Zwölf Jahre Krieg – und ihr sucht Ausreden. Marusja Swirobij. 15.02.2026.

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Seit dem Maidan 2014 bin ich – mit Pausen – seit 12 Jahren im Krieg, davon die letzten 4 Jahre ununterbrochen im Dienst. Nein, ich wollte das nicht so, aber ich wurde dazu erzogen, für andere einzustehen, wenn sie in Not sind. Also habt doch ein Gewissen und stellt euch dazu. Es reicht langsam. Das ist schwer.

Die Behandlung von sechs Magengeschwüren und der Wirbelsäule, Operationen nach einer Splitterverletzung 2023 bei Kljischtschijiwka im Rahmen einer Scharfschützengruppe der 80. Luftsturmbrigade, Psychosen nach dem Verlust Dutzender enger Freunde und Kameraden, die Beerdigung meines Verlobten. Und noch fünf Augenoperationen, um jetzt überhaupt noch irgendwie sehen zu können … wie Männer im Hinterland Ausreden erfinden, um nicht zur Armee zu gehen, während Frauen gegen die Einberufungsstellen kämpfen, weil sie offenbar wollen, dass wir hier für ihre „Mamasöhnchen“ ohne Rotation und ohne Verstärkung sterben. Und wenn ihnen wir und unsere Familien völlig gleichgültig sind – warum sollten uns dann die Methoden der Einberufungsstellen kümmern? Ja, sie schockieren mich – aber nicht mehr als die Erkenntnis, dass meine Kinder faktisch zu Waisen herangewachsen sind, weil ich einen riesigen Teil meines Lebens im Kampf für die Freiheit verloren habe, die ich selbst so dringend brauche – während fitte Männer im wehrfähigen Alter, die sich der Verantwortung entzogen haben, nun von dem profitieren wollen, wofür ich bezahlt habe.

Ich habe mich nie daran orientiert, ob sich die Kinder von Abgeordneten entziehen oder irgendwer sonst –, weil ich kein Feigling bin. Seid Männer – keine Karikaturen. Wenn die Eigenen geschlagen werden, nimmst du die Waffe und drückst den Feind in die Erde. Das ist das Einmaleins.

Ich nehme euch zu mir, ich bringe euch bei zu töten – nicht zu sterben.

Kompaniechefin einer Einheit für bodengebundene Angriffsdrohnen, Oberleutnant Marusja Swirobij.


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Autor: Marusja Swirobij
Veröffentlichung / Entstehung: 15.02.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Zelensky stellte Trump Bedingungen | Vitaly Portnikov. 15.02.2026.

Volodymyr Zelensky legte in einem Interview mit der Publikation Politico drei Schritte fest, die der amerikanische Präsident Donald Trump seiner Meinung nach unternehmen müsse, um zur Beendigung des Krieges Russlands gegen die Ukraine beizutragen.

  • Als ersten dieser Schritte nannte Zelensky verlässliche Sicherheitsgarantien, die Trump ohne einen Dialog mit dem russischen Staatschef Putin gewähren müsse, da es sich ausdrücklich um Sicherheitsgarantien seitens der Vereinigten Staaten handeln solle.
  • Als zweiten Schritt sieht Zelensky die Notwendigkeit, Mittel für den Wiederaufbau der Ukraine nach dem Ende des russisch-ukrainischen Krieges bereitzustellen.
  • Und der dritte Schritt ist ein Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front.

Trump müsse, so Zelensky, Druck auf Putin ausüben, damit dieser einem Waffenstillstand zustimme und die Kampfhandlungen einstelle. Sollte der russische Präsident diesen drei Forderungen nicht zustimmen, müssten die Vereinigten Staaten der Ukraine sämtliche notwendige Hilfe leisten und sie so unterstützen, dass Russland gezwungen wäre, seine Offensive gegen das Nachbarland zu stoppen.

Wenn man über diese drei Schritte spricht, würde ich natürlich mit dem Waffenstillstand beginnen. Denn wenn es keinen Waffenstillstand gibt, ergibt es keinen Sinn, über den Wiederaufbau des Landes zu sprechen oder nach irgendwelchen Sicherheitsgarantien zu suchen.

Wir befinden uns bereits in dieser Falle. Diplomaten und Politiker sprechen ständig über Gelder, die für den Wiederaufbau der Ukraine bereitgestellt werden könnten. Sie diskutieren Details von Sicherheitsgarantien, während der Krieg weitergeht. Und das liegt, könnte man sagen, im Interesse des russischen Präsidenten Putin, der die Amerikaner ohne jede reale Perspektive in diesen Verhandlungsprozess hineingezogen hat – nach dem Treffen der amerikanischen und russischen Führung in Anchorage.

Wir müssen jedoch auch daran erinnern, dass der Präsident der Vereinigten Staaten versucht hat, von seinem russischen Kollegen gerade die Zustimmung zu einem Waffenstillstand zu erreichen, damit der Friedensprozess zumindest unter Bedingungen eines teilweisen Waffenstillstands stattfinden könne. Putin hat diesen Vorschlag Donald Trumps mehrere Male abgelehnt. Und es stellt sich immer die Frage, ob der amerikanische Präsident über wirksame Instrumente verfügt, um den russischen Präsidenten kurzfristig zur Zustimmung zu einem Waffenstillstand zu bewegen.

Im Grunde wäre der einzige Schritt, den Donald Trump heute unternehmen sollte, tatsächlich die Fortsetzung des Drucks auf Russland mit dem Ziel eines Waffenstillstands an der russisch-ukrainischen Front. Und wenn Putin diesem Vorschlag nicht zustimmt – und wir müssen uns daran erinnern, dass er mehrfach nicht zugestimmt hat –, dann müsste man der Ukraine tatsächlich alle notwendige Hilfe gewähren.

Doch auch hier gibt es eine politische Falle, denn der Präsident der Vereinigten Staaten brüstet sich damit, keinen einzigen Dollar für die Unterstützung der Ukraine bereitzustellen, und betrachtet die Hilfe, die die vorherige Administration geleistet hat, als Fehler von Joseph Biden. Somit stellt sich erneut eine recht einfache Frage: Wie kann Trump diesem Plan Zelenskys zustimmen, wenn die Idee, der Ukraine kein amerikanisches Geld zu geben, eine der zentralen Ideen seines Wahlkampfes war und weiterhin eine der wichtigen Leitlinien seiner Präsidentschaft ist?

Möglicherweise wird es im November 2026, wenn die Zwischenwahlen zum Kongress stattfinden und anschließend ein neues Repräsentantenhaus seine Arbeit aufnimmt, gelingen, den amerikanischen Präsidenten zu einer realistischeren Unterstützung der Ukraine zu bewegen. Nicht nur zum Verkauf von Waffen an die Ukraine auf europäische Kosten, sondern auch zu direkter amerikanischer Hilfe. Doch im Moment erscheint diese politische Perspektive ziemlich unrealistisch, da wir nicht einmal wissen, wie die neue Zusammensetzung des amerikanischen Kongresses aussehen wird und ob Donald Trump tatsächlich bereit sein wird, seine Politik nach den Wahlen zum Senat und zum Repräsentantenhaus im Herbst 2026 zu ändern. Ganz zu schweigen davon, dass der neue Kongress erst 2027 seine Arbeit aufnehmen wird. Man müsste also noch ein weiteres Jahr des russisch-ukrainischen Krieges überstehen – offensichtlich ohne amerikanisches Geld.

Was die Sicherheitsgarantien betrifft, so ist auch das eine wichtige These, die relevant wird, wenn es tatsächlich gelingt, einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zu erreichen. Doch wenn wir von wirksamen Sicherheitsgarantien der Vereinigten Staaten sprechen, müssen wir verstehen, wie diese aussehen sollen, in einer Situation, in der niemand sicher ist, dass die Vereinigten Staaten heute bereit sind, ihre Verpflichtungen gemäß Artikel 5 der NATO zu erfüllen.

Die Situation rund um Grönland hat gezeigt, dass das Vertrauen darauf, dass man in Washington tatsächlich die Bedeutung eigener Verpflichtungen zum Schutz Europas versteht, derzeit nur bedingt gegeben ist. Darüber sprachen europäische Politiker offen von der Tribüne der Münchner Konferenz – trotz der Bemühungen des US-Außenministers Marco Rubio, die Europäer etwas zu beruhigen, die offensichtlich vom realen Scheitern der Idee der euroatlantischen Integration erschreckt sind.

Wenn wir also realistisch sprechen und die Beziehungen zwischen zwei Atommächten betrachten, müssen wir uns bewusst sein, dass kaum irgendeine amerikanische Administration – ob demokratisch oder republikanisch – einer Formel von Sicherheitsgarantien zustimmen wird, die eine direkte Beteiligung der Vereinigten Staaten an einem Krieg vorsieht, falls Russland die Ukraine erneut angreifen sollte. Sollte es dennoch dazu kommen, wäre das ein revolutionärer Ansatz in der Politik, und wir würden verstehen, dass ein Präsident, der solchen Garantien zustimmt, sich der Frage stellen müsste, ob er nicht einen realen Krieg mit einer Atommacht riskiert.

Die wichtigste Sicherheitsgarantie würde daher tatsächlich in einem Wiederaufbaumodell der Ukraine bestehen, das die Ukraine in eine Festung verwandelt – in einen Staat, dessen Potenzial in erster Linie auf die Fähigkeiten des militärisch-industriellen Komplexes ausgerichtet ist, auf den Erwerb und die Produktion moderner Waffen, auf den Ausbau der Streitkräfte der Ukraine. Es ginge also darum, Bedingungen zu schaffen, unter denen Russland kein Interesse daran hätte, die Ukraine anzugreifen, weil es sich des Ausmaßes der Verluste für den Aggressor im Falle eines erneuten Angriffs bewusst wäre.

Doch damit eine solche Ukraine tatsächlich entsteht, reicht weder der Wille der Vereinigten Staaten noch das Geld aus, das westliche Länder für den Wiederaufbau bereitstellen würden, falls es in den kommenden Jahren gelingen sollte, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. Wichtig ist, dass ein solches Modell eines „Festungsstaates“ sowohl für die Ukraine selbst als auch für den Westen von der ukrainischen Gesellschaft gewählt wird – einer Gesellschaft, die aufhören müsste zu glauben, dass man mit den für die Armee vorgesehenen Mitteln schnell neue Straßen bauen könnte.</


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Зеленський висунув умови Трампу | Віталій Портников. 15.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 15.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von KI und Viktoriya Limbach, veröffentlicht auf uebersetzungenzuukraine.data.blog.


Das Gesetz vom zerbrochenen Paddel. Vitaly Portnikov. 15.02.2026.

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Über der Insel Hawaiʻi ging die Morgensonne auf, ihre ersten Strahlen spiegelten sich in den Wellen, und der Ozean, der noch gestern gestürmt hatte, hatte sich heute endgültig beruhigt und schien sich ebenfalls über die Sonne zu freuen – wie Menschen, Tiere und Vögel. Ein Sonnenaufgang begann – einer jener idyllischen Sonnenaufgänge, die Hawaiʻi zu einem Symbol der Ruhe und zu einem touristischen Magneten für Amerikaner gemacht haben.

Doch das Ereignis, an das ich erinnere, spielte sich Ende des 18. Jahrhunderts ab – es gab keine Touristen, und der Sonnenaufgang war alles andere als idyllisch, gelinde gesagt. Der hawaiische Häuptling Kamehameha, der künftige erste Monarch der vereinigten Inseln, landete im Dorf Puna, um einen Aufstand seiner eigenen Verwandten niederzuschlagen. Die Bewohner des Fischerdorfes flohen erschrocken vor den Kriegern des Häuptlings. Einer von ihnen, der die Flucht seines Nachbarn mit einem Kind auf dem Arm deckte, sah den Häuptling mit einem Paddel in der Hand, bekleidet mit einem Federumhang und einem Helm – und dieser kräftige Mann bewegte sich direkt auf sie zu. Doch plötzlich blieb sein Fuß in einer Felsspalte stecken, Kamehameha verlor das Paddel und stürzte direkt neben dem vor Angst erstarrten Fischer zu Boden. Der packte das Paddel und schlug mit aller Kraft auf den Kopf des Häuptlings. Das Paddel zerbrach am Kopf des bewusstlosen Kamehameha. Die Fischer flohen.

Zwölf Jahre später fanden die Männer von König Kamehameha I. von Hawaiʻi den Fischer. Er bereitete sich auf den Tod wegen des Versuchs vor, eine königliche Person zu töten – doch unerwartet bat der König ihn um Verzeihung und sagte, er habe nur sein Leben und sein Eigentum verteidigt.

So entstand das berühmte „Gesetz vom zerbrochenen Paddel“, das bis heute Teil der Gesetzgebung des amerikanischen Bundesstaates Hawaiʻi ist. Dieses Gesetz stellt eindeutig fest, dass Zivilisten während bewaffneter Konflikte nicht verfolgt werden dürfen. „Lasst alte Menschen, Frauen und Kinder sicher auf der Straße gehen und liegen, ohne Angst, verstümmelt zu werden“, befahl der König.

Ein zivilisierter Mensch unterscheidet sich vom Barbaren durch seinen Respekt vor dem menschlichen Leben und das Verständnis seines Wertes. Im Jahr 1797 erhob sich der König von Hawaiʻi über die damals herrschenden Bräuche – und zwar nicht nur auf seinen Inseln – und erkannte, dass es die Pflicht der Macht ist, denjenigen zu schützen, der sich selbst nicht vor einem bewaffneten Menschen retten kann.

