Trump droht der Ukraine | Vitaly Portnikov. 12.10.2026.

Einen Tag nach dem skandalösen Telefongespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und den Vereinbarungen über die Lieferung russischen Diesels auf den Weltmarkt wurde bekannt, dass amerikanische Beamte der Ukraine weiterhin mit der Einstellung der Hilfe drohen, falls unser Land seine Angriffe auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation nicht einstellt.

In der Financial Times erschien die Information, dass amerikanische Beamte sowohl in Kyiv als auch in europäischen Hauptstädten angerufen und damit gedroht hätten, das Programm zur militärischen Unterstützung der Ukraine mit europäischen Geldern, das PURL-Programm, sowie den Austausch von Geheimdienstinformationen mit der Ukraine einzustellen, falls die Angriffe auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation nicht aufhören. Gleichzeitig verkündete Donald Trump, dass Russland und die Ukraine eine Waffenruhe im Energiebereich erreicht hätten. Von dieser Nachricht wusste man weder in Kyiv noch in Moskau etwas.

Unmittelbar nach dieser Mitteilung des amerikanischen Präsidenten erklärte der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky, dass die Ukraine dies als gute Nachricht betrachte und Russlands Zustimmung zu einer solchen Waffenruhe im Energiebereich erwarte, denn die Ukraine stimme ihr zu. Aus Russland gab es überhaupt keine Kommentare zu einer solchen Waffenruhe im Energiebereich. Es ist offensichtlich, dass Donald Trumps Mitteilung den Kreml völlig überrascht hat und Putin höchstwahrscheinlich die erneuten Äußerungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten, die nicht der Realität entsprechen, einfach ignorieren wird.

Nachdem Trump verkündet hatte, dass eine Waffenruhe im Energiebereich erreicht worden sei, griffen russische Truppen das Heizkraftwerk Nummer 5 in Charkiw an. Damit demonstrierten sie erneut die tatsächliche Haltung des Präsidenten der Russischen Föderation zum Gerede seines amerikanischen Kollegen. Überhaupt zeigen die Ereignisse der letzten Tage, Freunde, dass wir in einer Welt einer allgegenwärtigen, grellen, offensichtlichen Schizophrenie leben.

Und die beste Illustration dieser Schizophrenie ist, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten vor seinen Anhängern auftritt und ihnen verspricht, den Atlantischen oder den Pazifischen Ozean in „Ozean Amerikas“ oder, noch besser, in „Ozean Trumps“ umzubenennen. Und wir sollen diese Reden nicht als Ausdruck eines gewissen Wahnsinns betrachten, eines medizinischen und nicht politischen Wahnsinns, sondern als politische Wahlkampfslogans, die Donald Trump braucht, um die Haltung gegenüber der Republikanischen Partei zu verbessern, der infolge seiner Tätigkeit als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika eine vernichtende Niederlage droht.

Alles, was wir sehen, wirkt schizophren. Anders kann man das nicht interpretieren. Der Präsident der Vereinigten Staaten unterzeichnet demonstrativ, vielleicht ohne große Freude, aber demonstrativ, das Graham-Gesetz, das den fünf Ländern, die die größten Mengen russischer Energieträger kaufen, also Erdöl, Erdölprodukte einschließlich Diesel und Gas, mit Sanktionen droht. Donald Trump selbst bezeichnet dieses Gesetz als ein wichtiges Gesetz, das alle an seinen verstorbenen Mitstreiter Lindsey Graham erinnern soll, mit dem er ein Jahr lang über die wichtigsten Bestimmungen dieses Gesetzes diskutiert hatte.

Nicht einmal wenige Wochen vergehen, da vereinbart der Präsident der Vereinigten Staaten mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, dass Russland eine geringe Menge Dieselkraftstoff auf den Markt liefern wird, die die Situation auf diesem Markt nicht einmal um ein Jota verändern kann. Und das, obwohl ein Gesetz der Vereinigten Staaten aus dem Jahr 2022 den Vereinigten Staaten selbst verbietet, Dieselkraftstoff, irgendwelche anderen Erdölprodukte und Energieprodukte aus der Russischen Föderation zu kaufen. Trump lobt Russland dafür, dass es erhebliche Mengen Erdöl auf den Weltmarkt liefert. Gleichzeitig muss er bis zum 28. Oktober Maßnahmen ergreifen, um jene Länder zu bestrafen, die diese erheblichen Mengen Erdöl kaufen, und zwar gemäß demselben Gesetz, das er eigenhändig unterzeichnet hat.

Wie passt das eine zum anderen? Wie kann man ein Gesetz unterzeichnen, das Strafmaßnahmen gegen Länder vorsieht, die Erdöl aus der Russischen Föderation kaufen, und Strafmaßnahmen gegen die Wirtschaft der Russischen Föderation selbst? Und gleichzeitig mit dem Präsidenten der Russischen Föderation über den Verkauf von Diesel verhandeln und sich darüber freuen, dass die Russische Föderation erhebliche Mengen Erdöl auf den Markt liefert, während westliche Länder Jagd auf Schiffe der Russischen Föderation machen, die dieses Erdöl transportieren, diese Schiffe anhalten und ihnen nicht erlauben, dieses Erdöl zu befördern? Wie soll man das eine mit dem anderen in Einklang bringen?

Nun zu den Preisen. Die Anhänger Donald Trumps wiederholen bis heute, ich sehe das in den sozialen Netzwerken, völligen Unsinn darüber, dass das Auftauchen billigen russischen Diesels auf dem amerikanischen Markt die Preissituation verändern und amerikanischen Landwirten helfen könne. Amerika selbst exportiert unterdessen jeden Monat sechs Millionen Tonnen Dieselkraftstoff aus dem eigenen Land. Ich habe das schon mehrfach gesagt. Sechs Millionen Tonnen. Welche Bedeutung kann es auf dem Markt eines Landes, das monatlich sechs Millionen Tonnen exportiert, haben, wenn es von einem anderen Land 300.000 Tonnen kauft? Dann kann man seine eigenen 300.000 Tonnen eben noch dazurechnen. Es gibt also die Vorstellung, dass diese 300.000 Tonnen, wenn sie irgendwie trotz aller Gesetze der Vereinigten Staaten von Amerika auf den amerikanischen Markt gelangen, aus irgendeinem unerfindlichen Grund billiger sein werden als jene Millionen Tonnen Dieselkraftstoff aus amerikanischer Produktion, die Amerika selbst verbraucht. Aber wie können 300.000 Tonnen mit drei, vier, ich weiß nicht wie vielen Millionen Tonnen des eigenen Verbrauchs konkurrieren? Sie werden sich darin doch auflösen wie Zucker im Tee. Auch das ist, wie mir scheint, eine sehr gute Frage.

Viele sagen, Trump versuche einfach, Angriffe auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation zu verhindern, und habe gerade deshalb dieses Geschäft mit diesen Tonnen Dieselkraftstoff und dieser Waffenruhe im Energiebereich erfunden. Wozu? Was ändert sich, wenn beispielsweise die Erdölraffinerien der Russischen Föderation auf Hochtouren arbeiten? Stellen wir uns vor, Russland könnte nicht 300.000 Tonnen Dieselkraftstoff exportieren, sondern drei Millionen Tonnen. Obwohl ich erneut daran erinnern möchte, dass es dies nur durch Schmuggel tun kann, weil Amerika selbst Sanktionen gegen Russland verhängt hat, die allerdings jetzt für ein halbes Jahr aufgehoben wurden.

Ja, der russische Staatshaushalt würde dadurch offensichtlich gewaltige Einnahmen erzielen. Das stimmt. Aber das würde nicht zu einem niedrigeren Dieselpreis führen. Denn der Dieselpreis hängt vom Erdölpreis ab. Erdöl ist wegen der Blockade der Straße von Hormus teuer. Durch die Straße von Hormus fahren Schiffe, die sämtliche Sicherheitsanforderungen für die Durchfahrt durch einen so gefährlichen Ort erfüllen. Sie zahlen höhere Versicherungsprämien und schließen andere Vereinbarungen über den Gütertransport ab. Deshalb wird durch die Straße von Hormus teures Erdöl transportiert. Und deshalb sind entsprechend dem Preis dieses Erdöls auf dem Markt auch die Erdölprodukte so teuer, sowohl Benzin als auch Dieselkraftstoff, auch an den Tankstellen in den Vereinigten Staaten.

Wenn die Ukraine aufhört, die Erdölraffinerien der Russischen Föderation anzugreifen, wird in Russland der Benzinmangel verschwinden, und Russland wird mehr Möglichkeiten haben, überschüssigen Dieselkraftstoff zu verkaufen. Aber dadurch wird der Preis nicht sinken. Nun, vielleicht werden auf dem russischen Binnenmarkt die Preise für Benzin und Diesel niedriger sein, aber Russland wird zu den Preisen verkaufen, die an den Weltbörsen gelten. Warum sollte es anders handeln? Oder es wird Erdöl durch Schmuggel an die Volksrepublik China und Indien verkaufen, wie es das bisher getan hat. Aber dabei geht es nicht um Erdölprodukte. Gerade jetzt verkauft Russland mehr von seinem Erdöl als früher, weil eine gewaltige Menge Erdöl nicht in seine Raffinerien gelangt und deshalb aufs Meer hinausgebracht wird, um dieses Erdöl zu verkaufen, sobald sich eine Möglichkeit ergibt.

Ich erinnere Sie an die Zeit des Irankrieges. Damals erlaubte das Finanzministerium der Vereinigten Staaten angesichts der vollständigen Blockade der Straße von Hormus Indien, größere Mengen nicht von Erdölprodukten, sondern von russischem Rohöl von jenen Schiffen zu kaufen, die sich auf See befanden, um den Erdölmangel zu überwinden. Denn Indien brauchte damals ganz konkret Rohöl für seine Raffinerien, die nicht ausgelastet waren und wegen des Mangels an Rohstoffen unter einem Mangel an Erdölprodukten litten. Und ja, offensichtlich kaufte Indien russisches Erdöl zu einem niedrigeren Preis als dem damaligen Weltmarktpreis, aber immer noch zu einem wesentlich höheren Preis als dem, zu dem russisches Erdöl vor Beginn des Krieges im Iran verkauft worden war.

Und Präsident Zelensky hat vollkommen recht, wenn er sagt, dass man mit den Menschen in der Sprache der Wahrheit sprechen muss, dass die gesamte Energiesituation auf dem Markt nichts mit der Ukraine und nichts mit den ukrainischen Angriffen auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation zu tun hat. Nein, sie hängt ausschließlich mit der mangelnden Durchdachtheit und der Inkompetenz jener Menschen zusammen, die die Operation gegen den Iran geplant haben und die sich, genau so ist es, als völlige Idioten erwiesen haben, ebenso wie jene Menschen, die den Krieg gegen die Ukraine geplant haben und nicht in der Lage sind, dies einzugestehen. Im Grunde keiner von ihnen.

Heute habe ich wieder einmal ein Propagandavideo des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu gesehen, eines der politisch Hauptverantwortlichen dafür, dass im Iran alles so verlaufen ist, wie es verlaufen ist, und dass Israel hinsichtlich seiner Sicherheit angesichts der neuen hochtechnologischen Errungenschaften Russlands und damit auch seiner Verbündeten jetzt vor den größten Problemen seit der Gründung des jüdischen Staates steht. Denn wir wissen nicht, was mit Israel geschehen wird, wenn es von strahlgetriebenen Drohnen aus dem Iran angegriffen wird. Diese Waffenruhe wird früher oder später enden. Und Netanjahu, der den jüdischen Staat in diese, wie ich sagen würde, unglaublichen Schwierigkeiten gebracht hat, kämpft gegen seine Gegner, indem er sagt: Sehen Sie, einer von ihnen, Yair Golan, der als Kandidat für Ministerposten in einer neuen Regierung gilt, die möglicherweise gebildet werden kann, wenn Benjamin Netanjahus Partei Likud und ihre ultrarechten Verbündeten bei den kommenden Parlamentswahlen in Israel eine Niederlage erleiden, sagt, dass die Tötung von Ajatollah Chamenei ein Fehler gewesen sei. „Sehen Sie, diese Menschen sind Anhänger unserer Feinde.“ Aber Yair Golan sagt das, was die Mehrheit der internationalen Analysten sagt: Nach der Tötung von Ajatollah Chamenei ist das iranische Regime nicht zusammengebrochen, wie Netanjahu gehofft hatte und wovon er auch den noch inkompetenteren Trump zu überzeugen versuchte. Und jetzt existiert das Regime weiter, aber es gibt nicht einmal mehr ein Zentrum, das irgendetwas entscheidet. Es ist unklar, mit wem man verhandeln soll. Und darüber hat Trump mehrfach gesprochen.

