Putin kauft Trump | Vitaly Portnikov. 12.02.2026.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet über ein Dokument, das Vorschläge der Administration des Präsidenten der Russischen Föderation an die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten enthält und sich auf eine wirtschaftliche Zusammenarbeit bezieht, die nicht nur die russisch-amerikanischen Beziehungen, sondern auch den Wettbewerb zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China verändern könnte.

Das Dokument enthält sieben Punkte gemeinsamer Ziele, die Moskau und Washington helfen könnten, eine solche wirtschaftliche Zusammenarbeit wiederaufzunehmen und aufzubauen:

  • Es handelt sich um langfristige Luftfahrtverträge, die eine Beteiligung der Vereinigten Staaten an der Erneuerung der russischen Flugzeugflotte vorsehen, die in den Jahren des russisch-ukrainischen Krieges unter den westlichen Sanktionen erheblich gelitten hat.
  • Es sind gemeinsame Ölprojekte sowie Projekte zur Erschließung von Gasfeldern, einschließlich maritimer und schwer zugänglicher Lagerstätten, die sowohl frühere Investitionen der Vereinigten Staaten als auch neue Investitionen dieses Landes und amerikanischer Unternehmen in das Energiegeschäft der Russischen Föderation berücksichtigen würden.
  • Es sind Vorzugsbedingungen für die Rückkehr amerikanischer Unternehmen auf den Markt der Russischen Föderation. Dabei geht es natürlich um den Konsumgütermarkt.
  • Es ist eine Zusammenarbeit im Bereich der Kernenergie und der künstlichen Intelligenz in diesem Bereich.
  • Es ist die Rückkehr der Russischen Föderation zum Abrechnungssystem in Dollar. Und das, nachdem Putin jahrelang von der Dedollarisierung Russlands und möglichen, sogar russischen Energie-Transaktionen ohne Dollar gesprochen hatte.
  • Es ist eine Zusammenarbeit im Bereich der für die Vereinigten Staaten so wichtigen Rohstoffe wie Lithium, Kupfer, Nickel und Platin.
  • Es ist eine gemeinsame Arbeit zur Förderung fossiler Brennstoffe als Alternative zu einer Energiepolitik, die mit kohlenstoffarmen Lösungen verbunden ist. Wie Sie wissen, ist dies ein durchaus wichtiger Punkt für die Trump-Administration, die ständig davon spricht, gerade fossile Brennstoffe unterstützen zu müssen, und sich gegen die neue alternative grüne Energie ausspricht.

Das sind natürlich, wie wir gut verstehen, ziemlich ernsthafte Vorschläge. Und sie spiegeln im Grunde die Vision Donald Trumps selbst vom weiteren Ausbau der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation wider. Man kann sagen, dass er ständig genau von einer solchen Entwicklung spricht. Diese sieben Punkte sollen ihn davon überzeugen, dass er seinem Ziel nahe ist.

Aber hier stellt sich eine durchaus ernsthafte Frage: Worauf müsste die Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten verzichten, damit diese Punkte in Kraft treten? Denn wir verstehen, dass genau darüber der Sonderbeauftragte des Präsidenten der Russischen Föderation, Kirill Dmitrijew, ständig mit Trumps Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner spricht.

Man kann eine klare Antwort auf diese Frage geben: Damit die Russische Föderation solche ehrgeizigen Projekte mit den Vereinigten Staaten beginnt und amerikanische Unternehmen sowohl auf ihren Energie- als auch auf ihren Konsummarkt zulässt, damit die Russische Föderation zum Dollar zurückkehrt, damit sie Donald Trumps energiepolitische Vorstellungen unterstützt und gemeinsam mit ihm gegen die grüne Energie kämpft, muss der Präsident der Vereinigten Staaten die Ukraine preisgeben und sich aus dem postsowjetischen Raum insgesamt heraushalten.

Es ist kaum vorstellbar, dass Donald Trump diesen Vorstellungen Putins über die Zukunft zustimmen kann. Die Ukraine vor den Augen der gesamten amerikanischen Gesellschaft an Putin zu übergeben – noch dazu im Austausch gegen Projekte, die amerikanischen Unternehmen Vorteile verschaffen sollen – würde faktisch nicht nur seine eigene politische Karriere, sondern auch die Perspektiven der Republikanischen Partei durchstreichen, deren Mehrheit der Wähler gegen den aggressiven Kurs Russlands auftritt. Und wir verstehen sehr gut, dass sich dies bei allen kommenden Wahlen und auch bei den Zwischenwahlen 2026 bemerkbar machen würde.

Natürlich wäre dies nicht das wichtigste Thema der Wahlen, aber wenn der Wähler erkennt, dass Trump die Ukraine vor den Augen der ganzen Welt einfach für Geld verkauft, könnte dies die Haltung vieler verändern – vor allem jener Wähler, die noch unentschlossen sind, ob sie für einen Demokraten oder einen Republikaner stimmen sollen. Gerade die Stimmen solcher Wähler entscheiden in der Regel über den Ausgang von Wahlen in den Vereinigten Staaten.

Zweitens sehen wir, dass Trump absolut nicht bereit ist, Putin dieses Nichteingreifen im postsowjetischen Raum zuzugestehen. Der jüngste Besuch des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, J. D. Vance, in Armenien und Aserbaidschan hat das deutlich gezeigt. Im Gegenteil: Im Weißen Haus versucht man, die Schwäche Russlands auszunutzen, um es endgültig von dort zu verdrängen, von wo es aus Sicht des Kremls eigentlich unmöglich schien, Russland zu vertreiben.

Auch hier geht es um ehrgeizige wirtschaftliche Projekte, auf die die Vereinigten Staaten in einem solchen Fall verzichten müssten und dabei nicht nur Geld – es geht um Milliarden im Zusammenhang mit der Eröffnung neuer Handelsrouten –, sondern auch ihre Reputation als verlässlicher Partner verlieren würden, die sie ohnehin täglich durch unbedachte Äußerungen des amerikanischen Präsidenten einbüßen. Erinnern wir uns nur an die Geschichte mit der Unterstützung iranischer Protestierender.

Drittens ist klar, dass eine solche Wiederherstellung der Beziehungen zur Russischen Föderation ohne Berücksichtigung der Position der Europäer unmöglich ist, die kaum bereit sein werden, sich an diesem Geschäft zu beteiligen, wenn Trump im russisch-ukrainischen Krieg offen an Putins Seite tritt – auch wenn ich wiederhole, dass dies dennoch nicht geschehen wird.

Und es gibt noch eine weitere Frage, die man eher Putin als Trump stellen sollte. Und was ist mit China? Wie wird man in Peking auf jene Vorschläge der russischen Führung reagieren, die faktisch die Grundlagen der chinesisch-russischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit untergraben? Warum sollte der Vorsitzende der Volksrepublik China, Xi Jinping, Putin durch den Kauf von Öl helfen, den Krieg gegen die Ukraine fortzusetzen und das Putin-Regime zu unterstützen, wenn dieses Regime jederzeit seinen chinesischen Verbündeten zugunsten der Amerikaner verraten kann, die aus Sicht Pekings die Hauptgegner der Volksrepublik China im gesamten 21. Jahrhundert bleiben? Und sollte Xi Jinping in einer solchen Situation nicht vielleicht in Moskau nach einem neuen Putin suchen, der die Unmöglichkeit so enger Beziehungen zu den Vereinigten Staaten erkennt?

All diese Fragen wird Putin natürlich zu hören bekommen. Aber wir müssen uns ebenfalls bewusst sein, dass Putin kein naiver Mensch ist, der glaubt, Xi Jinping werde auf solche Initiativen nicht reagieren. Daher handelt es sich höchstwahrscheinlich nicht um ein reales Paket von Vorschlägen an die Vereinigten Staaten, sondern um einen weiteren Kreml-Bluff, der darauf abzielt, die Unterstützung der Ukraine durch die Trump-Administration in Erwartung großer Geldsummen zu schwächen.

Das heißt, Putin spielt weiterhin mit Trump und seinen Vertrauten – ebenso wie mit Geschäftsleuten, die die wahren politischen Ziele nicht erkennen. Und die Veröffentlichung solcher Dokumente bestätigt einmal mehr das Wesen der Kreml-Taktik.


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Titel des Originals: Путін купує Трампа | Віталій Портников. 12.02.2026.

Autor: Vitaly Portnikov

Veröffentlichung / Entstehung: 12.02.2026.
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Die beschämende Entscheidung des IOC zu Heraskevych | Vitaly Portnikov. 12.02.2026.

Das Internationale Olympische Komitee ließ den ukrainischen Athleten Wladyslaw Heraskevych nicht zu den Wettkämpfen der Winterolympiade zu, weil er bei Trainingsauftritten einen Gedenkhelm trug, der jenen ukrainischen Sportlern gewidmet ist, die von Russen im Verlauf des grausamen Krieges gegen unser Land getötet wurden.

Eine solche Entscheidung ist zweifellos eine Schande für das Internationale Olympische Komitee, denn was seine Mitglieder auch immer darüber sagen mögen, dass Sport außerhalb der Politik stehe und die Geste Heraskevychs ausschließlich politisch sei, rechtfertigt das in keiner Weise die wahren Motive dieser Entscheidung. Denn während der Olympischen Spiele haben Athleten nicht ein- oder zweimal der Erinnerung an ihre Angehörigen, nahestehende Menschen oder Sportler gedacht, die während der Olympiade in München von palästinensischen Terroristen ermordet wurden. Und wir verstehen sehr gut, dass russische Terroristen, die ukrainische Sportler töten und die Zivilbevölkerung der Ukraine terrorisieren, sich in nichts von ihren Kollegen bei der Vernichtung von Zivilisten unterscheiden – außer im Ausmaß.

