Putins neuer „Siegesplan“ | Vitaly Portnikov. 05.10.2026.

Die deutsche Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet über einen neuen Plan Putins, der nach Ansicht des russischen Diktators zu seinem Sieg im russisch-ukrainischen Krieg führen soll. Diesen Plan kann allerdings jeder Ukrainer seit einigen Monaten am eigenen Leib spüren. Es ist nicht mehr ein Krieg der Armeen, sondern ein Krieg der Städte.

Die russische Offensive in der Ukraine ist praktisch zum Stillstand gekommen. Russland erleidet schwere Verluste beim Personal. Eine allgemeine Mobilmachung wagt Putin jedoch nicht, um jenen Gesellschaftsvertrag nicht aufzukündigen, der zwischen ihm und der chauvinistisch eingestellten russischen Gesellschaft noch immer besteht.

Bislang konnte der Tschekist an der Spitze des Staates nach folgendem Prinzip Krieg führen: „Ihr hindert uns nicht daran, Krieg zu führen. Wir fordern euch nicht auf, am Krieg teilzunehmen.“ Auf diese Weise wurde eine Millionenarmee aus Söldnern geschaffen. Putin scheut sich bislang davor, diese Bedingungen zu ändern, und unter den neuen technologischen Bedingungen verfügt er schlicht nicht über genügend Truppen, um den größten Teil des ukrainischen Territoriums zu besetzen.

Und so ist der russische Präsident zu dem übergegangen, was die deutsche Zeitung als Krieg der Städte bezeichnet. Angriffe vor allem auf Kyiv und andere ukrainische Städte, Angriffe vor allem auf zivile Objekte, die Einschüchterung der Zivilbevölkerung, der Versuch, die ukrainische Infrastruktur zu zerstören, in der Hoffnung, dass der feindliche Staat vor Russland kapituliert, weil ihm keine andere Wahl bleibt.

Man kann nicht sagen, dass dies ein neuer Plan ist. Angriffe auf die Infrastruktur der Ukraine und der Versuch, die Ukrainer jeden Winter frieren zu lassen, waren in all den Jahren der russisch-ukrainischen Konfrontation ein wichtiger Bestandteil von Putins Taktik. Doch inzwischen haben diese menschenverachtenden und grausamen Pläne des russischen Machthabers eine neue Stufe erreicht. Ein Beispiel dafür ist, dass Russland inzwischen die Möglichkeit hat, Brücken in der ukrainischen Hauptstadt anzugreifen, um das Leben in Kyiv lahmzulegen und zugleich den Transport, vor allem militärischer Güter, über die Brücken der ukrainischen Hauptstadt zu behindern und damit die ukrainischen Verteidigungskräfte daran zu hindern, ihr Land gegen die erbarmungslosen Invasoren zu verteidigen.

Und natürlich werden in dieser Situation auch die propagandistischen Versuche verstärkt, die Ukrainer davon zu überzeugen, dass nur eine Kapitulation zu russischen Bedingungen ihr Überleben in diesem neuen Krieg der Städte sichern könne.

Was soll der Westen in dieser Situation tun? In der deutschen Zeitung wird keineswegs vorgeschlagen, sich mit jenen russischen Handlungen abzufinden, die derzeit das Leid der Ukrainer verursachen. Es wird daran erinnert, dass ein Sieg der Ukraine über einen der widerwärtigsten Staaten der heutigen Welt, das terroristische Russland, für den Westen weitaus billiger wäre als ein Erfolg Russlands in diesem Krieg. Der Westen muss daher neue Anstrengungen unternehmen, um der Ukraine in dieser erbitterten, jahrelangen Auseinandersetzung zu helfen.

Umso mehr, als Putin sich trotz seiner Hoffnung auf einen Wendepunkt in diesem Winter auf einen langen, jahrelangen Krieg vorbereitet. Davon zeugt auch, dass im neuen Haushalt der Russischen Föderation die Verteidigungsausgaben um 46 Prozent erhöht wurden und die Ausgaben für die nationale Sicherheit, also für Putins Sicherheitsapparat, um weitere 12 Prozent gestiegen sind. Das bedeutet einen Anstieg der für den Krieg vorgesehenen Ausgaben im Staatshaushalt der Russischen Föderation um mehr als 50 Prozent.

