Russische Wirtschaft am Abgrund: Folgen | Vitaly Portnikov. 23.12.2025.

Heute werden wir darüber sprechen, wie die realen Perspektiven für Veränderungen im russisch-ukrainischen Krieg aussehen. Nicht über den Verhandlungsprozess, den wir seit mehreren Wochen verfolgen und der bisher vor allem wie ein Hinauszögern der Zeit durch den Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin wirkt, sondern über reale mögliche Veränderungen, die in Zukunft zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges führen können.

Ich habe wiederholt gesagt, als wir die Bedingungen dafür diskutierten, wie man den russisch-ukrainischen Krieg beenden oder zumindest für eine gewisse Zeit aussetzen kann, dass im Grunde die einzige reale Voraussetzung für seine Beendigung oder Aussetzung eine wirtschaftliche Krise in der Russischen Föderation ist. Eine reale wirtschaftliche Krise, die es nicht erlaubt, den Krieg fortzusetzen.

Und heute ist in der Washington Post eine recht detaillierte Analyse erschienen, die dem Zustand der russischen Wirtschaft vor dem Hintergrund neuer harter Sanktionen der Vereinigten Staaten gegen die russischen Ölriesen Rosneft und Lukoil gewidmet ist. Genau deshalb habe ich entschieden, dass es viel wichtiger ist, dieses Gespräch über wirtschaftliche Themen zu führen, als die Details diplomatischer Verhandlungen zu besprechen, die ohnehin zu nichts Realistischem führen.

Warum haben Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil jetzt einen so ernsthaften Einfluss auf die russische Wirtschaft? Vor allem deshalb, weil die gesamte russische Wirtschaft auf Einnahmen aus Öl und Gas basiert; weil die Russen Yuan und Rupien in die für sie benötigten Güter umwandeln können; weil sie gerade über den Verkauf von Öl überhaupt Zugang zu wenigstens irgendeinem Weltmarkt haben. Niemand schenkt ihnen irgendetwas einfach so.

Und jetzt können wir im Prinzip davon sprechen, dass der Ölpreis, zu dem Russland an China und Indien verkauft, derzeit ungefähr 35 Dollar pro Barrel beträgt. Und wir müssen uns daran erinnern, dass der russische Haushalt mit 69 Dollar pro Barrel kalkuliert ist. Das heißt: In jedem Fall wird man zur Auffüllung des Haushalts die letzten Ressourcen aus russischen Fonds nutzen müssen, die im Prinzip schon 2026 aufgebraucht sein können. Und das vor dem Hintergrund einer fortgesetzten Zahlungsunfähigkeit der Bevölkerung und der Unternehmen.

Menschen, die im russischen Bankensektor arbeiten, sprechen in Gesprächen mit der Washington Post von einer realen Krise der Nichtzahlungen und von einer wirklich großen Bankenkrise. In dieser Situation können wir also klar die Zahl für den Rückgang der russischen Energieeinnahmen nennen: Das sind 49 Prozent im Dezember dieses Jahres im Vergleich zum Jahr 2024. Und das schafft reale Möglichkeiten für ein Haushaltsdefizit und dafür, dass man sogar den Militärhaushalt nicht erfüllen kann.

Man kann nicht sagen, Putin habe die Folgen dieser Sanktionen nicht verstanden. Gerade damit diese Sanktionen nicht eingeführt werden, wurde dieses Abenteuer mit dem Friedensprozess ausgedacht: um Trump selbst nach dem Scheitern eines Treffens des russischen und des amerikanischen Präsidenten in Budapest von der Friedensbereitschaft des russischen Präsidenten zu überzeugen und so den amerikanischen Präsidenten dazu zu bringen, die Umsetzung dieser Sanktionen aufzuschieben, damit Putin den russischen Haushalt vergrößern konnte. Nichts davon ist in dieser Situation geschehen.

Natürlich ist ein weiteres Zeichen dafür, wie schwer diese Niederlage mit den Sanktionen war, die Entscheidung der russischen Zentralbank, die Leitzinsen zu erhöhen, was faktisch zu neuen zerstörerischen Prozessen in der Wirtschaft geführt hat. Denn ja: Die Inflation beschleunigt sich in Russland nicht in dem wahnsinnigen Tempo, in dem sie sich beschleunigen müsste, wenn es solche hohen Zinsen nicht gäbe. Aber zugleich fressen diese Entscheidungen praktisch auch die letzten Geldreserven der Russischen Föderation und die Gewinne ihrer größten Unternehmen auf. Auch das muss man begreifen.

Und ich würde sagen: Es gibt jetzt den wichtigsten Faktor, über den wir real sprechen können. Anstatt Geld von den Energieriesen zu erhalten, gewährt Russland den zwei größten Energieunternehmen des Landes – dem Gasmonopolisten Gazprom und dem wichtigsten Ölunternehmen Russlands Rosneft – Steuervergünstigungen.

Das heißt: Putin erlaubt den wichtigsten staatlichen Energieunternehmen der Russischen Föderation faktisch, ins Haushalt nicht viel einzuzahlen. Er subventioniert sie. Und das ist eine absolut katastrophale Situation, weil ich mich noch sehr gut an Zeiten erinnere, als Gazprom auf allen Fernsehsendern der Russischen Föderation demonstrierte, es sei der wichtigste Reichtum dieses Landes. Und jetzt sehen wir eine Situation, in der der Nettoverlust von Gazprom im vergangenen Jahr fast 13 Milliarden Dollar beträgt.

Wie hätte es auch anders sein können? Gazprom hatte ein Energiemonopol nicht nur in Russland. Es war ein Energiemonopol in ganz Europa. Und jetzt, wo Europa sich praktisch vollständig vom russischen Gas befreit hat, wohin soll Gazprom es bringen? Nach China.

Aber um reale Pipelines zu bauen, die Gazprom erlauben, Gas nach China zu liefern, braucht man Jahre. Und wie Sie verstehen, wird China auch russisches Gas nicht zu den Preisen zu kaufen, zu denen die Europäer bereit waren, es zu kaufen. Das ist dieselbe Situation wie bei den Ölunternehmen. Und die Probleme der Ölunternehmen sind viel größere Probleme als die von Gazprom, weil Gazprom nicht solche Möglichkeiten für den russischen Staatshaushalt geschaffen hat, wie sie zum Beispiel Rosneft schafft.

Und hier muss man einfach über Zahlen nachdenken. Noch bevor Trump seine Sanktionen gegen Rosneft einführte, meldete dieses Unternehmen einen Rückgang seines Nettogewinns um 70 Prozent auf ungefähr 3,5 Milliarden Dollar in den ersten drei Quartalen 2025 im Vergleich zum Vorjahr – weil die Ölpreise schon gefallen waren. Und stellen Sie sich jetzt vor, wie hoch die Verluste dieses Unternehmens des engen Putin-Vertrauten Igor Setschin im vierten Quartal sein werden. 

Ich denke, viele Mitarbeiter von Rosneft werden sich von hohen Einkommen und Gehältern verabschieden müssen. Viele werden sich von ihren Arbeitsplätzen verabschieden müssen. Und vor allem wird der russische Haushalt sich von Rosneft-Geldern verabschieden und Rosneft neben der russischen Armee subventionieren müssen.

Und das spricht im Grunde dafür, dass eine enorme Zahl russischer Ölförderquellen ihre Geschichte beendet. Und das ist übrigens – selbst wenn man nicht über den russisch-ukrainischen Krieg spricht – eine Garantie für Stabilität in der Zukunft. Denn wenn man Russland das Öl nimmt, kann man ihm die Aggressivität nehmen.

Erinnern Sie sich, was mit Russland passierte – sowohl in der Form der Sowjetunion als auch in der Form des neuen Russland der Jelzin-Zeit –, als die Ölpreise niedrig waren. Demokratie. Sie vergaßen ihre vorgetäuschte Größe, die „Größe“ ihrer Kultur, und beschäftigten sich mit dem, womit sich ein unterentwickeltes Land beschäftigen soll, das den zivilisatorischen Wettbewerb längst verloren hat. Sie beschäftigten sich damit, Hähnchenschenkel aus den USA zu essen. Damit sollen sie sich auch in Zukunft beschäftigen, wenn es gelingt, ihnen die Ölgewinne zu nehmen.

Das Einzige, was man klar sagen muss: Der Prozess, der zum Zusammenbruch eines der abscheulichsten Imperien des 20. Jahrhunderts führte – der Sowjetunion –, war ein absolut natürlicher Prozess. Und hier zieht Putin selbst, eigenhändig, die Schlinge um den Hals des russischen Volkes zu. Wozu wir dieses Volk beglückwünschen. Denn all das hätte es im Grunde nicht geben sollen, wenn sie nicht beschlossen hätten, in unser Land einzudringen.

In dieser Situation – wie Sie verstehen – selbst wenn wir sagen: Man muss die russische Schattenflotte stoppen, die russischen Tanker, die jetzt nach China und Indien fahren; die Frage ist nur die Routen. Aber man muss noch eine wichtige Sache verstehen: Eine enorme Zahl dieser Tanker fährt überhaupt nirgendwohin, weil russisches Öl in dieser Situation auf dem Weltmarkt keine Nachfrage findet. Und die Tanker stehen und warten, wann es schließlich gelingt, das alles zu verkaufen.

In diesem Sinne gibt es völlig klare Tendenzen: im Kern ein Rückgang der Kaufkraft der Bevölkerung. Das sind ebenfalls ziemlich ernste Signale, die von Veränderungen sprechen. Und die Washington Post berichtet über einen Bericht der Sberbank Russlands, der meldet: Die Ausgaben der Bevölkerung für Kleidung sind Anfang Dezember dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um etwa 8,7 Prozent gesunken; für Haushaltswaren um 8,8 Prozent; für Gesundheit und Schönheit um 5,9 Prozent.

Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Das bedeutet, dass die Menschen sich – zum Glück – nicht leisten können zu kaufen, was sie sich früher leisten konnten; dass jener von vielen herbeigesehnte Sturz des gewöhnlichen Russen in den wirtschaftlichen Abgrund begonnen hat, aus dem er möglichst nicht herauskommen darf. Denn wenn er nicht herauskommt, wenn er darin strampelt, dann haben die Russen wieder einmal keine Zeit für Krieg und Größe.

Diese Entscheidung der Zentralbank über hohe Zinsen: Viele sagten, wie genial Elvira Nabiullina sei. Ja, vielleicht als Bankfachfrau. Aber in der Sache hat sie im ganzen Land eine enorme Anzahl krisenhafter Unternehmen geschaffen. Und so: Abbau von Arbeitsplätzen, Senkung von Löhnen, Ausbleiben von Lohnzahlungen in vielen wichtigen Betrieben.

Vor kurzem – und das ist eine Meldung russischer Medien – gab es eine Geschichte über einen Streik in Nischni Tagil von Arbeitern des Unternehmens Novalex, die betonen, dass sie seit zwei Monaten keinen Lohn bekommen. Und solche Ereignisse haben – laut der im Grunde regierungsnahen russischen Zeitung Iswestija, falls Sie sie noch kennen – bei ungefähr 34 Unternehmen der Russischen Föderation stattgefunden.

So wächst mit jedem Tag die Summe der nicht ausgezahlten Löhne. Auch das ist eine sehr ernste Geschichte. Zwei Monate lang zahlt man nicht einmal den Menschen, die in der Region Uljanowsk ein Kernkraftwerk bauen. Das ist alles. Und das bedeutet: Menschen können ihre Kredite nicht bezahlen; in den Banken entstehen enorme Bestände unbezahlter Kredite. Und so geht es darum, dass die Banken selbstverständlich ebenfalls vor einer echten Krise der Nichtzahlungen stehen.

Will ich Ihnen mit all dem sagen, dass dies das Ende des Krieges bedeutet? Nein. Der Präsident der Russischen Föderation wird immer nach dem Prinzip handeln: Wenn man mir weniger zahlt, wirst du weniger essen. Er ist nicht so sehr an sozialer Stabilität in Russland interessiert wie an der Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges, der Zerstörung unseres Staates und der Einschüchterung Europas.

Putin hat nie in wirtschaftlichen Kategorien gedacht. Und selbst wenn man sich vorstellt, dass reale große soziale Unruhen beginnen, wird es vor allem davon abhängen, wie effektiv und stark der Gewaltapparat der Russischen Föderation ist, der in der Lage ist, diese sozialen Unruhen in großem Blut zu ertränken.

Letztlich erinnern wir uns gut an die Ereignisse von 2020 in Belarus. Wenn Ereignisse dieses Ausmaßes in der Ukraine stattgefunden hätten, hätte Präsident Alexander Lukaschenko natürlich die Macht verloren, wäre verhaftet worden und säße, ich versichere Ihnen, seit inzwischen fünf Jahren im Gefängnis. Aber in der Situation, die sich in Belarus entwickelte, war – wie wir verstehen – der Gewaltapparat dieses Landes viel effektiver als der ukrainische, weil er fast drei Jahrzehnte lang auf eine Person aufgebaut wurde, Lukaschenko, und auf ein Kuratorland, die Russische Föderation.

In der Ukraine, wo zum Zeitpunkt, als Janukowytsch schon fast sein Amtsende erreichte und bis zu neuen Wahlen nicht mehr viel Zeit blieb, bereits vier Präsidenten gewechselt hatten, orientierte sich nicht jeder von ihnen an Russland als Kurator. Das heißt: In allen ukrainischen Sicherheitsbehörden gab es Gruppen, die sich sowohl am amtierenden Präsidenten als auch an der Russischen Föderation als politischem Sponsor Janukowytschs orientierten, und Gruppen von Sicherheitsleuten, die meinten, man müsse sich an den eigenen Interessen orientieren und darüber nachdenken, wer Janukowytschs Nachfolger sein werde, um mit ihm für die Zukunft zu verhandeln.

In einer Situation nicht konsolidierter Sicherheitsstrukturen gewinnt das Volk. In einer Situation konsolidierter Sicherheitsstrukturen gewinnt der Präsident, der ein effektives diktatorisches Regime schafft. Das ist etwas, was Janukowytsch offensichtlich nicht verstehen konnte. Aber in jedem Fall muss man das ebenfalls begreifen.

Das Anwachsen dieser wirtschaftlichen Probleme im Jahr 2026 oder 2027 wird ohnehin zu einer realen Veränderung der Lage in der Führung des Krieges führen. Es wird einfach nicht genug Geld geben, um Söldner zu bezahlen. Und Sie wissen, dass viele russische Regionen schon gezwungen sind, die Zusatzprämien für diese Verbrecher aus ihren eigenen Haushalten zu kürzen, weil sie schlicht kein Geld haben.

Die Ausgaben für den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation werden sinken. Es werden nicht mehr so viele Raketen und Drohnen produziert werden. Es wird nichts geben, womit man China und Nordkorea für Waffen bezahlen kann. Und wenn es doch so ist, wird das bedeuten, dass man Geld denselben Arbeitern wegnehmen muss, die erzählen werden, dass man ihnen nicht mehr zwei, sondern vier Monate lang keinen Lohn zahlt.

Und dann wird sich der Prozess des Hinauszögerns der Zeit, den wir jetzt vor dem Hintergrund der Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine beobachten, in einen anderen Prozess verwandeln – und darüber muss man ernsthaft nachdenken – in einen Prozess des Aushandelns der für die Russische Föderation bequemsten Bedingungen zur Beendigung des Krieges vor dem Hintergrund ihres wirtschaftlichen Zusammenbruchs.

Und das ist übrigens der gefährlichste Prozess für uns. Man sagt: „Na und, was ist daran schlecht? Sie werden Frieden wollen.“ Schauen Sie: Heute wünscht der Westen Frieden und will sehr aus dem russisch-ukrainischen Krieg herauszukommen, um kein Geld für den Krieg auszugeben; um sich nicht in Gefahr zu fühlen – wie die Länder Europas; um nicht die enge Bindung Russlands an die Volksrepublik China zu spüren – wie die Vereinigten Staaten. Das ist alles offensichtlich. Aber parallel zum ukrainischen Wunsch, den Krieg zu beenden, gibt es keinerlei russischen Wunsch. Der russische Wunsch ist, Zeit zu verzögern, um die Ukraine weiter zu zerstören und unsere Gebiete zu besetzen.

Stellen Sie sich jetzt vor, die Situation ändere sich und Russland sei tatsächlich bereit, den Krieg zu beenden. Nicht nur in Worten. Und Sie alle würden sagen: „Na wunderbar.“ Nein, das ist keine lineare Situation, Freunde. Wenn Russland nicht in Worten, sondern real bereit wird, den Krieg zu beenden, dann wird derselbe Trump Russland die privilegiertesten Bedingungen anbieten, damit der Krieg endet. Und das wird bedeuten: Anerkennung des russischen Status der besetzten Gebiete – jener, die zu dem Zeitpunkt besetzt sein werden, wenn das Feuer eingestellt wird. Und das wird bedeuten: Aufhebung der Sanktionen gegen die Russische Föderation. Und das wird bedeuten: Rückgabe der eingefrorenen russischen Vermögenswerte. Und das wird bedeuten: Wiederherstellung russischer Ressourcen für einen weiteren Krieg gegen die Ukraine, wenn Russland wieder Kräfte gesammelt hat.

Darin liegt das größte Problem, das entstehen kann. Einen Krieg mit einem nicht niedergerungenen Russland zu beenden, das in der Lage sein wird, seine Anstrengungen wiederherzustellen und der Ukraine in ein paar Jahren einen tödlichen Schlag zu versetzen, ist überhaupt nicht dasselbe wie einen Krieg mit einem Russland zu beenden, das in den Abgrund fällt. Wenn wir vom realen ukrainischen Interesse sprechen, ist es für uns viel wichtiger, dass Russland in einen solchen Abgrund gerät, aus dem es 20–25 Jahre lang nicht herauskommen könnte, damit wir in dieser Zeit schaffen uns zu erholen, der Europäischen Union beizutreten, der NATO beizutreten und eine so starke Armee zu erschaffen, die russische Ambitionen, wenn sie wieder aufkommen – und sie werden wieder aufkommen –, zerschlagen könnte.

Wenn man uns dafür zwei oder drei Jahre gibt, dann wird vier Jahre nach dem Ende des ersten Krieges ein zweiter Krieg solches Ausmaßes beginnen, der der Ukraine weitere Millionen Menschen nimmt und der der ukrainischen Staatlichkeit ein Ende setzen kann. Das ist ebenfalls absolut real, was geschehen kann.

Das ist bis zu einem gewissen Grad auch eine Wahl – eine Wahl der Zukunft, wie sie aussehen wird. Ich rufe nicht dazu auf, den Krieg fortzusetzen, wenn Bedingungen geschaffen werden, um Frieden zu erreichen oder zumindest den Krieg für eine bestimmte Zeit auszusetzen. Denn wiederum wird kein Ukrainer glauben, dass das nur ein Intervall ist, nach dem ein Schrecken größeren Ausmaßes beginnt. Aber in dieser Situation rufe ich zu einer anderen Formel auf: zu begreifen, dass, wenn Russland real einem Frieden zustimmt, das bedeutet, dass es in einem katastrophalem Zustand ist. In einer echter Katastrophe. Die russische Regierung wird niemals dem Frieden zustimmen, solange sie nicht versteht, dass sie faktisch schon mit einem Bein über dem Abgrund steht. Und gerade deshalb soll man nicht auf Kapitulationsbedingungen eingehen.

Wenn sie wirklich an Frieden interessiert sind, werden sie jedem Bedingungen zustimmen, um ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten und ihre Kontrolle über die Bevölkerung wiederherzustellen, die 2026 mit jedem Tag mehr und mehr verarmen und in einen sozialen Abgrund fallen wird, aus dem es keinen Ausweg gibt. Sie werden das selbst erleben, wenn Ihre Verwandten – die, wenn Sie welche haben – in der Russischen Föderation, die Sie seit 2022 vergessen haben und warteten, bis man Sie „befreit“ oder „bestraft“, je nach dem, welches Niveau an Dummheit Ihre Verwandten und Freunde haben, anfangen, Ihnen zu schreiben oder sogar anzurufen und zu sagen: „Ach, Maria, bei uns ist so ein Horror hier. Du kannst dir gar nicht vorstellen. Maxim hat nicht einmal die Möglichkeit, Schuhe für die Schule zu kaufen.“ Und so weiter. Das soll für Sie die beste Musik sein. Kein Geld, um dem Sohn Schulkleidung zu kaufen oder so etwas.

Damit beginnt Ihr normales glückliches Leben. Verstehen Sie: Sie rufen Sie an und jammern, dass sie reale wirtschaftliche Probleme haben. Mit der Verwandlung der Russen in Bettler ohne Perspektive beginnt Ihr glückliches Leben. Nur schicken Sie ihnen keine Äpfel oder sonst etwas.

Das wird die ersten Regentropfen auf dem Dach bedeuten, das bald mit sozialen Aufständen, nationalen Konflikten, Clan-Kämpfen, Auftragsmorden in Flammen stehen wird – alles, wie sie es mögen. Denn Russen sind dazu fähig, einander zu zerstören, viel effektiver als irgendwen sonst. Die Erfahrung des 20. Jahrhunderts mit seinem unglaublichen Bürgerkrieg, faktisch dem Selbstauffressen der Russen von 1917 bis – rechnen Sie – 1939, war eine der besten Illustrationen dafür, wie ein Volk sich selbst auffressen kann. Das soll passieren. Das ist die Garantie für Frieden: die Verlagerung der menschenfresserischen Gewohnheiten von uns auf sie selbst.