Wenn man also während der Olympiade die Namen israelischer Athleten nennen darf, die Opfer des Terrorismus wurden, dann darf man selbstverständlich auch die Namen ukrainischer nennen. Das ist ein völlig offensichtlicher und klassischer Vergleich, denn es ist keine politische, sondern eine menschliche Geste, die ebenfalls dem Gedenken an jene gewidmet ist, die niemals mehr bei Olympischen Spielen antreten können werden. Gerade weil Russland diesen Krieg begonnen hat und die Zivilbevölkerung der Ukraine terrorisiert, versucht, das Territorium eines Nachbarstaates zu erobern, ist der Tod ukrainischer Sportler – ob Militärangehörige oder Zivilisten – eine Folge dieser Aggression. Und der Gedenkhelm sprach nicht von einem politischen Ereignis, sondern von Menschen, die Opfer dieses Krieges geworden sind.

Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees überrascht mich nicht sehr, denn wir wissen genau, wie eng die Funktionäre dieser Organisation stets mit der Kremlführung verbunden waren. Wie man so sagt, es fehlen nur noch die Epstein-Akten, um zu sehen, dass diese Verbindung durchaus real war.

Erst kürzlich wurde in eben diesen Akten beispielsweise über den ehemaligen Generalsekretär des Europarates Thorbjørn Jagland, einen norwegischen Politiker, berichtet, der alles daransetzte, Russland nach der Verhängung von Sanktionen gegen die russische Delegation wieder in diese internationale Organisation zurückzubringen.

Viele glaubten, dies habe ausschließlich mit dem Wunsch des Politikers zu tun, die Atmosphäre des Dialogs und das Budget der Organisation, deren Apparat er leitete, zu retten. Doch nun wird völlig offensichtlich, dass es ein bestimmtes Niveau finanzieller Beziehungen gibt, über das man Journalisten nichts erzählt, sondern ganz andere Motive für sein Handeln anführt.

Das Internationale Olympische Komitee versucht seit Langem, das Böse zu rechtfertigen, wenn dieses Böse mit Moskau verbunden ist. Schon die Olympiade 1980 in der sowjetischen Hauptstadt hätte nicht stattfinden dürfen. Nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan war völlig klar, dass olympische Wettbewerbe in Moskau und anderen Städten der Sowjetunion dort keinen Platz hatten.

Doch der damalige Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Juan Antonio Samaranch, ein ehemaliger Minister in der franquistischen Regierung Spaniens, kam Russland entgegen – trotz des Boykotts der Olympischen Spiele durch die Vereinigten Staaten und andere zivilisierte Länder. So kam es, dass die Olympiade von einem Aggressorstaat ausgerichtet wurde, der zum Zeitpunkt ihrer Durchführung den grausamen Krieg gegen das afghanische Volk nicht einmal eingestellt hatte, während Länder, die sich gegen diesen Krieg stellten, nicht an diesen Olympischen Spielen teilnehmen konnten.

Und ein beschämenderes Ereignis in der Geschichte des Weltsports als die Moskauer Olympiade ist kaum vorstellbar. Das ist eine Schande, die für immer in der Sportgeschichte bleiben wird. Man wird sagen, es habe eine ähnliche Olympiade in Berlin gegeben, die von Adolf Hitler eröffnet wurde. Doch damals hatte Deutschland zumindest noch niemanden angegriffen, während die Moskauer Olympiade in der Hauptstadt eines Aggressorstaates während aktiver Kriegshandlungen stattfand.

Und jetzt sehen wir, dass sich die Geschichte im Grunde wiederholt. Russland führt denselben Eroberungskrieg, nur in größerem und grausamerem Ausmaß, wie einst die Sowjetunion in Afghanistan. Und russische Sportler, Bürger des Aggressorstaates, sollen in den Weltsport zurückgeführt werden. Gleichzeitig wird einem ukrainischen Athleten nicht einmal erlaubt, der Opfer des Krieges zu gedenken, den die Russische Föderation begonnen hat und den sie in absehbarer Zukunft nicht zu beenden beabsichtigt.

Als die olympische Bewegung wiederbelebt wurde, war ihre Idee gerade die Idee des Friedens. Es geht nicht um Sport um des Sports willen. Es geht nicht um Sport um des Geschäfts willen. Schon deshalb nicht, weil an den Olympischen Spielen formal keine Profisportler teilnehmen sollen. Es ist Sport für den Frieden und das gegenseitige Verständnis zwischen den Völkern.

Und gerade deshalb wurden im antiken Griechenland, aus dem diese große Idee hervorging, während der Kriege keine Olympischen Spiele ausgetragen – oder die Kämpfe wurden zumindest für die Dauer der Spiele eingestellt. Und deshalb wurden in der neueren Geschichte während des Zweiten Weltkriegs ebenfalls keine Olympischen Spiele ausgetragen.

Wenn man also den Wunsch hat, eine Olympiade während eines großen Krieges in Europa durchzuführen, dann ist es offensichtlich, dass bei dieser Olympiade kein Platz für Bürger des Staates sein kann, der diesen Krieg begonnen hat. Und bei dieser Olympiade muss es Platz für das Gedenken an jene geben, die Opfer dieses Krieges wurden.

Denn genau darin liegt der Sinn der olympischen Bewegung. Nicht darin, dass sie außerhalb der Politik steht, sondern darin, dass sie dem Frieden zwischen den Völkern dient. Und wir wissen genau den Namen des Staates, der heute alles daransetzt, dass die kommenden Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts Jahrzehnte des Krieges, der Krise und der Katastrophen werden. Das ist die Russische Föderation, die sich durch diesen bereits stattfindenden Krieg und durch jene Konflikte, deren Zeugen wir in den kommenden schweren Jahrzehnten sein werden, selbst bestätigt.

Und je mehr wir davor die Augen verschließen und es verbieten, derer zu gedenken, die infolge ihrer Aggression ums Leben gekommen sind, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit eines großen Krieges in Europa und in der Welt. Und desto größer wird die Möglichkeit, dass wir in den kommenden Jahrzehnten keine neuen Olympischen Spiele mehr erleben werden. Dann wird die Welt andere Sorgen haben – das eigene Überleben.


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Titel des Originals: Ганебне рішення МОК щодо Гераскевича | Віталій Портников. 12.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 12.02.2026.
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Financial Times: Zelensky bereitet Wahlen vor | Vitaly Portnikov. 11.02.2026.

Die Zeitung Financial Times behauptet, dass der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, bereits am 24. Februar, dem Jahrestag des Angriffs russischer Truppen auf die Ukraine, die Möglichkeit der Durchführung von Wahlen und eines Referendums ankündigen werde, das mit einem Friedensabkommen verbunden sein soll, das angeblich bei Verhandlungen zwischen der russischen und der ukrainischen Delegation unter Vermittlung des Weißen Hauses abgestimmt wird. Gerade das Weiße Haus drängt auf die Durchführung solcher Wahlen und eines Referendums und spricht von einer Frist bis zum 15. Februar.

Natürlich kann man jetzt sagen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, weiterhin auf ein rasches Ende des russisch-ukrainischen Krieges hofft, um seine friedensstiftenden Erfolge im Wahlkampf für den US-Kongress zu demonstrieren, der bekanntlich mit den Zwischenwahlen im November 2026 seinen Abschluss finden soll. Wie wahrscheinlich jedoch die Informationen der britischen Journalisten sind, lässt sich derzeit nur schwer sagen.

Im Büro des Präsidenten der Ukraine wurde die Möglichkeit einer solchen Erklärung Zelenskys nicht bestätigt. Eine Quelle aus dem Umfeld des Präsidenten betonte, solange es keine Sicherheit gebe, könne es auch keine Ankündigung von Wahlen geben. Dabei gehe es gerade um Sicherheit als solche und nicht um Sicherheitsgarantien, von denen im Artikel der Financial Times ebenfalls die Rede ist.

Die Zeitung besteht darauf, dass das Weiße Haus die Durchführung von Wahlen und eines territorialen Referendums in der Ukraine mit amerikanischen Sicherheitsgarantien verknüpft. Aber was würden diese Garantien tatsächlich bedeuten? Und vor allem: Würde die russische Seite solchen Garantien zustimmen, die im Falle einer Wiederaufnahme des Konflikts ein direktes Eingreifen der US-Armee in den russisch-ukrainischen Konflikt vorsehen würden?

In Wirklichkeit ist nichts bekannt. Eher handelt es sich um Wünsche aus Washington und Kyiv, die zweifellos auf harten Widerstand Moskaus stoßen würden. Vertreter der russischen Führung verbergen bereits jetzt ihre Enttäuschung über das gegenwärtige Vorgehen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump nicht. Und natürlich bleiben grundlegende Fragen ungelöst, die Putin als Voraussetzungen nicht einmal für ein Friedensabkommen, sondern schon für Verhandlungen über dessen Unterzeichnung bezeichnet.

Es geht selbstverständlich um den Abzug der ukrainischen Truppen aus jenem Teil der Gebiete Donezk und Luhansk, der weiterhin von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert wird, sowie um das Schicksal des Kernkraftwerks Saporischschja, dessen Kontrolle Putin natürlich vor dem Hintergrund der fortgesetzten Zerstörungen in der ukrainischen Energiewirtschaft behalten will. Und irgendwelche realen Anzeichen dafür, dass der Präsident der Russischen Föderation bereit wäre, von irgendeiner seiner maximalistischen Vorstellungen darüber abzurücken, wie der russisch-ukrainische Krieg beendet werden soll, beobachten wir bislang nicht.

