Krieg und Trump: Das Ende des „Geistes von Anchorage“ | Vitaly Portnikov. 29.06.2026.

Zunächst möchte ich Sie zu Beginn dieser Sendung, die wie die meisten unserer Gespräche dem russisch-ukrainischen Krieg gewidmet sein wird, den Wegen aus diesem Krieg, den Wegen zum Verständnis der Situation und dessen, wie sie sich verändert, zum 30. Jahrestag der Annahme der Verfassung der Ukraine beglückwünschen.

Denn in Wirklichkeit war dieser Tag vor 30 Jahren auch ein wichtiger Teil des Verständnisses dafür, wie sich ukrainische Verfassungen verändern, ein weiterer Schritt des Abschieds von unserer sowjetischen Vergangenheit. Vergessen Sie schließlich nicht, dass wir noch vor 30 Jahren nach der sowjetischen Verfassung lebten, die ein wenig an die Bedingungen der neuen Zeit angepasst worden war.

Zugleich ist auch dies ein ziemlich wichtiger Moment, an den wir uns erinnern müssen: Die Annahme der Verfassung im Jahr 1996 zeigte so oder so die ganze Komplexität des ukrainischen politischen Systems, die Suche nach Kompromissen und Gleichgewicht, die einerseits die Fähigkeit des ukrainischen Volkes demonstrierten, eine reale Auseinandersetzung politischer Kräfte und Interessen zuzulassen, andererseits aber die Institutionen in gewisser Weise zu riskanten Strukturen machten, die nicht auf der Suche nach Wegen für eine bessere Entwicklung unseres Staates beruhten, sondern eben auf all diesen ewigen Kompromissen zwischen verschiedenen politischen Gruppen, Vorstellungen über die Zukunft des Staates, regionalen und, ich würde sagen, sogar persönlichen Interessen.

Schließlich lohnt es sich daran zu erinnern, dass die Verfassung 1996 nachts angenommen wurde. Und das hing mit der Konfrontation zwischen dem Präsidenten der Ukraine Leonid Kutschma und dem ukrainischen Parlament zusammen. Heute, als wir alle in der Werchowna Rada miterlebt haben, wie der zweite Präsident der Ukraine mit einer Auszeichnung geehrt wurde, die den Namen eines der herausragenden ukrainischen Staatsgründer, Wjatscheslaw Tschornowil, trägt – was für eine Ironie des Schicksals. Wir müssen uns daran erinnern, dass Leonid Kutschma eben jener Mensch war, der alles Mögliche tat, damit die Verfassung in ihrer heutigen Form überhaupt nicht entstehen würde, und der versuchte, die ukrainische Verfassung von 1996 in eine russische von 1993 zu verwandeln, also eine superpräsidiale Republik zu erreichen, in der praktisch die gesamte Macht einer Person gehören würde.

Dazu kam es nicht. Zugleich aber wagten die Abgeordneten damals auch nicht, den Weg zur Schaffung einer vollwertigen parlamentarisch-präsidentiellen Republik zu gehen, um keinen noch schärferen Konflikt zwischen Präsident und Parlament zu schaffen. So war schon diese Verfassung, man könnte sagen, ein gewisses Zieht-und-Schiebt, das in verschiedene Richtungen des Staatsaufbaus blickte.

Und möglicherweise begann sich die Situation erst in den Jahren 2003–2004 zu korrigieren, als die Idee der parlamentarischen Republik faktisch mit dem Versuch Leonid Kutschmas verbunden war, der das Präsidentenamt bereits verließ, weil er nicht zum dritten Mal kandidieren konnte, seinen Einfluss auf die ukrainische Staatlichkeit zu bewahren. Eben deshalb erhielten sowohl das Parlament als auch das Amt des Ministerpräsidenten jene Bedeutung, die sie während der Amtszeit der ersten beiden Präsidenten der Ukraine praktisch nie gehabt hatten.

Aber auch hier sahen wir, dass diese Kompromisse den ukrainischen Politikern ziemlich schwerfallen. Viktor Janukowytsch, der im Grunde aus Sicht seiner Nominierung durch die Partei der Macht bei den Präsidentschaftswahlen zum Nachfolger Kutschmas wurde, ließ die Abstimmung über die parlamentarisch-präsidentielle Republik in der ukrainischen Werchowna Rada scheitern. Ich bin der Meinung, dass er dies auf Anweisung aus Moskau durch seine damaligen Kuratoren Putin und Medwedew tat.

Und die parlamentarisch-präsidentielle Republik entstand faktisch als Ergebnis der Orangenen Revolution von 2004 und führte fast sofort zu einem scharfen Konflikt zwischen Präsident Viktor Juschtschenko und Ministerpräsidentin Julija Tymoschenko, schon zu einer Zeit, als die Befugnisse des Präsidenten real eingeschränkt waren.

Ich würde sagen, dass für die Ukrainer die Tatsache, dass ein realer Kampf zwischen dem Präsidenten und dem Regierungschef stattfindet, was eigentlich die Norm jedes politischen Prozesses in einem entwickelten Staat ist, immer bis zu einem gewissen Grad eine Herausforderung für ihre postsowjetischen Vorstellungen davon war, was Politik und was Macht ist. Die Ukrainer stimmten einerseits für verschiedene politische Formationen, die bereit waren, gegeneinander zu kämpfen, suchten andererseits aber die ganze Zeit eine starke Hand, die in ihrer Macht nicht durch irgendwelche Handlungen des Parlaments oder der Regierungsmitglieder beschränkt sein würde, die selbst über die Zukunft des Staates verfügen würde.

So setzten die Jahre 2010 und 2019, die Wahl zunächst Viktor Janukowytschs und später Volodymyr Zelenskys zu Präsidenten der Ukraine, einen Punkt unter all unsere Versuche, eine effektive parlamentarisch-präsidentielle Republik zu schaffen. Jedes Mal, wenn es zwischen Präsident und Ministerpräsidenten, wie in den Zeiten Viktor Juschtschenkos und Petro Poroschenkos, zu realen Konflikten kam, rief dies völliges Unverständnis bei der überwiegenden Mehrheit der postsowjetischen ukrainischen Gesellschaft hervor.

Und niemand wollte bemerken, dass eine präsidiale Alleinherrschaft das Land in eine programmierte Katastrophe führt, aus der es kaum einen mehr oder weniger schmerzlosen Ausweg geben wird. In der Zeit Janukowytschs führte dies zu einer offenen postsowjetischen Diktatur nach dem Muster Lukaschenkos und Putins.

In der Zeit Zelenskys erlaubte eine solche Alleinmacht dem Land nicht, sich würdig auf den großen Krieg vorzubereiten, zu dem es verurteilt war, nachdem Russland die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen von 2019 auf seine Weise interpretiert hatte. Nicht als Neigung der ukrainischen Gesellschaft zu Alleinherrschaft, sondern als Neigung der ukrainischen Gesellschaft zur Kapitulation vor Russland.

So oder so befinden wir uns heute in einer Situation, in der die gesamte Macht im Land in den Händen einer Person konzentriert ist. Die Verfassung befindet sich keineswegs deshalb auf Pause, weil Krieg ist, sondern weil praktisch durch die Hände der Ukrainer ein Mechanismus der Alleinherrschaft und der Entscheidungsfindung durch eine Person in einem Büro aufgebaut wurde.

Zugleich zerbröckelt die parlamentarische Mehrheit, die von den Ukrainern gerade dafür geschaffen wurde, dass nichts der Alleinherrschaft Volodymyr Zelenskys im Wege steht, vor unseren Augen und schafft zusätzliche Herausforderungen für die Ineffizienz des ohnehin ineffektiven ukrainischen Staates und seiner Institutionen.

Hoffen wir, dass die weitere Erosion der buchstäblich innerhalb weniger Wochen geschaffenen Partei Diener des Volkes zur Bildung einer realen, funktionierenden Koalition führen wird, in der Abgeordnete der Werchowna Rada vereint sein werden, die tatsächlich staatsmännische Ansichten über die Zukunft der Ukraine vertreten und bereit sind, Wege sowohl für den Ausweg der Ukraine aus dem russisch-ukrainischen Krieg in den nächsten Jahren als auch für den Nachkriegsaufbau der Ukraine auf den Grundlagen eines effektiven europäischen demokratischen Staates zu suchen, in dem die Macht auf verschiedene Institutionen verteilt ist und der Präsident seine Aufgaben wahrnimmt, der Ministerpräsident die seinen und das Parlament die seinen. Dann wird es tatsächlich eine Symphonie sein und kein Solo auf einem einzigen Instrument, das wir nun schon das siebte Jahr erleben.

Das ist unsere Aufgabe für die Zukunft. Und dann werden wir einander dazu gratulieren können, dass unsere Verfassung wirklich existiert und funktioniert. Bis dahin aber muss man ausschließlich darüber sprechen, was im russisch-ukrainischen Krieg aus Sicht der Entwicklung der Ereignisse geschehen wird, die für uns alle ziemlich ernst und ziemlich wichtig ist.

Und diese Woche – weshalb ich überhaupt eigens bei ihr verweilen wollte – kann gerade wie das reale Ende dieser ganzen Geschichte mit dem sogenannten Geist von Anchorage aussehen, über den man in Moskau praktisch seit den ersten Tagen nach dem Treffen des Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und des Präsidenten Russlands Putin in Alaska zu sprechen begann.

All diese Gespräche über den Geist von Anchorage schufen in Wirklichkeit eine reale Grundlage dafür, dass Moskau im russisch-ukrainisch-amerikanischen Dialog Zeit schinden konnte, damit Putin, der darauf eingestellt ist, schon mit dem nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten nach einem Ausweg aus der Situation im russisch-ukrainischen Krieg zu suchen, sein Ziel erreicht; damit unter dem Deckmantel des Verhandlungsprozesses, dessen bestimmte Orientierungspunkte und Indikatoren angeblich von den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation festgelegt worden waren, die Kampfhandlungen an der russisch-ukrainischen Front und der Krieg zur Erschöpfung der Ukraine weitergingen, der, wie wir wissen, nach dem Zusammenbruch des Blitzkriegs im Jahr 2022 zum Hauptziel des russischen Präsidenten für die 20er- und 30er-Jahre des 21. Jahrhunderts wurde.

Erstens müssen wir das Wichtigste verstehen: Was ist in Anchorage wirklich geschehen, warum erhielten die Russen überhaupt die Möglichkeit, von irgendeinem Geist von Anchorage zu sprechen? In Anchorage wurden, wie wir sehr gut wissen, keinerlei reale Vereinbarungen zwischen Moskau und Washington erzielt. Wir wissen das nicht von irgendwelchen Kommentatoren, nicht aus Schlussfolgerungen aus periodischen Publikationen. Wir wissen das vom Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und vom Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin während ihrer kurzen Pressekonferenz in Anchorage, bei der keiner der Journalisten, die sich an diesem Ort versammelt hatten, die Möglichkeit hatte, den Präsidenten Fragen zu stellen. Und das trotz Donald Trumps Leidenschaft für die Showisierung der großen Politik. Der Präsident der Vereinigten Staaten sagte klar, dass zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation keinerlei Vereinbarungen erzielt werden konnten. Der wütende und, man kann sagen, überraschte Trump flog eilig von Anchorage nach Washington zurück, ohne auch nur eine Abschiedszeremonie für seinen russischen Gast zu veranstalten, den er wenige Stunden vor diesem enttäuschenden Finale noch mit Applaus an der Gangway von Putins Flugzeug auf dem Flugplatz der Hauptstadt Alaskas empfangen hatte.

Was konnte also während dieser Verhandlungen tatsächlich geschehen sein? Das können wir bereits mit voller Sicherheit rekonstruieren. Am Vorabend des Treffens von Trump und Putin in Alaska stattete der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, Putin einen Besuch ab und übergab ihm Bedingungen, unter denen aus Sicht Washingtons der russisch-ukrainische Krieg beendet werden könnte.

War unter diesen Vorschlägen auch die Idee eines Abzugs ukrainischer Truppen aus dem Gebiet Donezk und eines Einfrierens des Konflikts entlang der Kontaktlinie der Truppen in Cherson und Saporischschja? Ich meine: ja. Ich denke, dass dieser Vorschlag dort enthalten war.

Zugleich gab es dort Vorschläge, die Putin aus Sicht seiner realen Ziele im russisch-ukrainischen Krieg absolut nicht zufriedenstellen konnten, nämlich die Wahrung der Souveränität der Ukraine, Sicherheitsgarantien für die Ukraine, die sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Russische Föderation geben würden, und die Zustimmung zur europäischen Integration der Ukraine. Das heißt, es wurde vorgeschlagen, Entscheidungen zu treffen, die eine Einverleibung des Territoriums der Ukraine durch die Russische Föderation sowohl jetzt als auch in Zukunft ausschließen würden, was den politischen Zielen des Präsidenten der Russischen Föderation und den Wünschen des russischen Volkes völlig widerspricht.

Während des Treffens in Anchorage las der Präsident der Russischen Föderation die Bedingungen vor, die Steve Witkoff ihm am Vortag nach Moskau gebracht hatte, und fragte den Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, ob er tatsächlich solche Bedingungen vorgeschlagen habe, worauf Witkoff jeden einzelnen Punkt, den Putin während der gemeinsamen Verhandlungen mit Trump vorlas, bestätigte.

Zugleich gab Putin selbst keinerlei Zustimmung zu diesen Bedingungen, die ihm am Vortag während des Treffens mit dem Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten vorgetragen und in Anwesenheit des Präsidenten der Vereinigten Staaten verlesen worden waren. Deshalb sagt der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, völlig klar, dass während des Treffens zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem der Russischen Föderation keinerlei Vereinbarungen erzielt werden konnten, dass dies ausschließlich ein amerikanischer Vorschlag war, den Putin erhielt, las und nicht akzeptierte, weil es ein Paketvorschlag war. Und Trump war der Ansicht, dass er gilt, wenn es um alle Punkte dieses Vorschlags geht.

Die Präsidenten reisten auseinander, aber bereits an Bord seines Flugzeugs, das von Anchorage nach Washington flog, wurde Donald Trump klar, dass die überwiegende Mehrheit der Journalisten, die sich sogar an Bord dieses Flugzeugs befanden, ganz zu schweigen von allen Weltmedien, über das Geschehene als über ein Fiasko seiner Außenpolitik sprechen würden. Und es war ein Fiasko.

Trump, der solche Bewertungen seiner Gespräche mit Putin bereits während seiner ersten Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten erhalten hatte, wollte solche Bewertungen absolut nicht und, man kann sagen, und vollzog noch während des Flugs eine Kehrtwende. Er begann zu erklären, die Reise sei ein voller Erfolg gewesen, keineswegs ein Fiasko, man habe mit Putin sehr produktiv gearbeitet, ohne auf irgendeine Konkretheit einzugehen, die mit dem zusammenhing, was im Konflikt zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten während des Treffens in Alaska geschah, und ohne zu erklären, worin der reale Kern der erzielten Vereinbarungen bestand, weil es keine Vereinbarung gab.

Der Kreml nutzte diese Situation, Donald Trumps Unwillen, das Scheitern seines Treffens mit Putin einzugestehen, und erfand vor diesem Hintergrund die Geschichte vom Geist von Anchorage – also keine Vereinbarung, sondern irgendeinen an sich unverständlichen Geist, an den man sich halten müsse.

Was ist ein Geist? Ich kann Ihnen klar antworten. Es sind jene Vorschläge, die von Trump vorgeschlagen, aber von Putin nicht angenommen wurden. Und gemeint ist, dass man im weiteren Verlauf des Verhandlungsprozesses der Logik dieser Vorschläge folgen müsse, indem man jene daraus ausschließt, die den russischen Präsidenten nicht zufriedenstellen.

Nehmen wir zum Beispiel: Die Souveränität und Existenz der Ukraine auf der politischen Landkarte der Welt und ihre europäische Integration stellen Putin nicht zufrieden, der Abzug ukrainischer Truppen aus dem Gebiet Donezk stellt Putin hingegen zufrieden. Alles ist sehr einfach.