In unserer Zeit hat der Kreml-Barbar die Normen des Rechts und der Menschlichkeit gebrochen – und auch das Gesetz vom zerbrochenen Paddel –, denn er versucht, sich an Frauen, Kindern und alten Menschen für die Unfähigkeit seiner Armee zu rächen, die Ukraine zu besetzen. Die Krieger Kamehamehas hatten nur Speere und Paddel – doch der König wollte nicht, dass sie einem Kind Schaden zufügen. Die russischen Militärs verfügen über Raketen, Flugzeuge und Drohnen – und mit solchen Waffen kann man sehr viel mehr Menschen schaden. Das Gesetz vom zerbrochenen Paddel gilt im russisch-ukrainischen Krieg nicht. Man könnte sagen, dieses Gesetz sei auch früher in Kriegen missachtet worden, die angeblich zivilisierte Länder untereinander führten – doch jedes Mal bedeutete das einen weiteren Sturz in den Abgrund und den Zusammenbruch der Zivilisation. Es mochte scheinen, dass nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinen zerstörten Städten und Millionen von Toten Lehren gezogen worden seien – doch es stellte sich heraus, dass die russische Gesellschaft zu keinerlei Schlussfolgerungen fähig ist, wohl aber dazu, solche Monster wie Putin und andere russische Führer hervorzubringen.

Wenn wir vom russisch-ukrainischen Krieg sprechen, betonen wir vor allem die Verletzung des Völkerrechts, jener Weltordnung, die nach den Weltkriegen entstand, die Absage an die Möglichkeit, politische Konflikte durch Diplomatie zu lösen. Doch in Wahrheit handelt es sich um eine viel tiefere Veränderung: Russland, Putin greifen, wie wir sehen, die Grundlagen unserer Zivilisation selbst an; sie führen die Welt zurück in die Barbarei, die immer dann endet, wenn der Mensch erkennt, was Leid bedeutet und wie wichtig es ist, nicht dessen Verursacher zu sein. Paradoxerweise nennen sich diese Menschen dabei völlig aufrichtig Christen und verbeugen sich vor verrußten Ikonen.

Das Gesetz vom zerbrochenen Paddel zeigte, dass ein Anführer seiner Zeit voraus sein kann – doch dafür gab es auch Gründe: Kamehameha wusste, dass die Hawaiianer Massaker an der Zivilbevölkerung verabscheuten und dass Missachtung gewöhnlicher Menschen die Macht seiner Dynastie kosten konnte. Putins Krieg erinnerte daran, dass man jederzeit in eine ferne und tragische Vergangenheit zurückkehren kann – doch der russische Präsident weiß, dass seine Gesellschaft das Grauen, das er mit seiner Armee in der Ukraine anrichtet, größtenteils nicht einmal bemerkt. Sie ist an Repressionen gewöhnt. Und deshalb braucht er auch kein Gesetz vom zerbrochenen Paddel.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Закон про зламане весло. Віталій Портников. 15.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 15.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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China wird der Ukraine helfen | Vitaly Portnikov. 13.02.2026.

Der Außenminister der Ukraine, Andrij Sybiha, teilte nach einem Treffen mit dem Außenminister der Volksrepublik China, Wang Yi, mit, dass China beabsichtige, der Ukraine ein zusätzliches Paket wirtschaftlicher Hilfe bereitzustellen.

In der Erklärung des Außenministeriums der Volksrepublik China zu diesem Treffen wird eine Energiehilfe nicht erwähnt, jedoch wird betont, dass der chinesische Außenminister bei der Begegnung mit dem Leiter des ukrainischen Außenministeriums die Notwendigkeit unterstrichen habe, die chinesisch-ukrainischen Beziehungen in die richtige Richtung zu entwickeln.

Natürlich ist die humanitäre Energiehilfe, die die Volksrepublik China der Ukraine gewährt, nichts im Vergleich zu jener Unterstützung, die Peking an Moskau seit dem ersten Tag des großen russisch-ukrainischen Krieges leistet. Denn ohne den Ankauf russischen Öls, ohne chinesische Industriekomponenten – ganz zu schweigen von jenen Bauteilen, die im militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation verwendet werden – hätte Moskau kaum die Möglichkeit gehabt, diesen großen Krieg gegen die Ukraine vier Jahre in Folge fortzusetzen.

Aber allein die Tatsache des Treffens zwischen den Außenministern der Ukraine und der Volksrepublik China ist bereits ein wichtiges Signal dafür, dass China nicht möchte, dass man es eindeutig mit Russland und dessen aggressiven Absichten identifiziert. Und dass von einem Paket an Energiehilfe die Rede war, zeigt, dass man sich in Peking der Probleme bewusst ist, die in der Ukraine infolge der russischen Versuche entstanden sind, die ukrainische Energieinfrastruktur zu zerstören.

Das ist auch ein wichtiges Signal nicht nur für Kyiv, sondern ebenso für Moskau: „Ihr zerstört die ukrainische Energieversorgung, und wir helfen – zunächst auf diplomatischer Ebene und dann wirtschaftlich – den Ukrainern, nach euren brutalen Angriffen zu überleben.“

Natürlich ist dieses Signal nicht nur eines an die Ukraine und nicht einmal in erster Linie eines an Russland, sondern ein Signal an den Westen, dass China sich bewusst ist, dass auf dem Territorium der Ukraine weiterhin Krieg herrscht, dass China nicht die Augen vor dem Leid der ukrainischen Zivilbevölkerung verschließt und dass China seinen Wunsch demonstriert, dieser Bevölkerung zu helfen. Das heißt, dass China kein eindeutiger Verbündeter der Russischen Föderation ist. Und über das Bestreben der Führung der Volksrepublik China, nicht so wahrgenommen zu werden, spreche ich jedes Mal, wenn wir erörtern, wie Chinas Politik gegenüber Russland in Zukunft aussehen könnte.

China wird selbstverständlich weiterhin russisches Öl kaufen, um die Stabilität des russischen Regimes zu unterstützen – so wie es dies mit allen Regimen tut, die zu seinen Proxys geworden sind, etwa mit dem Regime im Iran oder zuvor mit dem Regime in Venezuela –, denn in Peking versteht man sehr gut, dass gerade von den chinesischen Käufen die Fähigkeit dieser Regime abhängt, sich ohne Reformen und Wahlen an der Macht zu halten.

Doch zugleich möchte China keineswegs, dass man es nicht nur als Sponsor dieser Regime, sondern auch als ihren Verbündeten wahrnimmt, der ihnen entgegen allen Normen der zivilisierten Welt hilft. Der Ankauf von Produkten ist das eine, schlicht Geld zu geben, damit Diktaturen überleben, ist etwas ganz anderes.

Zudem verfügt China gar nicht über solche überschüssigen Mittel, die es für eine derartige Unterstützung ausgeben wollte. Kredite – ja, sie schaffen eine Art Schlinge um den Hals jener, die chinesisches Geld annehmen und anschließend in Abhängigkeit von der Volksrepublik China geraten. Aber einfach Geld zu geben – selbst einem wichtigen Verbündeten – gehört nicht zur Tradition chinesischer Politik.

Außerdem versteht man in China sehr gut, dass schlicht Geld an Russland zu geben, eine Unterstützung des russisch-ukrainischen Krieges und der russischen Aggression gegen die Ukraine demonstrieren würde.

Auf westliche Vorwürfe kann man in Peking sagen, man kaufe russisches Öl, das die chinesische Wirtschaft brauche, und zudem zu günstigeren Preisen. Wenn es ein anderes Angebot gebe, werde China es immer nutzen.

Doch bei aller Zynik solcher Aussagen war es bis vor Kurzem nicht so einfach, Sanktionen gegen China wegen des Kaufs russischen Öls zu verhängen. Wie wir jedoch sehen, prüft man in Washington inzwischen die Möglichkeit sekundärer Sanktionen und droht Peking ständig mit einem Gesetz, das Donald Trump erlauben würde, Zölle gegen jene Länder zu verhängen, die weiterhin russisches Öl kaufen.

Aber ohne Öl – das ist eine ganz andere Situation. Das bedeutet eine garantierte Verhängung sekundärer Sanktionen. Es wäre ein klares Signal, dass Peking Moskau in diesem Krieg siegen sehen möchte und konkret eigenes Geld in diesen Sieg investiert. Und das könnte einen Bruch mit dem westlichen Markt bedeuten, zumindest eine Verringerung der Präsenz auf diesem Markt. Und das gerade zu einem Zeitpunkt, an dem China offensichtlich die Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union nutzen möchte, um auf europäischer Ebene eine größere Rolle zu spielen.

Auch politisch versucht China, seinen Einfluss in Europa auszubauen – etwa durch die Schaffung eines sogenannten „chinesischen Europas“ aus Ländern, die der chinesischen Präsenz gegenüber recht positiv eingestellt sind. Wir erinnern uns an den jüngsten Besuch Xi Jinpings in Europa, bei dem er neben Frankreich auch Ungarn und Serbien besuchte. Und an besondere Kontakte zu jenen Ländern, die Differenzen mit den Vereinigten Staaten haben und ihre strategische sowie wirtschaftliche Autonomie betonen wollen – in erster Linie Frankreich, aber auch Deutschland, Großbritannien und Italien.

Wir sehen, dass die Staats- und Regierungschefs all dieser Länder regelmäßig mit dem Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping, zusammentreffen. Und Peking muss die Möglichkeit haben, solche Treffen fortzusetzen, denn wenn offensichtlich würde, dass China Russland eindeutig und zudem mit eigenem Geld unterstützt, hätten die Europäer keine Chance mehr, den von ihnen eingeschlagenen Kurs fortzuführen – nämlich ein Gleichgewicht zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China in der Wirtschaft zu schaffen. Ein Gleichgewicht, das Donald Trump sehr missfällt, das den amerikanischen Präsidenten jedoch zwingt zu berücksichtigen, dass er Europa nicht einfach diktieren kann, wie es sich zu verhalten hat.

Und in dieser Situation verstehen wir sehr gut, dass sowohl das Treffen mit dem ukrainischen Außenminister als auch die Möglichkeit, über Energiehilfe für die Ukraine zu berichten, ein Beitrag Chinas nicht nur zu den Beziehungen mit unserem Land ist, sondern auch zu den Beziehungen mit Europa und damit auch zu den Beziehungen mit den Vereinigten Staaten.

Was die Russen betrifft, so verstehen wir sehr gut, dass man in Peking Russland trotz aller Erklärungen über eine strategische Partnerschaft bereits als ein Land wahrnimmt, das buchstäblich keine Alternative zur Volksrepublik China hat und daher gezwungen sein wird, jeden diplomatischen und wirtschaftlichen Schritt Chinas zu schlucken, sofern der Vorsitzende der Volksrepublik China entscheidet, dass solche Schritte zweckmäßig sind.


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Titel des Originals: Китай допоможе Україні | Віталій Портников. 13.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 13.02.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Der Untergang von Roy Medwedew | Vitaly Portnikov. 13.02.2026.

Der heute im Alter von 100 Jahren verstorbene Historiker und Publizist Roy Medwedew war wohl der bekannteste parteiinterne Dissident in den Breschnew- und Andropow-Jahrzehnten. Er schrieb Biografien von Parteiführern und äußerte sich kritisch zum Stalinismus. Bekanntlich wurden die Eltern von Roy Medwedew und seinem Zwillingsbruder Schares in der Stalinzeit repressiert. Er schien eine Stimme der Vernunft in jener historischen Kakophonie zu sein, die aus allen sowjetischen Lautsprechern dröhnte.

Und ich muss sagen, selbst in den Jahren der Perestroika war es ziemlich gefährlich und unberechenbar, mit Roy Medwedew zu sprechen. Das einzige ernsthafte Problem, das beinahe mit dem Ende meiner eigenen journalistischen Arbeit geendet hätte, war gerade mit einem Interview verbunden, das ich mit Roy Medwedew für die Zeitung „Molod Ukrainy“ führte.

Und dabei sprach ich damals mit einer ganzen Reihe von Menschen, die Ansichten äußerten, die der sogenannten offiziellen Parteilinie widersprachen. Und es gab nie ernsthafte Probleme. Doch hier erlaubte sich Roy Medwedew in diesem Interview nicht nur eine kritische Äußerung über Parteiführer, sondern erinnerte auch an die Biografie des damaligen Ersten Sekretärs des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Ukraine, Wladimir Schtscherbizki, der sein Amt noch immer innehatte.

Und genau hier begann ein echter großer Skandal. Mein Chefredakteur wurde ins Zentralkomitee des Komsomol einbestellt. Der Leiter des Zentralkomitees des Komsomol wiederum ins Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Ukraine. Schtscherbizki konnte sich nicht einmal vorstellen, dass in einer in Kyiv erscheinenden Zeitung jemand es wagen würde, seine Handlungen und Ansichten zu diskutieren.

Mit der Zeit jedoch wirkt es heute schlicht unanständig, von irgendeinem Dissidententum Roy Medwedews zu sprechen. Mit gewissem Erstaunen erinnere ich mich daran, wie Roy Alexandrowitsch mir von den KGB-Beobachtern vor seiner Wohnung erzählte, davon, wie er ständig überwacht wurde, wie schwierig es für ihn war, telefonisch mit seinem Bruder Schares in Kontakt zu treten, der sich im Ausland befand. Ein klassisches Leben eines Dissidenten unter Beobachtung.