Ebenso erscheint die Idee selbst, dass der Präsident der Ukraine Wahlen und ein Referendum ankündigt, die bereits im kommenden Monat stattfinden sollen, reichlich unrealistisch. Erstens müsste zur Durchführung von Wahlen und eines Referendums, das mit ukrainischem Territorium verbunden ist – wobei ich sofort sagen will, dass die Verfassung der Ukraine weder den Bürgern noch dem ukrainischen Parlament grundsätzlich das Recht gibt, über Fragen unserer territorialen Integrität zu entscheiden –, jedenfalls das Kriegsrecht aufgehoben werden. Eine Aufhebung des Kriegsrechts unter den Bedingungen eines andauernden russisch-ukrainischen Krieges, ständiger russischer Angriffe auf ukrainische Städte und Kämpfe an der Frontlinie ist jedoch kaum vorstellbar.

Ebenso wenig erscheint es realistisch, dass der Präsident der Russischen Föderation einer Beendigung der Kampfhandlungen auch nur für kurze Zeit zustimmen würde, damit die Ukraine das Kriegsrecht aufheben und Wahlen sowie ein Referendum durchführen kann. Selbst wenn man sich in einer Art science Fiktion Fernsehserie vorstellt, dass Putin von seiner Idee abrückt, zuerst einen Friedensvertrag und erst danach einen Waffenstillstand zu schließen, um vollwertige Präsidentschaftswahlen in der Ukraine und ein mit dem Friedensabkommen verbundenes Referendum abzuhalten, würde dafür Zeit benötigt, die sich kaum in einige Wochen von März bis Mai pressen ließe – ganz zu schweigen vom elementaren Fehlen von Haushaltsmitteln im ukrainischen Budget für die Durchführung solcher Wahlen.

Und wir dürfen nicht vergessen, dass in einer solchen Situation völlig unklar ist, wie ein Wahlkampf ablaufen soll. In einem demokratischen Land – und die Ukraine ist ein demokratisches Land – müssen Wahlen konkurrenzfähig sein. Die Financial Times bringt die Präsidentschaftswahlen generell mit Zelenskys Wunsch in Verbindung, für eine weitere Amtszeit wiedergewählt zu werden. Und ich betone, dass gerade das Jahr 2026, falls die Wahlen in absehbarer Zeit stattfinden, dem ukrainischen Präsidenten eine solche Möglichkeit eröffnen würde.

Wenn jedoch die ukrainischen Behörden den überwiegenden Teil des Informationsraums des Landes kontrollieren und potenzielle Konkurrenten des Präsidenten entweder nicht zu den Wahlen zugelassen werden – weil Krieg herrscht und sie sich ihren Amtspflichten widmen müssen – oder keine reale Möglichkeit erhalten, ihre Programme und Vorstellungen darüber darzulegen, wie sich die Situation der Ukraine im russisch-ukrainischen Krieg entwickeln soll, schlicht weil der Fernsehraum vom Büro des Präsidenten monopolisiert wird, dann würden solche Wahlen des Staatsoberhauptes zu einem gewöhnlichen Plebiszit werden, das lediglich den Fortbestand der Vollmachten Volodymyr Zelenskys für eine weitere Amtszeit bestätigen soll.

Doch auch das ließe sich als Wille des ukrainischen Volkes betrachten. Schließlich haben die Ukrainer Zelensky 2019 zum Präsidenten gewählt. Und wer hat gesagt, dass ein großer Teil der ukrainischen Wähler nicht erneut für ihn stimmen würde?

Nur werden Präsidentschaftswahlen sowohl von Putin als auch von Donald Trump benötigt, um Zelensky aus der politischen Bühne der Ukraine zu entfernen – aus einem einfachen Grund. Sowohl der russische als auch der amerikanische Präsident haben sich selbst davon überzeugt, dass es mit einem nächsten Führer des ukrainischen Staates wesentlich leichter sein werde, sich auf irgendwelche kompromisshaften Bedingungen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu einigen, die sowohl den Kreml als auch das Weiße Haus zufriedenstellen würden – oder genauer gesagt: die den Kreml zur Freude des Weißen Hauses zufriedenstellen würden.

Ähnliches gab es 2019, als Putin sich davon überzeugte, dass die Entfernung des vorherigen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko von der politischen Bühne es ihm ermöglichen würde, Volodymyr Zelensky zu einer Kapitulation zu zwingen, die man in westlichen Hauptstädten damals eher als Bereitschaft zu konstruktiven Verhandlungen mit Moskau wahrnahm. Und es ist daran zu erinnern, dass damals sowohl der russische Präsident als auch westliche Führer, die im Zusammenhang mit der Wahl eines neuen Präsidenten der Ukraine neue Perspektiven für russisch-ukrainische Vereinbarungen sahen, sich schlicht getäuscht haben.

Denn jenseits von Wahlergebnissen steht die feste Vorstellung der ukrainischen Gesellschaft, dass die Ukraine weder verkauft noch zu einem russischen Satelliten gemacht werden darf. Und zweifellos würden selbst im Falle von Präsidentschaftswahlen, die mit einem Wechsel des ukrainischen Präsidenten enden, Putin und Trump sich – wie 2019 – erneut täuschen.

Daher gibt es keinen praktischen politischen Sinn in der kurzfristigen Durchführung von Präsidentschaftswahlen in der Ukraine und in der Hoffnung, dass die Ukrainer in einem Referendum die Übergabe ihres eigenen Territoriums an Russland billigen würden. Es gibt jedoch offensichtlichen Druck aus dem Weißen Haus, wo viele glauben, dass gerade ein solcher Verlauf der Ereignisse den russisch-ukrainischen Krieg beenden könnte. Obwohl offensichtlich ist, dass das einzige reale Rezept für ein Ende dieses Krieges in absehbarer Zukunft nicht der Versuch ist, ukrainische Wahlen abzuhalten, sondern die Möglichkeit eines harten, unablässigen und dauerhaften Drucks auf Russland und seine Wirtschaft.


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Titel des Originals: Financial Times: Зеленський готує вибори | Віталій Портников. 11.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 11.02.2026.
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Wir werden den Krieg noch lange ausatmen. Iryna Hovorucha.

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Wir werden den Krieg noch lange ausatmen. Vielleicht ein Dutzend oder einhundert Jahre lang. Wir werden am Rand zwischen Rechten und Unrechten balancieren. Zwischen Helden und Verrätern. Gewissenhaften und Gewissenlosen. Mutigen und Feiglingen. Patrioten und Angepassten. Am Ende wird jeder bei seiner eigenen Wahrheit und seinem eigenen Zorn bleiben. Mit seinem eigenen Satz an Ansichten, Überzeugungen und Standpunkten.

Noch viele Jahre werden Streit, Vorwürfe und Auseinandersetzungen aus jedem Anlass andauern. Denn der Krieg trägt schwere Schwingungen und Prüfungen in sich. Am Ende werden jene, die im Hinterland gearbeitet haben, diejenigen, die einen Mörser geladen haben, niemals vollständig verstehen. Die mit beiden Beinen werden die Beinlosen nicht verstehen. Die im Ausland Lebenden – jene, die geblieben sind. Manche werden ohne einen Kratzer aus dem Krieg hervorgehen, andere werden die Nächsten begraben. Einige werden in dieser Zeit reich werden, andere alles bis zum letzten Faden verlieren. Damit werden wir leben müssen. Ziemlich lange. Bis zum Lebensende.

Sie wurde im Oktober aus der Gefangenschaft entlassen. Die Frau verbrachte lange 187 Tage in Gefangenschaft und kehrte weiß wie Schnee zurück. Ohne Zähne, ohne Kraft, ohne Antrieb. Noch immer schläft sie nachts nicht, denn jede Nacht stürmten die Raschisten in die Zelle, rissen sie auf die Beine und zwangen sie, die Hymne Russlands zu singen. Bis zu dreißig Mal pro Nacht führten sie sie hinaus. Die Gefangenen hatten keine Möglichkeit, sich zu waschen, medizinische Hilfe oder menschliche Nahrung zu erhalten. Einige gingen zur Arbeit (sie arbeiteten als Näherinnen) und bekamen dafür eine Rolle Toilettenpapier. Sie schmuggelten festen Faden heraus und korrigierten sich damit gegenseitig die Augenbrauen. In Oleniwka zogen sie sie bis auf die Unterwäsche aus und gaben ihnen dann dreißig Sekunden zum Anziehen. Sie amüsierten sich, indem sie zusahen, wie die Unglücklichen versuchten, in ihre Hosen zu springen, und warnten: „Schaffst du es nicht, gehst du so.“ In einer Zelle, die für sechs Personen ausgelegt war, befanden sich vierzig. Danach – Walujki, Taganrog, Gebiet Brjansk. Unerträglich war die Sehnsucht nach Bonbons. Nach einem Apfel. Nach einer Gurke. Unerträglich war die Sehnsucht nach Hause.

Dmytro (ein junger Mann aus Wolhynien) ist erst 22 Jahre alt. Derzeit liegt er mit einer schweren Verwundung im Krankenhaus. An jenem Tag schlug bei der Ausführung eines Auftrags ein Schuss aus einer „Akazija“ ein und explodierte wenige Meter entfernt. Einer hatte Glück und konnte weglaufen, Dmytro deckte seinen Kameraden mit seinem Körper, doch leider überlebte dieser nicht. Er starb im Evakuierungsfahrzeug. Sein eigenes Bein wurde ihm abgerissen und versetzte ihm einen spürbaren Schlag. Das andere erinnerte an ein Suppenpaket.