Also hinderten die Amerikaner nach dem Treffen in Anchorage russische Beamte – Putin selbst, seinen außenpolitischen Berater Uschakow, Außenminister Lawrow und andere – nicht daran, von diesem Geist von Anchorage zu sprechen, ohne die Tatsache zu dementieren, dass es einen solchen Geist überhaupt nicht gegeben hatte und dass eine teilweise Annahme der Bedingungen, die Donald Trump Putin vorgeschlagen hatte, nicht möglich sein konnte. Die Ergebnisse kennen Sie ebenfalls gut.

Jetzt, da Trump sieht, wie die Ukraine Raffinerien, den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation und andere für den Präsidenten Russlands und die Russen selbst wichtige Objekte beschießt, meint er, Putin durch weiteren Druck und die Zerstörung russischer Infrastruktur zu Verhandlungen und zur Annahme der amerikanischen Bedingungen zwingen zu können, möglicherweise bereits in veränderter Form. Und Marco Rubio, der Außenminister der Vereinigten Staaten, erklärt, dass in Anchorage keinerlei Vereinbarungen zustande gekommen seien. Es habe lediglich amerikanische Vorschläge gegeben, die nie gebilligt wurden.

Das ist das reale Ergebnis dessen, was wir in den letzten Tagen und Wochen sehen. Und es ist das reale Ergebnis der Handlungen der ukrainischen Streitkräfte zur Zerstörung der Erdölraffinerien der Russischen Föderation – Sie wissen, dass eines der Unternehmen gerade heute Nacht angegriffen wurde – und des militärisch-industriellen Komplexes der Russischen Föderation, ebenso wie jener Probleme, die die Russische Föderation beim Angriff auf ukrainische Stellungen entlang der gesamten Kontaktlinie der Truppen hat.

Natürlich können wir über eine ernste Situation um Kostjantyniwka sprechen. Und das wird vom Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, Oleksandr Syrsky, selbst anerkannt und auch von anderen Militärs und Militärexperten anerkannt.Aber das sind dennoch nicht die Ergebnisse, auf die Moskau gehofft hatte. Denn in Wirklichkeit ist das Ziel dieses Krieges keineswegs die Besetzung des Gebiets Donezk, sondern die Besetzung der gesamten Ukraine.

Und selbst wenn wir der Logik zustimmen, dass Putin von seinen Militärs erwartet, dass sie in einigen Jahren das Gebiet Donezk besetzen können, stellt sich die Frage, ob das wirklich das ist, was er für seinen politischen Erfolg braucht, und ob das wirklich das ist, was er den Russen als Sieg verkaufen kann – in einer Situation, in der die einen Russen einfach das Ende des Krieges wollen, während andere glauben, dass die Wahl, und das hören wir ständig, zwischen der Vernichtung der Ukraine und dem Zerfall Russlands steht. Und deshalb hätten die Russen keinen anderen Ausweg, als diesen Krieg bis zum Zusammenbruch unseres Staates fortzusetzen, um ihren eigenen zu bewahren.

Jegliche territorialen Erfolge Russlands innerhalb der Grenzen dieser oder jener ukrainischen Region kompensieren nicht die Angst russischer Chauvinisten vor dem Verlust der Staatlichkeit, falls die Ukraine auf der politischen Landkarte der Welt erhalten bleibt. Deshalb wird dieser Konflikt als existenziell bezeichnet, weil es zumindest im kommenden Jahrzehnt keinerlei reale Voraussetzungen für eine Versöhnung zwischen dem russischen und dem ukrainischen Staat sowie zwischen dem russischen und dem ukrainischen Volk gibt. Es gibt nur die Möglichkeit, dass die Ukraine Russland abwehrt und Bedingungen schafft, unter denen die Russische Föderation zumindest davor zurückschreckt, die Ukraine in den kommenden Jahren und Jahrzehnten anzugreifen. Bis dahin werden sich die politischen Konstellationen verändern, wir werden Mitglied der NATO werden und unter einen nuklearen Schutzschirm gelangen. Oder der ukrainische Staat wird von Russland während des nächsten mehrjährigen Vernichtungskrieges durch eine militärische, demografische und soziale Katastrophe und die Zerstörung der gesamten Infrastruktur vernichtet werden, was weniger wahrscheinlich ist, weil wir, wie wir alle in den letzten Jahren sehen, in diesem Krieg dennoch als Teil des Westens kämpfen und nicht als eigenständiges Subjekt des Kampfes gegen die Russische Föderation. Und Russland versteht das ebenfalls sehr gut. Deshalb spricht es die ganze Zeit vom sogenannten kollektiven Westen, der gegen es kämpft.

Dass die Amerikaner heute aufhören, vom Geist von Anchorage zu sprechen, und dass inzwischen in amerikanischen Medien Berichte erscheinen, wonach Trump diesen Geist auch während seines Treffens mit den Staats- und Regierungschefs der G7 nicht mehr erwähnt hat und sich grundsätzlich ziemlich negativ über Präsident Putin und die Entwicklungen im russisch-ukrainischen Krieg äußerte, indem er gerade Putin vorwarf, Zeit zu schinden, während er über Volodymyr Zelensky deutlich positiver sprach als zuvor – das ist natürlich wichtig.

Und wichtig ist das nicht deshalb, weil Trump irgendwelche realen Schritte unternehmen könnte, um die weitere Entwicklung des Krieges zu verhindern oder neuen Druck auf Putin auszuüben. Große Möglichkeiten, Putin mit amerikanischen Sanktionen unter Druck zu setzen, hat Trump ohnehin nicht. Und dass jetzt die Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil, die im Zuge des amerikanisch-iranischen Krieges im Wesentlichen ausgesetzt worden waren, wieder in Kraft sind, ist bereits ein Erfolg. Aber zumindest wird Trump Putin nicht länger die Illusion vermitteln, dass Putin ihn für seinen weiteren Kampf um die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges benutzen kann. Schon das ist wichtig.

Es ist wichtig, dass die Amerikaner davon ausgehen, dass gerade Trump derjenige sein wird, der die Ukraine unterstützt – wenn auch eher mit Worten als mit Geld und Waffen – und damit den Europäern den Rücken freimacht, die, wie Sie sehen, weiterhin auf die Haltung der Vereinigten Staaten schauen, bevor sie grundsätzliche Entscheidungen über die Unterstützung der Ukraine im russisch-ukrainischen Krieg treffen. Zum Glück jedoch immer weniger.

Und schließlich darf man nicht vergessen, dass es bereits gewisse Entwürfe für praktische Schritte gibt, falls Trump sie gehen möchte – sogar im amerikanischen Kongress. Man sollte nicht übersehen, dass das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten bereits ein Gesetz zur Unterstützung der Ukraine verabschiedet hat und dabei sogar gegen den Willen des Sprechers des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, vorgehen konnte, der dieses Gesetz gar nicht zur Abstimmung stellen wollte. Es gelang, den Sprecher zu umgehen und das Gesetz zu verabschieden. Und all das mit Unterstützung einer Gruppe republikanischer Abgeordneter, die bereit waren, gemeinsam mit den Demokraten dafür zu stimmen.

Das heißt: Je näher der Stimmenkampf in Amerika und die Kongresswahlen rücken, desto mehr Kongressabgeordnete und Senatoren werden der Auffassung sein, dass eine Unterstützung der Ukraine ihren eigenen Wahlchancen zugutekommt.

Und so wird dieses Gesetz möglicherweise nicht nur im Repräsentantenhaus, sondern auch im Senat behandelt werden können. Wenn Donald Trump das möchte, werden die Senatoren dafür stimmen, und er wird es unterzeichnen können. Auch das wäre ein zusätzlicher Druckfaktor auf Putin und auf seine gesamte Kamarilla.

Und schließlich kann man sagen, dass mit diesen klaren amerikanischen Feststellungen, dass es keinen Geist von Anchorage gibt, und mit Lawrows Worten, er wolle nicht einmal daran denken, dass das Treffen in Anchorage nur dazu gedient habe, der Ukraine Zeit zur Wiederaufrüstung zu verschaffen, diese Geschichte mit dem für niemanden außer Putin notwendigen Treffen des amerikanischen und des russischen Präsidenten in Alaska ihrem Ende entgegengeht. Es wird völlig offensichtlich, dass es damals keine Vereinbarungen gab und dass es auch in nächster Zeit keine geben wird – solange kein intensiver Druck auf Putin ausgeübt wird.

Das sind, würde ich sagen, die wichtigsten Punkte dazu, wie sich die diplomatische Geschichte des russisch-ukrainischen Krieges vor unseren Augen verändert.

Ich werde nun auf die Fragen eingehen, die während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Erklären Sie bitte, warum Putin und alle in Russland den Krieg „Spezialoperation in der Ukraine“, „Krise in der Ukraine“ nennen, obwohl der Krieg aus Sicht ihrer eigenen Verfassung auf 90 Prozent jenes Territoriums stattfindet, das sie in ihre Gesetzgebung aufgenommen haben.

Portnikov: Ja, das stimmt. Aber dieser Krieg richtet sich gegen die Ukraine als Staat, der die Tatsache nicht anerkennt, dass diese Gebiete Teil der Russischen Föderation seien. Wie Sie sich erinnern, wurde die sogenannte militärische Spezialoperation offiziell begonnen, nachdem Putin die sogenannte Unabhängigkeit der Volksrepubliken im Donbas anerkannt hatte. Und die Streitkräfte der Russischen Föderation sollten diesen Pseudo-Volksrepubliken helfen, ihre sogenannte territoriale Integrität innerhalb der Gebiete Donezk und Luhansk wiederherzustellen. Da die ukrainische Führung dem nicht zustimmte, wurde die Aufgabe gestellt, die ukrainische Regierung durch eine loyale Regierung zu ersetzen, die alle Wünsche des Kremls erfüllen würde.

Im Grunde hat der Präsident der Russischen Föderation das auch nie verborgen. Er sagte dies in seiner Ansprache an die Russen in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar 2022. Deshalb findet die sogenannte Spezialoperation „in der Ukraine“ statt – nicht auf dem Territorium der Russischen Föderation als solcher, sondern auf dem Territorium der Ukraine und auf dem Territorium jener Subjekte der Russischen Föderation, die bis dahin Teil der Ukraine gewesen waren und deren Bewohner in Referenden beschlossen hätten, sich Russland anzuschließen.

Das ist eine ganz gewöhnliche Mystifikation. Aber Sie sehen doch selbst, dass Putin ständig selbst Fehler macht, wenn er das tatsächliche Territorium Russlands mit dem verfassungsmäßigen Territorium Russlands verwechselt. Ich erinnere Sie nur daran, wie Putin über die Erprobung der Oreschnik-Rakete sprach. Er sagte, Oreschnik müsse in der Ukraine erprobt werden, weil sie zuvor keine Feldtests durchlaufen habe. Deshalb hätten die Russen Oreschnik auf Garagen in Bila Zerkwa getestet und außerdem auf jenem Gebiet, das Russland in der sogenannten Donezker Volksrepublik kontrolliert, um zu sehen, wie diese Waffe funktioniert. Und unmittelbar danach sagte Putin, auf dem Territorium Russlands sei Oreschnik niemals getestet worden.

Da stellt sich die Frage: Wie nimmt Putin dann das Gebiet der sogenannten Donezker Volksrepublik wahr? Dass dieses Gebiet in der russischen Verfassung verankert ist, ist ihm, wie Sie verstehen, ebenso wie jedem anderen Russen, in Wirklichkeit gar nicht ernst. Das ist lediglich ein Instrument des Drucks auf die Ukraine und auf die zivilisierte Welt. Die Russen selbst und Putin selbst betrachten die Gebiete Donezk, die Krim, Saporischschja, Cherson und Luhansk nicht als Russland. Das ist die ewige russische Kultur der Lüge. Und von Zeit zu Zeit bricht sie durch. Sie haben das bemerkt, als Sie nach der sogenannten Spezialoperation gefragt haben.

Frage: Halten Sie es für möglich, dass Putin Trump in Anchorage davor gewarnt hat, der Ukraine zu helfen, ihm seinen Platz jenseits des Ozeans gezeigt hat, weil sonst der Inhalt von Trumps Epstein-Akte öffentlich werden würde? Das sei der Geist.

Portnikov: Nein. Das ist eine ganz gewöhnliche Verschwörungstheorie, die darauf abzielt, reale Politik durch einfache Antworten auf komplizierte Fragen zu ersetzen. Ich denke, Trump versteht sehr gut, dass Putin nicht derjenige ist, der über die Epstein-Akte verfügt, und dass Putin Trump während eines Treffens ganz sicher nicht seinen Platz zuweisen kann. Auch das ist eine Illusion.

Ich habe Ihnen klar erklärt, was in Anchorage geschehen ist. Alles andere ist bloße Spekulation. Sie verkennt, dass Politiker über Politik sprechen und sich dabei von Interessen leiten lassen – nicht von Erpressung.

Erpressen kann man Marionetten. So, wie Putin den ukrainischen Präsidenten Janukowytsch und den armenischen Präsidenten Sargsjan erpresste, damit sie die Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union nicht unterzeichnen.

Zu jedem von ihnen hatte Putin einen Hebel. Wobei er Sargsjan offensichtlich damit erpresste, dass Russland Armenien beim Verlust der Kontrolle über Bergkarabach und die umliegenden aserbaidschanischen Bezirke nicht unterstützen würde. Das war politische Erpressung: „Wir sind eure Verbündeten. Wenn ihr Abkommen mit der Europäischen Union unterzeichnen wollt, dann werden wir keine Verbündeten mehr im Bereich der Sicherheit sein.“

Und bei Janukowytsch könnte es persönliche Erpressung gewesen sein – schlicht Drohungen gegen sein Leben oder das seiner Familienangehörigen. Und im Fall des Kriminellen Janukowytsch, der offensichtlich viele Jahre für die russischen Geheimdienste gearbeitet hatte, funktionierte das weitaus effektiver.

Frage: Zu welchen Schritten könnte Putin greifen, wenn eine vollständige Blockade der Krim aus logistischer Sicht gelingt – also bei Versorgung, Lebensmitteln und Ähnlichem?

Portnikov: Ich glaube nicht, dass eine Blockade der Krim aus logistischer Sicht zu solchen spürbaren Ergebnissen führen wird, die Putin zwingen würden, seine Vorstellungen vom russisch-ukrainischen Krieg zu ändern. Die Russen sind Meister darin, eine Blockade in ein politisches Instrument zu verwandeln. Wenn Sie in der Sowjetunion gelebt haben, erinnern Sie sich daran, dass die Sowjetunion jahrzehntelang mit der Blockade Leningrads prahlte, obwohl es Möglichkeiten gegeben hätte, diese Blockade zu verhindern und eine große Zahl von Menschen aus Leningrad in Gebiete zu evakuieren, wo sie nicht verhungert wären. Die Russen waren jedoch der Ansicht, dass eine solche Situation in Leningrad nur den Kampfgeist stärkte, die Notwendigkeit der Fortsetzung des Krieges erklärte und eine intensivere Mobilisierung in der Sowjetunion rechtfertigte und so weiter. Deshalb entspricht jede Blockade eines Gebiets, die zu ernsten Problemen für die Bevölkerung führt, im Grunde den politischen Zielen der russischen Führung.

In dieser Situation können wir eine andere Frage stellen, die mir wichtiger erscheint: Welchen Sinn haben Kriege überhaupt noch unter den neuen Bedingungen, in denen wir uns heute mit neuen technologischen Möglichkeiten befinden? Welchen Sinn hat es, irgendwelche Gebiete zu besetzen und unter Kontrolle zu bringen, wenn eine Armee aus Drohnen und Raketen diese Gebiete grundsätzlich in unbewohnbare Zonen verwandeln kann? Wenn du nicht in der Lage bist, den gesamten Organismus zu zerstören, der dich daran hindert, diese Gebiete zu kontrollieren – im Fall Russlands also den ukrainischen Staat –, dann musst du früher oder später über Frieden mit einem solchen Staat und über eine friedliche Lösung nachdenken.

