Putins „Baukasten“ und der Krieg: Was für die Ukraine hinter den Aussagen des russischen Präsidenten bei der „Direkten Linie“ steht. Vitaly Portnikov. 19.12.2025.


Teilnehmer der Telefonkonferenz mit Wladimir Putin in Moskau, Russland, 19. Dezember 2025. Foto: Sefa Karacan / Anadolu via Getty Images

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Die stundenlangen „Direkten Linien“ mit Wladimir Putin erinnerten mich immer an eine Art propagandistischen Baukasten. Gerade weil der russische Präsident stundenlang auf die unterschiedlichsten Fragen antwortet – von grundlegenden politischen Entscheidungen bis zur Aufstellung von Neujahrsbäumen – konnte sich jeder immer eine passende Antwort heraussuchen, zumal Putin sich oft selbst widerspricht. Und in diesem Sinne ähneln die stundenlangen Pressekonferenzen Putins den mehrbändigen Lenin-Werkausgaben der Sowjetzeit – jeder konnte sich das passende Zitat auswählen.

Doch die am 19. Dezember abgehaltene „Direkte Linie“ Putins im Jahr 2025 unterschied sich – bei aller Unveränderlichkeit des Formats – dennoch von den vorherigen, weil sie ein durchgehendes Thema hatte: den Krieg. Einen Krieg, den Wladimir Putin seinem Auftreten nach zu urteilen keineswegs zu beenden beabsichtigt – aber zugleich gegenüber seinem amerikanischen Amtskollegen Friedfertigkeit und Konstruktivität demonstrieren muss. Das ist kein einfacher Balanceakt, und doch versuchte der russische Präsident, ihn über mehrere Stunden zu halten.

Einerseits lud er zu der Pressekonferenz einen weiteren „Helden der SVO“ ein, damit dieser von den „Gräueltaten“ der ukrainischen Militärs berichtete. Andererseits begrüßte er die friedensstiftenden Bemühungen Trumps und behauptete, selbst aus Kyiv gebe es „Signale“ über eine Verhandlungsbereitschaft. Einerseits versprach er, die Probleme der Wasserversorgung im Donbass zu lösen, falls Slowjansk „befreit“ werde, andererseits behauptete er, Russland sei zu „schmerzhaften Kompromissen“ bereit. Über das Wesen dieser Kompromisse sagte Putin allerdings kein Wort.

Dafür erklärte er, wie nach seiner Meinung die Wahlen in der Ukraine ablaufen sollten: Russland könne die Angriffe einstellen … am Wahltag, aber unter der Bedingung, dass an den Wahlen auch die in Russland lebenden ukrainischen Staatsbürger teilnehmen.

Es ist klar, dass für den russischen Präsidenten Wahlkampf und Wettbewerb bei Abstimmungen leere Worte sind. Doch die demonstrative Absicht, die vor dem Krieg geflohenen Menschen als „fünfte Kolonne“ zu benutzen, zeigt erneut, dass Putin nichts vergessen und nichts gelernt hat. Er sieht die Ukraine weiterhin als rebellische Provinz, die unbedingt zurück in den russischen Pferch geführt werden muss. Ob durch Fortsetzung des Krieges oder durch Kapitulation – das, so scheint es, hängt nur vom Ergebnis ab.

Dass Putin genau auf eine Kapitulation der Ukraine ausgerichtet ist, illustriert sein Antwort auf die Wahlfrage am besten. Er hätte wirklich gern, dass Trump durch Druck auf die ukrainische Führung solche Wahlen erzwingt, bei denen ein Anhänger der Kapitulation gewinnt – am besten mithilfe der in Russland lebenden Ukrainer. Und dafür wäre er sogar bereit, den Krieg für einen Tag zu stoppen. Für einen Tag – damit die Wähler nicht daran zweifeln, dass der Krieg wieder aufgenommen wird, falls sie „falsch“ stimmen, also nicht so, wie es der russische Präsident möchte.

Das ist ja nicht die erste Rachegelüste-Episode. Putin wollte Revanche schon 2010, als Wiktor Janukowytsch an die Macht kam, und 2019, als die Ukrainer für Volodymyr Zelensky stimmten. Und jedes Mal verrechnete er sich. Janukowytsch konnte die Ukraine trotz aller Bemühungen nicht zerstören. Und Zelensky erwies sich überhaupt nicht als „Agent der Kapitulation“, auf den Putin gehofft hatte.

Doch Putins Vorstellungen darüber, wie er die Ukraine vernichten müsse, änderten sich nicht im Geringsten. Ebenso wenig änderten fast vier Jahre großer Krieg seine Vorstellungen – trotz der Opfer, für die er bei dieser „Direkten Linie“ demonstrativ jede Verantwortung verweigerte.

Putin möchte nach wie vor, dass die Ukraine zugrunde geht. Und er sucht weiterhin nach den günstigsten Möglichkeiten, um dieses Zugrundegehen sicherzustellen.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Путинский «конструктор» и война: что для Украины стоит за заявлениями президента РФ с прямой линии. Виталий Портников. 19.12.2025.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 19.12.2025.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Die Europäer geben der Ukraine Geld | Vitaly Portnikov. 19.12.2025.

Der Gipfel der Europäischen Union endete mit einer Kompromissentscheidung, die jedoch für die Ukraine vorteilhaft ist und die Bereitstellung von Geldmitteln für unser Land in den kommenden Jahren vorsieht.

Wie bekannt, war die wichtigste Frage, die eine ernsthafte Diskussion zwischen den Teilnehmern des Gipfels auslöste, die Bereitstellung von 134 Mrd. Euro für die Ukraine aus dem sogenannten Reparationenkredit, also aus eingefrorenen russischen Geldern, die sich in europäischen Depots befinden. Nachdem die Europäische Union zuvor die unbefristete Einfrierung russischer Vermögenswerte beschlossen hatte, hätte diese Entscheidung mit qualifizierter Mehrheit gefällt werden können.

Doch die lange nächtliche Debatte führte schließlich dazu, dass die Gipfelteilnehmer sich für eine andere von der EU-Kommission vorgeschlagene Variante entschieden: nämlich die Vergabe eines Darlehens aus dem Geld der Europäer selbst in Höhe von 90 Mrd. Euro. Auch dieses Darlehen wird als Reparationenkredit ausgestaltet. Das bedeutet: Die Ukraine wird es zurückzahlen, falls die Russische Föderation sich bereit erklärt, Reparationen für die Folgen ihrer Aggression gegen unser Land zu leisten.

Genau dieselben Rückzahlungsregeln wären auch für einen Kredit aus eingefrorenen russischen Geldern vorgesehen gewesen. Und wir verstehen sehr gut, dass die Russische Föderation nicht nur keinerlei Entschädigung für ihre Aggression gegen die Ukraine zahlen wird, sondern niemals den Aggressionsakt überhaupt anerkennen wird. Daher wird die Rückzahlung dieses Geldes durch die Ukraine vollständig von den Beziehungen zwischen der EU und Russland abhängen – von den Forderungen der EU an die russische Führung, Gelder freizugeben, die nun als abhängig von der politischen Position Russlands betrachtet werden.

Und vielleicht gelingt es in Jahrzehnten – so wie einst bei den Geldern des Russischen Imperiums –, dass die Europäer im Falle ernsthafter Veränderungen in Russland selbst eine Einigung mit Moskau über Reparationszahlungen für die Ukraine erzielen können.

Doch im Moment – und zumindest in absehbarer Zukunft – erscheint ein solches Szenario hinreichend fantasievoll. Dies ist jedoch nicht mehr so sehr das Problem der Ukraine, sondern vielmehr ein Problem der Beziehungen zwischen der EU und der Russischen Föderation und der Frage, wie sich der Prozess im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg und der Suche nach Wegen zu dessen Beendigung entwickeln wird – Wege, die derzeit nicht erkennbar sind.

Das Wichtigste ist: In den kommenden Jahren dieses zermürbenden Krieges wird die Ukraine Geldmittel haben, damit ihre Wirtschaft nicht unter den Schlägen Russlands zusammenbricht. Für Russland ist dies ebenfalls ein unangenehmes Signal, das belegt, dass der Abnutzungskrieg gegen die Ukraine nicht allein durch Erschöpfung schnell beendet werden kann.

Und inzwischen wird auch die russische Wirtschaft selbst erschöpft. Nur im Kreml weiß man, wie viele Jahre sie noch für die Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine und für neue aggressive Handlungen der Russischen Föderation gegen Nachbarstaaten – insbesondere ehemalige Sowjetrepubliken – ausreichen wird.

Für die Ukraine ist die Bereitstellung dieser Gelder auch deshalb ein wichtiges Signal, weil sie nur durch eine einstimmige Abstimmung oder durch das völlige Ausbleiben von Gegenstimmen aller Gipfelteilnehmer angenommen werden konnte. Das heißt: Diese Entscheidung wurde weder vom ungarischen Premierminister Viktor Orbán blockiert – obwohl er dies zuvor angekündigt hatte –, noch von den Ministerpräsidenten der Slowakei und Tschechiens, Fico und Babiš, obwohl auch sie sich gegen weitere Hilfe für die Ukraine ausgesprochen hatten.

Doch damit die Regierungschefs dieser Länder – die sich möglicherweise an ihren Beziehungen zu Moskau und Washington orientieren – keine Entscheidung treffen, die den Europäern die Unterstützung der Ukraine in den kommenden Kriegsjahren unmöglich machen würde, werden Ungarn, die Slowakei und Tschechien von der Beteiligung an diesem Hilfsfonds für die Ukraine ausgenommen. So sieht der Kompromiss aus.

Ein weiteres Land, mit dem die Europäer offenbar einen Kompromiss auf ihrem Gipfel erzielt haben, sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Ein Staat, der selbstverständlich nicht der EU angehört, dessen Präsident jedoch an besonderen Beziehungen zu Putin interessiert ist und in den vergangenen Wochen alles darangesetzt hat, die Europäer von der Beschlagnahmung russischer Gelder abzuhalten.

Vertreter Trumps erklärten, die Beschlagnahmung würde seine „Friedensbemühungen“ zunichtemachen – obgleich diese Aussagen keinerlei Bezug zur Realität haben. Offensichtlich ging es Trump schlicht darum, Putins Geld vor europäischer Konfiskation zu retten – in der Hoffnung, dass der Präsident der Russischen Föderation ihm gegenüber milder gestimmt sein werde, wenn er den Wert dieses „Dienstes“ erkennt und die Möglichkeit von Geschäftsdeals der Trump-Familie und ihres engsten Umfelds mit dem Kreml offen bleibt.

Wir wissen, dass an diesem Wochenende genau solche Deals mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, Trumps Freund Steve Witkoff und dem Ehemann von Putins Tochterfreundin, Kirill Dmitriew, in Miami besprochen werden. Und genau so – als Familientreffen – sollte man diese „Verhandlungen“ betrachten, die nichts mit einem realen Friedensprozess zu tun haben.

Wie wir sehen, haben die Europäer diese Position der Vereinigten Staaten berücksichtigt. Zumal eine der radikalsten Trump-Unterstützerinnen – die italienische Premierministerin Giorgia Meloni, die zudem eine ultrarechte Partei führt, die jenen Bewegungen nahe steht, die Donald Trump in seiner Amtsführung unterstützen – sich dagegen aussprach, den Reparationenkredit ohne angemessene Rechtsgrundlage zu vergeben.

Was in diesem Fall eine „angemessene Rechtsgrundlage“ sein soll, müsste man noch entschlüsseln. Doch es war klar, dass die italienische Premierministerin, die kürzlich den Präsidenten der Vereinigten Staaten traf, die Position Donald Trumps selbst vermittelte und ihren europäischen Kollegen signalisierte, keine Entscheidung zu treffen, die zusätzliche Probleme in den ohnehin schwierigen Beziehungen des demokratischen Europas zu Trumps Vereinigten Staaten verursachen könnte.

Und nun haben wir im Ergebnis eine Kompromisslösung. Doch für die Ukraine bedeutet sie echte Gelder, die es uns ermöglichen, in den kommenden Kriegsjahren gegen Russland zu bestehen. Für die Ukraine ist dies ein klares Signal an Russland, dass seine Bemühungen, die ukrainische Wirtschaft zu zerstören, den ukrainischen Haushalt zu vernichten und die Ukraine ihrer Fähigkeit zur Gegenwehr gegen russische Aggression in den 2020er-Jahren des 21. Jahrhunderts zu berauben, nicht umgesetzt werden.

Insofern kann man sagen, dass dieser Kredit der Europäer – ein bedingter Kredit, natürlich – auch ein Weg zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges ist, wann immer dies geschehen mag. Denn er entwertet im Grunde die Kalkulation des russischen Präsidenten Putin, der auf einen Sieg in einem jahrelangen Abnutzungskrieg gesetzt hat, und zeigt, dass dieser Krieg mit dem Ziel, die ukrainische Staatlichkeit zu vernichten, in ein ebenso großes Fiasko münden kann wie Putins Blitzkrieg von 2022, der auf eine schnelle Lösung der ukrainischen Frage abzielte. Nur wird Putin dieses Mal allerdings viel mehr Zeit benötigen, um die Aussichtslosigkeit seines Bestrebens, die Ukraine zu zerstören, zu erkennen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Європейці дають гроші Україні | Віталій Портников. 19.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 19.12.2025.
Originalsprache: uk
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veröffentlicht auf

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Geld heute oder Blut morgen | Vitaly Portnikov. 18.12.2025.

