Ukrainische Sonne ging auf!/ Українське сонце зійшло!  

Ukrainische Sonne ging auf,
strahle hell im Himmelsblau!
So teuer erkauft – o,│
wir werden nicht verzeih’n! │ (2)

Wir werden nicht verzeih’n!
Ach, sähst du nur, wie fein:
wie die Kranichzüge zieh’n, │
Krieger trug man auf dem Schild… │ (2)

Auf den Schilden trug man sie,
hin, wo’s keine Kämpfe gibt.
Ach, wie vieles ging verloren, │
so teuer war’s erkauft… │ (2)

So teuer war’s erkauft…
Wir werden nicht verzeih’n!..
Strahle hell im Himmelsblau – │
Ukrainische Sonne ging auf!.. │ (3)

Ukrainische Sonne ging auf! │ (4)

Українське сонце зійшло,
Хай яскраво світить воно!
Дорого заплачено - |
Ми їх не пробачимо! | (2)

Ми їх не пробачимо!
Ой, якби ви бачили,
Як летіли журавлі, |
Воїв на щитах несли... | (2)

На щитах несли воїв
В місце, де нема боїв.
Так багато втрачено, |
Дорого заплачено!.. | (2)

Дорого заплачено...
Ми їм не пробачимо!..
Хай яскраво світить воно, |
Українське сонце зійшло!.. | (3)

Українське сонце зійшло! | (4)

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Art der Quelle: Lied
Titel des Originals: Українське сонце
Interpreten Gruppe: Kozak System
Veröffentlichung / Entstehung: 2023
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von KI und Viktoriya Limbach,
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uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Ergebnisse der Verhandlungen in Miami | Vitaly Portnikov. 21.12.2025.

Der Sonderbeauftragte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, berichtete über die ersten Ergebnisse der Gespräche, die er und der Schwiegersohn von Präsident Trump, Jared Kushner, mit einer ukrainischen Delegation in Miami geführt haben. Über die Ergebnisse jener Gespräche, die Witkoff und Kushner mit dem Sonderbeauftragten des Präsidenten Russlands, Kirill Dmitrijew, geführt haben – der sich dieser Tage ebenfalls in den Vereinigten Staaten aufhielt –, äußert sich Witkoff bislang nicht. Es geht ausschließlich um einzelne Gesprächsrunden mit der ukrainischen Delegation sowie um ein gemeinsames Treffen von Amerikanern, Ukrainern und Sicherheitsberatern europäischer Staats- und Regierungschefs.

Wie Witkoff betont, wurden vier zentrale Dokumente erörtert.

  • Das erste ist ein 20-Punkte-Plan, der entstand, nachdem der ursprüngliche Plan – angeblich im Weißen Haus erstellt, von vielen Beobachtern jedoch eher als Werk von Kirill Dmitrijew und dem außenpolitischen Berater des Präsidenten der Russischen Föderation, Juri Uschakow, wahrgenommen – in Gesprächen mit der ukrainischen und europäischen Delegation korrigiert wurde.
  • Das zweite Dokument betrifft multilaterale Sicherheitsgarantien für die Ukraine seitens westlicher Staaten.
  • Das dritte Dokument betrifft separate Sicherheitsgarantien für die Ukraine seitens der Vereinigten Staaten von Amerika.
  • Und das vierte Dokument ist ein Plan für die wirtschaftliche Entwicklung der Ukraine, also für den Wiederaufbau unseres Staates, falls sich die Möglichkeit ergeben sollte, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden.

Witkoff unterstreicht, dass es sich um eine konstruktive Diskussion gehandelt habe, die darauf abziele, nicht nur einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zu erreichen, sondern auch einen dauerhaften Frieden.

Die Ziele sind natürlich ehrenwert. Doch es stellt sich die Frage: Inwieweit bringen uns die Gespräche der amerikanischen Vertreter mit der ukrainischen Delegation und den Europäern einem wirklichen Frieden näher? Der Assistent des Präsidenten der Russischen Föderation, Juri Uschakow, seinerseits erklärte, er verfüge bereits über gewisse Informationen von Kirill Dmitrijew. Am Montag werde Dmitrijew jedoch in der russischen Hauptstadt eintreffen und der Führung der Russischen Föderation ausführlich über die Ergebnisse seiner Beratungen mit Witkoff und Kushner berichten. Erst auf Grundlage dieser Informationen werde man eigene Bedingungen für die Fortsetzung des Verhandlungsprozesses formulieren.

In Moskau ist selbstverständlich nicht beabsichtigt, sich vom Verhandlungsprozess zurückzuziehen, denn er ermöglicht dem russischen Präsidenten Putin, Zeit für die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges zu gewinnen. Doch Uschakow ließ bereits erkennen, dass jene Änderungen im sogenannten Trump-Plan, die nach Gesprächen mit der ukrainischen und der europäischen Delegation vorgenommen wurden, die Seiten kaum wirklichen Vereinbarungen näherbringen dürften.

Und wie sehen aus der Sicht des Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, „wirkliche Vereinbarungen“ aus? Das wissen wir sehr genau aus der sogenannten „Direktleitung“ des russischen Präsidenten, während der Putin wieder zu seinen Bedingungen für eine ukrainische Kapitulation zurückkehrte – Bedingungen, die er bereits 2024 in seiner Rede vor dem Kollegium des Außenministeriums der Russischen Föderation detailliert formuliert hatte.

Und zu diesen harten Bedingungen, die logischerweise das Verschwinden des ukrainischen Staates von der politischen Weltkarte als Endergebnis vorsehen, fügt Putin nun Drohungen gegenüber Europa hinzu – als Auftakt zu jenem hybriden Krieg, auf den er sich offensichtlich als Hauptereignis des kommenden Jahres 2026 vorbereitet, als eine Art politischen Benefizabend des Kreml.

Wenn wir also Witkoffs Erklärungen lesen, müssen wir verstehen, worauf sich der Sonderbeauftragte des amerikanischen Präsidenten stützt, wenn er über Frieden spricht, so als hinge dieser Frieden von einer Einigung zwischen Amerikanern und Ukrainern ab – und nicht von einer Einigung zwischen Ukrainern und Russen.

Und welche Friedensverhandlungen können überhaupt gemeint sein, wenn die russische Seite kategorisch keinerlei realistische Ansätze akzeptiert, die zumindest in absehbarer Zukunft zu einem Waffenstillstand im russisch-ukrainischen Krieg führen könnten? Von einem wirklichen Kriegsende kann gegenwärtig, so scheint es mir, überhaupt niemand denken – so wenig gibt es dafür Anhaltspunkte.

Man sollte daran erinnern, dass viele behaupteten, Präsident Donald Trump wünsche, dass irgendein Abkommen bis Weihnachten unterzeichnet werde. Bis Weihnachten bleiben buchstäblich nur wenige Tage, und es ist bereits offensichtlich, dass zwischen den Positionen der Seiten eine so tiefe Kluft besteht, dass man vielleicht besser an andere christliche Feiertage oder an Weihnachten 2026 denken sollte, um zu einem realistischen Ergebnis zu gelangen.

Das entspricht im Grunde genau dem Interesse Putins – seit er verstanden hat, dass Trump nicht auf ein Ende der Kampfhandlungen, sondern auf Verhandlungen drängt, deren Ziel ein dauerhafter Frieden sein soll. Dies öffnet Putin den Weg, Zeit bei diesen Verhandlungen genau so lange hinauszuzögern, wie er sie seiner Meinung nach braucht, um die Ukraine zu vernichten. Gibt es keine Ukraine mehr – gibt es auch kein Problem. Und bis dahin kann man endlose Gespräche mit Steve Witkoff oder Jared Kushner führen.

