Was haben wir acht Jahre lang gemacht? Vitaly Portnikov. 23.03.2026.

https://hromada.us/uk/articles/2026/03/23/what-have-we-been-doing-for-eight-years?fbclid=IwZnRzaAQvw25mZGlkFlA4BFzb4lMIJmHXAfZNwumamMepSzZleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEeNKM-FqswL_aOkjkc7ALXVCGXNJBOCKS-RTPo_lUNYu9WrW2t-454jKoLdck_aem_vZb3plF6fX5Uonq1J1sy9Q

Nach Veröffentlichungen über die Möglichkeit eines „hybriden“ Angriffs Russlands auf Estland oder andere baltische Staaten begann man sowohl in der Ukraine als auch im Westen ernsthaft über die Möglichkeit eines Konflikts zwischen Russland und den NATO-Staaten zu diskutieren und sogar über den politischen Bankrott des Bündnisses infolge einer unzureichend entschlossenen Reaktion auf eine solche Invasion. Aber das Wichtigste ist, dass man begonnen hat zu begreifen, dass die bloße Möglichkeit eines solchen Konflikts, der ein reales Risiko für den Beginn eines Dritten Weltkriegs darstellt, mit der unangemessenen Reaktion der westlichen Länder auf die Ereignisse in der Ukraine im Jahr 2014 zusammenhängt.

Damals ging der russische Präsident zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg nicht nur zur Besetzung, sondern auch zur Annexion eines Teils des Territoriums eines anderen Staates über. Doch die führenden Länder der Welt – dieselben Unterzeichner des Budapester Memorandums – versuchten so zu tun, als sei auf der Krim nichts Außergewöhnliches geschehen. Wenn man sich erinnert, welche Sanktionen gegen Russland von der Administration von Präsident Barack Obama und von der Europäischen Union verhängt wurden, kann man leicht verstehen, warum man im Kreml nicht auf die Aufrufe aus Washington hörte, nicht auf das Festland vorzudringen, sondern stattdessen den Krieg im Donbas begann.

Erstaunlich ist, dass auch diesen Krieg praktisch niemand als Krieg und Besatzung bezeichnen wollte. Man begann von „Separatismus“ im Donbas zu sprechen und versuchte, die Präsenz russischer Truppen und Geheimdienste in der Region zu ignorieren. Und das, obwohl es vor der russischen Invasion weder auf der Krim noch im Donbas politische Kräfte oder auch nur einflussreiche gesellschaftliche Organisationen gab, die für die Unabhängigkeit dieser Regionen oder ihren Anschluss an Russland eingetreten wären. Und tatsächlich – woher hätten solche Organisationen kommen sollen, wenn bis 2014 der Präsident des Landes, der Vorsitzende der Werchowna Rada, der Premierminister und fast alle Minister… aus der Region Donezk stammten, und die Parlamentsfraktion der regierenden Partei der Regionen von einem Vertreter aus dem Gebiet Luhansk geführt wurde? Welcher Separatismus kann da überhaupt gemeint sein?

Doch dieser Mythos half sowohl dem Westen als auch den Ukrainern, in einer erfundenen Realität zu leben, in der sich der Konflikt einfach durch Verhandlungen mit erfundenen Separatisten lösen ließ. Es ging so weit, dass nicht nur westliche Diplomaten über die Suche nach einem Dialog mit Vertretern der „separatistischen“ (in Wirklichkeit aber Besatzungs-) Verwaltungen sprachen, sondern auch gewöhnliche Menschen von „Separatisten“ erzählten. Das ist die Antwort auf die berühmte russische Frage: „Was habt ihr acht Jahre lang gemacht?“ Was denn – wir haben uns selbst belogen, dass es eure Besatzung nicht gibt, und haben eure Lügen sowie eure Vorbereitung auf den großen Krieg unterstützt, in dem es dann schon nicht mehr nötig war, „Separatisten“ zu spielen, sodass die Gebiete Luhansk und Donezk schlicht annektiert wurden – wie die Krim!

