Wahlen in Bulgarien: Folgen für die Ukraine | Vitaly Portnikov. 20.04.2026.

Der ehemalige Präsident Bulgariens, General Rumen Radev, und seine Partei „Progressives Bulgarien“ sind die wirklichen Triumphatoren der Parlamentswahlen in diesem Balkanland geworden. Zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten der politischen Geschichte Bulgariens hat eine Partei die Mehrheit der Wählerstimmen erhalten und wird eine Einparteienregierung bilden können, die keine Unterstützung anderer politischer Kräfte benötigt.

Die Parteien, die bisher die politische Landschaft Bulgariens bestimmten, darunter auch die GERB-Partei des ehemaligen Premierministers Boyko Borissow, erwiesen sich bei diesen Wahlen als Außenseiter und werden nun in der Opposition zur Partei des ehemaligen Präsidenten stehen.

Dieses Ergebnis kann natürlich sowohl in Europa als auch in der Ukraine Besorgnis auslösen. Wir kennen die prorussischen Aussagen von General Radev, und einige haben es bereits eilig, ihn als neuen Orbán zu bezeichnen und sagen, dass der General in Europa faktisch zum politischen Nachfolger des nun schon fast ehemaligen ungarischen Premierministers werden könnte.

Aber ich wäre vorsichtig mit solchen Vorhersagen. Tatsächlich zeichnet sich Rumen Radev durch seine offensichtlichen Sympathien für Moskau und den Wunsch aus, mit Russland eine gemeinsame Sprache zu finden. Doch unmittelbar vor den Wahlen, als man ihn zum Kredit befragte, den die Europäische Union der Ukraine gewährt hat, betonte er, dass Bulgarien sich nicht gegen die Bereitstellung dieser Mittel stellen solle, aber auch nicht an deren Bereitstellung teilnehmen müsse.

Das heißt, die Position des künftigen Premierministers Bulgariens, Rumen Radev, stimmt mit der Position des künftigen Premierministers Ungarns, Péter Magyar, überein. Und gerade Magyars Sieg bei den Parlamentswahlen in Ungarn wird als Rettung vor Orbán wahrgenommen.

Ein weiterer wichtiger Punkt hängt damit zusammen, dass Rumen Radev, wenn er tatsächlich echte Reformen in Bulgarien anstrebt, eine verfassungsändernde Mehrheit benötigt. Schon allein, um den Generalstaatsanwalt des Landes zu ersetzen und eine Justizreform durchzuführen. Auch hier stimmen seine Aufgaben mit denen von Péter Magyar an der Spitze der ungarischen Regierung überein.

Das Problem besteht jedoch darin, dass Magyar im ungarischen Parlament über eine verfassungsändernde Mehrheit verfügt und solche Reformen ohne Probleme durchführen kann. Die Partei Radevs hingegen hat keine solche Mehrheit. Um Reformen in Bulgarien durchzuführen, wird Rumen Radev die Unterstützung proeuropäischer politischer Kräfte aus der Koalition „Wir setzen den Wandel fort – Demokratisches Bulgarien“ benötigen. Gerade aus dieser Koalition, deren führende Politiker der Ukraine in den ersten Monaten des russisch-ukrainischen Krieges so tatkräftig geholfen haben, als ihre Partei an der Spitze des bulgarischen Staates stand.

Auch hier wird Radev also berücksichtigen müssen, dass seine Position gegenüber dem russisch-ukrainischen Krieg und gegenüber Moskau angepasst werden muss, wenn er tatsächlich Reformen durchführen und über reale Instrumente zur Führung Bulgariens verfügen will. Und Radev versteht das sehr gut.

Ein weiterer wichtiger Punkt hängt damit zusammen, dass Orbán ein Vertreter rechter politischer Kräfte war und daher als Partner von Donald Trump wahrgenommen wurde. Radev hingegen ist ein Vertreter linker politischer Kräfte; für das Amt des Präsidenten Bulgariens kandidierte er von der postkommunistischen Bulgarischen Sozialistischen Partei, die nun faktisch von der politischen Bühne verschwindet, von der Bewegung Radevs absorbiert. Das bedeutet lediglich, dass die von Radev geführte Partei zur wichtigsten Kraft im linken politischen Spektrum Bulgariens wird. Es ist unwahrscheinlich, dass ein solches politisches Bündnis im Weißen Haus als Partner zur Lösung der Probleme angesehen wird, die heute in den Beziehungen zwischen den USA und Europa bestehen.

Und die wirtschaftliche Dimension: Bulgarien wird Unterstützung von der Europäischen Union benötigen, Gelder aus europäischen Fonds, denn ohne diese Mittel, wie wir verstehen, ist eine Verbesserung der Lebensverhältnisse im Land unmöglich. Und auch Radev wird berücksichtigen müssen, dass er den Bulgaren ein positives Programm zum Ausweg aus der politischen und wirtschaftlichen Krise anbieten muss, in die Bulgarien in den letzten Jahren geraten ist, als die Regierungen sich nahezu alle sechs Monate oder jedes Jahr abwechselten.

Übrigens hat Rumen Radev über einen längeren Zeitraum, als er Präsident Bulgariens war, diese Regierungen faktisch über technische Premierminister geführt, die gerade dann eingesetzt wurden, wenn die politischen Parteien keine Koalitionen zur Arbeit in der Exekutive bilden konnten. In dieser Situation wird Rumen Radev sogar vorsichtiger sein als der slowakische Premierminister Robert Fico.

Fico berücksichtigt die Positionen seiner ultrarechten Koalitionspartner, die prorussisch und antiukrainisch eingestellt sind. Er ist gezwungen, mit diesen Menschen zusammenzuarbeiten, um die Macht in der Slowakei nicht zu verlieren. Andernfalls wäre er in seinen Beziehungen zur Europäischen Union vorsichtiger, als er es bislang ist. Radev hingegen wird keine ultrarechten politischen Partner haben. 

Mehr noch: Die prorussische Partei „Wiedergeburt“, die im vorherigen Parlament eine beträchtliche Zahl von Sitzen hatte und Einfluss auf die Tätigkeit der Regierung ausüben konnte, wird nun zu einem echten Außenseiter. Und bis zur endgültigen Auszählung der Stimmen hoffte man sogar, dass die Agenten Putins im bulgarischen Parlament diesmal gar nicht ins Parlament einziehen würden.

Doch selbst wenn es dieser prorussischen Kraft gelingt, eine eigene Fraktion zu bilden, wird sie keinen Einfluss auf Entscheidungen des neuen Premierministers und der neuen Regierung haben. Darin wird sich Rumen Radev von Robert Fico unterscheiden.

So wird Radev trotz seiner allgemein bekannten außenpolitischen Sympathien gezwungen sein, mit deren öffentlicher Äußerung wesentlich vorsichtiger umzugehen als Viktor Orbán oder sogar Robert Fico. Das muss man an dem Tag verstehen, der vielleicht den größten politischen Triumph in der Biografie Rumen Radevs darstellt, dem nach zwei Amtszeiten als Präsident Bulgariens nun der Wechsel in den wesentlich einflussreicheren und bedeutenderen Sessel des Premierministers bevorsteht.

Was die militärische Hilfe betrifft, so arbeitet die Ukraine faktisch eng mit dem militärisch-industriellen Komplex Bulgariens zusammen. Das ist ebenfalls ein Teil des Wachstums der bulgarischen Wirtschaft. Wir haben bereits bei vielen prorussischen Politikern gesehen, dass keiner von ihnen gegen die Interessen der eigenen Industrie vorgehen und ihnen verbieten konnte, Waffen für die Ukraine im fortdauernden Krieg zu verkaufen. Und ich versichere Ihnen: Rumen Radev wird hier keine Ausnahme sein.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Вибори в Болгарії: наслідки для України | Віталій Портников. 20.04.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 20.04.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Iran erteilt Trump eine Absage | Vitaly Portnikov. 19.04.2026.

Natürlich könnte man am Sonntag eine gewisse Bilanz jener Ereignisse ziehen, die sich im Nahen Osten abspielten und, wie wir verstehen, auch die Ukraine, die Weltpolitik und die weitere Entwicklung des russisch-ukrainischen Krieges beeinflussten. Allerdings leben wir in einer Zeit, in der jeder Tag irgendeine neue, ich würde sagen, strategisch wichtige Information bringt.

Seit Beginn des Tages warteten alle auf Nachrichten über die Möglichkeit einer weiteren Verhandlungsrunde zwischen den Vereinigten Staaten und Iran im pakistanischen Islamabad. Im Laufe des Tages wechselte sogar die Besetzung der Spitze dieser Delegation von amerikanischer Seite. Präsident Trump sagte mehrmals, dass nach Islamabad, ich würde sagen, bereits klassische trumpistische Unterhändler kommen würden, sein Sondergesandter Steve Witkoff und der Schwiegersohn des Präsidenten Jared Kushner.

Trump sprach nicht davon, dass an der Spitze der Delegation der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, J. D. Vance, stehen werde, der die Delegation während der vorherigen Verhandlungen in Islamabad geleitet hatte. Mehr noch, er bestritt die Möglichkeit von Vances Anwesenheit. Allerdings, buchstäblich wenige Minuten, würde ich sagen, nachdem der Präsident der Vereinigten Staaten eine solche Erklärung abgegeben hatte, teilte der ständige Vertreter der Vereinigten Staaten bei den UN, Botschafter Mike Waltz, der, wie wir uns erinnern, zuvor Trumps Nationaler Sicherheitsberater war, mit, dass J. D. Vance nach Islamabad fahren werde, und später kam die Bestätigung dieser Information aus dem Weißen Haus.

Also absolutes Chaos bei der Bildung einer solchen Delegation. Aber das Interessanteste ist, dass unbekannt ist, mit wem J. D. Vance in Pakistan sprechen wird, weil in Teheran die Tatsache der Anwesenheit ihrer Delegation bei den Verhandlungen überhaupt entschieden bestritten wird und man von den Amerikanern in erster Linie verlangt, die Seeblockade der Straße von Hormus zu beenden. Erst danach seien sie bereit, an Verhandlungen teilzunehmen. Und Trump verspricht, wie er das schon getan hat, Iran vollständig zu zerstören, alle seine Kraftwerke, alle seine Ressourcen, wenn die Iraner nicht zu Verhandlungen bereit sind und nicht das Abkommen unterzeichnen, das er ihnen anbietet.

Das heißt, heute sind wir zu genau der Situation zurückgekehrt, die vor dem vom amerikanischen Präsidenten angekündigten Waffenstillstand zu beobachten war, vor dem er, wie bekannt, Iran ebenfalls mit totaler Vernichtung drohte. Und nun können wir uns diese Situation unter einem etwas anderen Blickwinkel anschauen. Donald Trump versprach, Iran zu zerstören, und verlangte von den Iranern erhebliche Zugeständnisse, insbesondere die Öffnung der Straße von Hormus, den Verzicht auf das Atomprogramm und den Verzicht auf das Raketenprogramm. Damit die Iraner auf solche Zugeständnisse eingehen, kündigte er einen Waffenstillstand an. Dabei betonte er, dass dieser Waffenstillstand sich nicht auf Angriffe Israels gegen die Terrororganisation Hisbollah im Libanon erstrecke.

Iran weigerte sich während der Verhandlungen mit J. D. Vance in Islamabad, seine Raketen- und seine Nuklearprogramme abzuschaffen. Die Straße von Hormus blieb so lange geschlossen, bis Donald Trump auf ein weiteres erhebliches Zugeständnis an Iran einging und Israel den Kampf gegen die Terrororganisation Hisbollah untersagte und damit die Souveränität des jüdischen Staates und das Handeln seiner Verteidigungsarmee infrage stellte. Denn der Premierminister Israels, Benjamin Netanyahu, war gezwungen, diesen Bedingungen Donald Trumps zuzustimmen, genau so, wie er gezwungen war, dem Waffenstillstand mit Iran zuzustimmen, von dem er, wenn nicht aus den Medien, dann zumindest wenige Minuten vor Donald Trumps endgültiger Entscheidung erfuhr, über die der amerikanische Präsident nicht einmal mit dem israelischen Premierminister beriet. Das übrigens zu der Frage nach Donald Trumps Verbündeten und danach, wen er respektiert und wen nicht besonders. So war die Situation.

Nachdem Donald Trump auf dieses Zugeständnis eingegangen war, öffnete Iran die Straße von Hormus, aber dann beschloss Donald Trump bereits zu bluffen und sagte, dass die Vereinigten Staaten ungeachtet der Öffnung der Straße von Hormus durch Iran diese weiterhin für iranische Schiffe blockieren würden, bis Iran den anderen Forderungen der amerikanischen Seite zustimme, die mit dem Verzicht auf Irans Atomprogramm und Raketenprogramm zusammenhängen. Iran schloss die Straße von Hormus. Das heißt, wir sind wieder zu der Situation jener Nacht zurückgekehrt, in der alle einen entschlossenen Angriff der Vereinigten Staaten auf Iran mit unvorhersehbaren Folgen für die Weltwirtschaft, die iranische Energiewirtschaft und die Vereinigten Staaten selbst erwarteten.

Es stellt sich die Frage: Was ist in all diesen Tagen geschehen, wenn wir wieder zu der Situation kommen, die im Moment der Ankündigung des Waffenstillstands durch den amerikanischen Präsidenten zu beobachten war? Und dazu sehen wir, dass gewisse Schwankungen des Ölpreises stattfinden, keine sehr bedeutenden, aber sie hängen nicht mit der realen Situation auf dem Ölmarkt zusammen, sondern mit den Erwartungen der Ölhändler, dass die Straße von Hormus entweder geschlossen oder geöffnet sein wird. Aber irgendwann, wie Sie verstehen, wenn das so weitergeht, wird an die Stelle der Worte des amerikanischen Präsidenten, die natürlich den Aktienmarkt in Bewegung setzen und einer beträchtlichen Zahl von Spekulanten, die mit dem Weißen Haus verbunden sind, ermöglichen, sich auf diesem Markt zu bereichern, ein so reales Problem treten wie der Mangel an Öl, Düngemitteln, Helium für Chips und anderer Produkte, der die Weltwirtschaft in den Zustand der größten Wirtschaftskrise, einer Energiekatastrophe seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts versetzen kann. Und übrigens ahnt niemand von uns auch nur, was die realen Folgen dieser Katastrophe für die Welt sein könnten.

Dass Trumps Präsidentschaft gerade unter dem Zeichen einer solchen oder noch größeren Katastrophe in die Weltgeschichte eingehen wird, weil, wenn Trump es nicht schafft, sie heute zu provozieren, er sie morgen unbedingt provozieren wird, dafür garantiere ich Ihnen zu 100 Prozent. Trump ist die Katastrophe selbst. Aus dem einfachen Grund, dass wir, selbst wenn wir nicht von dem Iran-Krieg sprechen, nicht einmal die Frage der Grausamkeit und Niedertracht des iranischen Regimes, der Wichtigkeit, es loszuwerden usw. erörtern. Wir sprechen nur über die Frage der Unvorbereitetheit und Inkompetenz der Menschen, die diesen Krieg führen. So also, selbst wenn wir nicht von dem Iran-Krieg sprechen, verstehen wir, dass, wenn die größte Demokratie der Welt und die nach wirtschaftlichen Möglichkeiten größte Macht der Welt von inkompetenten, unangemessenen, gierigen Menschen geführt wird, von denen der erste kein einziges Wort der Kritik hört und nicht einmal versteht, wo er sich befindet. So sehr, dass sogar seine eigenen Mitarbeiter beginnen, vor ihm strategisch wichtige Informationen zu verbergen. Heute gab es Nachrichten, dass diese Mitarbeiter mit Trump die Details der Operation zur Befreiung eines amerikanischen Piloten nicht geteilt haben, damit er diese ihre Bemühungen nicht zunichtemacht. Also, wenn solche Leute und ein solcher Mensch ein solches Land führen, wird man die Katastrophe nicht verhindern können. Träumen Sie nicht einmal davon. Wenn es gelingen sollte, sich irgendwie aus dieser Situation herauszuwinden, geraten wir unbedingt in die nächste Grube und kommen aus der auch nicht heraus. Das ist nur eine Frage der Zeit.

Darauf muss man sich einfach vorbereiten und das verstehen, denn ich weiß, dass ich in einem Land lebe, in dem eine riesige Zahl von Menschen auf ein Wunder hofft, aber in der Politik gibt es kein Wunder. Das sind keine Weihnachten. Es gibt gewisse Gesetzmäßigkeiten. Wenn Menschen ohne berufliche Befähigung, mit ihrem eigenen Ego, von Bürgern dazu gewählt werden, Staaten zu regieren, ist die Katastrophe unvermeidlich. Die Frage ist die Zeit und das Ausmaß einer solchen Katastrophe. Nun, Sie wissen das aus eigener Erfahrung, was soll man da noch erzählen. Nicht die Ukrainer müssen die Amerikaner in gesundem Menschenverstand unterrichten, wie Sie verstehen.

Und nun kommen wir wieder zu dem Dilemma, in dem Donald Trump sich im Moment der von ihm verkündeten Waffenruhe im Krieg mit Iran befand. Trump will diesen Krieg natürlich sehr gerne verlassen. Jeder weitere Schritt ist für ihn gefährlich. Neue Raketenbombardements gegen Iran, ja, sie sind möglich, und sie können massiv sein, und sie können sich für die iranische Energiewirtschaft bemerkbar machen. Aber niemand in den Vereinigten Staaten kann Trump jetzt sagen, wie Iran antworten wird, weil die amerikanische Nachrichtendienstgemeinschaft sich nicht einmal vorstellen kann, wie hoch die reale Wirksamkeit der Schläge gegen das Raketenpotenzial der Islamischen Republik ist.

Es ist bereits klar geworden, dass die Zahl der Raketen und Abschussanlagen, die die Vereinigten Staaten und Israel während der gut 40 Kriegstage zerstört haben, übertrieben worden ist. Und dass Iran möglicherweise zwei Drittel seines Potenzials hat, die bislang nicht eingesetzt wurden. Wiederum wissen wir nicht, wie viel von diesen zwei Dritteln einsatzfähig ist und wie viel irgendwo in den Bergen verschüttet ist. Aber dass wir diese Information nicht haben, bedeutet nicht, dass wir nicht fürchten könnten, dass in den Bergen weniger verschüttet ist, als wir hoffen. In der Aufklärung auf Hoffnungen zu setzen, ist nicht die richtige Arbeit. Also, wenn auch nur die Hälfte des iranischen nuklearen Raketenarsenals einsatzfähig ist, reicht das aus, um eine gewaltige Energiekrise im gesamten Nahen Osten auszulösen, die Ölfelder der arabischen Länder, ihre Raffinerien und das Energiepotenzial Israels zu treffen.

Nun, Schläge gegen das Energiepotenzial Israels werden Probleme ausschließlich für den jüdischen Staat schaffen, aber nicht für die Weltwirtschaft. Das verstehen wir. Aber Schläge gegen Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate werden die Krise auf dem Ölmarkt nur verstärken. All das ist ebenfalls ein völlig offensichtliches Problem für die weitere Entwicklung der Ereignisse. Und Trump kann davor Angst haben.

Außerdem ist unklar, wie man mit militärischer Gewalt die Kontrolle über die Straße von Hormus wiederherstellen kann. Auch das würden in dieser Situation viele gerne verstehen. Die Medien behaupten, dass der amerikanische Präsident nicht deshalb von der Idee Abstand genommen habe, die iranische Insel Chark mit den bedeutenden Ölreserven der Islamischen Republik zu besetzen, weil man diese Insel nicht besetzen könnte, sondern weil offensichtlich wird, dass amerikanische Militärangehörige, die auf dieser Insel konzentriert wären, ein leichtes Ziel für einen Angriff Irans würden. Nun, das können wir vielleicht mit der Schlangeninsel vergleichen, von der die Russen weggehen mussten.

Und das Letzte, was Trump vor den Nachwahlen zum amerikanischen Kongress braucht, bei denen die Republikaner ohnehin hinterherhinken werden, sind Särge, die in einer solchen Situation nonstop in die Vereinigten Staaten kommen werden. Vor Särgen kann Trump sich auch im Fall der Idee einer Besetzung der Küstenlinie der Straße von Hormus fürchten, ohne die man im Grunde die Kontrolle über die Seewege dieser wichtigen Ölroute der Welt nicht wiederherstellen kann.

Aber hier stellt sich die Frage: Nun gut, Sie haben die Kontrolle über diesen Weg durch die Kontrolle über das Ufer wiederhergestellt? Und Iran setzt mithilfe von Raketen und Drohnen die Schiffe, die durch die Straße von Hormus fahren, weiter unter Terror. Dagegen werden Sie doch nichts machen können. Dann wird man Sie eben aus größerer Entfernung beschießen. In welchem Umfang werden Versicherungsgesellschaften Tanker versichern, die durch die Straße von Hormus fahren, und in welchem Umfang werden die Tankereigner selbst bereit sein, ein solches Risiko einzugehen? Das heißt, wir kommen wieder in die Situation, dass reale Sicherheit in der Straße von Hormus nur möglich ist, wenn entweder das iranische Regime ersetzt wird oder man sich mit ihm einigt.

Der Schrecken der Situation, in der wir uns infolge dieses Krieges befinden, besteht darin, dass Iran jetzt keine Atombombe braucht, um die Vereinigten Staaten von Amerika zu erpressen. Eine Atombombe braucht Nordkorea, um die Vereinigten Staaten von Amerika zu erpressen. Iran aber hat verstanden, dass es eine viel ernstere Waffe in der Hand hat als die Nuklearwaffe. Das ist die Kontrolle über die Straße von Hormus, die wirtschaftliche Schwierigkeiten in der ganzen Welt schafft.

Nun, versuchen wir trotzdem zu verstehen, wie diese Erpressung weitergehen wird. Das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt, über den man sprechen muss, wenn wir mit Ihnen die Situation erörtern, die mit der weiteren Entwicklung der Ereignisse in der Lage um die Zukunft des iranisch-amerikanischen Krieges zusammenhängt. Also, die Iraner haben gesehen, dass sie Donald Trump erpressen können. Er wollte keinen Waffenstillstand im Libanon. Er verstand, dass Israel eine historische Möglichkeit hat, die Terrororganisation Hisbollah zu vernichten. Und das war eine realistischere Möglichkeit als die Vernichtung des iranischen Regimes. Aber unter dem Druck Teherans war Trump gezwungen, auf weitere Schritte im Zusammenhang mit den israelischen Handlungen im Libanon zu verzichten.

Was kann weiter geschehen? Das ist die wichtigste Frage. Die Iraner können jetzt meinen, dass sie Trump nach Belieben unter Druck setzen können. Heute hat er auf Schläge gegen die Hisbollah verzichtet, und morgen wird er auf die Seeblockade verzichten, und die Iraner selbst werden von ihrer Seite gar nichts tun. Sie können entweder die Meerenge öffnen oder die Meerenge schließen. Das sind all ihre Zugeständnisse. Und das sieht, wie wir verstehen, ziemlich komisch aus, denn vor dem Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran benutzte Iran die Straße von Hormus nicht als Druckmittel gegenüber den Vereinigten Staaten. Das gab es nicht. Die Meerenge war offen. Der gesamte Welthandel lief durch sie.

Und der Krieg begann nicht deshalb, damit Iran die Meerenge öffnet oder schließt. Der Krieg begann gerade unter dem Zeichen, dass Iran auf die Schaffung von Atomwaffen verzichten müsse, dass es sein angereichertes Uran den Vereinigten Staaten übergeben könne, dass es Inspektoren der IAEO zu seinen Nuklearobjekten zulassen und auf diese verzichten müsse. Trump spricht auch jetzt davon, und die Iraner diskutieren das nicht einmal. Sie diskutieren die Situation, nach der sie ausschließlich an Fragen der Straße von Hormus arbeiten müssten, weil sie verstanden haben, dass das in Wirklichkeit heute alles ist, was Trump interessiert. Letztlich kann er sich mit ihren Atomwaffen nach den Kongresswahlen befassen, ebenso wie mit dem Raketenprogramm. Aber mit der Straße von Hormus wird er sich in einem halben Jahr nicht befassen können, weil unbekannt ist, was ihn infolge dieser Nachwahlen erwartet, wenn die Straße von Hormus geschlossen bleibt.

Und, wie wir verstehen, wird mit jedem Tag der Ölpreis steigen, mit jedem Tag wird der Kraftstoffpreis an amerikanischen Tankstellen steigen. Mit jedem Tag wird Trumps Rating fallen. Das heutige Rating zeigte eine Unterstützung von 37 Prozent. Das heißt, die Popularität des amerikanischen Präsidenten beginnt zu sinken. Und ja, er behält noch die Unterstützung seines Kerns, sowohl unter den MAGA-Republikanern als auch in den republikanischen Reihen selbst. Die überwältigende Mehrheit der Wähler unterstützt seine Handlungen weiter. Aber das reicht für einen Sieg bei den Nachwahlen zum Kongress nicht aus, weil sich zur totalen Ablehnung jeglicher Handlungen Donald Trumps durch die demokratischen Wähler praktisch eine ebenso totale Ablehnung Donald Trumps durch die unabhängigen Wähler hinzuaddiert, die ihm den Sieg sowohl bei den Präsidentschaftswahlen 2025 als auch bei den Präsidentschaftswahlen 2016 gebracht haben. Ohne die Unterstützung unabhängiger Wähler ist es unmöglich, Kongresswahlen zu gewinnen, unmöglich, Präsidentschaftswahlen zu gewinnen. Und Trump, der ein solches echtes politisches Tier ist, versteht das wie kein anderer, mit welchen Erklärungen er auch immer auftreten mag. Auch das muss man begreifen.

Und die Iraner können in ihrer Erpressung des amerikanischen Präsidenten zu weit gehen, denn irgendwann wird er sich wie eine in die Ecke getriebene Ratte fühlen, die nach der Logik Putins, der dieses Beispiel, wie wir wissen, sehr liebt, handeln muss, sonst wird er einfach vernichtet, und er wird sich auf die Iraner stürzen, und dann kann er tatsächlich irgendwelche Gewaltmaßnahmen zur Einwirkung auf das iranische Regime anwenden, ohne über ihre Folgen nachzudenken, denn die Folgen des Nicht-Handelns und der Zustimmung zur Erpressung können dem amerikanischen Präsidenten viel gefährlicher erscheinen als irgendwelche anderen Folgen weiterer Handlungen nach der Bereitschaft, auf Irans Erpressung einzugehen. Das ist es, was man verstehen muss, äh, wenn wir darüber sprechen, wie Iran sich verhalten wird, wie Donald Trump sich verhalten wird.

Natürlich ist es wichtig, dass Trump in dieser Situation, und das muss man ebenfalls klar begreifen, im Kampf mit Iran keine roten Linien überschreitet, die einen völlig unvorhersehbaren Charakter haben werden. Ich glaube nicht, dass er bereit ist, gegen das iranische Regime eine Atombombe einzusetzen. Obwohl Sie sich erinnern, wie viele Gespräche darüber es gab, als Trump zum ersten Mal einen Tweet veröffentlichte, in dem er das Ende der Zivilisation versprach. Und viele Beobachter nahmen das gerade als Möglichkeit wahr, dass Trump bereit sei, Nuklearwaffen gegen Iran einzusetzen. Nun, ich hielt das von Anfang an ausschließlich für ein Bild, eine Redefigur, und nicht für irgendeinen wirklichen Wunsch, Nuklearwaffen einzusetzen. Aber ich muss sagen, dass wir jetzt darüber sprechen können, dass er wieder von totaler Vernichtung spricht. Und dann können wir wieder anfangen zu sagen: „Was, wenn das doch eine nukleare Drohung ist, was, wenn er etwas absolut Unvorhersehbares tun kann?“

Ich bin heute nicht bereit, Situationen in solchen Kategorien zu beurteilen. Aber wir verstehen doch, dass die Uhr läuft. Die Uhr der Annäherung an die weltweite Wirtschaftskatastrophe. Seit dem Moment, in dem der Waffenstillstand verkündet wurde, ist die Straße von Hormus noch nicht geöffnet worden. Und übrigens war ein anschauliches Beispiel dafür, dass diese Uhr weiterläuft, weitergeht, die Entscheidung des amerikanischen Finanzministeriums, die Lizenz für russisches Öl zu verlängern, denn im Grunde waren die Amerikaner, wie man verstehen kann, bereits bereit, diese Lizenz zu beenden.