Dennoch erlebte Medwedew das Ende der Perestroika in der Rolle eines Mitglieds des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Und kurz vor seinem Tod gab er der Zeitung „Moskowski Komsomolez“ ein Interview, in dem er praktisch alles verurteilte, wofür er in den Breschnew-Jahren gekämpft hatte, und den putinschen Krieg gegen die Ukraine unterstützte, indem er erklärte, Russland habe diesen Krieg nicht begonnen.

Ganz zu schweigen davon, dass er zu den Büchern, die er in sowjetischer Zeit geschrieben hatte, in der Putin-Ära Biografien sowohl Putins als auch Medwedews hinzufügte. Und erstaunlicherweise waren es komplementäre Biografien, in denen es nicht einmal den Hauch eines Analyseversuchs gab, den Medwedew auf sowjetische kommunistische Führer angewandt hatte. Von einem Hauch von Verurteilung ganz zu schweigen.

Und natürlich könnte man das als moralischen Untergang bezeichnen. Doch wenn man all das, was Medwedew in seinem früheren Leben schrieb und sagte, aufmerksam analysiert, muss man verstehen, dass er auf eine solche Wendung des Schicksals vorbereitet war.

Viele störte in der Sowjetunion das Fehlen von Freiheit, das Fehlen der Möglichkeit zur Selbstverwirklichung. Medwedew nahm den Staat, in dem er lebte, als parteiinternen Dissidenten wahr, der von einer Verbesserung der Partei träumte, wenn man so will, davon, dass diese Partei ein effektiveres Instrument zur Führung des Landes werde.

Eine echte Demokratie brauchte er nie. Deshalb war er auch Gegner des Akademikers Andrej Sacharow und konnte selbstverständlich den Zerfall des Sowjetimperiums nicht angemessen akzeptieren, denn als jemand, der die Schaffung des sowjetischen Staates in seiner sozusagen vorstalinistischen Form unterstützte, konnte er jeden Gebietsverlust als echte Katastrophe betrachten. In diesem Sinne stand er natürlich Putin nahe, der davon träumte, all dieses Territorium zurückzuholen.

Und es ist vollkommen offensichtlich, dass Medwedew die Putin-Zeit als eine Art Rückkehr zu jenen Formen der Staatlichkeit wahrnahm, die infolge der unfähigen Parteiführung und der Versuche echter Reformen verloren gegangen waren, die in Russland allerdings recht schnell versandeten.

Und dass ein Mensch, der einst das Idol der sowjetischen Intelligenz war, wenige Jahre vor seinem Tod im Grunde zum Apologeten der putinschen Politik wurde und zuvor nicht als Publizist auftrat, der wirklich auf den Untergang jeglicher russischer demokratischer Bestrebungen reagieren würde, ist für uns alle ebenfalls eine sehr gute Lehre.

In der Dissidentenbewegung gab es sehr unterschiedliche Menschen, die mit dem System keinen gemeinsamen Nenner fanden. Doch viele von ihnen wurden nicht nur von diesem System geformt, sie strebten danach, Teil davon zu werden.

Medwedew gelang dies in der letzten Phase der Existenz der Sowjetunion. Schon die Tatsache, dass ein Mensch, der noch vor kurzem Dissident gewesen war, zum Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei gewählt wurde, und dass er diese Wahl als selbstverständlich annahm, hätte das erste Warnsignal sein müssen.

Und dann begann das gewöhnliche Leben eines Menschen, der seinen Platz im System gefunden hatte – als Autor komplementärer Biografien und als jemand, der die staatliche Politik unterstützte. Und das darf man nicht auf das Alter schieben.

Vielleicht braucht ein Mensch, der hundert Jahre alt wird, einfach nichts mehr zu verbergen und sich nicht mehr um jene Reputation zu kümmern, die ihn jahrzehntelang für einen großen Teil des frei denkenden Publikums zu einem gefragten Autor gemacht hatte. Offensichtlich brauchte der gealterte Roy Medwedew dieses Publikum nicht mehr. Was er brauchte, war staatliche Anerkennung, die er nun offenbar als offizieller Biograf der letzten beiden russischen Präsidenten erhalten wird.

Doch das ist ein sehr zweifelhafter Ruhm. Ein Ruhm, der an den Zusammenbruch der Reputation eines Menschen erinnert, der noch vor kurzem als denkender und ernsthafter Autor wahrgenommen wurde, als eine der prägenden Figuren der sowjetischen Dissidentenbewegung.

Aber ich denke nicht, dass dies der Zusammenbruch des Mythos der sowjetischen Dissidenten selbst ist. Es ist vielmehr eine Erinnerung daran, wie widersprüchlich das Gefüge des Widerstands gegen das sowjetische Regime war und wie viele Menschen mit autoritärem Denken bis zu einem bestimmten Moment bereit waren, gegen dieses Regime zu kämpfen – und sich dann, wie es oft geschieht, von denen entfernten, die wirklich nach echter Freiheit strebten.


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Titel des Originals: Крах Роя Медведева | Виталий Портников. 13.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 13.02.2026.
Originalsprache: ru
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach, veröffentlicht auf uebersetzungenzuukraine.data.blog.


Vier Monate des Präsidenten Trump. Vitaly Portnikov. 12.02.2026.

https://hromada.us/uk/articles/2026/02/12/four-months-of-president-trump?fbclid=IwZnRzaAP8S8dleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEep0xd0uxBj8bz_NTXsL-dEeEVL2UD6CpeQ0oCMnWNZ_klg-dtln6-dLmoFGs_aem_enbZSxq1rTegIg1Y3YVtkA

Der Präsident der Vereinigten Staaten betonte, dass er dem russischen und dem ukrainischen Staatschef vier Monate Zeit gebe, um den Krieg zu beenden – und falls dies nicht geschehe, werde er den Druck sowohl auf Russland als auch auf die Ukraine erhöhen.

Die Unruhe von Präsident Trump ist nachvollziehbar. Bis zum Beginn der intensiven Phase des Wahlkampfs bleiben nur noch wenige Monate – und viele Anzeichen deuten auf eine mögliche „blaue Welle“ demokratischer Erfolge hin. Und Trump will ganz sicher nicht, dass den Republikanern während dieses Wahlkampfs die Zusage des Präsidenten vorgehalten wird, den russisch-ukrainischen Krieg schnell zu beenden. Im Gegenteil: Bei Wahlkampfveranstaltungen müsste er die Erfolge seiner Friedensbemühungen demonstrieren.

Doch wie logisch ist es, weiterhin beide Seiten – Opfer und Aggressor – für die Verzögerung des Prozesses verantwortlich zu machen? Schließlich sind es russische Truppen, die auf ukrainischem Territorium vorrücken und von Kyiv fordern, seine Streitkräfte aus Regionen abzuziehen, die die ganze Welt als untrennbaren Bestandteil der Ukraine anerkennt. Schließlich ist es der russische Präsident, der es für möglich hält, Bedingungen für eine echte humanitäre Katastrophe in ukrainischen Städten zu schaffen. Schließlich ist es Russland, das von der Ukraine verlangt, ihre eigenen Vorstellungen von der Zukunft aufzugeben.

Wenn man Druck auf die Ukraine ausübt – was kann man damit erreichen? Welche Entscheidungen soll die ukrainische Führung treffen, um zur Beendigung des Krieges beizutragen? Den Widerstand gegen die russische Aggression einstellen? Zustimmen, dass Russland so viel Territorium erhält, wie Putin wünscht? Auf die eigene Souveränität verzichten?

Die Worte, dass Putin diesen Krieg ebenso leicht beenden kann, wie er ihn begonnen hat, sind keine Metapher, sondern Realität. Wenn der russische Präsident aus welchen Gründen auch immer entscheidet, dass man „einfach aufhören muss zu schießen“, wird der Krieg ohne jeglichen Druck auf die Ukraine enden. Und ich verrate ein Geheimnis, das dem amerikanischen Präsidenten offenbar nicht gefallen dürfte: In einem solchen Fall käme Putin ohne Vermittler aus. Er bräuchte Trump schlichtweg nicht.

Deshalb sollte man nicht auf beide Seiten Druck ausüben. Druck muss auf den Aggressor ausgeübt werden. Druck muss auf Russland ausgeübt werden. Man muss der Ukraine helfen, neue Sanktionen verhängen, um die russische Wirtschaft weiter zu erschöpfen und in den Zusammenbruch zu treiben, Kyiv weitreichende Waffen liefern, um russische strategische Objekte zu zerstören und Putins Ölraffinerieindustrie „zu beerdigen“. Und dann werden Voraussetzungen für Frieden entstehen – vielleicht nicht in den vier Monaten, die für den US-Präsidenten im Kontext des Wahlkampfs wichtig sind. Aber sie werden entstehen!

Die Idee, auf beide Konfliktparteien Druck auszuüben, ist ein offensichtlicher Fehler. So wie es ein Fehler war zu hoffen, dass die Wiederaufnahme hochrangiger russisch-amerikanischer Kontakte und die Reisen von Sondergesandten Donald Trumps nach Moskau Putins Bereitschaft fördern würden, den Krieg zu beenden. Denn der russische Präsident nimmt jedes Bestreben zu reden und zu verhandeln gewöhnlich als Zeichen von Schwäche wahr – und als Gelegenheit, den Gegner zu täuschen und „weiter unter Druck zu setzen“. Genau diese Entwicklung beobachten wir im letzten Jahr.

Doch Fehler werden gemacht, um sie später zu korrigieren. Wenn Donald Trump wirklich möchte, dass seine Friedensbemühungen Ergebnisse bringen und er im Wahlkampf der Republikaner auf dieses Ergebnis – also das Ende des russisch-ukrainischen Krieges – verweisen kann, dann muss er genau verstehen, was zu tun ist.

Nicht der Ukraine und Russland mit Druck in vier Monaten drohen, sondern Putin schon jetzt unter Druck setzen. So unter Druck setzen, dass dem russischen Präsidenten keine Alternative bleibt, als die Entscheidung zu treffen, aufzuhören zu kämpfen, zu töten und zu bombardieren.


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Titel des Originals: Vier Monate des Präsidenten Trump. Vitaly Portnikov. 12.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 12.02.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Krokodilstränen des IOC. Vitaly Portnikov. 13.02.2026.

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Die Präsidentin des IOC, Kirsty Coventry, brach nach der Disqualifikation des ukrainischen Athleten in Tränen aus. Aber diese Krokodilstränen interessieren mich ehrlich gesagt kaum. Denn etwas Ähnliches habe ich bereits seit dem Moment ihrer Wahl zur IOC-Präsidentin erwartet.

Coventry ist bekanntlich Vertreterin Simbabwes. Ihr Vorgänger Thomas Bach war bei all seinen umstrittenen Entscheidungen ein deutscher Sportmanager und sogar liberaler Politiker. In Ländern wie Deutschland muss man sich schlicht um seinen Ruf kümmern.

Coventry hingegen, einst eine bekannte Schwimmerin, war in die Machtstruktur eines totalitären Staates integriert. In eine Macht, die Menschen tötete, Proteste niederschlug und Gegner vernichtete. Und sie war dort nicht einfach irgendeine gesellschaftliche Aktivistin – sie war Ministerin. Ja, bereits nach Mugabe, der sie einst sein „goldenes Mädchen“ nannte. Aber es ist dasselbe Regime. An die Verbindungen dieses Regimes zu Moskau erinnere ich nicht einmal ausdrücklich.

Schon damals hatte ich die Frage, wie man eine Person aus einem totalitären Land an die Spitze der olympischen Bewegung wählen kann. Denn auch das ist eine weitere Spezialoperation. Und die Folgen beginnen wir gerade erst zu sehen.


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Autor / Verfasser / Kanal: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 13.02.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Financial Times: Zelensky bereitet Wahlen vor | Vitaly Portnikov. 11.02.2026.

Die Zeitung Financial Times behauptet, dass der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, bereits am 24. Februar, dem Jahrestag des Angriffs russischer Truppen auf die Ukraine, die Möglichkeit der Durchführung von Wahlen und eines Referendums ankündigen werde, das mit einem Friedensabkommen verbunden sein soll, das angeblich bei Verhandlungen zwischen der russischen und der ukrainischen Delegation unter Vermittlung des Weißen Hauses abgestimmt wird. Gerade das Weiße Haus drängt auf die Durchführung solcher Wahlen und eines Referendums und spricht von einer Frist bis zum 15. Februar.

Natürlich kann man jetzt sagen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, weiterhin auf ein rasches Ende des russisch-ukrainischen Krieges hofft, um seine friedensstiftenden Erfolge im Wahlkampf für den US-Kongress zu demonstrieren, der bekanntlich mit den Zwischenwahlen im November 2026 seinen Abschluss finden soll. Wie wahrscheinlich jedoch die Informationen der britischen Journalisten sind, lässt sich derzeit nur schwer sagen.

Im Büro des Präsidenten der Ukraine wurde die Möglichkeit einer solchen Erklärung Zelenskys nicht bestätigt. Eine Quelle aus dem Umfeld des Präsidenten betonte, solange es keine Sicherheit gebe, könne es auch keine Ankündigung von Wahlen geben. Dabei gehe es gerade um Sicherheit als solche und nicht um Sicherheitsgarantien, von denen im Artikel der Financial Times ebenfalls die Rede ist.

