Reaktion der europäischen Öffentlichkeit die Möglichkeit, diese Häfen weiterhin zu nutzen, sein Öl zu verkaufen und zusätzliche Milliarden Dollar für die Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine einzunehmen.

Wenn man also die europäische öffentliche Meinung und die Angst vor dem Krieg aufmerksam beobachtet, lässt sich ein wirksames Modell entwickeln, das es künftig ermöglichen könnte, die militärische und finanzielle Unterstützung der Europäischen Union für die Ukraine erheblich zu reduzieren.

Genau mit solchen Maßnahmen zur Schwächung der europäischen Unterstützung wird sich der Kreml selbstverständlich befassen. Und in einem hybriden Krieg können die unterschiedlichsten Instrumente eingesetzt werden.

Eines davon ist die Möglichkeit, dass russische Drohnen oder Raketen im Luftraum von NATO- und EU-Mitgliedstaaten auftauchen, damit diejenigen, die ein Einvernehmen mit Moskau suchen, sich an ihre Mitbürger wenden und dazu aufrufen können, friedliche Lösungen für die Probleme im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg zu suchen, Wege zum Dialog zu finden und zu erklären, dass einer dieser Wege in der Verringerung der militärischen Unterstützung für die Ukraine bestehe.

Warum sollte das nicht funktionieren, wenn ein solches Manöver in den Vereinigten Staaten durchaus gelungen ist, obwohl die öffentliche Meinung dort der Ukraine nach wie vor wohlgesonnen ist und das Putin-Regime weiterhin für seine vorsätzliche und brutale Aggression verurteilt?

Ein weiterer Weg sind Provokationen unter falscher Flagge. Darin hat Russland große Erfahrung. Sowohl Hitlers als auch Stalins und Putins Stil besteht gerade darin, unter fremder Flagge zu handeln, um die eigenen aggressiven Maßnahmen zu rechtfertigen.

Deshalb liegt es auf der Hand: Wenn russische Geheimdienste oder das Militär in den Besitz einer ukrainischen Drohne gelangen, die sich von russischem Gebiet oder vom Territorium der Republik Belarus aus starten lässt, wird sie eingesetzt werden, um der Infrastruktur eines der baltischen Staaten möglichst großen Schaden zuzufügen und die Gefährlichkeit von Kontakten mit der Ukraine zu demonstrieren.

Ja, selbstverständlich wird eine solche Provokation aufgedeckt werden. In Russland rechnet man auch gar nicht damit, dass sie als echter ukrainischer Drohnenangriff durchgehen wird. Moskau braucht jedoch, dass ein Nachgeschmack in der öffentlichen Meinung zurückbleibt, damit diejenigen, die für eine Verringerung der Unterstützung der Ukraine eintreten, solche Vorfälle als Beleg für die Richtigkeit ihrer Position nutzen können.

Die Angst vor dem Krieg ist eine äußerst wirkungsvolle Waffe, die man nicht unterschätzen sollte – zumindest so lange, bis der Krieg tatsächlich beginnt. Das Paradoxe ist: Je mehr wir Angst vor dem Krieg haben und je weniger wir bereit sind, ihm entgegenzutreten, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass der Krieg nicht nur in hybrider Form, sondern in seiner klassischen Gestalt beginnt – so, wie der Krieg Russlands gegen die Ukraine heute geführt wird.

Die ukrainische Erfahrung mit der Angst vor dem Krieg hätte den Nachbarstaaten eigentlich eine wichtige Lehre sein müssen. Doch wie wir sehen, ist sie das nicht geworden.


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Titel des Originals: Кремль готовит „украинский» удар по НАТО | Виталий Портников. 06.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 06.08.2026.
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Zaluzhny sieht die Ukraine nicht in der NATO | Vitaly Portnikov. 05.08.2026.

Der ukrainische Botschafter im Vereinigten Königreich und ehemalige Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, Valery Zaluzhny, hat Zweifel sowohl an der Möglichkeit als auch an der Notwendigkeit eines Beitritts der Ukraine zur Nordatlantischen Allianz geäußert.

Diese Aussage Zaluzhnys spiegelt gewissermaßen die tiefe Enttäuschung wider, die sich derzeit im Zusammenhang mit den Perspektiven der NATO sowohl in den europäischen Ländern als auch in Kanada ausbreitet, nachdem der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, die Wirksamkeit dieser Organisation infrage gestellt hat.

Im Fall der Ukraine kommt hinzu, dass Trump entschieden gegen einen Beitritt der Ukraine zur Nordatlantischen Allianz auftritt. Dem stimmen führende Vertreter seiner Regierung zu, die aus unverständlichen Gründen hoffen, dass ein Verzicht der Ukraine auf die euro-atlantische Integration eine gute Voraussetzung für einen Kompromiss mit der Russischen Föderation sein könnte. Einen Kompromiss, den, wie wir wissen, in Moskau niemand erwartet.

Zaluzhny geht noch weiter. Er ist der Ansicht, dass die Ukraine über eine moderne Armee verfügt, die die NATO schlicht nicht benötigen werde. Dagegen könnten neue Militärbündnisse, die während oder nach dem russisch-ukrainischen Krieg entstehen, die Ukraine mit ihren modernen Ansätzen der Kriegsführung benötigen.

All dies sind natürlich durchaus wichtige Thesen, sie bewegen sich jedoch eher im Bereich dessen, was sein könnte. Die Welt verändert sich derzeit so schnell, dass mir scheint, Einschätzungen, die bei Beratungen ukrainischer Diplomaten am Montag geäußert werden, hätten bereits am Donnerstag nichts mehr mit der Realität zu tun.

Deshalb ist es meines Erachtens ein großer Fehler, heute zu behaupten, ein bestimmtes Land werde sich niemals einem bestimmten Militärbündnis anschließen. Wir wissen nicht, wie die NATO schon in wenigen Jahren aussehen wird. Wir wissen nicht, wie die Außenpolitik der Vereinigten Staaten aussehen wird, nachdem Donald Trumps politische Karriere beendet ist. Gleichzeitig wird die Ukraine auch dann Sicherheitsgarantien benötigen.

Wir wissen nicht einmal, ob der russisch-ukrainische Krieg vor dem Ende von Donald Trumps Amtszeit beendet sein wird. Bislang gibt es keinerlei Voraussetzungen für eine solche Annahme. Genauso wenig gibt es Voraussetzungen für die Behauptung, die Ukraine werde der NATO nicht beitreten.

Ich wäre sehr vorsichtig damit, die Bedeutung der NATO zu unterschätzen. Schließlich sind wir tatsächlich kein NATO-Mitglied und führen Krieg gegen die größte nukleare Supermacht des 20. und 21. Jahrhunderts. Da könnte die Frage aufkommen: Warum nutzt diese Supermacht, die der Existenz der Ukraine mit ihren Atomwaffen buchstäblich innerhalb weniger Tage ein Ende setzen könnte, diese Waffen nicht? Warum unternimmt sie nicht einmal den Versuch, neue Atomtests durchzuführen oder aus militärisch-technischer Sicht mit ihrem Einsatz zu drohen, sondern beschränkt sich ausschließlich auf kriegerische Erklärungen oder auf die mögliche Verlegung eines Teils der russischen Atomwaffen auf das Territorium der Republik Belarus?