Und die Situation befindet sich in einer absoluten Sackgasse. Man kann den Iran nicht besiegen. Man kann sich mit ihm nicht einigen. Man kann nur dasitzen und darauf warten, dass der Vulkan ausbricht. Und gleichzeitig klammern sich die Menschen, die das alles organisiert haben, an die Macht und sind nicht einmal in der Lage, ihre Fehler zu überdenken. Denn die Wette darauf, dass „wir Chamenei töten und das Regime zusammenbricht“, hat sich als eine Wette erwiesen, die genau das Gegenteil bewirkte. Das Regime hat sich radikalisiert, ist erhalten geblieben und bereitet neue Verbrechen vor. Und es gibt keinen Führer des Regimes, mit dem man wenigstens irgendeinen Dialog führen könnte.

Und wir sprechen oft darüber, wie gefährlich Inkompetenz in der Politik ist. Darüber spreche ich seit 2019. „Sehen Sie, wir haben solche Probleme. Inkompetenz in der Politik, Zerstörung der staatlichen Verwaltung. Und warum das alles? Weil man einen ehemaligen Fernsehschauspieler zum Präsidenten des Landes gewählt hat.“ Nun gut. Hier haben wir eine Alternative, den Berufspolitiker Benjamin Netanjahu. Er war sein ganzes Leben lang Politiker, hat sich ausschließlich mit Politik beschäftigt. Davor diente er in den israelischen Verteidigungsstreitkräften, stammt aus der Familie eines ehemaligen Assistenten von Ze’ev Jabotinsky, einem der Begründer der zionistischen Ideologie. Er bekleidete verschiedene Ministerämter und kämpfte in der Likud-Partei um die Macht. Alle Rezepte, die ich nenne, wirklich alle dafür, wie man eine professionelle Staatsführung bekommt, finden sich in Benjamin Netanjahus Biografie. Wie konnte es dann geschehen, dass Israel in Wirklichkeit von einer völlig inkompetenten Regierung aus Profis, aus Politikern, wie ich immer sage, regiert wird? Widerlegt das etwa alles, was ich Ihnen die ganze Zeit erzähle?

Nehmen wir die israelische Politik und fragen wir: „Wie kann das sein? Alles, was Sie empfohlen haben, wird dort praktisch umgesetzt – sämtliche von Ihnen verschriebenen Mittel kommen zum Einsatz, aber die Situation ist das genaue Gegenteil Ihrer Erzählungen darüber, wie Berufspolitiker einen Staat führen.“ Und ich kann Ihnen diese Frage beantworten. Ein Berufspolitiker muss auch an seine politischen Perspektiven denken und nicht daran, dass er ins Gefängnis kommen könnte, wenn er die Macht verliert. Sämtliche politischen Instinkte des erfahrenen Benjamin Netanjahu sind in den letzten Jahren ausschließlich dem Wunsch untergeordnet, nicht in einer Gefängniszelle zu landen, in der sich bereits sein Vorgänger im Amt des Ministerpräsidenten, Olmert, befand und in der auch der ehemalige israelische Präsident Katzav saß. Das heißt, die israelische Justiz hat bereits bewiesen, dass sie einen Ministerpräsidenten ins Gefängnis bringen kann, wenn seine Schuld nachgewiesen wird. Und nichts wird diese Justiz daran hindern, das zu tun.

Und Netanjahu will nicht ins Gefängnis, will nicht die Zerstörung seiner politischen Karriere, will nicht die Zerstörung des normalen Lebens seiner Familie. Und seine gesamte Tätigkeit ist nicht den Interessen der nationalen Sicherheit des Staates Israel untergeordnet, sondern dem Interesse an seiner eigenen Freiheit. Und die Interessen seiner eigenen Freiheit werden als nationale Interessen des Staates Israel ausgegeben. Und die Gesellschaft hat das akzeptiert, zumindest jener Teil, der ihn wählt. Und auf diese Weise ist man in einer absoluten Sicherheitswüste gelandet.

Die Vereinigten Staaten von Amerika. Donald Trump musste in den vier Jahren zwischen seinen Präsidentschaften vor Gericht erscheinen und Auskünfte geben. Er wurde verhaftet, wenn auch nur für einige Stunden. Aber wie erniedrigend ist es für einen Menschen, der immer einen erfolgreichen Geschäftsmann und herausragenden Präsidenten gespielt hat, vor den Augen des ganzen Landes als Krimineller dazustehen. Und jetzt ist seine gesamte Tätigkeit darauf ausgerichtet, erstens zu verhindern, dass sich so etwas jemals wiederholt, jede Möglichkeit einer Inhaftierung oder einer Wiederaufnahme der Gerichtsverfahren gegen ihn auszuschließen – denn auch die amerikanische Justiz hat mehrfach bewiesen, wozu sie fähig ist – und zweitens, sich zu bereichern.

Und deshalb ist Trumps Präsidentschaft keine Präsidentschaft, Netanjahus Amtsführung als Ministerpräsident keine wirkliche Amtsführung als Ministerpräsident. Keine Professionalität kann irgendetwas retten, wenn man ständig eine Gefängniszelle vor Augen hat. Und übrigens nähern wir uns in der Ukraine ebenfalls dieser Situation, wenn nicht beim Präsidenten Zelensky, gegen den bekanntlich niemals offiziell irgendwelche Anschuldigungen erhoben wurden, zumindest nicht öffentlich, dann doch bei einer gewaltigen Zahl von Führungspersonen des ukrainischen Staates. Hören Sie, wenn bei uns der Generalstaatsanwalt im Grunde nach Österreich geflohen ist und dort nach Möglichkeiten sucht, politisches Asyl zu erhalten. Wenn sich bei uns machtnahestehende Personen im selben Israel verstecken, dann können Sie sich vorstellen, welche Atmosphäre tatsächlich in den Machtstrukturen herrscht, wenn niemand weiß, welche Aufzeichnungen die nationalen Antikorruptionsbehörden besitzen und was morgen veröffentlicht wird. Und wieder stellt sich heraus, dass eine gewaltige Zahl von Menschen nach demselben Muster nicht darüber nachdenkt, wie die Ukraine diesen Krieg überleben kann, sondern darüber, wie sie selbst nicht hinter Gittern landen. Auch das ist sehr gefährlich.

Deshalb denke ich, dass man in dieser Situation die Platte irgendwie wechseln muss: weg von der Notwendigkeit einer professionellen Führung des Landes, hin zur Bedeutung einer ehrlichen Führung des Landes. Auch das ist, wie sich herausstellt, eine notwendige Voraussetzung dafür, dass sich nicht eine gewaltige Zahl von Menschen als Geiseln ihres künftigen, praktisch unvermeidlichen Untergangs infolge solcher Manöver fühlen muss. Denn wir alle, ob in der Ukraine, in Israel oder in den Vereinigten Staaten, werden zu Geiseln fremder Gefängniszellen, des Wunsches anderer Menschen, nicht in diesen Gefängniszellen zu landen. Darin liegt das Wesen dieses Augenblicks.

Kehren wir zu Zelensky zurück. Zelensky antwortete Donald Trump, dass er bereit sei, innerhalb von 60 Tagen Präsidentschaftswahlen in der Ukraine abzuhalten, ich verstehe nicht so recht, wie sich das mit der ukrainischen Gesetzgebung vereinbaren lässt, falls Donald Trump von Putin eine Waffenruhe erreichen kann. Ich halte das für eine gute Antwort. Dem Präsidenten der Russischen Föderation ist es vollkommen egal, was der Präsident der Vereinigten Staaten sagt. Einfach vollkommen egal. Auch eine 60-tägige Waffenruhe mit der Ukraine, damit die Ukraine Wahlen durchführen kann, interessiert ihn nicht. Er braucht keinerlei Wahlen in der Ukraine. Er muss die Ukraine zerstören, und auch eine Waffenruhe im Energiebereich in der Ukraine ist ihm völlig egal. Und Zelensky befindet sich in einer guten Situation, denn es wird erneut demonstriert werden, dass Donald Trump für keines seiner Worte, die er dort äußert, einsteht.

Aber das Problem liegt nicht darin. Nicht in Zelenskys guter Situation. Das Problem ist, dass Donald Trump in seiner eigenen Welt lebt, in der nur das wahr ist, was er selbst sagt. Am Ufer des Trump-Ozeans. Es würde mich nicht überraschen, wenn Trump aufwacht. Das wird schon bald sein, bald ist Montag. Und wie spät ist es jetzt bei uns? In den Vereinigten Staaten von Amerika beginnt bald der Tag. Also, wenn er dann sagt, dass die Ukraine die Waffenruhe im Energiebereich nicht vereinbaren wolle, dass sie die Erdölraffinerien der Russischen Föderation angreife, während Putin den Krieg unbedingt beenden wolle. Genau das hat er ja heute Morgen gesagt, an unserem Morgen, dass Zelensky aus irgendeinem Grund keinerlei Vereinbarungen schließen wolle, während Putin den Krieg unbedingt beenden wolle.

Was soll die Ukraine in dieser Situation tun? Nun, erstens darf sie nicht alles, was Trump sagt, für bare Münze nehmen. Zweitens darf sie nicht versuchen, sich danach zu richten. Denn was erwartet Trump im Grunde von uns? Er verkündet eine Waffenruhe im Energiebereich. Russland zerstört weiterhin unsere Energieversorgung. Wir rühren Russland nicht an. Das heißt, wir kehren zum vergangenen Winter zurück, der für Putin so bequem war, als er mit uns machen konnte, was er wollte. Und jetzt hat er noch mehr Möglichkeiten, weil er das ballistische Zeitfenster nutzt und strahlgetriebene Drohnen einsetzt, während wir einfach zusehen, was er bei uns noch zerstört. Das wäre dann eine vollständige Katastrophe, die keine amerikanische Hilfe wert ist.

Ja, der Austausch von Geheimdienstinformationen ist ein großes Problem. Dann müssen wir darüber nachdenken, wie wir diese Geheimdienstinformationen von anderen Satelliten erhalten können. Denn wenn wir Trumps Bedingungen akzeptieren, erfüllen wir faktisch seinen gemeinsamen Wunsch mit Putin, dass sie uns beide zusammen vernichten, dass es uns nicht mehr gibt und sie ihre Geschäfte betreiben können. Man muss Trump nicht öffentlich antworten, dass das alles völliger Unsinn und eine völlige Erniedrigung ist, aber man darf nicht so handeln, wie er es will. Man muss ihm so antworten, wie Putin ihm antwortet: indem man leeres Gerede ignoriert, wenn es nicht durch Taten bestätigt wird. Wenn wir zugrunde gehen, während Trump Lukoil-Aktien kauft, wird daraus nichts Gutes entstehen.

Der zweite Punkt: Man muss verstehen, dass dies die Wahlkampfhysterie des Anführers der amerikanischen Ultrarechten ist, der auf sein politisches Fiasko zusteuert und alles versucht, um dieses Fiasko zu verhindern. Er weiß nicht mehr, was er noch anstellen soll, und könnte im Grunde sogar einen Bürgerkrieg in den Vereinigten Staaten auslösen, wenn er das Ergebnis der Kongresswahlen nicht anerkennt. Und das ist durchaus möglich, denn ein Mensch, der nicht ins Gefängnis gehen will, könnte bereit sein, sein eigenes Land zu zerstören, nur um in Freiheit zu bleiben. Auch das muss man verstehen, wie sehr die Präsidentschaft Trumps als solche die Vereinigten Staaten bedroht. Das ist der zweite Punkt.