Die Zeitung besteht darauf, dass das Weiße Haus die Durchführung von Wahlen und eines territorialen Referendums in der Ukraine mit amerikanischen Sicherheitsgarantien verknüpft. Aber was würden diese Garantien tatsächlich bedeuten? Und vor allem: Würde die russische Seite solchen Garantien zustimmen, die im Falle einer Wiederaufnahme des Konflikts ein direktes Eingreifen der US-Armee in den russisch-ukrainischen Konflikt vorsehen würden?

In Wirklichkeit ist nichts bekannt. Eher handelt es sich um Wünsche aus Washington und Kyiv, die zweifellos auf harten Widerstand Moskaus stoßen würden. Vertreter der russischen Führung verbergen bereits jetzt ihre Enttäuschung über das gegenwärtige Vorgehen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump nicht. Und natürlich bleiben grundlegende Fragen ungelöst, die Putin als Voraussetzungen nicht einmal für ein Friedensabkommen, sondern schon für Verhandlungen über dessen Unterzeichnung bezeichnet.

Es geht selbstverständlich um den Abzug der ukrainischen Truppen aus jenem Teil der Gebiete Donezk und Luhansk, der weiterhin von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert wird, sowie um das Schicksal des Kernkraftwerks Saporischschja, dessen Kontrolle Putin natürlich vor dem Hintergrund der fortgesetzten Zerstörungen in der ukrainischen Energiewirtschaft behalten will. Und irgendwelche realen Anzeichen dafür, dass der Präsident der Russischen Föderation bereit wäre, von irgendeiner seiner maximalistischen Vorstellungen darüber abzurücken, wie der russisch-ukrainische Krieg beendet werden soll, beobachten wir bislang nicht.

Ebenso erscheint die Idee selbst, dass der Präsident der Ukraine Wahlen und ein Referendum ankündigt, die bereits im kommenden Monat stattfinden sollen, reichlich unrealistisch. Erstens müsste zur Durchführung von Wahlen und eines Referendums, das mit ukrainischem Territorium verbunden ist – wobei ich sofort sagen will, dass die Verfassung der Ukraine weder den Bürgern noch dem ukrainischen Parlament grundsätzlich das Recht gibt, über Fragen unserer territorialen Integrität zu entscheiden –, jedenfalls das Kriegsrecht aufgehoben werden. Eine Aufhebung des Kriegsrechts unter den Bedingungen eines andauernden russisch-ukrainischen Krieges, ständiger russischer Angriffe auf ukrainische Städte und Kämpfe an der Frontlinie ist jedoch kaum vorstellbar.

Ebenso wenig erscheint es realistisch, dass der Präsident der Russischen Föderation einer Beendigung der Kampfhandlungen auch nur für kurze Zeit zustimmen würde, damit die Ukraine das Kriegsrecht aufheben und Wahlen sowie ein Referendum durchführen kann. Selbst wenn man sich in einer Art science Fiktion Fernsehserie vorstellt, dass Putin von seiner Idee abrückt, zuerst einen Friedensvertrag und erst danach einen Waffenstillstand zu schließen, um vollwertige Präsidentschaftswahlen in der Ukraine und ein mit dem Friedensabkommen verbundenes Referendum abzuhalten, würde dafür Zeit benötigt, die sich kaum in einige Wochen von März bis Mai pressen ließe – ganz zu schweigen vom elementaren Fehlen von Haushaltsmitteln im ukrainischen Budget für die Durchführung solcher Wahlen.

Und wir dürfen nicht vergessen, dass in einer solchen Situation völlig unklar ist, wie ein Wahlkampf ablaufen soll. In einem demokratischen Land – und die Ukraine ist ein demokratisches Land – müssen Wahlen konkurrenzfähig sein. Die Financial Times bringt die Präsidentschaftswahlen generell mit Zelenskys Wunsch in Verbindung, für eine weitere Amtszeit wiedergewählt zu werden. Und ich betone, dass gerade das Jahr 2026, falls die Wahlen in absehbarer Zeit stattfinden, dem ukrainischen Präsidenten eine solche Möglichkeit eröffnen würde.

Wenn jedoch die ukrainischen Behörden den überwiegenden Teil des Informationsraums des Landes kontrollieren und potenzielle Konkurrenten des Präsidenten entweder nicht zu den Wahlen zugelassen werden – weil Krieg herrscht und sie sich ihren Amtspflichten widmen müssen – oder keine reale Möglichkeit erhalten, ihre Programme und Vorstellungen darüber darzulegen, wie sich die Situation der Ukraine im russisch-ukrainischen Krieg entwickeln soll, schlicht weil der Fernsehraum vom Büro des Präsidenten monopolisiert wird, dann würden solche Wahlen des Staatsoberhauptes zu einem gewöhnlichen Plebiszit werden, das lediglich den Fortbestand der Vollmachten Volodymyr Zelenskys für eine weitere Amtszeit bestätigen soll.

Doch auch das ließe sich als Wille des ukrainischen Volkes betrachten. Schließlich haben die Ukrainer Zelensky 2019 zum Präsidenten gewählt. Und wer hat gesagt, dass ein großer Teil der ukrainischen Wähler nicht erneut für ihn stimmen würde?

Nur werden Präsidentschaftswahlen sowohl von Putin als auch von Donald Trump benötigt, um Zelensky aus der politischen Bühne der Ukraine zu entfernen – aus einem einfachen Grund. Sowohl der russische als auch der amerikanische Präsident haben sich selbst davon überzeugt, dass es mit einem nächsten Führer des ukrainischen Staates wesentlich leichter sein werde, sich auf irgendwelche kompromisshaften Bedingungen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu einigen, die sowohl den Kreml als auch das Weiße Haus zufriedenstellen würden – oder genauer gesagt: die den Kreml zur Freude des Weißen Hauses zufriedenstellen würden.

Ähnliches gab es 2019, als Putin sich davon überzeugte, dass die Entfernung des vorherigen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko von der politischen Bühne es ihm ermöglichen würde, Volodymyr Zelensky zu einer Kapitulation zu zwingen, die man in westlichen Hauptstädten damals eher als Bereitschaft zu konstruktiven Verhandlungen mit Moskau wahrnahm. Und es ist daran zu erinnern, dass damals sowohl der russische Präsident als auch westliche Führer, die im Zusammenhang mit der Wahl eines neuen Präsidenten der Ukraine neue Perspektiven für russisch-ukrainische Vereinbarungen sahen, sich schlicht getäuscht haben.

Denn jenseits von Wahlergebnissen steht die feste Vorstellung der ukrainischen Gesellschaft, dass die Ukraine weder verkauft noch zu einem russischen Satelliten gemacht werden darf. Und zweifellos würden selbst im Falle von Präsidentschaftswahlen, die mit einem Wechsel des ukrainischen Präsidenten enden, Putin und Trump sich – wie 2019 – erneut täuschen.

Daher gibt es keinen praktischen politischen Sinn in der kurzfristigen Durchführung von Präsidentschaftswahlen in der Ukraine und in der Hoffnung, dass die Ukrainer in einem Referendum die Übergabe ihres eigenen Territoriums an Russland billigen würden. Es gibt jedoch offensichtlichen Druck aus dem Weißen Haus, wo viele glauben, dass gerade ein solcher Verlauf der Ereignisse den russisch-ukrainischen Krieg beenden könnte. Obwohl offensichtlich ist, dass das einzige reale Rezept für ein Ende dieses Krieges in absehbarer Zukunft nicht der Versuch ist, ukrainische Wahlen abzuhalten, sondern die Möglichkeit eines harten, unablässigen und dauerhaften Drucks auf Russland und seine Wirtschaft.


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Titel des Originals: Financial Times: Зеленський готує вибори | Віталій Портников. 11.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 11.02.2026.
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Wir werden den Krieg noch lange ausatmen. Iryna Hovorucha.

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Wir werden den Krieg noch lange ausatmen. Vielleicht ein Dutzend oder einhundert Jahre lang. Wir werden am Rand zwischen Rechten und Unrechten balancieren. Zwischen Helden und Verrätern. Gewissenhaften und Gewissenlosen. Mutigen und Feiglingen. Patrioten und Angepassten. Am Ende wird jeder bei seiner eigenen Wahrheit und seinem eigenen Zorn bleiben. Mit seinem eigenen Satz an Ansichten, Überzeugungen und Standpunkten.

Noch viele Jahre werden Streit, Vorwürfe und Auseinandersetzungen aus jedem Anlass andauern. Denn der Krieg trägt schwere Schwingungen und Prüfungen in sich. Am Ende werden jene, die im Hinterland gearbeitet haben, diejenigen, die einen Mörser geladen haben, niemals vollständig verstehen. Die mit beiden Beinen werden die Beinlosen nicht verstehen. Die im Ausland Lebenden – jene, die geblieben sind. Manche werden ohne einen Kratzer aus dem Krieg hervorgehen, andere werden die Nächsten begraben. Einige werden in dieser Zeit reich werden, andere alles bis zum letzten Faden verlieren. Damit werden wir leben müssen. Ziemlich lange. Bis zum Lebensende.

Sie wurde im Oktober aus der Gefangenschaft entlassen. Die Frau verbrachte lange 187 Tage in Gefangenschaft und kehrte weiß wie Schnee zurück. Ohne Zähne, ohne Kraft, ohne Antrieb. Noch immer schläft sie nachts nicht, denn jede Nacht stürmten die Raschisten in die Zelle, rissen sie auf die Beine und zwangen sie, die Hymne Russlands zu singen. Bis zu dreißig Mal pro Nacht führten sie sie hinaus. Die Gefangenen hatten keine Möglichkeit, sich zu waschen, medizinische Hilfe oder menschliche Nahrung zu erhalten. Einige gingen zur Arbeit (sie arbeiteten als Näherinnen) und bekamen dafür eine Rolle Toilettenpapier. Sie schmuggelten festen Faden heraus und korrigierten sich damit gegenseitig die Augenbrauen. In Oleniwka zogen sie sie bis auf die Unterwäsche aus und gaben ihnen dann dreißig Sekunden zum Anziehen. Sie amüsierten sich, indem sie zusahen, wie die Unglücklichen versuchten, in ihre Hosen zu springen, und warnten: „Schaffst du es nicht, gehst du so.“ In einer Zelle, die für sechs Personen ausgelegt war, befanden sich vierzig. Danach – Walujki, Taganrog, Gebiet Brjansk. Unerträglich war die Sehnsucht nach Bonbons. Nach einem Apfel. Nach einer Gurke. Unerträglich war die Sehnsucht nach Hause.

Dmytro (ein junger Mann aus Wolhynien) ist erst 22 Jahre alt. Derzeit liegt er mit einer schweren Verwundung im Krankenhaus. An jenem Tag schlug bei der Ausführung eines Auftrags ein Schuss aus einer „Akazija“ ein und explodierte wenige Meter entfernt. Einer hatte Glück und konnte weglaufen, Dmytro deckte seinen Kameraden mit seinem Körper, doch leider überlebte dieser nicht. Er starb im Evakuierungsfahrzeug. Sein eigenes Bein wurde ihm abgerissen und versetzte ihm einen spürbaren Schlag. Das andere erinnerte an ein Suppenpaket.

Heute fühlt er sich nicht gut. Das linke Bein ist weg, das rechte konnte man zusammensetzen. An der linken Hand ist nur noch ein Finger übrig, aber das macht nichts. Einmal kam ein Freiwilliger mit einer Gitarre. Der Verwundete setzte sich mühsam auf (der junge Mann trug eine Windel, Sepsis, hohes Fieber) und bat, Skryabin zu spielen. Mit einem Finger scrollte er den Text auf dem Handy und sang: „Mama, verzeih mir, dass ich erwachsen geworden bin.“ Beinlos, mit Metall vollgestopft, mit einem Kreuz auf der Brust…

Eine Familie aus einem kleinen Dorf im Gebiet Saporischschja geriet faktisch vom ersten Tag an unter Besatzung. Sie hatten alles: ein Haus, einen Gemüsegarten, einen Weinberg. Sie bauten die Sorten „Arkadia“ und „Kodrjanka“ an. Sie zogen ihre Enkel groß. Und dann – auf einmal Krieg. Wohin man auch blickte – überall feindliche Fratzen. Wegzufahren gelang erst beim fünften Versuch: Sie stellten sich um sechs Uhr morgens in die Schlange und standen darin bis tief in den Abend. Als sie zum Kontrollposten kamen, hörten sie gleichgültiges: „Nicht erlaubt“, – und kehrten zurück. Sie wunderten sich über die Verräter: Diese dienten dem Feind freiwillig, obwohl sie hier geboren und getauft worden waren. Gestern noch waren sie Zootechniker und Traktoristen, heute – Raschisten-Polizisten.