Ein weiteres durchaus wichtiges Merkmal dieses Verhandlungsprozesses ist die Abwesenheit des amerikanischen Außenministers Marco Rubio. Rubio – ein erfahrener Bürokrat und jemand, der hoffen kann, dass Trump in den kommenden Jahren nicht nur sich selbst, sondern auch den charismatischen Führer der amerikanischen Ultrarechten, Vizepräsident J.D. Vance, verbrennt – könnte schlicht keine Lust haben, an Prozessen teilzunehmen, die nicht in institutionelle Entscheidungen münden, sondern lediglich die Inkompetenz und Hilflosigkeit der engsten Freunde und Verwandten des amerikanischen Präsidenten unterstreichen. Er wartet daher vermutlich auf den Moment, in dem entweder Witkoff zu konkreten Ergebnissen vordringt, die dann gemeinsam mit dem Außenminister erörtert werden müssen, oder die völlige Hilflosigkeit und Aussichtslosigkeit seiner Bemühungen demonstriert, eine Vereinbarung über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu erzielen.

Und dann könnte die Angelegenheit – einfach zur Rettung der Reputation Trumps – von den Amateuren, die an Geschäften mit dem Kreml interessiert sind, in die Hände professioneller Politiker und Diplomaten übergehen, die die Sprache verstehen, in der man mit Putin sprechen muss: die Sprache der Stärke. Übrigens hat einer dieser professionellen Politiker, Senator Lindsey Graham, der die Lage offenbar bereits erfasst, den Präsidenten Trump heute zu härteren Maßnahmen gegenüber der Russischen Föderation aufgerufen, insbesondere zur Kontrolle der Versorgung mit russischem Öl, die selbstverständlich unter Umgehung amerikanischer Sanktionen erfolgen kann. Denn, wie wir wissen, braucht Russland nur wenige Monate, um geeignete Mechanismen zu finden, mit denen es auch diese amerikanischen Energiesanktionen umgehen kann – so wie frühere auch umgangen wurden.

Und dann wird dies erneut ein Beweis für die völlige Machtlosigkeit der amerikanischen Sanktionspolitik und für jene Möglichkeiten sein, über die die Russische Föderation und die Volksrepublik China bei der Beherrschung der modernen Welt verfügen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Результати перемовин у Майамі | Віталій Портников. 21.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 21.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Kyiv und das Ende russischer Kultsansprüche. Vitaly Portnikov. 21.12.2025.

Boris Akunin (Chchartischwili) erwies sich als einer der wenigen Vertreter der russischen Literatur, der in der Lage war, den Beschluss der Kyiver Stadtratsversammlung über die Demontage von Denkmälern für Vertreter der russischen Kultur in der ukrainischen Hauptstadt realistisch einzuschätzen. Er bemerkte, dass sich die Wege der Russen und Ukrainer vor dem Hintergrund der russischen Kriegsverbrechen für immer getrennt haben und dass allein die Ukrainer zu entscheiden haben, welche Denkmäler sie errichten und welche Bücher sie lesen.

Und genau das war es, was den Ukrainern immer verweigert wurde – sowohl von den „älteren Brüdern“ aus Moskau als auch von den einheimischen Gefangenen der „russischen Welt“, die Krokodilstränen über geschmacklose spät-sowjetische Monumente vergießen.

Und das Wichtigste ist etwas, was ein Mensch, der in der russischen politischen Kultur aufgewachsen ist oder keine ukrainische politische Verantwortlichkeit entwickelt hat, nicht begreifen kann: Es handelt sich um eine Entscheidung der lokalen Selbstverwaltung. Das heißt: eine Entscheidung von Menschen, die von den Kyiver gewählt wurden und die Kyiver vertreten. Auf diese Entscheidung haben die Bewohner von Odesa oder Dnipro keinen Einfluss – sie können weder über die Namen unserer Straßen noch über das Schicksal steinerner Skulpturen bestimmen.

Und den Kyiver, die davon träumen, vom Puschkin-Denkmal zum Bulgakow-Denkmal zu spazieren, kann ich nur eines sagen: Stimmt bei den nächsten Kommunalwahlen für eine Partei, die euch verspricht, diese Denkmäler zurückzubringen. Allerdings wisst ihr selbst sehr gut, dass eine solche Partei nur dann eine Mehrheit bekommt, wenn die Abstimmung – um mit den Worten eines anderen eurer Lieblingsdichter zu sprechen – unter dem Schutz »befreundeter« Bajonette stattfindet.

Und wenn ihr versteht, dass ihr keine Mehrheit zusammentragen werdet, bleibt euch nur, euch damit abzufinden, dass das nicht besetzte Kyiv eine ukrainische Stadt sein wird. Und das großspurig aufgeblasene, pseudo-kulturelle Spießbürgertum, das Ansprüche erhebt, hat in Kyiv ausgespielt.


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Art der Quelle: Social Media
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 21.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
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Russland kippt den „Friedensplan“ | Vitaly Portnikov. 21.12.2025.

Der Assistent des Präsidenten der Russischen Föderation, Juri Uschakow, betonte, dass jene Änderungen, die die Ukrainer und die Europäer am sogenannten Friedensplan von Donald Trump vornehmen, nicht zur Erzielung einer Einigung beitragen.

Darin, wie wir verstehen, bestand auch der russische Plan, der mit einer Verzögerungstaktik zur Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges und zur Verhinderung neuer Sanktionen gegen Russland verbunden war. Zuerst wollte man der amerikanischen Seite irgendwelche vermeintlich friedlichen Vorschläge unterbreiten, die die Konstruktivität Putins belegen sollten. Und später, wenn diese Vorschläge mit ukrainischen und europäischen Partnern diskutiert würden, sollte Kyiv und die europäischen Hauptstädte genau der fehlenden Konstruktivität beschuldigt werden – um sich entweder von der Erörterung des Friedensplans zu verabschieden oder die Diskussionen über jeden einzelnen Punkt so lange fortzuführen, bis Donald Trumps Amtszeit endet.

Geradezu erstaunlich ist die Tatsache, dass Uschakow, der außenpolitische Assistent des russischen Präsidenten, nichts über die Änderungen am Friedensplan weiß und sagt, der Kreml verfolge diese Änderungen ausschließlich über Medienberichte. Nichts weiß Uschakow auch über das, womit sich in Miami der Sondergesandte des russischen Präsidenten, Kyrill Dmitrijew, beschäftigt, der sich in den Vereinigten Staaten mit dem Sonderbeauftragten des amerikanischen Präsidenten, Steve Witkoff, und mit dem Schwiegersohn von Präsident Trump, Jared Kushner, trifft.

Dieses offen zur Schau gestellte Desinteresse am Ergebnis von Dmitrijews Reise belegt einmal mehr, dass die Aufgabe des sogenannten Sonderbeauftragten lediglich die Ausschmückung eines Friedensprozesses ist. Niemand in der Präsidialverwaltung Russlands erwartet von Dmitrijew irgendein reales Ergebnis, und man verfolgt seine Reise nicht einmal besonders – denn seine einzige Aufgabe besteht darin, Zeit zu schinden.

Der interessanteste Moment in Uschakows Erklärung ist seine erleichterte Feststellung der Tatsache, dass bald Weihnachten sei, und dass Weihnachten in den Vereinigten Staaten niemand gestrichen habe und natürlich dort an Weihnachten niemand arbeiten werde. Dass Steve Witkoff und Jared Kushner während Chanukka im Grunde weiterarbeiten, dass für sie der 24. Dezember die Neujahrsfeiertage praktisch nichts einleitet, sondern  eher abschließt – all das ist für den Assistenten des Präsidenten der Russischen Föderation offenbar völlig unverständlich, doch Tatsache bleibt Tatsache.

Er wünscht sich, dass die amerikanischen Vertreter wenigstens bis zum Ende der Neujahrsfeiertage die Arbeit einstellen – nun, zumindest bis zum Neujahrsfest im russischen Verständnis, also bis Weihnachten nach dem julianischen Kalender. Und so könnte man noch etwas Zeit gewinnen und zu neuen Verhandlungen erst im Januar des kommenden Jahres zurückkehren.