Diese Erleichterungen für den Verkauf russischen Öls von Tankern, die Putin ins Meer hinausgeführt hatte, wurden in den ersten Tagen des Konflikts eingeführt, als klar wurde, dass Iran nicht einfach nur die Straße von Hormus schließt, sondern auch Angriffe auf die Länder des Persischen Golfs beginnt und damit die Produktion von Öl und Ölprodukten in ihren Anlagen stoppt. Und damals telefonierte Trump mit dem russischen Präsidenten Putin. Erinnern Sie sich, das war, scheint mir, am 9. März. Und das Ergebnis dieses Gesprächs zwischen dem amerikanischen und dem russischen Staatschef war Trumps Entscheidung, die Sanktionen gegen russisches Öl zu lockern, eben im Hinblick auf jene Tanker, die die Russen bereits vorher aufs Meer hinausgebracht hatten.

Mich hat übrigens immer interessiert, warum sie eine solche Zahl von Tankern im Meer konzentriert haben? Wussten sie im Voraus, dass es einen Angriff der Vereinigten Staaten und Israels auf Iran geben würde, und erkannten sie die Folgen dieses Angriffs für den Energiemarkt? Oder hofften sie einfach nur, irgendwelche Käufer zu finden, und dann kam ihnen so ein Glück zuteil. Aber ich neige zu der Version, dass sie doch wussten, dass es so kommen würde, von ihren Nachrichtendienstgemeinschaften oder möglicherweise von jenen Amerikanern, die ständig im Kontakt mit dem Kreml stehen, nicht umsonst fährt Kirill Dmitriev die ganze Zeit dorthin, aber dennoch.

Und sie gingen im Grunde davon aus, dass, wenn diese Abmachungen Trumps mit Putin enden, die Lizenz ausgeschöpft sein würde und man dann sagen könnte, dass jetzt alles zur vorherigen Ordnung der Dinge zurückkehrt. Aber dass Iran die Straße von Hormus wieder geschlossen hat, zwang sie einfach erneut dazu, den Weg der Erleichterungen für Russland zu gehen. Selbst wenn wir theoretisch annehmen, dass sie das nicht vorhatten, zumindest gibt es den Anlass, die Sanktionen gegen Russland zu lockern. „Seht ihr, Iran lässt wieder kein Öl durch, also muss man irgendwie irgendwie den Druck dieses iranischen Ölmotors verringern.“ Aber es wird doch der Moment kommen, in dem die Meerenge geschlossen sein wird und Russland sein ganzes Öl bereits verkauft haben wird. Und neues wird es übrigens nicht geben, weil wir die russischen Ölhäfen und einen großen Teil der russischen Ölverarbeitung zerbombt haben. Also ist auch Russland keine Rettung für Donald Trump und für die Preise in Amerika.

Aber schon die bloße Tatsache, dass die Amerikaner wieder darauf eingegangen sind, Russland den Verkauf von Öl zu erlauben, während sie weiter erzählen, dass sie den russisch-ukrainischen Krieg schnell beenden wollen, zeigt bereits, dass Trump einfach von einer Ecke des Zimmers in die andere rennt und nicht verstehen kann, wo denn der Ausgang aus diesem Zimmer ist, was auch immer seine erstaunlichen Adepten erzählen mögen, dass bei ihm alles nach Plan laufe. Der Witz ist ja gerade, dass es keinen Plan gibt. Der Plan endete, als sich das Regime nach dem Tod des Ayatollah Khamenei nicht änderte. Und jetzt geschieht all das sporadisch. Nun, das sind so die Ergebnisse dieser sehr komplizierten Situation.

Frage. Senator Graham sagte, dass in Iran nicht der Typ im Anzug das Sagen habe, sondern die Typen vom Korps der Wächter der Islamischen Revolution. Versteht Trump das oder wenigstens irgendjemand aus seinem Umfeld?

Portnikov. Ich denke, dass alle das sehr gut verstehen, Trump und Trumps Umfeld, weil man ganz klar sagen kann, dass nach dem Tod von Ayatollah Khamenei und vieler Vertreter der iranischen Führung die Macht im Land tatsächlich faktisch auf die Führung des Korps der Wächter der Islamischen Revolution übergegangen ist. Obwohl, wiederum, ich Ihnen noch eine wichtige Sache sagen muss. Das ist nicht erst vor 40 Tagen geschehen. Man kann sagen, dass gerade die Herrschaft Ali Khameneis das Korps der Wächter der Islamischen Revolution zur führenden Kraft im Staat gemacht hat. Ayatollah Khomeini, der Gründer der Islamischen Republik, hielt das Korps auf Distanz, weil er selbst unter den Anhängern der Islamischen Revolution über enorme Autorität verfügte. 

Sozusagen, wie Lenin für die sowjetischen Bolschewiki, der keine außerordentliche Kommission von Tschekisten brauchte, um diese Autorität zu stützen. Er selbst war eine solche, würde ich sagen, denkende Guillotine, wie jemand gesagt hat. Als aber Stalin an die Macht kam, der in den großen Kreisen der Parteifunktionäre nicht über eine solche Autorität verfügte, nutzte er die Dienste des Volkskommissariats für innere Angelegenheiten, um seine Macht real zu stärken. Ayatollah Khamenei ist so ein Stalin, der das Korps einfach zu einer realen Kraft gemacht hat. Der noch während Trumps erster Amtszeit getötete Kommandeur des Korps, General Qasem Soleimani, war der faktische Mitregent des Ayatollahs. So dass das Korps seine Macht einfach legalisiert hat, nachdem Ayatollah Khamenei gestorben war und sein Sohn zum neuen Staatsoberhaupt gewählt wurde. 

Nichts Besonderes ist geschehen. Man muss die ernsthafte Veränderung des Regimes nicht überschätzen. Es wird nur jetzt erstens von radikalen Menschen geführt, und zweitens von möglicherweise radikaleren als, äh, zu Zeiten Khameneis, der meinte, dass strategische Zurückhaltung nötig sei. Und sie haben sich überzeugt, dass strategische Zurückhaltung zu nichts führt. Und zweitens kämpfen diese Menschen um das Überleben ihres eigenen Regimes. Warum sollten sie nicht riskieren? Wie man sagt: Wenn es Putin nicht gibt, wird es Russland nicht geben, wenn es das Korps der Wächter der Islamischen Revolution nicht gibt, wird es Iran nicht geben.

Frage. Legt Israel, wenn es nur auf die Hilfe der Vereinigten Staaten setzt, nicht faktisch alle Eier in einen Korb und riskiert, infolge eines Linksrucks der USA alles zu verlieren? Hat es Chancen auf ein Bündnis mit Europa?

Portnikov. Nein, hat es nicht. Israel hat keine andere Wahl, als sich auf das Bündnis mit den Vereinigten Staaten zu verlassen. Aus einem einfachen Grund. Europa ist von Öllieferungen aus dem Nahen Osten viel stärker abhängig als die Vereinigten Staaten, die überhaupt zum größten Ölstaat der Welt geworden sind. In Europa gibt es viel mehr eigene Wähler und Einwohner arabischer Herkunft als in den Vereinigten Staaten. Europäische Politiker sind gezwungen, auf all das zu achten. Das, ja, geschah schrittweise. Im Jahr 1956 waren Großbritannien und Frankreich noch Verbündete Israels, und die Vereinigten Staaten stoppten sie im Kampf um den Suezkanal. Und übrigens wurde auch die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten stoppten und alle gezwungen waren, ihrer Meinung zuzustimmen, zu einer kalten Dusche für Großbritannien und Frankreich, die verstanden, dass sie die Überlebensinteressen Israels nicht für ihre eigenen wirtschaftlichen und politischen Ziele nutzen können. Und während des Jom-Kippur-Krieges, als die arabischen Länder einen Ölboykott gegen die europäischen Länder verhängten und dies in Europa zu einer Energiekatastrophe beispiellosen Ausmaßes führte, wurde das zu einer echten Lehre und orientierte die europäische Politik auf ein größeres Verständnis arabischer Interessen um. Man soll sich also nicht einbilden, dass Israel in dieser Situation so viele Wahlmöglichkeiten hat. Und ja, für Israel besteht eine enorme Gefahr, dass, wenn an der Spitze der Vereinigten Staaten ein Präsident steht, der gegenüber den Überlebensinteressen Israels vorsichtiger eingestellt ist, Israels Feinde dies ausnutzen können. Israel muss heute hier und jetzt überleben, so wie auch wir hier und jetzt überleben müssen, und nicht darüber nachdenken, was infolge der nächsten Wahlen in Amerika sein wird. Denn wenn die Israelis in solchen Kategorien gedacht hätten, gäbe es sie im Nahen Osten schon nicht mehr.

Frage. Können die kommenden Wahlen in Bulgarien seinen geopolitischen Kurs gegenüber Russland und der Europäischen Union verändern? Wie real ist eine Abkehr von der proeuropäischen Politik?

Portnikov. Nun ja, wir sehen jetzt die vorläufigen Ergebnisse der Wahlen in Bulgarien. Ich verfolge sie ebenfalls aufmerksam. Und Bulgarien, in dem jetzt fast jedes Jahr außerordentliche Wahlen stattfinden, hat nun einen neuen mächtigen Spieler bei diesen neuen Wahlen, den ehemaligen Präsidenten des Landes Rumen Radev, der mehrere, würde ich sagen, Monate vor dem Ende seiner Amtszeit vorzeitig von seinem Amt zurücktrat, um eine neue Partei Progressives Bulgarien zu gründen. Diese Partei Progressives Bulgarien gewinnt laut den ersten Exit-Polls souverän die Wahlen, sie erhält mehr als 38 Prozent der Stimmen. Die traditionellen Wahlsieger, die GERB-Partei des ehemaligen Premierministers Bojko Borisow und die Partei Wir unterstützen den Wandel, Demokratisches Bulgarien, bleiben auf dem zweiten und dritten Platz mit ungefähr 15 beziehungsweise 14 Prozent der Stimmen. Und im Prinzip spricht das von einer erheblichen Neuformatierung des bulgarischen Parlaments, in dem eine große Zahl von Abgeordneten gerade diese neue Partei von Rumen Radev vertreten wird. Und Sie wissen, dass die Partei Rumen Radevs, ich würde sagen, wenn nicht euroskeptisch, so doch eine Partei ist, die der Idee der Hilfe für die Ukraine sehr vorsichtig gegenübersteht. Als Präsident Bulgariens hat Rumen Radev, kann man sagen, die Hilfe für unser Land gebremst. Er stand dem immer vorsichtig gegenüber, gelinde gesagt. Und viele sagen, dass er der neue Ersatz für den ungarischen Ministerpräsidenten werden könnte, der faktisch in einigen Wochen aus dem Amt scheidet.

Aber ich würde die Situation in Bulgarien nicht vereinfachen. Ja, Rumen Radev ist ein ernsthafter politischer Spieler in diesem Land, aber erstens wird er eine Koalition mit Kräften bilden müssen, die in der bulgarischen Macht anderen politischen Positionen anhängen können. Und das werden kaum prorussische Kräfte sein, denn jetzt sehen wir, dass die bulgarischen Sozialisten, die Verbündete Rumen Radevs sein könnten, ihm erstens kaum eine Mehrheit bringen werden, weil sie höchstens 4 Prozent der Stimmen bekommen könnten. Und zweitens könnten sie überhaupt nicht ins bulgarische Parlament gelangen. Das bedeutet, dass er höchstwahrscheinlich eine Koalition mit irgendeiner proeuropäischen Partei bilden muss, entweder mit GERB oder mit der Partei Wir unterstützen den Wandel, Demokratisches Bulgarien. Gerade diese Partei hat, als sie regierte, uns all diese ersten Wellen von Waffen sowjetischer Bauart geschickt. Sie erinnern sich, dass das einfach eine geheim gehaltene Spezialoperation war, damit sie niemand vereitelt.

Zweitens muss man verstehen, dass auch das Gewicht Bulgariens in der Europäischen Union im Hinblick auf seine Abhängigkeit von europäischen Fonds sogar größer ist als das Gewicht Ungarns. Niemand erwartet vom Ministerpräsidenten der Slowakei Robert Fico einen selbständigen Widerstand gegen die Europäische Union. Orbán konnte sich das erlauben. Erstens, weil er im Grunde keine Koalitionsregierung führte, sondern ein solcher Machthaber in Ungarn war. Robert Fico kann sich das nicht erlauben, weil er die Macht bereits einmal verloren hat. Er ist an Koalitionspartnern interessiert. Er versteht, dass er Probleme bekommen wird, wenn er auf europäische Fonds verzichtet. Bei Rumen Radev wird es dieselbe Situation sein, weil er sehr gut begreifen wird, dass es neue außerordentliche Wahlen geben wird, wenn er im ersten Jahr oder anderthalb Jahre seiner Amtszeit als Premierminister Bulgariens kein reales Ergebnis zeigt; das ist nicht das Amt des Präsidenten, das ist ein Amt, von dem konkrete Ergebnisse erwartet werden. Dann werden ihn seine Koalitionspartner einfach im Stich lassen, er wird ohne Koalitionsunterstützung keine neue Regierung bilden können, und damit wird seine ganze glänzende Karriere enden.

Würde er tatsächlich 51 Prozent der Stimmen bekommen, würde er sich vielleicht anders verhalten können, aber bislang gibt es ein solches Ergebnis nicht. Und Radev kann nur hoffen, dass er diese 51 Prozent bekommt, wenn er in vier Jahren an der Macht, falls er diese vier Jahre haben wird und nicht ein Jahr wie jeder durchschnittliche bulgarische Premierminister zu Zeiten seiner eigenen Amtsperiode, seiner zwei Amtsperioden, ein reales Ergebnis zeigt. Also würde ich nicht voreilig sagen, dass er in eine so ernsthafte Opposition zur Europäischen Union gehen wird und dass wir einen neuen Orbán bekommen.

Obwohl es offensichtlich ist, dass noch ein Politiker aufgetaucht ist, der Moskau hören will, ja, das war am Verhalten Radevs im Amt des Präsidenten Bulgariens offensichtlich. Allerdings, wiederum, verhielt er sich auch in diesem Amt immer viel vorsichtiger als Viktor Orbán, als Robert Fico, sogar als Andrej Babiš. Also muss man hier alles verstehen.

Frage. Die Ukraine ist ein Land mit einzigartigen Möglichkeiten. Wird es nach dem Sieg der Ukraine über die Russische Föderation zur Rückkehr vieler Ukrainer unterschiedlicher ethnischer Herkunft kommen?

Portnikov. Nun, man muss zunächst begreifen, was wir in den Begriff Sieg hineinlegen. Vorerst können wir von einem Ende des Krieges sprechen, und wir hoffen auf ein Ende des Krieges entlang der Kontaktlinie der russischen und ukrainischen Truppen, in welchem Jahr auch immer und unter welchen Sicherheitsgarantien auch immer. Angesichts der Realität von Sicherheitsgarantien in der heutigen Welt kann man sagen, dass die Ukraine zum Zeitpunkt der Einstellung der Kampfhandlungen mit Russland keinerlei reale Sicherheitsgarantien erhalten und sich einfach auf einen neuen Krieg vorbereiten könnte. So wird es im Nahen Osten geschehen. Wird es eine Rückkehr der Ukrainer geben, die die Ukraine schon vor dem Krieg verlassen haben, weil sie meinten, dass ein wirtschaftlich instabiler und korrupter Staat kein Ort für ihre Entwicklung und die Entwicklung ihrer Kinder sei? Und werden jene Bürger in die Ukraine zurückkehren, die das nicht meinten, aber die Ukraine verließen, als intensive Kampfhandlungen begannen? Das ist eine offene Frage, wie Sie verstehen, denn mit jedem neuen Kriegsjahr wird die Abhängigkeit der Menschen vom Leben in den Ländern, in die sie umgezogen sind, immer größer und größer. Wir können natürlich damit rechnen, dass Menschen zu uns kommen, die im Westen keinen Platz für sich gefunden haben, die von Sozialhilfe leben. Und natürlich verstehen wir, dass diese Menschen im Fall eines Endes der aktiven Kampfhandlungen, wann auch immer sie enden mögen, in den 20er oder 30er Jahren des 21. Jahrhunderts, kaum weiter auf diese Sozialhilfe werden rechnen können. Mehr noch, einige europäische Länder, wir hören das bereits aus Irland, sind bereit, diese Hilfsprogramme zu beenden, ohne auf jenen Moment zu warten, der als Punkt bei den Kampfhandlungen eintreten wird. Aber andererseits sind nach Irland nach dem Beginn der aktiven Kampfhandlungen, wie es scheint, mehr als 100.000, 130.000–140.000 Ukrainer ausgereist. Und es geht um 16.000, die sich in solchen Programmen befinden. Das heißt, die überwiegende Mehrheit der Menschen hat sich bereits angepasst, Arbeit gefunden, die Kinder gehen zur Schule, die Menschen fangen an, ihr Leben anders zu gestalten, sie beginnen Familien aufzubauen. Also wird die überwiegende Mehrheit der Ukrainer, die ausgereist sind, natürlich nicht zurückkehren. Man sollte sich keinerlei Illusionen machen. Wenn 25 bis 30 Prozent von denen zurückkehren, die ausgereist sind, wird das ein enormer Erfolg sein. Auch das muss man verstehen. Oder man wird Programme schaffen müssen, um diese Menschen zur Rückkehr zu motivieren, was bei den Ukrainern, die geblieben sind, eine unglaubliche Verärgerung auslösen wird. Nun, vorerst ist es zu früh, darüber zu sprechen, weil wir keine objektiven Voraussetzungen für ein baldiges Ende des russisch-ukrainischen Krieges sehen. Und ich denke, dass man über all das nachdenken kann, wenn die Perspektive eines Endes des russisch-ukrainischen Krieges entsteht. Allerdings, wenn wir beginnen, diese Perspektive als etwas Reales und nicht als etwas Ätherisches zu diskutieren; heute wirkt selbst eine kurzfristige Aussetzung des russisch-ukrainischen Krieges wie ein ätherisches Ereignis. Allerdings muss man sofort sagen, dass die Zerstörung der russischen Ölinfrastruktur dieses Ereignis, die Aussetzung des russisch-ukrainischen Krieges mit dem Ziel der Stärkung des wirtschaftlichen Potenzials Russlands für einen neuen Angriff, mit unglaublicher Geschwindigkeit näherbringt. Und wie wir verstehen, könnte dieser zweite Angriff, wenn wir den ersten Angriff in den 20er Jahren des 21. Jahrhunderts stoppen können, ich hoffe in den 20ern, nicht in den 30ern, auch ausbleiben, wenn wir diesen Staat in eine Festung verwandeln, deren gesamte Anstrengungen sich vom Aufbau eines Sozialstaates auf einen Staat verlagern, der bereit ist, sich gegen einen neuen Schlag zu verteidigen. Aber ich bin nicht sicher, dass Menschen in irgendeinen Festungsstaat zurückkehren wollen, in dem der Sozialstaat, der in der Ukraine vor dem Angriff existierte, unter dem Applaus der Ukrainer selbst endgültig begraben werden wird. Nun, wenn die Ukrainer wieder irgendeinen Menschen wählen, der ihnen erzählen wird, dass all das nicht nötig sei, dass der Krieg schon vorbei sei und man einfach nur Straßen bauen müsse, dann können wir ruhig sagen, dass die Ukrainer für ihren eigenen Tod stimmen werden. Ich hoffe, dass wir eine solche Abstimmung nicht noch einmal sehen werden.

Frage: Wie finden Sie diese geniale These der Trumpisten? „Schaut nicht darauf, was er sagt, schaut darauf, was er tut.“ Das heißt, diese Leute sind mit einem Präsidenten zufrieden, der ständig irgendetwas daherredet.

Portnikov. Übrigens sage ich Ihnen auch immer genau dasselbe. Schauen Sie nicht darauf, was er sagt, schauen Sie darauf, was er tut. Das ist überhaupt die wichtigste Regel in der Politik. Nun ja, vielleicht ist es seltsam, dass jemanden stört, was Trump sagt, aber ich kommentiere Ihnen gerade nicht Trumps Aussagen, sondern seine realen Handlungen. Wir sprechen doch nicht darüber, was Trump in seinen Tweets sagt, wir sprechen mit Ihnen über Handlungen. Eine groß angelegte wirtschaftliche und energetische Krise, die wie ein Tsunami der Wirtschaft der entwickelten Welt einen Punkt setzen und zu vielen Millionen Hungertoten in der ganzen Welt führen kann. Was, sind das für Sie Trumps Tweets? Schaue ich darauf, was er sagt? Nein, ich spreche zu Ihnen über die Folgen, wenn eine enorme Zahl von Menschen den morgigen Tag schon nicht mehr erleben wird, und diejenigen, die ihn erleben, werden ihn in Armut erleben. Soll ich dann Trumps Tweets lesen? Ich bin gerade der Mensch, der nicht darauf schaut, was Trump sagt, sondern sich für seine Handlungen interessiert, für die atemberaubenden Folgen dieser Handlungen für Dutzende und Hunderte Millionen Menschen. Das ist wirklich unglaublich interessant und fesselnd. Und Trumps Tweets sind nicht so interessant und fesselnd. Sie sind sehr kindisch, würde ich sagen.

Frage. Ist eine Bodeninvasion für Trump nicht sicherer als ein Nuklearschlag? Das sind doch ganz unterschiedliche Folgen für Trump.

Portnikov. Ich glaube ebenfalls, dass es keinen Nuklearschlag geben wird. Ich glaube, dass der Nuklearschlag gerade eine Folge der Phantasie irgendjemandes ist, insbesondere von Menschen, die bereit sind, von Trump alles Mögliche zu erwarten, vom Nuklearschlag bis zum nackten Spaziergang durch Manhattan. Also versichere ich Ihnen, dass er weder einen Nuklearschlag anwenden noch nackt durch Manhattan laufen wird. Trump weiß in dieser Hinsicht, was er tut. Aber ich denke, dass auch eine ausländische Invasion für ihn eine sehr riskante Operation ist, deshalb will er so sehr nicht darauf eingehen, weil die Amerikaner, würde ich sagen, sehr empfindlich auf den Tod ihrer eigenen Landsleute im Ausland reagieren. Und das hat sehr oft Regierungen, ihre Autorität und die Möglichkeiten jener Parteien, die damals an der Macht waren, diese Macht zu behalten, zermalmt. Und Trump weiß das sehr gut. Er kennt die amerikanische Geschichte.

Frage. Trump kann die Truppen nur 60 Tage einsetzen. Danach braucht er die Zustimmung des Kongresses. Was wird Trump in diesem Fall tun? Wird er einen Verstoß gegen die Gesetze der Vereinigten Staaten begehen?

Portnikov. Ich denke, er könnte sagen, dass das überhaupt kein Krieg ist, sondern so eine Spezialoperation. Er setzt keine Truppen ein, sondern diese Truppen werden nicht für Krieg eingesetzt, sondern, sagen wir, zur Sicherung der Handelswege. Man kann sich vieles ausdenken, aber das Wichtigste ist: Er kann die Zustimmung des Kongresses bekommen. Unter den Kongressabgeordneten gibt es ja in beiden Kammern eine republikanische Mehrheit. Zu sagen, Trump sei dagegen abgesichert, dass der Kongress ihn nicht unterstützt, würde ich auch nicht sagen, aber all das werden wir natürlich bald sehen, denn schon in dieser Nacht und am Montag wird klar sein, wie real der Verhandlungsprozess zwischen den Vereinigten Staaten und Iran ist. Und was man von diesem Verhandlungsprozess erwarten kann, wenn die eine Seite in der Sprache der Ultimaten spricht, und seien wir realistisch, das sind die Vereinigten Staaten. Und die andere Seite spricht in der Sprache der Erpressung, und seien wir realistisch, das ist die Islamische Republik. Schauen wir, wie das in den nächsten Tagen aussehen wird, und sprechen wir darüber.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Iran erteilt Trump eine Absage | Vitaly Portnikov. 19.04.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 19.04.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Der Terrorakt in Kyiv: Schlussfolgerungen | Vitaly Portnikov. 18.04.2026.

Terroranschlag in der ukrainischen Hauptstadt. Bei dieser Gelegenheit möchte ich zu Beginn dieser Sendung den Angehörigen und Freunden derjenigen, die während dieses Terrorakts ums Leben gekommen sind, mein aufrichtiges Beileid aussprechen. Dieser erinnert, kann man sagen, nur sehr bedingt an jene Schießereien, von denen wir immer aus den Nachrichten in den Vereinigten Staaten von Amerika hören, wenn der eine oder andere Schütze Menschen in Einkaufszentren oder in Schulen erschießt. Und jedes Mal führt das zu Diskussionen darüber, inwieweit man im amerikanischen Gesellschaftssystem von einem Recht auf Waffenbesitz sprechen kann.

Aber ich würde diesen Terrorakt, ehrlich gesagt, überhaupt nicht mit dem amerikanischen vergleichen. Ich würde ihn mit israelischen Terrorakten vergleichen, wenn Terroranschläge verübt werden, um die Bürger Israels davon zu überzeugen, dass sie hier keinen Platz haben, dass dies kein Ort der Sicherheit ist, dass sie besser über irgendeinen anderen Wohnort nachdenken sollten. Genau damit hängt der radikale arabische Terror auf dem Territorium Israels im Verlauf der letzten Jahrzehnte zusammen.

Und ich erinnere mich sehr gut daran, dass, als ich zum ersten Mal nach Israel kam, noch in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, das Erste, was ich dort möglicherweise sah, ein Terroranschlag war, als ein Bus explodierte, neben dem ein Auto fuhr, in dem ich mich befand. Und ich verstand, wie so etwas überhaupt geschieht, was Menschen empfinden, die zu Opfern oder Zeugen eines solchen Terrorakts werden. Und genau das geschieht jetzt auf ukrainischem Boden. Und für mich ist auch völlig offensichtlich, warum ich grundsätzlich der Meinung bin, dass ein solcher Terror genauso ein Teil des Krieges ist wie der Vormarsch der feindlichen Armee auf ukrainischem Boden, wie die antiukrainische Propaganda, wie Raketen- und Drohnenangriffe auf zivile ukrainische Wohnviertel.

Ich habe viele Male davon gesprochen, dass wir unausweichlich mit einem solchen Terror konfrontiert werden. Schon deshalb, weil es in der Ukraine nicht wenige Menschen gibt, die Sympathisanten des russischen Weltbilds sein können, Anhänger der russischen Sicht auf die Ukraine als einen nicht existierenden, vorübergehenden Staat, dessen Territorium ganz bestimmt, ganz bestimmt an die Russische Föderation angeschlossen werden wird. Und diese Menschen können entweder zu Agenten russischer Geheimdienste werden, die bereit sind, deren Befehl auszuführen, oder zu Aktivisten, die bereit sein werden, so zu handeln, dass es ihrer eigenen Sicht auf die Zukunft der Ukraine entspricht. So, wie es mit Anhängern der autoritären Idee immer der Fall ist.

Die autoritäre Idee schätzt in der Regel das Leben selbst nicht, und ihre Anhänger können keinen Wert im eigenen Leben sehen. Hier haben Sie auch die Antwort auf die Frage, wie ein Mensch sich zu einer Tat entschließen kann, die im Wesen Selbstmord ist. Und wenn die ersten Informationen über die Biografie eines solchen Menschen auftauchen, sehen wir tatsächlich einen realen Anhänger der russischen Welt, einen Menschen, der sich in russischer Militäruniform fotografieren ließ, der für die Streitkräfte der Russischen Föderation spendete. Dabei handelt es sich um einen Berufsmilitär, und zwar darum, dass dieser Militär nicht russisch war, sondern ein ukrainischer Militärangehöriger.