Vielleicht vor allem deshalb, weil Russland Rücksicht auf die NATO und auf die Vereinigten Staaten als den führenden Staat dieses Bündnisses nimmt – einen Staat, der ebenfalls über ein ungefähr gleich großes nukleares Potenzial verfügt. Und die NATO bleibt ein Abschreckungsbündnis selbst für Länder, die nicht ihre Mitglieder sind. Denn die gesamte Hilfe, die die Ukraine während des russisch-ukrainischen Krieges erhält, hängt in erster Linie ebenfalls mit der Wirksamkeit der euro-atlantischen Gemeinschaft zusammen.

Nun zur Frage, ob die Ukraine nach dem Ende des russisch-ukrainischen Krieges Teil neuer Militärbündnisse werden kann. Ja, niemand bezweifelt, dass die ukrainische Armee heute eine Armee des modernen Krieges ist, während andere Länder, die diesen modernen Krieg bisher nicht erlebt haben, ihn aber möglicherweise bald erleben werden, sich – wie General Zaluzhny sagt – noch immer an der Logik des Zweiten Weltkriegs orientieren. Das haben wir schließlich am Beispiel des Krieges der Vereinigten Staaten gegen den Iran gesehen.

Gleichzeitig darf jedoch nicht vergessen werden, dass man in Europa die Verpflichtungen der Vereinigten Staaten zum Schutz der europäischen Länder, insbesondere Artikel 5, bislang sehr ernst nimmt. Damit europäische Staaten auf diese Sicherheitsgarantien verzichten, müsste etwas Außergewöhnliches geschehen. Russland oder ein anderes Land müsste ein NATO-Mitglied angreifen, möglicherweise sogar unter Einsatz von Atomwaffen, und die Vereinigten Staaten müssten sich weigern, dieses Land mit ihren eigenen Waffen zu verteidigen.

Kann eine solche Weigerung eintreten? In der Politik ist alles möglich. Doch solange sie nicht eingetreten ist, werden alle NATO-Mitglieder an ihrer Mitgliedschaft in diesem Bündnis als ihrer wichtigsten Sicherheitsgarantie festhalten und sie selbstverständlich nicht für neue Militärbündnisse mit einem Staat aufs Spiel setzen, der sich bereits in einem Konflikt mit einer anderen nuklearen Supermacht befindet. Auch das muss man sich bewusst machen. Jedes Militärbündnis, dem die Ukraine künftig beitreten könnte, wäre in erster Linie ein Bündnis ohne Garantien.

Da stellt sich die Frage: Was sollen wir dann tun?

Zumindest sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass es in der Welt praktisch keine neutralen Staaten mehr gibt und dass sich die Welt heute in einer Konfrontation zwischen einem westlichen und einem östlichen Sicherheitspol befindet. Der westliche Sicherheitspol ist die NATO, die Nordatlantische Allianz, und die Vereinigten Staaten mit ihrem nuklearen Potenzial – einem Potenzial, das mit dem der europäischen Atommächte wie Großbritannien oder Frankreich nicht vergleichbar ist.

Der östliche Sicherheitspol besteht aus der Russischen Föderation und der Volksrepublik China. Wer seinen Platz im westlichen Sicherheitspol nicht findet, wird zwangsläufig entweder seinen Platz im östlichen suchen müssen oder von diesem östlichen Sicherheitspol unterworfen werden.

Angesichts der Tatsache, dass wir im Osten keinen Nachbarstaat haben, der unsere Staatlichkeit respektiert, und dass die Russische Föderation die Ukraine als untrennbaren Teil ihres historischen Territoriums betrachtet, bedeutet dies für die Ukraine einen recht einfachen Sachverhalt. Sollte die Ukraine Teil des östlichen Sicherheitspols werden, würde sie bestenfalls zu einem Satellitenstaat der Russischen Föderation werden oder ihre Gebiete würden – oblastweise – an die Russische Föderation angeschlossen, so wie Präsident Putin es sich wünscht und wie die Bürger der Russischen Föderation dies unterstützen.

Ja, wir können für unsere Souveränität kämpfen. Aber wenn wir nicht Teil dieses internationalen Sicherheitssystems mit seiner Ausrichtung auf den Westen werden, wird eine solche Eingliederung früher oder später stattfinden. Sie wäre schlicht unvermeidlich.

Was muss die Ukraine also tun, um auf der politischen Landkarte der Welt erhalten zu bleiben? Was muss das ukrainische Volk tun, um nicht von seinen ethnischen Gebieten verdrängt zu werden? Was muss jeder Ukrainer tun, wenn er Ukrainer bleiben möchte?

Die Antwort auf diese Frage ist recht einfach: Die Möglichkeit der euro-atlantischen Integration nicht vergessen. Nicht vergessen, dass sich die Weltlage verändert, und bereit sein, auf jede Herausforderung zu reagieren, die mit diesen Veränderungen verbunden ist. Niemals „niemals“ sagen, wenn es um grundlegende Fragen geht, die den Erhalt des ukrainischen Volkes und des ukrainischen Staates betreffen. Denn der Weg der euro-atlantischen Integration ist ein Teil dieser Strategie des Überlebens.


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Titel des Originals: Залужний не бачить Україну в НАТО | Віталій Портников. 05.08.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 05.08.2026.
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Alternative Militärbündnisse? Eine gefährliche Illusion | Vitaly Portnikov. 04.08.2026.

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Die Ukrainer diskutieren unermüdlich über die Möglichkeit, alternative Militärbündnisse zu schaffen – umso mehr, nachdem der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, betont hat, dass er die Ukraine nicht in der NATO sieht.

Dabei versuchen wir weiterhin, uns selbst und andere davon zu überzeugen, dass ein Militärbündnis mit uns für alle von Interesse wäre, weil wir über die erfahrenste und bestausgerüstete Armee im heutigen Europa verfügen.

Ich werde nicht daran erinnern, dass unsere Armee weiterhin Krieg führt und niemand weiß, wie viele Jahre sie der russischen Aggression noch widerstehen muss. Und ich werde auch nicht daran erinnern, dass sich in einer solchen Situation kaum jemand auf ein ernsthaftes Bündnis mit einem Land einlassen wird, das sich im Krieg befindet. Doch selbst in Friedenszeiten werden die Vereinigten Staaten über einen Trumpf verfügen, den kein anderer Staat der Welt besitzt – ein nukleares Potenzial, das mit dem nuklearen Potenzial Russlands konkurrieren kann.

Deshalb wird jeder Staat, dem seine Sicherheit wichtig ist, bei der Wahl militärischer Bündnisse ein Bündnis mit den Vereinigten Staaten und nicht mit uns bevorzugen.

Theoretische Annahmen darüber, dass jemand ein Land angreifen könnte und die Vereinigten Staaten es dann nicht verteidigen würden, bleiben eben theoretische Annahmen. Damit die NATO ihre Unfähigkeit beweist, müsste es zunächst tatsächlich zu einem Angriff kommen und die Vereinigten Staaten müssten sich weigern, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Doch selbst dann könnte ein NATO-Staat, der sich im Krieg mit Russland befindet, davon ausgehen, dass das Bündnis mit Amerika Moskau vom Einsatz von Atomwaffen abhalten wird.