Der dritte Punkt: Man muss die Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern verstärken. Was wir jetzt sehen, diese Konsultationen Zelenskys mit den Europäern, ist eine sehr wichtige Sache. Denn wenn man in der Illusion lebt, Trump werde sich für uns mit Putin einigen, kann man einfach sterben, ohne die Realität überhaupt zu bemerken. Vielleicht ist das für manche Menschen, die jetzt diese Partei der elektoralen Kollaboration anführen, von Vorteil, weil sie glauben, damit Wählerstimmen zu gewinnen. Aber das Problem ist, dass es dann niemals Wahlen geben wird. Und darüber muss man laut sprechen. Denn ich sehe jetzt auch noch, wie all diese Schurken mit ihren Äußerungen die ukrainischen Streitkräfte für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren. Anders nenne ich diese Menschen nicht, weil sie die ukrainischen Soldaten für ihre Zwecke missbrauchen. „Wer nicht im Schützengraben sitzt, kann nicht darüber sprechen, dass wir keine Verhandlungen mit der Russischen Föderation führen sollen.“ Das habe ich hier von einem solchen berüchtigten Demagogen gehört. Ja, ich bin bereit, darauf zu antworten.

Erstens sagt niemand, dass wir keine Verhandlungen mit der Russischen Föderation führen sollen. Ich behaupte ganz klar, dass die Russische Föderation nicht vorhat, mit uns zu verhandeln. Für die Russische Föderation existieren weder die Ukraine noch das ukrainische Volk. Wenn es für Putin nicht existiert, hat er niemanden, mit dem er verhandeln könnte. Echte Verhandlungen mit der Russischen Föderation sind unter den gegenwärtigen realen Bedingungen ausgeschlossen. Sie werden erst dann entstehen, wenn Putin keine Kräfte mehr hat, den Krieg fortzusetzen. Ich weiß nicht, wie viele Anstrengungen dafür noch notwendig sein werden.

Zweitens hat das jetzt überhaupt nichts mit der Armee als solcher zu tun. Die Armee erfüllt ihre Aufgaben vollständig. Sie hat die russische Offensive blockiert. Die Operation Vivaldi hat gezeigt, dass man sogar bestimmte Teile des ukrainischen Territoriums befreien kann. Ja, all das geschieht in der klassischen Sackgasse, die nach 2023 an der Front entstanden ist, aber es geschieht. Doch Putin setzt jetzt überhaupt nicht auf die Armee, er setzt auf das Hinterland. Es wird ein Moment kommen, in dem es wesentlich realistischer sein wird, in der Armee zu überleben als im Hinterland, wenn dieser Moment nicht bereits gekommen ist. Es wird ein Moment kommen, in dem die Zahl der Todesopfer im Hinterland größer sein wird als die Zahl der Todesopfer an der Front, wenn dieser Moment nicht bereits gekommen ist. Das muss man einfach ausrechnen. Worüber reden wir überhaupt?

Jeder Mensch, der sich in der Ukraine befindet, ob an der Front oder im Hinterland, ist jetzt einer absolut gleich großen Todesgefahr ausgesetzt. Und es wird ein Moment kommen, in dem es gefährlicher sein wird, sich im Hinterland aufzuhalten. Ist das denn nicht verständlich? Der gesamte Schwerpunkt des Krieges wurde ins Hinterland verlagert, weil Putin genau versteht, dass er mit der Armee nicht gewinnen wird. Warum sollen dann Menschen, die sich im Hinterland befinden, nicht die Wahrheit darüber sagen dürfen, was mit dem Verhandlungsprozess geschieht? Wer hat das diesen widerwärtigen Aferisten gesagt, die die Ukrainer in die Irre führen? Warum halten sie nicht endlich den Mund? Schließlich haben sie sich selbst davon überzeugt, dass sie Abgeordnete werden, dass sie Präsidenten werden, dass sie irgendwelches Geld stehlen werden, und reden immer weiter.

In Wirklichkeit ist ihre gesamte Tätigkeit, wenn sie den Menschen Lügen erzählen, wenn sie ausländischen Journalisten Lügen erzählen, wenn sie westlichen Fernsehsendern Interviews geben, eine verräterische Tätigkeit, die den Interessen der nationalen Sicherheit widerspricht. Das muss man verstehen, denn die Aufgabe dieser Menschen stimmt mit Putins Aufgabe überein: eine Konfrontation bei uns zu provozieren, die Menschen dazu zu zwingen, einer vollständigen, absoluten Kapitulation der Ukraine zu russischen Bedingungen zuzustimmen, also der Liquidierung des Staates. Und da die Meinungsumfragen zeigen, dass es in der Stimmung der Menschen nichts dergleichen gibt, versucht Moskau mithilfe solcher Botschaften und Narrative, unsere öffentliche Meinung umzukehren. Das ist es, was tatsächlich geschieht, auch wenn ich es emotional ausdrücke.

Ich werde einige Fragen beantworten, die während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Welche Schritte sollte die Ukraine Ihrer Meinung nach unternehmen, um die Situation mit Trump würdig zu überstehen? Können wir irgendwie Einfluss nehmen, oder hat Trump bereits völlig die Kontrolle verloren?

Portnikov: Die Ukraine hat keinerlei wirkliche Hebel, um Einfluss auf Donald Trump auszuüben. Auf Donald Trump kann nur die amerikanische öffentliche Meinung Einfluss nehmen. So oder so können wir mit ihr arbeiten. Aber sehen Sie, Laura Loomer, Donald Trumps Lieblingsbloggerin, mit der er sich sogar in Personalfragen beraten hat, hat das Geschäft zwischen Trump und Putin aus ihrer eigenen Position heraus entschieden abgelehnt. Sie betonte, dass dieses Geschäft Russland ermöglichen werde, den Iran zu finanzieren, und der Iran sei ein Feind Amerikas. Als Trump über Präsidentschaftswahlen sprach, sagte sie praktisch dasselbe wie Zelensky. Man müsse eine Waffenruhe verkünden, damit Wahlen durchgeführt werden könnten, denn in der Ukraine gebe es keine Wahlen, weil man sie während des Krieges nicht durchführen könne. Nun, eine absolut logische Sichtweise.

Wir haben Laura Loomer so viel Aufmerksamkeit gewidmet, als diese Dame in die Ukraine kam. Sie traf sich sogar mit Zelensky, mit anderen ukrainischen Beamten und mit Bloggern. Trump schenkt ihr keinerlei Beachtung. Wenn Trump irgendeine Entscheidung trifft, die mit Putin zusammenhängt, interessiert ihn Laura Loomer überhaupt nicht. Wenn er irgendeine Entscheidung trifft, die mit seinen Positionen im Nahen Osten zusammenhängt, interessiert ihn Marjorie Taylor Greene überhaupt nicht. Auf Trump kann man überhaupt keinen Einfluss nehmen. Trump hat klar erklärt, welchen Stil er hat. Er versammelt seine Berater, sie geben ihm irgendwelche Ratschläge. Dann sagt Trump, wie es aus seiner Sicht sein soll. Und sie müssen seiner Meinung zustimmen. Er braucht keine fremden Ratschläge. Er lebt in einer Welt, in der er der Genialste ist und den höchsten IQ hat.

Und deshalb müssen wir uns einfach bewusst machen, dass wir bis zum 3. November durchhalten müssen, bis zum Beginn einer neuen politischen Epoche in den Vereinigten Staaten. Entweder erkennt Trump die Wahlen an, und dann beginnt das Abklingen seiner Präsidentschaft, oder er erkennt sie nicht an, und es wird einen Bürgerkrieg geben. Und auf jede dieser beiden Möglichkeiten, die beide real sind, muss man sich einstellen.

Frage: Wie schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit eines Sieges der Demokraten in beiden Kammern des Kongresses ein?

Portnikov: Das Repräsentantenhaus können die Demokraten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gewinnen. Was mit dem Senat geschehen wird, kann heute niemand beurteilen, denn dort handelt es sich um individuelle Wahlkämpfe. Und dort liegen die Kandidaten der Demokraten und Republikaner in jenen Bundesstaaten, in denen Zwischenwahlen stattfinden, häufig bei 50 zu 50. Das heißt, ja, früher hatten die Demokraten überhaupt keine Chance, eine Mehrheit im Senat zu gewinnen. Jetzt gibt es diese Chancen. Das ist alles, was man sagen kann.

Frage: Glauben Sie nicht, dass es Putin treffen würde, wenn wir in Russland sämtliche mit dem Internet verbundenen Rechenzentren ausschalten würden?

Portnikov: Verstehen Sie, mit dem Internet verbundene Rechenzentren sind nicht nur irgendwelche Informationen darüber, was in der Welt geschieht. Das ist auch Wirtschaft, das ist auch Krieg, das sind auch, wie Sie sehen, Botfarmen. Denn jetzt können Sie das sogar an den Kommentaren zu dieser und zu den vorherigen Sendungen erkennen. Die Aktivität der Bots weltweit ist nach unseren erfolgreichen Angriffen auf die Rechenzentren von Yandex um 70 bis 80 Prozent zurückgegangen. Das ist alles Propaganda, und Russland braucht sie. Nein, Putin braucht ein kontrolliertes Internet, nicht dessen Abschaffung.

Frage: Warum sehen die Republikaner und Fox News nicht, dass Trump ein Schwätzer ist, der zehnmal von einer Waffenruhe spricht, von der Russland sagt, es höre zum ersten Mal davon? Ist es ihnen egal, dass sich die Vereinigten Staaten zum Gespött gemacht haben? Trump ist schließlich nicht ewig da.

Portnikov: Nun, warum? Erstens ist es nicht allen Republikanern egal. Es gibt Republikaner, die sich gegen solche Entscheidungen aussprechen. Es gibt sogar Republikaner, die im Repräsentantenhaus ein Gesetz initiieren, das sie Ronald-Reagan-Gesetz nennen und das jeglichen Handel mit Erdölprodukten mit der Russischen Föderation in jeder Form vollständig verbieten soll. Obwohl ich wiederum nicht so recht verstehe, wozu dieses Gesetz zusätzlich zum Gesetz von 2022 notwendig ist. Das alles gibt es zweifellos.

Aber Sie verstehen doch, dass die Republikaner einen Anführer haben. Donald Trump, der Präsident des Landes, ist der Parteivorsitzende. Andere Anführer haben die Republikaner nicht. Eine populärere Persönlichkeit haben sie nicht, selbst wenn Trumps Umfragewerte sinken. Und außerdem hat Trump die Führung der Partei im Grunde monopolisiert. Und darüber hinaus wird Trump von Tech-Oligarchen wie Elon Musk unterstützt. Sie hören doch, was Elon Musk im Grunde über diese ganze Situation sagt. Dasselbe, was Trump sagt. Ja, das droht der Republikanischen Partei eine politische Katastrophe zu bringen. Aber was können sie denn tun?

Frage: Wenn von einer Waffenruhe im Energiebereich die Rede ist, stellt sich die Frage: Geht es bei dieser Waffenruhe auch um Angriffe auf Kindergärten, Krankenhäuser und Wohnhäuser? Oder gehört dieser Teil des Terrors nicht dazu?

Portnikov: Angriffe auf Schulen, Wohnhäuser und Kindergärten fallen nicht unter eine Waffenruhe im Energiebereich. Aber es gibt keine Waffenruhe im Energiebereich, und höchstwahrscheinlich wird es auch keine geben, weil in der russischen Hauptstadt niemand etwas davon weiß. Die ukrainische und die russische Delegation haben sich nicht getroffen und darüber nicht gesprochen. Es kann keine Waffenruhe geben, von der niemand etwas weiß. Wir werden noch abwarten, bis in Moskau wenigstens irgendjemand diese Geschichte kommentiert. Vielleicht wird das am Montagmorgen geschehen, aber bislang sehen Sie statt Kommentaren Angriffe auf Heizkraftwerke. Aber selbst wenn eine Waffenruhe im Energiebereich verkündet wird, behalten sich die Seiten das Recht vor, andere Ziele anzugreifen. Das ist klar.

