Trump droht der Ukraine | Vitaly Portnikov. 12.10.2026.

Einen Tag nach dem skandalösen Telefongespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und den Vereinbarungen über die Lieferung russischen Diesels auf den Weltmarkt wurde bekannt, dass amerikanische Beamte der Ukraine weiterhin mit der Einstellung der Hilfe drohen, falls unser Land seine Angriffe auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation nicht einstellt.

In der Financial Times erschien die Information, dass amerikanische Beamte sowohl in Kyiv als auch in europäischen Hauptstädten angerufen und damit gedroht hätten, das Programm zur militärischen Unterstützung der Ukraine mit europäischen Geldern, das PURL-Programm, sowie den Austausch von Geheimdienstinformationen mit der Ukraine einzustellen, falls die Angriffe auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation nicht aufhören. Gleichzeitig verkündete Donald Trump, dass Russland und die Ukraine eine Waffenruhe im Energiebereich erreicht hätten. Von dieser Nachricht wusste man weder in Kyiv noch in Moskau etwas.

Unmittelbar nach dieser Mitteilung des amerikanischen Präsidenten erklärte der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky, dass die Ukraine dies als gute Nachricht betrachte und Russlands Zustimmung zu einer solchen Waffenruhe im Energiebereich erwarte, denn die Ukraine stimme ihr zu. Aus Russland gab es überhaupt keine Kommentare zu einer solchen Waffenruhe im Energiebereich. Es ist offensichtlich, dass Donald Trumps Mitteilung den Kreml völlig überrascht hat und Putin höchstwahrscheinlich die erneuten Äußerungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten, die nicht der Realität entsprechen, einfach ignorieren wird.

Nachdem Trump verkündet hatte, dass eine Waffenruhe im Energiebereich erreicht worden sei, griffen russische Truppen das Heizkraftwerk Nummer 5 in Charkiw an. Damit demonstrierten sie erneut die tatsächliche Haltung des Präsidenten der Russischen Föderation zum Gerede seines amerikanischen Kollegen. Überhaupt zeigen die Ereignisse der letzten Tage, Freunde, dass wir in einer Welt einer allgegenwärtigen, grellen, offensichtlichen Schizophrenie leben.

Und die beste Illustration dieser Schizophrenie ist, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten vor seinen Anhängern auftritt und ihnen verspricht, den Atlantischen oder den Pazifischen Ozean in „Ozean Amerikas“ oder, noch besser, in „Ozean Trumps“ umzubenennen. Und wir sollen diese Reden nicht als Ausdruck eines gewissen Wahnsinns betrachten, eines medizinischen und nicht politischen Wahnsinns, sondern als politische Wahlkampfslogans, die Donald Trump braucht, um die Haltung gegenüber der Republikanischen Partei zu verbessern, der infolge seiner Tätigkeit als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika eine vernichtende Niederlage droht.

Alles, was wir sehen, wirkt schizophren. Anders kann man das nicht interpretieren. Der Präsident der Vereinigten Staaten unterzeichnet demonstrativ, vielleicht ohne große Freude, aber demonstrativ, das Graham-Gesetz, das den fünf Ländern, die die größten Mengen russischer Energieträger kaufen, also Erdöl, Erdölprodukte einschließlich Diesel und Gas, mit Sanktionen droht. Donald Trump selbst bezeichnet dieses Gesetz als ein wichtiges Gesetz, das alle an seinen verstorbenen Mitstreiter Lindsey Graham erinnern soll, mit dem er ein Jahr lang über die wichtigsten Bestimmungen dieses Gesetzes diskutiert hatte.

Nicht einmal wenige Wochen vergehen, da vereinbart der Präsident der Vereinigten Staaten mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, dass Russland eine geringe Menge Dieselkraftstoff auf den Markt liefern wird, die die Situation auf diesem Markt nicht einmal um ein Jota verändern kann. Und das, obwohl ein Gesetz der Vereinigten Staaten aus dem Jahr 2022 den Vereinigten Staaten selbst verbietet, Dieselkraftstoff, irgendwelche anderen Erdölprodukte und Energieprodukte aus der Russischen Föderation zu kaufen. Trump lobt Russland dafür, dass es erhebliche Mengen Erdöl auf den Weltmarkt liefert. Gleichzeitig muss er bis zum 28. Oktober Maßnahmen ergreifen, um jene Länder zu bestrafen, die diese erheblichen Mengen Erdöl kaufen, und zwar gemäß demselben Gesetz, das er eigenhändig unterzeichnet hat.

Wie passt das eine zum anderen? Wie kann man ein Gesetz unterzeichnen, das Strafmaßnahmen gegen Länder vorsieht, die Erdöl aus der Russischen Föderation kaufen, und Strafmaßnahmen gegen die Wirtschaft der Russischen Föderation selbst? Und gleichzeitig mit dem Präsidenten der Russischen Föderation über den Verkauf von Diesel verhandeln und sich darüber freuen, dass die Russische Föderation erhebliche Mengen Erdöl auf den Markt liefert, während westliche Länder Jagd auf Schiffe der Russischen Föderation machen, die dieses Erdöl transportieren, diese Schiffe anhalten und ihnen nicht erlauben, dieses Erdöl zu befördern? Wie soll man das eine mit dem anderen in Einklang bringen?