Heute fühlt er sich nicht gut. Das linke Bein ist weg, das rechte konnte man zusammensetzen. An der linken Hand ist nur noch ein Finger übrig, aber das macht nichts. Einmal kam ein Freiwilliger mit einer Gitarre. Der Verwundete setzte sich mühsam auf (der junge Mann trug eine Windel, Sepsis, hohes Fieber) und bat, Skryabin zu spielen. Mit einem Finger scrollte er den Text auf dem Handy und sang: „Mama, verzeih mir, dass ich erwachsen geworden bin.“ Beinlos, mit Metall vollgestopft, mit einem Kreuz auf der Brust…

Eine Familie aus einem kleinen Dorf im Gebiet Saporischschja geriet faktisch vom ersten Tag an unter Besatzung. Sie hatten alles: ein Haus, einen Gemüsegarten, einen Weinberg. Sie bauten die Sorten „Arkadia“ und „Kodrjanka“ an. Sie zogen ihre Enkel groß. Und dann – auf einmal Krieg. Wohin man auch blickte – überall feindliche Fratzen. Wegzufahren gelang erst beim fünften Versuch: Sie stellten sich um sechs Uhr morgens in die Schlange und standen darin bis tief in den Abend. Als sie zum Kontrollposten kamen, hörten sie gleichgültiges: „Nicht erlaubt“, – und kehrten zurück. Sie wunderten sich über die Verräter: Diese dienten dem Feind freiwillig, obwohl sie hier geboren und getauft worden waren. Gestern noch waren sie Zootechniker und Traktoristen, heute – Raschisten-Polizisten.

Man nahm sie im Gebiet Tscherkassy auf. Man empfing sie wie Verwandte, stellte ihnen ein Haus zum Wohnen zur Verfügung. Eines Tages humpelte eine Großmutter zu den Vertriebenen und brachte in einem Bündel Rote Bete, Kartoffeln, Knoblauch. Ihr Rücken ist gebeugt, Ihre Hände haben sich vom Säen, Jäten und Graben gekrümmt, und nun teilte sie das Angebaute mit denen, denen es noch schlechter geht. Sie nahmen es und weinten…

Wir werden den Krieg noch lange ausatmen. Bis zum Lebensende…


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Autor: Iryna Hovorucha
Veröffentlichung / Entstehung: 06.02.2026
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Der Umsturz in Kirgisistan | Vitaly Portnikov. 11.02.2026.

Spät am Dienstagabend nach Bischkeker Zeit hat sich in Kirgisistan ein echter, wenn auch überraschender Staatsstreich ereignet. Der Präsident des Landes, Sadyr Schaparow, enthob den Vorsitzenden des Komitees für Nationale Sicherheit Kirgisistans, seinen faktischen Mitregenten Kamtchybek Taschijew, seines Amtes. Viele waren der Ansicht, dass Taschijew selbst bei den nächsten Wahlen in Kirgisistan Anspruch auf das Präsidentenamt erhob.

Schaparow und Taschijew waren gemeinsam an die Macht gekommen, nachdem sie eine Revolution organisiert hatten, die schließlich zur Freilassung Schaparows aus der Haft und zu seiner Wahl zum Staatsoberhaupt Kirgisistans unter allgemeinem Volksenthusiasmus geführt hatte. Und man muss anerkennen, dass es Schaparow – dem ersten kirgisischen Präsidenten zumindest seit Askar Akajew – gelungen ist, seine Macht so zu festigen, dass er weder das Parlament noch claninterne Konflikte im Land zu fürchten braucht. Dabei waren viele der Meinung, dass er diese Machtfestigung vor allem dem Vorsitzenden des Komitees für Nationale Sicherheit verdanke und dass Kirgisistan tatsächlich von einem echten Tandem regiert werde. 

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch fand dieses Tandem ein Ende. Es heißt, dass Schaparow und Taschijew, die sich derzeit beide zu medizinischer Behandlung in München aufhalten, zuvor in erhitztem Ton miteinander gesprochen hätten und dass der Präsident einen Appell aus der Öffentlichkeit, in den kommenden Monaten vorgezogene Präsidentschaftswahlen durchzuführen, als Versuch des Chefs des Komitees für Nationale Sicherheit aufgefasst habe, die Macht an sich zu reißen, ohne abzuwarten, wie viele Amtszeiten Schaparow noch regieren könne. Und angesichts eines bestimmten rechtlichen Widerspruchs zwischen der früheren und der aktuellen Fassung der Verfassung Kirgisistans könnte sich herausstellen, dass Schaparow aus rechtlicher Sicht durchaus noch mehrere Amtszeiten hintereinander Präsident bleiben kann.

Wie wir sehen, reichte jedoch der Wunsch Taschijews, seinen Freund an der Spitze des Staates zu ersetzen oder zumindest seine eigenen Positionen zu stärken, trotz der Bereitschaft des Präsidenten, das Kräftegleichgewicht zwischen ihm selbst und dem allmächtigen Chef des Komitees für Nationale Sicherheit aufrechtzuerhalten, weder Taschijew noch Schaparow aus. Es kam zunächst zu einem Konflikt auf öffentlicher Ebene und anschließend auch in den Beziehungen zwischen den beiden Mitgliedern des Tandems.

Dabei begleitete der Präsident die Entlassung des Chefs des Komitees für Nationale Sicherheit mit den Worten, es gebe Kräfte, die die nationale Einheit untergraben würden. Kurz darauf erklärte er jedoch, er habe damit keineswegs den inzwischen ehemaligen Leiter des Komitees für Nationale Sicherheit gemeint, sondern gerade jene, die zu vorgezogenen Präsidentschaftswahlen aufrufen. Taschijew wird damit gewissermaßen die Möglichkeit eingeräumt, nicht in eine direkte Konfrontation mit Schaparow einzutreten, sondern sich damit abzufinden, dass die Zeit des gemeinsamen Regierens im Tandem zu Ende gegangen ist.

Allerdings fürchtet Schaparow keineswegs nur den nunmehr ehemaligen Chef des Komitees für Nationale Sicherheit. Praktisch die gesamte Führungsspitze des Komitees ist von ihren Posten entfernt worden. Und es ist durchaus möglich, dass dies erst der Beginn einer großen politischen Säuberung ist.

Ein Großteil der kirgisischen Führung verdankt seinen Aufstieg gerade dem präsidialen Günstling und nicht dem Präsidenten selbst. Es ist daher verständlich, dass sich das Staatsoberhaupt nun keineswegs sicher ist, ob diese Personen ihn unterstützen werden, nachdem er sich seines Mitregenten entledigt hat. Deshalb wird über die mögliche Entlassung des Parlamentspräsidenten Kirgisistans und anderer Amtsträger spekuliert.

Deren Pressestellen dementieren diese Gerüchte zwar, doch vor dem Hintergrund der Säuberungen im Komitee für Nationale Sicherheit und der Schaffung eines eigenen staatlichen Schutzdienstes, der für die Sicherheit des Staatsoberhauptes und anderer hochrangiger Beamter zuständig sein soll, ohne dem Chef des KNB unterstellt zu sein, sondern direkt dem Präsidenten des Landes zu unterstehen, kann praktisch alles geschehen.

Natürlich stellt sich für viele auch die Frage, inwieweit dieser halb staatliche Umsturz die Positionen von Sadyr Schaparow selbst beeinflussen könnte. Bislang ist praktisch keiner der Präsidenten Kirgisistans – mit Ausnahme vielleicht Almasbek Atambajew – nach Ablauf seiner Amtszeit freiwillig zurückgetreten. Es sei daran erinnert, dass Atambajew nach dem Ende seiner Präsidentschaft einen erbitterten Konflikt mit seinem Nachfolger austrug, der zugleich als Garant seiner eigenen Sicherheit galt, und dass er nach einer Haftstrafe, aus der er übrigens gerade während der von Schaparow und Taschijew organisierten Revolution freikam, gezwungen war, ins Ausland zu emigrieren.

Auch das Schicksal aller anderen kirgisischen Präsidenten wirkt, milde gesagt, nicht glücklich. Das erste Staatsoberhaupt, der langjährige Präsident Askar Akajew, lebt weiterhin im Exil in Russland. Schon die bloße Tatsache seiner Rückkehr nach Kirgisistan wurde als echte politische Sensation wahrgenommen. Sein Nachfolger und Gegner Bakijew lebt im Exil in Belarus, und von einer Rückkehr ist keine Rede. Auch Atambajew befindet sich im Exil.

Zu behaupten, das Amt des Präsidenten Kirgisistans garantiere seinem Inhaber ein sorgenfreies Leben, hieße also schlicht, die historischen politischen Prozesse der letzten Jahrzehnte in Kirgisistan zu ignorieren.

Nun kommt der eigentliche Moment der Wahrheit. Hat sich Schaparow tatsächlich als jener Glückspilz erwiesen, dem es gelungen ist, in Kirgisistan ein Regime aufzubauen, das den Systemen der benachbarten zentralasiatischen Machthaber ähnelt, die nie daran gedacht haben, unter dem Druck einer Volksrevolution oder eines Clanputsches aus ihren Ländern fliehen zu müssen? 

Oder war die Stabilität seiner Position doch gerade durch die für Kirgisistan einzigartige Konstellation des Tandems garantiert? Und könnte die Zerstörung dieses Tandems wiederum fatal für den kirgisischen Präsidenten werden, der sich nach dem Konflikt mit seinem Mitregenten und Günstling als weit weniger allmächtig und autoritativ erweisen könnte, als er noch am Dienstagmorgen schien?

Genau das wird sich nach der von vielen als überfällig angesehenen Entscheidung Präsident Sadyr Schaparows zeigen, den Vorsitzenden des Komitees für Nationale Sicherheit Kirgisistans zu entlassen und das gesamte Sicherheitssystem des Landes neu zu formatieren – ein System, das in den letzten Jahren naturgemäß weniger auf die Interessen des Präsidenten selbst als vielmehr auf die Interessen Taschijews zugeschnitten war, der sich bereits nach dem Amt des Staatsoberhauptes umsah.