Wenn ein NATO-Mitglied mit der Ukraine ein Militärbündnis eingehen und bereit wäre, gemeinsam mit uns zu kämpfen, würde es damit selbst die Wirksamkeit des Artikels 5 infrage stellen. Deshalb wäre zunächst einmal interessant zu erfahren, mit welchen Staaten die Ukraine überhaupt ein alternatives Militärbündnis bilden will. Und kann ein Land, das sich trotz seiner starken Armee an der Peripherie des Kontinents befindet, zum Zentrum eines solchen Bündnisses für Europa werden?

Zu behaupten, die Ukraine werde niemals Mitglied der NATO werden, oder zu behaupten, die Ukraine werde Mitglied der NATO werden, ist unter den Bedingungen einer politischen und militärischen Lage, die sich buchstäblich täglich verändert, gleichermaßen zu selbstsicher. Und sie wird sich auch in den kommenden Jahren weiter verändern. Uns erwartet eine Epoche der Turbulenzen, in der jede Prognose vom Montag bereits am Dienstag überholt ist.

Unverändert bleibt jedoch eines – die Existenz von Sicherheitspolen. Ein Land, das keine bündnispolitischen Beziehungen zum westlichen Sicherheitspol aufbauen will oder kann, der nach wie vor durch die Vereinigten Staaten und die NATO verkörpert wird, wird zwangsläufig Teil des östlichen Sicherheitspols werden. In unserem Fall bedeutet das: Teil des russischen Staatsgebiets oder bestenfalls ein Satellit Russlands.

Wer bereit ist zu sagen, dass die Ukraine niemals Mitglied der NATO werden wird, muss sich selbst die Frage beantworten: Wie soll die Ukraine in diesem Fall verhindern, Teil Russlands zu werden?


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Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 04.08.2026.
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veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Europa hat immer noch Angst vor Putin | Vitaly Portnikov @polskieradiodlaukrainy. 01.08.2026.

Korrespondentin: Nach jedem großen internationalen Erfolg der Ukraine auf der internationalen Bühne sehen wir entweder Versuche Russlands, die Ukrainer mit ihren Verbündeten zu entzweien, oder massive Raketenangriffe. An diesem Tag, in dieser Nacht, haben wir beides erlebt. Ist das Russlands Strategie oder ein Zufall, an den man eigentlich nur schwer glauben kann? Heute versuchen wir in unserem Thema des Tages gemeinsam mit unserem Gast, das einzuordnen. Unser Gast ist der Journalist und Publizist Vitaly Portnikov.

Ihre Experteneinschätzung ist heute wichtiger denn je, um dieses Geflecht zu entwirren. Haben Sie nicht auch den Eindruck, dass diese Eskalation Russlands immer nach einem bedeutenden diplomatischen Erfolg der Ukraine auf der internationalen Bühne erfolgt? Was denken Sie darüber?

Portnikov: Ich denke, das ist aus der Sicht der russischen Wahrnehmung der internationalen Realität völlig logisch. Wenn Russland eine bestimmte Anzahl von Raketen – ballistische Raketen, Marschflugkörper – sowie ganze Schwärme von Drohnen für Angriffe auf die Ukraine vorbereitet hat, dann ist es nur folgerichtig, diesen Angriff nach einem Treffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine oder nach einem wichtigen internationalen Gipfel oder einem Treffen europäischer Staats- und Regierungschefs durchzuführen. Denn wenn ein solches Ereignis kurz zuvor stattgefunden hat, muss es von den Beteiligten zwangsläufig kommentiert werden. Das lässt sich nicht verhindern.

Selbst wenn das Treffen zwischen Volodymyr Zelensky und Donald Trump ohne Presse stattfand – erstens musste man ja überhaupt wissen, dass es ohne Presse stattfinden würde –, war doch klar, dass der amerikanische Präsident auf den russischen Angriff irgendwie hätte reagieren müssen. So aber war das Treffen bereits beendet, die internationale Tagesordnung abgearbeitet, und man konnte zuschlagen – und dabei zugleich daran erinnern, dass die Lage der ukrainischen Luftverteidigung tatsächlich äußerst schwierig ist.

Und das ist nicht nur ein Signal an die Ukraine, sondern auch an unsere Verbündeten. Ich möchte daran erinnern, dass die schwierige Lage bei der Luftverteidigung heute nicht nur die Ukraine betrifft. Auch die Vereinigten Staaten befinden sich in einer sehr schwierigen Situation. Das bedeutet, dass der Mangel an Luftverteidigung ein Problem des gesamten kollektiven Westens ist. Wenn Sie so wollen, ist das ein Problem von Vancouver bis Charkiw.

Korrespondentin: Verstehe. Aber dann ist doch wiederum unklar: Wenn Russland diesen Angriff vorbereitet hatte, dann war es offenbar sicher, dass Zelenskys Besuch in Washington erfolgreich verlaufen würde. Wir kennen schließlich ganz unterschiedliche Ergebnisse seiner Besuche in Washington. Wie erklären Sie sich das?

Portnikov: Ich glaube nicht, dass es hier um den Erfolg des Besuchs geht. Was bedeutet überhaupt ein erfolgreicher Besuch? Ein erfolgreicher Besuch sind konkrete Entscheidungen. Russland will verhindern, dass Trump während seines Treffens mit Zelensky irgendwelche besonderen Entscheidungen trifft, wenn Sie so wollen. Stellen Sie sich einfach ein Treffen des amerikanischen und des ukrainischen Präsidenten vor, während gleichzeitig große Zerstörungen stattfinden. Trump könnte dann entscheiden, der Ukraine trotz des Mangels an Luftverteidigungssystemen in den Vereinigten Staaten einige Raketen zu liefern und nicht nur über Lizenzen für die Ukraine zu sprechen. Verstehen Sie?

Der Erfolg solcher Besuche hängt von konkreten Absichten unserer Verbündeten ab.. Wenn wir sehen, dass das Treffen zwischen Zelensky und Trump stattgefunden hat, aber keinerlei konkrete Entscheidungen hervorgebracht hat und lediglich damit endete, dass der amerikanische Präsident erneut erklärte, Russland und die Ukraine müssten den Krieg beenden, dann glaube ich, dass Russland gerade auf die gewünschte Wirkung seiner Angriffe zum Zeitpunkt eines solchen Treffens setzt.

Korrespondentin: Was bedeutet dann in diplomatischer Sprache „ein gutes Gespräch“, wie beide Präsidenten anschließend in ihren sozialen Netzwerken geschrieben haben?

Portnikov: Nun, wir wissen doch inzwischen, was ein gutes Gespräch mit Donald Trump bedeutet – weil wir auch schon ein schlechtes gesehen haben. Wir haben das schlechte Gespräch zwischen Volodymyr Zelensky und Donald Trump im Oval Office erlebt. Das war ein historisch schlechtes Gespräch.