Nun zu den Preisen. Die Anhänger Donald Trumps wiederholen bis heute, ich sehe das in den sozialen Netzwerken, völligen Unsinn darüber, dass das Auftauchen billigen russischen Diesels auf dem amerikanischen Markt die Preissituation verändern und amerikanischen Landwirten helfen könne. Amerika selbst exportiert unterdessen jeden Monat sechs Millionen Tonnen Dieselkraftstoff aus dem eigenen Land. Ich habe das schon mehrfach gesagt. Sechs Millionen Tonnen. Welche Bedeutung kann es auf dem Markt eines Landes, das monatlich sechs Millionen Tonnen exportiert, haben, wenn es von einem anderen Land 300.000 Tonnen kauft? Dann kann man seine eigenen 300.000 Tonnen eben noch dazurechnen. Es gibt also die Vorstellung, dass diese 300.000 Tonnen, wenn sie irgendwie trotz aller Gesetze der Vereinigten Staaten von Amerika auf den amerikanischen Markt gelangen, aus irgendeinem unerfindlichen Grund billiger sein werden als jene Millionen Tonnen Dieselkraftstoff aus amerikanischer Produktion, die Amerika selbst verbraucht. Aber wie können 300.000 Tonnen mit drei, vier, ich weiß nicht wie vielen Millionen Tonnen des eigenen Verbrauchs konkurrieren? Sie werden sich darin doch auflösen wie Zucker im Tee. Auch das ist, wie mir scheint, eine sehr gute Frage.

Viele sagen, Trump versuche einfach, Angriffe auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation zu verhindern, und habe gerade deshalb dieses Geschäft mit diesen Tonnen Dieselkraftstoff und dieser Waffenruhe im Energiebereich erfunden. Wozu? Was ändert sich, wenn beispielsweise die Erdölraffinerien der Russischen Föderation auf Hochtouren arbeiten? Stellen wir uns vor, Russland könnte nicht 300.000 Tonnen Dieselkraftstoff exportieren, sondern drei Millionen Tonnen. Obwohl ich erneut daran erinnern möchte, dass es dies nur durch Schmuggel tun kann, weil Amerika selbst Sanktionen gegen Russland verhängt hat, die allerdings jetzt für ein halbes Jahr aufgehoben wurden.

Ja, der russische Staatshaushalt würde dadurch offensichtlich gewaltige Einnahmen erzielen. Das stimmt. Aber das würde nicht zu einem niedrigeren Dieselpreis führen. Denn der Dieselpreis hängt vom Erdölpreis ab. Erdöl ist wegen der Blockade der Straße von Hormus teuer. Durch die Straße von Hormus fahren Schiffe, die sämtliche Sicherheitsanforderungen für die Durchfahrt durch einen so gefährlichen Ort erfüllen. Sie zahlen höhere Versicherungsprämien und schließen andere Vereinbarungen über den Gütertransport ab. Deshalb wird durch die Straße von Hormus teures Erdöl transportiert. Und deshalb sind entsprechend dem Preis dieses Erdöls auf dem Markt auch die Erdölprodukte so teuer, sowohl Benzin als auch Dieselkraftstoff, auch an den Tankstellen in den Vereinigten Staaten.

Wenn die Ukraine aufhört, die Erdölraffinerien der Russischen Föderation anzugreifen, wird in Russland der Benzinmangel verschwinden, und Russland wird mehr Möglichkeiten haben, überschüssigen Dieselkraftstoff zu verkaufen. Aber dadurch wird der Preis nicht sinken. Nun, vielleicht werden auf dem russischen Binnenmarkt die Preise für Benzin und Diesel niedriger sein, aber Russland wird zu den Preisen verkaufen, die an den Weltbörsen gelten. Warum sollte es anders handeln? Oder es wird Erdöl durch Schmuggel an die Volksrepublik China und Indien verkaufen, wie es das bisher getan hat. Aber dabei geht es nicht um Erdölprodukte. Gerade jetzt verkauft Russland mehr von seinem Erdöl als früher, weil eine gewaltige Menge Erdöl nicht in seine Raffinerien gelangt und deshalb aufs Meer hinausgebracht wird, um dieses Erdöl zu verkaufen, sobald sich eine Möglichkeit ergibt.

Ich erinnere Sie an die Zeit des Irankrieges. Damals erlaubte das Finanzministerium der Vereinigten Staaten angesichts der vollständigen Blockade der Straße von Hormus Indien, größere Mengen nicht von Erdölprodukten, sondern von russischem Rohöl von jenen Schiffen zu kaufen, die sich auf See befanden, um den Erdölmangel zu überwinden. Denn Indien brauchte damals ganz konkret Rohöl für seine Raffinerien, die nicht ausgelastet waren und wegen des Mangels an Rohstoffen unter einem Mangel an Erdölprodukten litten. Und ja, offensichtlich kaufte Indien russisches Erdöl zu einem niedrigeren Preis als dem damaligen Weltmarktpreis, aber immer noch zu einem wesentlich höheren Preis als dem, zu dem russisches Erdöl vor Beginn des Krieges im Iran verkauft worden war.

Und Präsident Zelensky hat vollkommen recht, wenn er sagt, dass man mit den Menschen in der Sprache der Wahrheit sprechen muss, dass die gesamte Energiesituation auf dem Markt nichts mit der Ukraine und nichts mit den ukrainischen Angriffen auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation zu tun hat. Nein, sie hängt ausschließlich mit der mangelnden Durchdachtheit und der Inkompetenz jener Menschen zusammen, die die Operation gegen den Iran geplant haben und die sich, genau so ist es, als völlige Idioten erwiesen haben, ebenso wie jene Menschen, die den Krieg gegen die Ukraine geplant haben und nicht in der Lage sind, dies einzugestehen. Im Grunde keiner von ihnen.