Und da kann sich die Frage stellen: Soll wirklich nur die Ukraine zum Ziel dieses Krieges werden? Könnten nicht auch die an Russland angrenzenden europäischen Staaten der Europäischen Union und der NATO zu einem neuen Schauplatz russischer Aggression werden?

  • Also: finanzielle Hilfe für die Ukraine, auch mithilfe der im Westen eingefrorenen russischen Gelder. Offensichtlich ist die Zeit gekommen, diese roten Linien zu überschreiten und Russland alles zu nehmen, was man ihm nehmen kann, um die Wirtschaft des feindlichen Staates in die Knie zu zwingen und die Russen dazu zu bringen, sich in den Krisen der kommenden, für sie schwarzen Jahrzehnte mit ihren eigenen Problemen auseinanderzusetzen.
  • Zweitens: die Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung. Wenn die Ukraine die Kontrolle über ihren eigenen Luftraum verliert, werden die russischen Banditen dort all das tun, was sie am liebsten tun: friedliche Bürger töten und zivile Infrastruktur zerstören.
  • Und natürlich müssen auch Wege für neuen Druck auf die Russische Föderation unter diesen Bedingungen gesucht werden, was ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Widerstands gegen die russische Taktik ist.

All diese Entscheidungen hätten natürlich bereits gestern und nicht erst morgen getroffen werden müssen. Doch so oder so kann nüchternes Denken zu einem wichtigen Bestandteil des Erfolgs im Widerstand gegen Putins neuen ehrgeizigen Siegesplan werden. Und natürlich muss auch die Ukraine selbst ihren Teil zu diesem Erfolg beitragen. Vor allem durch Angriffe auf Anlagen des russischen Ölraffineriesektors und durch die Zerstörung all dessen, was, wie ich sagen würde, das Herz der russischen Wirtschaft bildet.

Der Energiestaat muss aufhören, ein Energiestaat zu sein, und seine Bürger müssen die übermäßigen Einnahmen aus Öl und Gas für immer verlieren, weil deren Verarbeitung und möglicherweise auch deren Förderung bedeutungslos werden. Nur ein solches Russland kann für die Welt um es herum sicher sein. Ein Raubtier ohne Zähne ist in der Regel Vegetarier.

Und in dieser Situation – auch davon ist in dem Beitrag der Frankfurter Allgemeinen die Rede – muss die Ukraine sich selbst helfen, indem sie gegen die Erscheinungsformen der Korruption kämpft, die bislang nicht überwunden werden konnten. Fügen wir unsererseits hinzu: auch angesichts der faktischen Funktionsunfähigkeit der Machtvertikale, die in unserem Staat infolge der Ergebnisse der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen von 2019 entstanden ist – jenes allseits bekannten populistischen Triumphs, der sich bis heute auf die Gesundheit des ukrainischen Staates auswirkt.

  • Wenn all diese Maßnahmen parallel umgesetzt werden.
  • Wenn Russland das Geld genommen wird, wenn dieses Geld der Ukraine gegeben wird.
  • Wenn das ukrainische Luftverteidigungssystem gestärkt wird.
  • Wenn die militärischen Fähigkeiten der Ukraine gestärkt werden.
  • Wenn Angriffe auf die Ölraffinerien und die Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes der Russischen Föderation durchgeführt werden.
  • Wenn bei den Ukrainern die Illusion verschwindet, dass Friedensverhandlungen mit Moskau möglich seien – vor dem Hintergrund der Vorbereitungen auf einen jahrelangen Krieg und der schrittweisen Erhöhung des russischen Haushalts gerade für die Bedürfnisse der Armee und nicht für die Bedürfnisse der Gesellschaft.

Wenn all dies tatsächlich geschieht, werden wir sagen können, dass wir die kommenden schwierigen 2020er-Jahre des 21. Jahrhunderts überstehen werden. Jahre, die nicht nur zum Schauplatz der Fortsetzung des Krieges in der Ukraine werden könnten, sondern auch zum Schauplatz des Beginns eines großen, umfassenden und tragischen Krieges auf dem europäischen Kontinent. Wenn wir natürlich nicht unsere Anstrengungen verstärken, um diesem negativen Szenario der weiteren Entwicklung entgegenzutreten, von dem der Präsident der Russischen Föderation so sehr träumt.