Man nahm sie im Gebiet Tscherkassy auf. Man empfing sie wie Verwandte, stellte ihnen ein Haus zum Wohnen zur Verfügung. Eines Tages humpelte eine Großmutter zu den Vertriebenen und brachte in einem Bündel Rote Bete, Kartoffeln, Knoblauch. Ihr Rücken ist gebeugt, Ihre Hände haben sich vom Säen, Jäten und Graben gekrümmt, und nun teilte sie das Angebaute mit denen, denen es noch schlechter geht. Sie nahmen es und weinten…

Wir werden den Krieg noch lange ausatmen. Bis zum Lebensende…


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Autor: Iryna Hovorucha
Veröffentlichung / Entstehung: 06.02.2026
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Verhandlungen und neue Forderungen Trumps: wie geht es weiter | Vitaly Portnikov. 08.02.2026.

Diese Woche war erneut von Erwartungen und Hoffnungen geprägt, im Zusammenhang mit dem Verhandlungsprozess, dessen Zeugen wir alle in den letzten Monaten sind – man kann sagen: seit dem Zeitpunkt, als im Medium Axios unerwartet der sogenannte Friedensplan der Vereinigten Staaten mit 28 Punkten erschien, der dann von den amerikanischen und ukrainischen Präsidenten diskutiert wurde, anschließend mit den Europäern besprochen wurde und später zu einem Plan mit 20 Punkten wurde, den US-Präsident Donald Trump angeblich dem russischen Präsidenten Wladimir Putin präsentieren wollte.

Und jetzt befinden wir uns in einer Situation, in der dieser Plan bereits von Verhandlungsgruppen besprochen wird. Und wir befinden uns in einer Situation, in der diese Verhandlungsgruppen nicht aus Ideologen des russischen Chauvinismus bestehen – was übrigens Teil von Putins Plan sowohl 2022 als auch 2025 war. Erinnern Sie sich: Damals stand an der Spitze der russischen Verhandlungsgruppe der ehemalige Kulturminister der Russischen Föderation Medinski, einer der Autoren des Konzepts der Wiederherstellung des Russischen Imperiums und der Nicht-Existenz des ukrainischen Volkes. Jetzt sitzen dort Generäle und Vertreter der Geheimdienstgemeinschaft. Es wirkt, als sei alles viel konkreter. Und deshalb wecken solche Verhandlungen sowohl Erwartungen als auch Hoffnungen.

Aber wir müssen uns eine ziemlich einfache Sache klarmachen: Präsident Putin ist bereit, jede Kulisse aufzubauen, um die politischen Fragen zu lösen, die für ihn tatsächlich dringend sind. Und unter diesen politischen Fragen steht keineswegs das Ende des Krieges gegen unser Land, sondern vor allem der Versuch, die Wirkung des westlichen Drucks auf die Russische Föderation zu verringern.

Tatsächlich kann das Jahr 2026 zu einem Jahr werden, in dem die russische Wirtschaft reale, ernste, offensichtliche Probleme bekommt. Zwar hat niemand gesagt, dass die Anhäufung dieser Probleme gerade 2026 zum Ende des russisch-ukrainischen Krieges führen muss. Doch, wie jeder Staatschef, möchte Putin, dass es weniger solcher Probleme gibt. Und er versteht sehr gut, dass der Löwenanteil dieser Probleme vor allem mit dem Widerstand der Ukrainer gegen die russische Aggression zusammenhängt und natürlich damit, dass der Westen der Ukraine weiterhin hilft, dieser Aggression standzuhalten.

Was bedeutet das praktisch? Praktisch bedeutet es, dass Putin einen recht einfachen und verständlichen Plan haben kann. Der erste Teil dieses Plans besteht darin, dass der Vernichtungskrieg gegen die Ukraine in einer Destabilisierung des Nachbarstaates enden soll – mit dem Zerfall staatlicher Institutionen, dem Zusammenbruch der Streitkräfte. Und so wird die Russische Föderation selbst ohne besondere militärische Erfolge jene Aufgabe erfüllen können, die Putin sich bereits im fernen Jahr 2000 stellte, als der Föderale Sicherheitsdienst Russlands ihn auf das Amt des Präsidenten der Russischen Föderation brachte.

Diese Aufgabe heißt: den „Fehler von 1991“ korrigieren, also die Russische Föderation in die Grenzen der Sowjetunion zurückführen – vielleicht ohne die baltischen Länder. Und Putin hofft weiterhin darauf. Obwohl mir scheint, dass diese vier Jahre des großen russisch-ukrainischen Krieges ihn hätten davon überzeugen müssen, dass Moskau schlicht nicht über reale Ressourcen und Möglichkeiten verfügt, diese Aufgabe zu erfüllen.

Die zweite Aufgabe kann wesentlich konkreter aussehen: Putin versucht, den amerikanischen Präsidenten Donald Trump von neuem Druck auf die Russische Föderation abzuhalten, von neuen Sanktionen, die für die russische Wirtschaft alles andere als ein Geschenk wären. Um Trump von Sanktionen abzuhalten, imitiert Putin selbstverständlich einen Verhandlungsprozess, um seine Bereitschaft zu zeigen, Frieden zu suchen.

Im Grunde sind auch wir – im Bewusstsein, dass Russland keinerlei Wunsch nach Frieden hat – gezwungen, an einem Verhandlungsprozess teilzunehmen, der sehr oft nicht wie ein wirklicher Verhandlungsprozess aussieht. Und wir verstehen sehr gut: Würde sich die ukrainische Delegation etwa diesen Verhandlungsrunden entziehen – noch dazu unter Beteiligung von Steve Witkoff und Jared Kushner –, würde Trump bereitwillig sagen: „Seht ihr, die Ukrainer wollen im Grunde gar keine reale Friedensvereinbarung. Putin will den Krieg beenden, aber die Ukrainer wollen nicht.“ Und so sind wir faktisch Geiseln dieses imitierten Prozesses.

Bis wann würde Putin solche Verhandlungen imitieren wollen? Die Frist ist völlig offensichtlich: bis Januar 2029. Das ist überhaupt Putins einfacher Ansatz gegenüber westlicher Politik: den Opponenten aussitzen und dann entscheiden, wie man die eigene Politik gegenüber dessen Nachfolger gestaltet. Daran ist nichts Neues oder Fantastisches.

Als US-Präsident Joe Biden 2022 ziemlich scharf auf Putins großen Krieg gegen die Ukraine reagierte, fragten viele: „Wird Putin unter dem Druck der Sanktionen irgendeine Vereinbarung mit den Vereinigten Staaten eingehen? Wird er zumindest versuchen, seine Bereitschaft zu einem Verständnis mit den Amerikanern zu demonstrieren?“ Doch den meisten Beobachtern wurde klar: Putin will Biden einfach aussitzen und sehen, was nach Biden kommt.

Jetzt hat die russische Führung dieselbe Aufgabe: zu sehen, was nach Trump kommt, und dann zu entscheiden, was mit dem Krieg zu tun ist. Eine andere, durchaus naheliegende Frage: Reichen Putin die Ressourcen, um bis Januar 2029 auf einen neuen amerikanischen Präsidenten und eine neue Wende im russisch-amerikanischen Dialog zu warten? Denn vergessen Sie nicht: Für Putin ist der russisch-amerikanische Dialog viel wichtiger als Verhandlungen mit der Ukraine und sogar als Kontakte zu den Europäern.

Ich bin nicht sicher, dass Putin genügend Ressourcen hat. Mehr noch: Putin selbst ist sich nicht sicher. Genau deshalb hat der Abnutzungskrieg eine solche Schärfe gewonnen – weil Putin hofft, dass die Kapitulation der Ukraine und das Verschwinden unseres Staates von der politischen Landkarte der Welt noch während Trumps Präsidentschaft es ihm erlauben werden, nicht bis 2029 zu warten, sondern die wirtschaftlichen Beziehungen zu Washington bereits als „souveränes Territorium von Uschhorod bis Wladiwostok“ wiederherzustellen.

Aus Putins Sicht sollen die Ukrainer selbst die Entscheidung treffen, den ukrainischen Staat aufzugeben und auf ukrainische Staatlichkeit zu verzichten – nach dem „Cholodomor“ und den Prüfungen, die er dem ukrainischen Staat bereitet. Das mag ein vages Ziel sein, aber für Putin Putin ist dies zumindest maßgeblich. Und wiederum: Es ist oft vorgekommen, dass totalitäre Staaten, die von derartigen unrealistischen und dogmatischen Entscheidungen geprägt waren, der gesamten Anspannung ihrer militärisch-wirtschaftlichen Maschine nicht standhielten und früher zusammenbrachen als ihre Opfer.

Auch im russisch-ukrainischen Krieg kann das, wie wir sehr gut verstehen, so geschehen – denn es gibt den Eindruck, dass Putin diese wirtschaftlichen Prozesse in Russland im Grunde ignoriert. Sie können anfangs langsamer oder schneller verlaufen, aber irgendwann zu jenem Zusammenbruch mit unerwarteten Folgen führen, den wir alle sahen, als vor unseren Augen – vor den Augen der Menschen, die in der Sowjetzeit lebten – die Sowjetunion von der politischen Landkarte der Welt verschwand. Sie verschwand ja nicht einfach – sie war bereits wirtschaftlich verschwunden. Auch das muss man im Kopf behalten.

Und natürlich kann man sagen, dass die Russische Föderation ein um ein Vielfaches größeres „Polster“ hat als die Sowjetunion – schon deshalb, weil es eine Marktwirtschaft ist. Doch auch eine Marktwirtschaft kann, wie wir sehen, voluntaristische Entscheidungen nicht überstehen. Und die Umwandlung einer Wirtschaft in eine Kriegswirtschaft bei sinkenden Energieeinnahmen ist, glauben Sie mir, ist eine voluntaristische Entscheidung.

Mit Putin ist im Grunde alles klar. Schon als er diesen Krieg 2014 begann, war es ein Krieg, an dessen Ziel die ukrainische Staatlichkeit verschwinden und der russische Staat sich auf ehemalige Sowjetrepubliken ausdehnen sollte.

Aber was will Trump? Jetzt tauchen Informationen auf, wonach der amerikanische Präsident angeblich von der Notwendigkeit spricht, den Krieg so schnell wie möglich zu beenden, weil er sich sonst einfach nicht mehr mit diesem Thema befassen könne und gezwungen sei, sich auf die Zwischenwahlen zu konzentrieren.

Trump selbst bestätigt das im Grunde, wenn er sagt, er habe Putin und Zelensky vier Monate gegeben, um den Krieg zu beenden, und danach werde er Druck auf beide ausüben. Das bestätigt, dass er zum Höhepunkt der Wahlkampagne bereits ein konkretes Ergebnis im russisch-ukrainischen Krieg haben möchte – so etwas wie einen Abschluss.

Aber ich möchte darauf aufmerksam machen, dass Trumps Aussage über neuen Druck sich etwas von jenen Aussagen unterscheidet, die wir zuvor in den Medien sahen – wonach die Vereinigten Staaten aus dem Verhandlungsprozess aussteigen würden, wenn Trump in den nächsten Monaten keinen Erfolg erzielen könne. Genau das sollte man nicht erwarten. Sie werden sich aus diesem Prozess nicht zurückziehen. Warum? Aus der Logik des Verhandlungsprozesses und des Wahlprozesses – das folgt gleichzeitig daraus.

Die Frage Russland–Ukraine wird immer Teil jener politischen Fragen sein, die den Republikanern und Trump natürlich ebenso bei jedem Medientermin gestellt werden. Und das können Sie sehen: Denn die Tatsache, dass der US-Präsident sowohl in seinem Wahlkampf als auch unmittelbar nach seinem Amtsantritt wieder sagte, er könne den russisch-ukrainischen Krieg beenden, sollte zeigen, dass Trump fähig ist, Probleme zu lösen, die die vorherige Administration nicht lösen konnte. Und so stellte er es auch dar: „Biden konnte das nicht. Wäre ich Präsident gewesen, hätte dieser Krieg gar nicht begonnen, aber ich würde ihn leicht beenden.“

Es ist inzwischen mehr als ein Jahr vergangen, seit Trump im Weißen Haus ist – und es gibt keine realen Fortschritte. Und man kann sagen: Putin, der verstanden hat, dass er Trump hinsichtlich militärischer Hilfe für unser Land nicht besonders beachten muss, verstärkt sogar seine Angriffe gegen die Ukraine und denkt über Möglichkeiten eines hybriden Krieges gegen den Westen nach, wodurch neue ernsthafte Risiken für die zivilisierte Welt entstehen.

Und das ist ein Argument im Wahlkampf. Eine Person, die ihre Versprechen nicht erfüllt, verdient es im Grunde nicht, dass die von ihr unterstützten Menschen bei Kongresswahlen ins Repräsentantenhaus oder in den Senat kommen und dort arbeiten. Und Trump versteht das Ausmaß dieser Bedrohung sehr gut. Denn man muss verstehen: Wir sprechen jetzt von einer Welle, die die Demokraten tatsächlich nutzen können, um die Kontrolle über das Repräsentantenhaus zu übernehmen und zumindest Trumps innenpolitischen Kurs stark zu bremsen. Und der US-Präsident tut bereits vieles, damit das nicht geschieht.

Ein grundlegender Punkt ist der Versuch, das Wahlverfahren in allen US-Bundesstaaten zu standardisieren – ein realer Angriff auf den amerikanischen Föderalismus, der zu einem der wichtigsten politischen Präzedenzfälle der gesamten US-Geschichte werden könnte. Und wenn der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten in dieser Situation auf die Seite Donald Trumps tritt, kann das zu unerwarteten Folgen für die amerikanische Staatlichkeit selbst führen. Aber das liegt noch vor uns.