Frage: Glauben Sie, dass Europa ohne die PURL-Initiative die notwendigen Mindestmengen an Waffen bereitstellen kann? Und wird es das tun, wenn die Ultrarechten immer lauter ihre Stimme erheben?

Portnikov: Dass die Ultrarechten ihre Stimme erheben, bedeutet noch gar nichts. Entscheidend ist der Wille der europäischen Regierungen, verstehen Sie? Die PURL-Initiative spielte keine bedeutende Rolle für die Verteidigungsfähigkeit der ukrainischen Armee. Auch das ist wahr. Eine große Menge der Waffen, die die Vereinigten Staaten im Rahmen dieser Initiative liefern wollten, kam wegen des Ressourcenmangels in den Vereinigten Staaten nach dem Irankrieg nicht an. Aber das Wichtigste ist, dass es auch noch die Interessen des militärisch-industriellen Komplexes der Vereinigten Staaten gibt, der vor den Zwischenwahlen durch das Einfrieren dieser Initiative Einnahmen verlieren würde, denn für all diese Waffen wird bezahlt. Und ich bin nicht sicher, dass Trump tatsächlich so weit gehen wird. Aber wir werden sehen.

Frage: Erhöhen Trumps Handlungen das Risiko eines neuen Angriffs auf europäische Länder?

Portnikov: Natürlich bringen uns sämtliche Handlungen Trumps einem großen Krieg näher, weil Putin seine völlige Straflosigkeit spürt. Wenn Trump jetzt Anstrengungen unternimmt, um ihn zu schützen und nicht uns, warum sollte Putin dann glauben, dass es anders sein wird, wenn er beispielsweise die baltischen Staaten angreift? Warum sollte Trump nicht sagen, dass die baltischen Staaten selbst schuld seien, weil sie Russland provoziert und Angriffe auf dessen Erdölraffinerien unterstützt hätten, obwohl er, Trump, gesagt habe, dass man das nicht tun solle? Nun, dann sollen sie sich jetzt eben selbst verteidigen. Und sie unterstützen Trump nicht einmal. Zweifeln Sie nicht daran, dass Trumps Präsidentschaft weitere Kriege näherbringt. Zweifeln Sie nicht daran.

Frage: Kann Donald Trump persönlich entscheiden, dass wir keine Geheimdienstinformationen mehr erhalten? Oder hat er nicht das Recht, solche Entscheidungen allein zu treffen?

Portnikov: Präsident Trump hat das Recht, eigenständig beliebige Entscheidungen zu treffen. Und wie Sie sich erinnern, wurde bereits einmal entschieden, dass uns keine Geheimdienstinformationen mehr übermittelt werden, nach dem Skandal zwischen Trump und Zelensky im Oval Office. Das dauerte mehrere Wochen. Das heißt, diese Entscheidung wird nicht Trump selbst treffen. Er wird Hegseth einfach den Befehl geben, eine solche Entscheidung zu treffen, und der Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten ist vollkommen bereit, sämtliche Befehle Donald Trumps auszuführen. Also ja, das kann innerhalb von zehn Minuten geschehen. Es würde mich nicht einmal überraschen, wenn es noch heute geschieht. Und auch das ist ein wichtiger Punkt, über den wir sprechen müssen, wenn wir diese ganze schizophrene Situation erörtern. Das ist alles.

In diesen Minuten ist in der Straße von Hormus ein weiterer Supertanker auf eine iranische Mine gelaufen. Soviel zur vollständigen Minenräumung und Öffnung der Straße von Hormus. Nun, deshalb ist das Erdöl so teuer, verstehen Sie? Deshalb ist es so teuer, weil der eine Supertanker durchkommt und der andere auf eine Mine läuft und niemand weiß, was mit dem Erdöl geschieht. Und deshalb versichert die Versicherungsgesellschaft, die diesen Supertanker versichert, ihn gegen den Fall einer Minenexplosion. Können Sie sich diese Summen vorstellen? Dieses Erdöl wird bald so teuer wie Gold sein. Auch das ist ein sehr wichtiger Punkt, über den man sprechen muss. Das verstehen wir also alles sehr gut.

Gleichzeitig verstehen wir, dass Russland seine Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur fortsetzt. Wir sehen, was in Kyiv geschieht, wo derzeit nach Schätzungen 70 Prozent der Einwohner der ukrainischen Hauptstadt ohne Wasser sind, buchstäblich schon seit zehn Stunden, und manche Stadtteile seit dem Morgen kein Wasser haben. Und jetzt melden Monitoringkanäle, dass die Ursache ein Angriff einer Shahed-Drohne auf eine Stromleitung war, die gerade mit dieser Versorgung zusammenhing. Ich denke, dass all das natürlich wiederhergestellt werden wird, aber auch das zeigt das Ausmaß der Bedrohungen. Wenn wir bei diesem Ausmaß der Bedrohungen auch noch die Hände in den Schoß legen und sagen: „Ach, ach, Hauptsache, wir rühren Russland nicht an“, dann werden wir einfach zugrunde gehen. Einfach zugrunde gehen. Was soll man dazu noch sagen? Das scheint mir eine vollkommen offensichtliche Sache zu sein.

Aber ich denke, dass wir auf diese Schizophrenie noch zurückkommen müssen. Ich sage Ihnen jedes Mal, in jeder Sendung: „Warten Sie auf noch erschütterndere Nachrichten, denn wir erleben die wirkliche Agonie der Rechtspopulisten der Vereinigten Staaten, Trumps und seines Umfelds. Vielleicht sogar nur Trumps. Vielleicht gibt es in seinem Umfeld Menschen, die nüchterner denken, aber gezwungen sind, sich dem Zustand eines Menschen anzupassen, der erstens verzweifelt ist und zweitens in einem Zustand, in dem er den Atlantischen Ozean Trump–Ozean nennen will.“ So etwas haben wir zuletzt zu Zeiten Neros gesehen. Können Sie sich vorstellen, was für ein Glück wir haben? Wie viel Zeit ist seit Nero vergangen, Jahrtausende, und jetzt sehen wir wieder Nero, nur in einer neuen Toga, in einer neuen Welt. Ich versichere Ihnen, dass weder Ihre Kinder noch Ihre Enkel, Ihre Urenkel oder Ihre Ururenkel so etwas erleben werden. So etwas geschieht einmal in tausend Jahren. Oder in anderthalbtausend oder zweitausend Jahren, niemand weiß, wann wir den nächsten Nero erwarten können. Vielleicht sollten wir uns also freuen, dass wir uns wenigstens eine solche Show ansehen können. Nur sollten wir dabei nicht getötet werden, und dieser Nero sollte sich nicht auch noch an den verschiedenen falschen Neros um ihn herum erfreuen, insbesondere in Moskau.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп погрожує Україні | Віталій Портников.12.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 12.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Zelensky hat mit Trump gesprochen: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 20.09.2026.

Die sogenannten Parlamentswahlen in der Russischen Föderation gehen zu Ende. Und viele versuchen, Prognosen darüber anzustellen, was im Krieg Russlands gegen die Ukraine geschehen wird, und berücksichtigen dabei gerade die Situation im Zusammenhang mit diesen Wahlen. Und natürlich können wir in dieser Situation darüber sprechen, was tatsächlich geschehen könnte. 

Wenn wir die Entwicklung des russisch-ukrainischen Krieges erörtern und versuchen, sie mit dem weiteren Verlauf der Ereignisse in Beziehung zu setzen, müssen wir uns natürlich bewusst machen, dass die Wahlen in der Russischen Föderation in Wirklichkeit kein Teil eines Prozesses sind, der mit den russischen Absichten zusammenhängt. Ein wirklicher Teil dieses Prozesses ist vielmehr das, was in den Beziehungen der Ukraine zu unseren Verbündeten geschieht, der Umfang der Hilfe und das, was das künftige wirtschaftliche und militärische Potenzial der Ukraine tatsächlich bestimmen wird.

Deshalb muss man dieses Gespräch natürlich nicht mit den russischen Wahlen beginnen – auf sie werden wir heute auf jeden Fall noch zurückkommen und versuchen zu erklären, was tatsächlich geschieht –, sondern mit dieser letzten Nachricht, die buchstäblich wenige Minuten vor unserer Sendung kam: Schließlich hat ein Gespräch zwischen den Präsidenten der Ukraine und der Vereinigten Staaten stattgefunden.

Präsident Zelensky berichtete über dieses Gespräch, teilte mit, dass es in New York zu einem Treffen mit Donald Trump kommen werde, und ist der Ansicht, dass dieses Treffen vieles verändern könne. Er betonte, dass dies tatsächlich der wichtigste Gesprächskanal in diesem Prozess zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten sei.

Warum müssen wir gerade mit diesem Gespräch beginnen? Warum müssen wir gerade mit diesem Thema beginnen? Weil, wie wir alle sehr gut verstehen, der weitere Verlauf der Ereignisse davon abhängen wird, welches Potenzial Russland für seine Aggression haben wird und welche Haltung die Vereinigten Staaten zu diesem Potenzial einnehmen werden.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass nach den Gesprächen, die die amerikanischen Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner in der russischen und der ukrainischen Hauptstadt geführt hatten, mitgeteilt wurde, Präsident Trump werde – und er selbst sagte das ebenfalls – mit den Präsidenten Russlands und der Ukraine sprechen und mit ihnen die Ergebnisse der Reise seiner Vertreter erörtern. Tatsächlich aber fand nur das Gespräch mit Putin statt. Mit dem ukrainischen Präsidenten sprach Donald Trump bis zum heutigen Tag, bis zum heutigen Abend beziehungsweise bis zum heutigen Tag in Amerika, nicht. Das Gespräch mit Putin bezeichnete er als sehr gut und betonte, Putin wünsche Frieden.

Danach sagte der Präsident der Vereinigten Staaten mehrfach, dass gerade die ukrainischen Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation mit dem Anstieg der Treibstoffpreise zusammenhingen. Es erschienen Meldungen darüber, dass die Regierung sogar Möglichkeiten zur Wiederaufnahme wirtschaftlicher Beziehungen mit der Russischen Föderation erwäge, ohne die Frage von Krieg und Frieden in der Ukraine zu lösen.

Für mich sind das sehr spekulative Informationen, denn ich möchte Sie daran erinnern, dass eben jenes Graham-Gesetz über Sanktionen, das Trump gestern unterzeichnet hat, natürlich keine so offensichtlichen Voraussetzungen für neue Sanktionen gegen die Russische Föderation schafft, aber eindeutig reale Möglichkeiten dafür, die alten aufrechtzuerhalten. Das heißt, es erlaubt dem amerikanischen Präsidenten im Grunde nicht, auf Sanktionen zu verzichten, die bereits von den Regierungen Barack Obamas, Donald Trumps selbst während seiner ersten Amtszeit und Joseph Bidens eingeführt wurden.

Und wie wollen Sie wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation aufbauen, wenn Sie keinerlei reales Potenzial haben, die Sanktionsbelastung aufzuheben? Ohne die Aufhebung dieser Sanktionsbelastung können Sie nicht einmal darauf hoffen, dass sich in Ihren Wirtschaftsbeziehungen etwas entwickelt.

Aber so oder so war allein die Tatsache, dass es keinen Dialog zwischen Trump und Zelensky gab, ein Signal.

  • Erstens ein Signal dafür, dass Trump noch immer hofft, mit Putin über irgendetwas eine Einigung zu erzielen.
  • Zweitens, dass er mit den Kontakten zu Zelensky nicht besonders zufrieden ist.
  • Drittens, dass er die Ukraine für den Anstieg des Dieselpreises an den amerikanischen Tankstellen verantwortlich machen will.