Wenn man künftig darüber spricht, was ein schlechtes Gespräch im Oval Office ist, wird Trump längst nicht mehr Präsident sein, man wird vielleicht sogar Zelensky vergessen haben – aber dieses Ereignis wird ein historischer Fakt bleiben.

Dann wird man sagen: „Wissen Sie, was hier passiert ist? Sehen Sie sich diesen Raum an. Hier hat sich ein amerikanischer Präsident mit seinem Gast, dem Präsidenten der Ukraine, gestritten.“ Die meisten Menschen werden sich dann – und ich hoffe, dass wir bis dahin Frieden haben werden – vermutlich nicht einmal mehr vorstellen können, wo die Ukraine liegt, weil eine friedliche Ukraine Millionen Amerikaner kaum interessieren dürfte. Aber diese Geschichte wird Teil der Geschichte bleiben.

Ein gutes Gespräch ist dagegen eines, bei dem man sich nicht mit Trump streitet. Denn Donald Trump verfügt heute über keinerlei echte, konkrete Mechanismen, um Druck auf Russland auszuüben. Also müssen wir zumindest erreichen, dass er keinen Druck auf die Ukraine ausübt. Wir müssen zumindest erreichen, dass er Russland nicht mit seinen Entscheidungen hilft. Das ist ein gutes Gespräch.

Korrespondentin: Also nach dem britischen Motto: „No news is good news.“ Wenn man sich nicht gestritten hat, ist das schon gut. Verstehe ich das richtig?

Portnikov: Man hat sich nicht gestritten. Russland hat keine Lizenz erhalten, sein Öl im globalen Süden zu verkaufen. Es wurde bestätigt, dass wir Lizenzen für Patriot erhalten können. Das bedeutet: Vielleicht schon in einem Jahr, vielleicht in drei bis fünf Jahren werden wir diese Raketen selbst produzieren.

Glauben Sie, wir würden sie dann nicht mehr brauchen? Doch, wir werden sie noch viele Jahre brauchen. Die Luftverteidigung der Ukraine ist heute eine Aufgabe für viele Jahre. Und das ist ebenfalls eine sehr schlechte Nachricht.

Jedenfalls sehen wir, dass Trump sich optimistisch über die Perspektive eines Endes des russisch-ukrainischen Krieges äußert und uns nicht vorwirft, wir wollten den Krieg nicht beenden. Das ist wichtig.

Korrespondentin: Trumps Optimismus ist allerdings ebenfalls eine ziemlich wechselhafte Größe. Erst waren es 24 Stunden, dann zwei Wochen. Was steckt heute hinter diesem Optimismus?

Portnikov: Ich glaube, genauso wie im Nahen Osten weiß der Präsident der Vereinigten Staaten einfach nicht, wie dieser russisch-ukrainische Krieg beendet werden kann. So seltsam es klingt: Aus dem russisch-ukrainischen Krieg gibt es sogar realistischere Auswege als aus dem Krieg im Nahen Osten.

Denn Iran verfügt über einen so bedeutenden Trumpf wie die Straße von Hormus, zu der nun auch die Meerenge Bab al-Mandab hinzukommt. Damit kann Iran die Weltwirtschaft destabilisieren und letztlich sogar die politische Zukunft seines Gegners in den kommenden Monaten infrage stellen. Russland besitzt solche wirtschaftlichen Trümpfe nicht. Der russisch-ukrainische Krieg findet an der Peripherie der Weltwirtschaft statt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sich die Lage nicht ändern könnte. Denn wenn Russland infolge ukrainischer Angriffe tatsächlich vom Ölmarkt verdrängt würde, hätte das ebenfalls erhebliche Auswirkungen auf das weltweite Gleichgewicht auf den Ölmärkten. Deshalb hätten im Grunde alle ein Interesse daran, dass Russland als Ölstaat bestehen bleibt.

Dafür müsste Russland allerdings bereit sein, den Krieg zu beenden. Und dafür wiederum müsste der Druck auf Russland erhöht werden. Hier bestehen mehr Möglichkeiten als im Fall Irans. Das wollte ich damit sagen. Trump muss sich allerdings erst zu einem solchen Ansatz entschließen.

Korrespondentin: Wenn wir darauf zurückkommen – Sie haben so viele interessante Punkte angesprochen. Zum Beispiel unseren Optimismus, den Optimismus der Ukraine, Polens und ganz Europas hinsichtlich der sogenannten Höllensanktionen. Welche Fallstricke sehen Sie dabei? Denn vieles ist noch gar nicht wirklich geklärt. Trump hat einige Befugnisse erhalten und könnte manche Entscheidungen eigenständig treffen. Gleichzeitig ist Trump ein ziemlich unberechenbarer Mensch. Welche Fallstricke sehen Sie?

Portnikov: Ich denke zunächst einmal, wir sollten abwarten, bis dieses Gesetz tatsächlich verabschiedet wird. Selbst wenn der Senat es noch rechtzeitig verabschiedet, wird sich das Repräsentantenhaus erst nach der Sommerpause, also praktisch im September, damit befassen. Und im September kann die Lage bereits völlig anders aussehen. Sie verstehen ja: Heute kann niemand seriös vorhersagen, was in den kommenden Wochen passieren wird.

Zweitens handelt es sich um ein Gesetz, das dem Präsidenten Befugnisse verleiht. Es gibt Trump die Möglichkeit, Sanktionen gegen Länder zu verhängen, die russisches Öl kaufen. Aber die Zollkriege des amerikanischen Präsidenten haben bereits gezeigt, dass die Vereinigten Staaten heute nicht mehr über die Instrumente verfügen, um Länder des globalen Südens wirksam unter Druck zu setzen.

Selbst wenn wir die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten außer Acht lassen, die die Einführung dieser hohen Trump-Zölle unmöglich machte, wurden die von Trump verhängten Zölle letztlich deshalb wieder aufgehoben, weil sich herausstellte, dass sie der amerikanischen Wirtschaft selbst schadeten.

Es ist also schwer vorstellbar, dass Donald Trump hundertprozentige Strafzölle gegen China verhängt, weil China russisches Öl kauft. China könnte daraufhin der amerikanischen Wirtschaft vor den Zwischenwahlen erheblichen Schaden zufügen. Selbst wenn Trump also zu einer echten wirtschaftlichen Konfrontation mit der Volksrepublik China bereit wäre, würde das frühestens im November oder Dezember dieses Jahres geschehen.

Mit Indien ist die Lage etwas anders. Indien kauft bereits jetzt weniger russisches Öl. Und ich denke, sofern es keine schweren Erschütterungen auf den Weltmärkten gibt – die allerdings durchaus möglich sind –, wird sich dieser Trend fortsetzen.

Ich sehe kein Instrument, auch kein gesetzliches, das Russland dazu zwingen könnte, seine Position grundlegend zu ändern – außer möglichen Schlägen gegen die russische Wirtschaft, wie sie die Streitkräfte der Ukraine führen. Keine Sanktionen werden die russische politische Führung in den kommenden Monaten oder Jahren dazu bewegen, ihre Haltung zum Krieg gegen die Ukraine grundlegend zu ändern.