Aber wiederum: Was ist ein ukrainischer Militär vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine? Gerade in diesem Angriff härtete sich die wirkliche ukrainische Armee. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Dienst in der ukrainischen Armee für viele Menschen einfach nur ein Arbeitsplatz. Und die ukrainische Armee selbst eine Fortsetzung der russischen, so wie, sagen wir, für viele in Belarus die belarussische Armee, die Armee des Diktators Lukaschenko, eine Fortsetzung der russischen ist.

Auch das ist ein Erbe der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts, als wir, statt eine eigene Armee zu schaffen, einfach den Weg gingen, dass die Militärangehörigen jener sowjetischen Militärbezirke, die sich auf unserem Boden befanden, der Ukraine den Eid leisteten. Und natürlich leisteten alle mit Freude den Eid, einfach damit sie danach nicht irgendwo nach Sachalin oder Ussurijsk versetzt würden. Denn in der Ukraine bis zur Pensionierung zu bleiben, das war der Traum jedes sowjetischen Fähnrichs und Offiziers, woher auch immer er stammte.

Aber man muss sich dennoch bewusst machen, dass die überwältigende Mehrheit der Menschen mit sowjetischen Rangabzeichen die ukrainische Armee nie als eine echte wahrnahm. Und das Erstaunlichste und Schrecklichste ist, dass die überwältigende Mehrheit der Bürger unseres Staates die ukrainische Armee ebenfalls nicht als eine echte wahrnahm. Wie konnte sich in einer solchen Armee ein ukrainischer Offizier Dmytrij Wasyltschenko herausbilden? Oder war er wirklich ein ukrainischer Offizier? Das ist ebenfalls eine ziemlich gute Frage, ebenso wie die Frage, dass der Mensch im Donezker Gebiet und später in Kyiv lebte, in einem Umfeld starker prorussischer Einflüsse.

Und auch das spricht im Prinzip für das, was wir beobachten, wenn wir die Situation mit der Mentalität von Menschen besprechen, die sich bereits unter diesen letzten sowjetischen und postsowjetischen Bedingungen herausgebildet haben. Ich denke, dass ich weiß, wovon ich spreche, denn dieser Mensch ist in meinem Alter. Ich wurde in einer Gesellschaft erzogen, in der eine riesige Anzahl meiner Altersgenossen klassische sowjetische Menschen waren. Und für viele von ihnen, wenn diese Menschen obendrein russischer Herkunft waren, in Russland geboren – und das hängt gerade mit diesem Schützen Dmytrij Wasyltschenko zusammen –, nahmen diese Menschen das Entstehen eines unabhängigen ukrainischen Staates, das Entstehen einer ukrainischen Armee einfach als Zufall wahr, als etwas, dem man keine Aufmerksamkeit schenken müsse. Und natürlich wurden das Jahr 2014 und das Jahr 2022 für sie zu einer wirklichen Tragödie, weil sie auf eine Befreiung warteten – und sie kam nicht.

Und natürlich gibt es hier eine unglaubliche kognitive Dissonanz in den Köpfen solcher Menschen und in ihrem Verhältnis zur ukrainischen Gesellschaft. Denn die ukrainische Gesellschaft wartet auf die Befreiung von den Russen, und solche Menschen warten auf die Befreiung durch die Russen und gehen unter Menschen umher, die ihnen ihrem Wesen nach aufgrund ihrer Wünsche feindlich sind. Und das ist ein riesiges Problem für unsere Sicherheit, wenn wir natürlich nicht auf die Gefahr solcher Prozesse achten werden. Es gab Informationen – ich weiß nicht, inwieweit sie sich bestätigen werden –, dass Wasyltschenko zwei Staatsbürgerschaften hatte: die russische und die ukrainische. Es ist unbekannt, inwieweit diese Information real ist.

Natürlich ist die Frage ziemlich wichtig, wie man unter solchen Bedingungen Terrorismusprävention betreiben soll. Und es geht hier nicht um den konkreten Schützen, sondern um die Gesamtheit agenturner Maßnahmen zur Vorbeugung dieser Welle des Terrors, die eintreten kann. Terror schafft absolut neue Spaltungen in der Gesellschaft. Terror lähmt sehr oft die Gesellschaft. Das konnte man in vielen Ländern beobachten.

Ich habe in Russland gelebt in der Periode des Terrors, der mit den beiden Kaukasuskriegen verbunden war. Und ich kann Ihnen ganz klar sagen, dass gerade dieser Terror es den Leuten aus dem Föderalen Sicherheitsdienst der Russischen Föderation, aus dem KGB, ermöglichte, die Macht endgültig in die eigenen Hände zu nehmen. Denn wenn Terror, und dazu noch vor dem Hintergrund eines Krieges, gewöhnlich und massenhaft wird, dann wird der Wunsch, jemanden zu finden, der Ordnung schafft, in der Gesellschaft vorherrschend.

Ich habe die israelische Gesellschaft gesehen, wie sie sich während des massiven Terrors veränderte. Natürlich erhielten damals Menschen einen Freibrief vom Wähler, die radikale Maßnahmen anboten, die natürlich an keinerlei Möglichkeit eines Dialogs glaubten. Wie kann man an die Möglichkeit eines Dialogs mit Terroristen glauben? Und das ist, wie Sie verstehen, immer ein Weg in die Sackgasse.

Aber wie kann man der terroristischen Gefahr vorbeugen? Nun, erstens muss man wiederum darüber nachdenken, auf welche Weise die Spezialdienste der Russischen Föderation mit den künftigen Ausführern ihrer Aufträge arbeiten. Denn wir stehen ja jetzt erst am Anfang der Prozesse. Der individuelle Terror, kann man sagen, hat bereits begonnen, ist bereits zur Norm unseres Lebens geworden. Erinnern wir uns an den schrecklichen Mord an Iryna Farion. Erinnern wir uns an den schrecklichen Mord an Andrij Parubij. Das alles sind doch waschechte Terroranschläge. Und zwar demonstrative, wenn wehrlose Menschen einfach auf den Straßen einer ukrainischen Stadt ermordet werden, die weit von der Kampfzone entfernt ist. Und jetzt geschieht bereits, sagen wir so, Massen-Terror, wenn man einfach gewöhnliche Menschen in einem Einkaufszentrum erschießt.

Hier sind wiederum die Einschränkung der Kommunikationsmöglichkeiten der Russen über Messenger und entsprechende Netzwerke ebenfalls Teil einer solchen Arbeit. Noch einmal: Ich habe nie zur Schließung von Telegram aufgerufen. Ich habe zur Begrenzung der Präsenz jener Kanäle und Plattformen auf Telegram aufgerufen, die eine Gefahr für das nationale Überleben der Ukraine darstellen können. Und selbst in vielen Ländern des Westens, die sich nicht im Krieg mit der Russischen Föderation befinden, findet eine solche Begrenzung statt, während es sie bei uns bis heute nicht gibt.

Ich denke, man muss einerseits jene Bürger Russlands und der Republik Belarus schützen, die sich als politische Flüchtlinge in der Ukraine befinden. Andererseits muss man die Kontakte jener russischen Bürger aufmerksam verfolgen, die in den letzten Jahren in die Ukraine gekommen sind. Natürlich können sich unter diesen Menschen völlig apolitische Menschen befinden, für die das Leben in Russland oder in der Ukraine keinen besonderen Unterschied macht. Aber es können auch Menschen mit ganz konkreten Überzeugungen und Verpflichtungen gegenüber Russland darunter sein.

Ich sehe kein Problem darin, präventive Gespräche mit Bürgern des Landes zu führen, das gegen uns einen Eroberungskrieg führt. Diese Bürger selbst, wenn sie die Ukraine während des Krieges mit Russland als Ort ihres Aufenthalts gewählt haben, könnten einem solchen Gespräch ebenfalls mit offensichtlichem Verständnis begegnen. Das ist auch ein Teil unserer Arbeit an der kollektiven Sicherheit.

Jetzt werden natürlich wieder Gespräche beginnen darüber, dass man allen Ukrainern die Möglichkeit des freien Gebrauchs von Waffen geben müsse, und alle werden zu überzeugen versuchen, dass genau das die Möglichkeit sei, solchen Terroranschlägen vorzubeugen. Ich möchte Sie daran erinnern, dass in den Vereinigten Staaten die Möglichkeit des freien Waffenbesitzes die Situation mit Schützen, die die Zivilbevölkerung erschossen, niemals verändert hat.

In Israel hat sie sie verändert, aber einfach deshalb, weil in Israel während eines Terrorakts erstens die Menschen, die Waffen besitzen, in der Regel Profis im Umgang damit sind, weil alle Menschen die Streitkräfte durchlaufen, sowohl Männer als auch Frauen. Zweitens ist in Israel während eines Terrorakts völlig offensichtlich, wer der Eigene und wer der Fremde ist. Ich möchte daran erinnern: Wenn dieser Terrorakt von einer Gruppe von Komplizen verübt wird, dann verstehst du in der Regel, auf wen du schießt, denn die Menschen, die schießen, unterscheiden sich von den Menschen, auf die sie schießen.

In der Ukraine kann der Waffenbesitz sowohl des Angreifers als auch derjenigen, die sich gegen ihn verteidigen werden, einfach zu einem massenhaften Schusswechsel führen, weil du in dieser Situation, in einer Situation noch dazu von Stress und Zeitnot, nicht verstehen wirst: Ist dieser Mensch, der sich jetzt neben dem Terroristen befindet, sein Komplize oder einfach ein zufälliger Besucher des Geschäfts, der sich nur zufällig in der Nähe befand? Nun, und das ist ebenfalls eine Frage, die wir uns alle stellen müssen.

Aber ich denke, dass diese Diskussion aus einem einfachen Grund nicht stattfinden wird. Ich bin überzeugt, dass auch nach dem Ende der Kampfhandlungen Fälle von Massenschießereien in der Ukraine ständig vorkommen werden, sogar nicht im Rahmen des Terrors, sondern im Rahmen dessen, dass wir im friedlichen Leben eine riesige Zahl von Menschen mit Stress, mit Kriegstraumata bekommen werden, in einer zerrütteten, korrupten Gesellschaft, in der es keine Gerechtigkeit gibt. Und diese Menschen, glauben Sie mir, werden bereit sein, ihre Fragen zu lösen oder sich für Respektlosigkeit und Nichtbeachtung mit Hilfe von Waffen zu rächen.

Solche Episoden wird man nicht vermeiden können. Man muss ihrer Zukunft als einer realen Perspektive des Lebens in einem Land begegnen, in dem sie zum Alltag werden. Die Erschießung irgendeines Beamten, irgendeiner Sitzung eines Gebiets- oder Stadtrats, Schießereien auf den Straßen. All das wird zur Norm unseres Nachkriegslebens werden. Und selbst wenn wir mit Ihnen eine wirksame Wiedereingliederung der Menschen entwickeln können, die aus den Kampfzonen zurückkehren, wird es dennoch Menschen geben, die unzufrieden sein werden, einfach weil sie von all dem Grauen traumatisiert sein werden, das sie durchleben. Und ich denke, vor dem Hintergrund all dieser Massenbegräbnisse, die es in vielen ukrainischen Städten und Dörfern geben wird, werden die Gespräche über Waffenbesitz enden. Deshalb ist diese Diskussion jetzt einfach unangebracht.

Gerade deshalb, weil ich mir die weitere Entwicklung der Ereignisse vorstelle, ebenso wie ich mir vorstelle, dass Russland Terrorismus als wichtigen Teil der Destabilisierung der ukrainischen Gesellschaft in den kommenden Jahren des Kampfes einsetzen wird. Umso mehr, als Putin jetzt wiederum tatsächlich ernste wirtschaftliche Probleme spürt. Wir haben tatsächlich seine wunde Stelle ertastet: die Ölhäfen, vor allem die Ölverarbeitung. Sie verstehen doch, was technologisch im Prinzip mit Russland geschieht, nachdem wir seine Öltransporte gestoppt haben und es jetzt einfach die Präferenzen Trumps nicht nutzen kann, der Putin die Möglichkeit gegeben hat, noch einen Monat lang sein Öl von Tankern auf dem Meer zu verkaufen.

Aber woher sollen neue Tanker kommen, wenn die Häfen nicht arbeiten? Das bedeutet, dass Russland kein Öl verkaufen kann. Es kann sein eigenes Rohöl in seinen eigenen Raffinerien für den Eigenbedarf verarbeiten, aber diese Raffinerien werden ebenfalls bombardiert und fallen ebenfalls aus. Und in dieser Situation, wie wir sehr gut verstehen, muss Russland einfach die Ölförderung verringern, Bohrlöcher schließen, von denen noch unbekannt ist, wie schnell sie wieder geöffnet werden. Und das ist eine schwierige Situation.

Deshalb fällt das Bruttoinlandsprodukt der Russischen Föderation bereits den zweiten Monat in Folge. Ich nehme diese Zahlen ja nicht aus der Luft. Ich zitiere Putin selbst, der bereits darauf aufmerksam gemacht hat, und das alles können noch geschönte Zahlen des Rückgangs sein. Und in dieser Situation – wie antwortet Putin natürlich? Er hat das Konzept der in die Ecke getriebenen Ratte. Schon aus seinem ersten biografischen Buch, das am Vorabend der Präsidentschaftswahlen des fernen Jahres 2000 veröffentlicht wurde, wie er eine Ratte verfolgte, sie in eine Sackgasse trieb und die Ratte auf ihn losging. Und Putin lief schon vor der Ratte davon. Diese Ratte also – das ist das Wesen, dem Putin ähnlich sein möchte. Man muss verstehen, wer überhaupt Putins Held ist, der Held seiner Kindheit: diese Ratte.

Deshalb müssen Sie, wenn Sie Putin in die Ecke, in eine Sackgasse treiben, ganz klar verstehen, dass er nicht mit Ihnen verhandeln wird. Er wird aus dieser Ecke heraus Sie angreifen. So stellt er sich das Leben vor. Wie wird er angreifen? Er wird dem Krieg und dem Beschuss Terror hinzufügen. Das könnte erst der Anfang sein. Solche Ereignisse können jetzt regelmäßig geschehen. Das heißt, es ist sehr wichtig, über die Vorbeugung solcher Ereignisse verschiedener Art nachzudenken. Das muss zu einer der Hauptaufgaben der ukrainischen Spezialdienste werden. Und auch die Bürger müssen aufmerksam darauf schauen, was um sie herum geschieht, auf verdächtige Menschen, die plötzlich Wohnungen mieten, denn das können Gruppen sein, die in ukrainische Städte kommen werden, auf das seltsame Verhalten der eigenen Nachbarn.

Wir haben doch gehört, dass dieser Schütze angeblich seine eigene Wohnung in Brand gesetzt hat, bevor er zum Verbrechen aufbrach. Man erzählt doch, dass dieser Wasyltschenko im Jahr 2023 eine Prügelei in einem Supermarkt veranstaltete. Sich dort also aggressiv verhielt. Das heißt, die Person war die ganze Zeit über, sagen wir so, psychisch nicht ganz normal. Und auch das konnte für seine Anwerbung genutzt werden. Zudem tauchen ebenfalls recht interessante Informationen auf, dass er in den Jahren 2015–2017 – der Krieg Russlands gegen die Ukraine hatte schon begonnen, die Krim war bereits besetzt, ein Teil des Donbas war besetzt – in Rjasan lebte. In Rjasan, und davor war er in Bakhmut. Nun, Sie verstehen, dass es während des Lebens in Rjasan bei einem ehemaligen Militärangehörigen irgendwelche Kontakte zu irgendwelchen russischen Spezialdiensten gegeben haben könnte.

Nun richtet jetzt natürlich jeder seine Aufmerksamkeit auf seine Seiten in sozialen Netzwerken. Hätte man ihnen vielleicht früher Aufmerksamkeit schenken müssen? Antiukrainische Einträge, antisemitische Äußerungen. Wie viel von alledem erscheint in den sozialen Netzwerken. Und wir winken einfach ab. „Ach, wenn er in sozialen Netzwerken schreibt, wird er schon nichts tun.“ Er pries Hitler, rief zu gewaltsamen Säuberungen in der Gesellschaft auf, nannte die Ukraine eine sogenannte, bedauerte, dass Girkin seine Heimatstadt Bakhmut nicht vernichtet habe. Nun, nicht Heimatstadt, er wurde in Moskau geboren, aber Bakhmut war sein Wohnort. Dabei war er ein ukrainischer Militärpensionär.

Und jetzt, eben jetzt, gibt es Zugang zu dieser Webseite. Jetzt kann man verstehen, warum Menschen sich so verhalten. Diese Webseite hieß „Bakhmut WDW“. „Sehen Sie, Balaklija, das sind Explosionen von Waffenlagern. Dagegen wirkt Tschernobyl harmlos. Schade, dass Balaklija nicht im Gebiet Kyiv liegt. Man sagt, es gehe ein hybrider Krieg, aber das ist ein hybrider Genozid. Wenn Girkin Strelkow als Statthalter und Gauleiter von Slowjansk und der slowjansker Region ein echter Militär gewesen wäre, dann hätte so etwas 2014 mit Artjomowsk-Bakhmut geschehen müssen.“ Das also sind die Gedanken und Äußerungen eben dieses Wasyltschenko. Bakhmut WDW, verstehen Sie? WDW (russischen Luftlandetruppen) – wir verstehen doch, was das ist. Also sind das alles absolut klare, verständliche Äußerungen eines Menschen, der das Land hasste, in dem er lebte.

Wie viele solcher Menschen sehen Sie ganz unverhohlen in sozialen Netzwerken – keine Bots, mit ukrainischem Wohnort, mit ukrainischer Registrierung? Und Sie verfolgen sie vielleicht nicht, aber der russische Genosse Major vom Föderalen Sicherheitsdienst, der hat solche Menschen im Blick. Er wird ihnen ganz bestimmt schreiben. Er wird irgendeine Tätigkeit vorschlagen oder einfach anstoßen. „Keine Kraft mehr, all diese verfluchten Nationalisten, Banderowzy zu ertragen? Vernichte wenigstens einen Teil von ihnen, dann wird es dir leichter.“ Sie verstehen doch, dass diese Leute das Andropow-Institut absolvieren, um mit ähnlichen Terroristen zu arbeiten. Auch das ist eine reale Wahrheit über das, was mit einem solchen Kontingent geschieht.

Man darf nicht denken, dass nach 2022 unsere ganze Gesellschaft alles über Russland verstanden hätte. Hören Sie, machen Sie sich keine Illusionen. Menschen, die Feinde der Ukraine waren, sind Feinde der Ukraine geblieben. Wenn wir über „die Wartenden“ sprechen, dann sind sie es. Nur dass manche von diesen „Wartenden“ jetzt vielleicht schon eine reale, reale Möglichkeit haben, ihre Wünsche zu erfüllen, ohne darauf zu warten, dass die Besatzer in Kyiv einmarschieren, in Kharkiv einmarschieren, in Odesa einmarschieren. Und diese  „Wartenden“ können die Russen, weil sie vielleicht auch verstehen, dass sie nicht nach Kharkiv, nach Odesa, nach Kyiv einmarschieren werden, benutzen. Es ist sehr gefährlich, mit einem solchen realen Problem so umzugehen, als existiere es nicht. Das ist es, was ich zu diesem Terrorakt sagen wollte.

Nun die Frage: Warum betont niemand die Tatsache, dass sehr viele Vertriebene aus den östlichen Regionen einfach weiterhin Russland unterstützen und weiter auf ihren Sieg warten und ihn wünschen?

Portnikov. Ich bin grundsätzlich dagegen, Menschen nach ihrer Herkunft aus irgendwelchen Regionen zu teilen. Ja, vielleicht war in den östlichen und südlichen Regionen der Einfluss prorussischer Kräfte größer als in den zentralen und westlichen. Aber gab es in den zentralen und westlichen Regionen keine Menschen, die für prorussische Kräfte, wie Janukowytsch gestimmt haben? Gab es dort keine, die gegen die ukrainische Sprache und gegen die ukrainische Unabhängigkeit auftraten? Eine große Zahl von Menschen, die die besetzten Gebiete im Osten verlassen haben, ist ja gerade deshalb von dort weggegangen, weil sie nicht unter den Russen leben wollte. Deshalb denke ich, dass das Problem nicht darin besteht, dass es in verschiedenen Regionen Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten gibt, die von den Russen zu eigenen Zwecken benutzt werden können. Und das wissen Sie sehr gut.

Eine der Aufgaben Moskaus besteht auch darin, die Ukrainer nach Sorten und nach Wohnorten zu spalten. Und das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt. Und tatsächlich: Je mehr Terror es geben wird, desto mehr wird es solche Möglichkeiten geben. Heute, wenn Sie russische Sprache in öffentlichen Verkehrsmitteln hören, können Sie einfach so reagieren: „Warum sprechen sie weiterhin Russisch?“ Morgen werden Sie schon allein wegen terroristischer Aktionen denken: Werden diese Leute nicht einen Terrorakt in dieser Metro verüben, wenn sie Russisch sprechen, dazu noch akzentfrei? Nun, sie sind ja irgendwoher gekommen, nicht von hier. Und in Wirklichkeit kann einen Terrorakt auch ein ukrainischsprachiger Mensch verüben, wie wir wissen, gegen Geld. Solche Fälle gibt es ebenfalls viele. Wie wir wissen, beherrschte der Mensch, der Rebet und Bandera tötete, die ukrainische Sprache ausgezeichnet, war aber ein Agent Schelepins, der die ukrainische Sprache nicht beherrschte.

Auch das ist eine Erinnerung daran, wie all das aussehen kann. Und daran, dass ich dagegen bin, Menschen nach ethnischer Herkunft, nach Wohnort, sogar nach Staatsbürgerschaft zu teilen. Denn ich verstehe sehr gut, dass es unter den Bürgern Russlands und Belarus’ sehr viele Menschen geben kann, die wirklich für den Sieg der Ukraine mitfiebern, während es unter den Bürgern der Ukraine nicht wenige Verräter geben kann, so wie diesen Wasyltschenko, der einen ukrainischen Pass hatte und ukrainische Menschen getötet hat und das immer wollte. Das Interessanteste ist: Er wollte das immer.

Frage. Mich interessiert, warum das ganze Gesindel, das zu pro-hamasischen Kundgebungen hingeht, über all das, was es in der Ukraine passiert, schweigt und über das Fehlen anti-antisemitischer Gesetze in Europa – entspricht das der Stimmung der Bürger?

Portnikov. Warum? In Europa gibt es Gesetze, die Verantwortung dafür vorsehen, dass Menschen die Tatsache des Holocaust nicht anerkennen. Wir müssen übrigens dafür kämpfen, dass es solche Gesetze auch in Bezug auf den Holodomor gibt, damit es Verantwortung gibt, und zwar nicht nur in der Ukraine, für die Leugnung der Tatsache des Holodomor. Nicht einfach nur die Anerkennung des Holodomor als Genozid. Das ist eine politische Aktion, aber es muss eine juristische Aktion geben. Verstehen Sie? Denn glücklicherweise gibt es zumindest im Westen einen Konsens in Bezug auf den Holocaust. Und in Bezug auf den Holodomor gibt es einen solchen Konsens nicht. Die Russen können ihren Mist straflos verbreiten und erzählen, dass es das alles nicht gegeben habe, dass überall Hunger gewesen sei. Darüber muss man irgendwie nachdenken.

Nun, und was die Pro-Hamas Kundgebungen betrifft, so müssen Sie sehr gut verstehen, dass die Menschen, die zu Pro-Hamas Kundgebungen gehen, einfach gewöhnliche Antisemiten sind, die die Tragödie, die im Nahen Osten geschieht, für legalen Antisemitismus benutzen. Gerade deshalb, weil es Gesetze gibt, und sie sind angeblich nicht gegen Juden, sie sind gegen das Grauen, das Israel auf dem Territorium des Gazastreifens und im Libanon anrichtet. Und wenn wir sagen: „Warum bemerkt ihr nicht, dass es dort israelische Geiseln gab, dass Hamas-Leute Kinder getötet haben, dass die Hisbollah auf friedliche israelische Städte schießt und sie besetzte Territorien nennt, auf die man straflos schießen könne, weil das aus Sicht der Hisbollah überhaupt keine Städte seien? Dort geschieht doch dasselbe.“ Man kann die Frage stellen: „Warum interessieren diese Menschen sich nicht für ukrainische Kinder?“

„Nun, vielleicht deshalb, weil Russland ein Verbündeter der Hamas ist und Präsident Putin ein toller Kerl, der sich als Erster unter Politikern, die überhaupt irgendein Gewicht in der Welt haben, mit den Führern der Hamas getroffen hat. Er lud den Chef der Hamas, Ismail Hanija, als Premierminister der Palästinensischen Autonomiebehörde nach Moskau ein, Hamas-Minister. All das geschah zuerst in Moskau. Und die Ukraine ist nicht auf der Seite der Hamas. Wozu also ukrainische Kinder bemitleiden? Bemitleiden muss man jene Kinder, deren Regierung die Terroristen unterstützt. Das heißt, russische Kinder muss man bemitleiden. Das sind die arme Kinder, Opfer der Banderowzy.“

Ich bin also absolut nicht überrascht von dem, was auf all diesen Demonstrationen geschieht. Und ich habe wiederholt gesagt, dass diesen Leuten auch die palästinensischen Kinder egal sind, dass das einfach eine Legalisierung alter Komplexe ist, die wir in Europa gesehen haben und die schließlich zum Holocaust geführt haben. Und auch das ist eine absolut offensichtliche Sache, die damit zusammenhängt, was wir beobachten, wenn wir über die Ereignisse im Nahen Osten sprechen.

Also ist es jetzt im Prinzip sehr wichtig zu verstehen, inwieweit die Situation mit all diesen terroristischen Gefahren von uns richtig aufgearbeitet werden wird. Verstehen Sie, diese Erschießung in einem Supermarkt in Kyiv kann ja einfach als so ein Vorfall gewertet werden. Mehr wird so etwas nicht geschehen. Ein unausgeglichener Mensch. Aber wenn sich das wiederholt, wenn das weitergeht? Wie Sie verstehen, ist das doch eine sehr ernste Gefahr. Die Unterschätzung der Terrorgefahr ist immer ein sehr ernstes Problem für eine Gesellschaft, in der Terror geschieht. Daran muss man sich erinnern, wenn wir über die Situation auch nur der Einschätzung des gegenwärtigen Terrorakts sprechen.

Nun gut, meinetwegen sei es ein unausgeglichener, aggressiver Mensch. Aber dieser unausgeglichene, aggressive Mensch hatte seine politischen Ansichten bereits gezeigt, bevor er diesen Terroranschlag verübte. Er war faktisch bereits mit antiukrainischen Erklärungen aufgetreten. Nun, versuchen wir wenigstens zu verstehen, dass die Situation mit der Terrorprävention auch mit der Prävention in sozialen Netzwerken zusammenhängt. Wenn Menschen aggressive Posts antiukrainischen Charakters schreiben und sich nicht einmal verstecken, dann muss man mit diesen Menschen ebenfalls sprechen. Auch ihre Kontakte müssen verfolgt werden. Übrigens, sehen Sie, eine Frau wurde getötet, als sie im Park spazieren ging, dieser Widerling tötete sie einfach auf dem Weg zum Supermarkt. Nicht einmal im Supermarkt selbst, es gab nicht einmal irgendeinen Akt der Aggression, der zu solchen Handlungen provoziert hätte. Nein, das war ein vorbereiteter, kaltblütiger Akt des Mordens an Menschen, wie Sie verstehen.