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Titel des Originals: Переворот в Кыргызстане | Виталий
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Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 11.02.2026.
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Macron fordert Trump heraus | Vitaly Portnikov. 10.02.2026.

Der französische Präsident Emmanuel Macron rief die Europäer dazu auf, sich auf mehr feindselige Momente seitens der Vereinigten Staaten vorzubereiten, und betonte, dass die Grönland-Situation keineswegs nur eine Episode gewesen sei und sich solche Schwierigkeiten in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa wiederholen könnten.

Macron unterstrich, dass Europa ein nüchternes Verständnis der aktuellen Lage in den Beziehungen zu den Vereinigten Staaten benötige sowie Reformen, die helfen würden, der doppelten Herausforderung sowohl durch die Vereinigten Staaten als auch durch die Volksrepublik China zu begegnen.

Man kann sagen, dass dies die offenste Erklärung eines führenden europäischen Staatschefs ist, nachdem die Europäer versucht hatten, jene offen scharfen Aussagen gegenüber den Mitgliedstaaten der Europäischen Union zu ignorieren, die der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, gemacht hatte. Und damit erkennt man in Paris an, dass die Politik des Übersehens, des Nachgebens und sogar des Schmeichelns gegenüber dem amerikanischen Präsidenten, man könnte sagen, gescheitert ist. Im Übrigen war dies genau jene Politik, zu der die Europäer den ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky nach dem Skandal im Oval Office geraten hatten.

Man ging davon aus, dass Trump, wenn man versöhnlich mit ihm spreche und ihn als herausragenden Staatsmann der Gegenwart und möglichen Kandidaten für den Friedensnobelpreis bezeichne, jeder Initiative zustimmen würde, die von jemandem komme, der ihm weiterhin schmeichelt. Doch wie wir sehen, ist das eine Unterschätzung des amerikanischen Präsidenten, der auch in dieser Situation bereit ist, Komplimente anzuhören, aber nur auf jene zu reagieren, die ihm aus politischer Sicht im jeweiligen Moment nützlich sind. Und so haben etwa die Komplimente des russischen Präsidenten Putin für Trump deutlich mehr Gewicht als jene, die ihm der Präsident der Ukraine oder irgendein europäischer Staatschef machen könnte.

Natürlich ist unklar, ob die Europäer auf Emmanuel Macron hören werden, doch falls sie es tun, falls die Position der Europäischen Union gegenüber der Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Europa und gegenüber dem russisch-ukrainischen Krieg härter wird, kann das für die Ukraine sowohl positive als auch negative Folgen haben.

Negative deshalb, weil es zu einer Spaltung unter den Verbündeten und zu dem Versuch jedes Einzelnen kommen könnte, so zu handeln, wie es seinen eigenen Interessen entspricht. Und in diesem Zusammenhang kann man auch an eine weitere Erklärung Emmanuel Macrons erinnern, in der er die europäischen Staats- und Regierungschefs dazu aufrief, sich auf Kontakte mit dem russischen Präsidenten Putin vorzubereiten. Wiederum, damit diese Kontakte betreffend Europa mit dem russischen Staatschef nicht hinter dem Rücken der Europäer von Vertretern des Weißen Hauses geführt werden.

Dies ist eine offensichtliche Folge der Legitimierung des russischen Präsidenten durch den amerikanischen. Denn wir verstehen, dass es nach den Telefonaten Trumps mit Putin, nach ihrem Treffen in Anchorage, für jeden westlichen Staatschef deutlich leichter geworden ist, mit dem russischen Präsidenten zu sprechen, während der russisch-ukrainische Krieg weitergeht, als zu der Zeit, als der Präsident der Vereinigten Staaten, Joseph Biden, den Kontakt mit dem russischen Präsidenten verweigerte.

Hier ist die Logik recht einfach. Ein Viktor Orbán könnte sagen: „Wenn Trump mit Putin spricht, warum sollte ich das nicht dürfen?“ Und bei Macron oder einem anderen Staatschef, der von Putins Politik nicht begeistert ist, lautet die Überlegung: „Es wird hinter unserem Rücken verhandelt, also müssen wir selbst mit dem russischen Präsidenten sprechen.“

Dabei muss man der Wahrheit ins Auge sehen: Der russische Präsident zeigt bislang kein echtes Interesse an ernsthaften Gesprächen mit den Europäern. Und der jüngste Besuch von Emmanuel Macrons Berater Emmanuel Bonne in der russischen Hauptstadt endete nach Einschätzung französischer Medien mit einem völligen Fiasko. Bonne sei, so ein Journalist, nur nach Moskau eingeladen worden, um ihn hinauszuwerfen. Doch die Lage kann sich verändern, denn auch die Situation in der russischen Wirtschaft verändert sich.

Und hier kehren wir zu der Frage zurück, warum eine härtere und ernsthaftere Haltung der europäischen Staatschefs gegenüber der Trump-Administration auch für die Ukraine von Vorteil sein kann. Denn in diesem Fall gelangt Europa zu der logischen Schlussfolgerung, dass die Unterstützung unseres Landes im Widerstand gegen die russische Aggression – ganz gleich, welches Interesse Trump, Witkoff, Kushner und andere Geschäftsleute im Weißen Haus an wirtschaftlichen Deals mit Moskau haben mögen – ein natürlicher Bestandteil einer entschiedeneren Reaktion auf Donald Trumps Wunsch ist, Europa seine eigenwilligen Vorstellungen von Weltpolitik aufzuzwingen.

Und hier kann man klar sagen, dass wir uns in einer Übergangssituation befinden. Selbst wenn ein Teil der europäischen Staats- und Regierungschefs jetzt nicht auf Emmanuel Macron hört und glaubt, mit dem amerikanischen Präsidenten und seinem engsten Umfeld verhandeln zu können, wird Europa so oder so über das nachdenken müssen, was Macron strategische Autonomie nennt.

Dabei geht es sowohl um wirtschaftliche Beziehungen als auch um größere Unabhängigkeit vom US-Dollar, falls dieser von den Vereinigten Staaten als Instrument wirtschaftlichen Drucks gegen Länder eingesetzt wird, die mit Donald Trumps politischer Vision nicht einverstanden sind. Und natürlich geht es um den Aufbau eines eigenen militärisch-industriellen Komplexes, der für die Ukraine heute im erbitterten Widerstand gegen Russland notwendig ist – und morgen, falls es angesichts der Probleme in der russischen Wirtschaft gelingt, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden oder zumindest auszusetzen.

Wir verstehen, dass am Tag nach einem möglichen Ende dieses Krieges beide Seiten beginnen werden, sich auf einen neuen vorzubereiten. Und dieser neue Krieg wird nur dann nicht stattfinden, wenn die Ukraine ein gut bewaffneter Staat ist, der bereit ist, einer neuen Phase russischer Aggression zu widerstehen – wann immer sie beginnt, ein oder zwei Jahre nach einer Aussetzung der Kampfhandlungen oder in zehn bis fünfzehn Jahren, wenn eine neue russische Führung sich wieder an die angebliche Notwendigkeit erinnert, den sogenannten Fehler von 1991 zu korrigieren, und erneut einen Krieg gegen unser Land beginnt.

Wenn Europa im Falle einer Wiederbelebung russischer Ambitionen über einen starken militärisch-industriellen Komplex verfügt, über eine gemeinsame nukleare Sicherheit, die sich auf die Nukleararsenale Frankreichs und Großbritanniens stützt, sowie über eine gemeinsame Vision der Rolle des europäischen Kontinents in der Weltpolitik, dann wird es keinen Krieg geben. Wenn all dies nicht vorhanden ist und wir erneut von der Stimmung eines jeweiligen Präsidenten der Vereinigten Staaten abhängig sind, dann ist ein Krieg zwischen Russland und der Ukraine – selbst wenn in den 2020er-Jahren dieses Jahrhunderts die Möglichkeit besteht, die derzeitige Phase auszusetzen – faktisch unvermeidlich.

Deshalb brauchen wir nicht nur eine Amerika, das während oder nach der Präsidentschaft Donald Trumps zur Vernunft zurückkehrt oder auch nicht zurückkehrt. Wir brauchen auch ein starkes Europa, das in der Lage ist, seine eigenen Interessen zu verteidigen – und damit auch die ukrainischen. Und in diesem Sinne kann man der Aussage Emmanuel Macrons nur zustimmen.


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Titel des Originals: Макрон кидає виклик Трампу | Віталій
Портников. 10.02.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 10.02.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Der Kreml droht Trump | Vitaly Portnikov. 10.02.2026.

Der Außenminister der Russischen Föderation, Sergej Lawrow, rief die Russen dazu auf, sich nicht vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump begeistern zu lassen und nicht darauf zu hoffen, dass dieser die Ukraine und die Europäer „in die Schranken weisen“ und Kyiv zwingen werde, den russischen Forderungen zuzustimmen.

Lawrow betonte, dass bereits zwei Verhandlungsrunden in Abu Dhabi stattgefunden hätten. Man würde sich zwar wünschen, dass der Krieg beendet werde, doch davon seien die Russen noch weit entfernt. Dies ist nicht die erste Erklärung eines russischen Funktionärs, in der die Enttäuschung des Kremls über die Schritte hervorgehoben wird, die die amerikanische Seite nach Anchorage unternimmt. 

Auch die führende russische Wirtschaftszeitung Wedomosti betont unter Berufung auf einen anonymen Teilnehmer der Gespräche in Abu Dhabi, dass Russland der Ansicht sei, die Vereinigten Staaten erfüllten jene Versprechen und Verpflichtungen nicht, die sie beim Treffen der Präsidenten der USA und Russlands eingegangen seien.