Das hat übrigens überhaupt nichts mit Souveränität, territorialer Integrität oder Völkerrecht zu tun. Es geht schlicht um Pragmatismus. Wenn du nicht in der Lage bist, das, was dich angreift, vollständig zu vernichten, musst du entweder verhandeln oder akzeptieren, dass große Teile deines Territoriums deiner tatsächlichen Kontrolle entzogen sein werden – selbst wenn dort deine Panzer stehen und du formell die Macht ausübst.

Ich führe hier das Gegenargument zur russischen Position an. Nehmen wir die Situation im Norden Israels. Dieses Gebiet wird ständig von der Terrororganisation Hisbollah angegriffen und verwandelt sich faktisch in ein Gebiet, in dem ein normales Leben der Bürger nicht mehr möglich ist.

Was soll Israel tun? Wenn es nicht möglich ist, die Hisbollah vollständig zu vernichten, muss man Wege finden, damit die libanesische Regierung und die libanesische Armee das gesamte Territorium des Libanon unter ihre Kontrolle bringen und der Hisbollah die Möglichkeit nehmen, das Leben im Norden Israels weiter zu zerstören.

Noch vor wenigen Jahren sah die Situation jedoch anders aus, weil selbst Raketenangriffe auf israelisches Gebiet – angesichts der damaligen Technologien – nicht dazu zwangen, die Lage auf diese Weise zu betrachten.

Gerade dieser neue militärtechnische Faktor, den wir heute beobachten – Drohnen, große Mengen an Raketen und die Möglichkeit, billig riesige Mengen an Drohnen herzustellen, die das Leben lahmlegen können –, stellt grundsätzlich alle bisherigen Methoden der Kriegsführung und sogar den Krieg selbst als Fortsetzung der Politik, wenn wir zynisch sprechen wollen, infrage.

Wenn sich diese Entwicklung in dieser Richtung fortsetzt, wird der Krieg schon in wenigen Jahren aufhören, eine Fortsetzung der Politik zu sein. Der Sinn vieler Dinge, die bislang selbstverständlich erschienen, wird verschwinden. Es ergibt keinen Sinn mehr, ein Gebiet zu besetzen und zu kontrollieren, wenn derjenige, dem du es weggenommen hast, dieses Gebiet deiner Kontrolle entziehen kann – selbst wenn dort deine Behörden und deine Truppen stationiert sind. Die Krim ist dafür ein hervorragendes Beispiel.

Frage: Wird der Sicherheitsapparat mögliche Proteste unterdrücken können, falls eine Mobilmachung ausgerufen wird? Werden das nur kurzfristige Proteste sein oder könnte sich daraus eine Revolution entwickeln?

Portnikov: Das weiß niemand. In der Geschichte Russlands hat es bereits viele Ereignisse gegeben, die zunächst wie kurzfristige Proteste aussahen, von denen man glaubte, sie könnten vom Sicherheitsapparat problemlos niedergeschlagen werden, die sich später aber zu gewaltigen revolutionären Ereignissen entwickelten. Heute lässt sich weder das tatsächliche Protestpotenzial der russischen Gesellschaft noch die reale Leistungsfähigkeit der Sicherheitsorgane beurteilen. Das wird sich erst in der Praxis zeigen.

Ich glaube jedoch nicht, dass es zu einer echten allgemeinen Mobilmachung kommen wird. Vielmehr wird weiter auf Grundlage jenes Erlasses mobilisiert werden, den Putin bereits 2022 unterzeichnet hat und der bis heute gilt. Es wird also eine selektive Mobilisierung sein. Oder man wird nach Menschen suchen, die man aufgreifen und zum Abschluss eines Militärvertrags zwingen kann.

Ich denke, das, was in einer der russischen Städte – ich glaube in Pensa – in der vergangenen Woche geschehen ist, war eine Art Generalprobe. Ich bin überzeugt, dass kein russisches Wehrersatzamt eigenmächtig Menschen entführen und sie zum Abschluss eines Militärvertrags zwingen würde, ohne dass dies auf höchster Ebene des russischen Verteidigungsministeriums gebilligt worden wäre. Und der russische Verteidigungsminister wird eine solche Entscheidung selbstverständlich mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, abstimmen.

Das ist also bereits die Suche nach verschiedenen Wegen, die russische Armee zu verstärken, ohne eine allgemeine Mobilmachung auszurufen.

Frage: Haben Sie Ihre Meinung inzwischen geändert, dass die Bevölkerung europäischer Länder im Falle eines russischen Angriffs eher weiter nach Westen fliehen und ihr Territorium aufgeben würde – und dass die Ukrainer in dieser Hinsicht ein einzigartiges Volk seien?

Portnikov: Nein. Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass es überhaupt keine einzigartigen Völker gibt. Die Ukrainer unterscheiden sich in keiner Weise von Polen, Ungarn oder irgendeinem anderen europäischen Volk – weder von Deutschen noch von Franzosen.

Entscheidend ist, dass sich die Fähigkeit eines Landes, sich tatsächlich zu verteidigen, und die Bereitschaft der Menschen, ihr Land zu verteidigen und dafür Leben und Gesundheit zu opfern, erst dann zeigen, wenn eine wirkliche Krise und eine reale Bedrohung eintreten. Bis zu diesem Moment wollen die meisten Menschen mit so etwas nichts zu tun haben. Wenn Sie vor einem Krieg in irgendeinem Land eine Umfrage durchführen und fragen: „Sind Sie bereit zu kämpfen?“, werden Sie überall sehr ähnliche Ergebnisse erhalten.

Vielleicht besteht eine gewisse Besonderheit der Ukrainer nicht darin, dass sie Ukrainer sind, sondern darin, dass sie – gemessen an der politischen Entwicklung unseres Landes – sowjetische Menschen waren. Und der Wert des menschlichen Lebens war in der Sowjetunion wesentlich geringer als in den Nachbarstaaten Europas. Allerdings ist dieser Wert des Lebens in der Ukraine in den 35 Jahren unserer Unabhängigkeit bereits deutlich gestiegen – jedenfalls im Vergleich zur Russischen Föderation.

Dennoch sehen Sie selbst: Wir kämpfen inzwischen das fünfte Jahr im großen Krieg, und insgesamt dauert dieser Konflikt bereits zwölf Jahre an. Vergessen Sie nicht, dass die Ukrainer bis 2022 auf diesen Konflikt im Grunde nur mit dem Wunsch reagierten, ihn um jeden Preis zu beenden. Genau damit hingen letztlich auch die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl 2019 zusammen.

Deshalb gibt es keinerlei ukrainische Einzigartigkeit. Jede Behauptung, irgendein Volk sei einzigartig, ist, würde ich sagen, ein anachronistisches Denken des Mittelalters, das mit gesundem Menschenverstand nichts zu tun hat. Menschen sind grundsätzlich überall gleich.

Wenn Russland irgendein europäisches Land angreifen sollte, wird es dort sowohl Menschen geben, die bereit sind, ihr Land zu verteidigen, als auch Menschen – wie es sie auch in der Ukraine gibt –, die der Meinung sein werden, man müsse sich selbst und seine Familie retten und der Staat werde schon irgendwie auch ohne sie überleben.

Es wird genügend Menschen geben, die bereit sind zu kämpfen, und genügend Menschen, die einfach überleben wollen. Darauf beruht die gesamte Weltgeschichte. Diejenigen, die überleben, bauen später Staaten wieder auf. Diejenigen, die den Staat mit ihrem Leben und ihrer Gesundheit verteidigen, ermöglichen gerade denjenigen, die nicht kämpfen wollten, diesen Wiederaufbau. Glauben Sie, die Geschichte hat sich in den vergangenen 7.000 Jahren anders entwickelt? Genau so verlief sie. Was soll daran einzigartig sein? Wie könnte es überhaupt anders sein?

Frage: Wie kommt es, dass die sowjetischen und russischen Geheimdienste die Amerikaner so gut verstehen und sie oft erfolgreich manipulieren, während die Amerikaner die Russen überhaupt nicht verstehen?

Portnikov: Zunächst einmal verstehen die sowjetischen und russischen Geheimdienste die Amerikaner keineswegs so hervorragend. In der Regel nutzen sie Menschen aus, die sich vor allem für Geld interessieren. Das ist eine sehr einfache Methode der Zusammenarbeit – so alt wie die Welt.

Aus analytischer Sicht verstehen die Amerikaner die Russen tatsächlich nicht – so wie sie vieles in Europa oder Asien generell nicht verstehen. Sie begreifen die Motive nicht, von denen Menschen sich bei ihren Entscheidungen leiten lassen. Dass es neben dem Wunsch nach finanziellem Gewinn auch Vorstellungen von nationaler Größe geben kann, den Kampf gegen den eigenen nationalen oder persönlichen Minderwertigkeitskomplex oder schlicht Angst vor dem eigenen Staat – eine Angst, die bei Russen viel größer sein kann als bei Amerikanern.

Das ist eine ganz andere Geschichte, über die man lange sprechen könnte. Man muss sie, würde ich sagen, in ihrer Gesamtheit verstehen.

Ich habe immer gesagt, dass es bei der amerikanischen Analyse Europas – und das betrifft nicht nur die Geheimdienste – grundsätzlich ein Problem gibt: Die Werte, auf denen die Vereinigten Staaten gegründet wurden, unterscheiden sich von den Wertvorstellungen der Alten Welt. Deshalb heißt sie ja Alte Welt und Neue Welt. Wenn man in der Alten Welt lebt, versteht man die Neue leichter, als die Neue die Alte versteht. Das erscheint mir eigentlich selbstverständlich.

Frage: Falls die Ukraine Belarus weiterhin dazu drängt, Russland nicht zu unterstützen – wie wird die Ukraine handeln, wenn Belarus irgendwann diese Zugeständnisse verweigert?

Portnikov: Ich denke, wir verstehen sehr genau, bis zu welchem Punkt wir Druck auf Belarus ausüben können. Die Frage ist allein, inwieweit der selbsternannte Präsident von Belarus, Alexander Lukaschenko, sich der Gefahr einer ukrainischen Reaktion bewusst ist, falls unsere Forderungen hinsichtlich des Verhaltens Minsks im russisch-ukrainischen Krieg nicht erfüllt werden.

In dem Moment, in dem die Ukraine begonnen hat, Ziele auf russischem Territorium anzugreifen, befindet sich Belarus – sowohl geografisch als auch wegen seiner kompakten Wirtschaft und ihrer Verwundbarkeit – in einer strategisch weitaus schwierigeren Lage als Russland gegenüber der Ukraine.

Deshalb besteht Lukaschenkos wichtigstes Ziel darin, ukrainische Angriffe auf Belarus zu verhindern – insbesondere auf die Erdölraffinerien des Landes. Das muss man sich klar machen. Deshalb würde ich nicht sagen, dass Belarus der Ukraine ernsthaft irgendwelche Zugeständnisse verweigern kann.

Ich denke, die eigentliche Frage ist vielmehr, wie diese Zugeständnisse nicht von Lukaschenko, sondern von Putin aufgenommen werden. Denn Putin ist ebenso wie Lukaschenko daran interessiert, die belarussische Ölverarbeitung, die belarussische Wirtschaft und das belarussische Regime zu erhalten. Belarus wird heute von Putin gebraucht. Es dient als eine Art inoffizielles Fenster für die russische Wirtschaft und letztlich auch für informelle Kontakte zwischen den Präsidentenadministrationen der Vereinigten Staaten und Russlands, falls dafür irgendwann Voraussetzungen entstehen.

Sie verstehen doch, dass die amerikanische Regierung in Wirklichkeit kaum geglaubt hat, sie könne Lukaschenko Putin entreißen. Vielmehr wollte sie Lukaschenko als eine Art Vermittler zwischen Putin und Trump nutzen. Das liegt derzeit auf Eis, weil die Trump-Regierung gegenüber Lukaschenko keinerlei konkrete Schritte unternommen hat und Lukaschenko sieht, dass gegen ihn tatsächlich nichts Konkretes geschieht. Dennoch bleibt diese Möglichkeit grundsätzlich bestehen, und Putin könnte durchaus daran interessiert sein, sie zu bewahren.

Für die Ukraine wird es kaum eine andere Wahl geben, falls von belarussischem Territorium aus feindliche Handlungen gegen die Ukraine ausgehen. Wenn Belarus zur Destabilisierung unseres Staates beiträgt oder der russischen Armee Hilfe leistet – wie soll die Ukraine diese Möglichkeiten Belarusses dann einschränken? Umso mehr, wenn darüber bereits auf staatlicher Ebene gesprochen wird und dies inzwischen tatsächlich Teil der Strategie der Streitkräfte der Ukraine geworden ist. Einfach deshalb, weil wir uns das inzwischen leisten können – denn wir greifen bereits Ziele auf russischem Territorium an.

Warum ist das Thema Belarus überhaupt aufgekommen? Erinnern Sie sich: Noch 2022 erschienen selbst Angriffe auf Russland völlig unmöglich. Ebenso undenkbar schienen Angriffe auf die von Russland besetzten Gebiete der Ukraine, auf die Krim. Später stimmten unsere Verbündeten zu, dass Angriffe auf die besetzten Gebiete möglich seien, auch wenn wir unsere Beteiligung daran nicht eingestanden. Danach wurden Operationen auf dem eigentlichen russischen Staatsgebiet möglich – etwa in der Region Belgorod. Anschließend folgte die Geschichte mit der Region Kursk.

Wir sind also Schritt für Schritt, aber sehr realistisch zu einer Situation gelangt, in der sich der Krieg in den kommenden Jahren auf dem Territorium beider Staaten abspielen und zu einem gegenseitigen Abnutzungskrieg werden wird. Warum sollte dann Belarus ausgenommen werden, wenn Belarus Verbündeter der Russischen Föderation in diesem Krieg ist? Das ist eine rein rhetorische Frage.

Und Lukaschenko versteht sehr genau, dass es tatsächlich eine rhetorische Frage ist.


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Titel des Originals: Війна і Трамп: кінець «духу Анкориджа» | Віталій Портников. 29.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.06.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Tyschtschenko erhielt einen Korruptionsverdacht | Vitaly Portnikov. 29.06.2026.

Der ukrainische Parlamentsabgeordnete Mykola Tyschtschenko erhielt heute vom Nationalen Antikorruptionsbüro der Ukraine einen Korruptionsverdacht. Der Verdacht betrifft den Versuch, sich im Zusammenhang mit der Glücksspielbranche einen rechtswidrigen Vorteil zu verschaffen.

Als Journalisten also erklärten, Tyschtschenko bekämpfe in Wirklichkeit nicht das Glücksspielgeschäft, sondern versuche, aus seinem angeblichen Kampf Geld zu schlagen, hatten sie vollkommen recht. Tyschtschenko entfaltete diesen Kampf, um die Betreiber des Glücksspielgeschäfts einzuschüchtern und denjenigen Schutz zu versprechen, die bereit waren, ihm diesen rechtswidrigen Vorteil zu verschaffen.

Ein weiterer Verdacht betrifft die Geldwäsche von 12,6 Millionen Hrywnja, die auf illegalem Wege erlangt worden sein sollen und die Tyschtschenko mithilfe einer Schenkung an seine Ehefrau zu legalisieren versucht haben soll. Ich erinnere daran, dass dies keineswegs die erste Begegnung des Parlamentsabgeordneten mit dem Gesetz ist.

Man könnte allerdings sagen, dass diese Verdachtsmomente gegen Tyschtschenko, der 2019 als einer der Frontmänner der präsidentennahen Partei Diener des Volkes galt, mit der heutigen Regierung in Wirklichkeit nichts mehr zu tun hätten, da er schon vor längerer Zeit aus der Fraktion ausgeschlossen wurde.

Nun, gerade an dem Tag, an dem der Verdacht gegen Tyschtschenko bekannt wurde, erschienen in den Medien auch Informationen über einen Verdacht gegen einen weiteren Parlamentsabgeordneten – diesmal gegen Serhij Kusmynych, der weiterhin der Fraktion Diener des Volkes angehört. Ihm wird vorgeworfen, 558.000 Hrywnja als rechtswidrigen Vorteil dafür erhalten zu haben, einer Privatfirma dabei geholfen zu haben, Aufträge eines staatlichen Krankenhauses in der Region Schytomyr zu erhalten. Und dies geschah bereits im Jahr 2022.