So einfach funktioniert das heute nicht mehr. Wir leben heute in einer Welt mit zwei Wirtschaftssystemen. Es gibt die Wirtschaft des Westens und die Wirtschaft des globalen Südens, deren Zentrum China und Indien bilden. Der Westen kann dem globalen Süden seine wirtschaftlichen Bedingungen nicht mehr diktieren. Diese Zeit ist vorbei.

Die Vereinigten Staaten sind nicht mehr der uneingeschränkte wirtschaftliche Führer der Welt, wie sie es während der Existenz der Sowjetunion waren, als amerikanische Hochtechnologie-Sanktionen die Entwicklung der UdSSR praktisch unmöglich machten.

Heute existieren zwei wirtschaftliche Systeme. Und wir wissen noch nicht, welches sich in dieser Konkurrenz durchsetzen wird. Die Volksrepublik China verfügt jedenfalls über erhebliche Möglichkeiten, in diesem Wettbewerb erfolgreich zu sein.

Korrespondentin: Das heißt also, die Höllensanktionen sind gar nicht so höllisch. Warum wird dann so viel darüber gesprochen und warum setzt man gerade in der Ukraine so große Hoffnungen auf sie?

Portnikov: Weil ein Gewehr, das an der Wand hängt, manchmal auf das Publikum einen ebenso großen Eindruck macht wie ein Schuss daraus.

Sie waren doch schon einmal im Theater. Wenn dort ein Gewehr an der Wand hängt, fällt Ihr Blick automatisch darauf. Und nach der berühmten Regel Anton Tschechows denken Sie unweigerlich: Früher oder später wird dieses Gewehr abgefeuert werden.

Wenn diese Sanktionen verabschiedet werden, ist das deshalb ein ernstes Signal an die Länder des globalen Südens und an ihre Raffinerien, ihre Beziehungen zur Russischen Föderation abzubrechen. Denn: Was, wenn tatsächlich Zölle eingeführt werden? Was, wenn man Gewinne verliert? Was, wenn man gezwungen ist, andere Wege zu finden, hohe Gewinne zu erzielen?

Russisches Öl ist für viele Länder des globalen Südens nämlich ausgesprochen profitabel. Sie kaufen es billig ein, verarbeiten es zu Erdölprodukten und verkaufen diese gegen harte Währung. Das bringt tatsächlich hohe Gewinne.

Wenn jedoch dieses Gewehr der Sanktionen vor Ihren Augen hängt, verzichten Sie vielleicht lieber auf diesen Zusatzgewinn, um nicht selbst unter Sanktionen zu geraten und Ihr Unternehmen nicht zu gefährden.

Das spielt durchaus eine Rolle. Aber es ist ein Prozess. Wir sprechen ständig darüber, wie man den Krieg möglichst schnell beenden kann. Schnell funktioniert das nicht.

Wenn wir jedoch davon sprechen, dass wir das Ende des russisch-ukrainischen Krieges noch in den 2020er- oder 2030er-Jahren erleben möchten – nach inzwischen zwölf Jahren Konflikt –, dann hoffen wir alle, dass er zumindest innerhalb der nächsten zwölf Jahre endet. Das ist Teil eines Prozesses.

Korrespondentin: Es fällt schwer, Ihnen zu widersprechen. Tatsächlich weiß heute niemand, was in zwei Wochen sein wird. Die Lage verändert sich täglich. Gestern hatten wir mit Ihnen noch ein anderes Gesprächsthema vereinbart. Heute Nacht hat alles verändert.

Portnikov: Erinnern Sie sich, als wir darüber gesprochen haben, dass irgendwann eine russische Rakete polnisches Territorium erreichen würde? Ich möchte Sie ebenso wie damals bei den Drohnen davon überzeugen: Das war nicht die letzte russische Rakete, die in den polnischen Luftraum eingedrungen ist.

Wir werden weitere Einschläge erleben. Vielleicht sogar tragischere als diesen. Auf all das – darauf, dass der Krieg nach Europa kommt – muss man sich als Realität unserer Gegenwart einstellen.

Denn auch das ist logisch. Wenn die Russische Föderation weiterhin darauf hofft, die ukrainische Staatlichkeit rasch zu zerstören, wenn der Kreml glaubt, dass die Ukraine nur deshalb noch existiert, weil sie Unterstützung aus Europa erhält, dann ist eine Ausweitung des Krieges auf die Staaten Mitteleuropas in der einen oder anderen Form eine logische Entwicklung. Die Länder Mitteleuropas sind die nächsten Opfer dieser Eskalation.

Korrespondentin: Ja, aber Sie haben ganz klar gesagt, dass es sich um eine russische Rakete handelt. Darauf möchte ich eingehen. Im polnischen Informationsraum und auch von offiziellen Stellen wird nämlich niemand eindeutig sagen: Das war eine russische Rakete. Man hört Formulierungen wie „wahrscheinlich“, „möglicherweise“, „nicht ausgeschlossen“. Und mehr noch: Der estnische Außenminister, der auf solche massiven Angriffe meist als Erster reagiert, schrieb: „Der polnische Luftraum wurde verletzt. Das ist eine Erinnerung daran, dass Russlands Angriffskrieg über die Grenzen der Ukraine hinausreicht.“ Warum fällt es europäischen Politikern so schwer zu sagen: Es war eine russische Rakete in Polen?

Portnikov: Sie verstehen doch: Anders als bei Drohnen – eine Drohne kann russisch oder ukrainisch sein –, verfügt die Ukraine gar nicht über solche Raketen. Wir wissen doch genau, um welchen Raketentyp es sich handelt. Sie kann nur russisch sein.

Aber zu sagen, dass eine Rakete ein NATO-Mitglied getroffen hat, bedeutet, sich selbst schwierige Fragen zu stellen: Was tun wir jetzt? War das wirklich ein Zufall? Oder ist es die Vorbereitung auf etwas Größeres? Wird Artikel 5 unter dieser amerikanischen Administration tatsächlich greifen? Wozu ist die russische Führung bereit, wenn es um die Länder Mitteleuropas geht?

Für europäische Politiker ist es äußerst schwer, sich selbst und ihren Wählern zu sagen, dass sie nicht mehr neben einem Krieg leben, sondern bereits mitten im Krieg. Dass der Krieg für die Bewohner Mitteleuropas für Jahre oder gar Jahrzehnte Teil der Lebenswirklichkeit wird.

Krieg als Normalität zu akzeptieren, ist immer schwierig. Das wissen wir aus der Erfahrung der Ukrainer. Zu akzeptieren, dass Krieg die Norm ist und Frieden vielleicht nur noch der Vergangenheit angehört und in den kommenden Jahrzehnten womöglich nicht mehr zum normalen Leben gehört – dazu muss man eine enorme psychologische Anstrengung aufbringen, die einen in die Realität zurückholt.

Wir sehen doch, dass selbst ukrainische Politiker, selbst Staats- und Regierungschefs, sich das nicht eingestehen können. Stellen Sie sich nun die Europäer vor, die immer überzeugt waren, durch Artikel 5 zuverlässig geschützt zu sein. Dass niemals eine fremde Rakete oder eine fremde Drohne in ihrem Luftraum auftauchen würde – schließlich gibt es die Vereinigten Staaten.