Die Staats- und Regierungschefs der Länder der Europäischen Union kommen buchstäblich in diesen Minuten zu einer Sitzung zusammen, auf der Fragen im Zusammenhang mit der Unterstützung der Ukraine im Jahr 2026 geklärt werden sollen.

Bis zu diesem Moment waren praktisch alle Fragen im Zusammenhang mit dem EU-Gipfel bereits gelöst. Die gemeinsame Mitteilung wurde veröffentlicht. Doch der erste Punkt dieser Mitteilung – der Punkt, der die Ukraine betrifft – fehlt genau dort.

Die Staats- und Regierungschefs der EU haben zwei Wege, die Ukraine-Frage zu lösen. Der erste ist mit der Gewährung des sogenannten Reparationenkredits an die Ukraine verbunden. Es handelt sich dabei um eingefrorene Gelder der Russischen Föderation in Höhe von rund 130 Milliarden Euro. Dabei ist vorgesehen, dass die Ukraine diese Mittel irgendwann in Zukunft an die EU zurückzahlen soll, nachdem Russland ihr Reparationen für die Aggression gegen unser Land gezahlt hat.

Da wir alle sehr gut verstehen, dass Russland niemals seine aggressiven Handlungen eingestehen und kaum der Ukraine irgendwelche Reparationen zahlen wird, handelt es sich faktisch um die Konfiskation russischer Gelder, die sich in europäischen Depots befinden.

Zuvor haben die Vertreter der Europäischen Union bereits beschlossen, russische Vermögenswerte auf unbestimmte Zeit zu blockieren – was die Möglichkeit eröffnet, diese Entscheidung mit qualifizierter Mehrheit zu treffen. Doch es gibt erheblichen Widerstand seitens einer ganzen Reihe von EU-Mitgliedstaaten. Und man darf davon ausgehen, dass hinter diesen Ländern niemand Geringeres steht als der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump.

Die italienische Premierministerin Giorgia Meloni, die bekanntlich eine treue Anhängerin Trumps ist, betonte, dass die Übergabe russischer Vermögenswerte an die Ukraine ohne angemessene Rechtsgrundlage den ersten Sieg Putins in diesem Krieg bedeuten würde. Der Position Melonis schließt sich selbstverständlich auch der belgische Premierminister Bart De Wever an, der unterstrich, dass die EU seinem Land – in dem sich der Löwenanteil der russischen Vermögenswerte befindet – bislang keine hinreichenden rechtlichen Garantien gegeben habe. Und unter den übrigen Ländern, die sich selbstverständlich nicht an der Verteilung russischer Vermögenswerte beteiligen wollen, sind Ungarn, die Slowakei, Bulgarien, Malta, Tschechien.

Diese Diskussion verspricht also äußerst schwierig zu werden. Und davor sagte der polnische Premierminister Donald Tusk klar, es sei an der Zeit, diese Frage zu entscheiden, denn entweder Geld heute oder Blut morgen – darin besteht die Wahl für die Europäer.

Die zweite Variante sieht aus rechtlicher Sicht einfacher aus. Sie ist damit verbunden, dass die europäischen Staaten selbst der Ukraine 90 Milliarden Euro als Kreditsicherheit bereitstellen. Doch auch hier gibt es ein ernstes Problem: Anders als bei der Frage der russischen Vermögenswerte muss die Bereitstellung von Geldmitteln für die Ukraine aus Mitteln europäischer Steuerzahler auf dem EU-Gipfel einstimmig beschlossen werden. Und der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat bereits betont, dass er weder mit der Bereitstellung eines Reparationenkredits für die Ukraine noch mit der Bereitstellung von Mitteln europäischer Steuerzahler einverstanden sei.

Gegen die Verwendung europäischer Gelder zur Unterstützung der Ukraine ist auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, der betont, dass die Zuweisung von Geldern aus eingefrorenen russischen Vermögenswerten der einzige akzeptable Weg der Entwicklung sei.

Und in einer solchen Atmosphäre, in der keinerlei Einvernehmen zwischen den Staats- und Regierungschefs der EU besteht, während Präsident Volodymyr Zelensky bereits vor ihnen gesprochen hat und nun in Warschau gelandet ist, beginnt die wichtigste und verantwortungsvollste Diskussion im geschlossenen Rahmen unter den Staatsoberhäuptern der Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Ich würde sagen, dass dies in Wirklichkeit ein Test für die Europäer ist – wie sehr sie in der Lage sind, die Probleme des Kontinents und seine Sicherheit zu lösen, wenn die Amerikaner nicht da sind, wenn sie selbst die erwachsenen Menschen im Raum geworden sind, während die Vereinigten Staaten von einer launischen „Kindergestalt“ geführt werden, die bis heute nicht begreifen kann, wo sie sich im stürmischen 21. Jahrhundert befindet und ausschließlich an der Verherrlichung ihres eigenen Namens interessiert ist.

Und es ist gleichzeitig eine Situation, in der die Europäer sowohl aus Washington als auch aus Moskau unter Druck gesetzt werden. Und die Positionen von Donald Trump und Putin decken sich hinsichtlich der Schwächung der Möglichkeiten der Europäischen Union nahezu vollständig – denn beide Präsidenten hätten es gern mit einem schwachen Europa zu tun. Von der Angemessenheit der Position der EU-Staaten in ihrem Kampf um Hilfe für die Ukraine wird auch die Sicherheit des europäischen Kontinents abhängen.

Donald Tusk irrte sich keineswegs, als er sagte, dass, wenn die Europäer heute kein Geld für die Ukraine finden, sie morgen Blut vergießen müssen. Denn wenn die Ukraine, die heute die russischen Ambitionen auf dem europäischen Kontinent aufhält, fällt, werden sich der Appetit des russischen Präsidenten Putin und seiner von einem chauvinistischen Virus befallenen aggressiven Landsleute selbstverständlich keineswegs nur auf ukrainisches Territorium richten. Die Russen werden sich unbedingt daran erinnern, dass sie nach dem Zweiten Weltkrieg, als Stalins Sowjetunion zur Super-Imperium wurde, einen riesigen Teil Europas kontrollierten und den Westen mit der Möglichkeit eines Atomwaffeneinsatzes jederzeit nach Gutdünken der sowjetischen Führung einschüchterten.

Und natürlich waren die Forderungen des russischen Außenministeriums im Jahr 2021 an die Vereinigten Staaten und andere NATO-Mitgliedstaaten, die modernsten Waffen aus dem Gebiet der Länder abzuziehen, die 1997 der NATO beigetreten waren, keine leeren Worte geopolitischer Fantasten, sondern ernsthafte Pläne Putins – Pläne, die aus Sicht des Kremls heute viel realistischer und wichtiger geworden sind als vor vier Jahren.

Die Tatsache, dass auf dem Territorium von Belarus, in unmittelbarer Nähe zu NATO-Staaten, dieser berüchtigte „Oreschnik“ erschienen ist, zeugt ebenfalls völlig deutlich von den wahren Absichten der russischen politischen Führung und von ihrer Bereitschaft, den Krieg bereits im kommenden Jahr 2026 zu eskalieren.

Und wenn die Europäer entscheiden sollten, dass es wichtiger sei, Geld zu sparen und Risiken beim Einsatz beschlagnahmter russischer Vermögenswerte zu verringern, als der Ukraine bei der Abwehr der russischen Aggression zu helfen, dann werden die Bürger der EU-Länder und die Bewohner dieser Staaten aller Wahrscheinlichkeit nach sowohl die Schande als auch den Krieg bekommen – so, wie es in der Geschichte der Menschheit immer gewesen ist.


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Titel des Originals: Гроші сьогодні або кров завтра | Віталій Портников. 18.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 18.12.2025.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Ein rein russischer Mord | Vitaly Portnikov. 18.12.2025.

Der Botschafter der Russischen Föderation in Tadschikistan, Semjon Grigorjew, wurde in das Außenministerium dieses Landes einbestellt, um die sofortige und objektive Aufklärung des Mordes an einem zehnjährigen tadschikischen Jungen in einer Schule im Moskauer Umland zu verlangen. Die Außen- und Innenminister Tadschikistans stehen ebenfalls in Kontakt mit ihren russischen Kollegen und fordern eine objektive Ermittlung.

Nach den jüngsten Informationen aus Russland wurde der fünfzehnjährige Jugendliche aus derselben Schule, der das Kind angegriffen hat, festgenommen. Russische Propagandisten und Politiker versuchen den Anschein zu erwecken, der Mord an dem zehnjährigen Kamiljon habe keinerlei Zusammenhang mit der neonazistischen Propaganda und der Intoleranz, die in den vergangenen Jahren das russische gesellschaftliche und mediale Klima bestimmt haben. Mehr noch: Einige behaupten sogar, der Angreifer sei Opfer westlicher ideologischer Marker gewesen – und genau damit müsse man die Intoleranz erklären, die er nach eigenen Worten gegenüber Mitschülern „einer anderen Nationalität“ gezeigt habe.

Doch die Untersuchung jener Parolen, die der Jugendliche in seinen Briefen an Klassenkameraden verbreitete und die man während der Ermittlungen in seinem eigenen Zimmer fand, zeigt, dass keineswegs westliche Ideologie den jungen Mörder inspiriert hat. Der Slogan „Schlagt die Juden, rettet Russland“ ist wohl einer der deutlichsten Marker von Intoleranz und Hass – er spiegelt den tatsächlichen Zustand der russischen Gesellschaft wider, sowohl aus der Zeit des Russischen Imperiums als auch aus der Zeit des staatlichen Antisemitismus in der Sowjetunion – und ist selbstverständlich ein Marker von Fremdenfeindlichkeit und Hass gegenüber Menschen anderer Nationalität. Insofern ist dies ein rein russischer Mord.

Kamiljon ist nicht der erste Tadschike, der zum Opfer eines aus Rassenhass begangenen Verbrechens wird. Die ständige Schürung solcher xenophoben Stimmungen in der russischen Gesellschaft verstärkt sich, und dazu kommt der fortgesetzte russisch-ukrainische Krieg, in dem der Wert des menschlichen Lebens angesichts der Verbrechen, die die russische Armee auf ukrainischem Boden begeht, praktisch bei null liegt. Und wenn Wladimir Putin und andere Führungsfiguren des neonazistischen russischen Regimes den sogenannten „Heldentum des russischen Soldaten-Verbrechers“ verherrlichen, inspiriert das natürlich diejenigen, die an neonazistische und faschistische Parolen glauben und spüren, dass ihre Zeit gekommen ist.

Niemandem ist das offene Verächtlichmachen ein Geheimnis, dem Menschen aus zentralasiatischen Staaten in Russland ausgesetzt sind. Und das ist keineswegs nur die Ideologie derjenigen, die von der Notwendigkeit sprechen, Menschen zu vertreiben oder gar zu töten, die viele Russen als Bürger zweiter Klasse betrachten. Es ist, würde ich sagen, der Ausdruck gewöhnlicher spießbürgerlicher Psychologie, der Ausdruck von Verachtung, die Weigerung, Menschen anderer Herkunft als gleichwertig anzuerkennen.

Diese Haltung gegenüber „anderen“ wurde in der russischen – und davor in der sowjetischen – Gesellschaft über Jahre und Jahrzehnte kultiviert. Lediglich gab es zuvor keinen so intensiven Kontakt der Bewohner der Russischen Föderation mit den Bewohnern der Nachbarstaaten. Als aber neue Zeiten kamen und ein solcher Kontakt entstand, wurde er natürlich zu einem weiteren willkommenen Anlass für Fremdenfeindlichkeit.

Und vergessen wir nicht, dass die Menschen aus Ländern wie Tadschikistan nicht aus einem guten Leben nach Russland kommen. Die Mutter von Kamiljon arbeitete gleich in mehreren Jobs und versuchte, nach dem Tod ihres Mannes die Familie zu ernähren – einfach weil es in Tadschikistan für eine Frau, die ohne Ernährer dasteht, kaum wirtschaftliche Möglichkeiten gibt. Und oft trägt daran die Russische Föderation selbst eine wesentliche Schuld, die in den Nachbarstaaten Zentralasiens autoritäre Regime zu stützen versucht – Regime, die im Grunde mit den eigenen Landsleuten „handeln“, um ihre Macht zu erhalten und Tadschiken, Usbeken, Kirgisen und die Menschen anderer zentralasiatischer Länder zu echten „Gastarbeiter-Nationen“ machen.

So ergibt sich: In der Heimat kann man kaum überleben und ist gezwungen, in Russland Arbeitsmöglichkeiten zu suchen – in einem Land, dessen Einwohner einen verachten und hassen, ohne überhaupt zu bemerken, dass man Opfer der Handlungen eben jener eigenen Regierung ist, die sie selbst unterstützen, wenn es darum geht, die Hegemonie des chauvinistischen Russland im gesamten postsowjetischen Raum zu bewahren.