Man kann also nicht sagen, dass es sich um neue Erscheinungsformen der Korruption vor dem Hintergrund des Krieges handelt. Man kann sich nur vorstellen, welche Summen sich in den Jahren 2022 bis 2026 angesammelt haben.

Diese Nachricht fiel wiederum zeitlich mit der freudigen Mitteilung zusammen, dass endlich das Geld für die Kaution aufgebracht worden sei, die es dem ehemaligen Energieminister der Ukraine, Herman Haluschtschenko, ermöglichen wird, die Untersuchungshaft zu verlassen. Er ist einer der wichtigsten Beschuldigten in der sogenannten „Mindichgate“-Affäre.

Man kann einfach nüchtern feststellen, dass die Regierung im Hinblick auf Integrität nicht nur vor unseren Augen degeneriert, sondern praktisch schon in den ersten Tagen und Monaten ihrer Bildung derart degeneriert war.

Es gibt einige einfache Gesetze, die jeder Mensch bei klarem Verstand begreifen sollte. 

Nehmen wir das erste Gesetz. Wenn du kein eingespieltes politisches Team, keine gefestigten politischen Überzeugungen und keine große Zahl von Menschen hast, die sich in gemeinsamer politischer Arbeit bewährt haben und denen du vertrauen kannst, dann solltest du keine politische Tätigkeit ausüben und nicht für die höchsten Staatsämter kandidieren – weder für das Präsidentenamt noch für ein Mandat als Parlamentsabgeordneter.

Das ist zu deinem eigenen Wohl verboten, denn andernfalls wird deine Tätigkeit zu einer völlig ausweglosen Krise in dem Land führen, das du regierst. Und wenn dieses Land um sein Überleben kämpft, wird dieser Kampf noch dramatischer werden, als er es wäre, wenn der Staat von einem Profi mit einem bewährten Team geführt würde.

Das zweite Gesetz lautet: Wenn du Wähler bist, wenn du ein bewusster Bürger des Landes bist, solltest du nicht für jemanden stimmen, über den du nichts weißt – weder über seine politischen Ansichten noch darüber, womit er sich beschäftigte, bevor er beschloss, Präsident oder Parlamentsabgeordneter zu werden, noch darüber, wie moralisch dieser Mensch überhaupt ist.

Ich habe immer gesagt, dass ich die Logik derjenigen, die 2019 für Volodymyr Zelensky gestimmt haben, zumindest insofern nachvollziehen konnte, als Zelensky stets eine allgemein bekannte Persönlichkeit war und viele seiner Wähler nicht einmal für ihn selbst stimmten, sondern für die Figur aus einer populären populistischen Fernsehserie mit traurigem Ende. Aber dass die Einwohner Kyivs für Menschen stimmten, über die sie überhaupt nichts wussten – etwa für eben jenen Mykola Tyschtschenko –, dass Bewohner anderer Regionen der Ukraine für Personen stimmten, von denen sie buchstäblich erst einen Tag vor der Wahl erfahren hatten, dass sie für eine Parteiliste stimmten, die faktisch aus anonymen Personen bestand – das ist nicht einfach eine Lotterie, sondern der politische Selbstmord einer ganzen Nation.

Doch das ist leider bereits geschehen. Und wir können uns nur darüber freuen, dass die Abhängigkeit der Ukraine von unseren Partnern, die uns im russisch-ukrainischen Krieg unterstützen, die ukrainischen Behörden dazu gezwungen hat, Antikorruptionsinstitutionen zu schaffen, die Korruptionsmissbrauch bekämpfen können, ohne allzu sehr auf die Folgen für ihre Mitarbeiter im Hinblick auf die Reaktionen der staatlichen Machtstrukturen Rücksicht nehmen zu müssen.

Denn wenn Russland die Ukraine nicht angegriffen hätte und die Ukraine keine westlichen Gelder und keine westliche Hilfe benötigen würde, wenn nicht klar wäre, dass die Ukraine diesen Konflikt ohne die NATO und die Europäische Union einfach nicht bewältigen kann, dann versichere ich Ihnen: Es gäbe keinerlei Antikorruptionsbehörden. Und all diese Menschen, gegen die das Nationale Antikorruptionsbüro heute Verdachtsverfahren einleitet, würden sich ungehindert bereichern und keinerlei Rücksicht auf die Trottel nehmen, die bei den letzten Parlamentswahlen so freudig für sie gestimmt haben. Über die Regierungsmitglieder spreche ich dabei gar nicht erst. Sie verfügen über Möglichkeiten, um die sie der Wähler eines Parlamentsabgeordneten nur beneiden kann – und ebenso der Parlamentsabgeordnete selbst.

Bleibt also nur zu hoffen, dass die Notwendigkeit des Überlebens unter den Bedingungen, unter denen die Ukraine strenge westliche Auflagen erfüllen muss, um sich der zivilisierten Welt anzunähern, uns in den kommenden Jahrzehnten helfen wird, die Korruption loszuwerden – zumindest in jenem Ausmaß, in dem sie heute blüht.

Dazu müssen die Bürger der Ukraine allerdings wenigstens jene zwei Gesetze befolgen, an die ich sie erinnere.

  • Sich nicht in die Politik begeben und sich nicht dort hineindrängen, wenn man weder Überzeugungen noch ein Team hat.
  • Keine unbekannten Menschen nach dem Lotterieprinzip auswählen und nicht für diejenigen stimmen, über die man nichts in Erfahrung bringen und nichts sagen kann.

Das ist ein sehr einfaches Gesetz. Es lässt sich in zwei oder drei einfachen Sätzen formulieren. Man darf einfach nicht den Verstand verlieren.


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Titel des Originals: Тищенко отримав підозру | Віталій Портников. 29.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 29.06.2026.
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Polen, unerwartet für die Polen. Das Rating Nawrockis. Mythen oder Wahrheit der Wolhynien-Tragödie. Portnikov. 27.06.2026.

Andrij Smolij. Die Polen beginnen erst jetzt, eben wieder wegen dieses Skandals mit dem Orden des Weißen Adlers und so weiter, sich Fragen zu stellen, zum Beispiel im öffentlichen, im Informationsraum: „Wie sind diese Ukrainer, was ist das für eine Nation?“ Und sie verstehen plötzlich. Ich habe zum Beispiel gesehen, wie jemand von den polnischen Kommentatoren sagte: „Verstehen Sie, die Ukrainer, sie sind wie die Franzosen. Ungefähr wie die Franzosen. Ihnen ist es egal, ob dort ein Pole an der Macht ist oder kein Pole. Sehen Sie, bei ihnen ist zum Beispiel der Präsident jüdischer Herkunft, der Oberbefehlshaber der Armee ist Russe. Wie ist so etwas überhaupt möglich? Aber es ist möglich, weil sie wie die Franzosen sind.“ Sie finden also irgendeine Analogie, sie brauchen einfach irgendeine Analogie, um zu verstehen, dass in der Ukraine normal ist, was sich in Polen offenbar als nicht normal gilt. Und das ist übrigens auch ein interessanter Moment für uns.

Portnikov. Seltsam, nicht wahr? Obwohl es doch so schien, als seien die Polen eine politische Nation, aber diese politische Nation, vielleicht ist das das Ergebnis des Zweiten Weltkriegs, basiert auf ethnischem Boden.

Andrij Smolij. Nun, jemand hat gut darüber geschrieben, ich glaube, die Rzeczpospolita schrieb vor kurzem darüber, dass in der heutigen polnischen Gesellschaft nach vielen, vielen Jahrzehnten Dmowski gesiegt hat, seine Ideen einer monoethnischen, polnischsprachigen, römisch-katholischen polnischen Nation. Obwohl das, wie mir scheint, gerade jetzt unter den Bedingungen dieser Globalisierung unmöglich ist, wenn man in Warschau fast keinen, ich weiß nicht, polnischen Taxifahrer mehr finden kann, zum Beispiel.

Portnikov. Nein, man kann schon die Dienstleistung eines polnischen Taxifahrers bestellen, er kommt.

Andrij Smolij. Aber es wird teurer sein, das stimmt.

Portnikov. Eben. Aber wissen Sie, worin das Problem liegt? Ich denke, Dmowski hat nicht jetzt gesiegt. Dmowski hat nach dem Zweiten Weltkrieg gesiegt, weil nach dem Zweiten Weltkrieg ein Polen entstand, unerwartet für die Polen, in dem praktisch nur Polen gab’s und eine kleine Zahl nationaler Minderheiten. Und auch diese nahmen ab, denn ich erinnere daran, dass in ebendiesem kommunistischen Polen Juden vertrieben wurden, Ukrainer ausreisten. Und ich erinnere mich sehr gut an die letzten Jahre dieses Polens. Wir sehen jetzt, sagen wir, die Büste von Anna Walentynowicz in der polnischen Botschaft in Kyiv, aber niemand wusste doch von ihrer ukrainischen Herkunft.

Was mich in Polen Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre erstaunte, war, dass es sehr viele Menschen gab, die ethnisch Juden, ethnisch Ukrainer waren, aber ihre Herkunft verbargen, selbst wenn sie sich mit irgendwelchen ukrainischen oder jüdischen Angelegenheiten beschäftigten. Sie waren eben solche Polen, die sich aus irgendeinem Grund für die Ukraine oder jüdische Fragen interessierten. Ja, es gab natürlich Menschen, die in ukrainischen Organisationen, in jüdischen Organisationen arbeiteten, aber es waren sehr, sehr wenige.

Aber so zu sagen: „Ich bin Ukrainer“ im damaligen, im kommunistischen Polen, meine ich, später begann sich das schnell zu ändern, das war unmöglich. Unmöglich für einen Menschen, der etwas erreichen wollte.

Und wiederum war das Vorkriegspolen natürlich nicht das Polen Dmowskis, aber es gab darin trotzdem Separation. Jüdische Parteien, ukrainische Parteien. Das ist ja auch nicht sehr normal, verstehen Sie, für einen zivilisierten Staat. Polen ist, wie es scheint, nicht Libanon, aber dort gab es jüdische Parteien, es gab die Ukrainische Nationaldemokratische Vereinigung im Parlament. Das war ja eine Partei für Ukrainer.

Das heißt, irgendwie galt per Definition, dass eine polnische Partei, sagen wir, die Polnische Sozialistische Partei, nicht die Interessen von Juden oder Ukrainern ausdrücken könne. Dass Juden und Ukrainer ihre eigenen Organisationen gründen müssten, sagen wir, den Bund oder die Ukrainische Nationaldemokratische Vereinigung, dass das politische Leben entlang ethnischer Grenzen stattfinden müsse.

Nun, und nach dem Krieg, als es diese Ukrainer und Juden, und Belarussen, und Litauer in Polen einfach nicht mehr in irgendeiner politisch bedeutsamen Zahl gab, schlug die Polnische Vereinigte Arbeiterpartei selbst den Kurs auf im Grunde eine solche Deklaration eines ethnischen Nationalismus unter roter Fahne ein. Dort gab es ganze Parteigruppen antisemitischen Charakters, antiukrainischen Charakters.

Letztlich war es ja die kommunistische Partei, die die Aktion Weichsel durchführte. Es war die kommunistische Partei, die in den 60er und 70er Jahren Juden aus Polen vertrieb. Es war die kommunistische Partei, die Solidarność oder andere Protestbewegungen zu einer jüdischen Verschwörung erklärte. Also, das alles war sie.

Aber jetzt ändert sich wirklich alles. Und jetzt schauen die Polen auf die Ukrainer und sehen, dass die Ukrainer in ihrem Staatsaufbau den Polen tatsächlich nicht ähneln. Denn den Ukrainern ist es, und das ist übrigens ein Wunder der letzten Jahrzehnte, gelungen, zu einer politischen Nation in einem, ich würde sagen, europäischen Sinne des Wortes zu werden. Das ist übrigens eine der größten Errungenschaften des Maidan von 2013–2014. Eine unglaubliche Errungenschaft.

Die Frage ist nicht, dass die Ukrainer Volodymyr Zelensky zum Präsidenten gewählt haben und dass er Jude ist. Die Frage ist, dass die überwältigende Mehrheit der Menschen nicht daran denkt, dass er Jude ist. Das ist doch wichtig, dass die Menschen nicht an die ethnische Herkunft dessen denken, für den sie stimmen, dass sie andere Motive für ihre Wahl brauchen, die entweder für ihn oder gegen ihn sprechen.

Für mich ist, sagen wir, die Herkunft von Volodymyr Zelensky völlig unwichtig. Ich werde nicht als Jude aus Solidarität mit seiner ethnischen Herkunft für Volodymyr Zelensky stimmen. Für mich ist wichtig, dass ein Politiker professionell ist, dass seine politischen Ansichten meinen entsprechen. Und neben mir kann ein Ukrainer stehen, der für Volodymyr Zelensky stimmt, ohne an seine jüdische Herkunft zu denken, weil ihm Volodymyr Zelensky aus diesen oder jenen Gründen gefällt. Das ist eine politische Nation.

Und es stimmt: Wissen Sie, woher wir in der Regel von der ethnischen Herkunft französischer Politiker erfahren? Aus russischen oder polnischen Medien. Alle in Polen, alle in Russland wissen, dass Nicolas Sarkozy halb Jude, halb, glaube ich, Rumäne oder Ungar ist.

Andrij Smolij. Ungar.

Portnikov. Ich erinnere mich schon nicht mehr. Ungar, ja?

Andrij Smolij. Ich glaube.

Portnikov. Aber im Allgemeinen hat sich in Frankreich nie jemand dafür interessiert. Oder Édouard Balladur. Natürlich war es den Armeniern sehr angenehm, dass er Armenier ist, aber das hat in Frankreich selbst irgendwie niemanden bewegt. Oder Pierre Bérégovoy, er ist ethnischer Ukrainer, wir haben darüber immer geschrieben, aber in Frankreich erinnerte sich niemand daran, dass die Herkunft dieses französischen Premierministers ukrainisch war.

Nun, letztlich war Napoleon Bonaparte Italiener. Nicht einmal Korse, er war einfach ein gewöhnlicher Italiener, dessen Familie nach Korsika übersiedelte. Ganz konkret. Nun sagen Sie einem Franzosen, dass Napoleon Italiener ist. Er will das einfach nicht wissen. Ihn interessiert Napoleons Herkunft nicht. Für ihn ist Napoleon eine historische Gestalt in Frankreich.

Und solche Beispiele kann man in großer Zahl anführen, verstehen Sie? Denn die Franzosen, und das ist das Ergebnis der Großen Französischen Revolution, haben sich in eine solche wirklich echte politische Nation verwandelt, in der du sagen kannst: „Ich bin Franzose“, wenn du Jude Raymond Aron bist oder Ungar jüdischer Herkunft Nicolas Sarkozy, oder Niederländer François Hollande, oder Ukrainer Pierre Bérégovoy, oder Jude aus Odessa, Serge Gainsbourg. Du bist ein Franzose.

Andrij Smolij. Dort gab es auch noch die Dreyfus-Affäre. Wenn Sie sich erinnern, meinen manche, dass die Große Französische Revolution eigentlich erst mit dieser Affäre zu Ende ging, weil sie die Einstellung zur Republik und zur politischen Nation der Franzosen schließlich endgültig formte.

Portnikov. Das stimmt, Frankreich hat diese Affäre durchgemacht. Und schon buchstäblich 20 Jahre nach der Dreyfus-Affäre wurde der Jude der Herkunft nach Édouard Herriot Premierminister der Französischen Republik, und niemand dachte an seine jüdische Herkunft.

Also, der Maidan von 2013–2014 ist unsere Große Französische Revolution. Und Polen hat eine solche Revolution nicht erlebt, einfach weil es eine solche Revolution nicht brauchte. Zum Zeitpunkt von Solidarność war es ein ethnisch reines Land. Und die Menschen jüdischer oder ukrainischer Herkunft in den Reihen von Solidarność, sie erwähnten ihre Herkunft nie. Und gab es sie etwa nicht?