Die Quelle – bei der es sich auch um einen Vertreter des russischen außenpolitischen Apparats handeln könnte – ist der Meinung, dass Putin in Anchorage bereit gewesen sei, sogar bei territorialen Fragen Zugeständnisse zu machen. Selbstverständlich stellte er dabei jedoch die Notwendigkeit einer Kontrolle der gesamten Oblast Donezk durch die Russische Föderation nicht infrage. Es hätte sogar einen Kompromiss über die Stärke der ukrainischen Streitkräfte geben können. Voraussetzung Russlands sei jedoch gewesen, die Oblast Donezk von ukrainischen Truppen zu „säubern“ sowie eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten zu etablieren.

In Moskau heißt es, dies sei überhaupt eine zwingende Bedingung für die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges gewesen – was sehr deutlich die Sorge Putins über die wirtschaftliche Lage des eigenen Landes illustriert. Denn es stellt sich die Frage: Was haben die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Moskau und Washington mit dem Ende des Krieges an der russisch-ukrainischen Front zu tun?

Seitdem jedoch habe Russland von den Vereinigten Staaten keinerlei Belege dafür gesehen, dass Washington bereit sei, Moskau entgegenzukommen. Die Ukraine stimmt dem Abzug ihrer Truppen aus den Gebieten der Oblaste Donezk und Luhansk nicht zu, und die Vereinigten Staaten drängen Russland konsequent von den Energiemärkten und verhängen wirtschaftliche Sanktionen gegen das Land.

So kann man davon ausgehen, dass Russland – trotz Putins offensichtlichem Wunsch, sich nicht mit Donald Trump zu überwerfen – im Dialog mit der amtierenden US-Regierung keinerlei realen Fortschritt sieht. Genau davon spricht Lawrow.

Dies spiegelt zugleich mehrere Tendenzen wider.

Erstens beginnt Putin zu begreifen, dass es ihm mithilfe Trumps weder gelingen wird, die Kapitulation der Ukraine zu erreichen, noch die Europäer dazu zu bringen, ihre Unterstützung für unser Land im Widerstand gegen die Russische Föderation einzustellen.

Zweitens führt die ukrainische Verteidigung im Laufe der Zeit dazu, dass sich die russische Wirtschaft tatsächlich an der Grenze des Überlebens wiederfindet.

Gerade deshalb benötigt der russische Präsident so dringend eine sogenannte umfassende wirtschaftliche Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten. Diese Partnerschaft soll die Aufhebung der Sanktionen gegen die Russische Föderation, ihre Rückkehr auf die Energiemärkte – vor allem auf den europäischen Energiemarkt – sowie die Möglichkeit umfassen, die derzeit in der Europäischen Union eingefrorenen russischen Vermögenswerte zu bewahren und an Russland zurückzuführen.

Drittens nutzt Putin die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine ausschließlich als Instrument der Erpressung sowohl gegenüber der ukrainischen Seite als auch gegenüber den Vereinigten Staaten, ohne darauf zu hoffen, dass diese Gespräche zu konkreten Ergebnissen führen könnten.

Wenn der Außenminister der Russischen Föderation erklärt, dass dieser Prozess kaum schnell zu einem realen Ergebnis führen werde, meint er in erster Linie, dass die Verhandlungen sich kaum auf die vorwahlpolitische Position Donald Trumps im Vorfeld der Kongresswahlen auswirken werden. Wir wissen, wie ernst es der US-Präsident mit diesen Zwischenwahlen meint, von denen sowohl seine Fähigkeit abhängen kann, seine ehrgeizigen Pläne umzusetzen, als auch sogar seine Möglichkeit, bis 2029 an der Macht zu bleiben, falls die Demokraten die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses erlangen.

Gerade deshalb besteht das wichtigste Erpressungsinstrument der Russischen Föderation darin, Trump zu demonstrieren, dass Moskau seine Friedensbemühungen, die kurz vor den Zwischenwahlen mit Erfolg gekrönt sein sollen und zeigen sollen, dass er in der Lage ist, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden, nicht zulassen wird. Wenn Trump also tatsächlich daran interessiert ist, dass der Krieg endet, müsse er nicht Russland unter Druck setzen, sondern die Ukraine und die Europäische Union.

Das heißt, Kyiv müsse gezwungen werden, den russischen Bedingungen zuzustimmen, die nach Berechnung des Kremls zu einer Destabilisierung der innenpolitischen Lage in der Ukraine führen und das Vorgehen der russischen Truppen erleichtern könnten. Auf diese Truppen setzt Putin weiterhin.

Auch jetzt sprechen Militärexperten von der die Verlegung neuer russischer Truppen in die östlichen und südlichen Richtungen, was auf den Wunsch Moskaus hindeuten könnte, sich auf eine neue Frühjahrsoffensive gegen ukrainische Stellungen vorzubereiten. Oder aber die Stationierung dieser Truppen und Ressourcen ist ein weiteres Element von Putins Bluff – mit dem Ziel, sowohl auf die Ukraine als auch auf die westlichen Länder Druck auszuüben und zu betonen, dass, sollten sie seinen Bedingungen nicht rasch zustimmen – darunter territoriale Zugeständnisse der Ukraine, ihre ideologische Umformung zu einem Satelliten der Russischen Föderation und die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland –, eine neue Offensive beginnen werde, mit Versuchen, weitere ukrainische Gebiete zu erobern.

Vor dem Hintergrund jedoch, dass auch die aktuelle russische Offensive faktisch zu keinen strategisch wichtigen Ergebnissen geführt hat, richten sich diese Elemente des Moskauer Bluffs in erster Linie an einen einzigen Zuschauer: den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Die Signale, die Putin nun mithilfe Lawrows an Trump sendet, hängen vor allem mit dem Wunsch zusammen, den amerikanischen Präsidenten davon zu überzeugen, die Ukraine und unsere europäischen Verbündeten wirksamer dazu zu zwingen, der Erpressung des russischen Präsidenten und seines Umfelds zuzustimmen – eines Umfelds, das die Idee eines endlosen Krieges sowie die Destabilisierung der Ukraine und des Westens unterstützt.


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Titel des Originals: Кремль погрожує Трампу | Віталій Портников. 10.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: [Datum10.02.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Warum J. D. Vance zu Paschinjan geflogen ist | Vitaly Portnikov. 09.02.2026.

Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, J. D. Vance, besucht Jerewan und führt Gespräche mit dem armenischen Premierminister Nikol Paschinjan. Nach Armenien wird der Vizepräsident der Vereinigten Staaten nach Baku weiterreisen, um Gespräche mit dem Präsidenten Aserbaidschans, Ilham Alijew, zu führen. Dies ist die Fortsetzung jener Rolle der Vereinigten Staaten bei der Regulierung der Lage im Südkaukasus und bei der Öffnung von Handelsrouten zwischen den Nachbarstaaten, die die USA in den letzten Jahren gespielt haben und die sich nach dem Treffen von Nikol Paschinjan und Ilham Alijew mit Präsident Donald Trump noch verstärkt hat.

Damit demonstriert Washington, dass dieses Treffen kein einmaliges protokollarisches Ereignis war, sondern dass Washington tatsächlich an der Öffnung der Grenzen zwischen den ehemaligen Sowjetrepubliken, an der Beendigung der Feindseligkeiten und an einer für beide Seiten vorteilhaften wirtschaftlichen Zusammenarbeit interessiert ist.

Nach Georgien ist J. D. Vance nicht gereist. Allerdings ist der Umstand bemerkenswert, dass der Vizepräsident der Vereinigten Staaten unmittelbar vor seinem Besuch in Armenien und Aserbaidschan gemeinsam mit Außenminister Marco Rubio in Italien mit dem georgischen Präsidenten Micheil Kawelaschwili zusammentraf, wo die Politiker an der Eröffnung der Olympischen Spiele 2026 teilnahmen. Bei diesem Gespräch könnte es um die Wiederaufnahme der amerikanisch-georgischen Zusammenarbeit gegangen sein, die unterbrochen worden war, nachdem die derzeitigen georgischen Machthaber nicht nur einen Kurs zur Unterdrückung der Opposition eingeschlagen, sondern auch ihre Bereitschaft zu einem Einvernehmen mit Moskau signalisiert hatten.

Offenkundig wird die Wiederaufnahme der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten kaum mit einem Fortbestehen des Interesses an einer russisch-georgischen Zusammenarbeit in irgendeiner, auch nur verdeckten Form einhergehen. Damit machen die Vereinigten Staaten dem Kreml unmissverständlich klar, dass der Südkaukasus aufhört, eine sogenannte russische Einflusssphäre zu sein.

Zugleich verfügt Moskau derzeit nicht einmal über die Ressourcen, um den Vereinigten Staaten mit irgendwelchen konkreten realen Maßnahmen zu antworten. Es bleibt ihm lediglich, laute Erklärungen abzugeben und den USA vorzuwerfen, sie würden versuchen, jene Vereinbarungen zu verletzen, die zuvor zwischen den Präsidenten Donald Trump und Wladimir Putin getroffen worden seien.

Mit einer solchen Erklärung trat unter anderem der russische Außenminister Sergej Lawrow auf. Doch ebenso offensichtlich ist, dass Russland, das nahezu alle seine Ressourcen auf den russisch-ukrainischen Krieg konzentriert hat, nicht mehr in der Lage ist, den außenpolitischen Kurs der ehemaligen Sowjetrepubliken real zu beeinflussen. Diese hören vor unseren Augen auf, „post­sowjetisch“ zu sein, und werden zu normalen Staaten, die die russische Einflusssphäre verlassen, sich nicht länger an Zurufen aus Moskau orientieren und eigene Sicherheitsmodelle entwickeln, indem sie Gespräche mit Staaten führen, die noch vor Kurzem das russische Mitspracherecht in den Angelegenheiten des Südkaukasus und anderer Regionen auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion berücksichtigt hatten.