Aber wenn der Frieden beginnt, bevor das alles passiert, wird es keine Atmosphäre der Niederlage geben. Was man auch über das Ende der 80er und die 90er Jahre sagt, als es so viele demokratische Tendenzen in Russland gab: Es war eine Atmosphäre der Niederlage – verstehen Sie – der Niederlage der Sowjetunion. Sie war zu Ende. Niederlage des Putschkomitees, Niederlage des russischen Projekts der Dominanz in Europa, Niederlage im Krieg in Afghanistan. Das konnte man nicht verbergen. Und gerade vor dem Hintergrund dieser Niederlagen begann eine gewisse Selbstreflexion. Aber sobald die Ölpreise stiegen, wachte sofort der Genosse Menschenfresser auf, schaute sich um und dachte: „Ich bin schon satt, ich habe schon alles, Kaviar und Hering. Jetzt muss man jemanden töten und essen.“ Und dann begannen all diese Ereignisse, die am Ende in den endlosen russisch-ukrainischen Krieg übergingen.

Deshalb verfolge ich mit großem Interesse die wirtschaftlichen Veränderungen in der Russischen Föderation, in welchem Jahr sie auch immer zu einem Kollaps führen. Nicht einmal zu einem Kollaps der russischen Staatlichkeit, wie viele darüber denken. Nein: zu einem Kollaps der aggressiven Möglichkeiten. Auch das ist ein absolut realistisches Szenario des Ausgangs aus der ukrainischen Krise. Viel realistischer als wenn Dmitrijew zu Witkoff mit Kushner fährt und ihnen erzählt, wie sie in Zukunft wunderbar familiär Geld verdienen werden.

Deshalb schließe ich nicht aus, dass dieser absolut sinnlose Verhandlungsprozess, den wir beobachten, im Jahr 2026 mit Inhalt gefüllt wird, wenn er nicht unterbrochen wird. Und die Russen wollen ihn gerade deshalb nicht unterbrechen, weil sie begreifen, dass er ihnen in irgendeinem Moment – sie wissen nicht wann, aber irgendwann – als reales Instrument zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges nützlich sein kann. Das ist eine absolut offensichtliche Sache, an die wir uns erinnern müssen.

Das ist eine Analyse der Situation, die schon im nächsten Jahr entstehen kann.

Ich beantworte Fragen, die während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage. Ähnelt unser ukrainischer Glaube an einen Zerfall Russlands in Teile nicht dem Glauben der Juden an die Ankunft des Messias? Auch ein schönes Märchen, das dem Volk irgendwann in der Zukunft ein paradiesisches Leben verspricht.

Portnikov. Als Jude muss ich Ihnen sagen: Es geht überhaupt nicht um ein paradiesisches Leben in der Zukunft. Es geht darum, dass der Mensch in seinem jetzigen Leben verantwortlich sein muss. Denn wenn er nicht verantwortlich ist, wird nichts seine Zukunft ändern. Das ist eine völlig andere Vorstellung vom Verhalten im Leben als im christlichen Glauben, wo man sündigen kann und dann alle zwei Tage herumrennen und bereuen. Im Judentum „bereust“ du nicht in diesem Sinn, weil der Messias nicht denen, die richtig gelebt haben, ein Paradies verspricht, sondern einfach die Rückkehr zur Normalität. Also ist es besser, schon heute normal zu sein, stimmt’s? Im Judentum gibt es keinen Himmel und keine Hölle. Das ist, würde ich sagen, eine völlig andere Form religiöser Mythen, die gerade mit der Antike und der Übertragung dieser antiken religiösen Praktiken auf jüdischen Boden durch Christen verbunden ist.

Aber das ist eine andere Geschichte, denn ich bin grundsätzlich der Meinung, dass man, wenn wir über politische Kategorien sprechen, an nichts „glauben“ sollte. In diesen 30 Minuten habe ich kein einziges Wort über einen Zerfall Russlands gesagt, wie Sie bemerkt haben, weil что ich im Allgemeinen glaube, dass wir gerade jetzt den Zerfall Russlands als Imperium während des russisch-ukrainischen Krieges beobachten. Die Russische Föderation ist meiner Meinung nach ein typischer Nationalstaat mit einer überwältigenden Mehrheit russischer ethnischer Bevölkerung, der aus dieser Sicht dem ukrainischen Staat in derselben Form absolut ähnelt. Ja, in der Russischen Föderation gibt es nationale Gemeinschaften, aber sie spielen keine kritische Rolle – so wie sie eine kritische Rolle in der Sowjetunion und davor im Russischen Imperium spielten. Deshalb halte ich den Zerfall Russlands nicht für einen unvermeidlichen Prozess, aber ich sage Ihnen etwas ganz anderes.

Was schon vor dem Zerfall der Sowjetunion war und schon vor dem Zerfall des Russischen Imperiums: wirtschaftlicher Niedergang nimmt Russland immer die aggressiven Möglichkeiten. Als Ganzes oder in Teilen. Nur darüber spreche ich. Und dass es Menschen gibt, die glauben, dass das Ergebnis ein Zerfall Russlands sein werde, und ständig sagen: „Wir werden niemals existieren können, wenn Russland existiert“ – wie Sie verstehen, kann ein kleiner Staat nicht den Zerfall eines großen herbeiführen.

Wir sind nur ein kleiner Teil des Russischen Imperiums, dem es gelungen ist, sich von der Metropole abzuspalten. Und dass wir uns abgespalten haben, bedeutet nicht, dass der Teil, der in der Metropole geblieben ist, ebenfalls unbedingt zerfallen muss – obwohl das, würde ich sagen, ein künstlich geschaffenes Territorium der Metropole ist. Wir verstehen ja, dass alle Grenzen der Sowjetrepubliken nicht historisch gewachsene Grenzen sind, sondern Grenzen Stalins. Daher ist unbekannt, wie ein reales Russland in Zukunft aussehen kann. Aber das diskutieren wir nicht. Wir diskutieren, wie sich die wirtschaftliche Situation entwickeln kann.

Frage: Wie objektiv sind westliche Einschätzungen der wirtschaftlichen Lage in Russland? Überschätzt der Westen nicht die Wirkung seiner Sanktionen?

Portnikov. Der Westen stützt sich auf objektive Zahlen. Die Summe, für die Russland Öl verkauft, ist eine objektive Zahl. Jeder kennt sie. Man kann sie nicht verbergen. Man muss kein großer Ökonom sein, um den Rückgang der russischen Einnahmen zu berechnen. Wenn Sie vorhatten, Öl für 69 pro Barrel zu verkaufen, und verkaufen für 35 – ich verstehe überhaupt nicht, worüber wir sprechen. Was hat hier der Westen damit zu tun? Das ist Mathematik. Wenn Sie wissen, dass 24 plus 24 gleich 48 ist, brauchen Sie dafür keinen Westen. So ist es auch hier.

Der Westen überschätzt die Wirkung seiner Sanktionen gerade nicht, weil er versteht, dass noch ein langer Prozess der Zerstörung dieser Wirtschaft bevorsteht. Aber die Anzeichen ihrer, sagen wir, Lähmung sind aktuell absolut offensichtlicher als vor einem Jahr, nach objektiven Zahlen, die wir in Russland selbst sehen. In Russland selbst. 

Vor einem Jahr gab es in Russland keine Krise der Nichtzahlungen. Vor einem Jahr gab es in Russland nicht einen so niedrigen Ölpreis. Vor einem Jahr gab es in Russland nicht einen solchen Rückgang der Gewinne von Energieunternehmen. Russland selbst hat vor einem Jahr Energieunternehmen nicht subventioniert. Das ist ebenfalls objektive Realität. Faktisch sind heute die Hauptfaktoren verschwunden, die der russischen Wirtschaft erlaubten, schnell zu wachsen: hohe Ölpreise, die monopolistische Rolle Russlands auf dem Energiemarkt Europas und so weiter.

Frage. Haben Sie keine Angst, dass das Thema des Zusammenbruchs der russischen Wirtschaft jetzt von Russland selbst eingeworfen werden könnte, um die Hilfe für uns zu verringern? Nach dem Motto: Russland bricht ja bald zusammen, und es wird keinen Krieg geben.

Portnikov. Russland will absolut nicht, dass irgendwelche Themen über den Zusammenbruch der russischen Wirtschaft eingeworfen werden, weil es glauben kann: Wenn der Westen denkt, die russische Wirtschaft bricht zusammen, dann wird er mit viel weniger Lust auf politische Zugeständnisse an Russland eingehen. Umso mehr, als die Russen im Fall Trump es mit einem Raubtier zu tun haben. Das müssen Sie auch verstehen. Einerseits erzählt Trump, wie er mit Putin befreundet sein will, andererseits gibt er der Ukraine faktisch die Möglichkeit, den Öl- und Gassektor der Russischen Föderation zu zerstören, inzwischen einschließlich der Tanker. Wir verstehen ja, dass ohne amerikanische Geheimdienstinformationen all das nicht geschehen wäre.

Und Sie können fragen: „Wie kann das sein?“ Weil Trump einerseits mit Putin Geld verdienen will, und andererseits Putin vom Energiemarkt verdrängen will. Nichts Persönliches, nur Geschäft. Wenn es einen Anlass wie den russisch-ukrainischen Krieg gibt, der die Möglichkeit schafft, die Ölunternehmen Russlands legal zu zerstören, ohne besonderes Risiko für sich selbst – warum sollte man das nicht tun? Das ist Trump. Und ich schließe übrigens nicht aus, dass, wenn Trump dem Friedensprozess wirklich einen „Punkt“ setzt, weil Putin ihn nicht unterstützt, wir noch weitreichende Raketen bekommen können, um diese Unternehmen weiter zu zerstören.

Dabei interessiert Trump absolut nicht, was am Ende mit uns passiert. Hauptsache, wir zerstören das alles. Wenn wir uns dabei selbst in eine Wüste verwandeln – dann ist es eben eine Wüste, man kann die Wüste wieder aufbauen. Was macht das für einen Unterschied, wenn Russland dann kein Energie-Konkurrent mehr ist? Sie müssen einfach verstehen: Das hat nichts mit Werten zu tun.

Und Putin versteht das. Das ist schlimmer als mit Biden, weil Trump ist die Ukraine egal. Man kann ihn nicht mit der Ukraine einschüchtern. „Oh, ich werde da etwas machen.“ „Mach. Ich benutze sie als Instrument für deinen Energie-Zusammenbruch. Und was du mit ihnen machst, ist dein Problem. Das geht uns überhaupt nicht an.“

Frage. Könnten die Russen eine deutlich größere „Kriegskasse“ haben, auf die sie für den Krieg setzen, außer den eingefrorenen Vermögenswerten? Vielleicht liegen irgendwo noch 900 Milliarden in anderen Ländern und niemand spricht darüber?

Portnikov. Ich sehe, dass das Verständnis der Wirtschaft noch komplizierter ist als das Verständnis der Politik. Ich freue mich sogar, dass ich kein Wirtschaftsexperte bin, weil ich sonst wahrscheinlich völlig den Verstand verlieren würde. Dass wir politische Kategorien nicht verstehen – daran habe ich mich irgendwie gewöhnt. Aber dass wir die Wirtschaft wie ein Kinder-Märchen wahrnehmen, ist überhaupt wunderbar. Nein, so etwas kann es nicht geben. Man kann 900 Milliarden nicht irgendwo verstecken, ohne dass irgendjemand davon weiß. Versuchen Sie mal, bei sich zu Hause ein paar Millionen Dollar zu verstecken, ohne dass jemand davon weiß. Ich möchte sehen, wie das geht.

Frage. Aber die Russen sind es gewohnt, schlecht zu leben. Können wirtschaftliche Probleme ihre Unterstützung für den Krieg zerstören?

Portnikov. Erstens glaube ich nicht, dass die Russen den Krieg besonders unterstützen. Sie stehen ihm gleichgültig gegenüber. Zweitens geht es nicht darum, ob sie den Krieg unterstützen oder nicht. Die Frage ist, ob der Staat Geld hat, um den Krieg zu finanzieren. Die Russen gehen ruhig mit dem Krieg um, weil es so etwas wie einen sozialen Pakt zwischen ihnen und dem Staat gibt: Sie überleben, der Staat führt Krieg. Aber was, wenn die Leute nicht mehr überleben können? Und dann verstehen Sie: Irgendwann wird es nicht mehr um das Überleben des russischen Volkes gehen, sondern um das Überleben des militärisch-industriellen Sektors. Auch dafür braucht man Geld. Menschen, die den Zusammenbruch der Sowjetunion erlebt haben, erinnern sich, wie riesige Betriebe des militärisch-industriellen Komplexes der Sowjetunion geschlossen wurden, weil es kein Geld dafür gab.

Übrigens hat das den wirtschaftlichen Zusammenbruch unseres Landes verursacht, das ein Flaggschiff des militärisch-industriellen Komplexes der Sowjetunion war, weil hier viel Ingenieurwesen, viel wissenschaftlich-technische Intelligenz, viele qualifizierte Arbeiter gabs. Hier war die größte Dichte solcher Betriebe konzentriert. Und wer brauchte das alles damals schon? Damit endete die wirtschaftliche Geschichte der Ukraine. Die Ukraine verwandelte sich relativ schnell von einem Staat des militärisch-industriellen Komplexes in einen Agrarstaat und einen metallurgischen Staat. War sie vor 1991 so? Nein, war sie nicht. Es war ein Staat des militärisch-industriellen Komplexes. Sie erinnern sich sehr gut daran. Allein Piwdenmasch ist ein Beispiel dafür.

Frage. Ich habe Nachrichten über Personalmangel und niedrige Löhne im russischen Innenministerium gehört. Ist das eher ein Zeichen eines Kampfes des Inlandsgeheimdienstes gegen die Polizei oder einer allgemeinen Schwächung des Regimes?

Portnikov. Das ist ein Zeichen einer allgemeinen Schwächung des Regimes, wenn nicht genug Geld für nicht privilegierte Sicherheitskräfte da ist. Denn das ist tatsächlich eine Machtvertikale, die auf dem Monopol des Inlandsgeheimdienstes der Russischen Föderation aufgebaut ist. Das haben Sie absolut richtig bemerkt. Und deshalb werden die Geheimdienstleute zuerst Gehalt und andere Einnahmen bekommen. Aber sagen wir: Das Innenministerium kann als erstes wirtschaftliche Verluste spüren.

Außerdem darf man noch etwas nicht vergessen. In Russland gilt es auf Elitenebene als absolut legal, würde ich sagen: Menschen, die im Innenministerium arbeiten, nicht „auf der Straße“, sondern im Apparat, sollen Gehälter bekommen. Aber diejenigen, die „auf der Straße“ arbeiten – Polizisten – sollen sich von den Leuten ernähren. Das tun sie auch. Ich erinnere mich, ich sah einmal das Ergebnis einer geschlossenen Umfrage, in der Verkehrspolizisten gefragt wurden: Wie viel Geld würden sie gerne verdienen, um keine Bestechungsgelder zu nehmen? Ich werde Ihnen diese Zahl nicht einmal nennen. Sie ist hübsch. Und ich weiß nicht, wie ein Staat aussehen soll, der ihren Appetit befriedigt. Stellen Sie sich also vor: niedrige Gehälter bei der Verkehrspolizei der Russischen Föderation. Wer geht da wegen des Gehalts hin? Das ist wie bei uns bei irgendeinem Zoll.

Frage. Wie passen zwei Nachrichten zusammen: über die schwierige wirtschaftliche Lage Russlands und darüber, dass Pläne für einen Angriff auf Europa von 2030 auf 2027 vorverlegt wurden? Mit welchem Geld?

Portnikov. Ich denke, dass der Eindruck, Russland habe reale Möglichkeiten, Europa anzugreifen, ebenfalls eine enorme Übertreibung ist. Ich stimme vollständig dem deutschen Verteidigungsminister Boris Pistorius zu, der glaubt, es gebe keinen Grund zu glauben, Russland werde einfach so angreifen. Aber das heißt nicht, dass es keine Elemente hybrider Kriegsführung geben kann. Um Drohnen nach Europa zu schicken, auch ударfähige, braucht man kein großes Geld. Das ist alles sehr billig. Und man muss keine Menschen schicken, damit sie dort zu Fuß herumgehen. So kann ein Krieg aussehen.

Sie verstehen: Wenn Russland beginnt, beispielsweise militärische Objekte in Europa anzugreifen, die zur Unterstützung der Ukraine genutzt werden, und die NATO nicht weiß, was zu tun ist – ob man auf Russland zurückschlagen soll oder nicht –, das wird eine neue Stufe dieser Geschichte sein. Darüber sollte man nachdenken, wenn wir über die weitere Entwicklung des Konflikts sprechen. Das ist nicht die Frage des Geldes. Aber wiederum: Was kann Russland damit erreichen, außer einer Eskalation und einer Prüfung, wie weit der Westen bereit ist, mit ihm zu kämpfen?

Frage. Wenn das Regime Maduros fällt, wie beeinflusst das Russland?

Portnikov. Gar nicht. Hat der Fall des Assad-Regimes Russland ernsthaft beeinflusst? Sie überschätzen die realen geopolitischen Möglichkeiten Russlands zusammen mit Putin. Ich sage: Sie überschätzen, weil ja, Russland hatte Basen in Syrien, aber ich würde nicht sagen, dass es ein so großer geopolitischer Spieler war, selbst im Nahen Osten, denn sein geopolitischer Einfluss basierte im Wesentlichen darauf, dass es aus Flugzeugen friedliche Viertel von Aleppo bombardieren konnte. Aber es hatte – im Unterschied zur Türkei – keine eigenen paramilitärischen Anhänger in Syrien. Es hatte das Assad-Regime, das faktisch jede Autorität und Popularität verloren hatte.

Die Iraner hatten dort ihre Anhänger, die Türkei ihre, die Vereinigten Staaten ihre. Und wie Sie sehen, kämpfen all diese Kräfte bis heute miteinander. Wir sehen gerade wieder Kämpfe um Aleppo und so weiter. Und Russland kam über Brutalität durch.

In Venezuela hat Russland überhaupt nichts dergleichen, was es ernsthaft verlieren könnte. Das Einzige, was die russische Situation beeinflussen kann, ist, sagen wir, die Freisetzung der Energiepotenziale des Landes mit den größten Ölreserven der Gegenwart und das Erscheinen venezolanischen Öls auf dem Markt.

Aber auch das ist vorerst eine sehr große Frage. Wird das Regime Maduros wirklich fallen? Kann Trump sich in einen ebenso langen und zermürbenden Krieg in Venezuela hineinziehen lassen, wie Putin sich in der Ukraine hineinziehen ließ? Kann das sein? Kann. Wie ist aktuell die Lage mit venezolanischem Öl? Wie viel Zeit braucht man, bis es real auf den Weltmarkt kommt? Hier gibt es völlig unterschiedliche Prognosen von Experten. Einige sagen, es würden ein paar Monate genügen, andere sagen, ein paar Jahre würden genügen und dass Trump diesen Strom kaum sehen wird.

Hier gibt es also viele Fragen, auf die ich keine Antwort habe. Aber eines ist offensichtlich: Wir befinden uns in einer Situation, die damit zusammenhängt, wie sich die wirtschaftliche Lage in Russland weiterentwickeln wird. „Die Zeit arbeitet nicht für Russland“, schrieb mir ein Kommentator im Telegram-Kanal, „aber auch nicht für uns. Wir brauchen dringend Veränderungen in der Regierung.“ Wiederum: Veränderungen in der Regierung hängen davon ab, inwieweit der ukrainische Präsident die Notwendigkeit solcher Veränderungen versteht. Bisher gibt es keine objektiven Voraussetzungen für einen Machtwechsel in der Ukraine in absehbarer Zeit – egal was man über Wahlen sagt –, weil es keine Perspektive für ein Ende der Kampfhandlungen und keine Sicherheit für Wähler gibt. Reale Wahlen sind unmöglich. Und selbst Wahlen würden nicht zu einer Anerkennung ihrer Legitimität führen, sagen wir, durch die Russische Föderation. Deshalb würde ich in diesem Punkt nicht eilig Schlüsse darüber ziehen, was im russisch-ukrainischen Krieg geschieht.

Übrigens muss ich Ihnen sagen, dass gerade jetzt, während wir sprechen, eine Sitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen stattfindet, die Venezuela gewidmet ist. Das ist eine wunderbare Geschichte der Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und Russland, die sich dort abspielt. Dort sagt der Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen Mike Walz, dass die Vereinigten Staaten Sanktionen im maximalen Umfang anwenden werden, um Maduro Ressourcen zu entziehen, die er zur Finanzierung eines Drogenkartells nutzt. Und sanktionierte Öltanker seien der wichtigste wirtschaftliche Korridor für Maduro und sein illegitimes Regime. Das ist alles.

Der russische Vertreter Nebensja betont: „Das ist ein künstlicher Vorhang eines Anti-Drogen-Kampfes, der die Ziele der Vereinigten Staaten verbirgt, die Druck auf einen unabhängigen Staat ausüben, dessen Politik Washington nicht gefällt. Und die Russen verurteilen entschieden die Beschlagnahmung von Öltankern, faktisch die Blockade Venezuelas, was ein offensichtlicher Akt der Aggression ist.“ „Washington“, sagt Nebensja, „respektiert Unabhängigkeit nur dann, wenn Staaten ihre Politik an die Interessen der USA anpassen. Wir bedauern, dass die neue US-Regierung, die in ihrem Ansatz gegenüber anderen Krisensituationen nüchtern und pragmatisch war, gegenüber Venezuela voreingenommen bleibt – in einem Ansatz, den sie selbst aktiv kritisiert.“

Übrigens: Den Ansatz, den sie selbst aktiv kritisiert – wenn ich es richtig verstehe, ist das der russische Ansatz gegenüber der Ukraine oder wie? Das ist einfach eine Illustration dafür, dass sich ein neues Niveau der russisch-amerikanischen Eskalation rund um das Maduro-Regime ebenfalls buchstäblich vor unseren Augen entfaltet.