Und stellen Sie sich übrigens auch die Russen vor. Kein Russe hätte jemals geglaubt, dass eine fremde Drohne, eine fremde Waffe oder eine fremde Rakete einmal einen Marktplatz oder eine Raffinerie treffen könnte, neben der er lebt. Das schien unmöglich. Russland galt als größte Atommacht der Gegenwart. Jeder Staat, der Russland angreifen würde, würde innerhalb von 24 Stunden ausgelöscht werden.

Mit dieser Vorstellung wurden ganze Generationen sowjetischer Menschen erzogen: Man wolle uns zwar angreifen, habe aber Angst davor und werde es niemals wagen. Wir dagegen könnten alles tun, was wir wollten. Mit derselben Vorstellung sind auch die Generationen der Russen unter Putin aufgewachsen.

Und nun hat sich herausgestellt, dass das nicht funktioniert. Dass heute jeder Opfer eines Krieges werden kann. Selbst jemand, der im Aggressorstaat lebt. Selbst wenn dieser Aggressorstaat über das größte Atomwaffenarsenal der Menschheitsgeschichte verfügt. Sehen Sie, wie grundlegend sich inzwischen alles verändert hat.

Korrespondentin: Ja, alles verändert sich. Ich erinnere mich an Joe Bidens Vorsicht. Auch sie waren schließlich mit genau diesem Paradigma aufgewachsen: Wer Russland angreift, verschwindet innerhalb von 24 Stunden. Aber inzwischen hat sich alles verändert, wie Sie gerade gesagt haben. Auch im Denken der Europäer hat sich etwas verändert, auch wenn sich das an ihrem Handeln bisher nur schwer erkennen lässt.

Portnikov: Ich denke, auch im Denken der Europäer verändert sich etwas. Denn ebenso wie die Amerikaner konnten sie sich Angriffe auf Russland, auf das souveräne Territorium Russlands, lange Zeit überhaupt nicht vorstellen.

Sie erinnern sich doch, wie schwer sich unsere Verbündeten damit taten, dem zuzustimmen. Heute greift die Ukraine nicht nur russisches Staatsgebiet an, sondern setzt auch Storm-Shadow-Raketen ein – und nichts passiert. Wie Sie sehen, bombardieren die Russen deshalb nicht London.

Aber Sie haben völlig recht: Die große Phase dieses Krieges begann mit der Vorstellung des Westens, dass dieser Krieg ausschließlich auf ukrainischem Boden stattfinden dürfe.

Nach dem Motto: „Ihr könnt mit den Russen auf eurem eigenen Territorium machen, was ihr wollt. Schließlich ist es euer souveränes Staatsgebiet. Gut, ihr könnt sie auf der Krim oder im Donbas angreifen. Aber das eigentliche Territorium der Russischen Föderation darf auf keinen Fall Teil dieses Krieges werden.“

Und ich habe von Anfang an, seit 2022, gesagt, dass das ein völlig falscher Ansatz ist. Denn ein Krieg, der ausschließlich auf dem Territorium eines einzigen Landes geführt wird, kann ewig dauern. Dieses Land wird dann einfach zum Übungsgelände des anderen Staates, der dort Krieg führt. Und mit jedem Jahr wird dieses Übungsgelände für diesen Staat und seine Verbündeten noch interessanter.

Zu sagen: „Seht ihr, Russland denkt bestimmt schon über Frieden nach“, ist völlig falsch. Keine einzige Minute lang. Wenn man Chinesen einladen kann, Nordkoreaner einladen kann, Ukrainer wie auf einem Schießstand töten kann, wenn dieser Krieg nur ein Computerspiel ist, das das Leben der russischen Bevölkerung überhaupt nicht berührt – warum sollte man ihn dann beenden? Aus welchem Grund?

Jetzt aber hat sich alles verändert. Russland selbst ist zum Kriegsschauplatz geworden. Und nun denkt Russland darüber nach, diese Kampfhandlungen auch auf andere Länder auszuweiten. Das ist ein neuer Prozess.

Korrespondentin: Wie sehen Sie die Ausbreitung dieses Dritten Weltkriegs, von dem inzwischen in den Medien gesprochen wird? Der Sekretär des Verteidigungsausschusses der Werchowna Rada, Roman Kostenko, sagt beispielsweise ganz offen, die Ukraine habe Möglichkeiten, auf iranische Angriffe zu reagieren.

Portnikov: Übrigens gab es in einigen Quellen Informationen, dass Iran tatsächlich bereit sei, Raketen zu starten.

Korrespondentin: Einen symbolischen Angriff.

Portnikov: Mehr noch: Es gab sogar Berichte, dass Iran bereits Raketen gestartet habe, diese ihr Ziel aber nicht erreicht hätten. Das können wir nicht überprüfen, aber solche Informationen existierten. Ich kann dafür keine Verantwortung übernehmen, aber ich schließe nicht aus, dass sich so etwas noch ereignen wird.

Ich kann Ihnen die Entwicklung der Ereignisse ziemlich klar beschreiben.

Erstens geschieht bereits etwas, worüber ich gerade einen Artikel für die Times of Israel geschrieben habe. Wenn man den Begriff aus dem Englischen übersetzt, den ich verwendet habe, dann lautet er: das Verschmelzen zweier Kriege. Des Krieges im Persischen Golf und des russisch-ukrainischen Krieges.

Die Ukraine greift einen iranischen Tanker an. Iran greift die Ukraine mit Raketen an. China, das russisches Öl kauft und damit Russland finanziert, liefert Iran Flugabwehrsysteme zur Stärkung seiner Luftverteidigung.

Übrigens zerstört das sämtliche Hoffnungen Trumps und seiner Regierung, Iran werde seinen militärischen Handlungsspielraum irgendwann erschöpfen. China wird das nicht zulassen – oder es zumindest zu verhindern versuchen.

Damit sehen wir, dass der Kriegsschauplatz im Persischen Golf und der Kriegsschauplatz hier in Mitteleuropa faktisch zu einem einzigen Kriegsschauplatz verschmelzen. Das ist der erste Punkt.

Der zweite Punkt sind Russlands hybride Aktionen gegen jene Staaten, die der Ukraine helfen, sich in diesem Krieg zu behaupten. Ganz ähnlich wie Irans Angriffe gegen Staaten, die den Vereinigten Staaten im Konflikt mit Iran helfen.

Wenn Iran weiß, dass die Verbündeten der Vereinigten Staaten deren Schwachstelle sind, dann kann Russland dasselbe gegenüber Polen und insbesondere den baltischen Staaten versuchen.

Und wenn diese hybriden Angriffe keine ernsthafte Reaktion der NATO-Staaten hervorrufen, wenn alle wie Strauße den Kopf in den Sand stecken und sagen: „Wir wissen nicht, wer das war, was passiert ist und warum“, dann wird ein echter Krieg beginnen. Russland prüft im Moment lediglich die Wassertemperatur.