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Titel des Originals: Новий „план перемоги“ Путіна | Віталій Портников. 05.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 05.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Die Europäer geben der Ukraine Geld | Vitaly Portnikov. 19.12.2025.

Der Gipfel der Europäischen Union endete mit einer Kompromissentscheidung, die jedoch für die Ukraine vorteilhaft ist und die Bereitstellung von Geldmitteln für unser Land in den kommenden Jahren vorsieht.

Wie bekannt, war die wichtigste Frage, die eine ernsthafte Diskussion zwischen den Teilnehmern des Gipfels auslöste, die Bereitstellung von 134 Mrd. Euro für die Ukraine aus dem sogenannten Reparationenkredit, also aus eingefrorenen russischen Geldern, die sich in europäischen Depots befinden. Nachdem die Europäische Union zuvor die unbefristete Einfrierung russischer Vermögenswerte beschlossen hatte, hätte diese Entscheidung mit qualifizierter Mehrheit gefällt werden können.

Doch die lange nächtliche Debatte führte schließlich dazu, dass die Gipfelteilnehmer sich für eine andere von der EU-Kommission vorgeschlagene Variante entschieden: nämlich die Vergabe eines Darlehens aus dem Geld der Europäer selbst in Höhe von 90 Mrd. Euro. Auch dieses Darlehen wird als Reparationenkredit ausgestaltet. Das bedeutet: Die Ukraine wird es zurückzahlen, falls die Russische Föderation sich bereit erklärt, Reparationen für die Folgen ihrer Aggression gegen unser Land zu leisten.

Genau dieselben Rückzahlungsregeln wären auch für einen Kredit aus eingefrorenen russischen Geldern vorgesehen gewesen. Und wir verstehen sehr gut, dass die Russische Föderation nicht nur keinerlei Entschädigung für ihre Aggression gegen die Ukraine zahlen wird, sondern niemals den Aggressionsakt überhaupt anerkennen wird. Daher wird die Rückzahlung dieses Geldes durch die Ukraine vollständig von den Beziehungen zwischen der EU und Russland abhängen – von den Forderungen der EU an die russische Führung, Gelder freizugeben, die nun als abhängig von der politischen Position Russlands betrachtet werden.

Und vielleicht gelingt es in Jahrzehnten – so wie einst bei den Geldern des Russischen Imperiums –, dass die Europäer im Falle ernsthafter Veränderungen in Russland selbst eine Einigung mit Moskau über Reparationszahlungen für die Ukraine erzielen können.

Doch im Moment – und zumindest in absehbarer Zukunft – erscheint ein solches Szenario hinreichend fantasievoll. Dies ist jedoch nicht mehr so sehr das Problem der Ukraine, sondern vielmehr ein Problem der Beziehungen zwischen der EU und der Russischen Föderation und der Frage, wie sich der Prozess im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg und der Suche nach Wegen zu dessen Beendigung entwickeln wird – Wege, die derzeit nicht erkennbar sind.

Das Wichtigste ist: In den kommenden Jahren dieses zermürbenden Krieges wird die Ukraine Geldmittel haben, damit ihre Wirtschaft nicht unter den Schlägen Russlands zusammenbricht. Für Russland ist dies ebenfalls ein unangenehmes Signal, das belegt, dass der Abnutzungskrieg gegen die Ukraine nicht allein durch Erschöpfung schnell beendet werden kann.

Und inzwischen wird auch die russische Wirtschaft selbst erschöpft. Nur im Kreml weiß man, wie viele Jahre sie noch für die Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine und für neue aggressive Handlungen der Russischen Föderation gegen Nachbarstaaten – insbesondere ehemalige Sowjetrepubliken – ausreichen wird.

Für die Ukraine ist die Bereitstellung dieser Gelder auch deshalb ein wichtiges Signal, weil sie nur durch eine einstimmige Abstimmung oder durch das völlige Ausbleiben von Gegenstimmen aller Gipfelteilnehmer angenommen werden konnte. Das heißt: Diese Entscheidung wurde weder vom ungarischen Premierminister Viktor Orbán blockiert – obwohl er dies zuvor angekündigt hatte –, noch von den Ministerpräsidenten der Slowakei und Tschechiens, Fico und Babiš, obwohl auch sie sich gegen weitere Hilfe für die Ukraine ausgesprochen hatten.