Meiner Ansicht nach könnte Russland jetzt überhaupt das Interesse an irgendeinem Friedensprozess verlieren. Denn das Hauptziel des Kreml war erstens, westliche Sanktionen gegen die Russische Föderation zu verhindern. Putin hat hier eine Niederlage erlitten, weil Trump trotz des Friedensprozesses Sanktionen gegen die russischen Öl-Giganten „Rosneft“ und „Lukoil“ verhängt hat – und diese Sanktionen sind bereits in Kraft getreten.

Und zweitens sollte die Beschlagnahme russischer Vermögenswerte zur Unterstützung der ukrainischen Wirtschaft verhindert werden. Einerseits ist es Putin mithilfe Trumps und dessen enger Freunde in der Europäischen Union – vor allem Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni – gelungen, zu verhindern, dass russische Vermögenswerte der Ukraine für die kommenden Jahre zur Verfügung gestellt werden.

Doch gleichzeitig hat die Europäische Union, und das hatte Putin offensichtlich nicht erwartet, beschlossen, der Ukraine aus ihrem eigenen Haushalt Gelder ungefähr in jener Höhe bereitzustellen, die im Fall einer Beschlagnahme russischer Vermögenswerte hätte bereitgestellt werden können.

Und die Vermögenswerte selbst bleiben auf unbestimmte Zeit eingefroren – was den Europäern die Möglichkeit gibt, jederzeit zu dem Thema ihrer Beschlagnahme zurückzukehren, sagen wir dann, wenn Donald Trump von der politischen Bühne Amerikas verschwunden ist und der nächste Präsident der Vereinigten Staaten sich als weit angemessenere und realistischere Person erweisen könnte als sein ultrarechter Vorgänger. So kann es eben sein – unter den Bedingungen eines demokratischen Staates, den in den Vereinigten Staaten noch niemand demontiert hat.

Dann stellt sich die Frage, wozu Putin überhaupt ein Friedensprozess dient, wenn er ohnehin unter der Bedingung neuer Sanktionen gegen die Russische Föderation stattfindet und unter der Bedingung, dass die Ukraine Geld im Haushalt haben wird, um der russischen Aggression sowohl 2026 als auch 2027 zu widerstehen.

Die Antwort ist recht einfach: Vielleicht will man neue Sanktionen verhindern – verhindern, dass Donald Trump Entscheidungen trifft, die die russische Wirtschaft weiter zerstören und schließlich Prozesse auslösen würden, die Putin selbst mithilfe seiner Verbündeten in der Volksrepublik China, die offensichtlich zu weiterer Unterstützung Moskaus bereit sind, nicht mehr aufhalten könnte.

Unter diesen Umständen kann die Imitation eines Friedensprozesses sozusagen auf Minimalniveau stattfinden. Denn wir sehen, dass kein einziger ernstzunehmender russischer Beamter derzeit beabsichtigt, an Verhandlungen teilzunehmen. Von keinem Dreiertreffen, selbst nicht auf Expertenebene zwischen Amerikanern, Russen und Ukrainern, von dem in den Vereinigten Staaten die Rede war, will man in Russland überhaupt etwas hören.

Uschakow sagte im Gespräch mit Journalisten, dass ihm darüber nichts bekannt sei und dass Dmitrijew ausschließlich für Gespräche mit amerikanischen Partnern in die Vereinigten Staaten entsandt worden sei. Und in Moskau weiß man nicht einmal – und will, wie ich verstehe, auch gar nicht wissen –, ob sich derzeit Vertreter der Ukraine in den Vereinigten Staaten aufhalten.

Wie ich also bereits mehrfach sagte, handelt es sich nicht um einen realen Friedensprozess, sondern um die Arbeit der Präsidialverwaltung der Vereinigten Staaten, die Arbeit des besten Freundes des amerikanischen Präsidenten und seines Schwiegersohns – im Interesse einer einzigen Person.

Und diese Person ist keineswegs Donald Trump, der im Grunde während dieses Prozesses zum Narren gehalten wird. Diese Person ist selbstverständlich Putin, der sich mithilfe von Witkoff und Kushner Zeit erkauft – für den weiteren Krieg gegen die Ukrainer, für Angriffe auf ukrainische Städte, für die Zerstörung der ukrainischen Wirtschaft und für die Besetzung ukrainischen Territoriums.

Und Verhandlungen ohne jegliche Ergebnisse fördern meiner Ansicht nach nur die Erreichung der ehrgeizigen imperialistischen Ziele des russischen Präsidenten und bringen dem amerikanischen Präsidenten nichts außer der Erkenntnis der Welt über seine Unangemessenheit und Realitätsferne.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Росія перекреслює «мирний план» | Віталій Портников. 21.12.2025.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 21.12.2025.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Brandts Kniefall. Vitaly Portnikov. 21.12.2025.

https://zbruc.eu/node/123192?fbclid=IwZnRzaAO08ahleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEejp_ARYZz5uZDpaRhVxrU3Y4hIhjoDv4gyO9nmYtul67X7QNI31cEJHRvFK8_aem_D2QbdeBVym5bJpfZL8mwVA

55 Jahre zuvor, im Dezember 1970, kniete der deutsche Bundeskanzler Willy Brandt während eines Besuchs in Polen vor dem Denkmal für die Opfer des Aufstands im Warschauer Ghetto nieder.

Das war eine schockierende Geste, auf die buchstäblich niemand vorbereitet war – weder die Gäste noch die Gastgeber. Bis dahin hatte sich kein Politiker der Welt eine derart offene Reue erlaubt – zumindest nicht in der neueren Geschichte. Die deutsche Gesellschaft spaltete sich hinsichtlich der Geste Brandts fast in zwei Hälften, und dennoch unterstützte die Mehrheit diesen Schritt des Bundeskanzlers nicht. Zwei Jahre später aber gewannen die von Brandt geführten Sozialdemokraten die Parlamentswahlen souverän. Das deutsche Volk erkannte schließlich an, dass der Kanzler – ein entschiedener Antifaschist, der nach dem Zusammenbruch Hitlers in der Uniform der norwegischen Armee nach Deutschland zurückgekehrt war – durch seine unerwartete Entscheidung die deutsche Ehre rettete.

Weniger bekannt an diesem Besuch war die Unterzeichnung eines Vertrags durch Brandt und den polnischen Ministerpräsidenten Józef Cyrankiewicz, der die nach dem Zweiten Weltkrieg festgelegten neuen Grenzen Polens anerkannte. Somit wurde Brandt der erste Nachkriegskanzler des neuen Deutschlands, der auf Revanchismus und Nostalgie verlorener Gebiete verzichtete – obwohl auf jenen Gebieten, anders als auf den ukrainischen Territorien, die Russland heute beansprucht, tatsächlich Deutsche bis zum Zweiten Weltkrieg gelebt hatten. 

Doch Brandt war überzeugt, dass eine zukünftige gutnachbarschaftliche Beziehung wichtiger sei als historische Nostalgie. Und das wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, als es zwischen der BRD und Polen gar keine gemeinsame Grenze gab: Sie entstand erst nach dem Verschwinden der Deutschen Demokratischen Republik von der politischen Weltkarte. Man kann daher sagen, dass Brandts Vertrag ein Dokument war, das nicht nur für die Polen, sondern auch für die zukünftige deutsche Einheit wichtig war – selbst wenn damals niemand davon zu träumen wagte.

Für mich persönlich wurde dieser Schritt Brandts zu einer Art „Tor nach Deutschland“ – sowohl als Land wie auch als Zivilisation. Ich gehöre zu einem vernichteten Volk. Und noch meine Großmütter erschraken, wenn sie die Laute der deutschen Sprache hörten – was für Menschen, die während des Holocaust ihre Eltern und Verwandten in den Schluchten der Ukraine verloren hatten, nicht verwunderlich ist. 