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Titel des Originals: Російська економіка у прірві: наслідки | Віталій Портников. 23.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 23.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump verführt Lukaschenko | Vitaly Portnikov. 24.12.2025

Der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump betrachtet seine Kontakte mit seinem belarussischen Amtskollegen Alexander Lukaschenko als Teil einer breiteren Strategie, die darauf abzielt, die Beziehungen zum Kreml zu verbessern und eine Überwindung der internationalen Isolation Russlands zu ermöglichen.

Einfach gesagt prüfen amerikanische Beamte, wie Lukaschenko auf die Möglichkeit einer Aufhebung der Sanktionen gegen Belarus reagiert und zu welchen Zugeständnissen der belarussische Diktator im Austausch für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in seinem eigenen Land bereit ist.

Das Wall Street Journal berichtet, dass Trump seinen langjährigen Vertrauten John Coyle mit der Aufgabe betraut hat, Alexander Lukaschenko zu umwerben. Coyle führte mit dem belarussischen Diktator stundenlange Gespräche, bei denen es keineswegs nur um die Lockerung der Sanktionen gegen führende belarussische Unternehmen und die Freilassung politischer Gefangener aus Lukaschenkos Gefängnissen ging, sondern auch um Themen, die Lukaschenko noch weit mehr interessierten.

So versuchte John Coyle beispielsweise, den belarussischen Präsidenten mit einem Schlankheitspräparat zu verführen, das er selbst verwendete und für das Lukaschenko Interesse zeigte. Mehr noch: Coyle versuchte, eine Lieferung dieses Präparats nach Belarus zu organisieren.

Wie bekannt ist, ist Lukaschenko in den letzten Jahren sehr besorgt sowohl um sein äußeres Erscheinungsbild als auch um seinen Gesundheitszustand. Und es stellt sich heraus, dass weder die Medizin des Kremls noch die belarussische Medizin dem alternden Diktator helfen können, seine Gesundheit und damit seine ungeteilte Macht über die Belarussen zu bewahren. Deshalb muss er sich an den „verfluchten Westen“ wenden – was allerdings schon immer eines der Hauptwünsche autoritärer Machthaber war und sie ideologisch nie davon abgehalten hat, wenn es um die Verlängerung ihres eigenen Lebens und den Erhalt ihrer Gesundheit ging.

So wurde das Schlankheitspräparat zu einem der wichtigsten Argumente im Dialog zwischen Coyle und Lukaschenko. Und keinerlei moralische Erwägungen über die Art und Weise, wie Lukaschenko seit Jahrzehnten sein Land regiert, hielten den Vertrauten Donald Trumps davon ab. Er antwortete, dass es völlig egal sei, mit wem man spreche, solange dieser Mensch einem das geben könne, was man anstrebt.

Dasselbe Rezept wendet die Regierung Donald Trumps offenbar an, wenn es um eine Person geht, die beim amerikanischen Präsidenten weit mehr Bewunderung hervorruft als Alexander Lukaschenko – um Wladimir Putin. Und man kann davon ausgehen, dass das Schema, das Trump im Umgang mit dem belarussischen Diktator verwendet – wirtschaftliche Versprechungen zur Erzielung politischer Ergebnisse –, von ihm durchaus als ideal für den Dialog mit dem Kreml angesehen wird.

Zumal Freunde und enge Verwandte Donald Trumps in der Zusammenarbeit mit der Regierung des russischen Präsidenten weitaus mehr Geld verdienen können als in der Zusammenarbeit mit der Regierung des Präsidenten von Belarus.

Nun ja, die Dimensionen sind andere. Viele glaubten, Trump habe ein besonderes Verhältnis zu Lukaschenko aufgebaut, um dessen Abhängigkeit von seinem russischen Kollegen zu verändern und so den Einfluss Russlands im postsowjetischen Raum zu verringern. Doch offenbar ist genau das nicht das, was den amerikanischen Präsidenten interessiert.

Wenn es um Belarus geht, kann Belarus von der Trump-Regierung nicht nur als Testgelände betrachtet werden, das zeigen soll, wie Beziehungen zu Wladimir Putin aufgebaut werden und welche Versuchungen Donald Trump dem russischen Präsidenten anbieten wird, sondern vielmehr als eine Art Fenster zum Aufbau besonderer Beziehungen zur Russischen Föderation, falls Putin auf keine der Versuchungen Trumps eingeht, der Wunsch nach für die Trump-Regierung, seine Familie und seine Verwandten vorteilhaften Beziehungen aber bestehen bleibt.

In diesem Fall könnte Belarus, dessen Führung eigene Beziehungen zu den Vereinigten Staaten aufbaut, nicht mehr als Testgelände, sondern als russisches Fenster nach Amerika genutzt werden. Und unter Vermittlung des belarussischen Präsidenten könnten zumindest Pilotprojekte wirtschaftlicher Art umgesetzt werden, die für das Umfeld Donald Trumps und das Umfeld Wladimir Putins von Bedeutung sind.

Dabei würde der Sanktionsdruck auf Russland formal bestehen bleiben, und niemand könnte Trump vorwerfen, dass sein Land internationale Verpflichtungen verletzt oder Russland bei seinem Eroberungskrieg gegen die Ukraine unterstützt.

Schließlich kann auch die Unterstützung des belarussischen Regimes, von dessen Territorium aus 2022 der Angriff auf die Ukraine erfolgte, als Teil einer solchen Unterstützung betrachtet werden. Doch wir können erneut auf das Zitat von John Coyle zurückkommen, der überzeugt ist, dass es keinerlei Rolle spielt, mit wem man spricht, solange diese Person einem das geben kann, was man will.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum Donald Trump dann so ernste persönliche Vorwürfe gegen den Präsidenten Venezuelas, Nicolás Maduro, erhebt, der seine Macht in Venezuela nach demselben Prinzip wie Alexander Lukaschenko erhält und ein Diktator nahezu desselben Typs ist. Vielleicht liegt der Grund überhaupt nicht darin, dass Trump über die venezolanische Demokratie nachdenkt oder sich auch nur eine Minute am Tag für das Schicksal des venezolanischen Volkes interessiert. Vielleicht liegt der Grund darin, dass Nicolás Maduro zumindest bislang Donald Trump und seinem Umfeld nicht geben kann, was diese Menschen tatsächlich wollen.

Für Nicolás Maduro setzt sich übrigens Alexander Lukaschenko selbst ein, der bereit ist zu garantieren, dass der venezolanische Präsident kein Drogenabhängiger ist. Doch wir sehen, dass in diesem Fall die Meinung Alexander Lukaschenkos Donald Trump überhaupt nicht interessiert. Und der venezolanische Präsident kann kaum auf Wohlwollen des amerikanischen Präsidenten hoffen, selbst dann nicht, wenn er nach irgendeiner Form der Annäherung an Trump und seine Regierung suchen sollte.

Wenn wir also diese so unterschiedlichen Haltungen Washingtons gegenüber Minsk und Caracas beobachten, können wir zumindest für uns selbst klar feststellen, dass es hier überhaupt nicht um Werte oder um den Schutz der Demokratie geht, sondern um Interessen, die Maduro offensichtlich nicht bedienen will – oder vielleicht auch nicht mehr bedienen kann, angesichts des Zustands, in den er die venezolanische Wirtschaft gebracht hat.

Und Lukaschenko – selbst wenn er es vielleicht nicht wirklich kann – will es offensichtlich, und vor allem ist er in der Lage, diesen Willen der Trump-Regierung zu demonstrieren und jene für die Fortsetzung der Zusammenarbeit notwendige Illusion zu schaffen, die in den Beziehungen mit der heutigen Regierung immer diejenigen steuert, die ihr Bilder einer angeblichen Zusammenarbeit vorlegen können.

Und natürlich wird in diesem Fall für Alexander Lukaschenko das beste Beispiel dafür, wie man Geschäfte macht, nicht Nicolás Maduro, sondern sein langjähriger Kumpel Wladimir Putin.


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Titel des Originals: Трамп искушает Лукашенко | Виталий Портников. 24.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 24.12.2025.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Friedensplan: Details und Folgen | Vitaly Portnikov. 24.12.2025.

Heute hat der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky alle 20 Punkte jenes Friedensplans präsentiert, der nach Verhandlungen der amerikanischen und der ukrainischen Delegation unter Beteiligung europäischer Vertreter abgestimmt worden war. Und ich denke, dieser Inhalt ist ein ausreichend wichtiges Thema, damit wir ihn mit Ihnen detailliert besprechen.

Heute ging man auch davon aus, dass dieser Friedensplan der russischen Seite vorgestellt werden könnte, dass es Gespräche zwischen Vertretern der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation geben werde. Möglicherweise war sogar von Gesprächen zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und dem Präsidenten Russlands Putin die Rede.

Aber bislang gibt es keine Meldungen darüber, dass solche Gespräche stattfinden werden. Hoffen wir, dass die Informationen darüber, inwieweit es jetzt irgendein Gespräch zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten geben wird, bald erscheinen.

Angesichts dessen, dass wir uns am Heiligabend unterhalten — gratuliere ich Ihnen von Herzen zum Fest, Freunde; für diejenigen, die jetzt feiern: natürlich ist es, gelinde gesagt, seltsam anzunehmen, dass es am Heiligabend irgendein Gespräch zwischen Amerikanern und Russen über diesen Friedensplan geben wird.

Aber so oder so ist der Inhalt des Dokuments wichtig. Und hier möchte ich auch eine wichtige Sache sagen. Viele, wenn sie diesen Plan kritisieren — in vielen Punkten ziemlich seltsam — behandeln ihn wie einen ukrainischen Plan und machen den ukrainischen Teilnehmern der Verhandlungen Vorwürfe wegen der Unbeholfenheit bei der Abfassung dieses Dokuments.

Ich möchte Sie überhaupt daran erinnern, dass dies kein ukrainischer Friedensplan ist, und nicht einmal ein amerikanischer. Wir können davon ausgehen, dass der eigentliche Verfasser dieses Plans Juri Uschakow ist, der außenpolitische Berater des Präsidenten der Russischen Föderation. Und dieser Plan wurde Steve Witkoff und dem Schwiegersohn des Präsidenten der Vereinigten Staaten Jared Kushner von Kirill Dmitriew, dem Sonderbeauftragten des russischen Präsidenten, mit einem einzigen realen Ziel übergeben: die Einführung neuer Sanktionen gegen die Russische Föderation zu verhindern.

Und möglicherweise gab es noch ein weiteres Ziel, das wir erst jetzt verstehen: die Bereitstellung der eingefrorenen russischen Kredite für die Ukraine zu verhindern und dieses Geld für die Zukunft zu retten — was teilweise gelungen ist. Teilweise, weil das Geld bislang gerettet ist, aber zugleich hat die Ukraine europäisches Geld erhalten, womit die Russen nicht gerechnet hatten.

Warum sage ich das? Weil die Unbeholfenheit des Plans damit zusammenhängt, dass Steve Witkoff und Jared Kushner — und durch ihre Vermittlung Donald Trump — diesen Plan als ernsthaftes Dokument wahrgenommen und begonnen haben, real an seiner Umsetzung zu arbeiten.

Sie sehen ja, dass Menschen, die sich auch nur ein wenig in Diplomatie auskennen und alle realen Ergebnisse dieses Plans verstehen, das heißt das Fehlen solcher Ergebnisse, sich von diesem Dokument distanzieren, wie es etwa der Außenminister der Vereinigten Staaten Marco Rubio tut.

Aber zugleich existiert der Text. Und ich bin praktisch sicher, dass die Russische Föderation einer ganzen Reihe von Punkten nicht zustimmen wird. Und diese Reihe von Punkten wird von den Russen mit den Amerikanern diskutiert werden. Daraus wird irgendein neues Dokument entstehen, das dann wieder mit den Ukrainern und Europäern diskutiert werden wird.

So kann ziemlich viel Zeit vergehen. Ich bin generell Anhänger der Theorie, dass das im Januar 2029 enden wird — mit dem Moment, in dem Donald Trump das Oval Office verlässt. So lange diese Situation weitergehen und sich in Krieg und ständige Alarmbereitschaft verwandeln kann, dürfen wir uns nicht mit den Vereinigten Staaten zerstreiten – damit Amerika uns weiterhin unterstützt und Russland unter Druck setzt. Das ist der ganze Sinn dieses Friedensplans. Es geht nicht um Frieden, es geht um Krieg, um unsere Standhaftigkeit im Krieg.

Also: Der erste Punkt des Plans ist meiner Meinung nach absolut sinnlos: dass die Souveränität der Ukraine erneut bestätigt werden soll. Die Ukraine ist ein souveräner Staat, und alle Unterzeichner der Vereinbarung sollen dies mit ihren Unterschriften bestätigen. Das ist eine absolut seltsame Idee, weil bislang in keinem Land der Welt Zweifel an der Souveränität der Ukraine bestanden haben. Und die Russische Föderation ist hier keineswegs eine Ausnahme.

Ich habe schon oft gesagt, dass Russland, selbst wenn es formal Anspruch auf einen Teil des ukrainischen Territoriums erhebt und aus allen seinen Lautsprechern behauptet, die Ukraine sei ein erfundener Staat, aus rechtlicher Sicht den Fakt der ukrainischen Staatlichkeit in keiner Weise bestritten hat. Sie sagten einfach, diese Staatlichkeit werde vom Westen genutzt, um die Ukraine in eine Anti-Russland zu verwandeln.

Das ist natürlich eine wunderbare Geschichte, aber zugleich müssen wir begreifen, dass ein solcher Punkt vor allem von Moskau diktiert worden sein könnte. Warum? Präsident Putin spricht, wie Sie wissen, ständig von einem sogenannten Staatsstreich in der Ukraine, der 2014 stattgefunden habe. Er spricht ständig von der angeblichen Illegitimität der ukrainischen Macht.

Obwohl er sich mit jedem ukrainischen Präsidenten, der nach 2014 gewählt wurde, nachdem Viktor Janukowytsch die Ukraine verlassen hatte, als mit einem legitimen Staatsoberhaupt getroffen hat. Und dann begannen wieder die Gespräche über einen Staatsstreich — sobald entweder Petro Poroshenko oder Volodymyr Zelensky sich weigerten, zu russischen Bedingungen zu kapitulieren.

Wenn es also überhaupt zu irgendeinem Friedensabkommen kommt, wird Russland auf diese Weise juristisch das Thema eines illegitimen ukrainischen Staates, der nach 2014 entstanden sei, schließen und Beziehungen zu einer neuen ukrainischen Führung beginnen, die in Wahlen gewählt werden soll — Wahlen, die Russland dann sozusagen „von einem sauberen Blatt“ anerkennen müsse.

Das ist völliger Unsinn. So kann Putin sich jedoch einen Weg offenhalten, wie er in Zukunft aus der Situation herauskommen will. Ich sage noch einmal: Wenn überhaupt irgendwann die Möglichkeit entsteht, ein Friedensabkommen zu unterzeichnen — ich persönlich glaube überhaupt, dass es kein Friedensabkommen geben wird, dass der Krieg, wenn er einmal unterbrochen wird, dann nur durch einen Waffenstillstand irgendwann.

Aber wenn die Notwendigkeit eines Friedensabkommens entsteht, wird Putin so erklären können, warum er die Zusammenarbeit mit einer neuen legitimen Führung der Ukraine wieder aufgenommen hat. Natürlich wird Putin alles Mögliche tun, damit diese neue Führung der Ukraine was ist? Pro-russisch. Das ist auch Teil von Putins Zukunftsplänen, falls es ihm nicht gelingt, die gesamte Ukraine in das Territorium seines Staates zu verwandeln.

Zweiter Punkt: ein Nichtangriffsabkommen zwischen Russland und der Ukraine. Zur Sicherung eines dauerhaften Friedens soll ein Überwachungsmechanismus eingerichtet werden, der die Frontlinie kontrolliert – durch Beobachtung, frühzeitige Meldung von Verstößen und Maßnahmen zur Entschärfung von Konflikten.

Das bedeutet: Einerseits wird damit vorausgesetzt, dass Russland die Ukraine künftig unter keinen Umständen mehr angreifen darf. Andererseits wird festgestellt, dass die Ukraine keine Gewalt anwenden darf, um ihre verfassungsmäßigen Gebiete zu befreien, die von der Russischen Föderation besetzt sind.

Für uns ist das eine klare Feststellung, dass wir faktisch auf die Gebiete verzichten, die unter russischer Kontrolle bleiben werden, weil es keine politischen Instrumente gibt, Russland dazu zu zwingen, diese Gebiete aufzugeben. Ich denke, in absehbarer Zukunft wird es sie auch nicht geben. Und wenn solche politischen Instrumente in 20 Jahren entstehen, dann wird die Bevölkerung dieser zurückgewonnenen Gebiete zu einem politischen Faustpfand, mit dem Russland die Ukraine wieder in seine Einflusszone ziehen kann. Das muss man auch verstehen, damit es keine Illusionen gibt.

Stellen Sie sich ein paar Generationen vor, die unter dem Einfluss der russischen Propaganda aufgewachsen sind. Es spielt keine Rolle, ob in einem demokratischen oder einem imperialistischen Russland. In einem Russland, in dem klar ist, dass die Ukraine „zweite Klasse“ ist oder gar nicht existiert. In einem demokratischen — „zweite Klasse“, in einem chauvinistischen — gar nicht existent.

Jede Bevölkerung der angeschlossenen Gebiete — angesichts der Menge pro-russischer Bevölkerung auch in der Ukraine selbst — sie wird in einem solchen politischen Szenario zum entscheidenden Faktor dafür, dass die ukrainische Staatlichkeit allmählich verschwindet. Und wenn es keinen militärischen Weg gibt, ist klar, dass es nur einen politischen geben kann — irgendwann in einer fernen Zukunft.

Dass Russland sich verpflichtet, die Ukraine nicht anzugreifen, hat ebenfalls keinerlei Bedeutung. Russland hat sich das stets verpflichtet. Das Budapester Memorandum, davor die Alma-Ata-Erklärung mit Anerkennung all unserer Grenzen, der große Vertrag zwischen Russland und der Ukraine. All das hat in der Vergangenheit nicht verhindert, dass selbst der Oberste Rat der Russischen Föderation, der 1993 aufhörte zu existieren, schon den russischen Status Sewastopols anerkannt hat — ohne irgendeinen Putin. Ich erinnere Sie nur daran: Es muss bei den Ukrainern eine klare Gewissheit bestehen, dass es für Russland, außer der Angliederung ukrainischer Gebiete, keine andere Alternative gibt. Daher ist nicht sehr klar, worin der Sinn dieses zweiten Punktes besteht.

Dritter Punkt: verlässliche Sicherheitsgarantien. Er konkretisiert das nicht, wie Sie verstehen. Und es bleibt nur zu verstehen, was diese verlässlichen Garantien sind und wie sie aussehen sollen. Hoffen wir, dass wir eine klare Erklärung dazu bekommen, worum es geht. Obwohl — wie Sie verstehen — es in der modernen Welt überhaupt keine verlässlichen Sicherheitsgarantien gibt.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass wir nicht einmal sicher sind, ob Artikel 5 des NATO-Vertrags wirkt. Wir sind nicht einmal sicher, dass die Vereinigten Staaten in der Ära Donald Trumps Europa vor einem möglichen Angriff der Russischen Föderation verteidigen werden. Also um welche Sicherheitsgarantien geht es dann? Das bleibt es noch herauszufinden.

Vierter Punkt: die Größe der ukrainischen Streitkräfte, die auf einem Niveau von 800.000 Soldaten beibehalten werden soll. Das ist für uns eine ziemlich gute Zahl, obwohl wiederum jeder versucht zu verstehen: wie soll das finanziert werden? Jetzt können wir unsere Bedürfnisse für die Streitkräfte der Ukraine mithilfe westlicher Verbündeter decken. Werden sie bereit sein, uns weiterhin dasselbe Geld zu geben? Auch angesichts der Notwendigkeit, die ukrainische Wirtschaft wieder aufzubauen — was schwierig sein wird und von diesen „verlässlichen Sicherheitsgarantien“ abhängen wird, denn wenn es sie nicht gibt, wird es auch in Friedenszeiten keine Investitionen geben. Denn die Aufrechterhaltung einer Armee wie der heutigen — praktisch 800.000 Soldaten — in Friedenszeiten enorme Geldsummen erfordert, die man – wie Sie verstehen – aus Sozialprogrammen, höheren Renten und steigenden Staatsgehältern abziehen müsste. All das wird sinken, sinken und sinken, weil: woher soll man sonst das Geld nehmen?

Und stellen Sie sich jetzt Ukrainer vor, die für einen Präsidenten stimmen, der sagt: „Ich senke euch Renten und Löhne, weil man die Armee in Friedenszeiten erhalten muss.“ Sie werden sagen: „Wozu sollen wir sie erhalten, wenn Russland doch verpflichtet ist, uns nicht anzugreifen? Und bei uns wird dieses Geld gestohlen, weil es für sie lukrativer ist, bei der Armee zu betrügen, und wir selbst werden kein Geld bekommen.“ Und dann landen alle, Sie wissen wo — ich nenne diesen Platz am Feiertagsabend nicht.

Fünfter Punkt: Sicherheitsgarantien. Das sind letztlich genau diese „verlässlichen Sicherheitsgarantien“ von den Vereinigten Staaten, der NATO und europäischen Ländern nach einer Logik nahe Artikel 5 des NATO-Vertrags. Wenn die Russische Föderation die Ukraine erneut angreift, werden neben einer koordinierten militärischen Antwort alle globale Sanktionen gegen Russland wieder eingeführt.

Das heißt faktisch: die globale Sanktionen gegen Russland würden als Ergebnis dieses Friedensabkommens aufgehoben, und Russland erhielte einen starken Anreiz, seine Kräfte für einen neuen Angriff auf unseren Staat wiederherzustellen. Ach ja, sie unterschreibt ja ein Nichtangriffsabkommen — wie könnte ich das vergessen. Natürlich wird sie dann nicht mehr angreifen.