Und hier stellt sich die Frage: Wozu musste man dann Geiseln nehmen, wenn der Terrorist keinerlei reale Forderungen stellte? Und irgendeinen Sinn in diesen Verhandlungen – das Innenministerium schickte eine Verhandlerin dorthin, die versuchte, mit ihm zu sprechen – gab es nicht. Der Innenminister erzählt, dass der Schütze an jeden herantrat und Einzelschüsse abgab. Ebenfalls ein absolut kaltblütiger Wunsch, Menschen zu töten.

Tragisch natürlich, aber ich wiederhole: Solche Situationen können systematisch werden, wenn wir keine reale Arbeit am Verständnis des Zustands der Gesellschaft und des Zustands jener Menschen beginnen, die Anhänger Russlands in unserer Gesellschaft sind. Natürlich sind wir ein demokratisches Land, Menschen haben das Recht auf eigene Gedanken, aber wenn ein Mensch dem Staat, den Bürgern offen, ohne sich zu verstecken, droht, muss man daran denken, dass eine solche Drohung verwirklicht werden kann.

Wir, Menschen unseres Berufs, leben die ganze Zeit unter Gottes Augen. Wir erhalten persönliche Drohungen. Wir verstehen, dass jeder beliebige verrückte Anhänger Moskaus kommen und dir Schaden zufügen oder dich töten wollen kann. Sie verstehen doch, wie viele solcher Drohungen ich in meinem Leben erhalten habe, Dutzende, Hunderte. Aber wenn Drohungen massenhaft werden, wenn Drohungen tatsächlich auf die Untergrabung der Sicherheit eines ganzen Staates während des Krieges gerichtet sind, dann ist das wirklich schon ein Problem für unsere, ich würde sagen, Durchhaltefähigkeit im Krieg mit der Russischen Föderation.

Man muss all diese Gefahren einfach verstehen, dass das alles verschiedene Fronten sind. Die Front realer Kampfhandlungen der Armeen, die Front des Beschusses ukrainischer Städte und Siedlungen mit Raketen und Drohnen, die Front des individuellen und Massenterrors. Heute kann ich faktisch sagen, dass die Front des Massenterrors eröffnet wurde. Heute ist so ein Tag. Und die Front der antiukrainischen Propaganda. Dabei ist die Front der antiukrainischen Propaganda sehr oft gerade darauf gerichtet, Terror gegen die Zivilbevölkerung von Seiten einzelner Individuen zu provozieren, die an solchen Handlungen teilnehmen.

Also hat die Untersuchung die Ermordung unserer Mitbürger in Kyiv – leider sind bereits sechs Bürger ums Leben gekommen, 14 wurden verletzt – eben als einen Terrorakt qualifiziert, der zum Tod von Menschen in der ukrainischen Hauptstadt geführt hat. Das ist eine so traurige Bilanz dieses Tages. Zu meinem größten Bedauern. Bitte kommentieren Sie, was Sie darüber denken, wie man gegen den russischen Terror und den Terror russischer Handlanger auf unserem Boden kämpfen kann.


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Titel des Originals: Теракт в Києві: висновки | Віталій Портников. 18.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 18.04.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Trump rettet Putin erneut | Vitaly Portnikov. 18.04.2026.

Das Finanzministerium der Vereinigten Staaten hat die Gültigkeit der Lizenz, die es Russland erlaubt, sein bereits zuvor auf Schiffe verladenes und sich derzeit auf See befindliches Öl zu verkaufen, um einen weiteren Monat verlängert. Eine solche Lizenz war der Russischen Föderation erstmals nach Beginn des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran erteilt worden, als der amerikanische Präsident Donald Trump wegen der steigenden Ölpreise und der daraus resultierenden Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in den Vereinigten Staaten selbst besorgt war. Vor dem Hintergrund des Waffenstillstands im amerikanisch-iranischen Krieg betonten die Beamten des Finanzministeriums jedoch, dass Russland keine neue Genehmigung erhalten werde.

Nun haben sich diese Aussagen, mit denen der US-Finanzminister Scott Bessent auftrat, als Desinformation erwiesen. Wie aus Washington berichtet wird, hat Bessent selbst die Möglichkeit einer Verlängerung der Lizenz mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, besprochen. Und die Politiker kamen zu dem Schluss, dass dies eine gute Idee sei. Darüber hinaus drängten Länder wie Indien und die Philippinen, die wegen der Schließung der Straße von Hormus besorgt sind, auf eine Verlängerung der Lizenz für Russland. Übrigens erschien die Genehmigung genau vor dem Hintergrund ihrer erneuten Sperrung durch Iran.

Obwohl Donald Trump gestern prahlerisch erklärte, die Straße von Hormus sei für immer geöffnet, verging nicht einmal ein Tag, bis das Korps der Wächter der Islamischen Revolution die Meerenge erneut schloss und nun nicht nur darauf besteht, dass Israel seine militärischen Operationen gegen die terroristische Organisation Hisbollah im Libanon einstellt — dieser Forderung der Iraner musste Donald Trump zustimmen —, sondern auch darauf, dass die Vereinigten Staaten ihre eigene Seeblockade der Straße von Hormus aufgeben, die vor allem mit der Unmöglichkeit der Durchfahrt von Schiffen aus Iran und nach Iran verbunden ist. Und nun ist die Situation wieder zu der zurückgekehrt, die noch gestern bestand, nur mit einem Waffenstillstand im Libanon und der Möglichkeit für die Hisbollah, ihre Ressourcen für weitere Angriffe auf Israel auszubauen.

Wie sich die Situation entwickeln wird, ist natürlich schwer vorherzusagen, aber offensichtlich werden vor dem Hintergrund der fortgesetzten Blockade der Straße von Hormus durch Iran die Ölpreise steigen, was den politischen Zielen Donald Trumps überhaupt nicht entspricht. Und daher ist der Versuch, erneut russische Dienste zu nutzen, um das Ölgleichgewicht zu stützen, aus Sicht des bisherigen Verhaltens des amerikanischen Präsidenten völlig nachvollziehbar, der offenbar nicht begreifen will, dass das Geld, das Putin aus dem Ölverkauf erhält, zur Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges verwendet wird — jenes Krieges, den Trump erneut prahlerisch versprach, in den ersten Tagen seiner Rückkehr ins Oval Office zu beenden. Wie die meisten Wahlversprechen Donald Trumps bleibt auch dieses unerfüllt.

Natürlich wird es für Putin schwierig sein, aus dem Ölverkauf Gewinne in dem Umfang zu erzielen, auf den er hätte hoffen können, da die Streitkräfte der Ukraine weiterhin Angriffe auf die Ölhäfen der Russischen Föderation und die russische Ölverarbeitung durchführen und dem russischen Staatschef, der auf die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges ausgerichtet ist, neue Möglichkeiten zur Einnahmeerzielung fehlen. Doch wir müssen daran erinnern, dass Putin die Öltanker im Voraus auf See gebracht hat.

Als sich diese Tanker häuften, stellten viele die Frage: „Warum braucht Russland eine solche Menge an Ölschiffen, und was wird Moskau mit dem Rohstoff tun, nachdem die Vereinigten Staaten Sanktionen gegen zwei seiner wichtigsten Ölkonzerne — Rosneft und Lukoil — verhängt haben?“ Doch nun können wir erkennen, dass entweder die russische Geheimdienstgemeinschaft professionell gearbeitet und den Präsidenten der Russischen Föderation über die Möglichkeit von Angriffen der Vereinigten Staaten und Israels auf Iran informiert hat — was aus Gründen des gesunden Menschenverstands zwangsläufig zur Schließung der Straße von Hormus und zu ernsthaften Problemen in der Weltwirtschaft und Energieversorgung führen musste. Dass Donald Trump dies nicht gesehen hat, bedeutet nicht, dass man in der russischen Hauptstadt damit nicht rechnen konnte. Oder aber Putin erhielt im Voraus Informationen von Vertretern der amerikanischen Führung, die bekanntlich ständig mit ihm oder mit einem solchen seiner Emissäre wie Kirill Dmitrijew in Kontakt stehen, der die Vereinigten Staaten regelmäßig gerade zu wirtschaftlichen Gesprächen besucht.

Man kann sagen, dass es den Russen gelungen ist, Sich operativ auf eine Entscheidung im Zusammenhang mit einer möglichen Schließung der Straße von Hormus vorzubereiten und zu verstehen, dass sie zumindest aus den Schiffen, die sich auf See befinden, schnell die Möglichkeit haben würden, Rohstoffe an Länder wie Indien, die Philippinen und natürlich an die Volksrepublik China zu verkaufen, die die amerikanischen Sanktionen gegen die Russische Föderation überhaupt nicht beachtet.

Doch neues Öl, um es in ausreichender Menge auf See zu bringen, könnte Russland schlicht nicht haben. Zudem könnte es auch keine realen Möglichkeiten geben, dieses Öl zu verkaufen. Ich möchte noch einmal daran erinnern, dass die Lizenz, die den Russen derzeit von den Vereinigten Staaten erteilt wurde und die einen Monat gelten soll, sich gerade auf das Öl bezieht, das sich bereits auf See befindet, und nicht auf neues Öl, das Russland in seinen Seehäfen verladen und auf neuen Schiffen ausfahren müsste.

  • Erstens funktionieren diese Häfen praktisch nicht, von dort kann kein Rohstoff verschifft werden.
  • Zweitens gibt es ein großes Problem bei der Produktion von Erdölprodukten in der Russischen Föderation.

Und so wird in jedem Fall der Gewinn, den Putin aus seinen Öllieferungen an die Länder des globalen Südens erzielt, ein begrenzter Gewinn sein. Aber selbst ein begrenzter Gewinn ist immer noch Geld für den Krieg.

Das ist Geld für den Krieg, den der Präsident der Russischen Föderation bereit ist, in den kommenden Monaten, vielleicht sogar Jahren, gegen die Ukraine zu führen.

Das ist Geld für den Krieg, den Putin aufgrund seines Wunsches erhält, das Territorium seines Landes zu vergrößern und zu den imperialen Grenzen zurückzukehren.

Das ist Geld für den Krieg, das Putin dank der Unterstützung von Donald Trump und seiner Administration erhält, die sich nicht einmal in der Lage sehen, nicht nur die Prioritäten ihrer Außenpolitik zu bestimmen, sondern, so seltsam es für die größte demokratische Nation der modernen Welt klingen mag, auch die Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zu verstehen. Und offenbar sind sie nicht fähig zu begreifen, dass man im Kampf gegen Iran nicht gleichzeitig Iran stärken kann, indem man ihm erlaubt, sein eigenes Öl zu verkaufen. Und man kann nicht gleichzeitig den Verbündeten Irans, Russland, stärken, indem man ihm ermöglicht, am Krieg zu verdienen und nicht nur gegen die Ukraine zu kämpfen, sondern auch Iran zu unterstützen.

Aber von Logik, so scheint mir, kann man in der heutigen Politik Abschied nehmen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп знову рятує Путіна | Віталій Портников. 18.04.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 18.04.2026.
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Von 1991 bis heute: Der lange Weg in den Krieg und seine Profiteure. Vitaly Portnikov. 18.04.2026.

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Um zu verstehen, wie die prorussische fünfte Kolonne in unserem Land tatsächlich arbeitet – und wie sie versucht, die Macht zu ihrem Verbündeten zu machen und das Image der „Verteidiger Zelenskys“ auszunutzen –, lohnt es sich, einen Blick auf die erneute Angriffe gegen mich nach dem Interview mit dem Kanal „Bombardir“ zu werfen.

In diesem Interview sage ich klar, dass der Krieg eine Folge davon ist, dass die Ukrainer vom ersten Tag der Unabhängigkeit an die Gefahr nicht erkannt haben und bei Wahlen – immer – seit 1991 – für denjenigen gestimmt haben, der sich besser mit Russland verständigen kann. Ich mache bewusst eine Ausnahme für die Wahlen von 2004, erinnere aber daran, dass der Sieg damals durch den Maidan ermöglicht wurde und dass der erste Besuch des neuen Präsidenten nach Moskau führte. Der Interviewer fragt gezielt nach, ob dasselbe auch 2014 der Fall war, und ich bestätige das – sodass das Jahr 2019 als logische Fortsetzung eines Prozesses nationaler Blindheit erscheint. Und übrigens setzt sich dieser Prozess fort – Sie wissen selbst, wie viele Menschen immer noch glauben, dass man sich mit Putin einigen kann und bereits danach suchen, wer das tun könnte.

Was machen die Propagandisten? Natürlich werfen sie sich in die Verteidigung Zelenskys – und ich bin sicher, dass sie dafür auch noch Geld kassieren. Und sie argumentieren gegen eine These, die ich gar nicht geäußert habe – nämlich dass alles nur mit dem Jahr 2019 zu tun habe –, statt sich mit der These auseinanderzusetzen, die ich tatsächlich formuliert habe: dass der Prozess des Hineingleitens in den Krieg bereits 1991 begonnen hat. Und wozu?

Dazu, dass diese Leute vor dem Krieg nicht nur der Dienst des Präsidentenbüros waren, sondern auch die fünfte Kolonne Moskaus. Sie dienten seinen Interessen, sie dienten den Interessen Medwedtschuks und wurden logischerweise von ihren Kuratoren delegiert, der neuen Macht zu helfen – einer bunten Macht, die auf finanziellen Erfolg ausgerichtet ist und nicht auf Werte. Und ihre Hauptaufgabe besteht darin, Zwietracht zu säen und dabei jenen zu helfen, denen sie in Wirklichkeit immer gedient haben. Denen, deren Gesinnungsgenossen sie stets waren – seit den Zeiten Janukowytschs und sogar noch früher.

Ja, sie schaufeln uns, den ukrainischen Patrioten, ein Grab. Aber die Ironie des Schicksals besteht darin, dass in diesem Grab zusammen mit uns auch Zelensky landen wird, den sie so eifrig verteidigen.

Ich verstehe nur nicht, warum er für dieses Begräbnis auch noch bezahlt.


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Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 18.04.2026.
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Russland wird eine baltische Insel besetzen | Vitaly Portnikov. 16.04.2026.

Der Oberbefehlshaber der schwedischen Armee, General Michael Claesson, betont, dass die Russische Föderation versuchen könnte, eine der Inseln in der Ostsee zu besetzen, um die Bereitschaft des Bündnisses zu testen, auf eine Gefahr seitens des Kremls zu reagieren.

Gespräche über die Möglichkeit solcher Schritte Russlands in der Ostsee begannen praktisch unmittelbar nach Beginn des großen russisch-ukrainischen Krieges. Bereits 2022 unterstrichen russische Propagandisten, als sie über einen möglichen Angriff Russlands auf eines der baltischen Länder diskutierten, die Notwendigkeit der Einnahme der schwedischen Insel Gotland als Brückenkopf, der es der NATO nicht erlauben würde, auf solche Handlungen der Russischen Föderation zu reagieren.

Übrigens wurde genau diese Diskussion, die im russischen Fernsehen stattfand, zu einem der wichtigen Argumente für den Beitritt Schwedens zur Nordatlantischen Allianz. Und es schien, dass man nach dem Beitritt sowohl Finnlands als auch Schwedens zur NATO aufatmen und feststellen könne, dass die Ostsee zu einem Binnenmeer der Nordatlantischen Allianz geworden ist. Denn Russland verfügt hier nur über Häfen in der Region Kaliningrad, die von der Stabilität der Nachbarstaaten Polen und Litauen abhängen und praktisch vollständig von NATO-Territorium umschlossen sind.v

Doch nachdem Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten geworden ist, hat das Vertrauen der europäischen Länder darauf, dass die USA ihnen im Falle eines russischen Angriffs zu Hilfe kommen werden, deutlich abgenommen. Und vor allem besteht möglicherweise auch bei der russischen Führung selbst keine Gewissheit mehr darüber, dass die Vereinigten Staaten bereit wären, im Falle eines Angriffs durch die Russische Föderation aktiv in der Ostsee zu handeln.

So taucht das Thema der Insel Gotland erneut auf. Allerdings unter völlig neuen Bedingungen – unter Bedingungen der Unsicherheit darüber, ob Artikel 5 des Nordatlantikvertrags weiterhin gilt und ob der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, bereit wäre, Gewalt anzuwenden, falls Russland tatsächlich eine der baltischen Inseln besetzen sollte. Genau darüber spricht im Grunde auch der Oberbefehlshaber der schwedischen Armee, der betont, dass Russland nach dem Ende des Krieges gegen die Ukraine die Möglichkeit haben wird, Kräfte neu zu gruppieren, um seine Interessen auf die Ostsee zu konzentrieren.

Es geht also nicht darum, ob Russland in der Lage ist, eine der baltischen Inseln zu besetzen. Natürlich ist Gotland hierbei die wichtigste Insel im Hinblick auf Druck auf die baltischen Staaten, auf Schweden und Finnland. Die Frage ist vielmehr, inwieweit die Russische Föderation weiterhin an die Existenz euroatlantischer Solidarität glaubt, an die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, ihren Verbündeten zu helfen, wenn Moskau seine Fähigkeit demonstriert, Gewalt anzuwenden und die Möglichkeiten des Bündnisses zu testen.

Und natürlich stellen sich aus dieser Perspektive auch Fragen an die europäischen Länder selbst: Inwieweit sind sie heute bereit zu Solidarität und möglicherweise zur Schaffung von Mechanismen für eine eigenständige Reaktion auf die Möglichkeiten der russischen Streitkräfte? Denn wenn eine solche Bereitschaft fehlt, stellt sich die logische Frage: Warum sind Schweden und Finnland überhaupt der NATO beigetreten, und warum glaubt man etwa in der Ukraine weiterhin, dass ein NATO-Beitritt tatsächlich eine reale Sicherheitsgarantie darstellt? Denn eine Sicherheitsgarantie ist nicht die Mitgliedschaft im Nordatlantischen Bündnis selbst, sondern die Bereitschaft der nuklearen Supermacht Vereinigte Staaten, sich einer anderen nuklearen Supermacht – der Russischen Föderation – entgegenzustellen. Wenn eine solche Bereitschaft fehlt oder nicht deutlich gemacht wird.

Wenn heute davon gesprochen wird, dass Donald Trump zwar keine Möglichkeit hat, die Vereinigten Staaten aus der NATO zu führen, aber bereit ist, die Beteiligung des Landes am Bündnis zu reduzieren und sogar den Sinn von Artikel 5 infrage zu stellen, dann bedeutet das, dass auch die Ukraine in der NATO nichts zu suchen hätte und es keinerlei reale Sicherheitsgarantien seitens der Vereinigten Staaten geben würde.

Sowohl Finnland als auch Schweden haben zu sehr darauf vertraut, dass ihr NATO-Beitritt und die Aufgabe ihres neutralen Status ihre Sicherheit verbessern und Russland von möglichen Angriffen auf ihr Territorium oder von der Besetzung von Teilen ihres Territoriums abhalten würden. Es ist übrigens daran zu erinnern, dass es neben Gotland, das für Schweden wichtig ist, auch die Åland-Inseln gibt, die stets Teil des sicherheitspolitischen Interesses der Sowjetunion und später auch Russlands waren und die gemäß internationalen Vereinbarungen weiterhin als demilitarisierte Zone gelten – was sie ebenfalls für mögliche russische Provokationen in der Ostsee interessant macht.

Wenn der Oberbefehlshaber der schwedischen Armee von Hunderten von Inseln spricht, könnte er auch dieses strategisch wichtige Archipel gemeint haben. Die Logik erscheint recht einfach: Russland möchte nicht, dass die Ostsee zu einem Binnenmeer der NATO wird, und könnte Maßnahmen ergreifen, die seine Fähigkeit zur Reaktion und Kontrolle demonstrieren. Und wenn der Westen nicht in der Lage sein sollte, angemessen auf diese Herausforderung aus Moskau zu reagieren, würde das den politischen Tod der Nordatlantischen Allianz bedeuten.

Und dann könnte man völlig ungehindert Druck auf die ehemaligen Sowjetrepubliken ausüben, die Mitglieder der NATO geworden sind. Das würde auch Fragen für andere Beitrittskandidaten und für die Länder Mitteleuropas aufwerfen. Es würde bedeuten, zu genau jenem Druckniveau zurückzukehren, das das russische Außenministerium bereits 2021 formuliert hatte, als es vom US-Außenministerium und den Außenministerien der NATO-Staaten verlangte, anzuerkennen, dass sich die NATO nicht auf ehemalige Sowjetrepubliken ausdehnen dürfe und dass moderne Waffensysteme, die nach dem NATO-Beitritt dieser Länder seit 1997 in Mittel- und Osteuropa sowie auf dem Balkan stationiert wurden, abgezogen werden müssten, um aus diesen Gebieten eine Art Pufferzone unter politischem Einfluss Moskaus zu schaffen.

Sollte es tatsächlich zur Besetzung einer baltischen Insel kommen und die NATO sich als unfähig erweisen, angemessen auf diese Gefahr zu reagieren, während die Vereinigten Staaten nicht von einer Reaktion, sondern von Verhandlungen mit dem Kreml oder von wirtschaftlichen Sanktionen sprechen, würde dies nicht nur eine Katastrophe für die Ostseeregion bedeuten. Es wäre eine Katastrophe zumindest für die Hälfte Europas.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Росія захопить Балтійські острів | Віталій Портников. 16.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: [Datum oder Epoche]
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Die Nacht des russischen Terrors | Vitaly Portnikov. 16.04.2026.

Kyiv, Odesa, Dnipro, andere Städte und Regionen der Ukraine stehen unter einem massiven Angriff der Russischen Föderation. Zunächst möchte ich den Angehörigen und Freunden der bei diesem kombinierten Angriff Getöteten sowie den Verletzten mein aufrichtiges Beileid aussprechen.

Natürlich sollte man sich über die Grausamkeit, mit der Russland diese Angriffe durchführt, nicht wundern. Die Ziele der Angriffe sind sowohl politischer Natur – die Ukraine weiterhin einzuschüchtern und von der Notwendigkeit zu überzeugen, die vom Kreml geforderten Bedingungen zur Demontage der ukrainischen Staatlichkeit zu erfüllen – als auch rein wirtschaftlicher Natur, verbunden mit dem fortgesetzten Versuch, die ukrainische Energieversorgung zu zerstören. Ich erinnere daran, dass Cherson und Mykolajiw infolge dieses Angriffs derzeit überhaupt ohne Strom geblieben sind. Einfach deshalb, weil die Russen massiv Energieobjekte im Süden der Ukraine angegriffen haben.

Natürlich wirkt dieser Angriff noch überzeugender vor dem Hintergrund der Aussagen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump über ein baldiges Ende des Krieges zwischen Russland und der Ukraine. Denn nur wenige Stunden bevor die Russen ihre neuen Angriffe auf die Ukraine begannen, betonte der amerikanische Präsident erneut, dass sich der russisch-ukrainische Krieg seinem Ende nähere. Und das vor dem Hintergrund des völligen Fehlens selbst jenes imitativen Verhandlungsprozesses, den wir vor Beginn eines anderen großen Krieges in der Welt beobachtet haben – des Krieges zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran, den Donald Trump, wie es scheint, ebenfalls schnell zu beenden versucht, trotz der fortgesetzten Blockade der wichtigsten Energiewege der Welt.

Diese Blockade ist ebenfalls Teil des Krieges Russlands gegen die Ukraine. Denn dank dessen, was im Nahen Osten geschieht, hat der Präsident der Russischen Föderation Möglichkeiten erhalten, seinen Haushalt aufzufüllen, der für ihn längst zu einem Kriegsbudget geworden ist. Gerade aufgrund der Ereignisse im Nahen Osten verfügt die Ukraine nicht über eine ausreichende Anzahl von Abfangraketen gegen russische Raketen und hat keine Perspektiven, solche neuen Raketen in naher Zukunft schnell zu erhalten.

Selbst wenn wir davon ausgehen, dass es derzeit genügend Raketen in den Patriot-Batterien und anderen Luftverteidigungssystemen der Ukraine gibt, kann Putin zumindest darauf abzielen, unsere Luftverteidigung bis zum Beginn der Wintersaison zu erschöpfen, die für die Russische Föderation aus Sicht ballistischer und anderer Raketenangriffe auf ukrainische Regionen Priorität hat – mit demselben Ziel, die ukrainische Energieversorgung zu zerstören. Somit sind die Handlungen des russischen Führers, die Handlungen der russischen Armee zur Fortsetzung massiver Angriffe auf die Ukraine, wenn man sich die Ziele dieses Krieges vor Augen führt, für den Aggressor logisch und gerechtfertigt.

Unlogisch und ungerechtfertigt ist es, zu hoffen, dass beim Aggressor der Wunsch entstanden ist, den Krieg zu beenden. Diejenigen, die darauf hoffen, dass solche Absichten im Kreml tatsächlich bestehen, können einfach auf das schauen, was vor ihren Fenstern geschieht – auf die Brände in ukrainischen Städten, auf die getöteten ukrainischen Bürger, auf die Versuche, die ukrainische Energieversorgung zu zerstören.

Das ist auch die Antwort auf die Frage, wie lange der russisch-ukrainische Krieg noch andauern wird. So lange, wie der Präsident der Russischen Föderation und der russische Staat über finanzielle Ressourcen verfügen, um den Kampf gegen die Ukraine fortzusetzen, so lange wird er andauern. So lange, wie die Ukraine die Kraft hat, diesem grausamen Krieg und dem Wunsch, unseren Staat zu zerstören, zu widerstehen, so lange wird er andauern.

Und natürlich geht es hier nicht um Monate, sondern möglicherweise um Jahre eines zermürbenden Kampfes gegen den russischen Aggressor. Und in der Antwort auf die Frage „wie lange“ liegt auch die Antwort auf die Frage, was getan werden muss, um diese Marathonstrecke zu verkürzen, die nicht einmal 2014 mit der Annexion der Krim und dem Krieg im Donbas begonnen hat, sondern am 24. August 1991 mit der Ausrufung der ukrainischen Unabhängigkeit. Das ist der erste Tag der tatsächlichen Konfrontation zwischen dem russischen und dem ukrainischen Volk – so wie es 1918 mit der Ausrufung der Unabhängigkeit der Ukrainischen Volksrepublik war.

Wenn es der Ukraine gelingt, das militärische, energetische und vor allem finanzielle Potenzial der Russischen Föderation mit Hilfe ihrer Verbündeten zu erschöpfen, wird man auf ein Ende des Krieges, ein Ende all dieser Angriffe und auf den Wiederaufbau der Ukraine hoffen können. Wenn solche Möglichkeiten nicht bestehen, wird die Ukraine natürlich lange, dunkle Jahre im Zustand des Krieges leben – als eine Art Normalität.

Und es ist wichtig, dass die Streitkräfte der Ukraine Möglichkeiten gefunden haben, Russland zu erschöpfen. Angriffe auf russische Häfen, Angriffe auf russische Ölraffinerien – all das zeigt bereits die Probleme Russlands. Und all das wird sich, so hoffe ich, nur noch verstärken, denn solche ballistischen Angriffe erinnern uns an die Notwendigkeit, das Energiepotenzial dieser terroristischen Föderation weiter zu zerstören – um des Überlebens unserer Bürger willen, um des Überlebens des ukrainischen Staates willen.

Es gab keine diplomatische Alternative zu diesen Anstrengungen, es gibt sie nicht, und in absehbarer Zukunft wird es sie natürlich auch nicht geben. Was auch immer uns der selbstverliebte Präsident der Vereinigten Staaten erzählt – er möge diese Mythen jenen Menschen erzählen, die ihn nach den heutigen Angriffen nicht mehr hören können.

Und wenn diese Angriffe auf die russische Energieversorgung erfolgreich sind, wird Putin, seine Armee und sein auf die Aneignung fremder Gebiete ausgerichtetes Volk früher oder später gezwungen sein, zumindest einer Pause in diesem Krieg zuzustimmen, und wir werden uns auf neue Etappen des Kampfes gegen ein Imperium vorbereiten müssen, das nicht zur Ruhe kommen kann und weiterhin – wie schon vor einem Jahrhundert – Wohnviertel ukrainischer Städte und Siedlungen angreift.