Doch Brandts mutige Entscheidung überzeugte mich – als ich natürlich davon erfuhr –, dass Deutsche, die sich schämten und bereit waren, gegen das Böse zu kämpfen, immer existiert hatten. Mehr noch: dass Reue für das Böse in Deutschland auf staatlicher Ebene möglich ist – und nicht nur im Gespräch mit einem zufälligen Bekannten.

Heute jedoch denke ich vor allem darüber nach, ob die Tat Brandts sich im russisch-ukrainischen Krieg wiederholen kann. Werden wir eines Tages einen russischen Präsidenten sehen, der in Butscha niederknien kann?

Ich habe erhebliche Zweifel. Die russische gesellschaftliche und politische Kultur erkennt weder Niederlagen noch Entschuldigungen an. Brandt verstand sehr wohl, dass seine Geste die Folge nicht nur einer politischen, sondern auch einer moralischen Niederlage Deutschlands war, sowie der Verbrechen, die Teil dieser Niederlage gewesen waren. Die Russen bemerken ihre Niederlagen nicht. Nicht etwa, weil es keine gäbe – aber Staat, Gesellschaft, Bildungswesen und Geschichtswissenschaft ignorieren sie konsequent. Und ohne ein Gefühl der Niederlage gibt es auch keine Reue: Wofür soll sich ein ewiger Sieger entschuldigen?

Außerdem ist der Kult des „heilsamen Bösen“ Teil dieser Kultur. Iwan der Schreckliche verwandelte den Moskauer Staat in ein degeneriertes Nest der Repression, gilt aber bis heute als einer der größten Monarchen. Dasselbe gilt für den paranoiden Peter I., der Hunderttausende in den Sümpfen von Sankt Petersburg verscharrte, und natürlich für Stalin. 

Die Einstellung zu Stalin ist überhaupt ein erstaunliches Stockholm-Syndrom. Der Mann, der Dutzende Millionen Russen ins Jenseits geschickt hat (und natürlich auch Nicht-Russen, aber sprechen wir jetzt über die Russen), ruft bis heute Bewunderung hervor. Und man soll nicht behaupten, das sei alles Putins Propaganda. Schon zu Sowjetzeiten, als die Macht diese Bewunderung einschränkte, konnten „einfache Leute“ Ihnen privat erzählen, wie wunderbar es unter dem Führer gewesen sei.

Menschen, die das gegen sie selbst gerichtete Böse tolerieren, können die Notwendigkeit, sich für anderen angetanes Böse zu entschuldigen, nicht verstehen. Daher der Holodomor – überall habe es doch Hunger gegeben! Daher die Aneignung der Krim – sie sei doch russisch, und die Krimtataren Verräter. Daher der große Krieg – man hätte eben die Minsker Vereinbarungen erfüllen sollen. Daher Butscha – eine Inszenierung und eine Aufführung. Man sollte daran erinnern, dass in Russland jahrzehntelang genau so über Katyn gesprochen wurde, wobei man die Verantwortung für Stalins Entscheidung, polnische Offiziere zu ermorden, den Deutschen zuschob – und nun kehrt man langsam zu dieser Version zurück.

Die Russen bitten nicht um Entschuldigung. Denn entschuldigen tun sich nur Schwächlinge und Verlierer. Sie haben sich für keines der von ihnen abgeschossenen Zivilflugzeuge entschuldigt – nicht einmal dann, als es notwendig gewesen wäre, um aus der Blockade der Beziehungen mit Aserbaidschan herauszukommen. Sich zu entschuldigen hätte eher im Interesse Putins gelegen, aber selbst da gab er nicht nach.

Also nein: Einen Präsidenten Russlands, der in Butscha niederknien könnte, werden wir nicht erleben. In einem autoritären Russland wird ein solcher Präsident es einfach nicht für möglich halten, sich zu „beugen“, und in einem demokratischen Russland würde man einen solchen Präsidenten schlicht nie wählen. Es geht nicht um Putin, sondern um die Gesellschaft, die ihn hervorgebracht hat.

Dann liegt die Entscheidung bei den Ukrainern. Nach dem Krieg – wann immer das Ende eintreten mag – können wir entweder neben einem Land koexistieren, das hartnäckig die schrecklichen Verbrechen, die am ukrainischen Volk verübt wurden, nicht sehen will und sich dieser Verbrechen sogar rühmen und sie romantisieren wird – „wie Afghanistan“. Oder wir grenzen uns endgültig von diesem Land ab und begreifen, dass irgendeine Versöhnung nur nach Reparationen und Reue möglich ist – und selbst dann nicht sofort.

Ich habe kaum Zweifel, dass die Mehrheit der Ukrainer sich für die erste Variante entscheiden wird. Doch ich würde dennoch die zweite empfehlen.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Брандт на колінах. Віталій Портников. 21.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 21.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Wohin sich der „Friedensplan“ bewegt | Vitaly Portnikov. 20.12.2025.

Die Verhandlungen über den sogenannten Friedensplan von Donald Trump finden derzeit, könnte man sagen, unter strenger Geheimhaltung statt. Über die Ergebnisse der amerikanisch-ukrainischen Konsultationen zwischen dem Sekretär des Rates für Nationale Sicherheit und Verteidigung der Ukraine, Rustem Umerow, und den Sonderbeauftragten Donald Trumps, Steve Witkoff und Jared Kushner, wurde praktisch nichts mitgeteilt.

Dabei sollten sich diesen Konsultationen auch sicherheitspolitische Berater europäischer Staaten sowie der Außenminister der Türkei und der Premierminister von Katar anschließen, was grundsätzlich auf eine größere geografische Streuung dieser Verhandlungsrunde hinweist.

Nun ist das Auto des Sonderbeauftragten des russischen Präsidenten, Kirill Dmitrijew, in Miami eingetroffen. Und erneut ist völlig unklar, ob es irgendwelche realen Ergebnisse dieser Beratungen geben wird oder ob in den Vereinigten Staaten das überhaupt verkündet wird.

Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, betonte, dass die Amerikaner ein gemeinsames trilaterales Verhandlungsformat vorschlagen – also Gespräche zwischen Vertretern der USA, Russlands und der Ukraine gleichzeitig. Doch derzeit gibt es keinerlei Informationen über die Möglichkeit eines solchen Treffens, wenngleich – wie wir verstehen – auch dieses keine Sensation wäre.

Bekanntlich haben sich russische und ukrainische Delegationen bereits mehrfach getroffen, ohne dass dies je zu konkreten Ergebnissen geführt hätte, die eine Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges ermöglicht hätten.

Aus den Absichten der russischen Führung lässt sich schwer erkennen, dass Putin wirklich Frieden anstrebt. Seine jüngste sogenannte „Direkte Linie“, von der nahezu die Hälfte der Zeit speziell dem russisch-ukrainischen Krieg gewidmet war, zeigte vielmehr den brennenden Wunsch des russischen Präsidenten, die Kampfhandlungen fortzusetzen – und wenn, dann nur auf der Grundlage einer Kapitulation der Ukraine und des Zusammenbruchs des Westens. Und das ist genau nicht das, was man in Kyjiw will und ebenso wenig das, was man in den Vereinigten Staaten will.

Der Präsident der Ukraine sagt zudem, dass es in der Praxis möglicherweise überhaupt keinen realen Friedensplan geben wird, denn es ist eine Sache, Vereinbarungen auf Papier zu haben, und eine andere, sie im echten Leben umzusetzen. Dennoch hofft Zelensky weiterhin auf stärkeren Druck der Vereinigten Staaten auf die Russische Föderation. Noch ist jedoch unklar, inwieweit dieser verstärkte Druck die Lage in der russischen Wirtschaft tatsächlich verändern und Putin dazu bringen könnte, über einen echten und nicht über einen imitierten Friedensprozess nachzudenken.