Wenn die Ukraine russisches Gebiet betritt oder ohne vorherige Provokation auf russisches Territorium schießt, gelten die Garantien als aufgehoben. Wenn hingegen Russland das Feuer auf die Ukraine eröffnet, treten die Garantien in Kraft. Auch hier wirft das viele Fragen auf. Was gilt als Provokation, nach der die Ukraine das Feuer auf russisches Territorium eröffnet? Was gilt als Territorium Russlands?

Denn die Ukraine und Russland haben absolut unterschiedliche Ansichten darüber, was „Territorium Russlands“ ist. Ich erinnere daran: Für Russland ist das sein gesamtes Territorium, einschließlich der Donezker, Luhansker, Chersoner, Saporischschja-Gebiete der Ukraine, der Autonomen Republik Krim und Sewastopol. Die Ukraine sieht das anders.

Russland kann Provokationen durchführen und sich später davon distanzieren. Das hat sie nicht nur einmal gemacht. Und unsere Verbündeten werden sagen: „Macht nichts, sie provozieren euch absichtlich.“ Und so kann im Prinzip die ganze Situation laufen.

Es wird eine „Kompensation“ an die USA für die gegebenen Garantien erwähnt, aber Zelensky sagt, dass es diesen Unterpunkt jetzt nicht gibt, weil niemand erklären kann, wofür die Amerikaner Geld bekommen sollten, wenn sie überhaupt nichts real garantieren können.

Und es heißt, dass die Ukraine ihre bilateralen Sicherheitsvereinbarungen mit anderen Staaten nicht aufhebt. Obwohl wir wissen, dass all diese Sicherheitsabkommen, die zuvor vom ukrainischen Präsidenten mit лидерами einer ganzen Reihe westlicher Länder unterzeichnet wurden, kaum irgendeine reale Teilnahme am Schutz der Ukraine im Falle eines russischen Angriffs vorsehen. Denn wenn sie eine reale Teilnahme vorsähen, wäre diese Teilnahme schon jetzt da.

Man muss klar begreifen: Niemand wird — und das ist für mich absolut offensichtlich — seine Beteiligung an der Hilfe für die Ukraine über das Maß hinaus erhöhen, das wir heute sehen. Niemand wird das Risiko einer direkten militärischen Konfrontation mit der Russischen Föderation um den Preis der Ukraine eingehen. Und jeder Parameter der Sicherheitsgarantie wird so geschrieben sein, dass ein direkter Konflikt nuklearer Mächte unmöglich wird. Und das muss jeder verstehen, der an diesem Dokument arbeitet oder es liest.

Russland soll eine Politik des Nichtangriffs gegenüber der Ukraine und Europa rechtlich absichern – durch entsprechende Gesetze und Ratifizierungsverfahren, insbesondere durch eine Abstimmung in der Staatsduma. Das ist ein Vorschlag der Vereinigten Staaten. Ich verstehe überhaupt nicht, welche Bedeutung für Putin oder andere russische Führer eine Abstimmung in der Staatsduma hat, wenn sie jederzeit eine neue Abstimmung in der Staatsduma organisieren können.

Ich möchte daran erinnern, dass als Putin zweimal den Föderationsrat der Föderalen Versammlung Russlands um Erlaubnis zum Einmarsch in die Ukraine bat, nur eine Senatorin, Ljudmila Narusowa, übrigens die Witwe von Putins Lehrer Anatoli Sobtschak, gegen eine solche Entscheidung stimmte. Und das nur, weil sie sich solche politischen Gesten erlauben kann, wissend, dass sie in einer Zone ist, wo ihr nichts droht, angesichts der alten Beziehungen der Familie Sobtschak zu Putin. Alle anderen Mitglieder des Föderationsrates — sehr unterschiedliche Menschen — stimmten klar so, wie es dem russischen Präsidenten angenehm war.

Als in der Staatsduma der Russischen Föderation über die Annexion der Krim abgestimmt wurde, wie Sie wissen, stimmte nur ein Abgeordneter der Staatsduma, Ilja Ponomarjow, gegen diese Annexion — was damit endete, dass er die Russische Föderation verlassen musste.

Damit hat es keinerlei Bedeutung, was in der russischen Staatsduma ratifiziert wird, weil sie kein echtes Parlament ist, sondern ein reiner Abstimmungsapparat, den der Kreml jederzeit nach Bedarf umprogrammieren kann.

Außerdem ist unklar, was eine „Politik des Nichtangriffs“ ist. Es wirkt, als hätte die Russische Föderation eine gesetzlich verankerte Angriffspolitik, und wenn sie etwas in der Staatsduma beschließt, wird sie nicht angreifen.

Und noch etwas: All das ist schon hundertmal festgeschrieben worden. Einfach so erklärten die russischen Führer – und Sie wissen das sehr gut –, dass es nach 2014, nach dem angeblichen „Staatsstreich“, nun eine andere Ukraine gebe und dass deshalb all ihre Verpflichtungen gegenüber der Ukraine nicht mehr gelten. Nun, man kann das nach beliebigen ukrainischen Wahlen oder Aufständen wieder tun und sagen: „Das ist nicht mehr der Staat, mit dem wir etwas vereinbart haben. All unsere Vereinbarungen sind null, und tschüss.“ Also denke ich, auch das ist eine absolut offensichtliche Geschichte, verbunden damit, wie ein solcher Punkt funktionieren könnte.

Der EU-Beitritt, der im ursprünglichen Trump-Plan für 2027 vorgesehen war, hat hier alle konkreten Termine verloren. Das ist auch völlig offensichtlich, denn er wird nun nur noch vage „zu einem späteren Zeitpunkt“ festgeschrieben. Und bis die Ukraine Mitglied der Europäischen Union sein wird, können noch lange Jahre vergehen; bis dahin wird es einen prioritären Zugang zum europäischen Markt geben.

Ich verstehe auch nicht sehr, warum der EU-Beitritt in irgendeinem Friedensabkommen festgelegt werden soll, wenn die Ukraine bereits Kandidat für die EU-Mitgliedschaft ist. Und das Wichtigste, was wir heute brauchen — wobei die Vereinigten Staaten uns helfen könnten, wenn sie real wollten — ist, das Veto des ungarischen Premierministers Viktor Orbán aufzuheben, das uns daran hindert, echte Verhandlungen über den EU-Beitritt zu beginnen.

Der Prozess, an dem wir gerade teilnehmen, ist ein Ersatzprozess. Er ermöglicht technische Verhandlungen. Und das ist ein großer Verdienst Dänemarks, das bis jetzt den Vorsitz in der Europäischen Union hatte. Aber das sind keine Verhandlungen, die genehmigt werden können. Denn selbst wenn wir alle Kapitel der Verhandlungen mit der Europäischen Union abschließen, wird das bedeuten, dass es auf dem Papier bleibt. Denn wenn eines der EU-Mitgliedsländer dem Abschluss nicht zustimmt, werden sie nicht abgeschlossen, und man kann das nicht umgehen.

Man kann jede Art von Verhandlungen führen, aber faktisch ist das reale Verfahren des EU-Beitritts der Ukraine aktuell blockiert. Hoffen wir, dass sich nach den Parlamentswahlen Ungarns etwas ändert, aber es kann eine andere Regierung diese Verhandlungen blockiert. Wir verstehen: Das ist eine schwierige Situation. Und das Wichtigste, was ich immer sage: Ich kann mir den Beitritt der Ukraine und Moldaus zur Europäischen Union ohne juristische Regelung der Frage der territorialen Unversehrtheit beider Länder nicht gut vorstellen.

Die Europäische Union hat keine solche Erfahrung. Der einzige Präzedenzfall ist der Beitritt der Republik Zypern zur Europäischen Union — die übrigens jetzt den Vorsitz in der EU führen wird. Aber die Republik Zypern ist bis heute geteilt in eine griechische und eine türkische Zone, wobei die türkische Zone, die — wie Sie wissen — Türkische Republik Nordzypern heißt, von Ankara kontrolliert wird.

So: Die Europäische Union nahm Zypern die Verpflichtung ab, dass seine Aufnahme direkt mit einem Referendum über die Wiedervereinigung der Insel verbunden sein werde, das in den griechischen und türkischen Teilen stattfand. Dabei sagten die Bewohner des türkischen Teils „Ja“ zum Plan des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan, und die Bewohner des griechischen Teils sagten „Nein“.

Und tatsächlich: Was kann man mit Menschen machen, die zum Referendum gehen und „Nein“ sagen? Das ist übrigens dieselbe Frage an uns. Wir sprechen von irgendwelchen Referenden, aber niemand sagt, was passiert, wenn die überwältigende Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung die Erfüllung russischer Forderungen ablehnt.

Für die Europäische Union war es eine unangenehme Überraschung, dass gerade die Bewohner des griechischen Teils Zyperns „NEIN“ sagten. Und es ist unbekannt, welche Verpflichtungen wir und die Bewohner der Republik Moldau übernehmen müssen, damit unser EU-Beitritt bei Vorhandensein von Transnistrien, der Krim und dem Donbas als realistisch anerkannt würde.

Das Entwicklungspaket für die Ukraine ist Punkt acht dieses Abkommens: Wiederaufbau, Schaffung von Entwicklungsfonds, Investitionsentwicklung, Infrastrukturentwicklung. Man kann das als eine Art Weihnachtsgeschenk für die Ukraine ansehen, aber man muss noch eine wichtige Sache verstehen. All das kann funktionieren. Ich werde nicht alle diese Punkte über den Entwicklungsfonds, über die Zusammenarbeit mit den USA, über den Wiederaufbau betroffener Gebiete, über Infrastruktur, über Rohstoffabbau vorlesen. Das alles kann funktionieren — ich wiederhole — wenn es irgendein reales Wiederaufbaupaket gibt, das mit Sicherheitsgarantien verbunden ist.

Wenn es keine Sicherheitsgarantien gibt, wird niemand Geld investieren. Sie werden keinen privaten Investor finden, der Geld in eine Fabrik steckt, die von einer russischen Rakete zerstört werden kann, nachdem die Russen demonstrativ eine amerikanische Fabrik in Mukatschewo zerstört haben — und damit der ganzen Welt die Hilflosigkeit der Garantien Donald Trumps gezeigt haben.

Sie erinnern sich, dass Donald Trump vor dem Schlag gegen diese Fabrik, als es die berühmte Geschichte mit dem Mineralienabkommen gab, sagte, das Vorhandensein amerikanischer Investitionen in der Ukraine sei eine Sicherheitsgarantie. Das ist völliger Unsinn. Amerikanische Investitionen haben niemanden jemals vor irgendetwas geschützt. Es gab sogar zahlreiche Regime in Lateinamerika, die amerikanische Unternehmen ohne Probleme hinauswarfen. Man kann also von allem träumen, aber ohne Sicherheitsgarantien gibt es kein Geld — zumindest lange nicht.

Damit hängt auch Punkt neun zusammen: die Schaffung von Wiederaufbaufonds mit 800 Milliarden Dollar, 200 Milliarden Dollar, das Recht der Ukraine auf Schadensersatz, finanzielle Instrumente. Das hat ohne Sicherheitsgarantien ebenfalls keine Bedeutung.

All diese Foren zum Wiederaufbau der Ukraine finden seit 2022 statt. Ich frage ständig: „Wozu führt ihr Foren zum Wiederaufbau durch, wenn ihr null Instrumente habt, um den Krieg zu beenden? Es ist lächerlich, über Wiederaufbau zu reden, wenn noch Zerstörung stattfinden wird. Vielleicht wartet man bis zum letzten Tag, um das Ausmaß der Zerstörungen zu verstehen und überhaupt zu verstehen, was man in dieser Situation wiederaufbauen kann und auf welchem Territorium, und wie weit dieses Territorium von den Grenzen der Russischen Föderation entfernt sein muss.“ Das ist doch kein Scherz. Aber Milliarden sehen immer sehr angenehm aus.

Punkt 11: Bestätigung des Status als nuklearwaffenfreier Staat. Unklar, warum die Ukraine ihn bestätigen soll, nachdem sie das drittgrößte Nukleararsenal der Welt abgegeben hat und die nuklearen Staaten faktisch keine realen Sicherheitsgaranten geworden sind. Und es geht hier nicht nur um die Russische Föderation — die, wie Sie verstehen, hofft, unsere Staatlichkeit in den nächsten Jahren zu zerstören — sondern auch um jene Länder, die unsere Staatlichkeit bewahren wollen, die USA und Großbritannien; und ich erwähne nicht einmal, dass sich dem Budapester Memorandum später auch China anschloss. Und wie Sie sehen, ist seine Reaktion auf die Ereignisse, gelinde gesagt, nicht die Reaktion eines nuklearen Staates.

Das ist also ebenfalls ein rein formaler Punkt, genauso wie Punkt eins. Offensichtlich: Wenn die Ukraine beginnt, Atomwaffen zu entwickeln, wird sie unter dieselben Wirtschaftssanktionen geraten wie etwa Nordkorea oder Iran. Und in solchen Sanktionen wird sie einfach von der Russischen Föderation fertiggemacht werden. Das verstehen alle sehr gut.

Mir ist nicht klar, warum man von der Ukraine verlangt, etwas zu tun, was sie gar nicht tun soll – und damit faktisch Putins absurde Behauptung bestätigt, die Ukraine wolle angeblich Atomwaffen bauen und er habe sie nur deshalb angegriffen, um das zu verhindern.

Punkt 12 betrifft das Kernkraftwerk Saporischschja. Er ist bisher noch nicht abgestimmt. Die USA schlagen vor, die Kontrolle gleichmäßig zu verteilen und selbst als Hauptmanager eines gemeinsamen Unternehmens aufzutreten – also die Kontrolle zwischen den USA, Russland und der Ukraine aufzuteilen. Die ukrainische Seite hingegen schlägt ein Gemeinschaftsunternehmen Ukraine–USA im Verhältnis 50 zu 50 vor. Völlig unverständlich ist, warum das für Russland sinnvoll sein sollte, da die Russen das Kraftwerk ohnehin kontrollieren und weder die Ukraine noch die USA sie von dort vertreiben können.

Warum sollten die Russen, die das größte Kernkraftwerk der modernen Welt kontrollieren, die Kontrolle darüber mit den von ihnen gehassten Ukrainern und mit Amerikanern teilen, die hier überhaupt nichts zu suchen haben? Ich verstehe: Wenn die Amerikaner reale Druckmittel gegen Russland hätten, könnten sie etwas anbieten. Aber so ist das einfach nur ihr Wunsch — so ein kindlicher Wunsch, sich an fremdem Strom zu bereichern.

Ich kann mir sogar noch vorstellen, dass wir uns mit den Russen einigen, weil wir sie nicht vertreiben können, und sie verstehen, dass sie diesen KK nicht stabil nutzen können, wenn wir sie daran hindern. Dass wir die Gewinne dieser Station teilen, falls dieses Territorium unter russischer Kontrolle bleibt. Dann hätte das natürlich die Logik einer Besatzung — aber wenigstens irgendeine Logik. Aber was haben die Amerikaner damit zu tun?

Und das zeigt wieder, dass die Hauptidee der Trump-Administration und Trumps selbst darin besteht, einfach andere auszurauben. In diesem Fall geht es, so seltsam es klingt, um uns und die Russen: sie als Aggressoren, wir als Opfer — aber beide gleichermaßen ausrauben. Sich irgendein Geld nehmen — unklar wofür.

Punkt 13. Ein sehr gefährlicher Punkt. Die Ukraine und Russland sollen Bildungsprogramme einführen, die gegenseitiges Verständnis und Toleranz unterstützen, Rassismus und Vorurteile bekämpfen. Für die Ukraine wird außerdem die Umsetzung von EU-Normen zur religiösen Toleranz und zum Schutz der Minderheitensprachen festgeschrieben.

Natürlich ist Punkt 13 ein Punkt, mit dem die Russen die russische Sprache wieder in die Ukraine hineindrücken möchten. Nicht einfach nur in die Ukraine, sondern in die Bildung und in die lokale Selbstverwaltung, unklar auf welchem Territorium — denn es gibt in der Ukraine keinen Ort, wo ethnische Russen die Mehrheit bilden. Aber natürlich können die Russen über russischsprachige Bevölkerung sprechen, über diesen ganzen Unsinn. Sie nutzen solche Situationen immer.

Und natürlich bedeutet der Erhalt der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats – die die Russen selbst Russische Orthodoxe Kirche nennen – die Bewahrung einer kulturell-ideologischen Plattform, über die man die Ukrainer weiter beeinflussen kann. Das ist ebenfalls offensichtlich.

Und Sie werden den Einfluss dieser Kirche am 7. Januar sehen, damit Sie keinerlei Zweifel haben, was mit der ukrainischen Zivilisation geschieht. Wie sehr kann diese Zivilisation meinen, dass sie auf diesen Böden schon vollendet sei? Nein, es ist noch sehr früh, so zu denken — selbst wenn der Krieg endet.

Also sagt dieser Punkt erneut, dass die Ukraine angeblich ein Land sei, in dem es kein gegenseitiges Verständnis gab, keine Toleranz, irgendwelche Konflikte. Alles, was es bei uns nicht gab, alles, was durch russische Propaganda verschiedener Arten erzählt wird, sollen wir faktisch anerkennen: dass wir so ein intoleranter Staat sind. Faktisch ist das ein Punkt über „Entnazifizierung“, von der die Russen immer reden. So dringt das hier hinein.

Die territoriale Aufteilung ist noch nicht abgestimmt, wie Sie verstehen. Es wird vorgeschlagen, dass Russland seine Truppen aus den Gebieten Dnipropetrowsk, Mykolajiw, Sumy, Charkiw abzieht, damit das Abkommen in Kraft tritt. Die Ukrainer schlagen vor, dass in den Gebieten Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson die Linie der Truppenstellung am Tag des Abkommens die Kontaktlinie sein wird.

Und Variante B ist faktisch der Abzug ukrainischer Truppen aus jenem Teil des Donezker Gebiets, der heute von der ukrainischen Armee kontrolliert wird, um dort eine potenzielle Freihandelszone zu schaffen. Der Präsident der Ukraine sagt warum: weil man auf den kontrollierten Territorien dazu ein Referendum durchführen müsse.

Erstens: Um ein Referendum durchzuführen, braucht man die entsprechende Rechtsgrundlage. Der Präsident der Ukraine kann kein Referendum zu initiieren. Ein Referendum wird nur von den Bürgern selbst initiiert. Es muss eine ausreichende Zahl von Unterschriften gesammelt werden. Aber selbst wenn das geschieht: solche Initiativgruppen zu organisieren ist nicht schwer, wenn man Präsident ist. Unklar, worüber das Referendum sein soll.

Wenn wir anerkennen, dass wir auf Territorium des Donezker Gebiets verzichten, und so ein Referendum über die Änderung des Territoriums der Ukraine durchgeführt wird, muss man erstens verstehen, inwieweit die ukrainische Verfassung überhaupt Referenden zu solchen Themen erlaubt — denn hier gibt es eine Debatte zwischen Verfassungsrechtlern.

Ich persönlich glaube, dass einer der Artikel der Verfassung das klar verbietet. Und um das zu tun, müsste man die geltende Verfassung aufheben und eine neue verabschieden, die das erlaubt. Aber selbst wenn wir annehmen, dass die Verfassung ein Referendum über territoriale Änderungen vorsieht, ist das nicht ein Referendum über eine Freihandelszone.

Die Schaffung einer Freihandelszone im Donbas sieht keinen Verzicht der Ukraine auf das Territorium des Donezker Gebiets vor. Und somit gibt es keine Möglichkeit zu sagen, dass wir über etwas abstimmen müssen. Eine Freihandelszone kann die Regierung der Ukraine schaffen. Aber man soll nicht Freihandelszone mit Verzicht auf Territorium verwechseln. 

Und wieder taucht die Frage auf: Was passiert, wenn die Ukrainer diesen Punkt des Abkommens ablehnen, und warum soll das ganze Friedensabkommen zur Abstimmung gestellt werden und nicht nur der Teil über die Freihandelszone? Und was passiert, wenn gerade der Punkt über die Freihandelszone im Donbas zu einer negativen Abstimmung über das Abkommen selbst führt?

Punkt 15: Nach der Abstimmung dieser territorialen Vereinbarungen verpflichten sich Russland und die Ukraine, diese Vereinbarungen nicht mit Gewalt zu ändern — was, wie Sie verstehen, nichts wert ist, wenn man das mit den Russen vereinbart.

Punkt 16 wurde schon diskutiert: keine Behinderung der Nutzung des Dnipro und des Schwarzen Meeres für kommerzielle Tätigkeit.

Punkt 17 ist ein humanitärer Punkt über die Befreiung von Menschen. Er braucht, denke ich, keine besonderen Kommentare.

Punkt 18: Wahlen so schnell wie möglich nach Unterzeichnung des Abkommens. Das verwundert mich auch sehr: Warum soll überhaupt die Durchführung von Wahlen in der Ukraine Teil eines Friedensabkommens sein? Was geht es Russen oder Amerikaner an, wann wir hier Wahlen durchführen? Wir sind ein souveräner Staat, wie sie im ersten Punkt definieren. Wann wir wollen, dann führen wir sie durch.

Wir erzählen den Russen doch auch nicht, wie sie einen Präsidenten wählen sollen, und wir sagen ihnen nicht, dass die Verfassungsänderungen, die Putin ewige Herrschaft erlauben, rechtswidrig seien. Das ist ihr Recht. Das ist ein Staat, der die Möglichkeit uneingeschränkter Macht einer Person fixiert hat. Gut, das ist die Souveränität dieses Staates. Aber warum sollen wir in einem Friedensabkommen über Wahlen sprechen? Das ist für mich ein großes Geheimnis.