J. D. Vance ist einer der ranghöchsten amerikanischen Amtsträger, die die Region besuchen. Vor ihm war in der Funktion des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten zuletzt Dick Cheney, der Vizepräsident von George W. Bush, in der Region.

Die frühere Sprecherin des Repräsentantenhauses des US-Kongresses, Nancy Pelosi, besuchte ebenfalls den Südkaukasus, allerdings ausschließlich Armenien. Dass der Vizepräsident der Vereinigten Staaten sowohl Armenien als auch Aserbaidschan besuchen kann, zeigt, wie sehr sich die Lage in der Region verändert hat und wie stark der russische Einfluss zurückgegangen ist. Ich würde sogar sagen, dass dieser Besuch eine direkte Folge dieses schwindenden russischen Einflusses und der Unfähigkeit Russlands ist, die Lage im Südkaukasus weiterhin zu destabilisieren.

Schon vom ersten Tag nach dem Zerfall der Sowjetunion an war offensichtlich, dass sich die Situation grundlegend ändern würde, sobald es Moskau nicht mehr gelänge, sowohl in Aserbaidschan als auch in Armenien Einfluss zu bewahren und Konflikte zwischen den beiden Nachbarstaaten anzuheizen. Der wichtigste Faktor der Instabilität im Südkaukasus war dabei – bei aller real existierenden Feindschaft zwischen Armeniern und Aserbaidschanern – nicht diese Gegnerschaft selbst, sondern vor allem die Bemühungen russischer Politiker, Geheimdienste und Propagandisten, diese Feindschaft zu schüren und eine Lage zu schaffen, in der die Region marginal blieb: mit geschlossenen Grenzen, verfeindeten Völkern und Menschen, die einander nicht ertragen konnten. In dieser Situation fühlte sich die russische Führung überaus wohl.

Doch Putin hat – wie so oft in den 26 Jahren seiner autoritären und unbegabten Herrschaft – den Ast abgesägt, auf dem er saß. Mit der Verstrickung in einen blutigen und grausamen Krieg gegen die Ukraine verlor der russische Machthaber die Fähigkeit, auf alle postsowjetischen Herausforderungen zu reagieren. Genau das sehen wir heute: Russland ist nicht mehr in der Lage, die Vereinigten Staaten daran zu hindern, zum wichtigsten Garanten der Sicherheit in der Region zu werden, wie es über viele Jahrzehnte hinweg der Fall war.

Und Putin ist, den Worten desselben Donald Trump zufolge, gezwungen, sich beim amerikanischen Präsidenten anzubiedern und ihm zu sagen, wie toll es ihm gelungen sei, jene Meinungsverschiedenheiten zwischen Aserbaidschan und Armenien zu lösen, die Putin über Jahrzehnte hinweg nicht habe lösen können – als ob Putin diese Differenzen habe lösen wollen und nicht vielmehr daran interessiert gewesen wäre, sie zu vertiefen und zu verschärfen.

Es ist daher verständlich, dass Moskau den Besuch des amerikanischen Vizepräsidenten, selbst wenn er zu keinerlei konkreten Vereinbarungen führen sollte, mit schlecht verhehltem – oder vielleicht sogar offenem – Ärger verfolgen wird; dafür reichen schon irgendwelche Erklärungen von Maria Sacharowa. Dieser Ärger wird jedoch nichts an der einfachen Tatsache ändern können, dass die Zeit imperialer Ambitionen und Möglichkeiten der Russischen Föderation zu Ende geht – unter dem Donner russischer Bomben und Raketen in friedlichen ukrainischen Städten und unter dem Spott russischer Kriegsverbrecher über die Zivilbevölkerung der Ukraine.

Es hat sich gezeigt, dass das heutige Russland, Putins Russland, schlicht nicht mehr die Kraft besitzt, überall zu terrorisieren und überall Verbrechen zu begehen – auch wenn es dieses sadistische Verlangen vermutlich weiterhin hat.


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Titel des Originals: Зачем Вэнс прилетел к Пашиняну | Виталий Портников. 09.02.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 09.02.2026.
Originalsprache: ru
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Russland erstickt an seinem eigenen Öl | Vitaly Portnikov. 09.02.2026.

Die Agentur Bloomberg berichtet, dass die Erdölförderung in der Russischen Föderation bereits den zweiten Monat in Folge zurückgeht, während gleichzeitig die Menge des Öls zunimmt, das auf Tankern der sogenannten Schattenflotte Russlands feststeckt, also auf See. Derzeit beläuft sich diese Menge nach Einschätzung von Fachleuten auf rund 143 Millionen Barrel.

Das bedeutet, dass Russland zuvor Öl auf diese Schiffe verladen konnte, in der Hoffnung, Käufer zu finden. Doch wie wir sehen, finden sich keine Abnehmer. In den letzten Monaten haben nach den amerikanischen Sanktionen gegen die russischen Ölriesen Rosneft und Lukoil viele Länder des globalen Südens – vor allem deren Raffinerien – Verträge mit der Russischen Föderation gekündigt, aus Angst, unter sekundäre US-Sanktionen zu fallen. Hinzu kommt das offensichtliche Bestreben Neu-Delhis, die Beziehungen zu Washington nicht zu gefährden.

Nach dem jüngsten Telefonat mit dem indischen Premierminister Narendra Modi erklärte der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, Indien werde auf den Kauf russischen Öls verzichten. Narendra Modi selbst äußerte sich nicht in dieser Form. Indische Journalisten stellten jedoch einen deutlichen Rückgang der russischen Ölimporte im Ölbilanzmix ihres Landes fest.

Gestern wurde zudem bekannt, dass sich Indien sogar an den Bemühungen beteiligt hat, die Schattenflotten von Ländern zu stoppen, die unter US-Sanktionen stehen. Indische Grenzschützer beschlagnahmten drei iranische Tanker. Dabei ist klar, dass die iranischen Öllieferungen eng mit jenen Russlands – und in jüngerer Zeit auch Venezuelas – verknüpft sind. Alle drei Länder profitieren gewissermaßen von der realen energiepolitischen Unterstützung der Volksrepublik China.

So ist Russland in eine Lage geraten, in der der Ölsektor faktisch kollabiert. Einerseits gibt es einen erheblichen Rückgang der Kapazitäten der russischen Raffinerien selbst, was vor allem mit ukrainischen Angriffen auf diese Anlagen zusammenhängt. Und um die Wahrheit zu sagen: Hätte die Ukraine von den Vereinigten Staaten und den europäischen Ländern Langstreckenwaffen erhalten, gäbe es in Russland möglicherweise derzeit überhaupt keine Ölverarbeitung mehr. Das bedeutet, dass Russland gezwungen ist, raffinierte Erdölprodukte im Ausland zu kaufen.

Was aber soll man dann mit dem Öl machen, das zuvor in die russischen Raffinerien geliefert wurde? Natürlich muss man es verkaufen. Doch wie soll man verkaufen, wenn die westlichen Länder – vielleicht mit Ausnahme Ungarns und der Slowakei – sich weigern, den russischen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren und russisches Öl zu kaufen, und wenn die Länder des globalen Südens amerikanische und europäische Sanktionen fürchten?

Für Russland verschärfte sich die Lage noch weiter, als deutlich wurde, dass europäische Sanktionen gegen jene Länder zu greifen beginnen, die weiterhin Erdölprodukte aus russischem Öl herstellen. Diese Produkte gelangen nun nicht mehr auf den europäischen Markt, was das Interesse der früheren Sponsoren der russischen Ölindustrie am Kauf russischer Rohstoffe weiter reduziert hat.

Schon jetzt lässt sich sagen, dass der russische Staatshaushalt nicht mehr auf Öl und Gas hoffen kann wie in den ersten Jahrzehnten von Putins Herrschaft. Jahr für Jahr sinkt der Anteil der Energieeinnahmen am Budget. Es ist sogar eine Situation entstanden, in der die größten Energieunternehmen der Russischen Föderation, eng mit dem Kreml verbunden, staatliche Subventionen erhalten, anstatt dem Haushalt Mittel für die Kriegsfinanzierung und die Aufrechterhaltung relativer sozialer Stabilität zu verschaffen.

Zu den wichtigsten Empfängern staatlicher Hilfe zählen Rosneft und Gazprom, die über Jahrzehnte hinweg Putins persönliche Geldbörsen waren und von seinen engsten Vertrauten geführt werden.

Das bedeutet natürlich nicht, dass Putin über ein sofortiges Ende des russisch-ukrainischen Krieges nachdenkt. Stattdessen versucht der russische Staat zunehmend, die Lage auf Kosten seiner eigenen Bürger zu bewältigen: durch steigenden Druck auf Unternehmen außerhalb des Energiesektors und durch höhere Steuern für gewöhnliche Bürger. All dies soll es dem Staatshaushalt ermöglichen, zumindest vorerst ohne Öleinnahmen auszukommen, während Putin den Krieg fortsetzt.

Wir alle verstehen jedoch sehr gut, dass eine solche Situation nicht lange anhalten kann, denn Putins Krieg gegen die Ukraine war für ihn gewissermaßen ein „Premiumkrieg“.

In der russischen Geschichte war es immer so: Sobald überschüssiges Geld vorhanden ist, vertrinkt es der einfache Arbeiter aus einem Rüstungsbetrieb in Nischni Tagil, während der russische Diktator – Zar, Generalsekretär oder Präsident – einen Eroberungskrieg beginnt. In diesem Land scheint man kaum zu verstehen, was man sonst mit überschüssigem Geld anfangen könnte, außer jemanden dafür zu töten.