Andrij Smolij. Es gab sie.

Portnikov. Es gab sie. Anna Walentynowicz, Adam Michnik, Bronisław Geremek, Włodzimierz Mokry, einer der Weggefährten von Lech Wałęsa, er war Ukrainer, und hier ist nicht einmal die Frage, dass niemanden ihre Herkunft interessierte. Einfach alle hielten alle ringsum für Polen. Einen Nichtpolen konnte es nicht geben.

Andrij Smolij. Ich habe hier eine Frage. Wenn wir inzwischen grundsätzlich verstehen, dass der Nationalismus für Polen wichtig ist – wobei Nationalismus ja durchaus auch positiv verstanden werden kann. Selbst Karl Popper, der als einer der größten Kritiker des Nationalismus gilt und ihn als Tribalismus und Ähnliches beschreibt, sogar bei ihm gibt es ein paar Seiten in seinem Werk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“, wo er sagt, dass Nationalismus im Prinzip ein gutes Phänomen ist.

Portnikov. Wenn er nicht aggressiv ist.

Andrij Smolij. Wenn er nicht aggressiv ist.

Portnikov. Wenn es kein Chauvinismus ist.

Andrij Smolij. Wenn es kein Chauvinismus ist, genau, wenn wir unsere Nation für die beste halten, ist das okay. Wenn das bedeutet, dass wir unsere Nation nicht kritisieren und sie immer unfehlbar ist, dann verzerrt das, wie mir scheint, einfach unsere Optik im Sinne, nun, ich weiß nicht, im einfachsten.

Portnikov. Wenn wir meinen, unsere Nation sei besser als andere, ist das schon ein Weg ins Nichts.

Andrij Smolij. Und wir sehen jetzt, dass in unserer Diskussion, insbesondere jetzt zur historischen Erinnerung, einerseits bin ich überrascht, wie viele polnische Intellektuelle zum Beispiel jetzt faktisch auf der Seite der Ukraine, auf der Seite von Volodymyr Zelensky in dieser Geschichte stehen. Und das freut ungeheuer. Aber ich sehe auch frische Umfragen, einen scharfen Sprung der Popularität Nawrockis, der erreicht hat, was er wollte. Und hier ist die Frage …

Portnikov. Hören Sie, in solchen Situationen vereinigt sich immer eine große Zahl von Menschen um die Fahne. Wissen Sie, wodurch sich Polen von Russen unterscheiden? Dass Nawrocki dort 54 Prozent hat, nachdem er Volodymyr Zelensky den Orden weggenommen hat, und wie viel Prozent Unterstützung hatte Putin nach der Krim? 80 oder 90, erinnern Sie sich nicht?

Andrij Smolij. Ich erinnere mich schon nicht mehr.

Portnikov. Die polnische Gesellschaft bleibt also selbst in einer solchen Situation trotzdem in zwei Hälften gespalten, und das heißt bereit zur Diskussion, zum Kampf, weil das Polen ist. Die russische Gesellschaft aber ist bereit, sich um jede chauvinistische Entscheidung vollständig zu vereinigen. Diejenigen, die sich nicht vereinigen, bleiben faktisch in absoluter Minderheit und am Rand.

Andrij Smolij. Dort sagte ja sogar Nawalny schließlich, dass die Krim kein Butterbrot sei, oder wie war da diese Formulierung.

Portnikov. Nun, irgend so etwas gab es dort natürlich, dass die Krim kein Butterbrot sei, dass man sie nicht einfach so zurückgeben könne. Weil dort schon Russland sei.

Andrij Smolij. Kein Mensch mit politischen Ambitionen könnte einfach das anerkennen, was wir jetzt von sehr vielen Vertretern des polnischen Establishments hören, von Radek Sikorski bis schließlich zu Donald Tusk selbst. Das heißt, die ganze politische Elite, die jetzige, sie haben Nawrocki faktisch verurteilt.

Portnikov. Sie haben Nawrocki nicht verurteilt. Sie sagen, dass sie mit dieser Benennung nicht einverstanden sind, aber man hätte anders handeln müssen. Das ist alles.

Andrij Smolij. Meine Frage ist: Wenn wir im Prinzip verstehen, dass ein solcher nationalistischer Modus für den Polen, für die polnische Gesellschaft ziemlich charakteristisch, ziemlich wichtig ist, und für die Ukrainer nicht so wichtig, dann bedeutet das in Wirklichkeit, wie mir scheint, dass wir nicht einfach symmetrisch auf irgendwelche polnischen Handlungen antworten können. Das, was Herr Sybiha sagte, dass wir alle schlechten Dinge spiegeln werden, alle schlechten unfreundlichen Handlungen in Richtung Polen. Ihr gegen uns, wir gegen euch und so weiter. Hier liegt die Frage noch in etwas anderem: Die Polen glauben, dass die Ukrainer doch zuerst angefangen hätten, und wir hätten es ihnen gespiegelt, nur von der anderen Seite. Hat das Sinn, wenn wir im Prinzip nicht gleich sind? Wir haben eine unterschiedliche historische Erinnerung. Wir haben ein unterschiedliches Eintauchen in die historische Erinnerung. Wir haben eine unterschiedliche Einbindung in einen solchen, bedingt gesprochen, gesunden oder nicht gesunden Nationalismus in den Gesellschaften. Wir haben schließlich eine unterschiedliche Zusammensetzung der Gesellschaften. Also, sollten wir hier nicht irgendeinen anderen Modus der Kommunikation mit Polen finden? Denn ich verstehe auch sehr viele vernünftige, kluge Ukrainer, die sagen: „Nun wartet, Polen wird uns doch nicht diktieren, wir mischen uns doch auch nicht in eure Politik und eure Geschichte ein, warum mischt ihr euch dann bei uns ein?“ Und dem ist natürlich schwer zu widersprechen.

Portnikov. Ich bin gerade der Meinung, dass die Bereitschaft jedes Landes, seine Sichtweise zur historischen Erinnerung eines Nachbarlandes zu äußern, ein absolut normales Verhalten ist. Deshalb habe ich die ganze Zeit gesagt, dass ich keinerlei Problem darin sehe, dass das Außenministerium Polens meint, was es meint, und dass es gegen diese Entscheidung protestiert hat. Das ist eine wichtige Sache. Aber ich verstehe nicht, wenn wegen irgendwelcher politischer Dividenden sogenannte rote Linien überschritten werden. Nawrocki meint, Volodymyr Zelensky habe eine rote Linie überschritten. Ich meine, Nawrocki hat die rote Linie überschritten. Und die Frage liegt hier nicht in der UPA.

Ich wiederhole noch einmal: Ich bin der Meinung, dass die Republik Polen volles Recht hat zu meinen, dass wir unsere Militäreinheiten nicht nach der Ukrainischen Aufstandsarmee benennen sollten, dass wir unsere Straßen nicht nach Bandera und Schuchewytsch, anderen Führern der OUN benennen sollten. Und Israel kann meinen, dass wir unsere Straßen nicht nach Melnyk und Bandera benennen und Melnyk nicht umbetten sollten. Und wir können genauso meinen, dass die Polen ihre Straßen nicht benennen sollten …

Andrij Smolij. Genau das, was Radosław Sikorski sagte. Wenn Nawrocki Volodymyr Zelensky sehr symmetrisch hätte antworten wollen, nun dann benennt irgendetwas um, ich weiß nicht, nach den Opfern der UPA, und die Ukrainer werden dann darüber diskutieren.

Portnikov. Sozusagen. Das ist euer Recht. Und wir können Protest äußern. Israel hat, wie Sie wissen, in Polen mehrfach Protest wegen irgendwelcher Entscheidungen des Instituts für Nationales Gedenken geäußert. Bis hin zum Abzug von Botschaftern ging es. Na und? Die Frage ist, wie sich das auf die bilateralen Beziehungen auswirkt. Wenn das Wegnehmen von Orden beginnt, wenn das Gespräch beginnt: Mit Bandera wird die Ukraine nicht in die Europäische Union gehen, wie Jarosław Kaczyński seinerzeit zu Petro Poroschenko sagte, dann ist das schon der Versuch, historische Erinnerung für politische Erpressung zu benutzen. Das ist falsch.

Länder können unterschiedliche Vorstellungen von Geschichte haben. Alle europäischen Länder haben unterschiedliche Vorstellungen von Geschichte. Dieses gemeinsame Lehrbuch der europäischen Geschichte spiegelt, wie Sie verstehen, nicht die wirkliche Sicht jedes Landes wider. Es ist ein Kompromiss. Vielleicht erreichen wir mit den Polen in 20–30 Jahren auch einen solchen Kompromiss. Verstehen Sie?

Aber wir gehen übrigens den Weg dieses Kompromisses. Es gab so viele Gespräche über diese Exhumierungen. Ja, diese Exhumierungen finden statt. Heute wurde in Warschau betont, dass eines der Gräber, nach dem man suchte, eines der Opfer von Wolhynien, nicht gefunden wurde. Vielleicht wird man es auch nicht finden, weil sich herausstellen kann, dass es dieses Grab nicht gibt. Das ist ja auch ein großes Problem, dass viele Ereignisse des Zweiten Weltkriegs jetzt, wenn wir Zugang zu Fakten bekommen und nicht zu Mythen, ganz anders aussehen können. Und was soll man damit machen? Man wird auch ohne jede Freude auf Mythen verzichten müssen, denn es ist eine Sache, einen Spielfilm über Wolhynien zu drehen, und eine andere, Ausgrabungen durchzuführen.

Andrij Smolij. Das, was Wjatrowytsch geschrieben hat. Vor kurzem gab es einen Versuch, wenigstens ein antipolnisches Zitat bei Donzow zu finden, er wurde sogar von Vertretern, glaube ich, des polnischen Instituts für Nationales Gedenken angekündigt, aber alles endete in einem Fiasko, weil Donzow ein überzeugter Polonophiler war, er publizierte in Polen und lebte in Polen.

Portnikov. Nun eben, das ist auch ein gutes Beispiel dieser Mythologie.


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Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Польща несподівана для поляків. Рейтинг
Навроцького. Міфи чи правда волинськоЇ трагедії Портников. 27.06.2026.

Autor: Portnikov
Veröffentlichung: 27.06.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Trump weist Putin ab | Vitaly Portnikov. 27.06.2026.

Die Publikation Axios behauptet, dass US-Präsident Donald Trump während des Treffens der Staats- und Regierungschefs der G7 im französischen Évian negativ über seinen russischen Amtskollegen Putin gesprochen habe, mit Begeisterung davon gesprochen habe, wie sich der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky halte, und sogar Bereitschaft signalisiert habe, auf das sogenannte „Verständnis von Anchorage“ zu verzichten. 

Dies ermöglichte es später dem US-Außenminister Marco Rubio zu erklären, dass es während des Treffens des amerikanischen und des russischen Präsidenten in Anchorage keinerlei konkrete Vereinbarungen gegeben habe, sondern lediglich Vorschläge, die erörtert worden seien.

Der Begriff des „Geistes von Anchorage“, den die russische Propaganda und sogar offizielle Vertreter wie der russische Außenminister Lawrow oder der außenpolitische Berater des russischen Präsidenten Uschakow verwenden, beziehungsweise das „Verständnis von Anchorage“, von dem im Westen gesprochen wird, entstand nicht aus den eigentlichen Verhandlungen zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation. Er entstand vielmehr aus dem Versuch sowohl des Weißen Hauses als auch des Kremls, diesem offensichtlichen Fiasko irgendeinen Sinn zu verleihen. Man wollte den Eindruck erwecken, dass es dem amerikanischen und dem russischen Staatschef bei ihrem Treffen in Alaska gelungen sei, sich auf die Eckpunkte einer möglichen Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu verständigen.

Dabei erinnern wir uns alle sehr gut daran, dass der Präsident der Vereinigten Staaten nach diesem Treffen auf der kurzen Pressekonferenz ausdrücklich betonte, dass keinerlei Einigung erzielt worden sei. Woher kommen dann die Gespräche über den „Geist von Anchorage“ oder das „Verständnis von Anchorage“? Und worauf will Donald Trump dann überhaupt verzichten?

 

Diese Frage lässt sich recht einfach beantworten. Vor dem Treffen des russischen und des amerikanischen Präsidenten hatte der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten und enge Vertraute Steve Witkoff die russische Hauptstadt mit Vorschlägen zu möglichen Parametern für eine Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges besucht. Zu diesen amerikanischen Vorschlägen gehörte auch die Möglichkeit eines Abzugs der ukrainischen Streitkräfte aus jenem Teil des Gebiets Donezk, der heute von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert wird und in dem die russischen Streitkräfte ihre Offensive fortsetzen.

Während des Treffens mit Donald Trump verlas Putin, wie russische Beamte berichteten, jene Vorschläge, die der amerikanische Vertreter nach Moskau gebracht hatte, und fragte Steve Witkoff nach jedem einzelnen Punkt, ob er bestätige, Putin genau diese Bedingungen vorgestellt zu haben. Witkoff bejahte dies. Doch der russische Präsident stimmte den amerikanischen Bedingungen nicht zu, denn außer der Idee eines Abzugs der ukrainischen Truppen aus dem Gebiet Donezk enthielten sie selbstverständlich auch Vorschläge, die den Erhalt der Souveränität und Unabhängigkeit des ukrainischen Staates garantierten – etwas, das nicht zu Putins politischen Plänen gehört.

Nachdem die Präsidenten, voneinander verärgert, auseinandergegangen waren, entstand die Idee, diese Vorschläge der amerikanischen Seite, die von der russischen Seite nie gebilligt worden waren, als „Geist“ oder „Verständnis“ von Anchorage auszugeben und zu betonen, dass gerade auf dieser Grundlage die weiteren Verhandlungen über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges geführt werden könnten.

Für die amerikanische Seite war dies notwendig, um Donald Trumps Ansehen zu retten; für die russische Seite, um die Verhandlungen bis zum Ende der Amtszeit des amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten weiter in die Länge zu ziehen.

Wie wir sehen, wurde daraus nichts. Trump verbindet heute seinen außenpolitischen Ruf keineswegs mehr mit Treffen mit Putin. Sein Hauptziel besteht darin, aus der Sackgasse der Krise im Nahen Osten herauszukommen, die der Republikanischen Partei bei den kommenden Kongresswahlen eine vernichtende Niederlage zu bringen droht.

Was die Republikaner von einer solchen Niederlage erwarten, machte einer von Trumps engsten Verbündeten und der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, unmissverständlich klar. Er warnte, dass im Falle eines Sieges der Demokraten jeder Ausschuss des Repräsentantenhauses zu einem Untersuchungsgremium werden werde, das die Familienangehörigen des Präsidenten der Vereinigten Staaten, seine Geldgeber und seine engsten Freunde verfolgen werde. Das ist es, was für Donald Trump auf dem Spiel steht. Das ist es, was ihn heute tatsächlich beschäftigt – und keineswegs die Frage, ob er sich mit Putin hätte einigen können oder nicht.

Auch Putin scheint heute nicht besonders daran interessiert zu sein, die Gespräche über den Geist von Anchorage fortzusetzen, denn die ukrainischen Angriffe auf die russische Infrastruktur haben seine Kriegspläne verändert. In diesen Minuten berät der russische Präsident gemeinsam mit seinem belarussischen Amtskollegen Alexander Lukaschenko darüber, wie Moskau und Minsk den neuen, unerwarteten Bedrohungen begegnen können. Unter diesen Umständen braucht weder Trump noch Putin den Geist von Anchorage.

Und die amerikanische Seite verabschiedet sich von der Idee, weiterhin über das sogenannte Verständnis von Anchorage zu sprechen – schon deshalb, weil sie erkennt, dass sie keinen Einfluss auf die Ukraine ausüben kann, um einen Abzug der ukrainischen Streitkräfte aus jenem Teil des Gebiets Donezk zu erreichen, der weiterhin von den ukrainischen Streitkräften kontrolliert wird.