Und wenn diese Hegemonie nicht durch Zusammenarbeit mit autoritären Regimen aufrechterhalten werden kann, dann eben durch Krieg, dann durch Tod, dann durch Raketen, dann durch die Verbrechen russischer Soldaten in Butscha und anderen ukrainischen Städten, die längst zu Symbolen grausamer russischer Barbarei geworden sind.

Und so kommt es, dass in einer Schule im Moskauer Umland, in Gorki – über das man in sowjetischen Zeiten immer gern als den letzten Zufluchtsort eines anderen schrecklichen Blutsaugers, Wladimir Lenin, erzählte, der Kinder möglicherweise nicht weniger liebte als der Teenager, der Kamiljon tötete – ein weiteres standardmäßiges russisches Tötungsdelikt geschieht. Ein weiteres standardmäßiges russisches Verbrechen.

Und zugleich sehen wir, dass die russischen Behörden und die russische Propaganda keinerlei Schlüsse daraus ziehen werden. Sie werden weiterhin vom „zersetzenden westlichen Einfluss“ fabulieren, weiterhin Hass und Intoleranz im Fernsehen schüren, das in seiner Menschenverachtung andere Medien längst weit übertroffen hat – sogar die der nationalsozialistischen Deutschland –, und das offen den Medien des Dritten Reiches nacheifert.

Man braucht sich nur die Auftritte desselben Vladimir Solovyov oder Dmitry Kiselyov anzusehen, um sich an die widerwärtigsten, ekelhaftesten und niederträchtigsten Propagandisten der Nazis zu erinnern, die später in Nürnberg als Mitverantwortliche für Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt wurden.

Und selbstverständlich liegt die Verantwortung für den Tod des zehnjährigen tadschikischen Kindes auf all diesen Menschen – von Putin, der sein Land in ein Monster verwandelt hat, bis hin zum letzten Spießbürger, der Tadschiken oder Usbeken verachtet. All diese Menschen hielten jenes Messer in Händen, das am Ende in der Brust des tadschikischen Jungen steckte.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Чисто российское убийство | Виталий Портников. 18.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 18.12.2025.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach, veröffentlicht auf uebersetzungenzuukraine.data.blog.


Verhandlungen in Miami: Was ist zu erwarten | Vitaly Portnikov. 17.12.2025.

Das Magazin Politico berichtet, dass an diesem Wochenende in Miami Verhandlungen zwischen dem russischen Sondergesandten Kirill Dmitriew und den Sondervertretern des amerikanischen Präsidenten Steve Witkoff und Jared Kushner stattfinden werden.

Wie bekannt, waren Witkoff und Kushner zuvor in der russischen Hauptstadt und führten Gespräche mit Präsident Putin, um sich danach – nach diesen Verhandlungen – mit dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, und den Staats- und Regierungschefs europäischer Länder zu treffen.

Damit soll eine neue Runde amerikanisch-russischer Konsultationen stattfinden, damit die Vertreter der Vereinigten Staaten den Vertreter der Russischen Föderation über jene Vereinbarungen informieren, die während der Gespräche mit der ukrainischen Seite und mit den europäischen Regierungschefs erzielt werden konnten.

Doch es stellt sich die Frage, wie sehr Moskau daran interessiert ist, die Ergebnisse dieser Verhandlungen zu erfahren. Denn wir verstehen sehr gut, dass Kirill Dmitriew ganz und gar nicht derjenige ist, der Entscheidungen trifft. Im besten Fall kann er als eine Art „Briefkasten“ für den russischen Präsidenten Putin auftreten. Doch Dmitriew ist definitiv nicht derjenige, der Entscheidungen über die Fortsetzung der Kampfhandlungen, über territoriale Ansprüche der Russischen Föderation, über das Schicksal des Kernkraftwerks Saporischschja oder über Sicherheitsgarantien für die Ukraine treffen könnte.

Und allein die Tatsache, dass Putin erneut Dmitriew in die Vereinigten Staaten entsendet, zeigt vor allem, dass er die Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten in die Länge ziehen möchte – um Donald Trump von neuen scharfen Schritten abzuhalten, die zu einer Verschärfung der Sanktionspolitik gegen die Russische Föderation führen könnten, und natürlich, um den Schwerpunkt auf wirtschaftliche Geschäfte zu legen, die nach Ansicht des russischen Staatschefs ein guter Anreiz für amerikanische Sondergesandte sein könnten, die in erster Linie am Geschäft und erst danach an Politik interessiert sind.

Natürlich kann man grundsätzlich sagen, dass sich die Situation bislang nach Putins Szenario entwickelt. Denn Donald Trump bot vom ersten Tag seiner Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten dem russischen Präsidenten an, das Feuer an der russisch-ukrainischen Front einzustellen und danach über Friedensbedingungen zu verhandeln. Putin war kategorisch dagegen und drängte Trump letztlich das entgegengesetzte Szenario auf: „Lassen Sie uns über Friedensbedingungen sprechen. Und erst dann, wenn diese Friedensbedingungen erreicht sind und wenn die sogenannten Sicherheitsbedenken der Russischen Föderation beseitigt sind, kann man von einem Waffenstillstand sprechen.“ Und was wir jetzt beobachten, ist genau die Umsetzung eben dieses putinschen – und nicht des trumpschen – Szenarios.

Und dabei lässt sich die Zeit perfekt hinauszögern. Meiner Ansicht nach wurde Dmitriew genau deshalb zum Sondergesandten des russischen Präsidenten und zum Leiter des Direktinvestitionsfonds ernannt – um dieses Hinauszögern sicherzustellen, denn Dmitriew kann während der Gespräche mit Witkoff und Kushner keinerlei reale Entscheidungen treffen. Aber er kann ein paar optimistische Posts in den sozialen Netzwerken schreiben, ein paar Interviews den amerikanischen Medien geben, in denen er betonen wird, dass er optimistisch gestimmt sei in Bezug auf die Fortsetzung des russisch-amerikanischen Dialogs. Er kann amerikanischen Journalisten auch neue Dokumente und Entwürfe von Friedensplänen vorlegen, die ihm die Präsidialadministration der Russischen Föderation noch vor seinem Abflug in die Vereinigten Staaten in die Hand drücken wird.

Und dann kommen die Neujahrsfeiertage, und man kann Witkoff und Kushner anbieten, sich erneut mit der ukrainischen Seite zu treffen, um diese Vorschläge zu erörtern, die von den Russen während der Konsultationen in Miami übergeben werden. Man wird sich erneut mit den amerikanischen Vertretern treffen können, nachdem sie eine weitere Gesprächsrunde mit ukrainischen Experten abgehalten haben. All das wird dann bereits im Januar oder Februar 2026 stattfinden. Und während dieser Verhandlungen werden – wie es sich der auf einen jahrelangen Krieg eingestellte Putin wünscht – die Kampfhandlungen weitergehen.

Welchen Sinn haben dann die Treffen zwischen Witkoff und Kushner mit Dmitriew? Ausschließlich den Zweck, Donald Trump die Illusion zu verschaffen, es finde ein realer Friedensprozess statt und Putin sei zu Frieden bereit. Ausschließlich den Zweck, damit der Präsident der Vereinigten Staaten bei seinen Pressekonferenzen mit amerikanischen Journalisten weiterhin behaupten kann, Russland sei am Friedensprozess interessiert und er sei bereit, gemeinsam mit Putin den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden.

Während dessen werden die realen Ereignisse in der realen Welt nicht verändern. Es werden weiterhin russische Angriffe auf die Stellungen der ukrainischen Verteidigungskräfte in den ukrainischen Regionen stattfinden. Es werden Raketenangriffe auf die ukrainische Infrastruktur und Drohnenstarts weitergehen. All das, woran Putin tatsächlich interessiert ist.

Hier stellt sich natürlich die zentrale Frage, wann in Washington die völlige Ergebnislosigkeit dieser Versuche erkannt wird – und wann man versteht, dass das wichtigste Mittel für Frieden in einem intensiveren und ernsthaften Sanktionsdruck auf den russischen Präsidenten Putin liegt, ebenso wie in der Lieferung jener Waffen an die Ukraine, die die wichtigsten Objekte für das Funktionieren der militärischen und energetischen Maschinerie der Russischen Föderation zerstören könnten? Wie viele Gespräche mit Dmitriew werden Witkoff und Kushner noch benötigen, um diese einfache Tatsache zu begreifen, die offenbar jeder versteht, der den Verlauf des russisch-ukrainischen Krieges verfolgt?

Doch Dmitriew reist gerade deshalb nach Miami, damit ein solcher Gedanke in den Köpfen jener amerikanischen Politiker, die Donald Trump nahestehen, noch recht lange nicht entsteht. Und auch sie selbst sind offensichtlich nicht daran interessiert, eindeutige Urteile zu fällen. Denn von der Abwesenheit solcher eindeutigen Urteile hängt ihr eigenes Renommee im Weißen Haus ab.

Und noch einmal: Wir sollten verstehen, dass ein institutioneller Verhandlungsprozess nicht zwischen Menschen stattfinden kann, die nichts entscheiden. Man sollte sich daran erinnern, dass der Gipfel Trump–Putin in Budapest abgesagt wurde, nachdem die beiden wichtigsten Diplomaten miteinander gesprochen hatten: der US-Außenminister Marco Rubio und der Außenminister der Russischen Föderation Sergej Lawrow.

Und als sich herausstellte, dass die Präsidenten konkrete Entscheidungen treffen müssten – und als klar wurde, dass Lawrow Rubio nichts anbieten konnte außer der harten, kompromisslosen Position der Russischen Föderation –, da musste Trump auf ein weiteres Treffen mit Putin verzichten, um ein außenpolitisches Fiasko und negative Kommentare in den amerikanischen Medien zu vermeiden.

Und wenn sich Menschen treffen, die für nichts Besonderes verantwortlich sind und die keine offiziellen Amtsträger sind – wenn also der Ehemann von der Freundin Putins Tochter mit dem Ehemann von Trumps Tochter spricht –, kann man über beliebige Projekte reden, die nichts mit der Realität zu tun haben – sozusagen auf familiärer Ebene –, ohne überhaupt darüber nachzudenken, welche realen politischen Folgen das haben kann und ob es tatsächlich zur Beendigung des Krieges führen wird. Hauptsache, die Auftraggeber sind zufrieden.

Für Witkoff und Kushner ist das Donald Trump, für Dmitriew ist es Putin. Und genau zur Zufriedenstellung ihrer Auftraggeber werden sie ihre Treffen in Miami fortsetzen – Treffen, die echten Verhandlungen zwischen Politikern, die Fragen von Krieg und Frieden entscheiden können, nur sehr wenig ähneln.


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Titel des Originals: Перемовини в Майамі: чого очікувати | Віталій Портников. 17.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 17.12.2025.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Putin spuckt auf Trump | Vitaly Portnikov. 17.12.2025.

Der Präsident der Russischen Föderation trat bei der Kollegiumssitzung des russischen Verteidigungsministeriums mit einer weiteren kriegerischen Rede auf. Putin versprach, alle sogenannten Ziele der „Sondermilitäroperation“ zu erreichen und betonte, dass, falls dies nicht auf diplomatischem Wege gelingen sollte, die sogenannten historischen Territorien Russlands mit Gewalt „befreit“ würden. Welche historischen Territorien das sein sollen, präzisiert das russische Staatsoberhaupt dabei wie gewohnt nicht.

Putin prahlte mit „Poseidons“, „Burewestniks“, „Oreschnik“ (Anm.: Namen russischer Waffensysteme bzw. Projekte) und widmete besondere Aufmerksamkeit den angeblichen Heldentaten der russischen Militärs, die weiterhin – wie er sich ausdrückt – Ortschaften auf unserem Territorium, also auf dem Territorium der Ukraine, „befreien“.

Putin ging zu direkten Drohungen gegenüber den Europäern über und beschuldigte sie, sich auf einen Krieg mit Russland vorzubereiten; er unterstrich, dass Russland selbst bereit sei, auf jede Stufe der Gefahr zu antworten. Mit ähnlichen Anschuldigungen gegenüber dem Westen und den Europäern trat auch der Leiter des russischen Verteidigungsministeriums, Andrei Beloussow, auf, der ebenfalls bei dieser Kollegiumssitzung sprach.

In Tonfall und Inhalt wäre an diesen Auftritten nichts Sensationelles, wenn sie sich nicht vor dem Hintergrund der sogenannten Friedensverhandlungen ereigneten, die derzeit zwischen der Ukraine, den Vereinigten Staaten und den europäischen Ländern stattfinden. Und während die Vereinigten Staaten weiterhin mit Kyiv die Parameter von Sicherheitsgarantien für die Ukraine und das Schicksal der Territorien diskutieren, die heute von der ukrainischen Armee kontrolliert werden, äußerte der russische Präsident nicht einmal den geringsten Wunsch, den Krieg zu beenden. In seiner Rede fand sich kein Platz für den Friedensprozess oder die amerikanische Vermittlung. Im Gegenteil – man kann von einem bewussten und harten Anheizen der Spannungen sprechen.