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Titel des Originals: Ніч російського терору | Віталій Портников. 16.04.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 16.04.2026.
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Die Niederlage Orbáns: Europa verschwindet nicht. Vitaly Portnikov. 13.04.2026.

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Die wichtigste Schlussfolgerung, die die Regierung der Vereinigten Staaten aus den Ergebnissen der Parlamentswahlen in Ungarn und dem erschütternden Fiasko von Viktor Orbán ziehen könnte, ist: Europa verschwindet nicht, und die Bürger der Länder der Europäischen Union wollen Europäer sein. Über viele Jahre hinweg hat der ungarische Ministerpräsident gerade die antieuropäische Idee ausgebeutet und vielleicht gerade deshalb eine solche Wertschätzung sowohl seitens des amerikanischen Präsidenten Donald Trump als auch seitens des russischen Führers Putin verdient. Denn, so seltsam es auch erscheinen mag, an der Schwächung der Europäischen Union sind fast gleichermaßen Washington, Moskau und sogar Peking interessiert. Natürlich ist es mit jedem einzelnen europäischen Staat leichter umzugehen als mit einem vereinten Block europäischer Staaten. Aber mir scheint, dass eine solche Logik vor allem autoritären oder totalitären Regimen eigen sein sollte, während das größte demokratische Land der Welt – die Vereinigten Staaten – gerade an einer Zusammenarbeit mit demokratischen europäischen Staaten interessiert sein sollten, die in einer effektiven Union vereint sind.

Während seiner Amtszeit als Ministerpräsident hat Orbán alles Mögliche getan, um die Einheit dieser Union zu untergraben, und wie wir sehen, hat er seine Absichten gegenüber Putin nicht verheimlicht. Zu seinen letzten Entscheidungen im Amt gehörte auch die Blockade europäischer Hilfe für die Ukraine, obwohl diese Hilfe nicht nur im Interesse der Ukraine selbst lag, die Unterstützung für ihre durch den Krieg erschöpfte Wirtschaft benötigt, sondern auch im Interesse Europas, das die Ambitionen Russlands einfach eindämmen muss. Es ist geradezu paradox, dass der Ministerpräsident eines Landes, dem die Russen so oft die Freiheit genommen haben, wie ein Politiker im Sinne des Kremls handelte. Es ist geradezu paradox, dass der Präsident der Vereinigten Staaten, der Orbán öffentlich vor den Wahlen unterstützte und sogar seinen eigenen Vizepräsidenten nach Budapest schickte, um für Orbáns Partei zu werben, diese Unterstützung und seine persönlichen Beziehungen zum ungarischen Ministerpräsidenten nicht nutzte, um ihn davon zu überzeugen, auf dieses Veto zu verzichten. Und es ist erstaunlich, dass der Präsident der Vereinigten Staaten, der die Europäer jahrelang davon überzeugte, auf russisches Öl und Gas zu verzichten, jedes Mal die Augen verschloss, wenn es um den Kauf russischer Energieträger durch Ungarn ging. Dabei ist inzwischen offensichtlich, dass Putin dieses angeblich billige russische Öl gegen politische Unterstützung und die Förderung eines korrupten Mechanismus im ungarischen Staat eintauschte.

Orbáns Herrschaft hat der Ukraine tatsächlich teuer zu stehen gekommen. Es gab keinerlei Gründe für eine Verschlechterung der ungarisch-ukrainischen Beziehungen, außer einem – der Bereitschaft Budapests, Moskau zu unterstützen. Es gab keinerlei Anlass, die Ukraine der Missachtung der Rechte der ungarischen Minderheit in Transkarpatien zu beschuldigen. Doch Orbán äußerte nicht nur solche Vorwürfe, sondern investierte auch Ressourcen in die Schaffung einer entsprechenden politischen Atmosphäre in der Grenzregion der Ukraine. Und das, obwohl die Ungarn in Transkarpatien eine der wenigen nationalen Gemeinschaften Europas geblieben sind, denen es gelungen ist, ihre Muttersprache, ihre nationalen Traditionen, ihre Bildung und ihre politische Vertretung zu bewahren – und das alles auf ukrainischem Boden. Ich habe dem ungarischen Ministerpräsidenten einst geraten, sich für das Schicksal zweier anderer ungarischer Völker zu interessieren – der Chanten und der Mansen, die auf dem Territorium Russlands leben. Unter Putin haben sie endgültig nicht nur ihre eigene Sprache verloren, sondern auch die Fähigkeit, Gedichte und Prosa ihrer eigenen Schriftsteller zu lesen, und sogar die scheinbaren Attribute einer eigenen nationalen Staatlichkeit – obwohl diese Völker auf einem Gebiet leben, das in seinem Reichtum mit den Vereinigten Arabischen Emiraten vergleichbar ist und ihnen zumindest gewisse Entwicklungsmöglichkeiten bieten könnte. Doch statt die ungarischen Völker gegenüber Putin zu verteidigen, versuchte Orbán, mit den Problemen der Ungarn in Transkarpatien gegenüber Poroschenko oder Volodymyr Zelensky zu spekulieren. Und das zeigt einmal mehr die Unaufrichtigkeit eines Politikers, der mehr prorussisch als proungarisch war. Und natürlich auch mehr prorussisch als proamerikanisch.

Auch daraus sollte Trump Schlüsse ziehen, wenn es ihm gelingen würde, die Augen zu öffnen: Menschen, die gegen die europäische Einheit arbeiten, werden niemals wirklich an die globalen Interessen der Vereinigten Staaten denken. Solchen Politikern ist Moskau viel näher als Washington.


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Titel des Originals: Поразка Орбана: Європа не зникає. Віталій Портников. 13.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 13.04.2026.
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Die letzten Öltanker: Was weiter | Vitaly Portnikov. 14.04.2026.

Die letzten Tanker mit Vorkriegsöl nähern sich jetzt ihren Bestimmungshäfen. Damit nähern wir uns jener roten Linie, über die wir mit Ihnen praktisch seit den ersten Wochen des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran sprechen. Wir sprechen davon, dass man heute in Wirklichkeit noch nicht sagen kann, dass wir bereits auf einen Ölmangel getroffen sind, und dass dieser Anstieg der Ölpreise an den Börsen, den wir alle in den ersten Wochen des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran beobachtet haben, nicht die reale Situation auf dem Energiemarkt widerspiegelte, sondern vor allem mit den Erwartungen der Ölhändler verbunden war.

Und auch der jetzige Rückgang des Ölpreises hängt nicht mit dem zusammen, was in der Situation geschieht, die wir alle beobachten, wenn wir über die Energiekrise in der Welt sprechen. Denn jetzt können die Ölhändler gerade darauf hoffen, dass es den Vereinigten Staaten und dem Iran gelingen wird, sich zu einigen, und dass dadurch die Straße von Hormus freigegeben wird und zusammen mit dem Ende der Blockade wieder Supertanker mit Öl erscheinen und sich die Energiesituation in der Welt verbessert.

Aber heute können wir eine ziemlich einfache und verständliche Situation feststellen. Die letzten Tanker mit Öl werden entladen. Die Menge an Öl, die in diesem letzten Monat durch die Straße von Hormus gegangen ist, nähert sich null. Damit wird in der Welt in einigen Wochen ein offensichtlicher Ölmangel zu beobachten sein, weil das Öl, das jetzt auf die Weltmärkte geliefert wird, einfach nicht ausreichen wird, um den Bedarf jener Länder zu decken, die früher über die Route durch Hormus Öl erhielten. Und schon jetzt laufen in Asien, kann man sagen, die letzten Kämpfe um den Erhalt jenes Öls, das es noch geschafft hat, vor der Blockade der Straße von Hormus durch das iranische Korps der Islamischen Revolutionsgarden durchzukommen.

Aber nachdem das Öl endgültig verteilt sein wird, beginnt eine völlig neue Energieepoche. Ja, man kann sich vorstellen, dass die europäischen Länder versuchen werden, ihre strategischen Ölreserven freizugeben. Man kann annehmen, dass auch die Vereinigten Staaten zu solchen Maßnahmen greifen könnten. Aber auch hier stellt sich die Frage, wie lange diese strategischen Reserven reichen werden und wie das die Lage in der Welt real verändern wird.

In jedem Fall bleiben jetzt nur noch einige Varianten der weiteren Entwicklung der Ereignisse, die mit Blick auf die Folgen und Ergebnisse des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran bestimmend sein werden.

Die erste ist, dass die Verhandlungen doch noch ein Ergebnis bringen. Wie ich bereits gesagt habe, setzen die Ölhändler große Hoffnungen auf diese Verhandlungen. Pakistan bereitet weiterhin möglicherweise ein neues Treffen zwischen der iranischen und der amerikanischen Delegation vor, bevor der von Donald Trump verkündete zweiwöchige Waffenstillstand endgültig ausläuft. Wir haben diesen Termin fast schon vergessen, weil unmittelbar danach Verhandlungen zwischen der amerikanischen und der iranischen Delegation stattfanden, die zu keinerlei konkreten Ergebnissen führten.

Aber hier stellt sich eine ziemlich einfache Frage: Wenn diese zwei Wochen enden, wird Donald Trump sich dann daran erinnern? Was wird er tun, nachdem der Waffenstillstand ohne irgendwelche realen Ergebnisse und Vereinbarungen endet? Auf den ersten Blick sind Trump und sein Vizepräsident J. D. Vance, der die Delegation der Vereinigten Staaten bei diesen Verhandlungen leitet, nun ausreichend friedfertig gestimmt. Und sie sprechen davon, dass, ich zitiere den Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, die Vereinigten Staaten ihre Hauptziele in dieser Operation bereits erreicht hätten und beabsichtigten, sie zurückzufahren.

Aber wie können die Vereinigten Staaten ihre Operation gegen den Iran zurückfahren, wenn die Straße von Hormus blockiert bleibt und damit die Ölpreise nicht nur in den Ländern Europas und Asiens, sondern natürlich auch in den Vereinigten Staaten von Amerika steigen werden? Und das vor den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress, die zu einer politischen Katastrophe für Donald Trump werden könnten. Etwas Ähnliches hat der amerikanische Präsident bereits am Beispiel seines alten Freundes Viktor Orbán gesehen, der buchstäblich an diesem Sonntag bei den Parlamentswahlen in Ungarn ein vernichtendes Fiasko erlitt.

Und es ist offensichtlich, dass Trump, der Orbán leidenschaftlich unterstützte und ihm sogar den amerikanischen Vizepräsidenten J. D. Vance zur Unterstützung schickte, ganz klar nicht mit einem solchen Zusammenbruch seines langjährigen Anhängers und Verbündeten gerechnet hatte. Was immer er schon nach dem Ende des Kampfes in Ungarn und dem Sieg der Opposition sagt. Das ist auch eine Lehre für Trump und ein ziemlich wichtiger Trigger für ihn, ebenso wie für den russischen Diktator Putin. Ein wichtiger Trigger, der Putins Haltung zur Politik und zur Situation in Russland selbst veränderte, war der Arabische Frühling mit der Zerstörung diktatorischer Regime in vielen Ländern und dem Tod eines wichtigen Verbündeten der Russischen Föderation, des libyschen Tyrannen Muammar al-Gaddafi. Bedingt gesagt: Als Putin die Aufnahmen der letzten Minuten Gaddafis sah, traf er endgültig die Entscheidung, sein Regime in ein totalitäres und gegenüber jeglichen oppositionellen Erscheinungen gnadenloses zu verwandeln.

Trump hat natürlich eine andere Reaktion. Er begreift, dass ihm, wenn es ihm nicht gelingt, die Lage der amerikanischen Wirtschaft zu verbessern, sogar seine Basis, das sogenannte Make America Great Again, ihm einen Krieg nicht verzeihen wird, der zu einer erheblichen Verschlechterung des Lebensstandards der Amerikaner führt. Natürlich wird diese Verschlechterung bereits beginnen, und nichts kann sie verhindern. Aber die Frage liegt im Ausmaß einer solchen Verschlechterung. Denn es gibt eine Verschlechterung, die man mit ideologischen Motiven erklären kann, etwa mit der Notwendigkeit, die Welt von einem tyrannischen iranischen Regime zu befreien, oder zumindest den Versuch dazu. Und es gibt eine Verschlechterung, bei der die Menschen überhaupt nicht an außenpolitische Motive denken, weil sie gezwungen sind, Fragen ihres eigenen Überlebens zu lösen. Und natürlich übertragen sie ihre Lebensprobleme auf den Politiker, den sie für schuldig an ihrer Lebenskatastrophe halten. Und offensichtlich scheint es, dass dieser Politiker gerade Donald Trump sein wird.

Aber es stellt sich die Frage: Selbst wenn die Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran wieder aufgenommen werden, können sie zu irgendeinem realen Ergebnis führen? Denn wir sehen, dass das Korps der Islamischen Revolutionsgarden für den Sommer ganz andere Pläne hat. Das Korps hofft, die politische Autorität Donald Trumps zu zerstören. Und warum gerade ihn? In Teheran ist man der Auffassung, dass gerade dieser amerikanische Präsident ein leidenschaftlicher Anhänger Israels ist und unter dem Einfluss des israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu handelt. Und der Einfluss des israelischen Premierministers auf Trump ist mit dem Einfluss, den Benjamin Netanyahu auf frühere amerikanische Präsidenten hatte, überhaupt nicht zu vergleichen. Wenn man also der politischen Karriere Donald Trumps einen Punkt setzen und ihn für die Amerikaner in ein Symbol ihres eigenen wirtschaftlichen Zusammenbruchs verwandeln kann, dann wird sich jeder andere amerikanische Präsident, selbst wenn es ein Republikaner aus dem trumpistischen Lager sein sollte, mit Blick auf israelische Wünsche viel vorsichtiger verhalten. Und die Geschichte mit dem Krieg gegen den Iran wird zu einer Lehre für alle künftigen Präsidentschaftsadministrationen werden.

Die Tatsache, dass sich die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahren ganz und gar nicht zugunsten Israels verändert, und wir bereits soziologische Umfragen gesehen haben, in denen zum ersten Mal in der Geschichte Amerikas die Mehrheit der Amerikaner nicht die Israelis, sondern die Palästinenser unterstützte bei der Antwort auf die Frage, wem sie im Nahostkonflikt mehr Sympathie entgegenbringt, schafft bei den Iranern natürlich zumindest die Hoffnung, dass die Zerstörung Trumps und des Trumpismus ihnen den Weg für einen ernsthafteren Kampf gegen Israel und sogar zur Zerstörung des jüdischen Staates öffnen wird, was bekanntlich ein wichtiger Teil des politischen Programms der Islamischen Republik ist. Und wiederum wächst mit dem Auftreten militärischer Radikaler an der Spitze der politischen Maschinerie Irans dieses Verlangen, der Existenz Israels ein Ende zu setzen, nur noch weiter. Auch das muss man sich bewusst machen.

Also, was haben wir im Ergebnis? Wir haben im Ergebnis die Vereinigten Staaten, die sich mit dem Iran auf einen Verzicht des Iran auf das Atomprogramm, auf einen Verzicht auf das Raketenprogramm Teherans und auf die Freigabe der Straße von Hormus einigen möchten. Und wir sehen den Iran, der möchte, dass die Vereinigten Staaten ihm Reparationen zahlen und sich selbst als Aggressor anerkennen, damit ihm so erlaubt wird, das Atomprogramm fortzusetzen, zumindest in den Kategorien des friedlichen Atoms, auf denen der Iran immer bestanden hat. Und dass in dieser Situation auch Möglichkeiten geschaffen werden, die dem Iran Chancen auf die Aufhebung der gegen ihn verhängten Sanktionen und auf legalen Ölhandel geben würden.

Und natürlich wachsen diese Forderungen Irans mit jedem Tag. Heute wandte sich die Islamische Republik an die Länder des Persischen Golfs mit der Forderung, ihr Reparationen zu zahlen, weil von den Territorien dieser Länder aus ein Angriff auf den Iran durchgeführt wurde. Und offensichtlich ist das nicht nur ein Wunsch, sondern auch eine Erpressung im Vorfeld einer möglichen Eskalation auf regionaler Ebene, die es dem Iran schließlich erlauben würde, neue Angriffe auf die Öl- und Gasinfrastruktur dieser Länder oder auf ihre Entsalzungsanlagen zu beginnen, was den Nahen Osten innerhalb weniger Wochen in eine Wüste verwandeln und seiner Ölverarbeitung ein Ende setzen könnte. Natürlich wünscht sich das niemand, aber was wird sein, wenn die Verhandlungen scheitern, und das ist ein völlig realer Verlauf der Ereignisse? Wird Donald Trump zu einer neuen militärischen Eskalation bereit sein? Und was am wichtigsten ist: Wird diese militärische Eskalation mit Schlägen der Vereinigten Staaten gegen den Iran tatsächlich zu einer schnellen Freigabe der Straße von Hormus führen?

Wir müssen jetzt verstehen, dass die Vereinigten Staaten im Gebiet der Straße von Hormus und des Persischen Golfs die größte Marineeskadre in der Geschichte des 21. Jahrhunderts zusammengezogen haben. Und damit kann Trump auf die planmäßige Zerstörung der iranischen Energieinfrastruktur und auf die Erzwingung eines Friedens zu amerikanischen Bedingungen durch das Regime der Ajatollahs setzen. Zugleich behaupten viele Experten, dass Donald Trump in Wirklichkeit nicht über die militärischen Möglichkeiten verfügt, die Straße von Hormus mit Gewalt freizubekommen. Zumindest ist das nicht schnell zu machen. Und das kann einige Monate in Anspruch nehmen, die der Iran gerade braucht, um die Wirtschaft der Vereinigten Staaten in einen blassen Schatten zu verwandeln und dafür zu sorgen, dass in den Geldbörsen der Amerikaner viel weniger Dollar sind in dem Moment, in dem sie zu den Wahllokalen gehen. Das ist das enorme Problem jeder Demokratie: auf Wahlen Rücksicht zu nehmen, wenn man auf das Überleben Rücksicht nehmen müsste. Und die iranischen Ajatollahs müssen, wie wir verstehen, an Wahlen nicht denken.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Vereinigten Staaten von neuen massierten Schlägen gegen den Iran absehen könnten, einfach weil sie möglicherweise der Auffassung sind, dass in diesen Schlägen kein realer Sinn läge, zugleich aber bereit wären, die Straße von Hormus weiter zu blockieren, damit der Iran auch sein eigenes Öl nicht ausführen kann und so amerikanischen Bedingungen zustimmt. Aber die Frage ist, dass der Iran erstens offensichtlich eine gewisse Zeit mit der Ausfuhr seines eigenen Öls warten kann, wenn es um die Vernichtung des Feindes geht. Die iranische Gesellschaft, die faktisch von militärischen Radikalen aus dem IRGC kontrolliert wird, kann einfach damit einverstanden sein, dass Warten besser ist, als einen Kompromiss einzugehen. Und zweitens gibt es für den Iran alternative Wege, sein Öl in die Volksrepublik China zu verkaufen.

Und dabei muss man sich daran erinnern, dass China sein System der Zusammenarbeit mit dem Iran so aufgebaut hat, dass es überhaupt an jeglichen Sanktionsmechanismen der Vereinigten Staaten vorbeigeht. Der Iran rechnet für das Öl, das er von der Volksrepublik China erhält, in Yuan ab. All diese Zahlungen gehen nicht durch amerikanische internationale Systeme. Dieses Geld wird von einem konkreten System von Raffinerien gezahlt, die gerade mit iranischem Öl arbeiten. Das heißt, dort ist alles so geschaffen worden, dass Donald Trump dem Regime der Ajatollahs und natürlich Xi Jinping in keiner Weise Steine in den Weg legen konnte. Nun, und das Wichtigste: Praktisch die Mehrheit der Länder, die jetzt in diese Thematik einbezogen sind, tritt gegen die amerikanische Blockade der Straße von Hormus auf. Genau das ist der Trick: nicht gegen die iranische, sondern gegen die amerikanische, gegen den Umstand, dass die Vereinigten Staaten eine doppelte Blockade der Meerenge einführen und Tanker nicht durchlassen, die der Iran durchlässt. Viele europäische Länder sind faktisch dagegen aufgetreten und haben mitgeteilt, dass sie diese Blockade nicht unterstützen und Donald Trump nicht dabei helfen werden, die Straße von Hormus freizubekommen.

Gegen die Blockierung der Straße von Hormus gerade durch die Vereinigten Staaten hat sich die Volksrepublik China ausgesprochen. Und ich habe Grund zu der Annahme, dass eines der Instrumente des Einflusses auf Donald Trump seitens des Vorsitzenden der Volksrepublik China Xi Jinping die Weigerung sein wird, den amerikanischen Präsidenten in die chinesische Hauptstadt einzuladen. Und Trump ist an diesem Besuch interessiert, um den Amerikanern zu zeigen, dass er mit dem wichtigsten wirtschaftlichen und geopolitischen Konkurrenten der Vereinigten Staaten zu einer Verständigung gelangen kann. Nun und noch ein wichtiger Punkt: Gegen diese Blockade kann Saudi-Arabien auftreten. Warum? Saudi-Arabien hat den Prozess der Öllieferungen bereits praktisch fast vollständig auf das Niveau der Vorkriegszeit gebracht. Das bedeutet im Prinzip, dass es sowohl jene Pipelines nutzen kann, die in den letzten Wochen wieder in Betrieb genommen wurden. Allerdings sind diese Pipelines ziemlich unzuverlässige Routen, weil sie bereits vom Iran angegriffen wurden und erneut angegriffen werden können. Aber es gibt auch die Route durch den Sueskanal und die Bab-al-Mandab-Straße, die heute für Saudi-Arabien und damit auch für das Weltöl der Lebensweg ist. Wenn die Blockade der Straße von Hormus durch die Vereinigten Staaten andauert, könnte die Gefahr entstehen, dass die Bab-al-Mandab-Straße von den Verbündeten Irans, den jemenitischen Huthi, angegriffen und blockiert wird, die bereits damit gedroht haben, dies zu tun, es aber bislang nicht getan haben. Und Saudi-Arabien verlangt von Donald Trump laut Berichten der Weltmedien, seine Blockade zu beenden, aus Angst, dass die Antwort des Iran in Form einer Blockade der Bab-al-Mandab-Straße, durch die 12 % des Weltöls laufen, so schwerwiegend sein könnte, dass die Welt im Prinzip auf dem Markt in eine absolute Abwesenheit von Öl als solchem geraten wird.

Es ist also unbekannt, wie lange Trump die Frage mit dem Iran einfach durch eine Blockade der Straße von Hormus lösen können wird. So oder so wird der Tag kommen, an dem der amerikanische Präsident handeln oder sich mit dem Iran zu Bedingungen verständigen muss, die faktisch wie eine politische Niederlage seiner Administration und zugleich wie eine politische Niederlage Israels aussehen werden, noch dazu vor dem Hintergrund, dass es nicht gelingt, die Lage an der Nordgrenze dieses Landes zu stabilisieren. Und die terroristische Organisation Hisbollah setzt die Beschießung des Nordens Israels fort. Oder aber die militärische Operation wird mit völlig unvorhersehbaren Folgen dieser Verstärkung für die Weltwirtschaft verschärft.

Vor diesem Hintergrund Russland. Einerseits ist der Preis für russisches Öl der Marke Urals in diesem Monat um 42 % gestiegen, was dem Präsidenten der Russischen Föderation Putin theoretisch die Hoffnung hätte geben müssen, dass sein Regime aus dem Defizitniveau herauskommt, das 2026 kritisch zu werden versprach und Putins weitere Pläne eines jahrelangen unbefristeten Krieges gegen die von ihm gehasste Ukraine infrage zu stellen drohte. Andererseits haben die ukrainischen Streitkräfte trotz der offensichtlichen Wünsche unserer Partner, über die der Präsident der Ukraine Volodymyr Zelensky bereits öffentlich gesprochen hat, und wir wissen, welche Partner das sind, Angriffe auf russische Ölterminals und auf die russische Ölverarbeitung begonnen. Das sind erfolgreiche Angriffe. Ich hoffe, dass sie auch künftig fortgesetzt werden. Und somit muss Russland sowohl die Öllieferungen als auch die Ölverarbeitung praktisch um die Hälfte reduzieren und wird auch die Ölförderung reduzieren müssen, weil es selbst unter den Bedingungen dieser Förderung keine Möglichkeit gibt, Öl zu lagern oder irgendwohin zu liefern.

Jenes Öl, dessen Verkauf Russland vom Finanzministerium der Vereinigten Staaten gestattet wurde, war nicht das Öl, das durch die von den Streitkräften der Ukraine zerstörten russischen Ölhäfen Ust-Luga und Primorsk lief. Das war jenes Öl, das die Russen vor Beginn des russisch-ukrainischen Krieges aufs Meer hinausgebracht hatten. Das heißt, praktisch lässt sich das mit dem Effekt der Durchfahrt von Tankern durch die Straße von Hormus vergleichen. Und in dieser Situation hat Russland, wie wir ausgezeichnet verstehen, keine neuen Mengen mehr, um weiterhin Öl auf den Tankern seiner Schattenflotte zu verkaufen. Natürlich war ich sehr daran interessiert zu erfahren, warum Russland diese Tanker in solcher Menge noch vor dem Beginn des Krieges mit dem Iran hinausgeführt hat. Entweder weil seine Analysten, zumindest in den Geheimdiensten, die Bereitschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu einer großen Eskalation begriffen und vorausgesehen haben, dass das Ergebnis dieser Eskalation ein unvermeidlicher Anstieg des Ölpreises sein würde. Oder aber sie erhielten vertrauliche Informationen von der amerikanischen Administration über deren Absichten gegenüber dem Iran. Oder aber die Geheimdienste haben funktioniert. Wir können annehmen, dass sich im Umfeld des Präsidenten der Vereinigten Staaten Leute befinden, die Putin Informationen liefern, so wie sie ihm etwa der nunmehr fast Ex-Außenminister Ungarns Péter Szijjártó lieferte, der als ganz gewöhnlicher russischer Agent auftrat.

Ich weiß es nicht, aber die Tatsache bleibt eine Tatsache. Sofort nachdem der Krieg der Vereinigten Staaten mit dem Iran begonnen hatte, ruft der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump Putin an. Und das Ergebnis dieses Gesprächs wird eine zeitweilige Erlaubnis des Finanzministeriums der Vereinigten Staaten für die Russen, Öl von jenen Tankern zu verkaufen, die sich auf See befanden. Und natürlich haben die Russen daran reichlich verdient. Aber interessant ist, dass diese Anordnung, diese Erlaubnis, die bereits vor zwei Tagen auslief, vom Finanzministerium nicht erneuert wurde. Und nun ist interessant, warum. Zuvor hatten sich Vertreter des amerikanischen Kongresses an den Finanzminister der Vereinigten Staaten, Scott Bessent, mit der Forderung gewandt, die Erlaubnis für Russland zum Verkauf seines Öls nicht zu verlängern. Als in den amerikanischen Medien die naheliegende Frage an das Finanzministerium der Vereinigten Staaten auftauchte, was mit der Lizenz geschehen werde, die Bessent Russland zum Verkauf seines Öls erteilt hatte, beantwortete das Finanzministerium diese Frage nicht, betonte aber, dass die Lizenz nur vorübergehend erteilt worden sei und es keinerlei Grundlagen gebe anzunehmen, dass sie erneut erteilt werde. Somit können wir mit Ihnen davon sprechen, dass Russland sich derzeit wieder auf dem Niveau amerikanischer Sanktionen befindet, das vor Beginn des großen Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran bestand. Ich weiß nicht, aus welchen Gründen die Amerikaner beschlossen haben, die Lizenz nicht zu verlängern.