Und nun stellt sich die Frage: Warum sollte Putin denselben Mechanismus nicht in der estnischen Stadt Narva anwenden können? Denn wenn sich für die westlichen Hauptstädte das Dilemma ergibt – an den „Separatismus“ der russischsprachigen Bevölkerung von Narva zu glauben oder aber gegen Russland zu kämpfen –, was wird man in Washington oder Brüssel wählen? Die Antwort kennen wir, scheint mir. Wir kennen sie aus der Reaktion auf die Ereignisse in der Ukraine.

Also halten wir das schon heute fest, damit morgen niemand sagt, man habe ihn nicht gewarnt. Es gibt keinerlei separatistische Stimmungen in der Region Ida-Virumaa, zu der die Grenzstadt Narva gehört – so wie es sie auch auf der Krim und im Donbas nicht gab. Wenn solche Stimmungen beginnen sollten aufzutreten, wird das bedeuten, dass eine schleichende russische Besatzung begonnen hat. Wenn diese schleichende Besatzung als komplizierter regionaler und nationaler Konflikt wahrgenommen wird, wenn lokale Kollaborateure – die zwangsläufig auftauchen werden, denn das ist ein unvermeidliches Attribut jeder Besatzung – als Separatisten und nicht als Kollaborateure wahrgenommen werden, dann wird das Putin nicht beruhigen, sondern nur ermutigen, und später wird ein großer Krieg bereits in Europa beginnen. Ein Krieg, dem sich die Vereinigten Staaten nicht mehr werden entziehen können, was man heute auch immer im Weißen Haus denken mag. Das ist also eine ungefähre Prognose des Dritten Weltkriegs – mit estnischem… nein, mit ukrainischem Akzent.

Und das alles deshalb, weil politische und sicherheitspolitische Schlussfolgerungen rechtzeitig gezogen werden müssen, meine Freunde.

Nun ja – und tatsächlich: Was haben wir alle acht Jahre lang gemacht?


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Що ми робили вісім років? Виталий Портников. 23.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 23.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Der „Narwa-Test“: Wie Putin die NATO zu Fall bringen könnte. Vitaly Portnikov. 19.03.2026.

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Nahezu alle Ressourcen Putins sind auf den ukrainischen Frontabschnitt konzentriert. Der russische Präsident träumt weiterhin von der Zerstörung des Nachbarstaates und der Eingliederung seiner Territorien in die Russische Föderation. Und die Taktik, die das Weiße Haus in den Verhandlungen mit Moskau gewählt hat, beflügelt Putin nur zusätzlich. Wie soll man da auch noch gegen Estland Krieg führen?

Doch einen echten Krieg mit dem benachbarten baltischen Staat muss Putin möglicherweise gar nicht führen. In seinem Versuch, Estland und die NATO zu destabilisieren, kann er einen hybriden Weg einschlagen – genau jenen, den er bereits nach der Revolution der Würde in der Ukraine anzuwenden versuchte. Damals griff die Russische Föderation zur Invasion, Besetzung und Annexion der Krim, während sie im Osten der Ukraine die Annexion nicht sofort vollzog, sondern dort sogenannte „Volksrepubliken“ schuf.

Im Fall Estlands könnte er denselben Weg gehen: Saboteure in das Nachbarland entsenden und die „Narwische Volksrepublik“ ausrufen.

Das gesamte Kalkül des Kremls beruht darauf, dass der Westen erneut in den Modus der „tiefen Besorgnis“ verfällt und so tut, als sei die Einnahme Narwas eine innere Angelegenheit Estlands. Wenn die USA und die EU eine direkte Konfrontation mit einem nuklear bewaffneten Machthaber scheuen, würde das faktisch das Ende des Nordatlantischen Bündnisses bedeuten. Denn Putin braucht die estnischen Territorien an sich nicht – sein eigentliches Ziel ist es, den Ruf des Westens zu zerstören.

Hier ist am interessantesten, wie der Westen reagieren wird. Wenn man in den USA versuchen wird, Putins Krieg gegen Estland nicht wahrzunehmen, wenn man in der EU sagt, man dürfe keinen direkten Konflikt mit einer Atommacht zulassen, dann wird Putin die Möglichkeit erhalten, sich auf dem Territorium eines NATO-Mitgliedstaates zu festigen. Und man wird von einem langsamen Tod des gesamten Bündnisses sprechen können.