Und damit beschäftigen sich natürlich nicht nur Putin und Beloussow. Wie bekannt ist, traten bereits im Vorfeld dieser Rede des russischen Präsidenten sowohl der russische Außenminister Lawrow als auch sein Stellvertreter Rjabkow sowie Putins Sprecher Peskow mit ähnlichen Erklärungen auf. Offensichtlich kannten sie den Inhalt der Rede genau, die Putin beim Kollegium des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation halten würde.

Hier stellt sich eine völlig logische Frage. Wir verstehen, womit sich die ukrainische Diplomatie beschäftigt – sie versucht, sich nicht mit der Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu überwerfen vor dem Hintergrund der fortgesetzten friedensstiftenden Bemühungen Donald Trumps. Doch das Interessanteste ist, womit sich die amerikanische Administration selbst beschäftigt.

Wenn nach dem Aufenthalt von Steve Witkoff und Jared Kushner in der russischen Hauptstadt der Tonfall der Äußerungen des russischen Präsidenten hinsichtlich der Verschärfung der Spannungen sich nicht einmal um ein Jota verringert hat – ich würde sogar sagen, er hat sich verstärkt, denn genau seit dieser Zeit begann Putin systematisch, Europa mit Krieg zu drohen –, dann bedeutet das, dass auf irgendwelche realen Kompromisse mit der Russischen Föderation nicht zu hoffen ist. Umso mehr, als die Russen ihre Absicht nicht verbergen, sogenannte historische russische Länder zu befreien. Und zu diesen „historischen russischen Ländern“ kann man natürlich alles zählen, was der Kreml gerade will.

In einer solchen Situation sind keineswegs nur das Donezker Gebiet oder Saporischschja betroffen, sondern auch das Gebiet Kyiv, Schytomyr, Wolhynien und sogar Galizien könnten als historisches russisches Land ausgerufen werden. Und übrigens ist so etwas im Verlauf der russischen Geschichte mehr als einmal geschehen. Es genügt, sich anzusehen, was die Russen während des Ersten Weltkriegs als uraltes russisches Land betrachteten und wie sie sich über die „Heimkehr“ Lembergs freuten. Dann stellt sich die Frage, über welche diplomatischen Abmachungen und mit wem wir heute eigentlich sprechen.

Möglicherweise wissen amerikanische Beamte über Putins Stimmungen mehr als wir. Viele mögen das denken, wenn sie verfolgen, wie sich die Verhandlungen zwischen ukrainischen und amerikanischen Diplomaten entwickeln. Oder vielleicht wollen weder Witkoff noch Kushner – ebenso wenig wie Zelensky, Macron oder Merz – den amerikanischen Präsidenten Donald Trump reizen, der weiterhin in seiner eigenen Realität lebt, fern von den tatsächlichen Absichten Putins.

Und während Putin mit offentlichen Reden auftritt, die auf die Fortsetzung der Aggression gegen die Ukraine und die Zerstörung eines Nachbarstaates zielen, versucht Trump weiterhin, alle – und offensichtlich auch sein Umfeld – davon zu überzeugen, dass der russische Präsident Frieden wolle und den Krieg beenden wolle.

Doch keinerlei reale Beweise dafür sehen wir bislang. Wir sehen keine diplomatischen Erklärungen irgendeines Vertreters der russischen Führung, die von Friedensbereitschaft zeugen würden. Und wenn schon Putin selbst mit kriegerischen Aussagen auftritt, ist es überhaupt nicht interessant, welche Erklärungen andere russische Beamte abgeben.

Wir sehen, dass Russland den Vormarsch auf ukrainischem Boden fortsetzt und versucht, möglichst viele Ortschaften der Ukraine zu besetzen. Und wir verstehen sehr gut, dass es dabei keineswegs nur um jene ukrainischen Regionen geht, die nicht nur teilweise besetzt, sondern auch von der Terrorföderation annektiert wurden. Der Feind versucht auch in den Gebieten Sumy, Charkiw und Dnipropetrowsk vorzurücken. 

Und wir verstehen warum: damit man dort seine Scheinreferenden abhalten, die „Angliederung“ dieser ukrainischen Gebiete an Russland verkünden und in der nächsten Phase des Kampfes den Abzug der ukrainischen Streitkräfte aus diesen Regionen verlangen kann. Die berühmte „Salami-Taktik“ Putins, die vom russischen Präsidenten unmittelbar nach dem Fiasko des Blitzkriegs 2022 gewählt wurde.

Wir sehen die fortgesetzte Zerstörung ukrainischer Infrastruktur. Odesa hat sich noch immer nicht von einem massiven Angriff erholt, andere ukrainische Städte leiden weiterhin unter infrastrukturellen Problemen. Wo sehen wir bei den Russen den Wunsch, Frieden zu erreichen? Und wo sehen wir bei den Russen die Bereitschaft, an jenem Verhandlungsprozess teilzunehmen, der sich in den letzten Wochen nach der Veröffentlichung des sogenannten Trump-Plans ereignet?

Höchstwahrscheinlich bleibt die gesamte angebliche Bereitschaft der Russen, diesen Plan zu diskutieren, nur eine Nebelwand – vor dem Hintergrund der Absicht, den russisch-ukrainischen Krieg als Abnutzungskrieg fortzusetzen, so lange, wie der russische Staatschef dafür Geld und Menschen zur Verfügung hat, die bereit sind, ukrainische Bürger für blutige Putin-Rubel zu töten.


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Titel des Originals: Путін плює на Трампа | Віталій Портников. 17.12.2025.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 17.12.2025.
Originalsprache: uk]
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Die Flucht vor der Wahrheit. Vitaly Portnikov. 17.12.2025.

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Schon in den Jahren meiner aktiven journalistischen Arbeit in Russland habe ich mich davon überzeugt, dass Zynismus und die Verdrehung von Begriffen untrennbare Merkmale der russischen politischen Kultur sind.

Deshalb „übersetze“ ich gewohnheitsmäßig das, was öffentlich oder sogar in einem privaten Gespräch gesagt wird, um zu verstehen, was der jeweilige politische Akteur tatsächlich sagen oder tun will – unabhängig von seinen deklarierten Überzeugungen.

Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass die Weigerung eines Teils der russischen Gegner des Putin-Regimes, die Berliner Erklärung zu unterzeichnen, keineswegs damit zu tun hat, dass diese Erklärung von Chodorkowski oder von irgendwem sonst verfasst wurde. Sondern damit, dass Wladimir Kara-Murza, Ilja Jaschin oder eine hypothetische Julija Nawalnaja auf institutioneller Ebene die Aggression ihres Landes gegen die Ukraine nicht verurteilen und sich nicht mit echter – und nicht bloß imitierter – gesellschaftlicher Aktivität befassen wollen.

Denn diese Menschen haben sich eine Realität ausgedacht, in der sie auf dem Wahlweg Anspruch auf Macht in Russland erheben und ihren potenziellen Wähler nicht verärgern dürfen. Das ist die Welt, in der sie leben. Aber das ist nicht die reale Welt, in der Ukrainer durch Raketen und Kugeln sterben.

Und ich verstehe sehr gut, warum Garri Kasparow außer sich geraten ist. Bei einem normalen Menschen können Zynismus und Lüge nur Wut hervorrufen. Und Garri hat immer so reagiert. Vielleicht wird jemand sagen, dass er deshalb ein schlechter Politiker ist.

Aber wenn du beanspruchst, ein Land zu vertreten, in dem es überhaupt keine Politik gibt, musst du kein guter Politiker sein. Du musst ein anständiger Mensch sein und zumindest an deine eigene Ehre denken – denn das ist letztlich das Beispiel für jene, die auf Ehre und Würde verzichtet haben.

Man muss zumindest lernen, nicht zu lügen.


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Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 17.12.2025.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Friedensverhandlungen: Womit ist zu rechnen | Vitaly Portnikov. 16.12.2025.

Wir setzen mit Ihnen unseren, man kann sagen, fast täglichen Marathon fort, der dem gewidmet ist, was sich künftig mit dem Friedensprozess im russisch-ukrainischen Krieg ereignen wird. Und natürlich müssen wir klar verstehen, warum wir so viel darüber sprechen und wie die Lage bei der Regelung jetzt aussieht.

Zunächst hängt das damit zusammen, dass viele Menschen große Hoffnungen haben, dass der Krieg infolge der Verhandlungen, die zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten stattfinden, und manchmal zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation, enden könnte. Und dass wir doch noch Frieden in einem Konflikt erleben werden, der bald schon 12 Jahre andauert, und in einem großen Krieg, der bald schon vier Jahre andauert.

Und natürlich gibt es den Satz, der viele Politiker charakterisiert, die Ihnen sagen können, dass es Dinge gibt, die wichtiger sind als Frieden. Obwohl es in Wirklichkeit natürlich nichts Wichtigeres als Frieden im menschlichen Leben gibt. Aber in einer Situation, in der es keine realen Perspektiven für eine Regelung gibt, erscheinen tatsächlich Dinge, die wichtiger sind als Frieden. Und vor allem können wir darüber sprechen, was passiert, wenn Sie so wollen, in einer Situation, in der wir nach einem Modell amerikanisch-ukrainischer Verhandlungen suchen, das der amerikanischen Administration nicht die Möglichkeit gibt, ausgerechnet uns und die Europäer für das Scheitern des Friedensprozesses verantwortlich zu machen und so alle Bedingungen dafür zu schaffen, die Hilfe für die Ukraine einzustellen, den Austausch von Aufklärungsdaten mit der Ukraine einzustellen, den Verkauf von Waffen auf Kosten der Europäischen Union einzustellen.

Deshalb muss die Ukraine in diesem Prozess, kann man sagen, eine doppelte Aufgabe lösen. Erstens: tatsächlich für einen realen Friedensvertrag zu kämpfen, der zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges führen würde, falls Bedingungen entstehen, die dazu führen, dass ein solcher Vertrag tatsächlich angenommen wird, wenn Russland gezwungen sein wird, zuzustimmen, dass der Krieg beendet werden muss. Wenn aber keinerlei Bedingungen entstanden sind, damit Russland bereit wäre, den Krieg zu beenden, gibt es eine andere Aufgabe, nicht weniger wichtig: die amerikanische Unterstützung und die Unterstützung des Westens zu bewahren.

Und das Allerwichtigste im Rahmen dieser Unterstützung ist, den Druck auf die Russische Föderation zu erhöhen, was ebenfalls eine ziemlich wichtige Voraussetzung für die weitere Entwicklung der Ereignisse in diesem Verhandlungsprozess ist. Und ich würde sagen, dass wir heute zum ersten Mal auf relativ hoher Ebene die russische Reaktion auf das gesehen haben, was rund um den Friedensprozess passiert.

Wir sprechen viel darüber, dass das reale Friedensverhandlungen seien. Und wenn schon die Amerikaner sie führen, dann wissen sie doch ganz genau, dass die Russen grundsätzlich bereit sind, den Krieg zu beenden. Sie suchen einfach für die Russen solche Bedingungen, die ihnen die Möglichkeit geben würden, diesen Krieg tatsächlich zu beenden.

Was kann man zu diesem Schluss sagen? In Wirklichkeit sehen wir jetzt, wenn wir realistisch sprechen, dass russische Beamten weiterhin all diese Erklärungen wiederholen, die wir von ihnen seit 2022 gehört haben. Die erste davon kam vom Außenminister der Russischen Föderation Sergej Lawrow, der klar sagte, dass die Russen zufrieden seien, dass die Amerikaner verstehen, dass vor allem die Frage der „Ursachen“ des Konflikts gelöst werden müsse.

Und hier kommt die Frage auf: Was genau ist mit diesen „Ursachen“ gemeint? Allein die Tatsache der Existenz unseres Staates? Oder dass die Ukrainer ihren eigenen politischen Kurs verfolgen wollen, dass sie nicht in Integrationsbündnissen sein wollen, die Russland geschaffen hat, um die ehemaligen sowjetischen Republiken zu zähmen? Oder dass in der Ukraine überhaupt Ukrainisch und nicht Russisch gesprochen wird – was im chauvinistischen Russland als Ursache des Konflikts gilt, nämlich die Existenz der Ukraine selbst?

Lawrow sprach auch davon, dass dies die Frage des Beitritts der Ukraine zur NATO sei, ebenfalls ein Teil der Ursachen des Konflikts. Wie bekannt ist, hat das Außenministerium der Russischen Föderation 2021 eine entsprechende Erklärung an das US-Außenministerium gerichtet, dass die NATO sich verpflichten müsse, sich nicht auf Kosten der ehemaligen sowjetischen Republiken zu erweitern. Damals wurde der russischen Führung klar gesagt, dass sie nicht auf die Entscheidungen der NATO einwirken könne. Gleichzeitig wurde vom Präsidenten der Vereinigten Staaten Joe Biden vorgeschlagen, als er entsprechende virtuelle Gespräche mit Putin führte, reale Gespräche über die Sicherheit in Europa zu beginnen. Und wie bekannt ist, lehnte Putin diese Gespräche ab.