Nun, und all das konnte sich, wie Sie sehen, nicht lange halten. Noch gestern hieß es, im Arbeitsplan des Präsidenten der Vereinigten Staaten während seines Aufenthalts bei der Sitzung der UN-Generalversammlung in New York sei kein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten vorgesehen, und heute ist es bereits vorgesehen. Das heißt, Trump kann Zelensky in dieser Situation ebenfalls nicht ignorieren.

Für uns ist das kein schlechtes Signal. Die Frage ist nicht einmal, was wir bei diesem Treffen des amerikanischen und des ukrainischen Präsidenten erreichen können. Die Frage ist, dass solche Kontakte Trump so oder so von übermäßigen Hoffnungen auf eine Normalisierung der Beziehungen zu Putin abhalten werden. Ganz abgesehen davon, dass der Präsident der Ukraine gerade vor dem Hintergrund der Unterzeichnung des Sanktionsgesetzes durchaus etwas mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zu besprechen hat.

Ja, dieses Gesetz verpflichtet Trump zu nichts, aber nun können Trump und Zelensky über eine weitere Sanktionsbelastung für die Russische Föderation und ihre Unterstützer im Energiebereich sprechen. Ich erinnere daran, dass all dies zudem vor dem Hintergrund der Kontakte zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Staatschef der Volksrepublik China geschieht. Und die Volksrepublik China mag glauben, dass die Vereinigten Staaten es nicht wagen werden, Zölle von 100 Prozent auf ihre Produkte zu erheben, falls sie ihre Zusammenarbeit mit Russland im Energiebereich fortsetzt, aber diese Möglichkeit besteht.

Wir müssen uns bewusst machen, dass Xi Jinping derzeit womöglich überhaupt nicht begeistert von der Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges ist: sowohl weil die Ukraine die russischen Raffineriekapazitäten zerstört und damit das wirtschaftliche und energetische Potenzial des wichtigsten Satelliten der Volksrepublik China untergräbt, als auch weil Putin Peking keine klare Perspektive dafür bieten kann, wie und mit welchen Ergebnissen er den russisch-ukrainischen Krieg beenden will und wie sich das letztlich auf die russische Wirtschaft auswirken wird. Vielleicht sind China die ukrainischen Ruinen gleichgültig, die russischen aber nicht.

Und noch ein wichtiger Punkt betrifft gerade unsere Angriffe auf die russischen Raffinerien. Ich möchte Sie daran erinnern, dass der Präsident der Vereinigten Staaten davon gesprochen hat, er habe angeblich bereits eine Energie-Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine erreicht, und diese Waffenruhe gerade mit den ukrainischen Angriffen auf die russischen Raffinerien in Verbindung brachte. Er sagte, er habe Zelensky aufgefordert, den russischen Diesel nicht anzugreifen. Auch daran erinnern Sie sich sehr gut.

Aber hier haben Sie ein wunderbares Ergebnis. Wir führen den massivsten Angriff auf die russische Hauptstadt und das Moskauer Gebiet durch, möglicherweise sogar seit Beginn dieses großen Krieges. Sie sehen, wie die Ölraffinerie in Kapotnja brennt, ein für den russischen Raffineriesektor strategisch wichtiges Unternehmen. Na und?

Was meinen Sie, hat das irgendwie mit der Dieselproduktion zu tun oder nicht? Und weiß eine ukrainische Drohne etwa ganz genau, dass hier Diesel ist und dort kein Diesel? Nun, das ist völlig unrealistisch. Und nichts passiert. Nach diesem massiven Angriff, vor dem Hintergrund der Brände in Russland, des brennenden Kapotnja, des brennenden Woronesch und der brennenden Lager russischer Infrastrukturunternehmen spricht Trump ganz ruhig mit Zelensky und vereinbart mit ihm ein Treffen.

Das muss man sich bewusst machen, wenn wir über die Situation im Zusammenhang mit den amerikanisch-ukrainischen Kontakten sprechen. Jetzt ist einfach nicht die Situation, in der man sich vor den lauten Worten des Präsidenten der Vereinigten Staaten fürchten sollte. Mit jedem Tag, der ihn den Zwischenwahlen zum Kongress näher bringt, wird der Präsident der Vereinigten Staaten die ganze Schwierigkeit der Lage spüren, in die die Republikanische Partei der Vereinigten Staaten durch seine Politik geraten ist.

Er versteht sehr gut, wie viele Wähler von den wirtschaftlichen Ergebnissen enttäuscht sind. Obwohl ein großer Teil der Republikaner natürlich nach wie vor bereit ist, für die Vertreter der eigenen Partei zu stimmen, weil er immer und ohne Alternative für sie stimmt, gibt es bereits enttäuschte Republikaner und, was am wichtigsten ist, enttäuschte sogenannte unabhängige Wähler, die von Trump eine Verbesserung ihres Lebens erwartet hatten und stattdessen eine durchgehende Verschlechterung bekommen haben. Denn wie Sie verstehen, hält das Lohnwachstum in den Vereinigten Staaten mit dem erstaunlichen Anstieg der Preise für Erdölprodukte und dem Preisanstieg bei allem anderen nicht Schritt, wie das immer der Fall ist, wenn die Preise für Erdölprodukte steigen.

Das ist das Ergebnis, das die Republikaner bekommen könnten. Und natürlich fürchtet Trump das sehr. Wenn man noch gestern davon ausging, dass die Demokraten zwar enorme Chancen auf einen Sieg im Repräsentantenhaus haben, sich aber die Frage stellte, wie sie die Kontrolle über den Senat gewinnen sollen, wenn dort nur ein Drittel der Senatoren neu gewählt wird, dann erscheint ein gleichzeitiger Verlust beider Kammern des Kongresses durch die Republikanische Partei inzwischen nicht mehr wie Science-Fiction. Denn praktisch in der Mehrheit der Bundesstaaten, in denen Senatoren neu gewählt werden, liegen die Kandidaten der Demokraten faktisch völlig gleichauf mit den republikanischen Kandidaten. Selbst in Bundesstaaten, in denen traditionell gerade Republikaner Senatoren wurden: in Texas, in Alaska. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Republikaner ihre jeweiligen Wahlkämpfe nicht gewinnen werden, denn 50 zu 50 schafft, wie Sie verstehen, immer Chancen für beide Seiten. Aber es erlaubt einem nicht, sich im warmen Bad der Erwartungen zu sonnen.

Und Trump muss etwas tun, um seinen Wählern Entschlossenheit bei der Suche nach Schritten zur Verringerung der Belastung durch die Ölpreise und Entschlossenheit bei der Suche nach Schritten zur Beendigung von Kriegen zu demonstrieren, wenn er schon nichts gegen den Iran unternehmen kann. Mehr noch: Wir nähern uns jetzt einer Situation, in der die Möglichkeit einer Blockade der Meerenge Bab al-Mandab zunimmt. Vielleicht kann er also etwas mit dem russisch-ukrainischen Krieg anfangen? Vielleicht kann man ihn davon überzeugen, dass gerade eine Waffenruhe an der russisch-ukrainischen Front, zumindest eine Energie-Waffenruhe, einen gewissen Schutzschirm für den russischen Raffineriesektor schaffen und den Dieselpreis senken oder zumindest den Amerikanern demonstrieren würde, dass ihr Präsident sich darum kümmert, dass er darüber nachdenkt? Auch das ist ein sehr wichtiger Punkt, der erwähnt werden muss. Nun dazu, was man in einer solchen Situation erreichen kann.

Putin wird jetzt natürlich darüber nachdenken, ob es sich für ihn lohnt, die Eskalation bis zum 3. November, bis zu den Zwischenwahlen zum Kongress, zu verschärfen oder ob er sie im Gegenteil nicht braucht. Denn es ist klar, dass eine Verschärfung der Eskalation jetzt ein direkter Schlag gegen Trumps Interessen wäre. So seltsam es klingen mag: Die Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress sind für Putin wesentlich wichtiger als seine eigenen Wahlen.

Und genau das erstaunt mich. Ich kehre zum Anfang unseres Gesprächs zurück. Warum verbinden alle mögliche Eskalationsschritte der russischen Führung gegenüber der Ukraine und im russisch-ukrainischen Krieg ständig gerade mit den russischen und nicht mit den amerikanischen Wahlen? Die Zwischenwahlen zum Kongress sind schließlich tatsächlich ein politisches Ereignis. Wir wissen nicht, wer als Sieger daraus hervorgehen wird. Menschen kämpfen miteinander um Parlamentssitze. Von der Kontrolle über den Kongress hängt ab, wie frei sich die Trump-Regierung fühlen und wie sie handeln wird. Das alles verstehen wir sehr gut.

Die russischen Wahlen dagegen – nun, ich habe bereits mehrfach gesagt, dass Putin, als er Präsident wurde, beschloss, ein System zu schaffen, das er in seiner Jugend gesehen hatte, als er in der Deutschen Demokratischen Republik als Direktor eines Kulturhauses arbeitete. In der Deutschen Demokratischen Republik gab es ein politisches System, das sich von dem der Sowjetunion unterschied. In der Sowjetunion gab es eine Partei, den Block der Kommunisten und Parteilosen bei den sogenannten Wahlen zum Obersten Sowjet der Sowjetunion und der Unionsrepubliken. Die Sowjetbürger stimmten überhaupt nicht wirklich ab. Sie warfen einfach den Stimmzettel ein. Und das war eine Art Plebiszit, das Vertrauen in die Kommunisten voraussetzte.

Die ersten wirklichen Wahlen in der Sowjetunion seit der Auflösung der Verfassunggebenden Versammlung durch die Bolschewiki 1917 fanden erst 1988 oder 1989 statt – ich erinnere mich nicht mehr genau an das Datum –, als die Abgeordneten des Kongresses der Volksdeputierten der Sowjetunion gewählt wurden. Und das waren Wahlen mit Alternativen. Die Sowjetbürger erfuhren zum ersten Mal, dass man zwischen zwei Kandidaten wählen konnte und nicht nur einen einzigen zur Auswahl hatte.

In der Deutschen Demokratischen Republik war dagegen alles anders, weil sie das Schaufenster des sowjetischen Sozialismus war. Und die sowjetischen Kommunisten wollten beweisen, dass sich die Deutsche Demokratische Republik hinsichtlich der Demokratie in nichts von der benachbarten Bundesrepublik Deutschland unterschied. Also schufen sie dort dasselbe System wie in der Bundesrepublik, nur erfunden, imitiert, aus Pappe. In der Deutschen Demokratischen Republik gab es eine Vielzahl von Parteien. Neben der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, die faktisch eine kommunistische Partei unter anderem Namen war, gab es dort die Christlich-Demokratische Union, die Liberal-Demokratische Partei, ein Gegenstück zur Partei der Freien Demokraten in der Bundesrepublik, die National-Demokratische Partei als Gegenstück zu solchen rechtsradikalen Parteien in der Bundesrepublik und die Demokratische Bauernpartei Deutschlands. Und all diese Parteien waren in der Volkskammer der DDR vertreten.

Mehr noch: Zusammen mit den gesellschaftlichen Organisationen und dem Jugendverband, die ebenfalls eigene Quoten in der Volkskammer hatten, stellten all diese Parteien die Mehrheit der Abgeordneten, während die Kommunisten, die Regierungspartei, während der gesamten Existenz der DDR in der Minderheit waren. Aber das störte niemanden, weil all diese Parteien gemäß der deutschen Verfassung die führende Rolle der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands anerkannten. Und natürlich war diese Volkskammer ein Schaufenster, in dem keinerlei Diskussion und keinerlei Demokratie stattfanden. Was übrigens nicht verhinderte, dass sich im Moment des Falls der Berliner Mauer all diese nichtkommunistischen Pseudoparteien zusammenschlossen und die Kommunisten entmachteten. So war der letzte Vorsitzende des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik noch vor den ersten freien Wahlen bereits kein Kommunist mehr, sondern der sogenannte Liberaldemokrat Manfred Gerlach, der dem Regime zuvor jahrelang treu gedient hatte und stellvertretender Vorsitzender dieses Staatsrates gewesen war. Ein solches Paradox.