Heute habe ich wieder einmal ein Propagandavideo des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu gesehen, eines der politisch Hauptverantwortlichen dafür, dass im Iran alles so verlaufen ist, wie es verlaufen ist, und dass Israel hinsichtlich seiner Sicherheit angesichts der neuen hochtechnologischen Errungenschaften Russlands und damit auch seiner Verbündeten jetzt vor den größten Problemen seit der Gründung des jüdischen Staates steht. Denn wir wissen nicht, was mit Israel geschehen wird, wenn es von strahlgetriebenen Drohnen aus dem Iran angegriffen wird. Diese Waffenruhe wird früher oder später enden. Und Netanjahu, der den jüdischen Staat in diese, wie ich sagen würde, unglaublichen Schwierigkeiten gebracht hat, kämpft gegen seine Gegner, indem er sagt: Sehen Sie, einer von ihnen, Yair Golan, der als Kandidat für Ministerposten in einer neuen Regierung gilt, die möglicherweise gebildet werden kann, wenn Benjamin Netanjahus Partei Likud und ihre ultrarechten Verbündeten bei den kommenden Parlamentswahlen in Israel eine Niederlage erleiden, sagt, dass die Tötung von Ajatollah Chamenei ein Fehler gewesen sei. „Sehen Sie, diese Menschen sind Anhänger unserer Feinde.“ Aber Yair Golan sagt das, was die Mehrheit der internationalen Analysten sagt: Nach der Tötung von Ajatollah Chamenei ist das iranische Regime nicht zusammengebrochen, wie Netanjahu gehofft hatte und wovon er auch den noch inkompetenteren Trump zu überzeugen versuchte. Und jetzt existiert das Regime weiter, aber es gibt nicht einmal mehr ein Zentrum, das irgendetwas entscheidet. Es ist unklar, mit wem man verhandeln soll. Und darüber hat Trump mehrfach gesprochen.

Und die Situation befindet sich in einer absoluten Sackgasse. Man kann den Iran nicht besiegen. Man kann sich mit ihm nicht einigen. Man kann nur dasitzen und darauf warten, dass der Vulkan ausbricht. Und gleichzeitig klammern sich die Menschen, die das alles organisiert haben, an die Macht und sind nicht einmal in der Lage, ihre Fehler zu überdenken. Denn die Wette darauf, dass „wir Chamenei töten und das Regime zusammenbricht“, hat sich als eine Wette erwiesen, die genau das Gegenteil bewirkte. Das Regime hat sich radikalisiert, ist erhalten geblieben und bereitet neue Verbrechen vor. Und es gibt keinen Führer des Regimes, mit dem man wenigstens irgendeinen Dialog führen könnte.

Und wir sprechen oft darüber, wie gefährlich Inkompetenz in der Politik ist. Darüber spreche ich seit 2019. „Sehen Sie, wir haben solche Probleme. Inkompetenz in der Politik, Zerstörung der staatlichen Verwaltung. Und warum das alles? Weil man einen ehemaligen Fernsehschauspieler zum Präsidenten des Landes gewählt hat.“ Nun gut. Hier haben wir eine Alternative, den Berufspolitiker Benjamin Netanjahu. Er war sein ganzes Leben lang Politiker, hat sich ausschließlich mit Politik beschäftigt. Davor diente er in den israelischen Verteidigungsstreitkräften, stammt aus der Familie eines ehemaligen Assistenten von Ze’ev Jabotinsky, einem der Begründer der zionistischen Ideologie. Er bekleidete verschiedene Ministerämter und kämpfte in der Likud-Partei um die Macht. Alle Rezepte, die ich nenne, wirklich alle dafür, wie man eine professionelle Staatsführung bekommt, finden sich in Benjamin Netanjahus Biografie. Wie konnte es dann geschehen, dass Israel in Wirklichkeit von einer völlig inkompetenten Regierung aus Profis, aus Politikern, wie ich immer sage, regiert wird? Widerlegt das etwa alles, was ich Ihnen die ganze Zeit erzähle?

Nehmen wir die israelische Politik und fragen wir: „Wie kann das sein? Alles, was Sie empfohlen haben, wird dort praktisch umgesetzt – sämtliche von Ihnen verschriebenen Mittel kommen zum Einsatz, aber die Situation ist das genaue Gegenteil Ihrer Erzählungen darüber, wie Berufspolitiker einen Staat führen.“ Und ich kann Ihnen diese Frage beantworten. Ein Berufspolitiker muss auch an seine politischen Perspektiven denken und nicht daran, dass er ins Gefängnis kommen könnte, wenn er die Macht verliert. Sämtliche politischen Instinkte des erfahrenen Benjamin Netanjahu sind in den letzten Jahren ausschließlich dem Wunsch untergeordnet, nicht in einer Gefängniszelle zu landen, in der sich bereits sein Vorgänger im Amt des Ministerpräsidenten, Olmert, befand und in der auch der ehemalige israelische Präsident Katzav saß. Das heißt, die israelische Justiz hat bereits bewiesen, dass sie einen Ministerpräsidenten ins Gefängnis bringen kann, wenn seine Schuld nachgewiesen wird. Und nichts wird diese Justiz daran hindern, das zu tun.