Doch damit die Regierungschefs dieser Länder – die sich möglicherweise an ihren Beziehungen zu Moskau und Washington orientieren – keine Entscheidung treffen, die den Europäern die Unterstützung der Ukraine in den kommenden Kriegsjahren unmöglich machen würde, werden Ungarn, die Slowakei und Tschechien von der Beteiligung an diesem Hilfsfonds für die Ukraine ausgenommen. So sieht der Kompromiss aus.

Ein weiteres Land, mit dem die Europäer offenbar einen Kompromiss auf ihrem Gipfel erzielt haben, sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Ein Staat, der selbstverständlich nicht der EU angehört, dessen Präsident jedoch an besonderen Beziehungen zu Putin interessiert ist und in den vergangenen Wochen alles darangesetzt hat, die Europäer von der Beschlagnahmung russischer Gelder abzuhalten.

Vertreter Trumps erklärten, die Beschlagnahmung würde seine „Friedensbemühungen“ zunichtemachen – obgleich diese Aussagen keinerlei Bezug zur Realität haben. Offensichtlich ging es Trump schlicht darum, Putins Geld vor europäischer Konfiskation zu retten – in der Hoffnung, dass der Präsident der Russischen Föderation ihm gegenüber milder gestimmt sein werde, wenn er den Wert dieses „Dienstes“ erkennt und die Möglichkeit von Geschäftsdeals der Trump-Familie und ihres engsten Umfelds mit dem Kreml offen bleibt.

Wir wissen, dass an diesem Wochenende genau solche Deals mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, Trumps Freund Steve Witkoff und dem Ehemann von Putins Tochterfreundin, Kirill Dmitriew, in Miami besprochen werden. Und genau so – als Familientreffen – sollte man diese „Verhandlungen“ betrachten, die nichts mit einem realen Friedensprozess zu tun haben.

Wie wir sehen, haben die Europäer diese Position der Vereinigten Staaten berücksichtigt. Zumal eine der radikalsten Trump-Unterstützerinnen – die italienische Premierministerin Giorgia Meloni, die zudem eine ultrarechte Partei führt, die jenen Bewegungen nahe steht, die Donald Trump in seiner Amtsführung unterstützen – sich dagegen aussprach, den Reparationenkredit ohne angemessene Rechtsgrundlage zu vergeben.

Was in diesem Fall eine „angemessene Rechtsgrundlage“ sein soll, müsste man noch entschlüsseln. Doch es war klar, dass die italienische Premierministerin, die kürzlich den Präsidenten der Vereinigten Staaten traf, die Position Donald Trumps selbst vermittelte und ihren europäischen Kollegen signalisierte, keine Entscheidung zu treffen, die zusätzliche Probleme in den ohnehin schwierigen Beziehungen des demokratischen Europas zu Trumps Vereinigten Staaten verursachen könnte.

Und nun haben wir im Ergebnis eine Kompromisslösung. Doch für die Ukraine bedeutet sie echte Gelder, die es uns ermöglichen, in den kommenden Kriegsjahren gegen Russland zu bestehen. Für die Ukraine ist dies ein klares Signal an Russland, dass seine Bemühungen, die ukrainische Wirtschaft zu zerstören, den ukrainischen Haushalt zu vernichten und die Ukraine ihrer Fähigkeit zur Gegenwehr gegen russische Aggression in den 2020er-Jahren des 21. Jahrhunderts zu berauben, nicht umgesetzt werden.

Insofern kann man sagen, dass dieser Kredit der Europäer – ein bedingter Kredit, natürlich – auch ein Weg zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges ist, wann immer dies geschehen mag. Denn er entwertet im Grunde die Kalkulation des russischen Präsidenten Putin, der auf einen Sieg in einem jahrelangen Abnutzungskrieg gesetzt hat, und zeigt, dass dieser Krieg mit dem Ziel, die ukrainische Staatlichkeit zu vernichten, in ein ebenso großes Fiasko münden kann wie Putins Blitzkrieg von 2022, der auf eine schnelle Lösung der ukrainischen Frage abzielte. Nur wird Putin dieses Mal allerdings viel mehr Zeit benötigen, um die Aussichtslosigkeit seines Bestrebens, die Ukraine zu zerstören, zu erkennen.


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Titel des Originals: Європейці дають гроші Україні | Віталій Портников. 19.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 19.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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