Was sich tatsächlich auf die russische Position auswirken könnte, ist der Beschluss der Europäischen Union, der Ukraine 90 Milliarden Euro für die kommenden zwei Jahre bereitzustellen. In Moskau hat man bekanntlich enorme Anstrengungen unternommen, nicht nur die Möglichkeit zu torpedieren, der Ukraine die eingefrorenen russischen Vermögenswerte aus europäischen Depots zuzuweisen, sondern überhaupt die Bereitstellung jeglicher Gelder an die Ukraine zu verhindern.

Und die Tatsache, dass die Europäer dennoch einen Weg gefunden haben, ruft aufrichtige Verärgerung bei der russischen Führung und ihrer Propaganda hervor. Schon hören wir aus Moskau Behauptungen, dieses Geld werde es in Wirklichkeit gar nicht geben, für die EU sei es eine gigantische Summe, die sie nicht aufbringen könne – obwohl solche Aussagen, milde gesagt, nicht der Realität entsprechen. Für die Europäische Union ist das, ernsthaft betrachtet, keine gigantische Summe. Man darf die russische Wirtschaft nicht mit der Wirtschaft der europäischen Länder verwechseln.

Aber es bedeutet, dass Putin lange weiterkämpfen und den Zustand der eigenen Wirtschaft einkalkulieren muss. Und genau das kann sich künftig auf die russische Verhandlungsposition auswirken – ebenso wie ein stärkerer amerikanischer Druck, sofern er zustande kommt.

Vorausgesetzt, Donald Trump findet nach der Verhängung von Sanktionen gegen die russischen Öl-Giganten „Lukoil“ und „Rosneft“ auch Möglichkeiten, diese Sanktionen seitens der Vereinigten Staaten zu kontrollieren. Denn wir wissen, dass Russland gelernt hat, diese Sanktionen zu umgehen und zahlreiche Partner besitzt, die bereit sind, neue Modelle zu unterstützen. Zwar verzichten die größten Unternehmen der Volksrepublik China und Indiens bisher – ich betone: bisher – auf den Kauf von russischem Öl, doch andere Unternehmen dieser beiden Länder kaufen es weiterhin, wenn auch mit erheblichen Rabatten. Und ich wäre nicht überrascht, wenn Russland, Indien und China in ein paar Monaten ein effektives System finden, das Russland erlaubt, die Sanktionen gegen „Lukoil“ und „Rosneft“ zu vergessen – so wie man in Moskau längst die Ergebnisse früherer amerikanischer Sanktionen gegen andere russische Öl-Konzerne vergessen hat.

Doch wenn man fragt, wohin sich der Friedensprozess bewegt, kann man klar sagen: bislang nirgendwohin. Für die Führung der Russischen Föderation ist dies kein Friedensprozess, sondern eine Möglichkeit, Zeit für weitere Kriegshandlungen gegen unser Land zu gewinnen. Und dass Russland tatsächlich Zeit schindet und auf einen langen Krieg, auf die Erschöpfung der Ukraine setzt, dürfte wohl niemand bestreiten können.

Für die Ukraine ist dieser Friedensprozess eine Möglichkeit, gute Beziehungen zum Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, aufrechtzuerhalten – selbst wenn man dafür lange und sinnlose Konsultationen mit Steve Witkoff und Jared Kushner führen muss, die offenbar bis heute das Wesen des russischen Ansatzes nicht verstehen können.

Für die europäischen Länder, deren Vertreter ebenfalls an diesen Gesprächen teilnehmen, besteht die Hauptaufgabe darin, die Ukraine vor der vollkommen vorhersehbaren Wut des amerikanischen Präsidenten zu schützen, falls sich herausstellt, dass er erneut ein Luftschloss gebaut hat. Und wir wissen, wie Trump auf den Zusammenbruch seiner politischen Illusionen reagiert. Und zugleich – sich nicht mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zu überwerfen.

Interessant ist, welche Rolle in dieser Situation Vertreter des sogenannten globalen Südens spielen, in erster Linie die Türkei und Katar. Wir wissen bereits, dass Steve Witkoff und Kirill Dmitrijew durch den Kronprinzen von Saudi-Arabien, Mohammed, zusammengebracht wurden, der besondere persönliche Beziehungen zum russischen Präsidenten Putin unterhält und sich zugleich über die Begeisterung Donald Trumps freuen kann, der auf saudische Investitionen in die amerikanische Wirtschaft hofft.

Doch der Umstand, dass mit den Ukrainern über den Frieden nun katarische und türkische Beamte sprechen, ist sogar noch interessanter als die Anwesenheit der Europäer. Denn Russland ist von den Geldern abhängig, die es heute aus seinen wirtschaftlichen Beziehungen mit Ländern des globalen Südens erwirtschaftet, und möchte diese Beziehungen erhalten.

Obwohl man in jedem Fall verstehen muss: Katar und die Türkei sind nicht die Volksrepublik China. Und eventuelle Probleme, die in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit diesen oder anderen Ländern entstehen könnten, werden Russland nicht übermäßig schaden, sofern es für weitere Jahre des zermürbenden Krieges die Unterstützung seines chinesischen Partners bewahrt.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Куди рухається „мирний план“ | Віталій Портников. 20.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 20.12.2025.
Originalsprache: ru
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Entmythologisierung als Selbstverteidigung. Vitaly Portnikov. 20.12.2025.

Verwirrung zwischen dem Wert des kulturellen Erbes und seiner Memorialisierung ist ein Erbe aus sowjetischen Zeiten. Damals war ein Schriftsteller kein Schriftsteller, wenn er keinen Stalinpreis hatte (möglichst 1. Klasse), und ein Künstler ohne den Titel „Volkskünstler“ war überhaupt niemand.

Ehemalige Sowjetmenschen erinnern sich bis heute traumatisch daran, dass Wladimir Wyssozki nicht einmal den Titel „Verdienter Künstler“ bekam, und sie erzählen mit Stolz, dass Alla Pugatschowa die letzte Volkskünstlerin der UdSSR wurde.

Welche Bedeutung hat das eigentlich, wenn man darüber nachdenkt? 

Aber im heutigen Russland hat es immer noch Bedeutung. Sie nennen ihre Bühnenveteranen stolz „Volkskünstler der Sowjetunion“, während wir nur an ukrainische Titel erinnern. Und in anderen Ländern erinnert sich niemand daran, dass Raimonds Pauls Volkskünstler der UdSSR oder der Lettischen SSR war.

Oder dass Karel Gott Volkskünstler der ČSSR war. Weil es kein „Sowok“ ist.

In anderen Ländern war es immer anders.

In Norwegen gibt es keine Knut-Hamsun-Straßen und keine Denkmäler für den großen Schriftsteller, weil er leider sein Vaterland verraten hat. Aber man liest ihn, erforscht ihn, verfilmt ihn. Denn ohne ihn kann man sich die norwegische Kultur schwer vorstellen.

So wie man sich die russische Kultur schwer ohne Bulgakow oder Achmatowa vorstellen kann. Und niemand verbietet den Bürgern der Ukraine, die sich selbst als Teil der „russischen Welt“ betrachten, den „Meister und Margarita“ zu lesen und wiederzulesen oder die Zeilen über „das große russische Wort“ zu rezitieren.

Aber ich verstehe entschieden nicht, warum die Ukraine mit Denkmälern Menschen ehren soll, die ihre künstlerische Selbstverwirklichung in der russischen Kultur gesucht haben – und die Zivilisation des Landes, in dem sie geboren wurden, verächtlich oder gleichgültig behandelten?

Ja, ich verstehe, dass all diese und andere Figuren helfen, die Mythen vom „russischen Kyiv“ oder dem „russischen Odessa“ zu nähren – aber in Zeiten, in denen russische Raketen ein Ende in der Geschichte dieser und anderer ukrainischer Städte setzen könnten, ist die Zeit der Mythenzerstörung gekommen.