Und Netanjahu will nicht ins Gefängnis, will nicht die Zerstörung seiner politischen Karriere, will nicht die Zerstörung des normalen Lebens seiner Familie. Und seine gesamte Tätigkeit ist nicht den Interessen der nationalen Sicherheit des Staates Israel untergeordnet, sondern dem Interesse an seiner eigenen Freiheit. Und die Interessen seiner eigenen Freiheit werden als nationale Interessen des Staates Israel ausgegeben. Und die Gesellschaft hat das akzeptiert, zumindest jener Teil, der ihn wählt. Und auf diese Weise ist man in einer absoluten Sicherheitswüste gelandet.

Die Vereinigten Staaten von Amerika. Donald Trump musste in den vier Jahren zwischen seinen Präsidentschaften vor Gericht erscheinen und Auskünfte geben. Er wurde verhaftet, wenn auch nur für einige Stunden. Aber wie erniedrigend ist es für einen Menschen, der immer einen erfolgreichen Geschäftsmann und herausragenden Präsidenten gespielt hat, vor den Augen des ganzen Landes als Krimineller dazustehen. Und jetzt ist seine gesamte Tätigkeit darauf ausgerichtet, erstens zu verhindern, dass sich so etwas jemals wiederholt, jede Möglichkeit einer Inhaftierung oder einer Wiederaufnahme der Gerichtsverfahren gegen ihn auszuschließen – denn auch die amerikanische Justiz hat mehrfach bewiesen, wozu sie fähig ist – und zweitens, sich zu bereichern.

Und deshalb ist Trumps Präsidentschaft keine Präsidentschaft, Netanjahus Amtsführung als Ministerpräsident keine wirkliche Amtsführung als Ministerpräsident. Keine Professionalität kann irgendetwas retten, wenn man ständig eine Gefängniszelle vor Augen hat. Und übrigens nähern wir uns in der Ukraine ebenfalls dieser Situation, wenn nicht beim Präsidenten Zelensky, gegen den bekanntlich niemals offiziell irgendwelche Anschuldigungen erhoben wurden, zumindest nicht öffentlich, dann doch bei einer gewaltigen Zahl von Führungspersonen des ukrainischen Staates. Hören Sie, wenn bei uns der Generalstaatsanwalt im Grunde nach Österreich geflohen ist und dort nach Möglichkeiten sucht, politisches Asyl zu erhalten. Wenn sich bei uns machtnahestehende Personen im selben Israel verstecken, dann können Sie sich vorstellen, welche Atmosphäre tatsächlich in den Machtstrukturen herrscht, wenn niemand weiß, welche Aufzeichnungen die nationalen Antikorruptionsbehörden besitzen und was morgen veröffentlicht wird. Und wieder stellt sich heraus, dass eine gewaltige Zahl von Menschen nach demselben Muster nicht darüber nachdenkt, wie die Ukraine diesen Krieg überleben kann, sondern darüber, wie sie selbst nicht hinter Gittern landen. Auch das ist sehr gefährlich.

Deshalb denke ich, dass man in dieser Situation die Platte irgendwie wechseln muss: weg von der Notwendigkeit einer professionellen Führung des Landes, hin zur Bedeutung einer ehrlichen Führung des Landes. Auch das ist, wie sich herausstellt, eine notwendige Voraussetzung dafür, dass sich nicht eine gewaltige Zahl von Menschen als Geiseln ihres künftigen, praktisch unvermeidlichen Untergangs infolge solcher Manöver fühlen muss. Denn wir alle, ob in der Ukraine, in Israel oder in den Vereinigten Staaten, werden zu Geiseln fremder Gefängniszellen, des Wunsches anderer Menschen, nicht in diesen Gefängniszellen zu landen. Darin liegt das Wesen dieses Augenblicks.

Kehren wir zu Zelensky zurück. Zelensky antwortete Donald Trump, dass er bereit sei, innerhalb von 60 Tagen Präsidentschaftswahlen in der Ukraine abzuhalten, ich verstehe nicht so recht, wie sich das mit der ukrainischen Gesetzgebung vereinbaren lässt, falls Donald Trump von Putin eine Waffenruhe erreichen kann. Ich halte das für eine gute Antwort. Dem Präsidenten der Russischen Föderation ist es vollkommen egal, was der Präsident der Vereinigten Staaten sagt. Einfach vollkommen egal. Auch eine 60-tägige Waffenruhe mit der Ukraine, damit die Ukraine Wahlen durchführen kann, interessiert ihn nicht. Er braucht keinerlei Wahlen in der Ukraine. Er muss die Ukraine zerstören, und auch eine Waffenruhe im Energiebereich in der Ukraine ist ihm völlig egal. Und Zelensky befindet sich in einer guten Situation, denn es wird erneut demonstriert werden, dass Donald Trump für keines seiner Worte, die er dort äußert, einsteht.

Aber das Problem liegt nicht darin. Nicht in Zelenskys guter Situation. Das Problem ist, dass Donald Trump in seiner eigenen Welt lebt, in der nur das wahr ist, was er selbst sagt. Am Ufer des Trump-Ozeans. Es würde mich nicht überraschen, wenn Trump aufwacht. Das wird schon bald sein, bald ist Montag. Und wie spät ist es jetzt bei uns? In den Vereinigten Staaten von Amerika beginnt bald der Tag. Also, wenn er dann sagt, dass die Ukraine die Waffenruhe im Energiebereich nicht vereinbaren wolle, dass sie die Erdölraffinerien der Russischen Föderation angreife, während Putin den Krieg unbedingt beenden wolle. Genau das hat er ja heute Morgen gesagt, an unserem Morgen, dass Zelensky aus irgendeinem Grund keinerlei Vereinbarungen schließen wolle, während Putin den Krieg unbedingt beenden wolle.