So oder so: Selbst bei einer gewissen Standardisierung der Wahlparameter können die Demokraten das Repräsentantenhaus gewinnen. Für Trump wäre es aber am schlimmsten, wenn sie auch noch den Senat gewinnen – denn das würde, angesichts all dessen, was er in seinem ersten Jahr als US-Präsident beschlossen hat und bis November 2026 noch beschließen wird (und ich versichere Ihnen: es wird noch viele Entscheidungen revolutionären Charakters geben, die Amerika auf den Kopf stellen), bedeuten, dass Trumps politische Karriere beendet wäre. Und er versteht das sehr gut, wenn er sagt, dass die Demokraten ihm ein Amtsenthebungsverfahren eröffnen werden, falls sie die Kontrolle über den ganzen Kongress übernehmen – er scherzt natürlich nicht, denn das ist Realität.

Also muss Trump viele unangenehme Fragen vermeiden. Die Frage des russisch-ukrainischen Krieges – in einer Situation, in der die Mehrheit der republikanischen Wähler und die Mehrheit der demokratischen Wähler die Ukraine unterstützt und Russland nicht unterstützt, jene vielleicht unlogischen, vielleicht aber völlig verständlichen Sympathien Trumps für Putin nicht teilt – ist, auch wenn sie nicht die oberste Priorität der Wähler ist, ein starkes Thema. Und selbst wenn Trump in diesen Monaten keinen realen Fortschritt erreicht, kann er den Verhandlungsprozess nicht verlassen. Der Verhandlungsprozess wird ohnehin weitergehen.

Für uns ist aber wichtig, dass Trump diesen Verhandlungsprozess nicht gemeinsam mit Putin imitiert – dass es nicht zu einer Entwicklung kommt, bei der Trump ebenfalls Verhandlungen imitiert, erzählt, wie wunderbar sie sind, wie großartig alles gelöst wird, während es in Wirklichkeit keinerlei reale Ergebnisse gibt. Denn die Amerikaner verstehen, dass die Russen zu keinen Kompromissen bereit sind, und die Russen imitieren diese „Kompromisse“, wenn man es so nennen kann, nur um – wie ich sagen würde – im Kontakt mit den Amerikanern zu bleiben.

Nun zu den Punkten, die man jetzt als die wichtigsten in diesem Verhandlungsprozess bezeichnet: Territorium und das Kernkraftwerk Saporischschja. Man muss klar verstehen, dass auch das bis zu einem gewissen Grad eine imitierte Realität ist. Warum? Weil wir sehr gut verstehen: Putin hätte diesen Krieg kaum begonnen, kaum so viele Menschenleben und wirtschaftliche Ressourcen geopfert und sich westlichen Sanktionen ausgesetzt, nur um die Kontrolle über einen Teil des Gebiets der Donezker Oblast zu bekommen. Wenn Putin der Teil des Donezker Gebiets, der heute vom legitimen ukrainischen Staat kontrolliert wird, überhaupt „wichtig“ ist, dann nur als strategisches Sprungbrett für Angriffe auf weitere ukrainische Regionen.

Aber, wie ich schon oft gesagt habe und wiederholen möchte: Man soll keine Illusionen hegen, dass, wenn die Ukraine plötzlich zu Putin sagt: „Ja, nehmt diese Gebiete“, der Krieg sofort endet. Erstens können neue Bedingungen auftauchen. Und wir sehen, dass sie in diesen Verhandlungen bereits entstehen: „Dann sollen die Amerikaner das russische Krim anerkennen. Dann sollen westliche Länder die ukrainischen Gebiete des Donbas als russisch anerkennen. Uns reicht die Ukraine nicht – auch ihr müsst anerkennen.“ Es ist also die Suche nach Bedingungen im Gange, die unmöglich zu erfüllen sind, um danach die Partner der Unkonstruktivität zu beschuldigen. Das ist das Wesen des Prozesses, den wir beobachten.

Der nächste Punkt: Wenn es um den russisch-ukrainischen Krieg geht, sind alle Vorschläge Russlands in der Regel auf die Destabilisierung der Lage in der Ukraine ausgerichtet. Wenn Putin also Umfragen sieht, dass die überwältigende Mehrheit der Ukrainer gegen territoriale Zugeständnisse ist und meint, die Ukraine dürfe unter keinen Umständen auf jene Gebiete verzichten, die unsere Soldaten verteidigen, dann muss er die politische Führung dazu zwingen, genau eine solche Entscheidung zu treffen, um eine Kluft zwischen der öffentlichen Meinung und den Entscheidungen der staatlichen Führung zu schaffen.

Und wenn etwa vorgeschlagen wird, zu diesem Zweck ein Referendum abzuhalten und zugleich sofort Neuwahlen durchzuführen, dann sind das Schritte nicht für Wahlen und nicht für ein Referendum. Zumal man bedenken muss: Kein Referendum kann die territoriale Integrität der Ukraine entscheiden. Das ist der nächste politisch absurde Vorschlag. Wichtig ist, dass diese Ereignisse die ukrainische Gesellschaft erschüttern. Putin träumt bis heute von einer Parade, bei der ein russischer Soldat ohne Probleme triumphal nach Kyiv marschiert und er die Parade russischer Truppen auf einem russischen Chreschtschatyk in einem russischen Kyiv abnehmen kann. Dafür braucht er aber, dass die Ukrainer ihren Staat selbst zerstören – denn der russische Soldat kann ihn, wie wir sehen, nicht zerstören. Das ist auch das Fazit der letzten vier Jahre.

Wenn also gesagt wird: „Wissen Sie, das Problem ist, dass die Ukraine keinen Kompromiss will.“ Und Trump ist bereit, an dieser Komödie teilzunehmen, wenn er sagt: „Ich werde gleichzeitig Druck auf Putin und Zelensky ausüben.“ So sieht das im Kern aus: „Ich kann gegen beide Sanktionen verhängen.“ Das ist nicht nur eine Gleichsetzung von Opfer und Aggressor, an die wir uns in diesem Jahr von Trumps Präsidentschaft gewöhnt haben könnten. Es ist auch der Versuch zu erklären,beide Seiten verhielten sich unkonstruktiv – obwohl die Russen dich auf ukrainischem Boden befinden, ukrainische Gebiete besetzen und verlangen, dass ukrainische Truppen ukrainisches Gebiet verlassen.

Aber selbst wenn wir akzeptieren, dass der Krieg ein Ereignis ist, das das Völkerrecht so weit außer Kraft setzt, dass nicht nur der Aggressor, sondern auch diejenigen, die mit dem Aggressor sprechen, bereit sind, dieses Völkerrecht zu annullieren – selbst dann sollte man nicht glauben, dass territoriale Zugeständnisse der Ukraine den Krieg beenden würden. Offensichtlich wird in dieser Situation nichts  dergleichen geschehen. Der Krieg wird nicht enden, aber die Trennlinien in der ukrainischen Gesellschaft können sich verstärken – und Putin wird genau an diesen Trennlinien arbeiten.

Vergessen Sie auch nicht eine weitere Entwicklung: Putin könnte unter dem Druck der Umstände tatsächlich der Idee eines Waffenstillstands zustimmen. Auch das dürfen wir in unserer Kalkulation nicht ausblenden, denn man muss immer verstehen: Putin ist unter Bedingungen der sich zuspitzenden wirtschaftlichen Probleme in Russland zu Entscheidungen über ein Ende des Krieges fähig.

Ich werde nicht behaupten, dass das morgen geschieht. Aber Sie müssen in jedem Fall die Frage stellen: Sind diese wirtschaftlichen Probleme jetzt genau so, dass Putin jedem Ende des Krieges zustimmen würde – oder wird er doch „komfortable“ Bedingungen wählen, die ihm Trump anbietet? Natürlich komfortable Bedingungen, die ihm Trump anbietet – weil Trump selbst von diesen komfortablen Bedingungen nicht abrücken wird, selbst wenn er sieht, dass bei Putin alles zusammenbricht. Denn Trump ist wichtig, dass Putin den Krieg in einem Zustand normaler wirtschaftlicher Verständigung mit ihm beendet.

Und nicht zufällig tauchte gerade in dieser Woche die Idee des „Dmitrijew-Pakets“ über 12 Billionen Dollar auf. Das ist überhaupt eine geniale Sache: Die Russen verhandeln nicht über das Ende des russisch-ukrainischen Krieges, sondern darüber, wie die Vereinigten Staaten verdienen können, wenn dieser Krieg endet. Es ist von unglaublichen Zahlen die Rede.

Dabei verstehen wir sehr gut: Wenn man später real berechnet, was die Amerikaner in ihren Beziehungen zu den Russen tatsächlich verdienen könnten, kann von diesen 12 Billionen ein Nichts übrig bleiben – oder Versprechen gemeinsamer Projekte im Norden und andere „Potemkinsche Dörfer“, die die Russen meisterhaft zu errichten verstehen – man könnte sagen: während ihrer gesamten staatlichen Existenz.

Putin hat etwas sehr Wichtiges verstanden. Denn Putin arbeitet als erfahrener KGB-Ermittler mit Trump wie mit einem Klienten: Die Magie großer Zahlen ermöglicht es Trump, völlig inadäquate Entscheidungen zu treffen. Und genau mit dieser Magie großer Zahlen verzaubert er Trump und die Menschen um Trump. Denn wir müssen auch verstehen: Menschen wie Steve Witkoff und Jared Kushner sind vor allem Menschen mit der Psychologie von Geschäftsleuten. So war es immer, wenn sie sich mit dem Nahen Osten befasst haben. Und so sieht es natürlich auch in den russisch-ukrainischen Verhandlungen aus.

Sie verstehen doch: Wenn Witkoff mit Dmitrijew spricht, spricht er mit ihm nicht darüber, wie die Truppen zu trennen sind, wie der Krieg zu beenden ist, welche Gebiete von der Ukraine an Russland fallen sollen. Das sind Gespräche anderer Leute. Mit ihm spricht er ausschließlich über Business. Und Putin hat Dmitrijew zu seinem Sonderbeauftragten ernannt. Übrigens ist es bedauerlich, dass wir keinen solchen „Dmitrijew“, keine solche Position haben, um mit Witkoff und Kushner zu sprechen. Aber wir haben auch nicht so viele erfundene Ressourcen wie Russland. Unsere „Dmitrijew-Geschichte“ haben wir schon genutzt, als wir mit Trump das inzwischen vergessene Mineralienabkommen unterschrieben.

Also sprechen sie natürlich ausschließlich über Business. Und diese Business-Gespräche können Trump auch davon überzeugen, zumindest eine gewisse Stabilität in den Beziehungen zu Putin einzuhalten.

Eine separate Geschichte ist übrigens das Kernkraftwerk Saporischschja und die Kontrolle darüber, denn die Vereinigten Staaten waren vor dem russisch-ukrainischen Krieg an Innovationen in Saporischschja beteiligt, an seiner technologischen Umgestaltung. Und natürlich würden sie gern Zugang zum Kernkraftwerk Saporischschja bekommen – um die Energiesicherheit der Ukraine zu garantieren und um mit der Anlage als wichtigem Energieobjekt zu arbeiten; und um die Lieferung ihres Brennstoffs an ukrainische Kernkraftwerke zu prüfen. Genau das wollen die Russen nicht. Wenn also die Amerikaner anfangen, mit den Russen zu sagen: „Gut, übergebt die Station nicht der Ukraine, aber übergebt sie uns“, dann klingt das für Moskau, denke ich, noch gefährlicher als irgendeine ukrainisch-russische Kontrolle über diese Station – falls sich überhaupt Voraussetzungen für einen Waffenstillstand an der Frontlinie ergeben.

Und dann stellt sich die Frage: Was kommt als Nächstes? Was wird in der nächsten Zeit sein? Erstens sehen wir, dass Trump auch verstanden hat, dass der Verhandlungsprozess nicht so aussieht, als könne er zu schnellen Ergebnissen führen. Weitere vier Monate für den Verhandlungsprozess – das ist schon nicht mehr Putins Zeitspiel, sondern Trumps Zeitspiel: „Ich habe ihnen vier Monate gegeben, dann schauen wir.“

Zweitens müssen wir verstehen: Fristen spielen keine Rolle – vier Monate, acht Monate. Trump wird ständig versuchen, diese Situation zu verlängern, um nicht hilflos zu wirken und zu hoffen, dass irgendwelche ernsthafteren Ereignisse in der Weltpolitik in der Wahrnehmung der amerikanischen Gesellschaft seine Hilflosigkeit im russisch-ukrainischen Krieg überschattet.

Also: Was müssen wir erreichen? Wir müssen erreichen, dass der Druck auf Russland bereits in diesen vier Monaten zunimmt und dass Trump nicht auf irgendeine reale Konstruktivität Putins wartet, nicht – wie er es gern tut – die Augen vor Putins Verbrechen verschließt und nicht versucht zu erzählen, wie Putin seine Versprechen erfüllt. Denn das ist einfach eine Schande. Eine Schande für die Vereinigten Staaten, eine Schande für die zivilisierte Welt.

Das ist nur unter dem Einfluss der öffentlichen Meinung möglich. Das ist nur möglich, wenn wir selbst aktiv am Verhandlungsprozess teilnehmen und der amerikanischen Administration keinen Anlass geben, uns Unkonstruktivität vorzuwerfen. Denn man muss verstehen: Die amerikanische Administration ist in dieser Situation weniger unser Verbündeter als eine Struktur, die versucht, Verantwortung dafür zu vermeiden, dass die erste Person keine Beziehungen zum russischen Präsidenten verderben will.