Ich verstehe die Russen – von Putinisten über Latynina bis Schenderowitsch –

die trotzdem wollen, dass die Ukraine in irgendeiner Variante eine russische Kulturprovinz bleibt. Aber wozu brauchen das die Ukrainer in diesen Zeiten?

Wenn man die Situation ganz vereinfacht und euch mit den Worten eines anderen bedeutenden russischen Dichters, Joseph Brodsky, anspricht: Was wollt ihr denn vor eurem Tod hören – „die Zeilen von Alexander“ oder „die Lüge von Taras“?

Und wenn euch „die Zeilen von Alexander“, die Romane von Michail und die Gedichte von Anna so wichtig sind – wozu leidet ihr dann in Bombenschutzräumen, quält euch und eure Kinder, schlaft nicht, wisst nicht, was die Zukunft bringt?

Schließlich gibt es neben euch ein ganzes Land, in dessen jeder Bibliothek es die Romane von Michail gibt, es gibt die Patriykis, bei deren Spaziergängen man so angenehm an Berlioz denken kann, es gibt die Gedenkwohnung von Anna Andrejewna in Petersburg, es gibt „das große russische Wort“ – und keinen Krieg.

Das ist doch irgendeine Schizophrenie, verzeiht.mVielleicht versteht Latynina das nicht, aber ihr solltet es verstehen:

Man kann nicht halb schwanger sein. Die Zeit, in der es hier ein halbes Russland gab, ist vorbei.

Jetzt wird hier entweder die Ukraine sein – wenn wir uns verteidigen. Oder Russland – wenn nicht. Und in einer von Russland eroberten Ukraine wird es nichts Ukrainisches mehr geben. Gar nichts.

Und wird man in einer Ukraine, die sich verteidigt, Bulgakow oder Achmatowa lesen? Mit den Jahren ja – aber in ukrainischer Übersetzung und mit Bewusstsein für den Kontext.

Aber Denkmäler für Vertreter der russischen Kultur wird es in der Ukraine nicht mehr geben – und jeder vernünftige Mensch versteht sehr genau, warum.


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Art der Quelle: Social Media

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 20.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Putins „Baukasten“ und der Krieg: Was für die Ukraine hinter den Aussagen des russischen Präsidenten bei der „Direkten Linie“ steht. Vitaly Portnikov. 19.12.2025.


Teilnehmer der Telefonkonferenz mit Wladimir Putin in Moskau, Russland, 19. Dezember 2025. Foto: Sefa Karacan / Anadolu via Getty Images

https://vot-tak.tv/90643170/putin-pryamaya-liniya-voina-ukraina?fbclid=IwZnRzaAOyltxleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEeMtGnus1B_ZQdwOlJCvddQGGXwDGAhjej77_pRtOFrvFYEETGPjbhP5S6RvU_aem_IxKZVoaTdWOyN9JYhsSYOA

Die stundenlangen „Direkten Linien“ mit Wladimir Putin erinnerten mich immer an eine Art propagandistischen Baukasten. Gerade weil der russische Präsident stundenlang auf die unterschiedlichsten Fragen antwortet – von grundlegenden politischen Entscheidungen bis zur Aufstellung von Neujahrsbäumen – konnte sich jeder immer eine passende Antwort heraussuchen, zumal Putin sich oft selbst widerspricht. Und in diesem Sinne ähneln die stundenlangen Pressekonferenzen Putins den mehrbändigen Lenin-Werkausgaben der Sowjetzeit – jeder konnte sich das passende Zitat auswählen.

Doch die am 19. Dezember abgehaltene „Direkte Linie“ Putins im Jahr 2025 unterschied sich – bei aller Unveränderlichkeit des Formats – dennoch von den vorherigen, weil sie ein durchgehendes Thema hatte: den Krieg. Einen Krieg, den Wladimir Putin seinem Auftreten nach zu urteilen keineswegs zu beenden beabsichtigt – aber zugleich gegenüber seinem amerikanischen Amtskollegen Friedfertigkeit und Konstruktivität demonstrieren muss. Das ist kein einfacher Balanceakt, und doch versuchte der russische Präsident, ihn über mehrere Stunden zu halten.

Einerseits lud er zu der Pressekonferenz einen weiteren „Helden der SVO“ ein, damit dieser von den „Gräueltaten“ der ukrainischen Militärs berichtete. Andererseits begrüßte er die friedensstiftenden Bemühungen Trumps und behauptete, selbst aus Kyiv gebe es „Signale“ über eine Verhandlungsbereitschaft. Einerseits versprach er, die Probleme der Wasserversorgung im Donbass zu lösen, falls Slowjansk „befreit“ werde, andererseits behauptete er, Russland sei zu „schmerzhaften Kompromissen“ bereit. Über das Wesen dieser Kompromisse sagte Putin allerdings kein Wort.

Dafür erklärte er, wie nach seiner Meinung die Wahlen in der Ukraine ablaufen sollten: Russland könne die Angriffe einstellen … am Wahltag, aber unter der Bedingung, dass an den Wahlen auch die in Russland lebenden ukrainischen Staatsbürger teilnehmen.

Es ist klar, dass für den russischen Präsidenten Wahlkampf und Wettbewerb bei Abstimmungen leere Worte sind. Doch die demonstrative Absicht, die vor dem Krieg geflohenen Menschen als „fünfte Kolonne“ zu benutzen, zeigt erneut, dass Putin nichts vergessen und nichts gelernt hat. Er sieht die Ukraine weiterhin als rebellische Provinz, die unbedingt zurück in den russischen Pferch geführt werden muss. Ob durch Fortsetzung des Krieges oder durch Kapitulation – das, so scheint es, hängt nur vom Ergebnis ab.

Dass Putin genau auf eine Kapitulation der Ukraine ausgerichtet ist, illustriert sein Antwort auf die Wahlfrage am besten. Er hätte wirklich gern, dass Trump durch Druck auf die ukrainische Führung solche Wahlen erzwingt, bei denen ein Anhänger der Kapitulation gewinnt – am besten mithilfe der in Russland lebenden Ukrainer. Und dafür wäre er sogar bereit, den Krieg für einen Tag zu stoppen. Für einen Tag – damit die Wähler nicht daran zweifeln, dass der Krieg wieder aufgenommen wird, falls sie „falsch“ stimmen, also nicht so, wie es der russische Präsident möchte.

Das ist ja nicht die erste Rachegelüste-Episode. Putin wollte Revanche schon 2010, als Wiktor Janukowytsch an die Macht kam, und 2019, als die Ukrainer für Volodymyr Zelensky stimmten. Und jedes Mal verrechnete er sich. Janukowytsch konnte die Ukraine trotz aller Bemühungen nicht zerstören. Und Zelensky erwies sich überhaupt nicht als „Agent der Kapitulation“, auf den Putin gehofft hatte.

Doch Putins Vorstellungen darüber, wie er die Ukraine vernichten müsse, änderten sich nicht im Geringsten. Ebenso wenig änderten fast vier Jahre großer Krieg seine Vorstellungen – trotz der Opfer, für die er bei dieser „Direkten Linie“ demonstrativ jede Verantwortung verweigerte.

Putin möchte nach wie vor, dass die Ukraine zugrunde geht. Und er sucht weiterhin nach den günstigsten Möglichkeiten, um dieses Zugrundegehen sicherzustellen.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Путинский «конструктор» и война: что для Украины стоит за заявлениями президента РФ с прямой линии. Виталий Портников. 19.12.2025.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 19.12.2025.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Die Europäer geben der Ukraine Geld | Vitaly Portnikov. 19.12.2025.

Der Gipfel der Europäischen Union endete mit einer Kompromissentscheidung, die jedoch für die Ukraine vorteilhaft ist und die Bereitstellung von Geldmitteln für unser Land in den kommenden Jahren vorsieht.