Und heute braucht auch Trump dies nicht mehr, weil er versteht, dass selbst solche Zugeständnisse an Putin den russisch-ukrainischen Krieg nicht beenden würden. Hätte Putin sich mit solchen Bedingungen zufriedengeben können, hätte er dies bereits in den ersten Monaten des Jahres 2025 getan, als die amerikanischen Vorschläge noch großzügiger waren und sogar die Möglichkeit einer Anerkennung des russischen Status der besetzten Krim durch die Vereinigten Staaten einschlossen.

In der Administration des Weißen Hauses beginnt man offenbar allmählich zu begreifen, was ihren Vorgängern schon lange klar war. Putins Ziel besteht keineswegs darin, die Kontrolle über das Gebiet Donezk zu erlangen oder die Anerkennung des russischen Status der Krim und anderer besetzter ukrainischer Gebiete durch die Vereinigten Staaten zu erreichen. Putins Ziel war und bleibt die Beseitigung der ukrainischen Staatlichkeit und die Eingliederung des Territoriums des Nachbarstaates in die Russische Föderation.

Und gerade deshalb lohnt es sich heute nicht mehr zu sagen, dass man sich in Washington gern an das frühere Treffen zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation erinnern würde.

Was interessiert Donald Trump tatsächlich? Die Frage, wie man Putin dazu bringen kann, sich auf echte Verhandlungen über ein Ende des Krieges gegen die Ukraine einzulassen.

Doch es scheint, dass der amerikanische Präsident vorerst nicht beabsichtigt, zusätzliche Druckmittel einzusetzen, damit der russische Staatschef den Verhandlungsprozess tatsächlich ernsthaft in Erwägung zieht. Nun setzt Trump in erster Linie auf Volodymyr Zelensky und auf die ukrainischen Streitkräfte.


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Titel des Originals: Трамп послав Путіна | Віталій Портников. 27.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 27.06.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Theaterstück: Nowa Poschta und der Orden des Weißen Adlers. Dana larova. 21.06.2026.

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Nowa Poschta

– Der Nächste!

Zelensky:

– Ich möchte ein Paket nach Polen schicken.

– Was verschicken wir?

– Den Orden des Weißen Adlers.

– Grund der Rücksendung?

– UPA.

Aus der Warteschlange:

– Oh, schaut mal. Endlich fängt man unter dieser Regierung an, etwas zurückzugeben.

Zelensky:

– Petro Oleksijowytsch ( Poroschenko), Sie sind auch hier?

– Ich habe ein Abonnement fürs Kritisieren. 24/7. Ohne freie Tage.

– Und jetzt?

– Nichts. Wenn der Prozess des Zurückgebens schon begonnen hat – vielleicht gebt ihr dann auch der Werchowna Rada ihre Subjektivität zurück?

– Wir geben gerade einen Orden zurück.

– Ich frage nur nach. Vielleicht habt ihr heute ja einen Tag der Rückgaben.

– Und was machen Sie hier?

– Dasselbe.

– Ihnen hat man ihn doch nicht aberkannt.

– Eben. Eine Unordnung. Du hast einer Einheit den Namen UPA gegeben – man hat ihn dir weggenommen. Ich habe die UPA anerkannt – und mich hat man übergangen. Wo ist die Gerechtigkeit?

Mitarbeiterin:

– Ist das eine Familiensendung?

Beide:

– NEIN.

– Wir streiten.

– Ständig.

– Professionell.

– Volodymyr, wo siehst du da Professionalität? Es ist einfach dieselbe Adresse. Und derselbe Orden.

Juschtschenko kommt herein.

– Ich sehe, ihr habt ohne mich angefangen.

– Wiktor Andrijowytsch, Sie auch?

– Und? Im Land gibt es einen Skandal um die ukrainische Geschichte, und ich soll zu Hause Honig schleudern?

– Sie haben auch einen Orden?

– Natürlich.

Mitarbeiterin:

– Seid ihr wenigstens untereinander befreundet?

Alle:

– Nein.

Juschtschenko:

– Sie streiten nach mir.

Poroschenko:

– Wir streiten nach Ihnen.

Zelensky:

– Und nach mir werden die Nächsten streiten.

Kutschma kommt herein.

– Ist hier die Schlange der Adler?

Alle:

– Leonid Danylowytsch?!

– Und was dachtet ihr? Ihr kommt ohne mich klar? Ich hatte diese Auszeichnung schon, als einige von euch noch nicht einmal auf dem Reißbrett existierten. Geschweige denn in der Politik.

Polen:

– Meine Herren, warten Sie. Wir haben doch nur Zelensky…

Poroschenko:

– Und warum hat man mich ausgelassen?

– Wir haben doch nicht…

– Ich frage: Ich habe die UPA anerkannt – wo ist mein Skandal?

Juschtschenko:

– Mich interessiert das auch.

Kutschma:

– Die Liste wurde offensichtlich ohne Erfahrung erstellt.

Polen:

– Aber ihr kritisiert euch doch alle gegenseitig.

Zelensky:

– Ja.

Poroschenko:

– Jeden Tag.

Juschtschenko:

– Seit Jahrzehnten.

Kutschma:

– Das ist schon fast eine staatliche Tradition.

Polen:

– Warum seid ihr dann alle zusammen?

Alle:

– Wir sind nicht zusammen.

– Wir sind nur gleichzeitig hier.

– Nicht verwechseln.

– Wir haben einen internen Zoff.

– Keinen internationalen.

Polen:

– Vielleicht überlegt ihr es euch noch einmal?

Vier Präsidenten gleichzeitig:

– Geh dem russischen Kriegsschiff hinterher!

Mitarbeiterin:

– Also doch eine Familiensendung?

Alle:

– NEIN.

– Vier verschiedene.

– Und die Quittungen getrennt.

– Weil wir uns danach noch untereinander streiten müssen.

Mitarbeiterin:

– Soll ich eine Versicherung abschließen?

– Für die Orden?

– Nein. Für die ukrainische Politik.

– Mädchen, solche Summen versichert Nowa Poschta nicht.


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Art der Quelle: Sozialmedia

Autor: Dana larova
Veröffentlichung: 21.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump ermutigt Zelensky zu mehr Entschlossenheit | Vitaly Portnikov | 23.06.2026.

Nach Angaben von Quellen der Zeitung Kyiv Independent riet der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, seinem ukrainischen Kollegen Volodymyr Zelensky während ihres jüngsten Treffens am Rande des G7-Gipfels in Évian, gegenüber Putin entschlossener zu handeln, um den russischen Präsidenten an den Verhandlungstisch zu zwingen.

Beobachter deuten diese Worte Donald Trumps als Eingeständnis der Tatsache, dass der russische Präsident nicht freiwillig an echten Verhandlungen teilnehmen wird. Dies kann als Korrektur der außenpolitischen Position des amerikanischen Präsidenten betrachtet werden, der vom ersten Tag seiner Amtszeit an gehofft hatte, die Präsidenten der Russischen Föderation und der Ukraine zu einer Vereinbarung über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu bewegen, und dies wiederholt öffentlich erklärte.

Natürlich kann man die Frage stellen, warum Trump seine Sicht der Lage gerade jetzt geändert hat. Denn wir haben gesehen, dass Putin alle Initiativen des amerikanischen Präsidenten ständig und konsequent zurückgewiesen hat. Schon in seinem ersten Telefongespräch mit seinem russischen Amtskollegen betonte Trump, dass Russland und die Ukraine einem Waffenstillstand zustimmen und von dieser Position aus über Frieden zwischen den beiden verfeindeten Staaten verhandeln müssten.

Putin stimmte diesem Vorschlag nicht zu. Daraufhin änderte Trump sogar seine Vorstellung eines bedingungslosen Waffenstillstands zwischen Russland und der Ukraine zugunsten eines Modells, das der Russischen Föderation ermöglichen sollte, Bedingungen für einen Waffenstillstand zu stellen. Doch auch das stellte den russischen Präsidenten nicht zufrieden.

Später kam es zu dem berühmten Treffen in Anchorage, das sowohl für den amerikanischen als auch für den russischen Präsidenten mit einem Fiasko endete. Nach dem Treffen erklärte der Präsident der Vereinigten Staaten klar, dass es ihm nicht gelungen sei, Vereinbarungen mit Putin zu erzielen. Doch bereits auf dem Weg von Anchorage nach Washington sah er sich gezwungen, seine Einschätzung der Ergebnisse des Treffens zu ändern, weil er nicht wollte, dass es als negativer Ausgang seiner Diplomatie wahrgenommen wurde.

Nach Anchorage entstand die Idee, ukrainisch-russische Verhandlungen unter amerikanischer Vermittlung sogar während der laufenden Kampfhandlungen zu ermöglichen. Dies war bereits ein erheblicher Rückzug des Präsidenten der Vereinigten Staaten von seinen früheren Vorstellungen über die Möglichkeiten zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges. Man kann sagen, dass Donald Trump dem Szenario Putins zustimmte, der daran interessiert war, Zeit zu gewinnen – möglicherweise bis zum Ende von Donald Trumps Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten –, so wie es bereits bei den Vorgängern des amerikanischen Staatschefs geschehen war.

Jetzt, da offensichtlich wird, dass auch dieser Verhandlungsprozess gescheitert ist und Russland ihn demonstrativ verlassen hat, solange die ukrainischen Truppen nicht auf ihre Präsenz auf dem Gebiet der ukrainischen Region Donezk verzichten – worüber sowohl Präsident Putin als auch andere Kremlbeamte wiederholt gesprochen haben –, sagt Trump zu Zelensky, dass er gegenüber Putin entschlossener handeln müsse.

Dabei handelt es sich weniger um einen diplomatischen Kurswechsel als vielmehr um die Erkenntnis des amerikanischen Präsidenten, dass die Ukraine der Russischen Föderation schwere Schläge zufügt und die Möglichkeiten des russischen militärisch-industriellen Komplexes sowie der Ölverarbeitungsindustrie einschränkt. Außerdem darf man nicht vergessen, dass Trumps Worte genau in dem Moment fielen, als sich die Lage im Nahen Osten – wenn auch vorübergehend – zu entspannen begann und die Islamische Republik Iran der Öffnung der Straße von Hormus zustimmte.

Damit benötigt Washington die Dienste Moskaus zur Aufrechterhaltung des Ölmarktgleichgewichts bereits jetzt nicht mehr. Mehr noch: Das iranische Öl, das nun an viele Länder des Globalen Südens verkauft werden wird, kann russisches Öl problemlos ersetzen. Zusätzliche Konkurrenten benötigen die Vereinigten Staaten nicht.

Hier deckt sich die Position von Präsident Trump mit der seines Finanzministers Bessent, der stets ein Befürworter der Verdrängung der Russischen Föderation vom weltweiten Energiemarkt zugunsten amerikanischer Ölunternehmen war, an deren Gewinnen die Administration des Weißen Hauses interessiert ist.

Somit kann man sagen, dass Trumps Verhalten in der neuen Situation logisch ist. Der amerikanische Präsident neigt sich stets stärker auf die Seite dessen, der seinem Gegner die schwereren Schläge zufügt, und die Anstrengungen der Ukraine können bei ihm Respekt hervorrufen.

Russlands Bedeutung auf dem weltweiten Ölmarkt soll verringert werden. Daher ist die Zerstörung der russischen Ölverarbeitungsindustrie vor dem Hintergrund der Sanktionen gegen russisches Öl ein zusätzlicher Pluspunkt für den Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Und natürlich konnte Donald Trump, der hofft, dass Anhänger einer traditionellen Haltung gegenüber religiösen Kulten für die Republikaner stimmen werden, die Angriffe der Russischen Föderation auf die Kyiv-Petschersk-Lawra nicht ignorieren. Diese wurden zu einem weiteren Beweis dafür, dass alle Gespräche über gemeinsame Werte amerikanischer Konservativer und des Kremls eher eine Moskauer Erfindung sind, die darauf abzielt, die Vereinigten Staaten auf Distanz zu russischen Interessen im postsowjetischen Raum und in Europa zu halten. Genau dies hatten europäische Staats- und Regierungschefs Donald Trump und seinen Verbündeten bei zahlreichen Gipfeltreffen immer wieder zu erklären versucht.

Doch offensichtlich konnte der amerikanische Präsident die tatsächlichen Absichten seines russischen Amtskollegen, für den er stets eine geradezu unverstellte Achtung empfand, erst dann erkennen, als Putin zu Angriffen überging, die zeigen sollten, dass er in der Lage ist, Heiligtümer der christlichen Welt zu zerstören.

Natürlich stellt sich nun die Frage, welche konkreten Folgen diese Worte Donald Trumps haben werden.

Der amerikanische Präsident stand dem ukrainischen Vorschlag positiv gegenüber, ein gemeinsames Treffen der Staats- und Regierungschefs der drei Länder in den Vereinigten Staaten zu organisieren. Allerdings habe ich keine Erwartung, dass der russische Präsident einem solchen Gipfel tatsächlich zustimmen wird, da er offenbar weiterhin davon überzeugt ist, dass die Zeit auf Putins Seite steht und nicht auf der Seite der Ukraine und ihrer Verbündeten.

Der amerikanische Präsident muss außerdem eine Entscheidung über die weitere Unterstützung der Ukraine treffen. Diese muss natürlich nicht mit Worten oder Erklärungen verbunden sein, sondern mit realem Geld und realen Waffen, die die Ukraine in den kommenden Phasen der lang andauernden russisch-ukrainischen Konfrontation benötigt.

Positiv ist jedoch, dass Trump Putin nun nicht mehr als jemanden betrachtet, der den russisch-ukrainischen Krieg tatsächlich durch einen Verhandlungsprozess beenden möchte.

Und das ist bereits eine wichtige Nachricht für die Situation, in der sich die Ukraine heute in ihrer Konfrontation mit der Russischen Föderation befindet.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп заохочує Зеленського до рішучості| Віталій Портников. 23.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 23.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Zelensky setzt Lukaschenko unter Druck | Vitaly Portnikov. 21.06.2026.

Volodymyr Zelensky hat Aljaksandr Lukaschenko erneut aufgefordert, die Relaisstationen an der belarussisch-ukrainischen Grenze zu entfernen. Bereits zuvor hatte der ukrainische Präsident betont, dass bloße Entschuldigungen und Versicherungen, von belarussischem Territorium werde kein neuer Angriff auf die Ukraine ausgehen, für Kyiv nicht ausreichen. Denn das Territorium Belarus’ wird auch jetzt noch von der russischen Armee zur Unterstützung von Putins Aggression gegen die Ukraine genutzt.

Natürlich hätte Lukaschenko noch vor einigen Monaten diesen Drohungen des ukrainischen Präsidenten keine besondere Beachtung schenken können. Doch inzwischen hat sich die Lage im Krieg tatsächlich verändert. Die Ukraine führt Schläge gegen das Territorium der Russischen Föderation aus, und zugleich demonstriert Moskau seine Unfähigkeit, wichtige strategische Objekte vor Angriffen ukrainischer Drohnen zu schützen. Die besetzte Krim befindet sich faktisch in Isolation von der Russischen Föderation. Auf der Halbinsel entwickelt sich rasch eine echte logistische und humanitäre Katastrophe. Und dies ist zugleich eine Katastrophe für die Streitkräfte der Russischen Föderation, die auf der annektierten Halbinsel stationiert sind.

Kann ein Schlag gegen das Territorium Belarus’ erfolgen? Lukaschenko weist zu Recht darauf hin, dass Russland kaum in der Lage wäre, das Land vor möglichen ukrainischen Angriffen zu schützen. Die belarussische Wirtschaft könnte buchstäblich innerhalb weniger Tage zusammenbrechen. Und das bedeutet, dass auch die für Lukaschenko wichtigste Anlage, die Raffinerie von Masyr, untergehen würde, die zugleich von kritischer Bedeutung für die russische Armee ist.

Aus rein logischer Sicht wäre es für Zelensky daher sogar vorteilhafter, wenn Lukaschenko die Erklärungen seines ukrainischen Amtskollegen ignorieren und die Relaisstationen an der belarussisch-ukrainischen Grenze belassen würde. In diesem Fall hätte die ukrainische Armee allen Grund, strategische Objekte der belarussischen Wirtschaft auszuschalten, die für die Bedürfnisse der russischen Streitkräfte genutzt werden.