Ja, Putin, der all das gesehen hatte, hat es bei sich faktisch nachgebildet. Aber alle Parteien, die zu den Wahlen zur Staatsduma zugelassen sind, unterstützen sein politisches Programm. Und wie wir sehr gut verstehen, unterstützen sie den Krieg. Sowohl das verbrecherische „Einiges Russland“ als auch das verbrecherische „Gerechtes Russland“, das inzwischen an Popularität verliert, die verbrecherische Partei Schirinowskis, die Kommunisten, ewige Anhänger von Krieg und Autoritarismus, und natürlich die Partei „Neue Leute“, die geschaffen wurde, um den Anschein einer Alternative zu erwecken, sich aber nicht gegen die offizielle Staatspolitik stellt.

Das bedeutet nicht, dass die russische Gesellschaft nicht nach einer Alternative sucht. Natürlich sucht sie danach, sie kann sie nur nicht finden. Wie Sie gesehen haben, registrierten die Behörden lediglich zur Demonstration dieses DDR-Pluralismus die Partei mJabloko, die als einzige mit einem Antikriegsprogramm antrat. Mag dieses noch so verschwommen gewesen sein, mag es keinerlei Vorwürfe gegen Putin wegen der Aggression enthalten haben, aber die Partei rief zu Friedensverhandlungen auf. Die nicht öffentliche Meinungsforschung des Kremls zeigte eine derartige Popularität Jablokos, dass die Partei unter völlig erfundenen Vorwänden aus dem Wahlkampf genommen wurde und man begann, ihre führenden Vertreter zu verfolgen. Als wären sie selbst daran schuld, dass die Staatsmacht ihre Partei zu den Wahlen zugelassen hatte.

Aber selbst das ist noch nicht alles. Vor unserer Sendung habe ich Umfragen an den ausländischen Wahllokalen gesehen, und dort erhält die Partei „Neue Leute“ die überwältigende Mehrheit der Stimmen, während „Einiges Russland“ etwa zwei bis drei Prozent bekommt. Das heißt, selbst jene Russen im Ausland, die dem Putin-Regime gegenüber loyal sind und zur Wahl gehen, wollen trotzdem nicht für Parteien stimmen, die sie mit dem Kreml verbinden, und stimmen für „Neue Leute“ – vielleicht sogar in dem Bewusstsein, dass dies eine Marionettenpartei, eine erfundene Partei ist. Aber so oder so hoffen sie, dass dies ihr Signal dafür sein wird, dass sie die Politik nicht akzeptieren, die, wie ich sagen würde, die alten politischen Parteien der Putin-Zeit betreiben.

Also dort, wo die Menschen nicht im öffentlichen Dienst beschäftigt sind, wo sie nicht vom Staat abhängig sind, wo sie nicht überwacht werden. Sie verstehen doch, dass, wenn etwa 50 Prozent oder wie viele Menschen auch immer im Ausland für die Partei „Neue Leute“ stimmen, unter diesen Menschen auch Mitarbeiter des diplomatischen Dienstes der Russischen Föderation selbst sind, also Vertreter des Systems. Es sind doch mehr als zwei oder drei Prozent, wie Sie verstehen, die eigentlich für „Einiges Russland“ hätten stimmen müssen. Und sie haben es nicht getan. Aber das System ist so geschaffen, dass du, für wen auch immer du stimmst, für das blutige Putin-Regime stimmst. Das ist das Ergebnis.

Da stellt sich die Frage: Warum sollte Putin auf diese Wahlen Rücksicht nehmen? Warum sollte er entscheiden, dass er eine Mobilmachung durchführen muss, falls er überhaupt ein solches Programm für die Zeit nach den Wahlen hat? Warum sollte er die Frage des russisch-ukrainischen Krieges erst nach den Wahlen entscheiden, wenn in Russland nicht entscheidend ist, wie abgestimmt, sondern wie ausgezählt wird?

Und noch einmal: Wenn es irgendein Jabloko gibt, für das eine große Zahl von Menschen stimmt, und diese große Zahl von Menschen danach erkennt, dass sie betrogen wurde, kann das zu Instabilität führen. Wenn die Menschen aber für Parteien stimmen, die sich untereinander in nichts unterscheiden, dann ist es im Grunde nicht besonders wichtig, wenn sie schon zu diesen Wahlen gegangen sind, wie ihre Stimme angerechnet wird. Und auch das ist ein wichtiger Punkt, der erwähnt werden muss. Putins Wahlen sind also ganz sicher nicht das, was die politische Situation in Russland verändert. Und sie sind ganz sicher nicht das, was die Situation rund um den russisch-ukrainischen Krieg verändert.

Anders als die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Darauf muss man genau achten. Und übrigens muss man auch die europäischen Wahlen genau beobachten. Die Ergebnisse der Wahlen in zwei deutschen Bundesländern, deren Exitpolls gerade eingetroffen sind, zeigen ebenfalls, dass Russland in Europa weiterhin beharrlich arbeitet. Die Partei Alternative für Deutschland, die, wie Sie wissen, bei den vorherigen Landtagswahlen im Bundesland Sachsen-Anhalt die meisten Stimmen erhalten hatte und nur knapp die absolute Mehrheit verfehlte, mit der sie eine Regierung hätte bilden können, ohne auf die Position anderer Parteien Rücksicht nehmen zu müssen, triumphierte auch in einem anderen ostdeutschen Bundesland, in Mecklenburg-Vorpommern, mit 37 Prozent der Stimmen.

Die Christlich Demokratische Union, die Partei, an deren Spitze der derzeitige Bundeskanzler Friedrich Merz steht, schaffte es dagegen mit ungefähr fünf Prozent der Stimmen der Wähler, die sie in diesem Bundesland unterstützten, gerade noch in den Landtag. Und alle sagen, das sei ein vernichtendes Ergebnis. Tatsächlich würde ich aber sagen, dass es im Vergleich zu den Erwartungen ein Erfolg für die Christdemokraten ist, denn man hatte angenommen, dass sie überhaupt nicht in den Landtag einziehen könnten. Das wäre tatsächlich eine absolute Katastrophe für die Partei Friedrich Merz’ gewesen. Insofern kann man natürlich wohl auch nicht sagen, dass dies das schlechteste Ergebnis gewesen wäre, das es in der Geschichte der Christlich Demokratischen Union hätte geben können, aber es ist ganz sicher kein Ergebnis, das dazu beiträgt, die Position von Bundeskanzler Friedrich Merz zu stärken.

Auch in Berlin findet eine Art Revolution statt. Dort, wo bislang ein Vertreter der Christlich Demokratischen Union Regierender Bürgermeister war, ist die Linkspartei auf den ersten Platz gekommen. Das ist wiederum eine Partei, die aus dem Zusammenschluss derjenigen entstanden ist, die die Sozialdemokratische Partei Deutschlands verlassen hatten, mit den Nachfolgern der ehemaligen Kommunisten Ostdeutschlands, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Und diese Partei, die einst im Grunde Ost-Berlin regierte – damals war der Ost-Berliner Stadtchef Mitglied des Politbüros –, erhebt nun ebenfalls Anspruch auf das Amt des Regierenden Bürgermeisters von ganz Berlin.

Die Christlich Demokratische Union liegt deutlich hinter ihr. Und das ist ein ernsthaftes Problem sowohl für die Christlich Demokratische Union als auch übrigens für ihren Koalitionspartner, die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die bei der Zahl der Stimmen nur auf den fünften Platz kam.

Wissen Sie, früher haben wir davon gesprochen, dass es in Deutschland zwei Volksparteien gibt. Das sind die Christlich Demokratische Union und die Sozialdemokratische Partei, die bei praktisch allen Bundestags- und Landtagswahlen die Mehrheit der Wählerstimmen auf sich vereinten, während alle anderen Parteien sozusagen nur die Beilage zu ihrem ewigen Kampf waren. Aber wenn wir uns nun die Wahlergebnisse im selben Berlin ansehen – denn Berlin ist kein typisches ostdeutsches Bundesland; Sie wissen, dass Berlin aus einem östlichen und einem westlichen Teil besteht.

Die Einwohner des westlichen Teils lebten im politischen Raum im Grunde in dem der Bundesrepublik. Sie wurden mit niemandem vereinigt. Sie wählten praktisch so, wie die Westdeutschen wählten. Und wir sehen, dass dort die Linkspartei auf dem ersten Platz liegt, danach die Christlich Demokratische Union, danach die Alternative für Deutschland, danach die Grünen und erst dann die Sozialdemokraten.

Wo sind also diese deutschen Volksparteien, die miteinander um die Macht kämpfen? Das ist in der gegenwärtigen Situation des politischen Prozesses vollkommen vorbei. Und selbst wenn die Alternative jetzt in einigen weiteren Bundesländern noch nicht an die Macht kommt, verstehen wir zugleich sehr gut, dass sich solche Tendenzen zumindest im Osten Deutschlands verstärken. Das bedeutet nicht, dass die Alternative für Deutschland eine Regierung für ganz Deutschland bilden kann, wo ihre Popularität in den westlichen Bundesländern geringer ist als im Osten.

Aber genau damit arbeitet Putin, denn er versteht sehr gut, dass Friedrich Merz einer der europäischen Politiker ist, die bereit sind, sich dem Kreml entschlossen entgegenzustellen, und dass er diese Bereitschaft nicht verbirgt. Und Moskau muss die Position jener Menschen schwächen, die erstens keine Vereinbarung über die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Kreml treffen wollen und zweitens bereit sind, der Ukraine mit Geld und Waffen zu helfen.

Denn in Moskau hat man eine ziemlich einfache Schlussfolgerung gezogen: Die Vorstellung, dass die Ukraine nach den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten 2024 zur Kapitulation gezwungen sein würde, weil sie keinerlei Möglichkeiten mehr hätte, Widerstand zu leisten, ist gescheitert – selbst als Trump die tatsächliche finanzielle Unterstützung für die Ukraine wirklich aussetzte und man begann, uns Waffen für europäisches Geld zu verkaufen.

Es stellte sich heraus, dass die europäische Unterstützung im Prinzip ausreicht, damit die Ukraine nicht nur weiterhin gegen die russische Aggression kämpfen, sondern auch mit einer systematischen Zerstörung der russischen Wirtschaft beginnen kann, die für Russland in nicht allzu ferner Zukunft in Trümmern enden könnte. Und wir wünschen dem russischen Staat aufrichtig genau diese unermesslichen Ruinen. Wir verstehen, dass der Zusammenbruch des wirtschaftlichen Potenzials der Russischen Föderation und eine Krise in diesem aggressiven Terrorstaat für die gesamte zivilisierte Welt ein Geschenk der Ukraine wären, man kann sagen: ein gewaltiges, nicht nur für uns.

Nun, aber die Russen verstehen ebenfalls, worauf sie zusteuern. Glauben Sie etwa, Putin sei ein Dummkopf? Er versteht alles sehr gut. Er will nur nicht, dass dies seinen Kampf gegen uns behindert. Aber die Schlussfolgerung ist einfach. Um gegen die Ukraine kämpfen zu können, muss die europäische Hilfe für die Ukraine gestoppt werden. Um die Hilfe für die Ukraine zu stoppen, muss Europa destabilisiert werden.

Europa kann auf verschiedene Weise destabilisiert werden.

  • Eine dieser Möglichkeiten besteht darin, irgendwelche Sabotageakte zu verüben, Drohnen zu schicken, Raketen zu schicken.

Und übrigens ist auch das Teil des politischen Prozesses, denn wir verstehen, dass Putin davon ausgehen kann, dass eine solche Instabilität, insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern, der Alternative für Deutschland dabei hilft, die Menschen davon zu überzeugen, dass man die Zusammenarbeit mit Russland wiederaufnehmen und der Ukraine nicht helfen müsse – und dann werde es auch keine Raketen und Drohnen geben.