Im Fall Estlands braucht Putin also nicht Narwa, sondern die politische Zerstörung des Nordatlantischen Bündnisses. Danach werden Putin und Xi Jinping sich als Sieger im Kampf gegen den kollektiven Westen fühlen können – als Anführer, die die Vereinigten Staaten weit aus ihren Einflusszonen der Nachkriegsordnung verdrängt haben.


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Art der Quelle: Social Media
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 29.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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„Donetsk-Szenario“ für Estland | Vitaly Portnikov. 17.03.2026.

Die deutsche Zeitung Bild behauptet, dass der russische Präsident Vladimir Putin, ermutigt durch die nachsichtige Haltung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, schon in naher Zukunft eine sogenannte zweite Front in Europa eröffnen und Estland angreifen könnte.

Auf den ersten Blick fehlt diesen Prognosen vor allem eine reale Grundlage in Bezug auf Ressourcen. Praktisch alle Kräfte Wladimir Putins sind an die ukrainische Front gebunden. Der russische Präsident träumt weiterhin von der Zerstörung des Nachbarstaates und der Eingliederung seines Territoriums in Russland. Und die Taktik, die das Weiße Haus in den Verhandlungen mit Moskau gewählt hat, ermutigt Putin nur – ebenso wie seine Kalkulationen auf den Erfolg eines langjährigen Abnutzungskrieges. Wie sollte er da noch zusätzlich gegen Estland Krieg führen?

Doch ein wirklicher Krieg mit dem baltischen Nachbarland muss gar nicht stattfinden. Bei seinem Versuch, Estland und die Nordatlantische Allianz zu destabilisieren, kann Putin einen hybriden Weg einschlagen – genau jenen Weg, den er bereits nach der Revolution der Würde 2013–2014 in der Ukraine zu gehen versuchte.

Ich erinnere daran, dass Russland damals eine Invasion durchführte, die Autonome Republik Krim besetzte und annektierte. Im Osten der Ukraine hingegen beeilte man sich nicht mit einer Annexion, sondern initiierte in den besetzten Gebieten der Regionen Donezk und Luhansk die Gründung sogenannter Volksrepubliken. Übrigens wurden genau unter diesen Bezeichnungen die „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk nach Putins groß angelegter Invasion in die Ukraine annektiert und zusammen mit den Regionen Saporischschja und Cherson zu Subjekten der Russischen Föderation erklärt.

Im Fall Estlands könnte man denselben Weg gehen: Saboteure in das Nachbarland schicken, etwa die Gründung einer „Narwaer Volksrepublik“ ausrufen und gleichzeitig die Beteiligung der Russischen Föderation an den Ereignissen auf estnischem Gebiet abstreiten. Natürlich würden sowohl der Kreml als auch russische Propagandisten dabei von der Verteidigung der Rechte der unterdrückten russischen und russischsprachigen Bevölkerung in Estland sprechen. Ein direkter militärischer Konflikt würde jedoch nicht stattfinden.

Ich möchte daran erinnern, dass selbst als russische Truppen in die Gebiete Donezk und Luhansk einmarschierten, nicht nur im Westen der direkte Charakter der Besatzung ignoriert wurde. Auch in der Ukraine selbst zogen es sowohl die Behörden als auch die Bürger – und sogar jene, die mit der Waffe in der Hand gegen russische Soldaten kämpften – vor, den Begriff „Separatisten“ zu verwenden und damit im Grunde der Russischen Föderation dabei zu helfen, die Idee eines hybriden Krieges zu verbreiten und die Tatsache der direkten Besatzung der Gebiete Donezk und Luhansk zu verschleiern.

Und diese Mythologie hielt sich bis Februar 2022, was dem Präsidenten der Russischen Föderation zusätzliche Zuversicht geben kann, dass sich bei Anwendung desselben Instrumentariums auf Estland – wenn in die Besetzung eines Teils dieses baltischen Landes nicht nur Saboteure, sondern auch lokale Kollaborateure einbezogen werden, mit denen Mitarbeiter des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation und des Auslandsgeheimdienstes erfolgreich arbeiten können – erneut etwas Ähnliches ereignen wird.