Juristisch verbindliches Abkommen. Friedensrat, Präsident Trump. Das ist, wie Sie wissen, ein amerikanischer Punkt, kein russischer. Ein Friedensrat wurde auch nach Unterzeichnung des Abkommens im Gazastreifen geschaffen. Sie sehen, dass es bis heute keinen Friedensrat gibt. Er wurde bis heute nicht formiert, weil es keine zweite Phase dieses Abkommens gibt. Das heißt, Trump gelang es dort im Wesentlichen nur, einen Waffenstillstand zu erreichen.

Und das ist übrigens der Unterschied zwischen dem Abkommen rund um Gaza und diesem Abkommen. Dort: Waffenstillstand, dann der Versuch, die Parameter eines Friedensabkommens umzusetzen und einen Friedensrat zu schaffen. Und diese zwei Punkte funktionieren nicht. Und natürlich können wir 2026 einen neuen großen Konflikt im Nahen Osten sehen. Das ist absolute Realität. Bei uns hingegen: zuerst ein Friedensabkommen, dann ein Friedensrat unter Führung Trumps und dann ein Waffenstillstand. Das heißt: niemals. Das ist absolut alogisch, weil das Punkt 20 ist.

Nachdem alle Seiten diesem Abkommen zustimmen, tritt sofort ein vollständiger Waffenstillstand in Kraft. Verstehen Sie, was für ein Schwachsinn das ist? Das heißt: erst nachdem alle Punkte abgestimmt sind — ich wiederhole — das kann Monate oder Jahre dauern — und dann findet noch ein ukrainisches Referendum mit unklarem Ausgang statt. Erst danach gibt es einen Waffenstillstand.

Das heißt: Wir können sofort sagen, dass dieses Abkommen keinerlei Bedeutung haben kann. Alle diese Punkte — wir diskutieren sie. Ich finde es gut, dass wir sie diskutieren und auseinandernehmen. Aber die meisten dieser Punkte wurden von den Russen bewusst in den Plan hineingeschrieben: erstens — wie ich sagte — damit es keine Sanktionen gibt; zweitens, damit es kein Geld für die Ukraine gibt; und drittens, damit die ukrainische Gesellschaft destabilisiert wird.

Jetzt kann ich Ihnen klar sagen, dass ich weiterhin meiner eigenen, für mich völlig klaren Formel folge. Ein Waffenstillstand muss der erste Punkt sein, und alle anderen 19 müssen während der Friedensverhandlungen besprochen werden. Wenn es keinen Waffenstillstand gibt, kann dieses Friedensabkommen jahrelang diskutiert werden.

Und ich stelle mir vor, was weiter passieren wird, wenn es Sie interessiert. Höchstwahrscheinlich wird es ein Gespräch zwischen Putin und Trump geben. Putin wird einen Teil des Abkommens unterstützen, einen Teil nicht unterstützen, neue Verhandlungen vorschlagen, irgendwelche Korrekturen einbringen; es werden nicht mehr 20 Punkte sein, sondern 18 oder 23.

Diese Punkte werden wieder von Amerikanern und Ukrainern diskutiert. Und das ist die Frage, wer zuerst blinzelt, wie Sie verstehen — der wird von den Amerikanern beschuldigt werden, dass er keinen Frieden will. Und es ist sehr wichtig für uns, dass das die Russen sind. Das ist die ganze Philosophie dieses Friedensabkommens. Im Prinzip haben wir es zerlegt. Bisher gibt es keine Kontakte zwischen Russen und Amerikanern — wie ich dachte, dass es heute keine geben wird. Das ist auch absolut offensichtlich.

Ich beantworte ein paar Fragen, die in dieser Sendung waren.

Frage. Haben für Trump überhaupt die Daten der amerikanischen Geheimdienste über Putins Absichten Bedeutung, die offensichtlich existieren und von der Realität sprechen? Oder denkt er, er sei klüger als alle und wisse selbst, was zu tun ist?

Portnikov. Hören Sie: Der amerikanische Geheimdienst sagt, dass Putin den Krieg nicht beenden will und Anspruch auf die gesamte Ukraine erhebt. Wir haben das von Trump selbst gehört. Zu sagen, Trump kenne die Daten der amerikanischen Geheimdienste nicht, ist auch seltsam. Er beachtet sie nicht, weil er hofft, Putins Vorstellungen brechen zu können — es gibt einen rationalen Ansatz, der sagt: Wenn du die Ukraine in vier Jahren nicht erobern konntest, wirst du sie nicht erobern, nimm besser Geld. Es ist aber unbekannt, ob Putin auf diese Logik hört. Das ist alles. Ganz zu schweigen davon, dass Trump einfach seine Beziehungen zu Putin nicht verderben will.

Frage. Was meinen Sie: Wenn Russland zuerst erschöpft ist, wird die Regierung dann nicht über einen Versuch sprechen, wenigstens einen Teil der Territorien zurückzuholen? Als die Ukraine Charkiw und Cherson erfolgreich befreite, konnte von Einfrieren keine Rede sein.

Portnikov. Übrigens: Von Einfrieren konnte damals natürlich nicht die Rede sein — aber Russland hatte damals auch nichts vor einzufrieren. Erinnern Sie sich: Selbst als wir etwas befreiten, hatten die Russen keinerlei Zweifel daran, dass sie die Situation zu ihren Gunsten zurückdrehen würden. Es gab keinen Tag in diesem Krieg im Kreml, an dem Putin über ein Kriegsende nachgedacht hätte. Als wir in Cherson waren oder als wir Kupjansk befreiten, änderten sich keine Absichten Russlands, weil damals schon die Entscheidung für einen langen Abnutzungskrieg getroffen war. Wie Sie sich erinnern: Selbst als die Russen aus dem Norden der Ukraine gehen mussten, verlangten sie trotzdem von uns Kapitulation, nicht irgendein gleichberechtigtes Abkommen. Also möchte ich nicht, dass Sie Illusionen haben. Die russische Führung ist voller Drang, den Krieg fortzusetzen.

Frage. Was wird sein, wenn Russland zuerst erschöpft ist?

Portnikov. Unbekannt, in welchem Zustand die Ukraine dann sein wird. Und ob wir dann genug Kräfte — physische und moralische — haben, in die Offensive zu gehen. Denn grundsätzlich wird diese Erschöpfung gegenseitig sein, und beide Länder werden in den Abgrund der Erschöpfung fallen, nur in unterschiedlichem Tempo. Die Frage ist also nicht, worüber die Behörden sprechen werden, sondern ob es dann reale Möglichkeiten für eine erschöpfte Ukraine geben wird, Territorium von einem erschöpften Russland zurückzuholen. Dafür müssen wir stark sein. Wenn wir sagen, Russland wird zuerst erschöpft, meinen wir doch, dass der Erschöpfungsprozess auch auf unserer Seite stattfinden wird. Verstehen Sie?

Frage. Ist ein Konflikt zwischen Putin und dem Klan der Tschekisten möglich, wenn Putins Besessenheit vom Krieg die Stabilität des Tschekisten-Regimes bedroht?

Portnikov. Ich denke, dass es in Russland heute ein Ein-Mann-Regime gibt, wenn Sie so wollen. Und ich glaube, Putin erfüllt gerade das politische Programm, das für diesen Tschekisten-Klan gemeinsam ist. Denn sich alle Gebiete der Sowjetunion zurückzuholen, ist eine Aufgabe, die das KGB der Sowjetunion, umbenannt in den Föderalen Sicherheitsdienst der Russischen Föderation, sich bereits 1991 gestellt hat. Und Putin hat darüber in einem Interview gesprochen, als Vizebürgermeister von Petersburg noch 1991. Es gibt also nichts Neues. In diesem Sinne bin ich absolut sicher, dass wir kaum denken werden, dass irgendein Klan von Tschekisten gegen Putin auftreten wird.

Wenn es ein Problem der Stabilität des Regimes gibt, glauben Sie mir: Den Krieg wird Putin selbst stoppen. Putin ist ein schlechter Stratege, aber ein guter Taktiker. Er versteht immer, wie sich die Situation in der einen oder anderen Ebene entwickelt. Machen Sie sich also keine Sorgen. Und er wird in dieser Situation nicht einmal Trumps Vermittlung verlangen. Er wird selbst entscheiden, was er tun muss.

Bisher sehe ich keine reale Grundlage für einen Konflikt Putins mit seiner Tschekisten-Vertikale. Ich halte das russische Regime für ausreichend stabil. Aber auch in stabilen autoritären Regimen passieren verschiedene Dinge, die von außen sehr schwer zu sehen sind. Wir kennen die innere Stabilität dieses Regimes nicht. Wir haben gesehen, was während des Marsches von Prigoschin geschah, und verstanden, dass die russischen Sicherheits-Strukturen, wenn sie es mit bewaffneten Menschen zu tun haben, sich nicht so sicher verhalten, wie man hätte denken können. In diesem Sinne wäre ich natürlich vorsichtig mit Prognosen.

Frage. Was ist der globale Grund für die Degradation globaler Politik? Gibt es bei den Menschen eine Nachfrage nach solchen Politikern wie Trump oder Zelensky? Oder gefallen Trump oder Zelensky Menschen unterschiedlicher Intelligenz so sehr, dass sie gegen traditionelle Politiker gewinnen?

Portnikov. Das ist eine sehr einfache Antwort. Erstens: Die „Impfung“ gegen den Krieg, die es nach dem Zweiten Weltkrieg gab, ist verschwunden. Den Menschen ist, wenn Sie wollen, die Angst abhanden gekommen. Stabilität und Frieden beruhen immer auf Angst vor Krieg und vor verschiedenen Experimenten, weil Menschen verstehen, was passiert, wenn ein realer Krieg beginnt. Ich spreche jetzt nicht über Zelensky — ich spreche über Trump, über Putin, über all diese Regimen. Und prinzipiell sind 80 Jahre nach dem Ende des Weltkriegs eine ausreichend lange Zeit, um keine Angst vor einem neuen Krieg zu haben. Das ist organisch. Für viele ist das, was jetzt passiert, etwas sehr Seltsames, etwas, das nie hätte passieren dürfen, aber tatsächlich war es zu erwarten.

Jeder weitsichtige Mensch sollte verstehen, dass 80 Jahre nach dem Ende des Krieges, wenn die Menschen mit Kriegserfahrung sterben, eine neue Kriegsperiode beginnt. Das ist normal. Sie sind einfach hineingeraten. Vielleicht hätten sich die Menschen sorgfältiger darauf vorbereiten müssen: verstehen, wo sichere Zonen sind.

Die Ukraine war seit 1991 nie eine sichere Zone, weil bekannt war, dass Russland Ambitionen hat und die ehemaligen Sowjetrepubliken in einem politischen Kühlschrank hält, um sie zu erobern. Das ist ein Punkt.

Ein anderer Punkt hängt mit neuen Informationstechnologien zusammen. Der Übergang zu neuen Informationstechnologien. Das gab es, entschuldigen Sie, auch als Gutenbergs Druckpresse erschien, und als das Fernsehen erschien — das führt immer zu tiefgreifenden politischen Krisen.

Letztlich führte das Auftauchen der Gutenberg-Presse zur Großen Französischen Revolution, weil die Menschen, die sie machten, mit den Idealen französischer Philosophen erzogen wurden, die sich vielleicht nicht vorstellen konnten, dass ihre Ideale zur Guillotine führen würden, aber sie erzogen zumindest eine Generation, die an Gleichberechtigung glaubte und zugleich mittelalterlich brutal war und kein Problem darin sah, allen die Köpfe abzuschlagen, die ihnen im Weg standen.

Dasselbe: Die Verbreitung einer gewissen Alphabetisierung im Russischen Imperium führte zu ähnlichen Ergebnissen, faktisch zur Guillotine schon im Russischen Imperium. Die Bolschewiki betrachteten die Führer der Französischen Revolution als Vorbilder, errichteten ihnen Denkmäler, nannten Straßen nach ihnen. Nicht zufällig, wie Sie verstehen.

Und jetzt ist TikTok-Zeit. Deshalb wird Politik degradieren, weil wieder eine riesige Zahl Menschen nicht ernsthaft über die Folgen ihrer Handlungen nachdenken, in Clips denken, in einem Tag denken. Und das ist eine normale zivilisatorische Auslese. Viele Menschen, die so denken, werden nicht nur von der politischen Bühne abtreten, sondern ihr Leben verlieren.

Eine große Zahl von Menschen, die mich in Kommentaren verfluchen, versteht nicht, worüber ich spreche: „Ihr mögt dies nicht, ihr mögt das nicht.“ Mit den meisten solchen Menschen streite ich nicht, weil ich glaube, dass diesen Menschen der Überlebensinstinkt fehlt. Und höchstwahrscheinlich — entschuldigen Sie die ehrliche Antwort — werden sie sterben.

Warum sollte ich mit Menschen streiten, die schon auf einem Hocker stehen, schon in der Schlinge stecken, und ich versuche sie davon abzuhalten, sich am Kronleuchter aufzuhängen, den sie vor kurzem im Supermarkt „Epizentr“ gekauft haben. Und sie sträuben sich und wollen es zu Ende bringen. Das ist die Antwort auf die Frage.

Aber Gesellschaften werden sich daran anpassen. Die Frage ist nur, wie viele Menschen sterben, wie viele Millionen, bis die Menschheit sich an diese neuen Existenzformen anpasst. Die Menschheit opfert immer Dutzende Millionen Menschen, um sich auf neue Technologien vorzubereiten. Das ist das Gesetz des Fortschritts, leider. Anders geht es nicht. Wir befinden uns in dieser Phase — der Opferphase — und an dem Ort, wo der Startschuss des großen Krieges des 21. Jahrhunderts gefallen ist. Das ist die ganze Antwort.

Also: Das ist keine Geschichte über einzelne Menschen — über Trump oder über Zelensky. Trump ist Teil der Ideologie des Trumpismus – eines Versuchs, die Vergangenheit zu rächen und wiederherzustellen, der niemals zur Zukunft werden kann. Zelensky ist Teil der Entwicklung der ukrainischen Gesellschaft, ihrer Abneigung gegen Professionalität als solche.

Denn die überwältigende Mehrheit der Ukrainer begann in den 90er Jahren und später Professionalität zu verachten, weil sie im Grunde ihre eigenen Berufe verloren, und dort zu arbeiten begannen, wo man einfach Geld verdienen kann. Ihre Kinder machten einen Hochschulabschluss und gingen dann arbeiten in Jobs, die keinen Hochschulabschluss brauchten. Und faktisch wurden wir zu einem Land, in dem Professionalität ein Schimpfwort ist.

Wenn man also jemandem sagt: „Wissen Sie, Sie wählen Unprofessionelle“, verstehen sie nicht, wovon Sie sprechen, weil 80–90% der Menschen, die so denken, selbst keine Profis sind und nicht verstehen, dass sie doch etwas gelernt haben.

Das ist ein sehr langes und ernstes Gespräch, aber wie Sie verstehen, kann man das nicht mit Worten ändern. Das wird sich nur mit schmerzhafter Erfahrung ändern. Und je schmerzhafter sie ist, desto schneller wird es sich ändern. Daher hätte ich lieber, dass es eine lange Evolution ohne Millionen Opfer ist. Aber ich entscheide nicht über die Schicksale der Geschichte. Sie werden von ganz anderen Kräften entschieden.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Мирний план: деталі і наслідки | Віталій Портников. 24.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 24.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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20 Punkte des Friedensplans: Analyse | Vitaly Portnikov. 24.12.2025.

Der Präsident der Ukraine Volodymyr Zelensky stellte alle 20 Punkte jenes Friedensplans vor, der derzeit in Verhandlungen in den Vereinigten Staaten diskutiert wird und offensichtlich zur Plattform für weitere Debatten im Jahr 2026 werden soll. Also: Was sind diese 20 Punkte des Friedensplans?

Punkt eins ist die erneute Bestätigung der Souveränität der Ukraine. Alle Teilnehmer des Abkommens werden bestätigen, dass die Ukraine ein souveräner Staat ist. Natürlich ist das ein deklarativer Punkt, denn ungeachtet aller Aussagen russischer Führer, wonach die Ukraine überhaupt ein künstliches Gebilde sei, hat die Russische Föderation aus juristischer Sicht nie Zweifel an der Souveränität der Ukraine geäußert – zugleich hat sie jedoch versucht, diese Souveränität zu beschränken, etwa durch ein Verbot eines ukrainischen Beitritts zu Organisationen wie der Nordatlantischen Allianz.

Und wenn solche Verbote künftig fortbestehen, noch dazu mit Unterstützung der Vereinigten Staaten, werden keine Deklarationen diese offensichtliche Realität aufheben können, dass die Ukraine infolge des Krieges zu einem Staat mit eingeschränkter Souveränität wird. Und genau das muss in den nächsten Phasen der Diskussion des sogenannten Friedensplans verhindert werden.

Der zweite Punkt wird ein Nichtangriffspakt zwischen Russland und der Ukraine sein. Zur Aufrechterhaltung eines langfristigen Friedens wird ein Überwachungsmechanismus geschaffen, um die Kontaktlinie mittels weltraumgestützter unbemannter Überwachung zu kontrollieren, frühzeitig über Verstöße zu informieren und Konflikte zu entschärfen.

Aber wir verstehen sehr gut, dass eine solche Idee eines Nichtangriffspakts immer auf die Bereitschaft Russlands treffen wird, ihn zu brechen – selbstverständlich als Reaktion auf angebliche ukrainische Provokationen, die dann als Vorwand für einen neuen Krieg dienen können.

Und damit ein Nichtangriffspakt überhaupt irgendeinen Sinn hat, muss man verstehen, welche Sanktionen gegen Russland für einen Bruch dieses Pakts vorgesehen wären und inwieweit diese Sanktionen die Russische Föderation wirklich stoppen würden.

Angesichts des Umfangs der wirtschaftlichen Sanktionen, die Russland dennoch nicht daran hindern, den Krieg fortzusetzen, könnte die einzige reale Sanktion die Beteiligung der Verbündeten an einem Krieg gegen Russland sein, falls es den Nichtangriffspakt bricht.

Und ich bin praktisch sicher, dass ein solcher Punkt in einem neuen Friedensabkommen nicht vorgesehen ist, denn der dritte Punkt des Abkommens, über den Volodymyr Zelensky spricht, sind verlässliche Sicherheitsgarantien.

Aber was sind verlässliche Sicherheitsgarantien? Umso mehr in der heutigen Welt, in der wir nicht einmal wissen, ob Artikel 5 der NATO funktioniert – das wird nicht erklärt. Vielleicht gerade deshalb, weil es schlicht keine realen verlässlichen Sicherheitsgarantien gibt – außer vielleicht, die Ukraine so zu bewaffnen, dass Russland einen neuen Angriff auf unser Land fürchtet, falls es tatsächlich gelingt, diesen Krieg in den nächsten Jahren zu beenden.

Der vierte Punkt ist die Stärke der Streitkräfte der Ukraine auf dem Niveau von 800.000 Soldaten. Das ist praktisch die Zahl, die es derzeit in der ukrainischen Armee gibt. Und sie wird erhebliche finanzielle Investitionen in den weiteren Aufbau und Erhalt der Streitkräfte der Ukraine erfordern.

Und hier muss man natürlich verstehen, dass auch eine beharrliche Arbeit der ukrainischen Gesellschaft nötig sein wird, denn in einer solchen Situation wird die Ukraine – wie wir es am heutigen Staatshaushalt sehen – in erster Linie für Armee und militärisch-industriellen Komplex arbeiten, und der sogenannte soziale ukrainische Staat wird der fernen Vergangenheit angehören.

Und es wird Hilfe der Verbündeten nötig sein, denn ohne Hilfe der Verbündeten könnten selbst alle Anstrengungen der ukrainischen Gesellschaft vergeblich sein, um nicht nur eine große, sondern eine starke und gut bewaffnete Armee zu unterhalten und einen militärisch-industriellen Komplex auf einem Niveau aufzubauen, das Russland weitere Schritte gegenüber unserem Land fürchten ließe.

Der fünfte Punkt sind Sicherheitsgarantien nach einer Logik, die Artikel 5 nahekommt. Schauen wir sie uns also im Detail an. Wenn die Russische Föderation die Ukraine erneut angreift, werden neben einer koordinierten militärischen Antwort alle globalen Sanktionen gegen die Russische Föderation wiederhergestellt.

Der zweite Unterpunkt betrifft – erstaunlicherweise – die Ukraine. Wenn die Ukraine in russisches Gebiet eindringt oder ohne Provokation das Feuer auf russisches Gebiet eröffnet, gelten die Garantien als ungültig. Wenn Russland das Feuer auf die Ukraine eröffnet, werden die Garantien aktiviert.

Zu diesem zweiten Unterpunkt des fünften Punktes füge ich nur hinzu, dass es wichtig sein wird zu verstehen, was genau als „Territorium Russlands“ gilt. Das ist erstens und vor allem entscheidend. Und was wird Russland als sein Territorium ansehen zu dem Zeitpunkt, an dem es gelingt, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden?

Denn die Verfassungen der Russischen Föderation und der Ukraine beschreiben das Territorium Russlands völlig unterschiedlich. Und das, was die Ukraine als ihr Territorium betrachtet, betrachtet Russland ebenfalls als Teil seiner eigenen Föderationssubjekte.

Separat wird eine Kompensation der Vereinigten Staaten für die gewährten Garantien erwähnt, doch der Präsident der Ukraine betonte heute in seinem Treffen mit Journalisten, dass dieser Punkt gestrichen wurde, weil die ukrainische Seite nicht versteht, was mit solchen Kompensationen gemeint ist. Nun, offensichtlich irgendwelches Geld, das – wie stets nach seiner Gewohnheit – der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump zusammen mit seinem Geschäftsumfeld verdienen wollte.

Und noch ein weiterer Unterpunkt: Das Abkommen hebt bilaterale Sicherheitsvereinbarungen der Ukraine mit anderen Staaten nicht auf. Möglicherweise ist damit von jenen Abkommen über Sicherheitsgarantien – faktisch über Unterstützung der Ukraine – die Rede, die während des russisch-ukrainischen Krieges bereits unterzeichnet wurden, oder auch von neuen Abkommen, die in Zukunft entstehen könnten.