Davon muss man ausgehen, wenn wir über den Verhandlungsprozess sprechen, der sich auch 2026 und 2027 fortsetzen kann – sofern der Zustand der russischen Wirtschaft bis dahin nicht zu solchen abrupten Folgen für Putin führt, die ihn zumindest dazu zwingen, der Idee eines Waffenstillstands entlang der Kontaktlinie zuzustimmen. Ja, natürlich – um vielleicht später Kräfte zu sammeln und dann mit neuer, „ausgeruhter“ Wucht wieder auf die Ukraine loszugehen. Aber niemand hat gesagt, dass nur gegen die Ukraine. Niemand hat gesagt, dass es schnell passiert.

Viele glauben, wenn der Krieg eingefroren wird, beginnt er buchstäblich nach ein paar Monaten am selben Ort und in denselben Umständen – und vergessen, dass, wenn Kampfhandlungen aufhören, völlig neue politische und militärische Prozesse beginnen, und der Krieg tatsächlich wiederaufflammen kann, aber in einer völlig anderen Form und nicht unbedingt als russisch-ukrainischer Krieg.

Man muss sich schlicht klarmachen: Der russisch-ukrainische Krieg bestätigt lediglich die Tatsache, dass Krieg im 21. Jahrhundert – unter den Bedingungen des Zusammenbruchs des Völkerrechts, das Putin faktisch zerstört und Trump weiter untergräbt – für viele führende Politiker der Welt zur Fortsetzung der Politik geworden ist. Aus dieser Periode ständiger Kriege, des Sterbens von Menschen, der Zerstörung und Krise wird die Menschheit im 21. Jahrhundert nicht herauskommen. Unser Jahrhundert ist ein Jahrhundert von Kriegen, Verbrechen und Katastrophen. Und ein anderes Jahrhundert haben die Menschen, die im 21. Jahrhundert leben, nicht.

Also muss man lernen, unter diesen Bedingungen zu überleben und zu siegen, weil es keine anderen Bedingungen gibt – die anderen Bedingungen sind in jenem Paradies, in das Donald Trump zu gelangen hofft. Ich muss Ihnen sagen: die Fortsetzung dieser Serie, damit Sie es wissen – dorthin kommt er nicht. Das ist wie der Nobelpreis. Den Nobelpreis kann man sogar leichter bekommen, denn ich habe den starken Verdacht, dass man sogar Bedingungen schaffen könnte, unter denen das Nobelkomitee die weiße Flagge hisst. Aber Trump ist nicht in der Lage, Bedingungen zu schaffen, unter denen der Apostel Petrus die weiße Flagge hisst. Der letzte Anzug hat bekanntlich keine Taschen. Und das ist ein sehr wichtiger Punkt, über den wir sprechen müssen, wenn wir die Ergebnisse dieser schwierigen Woche mit den Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine ziehen.

Ich werde auf die Fragen antworten, die in diesen Minuten bereits eingegangen sind, während wir miteinander sprechen.

Frage: Wie groß ist die Widerstandsfähigkeit der ukrainischen Wirtschaft und Gesellschaft? Wie viele Jahre kann die Ukraine unter den aktuellen Tendenzen noch standhalten?

Portnikov: Ich erinnere ständig an eine sehr einfache Sache. Wenn wir über die Widerstandsfähigkeit der ukrainischen Gesellschaft und Wirtschaft sprechen, müssen wir umso mehr daran denken, dass wir faktisch kaum noch irgendeine Wirtschaft haben. Die Ukraine ist kein sehr großes Land im Vergleich zu Russland; ihre Wirtschaft ist durch die Bombardierungen des Feindes zerstört, dazu kommt ein demografischer Aderlass. Aber die Ukraine kämpft gegen die Russische Föderation als Teil des Westens, als Teil der zivilisierten Welt, als Teil Europas.

Wie lange können wir durchhalten? Im vergangenen Jahr hat die Ukraine, wie Sie wissen, die notwendigen Mittel erhalten, um ihren Haushalt für 2026 und 2027 zu stützen. Ich habe keinen Zweifel daran, dass die Ukraine, falls der Krieg in diesen Jahren weitergeht, auch Mittel erhalten wird, um 2028 durchzuhalten. Die Ukraine kann sogar länger durchhalten als Russland, einfach weil die Ukraine aus Sicht ihrer ökonomischen Sicherheit ein Staat ist, dem europäische Länder helfen.

Übrigens deshalb rastet Putin so aus. Er will, dass in Europa rechts-populistische oder links-populistische Kräfte an die Macht kommen, die uns einfach kein Geld geben werden. Sie verstehen sehr gut: Hätte der Westen kein Geld und keine Waffen gegeben, dann hätte die Russische Föderation längst ihre Grenzen dort, wo die Sowjetunion war – damit es keine Zweifel gibt. Denn eine kostenlose Armee kann man nicht haben. Keine Armee kann den Feind halten, wenn der Staat kein Geld für irgendetwas hat. Zweifeln Sie also nicht daran, dass die Ukraine in den 20er und 30er Jahren des 21. Jahrhunderts mit Hilfe des Westens Russland in einem langen Konflikt widerstehen wird, der in einem bestimmten Moment – wir wissen nicht, in welchem Jahr, unter welchen Umständen – aus der heißen Phase in eine Phase des Abklingens übergehen kann.

Und die Gesellschaft – das kann ich Ihnen nicht sagen. Wenn die ukrainische Gesellschaft die Wahl zugunsten der Liquidierung der eigenen Staatlichkeit und der Aufgabe des Begriffs des ukrainischen Volkes trifft, dann bedeutet das die Bereitschaft der Menschen zum Selbstmord. Denn wie Sie verstehen: Die Russen haben alle notwendigen Schlussfolgerungen gezogen – und dort, wo die Russen sind, wird es keine Ukrainer geben, so wie es sie auf den besetzten Gebieten nicht gibt. Sehen Sie dort irgendeine parallele Ukraine, irgendeine gute Ukraine, irgendwelche Ukrainer, die Hopak vor ihren russischen Besatzern tanzen? Nein. Sie sehen dort Russland. Und jene, die Ukrainer sein wollen, sind entweder eingeschüchtert, oder vernichtet, oder vertrieben. Und auf ein solches Schicksal können absolut sicher alle zählen, zu denen ein russischer Soldat ins Haus kommt.

Die ukrainische Gesellschaft hat also keine Wahl: entweder durchhalten – oder verschwinden und lediglich als Teil eines ethnografischen Lehrbuchs oder Museums irgendwo in Kanada oder den Vereinigten Staaten enden. Das ist das Schicksal des ukrainischen Volkes im Falle eines russischen Sieges. Ein anderes Schicksal gibt es nicht. Und wünschen sich viele Menschen in der Ukraine ein solches Schicksal? Die soziologischen Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Menschen nicht einmal bereit ist, Russland die Kontrolle über jene ukrainischen Gebiete zu überlassen, die heute von der ukrainischen Armee verteidigt werden. Worüber sprechen wir also?

Sollte sich diese Soziologie im Laufe der Jahre ändern, dann werden wir andere Schlussfolgerungen ziehen. Wenn die gesellschaftliche Stimmung einmal lautet: „Hauptsache, der Krieg endet, wir sind bereit, Russen zu sein, solange alles gut ist. Ach, wir haben verstanden, dass wir Russen sind“ – dann werden wir darüber sprechen. Wenn solche Menschen die Mehrheit bilden und bereit sind, diesen Standpunkt zu verteidigen – denn verteidigen müssten sie ihn dann auch –, dann werden wir darüber sprechen. Derzeit sehe ich dafür keinerlei Voraussetzungen.

Frage: Warum sind Sie der Meinung, dass Russland nicht zu einer allgemeinen Mobilmachung übergehen wird und China im Bedarfsfall keine deutlich größere Unterstützung leisten wird, während Sie zugleich oft sagen, dass dieser Krieg für Russland eine Priorität ist und für China ein langfristiger Faktor?

Portnikov: Weil jedes Land seine eigenen Ressourcen und Risiken hat. Wenn Russland zu einer allgemeinen Mobilmachung fähig gewesen wäre, hätte es diesen Schritt längst vollzogen. Der Versuch Putins, im Jahr 2022 eine Mobilmachung der Reservisten auszurufen, führte zur Flucht Hunderttausender Menschen – etwa einer Million – über die Grenzen der Russischen Föderation. Und Putin hat sehr gut verstanden, dass unter diesen Bedingungen, insbesondere in einer Situation, in der die Mehrheit der russischen Gesellschaft nicht bereit ist, direkt am Krieg teilzunehmen, eine allgemeine Mobilmachung zu unvorhersehbaren Folgen führen könnte: zu weiterer Abwanderung der Bevölkerung und zu sozialen Problemen, mit denen er bei dem aktuellen Zustand der russischen Wirtschaft nicht fertigwerden würde.

Die Frage ist also nicht, ob Russland eine allgemeine Mobilmachung durchführen kann oder nicht. Die Frage ist, dass es sich vier Jahre lang nicht dazu durchgerungen hat – und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass es sich künftig dazu durchringen wird.

Was die Volksrepublik China betrifft: China unterstützt Russland nicht mit direkten Haushaltszuschüssen, so wie die Europäische Union die Ukraine unterstützt. China kauft russisches Öl – und ich würde sagen: zu Schleuderpreisen. Diese Preise sinken ständig. Und in einer Situation, in der Russland gezwungen ist, enorme Mengen seines Öls auf den chinesischen Markt umzuleiten, in der Indien diese Mengen russischen Öls derzeit nicht kauft und in der ein großer Teil der russischen Raffineriekapazitäten aufgrund ukrainischer Angriffe stillsteht, kann China zwar mehr russisches Öl kaufen – aber China wird Russland nicht einfach Geld schenken. Schon deshalb nicht, weil dies Fragen des Sanktionsdrucks auf China und seiner Beziehungen zum Westen aufwerfen würde, der wiederum der wichtigste Absatzmarkt für chinesische Produkte ist.

Die Chinesen tun grundsätzlich nichts umsonst. Ja, sie können an einer langen Dauer des Krieges interessiert sein – aber nicht durch direkte Geldtransfers an Russland, zumal sich die chinesische Wirtschaft selbst nicht in der besten Verfassung befindet. Ganz zu schweigen von einem weiteren Aspekt: Russland braucht für viele Dinge Dollar, nicht Yuan. Die Chinesen können Bauteile für Waffen liefern, sie können Öl kaufen – aber sie sind definitiv nicht bereit, mit Russland ihre Währungsreserven zu teilen, und mit Yuan lässt sich nun einmal kein Krieg führen.

Deshalb finde ich es immer interessant, wenn man mir einen pessimistischen Blick auf die Realität vorwirft. Ich versuche stets, objektiv zu bewerten, was der Feind kann und was nicht. Gleichzeitig sehen wir nun ganz andere Versuche – mich sozusagen dazu zu drängen, zu sagen, dass „alles verloren ist“. Das halte ich für falsch. Ich bin nicht der Meinung, dass alles verloren ist, denn in einem Abnutzungskrieg erschöpfen sich beide Seiten. Und besonders erschöpft sich jene Seite, die keine reale Unterstützung durch Länder erhält, die mit ihr durch gemeinsame Werte verbunden sind.

Frage: Wie sehen Sie die Frage des Endes von Putins Amtszeit, und könnte es sein Plan sein, seine Wahlen auf der Grundlage des Krieges aufzubauen, nach dem Motto: „Man wechselt nicht die Pferde mitten im Fluss.“?

Portnikov: Nein, das sehe ich nicht so. Ich bin der Meinung, dass Putin Präsident der Russischen Föderation auf Lebenszeit ist. Einen „Ablauf“ seiner Amtszeit gibt es für ihn nicht. Nachdem Putin die Verfassung so geändert hat, dass seine Amtszeiten „auf null gesetzt“ wurden, wurde vollkommen klar, dass er nicht vorhat, das Präsidentenamt bis zu seinem Tod zu verlassen.

In Russland gibt es keine Wahlen. Aus einem ganz einfachen Grund: Wahlen sind ein Wettbewerb. Es müsste eine politische Kraft geben, die tatsächlich in der Lage wäre, den amtierenden Präsidenten zu besiegen. Solche Wahlen hat es in Russland seit Putins Machtantritt nie gegeben. Die einzigen Wahlen, bei denen der amtierende Präsident der Russischen Föderation einer realen Bedrohung durch einen Konkurrenten ausgesetzt war, waren die zweiten Präsidentschaftswahlen im postsowjetischen Russland – als Boris Jelzin gegen Gennadi Sjuganow antrat.

Putin hat also keinerlei Probleme mit Wahlen und wird sie auch nie haben. Er nutzt diesen Krieg überhaupt nicht für Wahlen, weil er die gesamte Wahlmaschinerie vollständig kontrolliert. Man darf Demokratien nicht mit Autoritarismen verwechseln, die lediglich Wahlprozeduren imitieren. Nein, Putins Amtszeit wird niemals enden. Er wird Präsident bis zu seinem letzten Tag sein, und sein Nachfolger könnte jemand aus dem Sicherheitsapparat sein. Ob diese Person gegenüber der Zerstörung der Ukraine aggressiver oder weniger aggressiv sein wird als ihr Vorgänger, wissen wir nicht. Aber darauf werden wir noch sehr lange warten müssen. Putin ist, wie Sie verstehen, nicht besonders alt.