Was soll die Ukraine in dieser Situation tun? Nun, erstens darf sie nicht alles, was Trump sagt, für bare Münze nehmen. Zweitens darf sie nicht versuchen, sich danach zu richten. Denn was erwartet Trump im Grunde von uns? Er verkündet eine Waffenruhe im Energiebereich. Russland zerstört weiterhin unsere Energieversorgung. Wir rühren Russland nicht an. Das heißt, wir kehren zum vergangenen Winter zurück, der für Putin so bequem war, als er mit uns machen konnte, was er wollte. Und jetzt hat er noch mehr Möglichkeiten, weil er das ballistische Zeitfenster nutzt und strahlgetriebene Drohnen einsetzt, während wir einfach zusehen, was er bei uns noch zerstört. Das wäre dann eine vollständige Katastrophe, die keine amerikanische Hilfe wert ist.

Ja, der Austausch von Geheimdienstinformationen ist ein großes Problem. Dann müssen wir darüber nachdenken, wie wir diese Geheimdienstinformationen von anderen Satelliten erhalten können. Denn wenn wir Trumps Bedingungen akzeptieren, erfüllen wir faktisch seinen gemeinsamen Wunsch mit Putin, dass sie uns beide zusammen vernichten, dass es uns nicht mehr gibt und sie ihre Geschäfte betreiben können. Man muss Trump nicht öffentlich antworten, dass das alles völliger Unsinn und eine völlige Erniedrigung ist, aber man darf nicht so handeln, wie er es will. Man muss ihm so antworten, wie Putin ihm antwortet: indem man leeres Gerede ignoriert, wenn es nicht durch Taten bestätigt wird. Wenn wir zugrunde gehen, während Trump Lukoil-Aktien kauft, wird daraus nichts Gutes entstehen.

Der zweite Punkt: Man muss verstehen, dass dies die Wahlkampfhysterie des Anführers der amerikanischen Ultrarechten ist, der auf sein politisches Fiasko zusteuert und alles versucht, um dieses Fiasko zu verhindern. Er weiß nicht mehr, was er noch anstellen soll, und könnte im Grunde sogar einen Bürgerkrieg in den Vereinigten Staaten auslösen, wenn er das Ergebnis der Kongresswahlen nicht anerkennt. Und das ist durchaus möglich, denn ein Mensch, der nicht ins Gefängnis gehen will, könnte bereit sein, sein eigenes Land zu zerstören, nur um in Freiheit zu bleiben. Auch das muss man verstehen, wie sehr die Präsidentschaft Trumps als solche die Vereinigten Staaten bedroht. Das ist der zweite Punkt.

Der dritte Punkt: Man muss die Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern verstärken. Was wir jetzt sehen, diese Konsultationen Zelenskys mit den Europäern, ist eine sehr wichtige Sache. Denn wenn man in der Illusion lebt, Trump werde sich für uns mit Putin einigen, kann man einfach sterben, ohne die Realität überhaupt zu bemerken. Vielleicht ist das für manche Menschen, die jetzt diese Partei der elektoralen Kollaboration anführen, von Vorteil, weil sie glauben, damit Wählerstimmen zu gewinnen. Aber das Problem ist, dass es dann niemals Wahlen geben wird. Und darüber muss man laut sprechen. Denn ich sehe jetzt auch noch, wie all diese Schurken mit ihren Äußerungen die ukrainischen Streitkräfte für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren. Anders nenne ich diese Menschen nicht, weil sie die ukrainischen Soldaten für ihre Zwecke missbrauchen. „Wer nicht im Schützengraben sitzt, kann nicht darüber sprechen, dass wir keine Verhandlungen mit der Russischen Föderation führen sollen.“ Das habe ich hier von einem solchen berüchtigten Demagogen gehört. Ja, ich bin bereit, darauf zu antworten.

Erstens sagt niemand, dass wir keine Verhandlungen mit der Russischen Föderation führen sollen. Ich behaupte ganz klar, dass die Russische Föderation nicht vorhat, mit uns zu verhandeln. Für die Russische Föderation existieren weder die Ukraine noch das ukrainische Volk. Wenn es für Putin nicht existiert, hat er niemanden, mit dem er verhandeln könnte. Echte Verhandlungen mit der Russischen Föderation sind unter den gegenwärtigen realen Bedingungen ausgeschlossen. Sie werden erst dann entstehen, wenn Putin keine Kräfte mehr hat, den Krieg fortzusetzen. Ich weiß nicht, wie viele Anstrengungen dafür noch notwendig sein werden.

Zweitens hat das jetzt überhaupt nichts mit der Armee als solcher zu tun. Die Armee erfüllt ihre Aufgaben vollständig. Sie hat die russische Offensive blockiert. Die Operation Vivaldi hat gezeigt, dass man sogar bestimmte Teile des ukrainischen Territoriums befreien kann. Ja, all das geschieht in der klassischen Sackgasse, die nach 2023 an der Front entstanden ist, aber es geschieht. Doch Putin setzt jetzt überhaupt nicht auf die Armee, er setzt auf das Hinterland. Es wird ein Moment kommen, in dem es wesentlich realistischer sein wird, in der Armee zu überleben als im Hinterland, wenn dieser Moment nicht bereits gekommen ist. Es wird ein Moment kommen, in dem die Zahl der Todesopfer im Hinterland größer sein wird als die Zahl der Todesopfer an der Front, wenn dieser Moment nicht bereits gekommen ist. Das muss man einfach ausrechnen. Worüber reden wir überhaupt?