Die Raffinerie ist eines dieser Objekte. Zudem handelt es sich faktisch um die einzige Raffinerie, die Putin noch zur Verfügung steht und die nicht systematischen Angriffen ukrainischer Drohnen ausgesetzt ist.

Es bleibt nur die Frage, ob Lukaschenko selbst seinen russischen Sponsor und Freund davon überzeugen kann, dass es tatsächlich viel wichtiger ist, die belarussische Wirtschaft und insbesondere die belarussische Ölverarbeitung zu erhalten – in einer Situation, in der Russland bald überhaupt keine funktionierende Ölverarbeitung mehr haben könnte. Vielleicht wäre es dann besser, die Relaisstationen zu opfern, aber Masyr zu retten. Das wäre ein logischer Ansatz.

Man kann sagen, dass Lukaschenko einen solchen Ansatz vertritt. Wenn der belarussische Machthaber die gesamte Bedrohung für sein Regime nicht erkennen würde, hätte er sich nicht bei Volodymyr Zelensky entschuldigt und versichert, dass Belarus nicht beabsichtige, an den nächsten Phasen des russischen Krieges gegen die Ukraine teilzunehmen.

Doch Putin handelt keineswegs immer logisch. Für den russischen Präsidenten könnte eine Ausweitung des Krieges auf das Territorium Belarus’ aus politischer Sicht sogar vorteilhaft sein. Putin könnte meinen, dass er in diesem Fall einen Freibrief hätte, bereits gegen die Verbündeten der Ukraine vorzugehen. Wenn die Ukraine Angriffe auf das Territorium eines russischen Verbündeten ausführt, hätte Russland die Möglichkeit, Schläge gegen das Territorium eines ukrainischen Verbündeten zu führen und damit den Krieg auf die Gebiete der an Russland und die Ukraine angrenzenden Mitgliedstaaten der Europäischen Union und der NATO auszuweiten – vor allem auf Polen und die baltischen Staaten.

Dies wäre wichtig, um militärische Objekte anzugreifen, die von diesen Ländern zur Unterstützung der ukrainischen Armee genutzt werden. Es ist kein großes Geheimnis, dass der Flughafen Rzeszów ein begehrtes Ziel für die russischen Streitkräfte ist. Allerdings könnte die Präsenz amerikanischer Kräfte an diesem Standort Putin von einem solchen Angriff abhalten.

Es gibt jedoch auch Objekte, an denen keine US-Militärangehörigen stationiert sind und die in einem solchen Fall tatsächlich von der russischen Luftwaffe bombardiert werden könnten. Dafür braucht es jedoch einen belarussischen Präzedenzfall. Und so werden Putin und Lukaschenko nun eine recht einfache Frage für sich beantworten müssen: Was ist wichtiger – die wirtschaftlichen Ressourcen der Republik Belarus für die Bedürfnisse der russischen Streitkräfte zu erhalten oder die Situation um einen Angriff auf die Relaisstationen an der belarussisch-ukrainischen Grenze sowie auf andere strategische Objekte der Republik Belarus zu nutzen, um den Krieg letztlich auf das Territorium der NATO-Mitgliedstaaten auszuweiten?

In Moskau könnte man der Ansicht sein, dass es ohne eine solche Ausweitung, ohne die Einschüchterung Europas und ohne die Überzeugung der europäischen Gesellschaften, dass die Unterstützung der Ukraine nur zu einem großen Krieg auf dem europäischen Kontinent führen könne, nicht möglich sein wird, die Ukraine zu besiegen und das Territorium des Nachbarstaates in die Russische Föderation einzugliedern – ein Ziel, von dem Putin noch immer träumt.

Somit setzt Zelensky Lukaschenko einerseits unter Druck, damit dieser die Relaisstationen entfernt, die für Angriffe auf ukrainisches Territorium genutzt werden. Andererseits versucht der verängstigte Lukaschenko, zumindest die Illusion des Friedens für sein eigenes Land zu bewahren und die eigene Wirtschaft zu retten, da ihm bewusst ist, dass sein Regime einen Zusammenbruch dieser Wirtschaft möglicherweise nicht überstehen würde und ihm dann auch kein Putin mehr helfen könnte.

Es gibt jedoch auch ein Putin-Motiv, das mit einer völlig anderen Logik verbunden sein könnte, die weder Volodymyr Zelensky noch Aljaksandr Lukaschenko berücksichtigen. Es ist die Logik eines großen Krieges mit dem Westen, von dem Putin und seine Gefolgsleute möglicherweise träumen – nicht einmal aus der Perspektive einer Eroberung Europas, sondern aus der Perspektive einer Lähmung der militärischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten Europas zur weiteren Unterstützung der Ukraine.

Putin könnte darauf hoffen, dass seine Anhänger in Europa einfach demonstrieren werden, dass die weitere Unterstützung der Ukraine ein ernstes Problem für die Europäer selbst darstellt.

Und genau entlang einer solchen Entwicklungslinie werden sich die Ereignisse in den kommenden Wochen und Monaten entfalten. Wenn wir davon ausgehen, dass weder die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges noch seine Ausweitung verhindert werden können, dann erscheint ein solches Szenario bereits in naher Zukunft durchaus wahrscheinlich.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Зеленський кошмарить Лукашенка | Віталій Портников. 21.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 21.06.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Zelensky setzt Nawrocki unter Druck | Vitaly Portnikov. 22.06.2026.

Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, hat seinem polnischen Amtskollegen Karol Nawrocki vorgeworfen, er versuche, die Konferenz zum Wiederaufbau der Ukraine zu sabotieren, die in Danzig stattfinden wird, und stelle zugleich den Wahlerfolg gegenüber den politischen Gegnern der Partei des amtierenden Ministerpräsidenten Donald Tusk in den Mittelpunkt seines Handelns.

Damit bestätigte Zelensky genau das, worauf ich seit Beginn dieses Skandals hingewiesen habe. Es geht nicht um Fragen der historischen Erinnerung, sondern um den Wahlkampf in der polnischen Gesellschaft.

Polen bleibt praktisch seit der Wiedererlangung seiner Unabhängigkeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein in zwei Hälften gespaltenes Land. Und der erbitterte Kampf zwischen zwei politischen Lagern, die in der Geschichte Polens nahezu nie zu einem gegenseitigen Verständnis gefunden haben, bleibt eines der wichtigsten Merkmale der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung des Nachbarlandes.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie man aus dieser unerwarteten tiefen politischen Krise herauskommen kann, die in den Beziehungen zwischen zwei füreinander wichtigen Ländern entstanden ist. Denn ungeachtet aller Kontroversen um die historische Erinnerung geht der Krieg der Ukraine gegen Russland weiter. Und wie wir sehen, brennt in Moskau niemand darauf, diesen Krieg in absehbarer Zukunft zu beenden.

Polen bleibt einer der wichtigsten Verbündeten der Ukraine für ihr Überleben in diesem langjährigen, endlos scheinenden Krieg. Und die Ukraine bleibt für Polen ein wichtiger Schutzschild für die eigene Sicherheit.

Denn wir verstehen, dass das Verschwinden des ukrainischen Staates von der politischen Landkarte der Welt nicht nur zu einer gewaltigen Migrationskrise führen würde, die die Entwicklungsperspektiven Polens unter sich begraben könnte, sondern auch die Existenz der polnischen Staatlichkeit selbst infrage stellen würde – in einer Situation, in der die überwiegende Mehrheit der europäischen Länder von Politikern geführt würde, die auf eine Verständigung mit Moskau setzen.

Wahrheit ist jedoch, dass es in Polen bereits eigene solche Politiker gibt. Gerade Vertreter des ultrarechten populistischen Lagers verbergen nicht, dass sie nicht Russland, das mehrmals einen Schlussstrich unter die polnische Staatlichkeit gezogen und die Existenz des polnischen Volkes infrage gestellt hat, als Hauptfeind Polens betrachten, sondern die Ukraine, die dem polnischen Staat heute zumindest die Möglichkeit gibt, sich auf eine Konfrontation mit dem aggressiven russischen Imperium vorzubereiten.

Damit bleibt die Frage der Verständigung die wichtigste Aufgabe für die Zukunft, selbst vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Spaltung. Zugleich können wir sehen, dass wir eine ukrainisch-polnische Verständigung noch lange nicht erleben werden, wenn wir den Weg der historischen Erinnerung weitergehen.

Ungeachtet dessen, dass die polnische Gesellschaft unterschiedlich auf die Entscheidung von Präsident Karol Nawrocki reagiert, seinem ukrainischen Amtskollegen einen polnischen Orden abzuerkennen, besteht im politischen Lager Polens – sei es das Lager von Nawrocki und Kaczyński oder das von Tusk – vollständiger Konsens darüber, dass die Benennung einer Militäreinheit nach der Ukrainischen Aufständischen Armee ein Fehler Volodymyr Zelenskys war. Es gibt jedoch keinen Konsens darüber, wie auf solche Handlungen reagiert werden sollte.

Praktisch niemand möchte anerkennen, dass Zelensky bei dieser Entscheidung überhaupt nicht darüber nachgedacht hat, welche Folgen sie für die ukrainisch-polnischen Beziehungen haben könnte, und dass er seine Entscheidung überhaupt nicht mit dem Dialog mit Warschau in Verbindung brachte.

Die überwiegende Mehrheit der Polen unterstützt Präsident Nawrocki in seiner Haltung gerade in der Frage der Benennung einer Militäreinheit nach der Ukrainischen Aufständischen Armee. Gleichzeitig besteht in der ukrainischen Gesellschaft Konsens darüber, dass die Ukraine selbst entscheiden muss, wie die historische Erinnerung des ukrainischen Volkes aussehen soll, und darüber, dass die Ukrainische Aufständische Armee eine nationale Befreiungskraft dieses Volkes war.

Die Ukrainer sind bereit, die Armee, die in einer wichtigen Phase ihres Bestehens sowohl gegen die Nationalsozialisten als auch gegen die Bolschewiki kämpfte, mit der polnischen Armia Krajowa zu vergleichen. Für Polen zeugt dies vor allem von einem mangelnden Verständnis der Sichtweise Warschaus auf die historische Erinnerung. Denn die Armia Krajowa ist aus polnischer Sicht die offizielle Armee eines zwar zerstörten, aber aufgrund der erhalten gebliebenen Exilinstitutionen weiter bestehenden polnischen Staatswesens. Die Ukrainische Aufständische Armee hingegen ist eine paramilitärische Formation, der man sowohl Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten als auch Separatismus vorwerfen kann.

Daher kann eine Verständigung über die historische Erinnerung als solche zwischen dem ukrainischen und dem polnischen Volk vielleicht erst dann erfolgen, wenn die Vertreter der Nachkriegsgenerationen, ihre Kinder und möglicherweise sogar ihre Enkel endgültig von der Bühne des Lebens abgetreten sind. Hier sollte man keine Verständigung erwarten und auch nicht danach suchen. Kein Dialog zwischen Historikern wird sie wiederherstellen. Das muss man einfach verstehen. Nur die Zeit heilt solche Wunden – und sehr viel Zeit.

Was also tun?

Vielleicht sollte man weniger über historische Erinnerung nachdenken als darüber, wie beide Länder in einer Welt überleben können, die für die sogenannten mittleren Staaten immer ungemütlicher wird, während Länder wie die Vereinigten Staaten von Amerika und die Russische Föderation nach einem Dialog über ihre eigene Sicht der Welt und ihre Rolle darin als Hegemonialmächte suchen.

Und alle Hoffnungen Polens darauf, dass die Vereinigten Staaten es vor Russland schützen könnten, könnten an der unerbittlichen Realität zerschellen – so wie vor unseren Augen derzeit die Hoffnungen des jüdischen Staates zerschellen.

Vielleicht wäre dies ein wirksames Heilmittel, wenn man in Warschau und auch in Kyiv die Unvermeidlichkeit der Existenz beider Staaten in einer Konfrontation mit Partnern begreifen würde, die auf die Stärkung ihrer eigenen Rolle hoffen. Vielleicht würde es helfen, wenn man sowohl in Warschau als auch in Kyiv verstehen würde, dass nur die Vereinigung der sogenannten mittleren Staaten ihnen und ihren Völkern überhaupt eine Existenzgarantie für die nahe Zukunft geben kann. 

Dann könnte man die Fragen der historischen Erinnerung tatsächlich den Historikern überlassen und den Politikern die Aufgabe, das Überleben ihrer Völker in der Zukunft zu sichern – im Bewusstsein, dass dieses Überleben keineswegs garantiert ist und heute niemand auch nur eine Hrywnja oder einen Złoty darauf setzen würde, dass sowohl die Ukraine als auch Polen in zehn oder fünfzehn Jahren noch unbedingt auf der politischen Landkarte der Welt existieren werden.

Ganz und gar nicht.

Und wenn wir tatsächlich von der Notwendigkeit des Überlebens ausgehen, dann würden die Handlungen von Politikern wie Karol Nawrocki, von Vertretern des rechtspopulistischen Lagers in Polen oder auch von jenen in der Ukraine, die heute von der Notwendigkeit sprechen, die Beziehungen zum engsten Verbündeten abzubrechen, dessen Zusammenarbeit für die ukrainische Handlungsfähigkeit in den kommenden Monaten und Jahren des schweren russisch-ukrainischen Krieges entscheidend ist, völlig anders aussehen – eines Krieges um die bloße Existenz der ukrainischen Staatlichkeit und Nation.

Gerade die Frage der Sicherheit und dieses Überlebens muss daher im Mittelpunkt der Beziehungen stehen, die wir zu unseren Nachbarstaaten aufbauen.

Die Türen der Ukraine stehen derzeit nur nach Westen offen. Nach Osten werden sie für viele Jahrzehnte des Bestehens des ukrainischen Staates und des ukrainischen Volkes verschlossen bleiben.

Von diesem Paradigma muss man ebenfalls ausgehen, wenn wir über die Zukunft der ukrainisch-polnischen Beziehungen und über die Suche der Ukraine nach Wegen zum eigenen Überleben sprechen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Зеленський кошмарить Навроцького|Виталий Портников. 22.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 22.06.2026.
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Nawrocki hat Zelensky den Orden entzogen | Vitaly Portnikov. 20.06.2026.

Der polnische Präsident Karol Nawrocki hat die Entscheidung getroffen, seinem ukrainischen Amtskollegen Volodymyr Zelensky den Orden des Weißen Adlers abzuerkennen.

Bekanntlich hatte Nawrocki zuvor darauf bestanden, dass Zelensky seine Entscheidung rückgängig macht, einer ukrainischen Militäreinheit den Ehrennamen der Helden der Ukrainischen Aufstandsarmee zu verleihen. Und es ist vollkommen offensichtlich, dass Zelensky – wie jeder andere Staatschef eines souveränen Staates – einem solchen Ultimatum nicht zustimmen konnte. Aus dem einfachen Grund, dass Entscheidungen über das historische Gedächtnis des ukrainischen Volkes in Kyiv und nicht in Warschau getroffen werden müssen. Und schon gar nicht unter äußerem Druck.

Die Entscheidung des polnischen Präsidenten wirkt jedoch vor allem wie ein unverantwortlicher populistischer Schritt, der nicht einmal in erster Linie auf eine Verschlechterung der ukrainisch-polnischen Beziehungen abzielt, sondern darauf, diese Beziehungen zu einem Thema der innenpolitischen Auseinandersetzung in Polen zu machen. Nicht zufällig betont Nawrocki, dass nun auch der polnische Ministerpräsident Donald Tusk seine Entscheidung über die Aberkennung des Ordens für den Präsidenten der Ukraine bestätigen müsse.

Man könnte sagen, dass der Streit zwischen den beiden politischen Lagern in Polen – wie schon seit vielen Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten – zu ernsthaften Herausforderungen nicht nur für die Beziehungen zwischen dem polnischen und dem ukrainischen Volk, sondern auch für die staatliche Entwicklung Polens selbst führt.