Wie bekannt, war die wichtigste Frage, die eine ernsthafte Diskussion zwischen den Teilnehmern des Gipfels auslöste, die Bereitstellung von 134 Mrd. Euro für die Ukraine aus dem sogenannten Reparationenkredit, also aus eingefrorenen russischen Geldern, die sich in europäischen Depots befinden. Nachdem die Europäische Union zuvor die unbefristete Einfrierung russischer Vermögenswerte beschlossen hatte, hätte diese Entscheidung mit qualifizierter Mehrheit gefällt werden können.

Doch die lange nächtliche Debatte führte schließlich dazu, dass die Gipfelteilnehmer sich für eine andere von der EU-Kommission vorgeschlagene Variante entschieden: nämlich die Vergabe eines Darlehens aus dem Geld der Europäer selbst in Höhe von 90 Mrd. Euro. Auch dieses Darlehen wird als Reparationenkredit ausgestaltet. Das bedeutet: Die Ukraine wird es zurückzahlen, falls die Russische Föderation sich bereit erklärt, Reparationen für die Folgen ihrer Aggression gegen unser Land zu leisten.

Genau dieselben Rückzahlungsregeln wären auch für einen Kredit aus eingefrorenen russischen Geldern vorgesehen gewesen. Und wir verstehen sehr gut, dass die Russische Föderation nicht nur keinerlei Entschädigung für ihre Aggression gegen die Ukraine zahlen wird, sondern niemals den Aggressionsakt überhaupt anerkennen wird. Daher wird die Rückzahlung dieses Geldes durch die Ukraine vollständig von den Beziehungen zwischen der EU und Russland abhängen – von den Forderungen der EU an die russische Führung, Gelder freizugeben, die nun als abhängig von der politischen Position Russlands betrachtet werden.

Und vielleicht gelingt es in Jahrzehnten – so wie einst bei den Geldern des Russischen Imperiums –, dass die Europäer im Falle ernsthafter Veränderungen in Russland selbst eine Einigung mit Moskau über Reparationszahlungen für die Ukraine erzielen können.

Doch im Moment – und zumindest in absehbarer Zukunft – erscheint ein solches Szenario hinreichend fantasievoll. Dies ist jedoch nicht mehr so sehr das Problem der Ukraine, sondern vielmehr ein Problem der Beziehungen zwischen der EU und der Russischen Föderation und der Frage, wie sich der Prozess im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg und der Suche nach Wegen zu dessen Beendigung entwickeln wird – Wege, die derzeit nicht erkennbar sind.

Das Wichtigste ist: In den kommenden Jahren dieses zermürbenden Krieges wird die Ukraine Geldmittel haben, damit ihre Wirtschaft nicht unter den Schlägen Russlands zusammenbricht. Für Russland ist dies ebenfalls ein unangenehmes Signal, das belegt, dass der Abnutzungskrieg gegen die Ukraine nicht allein durch Erschöpfung schnell beendet werden kann.

Und inzwischen wird auch die russische Wirtschaft selbst erschöpft. Nur im Kreml weiß man, wie viele Jahre sie noch für die Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine und für neue aggressive Handlungen der Russischen Föderation gegen Nachbarstaaten – insbesondere ehemalige Sowjetrepubliken – ausreichen wird.

Für die Ukraine ist die Bereitstellung dieser Gelder auch deshalb ein wichtiges Signal, weil sie nur durch eine einstimmige Abstimmung oder durch das völlige Ausbleiben von Gegenstimmen aller Gipfelteilnehmer angenommen werden konnte. Das heißt: Diese Entscheidung wurde weder vom ungarischen Premierminister Viktor Orbán blockiert – obwohl er dies zuvor angekündigt hatte –, noch von den Ministerpräsidenten der Slowakei und Tschechiens, Fico und Babiš, obwohl auch sie sich gegen weitere Hilfe für die Ukraine ausgesprochen hatten.

Doch damit die Regierungschefs dieser Länder – die sich möglicherweise an ihren Beziehungen zu Moskau und Washington orientieren – keine Entscheidung treffen, die den Europäern die Unterstützung der Ukraine in den kommenden Kriegsjahren unmöglich machen würde, werden Ungarn, die Slowakei und Tschechien von der Beteiligung an diesem Hilfsfonds für die Ukraine ausgenommen. So sieht der Kompromiss aus.

Ein weiteres Land, mit dem die Europäer offenbar einen Kompromiss auf ihrem Gipfel erzielt haben, sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Ein Staat, der selbstverständlich nicht der EU angehört, dessen Präsident jedoch an besonderen Beziehungen zu Putin interessiert ist und in den vergangenen Wochen alles darangesetzt hat, die Europäer von der Beschlagnahmung russischer Gelder abzuhalten.

Vertreter Trumps erklärten, die Beschlagnahmung würde seine „Friedensbemühungen“ zunichtemachen – obgleich diese Aussagen keinerlei Bezug zur Realität haben. Offensichtlich ging es Trump schlicht darum, Putins Geld vor europäischer Konfiskation zu retten – in der Hoffnung, dass der Präsident der Russischen Föderation ihm gegenüber milder gestimmt sein werde, wenn er den Wert dieses „Dienstes“ erkennt und die Möglichkeit von Geschäftsdeals der Trump-Familie und ihres engsten Umfelds mit dem Kreml offen bleibt.

Wir wissen, dass an diesem Wochenende genau solche Deals mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, Trumps Freund Steve Witkoff und dem Ehemann von Putins Tochterfreundin, Kirill Dmitriew, in Miami besprochen werden. Und genau so – als Familientreffen – sollte man diese „Verhandlungen“ betrachten, die nichts mit einem realen Friedensprozess zu tun haben.

Wie wir sehen, haben die Europäer diese Position der Vereinigten Staaten berücksichtigt. Zumal eine der radikalsten Trump-Unterstützerinnen – die italienische Premierministerin Giorgia Meloni, die zudem eine ultrarechte Partei führt, die jenen Bewegungen nahe steht, die Donald Trump in seiner Amtsführung unterstützen – sich dagegen aussprach, den Reparationenkredit ohne angemessene Rechtsgrundlage zu vergeben.

Was in diesem Fall eine „angemessene Rechtsgrundlage“ sein soll, müsste man noch entschlüsseln. Doch es war klar, dass die italienische Premierministerin, die kürzlich den Präsidenten der Vereinigten Staaten traf, die Position Donald Trumps selbst vermittelte und ihren europäischen Kollegen signalisierte, keine Entscheidung zu treffen, die zusätzliche Probleme in den ohnehin schwierigen Beziehungen des demokratischen Europas zu Trumps Vereinigten Staaten verursachen könnte.

Und nun haben wir im Ergebnis eine Kompromisslösung. Doch für die Ukraine bedeutet sie echte Gelder, die es uns ermöglichen, in den kommenden Kriegsjahren gegen Russland zu bestehen. Für die Ukraine ist dies ein klares Signal an Russland, dass seine Bemühungen, die ukrainische Wirtschaft zu zerstören, den ukrainischen Haushalt zu vernichten und die Ukraine ihrer Fähigkeit zur Gegenwehr gegen russische Aggression in den 2020er-Jahren des 21. Jahrhunderts zu berauben, nicht umgesetzt werden.

Insofern kann man sagen, dass dieser Kredit der Europäer – ein bedingter Kredit, natürlich – auch ein Weg zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges ist, wann immer dies geschehen mag. Denn er entwertet im Grunde die Kalkulation des russischen Präsidenten Putin, der auf einen Sieg in einem jahrelangen Abnutzungskrieg gesetzt hat, und zeigt, dass dieser Krieg mit dem Ziel, die ukrainische Staatlichkeit zu vernichten, in ein ebenso großes Fiasko münden kann wie Putins Blitzkrieg von 2022, der auf eine schnelle Lösung der ukrainischen Frage abzielte. Nur wird Putin dieses Mal allerdings viel mehr Zeit benötigen, um die Aussichtslosigkeit seines Bestrebens, die Ukraine zu zerstören, zu erkennen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Європейці дають гроші Україні | Віталій Портников. 19.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 19.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Geld heute oder Blut morgen | Vitaly Portnikov. 18.12.2025.