Jeder Mensch, der sich in der Ukraine befindet, ob an der Front oder im Hinterland, ist jetzt einer absolut gleich großen Todesgefahr ausgesetzt. Und es wird ein Moment kommen, in dem es gefährlicher sein wird, sich im Hinterland aufzuhalten. Ist das denn nicht verständlich? Der gesamte Schwerpunkt des Krieges wurde ins Hinterland verlagert, weil Putin genau versteht, dass er mit der Armee nicht gewinnen wird. Warum sollen dann Menschen, die sich im Hinterland befinden, nicht die Wahrheit darüber sagen dürfen, was mit dem Verhandlungsprozess geschieht? Wer hat das diesen widerwärtigen Aferisten gesagt, die die Ukrainer in die Irre führen? Warum halten sie nicht endlich den Mund? Schließlich haben sie sich selbst davon überzeugt, dass sie Abgeordnete werden, dass sie Präsidenten werden, dass sie irgendwelches Geld stehlen werden, und reden immer weiter.

In Wirklichkeit ist ihre gesamte Tätigkeit, wenn sie den Menschen Lügen erzählen, wenn sie ausländischen Journalisten Lügen erzählen, wenn sie westlichen Fernsehsendern Interviews geben, eine verräterische Tätigkeit, die den Interessen der nationalen Sicherheit widerspricht. Das muss man verstehen, denn die Aufgabe dieser Menschen stimmt mit Putins Aufgabe überein: eine Konfrontation bei uns zu provozieren, die Menschen dazu zu zwingen, einer vollständigen, absoluten Kapitulation der Ukraine zu russischen Bedingungen zuzustimmen, also der Liquidierung des Staates. Und da die Meinungsumfragen zeigen, dass es in der Stimmung der Menschen nichts dergleichen gibt, versucht Moskau mithilfe solcher Botschaften und Narrative, unsere öffentliche Meinung umzukehren. Das ist es, was tatsächlich geschieht, auch wenn ich es emotional ausdrücke.

Ich werde einige Fragen beantworten, die während dieser Sendung gestellt wurden.

Frage: Welche Schritte sollte die Ukraine Ihrer Meinung nach unternehmen, um die Situation mit Trump würdig zu überstehen? Können wir irgendwie Einfluss nehmen, oder hat Trump bereits völlig die Kontrolle verloren?

Portnikov: Die Ukraine hat keinerlei wirkliche Hebel, um Einfluss auf Donald Trump auszuüben. Auf Donald Trump kann nur die amerikanische öffentliche Meinung Einfluss nehmen. So oder so können wir mit ihr arbeiten. Aber sehen Sie, Laura Loomer, Donald Trumps Lieblingsbloggerin, mit der er sich sogar in Personalfragen beraten hat, hat das Geschäft zwischen Trump und Putin aus ihrer eigenen Position heraus entschieden abgelehnt. Sie betonte, dass dieses Geschäft Russland ermöglichen werde, den Iran zu finanzieren, und der Iran sei ein Feind Amerikas. Als Trump über Präsidentschaftswahlen sprach, sagte sie praktisch dasselbe wie Zelensky. Man müsse eine Waffenruhe verkünden, damit Wahlen durchgeführt werden könnten, denn in der Ukraine gebe es keine Wahlen, weil man sie während des Krieges nicht durchführen könne. Nun, eine absolut logische Sichtweise.

Wir haben Laura Loomer so viel Aufmerksamkeit gewidmet, als diese Dame in die Ukraine kam. Sie traf sich sogar mit Zelensky, mit anderen ukrainischen Beamten und mit Bloggern. Trump schenkt ihr keinerlei Beachtung. Wenn Trump irgendeine Entscheidung trifft, die mit Putin zusammenhängt, interessiert ihn Laura Loomer überhaupt nicht. Wenn er irgendeine Entscheidung trifft, die mit seinen Positionen im Nahen Osten zusammenhängt, interessiert ihn Marjorie Taylor Greene überhaupt nicht. Auf Trump kann man überhaupt keinen Einfluss nehmen. Trump hat klar erklärt, welchen Stil er hat. Er versammelt seine Berater, sie geben ihm irgendwelche Ratschläge. Dann sagt Trump, wie es aus seiner Sicht sein soll. Und sie müssen seiner Meinung zustimmen. Er braucht keine fremden Ratschläge. Er lebt in einer Welt, in der er der Genialste ist und den höchsten IQ hat.

Und deshalb müssen wir uns einfach bewusst machen, dass wir bis zum 3. November durchhalten müssen, bis zum Beginn einer neuen politischen Epoche in den Vereinigten Staaten. Entweder erkennt Trump die Wahlen an, und dann beginnt das Abklingen seiner Präsidentschaft, oder er erkennt sie nicht an, und es wird einen Bürgerkrieg geben. Und auf jede dieser beiden Möglichkeiten, die beide real sind, muss man sich einstellen.

Frage: Wie schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit eines Sieges der Demokraten in beiden Kammern des Kongresses ein?