  • Die zweite Möglichkeit besteht darin, die Position jener Politiker zu schwächen, die für die Unterstützung der Ukraine gegen Russland eintreten.

Diese Unterstützung für die Alternative, deren führende Vertreter bildlich gesprochen in der russischen Botschaft übernachten, ist Teil dieser Arbeit zur Destabilisierung Deutschlands und dazu, den Politikern, die bereit sind, eine Alternative zu Putin zu sein, den Boden unter den Füßen wegzuziehen.

Aber ich weiß nicht, inwieweit das alles tatsächlich funktionieren kann, denn wir haben bereits Situationen erlebt, in denen ultrarechte Politiker an die Macht kamen. Ja, vielleicht nicht so umstritten wie die führenden Vertreter der Alternative, aber die Alternative ist schließlich noch sehr weit von der Macht entfernt.

Nun, Giorgia Meloni, die Vorsitzende der Partei Fratelli d’Italia, einer typischen ultrarechten politischen Partei, schloss sich mit anderen rechten und mitte-rechts stehenden politischen Parteien Italiens zu einer Regierungskoalition zusammen, in der sogar ein, wie ich sagen würde, Putin-Sympathisant wie Matteo Salvini als stellvertretender Ministerpräsident tätig ist. Aber nein, Meloni erwies sich als eine der entschlossensten Kritikerinnen Putins in der Europäischen Union. Sie trat immer für die Unterstützung der Ukraine ein. Selbst als dies die Beziehungen zum Weißen Haus zu gefährden drohte, nachdem Trump dort bereits eingezogen war.

Marine Le Pen, eine reale Kandidatin für das Amt der Präsidentin der Französischen Republik. Eine, die immer wieder reale Chancen hat. Sie ist mehrfach in die zweite Runde gekommen. Und jetzt ist es vielleicht das erste Mal, dass sie diese zweite Runde voraussichtlich gewinnen könnte. Aber es ist auch das erste Mal, dass sie auf dem Weg zu dieser zweiten Runde und sogar schon zur ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl hart über Russland spricht und von der Notwendigkeit spricht, der Ukraine zu helfen. Sowohl sie als auch der Vorsitzende ihrer Partei Rassemblement National, Jordan Bardella. Und wir sehen, dass sie schlicht das Bedürfnis verspüren, sich von Putin zu distanzieren, weil sie zu verstehen beginnen, dass Verbindungen zum Kreml einer wirklichen politischen Karriere nicht helfen, sondern sie behindern.

Das heißt, wenn jemand in seinem Land tatsächlich an der Schwelle zur Macht steht – vielleicht gilt das für die Vereinigten Staaten weniger als für Europa, aber dennoch –, versteht er, dass übermäßige Sympathien für Putin und Verbindungen zum Kreml faktisch den nationalen Interessen des Landes widersprechen, das er führt, und ihm nicht die Möglichkeit geben, sich als Politiker und natürlich als künftiger Präsident des Landes zu verwirklichen. Und es kann sein, dass Putin enorme Anstrengungen unternehmen und anschließend enttäuscht sein wird.

Nun, hören Sie, schließlich haben wir auch ukrainische historische Beispiele. Moskau unternahm unglaubliche Anstrengungen für den Sieg Leonid Kutschmas 1994 und Viktor Janukowytschs 2010. In Moskau freute man sich tatsächlich über den Sieg Volodymyr Zelenskys 2019. Der einzige dieser Präsidenten, der einfach begann, das politische Programm Moskaus umzusetzen und damit den ukrainischen Staat faktisch zu zerstören – vielleicht aus Gier, vielleicht aus Dummheit, vielleicht weil er immer nur ein gewöhnlicher bezahlter Agent der russischen Geheimdienste gewesen war –, war Janukowytsch. Er verlor schließlich die Macht und war gezwungen, über eine von den Russen vorbereitete Route zu fliehen, um ihnen die Annexion der Krim zu erleichtern.

Sowohl Kutschma als auch Zelensky begannen, nachdem sie Präsident der Ukraine geworden waren – der eine schneller, der andere langsamer –, zu erkennen, dass die Bereitschaft, vor dem Kreml zu kapitulieren, nicht nur den staatlichen Interessen der Ukraine widerspricht, sondern auch den Interessen ihres eigenen politischen Überlebens. Nun, auch das ist ein ganz gutes Beispiel, nicht wahr, über das man ebenfalls sprechen muss. Warum sollte sich das also nicht auf europäischer Ebene wiederholen können? Das kann durchaus geschehen, und auch das ist ein wichtiger Punkt.

Nun, das sind einige erste Randnotizen zu diesem lang erwarteten Telefongespräch des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump.

Ich werde auf einige der Fragen antworten, die bereits während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage. Warum versuchen die Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien nicht einmal, die Huthis in die Schranken zu weisen, die inzwischen völlig außer Kontrolle geraten sind und allzu ernsthafte Probleme für die Weltwirtschaft schaffen könnten?

Portnikov. Nun, Saudi-Arabien versucht durchaus, die Huthis in die Schranken zu weisen. Es stellt sich nur heraus, dass Saudi-Arabien dafür nicht über genügend militärisches Potenzial verfügt. Und dass der Kampf gegen Ansar Allah für Saudi-Arabien ungefähr dasselbe ist, wie es für die Vereinigten Staaten der Krieg gegen den Iran oder für Israel beispielsweise der Kampf gegen die Hisbollah war, solange man sich nicht unmittelbar auf dem Territorium befindet, das man säubern kann. Aber selbst dann kann man sie nicht alle vernichten, weil sie sich in Gebiete zurückziehen, zu denen man keinen Zugang hat.

Im Jemen ist die Situation noch komplizierter, das Gelände ist noch schwieriger, und die Vereinigten Staaten wollen sich tatsächlich nicht darauf einlassen, weil Trump vor den Wahlen große Angst vor jeder ernsthaften Eskalation hat. Und wiederum glaube ich, wie in allen anderen Fällen, dass er meint, mit Ansar Allah eine Vereinbarung treffen zu können. Zumal die jemenitischen Huthis sagen, sie würden keine amerikanischen Schiffe angreifen, es handle sich ausschließlich um einen Konflikt mit Saudi-Arabien. Trump lässt sich darauf ein. Warum folgt er dieser Logik? Ich glaube, das ist eine Geschichte, die aus einer falschen Einschätzung der Möglichkeiten des Iran entstanden ist. Wer sich an der Milch verbrannt hat, bläst bekanntlich auf das Wasser.

Frage. Wenn Putin nicht genug Geld für den Krieg hat, wie viel Zeit wird Russland brauchen, um seine Wirtschaft wiederherzustellen und erneut anzugreifen?

Portnikov. Ich glaube, die Frage ist falsch gestellt. Ich erinnere Sie immer wieder an eine sehr wichtige Sache. Es hätte niemals einen russischen Angriff auf die Ukraine gegeben, wenn Russland nicht davon überzeugt gewesen wäre, innerhalb weniger Tage einen Blitzkrieg erfolgreich abschließen zu können, und wenn es den ukrainischen Staat nicht für einen schwachen Staat gehalten hätte: institutionell schwach, nicht auf einen Angriff vorbereitet und mit einer Staatsführung, die sich faktisch in einer mentalen Falle der russischen Führung befand.

Die Vorstellung von der Möglichkeit eines solchen Blitzkriegs entstand erst nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2019 und dem Treffen Putins und Zelenskys in Paris, bei dem Zelensky Putin zeigte, dass er nicht kapitulieren würde, während Putin ihn nach seinem eigenen Wertesystem als Verräter und Schwächling einschätzte. Denn wir verstehen sehr gut, dass Zelensky ihn in der realen Welt nicht verraten hat, aber in Putins Wertewelt hat Zelensky, der selbst Teil der „russischen Welt“ hätte sein sollen und, wie Putin sagte, Angst vor den Nationalisten bekommen habe, Verrat begangen.

Und denken Sie außerdem daran, dass man die Wahlen von 2019 in Russland als Wunsch der überwältigenden Mehrheit der Ukrainer deutete, sich mit dem Kreml zu einigen und vor ihm zu kapitulieren. Man glaubte, die russischen Truppen würden mit Applaus empfangen. Wären die Ergebnisse von 2019 anders gewesen und hätte Putin die Ukraine danach natürlich nicht für einen schwachen Staat und Zelensky nicht für einen Menschen gehalten, der vor ihm kapitulieren müsse, dies aber nicht wolle, wäre all das nicht geschehen. Im Grunde ist der tatsächliche Weg zum großen Krieg ein direktes Ergebnis der Abstimmung von 2019 und der Bewertung dieser Abstimmungsergebnisse durch russische Politiker.

Warum erinnere ich daran? Nicht nur, damit jeder, der an den Wahlprozessen in der Ukraine beteiligt war, seine Verantwortung für alles spürt, was geschieht, und versucht, in Zukunft keine Einschätzungen vorzunehmen und keine Wahlentscheidungen zu treffen, die ihn und seine Angehörigen das Leben, die Gesundheit und ihr Schicksal kosten können. Man muss die Menschen einfach davon abhalten, selbst noch am Rand des Grabes muss man sie davon abhalten. Und das ist eine wichtige Aufgabe für mich.

Russland hätte eine starke Ukraine, die sich auf einen Krieg vorbereitet hätte, nicht angegriffen. Wenn Russland verstanden hätte, dass ihm ein jahrelanger Krieg droht, dass Raketen auf sein Territorium niedergehen könnten und dass seine Bürger in großer Zahl sterben würden, hätte es diesen Krieg nicht begonnen, sondern nach anderen Wegen gesucht. Wenn man natürlich bereits in einem Blitzkrieg steckt, alles bereits geschehen ist und man eine Beendigung des Krieges als Niederlage betrachten kann, handelt man anders. Aber solange er noch nicht begonnen hat, denkt man über die Risiken nach.

Die Situation ist also sehr einfach. Man sollte nicht fragen: Wenn Putin kein Geld mehr hat, wie viel Zeit wird er brauchen? Man sollte so fragen: Wenn die Ukraine eine militarisierte Festung ist, deren Gesellschaft zur Verteidigung bereit ist, wird es keinen russischen Angriff geben. Wenn sich die Ukraine erneut in ein Land verwandelt, in dem die Menschen nicht in der Lage sind, die Gefahr einzuschätzen, wird der Angriff auf jeden Fall stattfinden, ganz gleich, wie wenige Kräfte Russland haben mag, und erneut werden Tausende Ukrainer unter Raketen und Bomben sterben. Das verspreche ich Ihnen nicht, das garantiere ich Ihnen. Eine schwache Ukraine ist der Weg zu ihrem Tod. Eine starke Ukraine ist der Weg zum Frieden.

Der ukrainische Sozialstaat muss demontiert werden. Die Prioritäten müssen andere sein: Verteidigung, Verteidigung und noch einmal Verteidigung – auf Kosten des Wohlstands, leider für eine ziemlich lange Zeit. Wie, glauben Sie, hat Israel von 1948 bis ungefähr 1988 überlebt, bis es gelang, gewisse Voraussetzungen für Frieden zu schaffen? Auf Kosten des Wohlstands. Deshalb bin ich völlig bereit, der überwältigenden Mehrheit der Menschen den Wohlstand zu verweigern, damit Sie überleben und Ihre Kinder nicht beerdigt werden müssen.

Natürlich darf es, wenn dieser Preis beim Wohlstand gezahlt werden soll, auch nicht dazu kommen, dass das Geld dieser armen Menschen gestohlen wird, die in der Ukraine in den kommenden militarisierten Jahrzehnten leben werden. Auch das ist eine wichtige Voraussetzung, aber an all dem wird man arbeiten müssen. Und übrigens verstehen Sie doch, dass unsere Armut schnell enden wird, wenn es uns vor diesem Hintergrund noch gelingt, der Europäischen Union beizutreten.