Frage: Sie sagten, dass Putin bei wirtschaftlichen Problemen zu Verhandlungen bereit sein könnte. Brauchen wir diese Verhandlungen dann überhaupt? Wenn Russland den Krieg nicht fortsetzen kann – wäre es dann nicht an der Zeit, auf die Grenzen von 1991 zurückzugehen?

Portnikov: Wenn wir davon sprechen, dass es Putin wirtschaftlich schlecht gehen wird und er deshalb zu Verhandlungen bereit sein könnte, bedeutet das nicht, dass Putin all seine Möglichkeiten verlieren würde. Es bedeutet lediglich, dass er möglicherweise nicht mehr in der Lage wäre, neue Territorien zu erobern, neue Angriffe auf die Ukraine zu führen, um unsere Infrastruktur vollständig zu zerstören und das Territorium unseres Landes unbewohnbar zu machen – all das, was im Kreml für die kommenden Jahre geplant ist. Das heißt aber keineswegs, dass Putin nicht in der Lage wäre, die bereits besetzten Gebiete zu halten.

Es gibt jedoch noch einen weiteren Punkt, der sogar wichtiger ist als die berechtigten Überlegungen, die Sie ansprechen. Wozu brauchen wir überhaupt Verhandlungen mit Russland, wenn der wirtschaftliche Organismus Russlands plötzlich so stark ins Wanken gerät, dass die russische Armee ihre heutigen Positionen nicht mehr halten kann? So etwas hat es in der russischen Geschichte übrigens schon gegeben.

Ich sage Ihnen jedoch, wo in diesem Fall das Problem liegen würde – und zwar, wenn dies vor Januar 2029 geschieht: in den Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten werden keine Destabilisierung der Russischen Föderation infolge einer schweren geopolitischen Niederlage zulassen. Schon allein deshalb nicht, weil sie den Einsatz von Atomwaffen durch den Präsidenten der Russischen Föderation fürchten – mit unvorhersehbaren Folgen für das Verhältnis zwischen Atommächten. Das ist eine reale Sorge, und genau deshalb würden sie versuchen, uns zu einem Frieden zu drängen, der für Putin komfortabel ist. Das ist die Realität.

Frage: Bitte kommentieren Sie das Trump-Video mit den Obamas. Wie würden Sie das charakterisieren?

Portnikov: Mir ist es peinlich. Ich glaube nicht, dass dieses Video ohne Wissen dessen erschienen ist, der Herr über seine eigenen Accounts ist. Aber wir leben in einer Zeit, in der alle – ich würde sagen – Normen des Respekts gegenüber dem Mitmenschen, jene Normen, für die man, wie man sagt, ins Paradies kommt, praktisch aufgehoben sind. Und zwar entweder aufgrund des mentalen oder des politischen Zustands der Menschen, die an der Spitze großer Staaten stehen. Das ist die Realität, in der wir in den 2020er- und 2030er-Jahren leben werden. Und sie wird sich weiter verschlechtern, weil sich die Gesellschaften in genau diesem Zustand befinden. Menschen mit Gewissen können darüber nur Scham empfinden.

Frage: Welcher Weg ist besser: jetzt Zugeständnisse zu machen, solange Trump den Konflikt lösen will, oder es geschehen zu lassen und mit der Unterzeichnung irgendwelcher Abkommen zu warten, bis Russland wirtschaftlich zusammenbricht?

Portnikov: Erstens begeben wir uns, wenn wir von Zugeständnissen sprechen, erneut auf einen völlig – ich würde sagen – nicht existierenden Weg. Es gibt keinerlei Zugeständnisse, denen wir zustimmen sollten, weil Russland überhaupt nicht will, dass wir irgendwelche Zugeständnisse machen. Das ist alles ein Spiel für Trump.

Russland will, dass der ukrainische Staat verschwindet und die Ukrainer entweder das Land verlassen oder sich als Russen bekennen – jene, die bleiben und das sogenannte „Filtrationsverfahren“ durchlaufen. Hören Sie auf, sich einzureden, irgendjemand erwarte von der Ukraine irgendwelche Zugeständnisse. Hören Sie auf, sich einzureden, die Ukraine sei ein Subjekt dieses Verhandlungsprozesses. Das ist heute schlicht nicht der Fall. Und ob solche Bedingungen in den kommenden Jahren entstehen werden, wissen wir nicht. Man wünschte sich, dass sie in den nächsten Monaten entstehen – aber das ist Wunschdenken.

Wir verzögern hier gar nichts. Es sind die Russen, die verzögern. Wenn die Russen tatsächlich den Bedingungen zugestimmt hätten, die Trump vorgeschlagen hat – etwa einer Truppentrennung entlang der Kontaktlinie –, hätte man uns weder in den Vereinigten Staaten noch in Europa groß gefragt, ob wir damit einverstanden sind oder nicht. Das Problem ist, dass die Russen dem in Wirklichkeit nicht zustimmen, sondern Bedingungen stellen, die auf eine Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine in den 2020er- und 2030er-Jahren hinauslaufen – bis zur vollständigen Liquidierung der ukrainischen Staatlichkeit. So denkt Putin.

Könnten Bedingungen entstehen, unter denen die Russen bereit wären, bestimmten ukrainischen Zugeständnissen zuzustimmen? Das könnte infolge schwerer Probleme im russischen Wirtschaftsorganismus geschehen. Diese Probleme reifen heran – aber in welchem Monat oder in welchem Jahr sie den entscheidenden Impuls geben, weiß niemand. Weder Sie noch ich noch Putin.

Frage: Warum soll die Ukraine überhaupt ein Referendum abhalten? Will denn irgendjemand ernsthaft Putin ukrainisches Land schenken? Warum scheint die Regierung sich auf diesen Unsinn einzulassen?

Portnikov: Ich denke, die Regierung beteiligt sich einfach an Verhandlungen mit Amerikanern, die sich in einem bestimmten Bewusstseinszustand befinden. Die Frage ist nicht einmal, warum die Ukraine ein Referendum abhalten sollte. Die Frage ist vielmehr, welche rechtlichen Grundlagen es für ein solches Referendum überhaupt geben könnte.

Ich habe das schon oft zu erklären versucht: Ein Referendum über die Abtretung eines Teils des ukrainischen Territoriums kann gemäß der Logik der ukrainischen Verfassung grundsätzlich nicht durchgeführt werden. Aber selbst wenn man sich ein solches Referendum vorstellen würde, müsste es unter Bedingungen stattfinden, in denen kein Kriegsrecht gilt. Damit kein Kriegsrecht gilt, müsste es zuvor aufgehoben werden. Und dafür müssten die Kampfhandlungen beendet sein.

Putin aber will, dass zunächst alle Entscheidungen getroffen werden – und erst danach die Kampfhandlungen enden. Zudem kann die Werchowna Rada unter Kriegsrecht nicht einmal Verfassungsänderungen beschließen. Und selbst wenn man sich vorstellt, dass das Kriegsrecht aufgehoben wird, ein dubioses Referendum stattfindet und eine Mehrheit der Bürger sich dort für die Übergabe von Territorium an Russland ausspricht – wobei ich auch hier frage: Warum geht man eigentlich davon aus, dass eine Mehrheit dafür stimmen würde? –, entstünde ein weiteres, noch gravierenderes Problem.

Es müsste eine neue Werchowna Rada gewählt werden, weil das bestehende Parlament nach dem Ende des Kriegsrechts keine entsprechenden Kompetenzen mehr hätte. Die neue Rada müsste Verfassungsänderungen in zwei getrennten Sitzungsperioden beschließen, anschließend ein weiteres Referendum durchführen lassen, da es sich um grundlegende Fragen der Verfassung handelt, und danach noch eine Stellungnahme des Verfassungsgerichts einholen. Selbst wenn man sich vorstellt, dass dieser ganze rechtswidrige Prozess irgendwie als rechtmäßig inszeniert werden könnte, würde er dennoch enorm viel Zeit in Anspruch nehmen. Deshalb verstehe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht, worüber hier geredet wird.

Frage: Wie hoch sind die Chancen, dass Putin von einigen seiner Forderungen bezüglich des Donbas abrückt? Oder ist das tatsächlich – wie Gordon sagt – unmöglich, weil er seinem Volk einen „Sieg“ verkaufen muss?

Portnikov: Noch einmal: Putin hat überhaupt keine Wünsche in Bezug auf das Territorium des Donbas. Putins Wunsch besteht darin, den ukrainischen Staat zu zerstören und sein Territorium Russland einzuverleiben. Klammern Sie sich nicht an diese Vorstellung, Putin wolle den Donbas. Die Idee vom Donbas ist eine klassische tschekistische Finte, damit wir darüber diskutieren, damit es eine Spaltung der ukrainischen Gesellschaft gibt und damit russische Truppen nach Kyiv, nach Lwiw und nach Uschhorod einmarschieren können.

Solange Putin glaubt, dass er in der Lage ist, die westlichen Grenzen der Ukraine zu erreichen, wird der russisch-ukrainische Krieg weitergehen. Der Donbas hat mit dem Ende dieses Krieges absolut nichts zu tun – wirklich überhaupt nichts. Als reales Thema für ein Kriegsende kann er nur dann auftauchen, wenn Putin nicht mehr über die Kräfte verfügt, weiterzukämpfen.

Was Dmytro Gordon betrifft: Er hat als jemand, der schon lange in der Ukraine lebt, offenbar vergessen, wie ein autoritäres System funktioniert. Putin muss seinem Volk überhaupt nichts „verkaufen“. Das ist völliger Unsinn. Das russische Volk wird jede Version des Kriegsendes als Sieg akzeptieren. Weil Russen immer gewinnen – so funktioniert ihr Selbstbild.

In ihrer Wahrnehmung heißt das dann: „Ein Akt des guten Willens, um die Zivilbevölkerung vor den Nazis zu schützen. Wir haben beschlossen, den Krieg zu beenden, weil die Nazis die friedliche Bevölkerung misshandelt haben. Wir kommen auf jeden Fall zurück und befreien alles.“ Was spielt es für eine Rolle, was sie im staatlichen Fernsehen erzählen? Russland kann diesen Krieg auf jede beliebige Weise beenden, und Putin wird in den Augen der Mehrheit trotzdem als Sieger erscheinen. In den Augen der Elite gilt er schon lange nicht mehr als Sieger – aber sie hat Angst vor ihm.

Deshalb: Nicht der Donbas ist das Ziel. Der Krieg um die Ukraine auf lange Sicht – das ist Putins eigentliches Ziel. Wenn wir uns ständig auf die Frage fixieren: „Was wäre, wenn wir ihm Kramatorsk und Slowjansk geben, würde er sich dann beruhigen?“, dann stellen Sie sich einmal vor, er bekäme dieses Territorium. Was glauben Sie – würde er dann sagen: „Das war’s“? Nein. Er würde weiter vorrücken. Neues Referendum, neue Forderungen. Das ist die Salami-Taktik. Salami. Und der Donbas ist nur ein Teil dieser Taktik. Es ist extrem gefährlich, sich an dieser Geschichte festzubeißen. Sie hat mit der Realität nichts zu tun.

Frage: Kann man von einer neuen ideologischen Epoche sprechen, von einer existenziellen Konfrontation der Werte, die letztlich den Verlauf der globalen Geschichte entscheiden wird – oder ist das alles doch noch ein lokaler Konflikt?

Portnikov: Von einer globalen Konfrontation der Werte kann man sprechen. Und ich spreche darüber schon seit sehr langer Zeit. Ich sage, dass der Konflikt zwischen marktwirtschaftlichen Demokratien und marktwirtschaftlichen Despotien im Prinzip nur mit einem großen Krieg enden kann – mit dem Tod von Millionen, wenn nicht gar Dutzenden Millionen Menschen. Das ist die Logik der Geschichte. Dieses Problem lässt sich ohne Konflikt nicht lösen.

Es gibt allerdings verschiedene Szenarien. Es gibt die Logik der Verwandlung marktwirtschaftlicher Demokratien in marktwirtschaftliche Despotien – so wie wir das derzeit auf der anderen Seite des Ozeans beobachten. Ich glaube allerdings nicht, dass das funktionieren wird.

Es gibt die Angst vor Atomwaffen, die sowohl nukleare Demokratien als auch nukleare Despotien davon abhält, einen Krieg zu beginnen, der alles restlos zerstören würde. All das existiert. Deshalb ist dies kein lokaler Konflikt – es ist der Schuss aus der Startpistole für einen großen, gewaltigen Krieg, der sich in Form lokaler Konflikte entfalten kann. Gerade wegen der Angst vor einem Krieg dieses Ausmaßes.

Und genau deshalb haben wir eine Chance, diesen Konflikt zu beenden. Denn wenn das, was als Prolog geschieht, nicht in eine Eskalation mündet, verliert dieser Prolog selbst für alle Beteiligten an Bedeutung – insbesondere dann, wenn einer der Akteure, Russland, seine realen Ziele nicht erreichen kann.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Перемовини і нові вимоги Трампа: що далі | Віталій Портников. 08.02.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 08.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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