Die Stimmung in Washington unter der Administration von Präsident Trump lässt keinen Zweifel daran, dass es genau so kommen könnte. Und in vielen europäischen Hauptstädten würde man es vorziehen zu sagen, dass es keinen direkten Krieg der Russischen Föderation gegen Estland gebe, dass das, was geschieht, in Wirklichkeit Probleme der innenpolitischen Entwicklung dieses Landes seien, die Moskau lediglich auszunutzen versuche. Dass die russischen Militärs und Beamten, die zweifellos aus Moskau nach Narva entsandt würden, um die Strukturen der besetzten Gebiete zu leiten, Freiwillige seien und nicht Mitarbeiter des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation, die von Putin entsandt wurden, um das Besatzungsregime aufrechtzuerhalten.

War es nicht genauso in Donezk, wo an der Spitze der sogenannten Donezker Volksrepublik ein Vertreter des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation, Borodai, stand, der heute Abgeordneter der Staatsduma der Russischen Föderation ist?

Die Anwesenheit Borodais ließ keinen Zweifel daran, dass es sich um eine Besatzung handelte. Doch auch die Kollaborateure mit ukrainischen Pässen, die hohe Positionen in den Besatzungsstrukturen einnahmen, waren kein Beispiel für einen inneren Konflikt, da sie zuvor vom Föderalen Sicherheitsdienst Russlands als Agenten und Mitarbeiter angeworben worden waren und viele von ihnen Reserveoffiziere des FSB und anderer russischer Geheimdienste waren.

Es besteht kein Zweifel daran, dass eine ähnliche Taktik von den Geheimdiensten der Russischen Föderation in Narva angewendet werden kann. Zumal Putin selbst, ein Oberstleutnant des Föderalen Sicherheitsdienstes Russlands und ehemaliger Mitarbeiter des Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion, in der Regel genau solche Maßnahmen ergreift, wenn es um die Umsetzung politischer Aufgaben geht.

Putin ist kein Spezialist für militärische Operationen, sondern für Spezialoperationen. Deshalb ist klar, wenn wir von einem Krieg gegen Estland sprechen – und vielleicht in Zukunft auch gegen Lettland und Litauen –, dass der russische Präsident weitreichende Pläne hat.

Und die Präsenz von Donald Trump im Weißen Haus ermutigt ihn nur noch in diesen Plänen. Man kann davon ausgehen, dass solche Operationen einen hybriden Charakter haben werden – dass also Spezialoperationen den offenen Krieg ersetzen. Nicht umsonst hat Putin selbst seinen großen und endlosen Krieg gegen die Ukraine als „Spezialoperation“ bezeichnet.

Und hier stellt sich die entscheidende Frage: Wie wird der Westen reagieren, wenn man in den Vereinigten Staaten versucht, Putins Krieg gegen Estland nicht wahrzunehmen? Wenn in europäischen Ländern gesagt wird, dass man keinen direkten Konflikt mit einer Atommacht zulassen dürfe, weil dies zu einer echten Katastrophe führen würde, dann kann man auch davon sprechen, dass der russische Präsident die Möglichkeit erhält, sich bereits auf dem Territorium eines NATO-Mitgliedstaates zu festigen. Und wenn nicht vom schnellen, dann zumindest vom schleichenden politischen Tod des gesamten Bündnisses. Das wäre die eigentliche Essenz des Geschehens.

Genauso wie Putin in der Ukraine nicht Donezk und Luhansk brauchte, sondern die gesamte Ukraine und den Zugang zu ihren Grenzen mit westlichen Staaten. Genauso wird es im Fall Estlands nicht um Narva gehen, sondern um den politischen Tod der Nordatlantischen Allianz. Danach werden er und der Vorsitzende der Volksrepublik China, Xi Jinping, sich als Sieger im Krieg gegen den kollektiven Westen fühlen können – als Führer, die die Vereinigten Staaten endgültig weit über die Grenzen jener Einflusszonen hinausgedrängt haben, auf die man in Moskau und Peking Anspruch erhebt.


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Titel des Originals: „Донецкий сценарий“ для Эстонии | Виталий Портников. 17.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 17.03.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Wie der Dritte Weltkrieg beginnt | Vitaly Portnikov. 27.12.24.