Dann wird bei uns eine wirkliche wirtschaftliche Entwicklung beginnen, zumindest nicht in der Nähe der Grenzen zur Russischen Föderation, sondern dort, wo man sich voraussichtlich gegen mögliche Angriffe verteidigen kann. Und in 20 oder 30 Jahren könnte sich Russland selbst verändern, aber das ist dann bereits eine Frage des Überlebens nicht einmal unserer Kinder, sondern unserer Enkel und nicht mehr unsere eigene.

Frage. Stellen Sie sich Wahlen in der Ukraine vor. Wie viele Menschen würden für eine Friedenspartei stimmen?

Portnikov. Das wird davon abhängen, welche Ideen diese Partei tatsächlich vertritt. „Friedenspartei“ ist schließlich nur eine bedingte Bezeichnung. Sie werden sagen: „Wir werden uns mit Putin einigen.“ Aber welche Wege zu einer solchen Einigung werden sie vorschlagen? Es wird davon abhängen, wann der Krieg endet. Gegenwärtig gibt es keinerlei objektive Voraussetzungen dafür, dass er endet und wir Wahlen abhalten, nicht einmal in absehbarer Zukunft. Wie groß wird die Bevölkerung in dem Gebiet sein, das nicht nur vor russischen Truppen, sondern auch vor russischen Angriffen bewahrt wurde? Wie wird diese Bevölkerung zusammengesetzt sein? Wir wissen nichts. Wir befinden uns erst in der ersten Phase der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation, erst die ersten viereinhalb Jahre des großen Krieges sind vergangen. Wir können über die nächsten viereinhalb Jahre nachdenken, falls es uns nicht gelingt, das wirtschaftliche Potenzial Russlands zu zerstören.

Warum also prognostizieren, was nach Jahren, Jahren und noch mehr Jahren dieses großen Krieges geschehen wird? Beeilen Sie sich nicht. Wenn es Frieden gibt, werden wir über eine Friedenspartei sprechen. Derzeit sind für die nächsten Jahre keinerlei Voraussetzungen für die Entstehung einer Friedenspartei absehbar, weil Krieg, Krieg und noch viele Male Krieg absehbar ist, falls es uns nicht gelingt, Putins Potenzial zu zerstören.

Frage. Glauben Sie wirklich an eine plötzliche Erleuchtung Le Pens? Vielleicht ist das nur eine vorübergehende Veränderung der politischen Stimmung.

Portnikov. Ich glaube überhaupt nicht an die Erleuchtung von Politikern. Politiker erleben keine Erleuchtung. Sie erkennen einfach, was aus Sicht ihrer eigenen Interessen und ihrer Karriereentwicklung für sie vorteilhaft ist. Und manche können, selbst wenn sie Rechtspopulisten sind, der Ansicht sein, dass ihre Karriereentwicklung nicht von den nationalen Interessen zu trennen ist. Sie werden doch nicht bestreiten, dass Marine Le Pen eine erfahrene Politikerin ist. Ihre Ansichten mögen uns nicht gefallen, aber sie ist eine Politikerin mit enormer Erfahrung, ein Idol ultrarechter Kräfte in ganz Europa. Ich erinnere mich noch daran, dass man, als die Partei Recht und Gerechtigkeit in Polen auf dem Weg an die Macht war, in allen polnischen Publikationen, die Jarosław Kaczyński unterstützten, Titelseiten mit dem Gesicht Marine Le Pens sehen konnte. Und so war es von Warschau bis Lissabon. Sie ist eine Heldin. Deshalb riskiert sie nichts, wenn sie ihre Positionen öffentlich macht. Sie beginnt lediglich zu verstehen, wie sich diese Positionen auf ihre künftigen Chancen auswirken und in welchem Verhältnis Russland heute tatsächlich zu den Interessen Frankreichs steht. Das ist schließlich eine neue Situation. Nein, sie hat also keine Erleuchtung erlebt. Sie hat einfach verstanden, wie sich die politische Konjunktur verändert hat. Und auch das sind sehr wichtige Punkte, über die gesprochen werden muss, wenn wir die weitere Entwicklung der Ereignisse in Europa erörtern.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Зеленський поговорив з Трампом: головне
| Віталій Портников. 20.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 20.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Zelensky traf sich mit Fedorov und Syrsky | Vitaly Portnikov. 18.07.2026.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Proteste in der ukrainischen Hauptstadt und anderen Städten unseres Landes hat Präsident Volodymyr Zelensky ein Treffen mit dem ehemaligen Verteidigungsminister Mychajlo Fedorov und dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, General Oleksandr Syrsky, abgehalten.

Nach Abschluss dieses Treffens versprach Zelensky, eine Entscheidung zu treffen, die die Armee betrifft. Mychajlo Fedorov wiederum berichtete ebenfalls über den Dialog und äußerte die Hoffnung, dass es gelingen werde, in der entstandenen Situation zu einer Verständigung zu gelangen.

Damit geschieht praktisch genau das, worüber ich seit dem ersten Tag dieser Krise unermüdlich spreche. Die Kunst der Staatsführung besteht gerade nicht darin, jemanden entlassen zu können. Das ist für einen Menschen mit präsidentiellen Vollmachten überhaupt kein großes Problem. Sie besteht vielmehr darin, wertvolle Mitarbeiter zu erhalten und eine Synergie für ihre weitere Zusammenarbeit zu schaffen – selbst dann, wenn sich ihre Auffassungen über den Krieg unterscheiden.

Wichtig ist dabei, dass die einen Ansätze die anderen ausgleichen und dass die Zusammenarbeit zwischen dem Verteidigungsministerium und dem Oberkommando der Streitkräfte zusätzliche Möglichkeiten schafft, den Widerstand gegen die russische Aggression fortzusetzen – umso mehr vor dem Hintergrund der Bereitschaft der Führung der Russischen Föderation, den Krieg gegen die Ukraine in der kommenden Zeit fortzuführen.

Wir sehen bereits, wie ernst Präsident Putin die Möglichkeit einer Fortsetzung des Krieges nimmt und wie real sowohl die Gefahr einer neuen Mobilisierung in der Russischen Föderation als auch einer Ausweitung des russisch-ukrainischen Krieges auf die benachbarten europäischen Staaten ist. Auch das könnte noch in diesem Jahr zu unvorhersehbaren Folgen führen.

Daher ist das Verständnis, dass Verteidigungsministerium und Streitkräfte ihre Anstrengungen bündeln und Möglichkeiten sowohl für eine Neugestaltung des Krieges als auch für die Erhaltung des Potenzials der Streitkräfte im Sinne der klassischen Kriegskunst finden müssen, eine offensichtliche Voraussetzung für die weitere Entwicklung der militärischen Lage.

Dabei ist natürlich nicht entscheidend, wie der ehemalige Verteidigungsminister und der Oberbefehlshaber der Streitkräfte persönlich zueinander stehen. Jeder von ihnen kann den Ansatz des anderen für unprofessionell oder ineffektiv halten. Doch gerade die Aufgabe des Obersten Befehlshabers besteht darin, aus jedem Ansatz das herauszugreifen, was den jeweils anderen ergänzt und stärkt. So arbeiten Verteidigungsministerien und Militärs in allen zivilisierten Staaten.

Wir müssen eine ganz einfache Tatsache verstehen: Unterschiede in den Ansätzen zwischen dem Verteidigungsministerium und der Armee wird es immer geben, solange das Verteidigungsministerium als Beschaffungsinstanz fungiert und die Armee die Ergebnisse dieser Beschaffungen erhält. 

Die Alternative zu einem solchen Modell und zu solchen Meinungsverschiedenheiten wäre eine totalitäre Herrschaft, in der es überhaupt keine zivile Kontrolle über die Armee und ihre Beschaffungen gibt und alles im Modus einer Militärdiktatur geschieht. Das Verteidigungsministerium würde dann zu einer Behörde, die von Generälen geleitet wird – so wie es beispielsweise während des Zweiten Weltkriegs in der Sowjetunion der Fall war, nicht jedoch in den Vereinigten Staaten oder in Großbritannien. Auch das muss man verstehen.

In dieser Situation bleibt die Kunst des Kompromisses, die Fähigkeit, zwischen wichtigen Akteuren des Wandels und denen, die unmittelbar an der Front kämpfen, eine gemeinsame Sprache zu finden, die wichtigste Aufgabe für die kommenden Monate und Jahre des zermürbenden russisch-ukrainischen Krieges.

Es wird also von Volodymyr Zelensky abhängen, wie die Taktik der Verständigung zwischen den beiden Kontrahenten aussehen wird. Ich bin jedoch überzeugt, dass das Staatsoberhaupt und Oberste Befehlshaber der Streitkräfte heute einen Schritt in die richtige und notwendige Richtung gemacht hat. Einen Schritt, den man nur begrüßen kann.

Natürlich wissen wir nicht, wie sich die Ereignisse weiter entwickeln werden und wie die Energie Mychajlo Fedorovs in den Strukturen erhalten bleiben wird, die den Streitkräften der Ukraine im Widerstand gegen die zermürbende russische Aggression helfen sollen.

Ob Fedorov von Zelensky erneut für das Amt des Verteidigungsministers vorgeschlagen wird oder ob er eine Struktur leiten wird, die sich gerade mit der Erneuerung der Taktik und Strategie der Streitkräfte der Ukraine im Hinblick auf jene Technologien beschäftigt, die den Krieg in der kommenden Phase verändern sollen – sodass sowohl die menschlichen Verluste als auch die unmittelbare Gefahr direkter Zusammenstöße an der Frontlinie zwischen russischen und ukrainischen Truppen verringert werden.

Das heißt: eine Vergrößerung dieser sogenannten „Kill Zone“, die der ukrainischen Armee ermöglichen würde, die Kontrolle über jene Gebiete zu bewahren, die sich heute unter der Herrschaft der legitimen ukrainischen Regierung befinden, und sogar über eine Ausweitung dieses Territoriums auf Kosten der heute vom Kreml kontrollierten besetzten ukrainischen Gebiete nachzudenken. Oder zumindest Bedingungen zu schaffen, unter denen die besetzten Gebiete von Russland selbst isoliert werden – so, wie dies bereits auf der Krim geschieht und, wie ich hoffe, auch weiterhin geschehen wird.

Denn Russland zu beweisen, dass es ukrainisches Territorium zwar besetzen, dort aber keine tatsächliche Herrschaft ausüben kann, muss ebenfalls zu einem wichtigen Argument in den kommenden Jahren der Fortsetzung und – hoffentlich eines Tages – des Abklingens dieses endlosen und schrecklichen russisch-ukrainischen Krieges werden.

Dafür braucht es sowohl eine starke Armee als auch moderne Ansätze für deren Einsatz. Umso mehr, als wir bereits mehrere technologische Veränderungen während dieses Krieges erlebt haben. Angesichts der Tatsache, wie lange dieser Krieg noch andauern kann, könnten wir noch mehrere echte technologische Wendepunkte erleben.

Denn während eines großen Krieges – und dies ist ein großer Krieg, der sich nur noch weiter ausweiten kann – entwickeln sich Technologien im beschleunigten Tempo. Der technologische Fortschritt beschleunigt sich in Zeiten großer Kriege stets weit stärker als in Friedenszeiten. Denn die Energie richtet sich auf den Sieg im Krieg und damit auf die Entwicklung neuer militärischer Technologien, die Ländern wie der Ukraine helfen können, sich erfolgreich gegen Atommächte wie die Russische Föderation zu behaupten.

Und dabei müssen wir dem technologischen Fortschritt selbstverständlich immer einen Schritt voraus sein, um unseren Staat zu bewahren und zumindest hoffen zu können, in den kommenden schwierigen Jahren einen Weg zum Ende dieses Krieges zu finden. Das erfordert die Bündelung der Kräfte und das Bewusstsein der ukrainischen Führung für ihre Verantwortung, den ukrainischen Staat und das ukrainische Volk in den bevorstehenden schwierigen Zeiten zu bewahren.


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Titel des Originals: Зеленський зустрівся із Федоровим і Сирським | Віталій Портников. 18.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 18.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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