Das kann ein klares Verständnis der Führung der Vereinigten Staaten davon sein, dass die Russische Föderation dem Iran im Krieg mit den Vereinigten Staaten hilft, indem sie ihm Aufklärungsinformationen liefert, die die Iraner für die Zerstörung amerikanischer Militärobjekte und für Schläge gegen die Infrastruktur der Länder des Persischen Golfs benötigen. Und wir sehen Beweise dafür, dass russische Satelliten eigens für die Iraner die Informationen fotografieren, die sie brauchen. Nun und natürlich kann es auch um Waffenlieferungen aus der Russischen Föderation an den Iran gehen, weil wir verstehen, dass es im Prinzip im Interesse des Präsidenten der Russischen Föderation liegt, den Krieg möglichst lange fortzusetzen, damit die Ölpreise weiter steigen. Putin muss die Iraner unterstützen. Putin muss, dass sie den Amerikanern Widerstand leisten und auf die Länder des Persischen Golfs schlagen, denn all das bedeutet steigende Ölpreise. Das ist ein völlig logisches Kalkül. Aber jetzt könnte das für Putin schon nicht mehr so vorteilhaft sein, weil auch er sich unter amerikanischen Sanktionen wiederfindet, die ihm einfach nicht erlauben werden, selbst jenes Öl zu verkaufen, das er noch nicht verkauft hat. Nun oder illegal, aber jetzt sind nicht viele bereit, in Kenntnis des Charakters von Präsident Trump russisches Öl illegal zu kaufen, jedenfalls nicht in Ländern wie Indien.

Nun, oder es ist Chaos. Auch das kann sein. Wir sehen jetzt, dass infolge dieses Krieges und infolge dessen, dass Donald Trump und seine Gefolgsleute die zahlreichen Überraschungen des Iran nicht erwartet hatten, die Analysten viele Jahre vor dem Beginn von all dem vorausgesehen hatten. Die Schließung der Straße von Hormus, die Möglichkeit iranischer Schläge gegen die Länder des Persischen Golfs — all das figurierte in Berichten der amerikanischen Nachrichtengemeinschaft, die Donald Trump nicht liest, weil, wie wir wissen, der amerikanische Präsident nur Videos anschaut und aus dem einen oder anderen Grund, physischer oder psychologischer Natur, keine Dokumente liest, in denen darüber berichtet wird, welche realen und nicht von ihm und seinen engsten Gefolgsleuten erfundenen Ergebnisse sein Handeln haben wird.

So könnte Russland hier große Möglichkeiten eben gerade nicht haben, was natürlich die an sich völlig unglaublichen Folgen dieser Energiekrise für die ganze Welt nicht aufhebt. Man muss auch an einen anderen Stoff im Zusammenhang mit russischem Öl erinnern, der heute bereits gemeldet wurde, vom Präsidenten Volodymyr Zelensky während seiner gemeinsamen Pressekonferenz mit dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz. Dieser Stoff hängt mit der Druschba-Pipeline zusammen. Buchstäblich zwei Tage nachdem die Niederlage Viktor Orbáns bekannt geworden war, der ein Anhänger der sofortigen Wiederaufnahme des Betriebs der Druschba war und gerade damit, dass sie nicht funktioniert, sein Unwillen erklärte, den 90-Milliarden-Kredit für die Ukraine freizugeben, teilte der ukrainische Präsident mit, dass die Druschba bereits bis Ende April repariert werden könne. Er betonte, dass die Ukraine nicht die gesamte Infrastruktur vollständig reparieren könne, dass aber die Druschba als Ölpipeline arbeiten könne.

Natürlich gibt es vom moralischen Standpunkt aus hier viele Fragen, warum die Ukraine überhaupt durch ihr Gebiet russisches Öl pumpen soll, Geld, mit dem dem Präsidenten Russlands geholfen wird, den Krieg gegen unser Land fortzusetzen. Aber andererseits verstehen wir ausgezeichnet, dass die Europäische Kommission die Ansprüche sowohl der neuen ungarischen Regierung unter Führung von Premierminister Péter Magyar als auch der slowakischen Regierung unter Führung von Premierminister Robert Fico endgültig ausräumen muss. Es ist offensichtlich, dass Fico, wenn die Druschba repariert ist, keine Möglichkeiten mehr haben wird, die Blockierung dieser 90 Milliarden, die die Ukraine jetzt für ihr wirtschaftliches Überleben braucht, zum Thema zu machen. Und Magyar betont überhaupt schon in seinen ersten Antworten auf Fragen von Journalisten nach dem Sieg seiner Partei Tisza bei den Parlamentswahlen in Ungarn die Notwendigkeit einer Diversifizierung der Öllieferungen nach Ungarn.

Vom Standpunkt praktischer Ölpolitik verstehen wir, dass sich Viktor Orbáns Zusammenarbeit mit Putin vor allem auf dessen Wunsch bezog, irgendwelche politischen oder korrup-tiven Dividenden aus dem Einkauf russischen Öls zu erhalten. Es wurde schon oft bewiesen, dass Ungarn in Wirklichkeit sogar vom Preis her auch ohne Verträge mit Russland auskommen kann. Und diese Verträge hatten für den ungarischen Premierminister höchstwahrscheinlich vor allem eine korrupte und politische Komponente, die in keiner Weise mit dem Preis des russischen Öls verbunden ist. Ich schließe nicht aus, dass sich auch der Premierminister der Slowakei von genau solchen Motiven leiten lässt. Ganz wissen können wir das natürlich nicht, aber so oder so ist klar, dass das Geld, das Putin aus Budapest und Bratislava erhält, keineswegs das Geld ist, das ihm erlauben würde, seine Ölbilanz ernsthaft aufzufüllen. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass sich unter den Bedingungen eines ernsten Öldefizits auch die Ansichten europäischer Länder über die Energiezusammenarbeit mit der Russischen Föderation ändern können. Dass Europa jetzt den endgültigen Termin des energetischen Abschieds von Russland aufgeschoben hat, weil es absolut nicht versteht, wie es mit der Weltenergetik weitergeht, ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie Putin in der Situation spielen kann, wenn das, was im Persischen Golf geschieht, nicht endet und sich die Ereignisse dort in Richtung eines raschen Abrutschens in eine neue Eskalation entwickeln.

Dabei muss man klar verstehen, dass gerade Putin zu denen gehören wird, die diese neue Eskalation mit der iranischen Führung besprechen und sowohl den Präsidenten Irans Masoud Pezeshkian als auch den Außenminister Abbas Araghchi und andere Mitarbeiter der iranischen Führung und Gesprächspartner des Kremls davon überzeugen werden, dass nur eine Eskalation die Vereinigten Staaten zwingen wird, vor Teheran zu kapitulieren. Auch das ist ein sehr gefährlicher Moment in der Entwicklung der Ereignisse auf dem Energiemarkt, die durch russische Bemühungen weiter angeheizt werden. Aber es gibt auch China, das das ganz und gar nicht wünscht, vielmehr das Gegenteil, die Stabilisierung des Energiemarktes. Und die Chinesen werden den Iranern ganz andere Dinge sagen als die Russen. So paradox das auch klingt. Das ist ein solches Vorgefühl der Ereignisse, vor denen wir bereits stehen.

Ich werde auf Fragen antworten, die heute schon während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage. Besteht eine Wahrscheinlichkeit für das Entstehen eines militärischen Konflikts zwischen der Türkei und Israel?

Portnikov. Ich bin der Ansicht, dass es trotz des Austauschs aller kriegerischen Erklärungen zwischen Ankara und Jerusalem heute keine reale Möglichkeit für das Entstehen eines militärischen Konflikts zwischen der Türkei und Israel gibt. Die Türkei ist an einer Stabilisierung der Lage im Nahen Osten interessiert. Israel ist im Prinzip ebenfalls daran interessiert. Sagen wir, beide Länder haben nicht den Wunsch, in Syrien zu kämpfen und damit zu einer neuen Destabilisierung der Lage in diesem Land zu führen. Sowohl in der Türkei als auch in Israel versteht man, dass ein solcher Konflikt zu einer Verschlechterung der Beziehungen beider Länder zu den Vereinigten Staaten führen kann. Denn bekanntlich betrachtet Donald Trump sowohl den Präsidenten der Türkei Recep Tayyip Erdoğan als auch den Premierminister Israels Benjamin Netanyahu als seine wichtigen Verbündeten. Offensichtlich gefällt das weder Netanyahup noch Erdoğan, die miteinander kriegerische Erklärungen austauschen und einander Verbrecher nennen. Aber klar ist, dass, wenn sie eine bestimmte rote Linie überschreiten, unbekannt ist, wie Trump darauf reagieren und wen er wählen wird. Zumindest Erdoğan versteht das ausgezeichnet.

Frage. In welcher Region der Welt wird es die nächste Blockade geben, denn das ist ein ideales Instrument der Erpressung.

Portnikov. Nun, ich habe bereits gesagt, dass der nächste Kandidat für eine Blockade die Bab-al-Mandab-Straße ist, die von den jemenitischen Huthi blockiert werden könnte. Bislang verhalten sich die Huthi ausreichend vorsichtig. Möglicherweise deshalb, weil ihr militärisches Potenzial durch Schläge der Vereinigten Staaten und Israels erheblich untergraben worden ist. Aber der Iran kann von den Huthi ein intensiveres Eingreifen in den Krieg verlangen. Und wenn sich tatsächlich herausstellt, dass der Iran in der Straße von Hormus vollständig blockiert ist, und der Iran einer der wichtigen Sponsoren des Regimes der jemenitischen Huthi ist, kann Sanaa zu neuen Maßnahmen greifen, die die Lage im Welthandel blockieren. Auf die Bab-al-Mandab-Straße muss man also sehr aufmerksam achten. Und gerade deshalb unterstreicht die Regierung Saudi-Arabiens in ihrer, wie die Weltmedien meinen, an die Administration von Präsident Trump gerichteten Botschaft, dass die Blockade der Straße von Hormus ihrerseits zu dem führen kann, was jetzt mit der Wirtschaft in der Welt geschehen wird.

Frage. Welche Branchen in der Ukraine werden unter dieser Krise leiden? Welche Folgen wird sie haben?

Portnikov. Nun, erstens warten wir das Eintreten der Krise ab. Zweitens sehen wir uns an, wie der Ölpreis sein wird. Drittens sehen wir uns an, ob es ein Öldefizit geben wird, ob das Hauptproblem der Preis oder ob das Problem der Mangel sein wird. Aber wie Sie verstehen, können unter dem Anstieg der Treibstoffpreise alle Branchen jeder Wirtschaft leiden, weil das eine Preissteigerung praktisch für alles bedeutet: für Güter des täglichen Bedarfs, für Dienstleistungen. Ganze Wirtschaftszweige werden nicht nur in der Ukraine, sondern in der Welt stillgelegt werden, etwa das Bauwesen. Das heißt, vieles wird im Moment hoher Ölpreise schlicht unrentabel werden. Und das Ausmaß dieser Unrentabilität lässt sich jetzt nicht vorhersagen, weil wir am Vorabend eines Schocks stehen. Aber dieser Schock kann noch ausbleiben. Ich wiederhole noch einmal: Wir stehen nur am Vorabend eines Schocks. Wenn etwa die Meerenge freigegeben wird, dann wird es einen schwierigen Monat geben, aber in diesem Monat können strategische Ölreserven freigegeben werden. Und all das kann weich in irgendeinen normalen Zustand übergehen. Darauf gibt es Hoffnung.

Frage. Aber gibt es theoretisch die Möglichkeit, dass der Krieg mit dem Iran noch ein oder zwei Jahre dauern wird?

Portnikov. Das ist möglich. Als der große russisch-ukrainische Krieg begann, waren viele Experten der Auffassung, dass er sehr schnell enden könne, gerade weil die Seiten kein Potenzial für eine lange Konfrontation hätten. Genau daraus entstand das Meme von den zwei bis drei Wochen, das im Prinzip ein Zeugnis der Inkompetenz derjenigen ist, die solche Prozesse einschätzen. Sie erinnern sich, dass ich zu denen gehörte, die betonten, dass auch der ukrainische Krieg seinem Verlauf nach höchstwahrscheinlich an das syrische Szenario erinnern und sich über einen Zeitraum von fünf bis acht Jahren hinziehen könnte. Jetzt befinden wir uns bereits im fünften Jahr und im Prinzip ist das die realistischste Prognose. Ich weiß nicht, welches Maß an Durchhaltefähigkeit der Iran im Kampf mit den Vereinigten Staaten hat, aber ich schließe nicht aus, dass das, was wir in den letzten Wochen gesehen haben, im Prinzip Möglichkeiten für einen Krieg der Vereinigten Staaten und des Iran über mehrere Jahre schafft.

Nur liegt das Problem worin. Der Krieg Russlands mit der Ukraine wirkte sich nicht in diesem Maß auf das Niveau der Weltwirtschaft aus, wie sich ein Krieg der Vereinigten Staaten mit dem Iran auswirken wird. Der Krieg der Vereinigten Staaten mit dem Iran wird, wenn er etwa ein Jahr andauert, der Entwicklung der Weltwirtschaft faktisch einen Punkt setzen und viele Regierungen hinwegfegen, nicht nur das Ende der politischen Karriere Donald Trumps sein. Und deshalb denke ich, dass alle daran interessiert sein werden, dass dies zu irgendwelchen Bedingungen zumindest in nächster Zeit gestoppt wird.

Frage. Aber israelische Militärexperten sprechen von einer baldigen Wiederaufnahme der Kampfhandlungen durch Amerika und den Vorbereitungen darauf. Wie stehen Sie zu einer solchen Meinung?

Portnikov. Das Erste, was ich sagen möchte, ist, dass sich die Integration der Ukrainer in den russischsprachigen Expertenraum ebenfalls bemerkbar macht, wenn Sie die Situation in Israel und in der Frage des Krieges einschätzen. Ich spreche ebenfalls mit einigen meiner Kollegen, ziemlich starken Spezialisten, und werde auf meinem Kanal Portnikov Argumente sagen wir mit denen sprechen, die ich unter meinen israelischen Kollegen und Freunden für ernsthafte Spezialisten halte. Aber die überwältigende Mehrheit der sogenannten russischsprachigen israelischen Experten ist, wie Sie verstehen, im Prinzip aus Dilettanten zusammengesetzt, die sich einfach eine Nische für Gespräche mit Publikum gesucht haben, weil die wirklichen professionellen israelischen Experten, wie Sie vermutlich erraten können, ihre Interviews eigentlich auf Hebräisch geben. Und die wirkliche Information darüber, was geschieht, erscheint auf den Seiten hebräischsprachiger und englischsprachiger israelischer Publikationen. Gerade deshalb lese ich, da ich diese Publikationen lese, übrigens nicht unbedingt, weil mir etwa ihre politische Orientierung gefällt, denn ich lese sowohl konservative als auch, würde ich sagen, links-liberale Publikationen, und solche Publikationen wie Israel Hayom und Haaretz werden, als erschienen sie nicht in Israel, sondern auf verschiedenen Planeten, aber dennoch arbeiten dort Menschen, die im Prinzip real in die Situation in Israel selbst und in der Welt sehr viel besser integriert sind. Dasselbe betrifft angesehene israelische englischsprachige Publikationen wie Jerusalem Post und Times of Israel. Nicht zufällig habe ich mir eine Blog-Plattform bei Times of Israel geschaffen, gerade um mit einem englischsprachigen und nicht mit einem russischsprachigen Publikum zu kommunizieren. Denn bei allem Respekt, den ich vor der russischsprachigen Presse Israels habe, mit der ich selbst viele Jahre zusammengearbeitet habe, beginnt der russischsprachige Informationssektor in Israel mit der Alterung eines großen Teils der großen Umsiedlung ehemaliger sowjetischer Juden nach Israel und dem Übergang eines großen Teils von ihnen zum Hebräischen einen marginalen Charakter anzunehmen. Nun, das vorsichtig ausgedrückt.

Das bedeutet nicht, dass sich die israelischen Militärexperten, über die Sie schreiben, in all ihren Prognosen zwingend irren müssen. Aber niemand weiß jetzt, ob Amerika seine Kampfhandlungen wieder aufnehmen wird, aus dem einfachen Grund, dass sowohl die Leute, von denen Sie sprechen, als auch ich nicht wissen können, was im Kopf Donald Trumps vorgeht. Aber sie überzeugen sich selbst davon, dass beim amerikanischen Präsidenten alles nach Plan läuft, weil sie so denken möchten, und ich verstehe sie, weil von der Planung der Situation durch den amerikanischen Präsidenten ihr eigenes physisches Überleben abhängt. Und sie möchten wie alle Menschen, die vor einem bereits auf sie gerichteten Gewehr stehen — ich meine damit den Erhalt einer Atombombe durch den Iran — glauben, dass der Mensch, der gegen eine solche Bedrohung kämpft, ein normaler Mensch ist, der Politik plant. Strategisch irren sie sich. Und darin liegt ihr großes Problem, dass sie wie jeder Mensch, der an der Wand und vor einem Erschießungskommando steht, versuchen, Wunschdenken für Realität auszugeben.

Ich werde Ihnen nicht sagen, dass das in der hebräischsprachigen und in der englischsprachigen Expertenlandschaft Israels nicht vorkommt. Es kommt vor, aber in sehr viel geringerem Ausmaß und in diskursivem Charakter. Das ist alles. Wobei das wiederum nicht konkret die geehrten Experten betrifft, von denen Sie sprechen. Das betrifft einfach das allgemeine Niveau der Einschätzung der Situation in einem bestimmten Informationssegment. Sagen wir so.

Frage. Kann Netanyahu das Schicksal Orbáns erwarten, den Trump einfach fallen ließ, als es für ihn unvorteilhaft wurde, weiter mit ihm zu tun zu haben? Worauf kann Israel dann allein mit diesem Tier Iran rechnen?

Portnikov. Nun, sagen wir so: Die Vereinigten Staaten werden mit jeder Regierung zusammenarbeiten, die das israelische Volk wählt. Genauso wie sie mit jeder ungarischen Regierung zusammenarbeiten werden. Mit Israel hängt das damit zusammen, dass nicht Netanyahu, sondern Israel strategischer Verbündeter der Vereinigten Staaten von Amerika ist. Wenn die Partei Benjamin Netanyahus, Likud, und die ultrarechten politischen Kräfte, die sich in Koalition mit dieser Partei befinden, die Parlamentswahlen in diesem Jahr verlieren, wird Donald Trump mit einem anderen israelischen Premierminister zusammenarbeiten. Ich halte es für möglich, dass diese Zusammenarbeit fruchtbarer sein wird als die mit Netanyahu, aus zwei Gründen. Der neue Premierminister könnte sich als realistisch betrachten erweisen. Er könnte nicht an Gedanken über elektorale Erfolge und über seinen Platz auf der Anklagebank gebunden sein, und Donald Trump wird sich kritischer zu seinen Vorschlägen verhalten. Also könnte das gut für Israel sein und nicht schlecht. Denken Sie darüber nach.

Frage. Sind die Länder des globalen Südens nicht eher daran interessiert, einen so schwachen und prorussischen, prochinesischen Präsidenten der USA wie Trump zu erhalten, als ihn endgültig zu versenken?

Portnikov. Die Länder des globalen Südens sind verschieden. Und die Interessen des Iran können sich von den Interessen Saudi-Arabiens, Bahrains, Katars, Kuwaits und so weiter unterscheiden. Die Interessen Indiens von den Interessen Chinas. Das Problem der Weltpolitik besteht eben darin, dass es keinerlei reale Vorstellung davon gibt, ob sie eine gemeinsame Position haben. Also ja, vermutlich können einige Länder des globalen Südens an so etwas interessiert sein und einige nicht.

Frage. Ist es in der Europäischen Union nicht geplant, sofern das sinnvoll ist, statt eigener Gelder auf die Frage eingefrorener russischer Vermögenswerte zur Hilfe für die Ukraine zurückzukommen?

Portnikov. Nein, das ist nicht geplant. Bundeskanzler Friedrich Merz hat klar gesagt, dass die Frage eingefrorener russischer Vermögenswerte bereits entschieden ist. Zu ihr wird die Europäische Union nicht zurückkehren. Höchstwahrscheinlich werden wir dennoch jene 90 Milliarden Euro erhalten. Und schon heute hat die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen darüber mit dem künftigen Premierminister Ungarns Péter Magyar gesprochen. Und sie begrüßte die Rückkehr Ungarns in die europäische Familie.

Frage. Warum tritt Rubio nicht zurück? Wenn er zusammen mit dem vernünftigen Flügel der Republikaner in Opposition ginge, würde er für republikanische Wähler zum Nationalhelden und so die Partei vor dem künftigen Abgrund retten.

Portnikov. 90 % der MAGA-Republikaner und 70 oder 80 % der traditionellen Republikaner unterstützen jede Handlung Donald Trumps. Somit würde sich Außenminister Marco Rubio, wenn er zurückträte, in einen politischen Marginalen verwandeln. Denn jener kleine Kreis von Republikanern, die Trump nicht unterstützen, wird ihm sein Verhalten in den ersten Jahren seines Aufenthalts in der Administration niemals verzeihen, und die überwältigende Mehrheit der Aktivisten und Anhänger der Republikanischen Partei, die weiterhin leidenschaftliche Anhänger jeglicher Handlungen Trumps bleiben, wird ihn als Verräter betrachten. Und somit wird er aus der amerikanischen Politik verschwinden, so wie eine riesige Zahl von Republikanern verschwunden ist, die weiter gegen Donald Trump auftraten, trotz seiner Unterstützung durch die Hauptmasse dieser Partei. Die Republikanische Partei als solche, als klassische, gibt es heute nicht. Es gibt eine Partei des Trumpismus. Kein Marco Rubio wird in dieser Partei zum Nationalhelden werden. Vielleicht wird man mit der Zeit, nachdem Donald Trump die politische Bühne verlassen hat oder wenn sich die wirtschaftliche Lage in Amerika in unbekanntem Ausmaß verschlechtern sollte, davon sprechen können, dass sich die Republikanische Partei in ihrer traditionellen konservativen Gestalt wiederherstellt, aber ich habe nicht sehr viele Hoffnungen darauf. Also ich weiß es hier nicht.

Frage. Auf der Website Flightradar sieht man in den letzten Tagen diese massierten Flüge der Tankflugzeuge fast nicht mehr, wie das früher war. Können wir also schon von einer getroffenen politischen Entscheidung sprechen, dies zu beenden?

Portnikov. Wie ich bereits sagte, bin ich der Ansicht, dass Donald Trump den leidenschaftlichen Wunsch hat, diese Operation zu beenden, weil er begreifen könnte, dass ihre Fortsetzung zu weitaus negativeren Folgen führen kann als ihre Beendigung, selbst ohne irgendwelche konkreten ernsthaften Vereinbarungen mit der Islamischen Republik. Das Einzige, was unklar ist, ist, wie Donald Trump all das beenden kann, falls die Islamische Republik die Straße von Hormus weiter blockiert. Das ist die Hauptfrage, auf die, wie mir scheint, niemand irgendeine Antwort hat. Und Donald Trump kann Geisel dieses Krieges werden, den er bereits begonnen hat, und möglicherweise nicht wissen, wie er ihn beenden soll. Bei Putin gibt es da irgendeine Formel, die er sich selbst ausgedacht hat, dass er zu Gesprächen über die Beendigung des Krieges übergehen könne, wenn die ukrainischen Truppen das Gebiet des Donezker Gebiets verlassen. Aber auch das kann bloß eine Phrase sein, also der Ukraine solche Bedingungen zu stellen, auf die sie nicht eingehen kann, um den Krieg nicht zu beenden. Und Trump hat dem Iran gegenüber in Bezug auf die Beendigung des Krieges viel ernstere Bedingungen. Das ist die Freigabe der Straße von Hormus, das ist der Verzicht auf das Atomprojekt, das ist auch der Verzicht auf die Raketenprogramme. All das sieht bei der offensichtlichen Unwilligkeit des Regimes der Ajatollahs, diese Sprache anzunehmen, im Prinzip keinen Mechanismus zur Beendigung des Krieges vor. Es kann nur einen Mechanismus zur Aussetzung des Krieges geben, der ebenfalls lang sein kann. Und möglicherweise bleibt gerade dieser Mechanismus der Aussetzung des Krieges erhalten, wenn man sich über die Freigabe der Straße von Hormus einigt. Aber bislang sehen wir beim Iran keinerlei Wunsch, das zu tun.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Останні танкери з нафтою: що далі | Віталій Портников. 14.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 14.04.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Orbán verliert die Wahlen | Vitaly Portnikov. 12.04.2026.

Viktor Orbán verliert die Macht in Ungarn. Das ist, kann man sagen, das erste Ergebnis der Parlamentswahlen, die heute in diesem Land stattgefunden haben und die die höchste Wahlbeteiligung an den Wahllokalen seit den Parlamentswahlen der letzten Jahre in Ungarn verzeichneten.

Man kann sagen, dass sich auch in den großen Städten Ungarns eine riesige Zahl von Menschen versammelt hat. In Budapest gab es, wie Sie wissen, vor den Wahlen eine Kundgebung mit vielen Tausend Teilnehmern zur Unterstützung der Oppositionspartei Tisza. Eine riesige Zahl von Menschen, und das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt, registrierte sich auch in den Diaspora-Wahlkreisen, die immer ein wichtiger Teil des Wahlkampfs in Ungarn waren. Und im Prinzip braucht man jetzt gar nicht mehr davon zu sprechen, dass die Partei von Viktor Orbán, Fidesz, die Wahlen zum ungarischen Parlament noch gewinnen könnte.

Es gibt natürlich Nuancen. Über diese Nuancen werden wir ebenfalls sprechen. Im Moment kann man von der Auszählung bereits von 37 Prozent der Stimmen der Wähler sprechen, von den 77,8 %, die an den Parlamentswahlen in Ungarn teilgenommen haben. Nach diesen vorläufigen Ergebnissen – aber das sind die Parteilisten, ich betone es –, kommt die Oppositionspartei Tisza auf etwa 51 % der Stimmen. Die Partei Fidesz von Viktor Orbán hat 40 % der Stimmen. Und auf weitere 6 % der Stimmen kann die Partei Unsere Heimat rechnen. Das ist eine rechtspopulistische Partei von offen pro-putinistischem, ich würde sogar sagen ultrarechtem Charakter, sehr viel ultrarechter als die Partei von Viktor Orbán. Und man sagte, dass Viktor Orbán auf ihre Unterstützung rechnen könne, falls es ihm nicht gelingen sollte, sich eine eigene Mehrheit im Parlament zu sichern.

Allerdings zeigt selbst die Auszählung dieser 37 % der Wählerstimmen, dass Orbán jetzt auch mit den Stimmen dieser ultrarechten politischen Kraft nicht darauf rechnen kann, an der Macht zu bleiben. Zugleich betone ich, dass wir im Moment ausschließlich vom Votum nach Parteilisten sprechen. Und hier muss erklärt werden, wie die Wahl in die ungarische Nationalversammlung im Prinzip aussieht. Die Nationalversammlung Ungarns besteht aus 199 Abgeordneten. Über Parteilisten – und wir sprechen jetzt über die Auszählung der Stimmen nach Parteilisten – werden 93 Abgeordnete gewählt, weitere 106 Abgeordnete werden nach dem Mehrheitswahlsystem gewählt. Nun, einfache Arithmetik zeigt, dass man für eine Parlamentsmehrheit 100 Stimmen braucht. Und diese 100 Stimmen wird die Partei Tisza aller Wahrscheinlichkeit nach in jedem Fall haben. Für eine verfassungsändernde Mehrheit – und Sie haben vielleicht gehört, dass vor diesen Wahlen viele von einer verfassungsändernden Mehrheit und ihrer Bedeutung gesprochen haben – braucht man 133 Mandate. Hier gibt es bereits eine gewisse Möglichkeit. Somit können wir bis zur endgültigen Auszählung der Stimmen die Zahl der Prozente, die man im Moment erhalten muss, um eine verfassungsändernde Mehrheit im Parlament zu haben, nicht genau berechnen.