Die Grenzstadt Narva in Estland könnte genau der Ort sein, der in Geschichtsbüchern als der Ort, wo der Dritter Weltkrieg begann, bezeichnet wird, sofern Russland sich entscheidet, eine so wichtige Region für die Europäische Union und die NATO zu erobern.

Bereits jetzt berichtet der Generalsekretär der Abteilung für Grenzschutzpolizei Estlands, Eghert Belichev, dass Narva im Zentrum einer Provokation durch die Russen steht. Sie stören die Satellitennavigation, stehlen Grenznavigationsbojen und setzen Aufklärungsdrohnen ein. Und es ist offensichtlich, dass dies erst der Anfang der Provokationen ist. 

In Estland besteht die Sorge, dass Russland die mögliche Pause in den Kampfhandlungen in der Ukraine nutzen könnte, um, wenn nicht einen hybriden Krieg, so doch mindestens ein weit aktiveres Eindringen in die Region zu beginnen.

Dafür gibt es politische Umstände. Bereits im Jahr 2023, nach den Parlamentswahlen in Estland, bezeichnete der Chefredakteur der russischen Ausgabe einer estnischen Zeitung in einem Post von Sergei Kemett die in Narva und der Umgebung stattgefundenen Ereignisse als politische Umwälzungen. Die populärsten Politiker in der Region wurden damals der ehemalige Bürgermeister von Narva, Michail Stalnuhin, der den Nationalsozialismus als die wahre Ideologie Estlands bezeichnete, und Aiva Peterson, ein weiterer umstrittener Politiker, der das besetzte Donezk besuchte und in einer Fernsehsendung des russischen Propagandisten Wladimir Solowjow auftrat.

Beide prorussischen Politiker erhielten aufgrund der Besonderheiten des estnischen Wahlsystems keine Mandate im Parlament, doch die Narvianer zeigten deutlich ihre politischen Sympathien. Die Bürgermeisterin von Narva, Katri Raik, erklärte nach diesen Wahlen, dass, wenn die Wahl des Bürgermeisters der Stadt gleichzeitig mit den Parlamentswahlen stattgefunden hätte, der neue Leiter von Narva genau Michail Stalnuchin geworden wäre.

In Moskau wird bekanntlich mit großer Aufmerksamkeit auf die politischen Stimmungen in wichtigen für Russland und seine Regionen geachtet. Es sei daran erinnert, dass gerade die prorussischen Stimmungen der Bewohner des Ostens und Südens der Ukraine für Wladimir Putin die Grundlage bildeten, Pläne zur Besetzung und weiteren Annexion von Regionen zu entwickeln, deren Wähler einst für prorussische, antiukrainische politische Kräfte gestimmt haben.

Offensichtlich steht auch Estland hier unter genauer Beobachtung, und zwar aus dem Grund, dass das Land Mitglied der NATO und der Europäischen Union ist. Für die russische Führung wird es immer ein ziemlich großes Verlangen geben, zu prüfen, wie die Nordatlantische Allianz reagieren wird, falls die russische Armee offiziell oder unter dem Deckmantel irgendwelcher hybrider grüner Männchen diesmal nicht in die Ukraine einmarschiert, die zum Zeitpunkt der Invasion im Jahr 2014 ein neutraler Staat war und im Jahr 2022 von einem Beitritt zur NATO nur träumen konnte, sondern auf den Gebiet eines Landes, das bereits Mitglied des Nordatlantik-Paktes ist.

Wir verstehen sehr gut, dass im Falle, dass falls ausländische Truppen auf den Gebiet dieses NATO-Mitgliedstaates eindringen, die lokale Bevölkerung in Narva, oder zumindest ein ausreichend großer Teil dieser Bevölkerung, die russischen Panzer freudig empfangen und die Trikolore über dem Narva-Rathaus hissen wird. Wenn die NATO-Mitgliedstaaten währenddessen keine entschlossenen Maßnahmen ergreifen werden, um die Regionen von den russischen Truppen zu befreien, wird in dieser Situation die Existenz der NATO als Verteidigungsbündnis ernsthaft infrage gestellt. 