Ich denke ehrlich gesagt manchmal, wenn Donald Trump sagt, dass es den Krieg nicht gegeben hätte, wenn er Präsident gewesen wäre, meint er, dass er Putins Ultimatum sicher angenommen hätte, weil ein Teil seines Friedensplans genau in der Zustimmung zu Putins Ultimatum besteht: dass die Vereinigten Staaten eine völlig klare Verpflichtung übernehmen, den Beitritt der Ukraine zur NATO zu blockieren, und so würden Russlands Sorgen über seine Sicherheitsprobleme ausgeräumt.

Aber wir verstehen doch, dass das kompletter Unsinn ist, weil Russland sich in Wahrheit absolut nicht darum sorgt, wer NATO-Mitglied sein wird, und überhaupt nicht glaubt, dass die NATO Russland bedroht. Nein. In Russland glaubt man, es sei unmöglich, eine Situation zuzulassen, in der der Kreml nicht über die Besetzung der ehemaligen sowjetischen Republiken entscheiden könnte. Und aus dieser Sicht kann der Beitritt der Ukraine zur NATO tatsächlich den Kremlplänen im Weg stehen.

Aber jetzt sehen wir, dass die Amerikaner nicht nur sagen, dass sie den Beitritt der Ukraine zur NATO nicht zulassen werden, sondern zugleich bereit sind, mit uns Sicherheitsgarantien zu besprechen, die einen juristischen Charakter haben werden. Das heißt faktisch der Ukraine die Möglichkeit geben, auf ein reales amerikanisches Eingreifen im Falle eines erneuten Angriffs Russlands zu hoffen. Und ich verstehe bis heute nicht, warum man in Moskau einem solchen Verlauf zustimmen sollte, wenn die zentrale russische Idee darin besteht, jede Form eines amerikanisches Eingreifens in einer Situation zu verhindern, in der Russland reif für die endgültigen Besetzung der Ukraine wird.

Eine weitere Erklärung – wir haben sie auch gehört – ist die Erklärung des stellvertretenden Außenministers der Russischen Föderation Sergej Rjabkow, des Mannes, der gerade für die amerikanisch-russische Verhandlungsschiene zuständig ist. Rjabkow sagte klar, dass es keinerlei Kompromisse bezüglich der Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja geben könne. Über die Krim rede überhaupt niemand. Sie wurde von Russland schon 2014 annektiert. Und wie bekannt ist, wollte die russische Führung nie über die Krim und ihren Status sprechen.

Aber jetzt sind zu den Territorien, über die niemand sprechen wird, noch vier weiteren ukrainische Regionen hinzugekommen. Und übrigens: Nach Rjabkows Worten kehre ich wieder zu der Frage zurück, die ich ständig zu stellen versuche: „Woher kommt diese Idee, dass wenn die Ukraine Territorium im Gebiet Donezk abtritt, danach nicht die Saporischschja und Cherson an die Reihe kommt?“ Aus der Sicht des sogenannten Verfassungsrechts der Russischen Föderation sind diese vier Regionen ein untrennbarer Teil Russlands, genauso föderale Subjekte wie das Gebiet Brjansk oder Kursk. Und es stellt sich die Frage: Wenn Russland die ukrainischen Truppen auf dem Territorium der Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja als Besatzungstruppen betrachtet, warum sollte Moskau verlangen, dass die ukrainischen Truppen nur das Gebiet Donezk verlassen, die Gebiete Cherson und Saporischschja aber weiterhin halten?

Und wir verstehen, dass es dann um einen eingefrorenen Konflikt gehen wird – und darum, dass die Russen nach einem solchen eingefrorenen Konflikt immer glauben werden, ein Teil russischen Territoriums werde weiterhin von der Ukraine besetzt, und sie werden nur auf den Moment warten, um wieder anzugreifen.

Und hier gibt es immer eine gute Frage: Werden unsere Sicherheitsgaranten bereit sein, an einem Krieg teilzunehmen, wenn es genau um die Territorien der Gebiete Cherson und Saporischschja geht? Und wird Russland wirklich einem Friedensvertrag zustimmen, in dem die Rückgabe seiner sogenannten Territorien Cherson und Saporischschja nicht vorgesehen ist?

Tatsächlich ist das eine ziemlich ernste Frage, weil ich den Verdacht habe, dass sobald die Ukraine der amerikanischen Idee zustimmt, dass die ukrainischen Truppen das Gebiet Donezk verlassen müssen, sofort eine Situation in Zusammenhang mit den Gebieten Cherson und Saporischschja entstehen kann. Das ist der zentrale Punkt, der mit dem russisch-ukrainischen Krieg und der amerikanischen Vermittlung verbunden ist.

Amerikanische Vermittler können das einfach nicht verstehen, weil sie – wie es oft in Verhandlungen mit Leuten wie Putin passiert – auf ein Ehrenwort oder putinsche Garantien hoffen. Aber Putin kann denken, dass er auch in Verhandlungen mit Witkoff und Kushner die Salamitaktik anwenden kann – wie er sie bei der Besetzung neuer ukrainischer Regionen anwendet.

Heute verlangt Russland den Abzug der Truppen aus der Donezk-Region. Morgen ist die Reihe Cherson, und übermorgen – wenn es den russischen Truppen gelingt, von neuen Positionen im Donezk-Gebiet in andere ukrainische Regionen durchzubrechen – wird es там тоже Referenden geben, auch da wird man die Schaffung von irgendwelchen unabhängigen Staat „Dnipropetrowsk“ oder „Poltawa“ verkünden. Und auch diese Regionen werden teilweise von der Russischen Föderation annektiert werden, und dann wird man verlangen, dass die ukrainischen Truppen das gesamte Territorium dieser Gebiete verlassen.

Das heißt: Für mich ist das tatsächlich ein Schritt in eine Sackgasse. Und ich verstehe nicht sehr gut, wie diese Sackgasse in Zukunft real aussehen wird. Zumal wir aus den Worten des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky gesehen haben, dass die Verhandlungen mit den Amerikanern genau über das Territorium des Gebiets Donezk gehen. Und wir sehen jetzt schon keine entschlossene Ablehnung der Fortsetzung solcher Verhandlungen.

Zelensky betont, dass die Ukraine weder faktisch noch juristisch auf das Gebiet Donezk verzichten wird. Aber gleichzeitig, wenn wir die Frage des Status dieses Territoriums der Donezk-Region diskutieren, das heute unter ukrainischer Kontrolle steht, sehen wir, dass die Russen wollen, dass das gesamte Territorium von Russland kontrolliert wird. Wir wollen die Kontrolle über den Teil des Territoriums behalten, der jetzt von den ukrainischen Streitkräften kontrolliert wird. Und die Amerikaner schlagen uns vor, eine sogenannte Freie Wirtschaftszone zu schaffen, was im Grunde eine Wiederholung der Logik der Minsker Abkommen ist.

Und hier zeigt sich ein weiterer Moment für die weitere Entwicklung der Ereignisse. Die Russen sind nicht dagegen, dass es eine Freie Wirtschaftszone oder eine entmilitarisierte Zone gibt, aber sie, nach den Worten eines anderen hochrangigen russischen чиновника Jurij Uschakow zu urteilen, würden gern haben, dass in dieser Zone die Russische Nationalgarde steht.

Stellen wir uns vor, Witkoff und Kushner überzeugen Putin davon, dass es keinerlei russische Einheiten auf diesem Territorium geben wird, oder dass dort internationale Friedenstruppen stehen werden, irgendeine lokale „Volks-Polizei“. Das würde trotzdem bedeuten, dass dies eine Übergangsphase zum faktisch Verlust unserer Kontrolle im Gebiet Donezk ist.

Ich rede schon gar nicht von den ständigen Gesprächen darüber, dass man ein Referendum abhalten müsse und dass bei diesem Referendum das ukrainische Volk über das Schicksal des Territoriums entscheiden solle. Stellen wir uns vor, dass tatsächlich irgendeine Gesetzgebung eingeführt wird, die es erlaubt, in Kriegszeiten ein Referendum abzuhalten. Erstens: Wer hat gesagt, dass die überwältigende Mehrheit der Ukrainer damit einverstanden sein wird, dass das Territorium, auf dem heute ukrainische Truppen stehen, Russland übergeben wird und dass wir die besetzten Territorien überhaupt juristisch als russisch anerkennen? Ich denke, die überwältigende Mehrheit der ukrainischen Wähler wird entschieden Nein sagen. Aber selbst wenn sie nicht Nein sagt – obwohl ich wenig daran glaube – sagen Sie bitte: Wie stellen Sie sich die Umsetzung eines solchen Beschlusses vor, wenn die ukrainische Verfassung Änderungen während des Kriegs- und Ausnahmezustands direkt verbietet?

Das heißt: Selbst um irgendwelche Änderungen durchzuführen, muss man den Krieg beenden und den Kriegszustand aufheben. Und Putin hat nicht vor, den Krieg zu beenden, bevor nicht juristisch die Frage der Anerkennung der Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja als Teile der Russischen Föderation gelöst ist. Und natürlich der Krim.

Und glauben Sie, Putin versteht das nicht? Er versteht es sehr gut. Er treibt die Situation absichtlich in eine Sackgasse, um sich die Möglichkeit zu sichern, den Krieg Russlands gegen die Ukraine fortzusetzen. Das ist die ganze Logik.

Und der nächste Moment, der ein solcher Lackmustest für die russischen Wünsche war, ist die Antwort des Kreml auf die Initiative des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz, der wenigstens einen Weihnachts-Waffenstillstand vorgeschlagen hat, im die Menschen während der Neujahrsfeiertage nicht zu terrorisieren.

Wir erhielten die zynische Antwort des Sprechers von Präsident Putin, Peskow, der sagte, dass Russland in Wirklichkeit Frieden wolle und deshalb an keinerlei Waffenstillständen interessiert sei, während derer die Ukrainer ihre Kräfte wiederherstellen könnten, um der russischen Aggression zu widerstehen. Meiner Meinung nach ist das eine absolut klare Antwort, die eindeutig zeigt, dass man in Russland nicht einmal darüber nachdenkt, die Kampfhandlungen zu beenden – nicht einmal für eine Minute.

Und das ist dieser Lackmustest, von dem ich mehrere Male gesprochen habe. Wenn jemand echten Frieden will, beginnt alles mit einem Waffenstillstand, sogar mit einem vorhandenen Waffenstillstand. Wenn jemand echten Frieden nicht will, gibt es so keinerlei Gründe zu glauben, dass irgendwelche Friedensverhandlungen laufen.

Wenn Russland wirklich an irgendeinen Waffenstillstand, an Frieden gedacht hätte, hätten sie natürlich Weihnachten genutzt. Nicht einmal, damit die Ukrainer diese Feiertage ruhig feiern, sondern damit die Russen sie ruhig feiern. Denn auch gegen der russische Regionen werden Schläge durch ukrainische Drohnen geführt, Ölraffinerien brennen, Explosionen sind уже in der Umgebung der russischen Hauptstadt selbst zu hören. Und selbst das berühmte Luftabwehrsystem Moskaus hilft nicht.

Es scheint, eine Landesführung, die sich um ihre Mitbürger sorgt, hätte über die Notwendigkeit nachdenken müssen, dass es zumindest einen bedingten Prozess gibt, der den Menschen erlaubt, ruhig zu feiern.

Nein, das brauchen die Russen absolut nicht, weil sie auf die Fortsetzung des Krieges fixiert sind und glauben, dass die Erschöpfung der Ukraine ihnen die Möglichkeit geben wird, dem Bestehen eines feindlichen Staates ein Ende zu setzen. Und das ist die Logik, über die ich ständig spreche, wenn ich diesen Friedensprozess kommentiere.

Verstehen Sie eine einfache Sache. Der Nahe Osten ist eine Region, in der Donald Trump wirklich echten Erfolg erzielt hat. Aber dieser Waffenstillstand ist kein Friedensabkommen zwischen Israel und Hamas. Und zweimal wurden reale Entscheidungen über einen Waffenstillstand erreicht. Und die erste Phase des letzten Abkommens im Nahen Osten war ein Waffenstillstand Israels und die Freilassung israelischer Geiseln, die seit dem 7. Oktober 2023 von der terroristischen Organisation Hamas festgehalten wurden. Und dann kommt die nächste Phase, nachdem die erste Phase erfüllt ist und nachdem es keine groß-angelegten Angriffe mehr gibt, die die Konfliktparteien austauschen.

Jetzt passiert überhaupt nichts Ähnliches. Die Amerikaner selbst stimmen der Idee eines Energie-Waffenstillstands, eines Waffenstillstands auf See nicht zu – das waren Initiativen, mit denen etwa der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan aufgetreten ist –, weil sie dem Rezept Putins folgen wollen. Das ist eine Art Bewusstseinswandel, der in Anchorage stattgefunden hat.