Wenn es jedoch kein überschüssiges Geld gibt, verhalten sich die Russen völlig anders. Die einfachen Menschen suchen nach Wegen zu überleben, und die Staatslenker verhandeln nicht mehr über luxuriöse Mercedes für die verroh­te Elite, sondern über „Bush-Hänchenschenkel“, um die verarmte Bevölkerung zu ernähren. Genau zu einer solchen wirtschaftlichen Lage könnte der Zusammenbruch der russischen Energiefähigkeiten führen.

Dabei haben wir noch gar nicht die Möglichkeit betrachtet, dass der Ölpreis stark fallen könnte – nicht so wie heute, sondern so, wie es in großen Wirtschaftskrisen geschieht.

Wenn in Russland die Energieeinnahmen bereits dann sinken, wenn von einer schweren Krise auf den Energiemärkten noch keine Rede sein kann, dann stellen wir uns einfach vor, was mit der russischen Wirtschaft geschieht, wenn die Energieunternehmen sie nicht mehr stützen können, sondern selbst immer mehr Geld für ihr eigenes Überleben verlangen.

Und wird Putin dann Igor Setschin oder Alexei Miller etwas abschlagen können – jenen Männern, die ihm über viele Jahre ermöglicht haben, Paläste in Gelendschik zu bauen oder Eroberungskriege gegen Nachbarländer zu führen?

Die Lage ist für Putin also keineswegs so rosig, wie es der Kreml darstellen möchte. Der russische Präsident hofft vielmehr weiterhin, für sich komfortable Bedingungen für ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu erlangen und alles zu tun, damit die russische Krise erst eintritt, nachdem er diese Bedingungen durchgesetzt und die Ukraine in einen eigenen Satelliten verwandelt hat.

Doch die Zeit spielt derzeit ganz und gar nicht auf Putins Seite. Das wissen nicht nur im Kreml, sondern auch im Weißen Haus alle sehr genau, wo man weiterhin hofft, den russischen Präsidenten in den kommenden Monaten zu Zugeständnissen für ein Ende des Krieges gegen die Ukraine zu bewegen.


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Titel des Originals: Росія захлинається власною нафтою | Віталій Портников. 09.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 09.02.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Lawrow räumte das Scheitern Russlands ein | Vitaly Portnikov. 09.02.2026.

Der Leiter des russischen Außenministeriums, Sergej Lawrow, beschuldigte das Weiße Haus, jene Vereinbarungen nicht einzuhalten, die während des Treffens der amerikanischen und russischen Präsidenten in Anchorage erzielt worden seien.

Lawrow betonte, dass die Vereinigten Staaten nicht bereit seien, über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges so zu verhandeln, wie es Präsident Trump und Präsident Putin vereinbart hätten, und dass sie zugleich unter dem Vorwand der Entwicklung wirtschaftlicher Beziehungen versuchten, in der Weltwirtschaft zu dominieren und Russland aus allen – aus Lawrows Sicht – traditionellen Bereichen seines wirtschaftlichen Einflusses zu verdrängen.

Lawrow erinnerte daran, dass sich die Vereinigten Staaten für solche Transitrouten interessieren wie das ukrainische Gastransportsystem oder die zerstörten Nord-Stream-Pipelines sowie die TurkStream-Leitungen. Zugleich könne im Kreml nicht übersehen werden, dass die Vereinigten Staaten derzeit tatsächlich versuchen, die energetischen Möglichkeiten der Russischen Föderation einzuschränken. Das zeige sich sowohl in der faktischen Abkehr Indiens von großen Mengen russischen Öls als auch in der Festsetzung von Schiffen der russischen Schattenflotte. Indien habe sich diesen Maßnahmen angeschlossen, die zuvor bereits von den Vereinigten Staaten und europäischen Ländern durchgeführt worden seien.

Hinzu komme das reale, ernsthafte und interessierte Engagement Trumps und seiner Administration in den Angelegenheiten der ehemaligen Sowjetrepubliken. Man müsse daran erinnern, dass Lawrows Interview vor dem Hintergrund der Reise des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, J. D. Vance, nach Armenien und Aserbaidschan stattfindet. Und es bestehe kein Zweifel daran, dass der Kreml diese ehemaligen Sowjetrepubliken nahezu ebenso als seine Einflusszone betrachtet wie die Ukraine oder Belarus. Die Tatsache, dass sich der Vizepräsident der Vereinigten Staaten in ihren Hauptstädten aufhält, wird von Putin ebenfalls als Eindringen in das eigentliche Territorium der russischen Einflusssphäre wahrgenommen.

Doch den Amerikanern vorzuwerfen, sie hätten sich nicht so mit den Russen geeinigt, wie geplant, erscheint mir unangebracht. Der Kreml hat den sogenannten „Geist von Anchorage“ selbst erfunden und versucht nun Donald Trump und seine Administration zur Anerkennung der Existenz dieses erfundenen Geistes zu zwingen. 

Wir erinnern uns gut daran, wie das Treffen der russischen und amerikanischen Präsidenten in Alaska endete. Sie sprachen praktisch nicht mit Journalisten. Donald Trump betonte, dass keinerlei Vereinbarungen erzielt worden seien. Einen feierlichen Abschied des russischen Präsidenten – im Gegensatz zu dem Empfang, den Donald Trump ihm bereitet hatte – gab es nicht. Der amerikanische Präsident verließ Alaska sofort, ohne jegliche Zeremonien mit seinem russischen Amtskollegen. Es war offensichtlich, dass sich die Präsidenten der beiden Länder in grundlegenden Fragen nicht geeinigt hatten.

Ja, später versuchte Trump, dieses Fiasko als Erfolg darzustellen und sprach von einem gelungenen Treffen, doch in Anchorage selbst war kein „Geist von Anchorage“ zu erkennen. Dieser Geist tauchte erst später in den Erklärungen russischer Beamter und Propagandisten auf. Zu glauben, dass sich die Präsidenten in Anchorage tatsächlich auf den Abzug ukrainischer Truppen aus der Region Donezk und auf ein Einfrieren des Konflikts entlang der Kontaktlinie in den Regionen Saporischschja und Cherson geeinigt hätten, bedeutet, das Fehlen realer Vereinbarungen durch verschwörungstheoretische Konstruktionen zu ersetzen.

Offensichtlich erkannte Trump nach dem Treffen in Alaska, dass es ihm dennoch nicht gelingen würde, Putin zu einem Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zu bewegen, und stimmte der Idee von Friedensverhandlungen zur Unterzeichnung eines Abkommens zu, das den russisch-ukrainischen Krieg beenden sollte. Der Hauptkonflikt liegt dabei keineswegs in der Region Donezk, sondern darin, dass der Präsident der Vereinigten Staaten wünscht, dass dieses Friedensabkommen so schnell wie möglich zustande kommt. Das ist für ihn auch aus innenpolitischen Gründen wichtig, vor dem Hintergrund der bevorstehenden Zwischenwahlen. Der Präsident der Russischen Föderation hingegen möchte die Arbeit an diesem Friedensabkommen bis Januar 2029 hinauszögern und während dieser gesamten Zeit die Kampfhandlungen auf dem Territorium der Ukraine sowie die Zerstörung der zivilen Infrastruktur unseres Staates fortsetzen. Das ist es, was tatsächlich geschieht.

Natürlich gefällt es Putin in dieser Situation überhaupt nicht, dass Trumps Handlungen die russische Wirtschaft zerstören und ihm damit keine realistischen Chancen lassen, die wirtschaftliche Stabilität in der Russischen Föderation aufrechtzuerhalten und über ausreichend Mittel für den Krieg zu verfügen.

Wie schon zuvor übernimmt Lawrow im Auftrag Moskaus die Rolle des „bösen Ermittlers“. Bekanntlich war es nach einem der Telefongespräche zwischen Trump und Putin, in dem sich die Präsidenten auf ein weiteres Treffen in Budapest zur Erzielung realer Vereinbarungen über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges geeinigt hatten – gerade weil man sich in Anchorage auf nichts geeinigt hatte –, genau das Telefongespräch Lawrows mit dem US-Außenminister Marco Rubio, das den Hoffnungen der Administration ein Ende setzte und Trump dazu zwang, Sanktionen gegen die russischen Ölriesen Rosneft und Lukoil zu verhängen.

Und nun sendet Putin Trump erneut über Lawrow das Signal: „Wenn ihr nicht aufhört, unsere energetischen Möglichkeiten zu zerstören und uns aus unseren traditionellen Einflussbereichen zu verdrängen, werden wir nicht ernsthaft über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges verhandeln“, oder, wie Lawrow es formulierte, „nicht auf männliche Art und Weise – und damit werden wir euch Probleme bei euren heiß ersehnten Zwischenwahlen bereiten. Das Erste, was ihr tun müsst, sei also, die Zerstörung des Verkaufs russischen Öls an Länder zu beenden, die faktisch Sponsoren des russischen Krieges gegen die Ukraine seien“. Denn wir verstehen, dass Putin seinen Haushalt all diese Jahre gerade durch den Verkauf von Öl und Gas aufrechterhalten hat. Jetzt aber, da der Verkauf von Öl und Gas zurückgeht, ist er gezwungen, die eigene Bevölkerung durch zusätzliche Steuern und durch Angriffe auf nicht-energetische Wirtschaftszweige auszurauben.

Doch die Vereinigten Staaten werden kaum auf diese Erklärungen des russischen Außenministers hören. Wenn es um wirtschaftliche Interessen, um Gewinne und um den Kampf mit Konkurrenten geht, hört Trump niemanden außer sich selbst. Und Putin wird gezwungen sein, diese Besonderheiten der Psychologie seines amerikanischen Amtskollegen zu berücksichtigen.


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