Die Entscheidung des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki, dem Präsidenten der Ukraine Volodymyr Zelensky den Orden des Weißen Adlers abzuerkennen, muss klar und eindeutig bewertet werden. Nicht nur als persönlicher Affront gegen das Oberhaupt eines Nachbarstaates, sondern auch als offensichtliche Respektlosigkeit gegenüber dem ukrainischen Volk.

Denn Nawrockis Vorgänger Andrzej Duda zeichnete mit der Verleihung des Ordens des Weißen Adlers an Volodymyr Zelensky in dessen Person das ukrainische Volk aus. So war es übrigens auch bei fast allen Vorgängern Zelenskys im Amt des ukrainischen Staatsoberhauptes: bei Leonid Krawtschuk, Leonid Kutschma, Wiktor Juschtschenko und Petro Poroschenko.

Doch heute hat diese Auszeichnung eine besondere Bedeutung, weil sie einem Volk verliehen wurde, dessen Land gegen einen brutalen Aggressor kämpft. Und dieser Aggressor verfolgte bekanntlich immer imperialistische Pläne nicht nur gegenüber der Ukraine, sondern auch gegenüber Polen. Er war mit diesen Plänen sogar erfolgreich, indem er die Existenz der polnischen Staatlichkeit selbst und die Möglichkeit ihrer unabhängigen Entwicklung auslöschte – so wie es nach dem Zweiten Weltkrieg geschah.

Im Lager der polnischen Rechten herrscht heute die Illusion, dass Warschau im Falle einer Niederlage Kyivs durch neue europäische und euro-atlantische Bündnisse gerettet würde – obwohl deren Belastbarkeit bereits durch den Nahostkonflikt und die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, israelische Interessen hintanzustellen, infrage gestellt wurde. Manche hoffen sogar, besondere Beziehungen zu Moskau aufbauen zu können – Hoffnungen, die ein Teil der polnischen Politik schon immer hegte und die das polnische Volk letztlich immer wieder unter das russische Joch führten.

Betrachtet man die Situation jedoch nicht aus der Perspektive jener, die weiterhin unrealistischen Wunschvorstellungen anhängen, wird deutlich, dass die Zukunft Polens vom Erfolg der Ukraine im Krieg gegen Russland abhängt. Ebenso wird klar, dass der wirksame Widerstand der Ukraine gegen die russische Aggression von der Unterstützung ihrer europäischen Verbündeten und vor allem Polens abhängt.

Wie also soll man aus der Situation herauskommen, die durch die unverantwortlichen Handlungen des polnischen Staatsoberhauptes geschaffen wurde?

  • Erstens muss man anerkennen, dass Warschau das volle Recht hat, seine eigene Bewertung historischer Erinnerung vorzunehmen. 

Niemand in Kyiv kann den Polen vorschreiben, wie sie die Armia Krajowa, die Ukrainische Aufstandsarmee oder irgendeine polnische oder ukrainische historische Persönlichkeit bewerten sollen. Aber ebenso muss man in Warschau akzeptieren, dass die Ukraine exakt dieselben Rechte besitzt. Und wenn jemand mit historischen Interpretationen unzufrieden ist, dann ist das eine Angelegenheit des Dialogs zwischen Wissenschaftlern und nicht von politischen Strafaktionen.

Die Außenministerien beider Staaten können ihre Einschätzungen zu Entscheidungen äußern, die die Verleihung von Auszeichnungen oder die Umbenennung militärischer Einheiten betreffen. Wenn jedoch Entscheidungen über die Aberkennung staatlicher Auszeichnungen getroffen werden, wirken sie weniger wie der Versuch, eine Position zur historischen Erinnerung auszudrücken, sondern vielmehr wie ein bewusster Versuch, die Beziehungen zu jenem Staat zu verschlechtern, gegen dessen Präsidenten sich solche Maßnahmen richten.

Schließlich gab es bisher keine Präzedenzfälle, in denen polnische Staatsoberhäupter den Orden des Weißen Adlers aberkannt hätten. Vorschläge dazu hatte es sowohl gegenüber dem ukrainischen Präsidenten Wiktor Juschtschenko als auch gegenüber Petro Poroschenko gegeben. Doch die Vorgänger Karol Nawrockis im Amt des polnischen Präsidenten erwiesen sich schlicht als verantwortungsbewusste Staatsmänner. Zudem gab es bislang überhaupt keinen Fall, in dem einem Staatsoberhaupt, das den Orden des Weißen Adlers erhalten hatte, diese Auszeichnung wieder entzogen wurde.

Die Liste der Träger dieses Ordens ist gut bekannt. Aber erstens hielt niemand es für notwendig, historische Entscheidungen der Vergangenheit zu revidieren. Und zweitens war man offenbar der Ansicht, dass die Auszeichnung eines Politikers – selbst eines so umstrittenen wie des faschistischen italienischen Regierungschefs Benito Mussolini – in erster Linie dem Respekt gegenüber dem Staat und nicht gegenüber der konkreten Person galt.

Warum hat diese einfache Überlegung im Fall Volodymyr Zelenskys nicht funktioniert?

Nun, vielleicht deshalb, weil der polnische Präsident weiterhin in Wahlkampf- und Nachwahlkategorien denkt und nicht in Kategorien staatlicher Verantwortung.

  • Zweitens muss man sich bewusst machen, dass es sowohl in der ukrainischen als auch in der polnischen Gesellschaft Millionen von Menschen gibt, die sich eine Fortsetzung enger Beziehungen zwischen der Ukraine und Polen, zwischen dem ukrainischen und dem polnischen Volk wünschen.

Die Hilfe, die Polen der Ukraine in den ersten Monaten und Jahren des russisch-ukrainischen Krieges geleistet hat, war ein offensichtlicher Ausdruck eben dieses Volksgeistes und nicht das Ergebnis unverantwortlicher Politiker, die schwierige Kapitel der Geschichte beider Völker für ihren eigenen politischen Erfolg ausnutzen.

Genau dieser gesellschaftliche Dialog muss das Hauptziel der weiteren Entwicklung der Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten sein, deren Existenz auf der politischen Landkarte der Welt angesichts der gefährlichen Entwicklungen, die wir in Europa beobachten, keineswegs selbstverständlich ist.

Gerade die Gesellschaften der Ukraine und Polens müssen ihren politischen Vertretern zeigen, dass es notwendig ist, nicht nach Wegen zu suchen, die einen Graben zwischen dem ukrainischen und dem polnischen Volk schaffen, sondern nach Wegen der Annäherung.

Und aus dieser Perspektive ist es natürlich sehr wichtig, dass Politiker, die historische Probleme in Instrumente ihrer eigenen politischen Kampagnen verwandeln wollen und deren Aktionen mit jeder Aberkennung eines Ordens oder jeder lautstarken Rede zunehmen, keinen Platz in den ernsthaften Amtsstuben haben sollten, in denen wichtige Entscheidungen getroffen werden.

Das ist natürlich keine Aufgabe eines Tages oder eines Jahres. Doch ein Modell, in dem besonnene Menschen Entscheidungen treffen, die ihre Staaten und Völker vor dem Verschwinden, vor militärischen Prüfungen und Tragödien bewahren sollen, muss das Wesen der Beziehungen zwischen der Ukraine und Polen in den kommenden stürmischen und möglicherweise kriegerischen Jahrzehnten voller Herausforderungen sein.

Dass man dies in Warschau nicht begreift, ist eine große Tragödie für das polnische Volk.

Dass man dies erst jetzt in Kyiv zu begreifen beginnt, könnte vielleicht das größte Kapital für unseren Beitrag zu den ukrainisch-polnischen Beziehungen in den kommenden schwierigen Zeiten sein.

Jetzt gilt es, mit aller Klarheit die Bereitschaft zu zeigen, die ukrainisch-polnischen Beziehungen weiterzuentwickeln, ohne Bedingungen zu schaffen, unter denen die Ukraine in diesen Beziehungen gedemütigt werden kann, indem man die schwierige Lage unseres Staates infolge des jahrelangen Krieges mit Russland ausnutzt.

Und man sollte auf jene Menschen setzen, die verstehen, dass Demütigung im bilateralen Dialog nicht nur der Ukraine schadet, sondern vor allem Polen selbst.


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Titel des Originals: Навроцький відібрав орден у Зеленського |Віталій Портников. 20.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 20.06.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Der G7-Gipfel und der Krieg in der Ukraine: Das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 17.06.2026.

Die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten, die sich in Évian zu einem Gipfeltreffen mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump, dem Präsidenten Frankreichs Emmanuel Macron, dem britischen Premierminister Keir Starmer, dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz und weiteren Spitzenpolitikern versammelt hatten, verabschiedeten die Abschlusserklärung dieses Treffens, in der den Fragen der Unterstützung der Ukraine breiter Raum eingeräumt wurde.

Bekanntlich hielten die Teilnehmer des G7-Gipfels eine Sondersitzung ab, zu der der Präsident der Ukraine Volodymyr Zelensky eingeladen war. Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump führte zudem während des Gipfels ein kurzes Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten.

In der gemeinsamen Erklärung der G7-Staats- und Regierungschefs wird daher betont, dass sie die Ukraine in ihrem Kampf gegen die russische Aggression unterstützen, bereit sind, die Lieferung von Luftverteidigungssystemen und anderer für die Ukraine notwendiger Waffen zu erhöhen, sowie die Frage der Lizenzvergabe für die Produktion westlicher Waffen durch den ukrainischen militärisch-industriellen Komplex zu prüfen.

Die Teilnehmer dieses Treffens versprechen außerdem, der Ukraine bei der Bewältigung ihrer Energieprobleme zu helfen, damit das Land den kommenden Winter übersteht. Sie kündigen an, den Druck auf die Russische Föderation zu verstärken, unter anderem durch eine Verschärfung der Energiesanktionen gegen Moskau.

In diesem Zusammenhang wird erwähnt, dass dieser energiewirtschaftliche Druck nun infolge einer möglichen Öffnung der Straße von Hormus aufgrund der zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran erzielten Vereinbarungen noch zunehmen könnte.

Natürlich handelt es sich bislang lediglich um eine Erklärung, die noch durch keinerlei konkrete Maßnahmen untermauert wird. Um jedoch die Bedeutung dieses Dokuments zu verstehen, möchte ich daran erinnern, dass Donald Trump den vorherigen G7-Gipfel vorzeitig verlassen hatte, ohne einen offensichtlichen Grund, seine Gespräche mit den übrigen Mitgliedern dieses prestigeträchtigen Klubs der am weitesten entwickelten Volkswirtschaften der Welt abzubrechen.

Damals wurden von den Vereinigten Staaten keinerlei gemeinsame Erklärungen zur Unterstützung der Ukraine in Betracht gezogen. Entsprechend finden sich in der Abschlusserklärung des vorherigen Gipfels keine derartigen Formulierungen zur Unterstützung der Ukraine.

Darüber hinaus möchte ich daran erinnern, dass die Vereinigten Staaten bei Sitzungen der Generalversammlung der Vereinten Nationen wiederholt für von der Russischen Föderation eingebrachte Resolutionen gestimmt haben, wenn es um die russische Aggression gegen die Ukraine ging.

Nun sehen wir jedoch, dass sich der Präsident der Vereinigten Staaten eher der Position seiner westlichen Verbündeten hinsichtlich des russisch-ukrainischen Krieges annähert. Es ist wichtig zu verstehen, warum dies geschieht und welche weiteren Schritte folgen könnten.

Warum? Die Antwort ist recht einfach.

Dies hängt mit einer erheblichen Schwächung der Positionen der Vereinigten Staaten und Donald Trumps selbst auf der internationalen Bühne zusammen. Trump versteht sehr wohl die Resonanz, die die Veröffentlichung des offiziellen Memorandums ausgelöst hat, das die Vereinigten Staaten mit dem Iran abgestimmt haben, ebenso wie das weltweite Verständnis der Tatsache, dass Washington in der Konfrontation mit Teheran Zugeständnisse machen musste, damit die Straße von Hormus geöffnet wird und die Kraftstoffpreise an amerikanischen Tankstellen sinken können.

Das ist eine ernsthafte außenpolitische Niederlage für Trump. Und nun braucht er seine westlichen Verbündeten mehr, als diese ihn brauchen.

Andererseits ist diese Schwäche der Vereinigten Staaten auch für den Präsidenten der Russischen Föderation Putin und den Vorsitzenden der Volksrepublik China Xi Jinping offensichtlich.

Daher könnte der Druck auf Russland, selbst im Energiebereich, auf die Überzeugung der Russischen Föderation treffen, dass nur Erpressung im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten einem Staat wie Russland ermöglichen kann, seine gewünschten Ziele zu erreichen.

In diesem Zusammenhang nach Möglichkeiten zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu suchen, wird nicht einfach sein.

Natürlich ist es für uns wichtig, dass die Vereinigten Staaten ihre Energiesanktionen gegen die Russische Föderation wieder verschärfen. Gerade in diesen Tagen läuft die Gültigkeit einer weiteren Lizenz aus, die die Amerikaner den Russen für den Verkauf ihres Öls und die Auffüllung ihres Staatshaushalts zur Finanzierung des weiteren Krieges gegen unser Land gewährt hatten.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die Vereinigten Staaten nun, nach der Unterzeichnung dieser Erklärung und vor dem Hintergrund der Erwartungen hinsichtlich der Öffnung der Straße von Hormus, keine neue Lizenz mehr erteilen werden.

Dann würde der Verkauf russischen Öls weiterhin über die Tanker der Schattenflotte abgewickelt werden. Und hier hängt vieles von den konkreten Maßnahmen der westlichen Staaten ab, die Möglichkeiten Russlands für diesen Handel einzuschränken, der auch ohne jegliche Lizenzen fortgesetzt wird.

Und natürlich wird vieles von den tatsächlichen Möglichkeiten der Ukraine abhängen, die russische Ölverarbeitung und vor allem die russischen Ölhäfen zu zerstören, über die derzeit Öl in Rekordmengen in die Länder des Globalen Südens exportiert wird und die Russland enorme Gewinne sichern.

Darüber hinaus wäre die Bereitschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten, das Gesetz zu unterzeichnen, das bereits vom Repräsentantenhaus des amerikanischen Kongresses verabschiedet wurde und die amerikanische Unterstützung für die Ukraine wiederherstellen soll, ein konkreter Beweis für die Ernsthaftigkeit der Unterstützung der Ukraine.

Dieses Gesetz wird derzeit im Senat beraten.

Wenn Trump es wünscht, kann der Vorsitzende der republikanischen Mehrheit im Senat, Senator Thune, den Gesetzentwurf zur Abstimmung stellen. Es ist offensichtlich, dass die Mehrheit der Senatoren dafür stimmen würde, und Trump hätte dann die Möglichkeit, das Gesetz zu unterzeichnen.

Doch auch auf dem Gipfel in Évian prahlte Trump damit, dass die Vereinigten Staaten keinen einzigen Dollar mehr für die Unterstützung der Ukraine ausgeben.

Wir wissen nicht, ob er seine Position ändern wird, wonach die Vereinigten Staaten der Ukraine im russisch-ukrainischen Krieg nicht helfen sollten, nachdem er der Erklärung des G7-Gipfels zugestimmt hat.

Denn Worte sind Worte, Geld ist Geld.

Wir verstehen jedoch sehr gut, dass man einen Krieg nicht allein mit Worten gewinnen kann und dass man einen Staat, der sich gegen die Aggression eines Landes wie der Russischen Föderation verteidigen will, nicht allein mit Worten unterstützen kann.

Allein die Tatsache, dass die Erklärung des G7-Gipfels verabschiedet wurde, ist bereits ein großer diplomatischer Erfolg.

Nun bleibt nur noch zu beobachten, ob dieser diplomatische Erfolg tatsächlich durch konkrete Maßnahmen der Verbündeten der Ukraine, vor allem der Vereinigten Staaten, untermauert wird oder ob er lediglich ein Zeugnis dafür bleibt, dass der durch die Nahostkrise geschwächte Trump bereit war, seinen westlichen Kollegen und dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky zumindest rhetorisch zuzustimmen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Саміт «сімки» і війна в Україні: головне |Віталій Портников. 17.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 17.06.2026.
Originalsprache: uk/
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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