Mich interessiert sehr: Wie? Aus welchen Gründen? Denn in Anchorage, das haben wir mit eigenen Augen gesehen, endete das Treffen zwischen Trump und Putin in einem vollständigen Fiasko. Putin nahm Trumps Vorschlag nicht an, an der russisch-ukrainischen Front einen Waffenstillstand zu schließen und dann die Fragen des Friedensprozesses zu lösen. Das ist nicht passiert.

Aus welchen Gründen entschied Trump nach Anchorage, dass er real Putins Vorschlägen folgen und damit einverstanden sein müsse, dass man sich сначала über einen Friedensvertrag einigt und dann darüber sprechen kann, wie man das Feuer einstellt, wenn man realen Fortschritt beim Abschluss eines Friedensvertrags zwischen Russland und der Ukraine erzielen kann?

Vielleicht entschied Trump, dass er real mit seinem Plan an Putin herantreten und ihm zustimmen kann – also faktisch Putins Vorschlägen folgen –, aber im Gegenzug vom russischen Präsidenten einen schnellen Friedensprozess erhalten. Da war die Idee: „Gut, wir stimmen der Logik des Friedens zu, aber lass uns wirklich alles Mögliche tun, damit dieser Friedensvertrag so schnell wie möglich geschlossen wird.“

Und das ist genau das, was Putin braucht. Er kann so diese Friedensverhandlungen buchstäblich bis in alle Ewigkeit fortsetzen, ohne irgendwelche Anstrengungen, Trump in der Hand haltend und die ganze Zeit von seiner Friedfertigkeit erzählend.

Ich kann nicht sagen, dass Putin in einer solchen Situation wirklich gewinnt. Die Wahrheit ist, dass er hoffte, durch all diese Friedenspläne, all diese Friedensvorschläge die Möglichkeiten der Einführung neuer Sanktionen gegen die Russische Föderation zu annullieren – Sanktionen , die, wie bekannt, gegen die Unternehmen Rosneft und Lukoil gerichtet waren. Und das war Putins Hauptidee, als er versuchte, Trumps Bemühungen mithilfe von Friedensverhandlungen zu zerstören, die mit den Initiativen Dmitrijews verbunden wären.

Vielleicht ist das tatsächlich eine reale Sache, die mit der künftigen Entwicklung der Ereignisse an der russisch-ukrainischen Front zusammenhängt. Vielleicht so betrachtete Putin die Möglichkeit, wie sich die weitere Entwicklung im russisch-ukrainischen Konflikt vollziehen würde. Aber wir sehen, dass er sich verrechnet hat. Ja, der Friedensplan wurde akzeptiert, und so begann diese Maschine der Trump-Administration um diesen Friedensplan zu kreisen. Aber die Sanktionen wirken ebenfalls.

Das heißt: faktisch befinden sich jetzt aktuell alle nicht auf den Positionen, auf denen sie gern im Dezember 2025 sein würden. 

  • Putin hätte gern, dass es Verhandlungen über den Friedensplan gibt und dass er diese Verhandlungen so lange hinausziehen kann, wie er es braucht – aber gleichzeitig ohne Sanktionen gegen die Russische Föderation. 
  • Wir würden gern, dass der Druck auf die Russische Föderation weitergeht, aber dass man uns keine ungünstigen Friedensbedingungen aufzwingt – und schon gar nicht den Abzug ukrainischer Truppen aus dem Gebiet Donezk. 
  • Trump hätte gern, dass Putin die Friedensverhandlungen als Ergebnis des Drucks auf ihn wahrnimmt und schließlich den Bedingungen und Vorschlägen zustimmt, die von der amerikanischen Administration real angeboten werden können. 

So ist das ein ziemlich ernsthafter Moment der Enttäuschung aller über das, was jetzt passiert.

Und vor diesem Hintergrund gehen diese Verhandlungen weiter. Und man sollte nicht glauben, dass Trump nicht versteht, was passiert. Heute gab die Stabschefin des Weißen Hauses Susie Wiles, eine der – ich würde sagen – einflussreichsten Figuren in der heutigen amerikanischen Administration, dem Magazin Vanity Fair ein Interview. Ein sensationelles Interview, in dem sie über viele amerikanische Beamten , gelinde gesagt, ohne großen Enthusiasmus sprach. Sie deutete sogar an, dass Elon Musk bestimmte Dinge in verändertem Zustand getan habe. Sie sprach über den Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten J. D. Vance als über einen Menschen, der an Verschwörungstheorien glaubt.

Aber was sagte sie über Donald Trump und seine Haltung zur Ukraine? „Experten sind der Meinung, dass Putin glücklich sein wird, wenn er den Teil des Gebiets Donezk erhält, der jetzt unter Kontrolle der Ukraine steht. Aber im privaten Gespräch ließ Donald Trump verstehen, dass er das nicht glaube. Donald Trump glaubt, dass Putin das ganze Land erobern will“, sagte Susie Wiles.

Das ist vielleicht keine Sensation, weil Trump auch selbst und ohne jeden privaten Rahmen sagte, dass Putin die ganze Ukraine erobern will. Aber wie wir sehen, ist das nicht nur eine öffentliche Aussage. Er sagt es seinen Verbündeten. Das heißt: Er versteht, dass es nicht um den Donbas geht, dass Putin viel ambitioniertere Wünsche gegenüber unserem Land hat. Er versteht, dass das Ziel dieses Krieges die Liquidierung der ukrainischen Staatlichkeit ist.

Aber warum glaubt er dann, dass diese Bedingungen für einen Waffenstillstand, die er Putin vorschlägt, für den russischen Präsidenten ausreichend sind? Warum kann man grundsätzlich jetzt davon sprechen, dass Putin zustimmen wird, dass er sich wirklich nur mit einem Teil des Gebiets Donezk zufriedengibt?

Wir haben darauf keine Antwort. Und ich denke, dass die Hauptantwort darin liegt, dass Putin nicht mit einem Teil des Gebiets Donezk zufrieden sein will, sondern mit der Destabilisierung der Situation in unserem Land. Diese Formel „gießt Benzin“, die wir еще 2014 gehört haben, wird weiter angewandt: „Was, wenn Trump Zelensky doch dazu zwingt, auf das Gebiet Donezk zu verzichten, und wir sogar mit Hilfe unserer eigenen Propaganda den Ukrainern erklären, dass das ein echter Verrat ist und dass die Macht sie verraten hat und alle verraten hat, die in diesem Krieg gestorben sind, und deren Angehörige. Und dass man sich dieser Macht schon heute entledigen muss, weil sie morgen dem Feind die ganze Ukraine übergeben wird.“ Und das wird so dem russischen Präsidenten die Möglichkeit der Besetzung neuer ukrainischer Regionen erleichtern.

So sage ich die ganze Zeit: Ich denke, es geht nicht um das Gebiet Donezk; es geht genau um die Ukraine. Und es bleibt nur zu hoffen, dass unsere europäischen Partner das nicht schlechter verstehen als die Amerikaner und dass sie zumindest die Fragen lösen können, die mit der künftigen Hilfe für die Ukraine verbunden sind.

Der Bundeskanzler Merz betonte in seinem Interview mit dem Fernsehsender ZDF, als er das mögliche Auftauchen europäischer Kräfte auf ukrainischem Boden kommentierte, dass die Garanten des Friedens russische Kräfte abwehren müssten, falls irgendwelche Bedingungen eines Waffenstillstands verletzt werden. „Wir werden eine entmilitarisierte Zone zwischen den kriegführenden Seiten sicherstellen. Wenn man sehr konkret ist, werden wir auch gegen entsprechende russische Einfälle und Angriffe handeln. Wir sind noch nicht so weit, aber dass die Amerikaner eine solche Verpflichtung übernommen haben, die Ukraine im Falle eines Waffenstillstands zu schützen – ja, so, als wäre sie NATO-Territorium –, halte ich für eine neue Position der Vereinigten Staaten von Amerika, die Aufmerksamkeit verdient.“

Das sind ziemlich konkrete Worte. Das heißt: Friedenstruppen könnten nicht so weit vom Konfliktgebiet entfernt stehen, wie man früher sagte, als sich etwa der Präsident Frankreichs Emmanuel Macron mit diesem Projekt beschäftigte. Sie könnten auch genau zwischen ukrainischen und russischen Truppen stehen und gegen russische Truppen zuschlagen, wenn die Russen снова einen Schlag gegen die Ukraine führen wollen.

Aber es kommt die nächste Frage auf: Wo sind die Instrumente, die Präsident Putin dazu zwingen, einem solchen Friedensabkommen zuzustimmen? Und am Anfang ist es natürlich wichtig zu verstehen, was mit dem Geld für die Ukraine im nächsten Jahr sein wird – in den Worten desselben Friedrich Merz, der in demselben Interview sagte, dass die Europäer jetzt Chancen von 50 zu 50 haben, diese Vereinbarung zu erreichen.

Die EU muss eine solche Entscheidung treffen, weil die Ukraine mindestens noch zwei Jahre Finanzierung benötigen wird, nachdem im ersten Quartal 2026 der laufende Zeitraum europäischer Finanzierung endet. Aber wenn die Europäer nicht gemeinsam handeln und keine solche Entscheidung treffen können – wann werden sie es überhaupt können? Nun, wir werden sehen, was beim EU-Gipfel am 18. und 19. Dezember passiert. Ich denke, darüber werden wir auch sprechen, aber jetzt ist natürlich die Hauptfrage, wie dieser Friedensprozess weitergehen wird.

Das sind solche Zwischenbilanzen nach dem gestrigen Berliner Gipfel und danach, wie wir schon die russische Reaktion erfahren haben.

Und nun Fragen, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Offizielle Vertreter Russlands haben öffentlich schon etwa 10-mal Frieden abgelehnt. Warum sprechen Weltführer und Medien weiter von entscheidenden Wochen und einem nahenden Frieden?

Portnikov. Das verstehe ich auch absolut nicht. Ich halte es für seltsam, vor dem Hintergrund absolut offensichtlicher Aussagen der Russen, dass sie keinen Frieden wollen, über entscheidende Wochen zu sprechen. Aber wir können annehmen, dass europäische Führer und amerikanische Politiker mehr wissen als wir über die Position der Russischen Föderation oder hoffen, dass der Druck der Amerikaner auf die Administration von Präsident Putin zu groß sein wird, als dass Putin nicht auf irgendwelche vorläufigen Vereinbarungen eingehen könnte. Aber ich habe absolut keine logische Erklärung, warum vor dem Hintergrund der offensichtlichen Weigerung der russischen Führer trotzdem weiter von entscheidenden Wochen gesprochen wird – das ist mir völlig unklar. Ich halte diese Gespräche vor allem für destabilisierend für die ukrainische Gesellschaft.

Frage. Wenn Merz öffentlich Putin einen Weihnachts-Waffenstillstand anbietet – ist das auch ein Versuch zu zeigen, wer Frieden will und wer nicht, für Trump?

Portnikov. Ja, ich denke, das ist bis zu einem gewissen Grad ein Test für den Präsidenten der Vereinigten Staaten, für die Amerikaner als solche. Der Bundeskanzler Deutschlands hat dem Präsidenten Russlands vorgeschlagen, einen kurzfristigen Waffenstillstand zu Weihnachten zu schließen, damit in den Feiertagen keine Menschen sterben – heilig für alle Christen. Russland ist formal ein Staat mit einer Mehrheit christlicher Bevölkerung, obwohl wir verstehen, dass die Russische Orthodoxe Kirche nichts mit dem Christentum zu tun hat, dass es einfach eine satanische Sekte mit Kreuzen auf dem Bauch ist. Und die Priester dieser Kirche segnen Waffen, segnen den Krieg, dienen eher dem Teufel als Gott. Und überhaupt glaube ich nicht, dass dort irgendjemand an irgendetwas glaubt. Aber dennoch: formal bleibt Russland ein Land mit einer christlichen Mehrheit und könnte diese Feiertage ehren. Aber nein.

Frage. Im Rahmen begrenzten Optimismus: Kann Russland überhaupt Geld für ein fünftes oder sechstes Kriegsjahr haben – einen Krieg, den es gar nicht geplant hat und den es erzwungen begann, nachdem der Blitzkrieg scheiterte?

Portnikov. Das sage ich die ganze Zeit. Ich sage, dass der Krieg Russlands gegen die Ukraine endet, wenn Russland das Geld für diesen Krieg ausgeht. Geld und Menschen, aber vor allem Geld, weil Menschen ohne Geld in einem Krieg natürlich nichts wert sind. Aber wir wissen nicht, wie viel Potenzial Russland für ein fünftes oder sechstes oder viertes Jahr hat. Wir haben das vierte Kriegsjahr noch nicht überstanden. Das vierte Jahr endet, das fünfte beginnt. Viel wird von der Hilfe der Volksrepublik China abhängen, vom Kauf russischen Öls. Es gibt viele Umstände.

Und dann ist für uns das Wichtigste, dass uns das Geld nicht ausgeht, bevor das russische ausgeht. Das ist auch eine ziemlich ambitionierte Aufgabe. Deshalb erzählte ich Ihnen ja auch von der heutigen Erklärung des Bundeskanzlers Friedrich Merz, der nicht sicher ist, dass die Ukraine auf diesem Gipfel diesen Reparationskredit erhält.