Das ist die Entwicklungslinie, die ich für die Ausbreitung dieses Krieges in den kommenden Monaten oder vielleicht im nächsten Jahr sehe: Verschmelzung der Kriege, hybride Angriffe und schließlich eine umfassende Eskalation. Das sind die drei wahrscheinlichsten Perspektiven unseres Lebens in der nächsten Zeit.

Korrespondentin: Das ist tatsächlich eine sehr düstere Perspektive. Vielleicht ist sie aber auch eine Chance für die Ukraine, das Verständnis der Europäer und ihrer Verbündeten – etwa auch Trumps – zu vertiefen. Wir sehen ja, wie stark er sich inzwischen gedreht hat, irgendwelche Blogger reisen plötzlich in die Ukraine. Glauben Sie, dass sich diese gesamte rechtsradikale Bewegung Trump anschließen wird? Und dass sich beispielsweise auch Nawrocki, der der Ukraine und Zelensky bislang eher kritisch gegenübersteht, in diese Richtung bewegen könnte? Oder die Franzosen?

Portnikov: Ohne Zweifel schauen all diese Menschen sehr genau auf die Stimmung in Washington. Alle.

Aber Trump muss nicht nur reden, sondern handeln. Es braucht eine Änderung der Politik. Eine Änderung der Politik bedeutet die reale Bereitschaft, der Ukraine zu helfen. Die reale Bereitschaft, Druck auf Russland auszuüben. Und die Bereitschaft, Europa nicht zu verlassen.

Das größte Problem für all jene, die heute in einem Boot sitzen – auch mit Präsident Nawrocki oder jedem anderen einflussreichen europäischen Politiker aus dem rechten Lager –, besteht darin, dass die Amerikaner Europa verlassen wollen.

Und zwar unabhängig davon, wer regiert. Sie sind bereit, sich ebenso von Bundeskanzler Merz wie von Nawrocki oder Marine Le Pen zurückzuziehen, sollte sie Präsidentin Frankreichs werden.

Deshalb haben wir alle – Liberale, Konservative, Rechtspopulisten, Linkspopulisten; wobei Letzteren das vielleicht weniger wichtig ist, aber alle vernünftig denkenden Menschen – ein gemeinsames Interesse daran, dass die Amerikaner bleiben.

Denn es gilt eine einfache Regel: Wenn die Amerikaner gehen, wer kommt dann? Die Russen. Das muss man verstehen.

Deshalb wünsche ich mir, dass wir begreifen: Selbst mit Menschen, mit denen wir in Fragen der Zukunft Europas oder der historischen Ereignisse der vergangenen schwierigen Jahrzehnte unterschiedlicher Meinung sein mögen, sollten wir gemeinsam verhindern wollen, dass die kommenden Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts schlimmer werden als die Mitte des 20. Jahrhunderts in Mitteleuropa.

Und alle Voraussetzungen dafür, dass diese Jahrzehnte schlimmer werden könnten als das 20. Jahrhundert, sind heute leider vorhanden.

Korrespondentin: Eine letzte Frage für diese Sendung: Wie sehen Sie nach diesem Raketeneinschlag die Entwicklung der ukrainisch-polnischen Beziehungen? Wird das etwas verändern – verschlechtern oder verbessern? Wird es mehr Zusammenarbeit geben? Skizzieren Sie doch bitte einmal die Situation, auch vor dem Hintergrund, dass Zelensky gestern in Lublin war und sich dort mit Donald Tusk getroffen hat.

Portnikov: Ich denke, die Ukraine und Polen müssen begreifen, dass sie in einem Boot sitzen. Wenn eine russische Rakete einschlägt, sollte das sowohl für die polnische Führung als auch für das polnische Volk eine sehr ernste Erinnerung daran sein, dass die Ukraine nicht einfach eine Festung für Polen ist, sondern die Kraft, die Russland und seine aggressiven Absichten aufhalten kann.

Wird Russland hier in der Ukraine gestoppt, wird es nicht weitergehen und die Sicherheit Polens nicht auf die Probe stellen. Wird Russland in der Ukraine nicht gestoppt, dann wird Polen unweigerlich das nächste Opfer dieser Eskalation sein. Genau dieses Bewusstsein sollte uns in der kommenden Phase dieser Konfrontation verbinden.

Korrespondentin: Das ist für die Ukrainer offensichtlich. Hoffen wir, dass auch die Polen auf politischer Ebene darüber künftig häufiger sprechen werden. Denn die Lager sind gespalten. Wir beobachten die Entwicklung aufmerksam.


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Titel des Originals: Європа все ще боїться Путіна | Віталій
Портников @polskieradiodlaukrainy. 01.08.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 01.08.2026.
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Zelensky bittet Trump um Patriot-Raketen | Vitaly Portnikov. 29.07.2027.

Eines der Hauptthemen des Aufenthalts des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky in Washington und seiner Gespräche mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, war die Lieferung von Raketen für die Patriot-Batterien an die Ukraine, um der russischen Bedrohung durch ballistische Raketen entgegenzutreten – insbesondere vor der Wintersaison, wenn Russland wie gewohnt versuchen wird, der ukrainischen Energieinfrastruktur schwere Schäden zuzufügen.

Bekanntlich hatte der Präsident der Vereinigten Staaten während des vorherigen Treffens des ukrainischen und des amerikanischen Präsidenten am Rande des NATO-Gipfels in Ankara seinem ukrainischen Amtskollegen überraschend zugesagt, Lizenzen für die Produktion von Patriot-Raketen entweder in der Ukraine selbst oder möglicherweise in einem der mit unserem Staat verbündeten Länder zu erteilen. Diese Entscheidung schockierte gewissermaßen den kollektiven Westen, der eine solche Wendung von Donald Trump nicht erwartet hatte.

Doch eine Lizenz für die Produktion zu versprechen, ist das eine – die Produktion tatsächlich aufzubauen, etwas völlig anderes. Beobachter gehen davon aus, dass dies im optimistischsten Fall bis zu einem Jahr dauern wird, im pessimistischsten drei bis fünf Jahre. Raketen für die Patriot-Batterien braucht die Ukraine jedoch – wie Präsident Zelensky völlig zu Recht betont – bereits seit gestern.

Die entscheidende Frage ist daher nicht, inwieweit Trump bereit sein wird, auf Zelenskys Vorschlag einzugehen, der davon spricht, dass die Ukraine zum Schutz ihres Luftraums bis zu 300 Patriot-Raketen benötigt. Die eigentliche Frage lautet vielmehr, ob Trump überhaupt in der Lage ist, eine solche Menge bereitzustellen – nicht wegen der politischen Lage, sondern wegen eines ganz banalen Mangels an verfügbarer Hardware.

Sie wissen, dass der amerikanische Präsident erst vor Kurzem gezwungen war, auf weitere Angriffe gegen den Iran zu verzichten, weil seine Militärs ihn warnten, dass eine neue Angriffswelle – sollte der Iran darauf reagieren – die Vereinigten Staaten selbst verwundbar machen könnte. In diesem Fall blieben sowohl die amerikanischen Stützpunkte am Persischen Golf als auch strategisch wichtige Einrichtungen der Verbündeten der Vereinigten Staaten ohne ausreichende Luftverteidigung. Das wiederum könnte eine dramatische Energiekrise weltweit auslösen.