Portnikov: Das Repräsentantenhaus können die Demokraten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gewinnen. Was mit dem Senat geschehen wird, kann heute niemand beurteilen, denn dort handelt es sich um individuelle Wahlkämpfe. Und dort liegen die Kandidaten der Demokraten und Republikaner in jenen Bundesstaaten, in denen Zwischenwahlen stattfinden, häufig bei 50 zu 50. Das heißt, ja, früher hatten die Demokraten überhaupt keine Chance, eine Mehrheit im Senat zu gewinnen. Jetzt gibt es diese Chancen. Das ist alles, was man sagen kann.

Frage: Glauben Sie nicht, dass es Putin treffen würde, wenn wir in Russland sämtliche mit dem Internet verbundenen Rechenzentren ausschalten würden?

Portnikov: Verstehen Sie, mit dem Internet verbundene Rechenzentren sind nicht nur irgendwelche Informationen darüber, was in der Welt geschieht. Das ist auch Wirtschaft, das ist auch Krieg, das sind auch, wie Sie sehen, Botfarmen. Denn jetzt können Sie das sogar an den Kommentaren zu dieser und zu den vorherigen Sendungen erkennen. Die Aktivität der Bots weltweit ist nach unseren erfolgreichen Angriffen auf die Rechenzentren von Yandex um 70 bis 80 Prozent zurückgegangen. Das ist alles Propaganda, und Russland braucht sie. Nein, Putin braucht ein kontrolliertes Internet, nicht dessen Abschaffung.

Frage: Warum sehen die Republikaner und Fox News nicht, dass Trump ein Schwätzer ist, der zehnmal von einer Waffenruhe spricht, von der Russland sagt, es höre zum ersten Mal davon? Ist es ihnen egal, dass sich die Vereinigten Staaten zum Gespött gemacht haben? Trump ist schließlich nicht ewig da.

Portnikov: Nun, warum? Erstens ist es nicht allen Republikanern egal. Es gibt Republikaner, die sich gegen solche Entscheidungen aussprechen. Es gibt sogar Republikaner, die im Repräsentantenhaus ein Gesetz initiieren, das sie Ronald-Reagan-Gesetz nennen und das jeglichen Handel mit Erdölprodukten mit der Russischen Föderation in jeder Form vollständig verbieten soll. Obwohl ich wiederum nicht so recht verstehe, wozu dieses Gesetz zusätzlich zum Gesetz von 2022 notwendig ist. Das alles gibt es zweifellos.

Aber Sie verstehen doch, dass die Republikaner einen Anführer haben. Donald Trump, der Präsident des Landes, ist der Parteivorsitzende. Andere Anführer haben die Republikaner nicht. Eine populärere Persönlichkeit haben sie nicht, selbst wenn Trumps Umfragewerte sinken. Und außerdem hat Trump die Führung der Partei im Grunde monopolisiert. Und darüber hinaus wird Trump von Tech-Oligarchen wie Elon Musk unterstützt. Sie hören doch, was Elon Musk im Grunde über diese ganze Situation sagt. Dasselbe, was Trump sagt. Ja, das droht der Republikanischen Partei eine politische Katastrophe zu bringen. Aber was können sie denn tun?

Frage: Wenn von einer Waffenruhe im Energiebereich die Rede ist, stellt sich die Frage: Geht es bei dieser Waffenruhe auch um Angriffe auf Kindergärten, Krankenhäuser und Wohnhäuser? Oder gehört dieser Teil des Terrors nicht dazu?

Portnikov: Angriffe auf Schulen, Wohnhäuser und Kindergärten fallen nicht unter eine Waffenruhe im Energiebereich. Aber es gibt keine Waffenruhe im Energiebereich, und höchstwahrscheinlich wird es auch keine geben, weil in der russischen Hauptstadt niemand etwas davon weiß. Die ukrainische und die russische Delegation haben sich nicht getroffen und darüber nicht gesprochen. Es kann keine Waffenruhe geben, von der niemand etwas weiß. Wir werden noch abwarten, bis in Moskau wenigstens irgendjemand diese Geschichte kommentiert. Vielleicht wird das am Montagmorgen geschehen, aber bislang sehen Sie statt Kommentaren Angriffe auf Heizkraftwerke. Aber selbst wenn eine Waffenruhe im Energiebereich verkündet wird, behalten sich die Seiten das Recht vor, andere Ziele anzugreifen. Das ist klar.

Frage: Glauben Sie, dass Europa ohne die PURL-Initiative die notwendigen Mindestmengen an Waffen bereitstellen kann? Und wird es das tun, wenn die Ultrarechten immer lauter ihre Stimme erheben?

Portnikov: Dass die Ultrarechten ihre Stimme erheben, bedeutet noch gar nichts. Entscheidend ist der Wille der europäischen Regierungen, verstehen Sie? Die PURL-Initiative spielte keine bedeutende Rolle für die Verteidigungsfähigkeit der ukrainischen Armee. Auch das ist wahr. Eine große Menge der Waffen, die die Vereinigten Staaten im Rahmen dieser Initiative liefern wollten, kam wegen des Ressourcenmangels in den Vereinigten Staaten nach dem Irankrieg nicht an. Aber das Wichtigste ist, dass es auch noch die Interessen des militärisch-industriellen Komplexes der Vereinigten Staaten gibt, der vor den Zwischenwahlen durch das Einfrieren dieser Initiative Einnahmen verlieren würde, denn für all diese Waffen wird bezahlt. Und ich bin nicht sicher, dass Trump tatsächlich so weit gehen wird. Aber wir werden sehen.

Frage: Erhöhen Trumps Handlungen das Risiko eines neuen Angriffs auf europäische Länder?