Die Staats- und Regierungschefs der Länder der Europäischen Union kommen buchstäblich in diesen Minuten zu einer Sitzung zusammen, auf der Fragen im Zusammenhang mit der Unterstützung der Ukraine im Jahr 2026 geklärt werden sollen.

Bis zu diesem Moment waren praktisch alle Fragen im Zusammenhang mit dem EU-Gipfel bereits gelöst. Die gemeinsame Mitteilung wurde veröffentlicht. Doch der erste Punkt dieser Mitteilung – der Punkt, der die Ukraine betrifft – fehlt genau dort.

Die Staats- und Regierungschefs der EU haben zwei Wege, die Ukraine-Frage zu lösen. Der erste ist mit der Gewährung des sogenannten Reparationenkredits an die Ukraine verbunden. Es handelt sich dabei um eingefrorene Gelder der Russischen Föderation in Höhe von rund 130 Milliarden Euro. Dabei ist vorgesehen, dass die Ukraine diese Mittel irgendwann in Zukunft an die EU zurückzahlen soll, nachdem Russland ihr Reparationen für die Aggression gegen unser Land gezahlt hat.

Da wir alle sehr gut verstehen, dass Russland niemals seine aggressiven Handlungen eingestehen und kaum der Ukraine irgendwelche Reparationen zahlen wird, handelt es sich faktisch um die Konfiskation russischer Gelder, die sich in europäischen Depots befinden.

Zuvor haben die Vertreter der Europäischen Union bereits beschlossen, russische Vermögenswerte auf unbestimmte Zeit zu blockieren – was die Möglichkeit eröffnet, diese Entscheidung mit qualifizierter Mehrheit zu treffen. Doch es gibt erheblichen Widerstand seitens einer ganzen Reihe von EU-Mitgliedstaaten. Und man darf davon ausgehen, dass hinter diesen Ländern niemand Geringeres steht als der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump.

Die italienische Premierministerin Giorgia Meloni, die bekanntlich eine treue Anhängerin Trumps ist, betonte, dass die Übergabe russischer Vermögenswerte an die Ukraine ohne angemessene Rechtsgrundlage den ersten Sieg Putins in diesem Krieg bedeuten würde. Der Position Melonis schließt sich selbstverständlich auch der belgische Premierminister Bart De Wever an, der unterstrich, dass die EU seinem Land – in dem sich der Löwenanteil der russischen Vermögenswerte befindet – bislang keine hinreichenden rechtlichen Garantien gegeben habe. Und unter den übrigen Ländern, die sich selbstverständlich nicht an der Verteilung russischer Vermögenswerte beteiligen wollen, sind Ungarn, die Slowakei, Bulgarien, Malta, Tschechien.

Diese Diskussion verspricht also äußerst schwierig zu werden. Und davor sagte der polnische Premierminister Donald Tusk klar, es sei an der Zeit, diese Frage zu entscheiden, denn entweder Geld heute oder Blut morgen – darin besteht die Wahl für die Europäer.

Die zweite Variante sieht aus rechtlicher Sicht einfacher aus. Sie ist damit verbunden, dass die europäischen Staaten selbst der Ukraine 90 Milliarden Euro als Kreditsicherheit bereitstellen. Doch auch hier gibt es ein ernstes Problem: Anders als bei der Frage der russischen Vermögenswerte muss die Bereitstellung von Geldmitteln für die Ukraine aus Mitteln europäischer Steuerzahler auf dem EU-Gipfel einstimmig beschlossen werden. Und der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat bereits betont, dass er weder mit der Bereitstellung eines Reparationenkredits für die Ukraine noch mit der Bereitstellung von Mitteln europäischer Steuerzahler einverstanden sei.

Gegen die Verwendung europäischer Gelder zur Unterstützung der Ukraine ist auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, der betont, dass die Zuweisung von Geldern aus eingefrorenen russischen Vermögenswerten der einzige akzeptable Weg der Entwicklung sei.

Und in einer solchen Atmosphäre, in der keinerlei Einvernehmen zwischen den Staats- und Regierungschefs der EU besteht, während Präsident Volodymyr Zelensky bereits vor ihnen gesprochen hat und nun in Warschau gelandet ist, beginnt die wichtigste und verantwortungsvollste Diskussion im geschlossenen Rahmen unter den Staatsoberhäuptern der Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Ich würde sagen, dass dies in Wirklichkeit ein Test für die Europäer ist – wie sehr sie in der Lage sind, die Probleme des Kontinents und seine Sicherheit zu lösen, wenn die Amerikaner nicht da sind, wenn sie selbst die erwachsenen Menschen im Raum geworden sind, während die Vereinigten Staaten von einer launischen „Kindergestalt“ geführt werden, die bis heute nicht begreifen kann, wo sie sich im stürmischen 21. Jahrhundert befindet und ausschließlich an der Verherrlichung ihres eigenen Namens interessiert ist.

Und es ist gleichzeitig eine Situation, in der die Europäer sowohl aus Washington als auch aus Moskau unter Druck gesetzt werden. Und die Positionen von Donald Trump und Putin decken sich hinsichtlich der Schwächung der Möglichkeiten der Europäischen Union nahezu vollständig – denn beide Präsidenten hätten es gern mit einem schwachen Europa zu tun. Von der Angemessenheit der Position der EU-Staaten in ihrem Kampf um Hilfe für die Ukraine wird auch die Sicherheit des europäischen Kontinents abhängen.

Donald Tusk irrte sich keineswegs, als er sagte, dass, wenn die Europäer heute kein Geld für die Ukraine finden, sie morgen Blut vergießen müssen. Denn wenn die Ukraine, die heute die russischen Ambitionen auf dem europäischen Kontinent aufhält, fällt, werden sich der Appetit des russischen Präsidenten Putin und seiner von einem chauvinistischen Virus befallenen aggressiven Landsleute selbstverständlich keineswegs nur auf ukrainisches Territorium richten. Die Russen werden sich unbedingt daran erinnern, dass sie nach dem Zweiten Weltkrieg, als Stalins Sowjetunion zur Super-Imperium wurde, einen riesigen Teil Europas kontrollierten und den Westen mit der Möglichkeit eines Atomwaffeneinsatzes jederzeit nach Gutdünken der sowjetischen Führung einschüchterten.

Und natürlich waren die Forderungen des russischen Außenministeriums im Jahr 2021 an die Vereinigten Staaten und andere NATO-Mitgliedstaaten, die modernsten Waffen aus dem Gebiet der Länder abzuziehen, die 1997 der NATO beigetreten waren, keine leeren Worte geopolitischer Fantasten, sondern ernsthafte Pläne Putins – Pläne, die aus Sicht des Kremls heute viel realistischer und wichtiger geworden sind als vor vier Jahren.

Die Tatsache, dass auf dem Territorium von Belarus, in unmittelbarer Nähe zu NATO-Staaten, dieser berüchtigte „Oreschnik“ erschienen ist, zeugt ebenfalls völlig deutlich von den wahren Absichten der russischen politischen Führung und von ihrer Bereitschaft, den Krieg bereits im kommenden Jahr 2026 zu eskalieren.

Und wenn die Europäer entscheiden sollten, dass es wichtiger sei, Geld zu sparen und Risiken beim Einsatz beschlagnahmter russischer Vermögenswerte zu verringern, als der Ukraine bei der Abwehr der russischen Aggression zu helfen, dann werden die Bürger der EU-Länder und die Bewohner dieser Staaten aller Wahrscheinlichkeit nach sowohl die Schande als auch den Krieg bekommen – so, wie es in der Geschichte der Menschheit immer gewesen ist.


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Titel des Originals: Гроші сьогодні або кров завтра | Віталій Портников. 18.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 18.12.2025.
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