Frage. Ist es möglich, dass die Russen öffentlich eine aggressive Politik/Position haben, aber in Wahrheit Frieden wollen und bereits Hinterzimmer-Absprachen mit den Vereinigten Staaten haben?

Portnikov. Möglich ist alles in der großen Politik. Den Russen ist es, wie Sie wissen, nicht schwer, ihre Position zu ändern und morgen zu sagen, dass sie für Frieden eintreten und dass das ausreichende Bedingungen für Frieden sind, weil sie nicht auf ihre eigene öffentliche Meinung Rücksicht nehmen. Aber die Frage ist: Wozu sollen sie ihre eigene öffentliche Meinung aufheizen und betonen, dass sie mit keinen Bedingungen einverstanden sind und просто den Verhandlungsprozess fortsetzen, weil sie ein friedliebender Staat sind, um dann plötzlich zu verkünden, dass sie bereit zum Frieden sind? 

Also: Ich schließe eine solche Situation nicht aus, in der Russland tatsächlich keine besonders gute wirtschaftliche Lage hat. Es gab bereits eine Frage dazu, und Putin würde den Krieg gern früher pausieren – mindestens um Kräfte für einen neuen zu sammeln. Wir könnten uns im 21. Jahrhundert überhaupt in einer Periode langer Kriege und kurzer Frieden befinden. Das kann ebenfalls Realität sein. Wir wissen das nicht. Lassen wir wenigstens die erste Phase zu Ende gehen. Aber ich sehe noch keine objektiven Gründe zu glauben, dass die Russen eine irgendeine nicht-öffentliche Position zur Beendigung des Krieges haben.

Frage. Sie sagten, Biden habe rational Putin in einem langen Krieg „gekocht“. Aber war es richtig, dass ein Präsident mit begrenzter Amtszeit so ein Spiel mit einem Führer ohne solche Begrenzungen spielt?

Portnikov. Ich sagte, dass das das Rationale aus der Sicht von Joseph Biden war, dass er keinen großen nuklearen Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation zulassen wollte. Das ist wirklich eine klare Sache in seinen Absichten. Ich stimme Ihnen zu, dass das insgesamt vielleicht nicht rational war. Vielleicht hätte man der Ukraine mehr Hilfe geben müssen, mehr Geld – obwohl es in der Biden-Periode auch so genügend Geld und Hilfe gab. Ziemlich viel. Aber die Idee des „Kochens“ Putins konnte den Umstand unterschätzen, dass mit jedem neuen Kriegsjahr neue Umstände entstehen, die für den Westen ungünstig sein können.

Außerdem vergessen Sie noch eine Sache: Biden hoffte, Präsident für zwei Amtszeiten zu sein, nicht für eine. Politiker auf diesem Niveau verlieren ziemlich oft den Bezug zur Realität. Sie erinnern sich, mit welchem Widerwillen Biden auf die Teilnahme am Wahlkampf verzichtete? Er glaubte an seinen Sieg über Trump. Er glaubte, dass er Präsident sein könne, und plante diese Strecke vielleicht nicht für vier, sondern für acht Jahre. Das war aus unserer Sicht vielleicht nicht rational, aber aus der Sicht von Joseph Biden konnte es rational sein.

Frage. Was, glauben Sie, könnte unsere Menschen aus dem Ausland nach Hause zurückbringen, wenn der Nachbar sich beruhigt?

Portnikov. Ich denke, es geht nicht darum, ob Russland sich beruhigt oder nicht. Es geht um die Zeit, die die Menschen im Ausland verbringen. Wenn Menschen schon eine Arbeit gefunden haben. Wenn sie ihre Kinder in Schulen geschickt haben, wenn die Kinder bereits eine Hochschulbildung erhalten, andere Sprachen nicht schlechter sprechen als Ukrainisch oder, entschuldigen Sie, Russisch – dann stellt sich die Frage, warum sie in ein benachteiligtes Land zurückkehren sollen, mit dem Risiko einer erneuten Wiederholung des Krieges oder sogar ohne dieses Risiko, einfach in ein zerstörtes Land, wenn in ihrem Leben in reicheren und erfolgreicheren Ländern bereits alles völlig normalisiert hat. Denn das Leben ist nicht nur irgendein patriotischer Aufruf; es ist in Wahrheit vor allem Alltag. Die Ukraine kann man besuchen, Teil der Diaspora sein, wie es Millionen Menschen auf der ganzen Welt tun, die in ihre Heimatländer einfach zu Feiertagen und Festivals kommen. Die Mehrheit der Iren lebt außerhalb Irlands, die Mehrheit der Juden lebt außerhalb Israels. Und die Mehrheit der Ukrainer lebt noch auf dem Territorium der Ukraine. Das ist, wie Sie verstehen, schon unsere große Leistung. So sehe ich keine objektiven Umstände dafür, dass die Mehrheit der Menschen, die aus der Ukraine weggegangen sind, nach dem Krieg hierher zurückkehrt. Mit jedem neuen Kriegsjahr werden auch immer mehr Menschen im Ausland bleiben. Wenn sich die Situation stabilisiert, werden hierher höchstwahrscheinlich Menschen zurückkehren, die keinen Platz im Wirtschaftssystem der Länder finden, in die sie gegangen sind, und ein Teil der Menschen wird rein aus patriotischen Gründen zurückkehren. Aber solche Menschen sind in der Regel weniger als diejenigen, die aus wirtschaftlichen Gründen zurückkehren.

Frage. Halten Sie das „Fenster der Möglichkeiten“ von Trump bezüglich der Garantien, die er nur bis Weihnachten gibt, für einen Bluff der US-Administration?

Portnikov. Bis zu einem gewissen Grad ist das ein Druckmittel: „Wir haben so glänzende Vorschläge. Wir geben euch Sicherheitsgarantien. Wir sind bereit, zusammen mit euch zu kämpfen. Und heute liegt ein solches Angebot auf dem Tisch – aber wenn ihr es ablehnt, also das andere Angebot ablehnt, den Donbas an Russland abzugeben, dann gibt es auch das Angebot der Sicherheitsgarantie nicht. Alles hängt von euch ab.“ Das ist weniger Bluff als ein völlig normaler Business-Ansatz. Das hat nichts mit Politik zu tun. Deshalb scheint es mir, dass das in dieser Form kaum so stattfinden wird.

Frage. Ich habe heute irgendwo gelesen, dass das alles Sicherheitsgarantien, aber für Russland und nicht für die Ukraine seien. Könnten Sie die Situation aus dieser Perspektive betrachten und diese Variante kommentieren?

Portnikov. Ich halte es nicht für zutreffend, dass eine Ratifizierung durch den US-Kongress, wonach die Amerikaner im Falle eines erneuten russischen Angriffs selbst militärisch eingreifen würden, irgendeine Form von Sicherheitsgarantien für Russland darstellen könnte. Nein, das ist für Russland ein sehr ernstes Problem, das einen Schlussstrich unter ihrem Versuch setzt, die Ukraine vollständig zu erobern, unter ihrem Versuch, ihren Staat in den Grenzen der Sowjetunion von 1991 wiederzubeleben. Das wäre eine schwere geopolitische Niederlage Russlands. Denn wenn wir zu solchen Plänen zurückkehren, Freunde, würde das einen nuklearen Konflikt bedeuten. Ja, vielleicht sogar mit Nuklearschlägen auf das Territorium der Ukraine – aber leichter würde es dadurch niemandem werden, denn die Vereinigten Staaten könnten in dieser Situation einen nuklearen Schlag auf das Territorium Russlands führen. Und das kann natürlich jeden russischen Präsidenten stoppen, sogar Putin. Deshalb halte ich das nicht für Sicherheitsgarantien für die Russen. Nein. Und ich bin nicht sicher, dass diese Sicherheitsgarantien absolut sicher angenommen werden.

Frage. Lesen Sie bitte Artikel 5 der NATO und sagen Sie, wo dort genau steht, dass bei einem Angriff auf ein NATO-Land die anderen Verbündeten hundertprozentig physisch mit ihren Truppen helfen werden.

Portnikov. Nirgendwo steht das. Sie haben absolut recht. Das gibt es im fünften Artikel des Nordatlantikvertrags nicht. Dort steht, dass sofortige Konsultationen beginnen, gerade für militärische Hilfe. Der Mechanismus militärischer Hilfe wird in Gang gesetzt. Wie sie ausgeübt wird, entscheiden dann die Verbündeten. Aber gemeint ist ihre Beteiligung an der Verteidigung des Opferlandes. Deshalb sage ich: Eine Entscheidung, bei der die Vereinigten Staaten selbst, ohne NATO, dafür unterschreiben, ist für Putin sogar gefährlicher als Artikel 5. Denn Artikel 5 kann man noch irgendwie zu blockieren versuchen – über Ungarn, irgendetwas. Und hier wird es niemanden geben, der blockieren kann. Das ist also ein absolut richtiger Punkt.

Frage. Sie erwähnen im Kontext von Trump oft den Friedensnobelpreis. Glauben Sie, er denkt mehr an Geld oder an den Friedenspreis?

Portnikov. Warum kann ein Mensch nicht eitel sein und an Geld denken? Wie widerspricht das einander? Ohne jeden Zweifel ist der Präsident der Vereinigten Staaten ein Mensch, der an Geld denkt, und wir sehen das. Und er prahlt immer damit, wie viel Geld er für die Vereinigten Staaten verdient hat, wie viel Geld er selbst verdient hat und was für ein großartiger Geschäftsmann er ist, was für wunderbare Geschäftsmänner ihn umgeben. Das hören wir ununterbrochen von Präsident Donald Trump. Und übrigens: Das hören wir praktisch seit dem ersten Tag, seit wir von ihm wissen – als er noch kein amerikanischer Präsident, sondern ein Geschäftsmann und Showman war. Er sprach ständig über seine herausragenden geschäftlichen Fähigkeiten. Und das wissen Sie sehr gut. Und Donald Trump sieht die ganze Politik als Deal und sucht sich Menschen aus, die überhaupt nichts von Politik verstehen und nicht verstehen, was Politik ist, und sie ebenfalls als Deal sehen. Und er sucht tatsächlich Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Als er Präsident der Vereinigten Staaten wurde, begann Trump sofort, in Kryptowährungen zu investieren und faktisch an Sympathien für sich selbst zu verdienen. Das ist doch ein objektiver Moment. Sie können das nicht bestreiten, nicht war? Aber gleichzeitig – und das ist ebenfalls ein absoluter Fakt – kam zu dieser, ich würde sagen, Geldgier, die wir heute beobachten, noch ein enormes Maß an Eitelkeit hinzu. Das ist ein neuer Moment, verbunden mit gewissen Veränderungen in Donald Trumps Psychologie, die in den Jahren passiert sind, als er nicht Präsident war – zwischen seiner ersten und zweiten Amtszeit im Weißen Haus. Und aus dieser Sicht hören wir ständig, dass er über den Nobelpreis spricht. Er sagt ständig, dass er den Nobelpreis verdient habe. Er war sehr wütend, als man den Friedensnobelpreis 2025 der Anführerin der venezolanischen Opposition gab, obwohl er im Jahr 2024 – und der Preis wurde für 2024 vergeben – nicht einmal Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika war und überhaupt nichts hätte verdienen können.

Ja, das ist ein schwaches Argument von mir, weil Präsident Obama den Preis unter ähnlichen Umständen erhielt – für ein Jahr, in dem er nicht Präsident der Vereinigten Staaten gewesen war. Aber objektiv gesagt hatte das Nobelkomitee nicht einmal einen Anlass, Trump den Preis zu geben. Und mir scheint, dass er den Preis 2026 wirklich gern bekommen würde – für 2025, als er nach seinen eigenen Worten, ich weiß schon nicht mehr wie viele, acht Kriege, neun Kriege, beendet hat. Und er hätte natürlich sehr gern, dass zu diesen Kriegen noch der russisch-ukrainische hinzukommt, dass dieser Krieg beendet wird, weil er denkt, dass das das gewichtigste Ergebnis und der gewichtigste Beweis für das Nobelkomitee wäre.

Und wissen Sie: Ich würde wollen, dass Donald Trump – falls es ihm gelingt, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, falls Frieden mit Garantien, dass es keinen wiederholten russischen Angriff gibt, zumindest in einem absehbaren Zeitraum, auf ukrainischen Boden kommt – den Friedensnobelpreis erhält. Was ist daran schlecht? Menschen sollen Preise bekommen, wenn sie Kriege beenden. Wir reden doch über Frieden. Aber noch habe ich keinerlei objektive Gründe zu glauben, dass Donald Trump mit dem Ansatz, den er heute zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges verfolgt, das gelingen wird. Und das ist ebenfalls eine ziemlich wichtige Frage, die für mich prinzipiell ist: Womit genau will Donald Trump nicht uns, sondern Putin zwingen, den Krieg zu beenden – einen Krieg, der nach Trumps eigener Anerkennung für Putin um die ganze Ukraine geht und überhaupt nicht um einen Teil unseres Territoriums? Wir werden sehen, wie sich das entwickelt.