Worin besteht die Besonderheit der Abstimmung in den Mehrheitswahlkreisen? Die Besonderheit der Mehrheitswahlkreise hängt damit zusammen, dass sie so zugeschnitten wurden, dass der ländliche Raum einen Vorteil hat. Und dabei muss man noch verstehen, dass das Wahlen in einem einzigen Wahlgang sind und derjenige Kandidat gewinnt, der einfach die relative Mehrheit der Stimmen erhält. So kommt es, dass man auf dem Land sehr viel weniger Stimmen braucht als etwa in Budapest. Und dieses Land unterstützt traditionell Viktor Orbán.

Diese 106 Wahlkreise also. Bei den letzten Parlamentswahlen, bei denen es ebenfalls viele Anhänger der Opposition gab, erhielt Orbán 87 Sitze in den Wahlkreisen. Im ländlichen Raum gibt es jetzt ungefähr 50 Wahlkreise. Orbán kann theoretisch auf alle rechnen. Die Opposition kann mit absoluter Sicherheit auf 26 Wahlkreise in den Großstädten rechnen. Das ist Budapest und das sind Städte wie Szeged oder Pécs. Das sind große Städte. Dort sind die Positionen der Oppositionskandidaten traditionell stark. Tisza wird all diese Wahlkreise zusätzlich zu den Sitzen erhalten, die sie über die Parteilisten bekommt. Noch eine gewisse Zahl von Wahlkreisen, wohl etwa drei Dutzend, so denke ich, könnten Wahlkreise sein, in denen es einen erbitterten Kampf geben wird. Das sind vor allem jene Städte, in denen einerseits die Positionen der Opposition stark sind, andererseits aber auch Fidesz auf die Sympathie einer großen Zahl von Wählern rechnen konnte. Und gerade um diese Städte und die Bezirke in ihrer Nähe – die ungarische Presse nennt vor allem Gegenden wie Debrecen, Győr und so weiter – wird ein erbitterter Kampf geführt werden.

Um also eine solche absolute Mehrheit zu erhalten, muss die Opposition ungefähr 20 dieser angenommenen 30 Wahlkreise gewinnen. Das heißt, 26 hatte sie sozusagen schon vor den Wahlen. Wenn sie weitere 20 erhält, dann sind das 46 Sitze nach den Parteilisten. Und so wird es Orbán, selbst wenn er die gesamte Dörfer hinter sich behält, trotzdem nicht gelingen, eine Mehrheit im Parlament zu bekommen, und eine verfassungsändernde Mehrheit könnte Tisza möglicherweise ebenfalls bekommen.

Nach Mitteilungen etwa der Zeitung Telex kann die Opposition derzeit mit ungefähr 86 Wahlkreisen rechnen. Nach den ersten Daten liegt sie jetzt in 86 Wahlkreisen vorn. Aber das sind sehr vorläufige Daten, sie können sich ändern. Ein weiterer wichtiger Punkt ist nun: Viele sagen, dass die Wahlen durch die Abstimmung in der Diaspora und durch die Briefwahl verändert werden könnten, deren Auszählung jetzt bereits in Anwesenheit des Präsidenten Ungarns beginnt.

Diese per Post eingegangenen Stimmzettel werden – Ungarn hat, wie Sie sehen, ein sehr kompliziertes Wahlsystem – gescannt und auf Übereinstimmung überprüft, damit dort keine gefälschten Stimmzettel auftauchen. In Wirklichkeit haben die Diaspora und die Briefwahl bei solchen Ergebnissen fast keine realen Möglichkeiten, das Wahlergebnis zu beeinflussen. Warum? Weil es sich ausschließlich um Wahlen nach Parteilisten handelt. Und bei den Parteilisten ist der Favorit absolut eindeutig. Übrigens sind während unseres Gesprächs bereits 45 % der Stimmen nach Parteilisten ausgezählt worden, genauer gesagt 45,7 %. Und Tisza hat bereits fast 52 %, Fidesz 39 %, die ultrarechten wahrscheinlichen Verbündeten von Viktor Orbán von „Unsere Heimat“ ungefähr 6 %. Sie liegen weiter an der Schwelle zum möglichen Einzug ins Parlament.

Man wird einfach noch berechnen müssen, wie viele Sitze Tisza real nach diesen Prozentsätzen zugeteilt bekommt, die sie in den Wahlkreisen erhält. Das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt, wie Sie verstehen, denn von dieser Umrechnung der Stimmen wird ebenfalls abhängen, wie sich die Sitze im ungarischen Parlament verteilen. Das ist eine ganz reale Geschichte. Nun geht das Nationale Wahlbüro derzeit davon aus, dass die Partei von Magyar ungefähr 125 der 199 Sitze im Parlament erhalten kann. Aber diese Berechnung beruhte auf 21,54 % der Stimmen. 125 Sitze, bei Fidesz 62 Sitze, bei „Unsere Heimat“ acht Sitze. Ich habe Ihnen, glaube ich, schon gesagt, dass diese magische Zahl, die verfassungsändernde Mehrheit, 133 Abgeordnete sind. Das bedeutet, Tisza fehlen im Moment ungefähr acht Stimmen bis zu dieser Zahl, aber das heißt nicht, dass die Neuberechnung der Stimmen kein neues Ergebnis bringen kann. Schauen wir, wie sich das alles in den nächsten Minuten der Auszählung entwickeln wird.

Jetzt müssen wir eine sehr wichtige Sache sagen. Ganz gleich, wie viele Mandate die Partei von Péter Magyar, die Partei Tisza, haben wird, ganz gleich, wie viele Mandate Fidesz haben wird – Sie haben doch gesehen, dass auf der Seite von Viktor Orbán mächtige Unterstützung stand, man kann sagen, von Hegemonen. Am Vorabend der Wahlen kam der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, J. D. Vance, nach Budapest, der einfach die Rolle eines Wahlagitators für Viktor Orbán spielte und sich schamlos in den Wahlprozess in Ungarn einmischte. Deshalb sagte Oppositionsführer Péter Magyar, dass das Schicksal Ungarns nicht in Washington, nicht in Brüssel, sondern in Ungarn selbst entschieden werde, was eine klare Antwort auf das unverfrorene Verhalten der Administration Donald Trumps war, die von den Europäern verlangt – und das tat J. D. Vance übrigens öffentlich bei seinen misslungenen Auftritten in der ungarischen Hauptstadt –, sich nicht in die Parlamentswahlen in Ungarn einzumischen, es selbst aber ganz offen tat.

Wissen Sie, per Telefon wandte sich niemand anderer als der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump an die ungarischen Bürger, der in seiner gewohnten Art versuchte, die Ungarn mit Geldversprechen zu bestechen, das er natürlich nur Viktor Orbán geben werde. Das ist ganz gewöhnliche politische Korruption. So ein Buchweizen, uns allen gut bekannt, nur auf dem Niveau des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. ( Gemeint ist Wählerbestechung durch kleine materielle Geschenke vor Wahlen — klassisch eben durch das Verteilen von Lebensmitteln, besonders Buchweizen, Öl, Zucker, Konserven, Medikamentenpaketen oder ähnlichen Alltagswaren an sozial schwächere Menschen.) Auf der anderen Seite war ein weiterer glühender Anhänger Viktor Orbáns einer der besten Freunde Donald Trumps, wie mir scheint, in seinem ganzen politischen Leben, der russische Präsident Putin. Es wurde von der Anwesenheit russischer Polittechnologen bei diesen Wahlen gesprochen, die den aggressiven Wahlkampf Viktor Orbáns formten. Ein absolut unglaublicher, würde ich sagen, Moment, wie Sie verstehen.

Am Vorabend der Wahlen wurden Protokolle von Telefongesprächen zweier höchster ungarischer Funktionäre veröffentlicht, von Premierminister Orbán und seinem Außenminister Péter Szijjártó, Träger des russischen Ordens der Freundschaft, mit dem russischen Präsidenten Putin und Außenminister Lavrov. Die Protokolle waren schlicht schockierend. Selbst für diejenigen, die das Ausmaß der prorussischen Orientierung des Führers der ultrarechten Partei Fidesz verstanden. Orbán verglich sich im Gespräch mit Putin mit der Äsopischen Maus, die dem Löwen den Käfig öffnen müsse, und unterstrich, dass er alles Mögliche tun werde, um diese Situation zu verbessern, in die der russische Präsident infolge seines Angriffs auf unser Land geraten ist.

Szijjártó war sehr viel konkreter. Er tritt auf wie ein ganz gewöhnlicher kleiner Diener russischer Oligarchen, übrigens ebenso wie Lavrov selbst. Hauptthema, das die Außenminister Ungarns und Russlands besprachen, war die Lockerung der Sanktionen, ein Schema zur Umgehung der Sanktionen für einen der bekanntesten russischen Oligarchen, Alisher Usmanov. Es ging um die Aufhebung der Sanktionen gegen seine Schwester. Szijjártó berichtete Lavrov, dass er bereit sei, dabei zu helfen, dass er darauf bestehen werde. Übrigens muss man sagen, dass die ungarische Regierung diese Aufgabe ihrer Moskauer Freunde oder vielleicht sogar Herren erfüllt hat, und die Sanktionen gegen die Schwester des Oligarchen wurden tatsächlich aufgehoben.

Auch das ist ein absolut offensichtlicher, wichtiger Punkt, über den wir sprechen, wenn wir die Situation mit der Position der Regierung Orbán erörtern. Und es war klar, dass Putin bereit war, dem ungarischen Premier zu helfen. Ich denke, die ganze Geschichte mit der Druschba war Teil der schmutzigen russischen Polittechnologien. Ich bin überzeugt, dass die Russen die Druschba-Pipeline angegriffen haben, über die Öl durch das Gebiet unseres Landes nach Ungarn und in die Slowakei fließt, einen weiteren Staat, in dem eine prorussische Regierung des odiosen Robert Fico an der Macht ist, gerade um Orbán die Möglichkeit zu geben, am Vorabend der Wahlen die Ukraine zu beschuldigen, dass sie den Ungarn faktisch keine Möglichkeit gebe, billiges Öl zu erhalten. Diesen Vorwürfen schloss sich heuchlerisch der Vizepräsident der Vereinigten Staaten J. D. Vance an, der sich als Hintergrundtänzer der russischen Polittechnologen erwies. Was für eine Schande für Amerika.

Und in dieser Situation erlaubte die Geschichte mit der Druschba Orbán natürlich, einerseits eine andere Moskauer Aufgabe zu erfüllen – diese 90 Milliarden Euro zu blockieren, die unser Land so dringend braucht, um den Haushalt im Gleichgewicht zu halten –, und andererseits einen Wahlkampf vor dem Hintergrund ständiger Kritik an der Ukraine zu organisieren. So wissen wir, dass Billboards mit Porträts des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky faktisch in allen Städten und Ortschaften Ungarns plakatiert wurden. Und die Ukraine trat in der Rolle des Hauptfeindes auf. Man muss sagen, dass das nicht das erste Mal ist. Schon 2022 war gerade das ukrainische Thema ebenfalls das Hauptthema der Wahlkampagne des ungarischen Premierministers.

Man kann sagen, dass Putins Angriff auf unser Land im Februar 2022 Orbán half, an der Macht zu bleiben, denn damals stand er ebenfalls kurz davor, diese Macht zu verlieren. Und der Kandidat für das Amt des Premierministers von Ungarn von der vereinten Opposition, der Bürgermeister einer kleinen ungarischen Stadt, Péter Márki-Zay, erfreute sich im Prinzip bereits großer Popularität unter den Wählern. Aber der Krieg erschreckte natürlich eine große Zahl von Menschen, besonders wiederum in dem für Orbán wichtigen ländlichen Raum. Orbán nutzte damals die Worte von Márki-Zay, der unterstrich, dass Ungarn seine Bündnisverpflichtungen erfüllen werde, wenn die NATO beschließen sollte, der Ukraine zu helfen und Truppen auf das Gebiet unseres Landes zu entsenden. Der Demagoge Orbán nutzte diese Worte natürlich voll aus, sagte, die Opposition wolle, dass Ungarn am Krieg teilnehme, dass er niemals zulassen werde, dass ungarische Bürger am Krieg teilnehmen, dass er der Premierminister des Friedens sei. Und man kann sagen, dass es gerade damals das ukrainische Thema Orbán erlaubte, noch eine weitere Amtszeit seinen auf vertikalisierter, frecher, auf Beziehungen zu Moskau gegründeten Korruption basierenden Staat zu bewahren.

Und Orbán entschied offenbar, dass er das jetzt, wo natürlich die Müdigkeit der Gesellschaft von seiner Herrschaft nur zunimmt, noch einmal nutzen könne, aber es ist ihm nicht gelungen. Wie wir sehen, hat dieser Einsatz auf Zelensky nicht funktioniert. Vielleicht auch deshalb, weil der Oppositionsführer Péter Magyar selbst politisch nicht so wirkte wie Péter Márki-Zay bei den vorigen Wahlen. Er wurde überhaupt nicht mit den traditionellen oppositionellen politischen Kräften assoziiert. Er wurde als ein Mensch wahrgenommen, der einfach sozusagen Anti-Orbán ist. Man kann also sagen, dass er einen anderen Background hat als die früheren Oppositionskandidaten.

Ich muss Ihnen sagen, dass jetzt bereits 53,5 % der Stimmen ausgezählt sind. Im Moment sieht die Lage so aus. Tisza könnte nach den Parteilisten 52,49 % der Stimmen haben. Fidesz 38,83 % der Stimmen. Die Partei Unsere Heimat 6,08 % der Stimmen. Im Wesentlichen könnte Tisza nach den Prognosen jetzt 136 Sitze in der Nationalversammlung haben, und Fidesz 56 Sitze. Ich möchte Sie erneut an die wichtigste Zahl unserer heutigen Diskussion erinnern: 133 Abgeordnete für eine verfassungsändernde Mehrheit. Warum hat die verfassungsändernde Mehrheit eine solche Bedeutung? Warum bestehe ich auf ihr als dem wichtigsten Ergebnis dieser Wahlen? Die verfassungsändernde Mehrheit wird der Opposition die Möglichkeit geben, Orbáns Kandidaten in einer großen Zahl staatlicher Institutionen loszuwerden. Das ist die Generalstaatsanwaltschaft Ungarns, das ist das Verfassungsgericht, das sind andere Institutionen dieser Art. Und wenn diese Leute auf ihren Posten bleiben und die Oppositionsregierung, die dann bereits die neue Regierung sein wird, die Regierung von Péter Magyar, es nicht schaffen wird, sie von ihren Ämtern zu entfernen, eine Säuberung, eine Art Lustration des ungarischen Staatsapparats von den Kandidaten Viktor Orbáns durchzuführen, dann können diese Leute natürlich – obwohl auch das nicht zwingend ist, Sie wissen ja, wie viele Opportunisten es in solch einer Nomenklatura überhaupt gibt – schneller auf die Seite des Siegers überlaufen, als Viktor Orbán sich erinnern wird, dass er sie benutzen kann. Das alles kann so sein. Aber aus Sicht einer solchen politischen Logik ist es wichtig, dass die Opposition zumindest reale Instrumente für ihre Entlassung hat, wenn sie an die Macht kommt. Denn sonst wird dieses System vertikalisierter Korruption, das Viktor Orbán in 16 Jahren dieser talentlosen Herrschaft aufgebaut hat, erhalten bleiben. Was Orbán im Prinzip Möglichkeiten verschaffen könnte, schon bei den nächsten Wahlen an die Macht zurückzukehren, wenn er bis dahin natürlich nicht dort landet, wo er schon vor vielen Jahren hätte landen sollen – im Gefängnis.

Denn ich denke, dass jetzt Untersuchungen seiner Handlungen beginnen, auch solcher, die möglicherweise mit der Untergrabung der nationalen Sicherheit Ungarns verbunden sind, ebenso der Handlungen Péter Szijjártós. Wir sehen doch all diese Protokolle, all diese Informationen. Wenn sich die Justiz damit befasst, denke ich, werden diese Leute sich nicht vor den Wählern, sondern vor Gericht verantworten. Deshalb klammern sie sich so an die Macht. Deshalb haben sie all ihre Freunde aus dem ultrarechten politischen Lager so aktiviert: Trump, Putin, Netanyahu, Milei, den ebenfalls ultrarechten, odiosen Präsidenten Argentiniens, der mit jedem Tag die Schulden seines Landes gegenüber dem Internationalen Währungsfonds auf ein Rekordniveau erhöht. Er zerstört schlicht jede Hoffnung auf ein normales Leben in Argentinien. Obwohl man sagen muss, dass es auch vor ihm dort mit dem normalen Leben schlecht aussah. Wir wissen also, dass ultrarechter Populismus nicht besser ist – und das ist jetzt offensichtlich – als ultralinker. Nun, das ist so. Begeben wir uns jetzt nicht noch in eine weitere Zone, zum Glück, sondern schauen wir, wie sich hier alles entwickelt, wo vielleicht irgendeine Normalisierung beginnt. Das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt, den man ansprechen muss.

Mit der Unterstützung Viktor Orbáns durch Benjamin Netanyahu nahm die Sache insgesamt eine unerquicklich(e) Wendung, denn gerade nachdem Benjamin Netanyahu Viktor Orbán unterstützt hatte, darauf einen großen Einsatz gemacht, erzählt hatte, was für ein großer Freund Israels Viktor Orbán sei, war der Sohn Netanyahus nach Budapest gekommen, der als eine Art Familienpropagandist Orbáns im Namen der Familie des israelischen Premierministers auftrat. Und später, buchstäblich vor einigen Tagen, wurde dann das Protokoll eines Gesprächs der Außenminister Ungarns und Irans, Péter Szijjártó und Abbas Araghchi, bekannt, während dessen der Leiter des ungarischen Außenamts dem Iraner versprach, alle nötigen Informationen zu liefern, die die iranische Führung etwa vor solchen Operationen schützen könnten, wie Israel sie im Libanon durchgeführt hat – erinnern Sie sich, als es die berühmte Operation mit den Pagern gab, die buchstäblich in den Händen der Hisbollah-Kämpfer explodierten. Und das beunruhigte die Iraner ziemlich ernsthaft, weil die Iraner, wie Sie wissen, die Kuratoren der Hisbollah, die Finanziers der Hisbollah sind, und sie konnten annehmen, dass eine solche Geschichte auch gegen ihre Kämpfer angewandt werden könnte. Sie erinnern sich, dass einer der Pager in den Händen des iranischen Botschafters im Libanon explodierte, der, wie wir verstehen, ebenfalls Teil dieser Finanzierung der Hisbollah ist. Und es wurde gesagt, dass diese Pager in Ungarn hergestellt worden sein könnten oder dass das Gebiet Ungarns eine Art Basis für ihre Lieferung war. Und Szijjártó versprach den Iranern ganz ruhig zu helfen. Aber Sie verstehen, dass solche diskrete Information sowohl die Tätigkeit der israelischen Geheimdienste als auch konkreter Leute gefährden kann, die sich mit all dem in eben jenem Ungarn beschäftigen. Nun ja, Orbáns besondere Liebe zu Israel hinderte seinen Außenminister keineswegs daran, mit den Iranern eine solche Zusammenarbeit zu vereinbaren.

So sieht das hier, wie Sie verstehen, nicht nur unglaublich beschämend, sondern auch sehr seltsam aus. Mir scheint eigentlich, dass Menschen wie Trump oder Netanyahu ihre persönlichen Interessen immer über die Interessen der nationalen Sicherheit ihrer Länder stellen. Da haben sie irgendwelche guten Beziehungen zu Orbán oder zu Putin. Und man kann die Augen davor verschließen, dass diese Leute faktisch gegen dich arbeiten. Denn diese Haltung Netanyahus zu Orbán erinnert mich sehr an Trumps Haltung zu Putin, als man Trump sagte: „Hören Sie, aber Putin liefert dem Iran reale Aufklärungsinformationen, möglicherweise liefert er Waffen, um amerikanische Soldaten zu töten, um amerikanische Militäranlagen zu bombardieren. Ihre Bürger sterben, Sie verlieren eigene Militärtechnik. Ganz zu schweigen davon, dass diese Drohnen die Infrastruktur der Länder am Persischen Golf zerstören, in die Sie eigenes Geld investieren.“ Aber wenn Trump Putin liebt, dann verschließt er einfach die Augen davor. Er versucht einfach, es nicht zu bemerken. Und die Vertreter seiner Administration rechtfertigen das unbeholfen mit irgendwelchen seltsamen Worten. Ja, „vielleicht tun sie all das, aber sie können uns nicht stören“. Das ist ein völliger, würde ich sagen, moralischer Idiotismus.

60 % der Stimmzettel sind bereits bearbeitet. Jetzt hat die Partei Tisza nach den Parteilisten 52,8 % der Stimmen. Fidesz 38,5. Die Partei Unsere Heimat bleibt bei 6 % der Stimmen. Übrigens, falls Sie interessiert, wie viel das in absoluten Zahlen ist: Das sind jetzt 1.252.000 Stimmen der Wähler, bei Fidesz 914.000. Sie liegen also bislang noch nicht bei einer Million. Nun, sie werden diese Million erreichen, denn das sind erst 50 % der ausgezählten Stimmen. Bei der Partei Unsere Heimat sind es natürlich 143.000 Stimmen, aber es gibt, wie Sie sehen, noch viele nicht ausgezählte Stimmen.

Nun, was kann man von einem Machtwechsel erwarten? Péter Márki-Zay, der frühere Oppositionsführer, der, wie wir wissen, damals Viktor Orbán unterlag, sagte, dass er von Péter Magyar nicht sonderlich begeistert sei, dass die Opposition Péter Magyar gerade deshalb unterstütze, weil sie glaube, dass sein Sieg die Chance sei, Orbán loszuwerden, und dass das jetzt die Hauptaufgabe sei. Aber Péter Márki-Zay sagte eine wichtige Sache: dass Péter Magyar seinen eigenen Fehler nicht wiederholt habe, dass er seine Haltung etwa zur Ukraine nicht der Haltung Viktor Orbáns entgegengesetzt habe. Er war sehr vorsichtig in seiner, würde ich sagen, Position gegenüber dem Krieg in der Ukraine.

Wie wir wissen, hat Péter Magyar Viktor Orbán im Grunde verteidigt, als der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky sozusagen einen Scherz darüber machte, dass er die Adresse des ungarischen Premierministers den ukrainischen Militärs mitteilen werde. Und Péter Magyar sagte, kein ausländischer Politiker dürfe dem Premierminister Ungarns drohen. Er verhält sich sehr vorsichtig zum Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union. Er unterstreicht, dass Ungarn der Ukraine keine militärische Hilfe leisten werde. Das heißt, auf den ersten Blick unterscheiden sich die Positionen Péter Magyars gar nicht so stark von denen Viktor Orbáns, selbst wenn es um die Lieferung von Öl durch die Druschba-Pipeline nach Ungarn geht. Auch darauf möchte Péter Magyar nicht verzichten. Er sagt, Ungarn müsse das Öl gemäß den unterzeichneten Verträgen erhalten.

Und viele sagen: „Also was ist dann eigentlich der Unterschied?“ Aber wir brauchen von der ungarischen Regierung überhaupt nicht, dass sie die Politik, die Viktor Orbán in letzter Zeit verfolgt hat, radikal ändert. Ich würde sagen, wir bräuchten von der ungarischen Regierung, dass sie zu jener Politik zurückkehrt, die Viktor Orbán noch vor einem oder anderthalb Jahren verfolgt hat, vor Beginn des Wahlkampfs und vor Beginn der offenen Orientierung des ungarischen Premierministers auf den Kreml. Gemeint sind ganz einfache Dinge:

• Wir brauchen, dass Ungarn sein Veto gegen die Gelder aufhebt, die die Ukraine von der Europäischen Union erhalten soll.

• Wir brauchen, dass Ungarn den Verhandlungsprozess zwischen der Ukraine und der Europäischen Union nicht blockiert. Aus technischer Sicht hat dieser Verhandlungsprozess begonnen, aber formal hat er nicht begonnen, wie Sie wissen. Das heißt, Ungarn blockiert den formalen Beginn der Verhandlungen. Das ist der zweite wichtige Punkt.

• Und der dritte wichtige Punkt: Wir brauchen, dass Ungarn in dieser Situation das neue Sanktionspaket gegen die Russische Föderation nicht blockiert, damit der Sanktionsdruck der Europäischen Union auf die Russische Föderation ebenfalls verstärkt wird.

Drei Positionen. Noch einmal möchte ich Sie daran erinnern, dass bei diesen drei Positionen auch die Rolle einer anderen Regierung wichtig ist. Das ist die slowakische Regierung Robert Ficos. Und Fico hat bereits gesagt, dass er bereit sei, das Erste, das Zweite und das Dritte zu blockieren. Aber mit der slowakischen Regierung wird es leichter sein, sich zu verständigen, wenn Ungarn seine Position ändert. Ganz abgesehen davon, dass die Länder der Europäischen Union in dieser Situation sogar die Möglichkeit haben, die Position der Slowakei zu blockieren, weil die Position eines einzelnen Landes durch einstimmige Abstimmung blockiert werden kann. Wenn aber zwei Länder etwas blockieren, ist das faktisch eine unlösbare Situation.

Kann Péter Magyar seine Position ändern, nachdem er Premierminister Ungarns geworden ist? Er kann es, denn für ihn wird die Freigabe europäischer Fonds für Ungarn eine große Errungenschaft sein. Und im Prinzip ist klar, dass die Europäische Kommission Péter Magyar entgegenkommen wird. Aber die Idee, dass Ungarn etwa an dieser Bereitstellung von 90 Milliarden Euro für die Ukraine nicht teilnehmen wird – das ist die Position, auf der Viktor Orbán bestand, als er der Bereitstellung dieser Hilfe überhaupt zustimmte –, wird höchstwahrscheinlich bleiben. Die Position, dass Ungarn sich nicht an der militärischen Hilfe für die Ukraine beteiligt, wird höchstwahrscheinlich bleiben. Die Position, dass die Ukraine die Druschba reparieren müsse, damit russisches Öl durch sie fließt, wird höchstwahrscheinlich bleiben. All das kann bleiben. Ungarn kann sein Veto aufheben, aber Kontrolle über die Reparatur der Druschba verlangen. So könnte es sein.

In jedem Fall kann es ein konstruktiver Dialog sein, und wird dabei nicht mehr an der Frage der ungarischen Transkarpathier hängenbleiben. Sie wissen, dass der Präsident der Ukraine Volodymyr Zelensky am Vorabend der Wahlen in Ungarn in Transkarpatien war und sich mit Bürgern der Ukraine ungarischer Herkunft traf, darunter auch Militärangehörigen, die unser Land verteidigen. Und bei Péter Szijjártó, Orbáns Außenminister, Träger des russischen Ordens der Freundschaft und zugleich Handlanger des Oligarchen Alisher Usmanov, rief das Irritation hervor. Er sagte: „Warum ist Zelensky denn vor den Wahlen nach Transkarpatien gefahren, um mit den Ungarn zu sprechen? Er sollte lieber die Druschba reparieren.“ Nun, ich bitte Sie, Zelensky weiß selbst, wann er mit den eigenen Bürgern sprechen muss. Diese Situation, in der man in Budapest auf Menschen ungarischer Herkunft wie auf eigenes Eigentum blickt und ihnen vorschreibt, wie sie sich zu verhalten haben, sieht gegenüber diesen Menschen selbst absolut widerwärtig aus.

Übrigens geschah etwas Ähnliches mit der ungarischen Diaspora in Rumänien, wo Orbán ganz frech den Kandidaten der rumänischen Ultrarechten, George Simion, unterstützte. Eben jenen Politiker aus demselben Lager wie er selbst. Und Sie wissen, dass Simion ebenfalls von eben diesem J. D. Vance unterstützt wurde. Nun, ich denke, das ist gut. Möge J. D. Vance alle unterstützen, denn er verliert immer. Er ist ein idealer Marker der Niederlage. Aber der Punkt ist, dass Simion ein antiungarischer Kandidat war. Er ist wiederholt mit antiungarischen Aussagen aufgetreten. Und Orbán kümmerte das überhaupt nicht, wenn es um sein eigenes politisches Lager ging. Er hielt das für völlig normal, und meinte, so müsse es auch sein.