Portnikov: Natürlich bringen uns sämtliche Handlungen Trumps einem großen Krieg näher, weil Putin seine völlige Straflosigkeit spürt. Wenn Trump jetzt Anstrengungen unternimmt, um ihn zu schützen und nicht uns, warum sollte Putin dann glauben, dass es anders sein wird, wenn er beispielsweise die baltischen Staaten angreift? Warum sollte Trump nicht sagen, dass die baltischen Staaten selbst schuld seien, weil sie Russland provoziert und Angriffe auf dessen Erdölraffinerien unterstützt hätten, obwohl er, Trump, gesagt habe, dass man das nicht tun solle? Nun, dann sollen sie sich jetzt eben selbst verteidigen. Und sie unterstützen Trump nicht einmal. Zweifeln Sie nicht daran, dass Trumps Präsidentschaft weitere Kriege näherbringt. Zweifeln Sie nicht daran.

Frage: Kann Donald Trump persönlich entscheiden, dass wir keine Geheimdienstinformationen mehr erhalten? Oder hat er nicht das Recht, solche Entscheidungen allein zu treffen?

Portnikov: Präsident Trump hat das Recht, eigenständig beliebige Entscheidungen zu treffen. Und wie Sie sich erinnern, wurde bereits einmal entschieden, dass uns keine Geheimdienstinformationen mehr übermittelt werden, nach dem Skandal zwischen Trump und Zelensky im Oval Office. Das dauerte mehrere Wochen. Das heißt, diese Entscheidung wird nicht Trump selbst treffen. Er wird Hegseth einfach den Befehl geben, eine solche Entscheidung zu treffen, und der Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten ist vollkommen bereit, sämtliche Befehle Donald Trumps auszuführen. Also ja, das kann innerhalb von zehn Minuten geschehen. Es würde mich nicht einmal überraschen, wenn es noch heute geschieht. Und auch das ist ein wichtiger Punkt, über den wir sprechen müssen, wenn wir diese ganze schizophrene Situation erörtern. Das ist alles.

In diesen Minuten ist in der Straße von Hormus ein weiterer Supertanker auf eine iranische Mine gelaufen. Soviel zur vollständigen Minenräumung und Öffnung der Straße von Hormus. Nun, deshalb ist das Erdöl so teuer, verstehen Sie? Deshalb ist es so teuer, weil der eine Supertanker durchkommt und der andere auf eine Mine läuft und niemand weiß, was mit dem Erdöl geschieht. Und deshalb versichert die Versicherungsgesellschaft, die diesen Supertanker versichert, ihn gegen den Fall einer Minenexplosion. Können Sie sich diese Summen vorstellen? Dieses Erdöl wird bald so teuer wie Gold sein. Auch das ist ein sehr wichtiger Punkt, über den man sprechen muss. Das verstehen wir also alles sehr gut.

Gleichzeitig verstehen wir, dass Russland seine Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur fortsetzt. Wir sehen, was in Kyiv geschieht, wo derzeit nach Schätzungen 70 Prozent der Einwohner der ukrainischen Hauptstadt ohne Wasser sind, buchstäblich schon seit zehn Stunden, und manche Stadtteile seit dem Morgen kein Wasser haben. Und jetzt melden Monitoringkanäle, dass die Ursache ein Angriff einer Shahed-Drohne auf eine Stromleitung war, die gerade mit dieser Versorgung zusammenhing. Ich denke, dass all das natürlich wiederhergestellt werden wird, aber auch das zeigt das Ausmaß der Bedrohungen. Wenn wir bei diesem Ausmaß der Bedrohungen auch noch die Hände in den Schoß legen und sagen: „Ach, ach, Hauptsache, wir rühren Russland nicht an“, dann werden wir einfach zugrunde gehen. Einfach zugrunde gehen. Was soll man dazu noch sagen? Das scheint mir eine vollkommen offensichtliche Sache zu sein.

Aber ich denke, dass wir auf diese Schizophrenie noch zurückkommen müssen. Ich sage Ihnen jedes Mal, in jeder Sendung: „Warten Sie auf noch erschütterndere Nachrichten, denn wir erleben die wirkliche Agonie der Rechtspopulisten der Vereinigten Staaten, Trumps und seines Umfelds. Vielleicht sogar nur Trumps. Vielleicht gibt es in seinem Umfeld Menschen, die nüchterner denken, aber gezwungen sind, sich dem Zustand eines Menschen anzupassen, der erstens verzweifelt ist und zweitens in einem Zustand, in dem er den Atlantischen Ozean Trump–Ozean nennen will.“ So etwas haben wir zuletzt zu Zeiten Neros gesehen. Können Sie sich vorstellen, was für ein Glück wir haben? Wie viel Zeit ist seit Nero vergangen, Jahrtausende, und jetzt sehen wir wieder Nero, nur in einer neuen Toga, in einer neuen Welt. Ich versichere Ihnen, dass weder Ihre Kinder noch Ihre Enkel, Ihre Urenkel oder Ihre Ururenkel so etwas erleben werden. So etwas geschieht einmal in tausend Jahren. Oder in anderthalbtausend oder zweitausend Jahren, niemand weiß, wann wir den nächsten Nero erwarten können. Vielleicht sollten wir uns also freuen, dass wir uns wenigstens eine solche Show ansehen können. Nur sollten wir dabei nicht getötet werden, und dieser Nero sollte sich nicht auch noch an den verschiedenen falschen Neros um ihn herum erfreuen, insbesondere in Moskau.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп погрожує Україні | Віталій Портников.12.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 12.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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