Punkt sechs. Russland muss eine Politik des Nichtangriffs gegenüber der Ukraine und Europa rechtlich verankern – durch notwendige Gesetze und Ratifizierungsverfahren, insbesondere durch eine Abstimmung in der Staatsduma der Russischen Föderation. Das ist ein Vorschlag der Vereinigten Staaten. Und wie wir verstehen, kann Russland das völlig ruhig tun, weil Russland nach seiner eigenen Logik niemals jemanden angreift, sondern nur auf Aggression reagiert.

Selbst wenn Russland also eine Politik des Nichtangriffs gegenüber der Ukraine rechtlich festschreibt, wird das seine Saboteure nicht daran hindern, in ukrainische Regionen zu gehen und zu erklären, sie würden die russischsprachige Bevölkerung vor grausamen Bandera-Anhängern retten, die nach dem Ende des russisch-ukrainischen Krieges ihr Unwesen treiben. Genau nach dieser Logik verliefen die Ereignisse im Jahr 2014.

Russland hat niemals anerkannt, dass es unser Land angreift. Selbst jetzt, während dieses großangelegten Krieges ohne Ende, spricht man in Russland weiter von einer absurden „Spezialoperation“.

Und wer würde Moskau daran hindern, selbst nach einem Dutzend juristisch оформлених (rechtlich formalisierten) Entscheidungen in der Staatsduma eine neue Spezialoperation zum Schutz sogenannter Landsleute in irgendeinem anderen Land außer der Ukraine zu beginnen – etwa in einem der baltischen Staaten? Eine Antwort darauf gibt es natürlich nicht.

Das wird eher ein beruhigender Punkt sein, der den Europäern erlaubt zu glauben, dass Russland in den nächsten Jahren keinen konventionellen oder hybriden Krieg gegen sie beginnen wird. An ihrer Stelle würde ich mich nicht entspannen, selbst wenn die Staatsduma bestimmte Entscheidungen einstimmig annimmt.

Punkt sieben, ein ziemlich wichtiger, hängt mit dem EU-Beitritt zusammen. Für die Ukraine wird der Beitritt zur Europäischen Union zu einem festgelegten Zeitpunkt vorgesehen sowie ein vorübergehender prioritärer Zugang zum europäischen Markt. Konkrete Fristen der Mitgliedschaft werden jedoch selbstverständlich Gegenstand konkreter Diskussionen sein und eine Bestätigung durch die Europäische Union erfordern.

Das ist, man könnte sagen, eine Antwort auf die Idee, dass die Ukraine 2027 der Europäischen Union beitreten solle. Wir verstehen sehr gut, dass, solange die Ukraine nicht den gesamten realen Verhandlungsprozess mit der Europäischen Union durchlaufen, nicht alle Cluster geschlossen und nicht nachgewiesen hat, dass sie allen Standards der EU entspricht, und solange sie nicht die einstimmige Unterstützung aller Mitgliedstaaten erhält, von einem EU-Beitritt keine Rede sein kann.

Derzeit kann die Ukraine nicht einmal mit der echten Verhandlungsprozedur über den EU-Beitritt beginnen, weil diese Prozedur zuverlässig von der ungarischen Regierung blockiert wird. Und wir handeln nach einer Ersatz-Prozedur, die technische Gespräche erlaubt, die aus juristischer Sicht nicht bedeuten werden, dass wir auch nur einen Punkt der Beitrittsverhandlungen schließen können.

Daher muss man die Situation realistisch betrachten und hoffen, dass in den 20er, eher in den 30er Jahren des 21. Jahrhunderts für die Ukraine eine Chance entstehen wird, der europäischen Familie beizutreten. Und das auch nur dann, wenn die juristisch-territorialen Fragen sowohl in der Ukraine selbst als auch in der benachbarten Republik Moldau geregelt werden.

Denn bislang hat die Europäische Union keine Antwort auf die Frage, wie die Ukraine und Moldau mit ungeklärten territorialen Fragen Mitglied der EU werden sollen. Die Europäer hoffen eher, dass der Prozess so lange dauern wird, dass diese Fragen bis zu dem Zeitpunkt, an dem eine reale Möglichkeit des EU-Beitritts entsteht, auf die eine oder andere Weise bereits gelöst sein werden. Doch wir wissen, dass territoriale Fragen im postsowjetischen Raum jahrzehntelang ungelöst bleiben und so die reale europäische Integration der Ukraine und Moldaus zuverlässig blockieren können.

Punkt acht. Es soll ein Entwicklungspaket für die Ukraine vereinbart werden, das in einem separaten Investitionsabkommen über künftigen Wohlstand оформлений (formalisiert) wird. In diesem Punkt ist die Rede von der Schaffung eines Entwicklungsfonds für Investitionen in schnell wachsende Bereiche, der Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten und amerikanischer Unternehmen mit der Ukraine bei Wiederaufbau, Modernisierung und Betrieb der Gasinfrastruktur, dem Wiederaufbau und der Erneuerung betroffener Territorien, Städte und Wohnviertel, der Entwicklung der Infrastruktur, der Förderung von Bodenschätzen und natürlichen Ressourcen, der Vorbereitung eines speziellen Finanzierungspakets durch die Weltbank, der Einrichtung einer hochrangigen Arbeitsgruppe sowie der Ernennung eines Administrators/Koordinators für Wohlstand zur Umsetzung des Wiederaufbauplans.

Das sind alles verständliche Punkte, und falls es gelingt, den russisch-ukrainischen Krieg in absehbarer realer Perspektive zu beenden, werden sie Institutionalisierung und Investitionsgelder benötigen. Investitionsgelder wiederum werden nur erscheinen, wenn die Teilnehmer am Wiederaufbau sicher sind, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine in den nächsten Jahren nicht wieder beginnt und ihre Investitionen nicht durch Raketenangriffe und Drohneneinschläge zerstört werden.

Und natürlich müssen dafür auch ukrainische Bürger sicher sein, dass der Krieg nicht in ein, zwei Jahren wieder aufflammt und dass sie auf einem Gebiet bleiben wollen, das ihnen als Gefahrenzone erscheint.

Somit wird von Sicherheitsgarantien real das gesamte Niveau und Tempo der Investitionen in die Ukraine sowie die Entwicklung des Landes in den Nachkriegsjahren abhängen – sofern diese Jahre nicht zu Vorkriegsjahren werden.

Der neunte Punkt hängt mit Fonds für die wirtschaftliche Wiederherstellung, die Rekonstruktion zerstörter Gebiete und humanitäre Bedürfnisse zusammen. Ziel: 800 Milliarden Dollar. Aber natürlich sind diese Investitionen wiederum – wie ich bereits sagte – mit Sicherheitsgarantien verbunden. Die Vereinigten Staaten und europäische Staaten sollen einen Kapitalfonds und Garantien in Höhe von etwa 200 Milliarden Dollar bilden, um in die Ukraine zu investieren.

Für den Nachkriegswiederaufbau wird ein Set finanzieller Instrumente geschaffen, und internationale Institutionen werden diese Instrumente verstärken. Die Ukraine wird die Einführung der besten мирових Standards (weltweiten Standards) zur Anwerbung direkter ausländischer Investitionen deklarieren, und separat wird das Recht der Ukraine auf компенсацію (Entschädigung) der Schäden festgeschrieben.

Wir verstehen jedoch sehr gut, dass die Russische Föderation kategorisch gegen diesen Punkt auftreten und jede Entschädigung für die in den letzten Jahren erfolgte Aggression in der Ukraine entschieden ablehnen wird.

Der 11. Punk ist eher deklarativ. Die Ukraine bestätigt den Status eines Nicht-Atomwaffen-Staates gemäß dem Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen.

Der 12. Punkt ist ein Punkt ohne Kompromiss und betrifft den Betrieb des Kernkraftwerks Saporischschja. Die Amerikaner schlagen eine gleichmäßige Aufteilung der Kontrolle vor, wobei die Vereinigten Staaten Hauptmanager eines Gemeinschaftsunternehmens wären – gleichmäßig, soweit ich verstehe, ist hier von den Vereinigten Staaten, der Ukraine und Russland die Rede.

Die Ukraine schlägt hingegen vor, ein gemeinsames Unternehmen zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten im Verhältnis 50 zu 50 zu schaffen, bei dem die Hälfte der erzeugten Energie an die Ukraine geht und die zweite Hälfte an die Vereinigten Staaten, die dann deren Verteilung bestimmen würden – was ebenfalls sehr seltsam ist, denn es handelt sich um ein staatliches Atomkraftwerk auf juristisch anerkanntes ukrainisches Territorium.

Gleichzeitig wird dieses Kraftwerk jedoch von Russland kontrolliert. Es ist absolut unverständlich, warum Russland mithilfe der Vereinigten Staaten Strom erhalten und die Hälfte der Energie an die Ukraine abgeben sollte, wenn weder die Vereinigten Staaten noch die Ukraine reale Möglichkeiten haben, Russland zum Abzug vom Gelände des KKW Saporischschja zu zwingen.

Der 13. Punkt. Die Ukraine und Russland sollen Bildungsprogramme umsetzen, die gegenseitiges Verständnis und Toleranz fördern und Rassismus sowie Vorurteilen entgegenwirken. Für die Ukraine wird zudem die Implementierung von EU-Normen zur religiösen Toleranz und zum Schutz von Minderheitensprachen vorgesehen.

Genau dieser Punkt soll aus Moskauer Sicht der Russischen Föderation erlauben, auf eine Stärkung der Rolle der russischen Sprache im Funktionieren des ukrainischen Staates und der Gesellschaft zu drängen und zugleich einen harten Status der Russisch-Orthodoxen Kirche auf ukrainischem Boden zu verankern – als Einflussinstrument, das künftig helfen wird, die Ukraine in die russische Einflusssphäre zurückzubringen.

Und hier kann es natürlich sehr viele Fallstricke geben, die es Russland ermöglichen, die Lage in der Ukraine bereits mithilfe dieses 13. Punktes zu destabilisieren und anschließend Vorwände für eine neue Invasion in die Ukraine zu schaffen – mit dem Ziel der endgültigen Zerstörung der Staatlichkeit des feindlichen Landes, ganz gleich, was in der Staatsduma der Russischen Föderation abgestimmt wird, denn man wird sagen, die Ukraine sei nicht tolerant, respektiere die sogenannte russischsprachige Bevölkerung nicht.

In den Straßen ukrainischer Städte klingt nicht das, was klingen soll – nämlich die russische Sprache, die dort jahrhundertelang gesprochen wurde; wir kennen all diese Demagogie, die durch Vermittlung der Vereinigten Staaten von Amerika in dieses Abkommen implementiert werden kann.

Und der 14. Punkt, zu dem es bislang keine realen Vereinbarungen gibt. Die Russische Föderation muss ihre Truppen aus den Regionen Dnipropetrowsk, Mykolajiw, Sumy und Charkiw abziehen, damit dieses Abkommen in Kraft treten kann. In den Regionen Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson soll – wie die Ukraine vorschlägt – die Trennlinie der Truppen zum Datum des Vertragsabschlusses gelten, und das wäre de facto die anerkannte Kontaktlinie.

Eine zweite Variante, die – wie ich verstehe – den Amerikanern verständlicher ist: Eine potenzielle freie Wirtschaftszone auf dem Territorium des Donbas. Zu ihrer Bestätigung ist die Ukraine bereit, ein Referendum in den von ihr kontrollierten Gebieten abzuhalten.

Mir ist jedoch absolut unverständlich, wozu ein Referendum in einem Gebiet nötig ist, das eine potenzielle freie Wirtschaftszone sein kann, wenn die Ukraine nicht offiziell darauf verzichtet, dass die Region Donezk ein untrennbarer Teil ihres Territoriums ist. Ein Referendum wäre nur sinnvoll in der Situation, in der die Ukraine beschließen würde, Donezk oder irgendeine andere Region aus ihrer Verfassung herauszunehmen und die Tatsache anzuerkennen, dass dies nun ein Subjekt der Russischen Föderation ist.

Zur Abstimmung – wie der Präsident der Ukraine vorschlägt – soll die Unterstützung des gesamten Vertrags gestellt werden, nicht nur des Punktes über die freie Wirtschaftszone. Wenn eine Entscheidung zwischen der Ukraine, den Vereinigten Staaten und Russland getroffen wird, wird ein separates Abkommen geschlossen, das den Status der speziellen Wirtschaftszone festlegt. Nach der Einigung über künftige territoriale Vereinbarungen verpflichten sich sowohl die Russische Föderation als auch die Ukraine, diese Vereinbarungen nicht mit Gewalt zu ändern.

Der nächste Punkt des Abkommens ist – wie wir verstehen – wenig wert, weil alle Verpflichtungen der Russischen Föderation von ihr schon wenige Monate nach Unterzeichnung des Abkommens bestritten werden könnten. Dann würde es nur als temporärer Waffenstillstand wahrgenommen werden, damit die Russische Föderation neue Reserven sammelt, um die Ukraine endgültig zu zerstören.

Der 16. Punkt. Russland wird die Ukraine nicht daran hindern, den Dnipro und das Schwarze Meer für kommerzielle Zwecke zu nutzen. Es wird ein separates Seeabkommen und ein Zugangsabkommen geschlossen, die die Freiheit der Schifffahrt und des Transports abdecken. Außerdem wird eine Demilitarisierung der Kinburn-Nehrung durchgeführt.

Der 17. Punkt ist ein humanitäres Komitee zur Lösung entsprechender Fragen. Alle Kriegsgefangenen, einschließlich derjenigen, die 2013 vom russischen Strafvollzugssystem verurteilt wurden, sollen nach dem Prinzip „alle gegen alle“ ausgetauscht werden. Alle zivilen Inhaftierten und Geiseln, einschließlich Kinder und politische Gefangene, sollen zurückgeführt werden. Es sollen Maßnahmen ergriffen werden, um Probleme und Leiden der Kriegsopfer zu lindern. Konkretes wird hier nicht festgelegt.

Und der 18. Punkt. Die Ukraine soll so schnell wie möglich nach Unterzeichnung des Abkommens Wahlen abhalten. Zunächst Präsidentschaftswahlen. Die Rada soll einen Mechanismus ausarbeiten und beschließen, wie sie vor der Aufhebung der Beschränkungen des Kriegsrechts durchgeführt werden können. Danach Parlaments- und Kommunalwahlen.

Der 19. Punkt. Dieses Abkommen wird rechtlich verbindlich sein. Seine Umsetzung wird von einem Friedensrat überwacht und garantiert, dessen Vorsitz – natürlich – Donald Trump führen wird, nach dem Vorbild des Friedensrats in Gaza, der, wie wir wissen, bis heute nicht in Gang gekommen ist.

Und übrigens kann die Geschichte dieses Friedensabkommens und des Friedensrats in Gaza eine gute Illustration dafür sein, welches Schicksal das russisch-ukrainische Abkommen erwartet. Tatsächlich werden Ukraine, Europa, NATO, Russland und die Vereinigten Staaten Teil dieses Mechanismus sein.

Für Verstöße werden Sanktionen vorgesehen. Nachdem alle Seiten einem solchen Abkommen zugestimmt haben, tritt sofort eine vollständige Waffenruhe in Kraft. Das ist bereits Punkt 20, der endgültige Punkt dieses Plans.

Der Präsident der Ukraine betonte, dass man am 24. Dezember eine Antwort der russischen Seite auf diesen Entwurf erwarte, nachdem ein Gespräch der Amerikaner mit den Russen stattgefunden habe. „Dann“, betonte Zelensky, „werden wir unsere nächsten Schritte und mögliche Zeitrahmen für die einen oder anderen Entscheidungen verstehen. Wir sind zu einem Treffen mit den Vereinigten Staaten auf Ebene der Staats- und Regierungschefs bereit, um sensitive Fragen zu lösen. Dinge wie territoriale Fragen müssen auf Ebene der Führungspersonen besprochen werden.“

Wie wir sehen, gibt es neben diesem Abkommen noch separate Abkommen, die zur Beendigung des Krieges nötig sind. Es geht um ein multilaterales Abkommen, das mit Sicherheitsgarantien zwischen der Ukraine, den Vereinigten Staaten und europäischen Ländern verbunden sein wird, sowie um ein separates bilaterales Abkommen, verbunden mit Garantien der Vereinigten Staaten. Und es wird noch einen militärischen Anhang geben, in dem ein detaillierter Plan der Sicherheitsmechanismen und der Reaktion im Falle einer neuen Aggression der Russischen Föderation beschrieben wird.

Gerade dieses Abkommen soll eine starke ukrainische Staatlichkeit sichern, eine starke ukrainische Armee mit Unterstützung der Partner, Instrumente zur Überwachung der Einhaltung des Friedens sowie Konkretheit hinsichtlich von Verstößen.

Das ist im Grunde ein solches Dokumentenpaket. Doch nun stellt sich die Frage, wie und unter welchen Bedingungen die russische Seite überhaupt bereit ist, diesen Dokumenten zuzustimmen. Meiner Ansicht nach ist es derzeit, gelinde gesagt, verfrüht, davon zu sprechen, dass die Russen ein solches Verständnis der Situation haben – aber sie können die Existenz dieses Friedensvertrags nutzen, um weiter Zeit im russisch-ukrainischen Krieg zu schinden: bestimmten Punkten zuzustimmen, bestimmte Punkte als für die Russische Föderation unakzeptabel zu erklären und zugleich darauf hinzuweisen, dass sie einer gesonderten Diskussion bedürfen.

Und so können diese Diskussionen mit Änderungen am Abkommen viele Jahre andauern. Hoffen wir, dass es Monate werden – aber es sieht eher nach Jahren aus. Denn bestimmte Punkte, die wiederum zwischen Russen und Amerikanern vereinbart werden könnten, können für die Ukraine und unsere europäischen Verbündeten unakzeptabel sein. Und das ist eine neue Runde monatelanger, zermürbender Diskussionen.

Wenn zermürbende Diskussionen über ein Friedensabkommen zudem mit zermürbenden Kampfhandlungen und der Fortsetzung der Bombardierung der Ukraine durch russische Angreifer einhergehen, dann kann man natürlich sagen, der Ball liege so lange bei Präsident Putin, wie man will – aber in Wirklichkeit liegt der Ball bei denen, die Putin jeden einzelnen Tag zerstört.

Und in diesem Prozess gibt es keine reale Antwort auf die Hauptfrage: Wie wird die Verantwortung des Präsidenten Russlands dafür aussehen, dass er den Friedensprozess bis zum Ende der Amtszeit des Präsidenten der Vereinigten Staaten hinauszögert? Genau nach dieser Antwort sollte man suchen, wenn wir den sogenannten Friedensplan von Präsident Trump diskutieren.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: 20 пунктів мирного плану: аналіз | Віталій
Портников. 24.12.2025.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 24.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Trump verlangt Grönland | Vitaly Portnikov. 23.12.2025.

Donald Trump hat Grönland wieder ins Spiel gebracht – dessen Anschluss er, wie bekannt, schon in den ersten Wochen seiner Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten thematisiert hatte. Danach schien er das Thema Grönland vergessen zu haben. Wie wir uns jedoch gut erinnern, besuchten damals sowohl der Sohn des amerikanischen Präsidenten, Donald Trump Jr., als auch Vizepräsident J. D. Vance die Insel.

Nun spricht Trump erneut von der Notwendigkeit, Grönland den Vereinigten Staaten anzugliedern, und ernennt den Gouverneur von Louisiana, Jeff Landry, zu seinem ständigen Vertreter in dieser Frage. Landry erklärt, es sei ihm eine Ehre, Grönland den Vereinigten Staaten von Amerika anzuschließen.

Dabei gibt es in Trumps Aussagen und Handlungen in Wirklichkeit keinerlei logische Grundlage. Er begründet die Notwendigkeit der Angliederung Grönlands mit Fragen der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten. Doch Amerika unterhält Militärbasen auf dem Territorium zahlreicher Länder, von deren Angliederung keine Rede ist.

Grönland ist eine autonome Einheit des dänischen Königreichs, das ein NATO-Verbündeter der USA ist. Und eigentlich wäre der logischste Schritt Verhandlungen über eine Ausweitung der amerikanischen Militärpräsenz in der Region. Das würde tatsächlich sowohl den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten als auch den nationalen Interessen der europäischen Länder, Dänemarks und der Grönländer selbst entsprechen, da es sie zuverlässig vor möglichen Ansprüchen der Volksrepublik China oder der Russischen Föderation schützen würde.

Deshalb liegt der Verdacht nahe, dass es hier weniger um die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten geht als vielmehr um die Ausnutzung dieser Interessen durch Trumps engstes Umfeld und den amerikanischen Präsidenten selbst, um Zugang zu den natürlichen Reichtümern Grönlands zu erhalten.

Bemerkenswert ist, dass Trump in diesem Zusammenhang nicht einmal versucht, sich auf das Völkerrecht zu berufen. Die Vereinigten Staaten haben keinerlei rechtliche Möglichkeiten, Grönland zu annektieren. Grönland ist ein integraler und autonomer Teil Dänemarks. Sein Volk hat das Recht auf Unabhängigkeit. Und erst wenn die Mehrheit der Einwohner Grönlands sich tatsächlich für diese Unabhängigkeit ausspricht, könnten die Vereinigten Staaten Verhandlungen mit dem Volk und der Regierung Grönlands über einen Anschluss dieses Landes an die Vereinigten Staaten führen.

Derzeit sehen wir jedoch eine Politik nach putinschem Muster. Zudem wird diese Politik von Donald Trump ungefähr so begründet, wie Putin die Besetzung und Annexion der Krim mit historischen Ansprüchen rechtfertigte – mit Verweisen auf eine ferne Vergangenheit und mit der Behauptung, dass, wenn vor 300 Jahren dänische Schiffe in Grönland gewesen seien, dort auch amerikanische hätten sein können.