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Titel des Originals: Переговори про мир: на що чекати | Віталій Портников. 16.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 16.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Der Kreml antwortet auf den „Friedensplan“ | Vitaly Portnikov. 16.12.2025.

Der Leiter des russischen Außenministeriums Sergej Lawrow hat erneut die Notwendigkeit erwähnt, die sogenannten „Grundursachen“ des russisch-ukrainischen Konflikts zu beseitigen, und behauptet, die amerikanische Administration erkenne inzwischen die Bedeutung der Garantie an, dass die Ukraine der NATO nicht beitreten werde, ebenso wie die Notwendigkeit, dass die Gebiete, auf denen seit Jahrhunderten Russen gelebt hätten, wieder russisch werden müssten.

Lawrows Stellvertreter Sergej Rjabkow ist in den Auffassungen, die die russische politische Führung heute zur Regelung der Situation im Krieg gegen die Ukraine hat, noch konkreter. Er spricht von der Krim und Sewastopol, von den Oblasten Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja – ausdrücklich ist zu betonen: keineswegs nur von Donezk – und besteht darauf, dass die Frage jener Regionen, die in die russische Verfassung aufgenommen wurden, nicht einmal diskutiert werden könne und keinerlei Gegenstand eines Kompromisses sei.

Der Pressesprecher des Präsidenten Russlands, Dmitri Peskow, zerstört zudem jegliche Hoffnungen auf einen sogenannten Weihnachtswaffenstillstand, der vom deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz vorgeschlagen und vom Präsidenten der Ukraine Volodymyr Zelensky unterstützt worden war. Peskow betont, Russland benötige keinerlei Waffenstillstand, da dieser der Ukraine die Möglichkeit geben würde, Kräfte zu sammeln. Russland hingegen brauche einen umfassenden Frieden, für den Moskau, wie wir sehen, bereit ist, weiterhin Menschen zu töten und die zivile Infrastruktur der Ukraine zu zerstören.

All diese Erklärungen russischer Beamter, mit denen wir uns bereits am Tag nach den Berliner Gesprächen des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky und europäischer Staats- und Regierungschefs mit den Sondervertretern des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff und Jared Kushner, vertraut machen können, belegen, dass es in der russischen Führung keinerlei reales Interesse an einer Vereinbarung zur Beendigung des Krieges gibt. Und dass Moskau zumindest, wenn es um die von Russland annektierten ukrainischen Regionen geht, darauf bestehen wird, dass die ukrainische Armee diese Gebiete verlässt und der Westen sie als Subjekte der Russischen Föderation anerkennt. Das schränkt selbstverständlich die Möglichkeit jeglicher realistischer Abmachungen mit der russischen Führung erheblich ein, die überhaupt ein Ende des Krieges in absehbarer Zukunft vorsehen würden.

Damit stellt sich zwangsläufig die Frage: Worauf stützen sich Vertreter der Administration von Präsident Trump, wenn sie von einer Bereitschaft Präsident Putins sprechen, den Krieg zu beenden? Worauf stützt sich Trump selbst, wenn er Journalisten davon überzeugt, Putin wolle diesen Krieg beenden? Worauf basiert etwa der Vorschlag einer sogenannten amerikanischen Kontrolle über das Kernkraftwerk Saporischschja, wenn aus Sicht desselben Rjabkow das Territorium der Oblast Saporischschja Teil der Russischen Föderation und Bestandteil des Föderationssubjekts Saporischschja der Russischen Föderation ist? Wie gedenkt man im Weißen Haus, den Kreml vom Gegenteil zu überzeugen? Und warum bemerkt man in Washington diese dreisten und harten Erklärungen der russischen Führung nicht? Denn diese Aussagen stellen nicht nur eine Verletzung des Völkerrechts dar – sie versetzen uns in Zeiten zurück, die an Weltkriege erinnern.

So erklärt Sergej Lawrow etwa, jene Gebiete, auf denen seit Jahrhunderten Russen gelebt hätten, müssten russisch sein. Erstens ist zu betonen, dass auf keinem der Territorien, die Moskau heute besetzt hält, Russen seit Jahrhunderten gelebt haben. Die Krim war das Gebiet des krimtatarischen Volkes und des krimtatarischen Staates. Und daran sollte jeder erinnert werden, der sich nicht mit der Geschichte auseinandersetzen will. Erst die Vertreibung der Krimtataren machte es möglich, das ethnische Gleichgewicht auf diesem Gebiet zu verändern. Im Donezker Gebiet, in der Oblast Luhansk, in der Region Cherson und in der Oblast Saporischschja stellte – und stellt bis vor Kurzem – die Mehrheit der Bevölkerung die ethnischen Ukrainer.

Wo sich überhaupt ein Ungleichgewicht zugunsten der russischen ethnischen Bevölkerung feststellen ließ, entstand dieses infolge echter ethnischer Säuberungen oder eines Genozids, wie etwa des Holodomor in den 1930er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Das sind ganz sicher keine uralten russischen Gebiete – es sei denn, man betrachtet die Ukrainer selbst als Russen, was die russische politische Führung zu tun versucht, um ihr Recht auf Krieg, Annexion und die Vertreibung der indigenen Bevölkerung zu begründen.

Doch schon die Tatsache, dass die Annexion von Territorien mit ethnischen Ansprüchen gerechtfertigt wird, versetzt uns in Zeiten zurück, in denen es überhaupt kein Völkerrecht gab und derjenige Herr war, der ein Gebiet mit Gewalt erobern konnte. Schließlich lebten auch auf den Territorien der heutigen Russischen Föderation die ethnischen Russen nicht seit Jahrhunderten. In Sibirien lebten ganz andere Völker, die nach den Überfällen der Truppen Jermaks und dem Vordringen der russischen imperialen Armee von ihren Gebieten vertrieben wurden. Oder nehmen wir die Oblast Kaliningrad der Russischen Föderation, die offensichtlich ein ursprüngliches Gebiet Preußens war, wo Russen erst in den 1940er- und 1950er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu erscheinen begannen. Oder jene Gebiete, in denen stets finno-ugrische Völker die Mehrheit stellten und in denen Russen erst infolge der Eroberung dieser Territorien auftauchten – etwa die Oblast Leningrad der Russischen Föderation oder Karelien, aus dem die Finnen vertrieben wurden.

Solche Beispiele ließen sich in großer Zahl anführen. Man könnte einwenden, dass es in vielen Regionen Europas ähnliche Veränderungen in der ethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung gegeben habe. Ja, die gab es – aber niemand führt deshalb Krieg um diese Gebiete, indem er dies mit dem „Recht von Blut und Boden“ begründet. Das ist ein nationalsozialistischer Slogan. Ein Slogan jener, denen Putin, Lawrow, Rjabkow, Peskow und andere russische Kriegsverbrecher nachzueifern versuchen. Ein Slogan ihres Idols Adolf Hitler. Und wie wollen Sie Frieden mit jenen verhandeln, für die Hitler zu einer echten politischen Ikone geworden ist?


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Titel des Originals: Кремль відповідає на «мирний план» | Віталій Портников. 16.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 16.12.2025.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Der Kreisel des Friedensprozesses. Vitaly Portnikov. 15.12.2025.

https://hromada.us/uk/articles/2025/12/15/the-spinning-peace-process?fbclid=IwZnRzaAOudMlleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEekluIPQQANjhwpPAnC5u6YNhenwpHhRue3JDF8Ol6-B9xD8UFTONC7PykFE8_aem_Fas1e69ehdfAnVGcS56prA

Seit mehreren Wochen in Folge bleibt der vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump vorgeschlagene Friedensplan das zentrale politische Thema in der Ukraine und darüber hinaus. Die Diskussionen finden nicht nur in den Vereinigten Staaten und in der Ukraine statt, sondern auch in europäischen Hauptstädten und sogar in Moskau, das von den amerikanischen Vertretern Steve Witkoff und Jared Kushner besucht wurde.

Auch diese Woche beginnt mit Verhandlungen. Volodymyr Zelensky wird gemeinsam mit europäischen Staats- und Regierungschefs mit den amerikanischen Unterhändlern zusammentreffen. Diskutiert werden soll ein Plan, der bereits von den ukrainischen und amerikanischen Delegationen in Genf und Florida abgestimmt wurde. Zugleich hat Kyiv eine eigene Variante vorbereitet, die zur Prüfung vorgeschlagen werden könnte.

Der Hauptunterschied des ukrainischen Ansatzes besteht im Bestreben, die Kontrolle über alle Gebiete zu bewahren, die derzeit von den Streitkräften der Ukraine gehalten werden. Dabei geht es insbesondere um einen Teil der Oblast Donezk, den Wladimir Putin vollständig zu erobern versucht.

Kyiv besteht zudem auf seinem Recht auf einen NATO-Beitritt und sucht nach einer Formel für Sicherheitsgarantien, die nicht nur symbolische Unterstützung, sondern eine reale Beteiligung der Verbündeten im Falle einer neuen Aggression Russlands vorsehen würden.

Die Frage besteht weniger darin, warum die Amerikaner die ukrainische Sichtweise unterstützen könnten, sondern vielmehr darin, warum die Russen überhaupt einem der vorgeschlagenen Pläne zustimmen sollten. Denn im Kreml wurde bereits erklärt, dass ein erheblicher Teil der Punkte selbst des Trump’schen Plans für sie inakzeptabel sei.

Bislang entsteht der Eindruck, dass Putins Ziel darin besteht, Zeit zu gewinnen, den Krieg fortzusetzen und ernsthaften Druck seitens des Westens zu vermeiden.

Gleichzeitig kann man nicht sagen, dass ihm dies vollständig gelingt. Trotz der Friedensrhetorik hat Donald Trump neue Sanktionen gegen russische Ölunternehmen verhängt. Darüber hinaus sind Signale aufgetaucht, dass die USA ukrainische Angriffe auf Tanker der sogenannten „Schattenflotte“ unterstützen.

Die Europäer haben kürzlich einer unbefristeten Blockierung russischer Vermögenswerte zugestimmt, was den Weg für einen Reparationskredit für die Ukraine öffnet. Dafür ist nun keine einstimmige Abstimmung mehr erforderlich, die zuvor von Ungarn hätte blockiert werden können.

Auch an der Front ist die Lage für Putin alles andere als ideal. Ukrainische Truppen haben die Besatzer in Kupjansk eingekesselt, obwohl der Chef des Generalstabs der Russischen Föderation, Waleri Gerassimow, Putin noch vor wenigen Wochen über die „Einnahme“ dieser ukrainischen Stadt berichtet hatte.

Nehmen wir jedoch an, die USA würden die Ukraine dazu bewegen, auf einen Teil ihrer Territorien zu verzichten. Wie ließe sich das rechtlich gestalten?

Die Verfassung der Ukraine erlaubt keine Änderung der territorialen Ordnung. Selbst die Durchführung eines Referendums garantiert keine Unterstützung solcher Entscheidungen durch die Mehrheit der Bürger. Und das internationale Recht erkennt seinerseits keine Grenzänderungen infolge von Aggression oder Annexion an – genau das, was die Ukraine in den letzten Jahren erlebt.

Ein gesondertes Thema sind die Sicherheitsgarantien. Sind die USA tatsächlich bereit, im Falle einer neuen Aggression in einen Konflikt mit Russland einzutreten? Heute gibt es nicht einmal Gewissheit darüber, ob die NATO im Falle eines Angriffs auf ein europäisches Land bereit wäre, gemäß Artikel 5 zu handeln. Und was soll man dann erst von der Ukraine erwarten? Wird eine solche Unterstützung rechtlich verankert sein – in Form eines ratifizierten Dokuments?

Tatsächlich gibt es nur eine verlässliche Garantie – die Ukraine selbst.

Ein starker, gut bewaffneter Staat mit einem entwickelten militärisch-industriellen Komplex und eigenen Raketen. Eine Ukraine, deren Angriff Russland derart schmerzhafte Verluste zufügen würde, dass dies weitere Aggressionen abschreckt. Doch ein solcher Staat kann nur mit Unterstützung der Verbündeten entstehen – und nur dann, wenn man ihn nicht zur Entwaffnung zwingt, wie es Moskau anstrebt.

Doch wenn man die Idee einer „Demilitarisierung“ der Ukraine aufgibt, wie realistisch bleibt dann überhaupt die Möglichkeit, dass Putin einem Friedensabkommen zustimmt?

Möglicherweise ist das einzige realistische Szenario die Erschöpfung des russischen Staates – eine Entwicklung, bei der das Putin-Regime nicht mehr in der Lage ist, weder der Ukraine noch dem Westen Ultimaten zu stellen. Und erst dann wird sich die Möglichkeit für echte Verhandlungen eröffnen.

Bis dahin bleibt der Friedensprozess eine Art Kreisel, der sich dreht, sich jedoch nicht vorwärtsbewegt.


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Titel des Originals: Дзиґа мирного процесу. Віталій Портников. 15.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 15.12.2025.
Originalsprache: uk
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