Und in dieser Situation ist, wie Sie verstehen, nichts Neues geschehen mit dem, wie sich die Situation in Rumänien verändert hat. Orbán unterstützte weiter einmal den einen, einmal den anderen ultrarechten Kandidaten. Jetzt hat man in Budapest bereits begriffen, dass das eine gefährliche Taktik war, und versucht wieder, eine gemeinsame Sprache mit den ethnischen Ungarn, den Bürgern Rumäniens, zu finden, die bei den Wahlen abstimmen. Das ist ebenfalls ein wichtiger Punkt: Orbán hat diese Wahlen in eine Art gesamte ungarische Abstimmung verwandelt und nicht in eine Abstimmung der Bürger Ungarns. Aber es ist unbekannt, inwieweit gewöhnliche Menschen, im Unterschied zu den Leitern der ungarischen Gemeinden Rumäniens, ihm dieses Verhalten bei den Wahlen nun verzeihen können.

Also, 66,7 % der Stimmen sind von der Wahlkommission Ungarns ausgezählt worden. Wie sieht die Situation im Moment aus? Tisza erhält 53,27 % der Stimmen nach Parteilisten. Fidesz, die Partei Viktor Orbáns, 38 %, und 6 % erhält „Unsere Heimat“. Das bedeutet im Prinzip, dass Tisza im Moment prognostisch 137 Mandate haben könnte. Das ist mehr als die verfassungsändernde Mehrheit. Die Partei Viktor Orbáns könnte ungefähr 55 Mandate haben. Nun, wenn sich das so hält, dann ist das eine echte, würde ich sagen, vernichtende Niederlage der Partei Viktor Orbáns, wozu ich sie auch beglückwünsche.

Soeben hat der Premierminister Ungarns und Führer der ultrarechten pro-Trump-Partei Fidesz Viktor Orbán seine Niederlage und damit auch die Niederlage Donald Trumps und Wladimir Putins bei den Parlamentswahlen in Ungarn anerkannt. „Wir werden unserem Land und dem ungarischen Volk weiter dienen“, unterstrich Orbán. Nun, das ungarische Volk verstehe ich. Aber welches Land Viktor Orbán für unser hält – Ungarn oder die Russische Föderation –, wenn er sich so begeistert mit der Maus des widerwärtigen russischen Diktators verglich, da bin ich mir nicht sicher, ehrlich gesagt. Ich bin nicht sicher, dass Ungarn das Land Viktor Orbáns ist. Orbán rief den Führer der ungarischen Opposition, den neuen Premierminister Ungarns, offensichtlich Péter Magyar, an und gratulierte ihm zum Sieg über eine der widerwärtigsten politischen Kräfte Europas. Orbán hat es so nicht gesagt, aber wir könnten ihm sagen, dass es so ist.

Wenn die Partei von Magyar tatsächlich diese 135 Sitze erhalten kann, dann wird sie nicht nur die Beamten Viktor Orbáns austauschen können, die der Apparat dieser vertikalisierten Korruption im Land waren. Sie wird die ungarische Verfassung ändern können, aus der Viktor Orbán das Wort Republik entfernt hat, Gesetze ändern und so damit beginnen können, den antiungarischen Staat Viktor Orbáns zu beseitigen, der in diesen widerwärtigen 16 Jahren seines populistischen Verbleibs an der Macht aufgebaut wurde. Das ist eine große Erleichterung für das ungarische Volk, dem ich sagen möchte, dass ich ihm zu diesem Sieg aufrichtig gratuliere. Eine große Erleichterung für Europa.

Die Russen sind bereits außer sich. Der odiose Politologe Sergej Markow – ich zitiere ihn hier gern, zumal er jetzt kein Agent mehr ist –, bekannt für seine aggressiven Ansichten gegenüber unserem Land, unterstreicht, dass die Niederlage Orbáns den Kredit für die Ukraine freischalten werde. „Wir haben Orbán überschätzt“, sagt Markow, „und haben die Führung der Europäischen Union wieder einmal unterschätzt. Das wird sehr schlechte Folgen für den Frieden in Europa haben. Es wird ein gigantisches Budget von 90 Milliarden Euro für die ukrainische Armee, für Europas Krieg mit den Händen der ukrainischen Armee, bereitgestellt werden. Das 20. Sanktionspaket wird verabschiedet werden, und dann auch die Vorbereitung auf massive Piratenangriffe gegen die Schiffe der russischen Schattenflotte mit Drohungen einer harten Reduzierung des russischen Ölexports oder mit Drohungen eines militärischen Konflikts mit Europa. Die EU-Führung wird noch radikaler werden.“ Nun ja, Serjoscha Markow, Pech gehabt für dich und deinen Herrn Putin mit Europa. Das ist tatsächlich auch ein europäisches Fest.

Und noch einer Person, der wir alle aufrichtig für ihre Hilfe danken sollten, vielleicht sogar Dankesbriefe ans Weiße Haus schreiben sollten, ist der Vizepräsident der Vereinigten Staaten J. D. Vance. Kommen Sie zu uns, und was noch wichtiger ist, erscheinen Sie bei diesen Wahlkampagnen, treten Sie mit Aufrufen auf, richtig zu wählen, und Trump soll ruhig twittern. Man kann sagen, dass Trump und Vance heute auch Mitautoren des Sieges von Péter Magyar sind. Tatsache bleibt Tatsache, wie Sie verstehen.

Natürlich wird Orbán noch ungefähr einen Monat an der Macht bleiben, aber das wird bereits ein Monat einer lahmen Ente sein. Und das ist ein wichtiger Punkt, über den wir sprechen müssen, wenn wir diese Situation mit der Fortsetzung der Geschichte, mit der Ablösung Viktor Orbáns, besprechen. Ich möchte Sie davon überzeugen, dass er in diesem Monat ebenfalls versuchen wird, vieles zu tun. Ich glaube nicht, dass Sie an seinen Talenten zweifeln. Diese Person ist immerhin, daran sollten wir denken, ein ernsthafter, erfahrener Politiker, ein Mensch, den man wirklich ein politisches Tier nennen kann. Und auch das ist ein sehr wichtiger Punkt.

Nun wird in diesem Chat, der während dieser Sendung bereits läuft, gefragt, ob Trump irgendwie reagieren wird, also die Ungarn für Orbáns Niederlage bestrafen wird, oder ob er wieder so tun wird, als sei nichts geschehen, kein Problem, alles unter Kontrolle.

Portnikov. Ich denke, die Führung der Vereinigten Staaten wird mit der neuen Regierung Ungarns arbeiten. Übrigens muss ich sagen, dass J. D. Vance das selbst gesagt hat. Und Beobachter in Ungarn haben das ebenfalls bemerkt. Sie sagten, dass Péter Magyar von J. D. Vance das bekommen habe, was er sich wünschte. Als man ihn also fragte: „Und was werden die Vereinigten Staaten im Falle einer Niederlage Viktor Orbáns tun?“, sagte J. D. Vance, dass die Vereinigten Staaten natürlich mit der Regierung zusammenarbeiten würden, die das ungarische Volk wähle. Obwohl Viktor Orbán natürlich gewinnen werde. Aber diese Worte wurden ausgesprochen, also wird niemand irgendwen bestrafen. Man wird nur nach neuen Formen der Zusammenarbeit suchen.

Hier schreibt man, Orbán könne die Wahlen noch gewinnen, der menschliche Faktor könne noch wirken. Nein, er kann die Wahlen nicht mehr gewinnen. Es gibt Niederlagen, die man selbst durch Fälschung nicht mehr umdrehen kann.

Frage. Welche Varianten der weiteren Entwicklung hat Orbán Ihrer Meinung nach für sich vorbereitet, und mit ihm Putin und Trump, falls er die Wahlen verliert? Oder haben sie mit einer solchen Entwicklung gar nicht gerechnet?

Portnikov. Ich denke, Orbán kann meinen, dass er an die Macht zurückkehren kann. Es wäre nicht das erste Mal, verstehen Sie? Orbán hatte ein großes Intervall, eine große Pause, als er zum ersten Mal Premierminister Ungarns war. Sie erinnern sich wohl, dass Viktor Yushchenko sich damals mit einem Brief an ihn wandte. Und dort erinnerte er daran, dass sie Gleichgesinnte gewesen seien, dass sie gemeinsam an die europäische Perspektive ihrer Länder, an die gemeinsame Arbeit in der Europäischen Union gedacht hätten. Aber das war damals, als Orbán zum ersten Mal Premierminister Ungarns war. Und damals ja, war er ein Gleichgesinnter des europäisch denkenden ukrainischen Premierministers Viktor Yushchenko. Doch danach verlor er die Macht. Damals siegten die linken Kräfte der ungarischen Konservativen und Liberalen. Und Orbán kehrte bereits als ultrarechter Politiker an die Macht zurück. Also kann er darüber nachdenken, wie er zurückkehren kann.

Zumal Sie ja verstehen, dass die Menschen von jeder neuen Regierung, die eine solche Macht ablöst, die viele Jahre lang regiert hat, eine rasche Verbesserung der Lage erwarten können, die möglicherweise nicht eintritt. Der Bürgermeister von Budapest, der, wie Sie wissen, ein gegenüber Orbán oppositionell eingestellter Politiker ist, immer mit ihm gestritten hat und jetzt sagte, dass für Budapest die einzige Rettungsmöglichkeit die Wahl einer neuen Macht sei, weil Orbán immer gegen die lokalen Machthaber, darunter auch gegen die Macht Budapests, gekämpft habe – Gergely Karácsony, ja, der Bürgermeister von Budapest –, sagte, dass man keine schnellen Veränderungen erwarten dürfe. Dass die Menschen, wenn sie solche schnellen Veränderungen in einem Staat erwarteten, der 16 Jahre lang als korrupte Vertikale aufgebaut wurde, ziemlich schnell enttäuscht sein könnten. Und man muss sagen, dass in dieser Situation Orbán natürlich genau darauf rechnen kann, in der nächsten Wahlperiode unter Ausnutzung dieser Wählerenttäuschung an die Macht zurückzukehren.

Aber ich wiederhole noch einmal: Das kann nur geschehen, wenn er nicht zum Angeklagten in Gerichtsverfahren wird. Und genau hier gibt es ziemlich interessante Momente. Das ist es, worauf Orbán in Bezug auf seine Freundschaft mit Trump rechnen kann: dass Trump Druck auf die ungarische Führung ausübt, dass Trump den ungarischen Premierminister davon überzeugt, Orbán nicht anzurühren. Aber wissen Sie, ich würde an Orbáns Stelle nicht allzu sehr auf Trump hoffen. Trump verteidigte anfangs den früheren Präsidenten Brasiliens Jair Bolsonaro. Er drohte sogar mit Sanktionen gegen Brasilien. Er sagte, Bolsonaro werde für genau das zu Unrecht beschuldigt, wofür auch er, Trump, beschuldigt worden sei. Und dann hörte er plötzlich auf, sich dafür zu interessieren. Ich meine damit die Machtergreifung, den Sturm aufs Kapitol auf brasilianische Weise. Und dann – zack – interessierte er sich nicht mehr dafür, hörte auf, sich für Bolsonaro zu interessieren, hörte auf, ihn zu erwähnen, antwortete sehr matt auf Fragen zu ihm. Und am Ende kam für Bolsonaro nichts Gutes dabei heraus.

72,4 % der Stimmen der Wähler in Ungarn sind ausgezählt. 53,45 % der Stimmen hat Tisza, 37,92 % der Stimmen die Partei Orbáns, Fidesz. Unsere Heimat hat 5,99 % der Stimmen im Parlament. So sehen wir, dass die Partei Tisza die Möglichkeit einer verfassungsändernden Mehrheit der Stimmen bewahrt. Das ist im Prinzip eine offensichtliche Sache. Jetzt könnte sie nach der Prognose 138 Sitze erhalten, 54 Mandate hätte die Partei Viktor Orbáns. Das ist eine echte vernichtende Niederlage. Denken Sie also nicht einmal daran, dass noch irgendwer real irgendwelche Chancen auf den Sieg verlieren könnte – ich meine Péter Magyar – oder dass Orbán noch irgendetwas durch den administrativen Ressourcenapparat herausholen könnte. Nein. Und Sie verstehen ja, dass jetzt all diese administrativen Ressourcen, wenn ihre, würde ich sagen, Leiter sehen, was geschieht, wie es immer mit solchen Leuten ist, schnell die Seiten wechseln, um den Sieger zu unterstützen. Auch das ist ein wichtiger Punkt bei dem, was geschieht.

Frage. Glauben Sie, dass es reale Gerichtsprozesse geben wird? Die jüngsten Nachrichten über die Zusammenarbeit mit dem Kreml und mit dem Iran und so weiter sind ja einfach erstaunlich. Gibt es eine Chance, dass Orbán und Szijjártó ins Gefängnis kommen?

Portnikov. Nun, auch das wird davon abhängen, wie effektiv die neue Regierung beim Umbau der Justizvertikale arbeiten wird. Sie verstehen doch, dass das jetzt ebenfalls eine große Frage ist. In den letzten Wochen traten bereits einige Vertreter des Strafverfolgungssystems gegen Orbán auf und sagten, dass Orbán faktisch die nationalen Interessen Ungarns verrate. Möglicherweise wird es auch im System der ungarischen Sicherheitsstrukturen reale Möglichkeiten geben, sich zu reinigen. Das wird sehr stark vom Team Péter Magyars abhängen. Wir verstehen ja, dass Péter Magyars Partei Tisza eine Partei eines einzigen Akteurs ist. 

Hier ist es wichtig, über den neuen ungarischen Premierminister selbst zu sprechen. Er kommt ja tatsächlich nicht aus irgendeiner, würde ich sagen, systemischen Opposition zu Orbán, gegen die Orbán all diese Jahre kämpfte und die er seinerzeit vor bereits 15 Jahren bei Wahlen besiegte, auch unter Begleitmusik von Korruptionsvorwürfen, von Verfall des Staates und so weiter. Und tatsächlich hatten die Menschen, die Ungarn damals regierten, allen Anlass, diesen Vorwürfen zu entsprechen. Aber Péter Magyar machte gerade in der Partei Fidesz Karriere. Diese Karriere gelang ihm nicht. Sie wissen, dass es hier eine interessante Situation gab: Péter Magyar ist ein Mann aus einer angesehenen ungarischen Familie, würde ich sagen, mit ernsthaften Positionen in der Gesellschaft. Aber es kam so, dass er, nachdem er Judit Varga geheiratet hatte, eine bekannte Juristin, die später Justizministerin in Orbáns Regierung wurde, geradezu zum Ehemann der Justizministerin wurde – bis zu dem Punkt, dass er Elternurlaub zur Betreuung ihrer Kinder nahm. Und ihn störte das offensichtlich, dass er auf die zweite, dritte Reihe geraten war, und auch die Beziehung zu seiner Frau funktionierte nicht, weil er faktisch nicht in einer solchen Rolle auftreten wollte. Das war sichtbar, als er vor kurzem ein Interview gab und man ihm sagte, dass er ja mit Judit Varga verheiratet gewesen sei, und er sagte: „Nein, sie war mit mir verheiratet.“ Also das ist so eine Geschichte, so ein Komplex, der geblieben ist.

Und Orbáns Kampf mit Magyar begann faktisch in dem Moment, als Orbán beschloss, Varga und die damalige Präsidentin Ungarns für die skandalöse Geschichte mit der Begnadigung eines Mannes verantwortlich zu machen, der der Pädophilie beschuldigt worden war und völlig unverständlich begnadigt wurde. Und Orbán machte für diese Begnadigung die Justizministerin verantwortlich, die den Antrag auf diese Begnadigung eingebracht hatte, und die Präsidentin, die diese Begnadigung unterschrieben hatte. Aber das Problem ist ja, dass wir verstehen, dass solche Entscheidungen nicht über die Präsidentin und die Justizministerin laufen. Sie können nicht ohne Orbán erfolgen. Und alle verstanden ausgezeichnet, dass Orbán diese Frauen einfach als Sündenböcke für seinen eigenen Fehler benutzt hat, um sich selbst zu retten. Und Magyar, der zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr mit Varga verheiratet war, veröffentlichte damals eine Aufnahme eines Gesprächs mit ihr, offensichtlich heimlich angefertigt, in der sie von Korruption im Umfeld Orbáns erzählte. Und Varga versicherte später, er habe ihr diese Aufnahme mit Gewalt abgenommen, er habe ihr gedroht. Man beschuldigte ihn der häuslichen Gewalt. Aber das war schon eine Situation, in der sie nicht mehr verheiratet waren und in der auch Vargás politische Karriere zu Ende ging, denn sie wurde im Prinzip bereits als mögliche Spitzenkandidatin von Orbáns Liste bei den Wahlen zum Europäischen Parlament angesehen. Sie sollte nach Brüssel ziehen. Nichts davon geschah, wie Sie verstehen. Und gerade in diesem Moment geschah diese Geschichte, dass man sagen kann, dass es im Orbánschen System selbst einen ernsten Riss, einen ernsten Bruch gab. Das ist also eine reale Geschichte, die mit der zukünftigen Entwicklung der Ereignisse in Ungarn verbunden ist.

Nun, wenn wir die Stimmen zählen, müssen wir wiederum daran denken, dass es auch Stimmen per Post gibt. Sie können das Kräfteverhältnis ebenfalls noch etwas verändern, aber nach dem, was wir sehen, längst nicht so stark, wie sie darauf Einfluss haben könnten. 77,5 % der Stimmen sind bereits ausgezählt. 53,46 % der Stimmen für die Partei Tisza. 37,91 % der Stimmen für Fidesz und 5,98 % der Stimmen für die ultrarechte Partei, wie ich sagte, offen prorussische Partei Unsere Heimat. Wie könnten die Mandate aussehen? Tisza wird 138 Mandate haben. Höchstwahrscheinlich ist das vorläufig eine sichere verfassungsändernde Mehrheit. Fidesz wird 54 Mandate haben und die Partei Unsere Heimat etwa sieben Mandate. Das heißt, im Prinzip werden selbst bei einem Zusammenschluss zweier ultrarechter politischer Formationen, einer maskiert pro-putinistischen und einer offen pro-putinistischen, nur 61 Mandate zustande kommen, was keine große Bedeutung mehr haben wird. Alle anderen politischen Parteien werden nicht ins Parlament einziehen.

Interessant ist, dass die ungarische Währung, der Forint, vor dem Hintergrund dieser Meldungen über den Sieg der Opposition zu steigen begonnen hat. Auch das sagt vieles, denn wenn sich die nationale Währung stärkt, wenn die Regierung verliert, dann sagt das alles über diese Regierung aus, verstehen Sie? Alles über ihre Wirtschaftspolitik, über das Verhältnis der Wirtschaft zu ihrer Effektivität. Und auch das verstehen wir ja ausgezeichnet.

Ich wundere mich, wie viele Kommentare wir haben, die sagen: „Nein, Orbán wird trotzdem gewinnen.“ Er wird nicht gewinnen. Es gibt einfach arithmetische Dinge. Und übrigens werden jetzt ja außer den Stimmen nach Parteilisten auch die Stimmen in den Wahlkreisen ausgezählt. Verstehen Sie das? Und jene Stimmen per Post, von denen Sie sprechen, die Stimmen der Diaspora, werden dennoch in die Stimmen nach Parteilisten eingehen. Verstehen Sie, wenn die Teilung 50 zu 50 wäre, dann könnte man sagen, dass sich in der Woche nach den Wahlen noch etwas ändern könnte. Nehmen wir an, Tisza hätte 52 oder 53 % der Stimmen und Orbán 49 %, und Orbán könnte dank dieser Stimmen der Diaspora oder per Post, ganz bedingt gesagt – obwohl niemand gesagt hat, dass die Diaspora jetzt für ihn stimmen wird –, die Mehrheit der Wählerstimmen erhalten. Das wird jetzt nicht mehr geschehen, denn die Zahl der Stimmen, die Orbán heute hat, auch unter Berücksichtigung der Besonderheiten der Umverteilung der Mandate nach eben jenem System, das Orbán geschaffen hat – vielleicht wird Tisza es ändern, das wissen wir nicht –, gibt Orbán keine Möglichkeit mehr, administrative Ressourcen oder zusätzliche Stimmen zu nutzen, selbst wenn es sie geben sollte. Deshalb ist im Prinzip für Orbán alles klar, auch wenn für Sie nicht, denn die Ergebnisse, auf die ich jetzt schaue, sind auch Ergebnisse der Abstimmung in den Wahlkreisen. Das heißt, ich sehe vor mir nicht irgendwelche Tabellen der ungarischen Zentralen Wahlkommission, um es mal so zu sagen. Ich schaue auf die ungarische Presse. Wir schauen zusammen auf die ungarische Presse. Und ich schaue auf die Ergebnisse in den Einerwahlkreisen. Und genau das, was ich Ihnen sage, sind auch die Ergebnisse in den Wahlkreisen. Sagen wir bedingt: Es gibt Ergebnisse, bei denen Kandidaten von Fidesz und ihrem Verbündeten führen. Sie treten bekanntlich in einem Block an. Dort braucht man sehr wenige Stimmen. Damit Sie verstehen, wo sie dort führen: elf Wahlkreise, in denen sie führen. In einem Wahlkreis bekommt der Sieger 800 Stimmen. In einem anderen 900 Stimmen. In einem Einerwahlkreis bekommt ein Fidesz-Kandidat 1000 Stimmen. Noch einmal: 1000 Stimmen. Ich lese Ihnen diese Liste vor, damit Sie verstehen, wie diese ländlichen Wahlkreise zugeschnitten sind: Es genügt, 1000 oder 2000 Wählerstimmen zu erhalten, um zu gewinnen und mit den Stimmen von tausend Wählern ins Parlament zu kommen. Das ist ein solches System. Zugleich sehen wir aber, dass es Wahlkreise gibt, die sehr seltsam zugeschnitten sind. Und in diesen Wahlkreisen gewinnt die Partei Tisza positionsmäßig. Auch das ist eine sehr wichtige Sache, die man sagen muss.

So beobachten wir jetzt gleichzeitig zwei Auszählungen. Die Auszählung nach Parteilisten – ich nenne Ihnen ständig ihre Zahlen. Und die Auszählung in den Einerwahlkreisen, von denen ich Ihnen von Anfang an gesprochen habe. Das heißt, diese Mandatszahlen, von denen ich Ihnen erzähle, sind nicht die Zahlen nach Parteilisten. Nach Parteilisten nenne ich Ihnen die Prozentsätze, und diese Sitzzahlen, von denen ich spreche, sind Zahlen unter Einbeziehung der Einerwahlkreise. Zu Beginn unserer Sendung habe ich Ihnen die Anzahl genannt, und ich wiederhole sie noch einmal für die, die später dazugekommen sind: 199 Abgeordnete, 106 nach dem Mehrheitswahlsystem in Einerwahlkreisen, 93 nach Parteilisten, für eine verfassungsändernde Mehrheit 133, für eine einfache Mehrheit 100. Gemerkt? 199, 106, 93, Mehrheit 100, verfassungsändernde Mehrheit 133. Wenn ich Ihnen nun die Auszählung der Stimmen erläutere, nenne ich Ihnen den Prozentsatz der ausgezählten Stimmen und die Prozentsätze, die die Parteien nach Parteilisten erhalten haben. Ich erinnere daran, dass jetzt 77,5 % bearbeitet sind, 53,46 Tisza, 37,91 Fidesz, 5,98 Unsere Heimat. Wenn ich die Zahl der Mandate nenne, dann ist das die Summe der Mandate nach Parteilisten und nach Wahlkreisen, die bereits ausgezählt ist. Deshalb sind das die realen Zahlen.

Warum sagte man, dass die Ergebnisse dieser Wahlen erst in einer Woche bekannt sein könnten? Weil bei ungarischen Wahlen, wenn Opposition und Regierung dicht beieinander liegen, die Ergebnisse der Briefwahl und der Auslandswahllokale die Verteilung der Sitze nach Parteilisten beeinflussen können, aber nicht in die Stimmen eingehen, die in den Einerwahlkreisen abgegeben werden. Und wie Sie verstehen, kann bei einem solchen Vorsprung, wie er bei den Parteilisten besteht, wenn der Führende 53 % der Stimmen hat, keine Diaspora und kein Brief die Gesamtsituation ändern. Das versuche ich zu erklären. Nun, sie könnten theoretisch die verfassungsändernde Mehrheit um irgendeine Zahl verringern, aber auch das sieht bereits nicht realistisch aus. Und außerdem, ich sage es Ihnen noch einmal, denke ich nicht, dass in dieser Situation die ungarische Diaspora für Viktor Orbán stimmen wird, denn selbst in der ungarischen Diaspora war die Registrierung jetzt höher als in vielen Wahljahren zuvor. Auch das müssen jene verstehen, die diese Abstimmung verfolgen.

Im Prinzip hat auch Orbán als realistischer Mensch ausgezeichnet begriffen, was geschehen ist. Wenn Orbán Hoffnung gehabt hätte, dass er das noch zurückdrehen könnte, dann hätte er Péter Magyar nicht öffentlich gratuliert und ihn nicht angerufen. Das ist, verstehen Sie, das große Problem aller autoritären Führer, die gezwungen sind, das Verfahren realer Wahlen aufrechtzuerhalten. Sie müssen ehrlich gewinnen. Das betrifft Orbán ebenso wie jene, die ihn unterstützt haben. Betrifft Trump, betrifft Netanyahu übrigens ebenfalls. Übrigens zeigen die Ratings, die wir jetzt in Israel sehen, dass der israelische Premierminister, seine Partei und Koalition die Parlamentswahlen verlieren würden, wenn sie heute stattfänden. Verstehen Sie? Und Netanyahu würde diese Niederlage nicht anerkennen? Natürlich würde er sie anerkennen, er hat das schon einmal getan. Um auf Wahlen zu pfeifen, muss man Putin sein. Und Orbán ist, wie wir verstehen, nicht Putin.

Nun kommen wir im Prinzip zum Ende dieser Sendung. Denn mir scheint, dass das Gesamtbild klar ist. Die nächsten Zahlen werden kaum noch etwas Ernsthaftes ändern. Nun, ich schließe nicht aus, dass sie den Vorsprung der Opposition in Bezug auf die Zahl der Mandate verändern, wenn wir irgendeine Veränderung der Prozentsätze nach den Parteilisten sehen, aber nicht wesentlich. Deshalb danke ich Ihnen sehr, dass Sie an diesem Wahlabend mit mir zusammen waren, der den Ergebnissen der Wahlen in Ungarn gewidmet war. In jedem Fall müssen wir verstehen, dass das für uns tatsächlich ein realer Sieg ist und für Europa ein realer Sieg. Selbst wenn Tisza irgendwie keine verfassungsändernde Mehrheit erhält, wird es für Péter Magyar schwer sein, eine De-Orbanisierung der ungarischen Staatlichkeit durchzuführen. Aber all diese wichtigen Entscheidungen für die Ukraine, die die Europäische Union treffen muss, werden nun, denke ich, auch von der neuen Regierung Ungarns gebilligt werden. Und das ist wichtig nicht nur für uns, sondern auch für Ungarn selbst, denn die Eindämmung russischer imperialer Ambitionen – wenn man bedenkt, wie viel Böses Russland Ungarn im 19. und im 20. Jahrhundert angetan hat und übrigens auch jetzt tut, indem es Orbán unterstützt – all das ist wichtig sowohl für das ukrainische als auch für das ungarische Volk.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Орбан програє вибори | Віталій Портников. 12.04.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 12.04.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von iktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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