Dabei werden die Rechte der indigenen Bevölkerung Grönlands, also der Mehrheit der Inselbewohner, mit derselben demonstrativen Gleichgültigkeit ignoriert, mit der Wladimir Putin die Rechte der indigenen Völker der Krim oder der Bewohner jener ukrainischen Regionen missachtet, die heute von der Russischen Föderation besetzt und annektiert sind.

Gerade deshalb ist Trumps Position aus mehreren Gründen gefährlich. Der erste Grund besteht darin, dass die Handlungen des amerikanischen Präsidenten die Politik des russischen Präsidenten legitimieren. Wenn Donald Trump Anspruch auf Territorien anderer Staaten erheben kann, die keinerlei Bezug zu den Vereinigten Staaten haben, und dies mit Fragen der nationalen Sicherheit Amerikas begründet, warum sollten dann die Russische Föderation oder die Volksrepublik China nicht mit ähnlichen politischen Programmen auftreten? Und warum sollte man Russland dann noch für die Besetzung und Annexion der Krim oder anderer ukrainischer Regionen verurteilen?

Erinnern wir uns zudem daran, dass Donald Trump Russland ohnehin kaum verurteilt und sogar von der Möglichkeit gesprochen hat, den russischen Status der Krim durch die Vereinigten Staaten anzuerkennen – was natürlich ein weiterer Schlag des amerikanischen Präsidenten gegen das Völkerrecht wäre. Möglicherweise will Donald Trump diesen Schlag bewusst führen, um den Weg für seine eigenen imperialistischen Ambitionen freizumachen und die Vereinigten Staaten in ein schlechtes Remake der Russischen Föderation zu verwandeln.

Eine weitere, nicht minder ernste Gefahr ist die Zerstörung der Bündnisbeziehungen mit Europa. Als Putin die Krim besetzte und annektierte, handelte er zumindest nicht gegen einen formellen Verbündeten Russlands. Die Ukraine war ein blockfreier Staat. Sie gehörte weder zur Eurasischen Wirtschaftsunion noch zur OVKS. Und wenn Russland ihr gegenüber irgendwelche Verpflichtungen hatte, dann etwa in dem Maße wie die Vereinigten Staaten gegenüber der Ukraine im Budapester Memorandum.

Dänemark hingegen ist ein realer Verbündeter der Vereinigten Staaten in der NATO, und sein Schutz ist Teil des Konzepts der euro-atlantischen Sicherheit. Nach gesundem Menschenverstand – der offenbar die Flure des Weißen Hauses verlassen hat – müssten die Vereinigten Staaten Dänemark vor Versuchen schützen, Teile seines Territoriums zu besetzen oder Ansprüche darauf zu erheben, egal durch welchen durchgeknallten imperialistischen Wahnsinnigen.

Doch wir erleben das genaue Gegenteil. Donald Trump selbst erhebt weiterhin Anspruch auf das Territorium eines anderen Staates und wirft Dänemark vor, nicht ausreichend für die Sicherheit Grönlands zu sorgen.

Ich wiederhole: Nach meiner Ansicht ist Sicherheit hier nur ein Vorwand zur Befriedigung neuer wirtschaftlicher Bedürfnisse der Menschen in Trumps Umfeld und möglicherweise auch des amerikanischen Präsidenten selbst.

Das ist derselbe politische Vektor, den wir auch bei den Bemühungen um eine Regelung des Krieges zwischen Russland und der Ukraine beobachten. Auch dort scheint Trumps engstes Umfeld nicht darüber nachzudenken, wie der Krieg wirklich beendet und der Aggressor gezwungen werden kann, von Versuchen abzusehen, einen Nachbarstaat zu erdrosseln, sondern darüber, welche beeindruckenden wirtschaftlichen Perspektiven sich für einzelne Vertreter der US-Regierung und für Mitglieder der Präsidentenfamilie eröffnen könnten, wenn es gelingt, sich mit Russland zu einigen – und wenn Putin all jene großzügigen Versprechen erfüllt, die er ohne Zweifel selbst oder über seinen Sondergesandten Kirill Dmitrijew als verlässliche Köder anbietet.

Es ist offensichtlich: Wenn die Vereinigten Staaten und die Russische Föderation gemeinsam das Völkerrecht zerstören, wird es keinen Ort geben, an dem man sich vor der heraufziehenden globalen Krise verstecken kann.

Man sollte nicht glauben, dass Amerikaner, Russen und Chinesen bei ihren Versuchen, das Völkerrecht zu zerstören, gemeinsam handeln werden. Wenn es keine Regeln mehr gibt, werden die Imperialisten unweigerlich aneinandergeraten. Und da diese Imperialisten über riesige Bestände an Atomwaffen verfügen, kann man sich vorstellen, wie viele Dutzende Millionen Menschen wegen des Unverständnisses – vor allem der Führer der demokratischen Welt – für die Bedeutung des Lebens nach Regeln sterben werden. Und dabei geht es scheinbar nur um eine eisige Insel im Atlantik.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп требует Гренландию | Виталий Портников. 23.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 23.12.2025.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Engel/ Янголи

Dunkelheit, es tut so weh,
ich weiß nicht, was weitergeh’.
Kalt wie
Winter am Gleis.
Wieder kommst du
als Lichtbeweis.
Lebendig begraben hier –
ich weiß nicht, was kommen wird.
Wieder dieser Glaube,
stärker als Stein.
Feuer im Herzen,
will ewig sein.

Refrain:
Irgendwo weinen die Engel,
Engel hör’n
unser Fleh’n.
Irgendwo atmen die Engel,
Engel seh’n
die verborgnen Schrei’n.

Ganz allein
mit meinen Gedanken,
bleib ich und seh’
in den Himmel.
Ich fleh’ bis zum Morgen,
hör unsre Seel’n.
Fehler sind überall,
jeden Tag, jede Stell’.
Vierundzwanzig sieben
tun wir es immer wieder.
Wir sind keine Maschinen –
wir fall’n und steh’n wieder.

Refrain:
Irgendwo weinen die Engel,
Engel hör’n
unser Fleh’n.
Irgendwo atmen die Engel,
Engel seh’n
die verborgnen Schrei’n.

Темрява, боляче
Я, не знаю що далі
Холодно, мов
Зима на вокзалі
Знову ти, в образі
Світла прийдеш
Схований, заживо
Я, не знаю що буде
Знову це, віра
Міцніша за камінь
Полумя в серці
Завжди живе
Десь, там, янголи плачуть
Янголи чують
Наші молитви
Десь там, янголи дишуть
Янголи бачать
Сховані крики
У собі, сам на сам
Я із думками
Лишусь, тільки но
В небо дивлюсь
І благаю, досвіта
Душу нашу почуй
Помилки, всюди є
Двадцять чотири на сім
Знову ми
Робимо, робимо
Ми ж, не роботи
Падаєм й знову встаєм
Десь, там, янголи плачуть
Янголи чують
Наші молитви
Десь там, янголи дишуть
Янголи бачать
Сховані крики

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Art der Quelle: Lied
Titel des Originals: Янголи
Autor: Левченко
Veröffentlichung / Entstehung: 2023
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von KI und Viktoriya Limbach,
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Putin und die Gier nach Krieg. Vitaly Portnikov. 22.12.2025.

https://vilni-media.com/2025/12/22/putin-i-zhadoba-vijny/?fbclid=IwZnRzaAO3zMFleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEeQj2MCaaTRx_-V_e48PfJp9xkCTMy4taz5vRnn_N626JYFfqVelNROQCSdWU_aem_TwYiKuiD7gXs1HlgjyOBaQ

Putins Auftritt mit stundenlangen Antworten auf Fragen von Journalisten und „gewöhnlichen Russen“ während der „Direkten Linie“ hat erneut gezeigt, dass der russische Präsident buchstäblich vom Krieg lebt und nicht die Absicht hat, ihn zu beenden.

Sogar während dieser Direktübertragung fragten Russen Putin, warum ihr Fernsehen ständig über die Ukraine spreche und nicht über Russland. Und Putin stimmte zu, dass man damit aufhören müsse. Unklar blieb nur, womit – mit dem Krieg oder mit der Propaganda.

Mich interessierte bei diesem Treffen mit Journalisten jedoch eine ganz andere Frage: Worauf setzen die Vereinigten Staaten eigentlich, wenn sie hoffen, den russischen Präsidenten zu irgendeiner Friedensvereinbarung „herauszulocken“? Denn bisher war weder in Putins Äußerungen noch in den Kommentaren anderer russischer Funktionäre auch nur ein Hauch von Bereitschaft zu erkennen, den Krieg zu beenden. Ja, von Kapitulation war die Rede. Europa wurde mit Krieg bedroht. Aber das ist kein Frieden. Selbst als die Rede auf ukrainische Wahlen kam – und Putin spricht ständig von der „Illegitimität“ des ukrainischen Präsidenten – versprach der russische Präsident, vielleicht für einen Tag, den Wahltag, die Beschießung der Ukraine einzustellen. Das heißt, wie wir sehen, hat Putin an echten Wahlen im Nachbarland kein Interesse. An Kapitulation und an der „Befreiung russischer Länder“ hingegen schon – und das verhehlt er nicht.

Ja, ich kann mir vorstellen, dass Putin in informellen Gesprächen mit Steve Witkoff und Jared Kushner nicht in Parolen redet. Als erfahrener Tschekist und Manipulator kann er gegenüber seinen amerikanischen Gesprächspartnern genau das sagen, was sie hören wollen. Wir wissen inzwischen, dass Putin selbst den Kontakt zu Witkoff gesucht und sogar den saudischen Prinzen Mohammed als Vermittler eingeschaltet hat. Warum gerade Witkoff? Vielleicht gerade deshalb, weil der russische Präsident verstanden hat, wie und worüber er mit diesem langjährigen Freund Donald Trumps sprechen muss – und wie er den direkten Draht zu Trump nicht über einen beliebigen Beamten, sondern über eine Vertrauensperson herstellen kann.

Worüber also kann Putin stundenlang mit seinen amerikanischen Gästen sprechen? Über den Krieg? Natürlich nicht. Über die Wirtschaft. Putin ist in der Lage, Witkoff und Kushner überzeugende Bilder einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu zeichnen. Nach dem Krieg. Und so beginnt der Krieg nur noch wie eine unangenehme Begleiterscheinung auszusehen, die den Weg zu dieser Zusammenarbeit versperrt. Der Druck richtet sich dann nicht mehr gegen Russland, sondern gegen die Ukraine, die mit ihrer „Sturheit“ diese verlockenden Geschäfte verhindert. Wäre diese „Sturheit“ nicht da, gäbe es auch keine Probleme.

Das ist eine durchaus raffinierte Rechnung. Aber wenn man realistisch hinschaut: Was hat Putin damit erreicht? Ist es ihm gelungen, die Sanktionen gegen seine wichtigsten „Geldbörsen“, Lukoil und Rosneft, zu stoppen? Nein, das ist ihm nicht gelungen. Die Sanktionen wurden verhängt und gelten bereits, was sogar Länder wie China und Indien zwingt, die Mengen des Kaufs und der Verarbeitung russischen Öls zu begrenzen.

Ist es Putin gelungen, die Bereitstellung europäischer Gelder für die Ukraine zu verhindern? Ja, die endgültige Konfiskation russischer Vermögenswerte auf europäischen Konten konnte er verhindern – und daran war offenkundig auch Donald Trump interessiert, der aus irgendeinem Grund glaubt, dass die Beschlagnahme russischer Vermögen seinem Friedensplan im Wege stünde. Aber die Europäer haben beschlossen, eigene Mittel bereitzustellen, was Moskau die Hoffnung nahm, dass die ukrainische Wirtschaft im nächsten Jahr zusammenbrechen würde.

Der Tag, an dem Putins Unwillen, einem Frieden zuzustimmen, offen zutage treten wird, kommt unweigerlich – so sehr der russische Präsident die Zeit auch hinauszögern mag. Ja, sowohl er als auch Trump wünschen sich eine umfassende Friedensvereinbarung. Doch Trump will sie so schnell wie möglich, während Putin bereit ist, Zeit zu schinden – sagen wir, bis Januar 2029, bis zum letzten Tag Trumps im Oval Office.

Der Konflikt scheint also unvermeidlich. Es bleibt nur abzuwarten, wie Trump selbst auf den Zusammenbruch seiner Illusionen und auf Putins Hinterlist reagieren wird.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Путін і жадоба війни. Віталій Портников. 22.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Die Verhandlungen zwischen den USA und Russland sind in eine Sackgasse geraten | Vitaly Portnikov. 22.12.2025.

Nach mehreren Verhandlungsrunden beginnen Beobachter im Westen festzustellen, dass die Suche nach Wegen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges in einer Sackgasse steckt.

Die Teilnehmer der Gespräche zeigen sich durchaus optimistisch und sprechen davon, dass die Verhandlungen konstruktiv verlaufen und Fortschritte bringen. Gleichzeitig gibt es jedoch in den grundsätzlichen Fragen dieser Gespräche – jenen, die etwa der finnische Präsident Alexander Stubb als die „fünf Prozent der Vereinbarungen“ bezeichnet – bislang keinerlei Kompromiss. Und ohne einen solchen Kompromiss lohnt es sich überhaupt nicht, von einem realen Friedensprozess zu sprechen.

Die erste Frage, in der kein Kompromiss gefunden werden kann, ist die territoriale Frage. Die Russische Föderation besteht weiterhin darauf, dass ihre territorialen Erwerbungen in der Ukraine seit 2014 rechtlich anerkannt werden müssen. Zudem fordert sie selbstverständlich den Abzug der ukrainischen Truppen aus dem Gebiet der Region Donezk. Und, wie man aus Äußerungen des russischen Präsidenten Putin schließen kann, nicht nur aus der Region Donezk, sondern auch aus den Regionen Cherson und Saporischschja. Die Ukraine lehnt es hingegen entschieden ab, die Tatsache der Annexion ihres Territoriums durch einen aggressiven Nachbarstaat anzuerkennen.

Sogar der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat wiederholt gesagt, dass Putin die gesamte Ukraine haben wolle. Es ist daher völlig unverständlich, woher die Vorstellung stammt, der russische Präsident sei bereit, sich mit nur einigen ukrainischen Regionen zufriedenzugeben.

Wenn es jedoch um den Donbas geht, stellt sich die Frage, aus welchem Grund die Ukraine auf ein Territorium verzichten sollte, das sie effektiv verteidigt. Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, J. D. Vance, räumt ein, dass die Ukraine den Donbas noch ein Jahr lang verteidigen könne, betont jedoch zugleich, dass ukrainische Verhandlungsteilnehmer ihm in vertraulichen Gesprächen zu verstehen gegeben hätten, dass sie tatsächlich die Kontrolle über dieses Gebiet der Region Donezk verlieren könnten.

Derzeit geht es jedoch weniger um den bloßen Verlust der Kontrolle als vielmehr um das Tempo dieses Kontrollverlustes. Wenn die Ukraine die russische Armee noch ein Jahr oder sogar länger im Gebiet der Region Donezk aufhalten kann, bedeutet dies, dass sämtliche Ressourcen Russlands ausschließlich darauf verwendet werden müssen, einen Teil des Territoriums nur einer ukrainischen Region zu erobern. Damit würden Russlands Ambitionen auf weitere territoriale Eroberungen zumindest deutlich eingeschränkt.

Sollte die Russische Föderation jedoch ohne größere Schwierigkeiten Teile der Region Donezk mit ihren Festungsstädten erobern, würde sich für Russland ein operativer Raum zur Eroberung weiterer ukrainischer Regionen öffnen – mindestens zur Herstellung der Kontrolle über das linksufrige Gebiet der Ukraine.

Natürlich könnte man entgegnen, dass Sicherheitsfragen, die ebenfalls Gegenstand der Verhandlungen sind, garantieren würden, dass es dazu nicht kommt. Doch auch in dieser Hinsicht gibt es keinerlei Konkretheit. Und das ist bereits keine Frage mehr des russisch-ukrainischen Dialogs, obwohl offensichtlich ist, dass Russland gegen jede Sicherheitsgarantie auftreten wird, die eine weitere russische Aggression gegen unseren Staat unmöglich machen könnte.

Damit Russland jedoch überhaupt die Möglichkeit hat, Nein zu sagen, müssen die Vereinigten Staaten und andere westliche Länder zunächst der Ukraine Ja sagen. Und das betrifft die Frage, wie realistische Sicherheitsgarantien für die Ukraine aussehen sollen, wenn die Vereinigten Staaten weiterhin die Möglichkeit eines NATO-Beitritts der Ukraine blockieren und damit auch die Anwendung von Artikel 5 verhindern – jenes Artikels, der zumindest die Chance auf eine unmittelbare Beteiligung der Vereinigten Staaten und anderer westlicher Länder an einem Krieg mit Russland im Falle eines erneuten Angriffs Russlands auf die Ukraine eröffnen würde. Damit hätte man die Russische Föderation faktisch vor die Gefahr eines großen nuklearen Krieges gestellt, möglicherweise sogar unter Einsatz strategischer Atomwaffen – was das Ende der Geschichte Russlands, vielleicht aber auch der Geschichte der Vereinigten Staaten hätte bedeuten können.

Gerade die Tatsache, dass zwei nukleare Supermächte aufgrund rechtlicher Verpflichtungen der Vereinigten Staaten vor der Möglichkeit ihres eigenen Verschwindens stünden, wäre eine verlässliche Garantie dafür gewesen, dass kein neuer Krieg beginnt. Doch die Vereinigten Staaten unter Trump – und nicht nur unter Trump, auch seine Vorgänger waren von dieser Idee nicht begeistert – sprechen sich entschieden dagegen aus, die Ukraine in die NATO aufzunehmen.

Welche Garantien mit kompensatorischem Charakter gibt es also? Auch auf diese Frage existiert keinerlei konkrete Antwort. Vielleicht deshalb, weil solche Garantien in der Realität gar nicht existieren und man sie erst erfinden muss, in der Hoffnung, dass sie die Russische Föderation abschrecken.

Da es den amerikanischen Verhandlungsteilnehmern nicht gelingt, sich etwas wirklich Ernsthaftes auszudenken, rückt erneut eine sehr konkrete Frage in den Vordergrund. Wenn es keine realen Sicherheitsgarantien gibt, sollte man Russland dann nicht im Donbas aufhalten, um seine Armee sowie sein militärisches und demografisches Potenzial zu zerschlagen und damit eine weitere Besetzung ukrainischen Territoriums durch den russischen Aggressor unmöglich zu machen? Warum sollte man Russland zusätzliche Möglichkeiten für eine solche Besetzung einräumen, wenn westliche Länder – vor allem die Vereinigten Staaten – nicht bereit sind, Sicherheitsgarantien zu entwickeln, die auch nur annähernd den Garantien von Artikel 5 der NATO ähneln?

Dies gilt umso mehr, als wir nicht wissen, ob dieser Artikel 5 im Zeitalter Trumps überhaupt funktionieren wird und ob wir im kommenden Jahr nicht feststellen werden, dass auch diese Sicherheitsgarantien wertlos sind. Etwa wenn Putin beschließt, eines der europäischen NATO-Länder anzugreifen, und die Vereinigten Staaten statt eines entschlossenen Schlages gegen russische Militärziele Steve Witkoff nach Moskau schicken, um über gemeinsame Wirtschaftsprojekte in der Arktis zu verhandeln. Es würde mich nicht überraschen, wenn genau dies die Reaktion dieser Administration auf eine Bedrohung der Verbündeten wäre.

In dieser Situation kann man natürlich hoffen, dass die Vereinigten Staaten Druck auf Russland ausüben könnten, um es zu einem Waffenstillstand zu zwingen, und erst danach – wie es der Logik entsprechen würde und nicht jener Abrakadabra, die wir derzeit von Witkoff und Kushner beobachten – über einen realen Frieden zu verhandeln.

Dafür ist jedoch Druck notwendig, von dem bereits Senator Lindsey Graham spricht. Wenn Putin eine realistische Friedensvereinbarung ablehnt, sollte man der Ukraine ausreichend Waffen zur Verfügung stellen, einschließlich Tomahawks zur Zerstörung des militärischen und ölverarbeitenden Potenzials der Russischen Föderation und zur Verwandlung der russischen Wirtschaft in echte Trümmer.

Bislang jedoch haben wir weder beim Präsidenten Donald Trump noch bei seinen Vertrauten den wirklichen Wunsch gesehen, aus der Welt der Illusionen – in der sich der amerikanische Präsident seit seinem Einzug ins Oval Office befindet – in die reale Welt überzuwechseln, in der es tatsächlich um Krieg, Frieden und Überleben geht und nicht um die Garderobe von Melania Trump, über die der amtierende amerikanische Präsident seinen erstaunlichen Anhängern mit so sichtlichem Vergnügen erzählt.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Перемовини США і Росії зайшли у глухий кут| Віталій Портников. 22.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Die Chance von Karol Nawrocki. Vitaly Portnikov. 22.12.2025.

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Das erste Treffen von Volodymyr Zelensky mit dem neuen polnischen Präsidenten Karol Nawrocki hätte Anlass zu einem Aufatmen geben können. Der völlig künstliche protokollarische Konflikt ist beigelegt, Warschau spricht in der Frage der Unterstützung der Ukraine wieder mit einer Stimme, und wir kehren zu Zeiten zurück, in denen sowohl Präsident als auch Premierminister Polens eine gemeinsame Position vertraten. Schließlich befand sich Andrzej Duda, der formell dasselbe politische Lager repräsentierte wie Karol Nawrocki, sowohl im Einvernehmen mit seinem Parteifreund Mateusz Morawiecki als auch mit seinem politischen Gegner Donald Tusk.