Und möglicherweise ist genau dies das Ziel, welches man heute in Moskau verfolgt: zu zeigen, dass die NATO niemanden schützt und dass die Mitgliedschaft in der NATO, falls es keine guten Beziehungen zu Moskau gibt und die jeweilige Regierung nicht bereit ist, den Forderungen des Kremls nachzukommen, nichts bedeutet, außer der Unterschrift des Präsidenten oder Ministerpräsidenten jenes Staates unter dem Nordatlantikvertrag. Dies könnte, aus Putins Sicht, das Hauptziel sein, um eine neue Weltordnung zu etablieren. Zu beweisen, dass die Mitgliedschaft in der NATO nichts wert ist. Und damit den ehemaligen Sowjetrepubliken die letzten Hoffnungen auf Schutz zu nehmen.

indem sie sie zur Wiederherstellung des Russischen Imperiums in den Formen einladen, die für die politische Führung in Moskau am günstigsten sind. 

Doch Putin könnte sich auch irren. Darin liegt die Frage. Gerade als Folge seines Angriffs auf Estland könnten die NATO-Mitgliedsstaaten entscheiden, dass, wenn sie nicht reagieren, morgen die Gefahr auch anderen Mitgliedern des Nordatlantikpakts drohen wird. Und nicht nur Narva, sondern auch andere Grenzstädte der NATO-Mitgliedsstaaten Lettland, Litauen, Polen, Norwegen und Finnland könnten unter dem Angriff russischer Truppen stehen. Denn wenn die NATO an einem Ort nicht reagiert, warum sollte sie dann an einem anderen Ort reagieren?

Auf diese Weise kann relativ schnell eine Entscheidung über einen Schlag gegen russische Militärziele getroffen werden, um zu verhindern, dass die russische Armee weiter auf dem Gebiet Estlands agiert und sie dazu zu bringen, sich aus Narva zurückzuziehen und ein für alle Mal die Möglichkeiten einer Konfrontation mit den nordatlantischen Allianzen zu vergessen.

Auch die NATO-Mitgliedsländer bzw. deren Führer könnten ihrerseits die Bereitschaft der russischen politischen Führung unterschätzen, auf solche entschlossenen Aktionen des Verteidigungsbündnisses zu reagieren. Und Russland könnte mit einem Angriff auf westliche militärische Ziele in anderen NATO-Mitgliedsländern reagieren, unabhängig davon, ob Atomwaffen eingesetzt werden oder nicht, wobei die Militäreinrichtung auf dem Gebiet, das von dem russischen Militärobjekt getroffen wird, ins Visier genommen wird. Das offensichtlichste Ziel zu Beginn sind die amerikanischen Militärbasen in europäischen Ländern. 

Und so haben wir jetzt den Mechanismus zur Auslösung des Dritten Weltkriegs gesehen. Sozusagen das Vorspiel zu strategischen nuklearen Schlägen zwischen Moskau und Washington, das Vorspiel zur Zerstörung von Millionen von Menschen und zur Ankunft des besagten nuklearen Winters, über den von Sciencefiction Schriftstellern und Filmemachern seit Ende der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts gesprochen wird. Und wir wet die Möglichkeit haben, nicht in einer Fantasie, sondern in der realen Welt diesen realen nuklearen Winter zu erleben. 

Natürlich möchte man nicht in solch ungünstige Lebensbedingungen versetzt werden, die das Ende der Zivilisation zumindest in Nordamerika und Eurasien bedeuten könnten. Es ist jedoch offensichtlich, dass Moskau mit seinen Versuchen zu überprüfen, wie bereit die NATO ist, seinen aggressiven Plänen zu widerstehen, die roten Linien überschreiten könnte, nach deren Überschreitung es keinen Weg zurück zu einem normalen friedlichen Leben, zu Vereinbarungen und zum Zusammenleben gibt. Und genau in eine solche Entwicklung bewegt sich die Welt unaufhaltsam als Ergebnis der abenteuerlichen Politik von Wladimir Putin und des Unverständnisses der westlichen Führungskräfte über alle Herausforderungen, die ihnen durch die abenteuerliche Politik Russlands gestellt werden.