Während der Operation Epische Wut blieben den Vereinigten Staaten nach Einschätzung von Beobachtern von ursprünglich 2.330 Patriot-Raketen nur noch 1.430. Dabei produzieren die Vereinigten Staaten lediglich etwa 60 bis 65 Raketen pro Monat, also rund 700 bis 800 pro Jahr. Derzeit greifen sie auf Raketen zurück, deren Produktion bereits im Jahr 2023 in Auftrag gegeben worden war.

So sehen die tatsächlichen Produktionskapazitäten aus. Und auch wenn Trump die Rüstungsunternehmen aufgefordert hat, die Herstellung von Abfangraketen zu beschleunigen, bedeutet das keineswegs, dass sich das Produktionstempo in den kommenden Monaten oder selbst in den nächsten Jahren tatsächlich verändern wird.

Noch komplizierter ist die Lage beim Raketenabwehrsystem THAAD. Von diesem System existieren derzeit überhaupt nur neun Batterien. Von den insgesamt 360 verfügbaren Raketen wurden nach Einschätzung von Experten zwischen 190 und 290 bereits verbraucht. Dieser Mangel macht die Vereinigten Staaten nicht nur gegenüber dem Iran verwundbar. Er macht sie beispielsweise auch gegenüber China anfällig, falls man sich in Peking entscheiden sollte, dass sich unter den gegenwärtigen Umständen eine günstige Gelegenheit bietet, Taiwan der Volksrepublik China einzugliedern.

Den Amerikanern würden schlicht die Möglichkeiten fehlen, auf aggressive Schritte Pekings in der Taiwanstraße angemessen zu reagieren, weil ihnen eigene Luftverteidigungssysteme zum Schutz ihrer Schiffe fehlen würden, die Taiwan zu Hilfe eilen könnten. Das ist die tatsächliche geopolitische Lage, die heute in der Welt entstanden ist.

Im Übrigen haben die Amerikaner keine große Hoffnung, ihre Bestände an Luftverteidigungssystemen rasch wieder auffüllen zu können. Die wichtigste Hoffnung in Washington besteht derzeit darin, dass dem Iran die Waffen ausgehen werden – insbesondere die eigenen Luftverteidigungssysteme, mit denen er sich gegen amerikanische Angriffe schützen könnte. Man geht davon aus, dass die Führung des iranischen Regimes früher oder später zu Vereinbarungen mit Washington gezwungen sein wird, weil ihr schlicht die Mittel zur Verteidigung fehlen werden.

Doch auch diese Annahme könnte durch die tatsächliche Entwicklung der Ereignisse widerlegt werden. Denn gerade heute wurde bekannt, dass die Volksrepublik China – ein Verbündeter des Iran – begonnen hat, Teheran mit Flugabwehrsystemen zu beliefern, die für den Wiederaufbau jenes Teils der iranischen Luftverteidigung benötigt werden, der während der Operation Epische Wut beschädigt worden ist.

Möglicherweise werden auch andere Verbündete des Iran, etwa die Russische Föderation oder Nordkorea, Teheran mit Abfangraketen unterstützen – wenn auch offensichtlich nicht in demselben Umfang wie die Volksrepublik China. Doch genau das wird Donald Trump, der weiterhin auf irgendwelche Vereinbarungen mit Xi Jinping und Putin hofft, kaum wahrhaben wollen.

Damit gestaltet sich die Lage für die Ukraine gerade wegen des Krieges am Persischen Golf tatsächlich äußerst schwierig. Zu hoffen, Trump könne das Problem der ukrainischen Luftverteidigung lösen – zumindest in dem Umfang, den wir benötigen, und in den Dimensionen, die Präsident Volodymyr Zelensky in Washington genannt hat –, ist vergeblich.

Man kann allenfalls darauf hoffen, dass sich Abfangraketen in anderen Staaten finden lassen, die derzeit weniger stark in militärische Auseinandersetzungen verwickelt sind und es sich leisten können, der Ukraine Patriot-Raketen zur Verfügung zu stellen. Doch die Zahl solcher Raketen nimmt ständig ab. Ebenso sinkt die Zahl der Länder, die nicht befürchten müssen, sich selbst verteidigen zu müssen. Zumal wir den Europäern selbst immer wieder sagen, dass der Krieg auch ihr eigenes Territorium erreichen könnte.

Gleichzeitig den Partnern zu erklären, dass auch sie irgendwann kämpfen werden, und sie gleichzeitig um Raketen zum Schutz der Ukraine zu bitten, ist – wie Sie verstehen – keine besonders überzeugende Methode diplomatischer Verhandlungen. Wir sehen bereits, wie das Thema der Patriot-Raketen in den Nachbarstaaten der Ukraine zunehmend politisch ausgeschlachtet wird, damit Regierungsvertreter, die einer Lieferung zustimmen, als Politiker dargestellt werden, denen ukrainische Interessen wichtiger seien als die eigenen nationalen Interessen.

Natürlich wäre es ebenfalls eine mögliche Lösung, der Ukraine nicht nur Abfangraketen, sondern Raketen zur Verfügung zu stellen, mit denen russische Fabriken zur Herstellung ballistischer Raketen sowie deren Abschussstellungen angegriffen werden könnten. Doch auch hier gibt es ein Problem. Die wirksamsten Raketen hierfür sind Tomahawk-Marschflugkörper – und auch deren Bestände haben sich während der Operation Epische Wut erheblich verringert.

Trump war schon früher nicht besonders geneigt, der Ukraine Tomahawk-Raketen für Angriffe auf das russische Kerngebiet zur Verfügung zu stellen. Selbst wenn er diese Möglichkeit heute erneut in Betracht ziehen wollte, könnte das US-Verteidigungsministerium erwidern, dass zunächst die Bestände dieser Raketen wieder aufgefüllt werden müssten. Bei den derzeitigen Produktionsraten werden die Vorkriegsbestände frühestens im Jahr 2031 wieder erreicht sein – erst danach könne man über die ukrainischen Bedürfnisse sprechen.

Wir können daher eindeutig feststellen, dass jede Bereitschaft, der Ukraine heute entgegenzukommen – sowohl bei der Lieferung von Patriot-Raketen und anderen Luftverteidigungsmitteln als auch bei Raketen für Angriffe auf die Russische Föderation –, eine komplizierte politische Angelegenheit ist.

Möglicherweise könnte gerade die militärisch-technische Zusammenarbeit zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten, bei der die Ukraine ihre Technologien zur Drohnenabwehr ohne den Einsatz von Patriot-Systemen sowie andere während des russisch-ukrainischen Krieges entwickelte Innovationen und Erkenntnisse weitergeben könnte, dazu beitragen, mit amerikanischen Militärs und Regierungsvertretern auf einer deutlich ernsthafteren Grundlage über diese heute so dringend benötigte und zugleich so knappe Unterstützung zu sprechen.


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Titel des Originals: Зеленський просить у Трампа Patriot | Vitaly Portnikov. 29.07.2027.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.07.2027.
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