In Wirklichkeit würde ich jedoch die Bedeutung dieses Treffens nicht überschätzen. Erstens sollte man den Einfluss Karol Nawrockis auf die reale polnische Politik vorerst nicht überschätzen. Die Möglichkeiten des polnischen Präsidenten sind schon deshalb nicht mit denen des ukrainischen Präsidenten vergleichbar, weil der Präsident der Ukraine der informelle Führer der noch bestehenden Parlamentsmehrheit ist, während der Präsident Polens mit einem oppositionellen Parlament arbeitet, das überhaupt kein Interesse an der Umsetzung seiner Initiativen hat. Deshalb sollte Zelensky über reale Politik nach wie vor mit dem polnischen Premierminister sprechen.

Zweitens unterscheiden sich – unabhängig davon, wie Nawrocki mit Zelensky spricht – die politischen Aufgaben des amtierenden polnischen Präsidenten von denen seines Vorgängers. Andrzej Duda versuchte, einer der europäischen Führer im Widerstand gegen die russische Aggression zu sein, und genau diese Haltung stärkte seinen Einfluss sowohl in Polen selbst als auch im Westen. Karol Nawrocki hingegen muss vor allem Politiker Nummer eins für jene Polen werden, die unterschiedliche rechte Ansichten vertreten – von konservativ bis ultrarechts. Denn genau diese Autorität kann ihn zum wichtigsten Vermittler machen, falls Recht und Gerechtigkeit nach den nächsten Parlamentswahlen die Unterstützung rechter Radikaler suchen sollte, um an die Macht zurückzukehren. Das ist Nawrockis historische Chance, denn gerade in dieser Situation würde er sich von einer rein zeremoniellen Figur in einen aktiven Politiker verwandeln, den alle brauchen.

In dieser Lage darf Nawrocki jedoch die Wählerschaft von Grzegorz Braun nicht abschrecken, und es ist für ihn besser, nur ein wenig „proukrainisch“ oder sogar ein wenig „antiu-ukrainisch“ zu sein. Das wird die Wählerschaft von „Recht und Gerechtigkeit“ nicht abstoßen, die Wählerschaft Brauns jedoch anziehen. Nawrocki ist sich dessen sehr wohl bewusst, und die Erfahrung seines eigenen Wahlkampfes bestätigt ihn darin. Deshalb könnte Zelensky sogar im Belvedere residieren – an Nawrockis Absichten und Handlungen würde das nichts ändern.

Das Beste, was man also schon heute tun kann, ist, sich von Illusionen über die ukrainisch-polnische Zukunft zu verabschieden. Ja, objektiv brauchen beide Länder und beide Völker einander; ja, objektiv ist der Widerstand der Ukraine eine Garantie für die Sicherheit Polens. Aber das gilt objektiv auch für Ungarn, die Slowakei und Tschechien – und was folgt daraus? Ja, objektiv wird Polen gerade im Bündnis mit der Ukraine zu einem echten regionalen Führer – doch für den polnischen Wähler kann das völlig unwichtig sein.

In Wirklichkeit wird also alles von den nächsten Parlamentswahlen abhängen. Wenn die Bürgerplattform in Koalition mit Verbündeten an der Macht bleibt oder wenn es „Recht und Gerechtigkeit“ gelingt, in einem Bündnis mit gemäßigten Parteien an die Macht zurückzukehren, wird Polen der engste Partner der Ukraine bleiben und Nawrocki eine protokollarische Figur im Belvedere sein. Wenn „Recht und Gerechtigkeit“ jedoch eine Koalition mit Ultrarechten eingeht oder versucht, deren Parolen für einen Wahlsieg zu übernehmen, werden die Beziehungen Polens zur Ukraine denen der Ukraine mit dem Ungarn Orbáns ähneln, und Nawrocki wird zum Anführer einer endgültigen Revision der östlichen Außenpolitik Warschaus. Und genau das ist objektiv möglich.

Auf einen solchen Wendepunkt sollte man sich daher schon heute vorbereiten, um zu verstehen, wer im Falle eines „Verschwindens“ Polens zum wichtigsten Partner der Ukraine in Europa wird und welche Folgen außenpolitische Veränderungen haben könnten – bis hin zu einer grundlegenden Überprüfung der Migrationspolitik. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass dieses Zukunftsszenario sofort konkrete Maßnahmen erfordert, wohl aber zumindest einen Plan für solche Maßnahmen.

Auch wenn dies natürlich nicht typisch für die Ukraine ist. Lassen wir uns also einfach bewusst machen, dass es so kommen kann, und arbeiten wir weiter mit der polnischen Gesellschaft für unsere gemeinsame Zukunft – und nicht für ein gemeinsames Fiasko, wie es in der ukrainisch-polnischen Geschichte neben Russland schon mehrfach vorgekommen ist und wieder vorkommen kann. Auch das ist vollkommen objektiv.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Шанс Кароля Навроцького. Віталій Портников. 22.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.12.2025.
Originalsprache: uk
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„Zwei Brände, für deren Löschung es keinen Grund gibt“. Vitaly Portnikov – über die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten. 22.12.2025

https://nzl.theukrainians.org/dvi-pozhezhi-yaki-ne-mayut-pryvodu-dlya-togo-shhob-yih-gasyty-vitalij-portnykov-pro-vijny-v-ukrayini-ta-na-blyzkomu-shodi.html

Anfang Oktober einigten sich Israel und die Hamas offiziell auf einen Waffenstillstand. Die israelische Armee begann schrittweise, sich aus der Region zurückzuziehen, und die Seiten führten Austauschaktionen von Kriegsgefangenen, Geiseln und Häftlingen durch. Doch die Situation fand kein logisches Ende: Der Waffenstillstand wurde bereits mehrfach gebrochen. Zudem hat der Krieg, der mit dem Angriff der Hamas-Kämpfer auf israelische Zivilisten begann, das Wesen des Konflikts nicht gelöst – die Unversöhnlichkeit der Positionen zwischen Palästinensern und Juden. Die Hamas existiert weiterhin, das israelische Militär steht im Gazastreifen, und die Spannungen zwischen den beiden Völkern nehmen nur zu.

Darüber, welche Logik Israel und die Hamas leitet, worin dieser Krieg dem russisch-ukrainischen ähnelt und was man weiter erwarten kann, fragte NZL den Journalisten und Publizisten Vitaly Portnikov.

Wie hat der Krieg die Rolle Israels im Nahen Osten beeinflusst?

Auf der geografischen Karte des Nahen Ostens ist Israel ein kleiner jüdischer Staat, der erst in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten auf seine heutigen Ausmaße angewachsen ist. Israel ist von riesigen arabischen Staaten umgeben, die im Mai 1948 – nach der Ausrufung des Staates Israel – eine Aggression gegen ihn begannen. Mehrfach standen in den folgenden Kriegen Einheiten der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte vor den Hauptstädten mächtiger arabischer Länder, die gemessen an Bevölkerungszahl und militärischem Potenzial eigentlich offensichtliche Sieger hätten sein müssen.

Deshalb würde ich die Stärke Israels nicht allein daran messen, dass seine Truppen in den Gazastreifen eingerückt sind. Wir beobachten, wie Israel den Versuchen seiner eigenen Liquidierung widerstehen kann. Und das geschieht seit nunmehr 80 Jahren. All diese Zeit kann man allein deshalb von einer wichtigen Rolle Israels in der Region sprechen, weil Israel weiter existiert. Aus der Sicht seiner arabischen Nachbarn hätte es längst verschwinden müssen.

Ist ein friedliches Ende des Konflikts zwischen Juden und Palästinensern möglich?

Dieser Krieg hat gezeigt, dass eine neue Dimension der Gefahr unterschätzt wurde. Über viele Jahrzehnte herrschte – im israelischen ebenso wie im amerikanischen und europäischen politischen Denken – die Auffassung, dass ein Frieden Israels mit den arabischen Staaten die Voraussetzungen für die Existenz eines neuen Nahen Ostens schaffen würde. Diese Idee begann bereits in den 1970er-Jahren umgesetzt zu werden. Damals fand der damalige ägyptische Präsident Anwar as-Sadat nach dem Jom-Kippur-Krieg politische Möglichkeiten, Frieden mit Israel zu schließen. Diese Bemühungen wurden einerseits mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, endeten andererseits aber mit der Ermordung Anwar as-Sadats durch ägyptische Radikale.

Gleichzeitig begannen die arabischen Staaten seit den 1940er-Jahren, die Bewohner des ehemaligen britischen Mandatsgebiets Palästina selbst als Proxy-Instrument zu nutzen. Dort entstand während der zwanzigjährigen ägyptischen und jordanischen Herrschaft kein palästinensischer Staat. Die Bewohner dieser Gebiete, die weiterhin künstlich in Flüchtlingslagern gehalten wurden, überzeugte man davon, dass sie tatsächlich einen eigenen unabhängigen Staat schaffen müssten – jedoch auf dem Gebiet Israels. Durch dessen „Befreiung“ von den Juden.

Nach 1967, als das gesamte Gebiet des ehemaligen Mandats Palästina unter israelische Kontrolle geriet, begann man diese Idee als Befreiung ganz Palästinas von den israelischen Besatzern und als Schaffung eines palästinensischen Staates auf dem gesamten Territorium zu formulieren. Trotz des Friedensprozesses zwischen Israel und den arabischen Staaten wurde diese Vorstellung im palästinensischen Umfeld konsequent aufrechterhalten. Den Menschen wurde faktisch jede soziale Perspektive genommen. Die internationalen Gelder, die für die Entwicklung dieser Gebiete bereitgestellt wurden, flossen in der Regel in den Aufbau einer effizienten Infrastruktur des Terrors.

Der 7. Oktober 2023 zeigte, dass die Politik der Aussöhnung Israels mit den arabischen Staaten und der Schaffung eines neuen Nahen Ostens gescheitert ist. Denn der Hauptgegner dieser Politik ist die arabische Bevölkerung der palästinensischen Gebiete. Sie sieht in dieser Aussöhnung keine eigene Rolle. Und vor allem bieten auch die arabischen Staaten selbst der palästinensischen Bevölkerung keinerlei Rolle an.

Welche Folgen hat der Krieg Israels gegen die Hamas weltweit?

Die Hamas hat erkannt: Je höher das Ausmaß der Konfrontation mit Israel und je mehr friedliche israelische und arabische Bewohner unter dem Krieg leiden, desto größer wird das Ausmaß des Antisemitismus in Europa und den USA sein. Dort hofft man also, dass sich die öffentliche Meinung mit der Zeit ändern wird und dass nicht nur in Europa, sondern auch in den USA die Unterstützung für Israel schwindet. Dann entstünde die Möglichkeit, die jüdische Bevölkerung aus diesem Gebiet zu vernichten und auf dem gesamten Territorium des ehemaligen Mandats Palästina einen arabischen Staat zu schaffen.

Die in Charkiw getöteten ukrainischen Kinder rufen bei der Mehrheit der Europäer keinerlei Emotionen oder Proteste hervor. An die israelischen Geiseln, die sich seit dem 7. Oktober 2023 in Gefangenschaft befanden, wurde im Westen ebenfalls kaum erinnert. Und dass Hamas-Kämpfer unter diesen Geiseln eine große Zahl von Kindern ermordet haben, hörte nach etwa zwei Monaten ebenfalls auf, jemanden zu interessieren.

Hat die Hamas politische Perspektiven?

Wichtig ist nicht, wie sich eine Organisation nennt, sondern worauf sie sich stützt. Eine einflussreiche Organisation im Gazastreifen muss sich auf eine einzige Idee stützen – die vollständige Vernichtung der Juden auf dem Gebiet des ehemaligen Mandats Palästina. Dann wird sie unter der Bevölkerung Erfolg haben. Wenn Organisationen moderatere Positionen einnehmen, wendet sich die Aufmerksamkeit der palästinensischen „Straße“ jenen zu, die genau diese Liquidierung versprechen.

Haben Israels Handlungen den Iran – einen Verbündeten Russlands in der Region – geschwächt?

Es ist unklar, inwieweit Israels Handlungen tatsächlich zu einer Schwächung der iranischen Positionen geführt haben. Denn es ist nicht klar, was tatsächlich mit dem iranischen Atomprogramm geschehen ist. Zweitens glaube ich, dass es bei der Schwächung des Iran auch um die Eindämmung seines Einflusses auf die Stimmung der „Straße“ geht.

Gleichzeitig hat der Iran seine Positionen im Libanon verloren, da er die Hisbollah nicht mehr bewaffnen kann und diese folglich die libanesische Bevölkerung nicht mehr durch ihre militärische Stärke in Angst und Gehorsam halten kann. Doch das ist nicht das Ende der Geschichte.

Dasselbe gilt für Syrien. Dort unterstützte der Iran faktisch das Regime Baschar al-Assads, das sich seinerseits auf eine Minderheit der Bevölkerung – die Alawiten – stützte. In Opposition zu diesem Regime stand die sunnitische Mehrheit. Deshalb konnte man dem Iran den Einfluss auf die Situation entziehen, da die Mehrheit der Bevölkerung gegen dieses Regime auftrat.

Warum gibt es zwischen der Ukraine und Israel kaum Zusammenarbeit?

Dort, wo ihre Interessen übereinstimmen, arbeiten sie zusammen; dort, wo sie sich unterscheiden, arbeiten sie nicht zusammen. Das ist normal für zwei Länder, die in unterschiedlichen Teilen der Welt liegen. Die Ukraine versucht in ihrer Außenpolitik, sich am außenpolitischen Kurs der Europäischen Union zu orientieren. Dieser ist sehr häufig verantwortungslos und feindlich gegenüber dem israelischen Verständnis seiner eigenen Selbsterhaltung. Wenn die Ukraine diesen Kurs unterstützt, nimmt sie faktisch Positionen ein, die man in Israel nicht als komfortabel empfindet.

Warum verhält sich Israel vorsichtig gegenüber Russland?

Israel ist gezwungen, nicht nur die Präsenz Irans, sondern auch Russlands in der Region zu berücksichtigen. Denn bis vor Kurzem dominierte Russland den syrischen Luftraum und unterhält dort weiterhin seine Stützpunkte. Es ist unklar, wie sich die Situation weiterentwickeln wird, insbesondere angesichts des erheblichen Einflusses der Türkei unter Recep Tayyip Erdoğan auf das syrische Regime und ihres möglichen Interesses am Erhalt der russischen Basen.

Daher kann Israel in der Konfrontation mit Russland recht vorsichtig sein. Das ist ebenfalls absolut logisch, wenn man bedenkt, dass wir es mit einem kleinen Staat zu tun haben, der in Fläche und Bevölkerungszahl nicht mit der Ukraine vergleichbar ist und der gezwungen ist, einem zahlenmäßig weit überlegenen Feind zu widerstehen. Das schafft schlicht unterschiedliche Prioritätensysteme.

Können Türkei und Israel in Syrien in einen Konflikt geraten?

Sowohl Israel als auch die Türkei haben während und nach dem Bürgerkrieg ihre Truppen auf syrischem Territorium eingesetzt. Ich denke, ein Konflikt zwischen der Türkei und Israel in Syrien ist möglich. Die Türkei könnte jedoch vorsichtiger sein, da sie versteht, dass ein solcher Konflikt Präsident Trump kaum gefallen würde. Recep Tayyip Erdoğan, der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu und Präsident Trump sind Führer eines ähnlichen Typs. Diese Typähnlichkeit könnte Erdoğan und Netanjahu vor einer direkten Konfrontation bewahren.

Offensichtlich betrachtet Erdoğan Syrien als ein Gebiet, auf dem er nun seinen eigenen geopolitischen Plan umsetzen will. Es ist jedoch unklar, ob ihm dies gelingen wird, da ein großer Teil der nationalen Gruppen Syriens diesem Ansatz entschieden widerspricht und erst recht einer türkischen Dominanz. Ich denke, die Destabilisierung Syriens liegt noch vor uns. Wir wissen nicht, ob Staaten wie Syrien angesichts der völligen Divergenz der Interessen nationaler Gemeinschaften überhaupt als echte Demokratien existieren können. Die meisten Staaten des Nahen Ostens – ohne dominierende mono-religiöse und mono-nationale Bevölkerung – sind aus territorialen Fragmenten entstanden und verdanken ihre Staatlichkeit überwiegend dem kolonialen Erbe oder einer sehr alten Geschichte, ähnlich wie einige Länder Afrikas.

Für Recep Tayyip Erdoğan ist es wichtig, ein gewisses Maß an Konflikt mit Israel aufrechtzuerhalten, auch wegen seiner wahlpolitischen Interessen. Doch er möchte nicht, dass dieser Konflikt in etwas Größeres eskaliert, das seine eigene außenpolitische Position zerstören würde. Es gibt hier viele offene Fragen, doch mir scheint, dass der gesunde Menschenverstand siegen könnte, einfach weil eine große Konfrontation weder Ankara noch Jerusalem nützt.

Was ist als Nächstes im Nahen Osten zu erwarten?

Sowohl im Krieg im Nahen Osten als auch im Krieg Russlands gegen die Ukraine müssen wir eine einfache Formel verstehen: Was will die andere Seite wirklich? Russland will die Ukraine als Staat zerstören und ihr Territorium besetzen. Das bedeutet, dass das ukrainische Volk keine andere Möglichkeit hat, diesen Krieg zu beenden, als diese russischen Ansprüche zurückzuschlagen. Die Ukrainer werden entweder in den nächsten Jahrzehnten von der Weltkarte verschwinden – oder sie werden sich verteidigen. Es ist unmöglich, den russisch-ukrainischen Krieg durch irgendeinen Waffenstillstand oder Abkommen zu beenden. Denn jeder Russe „denkt“, dass die Ukrainer eine erfundene Nation seien, die auf „ursprünglich russischem Boden“ lebt und von diesem „ursprünglich russischen Boden“ vertrieben werden müsse, während ihr Staat liquidiert werden soll.

Im Kern wird sich die Situation im Nahen Osten ähnlich entwickeln. Dieser Konflikt kann auf diese Weise nicht enden, weil er existenziell ist. Er hätte enden können, als sich nach Camp David bestimmte Möglichkeiten eröffneten und die Oslo-Abkommen unterzeichnet wurden. Wenn die Palästinenser diesen territorialen Möglichkeiten tatsächlich zugestimmt und wirklich einen Staat im Gazastreifen und im Westjordanland geschaffen hätten. Doch sie taten es nicht – unter anderem, weil Jassir Arafat erkannte, dass eine solche Option seine Position in der palästinensischen Bewegung zerstören und ihn der finanziellen Einnahmen von Sponsoren berauben würde, die an einem solchen Verlauf nicht interessiert waren. Dieser historische Moment wurde verpasst, und damit begannen sich auch die Stimmungen innerhalb Israels zu verändern.

Die faktische Ablehnung des Friedens durch die Palästinenser und der Verzicht auf die Schaffung eines eigenen Staates auf der Grundlage der Trennung – ersetzt durch Terror – führten dazu, dass die israelische Gesellschaft heute der Idee von zwei Staaten nicht besonders zugeneigt ist.

Sie erwähnten die Anerkennung eines palästinensischen Staates durch Israels Verbündete in Europa. Doch genau darin liegt das Paradoxon: Als dieser palästinensische Staat reale Existenzchancen hatte, wurde er nicht anerkannt. Heute hingegen erkennt man einen nicht existierenden Staat an, der sein Territorium nicht kontrolliert. Was wird weiter geschehen? Im Grunde ist es einfach. Entweder finden die arabischen Staaten einen Mechanismus, um die Stimmung der palästinensischen Bevölkerung zu verändern und einen Staat oder eine reale Autonomie innerhalb des Gazastreifens oder bestimmter Gebiete des Westjordanlands zu schaffen. Oder diese Gebiete werden integraler Bestandteil Ägyptens und Jordaniens. Oder dieser Konflikt dauert an, bis dort nur noch jemand übrig bleibt, der tatsächlich einen Staat schaffen kann.

Worin besteht der Plan der Hamas, und wie nimmt Israel die Folgen des Krieges wahr?

Die Idee der Hamas und anderer radikaler Gruppierungen besteht darin, dass eine Stimmungsänderung gegenüber Israel den Weg zu einem neuen nahöstlichen Holocaust öffnet, bei dem Juden sowohl im Nahen Osten als möglicherweise auch im Westen gleichzeitig vernichtet werden können. Sie sind bereit, ihre eigene Zivilbevölkerung sowohl als Fundament der Vernichtung als auch als Mittel zur Demonstration von Opfern zu benutzen.

In der israelischen Gesellschaft gibt es selbstverständlich die Idee der Bewahrung des Staates. Doch jene, die früher sagten: „Bewahren wir den Staat, neben dem eine friedliche, entmilitarisierte, demokratische Palästina existieren wird“, werden nach dem 7. Oktober immer weniger. Es werden mehr Menschen, die sagen: „Bewahren wir den Staat und verhindern wir die Entstehung eines zweiten Staates auf dem Gebiet des ehemaligen Mandats Palästina. Schaffen wir stattdessen Bedingungen dafür, dass die Bewohner dieses Gebietes ihren Platz in anderen arabischen Staaten finden.“ Beide Programme sind unrealistisch.

Die kommenden Generationen – sowohl der Juden als auch der Ukrainer – werden unter Bedingungen von Krisen, Kriegen, Entwurzelung, Beschuss, Raketenangriffen, Infrastrukturzerstörung und Angriffen auf ihr friedliches Leben leben. Das ist das reale Bild des Nahen Ostens, das sich in seinem gesamten dramatischen Ausmaß vollständig mit dem realen Bild der Ukraine deckt. Zwei Brände, die nicht so leicht zu löschen sind.


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Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: «Дві пожежі, які не мають приводу для того, щоб їх гасити». Віталій Портников — про війни в Україні та на Близькому Сході. 22.12.2025.
Autor: Новини Здорової Людини
Veröffentlichung / Entstehung: 22.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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